Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane

15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane

Vorschau lesen

15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane

Länge:
1.649 Seiten
19 Stunden
Freigegeben:
12. Juni 2019
ISBN:
9781386313106
Format:
Buch

Beschreibung

15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane

von Alfred Bekker, Pete Hackett, Peter Dubina, Alfred Wallon & Timothy Kid & W.W.Shols

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1400 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Romane:

W.W.Shols: Gegen das Gesetz

Alfred Bekker: Der Geächtete

Alfred Bekker: Zum Sterben nach Sonora

Alfred Bekker: Entscheidung in Nogales

Pete Hackett: Jeder zahlt für seine Schuld

Pete Hackett: Nur ein dreckiger Bandit

Peter Dubina: Tödliches Silber

Timothy Kid: Tausend blutige Meilen

Alfred Bekker: Die Rache der McCory-Brüder

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Pilotfolge: Das tödliche Lied der Colts

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Band 1: Hier ist dein Trail zu Ende, Outlaw!

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Band 2: Geschäft mit dem Tod

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Band 3: Ich jagte die Killer von Canadian

Peter Dubina: Gannons Gold

Alfred Wallon: Todeskommando

Sam Mahone hat alles verloren, woran er geglaubt hat. In ihm wütet der Hass auf die Menschen, die dafür gesorgt haben. Und so geschieht es, dass er gegen das Gesetz handelt und büßt viele Jahre im Jail. Diese Jahre wird er nie vergessen. Als er in die Stadt zurückkommt, wo er einmal zu Hause war, will er ein neues Leben anfangen und die Vergangenheit vergessen. Aber sie lässt sich nicht abschütteln. Für die Bürger der Stadt ist und bleibt Sam Mahone der Outlaw. Und sein Sohn Jake bekommt es auf Schritt und Tritt zu spüren.

Dann wird im Ort die Bank überfallen und der Bankier ermordet. Eine Augenzeugin behauptet, Sam erkannt zu haben. Er kann jedoch seine Unschuld nicht beweisen …

Cover: Firuz Askin

Freigegeben:
12. Juni 2019
ISBN:
9781386313106
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


Ähnlich wie 15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane

Mehr lesen von Alfred Bekker

Buchvorschau

15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane - Alfred Bekker

15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane

von Alfred Bekker, Pete Hackett, Peter Dubina, Alfred Wallon & Timothy Kid & W.W.Shols

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1400 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Romane:

W.W.Shols: Gegen das Gesetz

Alfred Bekker: Der Geächtete

Alfred Bekker: Zum Sterben nach Sonora

Alfred Bekker: Entscheidung in Nogales

Pete Hackett: Jeder zahlt für seine Schuld

Pete Hackett: Nur ein dreckiger Bandit

Peter Dubina: Tödliches Silber

Timothy Kid: Tausend blutige Meilen

Alfred Bekker: Die Rache der McCory-Brüder

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Pilotfolge: Das tödliche Lied der Colts

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Band 1: Hier ist dein Trail zu Ende, Outlaw!

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Band 2: Geschäft mit dem Tod

Pete Hackett: U.S. Marshal Bill Logan: Band 3: Ich jagte die Killer von Canadian

Peter Dubina: Gannons Gold

Alfred Wallon: Todeskommando

Sam Mahone hat alles verloren, woran er geglaubt hat. In ihm wütet der Hass auf die Menschen, die dafür gesorgt haben. Und so geschieht es, dass er gegen das Gesetz handelt und büßt viele Jahre im Jail. Diese Jahre wird er nie vergessen. Als er in die Stadt zurückkommt, wo er einmal zu Hause war, will er ein neues Leben anfangen und die Vergangenheit vergessen. Aber sie lässt sich nicht abschütteln. Für die Bürger der Stadt ist und bleibt Sam Mahone der Outlaw. Und sein Sohn Jake bekommt es auf Schritt und Tritt zu spüren.

Dann wird im Ort die Bank überfallen und der Bankier ermordet. Eine Augenzeugin behauptet, Sam erkannt zu haben. Er kann jedoch seine Unschuld nicht beweisen ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Gegen das Gesetz

Western von W. W. Shols

Der Umfang dieses Buchs entspricht 146 Taschenbuchseiten.

Sam Mahone hat alles verloren, woran er geglaubt hat. In ihm wütet der Hass auf die Menschen, die dafür gesorgt haben. Und so geschieht es, dass er gegen das Gesetz handelt und büßt viele Jahre im Jail. Diese Jahre wird er nie vergessen. Als er in die Stadt zurückkommt, wo er einmal zu Hause war, will er ein neues Leben anfangen und die Vergangenheit vergessen. Aber sie lässt sich nicht abschütteln. Für die Bürger der Stadt ist und bleibt Sam Mahone der Outlaw. Und sein Sohn Jake bekommt es auf Schritt und Tritt zu spüren.

Dann wird im Ort die Bank überfallen und der Bankier ermordet. Eine Augenzeugin behauptet, Sam erkannt zu haben. Er kann jedoch seine Unschuld nicht beweisen ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Hugo Kastner, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Er hat gegen das Gesetz gehandelt — und das Gesetz hat ihn erreicht. Sam Mahone hat seine Schuld abgebüßt. Die Jahre im Jail wird er nie vergessen. Und als er zurückkommt in die Stadt, wo er einmal zu Hause war, will er ein neues Leben anfangen und die Vergangenheit vergessen. Aber sie lässt sich nicht einfach abschütteln, diese dunkle Vergangenheit. Für die ehrbaren Bürger der Town ist und bleibt Sam Mahone der Outlaw. Und sein Sohn Jake bekommt es auf Schritt und Tritt zu spüren.

Als eines Tages die Bank überfallen wird und der Bankier Jed Harper dabei sein Leben verliert, fällt der Verdacht auf Sam Mahone, den Outlaw. Sein Sohn Jake ist der einzige, der an Sams Unschuld glaubt. Aber kann er das auch beweisen?

Dumpf rollt der Donner über die Wind River Range von Wyoming. Ängstlich rauscht der Wald in einer Niederung am Fuß des Gebirges. Dort, wo sich schroffe, felsige Klippen weit in die dicht mit Laubholz bewachsene Niederung erstrecken, steht zwischen gewaltigen Bäumen eine Blockhütte. Aus dem offenen Fenster blickt ein Mann starr in die immer düsterer werdende Waldlandschaft.

Plötzlich zuckt ein greller Blitzstrahl aus der schwarzen Wolkendecke und beleuchtet für Sekunden das hagere, verzerrte Gesicht des Mannes. Dann folgt ein schmetternder Schlag. Die Wolken bersten, und der Regen stürzt vom Himmel, als solle alles Leben in einer Sintflut untergehen.

„Bitte, komm endlich vom Fenster weg, Sam!", fleht die leise Stimme eines Mädchens aus dem Halbdunkel der Hütte. Der Mann wendet sich um, und augenblicklich weicht die Kälte in seinen rauchgrauen Augen einer milden Wärme.

„Wie fühlst du dich, Liebes?", fragt er zärtlich. Er geht zu dem Tisch in der Mitte des Raumes, entzündet die Kerosinlampe und schraubt den Docht höher. Angenehmes, goldgelbes Licht durchflutet den Raum, der so gemütlich eingerichtet ist, wie die natürlichen Mittel der Wildnis es erlauben. Der Tisch, die beiden Stühle, ein kleiner Wandschrank und die breite Liegestatt sind rohgezimmert. Die Wände sind mit Fellen und Rotwildgeweihen behangen. Über der Liege dient eine ausgespannte bunte Indianerdecke als Wandbekleidung. Weitere Decken liegen ungeordnet auf dem Lager, wo das Mädchen sitzt. Ihr gelöstes Haar ist rabenschwarz und fällt in Wellen über Schultern, die für ein Weib ziemlich breit erscheinen. Lange, seidige Wimpern überschatten haselnussbraune Augen. Schmal und gerade ist die Nase. Die leicht aufgeworfenen Lippen geben dem reinen Gesicht eine herbe Schönheit. Sie ist jung, vielleicht fünfundzwanzig. Der Mann ist nur wenige Jahre älter.

Als sie aufsteht, kann man erkennen, dass sie gesegneten Leibes ist.

„Sorge dich nicht um mich, Sam, sagt sie dunkel, „und auch nicht um das Kind. Ich werde es gesund zur Welt bringen. Das fühle ich.

Sie trägt ein weites, blaues Kattunkleid, das sie vor wenigen Monaten aus einigen Stoffresten selbst herstellte. Gewöhnlich trägt sie Jeans, Wildlederstiefel und Baumwollhemd — wie der Mann.

„Nancy!, sagt er heiser. „Ich frage mich oft, ob es richtig war, mit dir in diese Wildnis zu ziehen. Für eine Frau ist es vielleicht ...

Sie unterbricht ihn sanft.

„Fang nicht damit an, Sam! Darüber brauchen wir keine Worte zu verlieren, niemals! Du bist ein besonderer Mann, anders als alle Männer. Ich bin mit dir gegangen, weil ich dich verstehe. Und ich will deine Frau sein, Sam Mahone, auch wenn wir in wilder Ehe leben."

