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Sternenschwester
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eBook157 Seiten2 Stunden

Sternenschwester

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Über dieses E-Book

Der seit vielen Jahrzehnten bekannte und beliebte Westernautor John F. Beck beschreitet mit STERNENSCHWESTER Neuland – und zwar präsentiert er eine Sammlung von Märchen aus der indianischen Welt. Dieses Buch enthält folgende Erzählungen:

Sternenschwester

Blauvogels Lied

Wolfbruder

Lerchensänger

Sturmstute

In jeder Geschichte werden Kultur und Mythologie eines anderen Indianervolkes erzählt. Die Sprache ist poetisch und eindringlich zugleich. Die Geschichten eignen sich in beiden Maßen für Alt und Jung – und sie enthalten viele mythische Elemente, die jede einzelne dieser Erzählungen zu einem ganz besonderen Juwel machen. John F. Beck hat mit STERNENSCHWESTER ein wunderbares Buch geschrieben, dessen Inhalt bei den Lesern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum16. Nov. 2019
ISBN9781386527541
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    Buchvorschau

    Sternenschwester - John F. Beck

    JOHN F. BECK

    Sternenschwester

    Indianische Märchen

    IMPRESSUM

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author/ Titelbild: Elina Zolotareva/123RF, 2018

    Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    DER SEIT VIELEN JAHRZEHNTEN bekannte und beliebte Westernautor John F. Beck beschreitet mit STERNENSCHWESTER Neuland – und zwar präsentiert er eine Sammlung von Märchen aus der indianischen Welt. Dieses Buch enthält folgende Erzählungen:

    Sternenschwester

    Blauvogels Lied

    Wolfbruder

    Lerchensänger

    Sturmstute

    In jeder Geschichte werden Kultur und Mythologie eines anderen Indianervolkes erzählt. Die Sprache ist poetisch und eindringlich zugleich. Die Geschichten eignen sich in beiden Maßen für Alt und Jung – und sie enthalten viele mythische Elemente, die jede einzelne dieser Erzählungen zu einem ganz besonderen Juwel machen. John F. Beck hat mit STERNENSCHWESTER ein wunderbares Buch geschrieben, dessen Inhalt bei den Lesern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    Sternenschwester

    IN JENEN TAGEN, ALS noch kein weißer Mann mit Feuerrohr und mit Fallen beladenem Packpferd durch das Land der Lakota zog, lebte am Großen Antilopenfluss eine alte, weise Frau, Flussfrau genannt. Die Kranken und Ratsuchenden aller Stämme in weitem Umkreis fanden Hilfe bei ihr. Denn sie kannte alle Kräuter und Wurzeln, Blüten und Blätter, die der Große Geist wachsen ließ, um Krankheiten und Verletzungen zu heilen oder zumindest zu lindem. Mehr noch: Sie kannte die Herzen und Gedanken der Menschen, ihren Kummer, ihre Nöte, aber auch ihre Listen und ihre Gier.

    Kein Krieger und keine Squaw gingen ohne Dank von ihr fort. Sie versorgten Flussfrau mit allem, was sie für ihr Leben weit weg von den Dörfern und Jagdlagem benötigte: Büffel- und Antilopenfleisch, Stein und Knochenwerkzeug, Decken und Felle, Brennholz und getrockneten Büffeldung für denselben Zweck.

    Flussfrau hauste in einer, in den mit Gras bewachsenen Hang gebauten Hütte ein Stück oberhalb des mit Pappeln und Weiden gesäumten Ufers. Ringsum dehnte sich baum- und strauchlose Prärie. Die Furt war nur einen Steinwurf entfernt. Kojoten und Antilopen kamen bei Tagesanbruch oder im Schein des Sonnenuntergangs hierher zur Tränke. Sie wussten genau, dass sie von Flussfrau nichts zu fürchten hatten. Nachts rief die Eule in den Pappelwipfeln. Am Tag zirpten die Grillen im sommergelben Gras. Sonst herrschte nur Stille, ausgenommen der Wind spielte übermütig im grün belaubten Zweigwerk oder Hufschlag kündete Besuch von weither an. Doch Flussfrau fühlte sich nicht einsam. Die Bäume, das Gras und der Fluss, die Sonne, der Mond und die Sterne, das waren ihre Freunde und Verwandten.

    Eines Tages kam ein junger, von Liebeskummer geplagter Hidatsa-Krieger am Fluss entlang, um von Flussfrau Rat zu erbitten. Sein Name war Pferd läuft im Wind. Als er seinen Schecken den sanft ansteigenden Hang hinauflenkte, wunderte er sich, dass aus der Öffnung im Erddach der Hütte kein Rauch stieg. Keine Bewegung zeigte sich im Eingang. Die Decke, die als Vorhang diente, war zur Seite gebunden, die Dämmerung dahinter für die an das grelle Sonnenlicht gewöhnten Augen des jungen Mannes undurchdringlich.

