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Der Sarg von Prishtina

Der Sarg von Prishtina

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Der Sarg von Prishtina

Länge:
48 Seiten
43 Minuten
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 22, 2017
ISBN:
9783961640935
Format:
Buch

Beschreibung

"Die Gedanken und die Bilder im Kopf wiegen schwer." Das Leben und der Tod. Unzertrennlich miteinander verwoben, gehen sie Hand in Hand und machen vor keiner Seele Halt. Der Erzähler nimmt den Leser mit in seinen Garten, reflektiert über das Vergehen des Körpers. Hier bleibt ihm nichts verborgen. Seine Augen werden geöffnet, er hört das Jammern der Klageweiber und weiß, dass so viele Tode zu Unrecht geschehen sind. Er klagt die Gewalt in der Welt an und erkennt, dass das Sterben mit der Geburt beginnt. "Als kleines Kind wurde ich in eine Wiege gelegt. Sie war aus Holz und war mit kleinen Blütenblättern bemalt. Mit einem dicken Pinselstrich war schnörkellos und deutlich das Wort Mashallah aufgetragen, was so viel bedeutete, wie: Wunderschön, Gott schütze dich oder Gott sei mit dir."
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 22, 2017
ISBN:
9783961640935
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Der Sarg von Prishtina - Riat Ajazaj

Inhalt

Titelblatt

Der Sarg von Prishtina

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Riat Ajazaj

Der Sarg von Prishtina

Erzählung

Copyright © 2017 Axiomy Verlag

Bielatalstraße 14, 01824 Königstein

Umschlaggestaltung: © at Gazmend Freitag und Axiomy Verlag

Satz: at Axiomy Verlag

ISBN Print: 978-3-945618-98-1

ISBN eBook (epub): 978-3-96164-093-5

ISBN eBook (pdf): 978-3-945618-99-8

Urheberrechtlich geschütztes Material

www.axiomy-verlag.de

Es war ein besonderer Tag, ein Tag, den man ein Leben lang nicht vergisst. Der Sarg war vor dem Altar aufgebahrt. Der Sarg war zugedeckt, Blumen lagen auf ihm. Ein Sarg wie viele andere, ein helldunkler, schlichter Sarg. Alle blickten auf ihn. Alle, auch der Priester, als stünde er vor einem Leichnam und nicht vor einem leeren Sarg. Da es sehr viele Trauergäste gab, mussten­ viele draußen bleiben und auf dem Kirchhof oder auf der Straße warten. In den letzten Tagen war viel davon die Rede gewesen. Viele fühlten sich angesprochen und wollten sich dem Leichenzug anschließen. Aus den Fenstern der Hochhäuser beobachteten Menschen neugierig das Geschehen. Einige wunderten sich, dass der Sarg in eine katholische Kirche gebracht worden war. Man hätte diesen genauso gut in eine Moschee oder in eine Tekke (ein Sufizentrum) bringen können ...

Während ich vor der Kirche wartete, ­blickte­ ich auf die Mauern der Häuser. Ich sah sie, und ich sah sie nicht. Die Sonne schien und glitt wie ein Kamel über die Köpfe der versammelten Menschen hinweg. Ich wusste nicht, warum ich da war. Warum ich nicht in meinem Zimmer geblieben war, um mich mit etwas anderem zu beschäftigen. Warum ich nicht im Haus meiner Eltern war, im Dorf, weit weg von all dem hier, im Schatten ferner Räume unterhalb eines Bergwaldes. Ich frage mich immer noch, warum ich damals dort war und nicht woanders, an einem ­anderen­ Ort, in einem anderen Land. Ich sah die Menschen, die vor der Kirche standen, als ob ich verstehen wollte, warum sie vor dem leeren Sarg standen. Oder irgendetwas begreifen wollte, etwas was tief­gründiger und schwer zu fassen war. Ich bilde mir ein, ich hätte damals in den Gesichtern der versammelten Menschen etwas gelesen. In Wahrheit war ich wohl verwirrt, wegen dem, was sich ereignet hatte. Ich muss schockiert ge­wesen sein und hatte mich wohl naiv gefragt, wie das alles geschehen konnte, wie Menschen so böse sein konnten. Auch wenn ich die ­Frage­ nach der Unfähigkeit der Gesellschaft, der Gewalt Einhalt zu gebieten, hätte be­antworten können und Gründe dafür hätte angeben können, so wäre es doch schwer gewesen, etwas dagegen zu unternehmen. Ich betrachtete die Menge.­ Mir war, als würde ich die Klagefrauen meines Dorfes sehen, meine Verwandten, die einen Toten beklagten. Zum Abschied von dieser Welt ein nochmaliges, vielleicht nur kurzweiliges Erinnern. Ein Zurückrufen ins Leben, bevor man den Leichnam in den Sarg betten würde. Die Klagefrauen erzählten in ihren Klagen von dem Toten. Auch Dinge, die noch nicht gesagt worden waren, sollten in der Stunde des Abschieds gesagt werden. Ein letztes Erzählen vor dem Leichnam, als wäre die Anwesenheit des verblichenen Körpers unbedingt notwendig bei diesem einmaligen Erzählen.

In der Wiege zu liegen und von der Mutter oder von anderen gepflegt, geschaukelt oder gestillt zu werden, löst glückselige Gefühle aus. Anders als das Sterben, wenn die Menschen in Särge gelegt werden und zur letzten Ruhestätte geleitet werden, ob im hohen Alter (meistens ist es so) oder bei einem frühen und unerwarteten Tod nach einem Unfall, einer Krankheit oder in einem Bürgerkrieg. In solchen Fällen sind die Betroffenen auf fremde Hilfe angewiesen. In beiden Fällen gibt es Gleiches. Das Holz. Nach wie vor wird hauptsächlich dieses Material verwendet, für

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