„Du bist eine wunderbare Frau, Nancy Mahone", flüstert er. Doch dann tritt er ans Fenster und starrt wieder in den strömenden Regen hinaus.

Als habe sie das kurze Stehen ermattet, sinkt die Frau auf das Lager zurück.

„Was hast du, Sam? Wir haben uns geschworen, keine heimlichen Gefühle zu haben. Hast du das vergessen?"

Der Mann atmet tief. Sie sieht, wie seine Schultern sich heben. Dann dreht er sich langsam um, geht mit schweren Schritten zum Lager und setzt sich neben sie. Als er noch schweigt, sagt sie: „Du hast doch alles, was du dir wünschtest — ein Leben in freier Natur, fern von den Schlechtigkeiten der Menschen, und du hast mich. Genügt es dir nicht mehr?"

Er legt eine Hand um ihre Schultern, die andere auf ihren Schoß.

„Yeah, ich habe alles, erwidert er heiser. „Wir leben so, wie jedermann leben sollte. Wir leben an einem Ort, zu dem die Zivilisation noch nicht vorgedrungen ist. Ich hasse sie, die Zivilisation. Sie hat vernichtet, was mir einmal lieb war. Sie wird bald dieses prächtige Land, das einmal den freien Indianern gehörte, völlig verändert haben. Yeah, ich begreife die Roten. Ich verstehe, dass sie Krieg gegen die Weißen führen müssen, um so leben zu können, wie unser Gott, wie ihr Manitou es will. Sie müssen rauben und morden, um ihren Sinn für das natürliche Leben nicht zu verlieren. Ah, manchmal wünsche ich mir, dass ich mit den Indianern reiten könnte, um diese Höllenhunde zu vernichten, die in ihrer Gier nach Macht und Reichtum darauf pfeifen, ob das Gesicht dieser prächtigen Erde zernarbt und verrottet wird. Sie kommen in Scharen über das große Meer, errichten stinkige Bohrtürme, zerschneiden das Land mit neumodischen Stacheldrahtzäunen, sprengen den Boden auf, um irgendwelche Metalle zu finden, und lassen die saftige Erde von den stinkigen Schafen und Schweinen zerwühlen und verpesten. Fortschritt! Angewidert spuckt er aus. „Er hat die Indianer in verzweifelt um sich beißende Bestien verwandelt — und er hat mich zum Outlaw, zum Außergesetzlichen gemacht. Ich habe geraubt, und ich musste Menschen anschießen, um nicht zu verhungern!" Er springt hoch und läuft auf und ab wie ein gereizter Puma.

„Ehrliche Arbeit? Ich hab's versucht! Meine Familie hatte eine wunderbare Ranch. Du konntest einen Tag reiten, und dein Gaul hatte immer noch guten Boden von Big John Mahone unter den Hufen. Da strömten diese dreckigen Schweinezüchter und Schafhirten ins Land. Sie ließen sich frech auf unserem Weideland nieder und zerwühlten und vermisteten den fruchtbaren Boden. Mit guten Worten ließen sie sich nicht vertreiben. Wir mussten ihnen mit unseren Colts Angst einjagen, aber auch das half nicht. Mir ist heute noch nicht klar, woher die Burschen plötzlich ihre Waffen hatten. Sie schossen auf uns — sie schossen scharf, obwohl wir nur Löcher in die Luft ballerten.

Mein jüngerer Bruder bekam Blei in die Schulter. Er fiel vom Gaul, und dann ... Nancy, dann passierte etwas, was ich nie vergessen werde. Mein Bruder blieb ohnmächtig liegen, und es gab eine kurze Feuerpause. Alle lagen in Deckung. Mein Bruder lag auf dem freien Feld zwischen uns und diesen Landplünderern. Plötzlich trottete die Schweineherde dieser Mistbauern heran. Zuerst war es nur eine alte Sau, die meinen Bruder mit dem Rüssel anstieß. Die anderen Viecher grunzten. Ich sprang auf, um meinen Bruder zu retten. Aber die Lumpenhunde eröffneten das Feuer. Sie ließen keinen an den Ohnmächtigen heran. Mich selbst erwischte ein Blei am Schädel. Als ich aufwachte, war alles vorbei. Ich musste mir erzählen lassen, dass die Schweineherde meinen hilflosen Bruder bei lebendigem Leibe zerrissen hatte. Und der Sheriff stand daneben und hatte für die Story nur ein Schulterzucken übrig. Den verfluchten Schweinezüchtern gab er recht. Faselte was von verbrieftem Recht und dass wir versäumt hätten, unser Land beurkunden zu lassen. Hoh, nach und nach hatten uns die dreckigen Nester aus unserem ganzen Besitz hinausgegaunert. Freies Regierungsland — pah! Wieder spuckt er aus. „Mein Vater hatte sich auf dem Boden sesshaft gemacht, als die Apachen noch frei umherstreiften, und er kam wunderbar mit den Roten aus. Er wollte seinen Söhnen gutes Rinderland hinterlassen. Es war sein Lebenswerk. Und da kommen irgendwelche Mistbauern über das Meer, zeigen einen Fetzen Papier vor und nehmen das Land in Besitz, das mit Schweiß und Tränen braver Pioniere gedüngt ist. Fortschritt! Zivilisation! Ich kann das nicht mehr hören!

„Lass die Vergangenheit, Sam!m sagt Nancy schluckend. „Das einsame Land hier gibt uns alles, was wir zum Leben brauchen. Wir brauchen die andere Welt nicht.

Er fährt fort, als habe er ihre Worte nicht verstanden. „Mein Vater starb an dem fressenden Gram. Es war, als hätte man einen Kapitän, der nur sein Schiff und den Geschmack des Salzwassers kennt, plötzlich an Land verbannt. Die verdammten Nesters steckten ihre Heimstätten-Claims ab und rissen unser Land förmlich auseinander. Und das Gesetz wachte darüber, dass wir nicht eingriffen. — Nein, mein Vater hätte sich nie mit diesem Fortschritt abgefunden — genauso wenig wie ich. Als die Ranch verloren war, irrte ich monatelang umher, schuftete für einen Hungerlohn und wurde auch noch bestohlen und betrogen ... Er macht eine wegwerfende Handbewegung. „Das kennst du ja alles, Nancy. Als ich dich kennenlernte, war ich so ausgepowert, dass ich dir nicht mal eine schiefe, jämmerliche Hütte bieten konnte. Ich machte dir klar, dass ich geraubt und für Geld auf Menschen geschossen habe, aber du kamst trotzdem mit mir. Ich gab das Räuberleben auf, um mit dir in freier Natur zu leben. Hier waren wir zufrieden, hatten unsere Ruhe. Yeah, aber nun kommt das Kind. Damit habe ich nie gerechnet.

„Es wird nichts ändern, Sam, sagt das Mädchen fest. „Das Kind wird bei uns aufwachsen und ... und ...

„Das ist es, Nancy, presst der Mann scharf heraus. „Es wird bei uns aufwachsen, und dann? Glaubst du, wir können es für immer an diese Wildnis binden? Es wird wissen wollen, wie es da draußen in der — pah — in der Zivilisation aussieht. Wenn es ein Mädchen wird ... well, Mädchen sind fügsam und häuslich. Außerdem werde ich nicht zulassen, dass sie sich irgendeinem wildfremden Burschen an den Hals wirft.

„Aber wenn es ein Junge ist, fährt Sam Mahone fort, „so soll er heranwachsen und seinen freien Entschluss haben. Er soll reiten, wenn ihn das Fernweh packt, und er kann jederzeit wiederkommen. Aber ich will seine Zukunft sichern. Auf ehrliche Weise wird er nämlich da draußen sein Glück nicht machen können — nicht mit dem Blut der Mahones! Nein, mein Sohn soll es besser haben. Und darum muss ich rasch handeln, ehe ich alt bin und für den Job nicht mehr tauge!

„Sam!", ruft sie wagend, von böser Ahnung erfüllt.

Mahones Fäuste ruhen schwer auf der Tischplatte.

„Es muss sein, Nancy! Ein letztes Mal! Diese verdammte Zivilisation hat mich zum Outlaw, zum Desperado gemacht. Glattwangige Kids dürfen mich abknallen und dafür noch eine Belohnung einstreichen. Schwer atmet er aus. „Well, Nancy, wenn du mir einen Sohn schenkst, so will ich dafür sorgen, dass diese Zivilisation sein Blut nicht saugt — mein Blut! Er tritt ans Fenster und atmet gierig die frische Luft. „Es wird mein letzter Streich sein, Nancy, murmelt er. „Der letzte Coup des Outlaws Sam Mahone, aber der muss sich lohnen. Ich denke an die Bank in Rock Springs. Zum Monatsende liegen mindestens sechzigtausend Dollar im Tresor ...

Das Mädchen schluchzt auf. Doch der Mann starrt mit glühenden Augen in den prasselnden Regen. Endlich geht er zur Tür, öffnet sie weit und bleibt auf der Schwelle stehen, als reiche ihm die Luft am Fenster nicht mehr. Hinter sich hört er Nancy tonlos sagen: „Es wäre besser, das Kind käme nicht."

Sam Mahone schiebt die Brauen zusammen.

