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Krimi Koffer 2018 - Eine Leiche im Gepäck und andere Krimis

Krimi Koffer 2018 - Eine Leiche im Gepäck und andere Krimis

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Krimi Koffer 2018 - Eine Leiche im Gepäck und andere Krimis

Länge:
1,701 Seiten
19 Stunden
Freigegeben:
Jun 12, 2019
ISBN:
9781386248149
Format:
Buch

Beschreibung

Strand Krimi Koffer 2018:

von Alfred Bekker, A. F. Morland, Wolf G. Rahn & Uwe Erichsen & Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1300 Taschenbuchseiten.

Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Mal provinziell, mal urban. Und immer anders, als man zuerst denkt. 

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker & Marten Munsonius: Die toten Augen von Schmilka

Wolf G. Rahn: Eine Leiche im Gepäck

Uwe Erichsen: Das Leben einer Katze

Alfred Bekker: Der Satansbraten

A. F. Morland: Als Köder eine Leiche

Alfred Bekker: Die programmierten Todesboten

A. F. Morland: Sue unter Mordverdacht

Alfred Bekker: Der Hacker

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

A.F. Morland: Spezialist für krumme Touren

A.F. Morland: Hochsaison im Mordgeschäft

Wolf G. Rahn: Der Hunderttausend-Dollar-Job

Wolf G. Rahn: Bount Reiniger stellt eine Falle

Freigegeben:
Jun 12, 2019
ISBN:
9781386248149
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Krimi Koffer 2018 - Eine Leiche im Gepäck und andere Krimis - Alfred Bekker

Strand Krimi Koffer 2018:

von Alfred Bekker, A. F. Morland, Wolf G. Rahn & Uwe Erichsen & Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht  1300 Taschenbuchseiten.

Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Mal provinziell, mal urban. Und immer anders, als man zuerst denkt. 

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker & Marten Munsonius: Die toten Augen von Schmilka

Wolf G. Rahn: Eine Leiche im Gepäck

Uwe Erichsen: Das Leben einer Katze

Alfred Bekker: Der Satansbraten

A. F. Morland: Als Köder eine Leiche

Alfred Bekker: Die programmierten Todesboten

A. F. Morland: Sue unter Mordverdacht

Alfred Bekker: Der Hacker

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

A.F. Morland: Spezialist für krumme Touren

A.F. Morland: Hochsaison im Mordgeschäft

Wolf G. Rahn: Der Hunderttausend-Dollar-Job

Wolf G. Rahn: Bount Reiniger stellt eine Falle

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors / Cover: Fritz Tenkrat

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Alfred Bekker & Marten Munsonius

Die toten Augen von Schmilka

Der Himmel ist ein Ozean aus weiß und blau. In diesem Juli ist es besonders warm. Auf den Wanderwegen steht die Luft wie gefangen zwischen den alten Felsen und den waldreichen romantischen Schluchten. Nicht einmal die Insekten haben die Kraft die heiße Luft mit ihren Geräuschen zu erfüllen. In der Ferne kommt über die Anhöhe eine einsame Gestalt. Von der anderen Seite aus dem Tal kommt ein zweiter Wanderer, gefolgt von einer versprengten Gruppe weiterer Touristen. Sie gehen langsam aufeinander zu.

Eine Frau in den besten Jahren bist du, hat jemand mal zu mir gesagt. Aber das stimmt nicht. Die besten Jahre sind längst vorbei. Eine schwache Erinnerung. Schatten. Ein süßlicher Geruch, der die ganze Wohnung erfüllt. Und Fliegen. Es war alles mal ganz anders...

ES IST TRAURIG.

Keiner von ihnen ist geblieben, dabei bin ich eine gute Gastgeberin.

Sie erschrecken schon, wenn sie das Haus betreten.

Ja, es ist ein sehr altes Fachwerkhaus, das etwas erhöht abseits der Hauptstraße steht. Ich habe es vor vielen Jahren geerbt und leider kein Geld es aufwändig zu restaurieren. Nach der Wende kam ziemlich rasch die Schließung unseres Kombinats und dann starb meine Mutter, zu der ich in den letzten Jahren wenig Kontakt gehabt hatte, überraschend nach einem unglücklichen Sturz, und ich übersiedelte von Dresden zurück in meinen Geburtsort Schmilka.

Das Holz an den Wänden ist nachgedunkelt, die Möbel sind alt und in einigen Schränken ist der Holzwurm.

Weshalb beklagen sie sich alle über einen bestimmten Geruch, von dem sie nicht sagen können, wodurch er verursacht wird und von dem sie nicht wissen, woher er kommt? In diesem Haus in der Nähe der Schmilkaer Mühle lebten Generationen, ein angrenzender Stall wurde später ein erweiterter Teil des Wohnzimmers.

„Vielleicht daher dieser Geruch", sage ich.

„Echt?"

„Ja."

„Glaube ich nicht."

Mein Zureden hilft nicht viel. Er will nicht bleiben um mit mir zu reden.

Ich weiß nicht warum.

Ist es zuviel, was ich da verlange? Das kann ich mir nicht vorstellen. Nur reden... Und doch, es ist immer dasselbe. Sie wollen nicht bleiben. Ich versuche, sie ein wenig auf andere Gedanken zu bringen, wenn ich von den Vorzügen Bad Schandaus erzähle, dem wunderbaren Kneippkurort mit seinen uralten Kirchen, den romantischen Museen und einem traditionellen Marktplatz.

Ich kann von Glück sagen, wenn sie sich wenigstens mit mir an den gedeckten Tisch setzen.

ICH ZÜNDE DIE KERZEN an. Eine nach der anderen, bis sie den Raum in ein warmes, weiches Licht tauchen, denn in den alten Häusern sind die Fenster nicht groß und auch bei Tag fällt nicht immer genügend Licht in die Stube.

Der Flackerschein der Kerzen fällt auf seine ebenmäßigen Züge und taucht sie in ein diffuses Licht. Sein Gesicht wirkt weicher, als es in Wirklichkeit ist. Seine Augen sind so wässrig blau, dass ich darin zu versinken drohe. Er hat schwarze Haare, und sein Kinn ist mit einem leichten Bartflaum bedeckt. Er erinnert mich an Matschek – damals. Unseren Vorarbeiter im Kombinat. Ein kräftiger Mann, nicht mehr ganz jung, aber einer, der mir zuhörte. Und – dem ich zuhörte. Ich hing an seinen Lippen, wenn er von der goldenen Freiheit im Westen sprach, leise nur, denn man wusste nicht genau, wer vielleicht bei Horsch & Guck  beschäftigt war. Das konnte sehr ungemütlich enden.

Matschek, er versprach mir die Freiheit, er versprach mir ein Leben in Saus und Braus, und er mochte meine Brüste.

Ich hätte es ahnen müssen. Es kam, wie es kommen musste. Am 10. November 1989 war Matschek zusammen mit einigen Kollegen nicht zur Arbeit erschienen, sondern mit den Trabbi nach Berlin, hieß es. Er kam nie wieder, und die Fabrik ist heute geschlossen.

Abgewickelt.

Arbeitslos.

Der Begriff erschreckte mich.

Ich wartete.

Nahm kurzfristige Jobs an und hoffte, dass Matschek eines Tages der Prinz war auf einem weißen Pferd, der mich aus meinen Dornröschenschlaf wach küsste. Ich kellnerte zuletzt in den neuen Kneipen im Schatten von Frauenkirche und Kreuzkirche in der Weißen Gasse. Die von Drüben kamen wussten nicht was Broiler sind, und ich wollte schließlich nur noch weg von dem ganzen Zirkus. Es kommt mir vor, als wäre es bereits fernste Vergangenheit, als ich den Brief öffne, ein amtliches Schreiben. Es ging um den Tod meiner Mutter und um eine Testamentseröffnung.

Ich stand auf einer der Elbbrücken – keine Träne in den Augen – und sah hinüber zu der Ruine der Frauenkirche. Der Wiederaufbau war voll im Gange.

Aufbruch.

Ich würde zurückkehren in meinen Geburtsort.

Ohne Matschek.

Alles hinter mir lassen.

Matschek! Ich merkte nicht, wie ich den Brief wütend zerknüllte.

ICH KONNTE IHN NICHT gehen lassen.

Ich konnte einfach nicht. Nicht schon wieder.

SIE WOLLEN WIRKLICH schon gehen?

Sein Gesicht wirkt verlegen.

Ja.

Aber...

„Es ist schon spät."

„Finde ich nicht."

Ein verlegenes Lächeln. Schweißtropfen auf der Stirn.

Ich muss mich auf den Weg machen. Verstehen Sie mich doch, es ist höchste Zeit...

NOCH EINMAL VERSUCHE ich, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, seine aufkommenden Zweifel zu zerstreuen.

„Wir könnten morgen einen Ausflug ins Sandsteingebirge unternehmen."

Er holt tief Luft. Ehe er etwas sagen kann, erzähle ich schnell weiter.

„Der Malerweg! Wir könnten auf den Spuren Casper David Friedrichs wandeln, die majestätischen Tafelberge haben ihn zu einigen seiner schönsten Landschaftsbilder inspiriert. Oder Richard Wagners Lohengrin ist untrennbar mit der Sächsischen Schweiz verbunden... Er starrte mit ausdruckslosen Augen durch mich hindurch, als habe er mir gar nicht zugehört. Sehen sie, ich habe den Tisch gedeckt!" Ich breite meine Hände in einer großzügigen Geste weit aus.

