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Sammelband 10 Western: Pulverfasss Amarillo und andere Western
Sammelband 10 Western: Pulverfasss Amarillo und andere Western
Sammelband 10 Western: Pulverfasss Amarillo und andere Western
eBook1.315 Seiten17 Stunden

Sammelband 10 Western: Pulverfasss Amarillo und andere Western

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Sammelband 10 Western: Pulverfasss Amarillo und andere Western

Dieses Buch enhält folgende Western:

W.W.Shols: Damals am Red River

Alfred Bekker: Marshal ohne Stern

Pete Hackett: Handlanger des Teufels

Pete Hackett: Der Sohn des Comancheros

Pete Hackett: Pulverfass Amarillo

Pete Hackett: Partner des Todes

Pete Hackett: Gnadenlose Jagd

Pete Hackett: Hexenkessel am Ende des Schienenstrangs

Pete Hackett: Mit eisernem Besen

Pete Hackett: Ich bring den Mörder...

Auf seinem Weg nach Maverick trifft Bill Longly auf Craig Clayburn und seinen Revolvermann Ty McNelly. Auf seinen Kopf sind 500 Dollar ausgesetzt, als Outlaw ist er vogelfrei. McNelly sieht eine gute Chance, sich die Belohnung zu verdienen und provoziert Longly. Dieser ist jedoch auf der Hut; bei einem Kugelwechsel trifft er den Revolvermann und macht ihn kampfunfähig. Clayburn macht ihm das Angebot, in seine Dienste zu treten. Longly nimmt an – aber dann muss er feststellen, dass er auf einen alten Freund trifft, der nun Marshal ist und ihn einsperren will.

Cover: Hugo Kastner

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum15. Juni 2019
ISBN9781386409625
Sammelband 10 Western: Pulverfasss Amarillo und andere Western
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Buchvorschau

    Sammelband 10 Western - Alfred Bekker

    Sammelband 10 Western: Pulverfasss Amarillo und andere Western

    Dieses Buch enhält folgende Western:

    W.W.Shols: Damals am Red River

    Alfred Bekker: Marshal ohne Stern

    Pete Hackett: Handlanger des Teufels

    Pete Hackett: Der Sohn des Comancheros

    Pete Hackett: Pulverfass Amarillo

    Pete Hackett: Partner des Todes

    Pete Hackett:  Gnadenlose Jagd

    Pete Hackett:  Hexenkessel am Ende des Schienenstrangs

    Pete Hackett: Mit eisernem Besen

    Pete Hackett: Ich bring den Mörder...

    AUF SEINEM WEG NACH Maverick trifft Bill Longly auf Craig Clayburn und seinen Revolvermann Ty McNelly. Auf seinen Kopf sind 500 Dollar ausgesetzt, als Outlaw ist er vogelfrei. McNelly sieht eine gute Chance, sich die Belohnung zu verdienen und provoziert Longly. Dieser ist jedoch auf der Hut; bei einem Kugelwechsel trifft er den Revolvermann und macht ihn kampfunfähig. Clayburn macht ihm das Angebot, in seine Dienste zu treten. Longly nimmt an – aber dann muss er feststellen, dass er auf einen alten Freund trifft, der nun Marshal ist und ihn einsperren will.

    Cover: Hugo Kastner

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © Cover: Hugo Kastner

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Damals am Red River

    Western von W. W. Shols

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 141 Taschenbuchseiten.

    Auf seinem Weg nach Maverick trifft Bill Longly auf Craig Clayburn und seinen Revolvermann Ty McNelly. Auf seinen Kopf sind 500 Dollar ausgesetzt, als Outlaw ist er vogelfrei. McNelly sieht eine gute Chance, sich die Belohnung zu verdienen und provoziert Longly. Dieser ist jedoch auf der Hut; bei einem Kugelwechsel trifft er den Revolvermann und macht ihn kampfunfähig. Clayburn macht ihm das Angebot, in seine Dienste zu treten. Longly nimmt an – aber dann muss er feststellen, dass er auf einen alten Freund trifft, der nun Marshal ist und ihn einsperren will.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © Cover: Hugo Kastner, 2018

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    1

    Es ist spät am Nachmittag , als er mit seinem hinkenden Pferd den Horseshoe-Creek erreicht und dort anhält.

    Einen Augenblick verharrt er regungslos. Dann nimmt er sein Pferd beim Zügel und führt es bis in die Mitte des Creeks. Während das Pferd zu saufen beginnt, lässt sich Longly auf die Absätze nieder, schiebt seinen schwarzen, flachkronigen Hut zurück und wischt sich den Staub aus dem Gesicht. Dann formt er die Hände zu einem Hohlraum und trinkt langsam und bedächtig von dem kühlen, klaren Wasser.

    Longly ist ein großgewachsener, breitschultriger Mann, grauäugig und langhaarig, mit einem harten, dunklen Gesicht, festem Kinn und hohlen Wangen. Er trägt eine alte, verwaschene Windjacke, dunkle Tuchhosen und um die Hüften einen breiten schwarzen Revolvergurt, dessen Holster mit einem Lederriemen an den Oberschenkel gebunden ist.

    Nachdem er sich genügend erfrischt hat, richtet er sich wieder auf und watet steifbeinig durch das knietiefe Wasser ans andere Ufer.

    Im gleichen Augenblick, als er den Fuß wieder aufs Trockene setzt, hört er in seinem Rücken Räderrollen. Wenig später taucht in der Ferne die Postkutsche auf.

    Als die Postkutsche endlich mitten im Creek anhält, steht Longly groß und hager neben seinem Pferd. Leicht hebt er die rechte Hand, zum Zeichen, dass er keinen Überfall plane.

    Trotzdem hat der Begleitmann sein Gewehr aufgehoben und richtet es auf Longly.

    „Was wollen Sie, Mister?", fragt er. Seine Stimme ist hart und scharf. In seinen Augen liegt ein wachsamer Zug.

    „Mein Pferd hat ein Hufeisen verloren und kann kaum noch weiter, sagt Longly. „Können Sie noch einen Fahrgast mitnehmen?

    Der Mann zögert und blickt auf den Fahrer, der neben ihm auf dem Bock sitzt und beide Beine fest gegen das Wagenbrett gestemmt hat.

    Der Fahrer spuckt seinen Priem in den Creek, nickt und sagt rau: „Steigen Sie ein, Mister. Drei Meilen von hier ist eine Handelsstation. Dort gibt es einen Schmied und alles, was Sie und Ihr Tier brauchen."

    „Danke", sagt Longly und geht einen Schritt zur Seite, da die Kutsche wieder anfährt. Er wartet, bis sie neben ihm angehalten hat. Dann bindet er hinten am Wagenkasten sein Pferd an und steigt ein. Sofort setzt sich die Kutsche wieder in Bewegung.

    Bill Longly lehnt sich zurück und betrachtet dann die beiden Männer, die in der Kutsche sitzen. Ein kleiner, dicker Handlungsreisender sitzt in der Ecke neben dem offenen Wagenfenster und scheint zu schlafen. Der zweite Mann sitzt Longly direkt gegenüber. Er ist groß und hager und sieht aus wie ein berufsmäßiger Revolverheld.

    Sein Gesicht ist hart und kantig und zeigt über dem linken Wangenknochen eine zolllange Narbe, die offensichtlich von einem Messerkampf herrührt. Für einen kurzen Moment treffen sich ihre Blicke. Dann nickt der Mann ihm zu und fragt gedehnt: „Kenne ich Sie nicht, Mister?"

    Ruhig sieht Longly ihn an.

    „Schätze, wir hatten noch nicht das Vergnügen."

    Hartnäckig schüttelt der andere den Kopf.

    „Sie kommen mir irgendwie bekannt vor, Mister. Nur weiß ich im Augenblick nicht, woher. Wenn ich keinen Riss im Hirn habe, dann habe ich Ihre Nase schon mal unten am Brazos gesehen. Wäre das möglich?"

    „No, entgegnet Longly hart, „ich war noch nie dort unten, Mister.

    Der Mann zieht den rechten Mundwinkel leicht nach unten, was seinem Gesicht einen grausamen Zug verleiht.

    „McNelly ist mein Name – Ty McNelly."

    Bill Longly kommt nicht mehr dazu, etwas zu erwidern. Denn in dem Moment kommt die Kutsche holpernd und schaukelnd zum Stillstand, und die raue, heisere Stimme des Drivers ruft:„Long Trail Station! Zehn Minuten Aufenthalt!"

    Longly stößt die Wagentür auf und steigt aus.

    Long Trail Station ist nur ein kleiner Handelsposten mit einem Schuppen, einem Corral und einer Schmiede. Die Gebäude sind alt und verwittert und werfen in der Nachmittagssonne lange Schatten.

    Bill Longly atmet langsam aus. Dann geht er zum Ende der Kutsche und bindet sein Pferd los. Inzwischen ist auch der Fahrer abgestiegen, zieht einen Postsack unter dem Sitz hervor und verschwindet im Stationsgebäude.

    Longly blickt ihm kurz nach. Dann beobachtet er den Mann mit der Narbe, der nun ebenfalls aussteigt und sich schnell umsieht.

    Als er merkt, dass Longly ihn beobachtet, zeigt er zwei Reihen blitzender Zähne und sagt: „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass mir bis zur Abfahrt der Kutsche einfällt, wo ich Sie schon mal gesehen habe."