„Das wäre wirklich besser!", erwidert er hart und tritt hinaus in das Unwetter. Er mag den Regen. Denn Regen ist natürlich, und Sam Mahone liebt Natürlichkeit in jeder Weise. Dieses Land wird zu verdammt zivilisiert, aber es regnet immer noch so wie in alten Zeiten.

Er hebt sein Gesicht, und es macht ihm nichts aus, dass er in Sekundenschnelle bis auf die Haut durchnässt ist. Er ist froh, dieses Stück Erde abseits der Zivilisation gefunden zu haben — nach langem Herumirren ...

Als die Ranch des alten John Mahone verloren war, ritt Sam, so weit ihn sein Pferd tragen konnte. Und je weiter er ritt, desto mehr Einwanderern begegnete er. Mit der alten „Ellbogenfreiheit" war es vorbei. Sam Mahone drohte zu ersticken. Er sah Bohrtürme entstehen, Stacheldrahtzäune die prächtige Landschaft zerreißen; er sah Gesellschaften, die barbarisch den Boden umwühlen ließen, um Gold, Silber oder Kupfer zu gewinnen; er sah Rancher, die erbittert gegen fremde Eindringlinge kämpften — wie sein Vater; er hörte von Gesetzen, die plötzlich dies und jenes verboten. Gesetze, die seinen Vater umgebracht hatten und die ihn, Sam Mahone, bald auf die abschüssige Bahn brachten.

Er versuchte ehrlich, zu Arbeit und Geld zu gelangen. Aber er hatte Pech. Er wurde betrogen, dann bestohlen. Und weil er bald jedem misstraute, wurde er auch von ehrlichen Menschen herumgestoßen. Nirgends fand er Arbeit, die ihm gefiel. Sam Mahone wurde zum Wegelagerer, zum Desperado, zum Outlaw, der bald in Utah, Colorado und New Mexico steckbrieflich verfolgt wurde. Sein Hass auf die Zivilisation wuchs, je länger er umherirrte. Die Zivilisation, die ihre Ranch dahinraffte. Die Gesetze einführte, welche ein Mahone einfach nicht verstehen konnte.

Viele Pioniere verfluchten den Fortschritt. Doch sie fanden sich damit ab; und viele gehen ihre eigenen Wege in der Einsamkeit der Wildnis. Bei Sam Mahone kommt hinzu, dass er Pech gehabt hat, Pech am laufenden Band. So hat er sich in den Glauben verbissen, dass ihm bitteres Unrecht widerfahren ist, dass der Fortschritt an allem schuld sei.

Jetzt lebt er einsam in der Wildnis, um nicht wieder rauben und auf Menschen schießen zu müssen. Nancy hat ihm zu diesem Entschluss verholfen. Ihre Liebe gibt ihm Kraft und stärkt seinen Glauben, dass er richtig gehandelt hat. Nancy ist ein Teil von ihm. Und wenn sie ihm ein Kind schenkt, so ist auch dieses ein Teil von ihm — sein Blut. Und das Blut der Mahones soll Teil der reinen Erde werden — niemals wird es den verdorbenen Boden der Zivilisation tränken!

Der Mann steht im strömenden Regen und blickt starr zu den finster drohenden Wolken hinauf.

Plötzlich lacht er, und sein eigenes schauerliches Lachen reißt ihn in die Wirklichkeit zurück.

2

Drei Wochen später .

Nacht.

Jammernde Schreie hallen aus der einsamen Blockhütte — die Schmerzensschreie einer in den Wehen liegenden Frau. Sam Mahone läuft in dem Raum schwitzend hin und her. Er schafft heißes Wasser, saubere Tücher und Binden herbei und stellt alles auf den Tisch, den er neben das Lager geschoben hat. Sam unterhält im Steinofen ein prasselndes Feuer. Das Fenster hat er gut abgedichtet. Wohlige Wärme durchströmt den Raum.

Doch das Wehklagen des Mädchens wirkt quälend auf Sam Mahone. Er kann nichts tun — nur warten, bis das Baby geboren ist. Der Mann ballt die Fäuste in ohnmächtigem Zorn. Er mag sein Mädchen nicht leiden sehen, ohne ihr im Geringsten helfen zu können. Und eine schreckliche Ungewissheit lässt ihn nicht los. Immer wieder durchmisst er mit langen Schritten das Zimmer und raunt unterdrückt: „Es muss ein Junge sein — es muss!"

Nancy's plötzliche Schmerzensschreie zehren an den Nerven. Manchmal glaubt Sam sogar, das Wesen in Nancy's Leib tödlich zu hassen.

Warum muss eine Frau so leiden, um neues Leben zu bringen?, fragt er sich verzweifelt.

Sam Mahone gräbt die Zähne so tief in die Haut seiner Fäuste, dass es blutet. In seinen Augen loht die Flamme eines irrsinnigen Hasses, und er kann nicht sagen, wem eigentlich dieser Hass gilt.

Plötzlich sieht er Nancy's Augen auf sich gerichtet. Entsetzen liest er darin, und er denkt: Mein Gott, ich muss furchtbar aussehen. Ich darf ihr nicht zeigen, wie mir zumute ist. Ich muss stark sein, damit sie stark wird.

„Nur noch wenige Stunden, Liebes, sagt er heiser und grinst schief. „Der Kleine macht dir zu schaffen, wie? Er findet nie die passenden Worte in Situationen, die ihm nicht behagen. So hasst er auch sentimentales Gerede oder große Abschiedsworte.

Die Frau lächelt schwach.

„Setz dich zu mir, Sam!, flüstert sie. „Im Augenblick geht — geht es gut. Halte meine Hände, Sam!

Er schluckt.

„Sicher, Nancy." Und er denkt: Aber fang um Gottes Willen nicht wieder an zu schreien! Ich kann das nicht hören. Es macht mich wahnsinnig. Wie lange dauert das denn noch, verdammt!

Er geht zum Wandschrank und entnimmt ihm eine Flasche Brandy. Sam trinkt selten. Die Flasche steht schon lange verstaubt im Schrank. Jetzt setzt er sie an die Lippen, hebt den Ellbogen — und nimmt die Flasche wieder herunter. Mit drei schnellen Schritten ist er am Lager, setzt sich auf die Kante und hält Nancy die Flasche hin.

„Trink, Liebes! Trink, so viel du kannst. Meine Mam tat das auch, als sie mich zur Welt brachte. Trink, Nancy, es wird auch dir über die Schmerzen hinweghelfen!"

Sie will abwehren, doch der Mann schiebt ihr den Flaschenhals einfach in den Mund.

„Mach es wie meine Mam, Nancy! Gleich aus der Flasche. So brauchst du die Gläser nicht zu zählen. Runter damit, Nancy!"

Sie trinkt in kleinen Schlucken. Immer wieder drängt ihr Sam die Flasche auf.

Eine Stunde später ist Nancy betrunken. Und in diesem Zustand bringt sie ihr Baby zur Welt. Sam Mahone steht reglos da — verzaubert und gebannt von einem Wunder.

„Ein Junge, Sam, flüstert Nancy dann glücklich. „Wir haben einen Jungen!

Ein ferner Glanz steht in den Augen des Mannes, als er das eingewickelte, krähende Baby behutsam hochnimmt und die Arme darum legt, als wolle er es schützen.

Sie scheinen eins zu sein: Der Outlaw und sein Sohn ...

3

Ein Mann reitet durch die Wind River Range von Wyoming. Einsam wie sein Ritt sind auch seine Gedanken und Gefühle. Er weiß nicht, wann er zum letzten Mal in seinem Leben Furcht verspürte. Jetzt hat er Furcht. Denn seit vier Tagen liegt der schwerste Weg seines Lebens vor ihm. In der Hütte im tiefen Wald wartet sein Mädchen auf ihn — und sein Sohn, der vor drei Monaten geboren wurde. Der Junge weiß von nichts, aber Nancy wird keine Nacht ruhig schlafen. Sie wird jeden Tag, jede Stunde am Fenster stehen und in das Schweigen des Waldes hineinlauschen. Sie wird das Kind in den Armen wiegen und bittere Tränen vergießen. Und sie wird erst wieder lachen können, wenn ein Pferd vor der Hütte hält und ein Mann mit seiner typisch lässigen Bewegung vom Sattel steigt.

Sam Mahone spürt einen würgenden Kloß im Hals.

„Ich werde es schaffen, Nancy, knirscht er zwischen den Zähnen. „Hölle, ich muss es schaffen!

Ein scharfer Wind fegt durch die Range. Sam Mahone wirft einen Blick zu den jagenden Wolken hoch, und sein dunkles, scharfgeschnittenes Gesicht verzerrt sich. Regen steht wieder bevor, viel Regen, und das kann verdammt schlecht sein für einen Coup. Aber er wird nichts aufschieben. Er wird Nancy nicht lange warten lassen. Er wird rasch zurück sein, und dann kann ihr friedliches Leben in der Wildnis nichts mehr stören.

Ein heißer Strom steigt plötzlich in dem Manne hoch, und er treibt den Wallach zu einem Galopp an. Die Hufe trommeln und wirbeln Grassoden auf. Rauschende Wälder wechseln mit zerklüftetem Hügelland. Am Nachmittag liegt offenes Land vor ihm. Wenig später stößt er auf die alte Postkutschenstraße nach Rock Springs.

Schwere Wolkenmassen hängen am Himmel. Und als die Häuser der Town vor Sam auftauchen, peitscht ihm der heulende Wind die ersten Tropfen ins Gesicht.

„Ich werde bis morgen warten müssen, flucht Sam. „Sicher hat die Bank schon geschlossen. Bei diesem Hundewetter erledigt keiner solche Geschäfte.

Er drückt den Stetson in die Stirn, strafft den Windriemen und knöpft die Wildlederjacke bis obenhin zu. Dann treibt er den Wallach die Neigung hinunter auf die fünf Dutzend Holzhäuser zu. Und plötzlich stürzt der Regen prasselnd auf ihn herab. Seine Kleidung trieft vor Nässe, als er die Mainstreet erreicht. Hastig bindet er sein Pferd an den nächsten Zügelholm, springt unter das Verandadach und versucht, durch die fingerdicken Regenstränge hindurchzuspähen.

Es ist, als wäre er allein in Rock Springs. Kein Laut ist zu hören außer dem Prasseln und Klatschen des Regens. Er stapft ein Stück den Sidewalk entlang und starrt auf den Schlamm und die Pfützen, die sich im Nu gebildet haben.

Mit meinem gut überlegten Plan ist es aus, denkt er bitter. Wenn er morgen die Bank überfällt, wird es für den Sheriff ein Kinderspiel sein, auf dem aufgeweichten Boden seine Spur zu verfolgen.

Warten, bis die Sonne die Erde wieder hartgebacken hat? Nein! Nancy steht Todesängste aus. Er wird sie nicht länger warten lassen. Aber ohne das Geld will er nicht zurückkehren.

Der Himmel wird immer düsterer. Sam beschließt, ein Zimmer zu mieten. Er knöpft die Jacke auf und zieht den 45er aus dem hochgeschnallten Holster. Die Waffe ist feucht, er trocknet sie sorgfältig mit dem Taschentuch. Dann prüft er jede einzelne Patrone in der Trommel.

Schon will er zu seinem Pferd zurück, als hinter seinem Rücken eine Tür quietscht. Er wirbelt herum und sieht einen älteren, untersetzten Mann in schwarzem Gehrock. Er hat glatt zurückgekämmtes Haar und wulstige Lippen, die sich geringschätzig verziehen, als er Sam erblickt. Offenbar hält er ihn für einen durchziehenden Satteltramp.

Sam's Herz pochte bis zum Halse, als er das Schild neben der Tür entdeckt:

TRADE & RANCHINO BANK

Er befindet sich genau vor der Bank, und der Marin im Gehrock ist offensichtlich der Bankier.

Sam starrt den Mann drei Herzschläge lang an. Der Regen prasselt. Und die einzigen Menschen in der grauen Town scheinen Sam Mahone und der Bankier zu sein. Der geringschätzige Zug um des Mannes Mund verblasst. Er kneift die kleinen Augen misstrauisch zusammen und macht einen schnellen Schritt zurück. Die Tür schwingt quietschend zu, und Sam hört einen Schlüsselbund rasseln. Seine Hand fliegt hoch und krallt sich in die Hemdbrust, worunter der Drellsack verborgen ist. Und diese Bewegung ist die Folge dessen, was Sam an gehetzten Gedanken miteinander verknüpft hat.

Jetzt oder nie! Sam macht zwei Sätze.

Sein mit Wucht vorschießender Stiefel prallt mit der Tür zusammen, ehe diese ins Schloss fallen kann. Dann fliegt sein volles Körpergewicht dröhnend gegen das Holz, und von innen ertönt ein dünner Schrei. Der Bankier war allein.. Er liegt halb auf den Dielen, das glatte Haar plötzlich zerzaust, und reibt sich stöhnend die Stirn, wo ihn die zurücksausende Tür erwischte.

Sam's Seele ist ein glimmendes Feuer unter einer dünnen Eisschicht. Und er muss seinen schrecklichen Coup abgewickelt haben, ehe die Kältewand zerschmilzt und er die Nerven verliert. Hier geht es um alles!

„Wer ist noch da?", fragt er zischend und deutet mit dem Kopf zur Tür eines Nebenzimmers.

Die blassen Augen des Bankiers sind schreckgeweitet. Er sieht die dunkle Revolvermündung, die auf seine Stirn zielt, und er sieht das steinerne Gesicht des Eindringlings. Dass sich der Fremde nicht einmal bemüht, sein Gesicht mit dem Halstuch zu maskieren, ist kein Grund, sich eine fadenscheinige Hoffnung zu machen. Im Gegenteil, der Desperado ist in seinem überhasteten Überfall zu allem entschlossen.

„Bin — bin allein", schluckt der Bankier. Er richtet sich ächzend auf den Hosenboden hoch, macht aber nicht den Versuch, aufzustehen.

„Ich habe keine Zeit", sagt der Outlaw verzerrt.

Mit zwei Sätzen ist er bei dem Alten und reißt ihn am Rockkragen hoch.

„Mach den Tresor auf, schnell!"

Der Bankier schielt auf den Colt unter seiner Nase und schrumpft zusammen. Sam wirbelt ihn am Kragen herum und stößt ihm die Coltmündung in den Rücken. Willenlos stolpert der Mann um den Schalter herum zum Tresor.

„Ich geb dir fünfzehn Sekunden!, faucht Sam Mahone und zieht den Drellsack unter dem Hemd hervor. „Dann hast du den Kasten aufgemacht und das Geld in den Sack gestopft — nur die Scheine. Los!

Der Alte braucht nur zehn Sekunden. Sam reißt ihm den gefüllten Sack aus den Händen. Er schluckt trocken und starrt den Bankier sekundenlang an, als könne er nicht fassen, dass alles so glatt gegangen ist.

Der Alte stützt sich mit einer Hand schwer auf die Barriere, mit der anderen wischt er sich den perlenden Schweiß von der Stirn.

„Auf die Art hat's noch keiner versucht, murmelt er düster. „By gosh, Fremder, Sie müssen mit dem Satan im Bunde stehen. Warten einfach auf den großen Regen, weil das für Sie die beste Deckung ist, denn kein Mensch lässt sich bei dem Sauwetter auf der Straße sehen. Nur Ihre Spur, die können Sie nicht verwischen. Aber wahrscheinlich haben Sie auch herausgekriegt, dass der Sheriff gerade mit 'nem Aufgebot nach Uvalde weg ist. Ausgerechnet vor dem großen Regen hauen die Kerle ab, und der Regen verzögert ihre Rückkehr. So viel Glück für Sie — oder Zufall? Sie müssen wirklich ein Partner des Satans sein, Mister. — Lassen Sie mich am Leben?

Sam Mahone presst die Lippen hart aufeinander.

„Ich bin kein Mörder! Drehen Sie sich um, ich muss Sie niederschlagen. Tut mir leid!"

„Ich bin nicht mehr der Jüngste, Fremder! Sie könnten mich totschlagen!"

Sam beißt sich auf die Unterlippe.

„Keine Zeit. Muss es riskieren. Drehen Sie sich um, schnell!"

„Sie können mich fesseln — und knebeln! Im Nebenraum liegt ein Strick. Ich schwör's, Fremder, ich bin allein im Haus. Mein Clerk ist seit zwei Tagen krank. er wohnt am Ende der Stadt. Beim Satan, wieder so ein verteufelter Zufall. Sie müssen wirklich ..."

„Ich weiß!, unterbricht ihn Sam mürrisch. „Gehen Sie voran! Eine krumme Bewegung, und Sie haben gewählt!

Sam folgt ihm wachsam mit vorgehaltenem Revolver. In dem Office lässt er den Bankier sich niederlegen und fesselt ihm Arme und Beine. Zum Schluss zerreißt er das Hemd des Alten und knebelt ihn leicht mit einigen Fetzen.

„Denken Sie immer daran, dass ich Sie hätte umbringen können", murmelt Sam zum Abschied.

Drei Sekunden später steht er wieder auf dem Sidewalk. Der Regen hat nicht nachgelassen, er scheint sogar noch stärker niederzuprasseln.

Nachdem Sam den Geldsack in der Satteltasche seines Wallachs verstaut hat, steht er einen Moment reglos da und starrt in die lückenlos scheinende Regenwand. Er kann noch immer nicht fassen, dass der Coup so glatt abgegangen ist, dass er das Geld hat und zu Nancy zurückkehren kann.

Flucht? Solange der Regen vom Himmel stürzt, wird es keine Jagd auf ihn geben. Und der Sheriff ist gerade unterwegs. Ist das alles nicht zu viel Glück?

Der Himmel weiß, dass ich es nicht für mich tue, sondern für meinen Sohn, denkt Sam Mahone. Darum steht er mir bei.

Fast gelassen löst er den Zügel vom Holm. Er schwingt sich in den Sattel und reitet im Trab durch den rauschenden Regen davon — so, als ob er eine selbstverständliche Aufgabe erfüllt hätte.

Unbemerkt, wie er in Rock Springs auftauchte, verschwindet er im weiten Hügelland — wie ein Geisterreiter. Und von einem Geisterreiter wird Clem Duncan, der Bankier, reden, wenn man ihn Stunden später aus seiner Not erlöst.