Hören Sie, ich will Sie nicht kränken, aber...

Aber?

Ich weiß nicht, ob es richtig war, Ihre Einladung anzunehmen... Was ich sagen will ist...

Bitte, Sie können mir das nicht antun! Ich habe für Sie gekocht!

Das ist sehr nett, aber -

Alles ist vorbereitet...

Er runzelt genau in diesem Moment die Stirn.

Vorbereitet?

Viele von ihnen haben genau in diesem Moment die Stirn gerunzelt.

Ich kann es unmöglich erklären, aber es ist so.

Ich habe kein gutes Gefühl.

Es gibt Lachs in Kräuterbutter. Dazu einen guten Wein. Es wird Ihnen schmecken...

Ich habe etwas Schlimmes getan.

Na ja, das haben die meisten Menschen in ihrem Leben vielleicht irgendwann schon mal getan. Aber das, was ich hier tat, ist von besonderer Scheußlichkeit. Ich weiß es, aber ich kann es nicht ändern.

Ich empfinde auch keine Schuld.

Es ist so gekommen.

Geschehen und vorbei.

Reden wir lieber über etwas anderes.

Ich sehe ihm in die Augen, diese leuchtend blauen Augen, die mich eigentlich ganz friedlich anblicken.

Er sitzt mir gegenüber, mit diesen Augen, mit seinem schmalen und energisch wirkenden Mund, mit dem feingeschnittenen Gesicht, das mich ein wenig an Matschek erinnert. Sein Mund lächelt nicht mehr. Er ist vielmehr unbeweglich, etwas starr, ich weiß auch nicht.

Ich hebe mein Glas und proste ihm zu.

Er schweigt.

Ich rede mit ihm. Oder besser: Ich erzähle ihm alles Mögliche. Über mich. Über meine Ansichten. Über die Erhabenheit des Elbsandsteingebirges, über die Stille abseits der bekannten Wanderwege, von dem Meer, das es vor mehr als einhundert Millionen Jahren gewesen sein mag, spanne ich den Bogen zu Gott und der Welt.

Nein, vielleicht doch nichts über Gott. Was ich damit sagen will ist Folgendes: Gott hat in dieser Geschichte eigentlich nichts verloren.

Ich sollte ihn aus dem Spiel lassen.

Um seinetwillen.

Mein Mund produziert Worte. Eins nach dem anderen, ohne Unterlass. Ganze Absätze. Einen kleinen Roman. Eigentlich bin ich sonst ein schweigsamer Mensch, vielleicht sogar schüchtern. Wie gesagt, ich lebe zurückgezogen mit meinen drei Katzen. Das Haus, in dem ich wohne, steht etwas einsam, nicht weit von dem Quellbach entfernt, der in die Elbe mündet.

Ich habe es für mich allein und das ist gut so.

OFT BIN ICH OBEN BEI den felsigen Tafelbergen, umgeben von romantisch versponnenen Wäldern.

Die zerklüfteten Felsmassive laden zum klettern ein. Es herrscht ein starker Wind dort. Und erst die herrlichen Wanderwege, vorbei an Wasserfällen und Felsentore...Man trifft Leute dort. Touristen. Manchmal komme ich mit ihnen ins Gespräch und lade jemanden zu mir nach Hause ein.

Zum Essen.

Die meisten wollen nicht, aber bei einigen gelingt es mir.

Kein Mensch kann immer allein sein. Kein Mensch. Auch ich nicht.

EIN TAG VERGEHT. UND ein weiterer.

Ich lasse ihn am Tisch sitzen. Er blickt mich starr an, wenn wir uns unterhalten. Er wollte sich in das älteste Haus am Ort ein Urlaubsquartier buchen, der Mühle, die jetzt ein Ferienhaus ist. Ob er wohl gewusst hat, dass es das erste Gebäude im Ort war? 1655 – eine lange Zeit. Aber wir müssen alle manchmal etwas warten. Auch länger. Er hat jetzt viel Zeit.

ODER HÄTTE ICH IHN doch gehen lassen sollen?

Vielleicht.

Ich konnte es einfach nicht.

Es war mir unmöglich.

Ich brauchte ihn. Ich brauche Matschek.

Und ich hoffe nur, dass ich ihm nicht allzu sehr wehgetan habe. Jedenfalls hat er nicht geschrieen. Er war wohl sofort tot. Ganz bestimmt war er das. Und er würde nun bleiben. Mir zuhören. Mich nicht noch einmal einfach verlassen.

AM VIERTEN ODER FÜNFTEN Tag nahm ich ihn mit großer Anstrengung mit hinüber und setzte ihn in einen der alten Ohrensessel, die bei mir im Wohnzimmer stehen. Wir saßen jetzt beieinander. Es war schön.

Jedenfalls besser, als wenn man alleine dasitzt.

VON TAG ZU TAG GAB es mehr Fliegen im Haus und mir war klar, woher das kam.

Ich betrachtete wehmütig sein Gesicht. Es schien Matschek immer weniger ähnlich zu sehen.

Schade, aber ich würde mich von ihm verabschieden müssen.

Ich schob es noch ein paar Tage vor mir her. Schließlich hatte ich mich an seine Gesellschaft gewöhnt. Er hörte mir wie früher zu. Manchmal erlaubte ich seiner Hand meine Brüste zu liebkosen. Wie früher.

Aber dann wollte er meine Brustwarze nicht loslassen, seine kalten und trockenen Finger hielten sie fest umklammert.

So blieb er wenigstens bei mir. Ich spürte es.

UND - DENNOCH, DAS Ende war unvermeidlich.

Ich löste ein paar Fußbodenbretter, unter denen ich eine Art Grube angelegt hatte und legte ihn zu den anderen. Friedlich liegt er dort und wird mich niemals wieder verlassen.

Eine Leiche im Gepäck:  N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Wolf G. Rahn

Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.

Stede Rumsey befindet sich in einer schier ausweglosen Situation: Als er den schwarzen Cadillac stiehlt, hat er nicht damit gerechnet, im Kofferraum eine Leiche mit Einschusslöchern in der Brust zu finden. Er ist ein kleiner Autoknacker, aber mit Mord hat er noch nie etwas zu tun gehabt. Bei seinem Pech ist damit zu rechnen, dass die Polizei ihm auf die Schliche kommt. Deshalb wendet sich der Ganove an den Privatdetektiv Bount Reiniger, dem er vertraut, auch wenn dieser ihn schon einmal wegen Autodiebstahls in den Knast gebracht hatte. Der Detektiv ist der Einzige, der ihn vor einer Mordanklage bewahren könnte - vorausgesetzt er findet den wahren Täter ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Hauptpersonen des Romans:

Stede Rumsey - Ein Superschlitten sticht ihm in die Augen. Doch schon bald wünscht er sich, ihn nie angerührt zu haben.

Strode, Delmer und Brooks - Die Gangster sind nicht gewillt, sich ihre Beute stehlen zu lassen. Sie schlagen zurück.

Smith - Er glaubt, auf die Schnelle absahnen zu können. Das geht ins Auge, und zwar in seins.

Mary Flippen - Sie weiß, dass ihr Mann sie betrügt. Doch die Gefahr nähert sich von einer ganz anderen Seite.

June March – unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

1

Stede Rumsey war alles andere als zufrieden. In seinem Leben hatte es zwar schon miese und sehr miese Tage gegeben. Doch dieser hier gehörte ohne Frage zu den allermiesesten.

Er brauchte unbedingt Kohle. Die Miete war er seit zwei Monaten schon schuldig. Die Haare schnitt er sich selbst, und sein Speisezettel bot die Abwechslung eines Zuchthausfraßes.

Stede schüttelte sich. An den Knast wollte er lieber nicht denken. Die achtzehn Monate gehörten zu seinen unerfreulichsten Erinnerungen.

Damals hatte er auch unbedingt Knete gebraucht. Eine Situation wie jetzt. Es war ganz einfach gefährlich, unter finanziellem Druck arbeiten zu müssen.

Der Ganove blieb unter einer Straßenlaterne stehen und zündete sich ungeschickt eine Zigarette an.

Der flackernde Lichtschein des Zündholzes fiel auf das magere Gesicht mit den etwas hervorstehenden Augen und der leicht gekrümmten Nase.

Sein Blick blieb an einem Ford Mustang hängen, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite geparkt war. Ganz verlassen und traurig stand der Wagen da.

War es nicht Stede Rumseys Pflicht, sich dieses bedauernswerten, einsamen Fahrzeugs anzunehmen?

Stede Rumsey warf einen Blick über seine Schulter. Nein, es kam niemand. Das hier war eine recht ausgestorbene Gegend.

Er setzte sich in Bewegung und überquerte die Fahrbahn.

Als er nur noch fünf Schritte von dem Ford entfernt war, öffnete sich die Tür des Hauses, vor dem der Wagen stand. Ein Pärchen trat scherzend heraus und hielt auf den Ford zu.

