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Arztroman Sammelband: Drei Romane – Der Arzt mit den heilenden Händen und andere Romane

Arztroman Sammelband: Drei Romane – Der Arzt mit den heilenden Händen und andere Romane

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Arztroman Sammelband: Drei Romane – Der Arzt mit den heilenden Händen und andere Romane

Länge:
474 Seiten
6 Stunden
Freigegeben:
Mar 20, 2018
ISBN:
9781386311447
Format:
Buch

Beschreibung

Arztroman Sammelband: Drei Romane – Der Arzt mit den heilenden Händen und andere Romane

Dieses Buch enthält folgende Romane:

A.F.Morland: Die Frau, die Dr. Kayser belog

Glenn Stirling: Kleiner Engel – großes Herz

Glenn Stirling: Der Arzt mit den heilenden Händen

Nach dem Tod ihres Mannes muss Marianne Stich das Geschäft allein führen. Sie ist vollkommen überfordert mit der Arbeit und der großen Verantwortung, zumal sie von ihrer Tochter Monika keine Hilfe erhält. Die Unternehmerin ist ständig ist die in Sorge, dass die Konkurrenzfirma Kühn ihr die Kunden wegnimmt. Da macht ihr Körper den Stress nicht mehr mit – Fieber, Ohnmacht und eine seltsame Bläschenerkrankung bringen sie in die Paul-Ehrlich-Klinik. Dort ist nicht klar, ob Marianne Stich eine schwere Virusinfektion hat oder ob die Symptome psychosomatischer Natur sind. Der Dermatologe Dr. Karl versucht, seine Patientin auf unorthodoxe Weise zu heilen: durch mitfühlende Gespräche und mit seinen heilenden Händen ...

Freigegeben:
Mar 20, 2018
ISBN:
9781386311447
Format:
Buch

Über den Autor

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.


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Buchvorschau

Arztroman Sammelband - A. F. Morland

Arztroman Sammelband: Drei Romane – Der Arzt mit den heilenden Händen und andere Romane

Dieses Buch enthält folgende Romane:

A.F.Morland: Die Frau, die Dr. Kayser belog

Glenn Stirling: Kleiner Engel – großes Herz

Glenn Stirling: Der Arzt mit den heilenden Händen

NACH DEM TOD IHRES Mannes muss Marianne Stich das Geschäft allein führen. Sie ist vollkommen überfordert mit der Arbeit und der großen Verantwortung, zumal sie von ihrer Tochter Monika keine Hilfe erhält. Die Unternehmerin ist ständig ist die in Sorge, dass die Konkurrenzfirma Kühn ihr die Kunden wegnimmt. Da macht ihr Körper den Stress nicht mehr mit – Fieber, Ohnmacht und eine seltsame Bläschenerkrankung bringen sie in die Paul-Ehrlich-Klinik. Dort ist nicht klar, ob Marianne Stich eine schwere Virusinfektion hat oder ob die Symptome psychosomatischer Natur sind. Der Dermatologe Dr. Karl versucht, seine Patientin auf unorthodoxe Weise zu heilen: durch mitfühlende Gespräche und mit seinen heilenden Händen ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Frau, die Dr. Kayser belog

Arztroman von A. F . Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

Während eines Kurzurlaubes am Gardasee mit ihrer Halbschwester Marietta trifft Nadine Fischer, eine junge Krankenschwester der Seeberg-Klinik, ihre alte Liebe Renee wieder. Sie hatte ihm seinerzeit den Laufpass gegeben, weil er ihr ständig untreu war, aber sie war darüber hinweggekommen und hatte ihren Peter kennen- und lieben gelernt. Das junge Paar war inzwischen verlobt, doch seit einiger Zeit befindet sich die Beziehung in einer Krise, denn Peters übermäßiger Alkoholkonsum stört Nadine sehr. Als ihr Renee an diesem malerischen Urlaubsort plötzlich gegenübersteht, entflammt die alte Leidenschaft wieder und sie gibt seinem Werben schließlich nach – was nicht ohne Folgen bleibt ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Ferien am Gardasee ! Einmal alles vergessen, Kummer und Sorgen daheim lassen und nur unbeschwert in den Tag hinein leben ... für die junge Krankenschwester Nadine ist ein Traum Wirklichkeit geworden. Sie verlebt wunderschöne Tage in Italien, ist fröhlich und unbeschwert. Für eine Weile kann sie ihre Ängste vergessen, für eine Weile muss sie nicht darüber nachgrübeln, ob ihr Verlobter Peter wirklich der Richtige für sie ist. Natürlich, sie liebt ihn - aber er hat Fehler, mit denen sie einfach nicht klarkommt. Und so ist die junge Frau voller Zweifel und innerer Herzensqualen. Und dann, ganz unerwartet, steht sie dem Mann gegenüber, der ihr einst viel bedeutete, der sie aber belogen und betrogen hat. Jetzt schwört er Besserung, beteuert, Nadine mehr als alles andere auf der Welt zu lieben. Und die junge Frau fällt auf diese schönen Worte herein ...