Die Verkettung unglaublicher Zufälle ließ das dreiste Unternehmen eines Mannes gelingen, der hundert einsame Meilen ritt, freies Leben zu bereiten. Nicht allein dieser sein, sondern auch der Name des Mannes, der den Coup ausführte. Sein Name wird zur Legende werden ...

Er macht ein Feuer, trocknet seine Kleider und versorgt das Pferd, das er in die Hütte mitgenommen hat. Nachdem er etwas Dörrfleisch verzehrt hat, macht er sich daran, das Geld zu zählen. Er braucht eine Stunde dafür.

Knapp achtzigtausend Dollar brachte der Coup. Sam's Augen glühen. Gleichsam im Vorbeigehen hat er mehr Dollars erbeutet, als zwei Cowboys zusammen in ihrem ganzen Leben verdienen.

Der Outlaw schluckt wieder und wieder. Er kneift sich in die Arme, schlägt sich klatschend ins Gesicht. Nein, er träumt nicht! Er hat das Geld, ist in Sicherheit und kann heimkehren.

„Himmel und Hölle, ich danke euch!", flüstert Mahone. Er ist in guter Stimmung, springt in dem Raum umher wie ein ausgelassenes Kind und umarmt schließlich seinen Wallach.

Als die Dunkelheit über die Hütte fällt, liegt Sam ruhig auf dem Lager. Er hat die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrt zur Decke. Draußen rauscht der Regen. Ab und zu schnaubt das Pferd, das sich in Sam's Nähe hingestreckt hat.

Der Mann denkt an Nancy und den Jungen, den sie Jake tauften, und wieder beschleichen ihn Ungeduld und Sorge. Er weiß, dass noch Tage vergehen werden, ehe er die Blockhütte in der Wind River Range erreicht. Keinesfalls darf er den schnellsten Weg nach Hause einschlagen. Er muss wieder Umwege reiten, um seine Spuren zu verwischen.

Seine Gedanken verwirren sich bei diesen Überlegungen, und er schläft ein.

Als er erwacht, ist es still draußen — unheimlich still. Mit einem Satz ist er hoch und reißt die Tür auf. Der Regen ist vorüber. Der Morgenwind spielt in einem grauen Gewoge.

„Ich muss weiter!", knirscht der Outlaw.

In fliegender Hast sattelt er den Wallach, zerrt ihn heraus und springt in den Sattel. Irgendwo im grauen Dunst geht die Sonne auf. Das Morgenrot kann die Schwaden nicht durchdringen, aber es ist schon so hell, dass die Büsche und Bäume des Graslandes sich schattenhaft abzeichnen.

Sam drückt die Schenkel an, und der Wallach galoppiert in das widerliche Gewoge hinein.

Die Wind River Range liegt im Osten, doch Sam reitet nach Süden. Erst gegen Mittag, als er ein meilenlanges Geröllfeld passiert hat, biegt er in einem spitzen Winkel nach Osten ab. Er lässt den Wallach durch seichte Flüsse gehen, reitet im Zickzack oder führt das Tier am Zügel über schmale Gebirgspfade.

Endlich, am dritten Tag nach seinem Coup in Rock Springs, glaubt Sam, seine Spuren hinreichend verwischt zu haben. Auf dem einfachsten Weg sucht er nun das riesige Waldgebiet der Wind River Range.

In zwei weiteren Tagen würde er seine Blockhütte erreichen.

Doch am Abend des folgenden Tages, zwanzig Meilen vor dem Ziel, hat er Pech. Der Wallach tritt in ein Kaninchenloch, bricht ein Bein, und Sam muss das Tier erschießen. Er schnallt den Sattel mit den Taschen los und setzt den Weg zu Fuß fort. Er folgt dem Lauf des Shoshone River, der dicht an der Blockhütte vorbeifließt.

Es wird eine qualvolle Wanderung. Sam schießt die Hacken seiner Stiefel weg, um besser laufen zu können. Zwei Nächte verbringt er unter freiem Himmel, in seine Decke gehüllt. Der Morgen, der der zweiten Nacht folgt, bringt Sam zu der mächtigen Eiche, die er wie einen lieben Bekannten grüßt. Es ist die Stelle, die Nancy immer aufsucht, um am Flussufer die Kleider zu waschen.

Dann bleiben Sam nur noch wenige Minuten, um sich vorzustellen, wie Nancy ihn empfangen wird.

Als die kleine Lichtung vor ihm liegt, bleibt er mit aufgeregt hämmerndem Herzen stehen. Die Hütte zwischen den gewaltigen Blutbuchen steht wie verlassen. Aber war da nicht eine hastige Bewegung am Fenster?

Die Tür fliegt auf. Nancy steht da. Sie trägt Jeans und ein kariertes Baumwollhemd. Ihre Hände auf die Brust gepresst, steht sie sekundenlang reglos da. Dann läuft sie stumm auf ihn zu.

Der Mann lässt Sattel und Taschen fallen, geht ihr entgegen und fängt sie in seinen Armen auf. Er muss sie festhalten, denn plötzlich verlassen Nancy die Kräfte, und sie beginnt heftig zu schluchzen. Er küsst ihr die Tränen von den Wimpern.

„Alles ist gut, Nancy, Liebes, murmelt er heiser. Und nach einiger Zeit fragt er: „Jake?

Sie nickt und lacht unter Tränen. Da hebt er sie auf die Arme.

„Ich werde dich nie wieder allein lassen", schwört er und trägt sie in die Hütte.

4

Zwei Wochen verstreichen , in denen Sam und Nancy sehr glücklich miteinander leben. Nichts stört ihren Frieden, wenn man davon absieht, dass der Frau eines Morgens bei der Wäsche am Fluss ein Hemd davonschwimmt.

Ein wenig ärgerlich berichtet sie dem Manne von dem „Unglück". Schließlich lachen sie beide über den Vorfall, so wie sie in dieser Zeit über alles mögliche lachen.

Sam kann nicht ahnen, dass er noch oft an dieses davongeschwommene Hemd denken muss.

Der Verlust des Pferdes braucht die beiden nicht zu bedrücken. Zwanzig Schritt von der Blockhütte weg steht auf einer anderen Lichtung ein kompaktes Stallgebäude. Sam errichtete es mit Nany's Hilfe vor einem Jahr. Ebenso den kleinen Corral gleich daneben, in dem vier prächtige, zugerittene Wildpferde umhertraben.

Es ist am fünfzehnten Tag nach seiner Rückkehr.

Sam striegelt gerade eines der Tiere im Corral, als Nancy atemlos angelaufen kommt. Das Baby hält sie an die Brust gepresst.

„Männer kommen den Fluss herauf, Sam!, keucht sie. „Sicher eine Posse. Sie müssen deine Spur gefunden haben.

Sam Mahone steht wie vom Donner gerührt. Er sieht das Tuch, das Nancy notdürftig um das Baby gewickelt hat. Sie hat in der Not kurz entschlossen gehandelt und an das Wichtigste gedacht — wie an die beiden Patronenschachteln, die sie krampfhaft mit einer Hand gegen das Baby gepresst hält.

Brave, tapfere Nancy! Es gibt so vieles, was Sam in diesem Augenblick tun möchte. Seine Seele ist plötzlich wund. Doch dann handelt auch er kurz entschlossen. Er nimmt seinem Mädchen die Munition ab, schiebt sie in seine Tasche und rennt zum Stall.

„Zu spät, Sam!, ruft Nancy mit zittriger Stimm. „Du schaffst es nicht mit dem Satteln, wir können ...

Sam hört nicht auf sie. Er denkt, dass die Verfolger noch nicht so nahe sein können. Und eine Flucht zu Fuß hält er ganz und gar für unsinnig.

Vielleicht hätte er jetzt auf Nancy hören sollen. Es hätte ihm vielleicht erhalten, was ihm auf dieser Welt am liebsten war ...

Er springt aus dem Stall, beide Sättel in den Händen.

„Mach das Gatter auf, Nancy!, ruft er gepresst. „Geld hast du nicht mitgebracht?

„Es war keine Zeit, Sam. Wenn — wenn wir nur unser nacktes Leben retten können. Bitte, mach schnell, Sam! Sie müssen jeden Moment hier sein", stammelt das Mädchen fieberhaft.

„Sie werden uns nicht kriegen — niemals!", sagt der Mann mit ungeheurer Verachtung und wirft einer Stute den Sattel über. In dem Augenblick stößt Nancy einen erstickten Laut aus.

Aus der Richtung der Blockhütte tönt dumpfes Hufgetrappel. Im Unterholz raschelt und knackt es. Sam's Gesicht ist eine verzerrte Maske. Er erkannte, dass Nancy recht hatte.

„Lauf voraus, Liebes!, ruft er hitzig. „Lauf, lauf! Ich komme nach!

Die ersten Reiter kommen bereits in Sicht, als Nancy zu laufen beginnt. Sam sieht die Waffen der Verfolger in der späten Nachmittagssonne aufblitzen. Er reißt den eigenen Colt heraus und feuert mehrere Warnschüsse ab.

Die Reiter gleiten aus den Sätteln und suchen Deckung hinter den Bäumen. Gleichzeitig erwidern sie das Feuer. Sam spürt, den Luftdruck der Geschosse hässlich nahe an seinen Ohren, während er unter der Corralstange hindurch robbt, liegenbleibt und in fiebriger Hast die Trommel des Colts auflädt.