Verflucht! Es war wirklich ein mieser Tag. Heute ging alles schief. Das war nun schon der sechste Versuch, der missglückt war. Vielleicht sollte er doch besser umsatteln und in Zukunft gebrechlichen Rentnerinnen die Handtaschen klauen. Dazu war er wohl hoffentlich noch in der Lage.

Stede Rumsey schwenkte geschickt ab und bog um die Ecke, während hinter ihm der Motor des Ford Mustang angelassen wurde und der Wagen sich entfernte.

Die Augen des Autoknackers schienen plötzlich noch etwas weiter hervorzutreten, als er die schwarze Limousine in der Hauseinfahrt entdeckte. Ein Cadillac Seville. Ein Traumwagen mit allen Schikanen. So einen Schlitten wurde er reißend los.

Schon von Weitem sah er, dass die Tür auf der Fahrerseite nicht ganz geschlossen war. Der Besitzer würde gleich zurückkommen. Wahrscheinlich hatte er nur etwas im Haus vergessen.

Stede Rumsey überlegte nicht lange. Vielleicht war dieser Tag doch nicht ganz so schlecht.

Er sprintete los, umrundete den Wagen und warf sich auf die atemberaubend weichen Polster.

Er wollte schon den Draht aus der Tasche nehmen, den er zum Kurzschließen von Zündungen stets bei sich trug, als er den Schlüssel entdeckte.

Das war ja zu schön, um wahr zu sein. Ein Geschenk des Himmels. Leichter ging es wirklich nicht mehr.

Der Motor war beim Anlassen kaum zu hören. Lautlos glitt der Caddy auf die Straße und gehorchte dem Autodieb, der ihn in weitem Bogen nach links zwang.

Einen solchen Wagen zu fahren war ein Genuss. Stede Rumsey hätte ihn liebend gerne für sich behalten. Wenigstens ein paar Wochen.

Doch das ging nicht. Erstens würde ein Kerl wie er in einer solchen Luxuskarosse schon nach einer Stunde auffallen und das Misstrauen der Bullen auf sich ziehen. Und zweitens brauchte er das Geld nötiger als eine Karre, die dazu noch einen unverschämten Durst entwickelte.

Dass sich die Außenspiegel mühelos von innen einstellen ließen, verstand sich von selbst. Stede Rumsey erledigte diese Handgriffe und zuckte im gleichen Moment zusammen.

Eine dunkelblaue Limousine schoss hinter ihm aus einer Seitenstraße heraus und nahm mit quietschenden Reifen Kurs auf ihn.

Die Bullen! Das hätte er sich ja denken können. An einem solchen Tag fasste man am besten erst gar nichts an. Nicht einmal einen Cadillac Seville.

Aber noch gab sich Stede Rumsey nicht geschlagen. Seine Verfolger waren ihm unterlegen, was ihren fahrbaren Untersatz anging.

Er gab Gas, und der Caddy ging wie eine Rakete los. Nur wesentlich leiser.

Seine Verfolger blieben dran. Jetzt waren die letzten Zweifel beseitigt. Sie meinten ihn.

Stede Rumsey presste die Lippen zusammen.

Also gut, Freunde! Wollen doch mal sehen, ob ihr’s mit einem Caddy und mir aufnehmen könnt. Hoffentlich habt ihr bei den Schleuderkursen in euren Schulungen ordentlich aufgepasst. Sonst klebt ihr nämlich gleich am nächsten Baum.

Es war eine Freude, wie der Schlitten auf jeden noch so behutsamen Pedaldruck reagierte.

Stede Rumsey hatte den Stadtplan der Riesenstadt New York im Kopf. Das war seine Stärke. Er kannte sich in den stillen Außenbezirken genauso gut aus wie im dichtesten Gewühl von Manhattan.

Er hielt es für besser, jetzt in der Menge unterzutauchen. Um diese Zeit endeten die Theatervorstellungen am Broadway. Auf den Parkplätzen und in den Parkhäusern fiel in dieser Gegend ein Caddy weniger auf als in der biederen Wohngegend von Queens.

Der Ganove riss das Lenkrad herum und stieg gleichzeitig auf die Bremse.

Der Cadillac brach hinten aus, ließ sich aber willig in die neue Richtung zwingen. Fast ohne Tempoverlust jagte er weiter.

Hinter ihm kreischte es. Die Bullen hatten wesentlich mehr Mühe, ihm dieses Manöver nachzumachen. Sie schafften es zwar auch, aber sie verloren fast hundert Meter dabei.

Jetzt hatte er Zeit genug, um zwei Straßenecken zu biegen und damit seine Verfolger an der Nase herumzuführen. Sie rechneten bestimmt nicht damit, dass er wieder zurückfuhr. Ein alter Trick.

Mist! Den hatten sie anscheinend doch gekannt. Der dunkelblaue Chevy tauchte jetzt seitlich von ihm auf. Mit diesem Manöver hatte sich Stede Rumsey selbst in den Hintern getreten.

Unweit von ihm blitzte es auf. Etwas knallte hinten gegen den Kofferraum.

Jetzt wurde es ernst. Die Halunken machten von der Schusswaffe Gebrauch.

Der Gauner biss die Zähne zusammen. Es war ungewöhnlich, auf einen kleinen Autodieb gleich zu schießen. Wahrscheinlich glaubten sie, einer organisierten Autoknackerbande auf der Spur zu sein. Die Konkurrenz betrieb dieses Geschäft ja im großen Stil.

Sie stellten das Feuer nicht ein, aber inzwischen hatte Rumsey den Abstand wieder vergrößert, sodass ihn sämtliche Kugeln verfehlten.

Er ärgerte sich. Der Einschuss machte ihm zusätzliche Arbeit.

Aber vielleicht übernahm Brady den Schlitten so, wie er war, und führte die Reparatur und die neue Lackierung selbst aus. Allerdings würde das den Preis erheblich drücken.

Doch darüber konnte er sich später Gedanken machen. Vorläufig war noch gar nicht sicher, dass er die Beute auch behalten durfte. Seine Anhängsel waren mächtig hartnäckig.

Er peitschte den Cadillac kreuz und quer durch Long Island City. Erst als er den Chevrolet nicht mehr sah, schoss er auf die Zufahrt zur Queensboro Bridge zu und setzte nach Manhattan über.

Auch hier war er sich noch nicht sicher, dass er es geschafft hatte. Er raste nach Norden, durchquerte den Central Park und sauste an der West Side wieder zurück.

Die ganze Zeit war von der Polizei nichts zu sehen, und auch andere Streifenwagen kümmerten sich nicht um ihn.

Da endlich wurde Stede Rumsey ruhiger, und er begann sich über den gelungenen Coup zu freuen.

Er brauchte jetzt unbedingt einen Drink. Nur einen ganz kleinen, denn er wollte die Übersicht nicht verlieren.

Er stellte den Caddy in ein Parkhaus in der 58sten Straße und schloss ihn gewissenhaft ab.

Beim Vorbeigehen stellte er erleichtert fest, dass die Kugel nicht den Lack beschädigt, sondern lediglich eine Zierleiste ein wenig platt gedrückt hatte. Das war nicht der Rede wert.

Gut gelaunt fuhr er mit dem Lift hinunter und trat ins Freie.

Auf den ersten Blick entdeckte er den „Bird of Paradise" mit seiner grellen Lichtreklame.

In solche nicht gerade billigen Schuppen hatte er seine Nase schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesteckt. Heute konnte er sich das leisten. Der Caddy würde ihm mindestens fünf Riesen bringen.

Stede Rumsey überprüfte seine Barschaft, bevor er das Nachtlokal betrat. Sechzehn Dollar und dreißig Cent. Das reichte für einen Drink oder auch zwei.

Er gab sich einen Ruck und öffnete die Tür.

Als er den Mann am Ecktisch erkannte, der genau in seine Richtung blickte, erschrak er heftig. Ausgerechnet!

Am liebsten wäre er rückwärts wieder auf die Straße gerannt, doch damit wäre er erst recht aufgefallen.

Also gab er sich Mühe, ein möglichst unbefangenes Grinsen zu zeigen. Er wusste aber schon im Voraus, dass er damit bei diesem gerissenen Fuchs nicht durchkommen würde.

2

Bount Reiniger war nicht blind. Auch wenn er im Verlauf dieses Abends bereits vier Whisky genossen hatte, trübte das seinen Blick nicht. Und seine Menschenkenntnis litt erst recht nicht darunter.

„Entschuldige mich einen Moment, sagte er zu dem Mann an seinem Tisch. „Ich möchte einen alten Bekannten begrüßen. Er könnte mich sonst für unhöflich halten.

Er erhob sich und ging auf den Burschen zu, der unschlüssig an der Tür stehen geblieben war.

„Suchen Sie noch einen Platz, Stede? Um diese Zeit ist es im 'Paradiesvogel' meistens gesteckt voll. Wenn Sie wollen, setzen Sie sich doch zu uns. Mr. Sharp werden Sie wahrscheinlich nicht mehr kennen. Er war schon im Ruhestand, bevor wir beide uns kennenlernten. Früher arbeitete er für das Raubdezernat. Wir haben uns zufällig getroffen."

Bount machte eine einladende Handbewegung, aber Stede Rumsey lehnte mit allen Zeichen deutlichen Entsetzens ab.