    Als er die Zügel straffte und das Stampfen der Hufe aussetzte, lag hitzegesättigtes Schweigen über dem Land. Die Sonne stand im Zenit. Kein Lufthauch ließ die dürren Halme des Büffelgrases knistern. Keine Grille zirpte.

    „Höre mich, Flussfrau! Hier ist Pferd läuft im Wind vom Wasserschlangen-Clan der Hidatsa, der deinen Rat sucht und dir Geschenke bringt."

    Die Stille war geisterhaft. In dem Erdbau rührte sich nichts. Auch nicht, als Pferd läuft im Wind sein Pony bis zum Eingang lenkte. Schließlich überwand er sich, saß ab und betrat den dämmrigen und kühlen Raum. Die Glut in der mit Steinen ummauerten Feuerstelle war längst erloschen. An den Stützpfählen hingen Felle, Gerätschaften und Kräuterbüschel.

    Es dauerte eine Weile, bis Pferd läuft im Wind die reglose Gestalt auf dem Felllager im Hintergrund sah. Schlohweißes Haar umrahmte Flussfraus faltenzerfurchtes Gesicht. Ihre Augen standen offen. Als der junge Hidatsa sich über sie beugte, sah er gläserne Starre in ihnen. Hastig sprach er eine Beschwörungsformel, lief hinaus und schwang sich auf den Schecken. Sein erster Impuls war, im Galopp davonzujagen. Dann besann er sich, stieg wieder ab und schleppte Steine vom Fluss herauf, mit denen er den Eingang der Erdhütte verschloss. Auf dem Querbalken darüber brachte er das Zeichen des Todes an, sodass von nun an Flussfraus Heim ihre Grabstätte war.

    Zwei Tage später lagerte eine Sippe der Wahpeton-Lakota auf dem Weg zu einem Stammestreffen an der Furt. Den meisten Mitgliedern war Flussfrau gut bekannt. Einige hatten selbst ihre Hilfe beansprucht, andere kannten Freunde und Verwandte, denen sie geholfen hatte. Betroffen standen sie vor der vermauerten Tür. Dann ehrten die Frauen sie einen ganzen Tag lang mit lauter Totenklage.

    Von nun an verbreitete sich die Nachricht von Flussfraus Tod mit der Schnelligkeit eines Präriefeuers von Stamm zu Stamm, von Dorf zu Dorf. Überall herrschte Trauer, überall erhob sich Wehklagen. Doch die Furt am Großen Antilopenfluss blieb seitdem verlassen. Der Platz, den Flussfrau zur Heimat erwählt hatte, verwaiste. Nur der eine oder andere Jäger kam vielleicht einmal auf der Spur eines Wildes in die Nähe der Furt. Dann konnte es geschehen, dass er Flussfraus Geist am Ufer Wasser schöpfen und eine gespenstische Rauchsäule aus der Erdhütte steigen sah.

    Aber es war nicht Flussfraus Geist, und es war der Rauch eines ganz gewöhnlichen Holz- oder Büffeldungfeuers. Denn Flussfrau lebte. Drei Tage und Nächte lag sie in todesähnlicher Starre auf ihrem Fellbett, von einer geheimnisvollen Krankheit niedergestreckt. Drei Tage benötigte sie dann, geschwächt wie sie war, um die mit Erde und Lehm verdichtete Steinmauer vor ihrer höhlenartigen Behausung abzutragen. Ein paar Tage mehr reichten ihre Wasser- und Lebensmittelvorräte. Dann war sie genesen, und an ihrer aufrechten Haltung und dem wachen Glanz ihrer Augen hatte sich nichts geändert.

    Aber zum ersten Mal, obwohl sie die Sommer und Winter, die sie erlebt hatte, schon längst nicht mehr zählte, fühlte sie sich alt und schwach. Das Wasserholen am Fluss, das Kräuter-, Beeren- und Wurzelnsammeln erschöpfte sie in immer kürzeren Abständen. Und niemand mehr sorgte dafür, dass sie genug Brennholz für ihr Kochfeuer besaß. Das Land ringsum blieb menschenleer. In den Tipis der Lakota und Cheyenne, der Blackfeet und Chippewa erzählte man von Flussfrau wie von jemand, der vor langer Zeit gelebt hatte.

    EINES NACHTS WACHTE Flussfrau auf. Ein Lied, das sie im Traum vernommen, klang noch deutlich in ihren Ohren. Oder war es gar kein Traum gewesen? Eine klare, helle Stimme drang leise zu ihr. Es war eine nie gehörte wunderbare Melodie. Flussfrau verstand die Worte nicht, aber sie spürte, dass sie von Trauer und Einsamkeit sprachen. Als sie sich aufsetzte und dabei die Decken ein wenig raschelten, verstummte der Gesang sofort. So lange Flussfrau auch lauschte, sie hörte nur mehr den klagenden Ruf der Eule in den Pappeln am Fluss und in weiter Feme heulte ein Kojote.

    Am Morgen fand die alte Frau vorm Eingang ein Bündel Reisig und in einem aus Schilf geflochtenen Beutel etliche Vogeleier. Niemand war zu sehen, und obwohl Flussfrau sich wie ein erfahrener Krieger aufs Spurenlesen verstand, konnte sie trotz allem Suchen keinen fremden Mokassinabdruck in der Nähe ihrer Behausung entdecken.

    „Ich danke dir, Fremdling", rief sie laut. In ihrem Herzen war Freude.

    In der kommenden Nacht wurde Flussfrau wieder von dem wundersamen Gesang geweckt. So rasch, wie es ihre alt und steif gewordenen Glieder erlaubten, erhob sie sich und eilte zur Tür. Der Mond beschien den grasbewachsenen Hang, der Fluss glänzte silbrig zwischen den Bäumen, doch nirgends war auch nur die geringste Bewegung zu erkennen. Vor Flussfraus Füßen aber lag ein in einer Schlinge gefangener Präriehase.

    „Ich danke dir, fremder Helfer", rief sie diesmal. Und die Freude in ihrem Herzen durchpulste sie mit Wärme.

    In der dritten Nacht schlief Flussfrau nicht. Kaum erklang wieder der zarte und traurige Gesang, da war sie schon bei der Tür und lupfte den schweren Büffelhautvorhang. In einem ausgehöhlten Wildkürbis blinkte das frisch vom Fluss geschöpfte Nass. Daneben lag ein Häufchen Brombeeren, die viele Meilen weiter oben am Fluss wuchsen, zu weit für Flussfraus alte Füße. Die Nacht war still, der Himmel sternenübersät. Nichts regte sich. Flussfrau trat ins Freie.

    „Ich danke dir, fremder Freund. Wer du auch sein magst, du bist mir willkommen."

    Da erklang über ihr ein schluchzender Laut. Flussfrau wandte sich um und blickte nach oben. Auf dem mit Gras und Kräutern bewachsenen Hüttendach kauerte ein merkwürdiges Wesen, nicht Mensch noch Tier. Es war das hässlichste Geschöpf, das Flussfrau je zu Gesicht bekommen hatte. Es besaß einen unförmigen Schuppenleib mit einem Echsenschwanz. Die Gliedmaßen waren menschenähnlich, aber auffällig gekrümmt. Der Kopf war rund, das Gesicht platt, der Mund jedoch weich geschwungen und mädchenhaft. Und die Augen waren schöner als die Sterne im Hintergrund, die die schrecklich aussehende Gestalt wie ein Strahlenkranz umgaben: Voll von einem warmen goldfarbenen Glanz.

    „Wer bist du?", fragte Flussfrau.

    „Ich weiß es nicht." Kein Mädchen, keine Frau hatte je mit so wohltönender Stimme gesprochen.

    „Wie heißt du?"

    „Ich habe keinen Namen."

    „Woher kommst du?"

    „Von überallher wo es keine Menschen gibt. Sie fürchten und verfolgen mich."

    „Hier bist du sicher. Steig herab. In meiner Hütte ist Platz für uns beide."

    „Noch nie hat mich jemand willkommen geheißen."

    „Ich bin alt und schwach, sagte Flussfrau lächelnd. „Und eigennützig. Ich kann deine Hilfe sehr wohl gebrauchen. Du schuldest mir also keinen Dank. Eher ich dir.

    Das Wesen auf dem Dach zögerte noch. „Wirst du denn meinen Anblick Tag für Tag, Monat für Monat ertragen?"

    „Du redest Unsinn, lachte Flussfrau. „Alles, was ich fürchte, ist, dass ich deinen Gesang nicht mehr missen kann. Ich werde dich Sternenschwester nennen. Denn schau, die Sterne bilden einen Reigen um dich, als gehörtest du zu ihnen.

    Da erhob Sternenschwester ihre Stimme zu einem Lied, in dem keine Trauer und Einsamkeit mehr waren, nur Jubel, sodass Flussfraus Herz vor Glück erzitterte. Von nun an lebten sie wie Mutter und Tochter in der Erdhütte am Großen Antilopenfluss. Flussfrau lehrte Sternenschwester alles, was der Große Geist ihr an Wissen über die Heilkräfte der Kräuter und Wurzeln, der Blüten und Blätter geschenkt hatte.

    Sternenschwester erwies sich trotz ihrer plumpen Gestalt als geschickte Jägerin und Sammlerin. Keine Arbeit war ihr zu schwer, kein Weg zu weit, um für all das zu sorgen, was

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