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12 Top Thriller: Krimi Spannung für den Urlaub 2018

12 Top Thriller: Krimi Spannung für den Urlaub 2018

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12 Top Thriller: Krimi Spannung für den Urlaub 2018

Länge:
1,998 Seiten
21 Stunden
Freigegeben:
Jun 22, 2019
ISBN:
9781386937029
Format:
Buch

Beschreibung

12 Top Thriller: Krimi Spannung für den Urlaub 2018

Alfred Bekker und Franc Helgath, Fred Breinersdorfer, Bernd Teuber, Richard Hey

1200 Seiten Thriller Spannung

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Acht spannende Romane in einem Buch - Ideal als Urlaubslektüre.

HENRY ROHMER ist das Pseudonym des Schriftstellers ALFRED BEKKER, der vor allem durch seine Fantasy-Romane und Jugendbücher einem großen Publikum bekannt wurde. Daneben schrieb er Krimis und historische Romane und war Mitautor zahlreicher Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X.

Dieses Ebook beinhaltet folgende Krimis:

Bernd Teuber/Richard Hey: Die Schuld an meinen Händen

Fred Breinersdorfer: Der Hammermörder

Alfred Bekker: Stadt der Schweinehunde

Alfred Bekker: Wir fanden Knochen

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

Alfred Bekker: Chinatown-Juwelen

Alfred Bekker: Der Hacker

Alfred Bekker: Im Zeichen der Fliege

Alfred Bekker: Die nackte Mörderin

Alfred Bekker: Schweigen ist Silber, Rache ist Gold

Franc Helgath: Drei Tage Frist

Franc Helgath: Ein Yuppie läuft Amok

Freigegeben:
Jun 22, 2019
ISBN:
9781386937029
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Buchvorschau

12 Top Thriller - Alfred Bekker

Publisher

12 Top Thriller: Krimi Spannung für den Urlaub 2018

Alfred Bekker und Franc Helgath, Fred Breinersdorfer, Bernd Teuber, Richard Hey

1300 Seiten Thriller Spannung

KRIMINALROMANE DER Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Acht spannende Romane in einem Buch - Ideal als Urlaubslektüre.

HENRY ROHMER ist das Pseudonym des Schriftstellers ALFRED BEKKER, der vor allem durch seine Fantasy-Romane und Jugendbücher einem großen Publikum bekannt wurde. Daneben schrieb er Krimis und historische Romane und war Mitautor zahlreicher Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X.

DIESES EBOOK BEINHALTET folgende Krimis:

Bernd Teuber/Richard Hey: Die Schuld an meinen Händen

Fred Breinersdorfer: Der Hammermörder

Alfred Bekker: Stadt der Schweinehunde

Alfred Bekker: Wir fanden Knochen

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

Alfred Bekker: Chinatown-Juwelen

Alfred Bekker: Der Hacker

Alfred Bekker: Im Zeichen der Fliege

Alfred Bekker: Die nackte Mörderin

Alfred Bekker: Schweigen ist Silber, Rache ist Gold

Franc Helgath: Drei Tage Frist

Franc Helgath: Ein Yuppie läuft Amok

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Schuld an meinen Händen

Bernd Teuber

Ein Katharina Ledermacher Roman

nach Motiven von Richard Hey

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

DIE SIEBZEHNJÄHRIGE Jenny Kröhmer wird beschuldigt, ihren Ex-Freund Michael Reuter niedergeschlagen und im Summter See ertränkt zu haben. Ihre Mutter glaubt jedoch nicht, dass Jenny eine Mörderin ist. Deshalb engagiert sie Katharina Ledermacher, um die Wahrheit herauszufinden. Bei ihren Nachforschungen stößt die Detektivin auf einige Ungereimtheiten.

Hat die Polizei Beweise unterschlagen?

Starb Michael vielleicht durch jemand anderen?

Katharina Ledermacher ging zügig von der Straße durch den Garten direkt auf das Haus zu. Die Rasenflächen zu beiden Seiten des kiesbestreuten Weges sahen gepflegt aus. Und auch das Haus machte einen sehr sauberen Eindruck. Vor der schweren Holztür blieb die Privatdetektivin stehen und drückte auf den Klingelknopf. Drinnen ertönte ein dreifacher Gong.

Jemand schob den Spion beiseite. Kurz darauf rasselte die Sicherheitskette. Der Schlüssel wurde herumgedreht und die Tür einen Spalt weit geöffnet. Eine Frau kam zum Vorschein. Ihre langen braunen Haare waren wirr, ihr Gesicht blass und angstverzerrt. Die dunklen Ringe unter den Augen deuteten darauf hin, dass sie in letzter Zeit kaum geschlafen hatte.

„Frau Kröhmer?" fragte Katharina höflich.

Die Angesprochene zögerte einen Moment. „Ja, sagte sie dann. Ihr Gesichtsausdruck entspannte sich. „Oh, Sie sind sicher Frau Ledermacher.

Katharina nickte kurz.

„Ich habe Sie bereits erwartet. Kommen Sie bitte herein und setzten Sie sich."

Corinna Kröhmer machte eine einladende Handbewegung und dirigierte ihre Besucherin ins Wohnzimmer. Der Raum war komfortabel eingerichtet. Es gab ein breites Sofa sowie mehrere bequeme Sessel. In der Mitte des Raums befand sich eine versenkbare Hausbar. Corinna drückte auf den dafür vorgesehenen Knopf.

Eine gläserne Plattform mit den verschiedensten Getränken wurde hydraulisch aus der Versenkung heraufbefördert. Unter den Flaschen war ein Kühlfach eingebaut. Es enthielt einen verchromten Behälter mit Eiswürfeln. Auf dem herausschwenkbaren Tablett waren Gläser und ein silberner Shaker angeordnet. Daneben stand ein Siphon mit Sodawasser.

„Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?"

„Nein, danke. Katharina machte es sich in einem Sessel bequem. „Womit kann ich Ihnen helfen?

Corinna ließ die Bar wieder verschwinden und setzte sich aufs Sofa.

„Es geht um meine Tochter, begann sie zögernd. „Man hat sie wegen Mordes angeklagt.

„Mord? fragte Katharina erstaunt. „Wen hat sie denn getötet?

„Michael Reuter. Einen junger Mann hier aus der Gegend."

„Wo starb er?"

„Am Summter See. Die Polizei behauptet, meine Tochter hätte ihn erschlagen."

„Erschlagen?" wiederholte die Detektivin.

„Ja, mit einem Ast. Angeblich hat sie ihn unter einem Vorwand dorthin gelockt, um ihn dann zu töten."

Katharina überlegte einen Moment. Sie sah vor sich eine tief besorgte Frau, die darum kämpfte, dass ihrer Tochter geholfen wurde.

„Bevor ich mich entscheide, brauche ich noch ein paar Informationen. Erzählen Sie mir etwas über Ihre Tochter."

Corinna zögerte. Anscheinend überlegte sie, womit sie am besten anfangen sollte.

„Jenny ist ein intelligentes junges Mädchen, sagte sie schließlich. „Trotz einiger ihrer ... weniger glücklichen Entscheidungen in der letzten Zeit. Und bis vor ein paar Jahren war sie auch eine hervorragende Schülerin.

„Was geschah vor einigen Jahren?" wollte Katharina wissen.

„Vieles. Ihr Vater starb. Die Pubertät setzte mit voller Macht ein."

„Und wie sind ihre Zensuren jetzt?"

„Die einzigen guten Zensuren erhält sie, wenn es um Mathematik geht. Das Interesse an anderen Fächern ist immer mehr geschwunden."

„Was ist mit außerschulischen Interessen?"

„Sie interessiert sich für Musik ... und für die neuste Mode."

„Am Telefon sagten Sie mir, ihr Anwalt hätte mich empfohlen. Wie schätzt er denn die Sache ein?"

„Jenny wird nicht einfach zu vertreten sein. Vor allem deshalb nicht, weil sie vor der Polizei geflohen ist."

„Geflohen?" fragte Katharina ungläubig.

„Ja. Zwei Männer von der Mordkommission kamen hierher. Ihnen gegenüber hat Jenny schon zugegeben, dass sie Michael in der Nacht getroffen hat. Und als der Kommissar ihr sagte, dass der Junge tot sei, ist sie einfach weggelaufen. Seitdem fahndet die Polizei nach ihr."

„Wann war das?"

„Vor drei Tagen."

„Und seitdem ist sie auf der Flucht?"

Corinna nickte.

„Das kommt einem Schuldeingeständnis gleich" sagte die Detektivin.

„Ich weiß. Bitte, Sie müssen mir helfen. Jenny ist gerade siebzehn geworden."

Zum ersten Mal sah Katharina nun Verzweiflung in den Augen der Frau. Ihre Schultern und Züge waren vollkommen angespannt. Sie wirkte ausgelaugt und müde.

„Das dürfte nicht so einfach sein, denn wissen Sie, die Polizei schätzt es gar nicht, wenn sich jemand in ihre Ermittlungen einmischt. Da können die ganz schön unangenehm werden. Wer bearbeitet eigentlich den Fall?"

„Ein gewisser Kommissar Griese."

„Tut mir leid. Der Name sagt mir nichts."

„Werden Sie meiner Tochter helfen?" fragte Corinna.

„Ehrlich gesagt, mir fällt die Entscheidung ziemlich schwer."

„Ich kann Sie bezahlen."

„Darum geht es nicht", wehrte Katharina ab.

„Worum dann?"

„Wenn Ihre Tochter ihre Schuld eingestanden hat, gibt es nichts und niemanden, der ihr noch helfen kann. Sie würden mir ziemlich viel Geld bezahlen und nichts dafür bekommen."

„Trotzdem muss alles unternommen werden, um Jenny zu helfen."

Sie blickte Katharina erwartungsvoll an.

„Wie starb dieser Michael Reuter denn nun genau?" wollte die Detektivin wissen.

„Der Rechtsmediziner sagt, er sei nach dem Schlag an die Schläfe ertrunken."

„Der Schlag war also nicht die Todesursache?"

„Nein. Aber er scheint ihn bewusstlos gemacht zu haben. Er fiel daraufhin in den Summter See und ertrank."

„Glauben Sie, Ihre Tochter hat Michael diesen Schlag verpasst?"

Der Schatten der Traurigkeit in Corinnas Stimme strafte ihre kontrollierte Haltung Lügen. „Ich weiß nicht, was ich denken soll."

„Wie war Jennys Beziehung zu Michael?" fragte Katharina.

„Vor einigen Monaten begannen sie, sich zu treffen. Damals war sie erst sechzehn. Michael zwanzig. Er war viel zu alt für sie. Ich habe versucht, es zu unterbinden."

„Und?"

Corinna zuckte mit den Schultern. „Alles, was ich tat, war falsch."

„Das heißt, Sie haben versucht, ihr mit Vernunftgründen zu kommen."

Corinna blickte ihr ins Gesicht. „Es hört sich so an, als hätten Sie auch Ihre Erfahrungen mit Teenagern."

„Ja, aber meine Tochter ist mittlerweile erwachsen und hat selbst eine Familie, antwortete Katharina. „Wie hat Jenny reagiert, als Sie ihr in Bezug auf Michael mit Vernunftgründen kamen?

„Sie sagte, sie sei kein Kind mehr und würde sich ihre Freunde selbst aussuchen. Außerdem fügte sie hinzu, es sei ihr Leben und sie würde es auf ihre Art leben."

„Ja, diese Sprüche kommen mir nur allzu bekannt vor, meinte Katharina trocken. „Ich nehme an, Sie haben darauf mit dem ebenfalls altbekannten Spruch reagiert, dass sie sich nach Ihnen zu richten habe, solange sie ihre Füße unter Ihrem Tisch hätte.

Corinna musste beinahe lächeln. Beinahe.

„Ich habe einige Tage durchgehalten, ehe ich ihn benutzte. Zuerst habe ich versucht, ihr klarzumachen, dass es ihr nur Probleme einbringen würde, sich mit einem soviel älteren Mann zu treffen. Dazu sei sie noch nicht erwachsen genug."

„Was die Beziehung zu Michael natürlich noch verlockender machte."

Diesmal lächelte Corinna. „Sie scheinen Teenager zu verstehen."

„Und was geschah dann?" fragte Katharina.

„Ich bat sie, Michael zum Essen mit nach Hause zu bringen. Ich wollte ihn kennenlernen, ihm gegenübersitzen und ihn spüren lassen, welchen Anteil ich an Jennys Leben habe. Aber Michael wollte nicht kommen."

„Natürlich nicht. Weil er keine besonders guten Absichten hatte."

„Genau das habe ich Jenny gesagt, aber leider hört sie schon lange nicht mehr auf mich."

„Hat es vorher schon Probleme gegeben?"

„Nein. Jedenfalls nicht mit der Polizei."

„Aber?"

„Ich vermute, dass sie rauchte und Alkohol trank, wenn sie mit Michael zusammen war. Und das die beiden miteinander ... intim waren. Michael hat nicht gerade den besten Ruf."

Katharina schoss die Frage durch den Kopf, wie sie wohl empfunden hätte, wenn ihre Tochter Kathinka mit Michael Reuter gegangen wäre. Aber sie verdrängte diesen Gedanken ganz schnell wieder,

„Erzählen Sie mir, was Sie über diesen Michael wissen."

„Er arbeitete hier in einem Schnellimbiss. „Robbies Burger Palace. Er wuchs in Wedding auf. Sein Aussehen könnte man als eine Mischung aus Rockstar und Gang-Mitglied beschreiben. Er gibt sich immer düster und cool. Offensichtlich eine unwiderstehliche Mischung für Mädchen im Teenageralter.

„Wie hat er Jenny kennengelernt?"

„In dem Schnellimbiss. Er ist ein Treffpunkt für die Jugend hier in der Gegend."

„Waren Jenny und Michael auf derselben Schule?"

„Nein."

„Und was haben Sie getan, als Vernunft bei Jenny nicht half?"

„Als ich bemerkte, dass sie sich trotz meines Verbots weiterhin mit Michael traf, versuchte ich es mit anderen Mitteln. Ich weigerte mich, ihr Kleidung zu kaufen. Sie bekam Ausgangsverbot. Gehorchte sie nicht, gab es kein Taschengeld."

„Und alles ohne Erfolg, nicht wahr?"

Corinna nickte.

„Wann hat sie sich mit ihm getroffen?"

„In der Nacht, wenn ich schon im Bett lag und schlief."

„Wie haben Sie es herausgefunden?"

„Vor einigen Wochen wurde ich von jemandem geweckt, der sich verwählt hatte. Ich ging hinunter in die Küche, um mir etwas zu trinken zu holen. Dabei erwischte ich Jenny, wie sie sich gerade heimlich ins Haus schleichen wollte. Sie roch nach Tabakrauch und Alkohol. Sie wollte mir nicht sagen, woher sie kam. Aber es war nicht schwer zu erraten."

Corinna machte eine Pause, bevor sie fortfuhr. Ihre Stimme blieb ausdruckslos, aber nicht ihre Augen.

„Ich konnte sie doch nicht einsperren. Sie muss ihren Freiraum haben, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, um ihre eigenen Fehler zu begehen. Das ist der einzige Weg, um reifer und erwachsener zu werden. Aber es gibt so vieles, das sie nicht als wichtig akzeptiert. Sie versteht einfach nicht, dass eine falsche Entscheidung ihre ganze Zukunft ruinieren kann."

Und nun hatte sie die falsche Entscheidung getroffen, dachte Katharina, sprach aber die Worte nicht aus. Corinna Kröhmer stand vor dem uralten Dilemma, das irgendwann immer auf Eltern zukommt. Was machten sie mit einem Teenager, der darauf behaarte, erwachsen zu sein, aber die weitreichenden Folgen mancher Entscheidungen nicht sah?

„Traf Jenny sich weiterhin mit Michael?" fragte Katharina.

„Ich bat sie, mir ihr Wort zu geben, dass sie es nicht mehr tun würde. Aber sie weigerte sich. Ich behielt ihr Taschengeld ein und versteckte ihren Motorrollerschlüssel."

„Was war mit der Nacht, als Michael starb?"

„Die Polizei ist wohl der Meinung, dass sie mit ihrem Roller losfuhr, um sich mit ihm zu treffen. Sie haben ihn zur Untersuchung beschlagnahmt."

„Sagten Sie nicht, Sie hätten den Schlüssel versteckt?"

„An jenem Abend nicht. Ich dachte, zwischen Jenny und Michael wäre es aus."

„Wie kommen Sie darauf?"

„Vor einigen Wochen muss etwas passiert sein. Jenny wollte ihn von sich aus nicht mehr sehen."

„Warum nicht?"

„Sie wollte nicht darüber reden – wie üblich. Sie sagte, es ginge mich nichts an. Ich muss gestehen, ich war so froh, dass sie Sache ein Ende hatte, dass ich sie nicht weiter bedrängte."

„Und Sie hatten keine Ahnung, dass es wieder angefangen hatte?"

„Nein."

„Wissen Sie etwas über die Familie des Jungen?"

„Seine Mutter arbeitet in einem Supermarkt, soweit ich weiß. Sein Vater hat sich schon vor Jahren davon gemacht."

„Wie gut kennen Sie die Familie?"

„Kaum."

„Hatten Sie nie Kontakt mit ihnen?"

„Ich rief Michaels Mutter an, als die beiden zum ersten Mal miteinander gingen. Ich sprach zu ihr von Mutter zu Mutter, über die Gefahren, die sich aus zu großen Altersunterschieden ergeben. Aber sie teilte meine Sorgen nicht."

„Sie tat nichts, um ihren Sohn davon abzubringen?"

„Im Gegenteil. Sie sagte, sie würde Michael eher noch ermutigen. Es schien ihr ein perverses Vergnügen zu bereiten, es mir unter die Nase zu reiben."

„Auch welchem Grund?"

„Sie schien anzunehmen, ich hätte etwas gegen ihren Sohn, weil er kein Geld hatte und sozial unter uns stand. Vergeblich versuchte ich sie davon zu überzeugen, dass das nicht der Fall war."

„Spielte der soziale Unterschied für Sie eine Rolle?" fragte Katharina.

„Nein, absolut nicht. Selbst wenn der Junge ein Mitglied des europäischen Hochadels gewesen wäre, hätte das keinen Unterschied gemacht. Ich wollte nicht, dass meine sechzehnjährige Tochter sich mit einem Zwanzigjährigen trifft, der raucht und trinkt."

Katharina schwieg einen Moment.

„Nun, Frau Ledermacher, übernehmen Sie den Fall?"

„Das lässt sich nicht so einfach sagen. Vor allem möchte ich gerne hören, wie Ihre Tochter die Sache sieht."

„Aber ich sagte Ihnen doch, dass sie untergetaucht ist."

„Wo?"

„Das weiß ich nicht."

„Frau Kröhmer, lassen Sie uns mit offenen Karten spielen. Ihre Besorgnis als Mutter ist verständlich, aber Sie müssen auch mich verstehen. Ich muss die Fakten von ihr wissen, und ich muss sie jetzt wissen."

Corinna blickte sie scharf und prüfend an. Es gefiel ihr nicht, dass diese Detektivin darauf behaarte, jetzt gleich mit Jenny zu sprechen. Doch sie wusste auch, dass es keine andere Möglichkeit gab.

„Also, wo hält sich Jenny zurzeit auf?" fragte Katharina.

„In einer Wohnung in der Gelfertstraße."

„Wem gehört diese Wohnung?"

Corinna zögerte einen Moment. „Mir, sagte sie schließlich. „Ich vermiete sie manchmal an Feriengäste.

„Haben Sie ihrer Tochter geraten, sich dort zu verstecken?"

„Nein, entgegnete sie sofort. „Anfangs wusste ich nicht einmal, dass Jenny sich in der Wohnung aufhält. Doch dann rief sie mich gestern an und sagte, dass sie dem Druck nicht mehr lange standhalten würde.

„Woher hatte sie den Schlüssel?"

„Wenn die Wohnung nicht vermietet ist, liegt er in meiner Schreibtischschublade. Vermutlich hat sie ihn sich geholt, als ich nicht zu Hause war."

Katharina nickte. „Gut. Lassen Sie uns aufbrechen. Sie fahren voran und ich folge Ihnen in meinem Wagen."

KATHARINA BEOBACHTETE, wie Corinna auf ihre Tochter zuging, zögernd, fast als wäre sie ein wilder Vogel, der jeden Augenblick davonfliegen könnte. Jenny war ungefähr zwei Zentimeter kleiner als ihre Mutter, ihr welliges braunes Haar um einige Grade heller. Sie besaß ein rundes Gesicht mit einer kleinen Nase, aber ihre großen Augen waren von dem gleichen Braun wie ihre Haare. Sie war ein sehr schönes, junges Mädchen. Und wenn Katharina sich nicht täuschte, dann verbarg sich hinter der harten Schale ein ziemlich verängstigtes Wesen.

„Das ist Frau Ledermacher, sagte Corinna sanft. „Sie arbeitet als Privatdetektivin und will dir helfen.

„Mir kann niemand helfen, entgegnete Jenny schroff. „Sieh das endlich ein. Sie können sich vom Acker machen.

Doch Katharina schüttelte energisch den Kopf. „Nein, das werde ich nicht tun. Nach Ihnen wird gefahndet. Und wenn man Sie vor Gericht stellt und verurteilt, wandern Sie für sehr lange Zeit ins Gefängnis. Darüber müssen Sie sich im Klaren sein."

„Wer sagt denn, dass man mich überhaupt vor Gericht stellt?"

„Sie können nicht ewig auf der Flucht bleiben. Früher oder später wird man Sie finden."

„Und wenn ich ins Ausland abhaue?"

„Wovon wollen Sie denn dort leben?"

„Ich finde schon etwas."

„Stellen Sie sich das nicht so leicht vor. Ihr ganzes Leben steht hier auf dem Spiel. Sie werden einige harte Entscheidungen treffen müssen, und noch härtere Erfahrungen machen. Sie werden all Ihre Kraft und Reife benötigen. Ihre Mutter und ich werden Ihnen auf diesem Weg helfen. Aber sie müssen genau verstehen, was ich für Sie tun kann, und was nicht."

„Was für Dinge?"

Katharina entging nicht, dass Jenny sich bemühte, tapfer zu klingen.

„Ich will die Wahrheit hören. Ich werde Ihnen jetzt ein paar Fragen über die Nacht stellen, in der Michael Reuter starb. Sie sind nicht verpflichtet, auch nur ein Wort zu sagen. Es könnte sogar besser für Sie sein, wenn Sie es nicht tun. Möchten Sie darüber reden?"

„Ja", erwiderte Jenny zögernd.

„Seien Sie dessen sicher, dass ich Ihnen diese Fragen nur stelle, damit ich Ihnen so gut wie möglich helfen kann. Wenn Sie nicht für Michaels Tod verantwortlich sind, werden die Antworten mir helfen, die Anschuldigungen gegen Sie abzuwehren. Sind Sie aber schuldig, werde ich dennoch für Sie kämpfen. Haben Sie das verstanden?"

„Ja."

„Okay, dann sagen Sie mir, was Sie sagen möchten."

„Ich war es. Ich habe Michael umgebracht."

Bei Jennys Schuldeingeständnis zog sich Katharinas Herz schmerzhaft zusammen. Sie hatte gehofft, das vorherige Geständnis wäre irgendeine Art Fehler oder Missverständnis gewesen. Etwas, das sie unter Schock eingestanden hatte, als sie von Michaels Tod erfuhr. Aber nun wusste sie, dass es kein Missverständnis oder Fehler gewesen war. Gab es überhaupt noch Hoffnung?

„In Ordnung, sagte Katharina ruhig. „Sie haben mir gesagt, dass Sie Michael getötet haben. Nun wollen wir uns über den Grund unterhalten.

Sie stützte die Ellbogen auf dem Tisch ab und starrte die Detektivin an. Katharina konnte sehen, dass das Schuldeingeständnis ihre innere Anspannung nicht gelöst hatte. Sie kannte diese coole, trotzige Maske. Normalerweise setzten Teenager sie auf, damit sie nicht verletzt wurden. Nicht noch einmal. Sie wettete, dass hinter Jennys scheinbarer Abgebrühtheit ein Herz schlug, dem sehr weh getan worden war – und das Angst hatte.

„Lassen Sie uns mit dem Anfang beginnen, sagte Katharina. „Erzählen Sie mir, wie Sie Michael kennengelernt haben.

„Kennengelernt habe ich ihn in „Robbies Burger Palace, begann sie mit ruhiger Stimme. „Er hat dort die Burger zubereitet.

„Wann ist er Ihnen das erste Mal aufgefallen?"

„Im letzten Jahr. Manchmal, wenn wenig zu tun war, wartete er am Tresen. Einige Male hat er meine Bestellung angenommen. Dann, an einem Samstag, als er Feierabend hatte, kam er zu mir an den Tisch. Wir unterhielten uns. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, mit ihm auszugehen."

„Wann war das?"

„Im letzten September."

„Warum wollten Sie mit ihm ausgehen?"

Jenny zuckte mit den Schultern. „Er mochte mich. Und er war so cool."

„Und was habt ihr dann gemacht?"

„Wir sind ins Kino gegangen. Sie senkte den Kopf. „Es war ein Fehler. Meine Cousinen sahen mich mit ihm zusammen. Meine Mutter erfuhr es und flippte völlig aus.

„Sie haben Ihrer Mutter nicht gesagt, dass Sie mit Michael Reuter in diesen Film gehen würden?"

„Dann hätte sie es mir verboten."

„Was haben Sie ihr denn erzählt?"

„Dass ich mit einer Freundin ins Kino gehen wollte und nicht zu spät nach Hause käme. Das war ich auch nicht."

„Sind Sie danach wieder mit Michael ausgegangen?"

„Ja."

„Wohin?"

„Ich habe ihm gesagt, ich hätte keine Lust, dass meine Mutter einen Aufstand macht. Deswegen sollten wir uns nicht an öffentlichen Plätzen sehen lassen. Er war einverstanden. Er hatte ja sowieso nicht genug Kohle zum Ausgehen. Deshalb hingen wir meistens draußen in der Gegend herum."

„Wo?"

„Wir saßen in seinem Wagen, rauchten eine und hörten Musik und ...na ja, all dies Zeugs."

Katharina konnte sich denken, was sie mit Letzteren meinte.

„Waren Sie in Michael verliebt?" fragte sie so sanft, wie sie konnte.

„Ja."

„Hat er Sie geliebt?"

„Das hat er gesagt. Ich denke, er hat es. Zumindest die meiste Zeit. Aber manchmal ..."

Katharina sah, dass sich ihre Schultern versteiften.

„Was war manchmal?"

„Manchmal ... war er so komisch, und ich ... ich konnte nicht verstehen, dass er so etwas tat und mich gleichzeitig liebte."

„Was war das denn?"

„Er ... hat mich geschlagen."

Aus den Augenwinkeln sah Katharina, wie Corinna zusammenzuckte. Die Detektivin konnte es verstehen. Sie selbst verspürte auf einmal einen harten Druck im Magen.

„Wann hat er damit begonnen?" fragte Katharina mit bewusst sachlicher Stimme.

„In den ersten Wochen war alles okay. Wir saßen herum. Unterhielten uns. Manchmal tranken wir ein oder zwei Bier, aber keiner von uns trank zu viel. Dann ..."

„Wann wurde es schlimmer?"

„Eines Abends, als ich mich wieder aus dem Haus geschlichen hatte und mich mit ihm traf, kam er angetorkelt. Vollkommen besoffen. Er wollte mit mir unbedingt zum Summter See fahren. Dort saßen wir manchmal in klaren Nächten in seinem Wagen. Es sieht so schön aus, wenn sich der Mond im Wasser spiegelt."

„Was geschah in jener Nacht?"

„Er war so besoffen, dass er hinfiel, und ich sagte ihm, dass er nicht einmal geradeaus sehen könnte. Wie wollte er da Autofahren? Er rastete völlig aus und brüllte mich an. Ich wäre nicht seine Mutter. Dann hat er mich geschlagen. Ziemlich schlimm."

„Was haben Sie getan?"

„Ich bin weggelaufen. Zurück ins Haus. Am nächsten Tag wartete Michael auf mich, als ich mit dem Roller aus der Schule kam. Er sagte, es würde ihm wirklich leidtun, dass er mich geschlagen hätte. Er meinte, das Bier wäre schuld gewesen. Er bat mich, ihm zu verzeihen."

„Und das taten Sie?"

„Es klang wirklich ernst."

„Sie haben ihm vergeben?"

Jenny zuckte nur mit den Schultern.

„Aber es passierte wieder", vermutete Katharina.

„Für ein paar Wochen war alles in Ordnung. Dann fuhren wir eines Abends zu einer Party bei Tommy."

„Tommy wie?" fragte Katharina.

„Einfach nur Tommy. Er war ein Freund von Michael."

„Wo wohnt dieser Tommy?"

„Irgendwo in Kreuzberg. Ich habe nicht auf die Adresse geachtet. Die Musik war echt cool. Einige haben sich Tattoos machen lassen. Wir haben etwas getrunken, damit wir die Nadel nicht so fühlen. Nur Michael betrank sich. Dann machte er dieses Mädchen an, direkt vor meinen Augen."

„Welches Mädchen?"

„Eine Blonde, die von oben bis unten tätowiert war. Michael wollte sie überreden, ihre Bluse ein wenig herunterzuziehen."

Katharina behielt ihre sachliche Stimme bei. „Und was geschah dann?"

„Die Blonde lachte und sagte, dann müsste er mit ihr kommen. Ich sagte Michael, ich würde mich vom Acker machen. Er packte mich am Arm und schleppte mich hinaus zu seinem Wagen. Er schubste mich hinein. Als ich versuchte, wieder auszusteigen, riss er mich zurück und begann mich zu schlagen. Ich ... ich konnte mich nicht wehren."

„Was geschah dann?" fragte Katharina. Es fiel ihr schwer, ihre Emotionen zurückzuhalten.

„Er fuhr mich nach Hause, fluchte wie bescheuert. Ich dachte, er würde uns irgendwo gegen eine Hauswand setzen. Aber wir kamen heil an. Am nächsten Tag taten mir mein Arm und meine Schulter furchtbar weh. Meine Mutter sah, wie ich mehrmals zusammenzuckte. Ich erzählte ihr, ich hätte mir den Arm ausgerenkt. Wir fuhren ins Krankenhaus. Die Schulter war verstaucht."

„Kam Michael am nächsten Tag wieder, um sich zu entschuldigen?"

„Erst einige Tage danach. Er sagte, er wollte zu diesem Tätowierer gehen und sich meinen Namen auf den rechten Unterarm tätowieren lassen.

„Haben Sie ihm wieder vergeben?"

„Ich habe ihm gesagt, wenn er sich noch einmal vor mir volllaufen lässt oder ein anderes Mädchen anmacht, kann er sich verpissen, antwortete Jenny mit trotziger Stimme. „Er sagte, er würde nur trinken und die anderen Mädchen anmachen, weil ...

„Ja?" fragte Katharina, als ihre Stimme sich verlor.

„Weil ich mich noch immer weigerte ... alles mitzumachen."

„Sie meinen Sex, nicht wahr?"

„Er sagte, er hätte schon viel Geduld bewiesen, aber er wäre halt auch nur ein Mann mit Bedürfnissen. Er sagte, ich sollte aufhören, mich wie ein Kind zu benehmen, und endlich erwachsen werden. Er sagte, wenn ich ihn wirklich liebte, müsste ich es tun."

Katharina verfluchte diesen Michael dafür, wie skrupellos er Jenny manipuliert hatte. Eine Sechzehnjährige auf diese miese Tour herumzukriegen, kam fast einer Vergewaltigung gleich. Aber sie nahm sich zusammen.

„Was haben Sie ihm darauf geantwortet?"

„Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe, aber ein wenig mehr Zeit brauchte. Er wollte noch etwas Geduld haben, weil er so verrückt nach mir wäre."

„Und wie lief es danach?"

„Gut. Wir haben viel von Heirat gesprochen. Aber trotzdem wollte ich erst die Schule zu Ende bringen."

„Du hast Michael abgewiesen?"

„Er sagte, das bräuchte ich nicht. Wenn ich erst einmal schwanger wäre, würden wir jede Menge Geld haben und könnten machen, was wir wollten. Er sagte auch, er könnte nicht mehr länger warten."

„Wann geschah es?"

„Am Valentinstag."

„Erzählen Sie mir davon."

„Michael nahm mich mit in ein Hotel, damit wir es nicht im Wagen machen mussten."

Katharina wusste, es war hart für das Mädchen, deshalb legte sie einen aufmunternden Ton in die Stimme. „Erzählen Sie bitte weiter."

„Er kaufte mir Blumen und eine Flasche Champagner. Zuerst war es richtig romantisch."

„Wann hörte es auf?"

„Nachdem er angefangen hatte, aus der Flasche zu trinken."

Jenny machte eine Pause. Noch immer klang ihre Stimme trotzig, aber sie krallte die Finger ineinander. Katharina wartete, bis sie weitererzählte.

„Ich sagte Michael, ich müsste jetzt nach Hause. Aber er riss mich ins Bett zurück. Er sagte, ich wäre jetzt seine Frau, und ich könnte erst gehen, wenn er es mir erlauben würde. Aber je mehr er trank, desto mehr veränderte er sich."

„Wurde er grob?"

„Ja, als ich versuchte zu gehen."

„Er hat dich geschlagen?"

„Ja. Immer wieder. Ich flehte ihn an, aufzuhören. Ich sagte ihm, ich hätte nur Spaß gemacht und würde gar nicht gehen. Ich versprach, bei ihm zu bleiben, solange er wollte."

„Hat er aufgehört?"

„Ja. Stattdessen beschimpfte er mich. Er meinte, ich hätte die Schläge verdient, weil ich mein Spielchen mit ihm spielte. Als er dann eine Stunde später schlief, habe ich meine Klamotten zusammengepackt und bin abgehauen. Von der Hotelhalle aus rief ich mir ein Taxi."

„Wann kam er das nächste Mal vorbei, um sich zu entschuldigen?"

„Zwei Tage später. Aber ich sagte ihm, es wäre ein für allemal aus."

„Bis?" fragte Katharina.

„Bis letzten Sonntag."

„Bist du zwischen dem Valentinstag und dem letzten Sonntag mit Michael ausgegangen?"

„Nein. Letzten Sonntag ging ich nur zu „Robbies Burger Palace, weil ich wusste, dass Michael frei hatte.

„Aber dennoch hast du ihn dort getroffen?"

„Er saß an einem der Tische und trank eine Cola. Sobald er mich sah, kam er herüber und legte den Arm um mich. Ich stieß ihn weg. Als ich gehen wollte, fragte er mich, ob ich schwanger wäre."

„Sind Sie es?" fragte Katharina ganz sanft.

„Nein. Ich sagte ihm, ich sei froh, dass ich nicht mit einem Balg von ihm dasitzen würde, das mich für immer an ihn gebunden hätte."

„Und was geschah dann?"

„Er sagte mir, wie verrückt er nach mir sei. Er schwor, niemals wieder auch nur einen einzigen Schluck Alkohol zu trinken."

„Und Sie haben ihm nochmals verziehen?"

„Nein. Er hatte gerade seinen Spruch beendet, als die Blonde von Tommys Party hereinkam. Sie ging auf Michael zu und legte ihm die Hand auf die Schulter. Sie hatte sich dort mit ihm verabredet."

„Was geschah als Nächstes?"

„Ich sagte ihm, er solle sich zum Teufel scheren."

„Tat er es?"

„Als ich gehen wollte, versperrte er mir den Weg und schwor, dass er nichts mit der Blonden zu tun hätte. Er hätte ihr lediglich versprochen, sie zu Tommy zu bringen."

„Haben Sie ihm geglaubt?"

„Die Blonde meinte, es wäre die Wahrheit. Er sagte ihr, sie solle sich jemand anders suchen, der sie hinfährt. Dann ist sie abgehauen."

„Haben Sie ihm danach vergeben?"

„Nein. Ich habe ihm nur zugesagt, mich abends mit ihm am Summter See zu treffen, um mit ihm zu reden."

„Warum haben Sie das getan?"

„Er sagte, er hätte meinetwegen mit dem Saufen aufgehört. Er sagte, ich würde seine Frau werden. Und er versprach, dass er nicht noch einmal ausrasten würde."

„Und das haben Sie ihm geglaubt?"

„Michael war so ... cool, wenn er nicht getrunken hatte. Ich dachte, wenn er mit dem Trinken aufhörte ... Ich wollte wohl glauben, dass es so war."

„Aber Sie mussten erkennen, dass das nicht stimmte?"

Jenny nickte.

„Was geschah, als Sie Michael am Sonntagabend am Summter See trafen?"

„Ich kam zu spät, weil mein Roller unterwegs immer wieder ausging. Als ich oberhalb des Ufers anhielt, wo wir immer standen, war sein Wagen nirgends zu sehen. Ich dachte, er wäre nach Hause gefahren. Doch plötzlich kam er hinter den Bäumen hervor und packte mich."

Jenny machte eine Pause, und nun bekam Katharina zum ersten Mal einen kurzen Ausblick auf die wahre Jenny. Ihr Gesicht war weiß, die Pupillen schwarze Punkte der Angst.

„Ich roch sofort, dass er getrunken hatte, fuhr sie fort. „Ich sagte ihm, er solle mich loslassen. Doch er tat es nicht. Er lallte so sehr, dass ich nicht versehen konnte, was er sagte. Ich versuchte, ihn loszuwerden. Er riss an meiner Halskette, die mir meine Mutter geschenkt hatte. Sie schnitt mir in den Hals. Ich schrie ihn an, er täte mir weh, aber er lachte nur. Da hob ich einen Ast auf und schlug nach ihm.

Jenny zitterte am ganzen Körper. Katharina begriff, dass sie die Schrecken dieses Abends noch einmal erlebte. Sie rang noch einmal mit dem betrunken, gewalttätigen Michael Reuter.

„Was geschah dann?" wollte Katharina wissen.

„Er ließ mich los, taumelte zurück. Ich rannte hinüber zu den Bäumen, wollte mich dort verstecken. Den Ast hielt ich noch immer in der Hand. Ich wusste, dass ich ihn nochmals damit schlagen würde, wenn er mir zu nahekäme. Aber er tat es nicht. Ich sah, wie er in Richtung See schwankte. Ich ließ den Ast fallen, lief zurück zu meinem Roller und fuhr so schnell wie möglich davon. Fast wäre ich dabei mit einem Wagen zusammengeprallt, der auf der anderen Straßenseite fuhr."

„Haben Sie gesehen, wer darin saß?"

„Nein, es ging alles viel zu schnell."

„Haben Sie gesehen, wie Michael in den See fiel?"

Jenny schüttelte den Kopf. Sie starrte auf ihre Finger. „Ich wusste, dass er verletzt war, aber ich dachte, sonst wäre alles in Ordnung. Ich meine, ich sah, wie er ging und alles. Ich hätte niemals gedacht ..."

Jenny brach ab. Sie straffte die Schultern und blickte Katharina direkt an. Ihre Augen waren klar, ihre Stimme fest. Sie spielte ihr nichts vor.

„Ich habe ihn geschlagen, sagte sie. „Ich habe ihn umgebracht.

Katharina beugte sich vor und nahm ihre Hände. Zum ersten Mal in diesem Gespräch erlaubte sie sich, Gefühle zu zeigen. Ihr zu zeigen, dass sie sich um sie sorgte. Mitgefühl.

„Sie haben ihn nicht umgebracht. Sie haben sich nur verteidigt. Michael Reuter starb nicht durch Ihre Hand, sondern durch seine eigene. Sie dürfen nie wieder sagen, dass Sie ihn umgebracht haben. Es stimmt nicht."

Katharina sah, wie unter ihren mitfühlenden Worten und ihrer Berührung, die Maske des Mädchens bröckelte. Sie senkte den Kopf und weinte. Ihre dichten, braunen Haare hingen wie ein Schleier vor ihrem Gesicht, markierten das Ende ihrer falschen Tapferkeit. Corinna kniete neben ihrer Tochter, legte den Arm um sie und hielt sie fest.

„Es ist gut, Jenny, sagte sie mit ruhiger Stimme. „Ich bin bei dir. Es wird alles wieder gut.

Katharina bewunderte Corinnas Selbstbeherrschung, aber sie entdeckte auch einen feuchten Schimmer in ihren Augen. Langsam ließ sie Jennys Hände los. Im Augenblick empfand sie nichts anderes als kalte Wut auf einen toten Mann. Ihr war absolut schleierhaft, wie Corinna es durchgehalten hatte, schweigend zuzuhören, wie Michael Reuter ihre Tochter verprügelt und missbraucht hatte. Wäre es um ihre Tochter gegangen, sie hätte keine fünf Minuten den Mund halten können. Andererseits wusste sie nun auch, woher Jenny ihre Kraft hatte. Deswegen verstand sie allerdings noch weniger, dass sie sich von Michael Reuter so mies hatte behandeln lassen.

Katharina wusste bereits, was, sie für Jenny tun würde. Aber sie fragte sich, ob Corinna wusste, wie viel mehr emotional für Jenny getan werden musste. Beide, Mutter und Tochter, hatten eine Menge mitgemacht. Aber sie würden noch mehr durchmachen müssen, ehe diese Sache vorüber war. Sie erinnerte sich daran, dass sie nur der berufliche Aspekt der Angelegenheit interessieren durfte. Nichts anderes. Sie musste emotional unbeteiligt bleiben, um wachsam und effektiv zu sein.

Aber sie war es nicht.

„JENNY, EIN PAAR DINGE muss ich noch geklärt haben, sagte Katharina. „Vielleicht sind sie wichtig, vielleicht auch nicht. Würden Sie diese Details bitte mit mir durchgehen?

„Ja." Ihr mürrischer Ton hatte sich verloren.

„Um wie viel Uhr haben Sie das Haus verlassen?"

„Ungefähr Viertel nach zehn."

„Beschreiben Sie, was Sie taten."

„Ich nahm mir den Schlüssel von meinem Motorroller und ..."

„Wo befand er sich?"

„Wo er immer ist. An dem Schlüsselboard neben der Haustür."

„Hatten Sie keine Angst, dass Ihre Mutter von dem Geräusch des Motors wach werden könnte?"

„Nein, ich habe den Roller aus der Garage geholt und einige Meter die Straße entlang geschoben. Erst dann ließ ich den Motor an."

„Und was haben Sie danach gemacht?"

„Ich bin zum See gefahren. Da gibt es eine kleine Lichtung. Dort haben wir immer geparkt – Michael und ich."

Sie sagten, Ihr Roller sei unterwegs stehengeblieben."

„Ja."

„Wo?"

„Ungefähr einen Kilometer vor der Abfahrt zum See."

„Und dann?"

„Ich versuchte mehrmals, den Motor wieder zu starten, aber es funktionierte nicht. Dann kam ein Lastwagen, hielt an und dieser Typ stieg aus."

„Welcher Typ?"

„Irgendein Typ. Seinen Namen hat er mir nicht genannt. Er kam herüber und bot mir an, zu helfen. Ich hatte nichts dagegen. Ich verstehe nichts von Motoren."

„Was sagte dieser Mann, während er Ihnen half?"

„Gar nichts. Er summte vor sich hin. Er war in Ordnung. Die meisten Erwachsenen hätten mir Vorwürfe gemacht oder gefragt, was ich nachts allein dort suchen würde."

„Können Sie diesen Mann beschreiben?"

„Er war etwas größer als ich. Ein wenig untersetzt. Sein Haar war dunkel."

„Was trug er?"

„Jeans, schwarze Jacke und Stiefel, glaube ich."

„Alter?"

„Sehr alt. Mindestens dreißig."

„In welcher Richtung fuhr er?"

„Westlich. Genau wie ich."

„Und nachdem er Ihnen geholfen hatte?"

„Er wartete, bis ich losgefahren war, dann folgte er mir, bis ich abbog. Er winkte mir zu und fuhr weiter. Ich bin wirklich froh, dass er mir geholfen hat. Zwei Stunden später brach dieses Unwetter los. Ohne ihn hätte ich es nicht mehr rechtzeitig nach Hause geschafft."

„Wir müssen diesen Mann finden. Wissen Sie sonst noch etwas, das Sie mir sagen können?"

Jenny schüttelte den Kopf.

„Was ist mit seinem Wagen?"

„Er war sehr alt und sah schäbig aus."

„Welches Baujahr?"

„Keine Ahnung."

„Farbe?"

„Dunkel, glaube ich. Aber ich weiß es nicht genau. Es war Nacht und ich habe nicht so sehr darauf geachtet."

„Was ist mit dem Nummernschild?"

„Berlin, vermute ich. Aber was spielt das für eine Rolle? Er hat mir doch nur mit meinem Roller geholfen."

„Er kann bezeugen, dass Sie eine Panne hatten."

„Was beweist das schon?"

„Er kann bezeugen, dass Sie in der Nacht, in der Michael starb, eine Panne hatten. Deshalb müssen wir diesen Mann finden."

„Aber wie?"

„Als Sie ihn das letzte Mal gesehen haben, fuhr er Richtung Westen. Das könnte bedeuten, er stammt aus der Gegend. Wir sollten eine Anzeige in die Zeitung setzen. Vielleicht machen wir ihn so ausfindig."

„Und was soll in dieser Anzeige stehen?" wollte Corinna wissen.

„Ich denke an etwas wie: Gesucht. Hilfsbereiter Mann, der mir am 23. März diesen Jahres gegen Viertel nach zehn in der Nähe des Summter Sees bei der Panne mit meinem Motorroller geholfen hat. Eine Belohnung erwartet Sie, wenn Sie sich melden, und so weiter ..."

„Ich weiß nicht, meinte Corinna nachdenklich. „Dieser Mann macht auf mich nicht den Eindruck, als würde er sich wegen einer Belohnung melden. Überlegen Sie doch mal. Er sah spät am Abend eine junge Frau allein auf der Straße. Er hält an, um ihr seine Hilfe anzubieten. Er tritt ihr nicht zu nahe. Er stellt keine Fragen. Spricht nicht über sich selbst. Er sorgt dafür, dass der Motorroller wieder anspringt, und fährt weiter. Ich glaube nicht, dass er sich wegen einer Belohnung melden wird.

„Damit mögen Sie recht haben, entgegnete Katharina. „Haben Sie einen besseren Vorschlag?

„Wie wäre es mit: Gesucht. Hilfsbereiter Mann, der mir am Sonntagabend gegen Viertel nach zehn in der Nähe des Summter Sees mit meinem Motorroller geholfen hat. Nur Sie können mir aus dem Schlamassel mit meinen Eltern helfen! Bitte rufen Sie an! Dringend!"

„Ja, meinte Katharina. „Und dass wir Eltern und nicht Mutter sagen, verwischt die Spur zu Jenny. Sollen wir als Überschrift wählen: Junge Frau in Not?

„Ja, stimmte Corinna ihr zu. „Aber welche Telefonnummer nehmen wir?

„Keine von unseren, sagte Katharina. „Es braucht nur ein Neugieriger nachzuforschen und sofort weiß er, wem sie gehört. Ich kenne da jemanden, der gerne seinen Namen und seine Telefonnummer zur Verfügung stellen wird. Sie dachte an ihren Lebensgefährten Robert Tillmann.

„Gibt es eine Möglichkeit, dass man ihn ausfindig macht?"

„Theoretisch ja. Aber wenn jemand anders außer dem hilfsbereiten Mann es versuchen sollte, wird er nicht ein Wort aus meinem Bekannten herausgekommen. Außerdem werde ich mich mit einigen potenziellen Zeugen befassen, oder besser mit ihren Aussagen."

„Eine gute Idee. Und mit wem möchten Sie als erstes sprechen?"

„Mit dem Geschäftsführer von „Robbies Burger Palace."

„Mit Heiko?" fragte Jenny.

„Heißt er so?"

„Ja, Heiko Steinburg. Aber was wollen Sie von ihm? Er war doch gar nicht dabei."

„Ich will etwas überprüfen."

KATHARINA FUHR RICHTUNG Innenstadt. Es war ihr gelungen, Corinna davon zu überzeugen, dass sich Jenny der Polizei stellte. Nur so konnte die Angelegenheit zu einem sauberen Abschluss gebracht werden. Wenn die Aussage des Mädchens stimmte – und davon war Katharina überzeugt – dann hatte sie in Notwehr gehandelt. Was jetzt noch fehlte, war ein stichhaltiger Beweis, der auch vor Gericht standhalten würde.

Katharina parkte ihren Wagen am Straßenrand, stieg aus und betrat „Robbies Burger Palace". Das Restaurant gehörte einem der umsatzstärksten amerikanischen Fast-Food-Konzerne. Der Gewinn wurde vor allem aus festen oder prozentualen monatlichen Mieten erwirtschaftet, die sich jeweils nach dem Nettoumsatz richteten. Durch die Franchise-Struktur, bei der jedes Restaurant ein selbstständiges Unternehmen war, das seine Mitarbeiter einstellte, schützte sich der Konzern vor Verstößen gegen das Arbeitsrecht, die dem jeweiligen Restaurantbetreiber zugerechnet wurden.

„Robbies Burger Palace" verströmte die Atmosphäre eines überdimensionalen Badezimmers, in das man anstelle einer Badewanne billige Plastikstühle und Tische platziert hatte. Die Inneneinrichtung war nüchtern und zweckmäßig. Gefliester Fußboden, orangefarbene Wände, an denen einige Werbeplakate hingen, Neonlampen unter der Decke.

Katharina ging zum Tresen und fragte nach dem Geschäftsführer.

„Das bin ich, sagte der Mann neben der Kasse. „Mein Name ist Heiko Steinburg.

Er hatte volles dunkles Haar, ein bärtiges Kinn und die rundliche Mitte, die sich oft bei Männern in mittlerem Alter entwickelte. Als Katharina ihm den Grund ihres Besuches erzählte, konnte sie seinen Augen ansehen, dass er sich plötzlich weit weg wünschte. Er winkte sie in sein kleines Büro, das sich im hinteren Teil des Restaurants befand, schloss die Tür und deutete auf einen Stuhl neben einem Metallschreibtisch.

„Es gibt eine ganze Menge Gerede", sagte er und fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut.

„Glauben Sie solchen Gerüchten?" fragte Katharina.

„Es ist nicht gut fürs Geschäft, mit bestimmten Leuten in der Stadt zu gut bekannt zu sein. Ich habe ein Restaurant. Ich schlage mich nicht auf eine Seite."

Katharina lächelte ihn freundlich an. „Natürlich können Sie das nicht. Noch werden Sie sich durch irgendwelche Gerüchte einschüchtern lassen. Und Sie werden auch nicht mehr sagen, als gesagt werden sollte. Sie stehen im Ruf, ein fairer Mann zu sein."

Heiko sonnte sich einen Moment in ihrem Lächeln und dem Bild, dass sie von ihm gezeichnet hatte. Katharina hatte keine Ahnung, ob es der Wirklichkeit entsprach, aber sie war sicher, es würde Wirkung zeigen.

„Ja, sagte Heiko. „Ich versuche, immer fair zu sein.

Katharina lehnte sich zurück, noch immer das Lächeln im Gesicht. Sie hatte den Mann um den kleinen Finger gewickelt, indem sie ihm charakterliche Vorzüge zuerkannte, denen er gerne gerecht werden wollte.

„Also, was kann ich Ihnen erzählen?" fragte Heiko eifrig.

„Wie lange hatte Michael Reuter für Sie gearbeitet?"

„Etwas über ein Jahr."

„Und was war sein Job?"

„Er hat das Essen zubereitet."

„Waren Sie mit seiner Arbeit zufrieden?"

„Ja."

„War er verlässlich?"

„Meistens."

„Und wenn er es nicht war?"

„Na ja, die üblichen Sachen." Heiko lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und faltete die Hände vor seinem runden Bauch.

„Zum Beispiel?"

„Manchmal rief er am Montag an und sagte, er sei krank. Aber in Wirklichkeit hatte er nur einen Kater, weil er betrunken war."

„Wie oft kam es im letzten Jahr vor, dass Michael sich am Montagmorgen krankmeldete?"

„Durchschnittlich einmal im Monat."

„Abgesehen von diesen zwölf Malen im Jahr kam er regelmäßig zur Arbeit?"

„Ja."

„Trank er viel?"

„Er kam immer nüchtern zur Arbeit und blieb es auch. Heikos Stimme wurde zurückhaltender. „Sonst hätte ich ihn gefeuert. Hier arbeitet niemand, der trinkt oder Drogen nimmt.

„Trank Michael, wenn er nicht arbeitete?"

„Das weiß ich nicht. Es ging mich auch nichts an. Mich interessierte nur, wie er seinen Job bei mir machte."

„Wer waren seine Freunde?"

„Habe ich nie kennengelernt. Ich weiß nur, dass er gut bei Frauen ankam. Sie flirteten immer mit ihm, wenn er an der Kasse bediente und Rita gerade eine Pause machte."

„Hat es Sie gestört?"

„Was?"

„Dass Michael mit den jungen Mädchen flirtete, wenn er eigentlich arbeiten sollte."

„Nein. Seinetwegen kamen viele junge Mädchen hierher. Gut fürs Geschäft. Nun, ausgenommen, einige Mitarbeiterinnen, die ich hinaussetzen musste."

„Wenn Sie von Mädchen sprechen, von welcher Altersgruppe reden Sie dann?"

„Vierzehn bis fünfzehn Jahre ungefähr."

„Wissen Sie, wer diese Mädchen sind?"

„Nein. Sie interessieren mich nicht."

„Aber Sie wussten, dass Michael mit Jenny Kröhmer ging?"

Heiko rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her, als er Katharina anblickte. „Ja, es war allgemein bekannt."

„Wieso?"

„Er sprach ständig davon."

„Was sagte er?"

„Dass er es mit ihr treiben würde. Dass sie heiraten würden."

„Das hat er zu Ihnen gesagt?"

„Jedem hat er es erzählt. Ich habe sogar einmal mitbekommen, wie sich zwei Mädchen am Tisch darüber unterhielten."

„Worüber?"

„So in etwa, dass sie nicht verstehen würden, was Michael an Jenny fände. Natürlich war das reine Eifersucht. Jenny ist sehr hübsch. Es war offensichtlich, was Michael an ihr fand."

„Erinnern Sie sich, wer diese Mädchen waren?" fragte Katharina.

„Nein. Einfach ein paar Mädchen aus dem Viertel."

„Haben Sie Michael jemals mit einer Blonden reden sehen?"

„Sogar mit einigen."

„Kennen Sie ihre Namen?"

„Nein. Ich kenne die Namen der Kids nicht, die hierherkommen. Wenn Michael sie erwähnte, habe ich nicht weiter darauf geachtet."

„Aber an Jennys Namen erinnern Sie sich."

„Klar. Sie vergisst man nicht wieder."

„Dann waren also die anderen Mädchen, für die sich Michael interessierte, nicht so hübsch?"

„Es waren einfach Mädchen, die ihn bewunderten. Ich weiß auch nicht, was sie an dem Jungen fanden."

„Ging er auch mit anderen Mädchen aus, während er mit Jenny befreundet war?"

„Er flirtete immer mit den anderen Mädchen. Ich weiß nicht, ob er die eindeutigen Angebote annahm, die sie ihm machten."

„Waren Sie am vergangenen Sonntagnachmittag hier, als Michael sich mit Jenny in Ihrem Restaurant traf?"

„Ja. Rita, meine Kellnerin, war früher nach Hause gegangen. Ich machte den Tresendienst und habe auch noch die Küche aufgeräumt. Es war nicht viel los. Das ist es Sonntags nie."

„Und Sie sahen Michael und Jenny?"

„Michael trank eine Cola, als Jenny hereinkam. Er ging gleich zu ihr herüber. Ich hatte einen Moment in der Küche zu tun. Gleich darauf hörte ich Geschrei. Ich kam heraus, um nachzusehen, was los war."

„Und wer schrie?" fragte Katharina.

„Ich weiß es nicht. Es hatte aufgehört, als ich nach draußen kam. Michael stand zwischen Jenny und einem anderen Mädchen. Ich dachte zuerst, dass sie sich seinetwegen in die Haare gekriegt hätten."

„Aber etwas geschah, was sie davon abbrachte?"

„Ja. Michael behauptete Jenny gegenüber, er würde das andere Mädchen nur nach Hause bringen, und sie bestätigte es."

„Wer war das andere Mädchen?"

„Keine Ahnung.

„Können Sie das Mädchen beschreiben?"

„Mittelgroß. Kurzes blondes Haar. An mehr erinnere ich mich nicht."

„Was trug sie?"

„Was sie alle anhaben. Jeans und diese schlabberigen Pullover, die aussehen, als würden sie von der Altkleidersammlung stammen."

„Hatten Sie die Blonde schon früher einmal gesehen?"

„Nicht, dass ich mich erinnere."

„Wer war sonst noch im Restaurant, als dieses Gespräch stattfand?"

„Ich glaube, niemand. Wie ich schon sagte, am Sonntag ist hier ziemlich wenig los."

„Was geschah dann?

„Die Blonde ging. Jenny setzte sich mit Michael an einen Tisch, und die beiden unterhielten sich. Das war alles."

„Haben Sie sonst noch etwas gesehen oder gehört?"

„Nein, ich ging zurück in die Küche."

„Sind Jenny und Michael zusammen gegangen?"

Heiko zuckte mit den Schultern. „Kann ich nicht sagen. Als ich ein paar Minuten später wieder herauskam, waren beide fort."

„Was machte Michael an diesem Sonntagnachmittag hier?"

„Er wollte einen Gehaltsvorschuss. Sein Wagen musste repariert werden. Die Werkstatt wollte Bargeld sehen, sonst würde er den Wagen am Montag nicht abholen können. Es fehlten ihm noch einhundert Mark. Ich gab sie ihm."

Katharina überlegte einen Moment. Dann fragte sie: „Macht es Ihnen etwas aus, mir etwas über Ihr übriges Personal zu erzählen?"

„In der Küche arbeitet heute Volker Henkels. Er stammt aus Kreuzberg. Nicht der Hellste, aber er scheint willig. Ich habe ihn für Michael angestellt. Meine einzige feste Kellnerin ist Rita. Möchten Sie mit ihr reden?"

„Ja."

Katharina erhob sich und gab Heiko ihre Visitenkarte. „Vielen Dank für Ihre Kooperation", sagte sie.

Seine Ohren glühten auf einmal. „Es war mir ein Vergnügen."

Er hielt ihr die Tür auf, als sie sein Büro verließen. Als sie nach vorne kamen, sah Katharina einen jungen Mann mit kurz geschnittenen Haaren, der die Kunden bediente. Eine Frau in mittleren Jahren, gekleidet in eine rote Kellnerinnenuniform, saß an einem der hinteren Tische und blätterte in einer Illustrierten.

Das musste Rita sein. Katharina wollte herausfinden, ob sie bereit war, mir ihr zu reden. Und die Detektivin wurde nicht enttäuscht. Rita wollte nur zu gern reden, wie sich gleich darauf zeigte. Als Katharina sich vorgestellt hatte, deutete sie auf den gegenüberliegenden Stuhl. Sie hatte kurzes hellbraunes Haar und warme blaue Augen.

„Ich hatte mir schon überlegt, ob ich Jennys Mutter anrufen sollte", sagte sie und klappte ihre Illustrierte zusammen.

„Warum denn?" fragte Katharina.

„Weil ich, im Gegensatz zu einigen anderen Leuten, weiß, dass Michael Reuter bekommen hat, was er verdient. Er war ein mieses Arschloch."

„Erzählen Sie mir bitte von ihm, Frau ..."

„Nennen Sie mich ruhig Rita. Ich halte nicht viel von Förmlichkeiten. Seit acht Jahren bediene ich hier schon. Ich habe diese Kindchen kommen und gehen gesehen, die Heiko einstellt. Sie bleiben ein, zwei Jahre, und dann verschwinden sie wieder. Die halten nicht viel von der Arbeit, aber schlecht sind sie nicht. Doch dieser Michael Reuter war anders. Ein ganz mieser Kerl."

„Wie meinen Sie das?"

„So, wie er sich an die jungen Mädchen heranmachte. Ich habe oft genug zugehört, wie er seine Sprüche klopfte. Hat mich echt wütend gemacht, wissen Sie. Er hat sie angemacht, sie benutzt und dann fallenlassen."

„Das wissen Sie genau?"

„Klar doch. Er hat oft genug damit angegeben."

„Haben Sie jemals versucht, die Mädchen zu warnen?" fragte Katharina.

„Natürlich habe ich es versucht. Aber glauben Sie, die hätten auf mich gehört? Sie interessierte nur, dass ein älterer cooler Typ etwas von ihnen wollte. Und sie nahmen ihm alles ab, egal, welchen Blödsinn er ihnen erzählte. Rita trank einen Schluck von ihrem Kaffee. „So wie ich es sehe, hat er sich diese jungen unerfahrenen Mädels ausgesucht, weil er sie beeindrucken konnte. Bestimmt war es nicht schwer, sie zu überreden, für ihn die Beine breitzumachen.

„Die Mädchen müssen doch verdammt wütend auf ihn gewesen sein, nachdem er nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollte", meinte Katharina.

„Nun, von einer weiß ich es sicher."

„Und woher?"

„Sie hat dort drüben am Tisch gesessen. Ich habe mitbekommen, wie sie ihrer Freundin erzählte, was für ein Drecksack Michael wäre."

„Wer war es denn?" fragte Katharina.

Rita schüttelte den Kopf. „Ich kann mir ihre Namen nicht merken."

„Und wie sah sie aus?"

„Kurzes dunkles Haar, viele Ohrringe und ein Nasenpiercing. Ich würde sie wiedererkennen, wenn ich sie sehe."

„Haben Sie dieses Mädchen danach noch einmal gesehen?"

„Nein. Sie kam nie wieder hierher. Zumindest nicht während meiner Schicht."

„Sie sagten, sie wäre wütend gewesen?"

„Eigentlich klang sie zynisch. Sehr wahrscheinlich wollte sie vor ihrer Freundin das Gesicht wahren."

„Erinnern Sie sich, wie ihre Freundin ausgesehen hat?"

Rita schüttelte den Kopf.

„Wie oft war Michael mit minderjährigen Mädchen zusammen, die hierherkamen?" wollte Katharina wissen.

„Schwer zu sagen. Er hat mit so vielen geflirtet. Mit welcher er dann losgezogen ist, weiß ich auch nicht."

„Haben Sie zufällig mitbekommen, wie Michael sich an Jenny herangemacht hat?"

„Ja. Es hat mich zuerst überrascht. Nicht, dass Jenny nicht hübsch ist, das meine ich damit nicht. Aber sie war nicht so wie die Mädchen, die er sich sonst ausgesucht hatte."

„In welcher Hinsicht unterschied sie sich von ihnen?"

„Sie war nicht so stark geschminkt wie die anderen. Michael stand eher auf die grellen Typen. Sie schnaubte verächtlich. „Ich nehme an, er verstand ihr aufgetakeltes Äußeres als Einladung, sie zu benutzen und fertigzumachen. Wissen Sie, was er mir antwortete, als ich ihm sagte, er sollte damit aufhören? Er meinte, sie wollten es doch so. Dieser Scheißkerl.

„Erzählen Sie mir, was sich zwischen Michael und Jenny abspielte."

„Jenny kam normalerweise allein hierher. Sie saß auch immer allein. Und wie ich schon sagte, es überraschte mich, dass er sie anmachte. Aber dann merkte ich, dass es ihm nicht auf eine normale Eroberung ankam. Er war hinter Geld her."

„Warum waren Sie sich dessen so sicher?"

„Ich hörte, wie er es eines Abends zu einem seiner Kumpel sagte."

„Und was hat er gesagt?"

„Den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr. Er meinte, er hätte keine Zeit, mit seinen Kumpels herumzuhängen, weil er sich später mit Jenny treffen würde. Sein Kumpel sagte, er solle sie sausenlassen. Michael erwiderte, das könne er nicht – zumindest nicht, bis er sie geheiratet hätte. Dann lachten beide und gingen."

„Wann fand diese Unterhaltung statt?"

„Anfang Februar, glaube ich."

„Und wer war der andere?"

„Er heißt Tommy."

„Und sein Nachname?"

„Habe ich nie gehört."

„Wie sieht dieser Tommy aus?"

„Schlank, kurze Haare, viele Tätowierungen, blass, Augenränder, Kettenraucher. Er ist einige Male hier gewesen, um Michael abzuholen."

„Haben Sie gesehen, welchen Wagen dieser Tommy fuhr?"

„Einen roten mit schwarzen Flammen an den Seiten."

„Würden Sie vor Gericht das wiederholen, was Sie mir gerade über Michael Reuter erzählt haben?" fragte Katharina.

„Liebend gern. Es wird Zeit, dass die Leute endlich die Wahrheit über diesen Mistkerl erfahren."

„Was meinen Sie damit?"

„Sie glauben gar nicht, was hier an Gerüchten umgeht. Seine Mutter verbreitet überall, Jenny wäre Michael hinterhergelaufen. Rita schaute sich rasch um, als wolle sie sichergehen, dass niemand zuhörte. Dann beugte sie sich vor und senkte die Stimme. „Angeblich hat Jenny Michael an diesem Abend an den See gelockt, damit sie ihn dort umbringen konnte. Und nachdem sie ihm eins über den Schädel gezogen hat, soll sie ihn ins Wasser gestoßen haben, sodass er ertrank.

KATHARINA MUSSTE MEHR als ein Dutzend Tattoo-Shops abklappern, bis sie endlich jemanden fand, der wusste, dass Tommy eigentlich Thomas Noll hieß und in der Johanniterstraße Nummer 21 wohnte. Im Gegensatz zu einigen anderen Häusern in der Nachbarschaft befand es sich in einem guten Zustand und war nicht vernachlässigt. Im Vorgarten stand ein Motorrad.

Katharina drückte auf den Klingelknopf. Ein unwirsches Gemurmel erklang hinter der Tür. Gleich darauf wurde sie geöffnet. Ein junger Mann mit einer Bierflasche stand vor ihr.

„Ja? Was wollen Sie?" fragte er.

„Thomas Noll?"

„Wer will das wissen?"

Thomas war mittelgroß, Anfang zwanzig. Er hatte kurzgeschnittene, schwarze Haare. Seine Kleidung bestand aus einem fleckigen T-Shirt, einer Jeans und schwarzen Stiefeln. Er war unrasiert und roch, als hätte er sich seit mindestens vier Tagen nicht mehr gewaschen. Eine Zigarette klemmte zwischen seinen Lippen. Als ihm der Rauch in die Augen stieg, kniff er sie halb zusammen. Beide Arme waren voller Tätowierungen.

Katharina reichte ihm ihre Visitenkarte. Er studierte sie eingehend.

„Sie sind die Detektivin, die angerufen hat", stellte er schließlich fest.

„Katharina Ledermacher."

„Ich habe es Ihnen doch schon am Telefon gesagt. Wenn Sie etwas über Michael wissen wollen, kostet das einen Hunderter."

Katharina holte einen Hundert-D-Mark-Schein aus ihrer Geldbörse. Als Thomas danach griff, zog sie die Hand zurück.

„Vorauskasse oder keine Informationen", sagte der junge Mann.

Katharina riss den Schein in zwei Teile und hielt Thomas einen hin. „Nur ein Idiot bezahlt, bevor er weiß, was er dafür bekommt. Auf diese Weise werden wir beide glücklich oder enttäuscht."

Thomas zögerte einen Moment, dann riss er der Detektivin den halben Geldschein aus den Fingern und ging hinein. Katharina folgte ihm ins Wohnzimmer. Der Boden war mit leeren Bierflaschen übersät. Auf dem Tisch standen drei überquellende Aschenbecher. Aber Katharina erkannte sofort, dass dies kein Junggesellenhaus war. An den Wänden hingen alte Kupferstiche. Die Sofaecken waren mit Schonbezügen versehen. Dieses Haus gehörte mit Sicherheit nicht Thomas Noll, auch wenn er hier lebte.

„Sie und Michael waren Freunde, nicht wahr?" fragte Katharina.

Thomas zuckte mit den Schultern. „Könnte man so sagen."

„Warum?"

Bereits zu diesem Zeitpunkt wusste die Detektivin, dass die Informationen nicht von selbst fließen würden. Sie mussten sozusagen abgepumpt werden.

„Wo haben Sie Michael kennengelernt?"

„In der Schule."

Wie kam es dazu?"

„Wir haben beide beim Gesundheitstest gehustet." Thomas zog den Zigarettenrauch tief ein, dann ließ er ihn wieder durch die Nase entweichen.

„Hat Michael jemals mit Ihnen über seinen Job gesprochen?"

„Ja."

„Und?"

„Er fand ihn beschissen."

„Was hatte er mit seinem Leben vor?"

„Er wollte es genießen."

„Was meinte er damit?"

„Alk und jede Menge Weiber. Und was eben sonst noch so anliegt."

„Arbeiten Sie?"

„;Manchmal."

„Und zurzeit?"

Thomas setzte die Flasche an den Mund und nahm einen kräftigen Schluck. „Nee", sagte er dann grinsend.

„Was für Frauen mochte Michael denn?"

Thomas lächelte. Aber es war kein nettes Lächeln. „Möglichst jung."

„Warum das?"

„Er brachte ihnen gerne etwas bei, hat er gesagt. Außerdem sind die jungen Dinger noch schön eng, wenn Sie verstehen ..." Er deutete mit der linken Hand zwischen seine Beine.

„Sie beide haben die Mädchen dann hierher gebracht?" fragte Katharina.

„Manchmal."

„Wenn Ihre Eltern nicht zu Hause waren?"

Thomas trank noch einen Schluck. „Sie wollten doch etwas von Michael hören. Warum stellen Sie mir dann all diese Fragen über mich?"

„Sie und Michael waren doch Kumpels, oder? Ich will nur wissen, was Sie zusammen getrieben haben."

„Gefeiert."

„Wie hießen die Mädchen, mit denen Michael ging?"

„Sehe ich etwa so aus, als würde ich eine Liste führen?"

„Hatte er jemals eine feste Freundin?"

„Eine Weile."

„Wie hieß sie?"

„Jenny Kröhmer."

„Wo hat er sie kennengelernt?"

„Bei der Arbeit. Dort holte er sich die meisten Weiber."

„Wann war das?"

„Schon eine Weile her."

„Letztes Jahr?"

„Glaube ja."

„Wann?"

„Könnte im November gewesen sein."

„Wie fest war die Sache?"

„Mir hat er gesagt, dass er sie heiraten wollte. Habe ich ihm aber nie abgenommen. Scheiße, die Weiber standen auf Michael. Er konnte sie sich aussuchen. Und das hat er auch. Er wäre doch bescheuert gewesen, sich einen Klotz ans Bein zu binden, selbst wenn er aus Gold bestanden hätte."

„Aus Gold?"

„Na, kommen Sie. Jeder weiß, dass Jennys Mutter Geld hat. Die wälzen sich doch in dem Zeug herum. Und Michael war für eine Weile der Meinung, dass er das auch bald könnte."

„Aber dann ist er klüger geworden?"

„Genau. Da hat er Jenny den Laufpass gegeben."

„Wann war das?"

„Irgendwann im Februar. Ich wusste gleich, dass es so kommen würde. Mich hat nur überrascht, dass er sie so lange behielt."

„Warum hat er ihr denn den Laufpass gegeben?"

„Wurde ihm zu langweilig. Wie ich sagte, Michael konnte jedes Weib haben, das er wollte."

„Haben Sie Jenny jemals kennengelernt?"

„Einmal war sie bei einer Party hier. Ziemlich prüde."

„Erzählen Sie mir von ihr."

„Was gibt es da zu erzählen? Mi wollte sich ein Tattoo machen lassen, und Michael sollte ihr dabei helfen. Das ist alles."

„Was passierte?"

„Jenny flippte aus. Kam mit der Besitzmasche. Da wusste ich, dass die Kleine nur Ärger macht. Michael muss völlig besoffen gewesen sein, dass er sich mit ihr abgab."

„Wie verhielt er sich, wenn er betrunken war?"

„Wie meinen Sie das?"

„Lachte er, weinte er, wurde er wehleidig, oder fühlte er sich wie der Größte?"

„Sehe ich vielleicht wie ein Seelenklempner aus?"

„Sie waren sein bester Freund. Ich lasse einen Hunderter springen, um herauszufinden, wie Michael war, wenn er sich zugeschüttet hatte. Um das zu beschreiben, muss man doch kein Seelenklempner sein, oder?"

Thomas zog an seiner Zigarette und nahm noch einen kräftigen Schluck. „Wenn Michael getankt hatte, war es besser, sich nicht mit ihm anzulegen."

„Wurde er wütend, wenn man sich mit ihm anlegte?"

Thomas grinste. „Ich habe mich nie mit ihm angelegt, wenn er besoffen war."

„Andere?"

„Niemand, der ihn kannte."

„Sie sprechen von seinen Freundinnen."

„Er zeigte ihnen, wo es lang geht."

„Sie meinen, er schlug sie?"

„Hören, Sie, wenn er ihnen eine verpasst hatte, dann war das seine Angelegenheit, nicht meine."

„Glauben Sie, er hat es getan?"

„Ja."

„Haben Sie es selbst gesehen?"

„Ich habe es gehört."

„Von wem?"

„Von einigen Weibern."

„Von welchen?"

„Michael hatte immer so viele hintereinander, dass ich mir ihre Namen gar nicht merken konnte."

„Aber Jenny Kröhmer haben Sie sich gemerkt."

„Ich habe Ihnen doch schon gesagt, warum."

„Hat Michael auch Jenny geschlagen?"

„Vermutlich."

„Haben Sie es gesehen?"

„Nein."

„Aber Sie nehmen es an?"

„Sie hat sich an dem Abend mit ihm angelegt. Und Michael hatte ein halbes Dutzend Bier geschluckt. Jenny hatte selbst schuld, dass sie sich so wegen der Sache mit Mi aufgeregt hat."

„Mi? fragte Katharina. „Ist das ihr richtiger Name?

„Nein, natürlich nicht. Sie heißt Miriam."

„Und mit Nachnamen?"

„Warum wollen Sie das wissen?"

„Weil ich mir ein genaues Bild von den Ereignissen machen möchte."

Thomas runzelte die Stirn. „Ihren Nachnamen kenne ich nicht."

„Das erscheint mir doch ein wenig ungewöhnlich, oder?"

„Hören Sie, ich brauche die Nachnamen dieser Schlampen nicht zu kennen. Es gibt immer genug Nachschub, um sie zu ersetzen."

Katharina hielt ihren Teil des zerrissenen Hundert-Mark-Scheins hoch. „Ihr Nachname?"

Thomas zuckte mit den Schultern. „Miriam Schlüter."

„Wissen Sie zufällig auch, wo sie wohnt?"

„Nein."

„Hat sie einen Job?"

„Ja, sie arbeitet in einem Supermarkt."

„Wo?"

„Pflügerstraße."

„Warum hat Michael Ihrer Meinung nach Miriam angemacht?"

„Das hat er nicht. Er hat nur ein bisschen angegeben."

„Hatte Miriam einen festen Freund?"

„Ja, mich. Aber das ist mittlerweile vorbei", sagte Thomas rasch in verärgertem Ton. Er zog heftig an seiner Zigarette und runzelte abermals die Stirn.

„Warum das denn?" fragte Katharina.

„Weil ich keinen Bock mehr auf sie hatte."

„Und wann war das?"

„Vor ein paar Wochen."

„Warum wollten Sie Miriam nicht mehr?"

„Weil es mir mit ihr zu langweilig wurde."

„Oder hat Michael sie Ihnen ausgespannt?"

Thomas machte eine so heftige Handbewegung, dass die Asche seiner Zigarette auf den Teppich fiel. Er schien es nicht zu bemerken. Vielleicht war es ihm auch egal.

„Nein, hat er nicht. Und jetzt verschwinden Sie endlich. Thomas deutete zur Tür. „Los, raus!

Katharina ließ die zweite Hälfte des Hundert-Mark-Scheins auf den Boden fallen, als sie nach draußen ging. Sie hatte genug für ihr Geld bekommen.

KATHARINA FAND MIRIAM Schlüter hinter der Kasse des Supermarkts in der Pflügerstraße. Sie besaß die Figur einer Barbiepuppe, nur Brüste und Knochen. Sie war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Die schwarzen Haarwurzeln zeigten, dass ihre blonden Haare nicht den Genen entstammten, sondern einer grellen Flasche. Sie mochte achtzehn oder neunzehn sein, aber sie wirkte zehn Jahre älter.

„Meine Mutter hat Ihnen gesagt, wo ich bin, stimmt‘s?" fragte Miriam, nachdem Katharina sich vorgestellt hatte.

„Nein", entgegnete die Detektivin.

„Sie können es ruhig zugeben. Sie hasste Michael. Weswegen sind Sie hier?"

„Ich möchte Ihnen einige Fragen über Michael Reuter stellen."

„Geht es um die Sache mit Jenny?"

„Ja."

„Die beiden passten nicht zusammen."

„Wieso denn das?"

„Weil Sie nicht wusste, wie sie ihn behandeln

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