„Ich möchte wirklich nicht stören, Bount, versicherte er eifrig. „Außerdem, wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich in der Gesellschaft eines Polizisten noch immer nicht sonderlich wohl.

„Eines ehemaligen Polizisten, korrigierte der Privatdetektiv schmunzelnd. „Der tut Ihnen nichts mehr. Da brauchen Sie keine Angst zu haben.

„Ich habe keine Angst, brauste der Ganove auf. „Sehen Sie das Tischtuch hier, Bount? So sauber ist mein Gewissen.

Bount lachte und schob den Aschenbecher beiseite. Darunter kam ein bräunlicher Fleck von der Größe einer Dollarnote zum Vorschein.

„Hoffentlich haben Sie das nicht wörtlich gemeint, Stede, sagte er belustigt. „Womit verdecken Sie Ihren Fleck auf der weißen Weste?

„Na hören Sie mal! Ich bin kuriert. Die Sache damals hat mir gelangt. Wissen Sie, wie viel ich bekommen habe? Achtzehn Monate. Und die hatte ich Ihnen zu verdanken."

„Irrtum! Die hatten Sie einzig und allein sich selbst zu verdanken. Man fährt eben nicht mit Autos davon, die einem nicht gehören. Früher oder später geht das ins Auge und von da aus auf direktem Weg ins Gefängnis. Das können Sie unmöglich mir zum Vorwurf machen."

„Sie haben ja recht, Bount, lenkte Stede Rumsey ein. „Ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Jetzt kann mir niemand mehr etwas nachsagen. Sie nicht und Ihr Mr. Sharp auch nicht.

„Aber zu einem Drink darf ich Sie trotzdem einladen, lockte Bount. Er wurde das Gefühl nicht los, als hätte Stede Rumsey etwas auf dem Herzen und suchte nur einen Zuhörer, dem er sich anvertrauen konnte. „Der Whisky ist hier ausgezeichnet. Mich interessiert, wie Sie den Sprung in das ehrliche Leben geschafft haben. Es tut gut zu hören, dass jemand trotz aller Schwierigkeiten den richtigen Weg gefunden hat.

Stede Rumsey schwankte. Einen kostenlosen Whisky durfte er nicht einfach ausschlagen. Erstens schonte das seine Finanzen - schließlich hatte er die fünf Riesen ja noch nicht. Zweitens würde sich Bount Reiniger wundern, und wenn sich der zu wundern begann, wurde es gefährlich. Dann folgte die Neugier, und die führte ihn in neunundneunzig von hundert Fällen auf genau die Spur, die man eigentlich vor ihm geheim halten wollte. Ein hartnäckiger Bursche, dem man einfach nichts vormachen konnte.

„Da sage ich nicht nein, Bount, erklärte er mit erzwungener Freude. „Ich kann mich aber nicht revanchieren. So rosig geht es mir nun auch wieder nicht. Der Nachteil ehrlicher Arbeit ist der, dass man immer einen Dollar zu wenig hat.

Bount führte seinen Gast zum Tisch und stellte ihn dem ehemaligen Fahnder Sharp vor, ohne freilich etwas von seiner Vergangenheit zu erwähnen.

Sharp blickte auf die Uhr und seufzte.

„Schon so spät? Nehmt’s mir nicht übel, aber ich muss Feierabend machen. In meinem Alter kann man leider nicht mehr so, wie man gerne möchte. Ruf mich doch gelegentlich mal an, Bount. Meine Nummer hast du ja."

„Du meine auch, Jeff", erinnerte Bount und schüttelte dem knochigen Mann mit den Tränensäcken unter den Augen herzlich die Hand.

Jetzt wird er dich nach allen Regeln der Kunst ausquetschen, dachte Stede Rumsey. Und draußen steht der Caddy und wird möglicherweise von der Polizei entdeckt. Ich hätte doch besser auf den Drink verzichten sollen.

Bount bestellte zwei Doppelstöckige und wartete, bis der andere getrunken hatte. Dann wiederholte er die Bestellung.

„Ich nehme an, Sie reden nicht mehr gerne über die alten Zeiten, begann er schließlich. „Ich gebe zu, dass auch ich lieber mit Ihnen den Whisky genieße, als dass ich Ihnen eine Verfolgungsjagd liefere. Junge, Junge, fahren konnten Sie. Das musste man Ihnen lassen.

„Leider waren Sie noch etwas besser, Bount, bekannte der Ganove. „Deshalb haben Sie mich auch erwischt. Eigentlich müsste ich heute noch sauer auf Sie sein. Eineinhalb Jahre. Die sitzt so ein kleiner Fisch wie ich nicht auf einer Backe ab.

„Reden wir von Erfreulicherem, schlug Bount vor. „Was treiben Sie jetzt?

„Gelegenheitsjobs. Mal dies, mal das. Aber alles sauber. Vor Kurzem habe ich es mit ’nem Hamburger-Stand versucht. Doch ich kann nicht stundenlang auf einem Fleck rumstehen. Das macht mich ganz krank. Ich habe jetzt die Chance, einen Vertreterposten zu bekommen. Dann bin ich ständig auf Achse und kann meine alten Fähigkeiten wenigstens nutzbringend verwerten."

Diese Story war vom ersten bis zum letzten Buchstaben frei erfunden. Aber Bount Reiniger sollte ihm erst einmal das Gegenteil beweisen.

Bount nickte wohlwollend.

„Ich wünsche Ihnen, dass es klappt, Stede. Wenn sich irgendwelche Probleme einstellen sollten, rufen Sie mich einfach an. Ich werde dann versuchen, etwas für Sie zu tun. In gewisser Weise fühle ich mich für Sie verantwortlich."

„Das ist riesig nett, Bount. Aber es ist wirklich nicht nötig. Bei mir ist alles in Ordnung."

„Sind Sie ganz sicher, Stede?"

Den Autoknacker traf ein forschender Blick, den er noch allzu gut in Erinnerung hatte. Damit brachte Bount Burschen zum Reden, wenn sie nicht ganz und gar hartgesotten waren.

Stede Rumsey hielt dem fragenden Blick stand, obwohl er innerlich ins Schwitzen geriet. Es war, als ob der Detektiv ihm die Sache mit dem Cadillac auf der Nasenspitze ablas.

„Absolut sicher, behauptete er und griff hastig nach dem Glas. „Danke für den Whisky. War nett, Sie wieder mal getroffen zu haben.

Er erhob sich abrupt, und der Detektiv hielt ihn nicht zurück.

Irgendwie hatte Bount das Gefühl, dass Stede ihm einen riesigen Bären aufgebunden hatte. Die Nervosität des Mannes ließ sich fast greifen.

Hamburger-Stand? Handelsvertreter? Da konnte er doch nur lachen.

Aber ihm sollte es egal sein. Falls Stede wirklich zu den Unbelehrbaren, gehörte, sollte sich die Polizei mit ihm auseinandersetzen. Er hatte keinen Auftrag, sich um den Burschen zu kümmern, der noch vor drei Jahren seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit dem Erlös aus Autodiebstählen bestritt.

Bount fand, dass es auch für ihn an der Zeit war, dem „Paradiesvogel" den Rücken zu kehren.

Er lächelte, als er merkte, dass Stede Rumsey seine Begleitung gar nicht angenehm war.

Aber er schwieg und verabschiedete sich nach kurzer Zeit.

Stede Rumsey überquerte an der Kreuzung die Straße und hastete anschließend die Achte Avenue hinauf.

Auch Bount war zu Fuß. Bis zu seinem Büro-Apartment hatte er es nicht allzu weit, und abends machte er ganz gerne einen Verdauungsspaziergang. Dass der durch das Zusammentreffen mit Jeff Sharp bis weit nach Mitternacht dauern würde, hatte er ja nicht ahnen können.

Bevor er ins Bett ging, stellte er sich noch unter die Dusche und hörte dabei das Tonband des Anrufbeantworters ab.

Er machte sich anschließend ein paar Notizen für den kommenden Tag und hatte vor dem Einschlafen Stede Rumsey längst vergessen.

Das war zu dem Zeitpunkt, als der Autoknacker fast aus den Schuhen kippte.

3

Stede Rumsey ging um den ganzen Häuserblock herum und kehrte zu dem Parkhaus zurück. Er hoffte, Bount Reiniger dadurch abgeschüttelt zu haben. Zumindest hatte er von dem Detektiv nichts mehr gesehen, sooft er sich auch blitzschnell umgedreht hatte.

Als er den Cadillac Seville genauso in der Parkbucht stehen sah, wie er ihn abgestellt hatte, atmete er erneut auf. Der dritte und letzte Stein fiel ihm vom Herzen, als ihn niemand daran hinderte, in das gestohlene Fahrzeug einzusteigen und damit das Parkhaus zu verlassen. Der Wagen war von den Bullen also nicht entdeckt worden.

Der Ganove beeilte sich nun, die heiße Kiste zu verstecken. Für diesen Zweck hatte er vor einiger Zeit eine geräumige Garage in Brooklyn gemietet. Dort konnte er den Wagen stehen lassen, bis er mit Brady handelseinig war.

Die Garage befand sich in der Hafengegend. Hier achtete niemand darauf, wenn Rumsey mit immer wieder anderen Autos daherkam.