Plötzlich ist ihm, als hätte er hinter sich einen schwachen Aufschrei gehört.

Wo ist Nancy?

Er ruckt den Kopf herum — und erstarrt. Nancy ist nicht weit hinter ihm. Sie ist halb von einem Baumstamm verdeckt. Aber Sam sieht sie taumeln, mit dem Baby in den Armen. Sie versucht sich mit einer Hand am Baumstamm abzustützen.

Nancy ist getroffen!

„Nancy!, brüllt Sam gequält. „Nancy, Liebes!

Er rollt wirbelnd über den Boden und schießt gleichzeitig den Revolver auf die Verfolger leer. „Ihr verdammten Hunde!, heult er mit überkippender Stimme. „Ihr habt ein Mädchen angeschossen!

Sam springt hoch, den Tod verachtend. Er rennt im Zickzack auf Nancy zu. Er will zu ihr, alles andere zählt nicht. Das gegnerische Feuer schweigt. Die Verfolger ahnen wohl, was geschehen ist. Kein braver Mann schießt gern eine Frau an.

Nancy hat die Zähne fest in die Unterlippe gebissen, als Sam sie erreicht. Haltlos sinkt sie zusammen, kaum dass er ihr das Baby abgenommen hat.

„Nancy!", keucht der Outlaw.

Sie liegt im Moos. Er fällt auf die Knie und stützt ihr mit einer Hand den Kopf. Die Kugel steckt in ihrem Rücken. Kleine, rosige Schaumbläschen erscheinen auf ihren Lippen. Ihr Blick ist glanzlos.

„Liebes, du darfst — darfst nicht ...", würgt der Mann mit zuckenden Lippen.

Nancy versucht zu lächeln. Doch das Lächeln erstarrt auf halbem Wege.

„Jake, Sam — behüt ihn gut!", haucht sie und stirbt.

Der Wind flüstert sanft in den Wipfeln der Bäume. Vögel zwitschern. Das Baby beginnt zu schreien. Sam hält es mit dem linken Arm. Mit dem anderen Arm hat er Nancy umfasst, während er seine Lippen auf den kalten Mund der Toten presst. Und der Körper des Mannes bebt.

Sekunden vertröpfeln.

Das Baby hört auf zu schreien.

Als Sam den Kopf hebt, sind seine Augen wie aus Stein. Er sieht sechs Männer mit angeschlagenen Colts auf sich zukommen, und er rührt sich nicht. Auf der Weste jedes Mannes blinkt ein Stern. Zehn Yards vor Sam Mahone bleiben sie stehen. Ein älterer, schmächtiger Mann mit einem gewaltigen Sichelbart ruft mit rauer Stimme, die jedoch dem Ernst der Situation angemessen ist: „Ich bin Sheriff Mars Conney vom Uvalde County, und das sind meine Deputies. Wir müssen Sie festnehmen, weil Sie in dem dringenden Verdacht stehen, die Bank in Rock Springs beraubt zu haben. Wenn Sie eine unpassende Bewegung machen, müssen wir schießen."

Schritt um Schritt kommen sie näher.

Der kleine Jake schreit wieder. Sam's Gehirn ist wie ausgehöhlt. Er lässt den Kopf der Toten sanft ins Moos zurückgleiten und drückt das Baby fest an seine Brust — einen Teil von Nancy, der noch lebt. Langsam steht er auf, mit starrem Blick. Er lässt es zu, dass sie ihm den Revolver wegnehmen. Doch als ihm einer das Baby abnehmen will, wehrt er stumm ab.

Es sind alles junge Burschen, die sich als Deputies verschwören ließen. Bedrückt stehen sie mit ihren großen Revolvern da. Sie werden niemals vergessen, dass sie das junge, blühende Leben eines tapferen Mädchens auslöschten. Manch einer schluckt und wagt nicht, Sam anzusehen.

Der schmächtige Sheriff räuspert sich und tritt an die Tote heran.

„Keiner rührt mein Mädchen an!" Die Stimme ist leise, aber es liegt ein Ton darin, der die Sternträger zusammenzucken lässt. Der Outlaw hat nicht einmal den Kopf gedreht.

„Well, schnauft der Sheriff, „wollen Sie sie hier vielleicht liegenlassen?

Der Outlaw stellt tonlos eine Gegenfrage: „Wie haben Sie mich gefunden?"

Der Sheriff streicht sich über den Sichelbart.

„War gar nicht so einfach, knurrt er. „Aber ich habe einen komischen Ehrgeiz. Wenn ich mich schon mal an die Fährte eines Mannes geheftet habe, will ich ihn auch kriegen, und wenn ich mich totreiten müsste. Dauerte zwei Wochen, ehe wir in die Nahe des Shoshone Creek kamen. Hast uns verdammt an der Nase rumgeführt, Mann. Schließlich kam uns der Zufall zu Hilfe. Fanden ein frisch gewaschenes Hemd am Flussufer, das sich in einer Astgabel verfangen hatte. Das brachte mich auf die Idee. — Beim Satan, was wird nun mit der toten Frau?

Sam starrt geradeaus.

„Ich werde sie begraben — hinter unserer Hütte. Halten Sie das Baby, Sheriff! Es ist ein Junge, er hat das Blut von Nancy und Sam Mahone. Mein Mädchen hat eine Schwester in Shelby, Texas. Sie heißt Sarah Siaughter. Der Junge soll dahin gebracht werden. Sein Name ist Jake ..."

5

Jahre vergehen - zehn Jahre.

Es geschieht bei Shelby, Texas, im Juni 1892.

Vier halbwüchsige Jungen befinden sich auf dem Heimweg von der Schule. Bei dem Doubledare Hole, einem tiefen Loch in einem Arroyo, der sich weit durch das Land zieht, machen sie halt. Im Frühling und Frühsommer ist das schlammige Loch immer mit Wasser gefüllt. Die vier werfen ihre Kleider ab, springen ins Wasser und schwimmen um die Wette. Doch einer der Burschen hat Knoten in die Kleider eines Jungen namens Criss Bagley gemacht — und so fängt es an.

Als Criss nach einer Weile aus dem Wasser kommt, schreit er los: „Meine Kleider! Welcher Hund hat Knoten in meine Kleider gemacht? Und er blickt zornig auf den hageren, dunkelblonden Kameraden, der vor ihm aus dem Wasser gestiegen ist. „Verdammt, Jake Mahone!

Dieser sieht ihn mit lässigem Augenaufschlag an und erwidert: „Fluch nicht — ich habe keine Knoten in deine verdammten Kleider gemacht!"

Eine Weile starren sie sich an. Criss ist nackt und tropfnass. Jake hat sich bereits abgetrocknet und angezogen. Die zwei anderen Jungens klettern nun ans Ufer, grinsend. Und einer sagt: „Criss, was ist los? Fürchtest du Jake? Lässt du dir wirklich von ihm Knoten in die Kleider binden?"

Criss dreht sich ihm zu.

„Halt dein verdammtes Maul — ich werde schon mit ihm fertig, wenn er die Knoten nicht wieder aufbindet."

Jake's Antwort ist wieder lässig: „Tu es doch selbst — ich muss dich nicht bedienen."

Criss hat die kleinen Augen zornig zusammengekniffen.

„Ich zähle bis zehn — dann wird es schlimm, wenn du die Kleider nicht bis dahin aufgebunden hast."

„Du kannst meinetwegen bis tausend zählen!"

Criss hat zu zählen begonnen, aber Jake bewegt sich nicht.

„All right, sei verdammt!"

Jake hat nie vorher mit Criss gekämpft, aber er fürchtet ihn auch nicht. Nach dem ersten Schlag sieht Jake schon, dass es leicht werden wird. Criss ist groß, dick und plump und nicht sehr smart.

Jake duckt sich unter seiner Faust durch und trifft ihn in den Leib. Als der andere vor Erstaunen die Augen aufreißt, trifft Jake ihn ins Gesicht. Criss stolpert nicht — er setzt sich einfach. Und als er aufsteht, hat er einen Ast in der Hand.

Criss Bagley ist zwölf, Jake zehn. Außerdem ist der andere dreißig Pfund schwerer. Und so kennt Jake nur einen Ausweg. Irgendwie bringt er das Messer aus der Tasche. Criss trifft ihn mit der Keule auf die linke Schulter. Der Schlag lähmt seinen Arm.

Wieder schlägt Criss zu. Da stößt ihm Jake das Taschenmesser in den Leib.

Zuerst treten nur sehr wenige Blutstropfen an den Rand des Schnitts.

Dann setzt sich Criss wieder — sehr vorsichtig — er legt sich und beginnt zu heulen: „Verdammt, Jake — du hast mich umgebracht!"

Einen Augenblick denkt Jake das auch. Das Blut fließt jetzt schneller. Er hat immer noch keine Angst. Er weiß aber, dass er aus Shelby verschwinden muss, wenn Criss stirbt, und zwar noch ehe der Town Marshal davon erfährt.

Zur Zeit ist der alte Buck Travis Marshal, der im Ruf steht, alle Mörder aufzuspüren.