    Damit wendet er sich ab und geht ebenfalls ins Stationsgebäude. Longly aber nimmt sein Pferd beim Zügel und führt es langsam zur Schmiede hinüber.

    Ein großer, breitschultriger Mann mit schweißnassem Gesicht und rußigen Händen bearbeitet dort gerade ein Stück glühendes Eisen.

    Longly schaut ihm einige Sekunden dabei zu, dann sagt er ruhig: „Mein Gaul braucht ein neues Eisen, Mister. Wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das bald erledigen würden/’

    Der Schmied wischt seine rußigen Hände an der Lederschürze ab und nickt.

    „Macht einen Dollar, Mister."

    Longly angelt die Münze aus der Rocktasche und wirft sie dem Mann zu, der sie geschickt auffängt. Dann zieht er die Winchester aus dem Scabbard und schlendert, das Gewehr in der Armbeuge, zum Stationsgebäude zurück.

    Er stößt die Schwingtür auf und tritt ein. Der Raum, der zugleich als Store und Saloon dient, ist ziemlich groß und geräumig. Karten und Gästetische stehen vor dem Tresen. Neben der Tür zu einem Nebenraum steht sogar ein Billardtisch.

    Ty McNelly, der Mann mit der Narbe, lehnt am linken Ende der Bar und widmet seine Aufmerksamkeit den drei Spielern, die an einem der runden Spieltische sitzen und pokern. Zwei von ihnen sind Cowboys, große, sehnige Gestalten. Der dritte Mann ist ein Berufsspieler. Er ist von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, hat ein hageres Gesicht und trägt unter dem dunklen Rock ein Schulterholster, aus dem der abgegriffene Kolben eines Revolvers hervorschaut.

    Sein fast weißblondes Haar ist an den Seiten straff zurückgekämmt. Und in seinen Augen liegt ein kühles, vorsichtiges Abschätzen, als er Longly nun mit einem kurzen Blick streift.

    Der zieht sich den Hut so weit in die Stirn, dass die breite Krempe einen dunklen Schatten auf sein Gesicht wirft. Dann tritt er an die Bar.

    Ein alter, grauhaariger Mann erscheint, wirft ihm einen prüfenden Blick zu und fragt mürrisch: „Was darf’s sein, Mister?"

    „Whisky, brummt Longly. Und als der Keeper ihm ein volles Glas zugeschoben hat, fügt er hinzu: „Und einige Schachteln Gewehrmunition für diese Winchester hier.

    Bei diesen Worten legt er das Gewehr auf den Tresen. Der Mann nickt und verschwindet im Hintergrund des Raumes.

    Longly greift nach seinem Glas und schaut dabei in den Spiegel über dem Flaschenregal. Ty McNelly steht immer noch am gleichen Platz und beobachtet die drei Spieler. Jetzt aber wendet er sich plötzlich um, wirft einen Silberdollar auf den Tisch und nimmt sich dafür eine der vollen Flaschen aus dem Regal. Mit einer geübten Bewegung schlägt er ihr am Schanktisch den Hals ab, zieht sich ein Glas heran und schenkt sich ein.

    Er nimmt einen kurzen Schluck. Dann setzt er das leere Glas hart auf den Tresen zurück, sieht Longly voll an und sagt: „Jetzt erinnere ich mich wieder, wo ich Sie schon gesehen habe, Mister."

    Bill Longly dreht leicht den Kopf.

    „Wirklich, McNelly?"

    Der Revolverheld nickt.

    „Yeah, Sie sind Longly – Bill Longly, der Mann, der vor etwa drei Wochen in einem Weidekrieg unten am Brazos vier Männer erschossen hat, obwohl einer dieser vier Männer keine Waffe bei sich hatte, als Sie ihn vor Ihr Gewehr holten. Ich schätze, das sagt genug, eh?"

    Eine Weile ist es still.

    Dann werfen die beiden Cowboys klatschend die Karten auf den Tisch, erheben sich und weichen langsam bis zur Wand zurück. Nur der schwarzgekleidete Spieler bleibt sitzen und schiebt ruhig die Karten zusammen, die vor ihm auf dem Tisch liegen.

    Longly sieht McNelly nicht an, als er jetzt murmelt: „Manchmal ist es im Leben eines Mannes besser, wenn er sich nicht mehr an allzu viele Dinge erinnert, Mister."

    Das ist eine klare Drohung. Aber der Revolverheld reagiert nicht darauf.

    Stattdessen sagt er scharf: „Wenn Sie glauben, mich damit einschüchtern zu können, Longly, dann haben Sie sich getäuscht. Sie müssen sich immer eins vor Augen halten, Mister: Sie sind ein Outlaw – ein Mann, der sich außerhalb des Gesetzes gestellt hat und auf dessen Kopf fünfhundert Dollar Belohnung ausgesetzt sind. Sie sind vogelfrei, und jeder drittklassige Buschräuber hat das Recht, sich in einen Hinterhalt zu legen und Sie wie einen räudigen Hund abzuknallen."

    Longly sieht McNelly jetzt zum ersten Male voll an.

    „Und Sie wollen sich diese fünfhundert Dollar also verdienen, McNelly, oder?"

    Der Revolverheld nickt.

    „Das will ich nicht nur, Longly, sondern das werde ich auch."

    Longlys Unterarme ruhen am Rand des Tresens. Und was jetzt folgt, geschieht so schnell, dass Ty McNelly keine Möglichkeit mehr findet, zur Waffe zu greifen.

    Longlys Rechte schießt vor und packt das Gewehr auf dem Schanktisch. Dann wirbelt er halb herum, reißt das Gewehr hoch und schlägt zu.

    Ty McNelly bekommt den langen Lauf der Winchester quer über den Mund. Seine Lippen platzen auf, und er taumelt zurück.

    Einen Moment sieht es so aus, als würde er zum Revolver greifen. Doch dann atmet er gepresst aus, hebt die Rechte und wischt sich mit dem Hemdärmel das Blut aus dem Gesicht.

    Longly lässt das Gewehr sinken.

    „Ich denke, wir sollten es dabei belassen, McNelly. Sie haben Ihre Meinung gesagt und meine Antwort darauf bekommen. Wenn Sie klug sind, dann lassen Sie das Eisen im Leder. Glauben Sie mir, es bringt Ihnen nichts ein, wenn Sie versuchen, mich umzulegen – nur einen Platz auf dem Stiefelhügel."

    Nach diesen Worten schiebt er die Schachteln mit der Gewehrmunition, die ihm der Keeper inzwischen gebracht hat, in die Rocktasche. Er wirft ein Geldstück auf den Tresen und verlässt, das Gewehr in der Armbeuge, den Raum.

    Als er auf die Veranda tritt, merkt er, dass ihm jemand folgt. Aber er dreht sich nicht um, sondern geht langsam und steifbeinig zur Schmiede hinüber, wo sein Pferd am Hitchrack steht und unruhig mit dem frisch beschlagenen Huf stampft.

    Er hat aber noch keine fünf Schritte gemacht, als McNellys Stimme ihn von hinten anruft: „Longly!"

    Der kaum merkliche Druck, mit dem Longly den Mund zusammenpresst, verstärkt sich, als er nun ruckartig anhält und herumwirbelt.

    Ty McNelly steht am Rand der obersten Verandastufe, die Beine leicht gespreizt und den Colt in der Rechten. Er schießt schon, während Longly noch herumwirbelt – aber sein Schuss geht fehl.

    Ehe er noch einmal abdrücken kann, hat Longly das Gewehr hoch und feuert. Ty McNelly wird gegen einen der Verandapfosten gestoßen. Er lässt den Colt fallen und presst die Hand gegen die rechte Schulter, wo sich auf seinem weißen Hemd ein roter Fleck zeigt, der zusehends größer wird.

    Die Lippen McNellys zucken. Er will irgend etwas sagen. Doch da wird die Schwingtür aufgestoßen, und der schwarz gekleidete Spieler tritt heraus. Einen Moment bleibt er abwartend neben dem Revolverhelden stehen. Dann verlässt er die Veranda und tritt neben die Postkutsche.

    Von dort aus sagt er zu McNelly: „Es ist gut, Ty. Du hast deinen Spaß gehabt. Geh jetzt hinein, lass dich verbinden und sattle dann dein Pferd. Wir brechen sofort auf."

    Ty McNelly seufzt, stößt sich vom Verandapfosten ab und geht taumelnd zur Schwingtür. Dort hält er noch einmal inne und sagt über die Schulter: „Wir sehen uns wieder, Longly, und dann wäre es besser für Sie, wenn Sie sofort zur Waffe greifen würden."

    Damit ist er verschwunden.

    Bill Longly wartet noch einen Atemzug lang. Dann sieht er kurz den Spieler an, der regungslos neben der Postkutsche steht, und wendet sich langsam ab. Wenig später sitzt er im Sattel und schlägt die Richtung nach Norden ein.

    2

    Nach zwei Meilen verhält Longly im Schutze eines Hügels sein Pferd und stützt die Hände aufs Sattelhorn. Seine rauchgrauen Augen prüfen scharf und wachsam das Gelände.

    Dann wendet er sich halb um und späht auf seiner Fährte zurück nach Süden – aber er sieht nichts, was ihn beunruhigen könnte. Nur ganz hinten, dort, wo die staubige Poststraße auf kurze Entfernung über einen flachen, langgestreckten Hügelkamm verläuft, zeigt sich jetzt eine kleine Staubwolke, die schnell näher kommt.

    Um Longlys Mund gräbt sich ein harter Zug ein. Wenn der Mann dort Ty McNelly ist, dann wird er das letzte Mal seinen Weg kreuzen. Mit einem Ruck zieht er die Winchester aus dem Scabbard und entsichert sie.

    Langsam drängt er sein Pferd von der Straße herunter und tiefer in den Schatten des Hügels hinein.

    Er braucht nicht lange zu warten. Wenig später taucht auf der staubigen Poststraße ein leichter Farmerwagen auf, der von einem langbeinigen Rotbraunen gezogen wird. Dem Wagen folgt in einigem Abstand ein Reiter. Dieser sitzt etwas schief im Sattel und trägt um die linke Schulter einen weißen Verband, der hell in der Sonne leuchtet.

    Bill Longly wartet, bis der Farmerwagen den Anfang des Hügels erreicht hat. Dann lenkt er mit einem Schenkeldruck sein Pferd auf die Straße und richtet das Gewehr auf den Mann, der im letzten Augenblick den Rotbraunen zum Stehen bringt.

    Es ist der schwarzgekleidete Spieler. Und der Reiter, der nun ebenfalls herankommt, ist kein anderer als Ty McNelly.

    Der Revolverheld verhält sein Pferd neben dem Wagen. Mit einem harten Blick sieht er Longly an, macht aber keine Bewegung nach dem Holster.

    Trotzdem richtet Longly das Gewehr auf ihn. Als der Spieler das sieht, schiebt er seinen Hut zurück und brummt: „Sie können das Gewehr ruhig in den Sattelschuh zurückstecken, Longly. McNelly ist mein Mann und tut nur das, was ich will – stimmt’ s, Ty?"

    McNelly nickt.

    „Sicher, Craig."

    Longly zeigt ein hartes Lächeln.

    „Vor kurzem haben Sie mir noch gedroht, mich bei unserem nächsten Zusammentreffen niederzuschießen, McNelly, und jetzt haben Sie auf einmal keine Lust mehr dazu. Ich muss schon sagen, McNelly, Sie drohen ziemlich leichtfertig."

    McNellys Narbe beginnt zu glühen.

    „Ich kann warten, Longly, sagt er rau. „Eines Tages, das ist sicher, werde ich Sie aus dem Anzug stoßen – aber nicht jetzt und hier. Ich suche mir den Zeitpunkt für einen Kampf mit Ihnen selbst aus.

    Longly hält das Gewehr immer noch auf den Gunner gerichtet, als er nun den Spieler scharf unter dem Hutrand hervor ansieht und fragt: „Wollen Sie was Bestimmtes von mir, oder haben Sie nur zufällig die gleiche Richtung?"

    Der Spieler lächelt dünn.

    „Ich habe die gleiche Richtung, Longly. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich auch gleich mit Ihnen sprechen."

    Bill Longly schüttelt den Kopf.

    „Wenn Sie was von mir wollen, dann spucken Sie’ s jetzt gleich aus!"

    Das Gesicht des Spielers wird für einen kurzen Moment hart, doch dann nickt er.

    „Well, wie Sie wollen, Longly. Er überlegt einige Sekunden und fährt dann fort: „Mein Name ist Clayburn – Craig Clayburn. Ich bin in Maverick, das etwa zehn Meilen nördlich von hier liegt, zu Hause und besitze dort eine ganze Anzahl Saloons und Spielhallen. Ich bin dort so etwas wie der große Mann, wenn ich es so ausdrücken darf. Maverick aber ist eine richtige Treibherdenstadt mit einem Bahnhof, Verladecorrals und eben all jenen Geschäften und Unternehmen, die zu einer solchen Stadt gehören. Jedes Jahr nach dem Round-up treiben die Rancher ihre Herden hier herauf und verladen sie hier, weil Maverick der einzige Verladebahnhof im Umkreis von hundert Meilen ist. Well, ich gebe zu, ich mache während dieser Zeit ein gutes Geschäft. Aber leider bin ich nicht der einzige, der erkannt hat, welche Menge Geld es für einen Mann mit Unternehmungsgeist in Maverick zu verdienen gibt.

    Longly nickt.

    „Ich verstehe, Clayburn – ein anderer macht Ihnen das Geschäft streitig. Wer ist der Mann?"

    Clayburn sieht ihn voll an, als er sagt: „Dieser andere heißt Clarence Stammer. Er besitzt zwar nicht so viele Saloons und Spielhallen wie ich, dafür aber kontrolliert er das gesamte Viehgeschäft, was ihm auch eine ganze Menge einbringt. Ich bin daher brennend daran interessiert, dass Stammer so schnell wie möglich aus der Town verschwindet – für immer. Sein Blick weicht nicht von Longly. „Suchen Sie einen Job?

    Longly zuckt die Schultern.

    „Das kommt darauf an."

    Clayburn reibt sich das Kinn. „Ich biete Ihnen zweihundert Dollar im Monat, wenn Sie für mich kämpfen, Longly. Denn ich habe sofort erkannt, dass Sie Format haben. Sie sind keiner dieser vielen Revolverhelden, die einfach Befehle ausführen. Nein, Longly, Sie haben Format und sind schnell mit der Waffe. Und gerade das ist es, was ich brauche. Wir beide – Sie und ich – könnten eine Menge aus einer Sache machen."

    Longly lässt jetzt langsam das Gewehr sinken, das er bisher auf Ty McNelly gerichtet hielt, und steckt es in den Scabbard zurück. Dann stützt er beide Hände aufs Sattelhorn, beugt sich leicht vor und sagt: „Ihr Angebot ist nicht übel, Clayburn – aber was muss ich dafür tun? Vielleicht etwa Stammer umlegen?"

    Clayburn schüttelt den Kopf.

    „Nichts dergleichen, Longly. Stammer gehört mir, und ich allein werde ihn fertigmachen. Aber dazu brauche ich Hilfe, Revolverhilfe – Ihre Hilfe, Longly. Gewiss, ich habe genug Revolvermänner, die für mich kämpfen, aber keiner von ihnen ist schnell genug, um gegen Stammers großen Tiger anzugehen – auch Ty nicht."

    „Ich wäre da nicht so sicher, Craig, knurrt McNelly jetzt, der das Gespräch zwischen Longly und Clayburn aufmerksam verfolgte, und spielt lässig mit den Zügelenden. „Es käme auf einen Versuch an.

    „Wie heißt der Bursche?", will Longly wissen.

    Clayburn antwortet nicht gleich, sondern holt eine Zigarre aus der Rocktasche, beißt die Spitze ab und brennt die Zigarre im Schutze der vorgehaltenen Handflächen an. Erst dann sagt er: „Durade ist sein Name – Fess Durade. Haben Sie den Namen schon mal gehört?"

    Bill Longly nickt.

    „Yeah, er hat unten am Brazos einen ziemlich üblen Klang."

    „Ich weiß, brummt Clayburn, „und deshalb möchte ich Sie ja auch anwerben, denn Sie sind der einzige, der eine wirkliche Chance hat, Fess Durade mit dem Revolver zu schlagen. Durade hat bereits zwei meiner besten Leute erschossen, obwohl sie ihm gegenüber im Vorteil waren, da sie die Waffen schon in der Hand hielten, als sie ihn anriefen. Trotzdem war Durade schneller.

    „Ein gefährlicher Bursche, meint Longly. „Mich wundert nur, dass ihn der Marshal von Maverick, falls es einen solchen dort geben sollte, noch nicht eingesperrt oder aus der Town verwiesen hat.

    „Es gibt keinen – jedenfalls im Augenblick nicht. Ted Hunter, der zuletzt Marshal war, ist einfach abgehauen. Er hatte keine Lust, für achtzig Dollar im Monat tausendmal sein Leben zu riskieren. Ich werde jedoch schnellstens eine neue Wahl einleiten. Und ich werde Duke Smither als neuen Marshal vorschlagen. Der ist nach Ty McNelly mein bester Mann. Hm, verstehen Sie, Longly?"

    Bills Augen werden schmal.

    „Sehr gut, Clayburn. Und merken Sie sich eins: Ich verkaufe zwar hin und wieder meine Colts, aber ich habe mir bestimmte Grenzen gesteckt. Wenn Sie im Namen des Gesetzes irgendwelche Schweinereien vorhaben, trete ich ab, ist das klar?"

    Clayburn wischt mit der Hand durch die Luft.

    „Unsinn, Longly. Duke Smither soll, wenn er wirklich den Stern bekommt, nur mein gutes Recht schützen. Im Übrigen schlägt auch Clarence Stammer einen Kandidaten aus seiner Reihe vor. Und Stammer ist ein ganz ausgekochter Halunke."

    Longly schnalzt mit der Zunge.

    „Wir werden sehen, Clayburn."

    „Sie sind mit meinem Angebot also einverstanden?"

    „Yeah, wenn es dabei bleibt, dass Sie Stammer übernehmen und ich seinen Revolvermann Fess Durade."

    Clayburn nickt.

    „Es bleibt dabei. Für einen kurzen Moment zerbricht seine kühle Zurückhaltung. „Stammer hat mir vor etwa einem halben Jahr so großen Schaden zugefügt, dass ich damals bald die Stadt hätte verlassen müssen. Aber ich habe mich noch einmal gefangen, und diesmal wird Stammer es sein, der den Kürzeren zieht. Mit Ihrer Hilfe, Longly, wird es mir gelingen, Stammer zu vernichten.

    Nach diesen Worten nimmt er die Zügel in die Rechte. Longly drängt sein Pferd von der Straße, und Clayburn sagt: „Noch was, Longly: Sie brauchen sich nicht zu beeilen. Es genügt, wenn Sie bei Anbruch der Dunkelheit in die Town kommen. Stammer oder einer seiner Männer braucht Sie nicht unbedingt zu sehen – jetzt wenigstens noch nicht"

    Bill Longly nickt. Er schaut Clayburn, der, gefolgt von Ty McNelly, schnell davonfährt, lange nach. Dann setzt er mit einem Schenkeldruck sein Pferd in Bewegung und folgt langsam der staubigen Fährte, die Clayburn und McNelly hinterlassen haben.

    3

    Bill Longly atmet langsam aus. Dann lockert er das Gewehr im Sattelschuh und reitet langsam zwischen den Corrals hindurch in die Stadt.

    Überall ist Betrieb. Schwere Merville-Frachtwagen sind neben hochrädrigen Buggies und leichten Farmerwagen abgestellt. An den langen Haltebalken vor den Saloons und Spielhallen stehen die Sattelpferde dichtgedrängt nebeneinander.

    Auf den Gehsteigen aber bewegt sich eine fast unübersehbare Menschenmenge: Cowboys, Rancher, Frachtwagenfahrer, Geschäftsleute, Spieler, Satteltramps, Frauen und Burschen mit harten Gesichtern und tief geschnallten Colts.

    Longly kommt an der Schmiede, am General-Store, an der Bank und an zwei oder drei Saloons vorbei, und überall liest er den Namen Clayburn.

    Dann erreicht er ein kleines Gebäude, über dessen Eingang ein Schild mit der Aufschrift ,Clarence Stammer – Viehagent’ befestigt ist.

    Longly betrachtet es einige Sekunden, dann reitet er langsam in den Mietstall und sitzt ab. Er muss einige Sekunden warten, ehe ein alter, grauhaariger Mann heranschlurft. Der Mann hat ein Holzbein und trägt einen sandfarbenen Schnurrbart, dessen Enden traurig zu beiden Seiten der Mundwinkel herabhängen.

    Einen Atemzug lang betrachtet er Longly. Dann wirft er einen kurzen Blick auf dessen Hüfte, wo sich unter dem Stoff der Windjacke deutlich der Kolben eines Revolvers abzeichnet.

    „Wollen Sie länger bleiben, Mister?"

    Longly nickt, nimmt seinem Pferd den schweren McClellan-Sattel ab und legt ihn sich über die Schulter. Ohne sich weiter um den Stallmann zu kümmern, zieht er noch die Winchester aus dem Sattelschuh und verlässt langsam den Mietstall.

    Draußen ist es jetzt bereits dunkel. Aus Fenstern und Türen fallen helle Lichtstreifen auf die Straße.

    Longly will sich gerade in Bewegung setzen, als neben ihm der Schatten eines Mannes auftaucht. Longly hebt das Gewehr, aber die Stimme des Mannes lässt ihn innehalten.

    „Machen Sie keinen Quatsch, Longly. Ich bin Duke Smither – und ich bin bald der neue Marshal, schätze ich!"

    Smither ist groß und hager, hat ein dunkles Gesicht, das von Narben geziert ist, und grüne Augen.

    Longly holt lange und hart Atem.

    „Sprechen Sie mich nie wieder im Dunkeln an, Smither, sagt er dann. „Schon mancher Mann musste wegen dieser Unvorsichtigkeit ins Gras beißen. Sie wären nicht der erste, den es trifft.

    Smither macht eine leichte Handbewegung.

    „Werd’ es mir merken, Longly, aber es gab im Moment keinen anderen Weg, um mit Ihnen zu reden. Er blickt zum Gunsmoke-Saloon hinüber. „Schauen Sie dort hinüber zum Saloon. Sehen Sie den Mann im Schatten der Veranda?

    Longly, der Smithers Blick gefolgt ist, den Mann im Schatten der Veranda aber nur undeutlich erkennen kann, nickt.

    „Wer ist der Mann? Er scheint auf jemanden zu warten."

    „So ist es, knurrt Smither. „Er wartet auf Sie, Longly. Irgendwie hat Clarence Stammer von Ihrer Ankunft erfahren, und jetzt wartet sein Revolvermann Fess Durade darauf, was Sie tun werden.

    „Clayburn hat mir von ihm erzählt", sagt Longly.

    „Ich weiß. Smither wendet seinen Blick nun wieder Longly zu. „Übrigens, Clayburn hat mir aufgetragen, Ihnen auszurichten, dass Sie im Hotel absteigen sollen. Dort ist ein Zimmer für Sie bereit.

    Ehe Longly etwas erwidern kann, hat Smither sich abgewandt und macht einige Schritte in das Dunkel hinein. Dann scheint ihm noch etwas einzufallen.

    „Noch was, Longly: Sobald Sie Zeit haben, möchte Clayburn Sie sprechen. Er wartet im Gunsmoke-Saloon auf Sie."

    Longly nickt und setzt sich in Bewegung. Langsam und mit steifen Schritten geht er den hölzernen Sidewalk entlang, in dessen Schatten fast überall Männer stehen und sich unterhalten. Longly kann ihre Gesichter nicht erkennen. Nur das regelmäßige Aufglühen der Zigaretten verrät ihm ihren Standort.

    Vor dem Hotel bleibt er kurz stehen und sieht sich um. Dann steigt er die Stufen zur Veranda hoch und tritt ein. Die Halle ist leer bis auf einen kleinen, mageren Mann, der hinter dem Anmeldepult steht und in einer uralten Ausgabe des Maverick-Couriers blättert.

    Als er Longly erkennt, legt er das Blatt zusammen und sagt: „Zimmer Nummer zehn, Mister Longly."

    Der nickt ihm zu und stakst die Treppe zu den Zimmern hinauf. Ein langer Gang, von einer trüben Lampe nur mäßig erhellt, nimmt ihn auf.

    Vor der Tür mit der Nummer zehn hält er an und lauscht einige Sekunden. Dann stößt er mit dem Fuß die Tür auf und tritt, das Gewehr in der Rechten, ein.

    Aber wenn er erwartet hat, jemanden vorzufinden, so wird er enttäuscht. Der Raum ist leer. Das kann Longly in dem Lichtschein, der von der Straße hereinfällt, erkennen.

    Er tastet sich bis zum Tisch vor, holt ein Streichholz aus der Rocktasche und zündet die Lampe an, die über dem Tisch an der Decke hängt. Dann schließt er die Tür, wirft seinen Sattel samt dem Gewehr in eine Ecke und sieht sich um.

    Der Raum ist einfach hergerichtet. Ein Bett, ein Tisch mit zwei Stühlen und eine Waschkommode, zu der eine halb zersprungene Schüssel und ein Krug gehören, bilden das ganze Mobiliar.

    Longly nimmt seinen Hut ab und hängt ihn an den Haken neben der Tür. Dann legt er seine Jacke ab, tritt zu der Kommode, schüttet aus dem Krug Wasser in die Schüssel und beginnt, sich den Staub der letzten Meilen aus dem Gesicht zu waschen.

    Er ist so vertieft in seine Beschäftigung, dass er das leise Klopfen überhört.

    „Longly?"

    Longly sieht auf und erblickt einen großen, kräftig gebauten Mann, der wie ein Cowboy gekleidet ist. Er wirft einen kurzen Blick auf den schweren Colt, der tief an der Hüfte des Mannes hängt, trocknet sich mit dem Handtuch sorgfältig das Gesicht ab und fragt dann: „Kennen wir uns?"

    „Ich heiße Fess Durade, sagt der Mann. Er lächelt, aber seine Augen bleiben kalt. „Hab’ schon viel von Ihnen gehört, Longly. Sind Sie vielleicht etwa verwandt mit dem berüchtigten Zane Longly?

    Longly schüttelt den Kopf.

    „No, nicht dass ich wüsste. Wir haben nur den gleichen Namen – sonst nichts."

    Durade hakt den rechten Daumen in die Brusttasche seiner ärmellosen Lederweste.

    „Machen wir es kurz, Longly: Ich schätze, wir brauchen uns beide nichts vorzumachen. Ich, oder besser gesagt, Clarence Stammer hat erfahren, dass Clayburn Sie angeworben hat. Sie wissen, was in dieser Town gespielt wird. Stammer und Clayburn sind Feinde – Todfeinde. Keiner von ihnen will nachgeben und die Town verlassen. Da es Clayburn bisher nicht geglückt ist, Stammer auszuschalten, hat er nun Sie angeworben. Ich weiß, dass Sie den Auftrag haben, mich umzulegen, aber ich glaube nicht, dass es Ihnen gelingen wird, Longly – weder Ihnen, noch sonst jemandem. Sie mögen zwar einen ziemlich berüchtigten Ruf haben, aber das hat nichts zu sagen. Trotzdem wäre es besser für uns beide, wenn Sie Clayburn verlassen und auf Stammers Seite treten würden."

    Ruhig sieht Longly ihn an.

    „Schätze, das werde ich nicht tun."

    „Vielleicht doch, sagt Durade sanft. „Hören Sie sich erst mal Stammers Angebot an, und dann entscheiden Sie sich.

    „Soll das heißen, dass Stammer mich sprechen möchte?"

    Durade nickt.

