Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Western Sammelband 4 Romane: Und dann nahm er den Stern und andere Western

Western Sammelband 4 Romane: Und dann nahm er den Stern und andere Western

Vorschau lesen

Western Sammelband 4 Romane: Und dann nahm er den Stern und andere Western

Länge:
552 Seiten
6 Stunden
Freigegeben:
Aug 22, 2019
ISBN:
9781386896272
Format:
Buch

Beschreibung

Western Sammelband 4 Romane: Und dann nahm er den Stern und andere Western

Vier Western in einem Band

von Alfred Bekker & Pete Hackett

Dieses Buch enthält folgende Romane:

Heinz Squarra: In den Krallen des Goldes

Alfred Bekker: Entscheidung am Salt Lake

Pete Hackett: Und dann nahm er den Stern

Pete Hackett: Dave Mathers Weg

Joe Carey ist auf der Flucht und gelangt in die Hölle der großen Salzwüste von Utah. Nach einem Überfall von Indianern bleibt er schwer verletzt zurück und wird von Mormonen gefunden. Doch als Carey sich am Salt Lake in eine ihrer Frauen verliebt, ist das Verhängnis vorgezeichnet...

Cover: FIRUZ ASKIN

Freigegeben:
Aug 22, 2019
ISBN:
9781386896272
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


Ähnlich wie Western Sammelband 4 Romane

Mehr lesen von Alfred Bekker

Buchvorschau

Western Sammelband 4 Romane - Alfred Bekker

Western Sammelband 4 Romane: Und dann nahm er den Stern und andere Western

Alfred Bekker et al.

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2019.

Western Sammelband 4 Romane: Und dann nahm er den Stern und andere Western

Vier Western in einem Band

von Alfred Bekker & Pete Hackett

––––––––

Dieses Buch enthält folgende Romane:

Heinz Squarra: In den Krallen des Goldes

Alfred Bekker: Entscheidung am Salt Lake

Pete Hackett: Und dann nahm er den Stern

Pete Hackett: Dave Mathers Weg

Joe Carey ist auf der Flucht und gelangt in die Hölle der großen Salzwüste von Utah. Nach einem Überfall von Indianern bleibt er schwer verletzt zurück und wird von Mormonen gefunden. Doch als Carey sich am Salt Lake in eine ihrer Frauen verliebt, ist das Verhängnis vorgezeichnet...

Cover: FIRUZ ASKIN

––––––––

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Copyright-Seite

In den Krallen des Goldes | Heinz Squarra

Entscheidung am Salt Lake

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

Und dann nahm er den Stern

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

Dave Mathers Weg

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

Further Reading: 10 Marshal Western August 2016

Also By Alfred Bekker

Also By Pete Hackett

Also By Heinz Squarra

About the Publisher

In den Krallen des Goldes

Heinz Squarra

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappentext:

RYAN FLETSCHER FÜHRT ein einfaches, genügsames Leben, bis er im Wald auf eine Falle der Zattig-Brüder stößt, die seit einigen Tagen nicht mehr kontrolliert wurde. In ihr befindet sich ein verendeter Wolf. Er stellt die Brüder zur Rede und damit beginnt eine Vielzahl ungeklärter Mordanschläge aus dem Hinterhalt bei denen auch ein Zattig-Bruder getötet wird. Man macht Fletscher für diese Tat verantwortlich, der sie jedoch vehement bestreitet.

Es beginnt eine wahre Hetzjagd auf ihn, die Ereignisse überschlagen sich, selbst der Marshal wird aus dem Verborgenen angeschossen. Finden sie den oder die wahren Täter oder ist Fletscher doch der Schuldige – und das alles nur wegen dieses verdammten Goldes ...

DER WOLFSKADAVER LAG auf der Seite, als Ryans Schatten über die Schlinge fiel. Er schätzte, dass der Wolf fünf bis sechs Tage in der Schlinge gefangen war. Er schob den Colt in das Holster.

Zwei Stunden später erreichte er über den kleinen Creek das bewaldete Bergtal, in dem die Zattig-Brüder hausten. Ihre Blockhütte duckte sich unter die hochaufragenden Douglasfichten, die die Hänge beherrschten.

Die Tür der aus Kiefernstämmen gefügten Hütte stand offen.

Ryan ritt durch das glasklare Wasser und zügelte den Braunen.

In der Hütte klapperte Geschirr. Die Flüche des Mannes verrieten, mit welcher Begeisterung er dieser Beschäftigung nachging.

„Zattig?" Das Klappern verklang. Ein Gewehr wurde repetiert. Der Lauf schob die Tür noch weiter zurück.

Lefty Zattig, mit dreiunddreißig der Jüngste der drei Brüder, stand auf der Schwelle. Er war von mittelgroßer Gestalt, breitschultrig und stiernackig. Der Stoppelbart unterstrich noch das finstere Aussehen.

„Was willst du, Fletscher?", stieß er abweisend hervor.

Ryan warf den Wolfskadaver vom Pferd. Der Braune scheute. Ryan zog ihm den Kopf gegen die Brust.

Lefty Zattig trat aus der Hütte und senkte das Gewehr.

„Was soll das?"

„Er saß in einer eurer Fallen. Mindestens vier oder fünf Tage, vielleicht länger."

„In unserer Falle? Auf Lefty Zattigs Stirn bildete sich eine steile Falte. „Darf ich erfahren, was dich unsere Schlingen angehen?

Er hob das Gewehr wieder an und zielte erneut auf den Reiter.

„Nichts, Lefty. Aber wenn ihr schon welche aufstellt, solltet ihr euch auch drum kümmern. Das ist bei Jägern so üblich, falls ihr davon noch nichts gehört haben solltet."

Der Hohn trieb Lefty die Zornesröte ins schmutzstarrende Gesicht.

„Wenn ich abdrücke, hörst du den Knall nicht mehr, du Klugscheißer."

„Du hast ’ne seltsame Art, dich zu bedanken, Lefty. – Wo sind eigentlich deine Brüder?"

„Das geht dich ’nen Dreck an. Verschwinde, bevor mir der Kragen platzt."

Zattig stieß dem Braunen die Mündung gegen den Hals.

Das Pferd wieherte.

Lefty war dem Reiter inzwischen so nahe, dass Ryan ihm gegen den Oberarm trat. Lefty wankte. Ryan sprang ab, packte den Gewehrlauf und zerrte ihn heftig aus der Richtung.

Lefty drückte ab. Das Geschoss jaulte in den Wald. Das Echo rollte durchs Bergtal und fiel mit dem Schrei zusammen, den Lefty ausstieß, als ihn Ryans Faust fällte. Er verlor das Gewehr beim Sturz und Ryan warf es in den Bach.

„Ihr seid schon seltsame Heilige. Stellt Fallen auf und schert euch nicht drum."

„Du hast an unseren Fallen nichts verloren!, keifte Lefty, der nicht aufzustehen wagte. „Wir haben das Revier geteilt. Jeder hat sein Stück!

„Du begreifst offenbar nichts."

Ryan ging zu seinem Pferd, stieg auf und ritt durch den Bach davon.

DAS UNWEIDMÄNNISCHE Benehmen der Zattigs beschäftigte ihn noch, als er die mit Büschen und Kiefern bestandene Mesa überquerte. Er kam sonst nicht hier vorbei, wenn er gelegentlich auf die Jagd ging. Es war noch Zattig-Gebiet, nach einer Übereinkunft, zu der sie ihn, ihres notorischen Misstrauens wegen, nötigten.

Er war nur auf die Falle gestoßen, weil er eine Antilope verfolgte, die ihm dann doch durch die Lappen ging.

„Büffelmist", brummte Ryan vor sich hin. Er hatte zwei Stunden verloren.

Er zügelte den Braunen, kramte den Tabaksbeutel hervor und rollte sich eine Zigarette, die er in den Mundwinkel klemmte und anbrannte. Er war ein sechs Fuß großer, sehniger Mann mit breiten Schultern und dunkelblonden Haaren. Seine Kleidung bestand aus einem karierten Hemd, Levis-Hose, Texasstiefeln und einem Cowboyhut, die Bewaffnung aus dem Colt 45 und der Winchester.

Sein Weg führte zwangsläufig zu dem dreißig Yards breiten Felsabsturz, der die Mesa von Süden nach Norden als tiefen Graben durch schnitt. Das Buschwerk wuchs bis an den Rand des Canyons und verbarg den Reiter noch, als er bereits die rissige, verwitterte Felswand und die Sohle sah.

Zwei Pferde standen vor einer Höhle und dösten in der Hitze, die sich da unten staute.

Ein Mann trat eben aus der Höhle. Er war groß und hager, trug eine lange, dunkle Jacke, gestreifte Röhrenhosen, ein helles Hemd und eine Samtschleife. Eine dicke Staubschicht bedeckte die schwarzen Stiefel. Obwohl das Gesicht im Schatten des breitkrempigen, schwarzen Hutes lag, erkannte Ryan sofort Andrew Zattig, den ältesten der Brüder.

Er sprang aus dem Sattel und drängte den Braunen zurück. Besser, sie bemerkten ihn gar nicht erst, sonst gab’s nur neuen Ärger.

Ryan führte den Braunen durch das Dickicht etwa dreihundert Yards von der Schlucht weg, brannte dann die inzwischen verglommene Zigarette erneut an, stieg auf und ritt stetig nach Osten.

Es dauerte noch geraume Zeit, bis er über eine flache Halde in den dichten Wald in den Ausläufern des Höhenzuges gelangte. Vor ihm dehnte sich die Prärie, unendlich weit, leicht gewellt, deren runde Buckel den Himmel zu berühren schienen.

Zwölf Meilen entfernt lag Rapid City jenseits der Hügelkette, ein Nest nahe dem Cheyenne River. Irgendwo dazwischen duckte sich südlich die Handelsstation von Jed Potter in eine Geländefalte, ebenfalls vom Waldsaum vor den wildreichen Black Hills aus nicht zu erkennen.

Ein Creek ohne Namen plätscherte dort aus den Bergen, wo der Rancho lag. Ryan hatte das Anwesen vom Bruder seines Vaters geerbt, einem alten Ekel, dem er seit frühester Kindheit mit Erfolg aus dem Weg gegangen war und der ihn mit der Hinterlassenschaft wohl nur bedacht hatte, weil er sonst keine Angehörigen besaß.

Kein Wunder, wo selbst Ryans Vater lieber Soldat geworden war, was ihm früh das Leben kostete, als mit dem Bruder in Dakota zu siedeln.

Ryan zügelte den Braunen vor dem über das Gestein plätschernden Bach. Viel war nicht aus der Mühe des alten Jolan Fletscher geworden, ein kleines Blockhaus, ein windschiefer Schuppen daneben und der Korral, in dem fünfzehn Rinder träge im dürren Büffelgras lagen.

Die zwanzig Yards lange Rinne vom Creek in die Umzäunung war so versandet, dass bei dem geringen Gefälle kein Wasser mehr in den Korral laufen konnte. Weiter darauf zu hoffen, dass es regnen und der Creek steigen würde, schien Ryan unangebracht.

Er brachte das Pferd in den Anbau, sattelte ab und rieb es trocken. Er wollte nur etwas essen und dann gleich mit dem Säubern der Baumröhren beginnen.

Im Tümpel mitten im Korral stand noch etwas Wasser. Genug, um Ryans Gewissen zu beruhigen und die Frage aufzuwerfen, ob es nicht reichte, wenn er die Plackerei bis zum folgenden Morgen aufschob.

„Der verdammte Rancho", knurrte er finster.

Eine halbe Stunde später war er dann doch mit Spitzhacke und Schaufel an der Arbeit.

DIE DÄMMERUNG KROCH langsam über die Berge, als Andrew und Sadie Zattig die Hütte im Bergtal erreichten.

Lefty saß auf der Bank.

„Na endlich!, schimpfte er. „Ich dachte schon, ihr wollt in der Höhle übernachten.

Andrew zügelte sein Pferd zwischen dem Bach und dem Blockhaus, wo der Wolfskadaver lag.

Sadie, der kleiner als Andrew war, auf saubere Kleidung keinerlei Wert legte, die Bartstoppeln wuchern ließ, und damit Lefty wie ein Zwillingsbruder ähnelte, holte Andrew ein und blickte aus zusammengekniffenen Augen auf den Kadaver.

„Den brachte Fletscher, der Smallrancher. Wir sollten uns um die Fallen kümmern, hat er gesagt. Damit gefangene Tiere nicht fünf oder sechs Tage darin zappeln müssen."

„Was gehen den denn unsere Fallen an?", murrte Andrew.

„Das hab’ ich ihn auch gefragt." Lefty betastete fluchend das angeschwollene Kinn.

„Er wird dir doch dafür nicht das Kinn gestreichelt haben?" Sadie grinste den Bruder tückisch an.

Andrew stieg ab.

„Alles darf er sich leisten, nur nicht hier herumspionieren. Gerade jetzt können wir das nicht gebrauchen."

„Dann sollten wir’s ihm austreiben!, schlug Sadie vor. „Das dürfte doch kein Problem sein, Bruderherz.

„Genau das wollte ich auch vorschlagen, platzte Lefty eifrig heraus. „Er ist nach Südosten geritten. Nicht auszudenken, wenn er euch beobachtete und sich einen Reim drauf machte.

„Ausgeschlossen!, stieß Sadie hervor. „Das hätten wir bemerkt, was, Andrew?

„Denk’ ich auch. Und dass unser Geheimnis im Dunkel des Berges bleibt, dafür sorgen wir schon."

„Hätten wir ihm nur damals nicht gestattet, in den Bergen zu jagen, zeterte Lefty. „Wir waren hier die Herren.

„Wir konnten mit dem großen Gebiet doch nichts anfangen', erwiderte Andrew barsch. „Und weil’s damals noch streunende Indianer gab, war’s uns gerade recht, wenn ein Jäger die Gegend unsicher machte. Well, morgen treiben wir ihm die Schnüffelei mal gründlich aus.

RYAN FLETSCHER KAM zur eigenen Überraschung mit dem Graben flott voran. Noch bevor die Sonne am Morgen zwei Handbreit über den Hügeln im Osten stand, begann das Wasser den Tümpel des Korrals wieder zu füllen.

Er ließ die Werkzeuge liegen, lehnte sich an den Zaun und rollte sich eine Zigarette.

Hufschlag ließ ihn über die Schulter blicken.

Die drei Zattigs kamen den Creek herab, Andrew voran und Lefty, der Jüngste, als Letzter. Sie lenkten die Pferde aus dem Wasser, parierten sie vor der Hütte und kamen näher.

Andrew hielt das Gewehr geradezu lässig in der herabhängenden Hand. Seinem scharfkantigen Gesicht mit der Geiernase konnte Ryan nichts über die Absichten der ungebetenen Besucher entnehmen.

Die Zigarette war ihm entfallen. Er stand gespannt am Zaun, die Hand über dem Colt.

Sie kamen über den Graben. Als sie nebeneinander verharrten, trennten sie nur noch wenige Schritte von Ryan.

Lefty hatte einen Sack mitgebracht, den er Andrew reichte, als der mit den Fingern schnippte.

„Wir kamen bei einer deiner Fallen vorbei", erklärte Andrew.

Ryan blickte auf den Sack.

„Eine prächtige Antilope steckte drin, sagte Sadie. „Wir nehmen sie nachher mit zur Hütte und werden an dich denken, wenn wir sie abnagen, Kuhfladentreter.

„Den Kopf haben wir dir mitgebracht, fuhr Andrew fort. „Vielleicht willst du das Hirn essen, um deinem Verstand auf die Sprünge zu helfen.

„Damit du dich an unsere Abmachung erinnerst", höhnte Lefty.

Ryan überlegte, ob er den Colt ziehen sollte.

Sadie schlug einen Bogen.

Ryan wollte zurücktreten, aber Andrew schwang das Gewehr so schnell hoch, dass er nicht mehr reagieren konnte.

Die Mündung schien ihn anzugrinsen.

Sadie stand hinter Ryan, der dessen rasselndes Atmen vernahm.

„Es war Zufall, sagte er lahm. „Ich verfolgte ’ne Antilope, bekam sie aber nicht. Dann wollte ich den Rückweg abkürzen.

Lefty schüttelte den Kopf.

„Er hat überhaupt nichts begriffen. Das Antilopen-Hirn wird da auch nicht helfen, schätze ich."

Die Gewehrmündung berührte Ryans Hals.

Er war ein Narr gewesen. Schon als die Brüder nahten, hätte er zur Hütte laufen müssen, um Deckung und damit eine Chance zu haben.

Lefty zog so ungeniert den Revolver. Was Sadie tat, konnte Ryan nicht sehen.

Er bekam es zu spüren, als der achtkantige Lauf eines Colts ihn traf.

In einer Wand aus Feuer und Funken ging Andrews Grinsen unter. Ryan wankte und stürzte.

Sie umstanden ihn wie Riesen, die in den unwirklichen Nebelschwaden zu schweben schienen. Andrews Stimme dröhnte, aber was er sagte, konnte Ryan nicht verstehen.

Lefty beugte sich hinunter, packte ihn, zog ihn auf die Füße und stieß ihn gegen den Zaun.

Andrew brüllte auf ihn ein. Ryan nahm Wortfetzen wahr, aber er verstand den Sinn nicht.

Irgendwann fand er sich erneut auf der Erde wieder.

„Wenn du noch einmal ’nen Fuß auf unseren Boden setzt, kannst du dich vergessen."

Es war Andrew, der drohte, und Ryan verstand ihn plötzlich ganz deutlich.

Er hatte Blutgeschmack im Mund, der ganze Körper schmerzte.

„Hast du verstanden, Hundesohn?", höhnte Lefty.

Ryan wollte antworten, um weiteren Misshandlungen zu entgehen, aber er brachte kein Wort heraus.

„Er wird schon kapiert haben."

Sadie kehrte zu den Pferden zurück.

Ryan war heilfroh, als die anderen dem Bruder folgten.

Er sah sie in die Sättel klettern. Die Hufe klirrten auf dem Granit am Creek.

„Und vergiss es nicht!", rief Lefty zurück.

Als er sie nicht mehr sah, kroch er zum Creek.

Das kühle Wasser linderte sogleich die Schmerzen.

„Wartet nur, ihr Bastarde!, ächzte er. „Das zahl ich euch heim!

ANDREW SAß IN DER SCHÄBIGEN Hütte am Tisch und polierte ein Nugget am Jackenärmel. Es war nur klein, aber mit unverkennbar hohem Erzgehalt. Sadie und Lefty beugten sich neugierig über den Tisch.

„Was wird Potter wohl dafür ausspucken?" Andrew zeigte das Nugget zwischen Daumen und Zeigefinger.

„Fünfzig bis sechzig Dollar ist es wert, entgegnete Sadie. „Also wird er dreißig rausrücken.

„Dem Halsabschneider sollten wir ’ne Kugel in den Schädel jagen", knurrte Lefty.

„Du redest auch nur, damit sich der Mund bewegt." Andrew schüttelte den Kopf über den begriffsstutzigen, jüngsten Bruder.

„Was hab ich denn nun schon wieder falsch gesagt?" Lefty schaute Sadie mit hochgezogenen Brauen und runden, großen Augen an.

„Wir brauchen Potter. Irgendwo müssen wir hin und wieder ein Nugget zu Geld machen, wenn wir schon keine Felle haben."

„Na und?"

„Der frisst es nie. Andrew winkte ab und verließ die Hütte. „Ich reite in zwei Stunden.

Sadie wollte folgen, aber Lefty hielt ihn zurück. „Also gut, wir brauchen die Krämerseele in der Handelsstation. Aber wieso müssen wir uns deswegen von ihm über den Tisch ziehen lassen?"

„Er muss ’nen ordentlichen Reibach machen, damit er dichthält. Wir sind nur so lange ungestört, hier oben, wie niemand was von dem Gold erfährt."

„Und Potter genug abkassiert?"

„Genau, Lefty. Sadie schlug dem Bruder auf die Schulter. „Und wie er glaubt, dass wir’s von Rothäuten haben. Das spielt auch ’ne Rolle.

„Lefty, du kümmerst dich um die Fallen!", rief Andrew von draußen.

„Was ist jetzt kaputt?" Lefty verließ die Hütte.

Andrew saß mit ausgestreckten Beinen auf der wurmstichigen Bank an der Wand unter dem Fenster.

„Der Drei-Kühe-Rancher hatte völlig recht. Es ist im höchsten Maß verdächtig, wenn sich Jäger nicht um ihre Fallen kümmern. Wir werden das künftig also tun."

„Das haben wir aber doch gar nicht nötig!", protestierte Lefty.

„Wir machen’s trotzdem. In drei, vier Wochen haben wir genug beisammen und verschwinden. Bis dahin darf nichts schieflaufen. – Also du reitest am besten gleich los und kontrollierst sie alle. – Alle, verstanden! Am Abend kannst du zurück sein."

„Und wer geht zur Höhle?"

„Heute mal niemand. Sadie bleibt hier."

„Ich kann ja auch mit zu Potter kommen", schlug Sadie vor.

„Wegen dem Mädchen, was? Lefty kicherte. „Die soll übrigens mit dem Smallrancher ein Verhältnis haben.

„Lass das Gelaber. Andrew stand auf. „Sattle deinen Gaul und reite. Du brauchst den ganzen Tag.

„Sollten wir nicht noch mal nach dem Rinderhirten sehen?, fragte Lefty. „Ist schon zwei Tage her, dass er durch die Mangel gedreht wurde.

„Der hat die Nase voll", behauptete Andrew überzeugt.

„Bevor dir noch mehr Ablenkungsmanöver einfallen, werd’ ich dir helfen, Bruderherz."

Sadie ging zum Anbau und kehrte alsbald mit Leftys gesatteltem Pferd zurück. Er besorgte auch Proviant, eine Flasche kalten Tee, der mit Whisky vermischt war und hängte beides ans Sattelhorn.

„Fehlt noch was?"

Lefty stieg auf, weil Andrews Augen schon zu funkeln begannen. Reizte er ihn gar zu sehr, kam’s zu einer Prügelei, bei der er nach aller Erfahrung den Kürzeren ziehen würde.

Sadie schlug dem Pferd auf die Hinterhand. Es schnaubte und trabte mit Lefty am Bach entlang dem dichten Wald am Hang entgegen.

Verdrossen fluchte der Jüngste der Zattig-Brüder vor sich hin. Seine Lustlosigkeit steigerte sich beträchtlich, als er etwas später die erste Falle leer fand. Bei der nächsten erwartete ihn der gleiche Anblick, obwohl sie auf einem Wildwechsel aufgebaut war.

Lefty saß ab und richtete die Schlinge.

Unterholz brach. Zattig fuhr herum, als der Mann aus dem Dickicht trat.

„Fletscher?"

„Ich sah dich über den Kamm reiten und dachte, du würdest vielleicht Wert drauf legen, dass ich mich bedanke. Ryan durchbrach das Dickicht und blieb ein paar Yards entfernt stehen. „Das kann doch kein Irrtum sein, oder?

„Bedanken?" Lefty war perplex. Und obendrein schien es, als hätte sein Gegenüber die Sonderbehandlung weggesteckt, als wäre gar nichts gewesen.

„Für vorgestern. Keine Sorge, ich vergesse die anderen schon nicht."

Ryan kam näher.

Lefty wollte zurückweichen, aber das Pferd stand im Wege.

„Du wirst doch nicht plötzlich Angst haben, nur weil wir allein sind?", höhnte Ryan.

Leftys Hand fuhr am Gürtel entlang, erwischte das Messer. Seine Faust schwang damit hoch. Ein Sonnenstrahl brach sich auf der Klinge. Das verschaffte dem schon eingeschüchterten Burschen neuen Mut. Er lachte scharf.

„Das wird ein klarer Fall von Notwehr, Fletscher."

Der Angriff wurde ungestüm vorgetragen.

Ryan wich zur Seite aus.

Lefty schaffte es nicht einmal bis zu ihm. Seine rechte Stiefelspitze hob den vorderen Teil der Schlinge an. Der Fuß rutschte darunter, zog die Schlinge zu und spannte den Draht.

Zattig wurde umgerissen. Sein Kampfmesser bohrte sich in den Waldboden.

Blind vor Wut vergaß er die hinderliche Schlinge, wollte aufspringen und landete abermals auf dem Bauch.

Ryan half dem Keuchenden auf die Füße und verpasste ihm, was er seiner Meinung nach eigentlich doppelt und dreifach verdiente. Dann kehrte er zu seinem versteckten Braunen zurück und ritt den Hang hinunter.

Lefty schaffte es zur Hütte in der Bergfalte, als die Sonne ziemlich genau über den Black Hills stand. Er lag auf dem Pferdehals und durfte froh sein, dass das Tier den Weg allein fand.

Sadie blieb der Mund offen, als er das verschwollene Gesicht des Bruders bemerkte. „Was ist, bist du in eine Schlucht gestürzt?"

„Der Hundesohn hat mir aufgelauert." Lefty rutschte aus dem Sattel, sank aber zu Boden, bevor Sadie ihn stützen konnte.

„Fletscher?"

„Wer sonst." Lefty kroch auf den Knien zum Bach, schöpfte Wasser und schlürfte es durstig.

Sadie ging neben ihm in die Hocke.

„Er will sich auch bei dir noch bedanken. Und bei Andrew. Wir hätten den Hundesohn umlegen sollen."

„Das ruft den Marshal auf den Plan, und den können wir zuletzt gebrauchen."

„Ich verpass dem Sattelquetscher ’ne Unze Blei! Lefty kämpfte sich auf die Beine und taumelte zur Hütte. Erschöpft fiel er auf die Bank, lehnte den Kopf an die Wand und schloss die Augen. „Nur ein bisschen erholen muss ich mich.

RYAN BEMERKTE DEN REITER, als er den Rancho erreichte. Die Luft war an diesem Nachmittag ungewöhnlich klar, sodass er trotz der erheblichen Entfernung erkannte, dass es Andrew war. An der Richtung, die er nahm, ließ sich abschätzen, dass er vermutlich zu Potters Handelsstation wollte, bestimmt aber nach Rapid City.

„Das trifft sich gut, murmelte er. „Der Schlachter wollte das Rind irgendwann in dieser Woche geliefert haben.

Er öffnete das Tor des Korrals, was die Rinder zur Flucht zur anderen Seite des Tümpels veranlasste. Ryan nahm das Lasso vom Pfahl und folgte den Tieren. Sie schienen zu spüren, was er beabsichtigte und hetzten am Zaun entlang.

Ryan warf das Lasso. Die Schlinge kreiste vor dem letzten Tier, das voll hineinlief.

Ryan stemmte sich ein, als sich das Lasso spannte, doch das Hereford war stärker und riss ihn um. Er wurde ein Stück über den Boden gezerrt, dann gab das Rind auf.

Zwanzig Minuten später ritt Ryan nach Osten. Den Reiter konnte er nicht mehr sehen. Und mit dem Rind kam er nur langsam voran. Aber das störte ihn nicht, weil er der Fährte von Andrews Pferd folgte.

Die Zattigs nahmen zur Handelsstation oder zur Stadt stets den gleichen Weg, weil er der kürzeste war.

„ES IST ANDREW ZATTIG." Jed Potter kam um den Tresen im halbdunklen Stationsraum herum. Er war etwa fünfzig, gedrungen und breit wie ein Kleiderschrank. Bartstoppeln bedeckten ein fleischiges Gesicht mit reichlich Falten, die den Mann älter aussehen ließen.

Rose Nielsen, die das Wasser mit einem Lappen vom frischgescheuerten Boden aufnahm, richtete sich auf und schaute hinaus.

Der Reiter kam an Korral und Schuppen vorbei.

„Von mir aus." Sie kniete nieder und wrang den Lappen über dem Zinkeimer aus. Das Mädchen war mittelgroß, zierlich, hatte braune Locken und große Augen wie ein Reh. Sie trug eine geschossene Flanellbluse und einen derben Rock aus Kattun.

Potter walzte durch den großen Raum, in dem mehrere Tische mit Stühlen standen, und trat ins Freie.

„Hallo, Mister Zattig, schön, Sie mal wieder zu sehen. – Wie geht’s denn in den Bergen? Was macht das Wild?"

„Schwätzer", murmelte Rose, die den Gast zu ignorieren gedachte.

„Es geht", blieb Andrew wortkarg, als er Potter ins Haus folgte, stehenblieb und auf Rose schaute, die ihn geflissentlich übersah.

Potter erreichte den Tresen.

„Einen Whiskysoda?"

„Könnt ich vertragen." Zattig kam auf Rose zu.

„Hallo!" Er fasste sie um die Hüften und zog sie hoch.

Rose fuhr herum und schlug Andrew den nassen Scheuerlappen ins Gesicht.

Andrew prallte erschrocken zurück.

„Pfoten weg, Mister!"

Potter grinste.

Andrew stieg Röte ins Gesicht. Das lag an der schieren Hilflosigkeit, die daraus resultierte, dass er nicht wusste, wie er reagieren sollte.

Potter schenkte Whisky ein und füllte das Glas mit Wasser auf. „Bitte, Mister Zattig, Ihr Whisky!"

Zattig ging zum Tresen.

Rose schleppte den Eimer hinaus.

„Können Sie der dämlichen Gans nicht mal Manieren beibringen, Potter?"

„Sie ist nicht zum Animieren der Gäste hier, Mister Zattig, tut mir leid. Sie hilft nur, das Haus in Ordnung zu halten. Nachdem meine Frau tot ist, kann ich von Glück sagen, sie gefunden zu haben. In der ersten Zeit ..."

„Jaja", unterbrach Zattig den Redefluss.

„Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht langweilen."

Zattig warf dem Stationer einen vernichtenden Blick zu.

„Hat die wirklich was mit dem Strohkopf?"

„Meinen Sie Fletscher?"

„Wen sonst?"

„Es ist kein Geheimnis, dass sie ihn auf der Stelle heiraten würde, wenn er sich nur entschließen könnte, den Rancho als Lebenswerk zu betrachten."

Zattig griff nach dem Glas und trank einen Schluck.

Rose hantierte in der Küche.

„Er ist ein Abenteurer. Als er den Rancho erbte, wusste er nicht, ob er sich darüber freuen sollte. Er hätte damals sofort verkauft, wäre das möglich gewesen. Doch außer den Rindern ließ sich nichts zu Geld machen."

„Und jetzt?"

„Offenbar hat sich daran nichts geändert."

Zattig trank noch einen Schluck.

„Ich würde was essen, wie steht’s denn damit?"

„Sie wird Ihnen etwas zubereiten, Mister Zattig."

Andrew lief durch den Stationsraum und kehrte an den Tresen zurück, als Potter aus der Küche kam.

„Es dauert ’ne Weile. Sie sagt, sie könnte nicht gleichzeitig putzen und braten."

Zattig trank wieder. Prüfend blickte er den Stationer an.

„Die Rothäute waren wieder mal bei uns. Die sind verrückt auf Whisky."'

„Sie haben Blut geleckt." Potter nickte verstehend.

„Zum Glück hatten wir noch ’ne Flasche. – Ich würd wieder ein paar mitnehmen. Es ist nur, nur ..." Zattig brach ab.

„Ja?"

„Es muss unter uns bleiben. Sie wissen, was geschieht, wenn’s die Stadtfräcke erfahren."

Potter grinste von einem Ohr zum anderen.

„Die erzählen es brühwarm der nächsten Kavallerieeskadron, die sich in das Nest verirrt. Und dann kriegt ihr Ärger, weil den Blauröcken das nicht gefällt."

„Aber es ist kein schlechtes Geschäft. Auch für Sie nicht. Ich zahl den doppelten Preis!"

„Und ich halte dicht, Mister Zattig", versprach der Stationer.

Zattig schaute auf die Küchentür. „Auch zu Rose kein Wort!"

„Selbstverständlich nicht, Mister Zattig. Ein guter Geschäftsmann ist verschwiegener als ein Grab."

„Und verkauft, wenn es sein muss, die eigene Großmutter!"

„Geschäft ist Geschäft, Mister Zattig."

Die beiden grinsten verständnisinnig. Zattig beugte sich dabei über den Tresen, schob die geschlossene Hand vor und öffnete sie unter den Augen Potters.

Rötlich schimmerte das Rohgold im Halbdunkel.

Potter leckte die Lippen.

„Die Bezahlung der Rothäute, sagte Zattig leise. „Dollars haben die nicht.

„Gutes Gold."

„Das will ich meinen. Achtzig bis hundert ..."

„Ich kann’s auswiegen, wenn Sie wollen und den Wert dann recht exakt schätzen, Mister Zattig."

Andrew schloss die Hand.

„Wir wollen das nicht komplizieren. Und ich hab nicht vor, Sie zu übervorteilen. Es ist für uns beide genug. – Was bieten Sie?"

Potter ließ sich das Nugget geben.

„Auf bloßes Ansehen zwanzig."

Zattig nahm es zurück.

„Sie haben ja ’nen Knall, Mann!"

Potter stieß ein warnendes Zischen aus.

„Gut, vierzig. Ich will Sie nicht über den Tisch ziehen."

„Einverstanden."

„Aber der Whisky extra!"

„Sie geben dreißig, dazu drei Flaschen, und die Zeche ist auch drin. – Gemacht?" Zattig hielt dem Stationer die Hand hin.

Potter schlug ein.

„Dann her mit dem Whisky, ich steck ihn gleich in die Satteltasche."

Potter stellte die Flaschen auf den Tresen, und Zattig brachte sie hinaus.

Potter schenkte sich einen Whisky ein. Zattig kehrte zurück.

„Hoffentlich lassen sich die Rothäute auch wieder blicken. Um ihn selbst zu saufen, ist der Whisky zu teuer."

„Das Wild geht immer zur gleichen Tränke, Mister Zattig."

In der Küche polterte es.

„Rose ist ziemlich in Fahrt, Mister Zattig. Das sollten Sie besser nie wieder tun."

„Ist bei der gar nichts zu machen?"

Andrew rieb Daumen und Zeigefinger gegeneinander.

Potters Mundwinkel bogen sich nach unten.

„Aussichtslos. Die ist in Fletscher vernarrt und im Übrigen kein Flittchen."

Die Küchentür wurde geöffnet.

„Was will der Bursche denn?", fragte Rose abfällig.

Potter hob die Hand. „Ein Steak für Mister Zattig."

Die Tür knallte zu.

„Mir geht sie in letzter Zeit auch auf den Geist, brummte der Stationer. „So sehr ich sie brauchen kann, sie nervt mich.

„Und wundern wird sie sich auch, wenn sie den Smallrancher wieder sieht. Der schleicht vielleicht noch auf dem Zahnfleisch rum. Hat sich neulich auf unserem Gebiet rumgetrieben und bekam den Marsch geblasen."

In der Küche klapperte Geschirr. Aber Zattigs Geduld wurde auf eine längere Probe gestellt.

Er hatte gerade gegessen und trank am Tresen einen weiteren Whisky, als der Reiter mit dem Rind an der Longe um das Buschwerk bog.

Andrew zog den Kopf ein.

„Der sitzt ja schon wieder im Sattel."

„Ein harter Brocken", murmelte Potter, der sich weiter hinter den Tresen zurückzog.

Ryan Fletscher stieg am Korral ab und band das Rind dort an.

„Ryan!", rief Rose erfreut, lief hinten aus der Station und eilte dem Mann entgegen.

Ryan fing sie auf und wirbelte sie im Kreis herum.

„Nicht zu fassen, sagte Andrew ungläubig. „Der hat die Prügel offenbar glatt verdaut.

„Solche Leute soll’s geben, erwiderte Potter. „Und es ist gefährlich, sich mit ihnen anzulegen.

Zattig blickte ihn an.

„Wenn man mit solchen Burschen Ärger hat, muss man richtig hinlangen. Wenn Sie wissen, was ich meine."

„Ich dachte, er steht ’ne Woche lang nicht auf und vergisst die Lektion in seinem ganzen Leben nicht mehr." Zattig blickte wieder durch das Fenster.

Rose lief zur Hintertür.

Ryan kam vorn herein. Die Flügel der Schwingtür knarrten.

Potter zog sich weiter zurück.

Zattig hatte noch keinen Plan.

„Das trifft sich gut, begann Ryan kühl. „Da bleibt nur Sadie übrig. Aber ich werde mich bei ihm bestimmt auch noch für unsere letzte Begegnung bedanken. Bestell’s ihm, Andrew.

Zattig begriff den Sinn der Worte sofort.

„Du hast Lefty ..."

„Er lebt. Ich bleibe nur ungern etwas schuldig. Ryan kam näher. „Und ich hasse Leute, die zu dritt auf einen losgehen. Nur Stinktiere tun so was.

Die Herausforderung war unüberhörbar.

„Oder siehst du das anders, Potter?"

„Ich halt mich da raus!", rief der Stationer empört.

„Natürlich, du bist ja Geschäftsmann. Und da hast du natürlich keine Meinung."

„Alles hat seinen Preis", räumte Potter mit verblüffender Offenheit ein.

Rose kam aus der Küche und trat furchtlos hinter den Tresen.

„Wie ein Rudel Wölfe sind sie über ihn hergefallen. Und das finden diese Halunken offenbar auch noch in Ordnung."

„Halt den Schnabel, uns geht das nichts an!, bellte der Stationer. „Wir halten uns aus den Händeln anderer heraus. Das war immer so und wird auch so bleiben.

„Amen", sagte Rose respektlos.

Potter fluchte wie ein Frachtfahrer.

Andrew Zattig, der seinen Gegner nicht aus den Augen ließ, tastete nach der Whiskyflasche, aber Rose, die es sah und sich denken konnte, dass er sie als Waffe benutzen wollte, weil sein Glas ja noch zur Hälfte gefüllt war, zog sie ihm unter den Fingern weg.

„Jetzt reicht’s aber!", schnaubte der Stationer, packte das Mädchen am Arm, schleifte es in den Nebenraum und schmetterte die Tür zu.

Ryan erreichte die Kante des Tresens. Nur noch zwei Schritte trennten ihn von Andrew, der nun sein Glas ergriff und Fletscher den Inhalt ins Gesicht zu gießen gedachte.

Ryan hob den linken Arm und schützte das Gesicht. Zugleich griff er an.

Andrew wollte ihm das Glas auf den Kopf knallen, aber er schlug den Arm zur Seite. Das Glas zerschellte auf dem Schanktisch.

Und dann besorgte Ryan es dem Mann.

Die Faust des Smallranchers kam wie ein Hammer.

Zattig brach unter den Hieben bewusstlos in die Knie.

Ryan schleifte den Mann ins Freie, nahm einen Eimer, holte Wasser von der Pumpe vor dem Korral und leerte es über Zattig aus. Das brachte den Mann in die Wirklichkeit zurück.

„Damit sind wir quitt, erklärte Ryan beiläufig. „Sag deinem Bruder Sadie, dass keiner vergessen wird. Er kriegt die Abreibung so schnell wie möglich nachgeliefert.

Andrew rappelte sich auf. Er stand breitbeinig und unsicher da.

Wasser lief ihm über das Gesicht, das schmutzstarrende, ehemals weiße Hemd und die Jacke.

Rose erschien am Fenster.

Einen Moment sah es aus, als wollte Zattig den Colt ziehen. Dann jedoch wandte er sich ab und torkelte wie ein Betrunkener zu seinem Pferd.

Ryan kehrte in die Station zurück und warf fünf Dollar auf den Tresen.

„Ich denke, damit ist der Flurschaden beglichen, was?"

Potter schien mit seinen Gedanken weit weg. Dann riss er sich zusammen.

„Ihr seid doch immer miteinander ausgekommen. Der Stationer schüttelte den Kopf. „Nun, auf einmal, klappt’s nicht mehr?

„Die Zattigs sind offenbar zu faul geworden, sich um ihre Fallen zu kümmern. Ich fand ’nen Wolf, der glatt ’ne Woche, mindestens aber fünf Tage in einer Schlinge zappelte. Doch dass sie deswegen über mich herfallen würden, hatte ich selbst nicht erwartet."

„Eine Woche in der Falle, murmelte Potter, der dem zusammengekrümmten Reiter nachschaute. „Du meinst, sie sind zu faul?

„Irgendeinen Grund muss es doch haben, oder?"

Rose goss Whisky und Sodawasser in ein Glas und schob es Ryan zu.

„Vor dem musst du weiter auf der Hut sein. Der hasst dich jetzt."

Ryan trank das Glas auf einen Zug leer und warf es ins Spülwasser.

„Keine Angst, ich pass schon auf.

Well, ich muss weiter. Hab das Rind zum Schlachter zu bringen. Bis bald."

„Sei vorsichtig, Ryan!"

Er lächelte Rose zu und ging hinaus. Sie folgte ihm.

Potter blieb hinter dem Tresen.

Auch Ryan ritt mit dem Rind an der Longe davon. Rose winkte ihm nach. Fletscher nahm den gleichen Weg wie Zattig, blieb jedoch immer weiter zurück. Das Gelände war zudem offen, für einen Hinterhalt völlig ungeeignet. Wenn Zattig in der Stadt etwas kaufen wollte, konnte er das erledigt haben, bevor Ryan dort ankam.

Und so geschah es dann auch. Als Ryan die Ansammlung Holzhütten in der Mulde zwischen den flachen Hügeln sehen konnte, verließ Zattig das Nest schon wieder nach Süden.

Ein bisschen verwunderlich war das schon, sah es doch aus, als hätte Andrew tatsächlich die Nase voll.

Hufschlag ließ Ryan über die Schulter blicken.

Rose kam ihm auf einem Pferd nach, das sicher dem Stationer gehörte. Eine schwarze Reisetasche

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Western Sammelband 4 Romane denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen