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Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western

Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western

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Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western

Länge:
646 Seiten
7 Stunden
Freigegeben:
20. Nov. 2019
ISBN:
9781386149668
Format:
Buch

Beschreibung

Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western

von Alfred Bekker und Pete Hackett und W.W.Shols

Dieses Buch enthält folgende Romane:

W.W.Shols: Warner, der Revolvermann

Alfred Bekker: Die Rache der McCory-Brüder

Pete Hackett: Rächer ohne Gnade

Pete Hackett: Christopher Columbus Slaughter

Der Ex-Sheriff von Little Valley, Steve Gallagher, hat sich mit Frau und Kind in der Nähe dieser Stadt niedergelassen und eine Ranch aufgebaut. Sein ehemaliger Deputy und enger Freund Mike Potter wurde sein Nachfolger und sorgt seitdem in Little Valley für Recht und Ordnung.

Eines Tages fallen die Brüder Roy und Phil McCory mit einer Horde von Banditen über die Stadt her. Sie waren wegen eines Postkutschenüberfalls fünfzehn Jahre in Haft, ihr dritter Bruder Joe wurde wegen Mordes an einem der Kutscher gehängt. Da es Gallagher und Potter waren, die ihnen das Handwerk legten, wollen sie sich nun an diesen beiden rächen.

COVER: FIRUZ ASKIN

Freigegeben:
20. Nov. 2019
ISBN:
9781386149668
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Western Sammelband 4 Romane - Alfred Bekker

Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western

von Alfred Bekker und Pete Hackett und W.W.Shols

DIESES BUCH ENTHÄLT folgende Romane:

W.W.Shols: Warner, der Revolvermann

Alfred Bekker: Die Rache der McCory-Brüder

Pete Hackett: Rächer ohne Gnade

Pete Hackett: Christopher Columbus Slaughter

Der Ex-Sheriff von Little Valley, Steve Gallagher, hat sich mit Frau und Kind in der Nähe dieser Stadt niedergelassen und eine Ranch aufgebaut. Sein ehemaliger Deputy und enger Freund Mike Potter wurde sein Nachfolger und sorgt seitdem in Little Valley für Recht und Ordnung.

Eines Tages fallen die Brüder Roy und Phil McCory mit einer Horde von Banditen über die Stadt her. Sie waren wegen eines Postkutschenüberfalls fünfzehn Jahre in Haft, ihr dritter Bruder Joe wurde wegen Mordes an einem der Kutscher gehängt. Da es Gallagher und Potter waren, die ihnen das Handwerk legten, wollen sie sich nun an diesen beiden rächen.

COVER: FIRUZ ASKIN

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch

© by Authors

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Warner, der Revolvermann

Western von W. W. Shols

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

Der alte Goldgräber Tom Applebee wird von Banditen bedroht, weil sie es auf seine Nuggets abgesehen haben. Unverhofft erhält er Hilfe von einem Fremden, der zufällig dahergeritten kommt. Mike Warner, so nennt er sich, gelingt es tatsächlich, Phil Corner und seine Bande unschädlich zu machen. Darauf glaubt der alte Applebee, er habe es mit einem Gunman zu tun und nimmt Reißaus. In Kit Carson verbreitet er das Gerücht, dass Warner ein echter Revolvermann sei, der es ganz allein mit Corner-Bande aufnahm – und niemand hinterfragt, ob es die Wahrheit ist. Als Mike Warner in die Stadt kommt, um nach Arbeit zu suchen, sieht er sich gezwungen, seinen Revolver erneut zu ziehen – ob er will oder nicht ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover by Edward Martin, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Als der Schuss fällt , reißt es Mike Warner fast aus dem Sattel.

Es geschieht alles urplötzlich ...

Das Tal war so einsam und still wie eine Prärie ohne Pferde und Rinder. Die Sonne brannte, und nur die Hufe haben etwas geklappert, wenn sie mal einen Stein auf dem weichen Boden berührten.

Und plötzlich zischt es über sie weg. Die Kugel ist genauso schnell da wie die Detonation im Büchsenschloss. Sie fängt sich in der Felswand, will zurück, hat aber einen schlechten Aufschlagwinkel erwischt und trifft gleich wieder gegen einen Stein.

Kraftlos fällt sie herunter.

Mike Warner hängt schon hinter dem Hals des Pferdes. Der Braune hat einen weiten Sprung gemacht und befindet sich genau hinter einem einzelnen Felsblock, als der zweite Schuss fällt.

Die Kugel trifft oben auf die Kante, splittert eine Handvoll Dreck ab, dass man den Staub wie eine Fontäne aufspritzen sieht.

Der Braune hetzt nervös weiter.

Warner hält die Zügel kurz. Die angezogene Trense schmerzt im Gebiss. Das Tier will auf die Hinterhand gehen und vorn hochsteigen.

Um Gottes willen, Alter, jetzt nur nicht die Nerven verlieren!

So bieten sie ein einziges großes Ziel ...

Die nächsten Schüsse erscheinen fast wie einer. Mike ist im Sattel hochgekommen, hat sich aber sofort nach der anderen Seite fallen lassen, als hätte er es geahnt.

Der Braune hält seinen klugen Kopf hoch in der Luft. Da erwischt es ihn. Mike Warner spürt es daran, wie der Körper des Pferdes reagiert.

Erst zieht das Zittern durch alle Knochen und Muskeln, dann kommt das Nachlassen der Spannkraft. Der Braune wird weich auf den Hinterbeinen.

Doch da ist Mike Warner schon heraus aus dem Sattel. Wie er die zehn Schritte über die freie Fläche geschafft hat, kann er später nicht mehr sagen.

Als er wieder zu denken beginnt, liegt er flach am Boden. Er wundert sich über die Winchester in seiner Hand, die er noch rechtzeitig aus dem Scabbard gerissen hat.

Allerdings kann er hier unten in der Mulde nicht viel damit anfangen. Das Loch, in dem er hockt, ist kaum länger als er selbst. Er kann nicht nach vorn und nicht nach hinten weg. Nach allen Seiten gerät er in freies Schussfeld, denn wo die Burschen sitzen, ist ihm längst kein Geheimnis mehr.

Er kann sie nicht sehen. Aber wenigstens die Richtung ist klar.

Wenn er die Büchse in Anschlag bringt, haben sie ihn längst erwischt. Die wissen bestimmt genau, wo sie ihr Opfer zu suchen haben. Die haben ihn beobachtet.

Nur hier können sie ihn bestimmt nicht fassen! Die Mulde hat seinen Körper aufgenommen, als sei sie nach Maß geschneidert. Wenn er liegen bleibt, können sie ihm gar nichts ...

Bis zur Dunkelheit sind es aber mindestens noch vier Stunden.

So lange kann ein Mensch gar nicht still liegen. Es sei denn, er lebt nicht mehr.

Die Chance könnte, die letzte Chance könnte ...

Mike hat den Kopf nach links gedreht, um nicht immer den Staub ins Gesicht zu bekommen, den er beim Ausatmen aufwirbelt.

He, denkt er, das kann doch nicht wahr sein!

An die Felswand hat jemand eine Blockhütte gequetscht. Sie steht zum Greifen nahe. Aber sie passt wirklich nicht hierher. Kein vernünftiger Mensch würde hier ein Haus errichten, und deshalb wird es sich wohl um die Anfänge geistiger Verwirrung handeln.

Ich sehe Mäuse, by Gosh! Das kann doch nicht wahr sein!

Er steckt den Kopf wieder in den Sand und nimmt den Staub hin. Er schließt die Augen.

Hier kriegen sie mich nicht. Nicht solange sie selbst in ihrem Versteck bleiben. Ich muss erst wieder zur Besinnung kommen.

Dieses Haus ...

Er zählt bis zehn.

Bei sechs denkt er, dass lange keiner mehr geschossen hat. Die Schüsse werden doch nicht auch nur Einbildung gewesen sein? — Well, dann müsste der Braune noch leben. Doch der ist tot. Der ist wirklich tot!

Bei zehn hebt er wieder den Kopf und schielt in dieselbe Richtung.

Da ist sie wieder.

Das Bild narrt ihn. — Eine Blockhütte mit einer Tür und zwei Fenstern. Und mit viel Krimskrams drumherum.

Wenn er aufspringt und hinrennt — das werden drei oder vier Sekunden sein. Vielleicht ist der Eigentümer gar nicht zu Hause. Oder er sitzt selbst auf der anderen Seite und wartet nur, bis sein Opfer endgültig in die Falle geht.

Dieses verrückte Haus sieht wahrhaftig eher nach einer Falle als nach irgendetwas anderem aus.

Doch drüben haben zwei geschossen. Und wohnen kann in diesem Haus nur einer, so klein ist es. Wenn dort wirklich mal zwei Männer gleichzeitig übernachten wollen, muss der eine hinausgehen, wenn der andere sich umdreht.

In vier Sekunden könnte er es schaffen. Das ist klar. Es müsste ihm aber einer die Tür aufhalten ...

Da knarrt es schon in den Angeln.

Mike Warner sieht einen zollbreiten schwarzen Spalt. Es knarrt weiter, und der Spalt wird so breit, dass eine Nase darin Platz hat. Dann erscheinen zwei Augen rechts und links, und darunter ein langer strohgelber Bart.

„Die Tür ist angelehnt, Partner, kommt eine krächzende Stimme aus der Dunkelheit. „Ich gehe jetzt zum Fenster und halte meine Rifle in die Landschaft. Wenn wir Glück haben, gibt’s einen Knall, und der wird die Banditen derb erschrecken.

So kann eigentlich nur ein Gespenst reden, und Mike Warner ist drauf und dran, sich für verrückt zu halten. Nur kalkuliert er auf Sicherheit, und deshalb muss er so tun, als ob alles reine Wirklichkeit ist.

Er kann die Gestalt auch nichts mehr fragen. Das Gesicht ist verschwunden, die Tür ist wieder zugedrückt, das heißt, angelehnt.

In diesem Augenblick entlädt sich eine Donnerbüchse an der anderen Ecke der Hütte. Der Knall erinnert mehr an eine Sprengung, als an einen Schuss. Eine schmutzige Wolke löst sich zwischen den Ritzen der Holzwand, und die ganze Landschaft scheint eine Weile unter dem Eindruck dieses unüberhörbaren Ereignisses zu stehen.

Mike Warner denkt gar nicht mehr.

Er handelt wie unter einem fremden Zwang. Sein Sprungbein war schon angezogen gewesen, als das bärtige Gesicht seine Prophezeiung ausgesprochen hat.

Mike fliegt die letzten Yards über das freie Gelände. Seine Faust stößt gegen die Tür, als von der anderen Seite der nächste Schuss fällt. Die Tür springt auf, er dreht sich um den Pfosten, die Kugel reißt ein Loch in die Bretter.

„Yeah", sagt eine rasselnde Stimme. Die Tür wird wieder zurückgestoßen und schließt.sich. Dann ist es dunkel.

„Yeah", sagt auch Mike Warner. Er meint noch immer, dass er in einer Falle steckt. So dunkel und so übel riechen kann es nur in der Hölle. Du meine Güte, wenn man bedenkt, was für eine reine frische Luft man atmet, solange man draußen über die freie Weide reitet.

Solche Hütten sind widerlich.

„Du wirst noch das Laufen lernen, Cowboy, wenn sie dich noch einmal vor die Mündung kriegen. Bist wohl nicht gut zu Fuß, wie?"

Die Hütte hat zwei Fenster. Langsam gewöhnt sich das Auge an das Zwielicht. Natürlich sind die Fenster schmutzig. Aber irgendwo lassen sie schließlich doch Licht herein. Es ist gerade Mittag vorbei. Und so dreckig kann keine Glasscheibe werden, dass sie den Tag zur Nacht macht.

Das Kichern verrät, in welcher Richtung sich das bärtige Gesicht befinden muss. Mike hat noch immer die Winchester in der Hand. Das gibt der Lage einen Hauch von Wirklichkeit.

Auf dem kalten Steinofen im Hintergrund des Raumes hockt eine dürre Gestalt. Die Beine baumeln zwei Zoll über der Lehmerde. Zwischen den Knien ragt eine langläufige Rifle und reicht mit der Mündung fast bis unter die Decke.

In dieser Stellung ist das Gewehr nicht gefährlich.

„Ich bin so gut zu Fuß wie im Sattel, Mister, behauptet Mike endlich. Er ist froh, als er seine Stimme hört. Sie klingt noch ganz normal und gibt ihm Auftrieb. „Was ist hier los, Mister?

„Hölle!, flucht der Dürre. „Du tust ja wie’n Staaten-Marshal. Aber wenn du meinst, ihr hättet mich jetzt, dann bist du schief gewickelt, Kid.

„Kannst du dich nicht klarer aus drücken, Mister? Ich habe das Gefühl, jetzt erst richtig in der Falle zu sitzen. Aber ihr seht das wohl anders, wie?"

„Man macht sich so seine Gedanken", orakelt der Alte.

Alt ist er bestimmt.

Wie sich das Auge langsam an das Zwielicht gewöhnt, merkt Mike, dass der andere ein ganz gelbes Gesicht hat. Fahlgelb und voller Falten ist es, als ob sie ihm die Haut schon bei lebendigem Leibe gegerbt hätten. — Der hat sein Leben bestimmt nicht in dieser muffigen Hütte verbracht. Der hat eine Menge frische Luft gerochen. Dem ist der Wind um die Nase gepfiffen!

„Was für Gedanken?", forscht Mike Warner.

„Well, sie könnten dich hereingeschickt haben. So ein paar haarscharfe Schüsse über den Skalp — das wirkt überzeugend. Und jetzt haben sie dich eingeschmuggelt, wie?"

„Keine Ahnung, wovon du redest, Alter."

„Alter?"

„Entschuldigung! — Wenn es Sie nicht stört, nenne ich Sie Sir."

Jetzt kommt wieder das Kichern von dem kalten Steinofen. Die zerfledderten Mokassins schlagen sechsmal im Takt gegen die Ziegelsteine.

„Ich hätte dich nicht ’reingelassen, Kid! By Gosh, das hätte ich nicht. Ich hab’ ’ne Nase dafür, ob sie dich herschickten oder ob du nur so einfach in die Sache hineingerasselt bist. War’n wohl nicht die ersten Kugeln, die dir um die Ohren pfiffen, he?"

„Es hätten die letzten sein können. Mein Brauner liegt draußen mit einem Kopfschuss. In der Satteltasche stecken noch neunzig Dollar."

„Das ist eine Menge Geld, Kid. Ein Pferd und noch etwas in bar ..."

„Sagen Sie nicht immer Kid zu mir, Alter ..."

„Alter?"

„Solange Sie Kid sagen, sage ich Alter."

„Well, ich heiße Applebee. Ich hieß schon so, als ich mir noch in die Hosen machte."

„Dachte ich mir. Leute mit ’ner ehrlichen Haut tragen ihren Namen bis ans Ende. Ich heiße Warner, Mike Warner. Und ich habe mich auch noch nie anders genannt."

„Yeah, dann bist du ja wohl eine ehrliche Haut, Mike. Aber in der Falle sitzt du trotzdem."

„Habe ich mir gedacht. So oder so eine Falle. Die meinten am Ende gar nicht mich, oder?"

„Ha! Die meinen immer nur mich, mein Junge. Seit drei Tagen meinen sie mich. Ich habe sie mir bis jetzt vom Halse gehalten. Und dann bist du mitten hineingeritten. Bei solch einer Sache ist ein Fremder natürlich im Wege. Die wollten dich wegräumen, glaub mir’s."

„Wenn ich wüsste, worum es hier geht ..."

„Um Gold, mein Lieber."

„Sieh an!"

Applebee rutscht von der Mauer herunter und lehnt seine Büchse an den Tisch. Dann tritt er in die Mitte des Raumes, hebt einen Holzdeckel an und macht ein Loch im Boden frei. Dann zieht er einen Sack heraus, macht ihn auf und zeigt ihn.

Nuggets!

Ein Heidenreichtum! So viel auf einem Haufen gibt es nur in den Stories der Claimers.

„Wirklich! Das ist Gold."

„Natürlich! Und das wissen die Brüder. Keine Ahnung, wieso. Aber keiner schießt drei Tage lang auf Applebee, ohne zu wissen, was er von ihm will. Außer dem Gold habe ich nichts, was die Burschen reizen könnte. Die haben eine gute Nase gehabt."

„Und Sie zeigen mir das?"

„Du hast ein ehrliches Gesicht, Mike."

„Bei so viel Gold hört bei den meisten die Ehrlichkeit auf."

„Ich soll dich wohl unbedingt für einen schlechten Kerl halten, wie?"

„Ich hatte ganze neunzig Dollar. Und auch die sind jetzt weg, wenn die anderen vor mir zu dem toten Pferd kommen. Aber dieses Gold ..."

„Versuch’s doch, mich umzubringen!, krächzt der Alte hämisch. „Versuch’s mal!

„Du meinst wohl, das könnte ich nicht, he?"

„Versuch’s!"

„Blödsinn! — Die da draußen sind wichtiger."

„Gut, dass du das einsiehst, mein Junge. Selbst wenn du mich schaffst, nützt dir dieser Sack gar nichts. Die anderen würden niemals mit dir teilen."

„Hör endlich auf damit, Alter — Verzeihung."

„Mit Vornamen heiße ich Tom. Du wirst also die Nerven behalten, wie?"

„Keine Ahnung. Wenn die Belagerung schon drei Tage dauert, haben die sich ja wohl auf längere Zeit eingerichtet."

„Vielen Dank! Bis dahin wäre ich übergeschnappt. Hast du nachts eigentlich noch keinen Ausbruch versucht?"

„Himmel! Im Dunkeln habe ich Angst. Ohne Pferd mit einem schweren Sack auf dem Buckel? — No, Partner, das macht Tom Applebee nicht mit. Ich käme keine hundert Yards weit."

„Wie viele sind es?"

„Ich schätze drei. Vielleicht aber auch mehr. Mehr als drei habe ich aber nie zusammen gesehen."

Mike Warner tritt ans Fenster. Das ist kein Risiko. Die Scheibe ist so verschmutzt, dass man von draußen bestimmt niemanden dahinter sehen kann. Auch umgekehrt ist die Sicht stark behindert.

Die Felsen auf der anderen Seite der engen Schlucht sind zum Greifen nahe. Da gibt es tausend Verstecke.

Draußen ist niemand zu sehen. Mike überdenkt seine Lage gründlich. Plötzlich hat er eine Idee, die ihm wenig Spaß macht.

Wenn die anderen sie erst haben ... „Das ist hier tatsächlich eine Falle, Tom. Ich begreife nicht, dass du überhaupt noch lebst."

„Ich schicke immer ’ne Menge Blei in die Luft, wenn sie sich mausig machen. Das hat sie jedes Mal verscheucht ... Wahrscheinlich will keiner den Goldsack als Leiche erreichen. Ist gar nicht so einfach, mit Tom Applebee fertigzuwerden."

„Nun, die brauchen bloß hinter der Hütte auf den Felsen zu klettern und einen schweren Block losmachen. Das Gold hält’s aus."

„Das Haus auch. Was meinst du, Mike, wo der Riesenklotz dort draußen vorgestern noch gelegen hat?"

Tom zeigt mit dem Daumen über die Schulter nach dem linken Fenster. Der Felsbrocken liegt mitten im Weg, und obwohl dies hier wahrscheinlich eine gottverlassene Gegend ist, kommen bestimmt dann und wann Leute vorbei. Die Hufspuren führen nicht um den Stein herum, sondern drunter weg.

Mike dreht den Kopf und zuckt mit der Schulter.

„Den haben sie von oben herabgestoßen, jawohl! Einen halben Tag haben sie gebraucht, um mit dem Berg fertigzuwerden. Aber sie hätten sich nur die Wand vorher ein bisschen besser ansehen sollen, dann hätten sie gemerkt, dass Tom Applebee sich sein Grab nicht selbst schaufelt. Über unserem Dach ist nämlich ein Überhang. Alles, was von oben herunterrollt, kriegt zum Schluss noch einen Dreh nach vorn."

„Wir liegen hier also im toten Winkel?"

„Du hast es erfasst, Mike. Setz dich her und warte, bis ich das Essen warm gemacht habe. Wirst Hunger haben, denke ich."

Tom bringt einen alten Petroleumkocher zum Brennen und setzt einen Topf mit grünen Bohnen auf. Dann kippt er den Inhalt auf einen Blechteller und schiebt ihn Mike hin.

„Hau rein, Partner. Ich hab’s gerade hinter mir."

Misstrauisch nimmt Mike den ersten Bissen. Er kann noch nicht sagen, ob es ihm schmeckt, als draußen wieder die Gewehre knallen.

Er legt den Löffel hin und ist sofort auf den Beinen. Während er herumschwenkt, liegt auch schon der Revolver in seiner Hand.

Einige Kugeln schlagen ins Holz, dringen aber nicht durch. Die Wände bestehen aus massiven Stämmen.

Komisch, dass die Scheiben überhaupt noch heil sind ...

Nach ein paar Sekunden ist es wieder still.

„Lass das Gemüse nicht kalt werden", knurrt Tom Applebee und grinst unverschämt. Er hat sein Kinn auf die verschränkten Unterarme auf der Tischplatte gestützt und scheint jeden Bissen zählen zu wollen, den sich sein Gast in den Mund schiebt.

„Was die da machen, hat doch überhaupt keinen Sinn", sagt Mike.

„Hast du eine Ahnung! Die wissen jetzt, dass ich Verstärkung im Haus habe. Das regt sie bestimmt auf. Und sie wollen natürlich feststellen, ob du Nerven hast. Bei mir wissen sie’s."

Mike bedankt sich für das Essen, ohne darüber zu klagen. Dann stellt er sich hinter die Fenster und versucht, sich ein Bild von der Umgebung zu machen. Dabei sagt er kein Wort.

Die Hütte ist mit der Rückwand an den Hang gebaut. Die Schlucht ist hier knapp einen Steinwurf breit. Und sie ist keine halbe Meile lang.

Überall sonst ist das Land hier ziemlich flach. Der Big Sandy Creek kann nicht mehr weit sein.

Mike Warner macht eine Runde um den Tisch. Das ist praktisch der Weg durchs ganze Haus. Einen anderen Raum gibt es hier nicht.

Er sieht sich alles genau an, klopft hier und da gegen die Wand, um zu prüfen, ob sie auch wirklich massiv ist.

„Ich werde mich für ein paar Stunden hinlegen, Tom", sagt er dann.

Der Alte springt sofort zu seiner Koje und will die Sachen abräumen, die drauf herumliegen. Aber Mike Warner winkt ab.

„Mach dir keine Umstände. Ich will dir nicht dein Bett nehmen."

Er nimmt seine Winchester und kriecht damit unter den Tisch. Kurz darauf scheint er wirklich eingeschlafen zu sein.

Tom Applebee hockt sich neben ihn und studiert sein junges Gesicht.

2

Eine Weile später fallen draußen wieder Schüsse. Eine Kugel schlägt in die Hauswand. Tom reißt seine Rifle hoch und schiebt den Lauf durch das Fenster. Ehe er abdrücken kann, zersplittert klirrend eine Scheibe. Scherben schleudern ihm ins Gesicht.

Stöhnend geht er in Deckung.

„Verdammt, jetzt holen sie uns!", jammert er.

Mike ist längst wach und hinter dem Tisch hochgekommen. Er springt an das andere Fenster und sieht eine Gestalt über den Weg hetzen.

Er drückt das Fenster auf und schießt mit dem Revolver.

Da fliegt die Tür auf.

In seinem Rücken ...

Verflucht, das war der letzte Fehler in deinem Leben, Mike Warner, denkt er. Trotzdem verliert er keine Sekunde. Er handelt so, als ob noch jede Hoffnung berechtigt wäre.

Umdrehen würde zu lange dauern. Er drückt den Alten mit dem Oberkörper gegen die Wand und stößt sich gleichzeitig in der anderen Richtung ab.

Die Kugel pfeift zwischen ihnen hindurch ...

Dann ist Mike herum. Der Colt draußen. Spannen und Abdrücken liegen in einer Bewegung.

Dem anderen reißt es die rechte Schulter nach hinten. Sein Finger ist um den Bruchteil einer Sekunde zu langsam. Der Schuss verliert völlig die Richtung und geht in die Decke.

Der Mann taumelt, will sich fangen, greift nach hinten.

Da ist Mike Warner schon über ihm, dreht ihm den Colt aus den Fingern und kniet auf seiner Brust.

Die Schlägerei kommt nicht. Mike sieht, dass der andere verwundet ist. Nicht nur an der rechten Schulter. Auch am Hals sind Blutspuren zu sehen. Ein Streifschuss ... Der Glücksschuss.

Er steht auf und geht drei Schritt zurück, die beiden Revolver des anderen hat er bei sich und schiebt sie dem Alten hin.

„Heb sie gut auf, Tom! Dieser Mann ist noch nicht tot, wie du vielleicht gemerkt hast."

Dann kümmert er sich um den Banditen.

Der Streifschuss am Hals ist nicht gefährlich. Er muss nur das Blut stillen und die Wunde verbinden. Mit der Schulter sieht es nicht so gut aus.

„Die Kugel steckt noch drin, Mister, sagt Mike Warner sachlich. „Ich könnte sie mit dem Messer ’rausholen und die Wunde ausbrennen. Aber das lenkt mich zu sehr ab. Ich brauche meine Ohren und Augen für etwas anderes. Gehen Sie zu Ihren Leuten und bestellen Sie ihnen, dass wir hier noch genügend Lebensmittel und Munition haben. Wir halten noch ein paar Wochen durch. — Ihre Colts können Sie gelegentlich beim Sheriff von Kit Carson abholen.

Der Mann hockt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Bettkante und macht keine Anstalten, sich zu erheben.

„Es gefällt ihm bei uns, sagt Tom Applebee grinsend. „Aber selbst als Überläufer wäre er mir nicht gut genug. Well, Mister, ich bin hier der Hausherr und denke, dass Sie jetzt gehen könnten. Bestellen Sie auch von mir herzliche Grüße drüben.

Dabei kommt die Mündung der Rifle so dicht an den Verwundeten heran, dass dieser doch endlich aufsteht.

„Schon gut, Alter. Reg dich nicht auf. Spar deinen Atem. Du wirst es sowieso nicht mehr lange machen."

„Ich werde bald neunundneunzig, aber wenn sie dich hängen, werde ich noch dabeistehen und, zugucken. Verlass dich darauf, Greenhorn. Und jetzt verschwinde!"

Tom Applebee stößt die Tür auf und springt zur Seite. Der Desperado geht gebückt hinaus. Der markiert nicht. Dem geht es wirklich dreckig. Er hält sich nur mit äußerster Energie auf den Beinen.

Mike Warner weiß, wie das ist, wenn man eine Kugel im Körper hat und eine Menge Blut weggeflossen ist. Dann stimmt’s im Gehirn nicht mehr ganz, und man sieht und spürt nur noch die Hälfte von allem, was um einen herum vorgeht.

„Geh schon!", zischt Tom wütend hinter dem Türpfosten.

Der Mann ist stehen geblieben. Er wankt etwas, schwankt. Er hebt den gesunden Arm hoch und winkt.

Ich hätte ihn nicht gehen lassen dürfen, denkt Mike Warner. Das hätte ich nicht tun dürfen. Er schafft es nicht bis drüben zu seinen Leuten. Und die werden ihn nicht wegholen, wo ich freies Schussfeld habe ...

Lange kann der Mann den Arm nicht oben halten. Dann geht er wieder zwei Schritte — drei, vier, fünf ...

Seine Knie werden schwach. Er knickt ein, stemmt sich hoch. Er will nicht sterben! Nicht hier und nicht heute. Der Verband um seinen Hals hält den Kopf noch gerade.

Von drüben fällt ein einzelner Schuss.

Der Mann reckt seinen Kopf noch ein Stück höher. Eine unsichtbare Macht reißt ihn Zoll um Zoll nach oben, dass er für eine Sekunde auf den Zehenspitzen steht.

Dann dreht er sich.

Mike Warner sieht sein Gesicht und seinen verständnislosen Blick.

Seine letzte Enttäuschung ...

Zwischen den Fronten liegt ein Toter.

3

„Was hast du vor?" , fragt Tom Applebee. Seine Stimme klingt misstrauisch. Als ob es ihm nicht passt, was sein unfreiwilliger Partner da macht.

„Ich stelle deine Möbel um", sagt Mike ruhig und lässt sich nicht stören.

„Mein Bett hat immer hier gestanden."

„Morgen ist dein Bett im Himmel, Alter. Außerdem zieht es in der Ecke, seit die Fenster nicht mehr ganz sind."

„Ich habe sie mit meiner Wäsche zugehängt."

„Es zieht trotzdem."

„Du bist ganz schön stur für dein Alter, mein Junge, schnauft Tom. „Es ist mir unangenehm, dir dasselbe sagen zu müssen, wie dem toten Banditen draußen.

„Du darfst dich ruhig klarer ausdrücken. Es wird mich nicht gleich umwerfen."

„Ach, Unsinn! Ich bin hier zwar der Hausherr, aber darum geht es nicht. Du wirst dich jetzt mit mir hinsetzen und warten, bis sie wiederkommen. Einer ist schon weniger."

„Setz dich nur, aber lass mich zufrieden, altes Haus."

Mike nimmt den kurzstieligen Spaten, der zwischen allerhand Gerümpel neben dem Ofen liegt, und fängt in der Ecke, wo das Bett gestanden hat, zu graben an.

„Er ist verrückt geworden!, stöhnt Applebee und ringt die Hände. „Hier gibt’s kein Gold in der Erde, wenn du das denkst. Meins stammt auch nicht von hier. — He, Mike Warner, lass das sein!

Mike dreht sich kurz um.

„Hör jetzt mal zu, Tom Applebee! Ich will nicht, dass du so schreist. Die können draußen jedes Wort verstehen, und durch dich lasse ich meinen Plan nicht verraten. Deine Bude ist nämlich langsam sturmreif."

„Was hast du vor?"

„Wenn du es jetzt noch nicht weißt, kannst du ja darüber nachdenken. In einer Viertelstunde ist es dunkel. Dann musst du mir Feuerschutz geben. Kurz nach neun geht der Mond auf. Bis dahin muss ich verschwunden sein."

„Du willst dich also aus dem Staube machen?"

„Das hattest du mir ja angeboten. Ich könnte natürlich auch versuchen, den Belagerungsring aufzuknacken."

Tom Applebee lacht abscheulich.

„Na klar, du könntest es versuchen. Ich hab auch gar nichts dagegen, Kid. So gute Freunde sind wir nicht, dass ich dir eine Träne nachweine, wenn sie dich aus den Stiefeln geschossen haben."

„Dann sind wir uns ja einig."

Mike Warner wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Er gräbt ein langes, flaches Loch unter die Balken.

Als die Dämmerung kommt, muss er noch zur anderen Seite durchstoßen. Das letzte Stück Arbeit ist wesentlich schwieriger. Er muss immer wieder eine Pause einlegen, um nach draußen zu horchen.

Er will sich nicht überraschen lassen. Endlich ist es so weit! Die Banditen haben sich nicht gerührt. Vielleicht liegen sie bereits dicht an der Hütte und können jeden Augenblick zuschlagen.

„Du kannst meine Winchester nehmen, sagt Mike. „Ich brauche sie heute nicht. Und wahrscheinlich kannst du damit mehr ausrichten als mit deiner alten Rifle.

„Kümmere dich nicht um meine Waffen, wehrt Tom missmutig ab. „Deine Winchester brauche ich nicht. Aber wenn du von einem alten Mann noch einen Rat annehmen willst, dann überlege dir die Sache noch mal. Ich seh’s gar nicht gern, wenn sich einer für mich opfert.

„Ich habe die besten Chancen."

„Well, du lässt es dir nicht ausreden. Beschwer dich nur nicht im Himmel, wenn wir uns da wiedersehen."

„Mit so viel Geld kommst du nicht in den Himmel, Tom Applebee. Versteif dich also nicht auf ein Wiedersehen.

Mein nächstes Ziel ist übrigens Kit Carson."

Damit verschwindet Mike Warner. Er hat nur seinen Colt bei sich. Die Winchester steht noch am Ofen. Tom nimmt sie nachdenklich in die Hand.

Könnte vielleicht ein Andenken werden an ein paar heiße Tage am Big Sandy Creek, und an ein unverbesserliches Greenhorn, das zu früh sterben musste ...

Draußen liegt ein Haufen schießwütiger Desperados, Kid. Von denen ist jeder dreimal so schnell wie du. Du hast keine Chance gegen sie, Mike Warner.

Eigentlich schade um dich!

Für die Strecke von dreißig Yards braucht Mike eine Viertelstunde. Zoll um Zoll schiebt er sich an der Felswand entlang nach Norden. Er vermeidet jedes Geräusch. Er bleibt nur im Schatten, und legt lange Pausen ein, um den Gegner zu belauschen.

Auf der anderen Seite der Schlucht liegt kaltes, silbernes Mondlicht. Doch der zerklüftete Hang hat mehr Licht als Schatten.

Er fühlt sich sicherer, als er eine Viertelmeile zurückgelegt hat. Er nimmt es nicht mehr so genau mit jedem einzelnen Zoll Boden. Halb aufgerichtet überquert er den Weg, erreicht die andere Seite der hier schon sehr flach gewordenen Schlucht und findet wieder Deckung.

Jetzt noch ein weiter Bogen nach Westen.

Der Mond ist höher gestiegen.

Zwei Stunden nach seinem Aufbruch erreicht Mike Warner die Pferde. Es sind vier. Unbewacht. — Vier Pferde und vier Reiter, so müsste es zusammenpassen.

Einer der Reiter ist tot.

Noch ein Bogen. Die Tiere sollen nicht unruhig werden. Mike wird wieder vorsichtiger. Er achtet auf den Stein, den seine tastenden Finger berühren. Plötzlich liegt die Schlucht vor ihm. Früher als er gedacht hat.

Die Hütte liegt noch im Schatten der hohen Felswand. Aber davor ist alles in helles Licht getaucht.

„Yeah!, sagt da eine Stimme. „Der Boss lässt sich Zeit. Ich würde nicht so lange fackeln.

„Reg dich nicht auf, Al! Die Nacht ist noch lang. Hauptsache, es klappt diesmal. Vier Tage und Nächte Aufenthalt an einem Ort ist das höchste der Gefühle."

„Wenn sich eine Sache lohnt, musst du anders rechnen."

Mike Warner ist eins mit der Erde. Er rührt keinen Muskel. Die Unterhaltung findet direkt vor seiner Nase statt.

„Ich weiß schon, wie man rechnen muss, sagt der eine. „Ein Haufen Gold durch vier ist nicht so gut wie unter uns dreien aufgeteilt. Wenn sich der Boss jetzt auch noch das Genick bricht ...

„Du kannst tatsächlich rechnen, Jim. Vielleicht sogar etwas zu gut. Erst muss der Boss seinen Plan verwirklicht haben."

„So lange soll er auch noch leben."

„Darauf kannst du dich verlassen, Partner!"

„Schieb dein Eisen in Stellung! Und keinen Schuss auf Phil Corner, bevor er nicht die beiden anderen ausgeräuchert hat."

„Aber dann!"

„Dann ist er reif. Der Sheriff wird es sich zusammenreimen. Schließlich kann der alte Goldsucher auch noch einen Schuss ins Schwarze gesetzt haben, bevor er starb."

Die Banditen liegen rechts von Mike Warner. Höchstens fünfzehn Yards entfernt. Mike schiebt sich vor, sodass er nach rechts gedeckt ist.

Im Tal sitzt ein Mann seitlich von der Hütte. Tom Applebee kann ihn nicht sehen, auch wenn er sich weit zum Fenster hinauslehnen würde. Umso besser erkennt man ihn von dieser Seite.

Das Mondlicht liegt voll auf ihm.

Er hat einen Haufen Holz bei sich. An dem müssen drei Männer einen halben Tag gesammelt haben. Holz ist knapp auf dieser Seite vom Big Sandy Creek. Aber wenn man Holz findet, dann ist es knochentrocken.

Ein gescheiter Plan, dem Alten das Haus über dem Kopf anzuzünden. Gescheit und einfach. Man fragt sich, welches Geschick dafür gesorgt hat, dass die Banditen nicht gleich am ersten Tag auf die Idee gekommen sind. Dass sie gewartet haben, bis Tom Applebee einen Bundesgenossen bekommen hat.

Für den Colt ist die Entfernung allerdings zu groß. Jetzt müsste Mike die Winchester bei sich haben ...

4

Unten flackert eine Flamme auf.

Mike Warners Winchester liegt im Blockhaus.

Aber Jim und Sammy haben Gewehre, und ihre Aufmerksamkeit gilt den Ereignissen in der Hütte.

Das Feuer frisst sich gierig in das trockene Grasbündel, springt auf das Reisig über, knistert.

Hinter den Banditen taucht eine Gestalt auf.

„Lass es brennen, Sammy! Kein Schuss, bevor die Kerle das Haus nicht verlassen. Bei dem Licht haben wir Zeit ..."

Da bricht der spröde Stein unter Mike Warners Stiefel.

Er wollte sie mit dem Kolben kampfunfähig machen. Aber jetzt haben sie es gehört. Jetzt sind sie wie auf Kommando herum.

Mike steht aufgerichtet da.

„Hoch mit den Händen!"

Auch das Kommando kommt zu spät. Die anderen fragen nicht lange. Noch in der Drehung ihrer Körper sind ihre Hände am Gürtel, die Revolver aus den Holstern.

Sie können gar nicht anders. Es steckt ihnen in Fleisch und Blut. Mike Warner denkt nicht mehr.

Seine Hand hat noch einen knappen Vorsprung. Sie ist schon am Kolben, als die anderen der Schreck trifft.

Sie stößt vor. Die Kugel wirft Jim nach hinten. Der Stein, hinter dem er gelegen hat, ist ihm im Wege. Sein Körper verschwindet im Abgrund.

Sammy hat eine Gnadenfrist.

Mike taucht rechtzeitig weg. Die Kugel jagt links an seinem Ohr vorbei. Sammy spannt den Hammer.

Mike Warners Absatz steckt wie in einem Startloch. Er spürt es am Widerstand und drückt sich ab. Er fliegt auf Sam zu und erreicht ihn, bevor die Kugel sich löst.

Sammys Arm fliegt nach oben. Der Schuss geht in den Himmel. Mikes Eisen kracht auf seine Schulter. Er geht in die Knie, holt die Schusshand herunter und will sie mit der Waffe gegen Mikes Kopf jagen.

Aber der hat die linke Hand bereits zum Griff aufgerichtet und fängt das Handgelenk des Gegners ab. Sammy verliert den Revolver.

Mike springt zurück.

„Keine Bewegung, oder ..."

Weiter kommt er nicht. Der Bandit ist nicht zum Verhandeln aufgelegt. Er hört auch auf keine Befehle. Er rennt mit den blanken Fäusten gegen die schwarze Mündung an.

Doch Mike hat nicht die Nerven, abzudrücken. Nicht gegen einen, dessen Eisen im Sand liegt.

Er schlägt nur zu — und trifft nicht genau.

Der Mond scheint — aber es ist immerhin Nacht. Die scharfen Schatten verzerren alles. Man braucht sich nur um zwei Zoll in der Entfernung zu verschätzen, und es kommt ein ganz anderes Ergebnis heraus.

Mikes Eisen kracht auf Sammys Schulter. Der sackt in die Knie und quittiert mit einem Stöhnen. Doch sofort kippt er nach vorn und rennt Mike Warner seinen Kopf in den Magen.

Mike verkneift sich die Reaktion.

Er möchte auch stöhnen, aber jetzt frisst sich die Wut still in ihn hinein und sammelt sich dort.

Der Stoß hat ihm die Luft geraubt. Das ist Zeitgewinn für Sammys Fäuste. Der Bandit schießt ein ganzes Trommelfeuer ab.

Allerdings ist auch für ihn Nacht. Seine meisten Schwinger bohren Löcher in die Luft. Wenn es nicht so wäre, könnte Mike nicht einmal mehr sein Testament machen.

So schmerzt es nur.

Seine Brust steckt in seiner Klammer. Er kann sie dadurch lösen, dass er seine freien Fäuste auf die Nieren des Gegners ansetzt.

Für Sekunden hat er Luft, kann sich hochstemmen und findet Halt mit den Stiefeln.

Wie der Schatten des anderen erneut auf ihn zufliegt und fast den ganzen Himmel verdeckt, kann er zur Seite ausweichen. Sammy erwischt seinen Arm und dreht ihn.

Mike Warner kann nicht anders. Er muss der Bewegung folgen, wenn er keine gebrochenen Knochen riskieren will. Er macht das einzig Richtige. Er unterstützt die Bewegung noch. Aus dem Sturz wird ein Überschlag. Er rollt ab und kommt wieder auf die Beine.

Wieder hat Sam den kürzeren Weg und ist längst in Kampfstellung, als Mike zu ihm herumfährt. Sammy ist ein Berg von einem Mann und drahtig dazu. Sein Gewicht und sein Schwung reißen Mike Warner um.

Der fällt diesmal nach hinten. Er zieht den Kopf ein. Instinktiv tut er das. Trotzdem fehlt noch etwas. Sein Schädel schlägt hart auf.

Er weiß, dass ihm langsam die Besinnung schwindet. Er denkt noch, dass es jetzt keine Hoffnung mehr gibt.

Als er mit seinem Bewusstsein aus dem dunklen Nichts zurückkehrt, ist noch alles beim Alten.

Sammy ist zurückgesprungen und sucht einen neuen Ausgangspunkt für seinen Angriff. Es kann nicht viel mehr als eine Sekunde vergangen sein, obwohl es Mike wie eine Ewigkeit vorkommt.

Im hellen Mondlicht sieht er die Umrisse des Gegners ganz genau.

Er zieht die Beine an und stößt sie von sich. Gleichzeitig rollt er sich einmal um seine Achse.

Neben ihm schlägt etwas Schweres zu Boden. Es erschüttert die Erde. Und es scheint viel mehr als ein Mensch zu sein. Aber als Mike hochschnellt und sich aufstellt, um den nächsten Angriff abzufangen, bleibt es still.

Sammy liegt da wie ein Toter — ein dunkler, schwarzer Koloss.

Mike Warner geht langsam näher, beugt sich zu ihm und sieht das fahle Gesicht.

Sammy liegt mit dem Rücken auf einem scharfkantigen Stein. Sein Kopf hängt nach hinten, und seine Augen sind offen.

Mike fasst ihn an und schüttelt ihn. Da weiß er, dass er einen Toten berührt.

Er hat nicht viel dazu getan. Er hat nur gekämpft. Nicht einmal sonderlich gut. Und trotzdem ist er der Sieger geblieben.

Vom Tal her leuchtet ein roter Schein. Das bringt Warner zur Besinnung.

Irgendwo muss sein Revolver liegen. Der Kampf hat sich auf kleinstem Raum abgespielt. Er sucht so lange, bis er den Colt gefunden hat. Als er den Kolben in der verschwitzten Hand spürt, fühlt er sich wieder sicherer.

Er tritt an den Hang und sieht es.

Phil Corner hat den brennenden Holzhaufen direkt an der Hütte aufgeschichtet. Die Flammen schlagen an der Wand des Blockhauses hoch und züngeln in die offenen Fenster.

Aber sonst ist nichts zu erkennen.

Phil Corner liegt irgendwo in Deckung. Und Tom Applebee rührt sich nicht. Er wehrt sich nicht und schießt nicht.

Yeah, vielleicht ist er schon tot. Vielleicht hat ihn schon der Schreck getötet. In zwei oder drei Minuten wird sein Haus eine einzige Feuerbrunst sein ...

Mike Warner überlegt nicht lange.

Er sieht genau, wie schlecht es um Tom Applebees Chancen steht.

Wenn er in die Schlucht hinabrennt und das Feuer auseinanderreißt, wird ihn von irgendwoher eine Kugel erwischen. Wenn er es darauf anlegt, Phil Corner zu suchen, wird eine Ewigkeit vergehen ...

Jim und Sammy sind tot. Phil

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