    „Deshalb bin ich hier. Ich soll Sie zu Stammer bringen – ganz gleich, ob Sie wollen oder nicht."

    Longlys Gesicht wird hart.

    „Und wenn ich nicht will?"

    „Dann werde ich Sie dazu zwingen – mit Gewalt", sagt Durade immer noch sanft, aber in seiner Stimme ist dabei ein harter Unterton.

    „Ich bin kein Narr, sagt Longly und lächelt plötzlich. „Warum sollte ich nicht mitkommen? Es ist immer gut für einen Mann, wenn er seinen Gegenspieler kennt, und das ist die beste Gelegenheit, Stammer kennenzulernen.

    Nach diesen Worten tritt er zum Stuhl und zieht seine Jacke an. Dann nimmt er seinen Hut vom Haken, setzt ihn auf und sagt: „Gehen wir!"

    4

    Longly hat sich Clarence Stammer als einen kleinen, dicken Mann mit einem runden, feisten Gesicht und langsamen Bewegungen vorgestellt. Er ist deshalb etwas überrascht, als er Stammer jetzt sieht.

    Stammer ist zwar nicht gerade groß, aber doch mittelgroß, hager und hat ein schmales, gebräuntes Gesicht, helle Augen und einen dunkelbraunen Schnurrbart, der seinen Mund fast zur Hälfte verdeckt.

    Er schüttelt Longly kurz die Hand. Dann lässt er sich hinter seinem Schreibtisch nieder und sieht den großen, hageren Mann mit der verwaschenen Windjacke und dem tiefsitzenden Revolverholster prüfend an.

    „Sie sind also Bill Longly?"

    „Der bin ich."

    Longly setzt sich auf die linke Kante des Schreibtisches, was Stammer mit einem Stirnrunzeln, aber schweigend zur Kenntnis nimmt. Er wirft einen kurzen Blick auf Durade, der regungslos an der Zimmerwand des kleinen Büros lehnt und auf einem Streichholz kaut; dann sieht er wieder Stammer an und fragt: „Was wollen Sie also von mir, Mister?1’

    „Hat Fess Ihnen das nicht gesagt?"

    „Doch, sagt Longly, „und er hat auch gleich meine Antwort bekommen – dieselbe, die Sie bekommen werden, wenn Sie mich danach fragen, ob ich nicht auf Ihre Seite treten möchte.

    „Sie wollen also wirklich für Clayburn arbeiten, auch wenn ich Ihnen sage, dass ich Ihnen das Doppelte von dem zahle, was Clayburn Ihnen bietet?"

    „Auch dann, sagt Longly fest. „Sie wissen, Stammer, ich bin ein Revolvermann, der seinen Colt vermietet. Ich habe schon in einigen Weidekriegen und Fehden gekämpft, und schon mehr als ein Mann hat versucht, mich abzuwerben. Aber sie haben alle eine Absage erhalten, denn in meinem Geschäft kann man es sich nicht leisten, mitten im Kampf die Seiten zu wechseln. Ich bleibe so lange auf der Seite des Mannes, der mich angeworben hat, bis der Kampf zu Ende ist. Das habe ich bisher immer so gehalten und werde es auch weiterhin tun.

    „Ein sehr lobenswerter Grundsatz, sagt Stammer und trommelt mit den Fingerspitzen auf die Tischplatte, „aber leider hier völlig falsch am Platze. Sehen Sie, Longly, wenn Sie gegen mich sind, dann haben Sie Durade gegen mich – einen Mann, der jedem von Clayburns Leuten – Ty McNelly und Duke Smither nicht ausgenommen – mit dem Colt überlegen ist. Glauben Sie wirklich, dass Ihnen das, was vor Ihnen schon ein halbes Dutzend anderer Männer ergebnislos versucht hat, gelingt?

    „Ich werde es jedenfalls versuchen", meint Longly und schaut dabei Durade an, der immer noch regungslos an der Wand lehnt.

    Einen Augenblick messen sie sich mit den Blicken, dann spuckt Durade das Streichholz aus und sagt grimmig: „Ich hätte Sie wirklich für klüger gehalten, Longly."

    „Lassen Sie das nur meine Sorge sein, Durade", murmelt Longly und wendet sich wieder Stammer zu, der jetzt das Wort ergreift.

    „Überlegen Sie es sich noch einmal, Longly. Vielleicht kommen Sie doch noch zu der Auffassung, dass es besser für Sie ist, wenn Sie auf meine Seite treten. Ich weiß, Longly, Sie sind ein harter und schneller Mann, der einen berüchtigten Ruf hat. Aber auch für den schnellsten Gunner kommt einmal der Tag, an dem er auf einen noch schnelleren trifft."

    Longly steht auf.

    „Wenn Sie damit Durade meinen, dann setzen Sie Ihre Chips auf eine falsche Karte."

    Stammer kneift die Augen zusammen.

    „Das haben schon viele gesagt, Longly. Und alle, die das gesagt haben, liegen heute auf dem Stiefelhügel."

    Longly will sich abwenden, als Stammers Stimme ihn noch einmal innehalten lässt.

    „Wenn Sie zu Clayburn gehen, Longly, dann richten Sie ihm doch bitte aus, dass ich, falls ich in diesem Spiel wirklich die schlechteren Karten ziehen sollte, für eine Überraschung gesorgt habe, die Clayburn und Ihnen das Genick brechen wird."

    Longly schaut Stammer fest an.

    „Was meinen Sie damit, Mister?"

    „Sie werden doch vom Gesetz gesucht, Longly, wie?, sagte Stammer. „Soviel ich gehört habe, sollen Sie in einem Weidekrieg unten am Brazos einen Mann erschossen haben, der keine Waffe bei sich hatte. Daraufhin hat man fünfhundert Dollar auf Ihren Kopf ausgesetzt. Well, ich denke, dass das einen Mann schon reizen könnte.

    „Einen Kopfgeldjäger, was?"

    Stammer schüttelt den Kopf.

    „No, keinen Kopfgeldjäger, Longly – sondern einen Mann, der nicht nur Sie, sondern auch Clayburn erledigen wird. Ich habe der Stadt nur einen kleinen Wink zu geben brauchen, und sie ist ihm sofort gefolgt und hat, wie ich es ihr vorgeschlagen hatte, einen Revolvermarshal angeworben. Er wird noch heute mit der Nachtpostkutsche hier eintreffen."

    Longly schiebt seinen Hut zurück und atmet langsam aus. Dann sagt er hart: „Wenn es wirklich so ist, wie Sie sagen, Stammer, dann haben Sie sich damit ins eigene Fleisch geschnitten. Vergessen Sie nicht, dass ein Revolvermarshal, der von der Stadt bezahlt wird, gegen Sie genauso losgeht wie gegen Clayburn."

    „Das wird er nicht, Longly, widerspricht Stammer, „und zwar aus einem ganz einfachen Grund. Während ich nämlich nur Vieh aufkaufe und verlade, betreibt Clayburn eine ganze Menge Saloons und Spielhallen, in denen billiger Handelswhisky ausgeschenkt, und in denen auch betrogen wird. Ich dagegen kaufe nur Vieh auf, Longly – wohlgemerkt, kein gestohlenes Vieh, sondern nur Rinder, für die der betreffende Trailboss einwandfreie Papiere vorweisen kann. Gegen mich wird kein Marshal eine Handhabe finden, wohl aber gegen Clayburn. Dieser wird natürlich nicht zulassen, dass ein Revolvermann sein Geschäft stört. Und damit beginnt der Kampf. Ein Kampf, bei dem Clayburn früher oder später unterliegen wird.

    Er verstummt und sieht Longly abwartend an. In seiner Stimme aber liegt ein drängender Unterton, als er nun fragt: „Wie ist es, Longly? Sind Sie jetzt immer noch der Ansicht, dass es klug ist, für Clayburn zu kämpfen?"

    Longly gibt keine Antwort, sondern fragt zurück: „Wie heißt dieser Revolvermarshal eigentlich, den die Stadt angeworben hat?"

    Stammer beugt sich ein wenig vor und sieht Longly unter halb gesenkten Lidern an.

    „Carver ist sein Name – Ben Carver. Er ist der härteste, raueste und schnellste Revolvermarshal in ganz Texas."

    Longly ist bei der Nennung des Namens leicht zusammengezuckt. Aber er hat sich sofort wieder in der Gewalt. Er fühlt Stammers prüfenden Blick auf sich ruhen und murmelt: „Das ist wirklich eine Überraschung, Stammer. Ich muss schon sagen, Sie sind ziemlich gerissen."

    Stammer lächelt.

    „Damit ich’s nicht vergesse, Longly: Bis morgen Mittag müssen Sie sich entschieden haben, ob Sie auf meine Seite treten oder bei Clayburn bleiben wollen. Sollte das letztere der Fall sein, dann wird Durade dafür sorgen, dass Clayburn einen neuen Revolvermann braucht – stimmt es, Fess?"

    Durade nickt.

    „So ist es, Clarence."

    Longly wendet sich ab und geht langsam zur Tür. Er spürt die Blicke der beiden Männer in seinem Rücken und weiß, dass er ab heute auf der Hut sein muss.

    5

    Seit Longlys Ankunft in Maverick sind kaum drei Stunden vergangen, und doch scheint in dieser Zeit die Stadt noch wilder und lauter geworden zu sein, als sie es bei seiner Ankunft ohnehin schon war.

    Vor den Saloons und Spielhallen stehen jetzt Sattelpferde mit den verschiedensten Brandzeichen, und wo kein Platz mehr ist, hat man die Pferde einfach an die Stützbalken der überdachten Sidewalks gebunden. Reiter auf staubigen und struppigen Cowponies kommen in die Town und verlassen sie wieder.

    Drüben, im Gunsmoke-Saloon kracht ein Schuss, und für einen kurzen Moment taucht im Schatten des überdachten Sidewalks die große, hagere Gestalt Duke Smithers auf, um dann wieder in einer der dunklen Nebengassen zu verschwinden.

    Longly schlendert zum Mietstall und lehnt sich dort neben dem offenen Tor mit dem Rücken gegen die Holzwand.

    Einen Augenblick verharrt er regungslos. Dann greift er in die Rocktasche, holt seinen Tabakbeutel hervor und dreht sich eine Zigarette. Er schaut sich wachsam um, bevor er ein Zündholz anreißt und die Zigarette im Schutz der vorgehaltenen Handflächen anzündet.

    Dann macht er einen langen Zug. Und dabei denkt er daran, wie er bei der Erwähnung von Ben Carvers Namen zusammengezuckt ist. Longly lässt sich sonst nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Denn wenn ein Mann von seiner Sorte erst einmal so weit ist, dass er unsicher wird, dann wird es höchste Zeit für ihn, den Revolver an den Nage] zu hängen.

    Bill Longly denkt an den Mann, der einmal sein Freund gewesen ist.

    Damals am Red River ...

    Fünf Jahre ist es jetzt her, seit er Ben Carver kennenlernte. Als sie damals in einem namenlosen Nest am Red River zusammentrafen, hatten sie einander angesehen und sofort gewusst, dass sie sich mochten. Und dann ritten sie lange Zeit zusammen, von einer Town zur anderen. Doch immer wieder zog es sie zum Red River zurück. Sie liebten dieses Land und nahmen sich vor, dort ein Stück Land zu kaufen – ihre Traumweide.

    Mit jedem Tag war das Band ihrer Freundschaft stärker geworden – bis zu jenem Tag, als sie Juana sahen, das Indianermädchen aus den Bergen. Von diesem Tag an sprachen sie nur noch selten miteinander, und das starke und feste Band ihrer Freundschaft, das sie bisher so lange zusammenhielt, war mit einem Schlag zerrissen.

    Juana entschied sich für Ben. Und er, Longly, ritt in eine kleine Town am Red River und fing an zu trinken. Drei lange Tage und Nächte hindurch schüttete er den scharfen Handelswhisky in sich hinein, und in der dritten Nacht erschoss er dann einen Mann. Es war Notwehr, aber keiner wollte es glauben, weil er betrunken war. Der Gegner, der ein Stümper mit der Waffe gewesen war, hatte ebenfalls getrunken. Er hatte sich aus Verzweiflung volllaufen lassen, weil Banditen ihm sein dürftiges Farmhaus niedergebrannt hatten. Und in dem düsteren Bill Longly glaubte er einen der Halunken erkannt zu haben.

    Doch von den Umständen hatte auch Bill Longly keine Ahnung. Und nie hätte man ihm, dem Verzweifelten und Betrunkenen, geglaubt, dass der andere so ohne weiteres auf ihn die Waffe gerichtet hätte.

    Bill Longly musste fliehen. Er verließ die Stadt mit der Gewissheit, dass er sich durch diese Tat auch noch den letzten Rest von Ben Carvers Freundschaft verscherzt hatte.

    Damit begann sein Weg, ein langer, harter und rauer Weg. Er verkaufte sich und seinen Revolver an jeden, der ihn bezahlen konnte, und bald hatte er einen berüchtigten Ruf als Killer.

    Irgendwann einmal erfuhr er dann von einem fahrenden Händler, dass Ben Carver und Juana geheiratet, hatten. Und im Laufe der nächsten Jahre hörte er dann immer wieder von Ben Carver und seinen wilden Kämpfen in den Camps und Treibherdenstädten am Chisholm-Trail.

    Carver war ein berühmter Revolvermarshal geworden – ein harter, gefürchteter Mann, dessen Ruf noch größer war als der Longlys.

    Longly hat all die Jahre scharf darauf geachtet, Ben Carver nicht in den Weg zu kommen. Und jetzt sollte gerade das eintreten, was er immer vermeiden wollte: Ein Zusammentreffen mit Carver, mit dem Mann, der einmal sein Freund war und der dann schwor, ihn, Longly, eines Tages zur Strecke zu bringen.

    Die alten Zeiten sind vorbei. Es wird nie wieder werden wie damals.

    Damals am Red River ...

    Longly atmet langsam aus. Dann macht er noch einen letzten Zug und drückt den Rest der Zigarette an der Wand des Mietstalls aus. Er fühlt sich plötzlich müde und erschöpft und um viele Jahre gealtert.

    Einen Moment denkt er daran, sein Pferd zu satteln und die Town zu verlassen. Doch dann schüttelt er leicht den Kopf. Sie haben ihn ungerechterweise zum Outlaw gemacht, zu einem Mann, der steckbrieflich gesucht wird. Er ist wild und verzweifelt geworden. Aber trotzdem hat er noch einen letzten Funken Stolz in sich. Und mit diesem letzten Funken Stolz wird er sich Carver zum Kampf stellen – auch wenn er dabei den Kürzeren zieht.

    Longly will sich gerade abwenden, als das Geräusch schnell rollender Räder die Ankunft der Nachtpostkutsche ankündigt. Er denkt daran, was Stammer ihm wegen Ben Carvers Ankunft sagte. Und da setzt er sich in Bewegung und geht langsam zur Poststation hinüber.

    Die Kutsche rollt jetzt, eine lange Staubfahne hinter sich herziehend, die Main Street herauf. Beim General-Store verlangsamt sie ihr Tempo. Und dann kommt sie holpernd und schaukelnd vor dem Post Office zum Halten.

    Als Longly dort eintrifft, steigt der Fahrer gerade vom Bock und öffnet die Wagentür.

    Im Schatten einer Hausnische bleibt Longly stehen und betrachtet die Fahrgäste, die nun aussteigen.

    Zuerst erscheint ein kleiner, glatzköpfiger Mann, der offenbar ein Handlungsreisender ist. Dann steigen nacheinander zwei oder drei Cowboys aus, gefolgt von einem großen, hageren und sehnigen Mann.

    Der Mann wendet ihm den Rücken zu, aber trotzdem erkennt Longly sofort, wer es ist: Ben Carver.

    Carver wendet sich jetzt langsam um und mustert die Menge, die neben der Kutsche steht. Er ist nicht ganz so groß wie Longly, dafür aber in den Schultern etwas breiter und kompakter als dieser.

    Er trägt einen dunklen Tuchanzug, und sein narbiges Gesicht unter dem Hutrand ist hart und kantig.

    Für einen kurzen Moment blickt er in Longlys Richtung, und Bill tritt rasch einen Schritt zurück. Er glaubt schon, Carver habe ihn erkannt, denn dessen Blick ruht ziemlich lange auf der Stelle, wo er stand.

    Doch dann wendet sich Ben Carver wieder der offenen Wagentür zu, wo jetzt eine Frau erscheint. Er bietet ihr den Arm und hilft ihr beim Aussteigen.

    Es ist eine schöne Frau, groß und schlank und von einer anmutigen Geschmeidigkeit. Ihr Haar ist schwarz und glänzt im Schein der Lampe, die vor der Poststation an einem Querbalken hängt.

    Ihr Gesicht ist dunkel, ihr Mund rot und fest, und sie trägt den Kopf auf eine Art, die Stolz und Rasse verrät.

    Bill ist sicher, dass keiner der Umstehenden daran denkt, dass er eine Indianerin vor sich hat, und doch ist es so: Juana Carver ist eine vollblütige Indianerin vom Stamme der Arapahoe.

    Longly zieht sich den Hut tiefer in die Stirn, Er beobachtet, wie Carver nun eine Reisetasche aus dem Innern der Kutsche holt, Juana beim Arm nimmt und mit ihr langsam in Richtung Hotel davongeht.

    Lange blickt Bill ihnen nach. Dann stößt er sich von der Hauswand ab und schreitet zur Kutsche. Die Neugierigen haben sich wieder verlaufen. Nur noch der Fahrer und sein Begleitmann stehen vor der Poststation.

    Longly tritt neben sie und sagt zum Fahrer: „Eine Frage, Mister: Wissen Sie, wo der große, hagere Mann und die Frau zugestiegen sind?"

    Der Fahrer, ein magerer, scharfäugiger Bursche, betrachtet ihn einige Sekunden. Dann fährt er sich mit der Hand nachdenklich über das Kinn und brummt: „In Abilene – yeah, ich glaube, in Abilene war’s."

    Longly nickt ihm zu, wendet sich ab und schlendert quer über die Straße zum Gunsmoke-Saloon hinüber.

    6

    Der Saloon ist voller Menschen. Sie trinken, rauchen und spielen. Es sind fast nur Treibherdencowboys, große, hagere und wettergebräunte Burschen, die einen langen, rauen Weg hinter sich haben und jetzt den Teufel tanzen lassen wollen.

    Aber es sind auch andere Männer darunter, Männer, die ruhig ihren Whisky trinken und aufmerksam beobachten.

    Unter den Lampen, die von der Decke herabhängen, schweben dichte blaue Rauchschwaden, und an der langen Bar ist kein einziger Platz mehr frei.

    Longly bleibt einige Sekunden neben der Schwingtür stehen, um seine Augen an die Helle des Lichts zu gewöhnen. Dann atmet er langsam aus, tritt einen Schritt zur Seite und sieht sich um.

    Clayburn, der Spieler, sitzt mit Ty McNelly und Duke Smither an einem Tisch in der Ecke und pokert. Er hat sich den Hut weit in den Nacken geschoben, und im Schein der Lampen scheinen seine Wangenknochen noch stärker hervorzutreten als sonst.

    Clayburn nimmt jetzt eine Karte, spielt aus und zieht dann einige Geldscheine zu sich über den Tisch. Dabei sieht er kurz auf, und sein Blick trifft Longly, der lässig neben der Schwingtür steht.

    Einen Moment schauen sie sich über den Raum hinweg an. Dann macht Clayburn eine leichte Kopfbewegung, und Longly bahnt sich den Weg durch die Menge, um zu Clayburns Tisch zu gelangen.

    Clayburn deutet mit der Rechten auf einen freien Stuhl.

    „Setzen Sie sich, Longly."

    Der zieht sich den Stuhl heran und lässt sich nieder. Clayburn mustert ihn aufmerksam, schiebt langsam die Karten zusammen und sagt: „Habe gehört, Sie waren bei Stammer."

    Longly nickt.

    „Er wollte mich abwerben."

    „Und? Was haben Sie ihm darauf geantwortet?"

    „Ich glaube nicht, dass ich Ihnen das sagen muss, Clayburn. Sie sollten mich eigentlich besser kennen."

    Clayburn macht eine leichte Handbewegung.

    „Nur keine Aufregung, Longly, ich wollte Sie nicht verletzen. Ich weiß natürlich genau, dass Sie nicht der Mann sind, der mitten im Kampf die Seiten wechselt, denn sonst hätte ich Sie ja nicht angeworben."

    „Stammer hat mir gedroht, sagt Longly, ohne auf Clayburns Worte einzugehen. „Bis morgen Mittag muss ich mich für ihn entschieden haben, oder er wird Durade gegen mich loslassen. Aber ich werde nicht solange warten. Man soll seinem Gegner keine Zeit lassen, sich auf einen Kampf vorzubereiten, sondern ihm zuvorkommen. Und genau das werde ich tun.

    „Ich hoffe, Sie unterschätzen Durade nicht", wirft Clayburn ein.

    „No, gibt Longly zurück, „das tue ich nicht. Durade ist gefährlich, sehr gefährlich – aber ich glaube nicht, dass er mich schlagen kann.

    Er verstummt und sieht kurz Duke Smither an, der lässig auf seinem Stuhl sitzt und mit dem Daumen nachdenklich über seine Weste wischt, als spüre er dort bereits den Marshalstern, den er in den nächsten Tagen erhalten soll.

    Dann wendet sich Longly wieder an Clayburn und setzt hinzu: „Dafür hat Stammer für eine Überraschung gesorgt, die uns eine Menge Kummer und Ärger bereiten wird."

    In Clayburns Augen kommt ein wachsamer Ausdruck.

    „Was für eine Überraschung?"

    „Er hat der Stadt geraten, einen Revolvermarshal anzuwerben, was sie auch sofort getan hat, erklärt Bill Longly trocken. „Vor wenigen Minuten ist der Marshal mit der Nachtpostkutsche aus Abilene eingetroffen.

    „Smither stößt scharf den Atem aus.

    „Zum Geier, Craig, faucht er. „Wir müssen sofort was unternehmen. Den Marshalstern soll kein anderer haben als ich!

    Clayburn gibt ihm keine Antwort. Er nimmt die Karten, die vor ihm auf dem Tisch liegen, und lässt sie langsam durch die Finger gleiten. Dann fragt er, ohne aufzublicken : „Wer ist der Mann, Longly?"

    „Es ist Carver, murmelt Bill, während er Clayburn nicht aus den Augen lässt. „Ben Carver.

    Clayburn erstarrt mitten in der Bewegung. Seine Rechte, die eben noch lässig mit den Karten jongliert hat, fällt schlaff auf die Tischplatte zurück.

    „Ben Carver? Irren Sie sich auch nicht, Longly? Ich habe geglaubt, Carver würde schon lange nicht mehr als Revolvermarshal arbeiten. Wie ich erfahren habe, soll er ja eine Arapahoe-Indianerin geheiratet haben."

    „Das stimmt, sagt Longly, aber trotzdem trägt er weiter den Stern. Ich weiß nicht warum, aber es ist so.

    „Wollen Sie ihn übernehmen, Longly? Sie wissen, Ben Carver ist gefährlich, und je eher er verschwindet, desto besser für uns."

    Longly schüttelte den Kopf.

    „No, Clayburn – gegen Carver müssen Sie schon einen anderen Mann ansetzen. Ich halte mich aus dieser Sache heraus."

    „Angst, eh?"

    „No, Mann, sagt Longly wieder, und um seinen Mund gräbt sich dabei ein bitterer Zug ein, „aber ich kenne Carver. Vor langen Jahren war er mal mein Sattelgefährte, und deshalb werde ich nicht gegen ihn losgehen. Es gibt da eine bestimmte Grenze, die ich nicht überschreite – auch wenn Ben Carver jetzt mein Feind ist.

    Clayburn sieht ihn einen Augenblick prüfend an. Dann wendet er sich an McNelly, der bisher schweigend zugehört hat, und fragt: „Wie ist’ s mit dir, Ty?"

    McNelly winkt ab.

    „Tut mir leid, Craig, schnauft er, „aber ich glaube nicht, dass ich der richtige Mann bin, um gegen Carver loszugehen. Allein überhaupt nicht. Um einen Ben Carver zu erledigen, braucht man schon mehr Kanonen als nur eine. Am Besten ist es, wir locken ihn in irgendeine Falle, aus der er nicht mehr herauskommt, und schlagen dann zu. Ein Carver ist nur auf diese Art zu erledigen – mit dem Colt ist er von keinem Mann zu schlagen.

    „Well, brummt Clayburn, „warten wir erst einmal ab, was geschieht. Vielleicht sind unsere Befürchtungen umsonst. Andernfalls können wir ihn ja immer noch umlegen, wenn er wirklich unser Geschäft stören sollte. Auch Ben Carver ist schließlich nur ein Mann, der mit Wasser ...

    Er kann den Satz nicht mehr zu Ende sprechen. Denn in diesem Augenblick wird die Schwingtür aufgestoßen. Ein Mann tritt ein.

    Fess Durade!

    Er sieht sich ruhig um, blickt auch zu dem Tisch in der Ecke, und tritt dann langsam an die Bar.

    Ein paar Männer, die dort stehen und ihn kennen, machen sofort Platz und gehen mit ihren Gläsern zum anderen Ende der Bar.

    Durade stützt beide Arme auf den Schanktisch, schiebt mit dem Daumen langsam seinen Hut zurück und gibt dann einem der drei Barmänner, die regungslos hinter dem Tresen stehen, einen Wink.

    Der Mann zögert und wirft einen schnellen Blick zu Clayburn hinüber. Der schüttelt den Kopf, und der Barmann sagt: „Tut mir leid, Durade, aber Sie bekommen hier nichts ausgeschenkt – weder hier noch in einem anderen Saloon, der Mister Clayburn gehört."

    Nach diesen Worten herrscht Totenstille im Saal. Auch die wenigen Männer, die bisher noch in Durades Nähe standen, schieben sich nun zur Seite. Langsam weichen sie bis zur Wand zurück.

    Durade steht jetzt einsam an dem langen Schanktisch. Und ganz plötzlich reißt er seinen Revolver heraus und schlägt ihn dem Barmann ins Gesicht.

    Der Mann stößt einen schrecklichen Schrei aus und taumelt, beide Hände vor das Gesicht gepresst, zurück.

    Durade betrachtet ihn einen Moment. Dann dreht er sich langsam um, steckt den Colt ins Holster zurück und sagt, an Clayburn gewandt: „Hoffe, Sie ändern jetzt Ihre Meinung, Clayburn, und verkaufen mir einen Drink."

    Clayburn sieht ihn ruhig an.

    „Sie sind heute ziemlich mutig, Durade – aber ich glaube nicht, dass Sie damit durchkommen werden."

    „Wollen Sie mich daran hindern, Clayburn?"

    Der Spieler nickt.

    „Das will ich nicht nur, Durade – sondern das werde ich auch. Wenn diese Sache hier vorbei ist, wird Stammer einen neuen Revolvermann brauchen."

    „Sie scheinen sich darin ja verdammt sicher zu sein, Clayburn, sagt Durade sanft. „Macht das nur Longly aus, der da neben Ihnen sitzt, oder glauben Sie wirklich daran, dass einer Ihrer drittklassigen Revolverhelden in der Lage ist, mich zu schlagen?

    Clayburn gibt ihm keine Antwort darauf. Er sieht nur kurz Ty McNelly an. Der nickt und dreht sich dann halb auf seinem Stuhl. Er sitzt mit dem Rücken zu Durade, und das gibt ihm den Vorteil, dass dieser nicht sehen kann, wie sich seine Rechte langsam zum Holster bewegt.

    Bill Longly, der sich bisher ruhig verhalten hat, lehnt sich jetzt mit dem Stuhl gegen die Wand und schiebt seinen Hut zurück. Seine lange, gebräunte Rechte hängt lässig an der Seite herab. Seine Finger sind ganz locker und entspannt.

    Für einen kurzen Moment trifft sein Blick mit dem Durades zusammen. Dann sagt er sanft:„Vielleicht wäre es wirklich besser für Sie, Durade, wenn Sie jetzt gingen. Vergessen Sie nicht, dass Sie den Auftrag haben, mich morgen Mittag umzulegen."

    Durade lacht, aber seine Augen bleiben kalt, als er fragt: „Haben Sie Angst, dass ich vielleicht morgen Mittag nicht mehr in der Lage dazu bin, Longly?"

    Der nickt.

    „Diese Angst habe ich, Durade."

    Durade will etwas sagen. Aber in dem Moment greift Ty McNelly zur Waffe und wirbelt mit dem Colt in der Hand auf seinem Stuhl herum. Sein Oberkörper ist Durade aber erst zur Hälfte zugewandt – als Durade schießt.

    Ty McNelly sitzt einige Sekunden regungslos auf seinem Stuhl und starrt auf einen Punkt an der Wand. Dann lockern sich plötzlich die Finger seiner Rechten. Die Waffe poltert zu Boden, und McNelly sackt vornüber.

    Er versucht, sich mit letzter Kraft an der Stuhllehne festzuhalten. Aber seine Kräfte reichen nicht mehr dazu aus. Mit einem Stöhnen rutscht er vom Stuhl und fällt zu Boden.

    7

    Einen Augenblick ist es still. Dann stößt Duke Smither seinen Stuhl zurück und springt auf. Er will nach der Waffe greifen. Aber im letzten Moment hält er inne, denn Durades Revolver ist haargenau auf seinen Bauchnabel gerichtet.

    Duke Smither stößt scharf den Atem aus und zischt: „Dafür wirst du bezahlen, Durade. By Gosh, dafür bringe ich dich um!"

    Durade zeigt alle Zähne.

    „Jetzt hast du Gelegenheit dazu, Smither. Du brauchst nur nach dem Revolver zu greifen – eine kleine Bewegung, und du kannst deine Worte in die Tat umsetzen. Also, warum tust du es nicht?"

    Wie gebannt starrt Smither auf den Revolver in Durades Hand. Und einen Atemzug lang sieht es so aus, als würde er tatsächlich zur Waffe greifen.

    Doch dann lässt er schlaff die Schultern sinken und wischt mit der Hand über den Mund. Als er sich halb umwendet, sehen die Anwesenden, dass über sein dunkles Gesicht ein dünner Schweißbach läuft, quer von der rechten Schläfe bis zum linken Mundwinkel. Smither schluckt, zieht sich seinen Stuhl heran und lässt sich mit einem Seufzer nieder.

    Clayburn hat sich während des ganzen Vorfalls nicht gerührt. Aber an der Art, wie sich seine schlanken, sehnigen und gepflegten Fingern nun um die Karten krampfen, erkennt Longly, dass in dem Spieler die Hölle tobt.

    Diese wenigen Minuten haben genügt, um Clayburn eindrucksvoll zu zeigen, wie wenig seine beiden Revolvermänner wert sind. Einen Augenblick sieht er Longly ernst an, dann wendet er sich an Durade und sagt: „Es ist gut, Durade. Diese Runde haben Sie gewonnen. Gehen Sie jetzt."

    Durade steckt seinen Revolver ins Holster zurück und schüttelt den Kopf.

    „No, sagt er, „noch nicht. Erst will ich meinen Drink haben.

    Clayburns Wangenknochen spannen sich.

    „Treiben Sie es nicht zu weit, Durade. Dass Sie diese Runde gewonnen haben, hat nichts zu sagen. Das nächste Mal können wir wieder die besseren Karten haben."

    Durade zieht den rechten Mundwinkel spöttisch nach unten.

    „Ich will einen Drink haben, Clayburn, andernfalls werde ich Sie dazu zwingen, mir eigenhändig einen einzuschenken. Und ich wette, wenn ich Sie erst mal vor meinem Colt habe, dann sind Sie gar nicht mehr so groß, wie Sie meinen."

    Clayburn wirft die Karten auf den Tisch und blickt zur Bar hinüber. Er nickt einem der Barmänner zu und sagt: „Gib ihm einen Drink, Bert – aber nur einen."

    Durade zeigt ein verächtliches Grinsen und wendet sich dem Barmann zu, der schnell ein volles Glas Whisky vor ihn hinstellt. Mit einem Schluck leert er das Glas. Er dreht es einige Sekunden nachdenklich zwischen den Fingern. Dann wirft er es plötzlich in einen der über der Bar aufgehängten Spiegel, der klirrend zerbricht.

    Durade lacht und wendet sich wieder Clayburn zu.

    „Sehen Sie, Mister, so werde ich es mit Ihnen machen, wenn Sie versuchen, gegen mich loszugehen. Sie sind in Wirklichkeit nichts anderes als ein kleiner, schmutziger Falschspieler, der mit den Karten betrügt und in seinen Saloons billigen Handelswhisky für gutes Geld verkauft. Ein Mann, der nicht mal in der Lage ist, sich mit dem Colt zu verteidigen."

    Clayburn rührt sich nicht. Und da setzt Durade sich in Bewegung und stakst zur Schwingtür.

    Jetzt hält Bill Longly den Zeitpunkt für gekommen, in Erscheinung zu treten. Er steht langsam auf, schlägt seine Jacke zurück und geht zum Tresen. Dort hält er an, Clayburn den Rücken zugewandt, und sagt leise: „Einen Moment noch, Durade."

    Der Revolvermann stand im Begriff, die Schwingtür aufzustoßen. Er hält mitten in der Bewegung inne und bleibt einen Atemzug lang regungslos stehen.

    Dann dreht er sich, die Linke auf den Türflügel gestützt, langsam um und sieht Longly ruhig an.

    „Ist etwas, Mister?"

    Longly deutet mit dem Kopf auf den zerbrochenen Spiegel an der Wand.

    „Wollen Sie den Schaden nicht bezahlen, Durade? Sie können in diesem Saloon jeden Spaß haben – aber Sie müssen dafür bezahlen."

    „Ich verstehe", sagt Durade gedehnt und dreht sich noch weiter.

    Seine Rechte hängt jetzt dicht neben dem Holster. Aber er trifft keine Anstalten, nach dem Colt zu greifen.

    Ruhig fährt er fort: „Ich bin noch keinem Mann begegnet, der es mit dem Sterben eilig gehabt hätte, Longly. Sie scheinen der erste zu sein. Well, wenn Sie unbedingt einen Kampf haben wollen – Sie können ihn bekommen. Jetzt und sofort!"

    Longly fasst den Revolvermann fest ins Auge. Er sieht sein narbiges Gesicht, den breitrandigen Hut, die ärmellose Lederweste und den breiten, schwarzen Revolvergurt, über dessen Schnalle ein kleiner blitzender Knopf sitzt. Diesen Knopf nimmt er sich als Ziel.

    Durade, der seinen Blick bemerkt hat, senkt nun leicht den Kopf, damit seine Augen in den Schatten der breiten Hutkrempe kommen.

    Dann atmet er langsam durch die Nase aus und sagt: „Ein Mann kann in seinem Leben viele Fehler machen, aber Sie machen jetzt den größten, Longly. Wir beide – Sie und ich – hätten gut zusammengepasst. Wir hätten diesen Falschspieler dort, er deutet mit dem Kopf auf Clayburn, der angespannt auf seinem Stuhl sitzt, „innerhalb von zehn Minuten aus der Stadt vertrieben. Es ist wirklich schade, dass Sie die falsche Seite gewählt haben.

    Nach diesen Worten greift er zum Colt. Er hat aber die Waffe noch nicht ganz aus dem Holster, als Longly auch schon seinen Revolver hochreißt und schießt.

    Die Kugel wirft Durade gegen die Holzwand des Saloons, sie reißt ihn halb herum und lässt seine Rechte, die krampfhaft den Revolver umklammert, schlaff werden. Die Waffe poltert zu Boden.

    Kraftlos lehnt sich der todwunde Revolvermann an die Wand, das Gesicht fest gegen das raue Holz gepresst. Eine Weile steht er so. Dann macht er plötzlich einen taumelnden Schritt nach vorn und fällt seitwärts gegen die beiden Flügel der Schwingtür, die unter seinem Gewicht nachgeben und nach außen schwingen. Mit einem dumpfen Geräusch schlägt sein schwerer Körper auf dem Boden der Veranda auf.

    Longly steckt seinen Colt ins Holster zurück. Langsam wischt er sich mit der Hand über den Mund. Dann sieht er Clayburn an, der sich inzwischen erhoben hat und sich nun über Ty McNelly beugt.

    Clayburn untersucht ihn kurz, gibt Duke einen Wink und sagt: „Er lebt noch, Duke. Hol sofort den Doc."

    Dann richtet er sich auf, kommt zu Longly herüber und legt ihm die Hand auf die Schulter. Seine Stimme hat einen zufriedenen Klang, als er sagt: „Das haben Sie gut gemacht, Longly. Gehen Sie jetzt ins Hotel und ruhen Sie sich aus. Morgen früh nehmen wir uns dann Clarence Stammer vor."

    Bill Longly sagt nichts darauf. Fast unwillig schüttelt er Clayburns Hand ab und verlässt langsam den Saloon.

    Sein blutiger Job ist ihm noch nie

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