Stede Rumsey fuhr trotzdem einmal eine Runde, um sicherzustellen, dass die Luft rein war. Erst dann hielt er vor der Garage, öffnete das Tor, ließ den Caddy hindurchgleiten und verschloss es wieder.

Geschafft! Er rieb sich begeistert die Hände und ließ sie über das weiche Leder der Sitze gleiten.

Nein, für fünf Scheine gab er den nicht her. Brady kassierte bestimmt nicht unter zwölf dafür. Also waren achttausend wohl angemessen.

Der Ganove schaltete die Innenbeleuchtung ein und nahm sich vor, am nächsten Tag den Wagen gründlich zu reinigen. Ausräumen konnte er ihn jetzt schon. Wenn das Glück schon so richtig in Fahrt war, bescherte es ihm im Handschuhfach vielleicht noch die Brieftasche des Besitzers, die standesgemäß mit grünen Scheinen gefüllt sein müsste.

Dieser Wunsch erfüllte sich zwar nicht, trotzdem nahm Stede Rumsey alles an sich, was das Fach enthielt, und stopfte es in eine bereitgehaltene Plastiktüte.

Es handelte sich um ein paar Straßenkarten, Zigaretten und allen möglichen anderen Kram.

Am wertvollsten erschien ihm ein goldenes Gasfeuerzeug. Das ließ sich zu Geld machen. Schade, dass ein Monogramm eingraviert war. Wer kaufte schon ein Feuerzeug mit fremden Initialen?

Stede Rumsey zog den Zündschlüssel ab und stieg aus. Er freute sich über das gediegene „Plopp", als er die Tür zuwarf.

Er umrundete den Wagen und öffnete den Kofferraum in der Hoffnung, dort auf ein paar Gepäckstücke zu stoßen.

Nur mit Mühe unterdrückte er den Entsetzensschrei.

Im Kofferraum lag eine Leiche.

Stede Rumsey schloss sekundenlang die Augen. Als er sie zögernd wieder öffnete, hoffte er, dass sich der Tote als Trugbild erwies und verschwunden war.

Aber den Gefallen tat ihm der Bursche nicht. Mit weit aufgerissenen, blicklosen Augen starrte er nach oben. Er hatte dunkle, an den Schläfen leicht angegraute Haare. Sein nachtblauer Anzug verriet guten Geschmack und einen noch besseren Schneider. Der einzige Schönheitsfehler waren die Einschüsse, die nicht nur das weiße Oberhemd, sondern auch den damit bekleideten Brustkorb durchlöchert hatten.

Ein glasklarer Mord. Stede Rumsey durchrieselte es eiskalt.

Noch nie hatte er etwas mit einem Blutverbrechen zu tun gehabt. Von solchen Dingen hatte er sich immer wohlweislich ferngehalten. Autodiebstahl war das eine, Mord etwas ganz anderes.

Stede Rumsey war aber nicht so naiv, sich einzubilden, dass ihn der fremde Tote nichts anging, nur weil er ihn nicht erschossen hatte.

Die Polizei dachte darüber ganz anders.

Er erinnerte sich an einen Fall, den man ihm im Bau erzählt hatte. Da wäre einer um ein Haar auf dem Stuhl gelandet, weil man seinen Boss mit Gift im Bauch und Leichenflecken am Rücken aufgefunden hatte.

Die Tatsache, dass der Bursche ein Verhältnis mit der Frau des Toten unterhielt und diese sein Alibi partout nicht bestätigen wollte, hätte ihn fast mit ein paar tausend Volt in innige Berührung gebracht. Es bedurfte eines ausgezeichneten Anwalts, der einen zweiten Liebhaber der Frau aufspürte und damit den wirklichen Täter entlarvte.

So konnte es einem ergehen. Besonders, wenn man vorbestraft war.

Stede Rumsey atmete tief durch. Der Whisky benebelte noch etwas sein Gehirn. Das konnte er sich nicht leisten. Es war lebensnotwendig, jetzt einen klaren Kopf zu behalten.

Die Leiche musste verschwinden. Schließlich konnte er den Cadillac nicht verkaufen, solange sich ein Toter in seinem Kofferraum befand. Sogar Brady würde das nicht akzeptieren.

In der Garage konnte er auch nicht bleiben. Früher oder später musste er auf alle Fälle weg. Dann also besser gleich. Sobald morgen die Sonne auf das Garagendach knallte, würde der Leichnam noch schneller verwesen. Dann ließ sich seine Existenz nicht länger verheimlichen.

Aber wohin mit ihm?

Stede Rumsey zwang sich, den Fremden genauer zu betrachten, obwohl ihn die Übelkeit zu übermannen drohte.

Er schätzte ihn auf fünfzig. Vielleicht auch etwas darüber. Wie ein Gangster sah er eigentlich nicht aus. Trotzdem gab es sicherlich tausend Gründe, warum er hatte sterben müssen.

Mit dieser Frage brauchte Rumsey sich zum Glück nicht zu befassen. Vielleicht las er morgen etwas darüber in den Zeitungen.

Sein eigenes Problem drückte ihn wesentlich stärker.

Zum Glück war es noch mindestens drei Stunden lang finster. Diese Zeitspanne musste genügen, sich des lästigen Fahrgastes zu entledigen.

Welche Möglichkeiten besaß er?

Er konnte den Toten irgendwo vergraben, im East River versenken oder einfach während der Fahrt aus dem Wagen stoßen.

Die eine Lösung erschien ihm so schlecht und gefährlich wie die andere. Je länger er darüber nachdachte, umso mehr geriet er ins Schwitzen.

Es verstand sich von selbst, dass er nicht stundenlang mit seiner grausigen Fracht durch die Stadt fahren wollte. Je schneller er den unerwünschten Gast los wurde, desto besser war es.

Andererseits durfte er ihn nicht zu nahe bei der Garage zurücklassen. Es wäre für die Polizei dann zu einfach, die Spur zurückzuverfolgen.

Nach dem eleganten Aussehen des Toten zu urteilen, hatte er den Besitzer des Caddys vor sich.

Himmel! Er durfte nicht vergessen, die Nummernschilder auszutauschen. Die Bullen, die ihn verfolgt hatten, kannten natürlich das richtige Kennzeichen. Es stand längst in sämtlichen Fahndungslisten. Sobald er sich mit dem Wagen aus der Garage wagte, würden sie wieder hinter ihm her sein. Dann hatte er keine Möglichkeit, sich von dem Leichnam zu trennen.

Gefälschte Schilder hatte er in der Garage vorrätig. Die meisten stammten von Wagen, die er früher gestohlen hatte. Er kratzte jedes Mal das Datum hinten ein. Nach einem halben Jahr verwendete er sie dann wieder. Diese Methode hatte sich bis jetzt bestens bewährt.

Er verzichtete auf das Werkzeug aus dem Cadillac. Darauf lag der Tote, und den wurde er noch früh genug anfassen müssen.

Er holte seine eigene Werkzeugtasche und löste geschickt die beiden Blechtafeln.

Als er den Ersatz montiert hatte, war er ein wenig ruhiger. Er brachte es sogar fertig, die Leiche anzusehen, ohne zu frösteln.

Unschlüssig näherte er sich mit der Hand dem Sakko. Zwar war er überzeugt, dass der Mörder sein Opfer längst ausgeraubt hatte, doch wollte er nichts unversucht lassen.

Er griff unter angehaltenem Atem in die Innentasche und stieß auf eine dünne Ledermappe. Seine Finger spürten knisternde Scheine.

Als er die Mappe herausholte und aufklappte, traute er seinen Augen kaum. Der Bedauernswerte konnte sich von den vielen Hundertern nun nichts mehr kaufen. Überschlägig kam der Autodieb auf zweitausend Dollar.

Stede Rumsey wollte die ganze Brieftasche einstecken, dann überlegte er es sich anders. Er nahm alles bis auf zwei Scheine. So sah es nicht nach Raubmord aus, und er geriet nicht so leicht in Verdacht, der Täter zu sein.

Er schob die Tasche wieder zurück und betrachtete seine Hand, die sich klebrig anfühlte.

Er erschrak erneut. Blut. Er war mit dem Hemd in Berührung gekommen. Der Mann konnte erst vor ganz kurzer Zeit umgebracht worden sein.

An einem alten, etwas öligen Lappen wischte er sich die Finger sauber und hielt nach einer alten Decke Ausschau, in die er den Toten wickeln wollte.

Er fand nur eine alte Plastikplane, die er unlängst von einem Rohbau hatte mitgehen lassen. Die Plane war blau und undurchsichtig. Das mochte gehen.

Hastig breitete er die Plane hinter dem Wagen aus und hob nun den Toten aus dem Kofferraum. Er legte ihn auf die Plane und wickelte ihn sorgfältig ein. Mit zwei Schnüren band er das Paket wie eine Riesenwurst an beiden Enden zu. Nun hatte er weniger Scheu, den Mann wieder im Kofferraum zu verfrachten.

Er legte einen zusammengeklappten Spaten daneben und nickte zufrieden.

Schwer atmend schlug er den Deckel zu und prüfte, ob er nicht irgendwo einen Blutspritzer hinterlassen hatte.

Als er alles in Ordnung fand, öffnete er das Garagentor und fuhr den Cadillac wieder heraus.

Sein Plan stand fest. Er wusste, auf welche Weise er sich des Unbekannten entledigen würde.

4

Bis zur Gravesend Bay waren es nur zwei Meilen.

Stede Rumsey wählte eine Stelle, die dicht mit Büschen bewachsen war. Hier fuhr er den Wagen fast bis zum Wasser und stoppte ihn.

Er schaltete die Scheinwerfer aus und blieb noch einige Minuten sitzen. Er wollte erst ganz sicher sein, dass niemand auf ihn aufmerksam geworden war.

In einiger Entfernung hinter ihm rauschte der Verkehr über den Shore Parkway. Von den Autofahrern kümmerte sich niemand um ihn.

Endlich stieg er aus und öffnete den Kofferraum. Er nahm den Spaten heraus und legte ihn neben das rechte Hinterrad. Anschließend wuchtete er das schwere Bündel aus dem Wagen und klappte den Deckel wieder zu.

Der Tote war kein Leichtgewicht. Stede Rumsey schleifte ihn bis zum Ufer und verschnaufte.

Dann holte er den Spaten, klappte ihn auseinander und verschraubte ihn.

Der Boden war hier locker. Rumsey brauchte sich beim Graben nicht besonders anzustrengen. Allerdings schaffte er nur ein paar Spatenstiche.

Das Rascheln von Zweigen schreckte ihn auf. Der grelle Strahl einer Taschenlampe traf voll sein Gesicht.

„Ein Schatz ist es wohl nicht, nach dem du hier buddelst, Partner. Sieht mir eher nach ’ner toten Leiche aus. Habe ich recht?"

Stede konnte den Kerl nicht erkennen, weil er durch den Lichtkegel geblendet wurde. Er war aber sicher, dass der Schuft ihn schon seit seinem Eintreffen beobachtet hatte.

Dass ihm das trotz seiner Vorsicht passieren musste! Jetzt durfte er nicht die Nerven verlieren.

„Manchmal trügt der Schein, mein Freund. Ich hatte Pech. Der Hund meines Nachbarn lief mir genau vor die Räder. Du kennst meinen Nachbarn nicht. Der macht mir die Hölle heiß, wenn er die Wahrheit erfährt. Bei dem zählt ein Tier mehr als ein Mensch. Deshalb hielt ich es für das Beste, den Hund verschwinden zu lassen."

Der Lichtfinger strich über sein Gesicht. Der andere konnte sich sein Aussehen haargenau einprägen.

„Das kann man nun glauben oder auch nicht, näselte er. „Ich habe mich entschlossen, es nicht zu glauben. Damit liege ich bestimmt nicht verkehrt. Aber keine Panik, Partner. Meine Devise lautet immer: leben und leben lassen. Schieß drei Riesen rüber, und ich habe nichts gesehen.

„Dreitausend Dollar?, krächzte Stede Rumsey. „Wofür?

„Es gibt ziemlich wertvolle Hunde. Besonders die mit nur zwei Beinen. Wenn man der Polizei einen Tipp gibt, ist die außer sich vor Freude. Dafür, dass ich dich vergesse, sind drei Lappen herzlich wenig. Du musst berücksichtigen, was dir dadurch erspart bleibt."

Der Autodieb zitterte vor Wut. Das hatte er kommen sehen. Es war eben doch ein mieser Tag heute.

„Was du dir da zusammenreimst, ist deine Sache, sagte er gepresst. „Jedenfalls siehst du von mir nicht einen Dollar. Ratten wie dich soll man nicht auch noch füttern, sonst wird man sie überhaupt nicht mehr los.

„Du machst einen Fehler, Partner. Es geht nicht um mich, sondern um die Bullen. Die wirst du bestimmt nicht mehr los, wenn ich denen mein Wissen verkaufe."

„Lass dich nicht aufhalten" meinte Stede Rumsey abfällig. Er packte den Spatenstiel fester. Im nächsten Moment schleuderte er eine Fuhre Sand dorthin, wo der lästige Halunke mit seiner Taschenlampe stand.

Der Unbekannte schrie wütend auf und ließ die Lampe fallen. Er rieb sich verzweifelt den Sand aus den Augen.

Stede Rumsey ließ nicht locker. Mit hocherhobenem Spaten schnellte er auf den anderen zu. Dabei hatte er das Pech, zu stolpern und der Länge nach hinzustürzen.

Er ließ den Spaten los, um seinen Sturz abzufangen.

Der Stiel traf seinen Gegner genau an der Stirn und warf ihn zurück.

Nun lagen beide Männer am Boden. Es kam jetzt darauf an, wer schneller wieder auf den Beinen stand.

Es war Stede Rumsey. Doch diesmal war er im Nachteil, denn sein Widersacher war in den Besitz des Spatens gelangt. Damit verteidigte er sich verbissen.

Dem Autodieb lag nichts daran, sich zu prügeln. Er wollte dem anderen lediglich klarmachen, dass er mit dem Toten in der Plastikplane nichts zu tun hatte. Er war dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Das musste doch in dessen sturen Schädel reinzubringen sein.

Dummerweise interessierte sich der Fremde überhaupt nicht dafür, wie es zu dem Mord gekommen war. Er wollte Geld, und er fand, dass es kaum eine bessere Gelegenheit dafür gab, als wenn man einen Gangster unter Druck setzte.

Nachdem klar war, dass es zu keiner gütlichen Verständigung kommen würde, brach die alte Feindschaft wieder auf.

Stede Rumsey wich ein paarmal geschickt den Spatenhieben aus. Dabei prägte er sich gleichzeitig das Gesicht des anderen ein. Er nahm sich vor, ihm in Zukunft nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen.

Es entstand ein heftiges Gerangel um den Spaten, bei dem Stede Rumsey letztendlich Sieger blieb.

Da bei beiden allmählich die Kräfte nachließen, zog Rumseys Gegner es vor, sich aus dem Staub zu machen.

Dies tat er nicht, ohne eine eindeutige Drohung auszustoßen: „Das kommt dich teuer zu stehen, du Killer. Du hast es so gewollt. Jetzt hole ich die Polizei."

Damit hetzte er davon, und Stede Rumsey hielt es ebenfalls für angeraten, schleunigst abzuhauen. Er nahm sich nicht mehr die Zeit, die geplante Grube fertigzustellen und den Leichnam darin zu versenken.

Er warf sich in den Cadillac und raste davon.

Erst als er den Wagen bereits zur Garage zurückgebracht hatte, fiel ihm der Spaten ein. Den hatte er vergessen. Und daran war nur der Fremde mit seinem knolligen Gesicht schuld. Er hatte ihn ganz verrückt gemacht.

Der Spaten trug seine Fingerabdrücke. Mit ihrer Hilfe war er mühelos zu identifizieren. Die Bullen hatten seine Prints nämlich in der Kartei.

Er überlegte, ob es noch einen Sinn hatte, den Spaten zu holen.

Er entschied sich dagegen. Wenn der Schuft seine Drohung wahr gemacht und die Polizei informiert hatte, wimmelte es an der Gravesend Bay längst von Uniformierten.

Was sollte er nur tun?

Er traute sich kaum aus der Garage heraus.

Schließlich gab er sich einen Ruck und schlich in den dämmernden Morgen hinaus.

In der Ferne hörte er das Jaulen einer Sirene. Schleunigst drückte er sich in den Schatten einer Lagerhalle.

Der Wagen raste vorbei. Die Insassen kümmerten sich nicht um ihn.

Stede Rumsey hastete weiter und erreichte nach fast einer Stunde auf Umwegen seine Zweizimmerwohnung, deren Tür er von innen zuschloss und verriegelte.

Im Spiegel betrachtete er sein Gesicht, das bei der tätlichen Auseinandersetzung einige Schrammen davongetragen hatte.

Er wusch sich mit kaltem Wasser, um klarer denken zu können.

Viel nützte es nicht.

In voller Bekleidung warf er sich auf sein Bett und starrte zur Zimmerdecke, als stünde dort die Lösung seines Problems.

Er bemühte sich, seine Gedanken zu ordnen. Doch je intensiver er nachdachte, umso verworrener wirbelte alles durch seinen gepeinigten Schädel. Zu viele gegensätzliche Empfindungen waren in den vergangenen Stunden auf ihn eingestürmt.

Da war zuerst die Weltuntergangsstimmung gewesen, weil in seiner Kasse wieder mal Ebbe war und sich kein Hoffnungsschimmer zeigen wollte.

Dann hatte plötzlich der funkelnde Cadillac wie ein Wink des Schicksals mitten im Weg gestanden. Er, Stede Rumsey, hatte nur noch einzusteigen und damit wegzufahren brauchen.

Den nächsten Tiefschlag hatte er erhalten, als er den Toten entdeckt hatte.

Die zweitausend Bucks in dessen Tasche hatten allerdings einen gewissen Ausgleich für diese nervliche Belastung geschaffen.

Schließlich war dann noch der ekelhafte Fiesling aufgetaucht, der ihm die Pistole auf die Brust gesetzt hatte.

Wäre es klüger gewesen, auf seine Forderungen einzugehen und wenigstens die zweitausend Dollar herauszurücken?