Jake lässt Criss weinend am Boden und läuft, so schnell er kann, nach Hause. Will Slaughter ist der Klempner von Shelby. Jake wohnt bei ihm und seiner Frau, solange er denken kann. Tante Sarah, Will's Frau, ist immer wie eine Mutter zu ihm gewesen. Von ihr hat der Junge erfahren, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben und sein Vater ebenfalls tot sei. Woran er starb, darüber ließ sie sich jedoch nicht aus.

Jake erzählt seinem Onkel, was geschehen ist. Will Slaughter sitzt auf einem der bequemen Wohnzimmerstühle. Er starrt Jake an und sagt nichts. Er ist ein braver Arbeiter, der in den wenigen Minuten zum alten Mann wird. Und er soll von nun an ein alter Mann bleiben. Auch für ihn ist Jake immer wie ein Sohn gewesen, der einmal seinen Laden übernehmen soll.

Endlich sagt er: „Jake?"

„Ja, Onkel."

„Geh in dein Zimmer und bleib dort! Sag deiner Tante nichts, bis ich zurückkomme! Gib mit dein Wort darauf!"

Jake muss ihm das Wort geben und in seinem Zimmer bleiben. Vom Fenster aus sieht er, wie sein Onkel den Wagen anschirrt und zum Arroyo fährt ...

Criss stirbt nicht, aber es gibt angsterfüllte Tage. Der alte Bagley schwört, er werde Jake und Will töten, falls Criss sterbe. Aber er stirbt nicht. Er liegt zwei Monate im Bett — aber als er wieder aufsteht, ist er gesund wie jeder andere — nur unterhalb des Nabels hat er eine acht Zoll lange Narbe.

Jake hat versucht, es seiner Tante Sarah zu erklären, aber am Ende weinte sie immer.

„Jake, warum bist du nicht weggelaufen? Warum hast du ihm die Kleider nicht aufgeknotet?"

Jake konnte es ihr nicht sagen — er weiß es selbst nicht.

Und wieder verstreicht die Zeit.

Jake geht zur Schule — wie gewöhnlich. Und er grüßt die Leute — wie üblich. Aber viele Leute erwidern seinen Gruß nicht mehr, seit sie von seinem blutigen Zweikampf mit Criss Bagley wissen. Sie beobachteten ihn aus engen Augen und tuscheln dies und jenes: „Er ist ein Mahone. Und er wird genauso werden wie sein Vater — ein berüchtigter Outlaw. Jetzt trägt er nur ein Taschenmesser, aber wenn er erwachsen ist, wird ein Revolver an seiner Hüfte baumeln. Und er wird seine Feinde voll Blei pumpen. Er wird Tod und Verderben über die Town bringen!" So schwatzen sie. Doch Buck Travis, der alte Marshal von Shelby, schüttelt immer nur den Kopf. Er ist ein friedlicher Fünfziger. Oft hat er den kleinen Jake beobachtet, und er kennt das freundliche Wesen des Jungen. Niemals würde Jake einem anderen ein Leid antun, wenn man ihn in Ruhe ließ. Buck Travis kennt auch Criss Bagley's Jähzorn zur Genüge. Er ist überzeugt, dass Jake Mahone in Notwehr handelte.

Immerhin ist die Legende um Sam Mahone plötzlich wieder in aller Munde. Vermutungen werden laut.

Wurde Sam Mahone nicht zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt? Und wurde er nicht schon vor vier oder fünf Jahren wegen guter Führung vorzeitig entlassen?

Sicher, Sam Mahone muss längst wieder auf freiem Fuß sein. Er war ja kein Mörder, hat Sarah Slaughter erzählt. Er hat nur Pech gehabt und konnte die Welt nicht mehr verstehen. Darum hat er einsam in der Wildnis gelebt. Und seinen letzten Streich unternahm er für seinen neugeborenen Sohn, für Jake. Yeah, so soll es gewesen sein. Aber warum kehrt der Outlaw dann nicht zurück, um Jake zu besuchen? Weiß der Junge überhaupt, dass sein Vater noch lebt?

Wochenlang bietet die Legende von Sam Mahone dem verschlafenen Nest in Texas Stoff zum Nachdenken und Reden.

Als das Gemunkel endlich abflaut, atmet der Marshal auf. Aber er beschließt, in Zukunft ein Auge auf den Jungen zu halten. Wenn er wüsste, wieviel Wirbel es noch um den jungen Mahone geben wird!

6

Zwei Jahre später.

Jake schlendert zu Harkey's Weide hinunter, wo Will Slaughter's Kuh grast. Allmorgendlich, auch im Winter, muss er Bessie auf die Weide bringen, und allabendlich holt er sie zum Melken wieder nach Hause. Man kann Tante Sarah nicht davon abbringen, sich wegen der frischen Milch und Butter eine Kuh zu halten.

Weiter unten auf dem Weg taucht ein anderer „Cowboy"' auf, um seine Familien Kuh zu holen. In Shelby, denkt Jake voller Bitterkeit, lebt man eigentlich weder städtisch noch wie auf einer Ranch. Es ist etwas zwischen beiden und fast so, als lebe man nirgendwo.

An dem Zaun legt der Junge die Hände an den Mund brüllt: „Hooo, Bessie!"

Er hofft, die dumme Kuh wird vernünftig genug sein, heranzukommen, ohne dass er sie erst zu holen braucht.

Mehrere Kühe stehen in der Nähe des Tors, Bessie aber nicht. Das blöde Ding steckt vielleicht gar bis zu den Knien im Morast — und er muss es noch herauszerren!

Jake brüllt nochmals, und nach einer Weile sieht er die braunweiß gefleckte Bessie um den Teich herumtrotten. Ich habe Glück, denkt er, aber Stolz fühlt er nicht in sich.

Todd Wintworth, der in Jake's Alter steht, treibt seine Kuh durch das Tor. Jake schlüpft hinein und wartet auf Bessie. Todd tritt heran, während er sein Seil durch die Luft schwenkt, als wäre es ein Lasso.

„Du hast Bessie ganz schön am Schnürchen, meint er. „Ich musste Blackie erst suchen. Das verfluchte Biest hat nicht genug Verstand, um zu wissen, wann es was zu fressen gibt.

Die beiden Jungen setzen sich auf den Boden und kauen Grashalme. Unter ihnen erstreckt sich die Town. Die Weide liegt auf einem Abhang im Osten, so dass sie jetzt auf Shelby's Teerpappdächer und staubige Straßen hinunterschauen können. Die Häuser sind kaum mehr als Holzhütten. Viele sind nicht einmal gestrichen. Jedes Haus hat einen Gemüsegarten, und zu vielen gehört ein Kuh- oder Hühnerstall.

By gosh, denkt Jake, das sieht mehr nach einer Geisterstadt aus als nach einem Ort, in dem fünfzig oder sechzig Familien wohnen.

Er blickt zur Sonne, die im Westen hinter der Prärie verschwindet. Sie ist ein roter Ball, der aussieht wie eine riesige Schafslaus, die sich überfressen hat. Jake betrachtet die Muster des Holzrauchs, der aus den dünnen Schornsteinen hervorquillt, und er fragt sich, was Tante Sarah an diesem Abend wohl zum Essen bereitet.

Plötzlich springt Todd Wintworth auf und wirft einen Stein nach seiner Kuh.

„He, Blackie! Los, auf den Weg zurück! Verärgert zuckt er die Schultern und blickt Jake an. „Ich gehe jetzt wohl am besten, sonst muss ich das blöde Vieh noch durch die ganze Gegend verfolgen. Langsam stampft er den Hang hinunter.

Nach zwanzig Schritten hält er plötzlich inne und ruft: „Beinahe hätte ich es vergessen. Weißt du, dass die Slaughter‘s Besuch haben?"

Jake blinzelt. „Besuch?"

„Klar doch. An euren Kuhstall war ein schwarzes Pferd gebunden, als ich vorbeikam. Der Kerl hat seine Sattelrolle mit ins Haus genommen."

„Davon weiß ich nichts, erwidert Jake. „Bin von der Schule nicht erst nach Hause gegangen.

Todd ruft etwas, was Jake nicht versteht, dann rennt er durch das hohe Unkraut, um Blackie auf den Weg zurückzubringen.

Wer immer dieser Besucher auch sein mag, Jake hofft im Augenblick nur, dass Tante Sarah ein ordentliches Abendessen bereitet hat, denn er ist hungrig wie ein Wolf.

Jetzt hat Bessie das Tor erreicht, das Jake öffnet und hinter dem Tier wieder schließt.

Jake vergisst den Besucher, den Todd Wintworth erwähnt hat. Er gibt sich Erinnerungen hin an die wilden Nächte, wie sie in Shelby herrschten, bevor die Cowboys es vorzogen, die Town zu meiden. Jake erinnert sich sehr wohl an die Stadt, obgleich er damals noch ein Kind war — vor acht oder neun Jahren. Jetzt ist er dreizehn und in diesem Land praktisch schon ein Mann.

Damals wurde das Klavier in Bert Sur Yat Saloon die ganze Nacht hindurch gehämmert, so dass man es vom einen Ende der Town bis zum anderen hören konnte. Kaum eine Nacht gab es, in der nicht geschossen wurde. Mehr als einmal wurde der alte Abe Roebuck, der Zimmermann und städtische Arbeiter, mitten in der Nacht aus dem Bett geholt, um einen Tannenholzsarg zusammenzuschlagen.

