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Ohne Schaf geht's nicht – Die Odyssee: Ein Leben ohne Schaf ist möglich, aber sinnlos

Ohne Schaf geht's nicht – Die Odyssee: Ein Leben ohne Schaf ist möglich, aber sinnlos

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Ohne Schaf geht's nicht – Die Odyssee: Ein Leben ohne Schaf ist möglich, aber sinnlos

Länge:
210 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 7, 2018
ISBN:
9783854358633
Format:
Buch

Beschreibung

Mitten im tiefen Ozean, vom Salzwasser durchtränkt und nach Luft röchelnd treibt ein kleines Schaf, mit den Vorderhufen ein Stück Balken haltend, umher und ist, die Äuglein vom Salzwasser gerötet und geschwollen, auf der Suche nach einem Stück Land. Das Schaf hat drei schwarze Punkte auf den Ohren, ist auffallend klein und strahlt trotz seiner doch eher misslichen Lage stoische Gelassenheit und Würde aus. Neben ihm hält sich ein Mann mit Mühe über Wasser. Seine wilde Mähne, der zottige Bart und die sonnengegerbte Haut hinterlassen einen ungepflegten Eindruck. Als ob nicht für das kleine Schaf die Last des vom Meereswasser beschwerten Felles groß genug wäre, muss es auch noch den Mann mit einem Vorderfuß stützen und ihn so vor dem Ertrinken retten. Der Mann heißt Odysseus, Odysseus Huber, Sohn des Laertes Huber, in dessen Adern oberösterreichisches Blut fließt. Aber das wissen nur wenige. Mindesten ebenso wenigen ist bekannt, dass der eigentliche Hauptdarsteller und Held in Homers Odyssee ein Schaf war. Zugegeben – das Schaf ist nicht gerade so, wie man es sich von antiken Helden erwartet. Es ist zwar belesen und klug, gleichzeitig aber auch frech, direkt und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Dennoch hätte es Homer der Vollständigkeit halber in seiner Odyssee erwähnen können. Um dieser aus der Erzähltradition aus welchen Gründen auch immer verdrängten Facette wieder zu ihrem Recht zu verhelfen, wurde die Odyssee neu verfasst. Nebenfigur: Odysseus Huber. Hauptdarsteller: ein kleines Schaf mit drei schwarzen Punkten auf den Ohren.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 7, 2018
ISBN:
9783854358633
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Ohne Schaf geht's nicht – Die Odyssee - Anna Derndorfer

Erster Gesang

Und hätte er alle anderen Abenteuer bestanden – Kalypsos umschmeichelnden Worten, ihren Liebkosungen, ihren Versuchen, sein Vaterland vergessen zu machen, wäre er für alle Ewigkeiten verfallen gewesen. Sogar Unsterblichkeit wollte sie ihm verleihen, um ihn für immer an sich zu binden. Und es spricht nicht für Odysseus’ scharfen Sinn, dass er auf ihre Angebote hereinfiel. Seien Sie ehrlich: Würden Sie einer Frau, einem Mann, einer Partei, einer Religion trauen, die solche leeren Versprechungen macht? Niemals, oder? Und Odysseus tat es doch, zumindest sieben Jahre lang. Alleine ihr Name hätte doch Odysseus zur Vorsicht mahnen sollen, doch dieser Tölpel hatte weder von Bildung noch von Polysemie eine Ahnung. Kalypso bedeutet nämlich „die Versteckende" und dass sie Odysseus nicht mehr hergeben wollte, war ja wohl klar.

Okay, ich geb’s ja zu, die ersten Tage hatte sie mich auch zumindest ein wenig beeindruckt. Kalypso wohnte ganz alleine auf einer Insel mitten im wogenden Meer auf der Insel Ogygia, die sich südlich von Kreta befindet und mit saftigen Auen, grünen Hainen, Pappelweiden, Erlen und Zypressen bewachsen war. Sie schlief in einer Grotte, die sie mit feingewobenen Stoffen geschmückt hatte. In ihrer Freizeit webte sie diese Stoffe mit goldener Spule. Vor ihrer Grotte war ein Feuer entfacht, das herrlichen Geruch des brennenden Zedernholzes und des Zitronenbaums in alle Richtungen trug. Auf der Grotte wuchs wild rankender Wein, der süßen Duft verströmte. In der Nähe flossen kristallklare Quellen, die allesamt silbern glitzerndes Wasser mit sich führten. Kalypso hatte wilde, ungekämmte Locken und sang gerne seltsame Lieder. Sie gab mir täglich frischen Blattsalat, Radieschen und Karotten und rühmte mich das schönste Schaf, das je ihr Augenlicht erblickt hat. Diese wundersame Umgebung, ihre schmeichelnden Worte, ihr anfangs noch zarter Charakter und ihre Andersartigkeit waren natürlich nicht uninteressant. Aber als sie sich tatsächlich an Odysseus ranschmiss und ihn mit ähnlichen Worten pries, da wurde mir klar, dass es sich bei Kalypso um eine fiese, intrigante, heuchlerische Hexe handelte. Erstens wusste sie, dass Odysseus verheiratet war. Zweitens wusste sie, dass er ein Schaf besaß, das seiner ganzen Aufmerksamkeit bedurfte. Drittens machte dieses Schaf die Anwesenheit einer Frau gänzlich überflüssig. Viertens war dieses Schaf ich und ich hatte nicht vor, Odysseus mit jemandem anderen außer Penelope zu teilen. Odysseus war natürlich blöd genug, sich von Kalypso beindrucken zu lassen. Mir jedoch gingen ihre Gesänge, die sich ständig wiederholten, bald gewaltig auf die Nerven und das sagte ich ihr auch. Zuerst versuchte ich es mit Wilhelm Busch, dessen Aphorismen mir an verregneten Herbsttagen das Leben stets versüßt hatten, und sprach, mein edles Haupt aufgerichtet und Kalypso mit kritischem Blick fixierend: „Musik ist angenehm zu hören, doch ewig braucht sie nicht zu währen."

Nichts. Keine Reaktion. Kalypso schien weder diesen berühmten deutschen Meister der Poesie wertzuschätzen noch meinen gelungenen Vortrag zu bewundern. Und das, obwohl ich mich wirklich sehr bemüht hatte, eine Assimilation des „ös und „äs zu bewirken. Denn, das musste man zugeben, das „Hören und „Währen reimten sich nur bedingt und ich als musisch talentiertes und sensibles Schaf versuchte, diesen Umstand auszugleichen und entschied mich für einen Mischlaut aus „ö und „ä, ein für Schafe, die des Blökens mächtig sind, nicht wirklich schwieriges Unterfangen.

Unterdessen hatte Kalypso ihren monotonen Gesang fortgesetzt und zwang mich zu härteren Mitteln zu greifen. „Wenn du einer Katze auf den Schwanz steigst, dann klingt das schöner, bemerkte ich daher. Sie war natürlich ganz und gar nicht kritikfähig, schaute beleidigt zur Seite und ließ sich von Odysseus trösten, der ihr daraufhin natürlich das Gegenteil vorlog. Sie habe die schönste Stimme, die klar und hell wie ihre Quellen töne und, und, und. Ich konnte es bald nicht mehr hören. „Was findest du nur an dieser dummen Kröte?, fragte ich Odysseus eines Tages. Odysseus dachte nach. „Vielleicht liebe ich sie, weil sie das komplette Gegenteil von Penelope ist, antwortete er dann und ich hätte ihn zum Mond schießen können. Er wagte es tatsächlich, Penelope, diese zarte, feine, spartanische Prinzessin mit den elfenbeinernen Händen, den sanften, ehrlichen Augen und dem treuen, liebenden Blick in einem Atemzug mit diesem intriganten Weib zu erwähnen! Und es war ja wohl zu erahnen, dass auf einmal Odysseus genau das anziehend fand, was seine Frau nicht war: eine völlig ausgeflippte Hippiefrau, die sich selten wäscht, nicht pflegt und dann noch darauf stolz ist, aus dem ach so konservativen System ausgestiegen zu sein. Und dann noch singt, weil sie sich wahrscheinlich für eine noch unentdeckte Opernsängerin hält. Kalypso war derart angetan von Odysseus, dass sie ihn am liebsten geheiratet hätte und das brachte mich zur Weißglut. Hätte dieser Trottel nicht sein heldenhaftes Schaf an seiner Seite gehabt, wäre das wohl auch passiert. Denn ich tat alles, um ihn an seine edle Frau Penelope zu erinnern. Und wenn ich sage, ich tat alles, dann meine ich auch wirklich alles. Ich lernte in kürzester Zeit, Odysseus’ Stimme nachzuahmen. Immer, wenn es zu einer Annäherung zwischen den beiden kommen sollte, flüsterte ich: „Ach, wie bist du schön, Penelope, woraufhin Kalypso wie von einer Tarantel gestochen in die Höhe schoss und fuchsteufelswild wurde. Manchmal sagte ich auch nur: „Du stinkst", was auch seine Wirkung nicht verfehlte. Odysseus hingegen erinnerte ich immer wieder daran, dass seine Frau zu Hause auf ihn wartete. Jedes Mal, wenn ich dann Penelopes Namen erwähnte, wurde er traurig und nachdenklich. An seiner Stelle wäre ich das auch geworden, denn hätte sich Penelope auch nur annähernd so verhalten wie Odysseus, wäre der Königspalast um einige Kinder reicher. Doch Penelope hatte Anstand. Und sie besaß die Fähigkeit, zu warten.

Manchmal war ich dann doch um die Hilfe der Götter dankbar, auch wenn ich sie zum Großteil für benebelt und selbstverliebt hielt. Ohne Hermes nämlich, der mich in meinen Versuchen, Odysseus zum Weiterfahren zu bewegen, unterstützte, wäre Odysseus diesem Weibsbild niemals entkommen. Hermes flog tatsächlich eines Tages mit seinen Flugschuhen und seinem Flughelm vom Olymp herab und verkündete mit wichtigtuerischer Miene, es sei Entschluss der Götter, dass Odysseus endlich heimkehren sollte nach Ithaka und zu seiner Frau Penelope, die treu und ergeben auf ihn wartete. „Hab ich dir das nicht gesagt?, zischte ich aufgebracht, als ich diese Worte vernahm. Odysseus benützte nämlich gerne die Ausrede, Penelope sei sicherlich bereits anderwärtig vergeben und er habe somit das Recht, sich auch nach einer zukünftigen Frau umzuschauen. Immerhin sah Odysseus bei Hermes’ Worten betreten zu Boden, wollte dann Kalypso umarmen, was ich natürlich verhinderte, indem ich mich dazwischen stellte, pupste, und meinte dann: „Ich muss zurück. Hilf mir, ein Schiff zu bauen.

Es war wohl zu erwarten, dass sich Kalypso aufzuplustern begann, gleich einem Gockel, der um sein Weibchen wirbt. „Ich bin weder an Wuchs noch an Bildung deiner Frau unterlegen! Und denk daran, Penelope altert im Gegensatz zu mir, die ich unsterblich bin. Willst du tatsächlich zurück zu einer alten, verrunzelten, grauhaarigen Pensionistin?"

Das hätte sie besser nicht gesagt. Wer gegen Penelope war, war gegen mich.

Es ärgerte mich schrecklich, dass dieses heuchlerische Biest nun sogar gegen Penelope ausholte. Und es bewirkte, dass ich vor Wut zuerst einmal im wilden Galopp herumrannte, immer wieder Luftsprünge machte, dabei alle Viere von mir streckte und natürlich zum Gelächter sämtlicher frecher Ziegen wurde, die herumstanden und meckerten. „Meeeehhh meck, schaut euch dieses idiotische Schaf an, rief Kunigunde, die Älteste der Ziegen, die sich für ein verwandeltes Burgfräulein hielt und deswegen diesen Namen angenommen hatte. „Willst du vielleicht Balletttänzerin werden? Daraufhin brüllten alle Ziegen los und hielten sich die Bäuche vor Lachen. „Ihr könnt ja nicht einmal Lesen", rief ich ihnen nach und überlegte mir, wie ich denn nun Rache verüben könnte. Die süße Rache! Zuerst an Kalypso und dann an den dummen Ziegen.

Doch ich wäre nicht ich, hätte ich nicht plötzlich wie aus dem Nichts eine großartige Idee gehabt. „Oh, ihr armen Ziegen, wenn ihr doch nur wüsstet, was euch morgen geschehen wird, sprach ich mit feierlicher Stimme. „Meeeehhhh meck, wovon redest du, Schaf? Kunigunde spitzte die stinkenden und ungepflegten Ziegenohren. „Naja, eigentlich darf ich euch nichts davon erzählen, sagte ich leise. „Meeehhhh, meeeehhhhhh, wovon redet sie? Alle Ziegen waren auf einmal sehr aufgeregt und standen um mich herum. „Ich möchte euch erzählen, ihr Ziegen, was ich vernommen, fuhr ich fort. „Die Gemüsebeete der Kalypso gedeihen nicht gut! Salat, Brokkoli, Mangold, Gurken, Zucchini und auch der Rest sprießen nicht mehr, da ihr zu wenig Dung produziert! Kalypso ist unzufrieden und meint, was ihr ausscheidet, reicht nicht einmal für ein kleines Radieschen! Deswegen möchte sie euch morgen den Göttern opfern und verzehren. Ich wischte mir pro forma mit dem Hufrücken über meine Augen und tat, als wollte ich eine Träne verstecken. Natürlich ging mein Plan voll auf. „Waaaaaaasss? Sie will uns fressen? Kunigunde sprach nun nicht mehr bedacht, sondern schrie laut auf. „Weil wir zu wenig kacken, um das Gemüse zu düngen? „Ich sage nur, was ich vernommen", meinte ich und ging davon. Was dann geschah, ist schnell erzählt. Sämtliche Ziegen liefen mit lautem Meckern, während Kalypso bei Odysseus am Strand saß, in ihren Garten und schossen, ratatatata, einen Ziegenhaufen nach dem anderen auf die Gemüsebeete. War das ein Gestank! Und das ganze Gemüse war kaputt. Nun konnte ich mich kaum mehr halten vor Lachen und ging selbstzufrieden und mit erhoben Haupt zu einer Quelle. Dort erholte ich mich von den Strapazen meines eigenen Streiches. Und ebengenau dort erblickte ich

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