1

„Wat hamse denn so allet vor, Chef?", erkundigte sich Gudrun Giesecke nach Ordinationsschluss. Der letzte Patient hatte vor fünf Minuten die Grünwalder Arztpraxis verlassen, und die beiden Arzthelferinnen - Schwester Gudrun und Schwester Marie-Luise - bereiteten sich aufs Heimgehen vor.

„Oh, das überlasse ich alles den Seebergs, erwiderte Sven Kayser lächelnd. „Was immer sie möchten, wird mir recht sein.

„Hamse schon ein Quartier jebucht?", erkundigte sich Gudrun.

Sven Kayser schüttelte den Kopf. „Nein, wir fahren einfach ins Blaue."

„Na, hoffentlich erlebense da man keen blaues Wunder."

„Bestimmt nicht, sagte Dr. Kayser und zog seinen weißen Arztkittel aus. „Machen Sie sich keine Sorgen, Icke.

Es war Mittwoch. Vom Donnerstag - das war ein Feiertag - bis zum Sonntag wollte Dr. Kayser sich mit seinen Freunden Ruth und Ulrich Seeberg am größten See Italiens, dem Gardasee, erholen. Ausspannen, relaxen, neue Kräfte tanken, gut essen und trinken ...

Der Grünwalder Arzt freute sich schon sehr auf dieses verlängerte Wochenende. Die letzten Tage und Wochen waren extrem arbeitsintensiv gewesen. Ein kleiner Ausstieg aus dem Alltagsstress würde dem praktischen Arzt und Geburtshelfer mit Sicherheit gut tun.

„Waren Sie schon mal am Gardasee, Gudrun?", erkundigte sich Sven, während er den Kittel aufhängte.

„Ja", antwortete seine Helferin.

„Aber det liegt so lange zurück, dat es schon fast nich mehr wahr is." Marie-Luise Flanitzer schaltete sich ein. Sie war noch nicht einmal halb so alt wie ihre Kollegin, bildhübsch und gertenschlank.

„Mein Mann und ich waren vor zwei Jahren da", erzählte sie.

„Wo haben Sie gewohnt?, fragte Dr. Kayser. „In Riva?

Schwester Marie-Luise schüttelte den Kopf. „In Malcesine. Von da aus haben wir dann unsere Ausflüge gemacht. Bis nach Verona sind wir gekommen. Und einmal sind wir um den See herumgefahren."

„Welche Seite hat Ihnen besser gefallen?, wollte Sven Kayser wissen. „Das Westufer oder das Ostufer?

„Auf jeden Fall das Ostufer, antwortete die junge Arzthelferin, ohne lange nachzudenken. In ihre Augen stahl sich ein schwärmerischer Ausdruck. „Jeder einzelne Ort hat einen wunderschönen Kern mit romantischen Gässchen und idyllischen Plätzen mit kleinen Bars, Trattorias und Restaurants. Ich wüsste nicht zu sagen, wo es mir am besten gefiel, denn es war überall zauberhaft.

„Was muss man unbedingt gesehen haben?", erkundigte sich Dr. Kayser.

„Von Malcesine führt eine Seilbahn auf den Monte Baldo, erzählte Marie-Luise Flanitzer. „An einem klaren Tag ist der Blick auf den See ein unvergessliches Erlebnis. Und in Sirmione, auf dieser schmalen Halbinsel, die wie eine Nadel vom Süden her in den See hineinsticht, waren mein Mann und ich ebenfalls schwer begeistert.

Gudrun Giesecke schmunzelte. „Na, da hamse für die paar Tage ja schon ’n reichhaltijes Programm, Chef." Schwester Marie-Luise wurde von ihrem Mann abgeholt. Sie wünschte Dr. Kayser einen erholsamen Kurzurlaub und verließ dann das Doktorhaus in der Gartenstraße.

„Und was werden Sie in den kommenden Tagen anstellen?", erkundigte sich Sven bei seiner grauhaarigen Mitarbeiterin.

„Ick? Gudrun schüttelte den Kopf. „Nüscht. Ick halte während Ihrer Abwesenheit in unserer Rejion die Stellung, wenn’s jenehm is.

Nachdem sich auch Gudrun Giesecke verabschiedet hatte, suchte Dr. Kayser seine Privaträume auf und begann zu packen.

Das Telefon läutete und unterbrach ihn in der Arbeit.

„Hoffentlich ist es kein Patient, murmelte der Arzt. „Das käme mir jetzt reichlich ungelegen. Er nahm den Hörer ab. „Dr. Kayser."

Am andern Ende war Dr. Ulrich Seeberg, der Chef der renommierten Seeberg-Klinik am Englischen Garten. „Na, mein Lieber, hast du schon gepackt?"

„Bin gerade dabei."

„Um sechs Uhr holen wir dich ab, sagte Dr. Seeberg. „Wenn wir gut über den Brenner kommen, sind wir um zehn Uhr am Gardasee.

„Habt ihr schon gepackt?"

„Unsere Koffer stehen bereit."

„Dem Vernehmen nach wird der Wettergott uns verwöhnen", sagte Dr. Kayser.

Sein Freund lachte. „Was könnte dann noch schiefgehen?"

2

Zur selben Zeit beendete Schwester Nadine ihre Arbeit in der Seeberg-Klinik. Die Kollegin, die sie ablöste, wünschte ihr erholsame Tage, denn sie wusste, dass Nadine Fischer erst am nächsten Mittwoch wieder zum Dienst erscheinen würde.