Aber Jake hat sich nie gefürchtet. Seine abenteuerliche, junge Seele fühlt sich diesen Männern verbunden, auch wenn er ein Stadtkind ist und kein Pferd zum Reiten und keinen Colt zum Schießen hat. Damals konnte er auf die Street rennen und den wilden Burschen zuwinken, und er fürchtete sich nicht im Geringsten, von den aufgescheuchten Pferden zu Tode getrampelt zu werden, wovor ihn seine Tante Sarah oft gewarnt hatte. Yeah, damals gab es noch Aufregung, und Jake glaubt, er wird es den Siedlern nie verzeihen können, dass sie Ordnung schufen.

Nie mehr werden die schreienden Cowboys durch Shelby stürmen und Leben in die Bude bringen. Die Großen wie Cross Four, Big Hat und The Snake — sie alle haben gesagt, sie wollten verflucht sein, wenn sie je eine Nacht unter einem Dach mit diesen Siedlern zubringen würden.

Von da ab haben sie sich nach Yellow Fork verzogen. Dieses Nest ist zwar nicht so nett wie Shelby, aber seine Bewohner verstehen mit Cowboys umzugehen.

Auf diese Weise ist Shelby zu einer Siedlerstadt geworden. Nur selten noch sieht man einen Mann, der auf der Mainstreet einen Revolver trägt, und dann ist er sicher ein Reisender.

Jake spuckt aus. Jetzt gibt es hier keine Boys mehr mit bunten Halstüchern, handgearbeiteten Stiefeln und sonstigem Putz. Man sieht nur noch Overalls und dicksohlige Stiefel. Und wenn die Männer überhaupt hoch Waffen tragen, so sind es sicher Flinten — und tiefer kann nach Jake's Ansicht ein Mensch überhaupt nicht mehr sinken.

Er stapft den Abhang hinunter, wobei er bei jedem Schritt roten Staub aufwirbelt.

Wenn ich erwachsen bin, denkt er, werde ich mir ein Paar handgearbeitete Stiefel mit Stickereien an den Seiten anschaffen. Nicht, dass er nicht schon erwachsen wäre — er hat nur kein Geld.

Lange, lange denkt er über diese Stiefel nach, als er hinter Bessie einherstapft. Er riecht den Rauch aus den Schornsteinen und wird hungriger noch als zuvor.

Er hofft, Tante Sarah wird gebratene Hühnchen, Soße und Biskuits auftischen, wie sie es immer tut, wenn wichtiger Besuch da ist.

7

Die Zügel des Pferdes sind an den Haken der Kuhstalltür gebunden. Das Tier ist prächtig — schwarz wie Kohle und gut gepflegt. Jake achtet besonders auf den verzierten Ledersattel.

Yeah, so etwas will Jake sich eines Tages anschaffen. Seine Hände ziehen die Winchester aus dem Scabbard und streicheln sie. Er kann seinen Blick nicht vom Pferd abwenden, als er Bessie in den Stall führt und ihr das Futter vorwirft.

Zum Geier, denkt er, warum wohl ein Mann, der solch einen Reichtum besitzt, die Slaughters aufsucht!

Tante Sarah hat nichts für Waffen übrig, auch nichts für jene Männer, die sie tragen. Auch Onkel Will nicht.

„Wer mit dem Schwert lebt, wird durch das Schwert sterben", pflegt sein Onkel zu sagen. Jake denkt dann immer: Beim Satan, das ist verrückt! In meinem ganzen Leben habe ich in Shelby nie einen Mann mit einem Schwert gesehen!

Aber so sind sie nun mal. Besonders Tante Sarah. Wenn man etwas tut, was ihr nicht gefällt, so hat sie immer ein geeignetes Zitat zur Hand, um zu beweisen, dass es böse ist.

Jake wirft noch einen letzten bewundernden Blick auf das schöne Gewehr, dann marschiert er auf das Haus zu.

„Jake, ist die Kuh im Stall? Hast du ihr zu fressen gegeben?"

Es ist seine Tante Sarah. Sie ist eben an die Küchentür gekommen, um nach ihm auszuschauen. Sie ist eine kleine Frau mit grauem Haar, das dünn wird, und durchdringenden grauen Augen.

Nur ein einziges Mal hat Jake Farbe in ihrem Gesicht gesehen. Das war vor Jahren, als sie mit Fieber daniederlag. Normalerweise ist ihr Gesicht grau wie in Lauge gebleichtes Leder.

Sarah's Mund erinnert Jake an eine zugeschnappte Falle, besonders dann, wenn sie ärgerlich ist. Und das ist sie in dem Augenblick.

„Yeah, Tante, sagt Jake leiernd. „Bessie ist im Stall. Wer ist denn da zu Besuch?

„Du hast sie doch nicht etwa den Weg hinuntergetrieben?", fragt Tante Sarah, indem sie seine Frage übergeht.

„Nein, Tante", erwidert Jake, indem er sich den Staub auf der Schwelle von den bloßen Füßen stampft.

„Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Cowboys Kühe gejagt haben, sagt die Frau entrüstet. „Es ist eine Sünde und ein Verbrechen, eine Kuh zu jagen, wenn sie schwer mit Milch geht. Komm rein, das Essen ist gleich fertig!

Jake betritt die Küche. Es riecht nach gebratenem Huhn, und das Wasser läuft ihm im Mund zusammen. Niemand in der Welt kann kochen wie Tante Sarah. Verdammt, hoffentlich mag der Gast den Magen nicht, denn den isst er am liebsten.

Jake wird unbehaglich. Was hat der zusammengekniffene Mund seiner Tante zu bedeuten?

Im Geiste forscht er nach, was er wohl falsch gemacht haben kann. Es fällt ihm nichts ein — jedenfalls hat er in letzter Zeit keinen Bock geschossen.

Einen Herzschlag lang steht Sarah's Mund offen, um dann aber gleich wieder zuzuklappen. Sie packt Jake am Arm und schiebt ihn auf das Wohnzimmer zu.

„Komm mit, Jake! Es ist jemand da, den du ... den du kennenlernen musst."

Die Tante benimmt sich verflucht seltsam, denkt der Junge. Misstrauisch geht er in das kleine, ordentliche Wohnzimmer. Sein Onkel Will mit dem herabhängenden Schnauzbart und der glänzenden Glatze sitzt steif und aufrecht auf seinem bequemen Wohnzimmerstuhl. Es sieht aus, als zwinge ihn jemand mit der Waffe, in dieser Haltung zu verharren. Er blinzelt, als Jake ins Zimmer tritt, und er versucht, sich aus seiner Verkrampfung zu lösen.

„Jake, sagt er und räuspert sich. „Komm doch mal her! Hier ist jemand, der dich sprechen möchte.

Und dann erblickt Jake den Mann, der in der anderen Ecke des Zimmers sitzt. Es ist ein großer Mann von dunkler Hautfarbe, mit rauchgrauen Augen, wilden schwarzen Brauen und einem breiten Mund.

Als der Mann aufsteht, scheint das ganze Zimmer zu wachsen.

Mit weicher Stimme beginnt er: „So, du bist also Jake!"

Das ist alles, was er spricht, und er steht dort mit herunterhängenden Armen. Jake weiß nicht, was er entgegnen soll. Deshalb schweigt er.

Jake kann das Ticken der alten Uhr auf dem Kaminsims hören, und noch immer fällt kein Wort.

Von dem Augenblick an, da der Fremde von seinem Stuhl aufstand, weiß Jake unbestimmt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Das Bild ist noch nicht vollständig. Irgendwie hat er das Gefühl, als fehle noch etwas. Aber er weiß nicht, worum es sich handelt, bis er den Patronengurt sieht, der im Flur hängt. Da weiß er Bescheid. Dieser Mann trägt eine Waffe.

In Tante Sarah's Haus trägt er sie nicht, das ist richtig. Aber man kann sehen, dass er sich nicht wohlfühlt ohne das schwere Gewicht des Colts an seiner Hüfte. Das wirkt so sehr überzeugend, wie etwa ein Mann, der ohne Hemd zur Kirche geht.

Schließlich meint der Fremde: „Miss Sarah, wollen Sie diesem Jungen nicht sagen, wer ich bin?"

Sarah's Gesicht ist grauer, als Jake es je gesehen hat, und ihre Lippen hat sie zusammengepresst.

Nun räuspert sich Onkel Will, der sich unbehaglich fühlt: „Jake, sagt er. „Er ist dein Vater.

Das ist so wenig sinnvoll, dass Jake denkt, sein Onkel scherze. Allerdings scherzt Onkel Will nie. Dieser grauäugige Fremde soll sein Vater sein?

Mit gleichbleibend ruhiger Stimme fragt der Fremde: „Hast du dazu nichts zu sagen, Jake?"

Der Junge räuspert sich. Nie zuvor ist er in einer solchen Lage gewesen. Er fürchtet sich. Er meint, der Fremde könne seiner spotten. Überraschend laut äußert er endlich: „Ich schätze, Sie sind

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. , um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über 15 Western Koffer Sommer 2018 – Gegen das Gesetz und 14 andere Romane denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen