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Hochsensible im Beruf: Wie empfindsame Menschen leben und arbeiten

Hochsensible im Beruf: Wie empfindsame Menschen leben und arbeiten

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Hochsensible im Beruf: Wie empfindsame Menschen leben und arbeiten

Länge:
280 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Feb. 2018
ISBN:
9783775174022
Format:
Buch

Beschreibung

Menschen mit hochsensibler Begabung sehen, hören und spüren mehr als andere Menschen. Im Leben und im Beruf sind sie einem wahren Feuerwerk an Empfindungen ausgesetzt, die verarbeitet werden müssen: Bürogeräusche, grelles Licht, angespannte Situationen mit Kollegen oder Vorgesetzten, Stress und Hektik, Sinnfragen im Beruf – alles wird in besonders hohem Maße wahrgenommen. Brigitte Schorr, führende Expertin im deutschsprachigen Raum zum Thema, zeigt, was Hochsensibilität ist und wie Menschen mit dieser Begabung im Beruf leben und aufblühen können. Dabei betont sie: Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern eines der am meisten unterschätzten Potenziale!
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Feb. 2018
ISBN:
9783775174022
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Hochsensible im Beruf - Brigitte Schorr

Brigitte Schorr

Hochsensible

im Beruf

Wie empfindsame Menschen leben und arbeiten

SCM | Stiftung Christliche Medien

SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

ISBN 978-3-7751-7402-2 (E-Book)

ISBN 978-3-7751-5827-5 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck

© der deutschen Ausgabe 2018

SCM Verlagsgruppe GmbH · Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen

Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de

Die Bibelverse sind, wenn nicht anders angegeben,

folgender Ausgabe entnommen:

Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006

SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten.

Umschlaggestaltung: Kathrin Spiegelberg, Weil im Schönbuch

Titelbild: shutterstock.com

Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach

Inhalt

Über die Autorin

Dank

Über dieses Buch

I.  Grundsätzliche Gedanken zum Thema Hochsensibilität

Hochsensibilität – eine inflationäre Zeiterscheinung?

Was ist Hochsensibilität?

Merkmale hochsensibler Menschen

Sensation Seeking

II.  Hochsensible Eigenschaften

Die 7 Gaben hochsensibler Menschen nach Ulrike Hensel

Gerechtigkeitsempfinden

Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung

Perfektionismus

Ablenkbar und strukturiert?

Selbstregulation

Fazit

III.  Berufseinstieg

Der Berufsstart

Ein Wort an die Eltern von hochsensiblen Jugendlichen

IV.  Berufsleben

Kurze Geschichte der Arbeit

Die Suche nach dem Sinn

Berufsfelder aus der hochsensiblen Perspektive betrachtet

Hochsensible Unternehmenskultur

Selbstständig oder angestellt?

Teamwork

Die Balance halten

Überreizung und Langeweile

Burn-out und Mobbing – eine Gefährdung speziell für Hochsensible?

V.  Hochsensibles Potenzial entfalten

Was bedeutet Potenzialentfaltung?

Der Selbstwert und die Hochsensibilität

Die große Kraft der Selbstwirksamkeit und ihrer Erwartungen

Epilog

Anhang

Fragebogen nach Elaine Aron

Fragenkatalog nach Ulrike Hensel (in Auszügen)

Fragebogen »Sind Sie ein Sensation Seeker?« (nach Elaine Aron)

Literaturempfehlungen

Internetseiten zum Thema

Anmerkungen

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Über die Autorin

BRIGITTE KÜSTER (EHEMALS SCHORR)

studierte soziale Verhaltenswissenschaften, Soziologie und Erziehungswissenschaften. Sie ist diplomierte psychologische Beraterin (SGfB) und Leiterin des von ihr gegründeten Instituts für Hochsensibilität in Altstätten im Kanton Sankt Gallen (Schweiz). Sie arbeitet in der Erwachsenenbildung und hält Vorträge und Kurse zum Thema Hochsensibilität. Neben der Tätigkeit in ihrer Beratungspraxis ist sie auch Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Hochsensibilität.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Dank

Ein Buch zu schreiben, ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Über Monate, manchmal sogar Jahre hinweg taucht man tief in ein Thema ein. Es scheint so, als würde man alles, was einem begegnet, alles, was geschieht, in Zusammenhang mit diesem Thema sehen. So habe ich in der Zeit, als ich an diesem Buch gearbeitet habe, alles aufgesaugt, worin ich eine Verbindung zum Thema Hochsensible im Beruf gesehen habe. Ich befürchte, als Autorin ist man in dieser Zeit und während des Schreibens kein netter Mensch. Umso dankbarer bin ich all denen, die mir durch ihre Nachrichten, ihre Präsenz, ihre Anteilnahme, ihre Ermutigungen und ihre Unterstützung beigestanden haben. Namentlich sind dies: Tom Falkenstein, Melanie Santa Vita, Doris Wehrli, Judith Buchter, Sabine Sothmann und Susann Held.

Ein Buch ist immer ein Gemeinschaftswerk. So gilt mein Dank auch den Mitarbeitenden von SCM Hänssler, allen voran dem Verlagsleiter Hans-Werner Durau und den Lektoren Marcus Beier und Christiane Kathmann.

Daneben bin ich nicht zuletzt allen meinen Klientinnen und Klienten sehr dankbar, die mir einen Einblick in ihr hochsensibles Berufs- und Arbeitsleben gewährt haben.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Über dieses Buch

Die Verbindung der Themen Hochsensibilität und Beruf ist äußerst komplex. Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum die Pionierin der Hochsensibilitätsforschung, Elaine Aron, sich bis jetzt erfolgreich dagegen gewehrt hat, ein Buch zum Thema Beruf zu veröffentlichen. Ich habe die Herausforderung dennoch angenommen und mich intensiv damit beschäftigt, was es heißt, hochsensibel zu sein und im Berufsleben zu stehen. Dabei sind mir neben meinen eigenen Erfahrungen vor allem die meiner Klientinnen und Klienten ein Leitfaden gewesen.

Wenn wir davon ausgehen, dass menschliches Zusammenleben und -arbeiten immer auch vom Aufeinandertreffen verschiedener Temperamente und Persönlichkeitsstile geprägt ist, dann ist es außerdem wichtig, dass wir uns Gedanken darüber machen, wie die Berufs- und Arbeitswelt der Zukunft gestaltet werden muss, damit Hochsensible und Normalsensible in gegenseitiger Toleranz und Wertschätzung produktiv, innovativ und gestaltend wirken können.

Das Zusammenwirken verschiedener Temperamente begegnet uns in jedem Lebensbereich, ob in Familie, Kindergarten und Schule, im Sportverein oder eben im Beruf. Wie Kagan und Snidman in ihrem Buch »The Long Shadow of Temperament« feststellen, gibt es in jedem Menschen Persönlichkeitsanteile, welche stabil und überdauernd sind und sich wie ein roter Faden durch das Leben ziehen.¹ Deshalb werden wir meistens so leben, wie wir arbeiten, und es ist nicht unbedingt erforderlich, das eine vom anderen zu trennen. In diesem Buch liegt der Fokus zwar auf der beruflichen Seite, aber meine Ausführungen und Gedanken, Tipps und Hilfestellungen können für andere Lebensbereiche ebenfalls nützlich sein.

Laut neuerer Forschung hat beinahe jeder Fünfte eine hochsensible Veranlagung. Bei dieser Verteilung liegt es auf der Hand, dass es sinnvoll ist, sich mit dem Thema Hochsensibilität zu beschäftigen, da es in jedem Unternehmen, jeder Schulklasse, jedem Verein, jedem Gremium und jeder Organisation hochsensible Menschen geben dürfte.

Weil hochsensible Menschen innere und äußere Reize sehr stark wahrnehmen, empfinden sie Missstimmungen besonders stark. Daher favorisieren sie oft eine ganzheitliche Sichtweise. Sie machen sich viele Gedanken und haben einen hohen ethisch-moralischen Anspruch an den Umgang miteinander.

In meinen Beratungen begegnen mir oft Menschen, für die berufliche Fragen im Vordergrund stehen. Ob sie sich in der Berufsfindung, der Neuorientierung, der Stellensuche oder kurz vor der Pensionierung befinden, immer ist berufliche Orientierung zentral und trägt wesentlich zum Wohlbefinden der Betroffenen bei. Wir verbringen bei einer Vollzeittätigkeit an Werktagen etwa 60 bis 70 Prozent unserer wachen Zeit am Arbeitsplatz. Deshalb überrascht es nicht, dass wir uns dort wohlfühlen möchten. Es ist schlichtweg zu viel Lebenszeit, um sie unglücklich, frustriert oder krank zu verbringen.

Allerdings wird dieses Wohlbefinden oft stark beeinträchtigt. Mancher übt einen ungeliebten Beruf aus oder sieht in seiner Tätigkeit keinen Sinn. Andere fühlen sich von Vorgesetzten oder Kollegen herabgesetzt, nicht wertgeschätzt und kontrolliert. Einige Menschen strengen sich mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte immens an, um den Anforderungen zu genügen, und sind nun müde und ausgelaugt. Andere wiederum sind ihren Interessen gefolgt und haben sogenannte berufliche Nischen gefunden, die sie zwar gern ausfüllen, die aber nicht ihren Lebensunterhalt sichern.

Vielleicht stellen Sie sich Fragen wie die folgenden:

»Irgendwie fühle ich mich in letzter Zeit unzufrieden – habe ich wirklich den richtigen Beruf?«

»Ich komme mit dem Chef und den Kollegen nicht zurecht – wieder einmal. Was soll ich tun?«

»Die Struktur im Angestelltenverhältnis engt mich ein – sollte ich mich vielleicht lieber selbstständig machen?«

»Ich habe nun so viele Aus- und Weiterbildungen gemacht, aber was soll ich damit anfangen?«

»Irgendwie habe ich das Gefühl, beruflich auf keinen grünen Zweig zu kommen. Wie kann ich das ändern?«

Die Berufs- und Arbeitswelt unterliegt einem stetigen Wandel. Zurzeit sind zwei Tendenzen zu beobachten:

Die eine Tendenz geht in die Richtung des Bewahrens und Erhaltens. Damit sind alle die Merkmale gemeint, welche auf Traditionalität, wirtschaftliches Wachstum im Sinne von Gewinnmaximierung und hierarchische Strukturen setzen.

Die zweite Tendenz zielt eher auf Partnerschaftlichkeit, Innovation, Stärken- und Ressourcenorientierung bei der Rekrutierung, Stellenbesetzung und im Führungsverhalten.

Besonders hochsensible Menschen fühlen sich eher in einem Unternehmen, welches die zweite Variante bevorzugt, wohl. Aber auch normalsensible Menschen reagieren positiv auf diese Möglichkeit. Grundsätzlich gilt: Was hochsensiblen Menschen guttut, davon profitieren alle Menschen, ob hochsensibel oder nicht. Oft haben Hochsensible eine Art Frühwarnfunktion und können daher als Erste auf ungünstige Entwicklungen oder Rahmenbedingungen aufmerksam machen.

Es geht mir aber nicht darum, eine Weltsicht durch die andere ablösen zu wollen oder nur die zweite Tendenz als die »Heil bringende« anzupreisen, sondern um ein Miteinander, um eine »Winwin-Situation«, von der alle profitieren, und um Wertschätzung auch den gewachsenen traditionellen Strukturen gegenüber.

Ruth Cohn, eine bekannte deutsche Psychologin, hat es einmal so ausgedrückt: »Kommunikation ist die einzige Brücke von Insel zu Insel.« Wir sollten uns bewusst sein, dass Hochsensible und Normalsensible jeweils in ihrer eigenen Welt leben. Bei aller Anstrengung, die andere Welt zu betreten, zu entdecken und zu verstehen, wird man niemals ein Teil dieser Welt werden. Es ist wie bei einer Urlaubsreise in ein exotisches Land, zum Beispiel Thailand, Marokko oder Argentinien. Wenn Sie für ein paar Wochen dorthin reisen, können Sie einen Eindruck von Land und Leuten gewinnen, aber Sie werden nicht wirklich dazugehören. Sie könnten sich entscheiden, ein ganzes Jahr dort zu verbringen, und Sie würden immer mehr verstehen, aber Sie wären trotzdem anders. Doch im Gegensatz zu exotischen Ländern, in die man auch auswandern kann, ist ein Wechsel bezüglich der Sensibilität nicht möglich.

Berufliche Themen, wie der Arbeitsplatz als Selbstständiger oder Angestellter, die Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, der Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden, der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit, beschäftigen fast alle Menschen. Sind sie überdies hochsensibel, besetzen diese Themen Verstand und Gefühl manchmal derart stark, dass ständig ein Teil ihrer Aufmerksamkeit damit beschäftigt ist.

In diesem Buch möchte ich aufzeigen, welche Mechanismen bei hochsensiblen Menschen im Beruf- und Arbeitsleben wirksam sind, und damit zum besseren Verständnis der hochsensiblen Veranlagung beitragen. Außerdem möchte ich Ihnen helfen, Wege zu finden, wie es möglich ist, trotz oder gerade wegen Hochsensibilität ein erfülltes Berufsleben zu führen. Deshalb finden Sie am Ende der meisten Kapitel und Abschnitte Fragen. Diese sind als Anregungen zu verstehen und nicht als ein Muss. Wenn Sie sich mit ihnen beschäftigen, werden Sie sich selbst besser kennenlernen und dadurch mehr verstehen, wie Sie als hochsensibler Mensch funktionieren.

Mir ist es ebenfalls wichtig, Ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, anhand derer Sie sich selbst, Ihre Kollegen oder Vorgesetzten besser verstehen können. Dazu stelle ich verschiedene Modelle und Theorien vor, welche die Hintergründe des menschlichen Verhaltens erklären. Ich hoffe, dass Sie dadurch einen Wegweiser für Ihre berufliche und private Zukunft bekommen.

Verstehen und Bewusstsein sind für mich die Grundlagen zu einer größeren Sicherheit und die Bausteine für jegliche Veränderung.

Dieses Buch richtet sich an gesunde Hochsensible. Viele hochsensible Menschen stoßen erst auf das Thema Hochsensibilität, wenn das hochsensiblen-ungerechte Leben bereits seinen Tribut fordert und sich Krankheiten, körperliche Schwächen oder Resignation breitgemacht haben. Dann gibt es natürlich ebenfalls Möglichkeiten, dem zu begegnen, aber dafür greifen die Anregungen in diesem Buch möglicherweise zu kurz und es ist eine Beratung oder Therapie notwendig. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Meiner Ansicht nach sollte jeder Mensch ab und zu Therapie oder Beratung in Anspruch nehmen und es sich wert sein, diese Zeit und das Geld für eine gesündere und zufriedenere Zukunft im Einklang mit der eigenen Veranlagung zu investieren.

Meine eigene wechselvolle und vielseitige Berufsbiografie hat mir gezeigt, dass auch in der Mitte des Lebens oder darüber hinaus noch Korrekturen möglich sind, oftmals gerade erst durch die verschiedenen Erfahrungen der Vergangenheit.

Es ist mir ein großes Anliegen, Sie mit diesem Buch ein Stück auf Ihrem individuellen Weg zu begleiten.

Brigitte Schorr

Im Herbst 2017

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

 

Hochsensibilität – eine inflationäre Zeiterscheinung?

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass das Thema Hochsensibilität in der Öffentlichkeit angekommen ist. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht eine neue Veröffentlichung zum Thema erscheint, sei es in Buchform, als Artikel in einer Zeitung oder Zeitschrift oder sogar als Beitrag im Radio oder Fernsehen.

Grundsätzlich begrüße ich es, dass dem Thema seit einiger Zeit so viel Aufmerksamkeit zuteilwird. Gleichzeitig besteht dabei aber die Gefahr, dass die Vorstellung davon, was hochsensibel ist, einseitig geprägt wird und dadurch mit dem Begriff hochsensibel das Bild einer nicht belastbaren, instabilen Persönlichkeit verbunden wird. Hochsensible Menschen sind nicht nur »zart besaitet« oder empfindlich, sie haben ebenfalls eine sehr starke Seite. Jemand, der tagtäglich mit vielen Reizen unterschiedlichster Art umgehen muss, alles stark wahrnimmt und trotzdem das Leben meistert, muss grundsätzlich auch widerstandsfähig sein.

Berichterstattungen, welche nur die fragile Seite der Hochsensibilität betonen, sind ungenau und verfälschend. Tom Falkenstein schreibt in seinem Buch »Hochsensible Männer«², dass die feine Wahrnehmungsfähigkeit ein Schutz vor negativen Erfahrungen sein kann, weil man eine Art Warnsystem in sich trägt, welches Unstimmigkeiten frühzeitig meldet.

Doch es gibt ebenso viele positive Berichte und es trifft wohl einen Nerv der Zeit, sich mit der sensibleren Art, im Leben zu stehen, auseinanderzusetzen. Immer mehr Menschen entdecken sich als hochsensibel, besuchen Seminare und Workshops zum Thema und lassen sich in Coachings oder Therapien zu einem besseren Umgang mit ihrer Veranlagung anleiten und begleiten. Demzufolge wächst die Anzahl derer, die zum Thema Hochsensibilität etwas zu sagen haben. Fast unüberschaubar scheint die Fülle an mehr oder weniger seriösen Angeboten. Jedes verspricht, mit eigens entwickelten Methoden und Konzepten der Reizüberflutung Herr zu werden. Wenn man die Webseiten und Plakate eingehender studiert, fällt auf, dass es unterschiedliche Haltungen hinter den Angeboten gibt. Die einen versprechen durch Energiearbeit mehr Kraft und Leistung, die anderen durch Abgrenzungsübungen mehr Schutz vor Reizüberflutung, die Nächsten erheben gar den Anspruch, durch einschlägige Therapien Hochsensibilität »heilen« zu können. Jeder scheint sein eigenes Heil bringendes Süppchen zu kochen.

Ich bin zwar der Meinung, dass es nicht den einen Königsweg gibt, beobachte diese Fülle an Maßnahmen aber doch mit Sorge. Hochsensible Menschen erleben momentan nicht nur durch ihre Veranlagung selbst, sondern auch durch gezieltes Marketing einiger sich durchaus widersprechender Anbieter eine große Verunsicherung. An dieser Stelle möchte ich Sie deshalb dazu einladen, genauer zu recherchieren und das Weltbild sowie die Grundhaltung des Anbieters zu erforschen, wenn Sie Veranstaltungen zum Thema besuchen oder eine Beratung oder Therapie in Anspruch nehmen möchten. Es nützt wenig, wenn Sie der Meinung sind, dass es sich um eine angeborene Veranlagung handelt, Ihr Coach diese aber »heilen« will, damit Sie besser ins System passen.

Grundgedanken und Vorbemerkungen

Deshalb ist es mir wichtig, meine Haltung zu erläutern, bevor ich Sie auf die Reise in die hochsensible Berufswelt mitnehme.

Die berufliche Situation ist oft ein Ausdruck davon, wie der Mensch insgesamt im Leben steht. Gemäß dem bekannten Zitat von Viktor Frankl: »Ich muss mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen«, sollten hochsensible Menschen nicht alles hinnehmen, was mit ihrer Veranlagung verbunden ist. Gleichzeitig ist es wichtig, sich grundsätzlich die Frage zu stellen, welchen Sinn es haben könnte, dass man hochsensibel ist. Ich denke, wenn es so viele hochsensible Menschen gibt (etwa 15 % bis 20 % der Bevölkerung), muss dies einen Grund haben. Ich bin wie Gerald Hüther, der bekannte deutsche Neurowissenschaftler, der Meinung, dass Eigenschaften in einer Gesellschaft immer dann sichtbar werden, wenn die Gesellschaft diese benötigt.³ Wenn man sich in der Welt umschaut, dann braucht es dringend selbstbewusste Hochsensible in wichtigen Positionen, um ein Gegengewicht zu den kämpferischen und wettbewerbsorientierten Kräften zu bilden. Ich möchte damit nicht sagen, dass Hochsensible so etwas wie die besseren Menschen wären, meines Erachtens sind beide Qualitäten wichtig: das Nachdenkliche, Tiefgründige und Vorausschauende, aber auch das Handelnde, Vorwärtsstrebende und Zielbewusste. Damit beides zur Entfaltung kommen kann, sind Selbstbewusstsein und Toleranz auf beiden Seiten notwendig.

Um aber selbstbewusst und hochsensibel zugleich zu sein, braucht es mitunter Persönlichkeitsentwicklung.

Gedanken zur Persönlichkeitsformung

Die meisten hochsensiblen Menschen, die ich kenne, haben in ihrem Leben schon früh die Erfahrung gemacht, dass es nicht gut oder sogar unerwünscht ist, so sensibel zu sein. Auch wohlmeinende Eltern beobachten die Sensibilität ihres Kindes oftmals mit Sorge. Sie fragen sich, ob es in Kindergarten und Schule, später dann im Berufsleben seinen Platz finden wird. Vorstellungen von Sensibilität als Schwäche sind noch zu sehr verankert, als dass man sich vorbehaltlos über diese Veranlagung freuen könnte. Hochsensible Kinder nehmen die Sorgen und Befürchtungen ihrer Eltern wahr, selbst wenn diese nicht ausgesprochen werden. Wenn man merkt, dass man anders sein sollte, als man ist, und doch nicht weniger empfinden und wahrnehmen kann, schafft dies Verunsicherung. Diese Verunsicherung führt letztlich dazu, dass viele Hochsensible eine Brüchigkeit in ihrem Selbstbewusstsein erleben. Untersuchungen haben gezeigt, dass hochsensible Menschen besonders stark von einem liebevollen und förderlichen Umfeld profitieren.⁴ Die Veranlagung der Hochsensibilität bedeutet also nicht automatisch, dass man Schwierigkeiten haben wird.

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