Die vierundzwanzigjährige Krankenschwester bedankte sich und zog sich um. Ihr langes blondes Haar war während der Arbeit stets zu einem Zopf geflochten.

Als sie die Seeberg-Klinik verließ, trug sie ihr Haar offen. Es umrahmte in weichen Wellen ihr bezauberndes Gesicht, und goldene Reflexe tanzten auf den wippenden Spitzen.

Die bildhübsche Krankenschwester war seit einem halben Jahr verlobt. Peter Moser hieß ihr zukünftiger Ehemann. Er war Architekt von Beruf. Ein gut aussehender, höchst attraktiver Mann von achtundzwanzig Jahren, der eigentlich nur einen Fehler hatte: Er trank zu gern, und das missfiel Nadine so sehr, dass sie in letzter Zeit nicht mehr sicher war, ob sie ihn tatsächlich heiraten sollte.

Peter behauptete zwar, er hätte kein Problem mit dem Alkohol, doch Nadine glaubte ihm das immer weniger. Wenn er getrunken hatte, wurde er zynisch und suchte Streit, und es fielen dann manchmal Worte, die er nicht zu ihr gesagt hätte, wenn er nüchtern gewesen wäre.

Vorgestern war Nadine mit ihm essen gewesen. Er hatte sich schon leicht „illuminiert" bei ihr eingefunden, und sie konnte nicht umhin, ihm das vorzuhalten.

„Manche Aufträge kriegt man nur, wenn man mit den richtigen Leuten einen heben geht", hatte er sich verteidigt.

„Du findest immer einen Grund, einen heben zu gehen", hatte sie sich beschwert.

„He, was hast du, Kleines? Er hatte sein charmantestes Lächeln aufgesetzt. „Keine Panik, ich hab alles im Griff.

„Es vergeht kein Tag, an dem du nichts trinkst."

„Mein Gott, hältst du mich deshalb etwa für einen rettungslos verlorenen Säufer? Ich könnte jederzeit damit aufhören."

„Kannst du nicht."

„Klar kann ich das."

„Versuch es doch mal!"

Peter hatte die Schultern gehoben. „Wozu? Ich weiß, dass ich dem Alkohol nicht verfallen bin, und das genügt mir. Er hatte über den Tisch nach ihrer Hand gegriffen und sie gedrückt. „Komm schon, Liebling, verdirb uns nicht den schönen Abend.

Wie um sie zu ärgern, hatte er sich einen weiteren doppelten Scotch bestellt. Und dann noch einen. Und Nadine hatte daraufhin beschlossen, ihn für eine Weile nicht zu sehen.

Sie hatte ihrer Halbschwester Marietta vorgeschlagen, ein paar Tage zu verreisen. Marietta war von dieser Idee sofort begeistert gewesen und hatte gesagt: „Ich muss bloß Mutter fragen, ob sie nichts dagegen hat."

Die Mutter von Nadine und Marietta hatte eine gut gehende Brillenfabrik, und Marietta leitete die PR-Abteilung des Unternehmens.

Auch Nadine hätte da arbeiten können, doch sie hatte es vorgezogen, Krankenschwester zu werden, und ihre Mutter hatte diesen Wunsch respektiert.

Natürlich hatte die Mutter nichts dagegen gehabt, dass die Schwestern miteinander verreisten. Im Gegenteil, es freute sie, dass die beiden sich so gut verstanden.

Und so stand nun ein Trip an den Gardasee auf dem Programm. Nadine blieb kurz stehen und ließ ihren Blick schweifen. Wo war Marietta? Sie hatte gesagt, sie würde sie abholen. Mit dem tollen Kabrio, das sie sich vor fünf Wochen gekauft hatte.

Da kam das silberne Fahrzeug auch schon auf Nadine zugerollt. Marietta hob die Hand und winkte. Nadines Züge hellten sich auf. Sie winkte zurück.

Marietta Heck hielt ihr Auto neben Nadine an. Sie hieß Heck, weil sie schon mal verheiratet gewesen war. Leider nur vier Wochen. Dann hatte ihr geliebter Ehemann einen tödlichen Unfall mit dem Motorrad gehabt. Ein Jahr lang war Marietta in psychiatrischer Behandlung gewesen. Nun war sie über den tragischen Verlust zwar hinweg, jedoch noch lange nicht fähig, eine neue Beziehung einzugehen.

„Hallo, da bin ich, sagte Marietta. Ihr pechschwarzes Haar befand sich unter einem seidenen Kopftuch, damit der Fahrtwind es nicht in Unordnung bringen konnte. „Hast du deinen Dienst gut hinter dich gebracht?

„Heute war’s zum Glück nicht so hektisch wie sonst", gab die junge Pflegerin zurück.

„Komm, steig ein. Ich hab dir einen Bikini gekauft. Er wird dir gefallen. Nadine setzte sich neben ihre Halbschwester. Sie hatten dieselbe Mutter, aber verschiedene Väter. „Ich kann mir selber einen Bikini kaufen, wenn ich einen möchte, wandte sie ein.

„Das weiß ich. Marietta fuhr los. „Ist doch nichts dabei, wenn ich dir was schenke, oder? Ich tu das gern. Ich habe mir übrigens den gleichen Bikini zugelegt, damit wir im Partner-Look auftreten können. Sie warf Nadine einen prüfenden Blick zu. „Hat Peter nichts dagegen, dass du mit mir verreist?"

„Warum sollte er etwas dagegen haben?", fragte Nadine kühl.

„Na ja, ein so langes Wochenende verbringen Verlobte im Allgemeinen zusammen."

Nadines Miene verdunkelte sich. „Ich brauche ein bisschen Abstand von Peter. Ich muss mir über verschiedene Dinge klar werden. Diese kleine Nachdenk-Pause wird uns beiden gut tun."

„Hattet ihr Streit?", wollte Marietta wissen.

„Das nicht. Wir sind nur nie einer Meinung, wenn es um seinen allzu intensiven Alkoholkonsum geht."

„Ihr seid verlobt, sagte Marietta. „Ihr wollt heiraten.

Nadine seufzte. „Ich bin mir in letzter Zeit nicht mehr ganz sicher, ob ich Peters Frau werden soll."

„Dann solltest du’s nicht überstürzen."

„Hab ich auch nicht vor", gab Nadine ernst zurück.

Die beiden jungen Frauen - Marietta war ein Jahr jünger als Nadine - besuchten ihr Stammlokal, aßen eine Kleinigkeit, schmiedeten Pläne für die nächsten Tage, an die sie sich natürlich nicht sklavisch zu halten gedachten, Marietta zeigte den Bikini, den sie für Nadine gekauft hatte, und diese sagte mit strahlenden Augen: „Oh, Marietta, der ist wunderschön!"

„Ich wusste, dass er dir gefallen würde."

Nadine lachte. „Damit werden wir den Männern am Badestrand gehörig den Kopf verdrehen."

Mariettas Blick umwölkte sich. „Das habe ich, ehrlich gesagt, nicht vor."

„Ich eigentlich auch nicht. Nadine schmunzelte. „War nur so dahergeredet.

Um sich für das Geschenk zu revanchieren, übernahm die blonde Krankenschwester die Rechnung. Anschließend brachte Marietta sie nach Hause.

Nadine wohnte in einem Reihenhaus in Grünwald. Marietta hatte in der Nähe ein Haus, in dem sie nur vier Wochen mit ihrem geliebten Ehemann glücklich hatte sein dürfen. Alles war noch so, wie es gewesen war, als er das Haus verlassen hatte, um eine kleine Runde auf seinem Motorrad zu drehen. Eine kleine Runde, von der er nicht mehr heimgekommen war, weil ein Lastwagen ihn und seine Maschine zermalmt hatte.

Die Mutter der beiden jungen Frauen wohnte ebenfalls in Grünwald. Sie hätte genug Platz für ihre Töchter gehabt, doch Nadine und Marietta wollten lieber allein wohnen, obwohl das Verhältnis zu ihrer Mutter bestens war und keine Wünsche offen ließ. Aber Jung und Alt unter einem Dach ... Das kann selbst bei der vorbildlichsten Harmonie hin und wieder zu unerfreulichen Reibereien führen, deshalb hatten Nadine und Marietta lieber ihr eigenes Heim.

„Also dann, sagte Marietta und umarmte Nadine zum Abschied. „Morgen um fünf Uhr bin ich wieder hier. Bleib heute Abend nicht zu lange auf. Je früher du zu Bett gehst, desto ausgeruhter trittst du morgen die Reise an. Nadine stieg aus, und Marietta fuhr winkend weiter.

In Nadines Reihenhaus schrillte das Telefon. Die Krankenschwester schloss hastig die Tür auf, rannte zum Apparat und meldete sich atemlos. Am andern Ende war ihre Mutter Ellen Schott. Schott hatte ihr zweiter Ehemann geheißen. Er und auch ihr erster Mann, Nadines leiblicher Vater, waren einem Herzleiden erlegen. Beide fatalerweise kurz vor ihrem sechzigsten Geburtstag.

Nachdem Ellen Schott zum zweiten Mal Witwe geworden war, hatte sie gesagt: „Ein dritter Ehemann kommt mir nicht mehr ins Haus." Und daran hielt die attraktive Achtundvierzigjährige seither eisern fest. Männer waren für die erfolgreiche Brillenfabrikantin kein Thema mehr.

„Schätzchen, wieso bist du so außer Puste?", wollte sie jetzt wissen.

„Ich bin gerannt, damit du nicht die Geduld verlierst und auflegst", antwortete Nadine, nun schon etwas besser bei Atem.

„Ich wollte dir nur erholsame Tage am Gardasee wünschen."

„Danke, Mama."

„Lasst es euch gut gehen."

„Das haben wir vor."

„Ich hoffe, ihr schickt mir eine Karte."

„Ganz bestimmt, versprach Nadine. „Und wir rufen dich auch an, damit du weißt, dass wir gut angekommen sind.

„Oh, ich bin ja so stolz auf meine wohlgeratenen Töchter", sagte Ellen Schott ein wenig ironisch.

„Und wir sind stolz auf unsere liebenswerte Mutter", gab Nadine lachend zurück.

„Soll ich mich während deiner Abwesenheit ein wenig um Peter kümmern?"

„Nicht nötig, gab Nadine zur Antwort, „er kommt die paar Tage auch allein klar.

„Es wäre kein Opfer für mich, versicherte ihre Mutter. „Ich mag ihn.

„Ich möchte ihm Zeit geben, über sich und unsere Zukunft nachzudenken, erklärte Nadine mit fester Stimme. „Du solltest ihn nicht davon abhalten.

„Ganz wie du meinst, Liebes, erwiderte Ellen Schott. „Ich hoffe, die Wolken über eurer Beziehung verflüchtigen sich bald wieder.

Nadine zog die Augenbrauen zusammen und erwiderte dunkel: „Das hoffe ich auch, Mama, aber wie du weißt, liegt es nicht bei mir, die Wolken zu vertreiben."

Nach diesem Gespräch zog Nadine sich aus und probierte den Bikini an. Er passte ihr hervorragend und brachte ihre makellose Figur wunderbar zur Geltung. In Gedanken bereits am Gardasee, drehte sie sich vor dem großen Schlafzimmerspiegel hin und her.

Noch einmal läutete das Telefon. Sie meldete sich mit einem kurzen „Ja!"

„Ich werde dich vermissen, Kleines", sagte Peter Moser leise.

„In einer Woche bin ich wieder zu Hause", tröstete Nadine ihren Verlobten.

Der junge Architekt seufzte. „Ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist, dich allein verreisen zu lassen."

Nadine fragte sich, wie viel er vor diesem Anruf getrunken hatte. Anzumerken war es seiner Stimme nicht, er sprach klar und deutlich. Aber er war ja auch einiges gewöhnt.

„Ich verreise nicht allein, sondern mit meiner Schwester", erwiderte sie.

Peter lachte gepresst. „Hoffentlich passt sie gut auf dich auf."

„Das wird sie, darauf kannst du dich verlassen."

Peter holte tief Atem. „Weißt du, wovor ich Angst habe?"

„Wovor?"

„Dass dir ein gut aussehender Mann den Kopf verdreht."

„Dazu wird es nicht kommen", versicherte Nadine ihrem Verlobten.

Er lachte gekünstelt. „Im Urlaub flirten junge Frauen gern."

„Vertraust du mir nicht?" Jetzt klang ihre Stimme ernst - und warnend.

„Kann ich dir vertrauen?", fragte er, ohne auf ihren Tonfall zu achten.

Nadine wurde ärgerlich. „Wenn du es nicht weißt, sollten wir dieses Gespräch beenden."

„Entschuldige, lenkte Peter ein. „Du musst mich verstehen, Liebes. Ich bin ein wenig traurig darüber, dass du mich allein lässt.

„Nütze die Zeit, empfahl sie ihm. „Du weißt, wofür.

3

Die Stadt schlief noch , als Nadine und Marietta losfuhren. Auf der Autobahn Richtung Salzburg herrschte nur wenig Verkehr. Die Schwestern erreichten Kufstein in erfreulich kurzer Zeit. Dann ging es weiter nach Innsbruck und über den Brenner  und nach einer weiteren Stunde stand auf den Hinweisschildern zum ersten Mal Riva del Garda.

„Bald haben wir es geschafft, jubelte Marietta. „Gardasee, wir kommen! Liebe Güte, was freue ich mich darauf, mich im neuen Bikini am Strand in die Sonne zu legen und nichts mehr zu tun, den lieben Gott nur noch einen guten Mann sein zu lassen! Oh, ich liebe es, Urlaub zu machen!

Marietta hatte per Fax ein Doppelzimmer in einem erstklassigen Hotel direkt am See gebucht. Aber nicht in Riva, sondern in Torbole, weil da laut Reiseführer mehr los war. Torbole ist das Dorado der Segler, Surfer, Freeclimber und Mountainbiker. Hier sind Bierbäuche out und Bizeps in. So stand es im Reiseführer, und deshalb hatte Marietta sich für diesen kleinen Ort entschieden.

Sie verließ die Brenner-Autobahn bei der Ausfahrt Rovereto Sud/Lago di Garda Nord, und sie hatte es leicht, Torbole zu finden. Sie brauchte einfach nur den Jeeps und VW-Bussen nachzufahren, die Surfbretter transportierten, um direkt im Zentrum des Ortes zu landen.

Und wenig später ließ sie ihr Kabrio auf dem großen, schattigen Hotelparkplatz ausrollen. „War eine schöne Fahrt", sagte sie, während sie ausstieg und sich streckte.

Ein Page holte ihr Gepäck aus dem Kofferraum. Die Schwestern bekamen ein Zimmer im zweiten Stock, mit Balkon und einem traumhaften Blick auf den See.

Marietta stützte sich auf die Brüstung, zog die würzige Seeluft tief in ihre Lungen und sagte begeistert: „Herrlich! Jetzt verstehe ich, weshalb Johann Wolfgang von Goethe so ein großer Gardasee-Fan war. Unweit von hier gibt es eine Tafel, auf der steht: ‘Heute habe ich an der Iphigenie gearbeitet, es ist im Angesichte des Sees gut vonstatten gegangen.’"

Die Schwestern erfrischten sich, cremten sich gegenseitig ein, um keinen Sonnenbrand zu bekommen, und führten sodann zum ersten Mal gemeinsam ihre neuen Bikinis aus.

Zu Mittag aßen sie nur Obst. Am Abend waren sie dann im „Al Pescatore anzutreffen, einem großen Restaurant, das für seine köstlichen Fischspezialitäten bekannt war. Sie genossen den weltberühmten Valpollicella aus dem Weinbaugebiet nördlich von Verona, und Marietta sagte selig: „Danke, dass du die Idee hattest, mit mir hierherzufahren, Schwesterherz. Ich habe mich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt.

Nadine erzählte, dass Peter gestern Abend noch angerufen hatte. „Er sagte, er werde mich vermissen."

„Und du?, fragte Marietta. Sie hatte ihr schwarzes Haar hochgesteckt, und große goldene Ringe baumelten an ihren Ohrläppchen. „Vermisst du ihn ebenfalls?

Nadine schüttelte den Kopf. „Ich genieße die Trennung."

Marietta wiegte bedenklich den Kopf. „Das ist kein gutes Zeichen."

Nadine zuckte mit den Schultern. „Es ist leider so."

„Ihr werdet auseinanderdriften", warnte die Schwester.

„Mit Sicherheit, gab Nadine ihr Recht, „wenn Peter seinen Alkoholkonsum nicht drastisch einschränkt.

Der Mann, der vor Peter Moser eine große Rolle in Nadines Leben gespielt hatte, hatte Renee Berben geheißen. Wer von den beiden jungen Frauen seinen Namen zuerst erwähnte, war später nicht mehr zu eruieren.

Der Name war auf einmal da und sogleich mitten im Gespräch, und Marietta behauptete: „Renee war auch nicht der Richtige für dich."

Nadine sah deprimiert in ihr Glas. „Langsam zweifle ich daran, dass es für mich überhaupt einen Richtigen gibt."

„Peter wäre es, wenn er die Finger vom Alkohol ließe, sagte Marietta. „Renee war ein Don Juan. Der hätte dir noch sehr viel Kummer bereitet, wenn du dich nicht rechtzeitig von ihm getrennt hättest.

Nadine nickte gedankenverloren. „Das fiel mir nicht leicht. Ich musste ihn mir brutal aus dem Herz reißen, und das hat mir sehr, sehr lange wehgetan."

Marietta ließ ihren Blick durch das volle Lokal schweifen.

„Wohin mag es ihn verschlagen haben?"

„Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass er München vor ungefähr einem Jahr verlassen hat. Wohin, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist mir aber auch völlig egal, wenn ich ehrlich sein soll. Marietta sah ihre Schwester forschend an. „Trauerst du ihm nicht nach?

Nadine schüttelte den Kopf. „Renee Berben ist Geschichte, er hat keine Bedeutung mehr für mich."

„Angenommen, er würde sich plötzlich hier an unseren Tisch setzen, sagte Marietta. Sie setzte ihr Glas an die Lippen und trank einen Schluck Wein. „Was würdest du empfinden?, fragte sie, nachdem sie das Glas abgesetzt hatte.

„Vermutlich nichts."

Mariettas Augen verengten sich ein wenig. „Würdest du dich nicht freuen, ihn wiederzusehen?"

„Vielleicht. Nadine zuckte mit den Schultern. „Ein bisschen.

„Würdest du dich noch mal zu ihm hingezogen fühlen?"

„Das mit Sicherheit nicht", erwiderte Nadine sogleich barsch.

„Und warum nicht?", wollte Marietta Heck wissen.

„Weil ich mit Peter Moser verlobt bin."

„Und wenn es Peter nicht gäbe?"

„Wenn, wenn, wenn ... Was soll das? Verhörst du mich?"

„Renee ist dir noch immer nicht gleichgültig", sagte Marietta ihrer Schwester auf den Kopf zu.

„Woher willst du das wissen?"

„Ich merk es an deiner heftigen Reaktion."

„Ich reagiere deshalb so heftig, gab Nadine Fischer ernst zurück, „weil ich finde, dass es lohnendere Themen gibt, über die wir uns unterhalten können. Müssen es unbedingt Peter Moser und Renee Berben sein?

4

Tags darauf wachte Marietta Heck mit starken Kopfschmerzen auf und ihre Schwester stellte fest, dass sie Fieber hatte. „So ein Mist!, ärgerte sich die aparte junge Frau. „Ausgerechnet im Urlaub.

„Man kann es sich nicht aussuchen, wann man krank wird, erwiderte Nadine. „Darauf hat niemand Einfluss.

„Aber wir haben doch bloß die paar Tage, jammerte Marietta. Nadine war zwar keine Ärztin, sie untersuchte ihre Schwester aber dennoch und versuchte die Ursache für das Fieber herauszufinden. Es gelang ihr nicht. Also sagte sie: „Du bleibst vorläufig im Bett. Mal sehen, wie lange du fieberst. Vielleicht ist es morgen schon wieder vorbei.

„Kann es sein, dass der Fisch gestern Abend nicht mehr ganz frisch war?", ächzte Marietta.

Nadine schüttelte den Kopf. „Das kann ich mir bei einem so gut besuchten Restaurant ehrlich gesagt nicht vorstellen."

„Vielleicht habe ich irgendwie Salmonellen erwischt. Sie können zum Beispiel im Salat gewesen sein."

„Hast du Schmerzen?", erkundigte sich Nadine.

„Nein."

„Dir tut nichts weh?"

„Überhaupt nichts. Meine Zunge ist bloß sehr trocken."

„Ich bringe dir ein Glas Wasser." Nadine ging ins Bad und kam mit dem Wasserglas zurück. Sie schob ihre Hand unter Mariettas Kopf und hob ihn an.

Marietta trank durstig. „Danke, sagte sie, als das Glas leer war. Plötzlich fasste sie sich an die Nase. „Oh nein! Jetzt kriege ich auch noch Nasenbluten! Bring bitte schnell eines von meinen Badetüchern, damit ich nicht das ganze Bettzeug verderbe.

Nadine holte ein Badetuch. Ihre Schwester hielt es sich vor die Nase und fing das Blut auf. Nadine machte indessen ein Handtuch nass und legte es Marietta in den Nacken. Nach einigen Minuten hörte das Nasenbluten auf, und zu Mittag hatte die junge Frau auch kein Fieber mehr. Ganz klar, dass sie keinen Moment länger im Bett bleiben wollte.

„Es wäre besser, wenn du dich noch etwas schonen würdest", mahnte Nadine.

„Ach was, das Fieber ist weg, also stehe ich auf. Daheim würde ich im Bett bleiben, aber nicht hier. Marietta schlug die Bettdecke zurück. „Nicht hier. Sie schwang die Beine aus dem Bett. „Sieh mich nicht so besorgt an, Schwesterherz. Sie lachte. „Mir geht es gut. Ich fühle mich wieder wohl. Also lass uns aufbrechen zu neuen Taten. Sie stand auf, ging ins Bad, duschte und zog sich an.

Danach war sie voller Tatendrang. Sie rieb sich die Hände und wollte wissen, was nun auf dem Programm stand.

„Erst mal rufen wir Mama an, erklärte Nadine. „Das hätten wir gestern schon tun sollen. Ich hab’s ihr versprochen.

„Okay , sagte Marietta und holte ihr Handy. „Aber: Kein Wort über meinen Fieberanfall, ja? Ich möchte nicht, dass Mama sich Sorgen macht. Du kennst ja die Glucke. Sobald eines ihrer Küken bloß mal leise hüstelt, ist sie sofort aus dem Häuschen.

Nadine schmunzelte. „Wenn wir eines Tages Kinder haben, werden wir genauso sein. So sind Mütter nun mal."

Marietta senkte den Blick. „Ich weiß nicht, ob ich jemals Kinder haben werde, sagte sie dunkel. Sie hob die Schultern. „Ohne Mann ...

„Du wirst nicht ewig ohne Partner bleiben", meinte Nadine tröstend.

Marietta richtete den Blick zur Decke und seufzte traurig. „Ich war so glücklich mit Rüdiger ..."

„Du wirst irgendwann wieder glücklich sein. Mit einem anderen Mann."

„Wieso behandelt uns das Schicksal manchmal so grausam?", fragte Marietta mit Tränen in den Augen.

„Man sagt, es sei als Prüfung gedacht."

„Ich kann nicht zulassen, dass ein anderer Mann mich berührt, sagte Marietta mit belegter Stimme. „Das schaffe ich einfach nicht. In mir ist eine Sperre, die sich nicht überwinden lässt. Sobald mir ein Mann zu nahe kommt, wird in mir eine komplizierte Verriegelungsautomatik aktiviert, und ich kriege Stacheln wie ein Igel.

Nadine legte der Schwester die Hand auf die Schulter. „Die Zeit heilt alle Wunden. Du musst nur Geduld haben. Dann kommt auch für dich alles wieder ins Lot."

Die Schwestern meldeten sich bei ihrer Mutter. Ellen Schott freute sich über ihren Anruf. Sie fragte, wie die Fahrt gewesen sei, erkundigte sich nach dem Wetter am Gardasee, wollte wissen, ob ihre Töchter gut untergebracht waren.

Marietta und Nadine beantworteten alle Fragen und erzählten, was sie in den nächsten Tagen alles zu unternehmen gedachten. Darüber, dass Marietta heute mit Kopfschmerzen und Fieber aufgewacht war, verloren sie vereinbarungsgemäß kein Wort.

Nach dem Telefonat sagte Marietta: „So, und nun fahren wir nach Malcesine. Oder möchtest du etwas anderes unternehmen?"

Nadine schüttelte den Kopf. „Malcesine ist okay."

5

In Malcesine waren Dr. Sven Kayser und die Seebergs gelandet. Der Vormittag war der Besichtigung des Scaliger-Kastells, dem Wahrzeichen hoch über dem malerischen Städtchen, und einem Bummel durch die engen, verträumten Gässchen gewidmet, in denen die Einheimischen schwatzend vor ihren Häusern standen. Hier fanden Sven, Ruth und Uli auch noch die alten Männer, die sich auf schattigen Bänken niedergelassen hatten, um über Gott und die Welt und über Fußball zu plaudern ...

Das war Gardasee-Romantik pur. Den Nachmittag wollte das Trio in Garda verbringen. Als Dr. Kayser und seine Freunde in ihren Wagen stiegen und losfuhren, trafen Nadine Fischer und Marietta Heck in Malcesine ein, und während die Schwestern nach einer Parkmöglichkeit Ausschau hielten, verließen Dr. Kayser und das Ehepaar Seeberg den Ort Richtung Süden, wodurch sie sich ganz knapp verfehlten, ohne dies zu wissen.

Garda präsentierte sich Dr. Sven Kayser und seinen Freunden mit zwei Gesichtern. Das eine Gesicht war die weitläufige, mit Freiluft-Cafés gesäumte Seepromenade, das andere die schattige, verwinkelte, mittelalterliche Altstadt, aus der die geschäftstüchtigen Einheimischen ein kunterbuntes Einkaufsdorado gemacht hatten.

Dr. Ulrich Seeberg hatte einen neuen Digital-Fotoapparat bei sich, und er drückte fortwährend auf den Auslöser, weil es so vieles gab, das seiner Meinung nach wert war, im Bild festgehalten zu werden.

Am späten Nachmittag löschten die Herren ihren Durst mit bayrischem Weißbier, und Dr. Ruth Seeberg trank eine kalte Apfelschorle, die in der Karte als „Affel-Scholle" erschien.

„Schön hier", sagte Ulrich Seeberg und ließ seinen Blick über den glitzernden See schweifen.

„Hier ließe es sich ein Weilchen aushalten", sagte Sven Kayser.

„Einfach nur dem süßen Nichtstun frönen", fügte Dr. Seeberg hinzu, und Sven nickte zustimmend.

Ruth lachte. „Ihr würdet des süßen Nichtstuns sehr schnell überdrüssig werden."

„Wer sagt das?", wollte ihr Mann wissen.

„Ich, antwortete Ruth. „Weil ich euch kenne. Nichts tun liegt euch nicht. Ihr seid Workaholics, ihr könnt ohne Arbeit nicht sein.

Sven lehnte sich gemütlich zurück und streckte die Beine weit von sich. „Und wie wir ohne Arbeit sein können."

„Ja, ein paar Tage lang, gab Ruth ihm Recht, „aber dann werdet ihr unruhig und könnt das Dolcefarniente nicht mehr genießen.

Dr. Seeberg grinste seinen Freund an und meinte: „Wo sie Recht hat, hat sie Recht."

Wenig später stellte sich heraus, dass es Ruth an diesem idyllischen Ort auch nicht allzu lange ausgehalten hätte, weil sie die Kinder nach so kurzer Zeit schon sehr vermisste.

„Die Kinder, die keine richtigen Kinder mehr sind, sagte Ulrich Seeberg lächelnd. „Barbara ist zweiundzwanzig. Und Kai ist immerhin auch schon sechzehn.

Ruth zuckte mit den Achseln. „In meinen Augen werden sie noch sehr, sehr lange Kinder bleiben."

6

In den Modegeschäften von Malcesine waren Cargo-Hosen der letzte Schrei. Nadine und Marietta konnten daran einfach nicht vorbeigehen.

Sie probierten die Lager der Läden so lange durch, bis sie das Passende gefunden hatten. In einem Lokal am Hafen tranken die Schwestern anschließend Kaffee, und Marietta seufzte: „Mensch, bin ich geschafft!"

Nadine schlug vor, zum Hotel zurückzufahren, doch das kam für Marietta nicht in Frage.

„Erst wenn wir uns hier alles angesehen haben, kehren wir nach Torbole zurück", erwiderte sie.

Wenn sie geahnt hätte, was für eine Überraschung das Schicksal vorbereitet hatte, hätte sie das nicht gesagt. Es passierte, als Nadine die Hand hob, damit der Kellner auf sie aufmerksam wurde.

Drei junge Männer schlenderten an den Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen vorbei, und einer von ihnen bemerkte die erhobene Hand. Er blieb so abrupt stehen, als wäre er gegen eine unsichtbare Wand gelaufen.

„Das gibt’s doch nicht, sagte er auf Deutsch. Und auf Italienisch verabschiedete er sich von seinen beiden Begleitern, die grinsend weitergingen, während er sich dem Tisch näherte, an dem die beiden Schwestern saßen. „Nadine, sagte er lachend. „Marietta! So ein Zufall!"

„Renee", sagten die Schwestern wie aus einem Mund.

„Was macht ihr hier?" Er setzte sich unaufgefordert zu ihnen, trug ein weißes Hemd und schwarze Hosen. Umwerfend sah er aus. Sein Haar war schwarz wie das eines Sizilianers, und seine Haut war stark sonnengebräunt.

„Urlaub, antwortete Nadine. Ihr Herz klopfte schneller. „Und du?

„Ich lebe hier."

„In Malcesine?"

„Ja."

„Wir wohnen in Torbole."

„Seit wann?", wollte er wissen.

„Seit gestern."

„Und wie lange wollt ihr bleiben?"

„Eine knappe Woche."

Renee Berben, Nadines Verflossener, lachte. „Wenn mir einer heute Morgen gesagt hätte, ich würde euch am Nachmittag hier treffen, hätte ich ihn für verrückt erklärt."

Er freute

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