Kaum. Damit hätte er die Gier des anderen nur vergrößert. Außerdem war es jetzt müßig, darüber nachzugrübeln. Die Scheine knisterten zwar in seiner eigenen Tasche, aber er schaffte es nicht, sich darüber zu freuen.

Normalerweise hätte er jetzt Brady angerufen und ihm freudestrahlend den Caddy angeboten. Nun wartete er noch damit. Der Wagen war einfach zu heiß. Der sollte wenigstens noch ein paar Tage in der Garage bleiben. Auch Brady sollte nichts von dem Toten erfahren.

Alles hing davon ab, wie sich der Fremde verhielt. Der Halunke würde ihn jederzeit identifizieren können. Lange genug hatte er ihn ja angestarrt.

Stede Rumsey lauschte auf jedes Geräusch. Er wartete darauf, dass unten Polizeiwagen vorfuhren, dass harte Schritte die Treppe heraufeilten und vor seiner Wohnungstür stehen blieben.

Dass nichts dergleichen geschah, beruhigte ihn keineswegs. Selbst wenn der Kerl das Maul hielt, weil er selber bestimmt genug Dreck am Stecken hatte, würde man spätestens in einigen Stunde die Plane mit dem Ermordeten finden. Das setzte die gewaltige Polizeiapparatur in Gang. Nichts konnte dann die Ermittlungen mehr stoppen.

Dem war er nicht gewachsen. Er brauchte Hilfe.

Einen Anwalt?

Stede Rumsey kannte nur Ellis Springteen, und mit dem hatte er damals keine guten Erfahrungen gemacht.

Er überlegte bis zum frühen Morgen, ehe er sich zu einer Antwort auf die Frage durchgerungen hatte, wem er sich anvertrauen sollte.

Zögernd nahm er den Telefonapparat auf die Knie und drückte ein paar Tasten.

Als sich der Mann wegen der frühen Stunde ungnädig meldete, bereute er seinen Entschluss schon wieder. Nur weil er sich die Folgen vor Augen hielt, die auf ihn warteten, wenn er sich vom Mordverdacht nicht reinwaschen konnte, entschuldigte er sich und nannte seinen Namen.

„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Sie müssen mir unbedingt helfen, Bount."

„Sie, Stede?"

Bount richtete sich im Bett auf und schaute auf den Radiowecker. Kurz vor halb sechs. Sofort fiel ihm der Mann wieder ein, den er vor einigen Stunden im „Bird of Paradise" getroffen hatte.

Sein Gefühl hatte ihn also nicht getrogen. Stede Rumsey schleppte eine Last mit sich herum.

„Sie sind meine letzte Rettung, Bount, kam es überstürzt. „Wenn Sie mich im Stich lassen, ist alles aus.

„Es kann keine Rede davon sein, dass ich Sie im Stich lasse. Das habe ich Ihnen doch gesagt. Was haben Sie denn ausgefressen?"

„Es geht darum, was ich nicht ausgefressen habe, Bount. Jemand will mir einen Mord anhängen."

Bount pfiff leise durch die Zähne. Bei Mord hörte der Spaß auf. Egal, wie spät es war.

„Wir sollten uns treffen, schlug er vor. „Können Sie gleich zu mir kommen?

„Mir wäre es andersherum lieber. Ich gehe momentan nicht so gerne aus dem Haus."

„Auch gut. Sagen Sie mir Ihre Adresse."

Bount notierte die Anschrift in Flatbush und versprach, in spätestens einer Stunde dort zu sein.

Stede Rumsey erwartete ihn schon. Ihm war anzusehen, dass er die ganze Nacht kein Auge zugemacht hatte.

Bount blickte sich in dem Zimmer um, in das der Ganove ihn geführt hatte. Es war spartanisch eingerichtet. Den einzigen Luxus stellte ein Video-Gerät dar, das allerdings reparaturbedürftig war.

Bount suchte sich eine Sitzgelegenheit und wartete, dass Rumsey mit seinem Problem herausrückte.

„Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, Bount. Alles ist so verrückt, dass Sie es mir bestimmt nicht glauben. Niemand wird mir glauben. Schon gar nicht die Polizei."

„Demnach weiß die Polizei noch nichts von diesem Mord, den Sie am Telefon erwähnten?"

Stede Rumsey hob die Schultern. „Keine Ahnung. Ich hänge völlig in der Luft. Dabei fing alles so gut an."

„Sie hätten sich getrost schon heute Nacht an mich wenden können, meinte Bount. „Ich habe Ihnen Ihre Schwierigkeiten angesehen, aber Sie haben sie ja geleugnet.

„Im 'Paradiesvogel' war die Welt noch in Ordnung, Bount, beteuerte Stede Rumsey. „Es fing erst an, als ich die Leiche fand.

„Auf der Straße?"

„Nein, im Kofferraum."

„Sie besitzen einen Wagen?"

„Nun ja ..." Stede Rumsey druckste herum.

Bount seufzte. „Verstehe. Ihr Job als Handelsvertreter bezieht sich wieder einmal auf gestohlene Autos. Und ich hatte so sehr gehofft, dass Sie Ihre Lektion gelernt hätten. Waren achtzehn Monate nicht genug?"

„Mehr als genug. Aber was soll ich denn machen? Die Stadt ist voll von Arbeitslosen. Bilden Sie sich wirklich ein, ausgerechnet mir würde jemand ’nen Job anbieten? Ich muss schließlich leben."

„Und da stehlen Sie also weiterhin die Autos fremder Leute. Wann haben Sie wieder damit angefangen?"

„Ich hatte überhaupt nicht aufgehört gestand der Gauner. „Ich konnte ja nicht ahnen, dass mir einer ein solches Ei ins Nest legen würde.

„Okay. Erzählen Sie am besten der Reihe nach", schlug Bount vor.

Stede Rumsey begann mit seinem Bericht. Erst stockend, dann flüssiger. Schließlich sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus.

„Der Kerl wollte erst dreitausend Mäuse von mir, schloss er, „und dann hat er mir mit der Polizei gedroht. Ich habe den Spaten in der Aufregung vergessen. Da drauf sind meine Fingerabdrücke. Was soll ich nur tun, Bount? Ich habe den Typ doch nicht erschossen. Ich besitze ja nicht einmal eine Waffe.

„Diese Behauptung wird nicht ausreichen, um die Polizei von Ihrer Unschuld zu überzeugen, befürchtete Bount. „Eine Pistole kann man schließlich wegwerfen. Nahe genug am Wasser sind Sie ja gewesen. Sie wollen also, dass ich Ihnen helfe?

„Sie müssen beweisen, dass ich mit dem Mord nichts zu tun habe. Finden Sie einfach den wirklichen Täter. Ich kann Sie bezahlen. Ich besitze zweitausendvierhundert Dollar."

„Geld, das Sie bestimmt gestohlen haben, vermutete Bount. „Wem gehört es? Dem Toten?

Stede Rumsey nickte bekümmert. „Er kann es ja sowieso nicht mehr ausgeben."

„Er nicht, aber seine Erben. Wenn Sie wirklich wollen, dass ich Sie da heraushaue, verlange ich dreierlei von Ihnen."

„Ich soll das Geld zurückgeben?"

„Klarer Fall, Stede. Ich würde mich mitschuldig machen, wenn ich davon auch nur einen Cent annähme. Außerdem erwarte ich, dass Sie mir die volle Wahrheit sagen."

„Das habe ich getan, Bount. Ich schwöre es."

„Mag sein, aber ich werde noch eine Menge Fragen stellen, auf die ich korrekte Antworten verlange."

„Das verspreche ich. Was ist das dritte?"

„Falls es mir gelingt, Sie vom Mordverdacht zu befreien, werden Sie sich der Polizei wegen der Autodiebstähle stellen."

„Ich soll mich selbst anzeigen?, fragte der Ganove ungläubig. „Dann muss ich ja wieder in den Bau.

„Aber Sie kommen auch wieder raus. Bei Mord hingegen ist das nicht zu erwarten. Seien Sie nicht töricht. Sie können nicht von mir verlangen, dass ich Ihre krummen Touren decke. Eine Selbstanzeige bringt Ihnen auf alle Fälle Strafminderung. Im Übrigen sind die Gefängnisse überfüllt. Es ist also gar nicht sicher, ob Sie die Strafe überhaupt in absehbarer Zeit antreten müssen. Wenn Sie mit meinen Bedingungen nicht einverstanden sind, dann tut es mir leid. Ich frage mich, warum Sie sich ausgerechnet an mich gewandt haben. Sie mussten doch wissen, dass ich nur wenig Verständnis für Autodiebstahl aufbringe."

„Aber Sie bringen ’ne Menge Verständnis für Leute auf, die sich in ausweglosen Schwierigkeiten befinden, antwortete Stede Rumsey leise. „Ihnen ist es egal, ob einer ein angesehener Botschafter oder ein süchtiger Puertoricaner ist.

„Nicht ganz, schränkte Bount ein. „Im Allgemeinen hat der Süchtige mein Verständnis nötiger. Aber im Prinzip haben Sie völlig recht. Und ich mache auch bei Ihnen keine Ausnahme. Wie stehen Sie also zu Punkt drei? Er erhob sich und wandte sich der Tür zu.

Stede Rumsey vertrat ihm hastig den Weg.

„Ich bin einverstanden, Bount. Ich gehe zur Polizei. Aber natürlich erst, wenn ich wegen des Mordes nichts mehr zu befürchten habe."

Bount kehrte wieder zu seinem Stuhl zurück und lächelte. „Dann können wir ja zur Sache kommen. Wer ist der Tote?"

„Woher soll ich das wissen? Ich habe ihn vorher noch nie gesehen."

„Aber Sie haben doch seine Brieftasche ausgeräumt. Haben Sie keinen Blick auf seine Papiere geworfen?"

Der Ganove zögerte, bevor er sagte: „Mir sind gar keine aufgefallen. Da war nur das Geld. In den anderen Taschen habe ich nicht nachgesehen. Ich bin doch kein Leichenfledderer."

„Aber Sie wissen noch, wo Sie den Cadillac mitgenommen haben? Stede Rumsey machte ein betretenes Gesicht. „Nicht genau. Es ging alles so schnell. Ich bin in der Nacht kreuz und quer durch die Straßen gegangen und habe mal hier, mal dort mein Glück versucht. Ich glaube, es war die 215te Straße oben in Bayside. Die Nummer weiß ich nicht. Die Häuser dort sehen auch alle ziemlich gleich aus. Ich bin nicht sicher, ob ich es wiedererkennen würde.

„Dabei wird uns die Autonummer helfen. Die haben Sie doch hoffentlich noch?"

„Die Schilder liegen in der Garage."

„Die holen wir gleich. Ebenso die Sachen aus dem Handschuhfach. Kommen wir nun zu dem Wagen, der Sie verfolgt hat. Sind Sie sicher, dass es sich dabei um die Polizei gehandelt hat?"

Stede Rumsey sah ihn groß an. „Um wen denn sonst? Sie haben ja sogar auf mich geschossen."

„Der Mann im Kofferraum des Cadillacs wurde ebenfalls erschossen, aber wohl kaum von der Polizei. Es hat sich doch um keinen normalen Streifenwagen gehandelt?"

„Das nicht. Aber die Burschen machen sich leider nicht immer schon von Weitem mit Rotlicht und Sirene bemerkbar."

„Aber sie verfügen über Funk und hätten bei einer Jagd quer durch Queens bestimmt noch ein paar Kollegen angefordert."

„Sie meinen doch nicht etwa, dass es sich um die Mörder gehandelt hat?", fragte Stede Rumsey erschrocken und wurde blass.

„Sie sagten doch selbst, dass der Mann noch nicht lange tot gewesen sein konnte. Also wird sich sein Mörder, vielleicht handelt es sich auch um mehrere, noch in der Nähe aufgehalten haben, als Sie sich den Cadillac unter den Nagel rissen. Vielleicht gehört der Wagen sogar dem Gangster."

„Dann hätte er mir doch nicht in einem anderen Fahrzeug folgen können."

„Doch. Nämlich dann, wenn sie zu zweit waren. Aber das ist jetzt auch nicht so wichtig. Vor allem müssen wir die Leiche sicherstellen, falls sich die Polizei nicht schon darum kümmert. Sie zeigen mir, wo sie liegt. Alles andere erledige ich dann."

„Ich soll mit Ihnen hinausfahren, Bount?, fragte der Gauner erschrocken. „Das können Sie nicht von mir verlangen.

„Und Sie können nicht verlangen, dass ich auf Grund Ihrer vagen Beschreibung die ganze Gravesend Bay absuche. Wir sehen doch schon von Weitem, ob sich Polizeibeamte dort eingefunden haben. Außerdem müssen wir die Schilder und das andere Zeug holen."

Stede Rumsey machte kein glückliches Gesicht, aber er fügte sich. Das Bewusstsein, möglicherweise von einem Killer verfolgt worden zu sein, ließ ihn noch nachträglich schaudern.

Auf der einen Seite die Bullen, auf der anderen mindestens ein Typ, der mit der Schusswaffe schnell zur Hand war. Nur gut, dass er Bount hatte!

5

Aus der Garage holten sie die Nummernschilder und den Plastikbeutel.

Bount nahm den Cadillac gewissenhaft in Augenschein. Er ließ sich auch die Stelle zeigen, an der die Zierleiste etwas abbekommen hatte.

Auf Grund der Vertiefung ließen sich aber keine Schlüsse auf die verwendete Waffe ziehen.

Weder im Kofferraum noch im übrigen Wagen oder in der Garage entdeckte Bount auch nur einen Blutstropfen. Eine Ausnahme bildete der Öllappen, den Stede Rumsey noch nicht weggeworfen hatte. Bount stellte ihn sicher.

Dann fuhren sie zur Gravesend Bay.

Der Gauner schrumpfte auf dem Beifahrersitz immer mehr zusammen, je näher sie ihrem Ziel kamen.

„Da drüben ist es, wisperte er schließlich und deutete mit dem Finger auf eine Bucht. „Unter den Büschen liegt er.

Als Bount den silbergrauen Mercedes 450 SEL zum Ufer lenkte, ging Rumsey vorsichtshalber auf Tauchstation. Es waren von Weitem zwar keine Polizisten zu sehen, aber man konnte ja nie wissen.

„Bleiben Sie vorläufig, wo Sie sind, riet Bount. „Ich sehe mir den Mann erst mal an.

Er stieg aus, nachdem er den Zündschlüssel abgezogen hatte. Er wollte den Autodieb lieber nicht in Versuchung führen.

Die Reifenspuren waren in dem weichen Boden noch deutlich zu sehen. Allerdings merkte Bount sofort, dass es sich um unterschiedliche Profile handelte. Es musste also noch ein zweiter Wagen hier gewesen sein.

Es wunderte ihn daher kaum, dass das angekündigte blaue Paket mit dem makabren Inhalt nirgends zu entdecken war. Auch den Spaten und die Taschenlampe, von der Rumsey gesprochen hatte, fand er nicht.

Es gab zwei Erklärungen: Entweder befanden sie sich nicht an der richtigen Stelle, oder andere waren schneller gewesen als sie.

Stede Rumsey schwor Stein und Bein, sich nicht zu irren.

„Sehen Sie da hinten, Bount? Da ist ja noch die angefangene Grube. Jemand hat sie nur flüchtig zugeschüttet."

Das stimmte. Bount hatte es auch schon gesehen. Also war der Leichnam weggeschafft worden.

Von der Polizei? Dann hätten sich mindestens die breiteren Spuren eines Leichenwagens finden müssen. Es war auch nicht sehr wahrscheinlich, dass die Beamten schon mit ihrer Spurensicherung fertig waren.

Trotzdem wollte Bount sichergehen. Er rief deshalb seinen Freund Toby Rogers an, der die Mordkommission Manhattan C/II leitete.

„Ich weiß, dass es nicht dein Zuständigkeitsbereich ist, Toby. Trotzdem wird es für dich wohl nicht schwer sein, in Erfahrung zu bringen, ob heute in den Morgenstunden an der Gravesend Bay ein Toter gefunden wurde. Ungefähr fünfzig Jahre alt. Bekleidet war er mit einem dunkelblauen Maßanzug und eingewickelt in eine Plastikplane."

„Ein Mord? Willst du den hiermit offiziell zur Anzeige bringen?"

„Dazu müsste ich erst ein bisschen mehr wissen. Vielleicht ist ja alles nur ein Ulk. Ohne Leiche gibt es keinen Mord."

„Wenn du der Meinung wärst, dass es sich um einen Ulk handelt, würdest du nicht die Mordkommission rebellisch machen. Bleib mal dran. Ich frage nach."

Bount ließ den Hörer des Autotelefons sinken und sah Stede Rumsey prüfend an. Der magere Mann zitterte wie Espenlaub.

„Bestimmt vergleichen sie schon längst die Fingerabdrücke, wimmerte er. „Ich hätte abhauen sollen. Weg von New York. Irgendwohin.

„Mit zweitausendvierhundert Dollar und einem gestohlenen Caddy?, konterte Bount. „Damit wären Sie nicht weit gekommen. Warten wir ab, was Captain Rogers herausfindet. Wir sind eng befreundet, wenn wir auch nicht immer dieselben Ansichten vertreten.

Stede Rumsey wurde etwas selbstbewusster. Da keine Polizei auftauchte, wagte er es, den Kopf wieder in die Höhe zu nehmen.

„Bist du noch dran?", meldete sich der Captain nach einer Weile.

„Lass schon das Schiff vom Stapel, Dicker."

„Also, da haben die Kollegen tatsächlich eine Leiche aufgespürt, Bount. Allerdings war das am Ufer der Jamaica Bay. Ein Jogger stolperte über die Ermordete, als er den Spring Creek Park unsicher machte. Dürfte sich um ’ne Prostituierte handeln."

„Ich sprach von einem fünfzigjährigen Mann, Toby", erinnerte Bount.

„Mit nichts bist du zufrieden, maulte Toby Rogers. „Damit kann ich nicht dienen. Aber vielleicht wird dein Freund ja noch gefunden. Der Tag hat gerade erst angefangen.

„Und wie. Danke für die Hilfe.

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Was die anderen über Krimi Koffer 2018 - Eine Leiche im Gepäck und andere Krimis denken

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