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Island - Reiseführer von Iwanowski: Individualreiseführer mit vielen Detailkarten und Karten-Download
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eBook1.041 Seiten8 Stunden

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Über dieses E-Book

Island, das "Land aus Feuer und Eis", ist mit seiner rauen, einzigartigen Natur aus Gletschern, Wasserfällen, Geysiren und Vulkanen ein Sehnsuchtsziel der Extra-Klasse und dient oft als beeindruckende Filmkulisse, zum Beispiel für den Serien-Hit "Game of Thrones" oder den Blockbuster "Star Wars". Doch spätestens seit der EM 2016 ist auch die isländische Fußballnationalmannschaft in aller Munde. Die berühmte Klatsch-Choreographie, die mit einem lauten "Huh!" endet, wurde zu einem der Exportschlager isländischer Feierkultur und machte die sympathischen Inselbewohner über Nacht weltberühmt. Das Reisehandbuch Island von Iwanowski wendet sich vor allem an Individualreisende, die mithilfe der Reiserouten die wesentlichen Sehenswürdigkeiten und neue Ziele entdecken können. Die erfahrenen Autoren geben zahlreiche Infos für Wanderungen, Angeln, Reiten, Rafting, Baden sowie Vogel- und Walbeobachtungen und legen dabei Wert auf Reisetipps abseits des Mainstreams.
Der kleine Inselstaat verfügt über eine perfekte touristische Infrastruktur mit guten Flug- und Busverbindungen sowie einem steigenden Angebot an Campingplätzen, Reitställen, organisierten Abenteuer-Exkursionen und Hotelunterkünften. Immer mehr Bauernhöfe bieten außerdem eine Übernachtungsmöglichkeit für Gäste, die das Ursprüngliche suchen.
- Ideal für Selbstfahrer mit ausführlichen Routen rund um Island, zudem Strecken durch das Hochland
- Immer beliebteres, ganzjähriges Reiseziel für Individual-Touristen; sehr gute Flugverbindungen
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum16. Juni 2016
ISBN9783864573224
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    Buchvorschau

    Island - Reiseführer von Iwanowski - Lutz Berger

    Berger

    Island auf einen Blick

    Zahlen, Daten, Fakten

    Historischer Überblick

    Die grandiose Landschaft, für die meisten Besucher der Hauptgrund ihres Kommens, bildet trotz des abweisenden Charakters den Raum, in dem sich ein kleines Volk über Jahrhunderte gegen alle natürlichen und politischen Widrigkeiten behaupten konnte und überlebte. Tatsächlich ist es schon ein kleines Wunder, dass es überhaupt noch Isländer gibt, dass sie nicht, wie ihre Nachbarn auf Grönland, ausgestorben sind. Die Spuren der Geschichte, die im Land der Sagas und des Aberglaubens natürlich immer auch mit vielen Geschichten verwoben sind, kann der Besucher allenthalben entdecken: in fotogenen, liebevoll restaurierten Torfhäusern und Museen, aber auch in der isländischen Sprache, in Orts- und Flurnamen. Die Isländer sind stolz auf ihre Geschichte und sie haben allen Grund, dies zu sein.

    Entdeckung und Besiedlung

    Innerhalb Europas ist die Insel derjenige Nationalstaat, der ganz zuletzt besiedelt wurde. Nach herkömmlicher Lehrmeinung fand die planmäßige Inbesitznahme des Landes durch größere Auswanderergruppen ab 874 n. Chr. statt, nachdem vorher bereits (im 8. Jh. n. Chr.) Einsiedler der iro-keltischen Kirche sich für einige Zeit auf Island niedergelassen hatten. Ob es vor dem Intermezzo der Mönche und vor der Landnahme durch die Wikinger andere Entdecker gab, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine der Theorien ist, dass die Insel zuerst vom griechischen Seefahrer Pytheas von Massilia gesichtet wurde, der auf seiner Forschungsreise 345–325 v. Chr. bis an die Treibeisgrenze vorstieß. Eine andere Theorie besagt, dass Island zuerst von den Römern entdeckt wurde. Dafür sprechen fünf Münzfunde, die man ab 1905 aus dem Boden holte. Sie stammen aus der Epoche der Kaiser Aurelius (270 n. Chr.), Tacitus (275–276), Probus (276–282) und Diocletian (284). Und schließlich könnten es auch christliche Kelten aus Irland gewesen sein. Ihr berühmtester Seefahrer war der Heilige Brendan (6. Jh.), dem auch die Entdeckung Amerikas nachgesagt wird und der ebenfalls Ultima Thule erreicht haben will.

    Alle genannten Theorien sind bislang nicht beweisbar. Zweifellos steht aber fest, dass es spätestens seit dem 8. Jh. irische Mönche auf Island genauso wie auf den Färöern und Shetlands gegeben hat. Sie hinterließen zwar ebenfalls keine archäologisch nachweisbaren Spuren, werden aber in den Sagas, z. B. in der Íslendingabók mehrfach genannt. Die geografischen Angaben, die im frühen 9. Jh. der Mönch Dicuil in seinem Buch liber de mensura orbis machte, belegen außerdem die Bekanntheit der Insel im iro-schottischen Raum. Dazu passt, dass es auf Island einige Orts- und Flurnamen mit dem Bestandteil papa, Pfaffen, gibt, die aus der ersten Zeit der Besiedlung stammen. Was aus den Mönchen wurde, als die Invasion der Wikinger einsetzte, ist unbekannt. In den Sagas heißt es, sie hätten die Insel fluchtartig verlassen, möglich ist auch, dass sie einem Gemetzel zum Opfer fielen, wie es für wikingische Übergriffe seit Lindisfarne (s. S. 16) typisch war.

    Die Frühzeit – Wikinger, Landnahme, Bürgerkrieg

    Es gibt wohl kaum eine Zivilisation in Europa, die den Beginn ihrer eigenen Existenz so genau datieren und belegen kann wie die isländische. Der Grund dafür liegt darin, dass innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums (874–930 n. Chr.) norwegische Wikinger in einem wahren Exodus die Insel planmäßig besiedelten, sich anschließend in einer freien Bauernrepublik organisierten und kurz darauf eine literarische Tradition begründeten, die geradezu minutiös von den Anfängen ihres Gemeinwesens berichtete. Die Begriffe, die sich für diese Epochen eingebürgert haben, heißen „Landnahme-Zeit und „Saga-Zeit; beide zusammen stehen für eine 400-jährige Ära, in der die Insel komprimiert Höhen und Tiefen durchlebte, um sich anschließend selbst zu eliminieren und nach einer Periode bürgerkriegsähnlicher Zustände für fast 700 Jahre in die Hände fremder Mächte zu gelangen. Gleichzeitig ist die isländische Nation das Produkt jener Epoche, die die Wikingerzeit genannt wird. Immerhin geht schon auf die ersten wikingischen Seefahrer, die wohl unfreiwillig in die Weite des Nordatlantik verschlagen wurden, der Landesname zurück, und die Berichte, die diese Pioniere in ihrer Heimat ablieferten, machten die spätere Massenauswanderung dorthin erst möglich.

    Um 860 n. Chr., als Mitteleuropa bereits seit sieben Jahrzehnten unter wikingischen Überfällen zu leiden hatten, verschlug es ungefähr gleichzeitig, aber unabhängig voneinander den Norweger Naddoður und den Schweden Garðar auf die Vulkaninsel. Der Norweger gab dem unwirtlichen Land den Namen Snæland, „Schneeland", und zog es vor, so schnell wie möglich wieder zurückzukehren. Sein schwedischer Kollege fand heraus, dass es sich bei dem Land um eine große Insel handelte, die er in bestem wikingischen Selbstbewusstsein nach sich selbst benannte: Garðarshólmur, „Insel des Garðar". Er überwinterte an der Nordküste und ließ seinen Gefolgsmann Náttfari auf seinen Wunsch hin dort zurück; beide sind also, wenn man so will, die ersten wikingischen Siedler gewesen.

    Offiziell wird das nicht so gesehen, da ihre Anwesenheit nicht von Dauer war. Gleiches gilt für den Norweger Flóki Vilgerðarson, der 865 nicht aus Zufall, sondern sich bewusst auf den Weg nach Island machte. Seine Auswanderungspläne scheiterten bereits nach dem ersten Jahr, da sein Vieh im Winter einging und er in die Heimat zurückkehren musste. Ihm jedoch war es vorbehalten, dem Land seinen heute noch gültigen Namen Ísland zu geben, „Eisland".

    Als erster Siedler des Landes wird in den Annalen der aus Westnorwegen stammende Ingólfur Arnarson geführt, der sich auf einer Erkundungsfahrt 872 die Verhältnisse auf der Vulkaninsel anschaute und 874 dann, zusammen mit seinem Bruder Leifur, Frauen, Gesinde und Vieh, endgültig auswanderte, ohne jemals wieder zurückzukehren. Der Sage nach ließ er den besten Platz für seine Niederlassung von den Göttern entscheiden: Er folgte seinem über Bord geworfenen Hochsitz-Pfosten, der in einer Bucht an Land gespült wurde. Diese benannte Arnarson nach den aufsteigenden Dampfsäulen Reykjavík, „Rauchbucht". Wo sich heute die isländische Hauptstadt erstreckt, errichtete der Wikinger seinen Hof, wo seine Familie noch lange leben sollte. Mit Ingólfur Arnarsons erfolgreicher Ankunft war der Startschuss gefallen für eine stürmische Einwanderungswelle, in der Zehntausende Menschen die beschwerliche Reise über den Ozean wagten, um ein neues Leben zu beginnen.

    Die Wikinger

    Der Begriff Wikinger wird unterschiedlich interpretiert. Am plausibelsten erscheint die Übersetzung, die sich vom altnordischen vik, Bucht, ableitet. Demnach waren Wikinger „Männer, die aus den Buchten kamen", womit die norwegischen Fjorde gemeint sein können. Andere Sprachhistoriker halten das Wort vig, Schlacht, für den Namensgeber, wieder andere den Bezirk viken am Oslofjord. Das Wort kommt auf einigen Runensteinen des 11. Jh. vor, häufiger aber in Heldenliedern und isländischen Schriften des Mittelalters. Daneben taucht in den zeitgenössischen Quellen die lateinische Bezeichnung normanni, Normannen, auf.

    Die Wikinger kamen aus Skandinavien, d. h. aus Schweden, Dänemark und Norwegen. Als ein bestimmtes nordisches Volk können sie nicht angesehen werden, d. h. der Begriff meint keine Nation. Er ist vielmehr eine Zusammenfassung gleich oder ähnlich sprechender nordgermanischer Stämme mit einer gleichen oder ähnlichen Kultur und Religion. Zu Beginn der Wikingerzeit hatten sich im Norden ab dem 6. Jh. mehrere Stämme gegenüber anderen durchgesetzt und erste Machtkonzentrationen wie Mittelschweden, Oslofjord, Ostseeinsel Gotland gebildet. Damit ging eine kulturelle Blüte einher, die sich in der Weiterentwicklung der Schiffsbau- und Waffenschmiedekunst wie in einem äußerst hochstehenden nordgermanischen Kunsthandwerk dokumentierte. Die skandinavischen Königreiche wurden auf Kosten einer Vielzahl widerstrebender Kleinkönigtümer oder Gaue gegründet, sodass es möglich ist, ab dem 9.–11. Jh. von „Norwegern, „Schweden oder „Dänen zu sprechen. Bis 1066, in dem die Epoche zu Ende geht, können die Nordleute durchaus noch unter dem Begriff „Wikinger zusammengefasst werden.

    info

    Das Wikingerschiff

    Bereits aus der Bronzezeit (ab 1500 v. Chr.) sind in Skandinavien Felsritzungen überliefert, die das Schiff als magisch-religiöses Symbol zeigen. Die wichtigsten Entwicklungsschritte hin zum voll ausgebildeten Wikingerschiff wurden dann in den 400 Jahren vor der Epoche getan, ablesbar an Darstellungen auf den berühmten gotländischen Bildsteinen.

    Die lange Erfahrung im Bootsbau spiegelt sich in der Konstruktion wider, die im Klinkerbau errichtet wurde. Die Planken der Bordwand überlappten einander, sodass sie leicht abgedichtet werden konnten. Die Reling war fast bis zur Wasserlinie herabgezogen und konnte bei widrigen Wetterverhältnissen durch die Rundschilde der Seekrieger erhöht werden. In den obersten Planken befanden sich die Löcher für die Riemen, denn in erster Linie wurde gerudert; d. h. das Segel hatte die Aufgabe, die Ruderer zu entlasten und ermöglichte bei günstiger Witterung Fahrten über das offene Meer. Der Klappmast konnte durch den Mastfisch umgelegt werden, einen herausnehmbaren Eichenblock auf dem Schiffsboden. Die Eleganz der Boote ergab sich u. a. durch die hoch hinaufgezogenen Vorder- und Hintersteven, die meist mit Spiralen oder Drachenköpfen verziert waren. Die maximale Länge des Kiels entsprach der natürlichen Länge des Bauholzes und ging wohl kaum über 30 m hinaus.

    Neben dem leichten Kriegs- oder Mannschaftsschiff mit geringem Tiefgang gab es das geräumige Handelsschiff, „Knorr genannt. Mit diesem konnte neben größeren Frachtwaren auch Vieh transportiert werden, womit sich das Knorr für Händler und Emigranten anbot. Eine etwa einwöchige Reise von Norwegen nach Island konnte bei idealem Wind in drei Tagen bewältigt werden. Zur Navigation dienten der Polarstern, die Sonne, die Meeresströmungen, die Vorkommen von Walpopulationen oder die Flugrichtung der Seevögel. Die Sagas berichten zudem von Instrumenten wie dem „Sonnenstein, durch den der Sonnenstand auch bei bedecktem Himmel ermittelt werden konnte. Mit Sicherheit war das Leben an Bord der offenen Schiffe knochenhart. Als Proviant diente neben frisch gefangenem Fisch gepökeltes und geräuchertes Fleisch, Trockenfisch, lebende Schafe sowie Brot und Zwiebeln. Die Wikingerschiffe gehören nicht nur zu den schönsten Wasserfahrzeugen, die jemals gebaut wurden, sondern waren mit Sicherheit die besten und schnellsten ihrer Zeit. Selbst mehr als 500 Jahre später konnte Kolumbus nicht annähernd so schnell segeln wie die Wikinger. Ohne ihre Schiffe, denen sie häufig Kosenamen gaben und denen viele skaldische Gedichte gewidmet waren, hätten die Wikinger niemals die kulturgeschichtliche Bedeutung erlangt, die ihnen als Händler, Staatengründer, Forscher und Künstler zukommt.

    Die nach den Wikingern benannte Ära begann schlagartig im Jahr 793 durch den brutalen Überfall auf das nordenglische Kloster Lindisfarne auf der Insel Holy Island, nördlich des heutigen Newcastle. Dort bemerkten die Mönche, die bis dahin abgeschieden und friedlich gelebt hatten, am Horizont die Segel einiger Schiffe, die sich mit ungeahnter Schnelligkeit näherten und direkt bis zum Uferrand fuhren. Heraus sprangen Männer, die auf das Kloster zustürmten, die Mönche erschlugen, die Kultgegenstände und das Vieh raubten und schließlich genauso schnell wieder verschwanden, wie sie gekommen waren.

    Der geschilderte Vorfall galt im ganzen christlichen Abendland als Zeichen dafür, dass da im Norden eine „unbekannte, heidnische Rasse" zu einer Bedrohung für die zivilisierte Welt herangewachsen war. Die Wikinger bedrohten nicht nur die Küsten der Nord- und Ostsee, später der Irischen See, Frankreichs, Spaniens und sogar des Mittelmeeres, sondern fuhren auch über Flüsse wie Rhein, Maas, Seine, Schelde und Loire weit ins Landesinnere hinein. So wurden Derby, Nottingham, London, Lincoln und York im Jahr 835 heimgesucht, 840 Novgorod und Kiew, 843 Nantes, 844 Lissabon und Sevilla, 845 Hamburg, Aachen, Köln und Paris, 856 Tours, 860 Pisa, Luna und Konstantinopel, 862 schließlich Nektor in Marokko und das Gebiet der Camargue … Wohin sie auch kamen, überall verbreiteten die Wikinger einen solchen Terror in den europäischen Ländern, dass sie geradezu als Vorboten des kommenden Weltunterganges gesehen wurden.

    Insgesamt umfasst die Wikingerzeit gut 250 Jahre. Am Ende der Epoche waren die skandinavischen Länder zu Königreichen und z. T. zu europäischen Großmächten herangewachsen. 1066 unterlag der Norweger Harald Hardråde, „der Gestrenge" und der letzte große Wikinger-Seekönig, der im östlichen Mittelmeer Ruhm und Reichtum erworben hatte und nun England seinem Imperium einverleiben wollte, bei Stamford Bridge in Yorkshire dem Angelsachsen Harold, der selbst nur wenig später gegen William dem Eroberer bei Hastings sein Reich und Leben verlor.

    Gründe für die wikingische Expansion

    Warum Ende des 8. Jh. die Wikinger zunächst ihre Raubzüge, dann ihre Handels- und Forschungsfahrten und schließlich ihre Staatengründungen über die Meere begannen, ist noch strittig. Ein Punkt ist die technische Voraussetzung für Schiffe, Waffen und Nautik, ohne die die Nordleute gar nicht in der Lage gewesen wären, sich so schnell und nachhaltig auf die weltpolitische Landkarte zu katapultieren. Auch das nordgermanische Erbrecht wird eine Rolle gespielt haben. Das sog. Anerbenrecht sorgte dafür, dass der älteste Sohn den Hof übernahm, sodass den anderen Jungen nur das Meer als Alternative blieb.

    In der Anfangsphase stießen die wikingischen Beutezüge auf keinen nennenswerten Widerstand: Niemand hatte auch nur annähernd so gute Schiffe, um die Angreifer zur See bekämpfen zu können. Die politische Schwäche z. B. des Frankenreichs nach Karl dem Großen ist ebenfalls für das explosionsartige Auftauchen der Seekrieger in Mitteleuropa verantwortlich. Auch die Aussicht auf lukrativen Handel war sicher motivierend. Einen weiteren Grund stellen die politischen Verhältnisse in der nordischen Heimat dar. Dadurch, dass sich die kleinen Stammesfürstentümer in der Wikingerzeit zu staatenähnlichen Gebilden zu entwickeln begannen, gab es jede Menge Unterlegene im Kampf um die Macht. Ein ehemaliger Kleinkönig wird wohl lieber auf Eroberungsfahrt gegangen sein, als sich einem heimischen Großkönig zu beugen und Steuern zu zahlen. Vor allem die Besiedlung Islands geht auf so einen Vorfall zurück (s. S. 19). Schließlich dürften auch charakterliche Eigenschaften wie Abenteuerlust, Risikobereitschaft und Heldenmut für die wikingische Expansion eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben.

    Entdeckten die Wikinger Amerika?

    Natürlich wurde Amerika nicht von den Wikingern „entdeckt". Doch wer nach den Indianern als nächster die Neue Welt erreichte, z. B. Ägypter, Phönizier, Römer oder Kelten, darüber wird spekuliert. Diese Theorien können – jedenfalls bislang – nicht eindeutig bewiesen werden. Anders verhält es sich mit den Wikingern.

    Standbild von Leif Eriksson in Reykjavík

    Schon um 982 war dem aus Norwegen und Island verbannten Erik dem Roten ein weiter Schritt in Richtung Westen gelungen. Er entdeckte Grönland, das er „grünes Land" taufte, um weitere auswanderungswillige Wikinger dorthin zu locken. Er ließ sich dort nieder. Schon 14 Jahre vorher hatte der Isländer Bjarni Herjolfsson ein bewaldetes Land westlich von Grönland gesichtet, wahrscheinlich Südlabrador. Um 1001 brach der Sohn Eriks des Roten, Leif Eriksson (isl.: Leifur Eiríksson) mit 35 Mann auf, um dieses Land zu suchen – vielleicht aus Abenteuerlust, wahrscheinlicher aber wegen des Holzmangels in Grönland. Sie segelten in Nordamerika an drei Landschaften vorbei, die sie helluland (Steinland), markland (Waldland) und vínland (wohl Wiesen- und Weideland) nannten. Bei L’Anse aux Meadows in Neufundland ist zweifelsfrei eine wikingische Siedlung nachgewiesen worden.

    In den Vínland-Sagas wurden die Forschungs- und Emigrationsfahrten in die Länder westlich von Island bereits detailgetreu aufgezeichnet. Obwohl um 1012 die Überlieferung der Vínland-Fahrten aufhört, kann angenommen werden, dass noch lange Zeit Isländer und Grönländer Amerika aufsuchten – nicht um dort zu siedeln, sondern um sich das lebenswichtige Bauholz zu holen. Noch 1347 ist von solch einer Fahrt die Rede.

    Weitere Leistungen der Wikinger

    Die Entdeckung und Besiedlung des nordatlantischen Raumes bis hin zur kanadischen Küste zeigt, zu welchen weittragenden und auch friedlichen Leistungen die Skandinavier in der Lage waren. Dazu gehört die Errichtung eines weitreichenden Handelsnetzes, das später die Hanse erben konnte. Vor allem im osteuropäischen Raum sind enorme Taten vollbracht worden. Die Versorgung der mitteleuropäischen Länder mit arabischen Luxusgütern stellten die Wikinger sicher, denen – etwa in Konstantinopel und Bagdad, aber auch auf den skandinavischen Märkten – die Araber Sklaven, Felle und Bernstein im Tausch gegen Silber, Gewürze, Schmuck und anderen Waren förmlich aus der Hand rissen. In Skandinavien hat man rund 60.000 arabische Silbermünzen aus jener Zeit finden können. Die üppig sprudelnde Quelle der Handelsschiene Skandinavien – Russland – Arabien/Indien versiegte mit dem Einsetzen der Kreuzzüge.

    Neben ihrer Aktivität als Piraten, Entdecker und Händler waren die Wikinger erfolgreiche Staatengründer. In ihrer eigenen Heimat schufen sie durch die Vereinigung vieler kleinerer Häuptlingstümer die skandinavischen Königreiche Norwegen, Dänemark und Schweden. Außerhalb der Heimat konnten die Norweger nordatlantische Inseln wie die Orkneys, Färöer, Hebriden und Shetlands sowie Island (und von dort aus Grönland und Vínland) besiedeln und für lange Zeit bzw. bis heute zu skandinavisch geprägten Gemeinwesen machen. Auch in Schottland, Irland und auf der Isle of Man waren Norweger kolonisatorisch tätig, allerdings in starker Konkurrenz zu den Dänen. Diesen gelang immerhin die zweimalige Eroberung des mächtigen England, wo sie das Danelagen, das „unter dänischem Gesetz stehend" genannte Gebiet, zu einem lange funktionierenden Teil ihres Königreiches machten. Die englische Sprache und das englische Recht kennen zahllose Einflüsse aus dieser Zeit.

    Bedeutend war auch der Beitrag, den die Wikinger als Künstler und Kulturträger leisteten. Man denke nur an den Schiffsbau, die Goldschmiedekunst, die Steinmalerei, das Waffenhandwerk und die Schnitzkunst, die später z. B. an den norwegischen Stabkirchen weiterlebte. Nicht zu vergessen ist, dass die hochstehende Literatur, die Norwegen und vor allem Island hervorbrachte, inhaltlich auf die Wikingerzeit zurückgeht (s. S. 66).

    Die Religion der Wikinger

    Länger als in anderen Teilen der germanischen Welt hielt sich im Norden der Glaube an Odin, Thor und Freyr. Auch nach der Taufe trugen viele als Amulett den Thorshammer und das Kreuz gleichzeitig. Ein Beispiel dafür ist Island.

    Nachdem nach den ersten Siedlern um Ingólfur Arnarson immer mehr Einwanderer von den schon christlichen britischen Inseln nach Island kamen, wurde im Jahr 1000 im Althing, dem Inselparlament, die Frage der Religionszugehörigkeit beschlossen. Danach befürwortete eine Mehrheit die Annahme des Christentums. Ein politischer Akt also, in freier Entscheidung und ohne Zwang von außen durchgeführt. Die christliche Kirche blieb noch lange von heidnischen Strukturen durchsetzt.

    Die Wikingerzeit wie Teile ihrer alten Mythologie sind auf Island bis heute im Bewusstsein der Menschen verankert. Die Namen der Wochentage, Orts- und Flurbezeichnungen (z. B. der Goðafoss), Firmenembleme und die Werbung nehmen immer wieder Bezug auf die heidnische Vergangenheit. Island ist zudem das einzige Land, in dem es immer noch Anhänger der alten nordgermanischen Religion gibt, die seit 1972 sogar staatlich anerkannt ist (s. S. 95).

    Die historische Schlucht von Þingvellir

    Besiedlung und Bauernrepublik

    Die Geschehnisse auf Island sind von der politischen Großwetterlage in der Wikingerzeit nicht zu trennen. Hier ist besonders Norwegen gemeint, das sich im 9. Jh. auf dem Weg zur staatlichen Einheit befand. Die erste „Reichssammlung erfolgte unter Harald I. (ca. 860–930), der den Beinamen „Schönhaar, hårfagre, trug. Im Hafrsfjord südlich von Stavanger hatte er 872 die Widerstand leistenden Kleinfürsten besiegt und sich zum alleinigen König von Norwegen aufgeschwungen. Für zahlreiche bis dahin freie Wikinger, die als Großbauern, Kleinkönige oder Gauhäuptlinge nahezu unumschränkte Macht genossen hatten, bedeutete dies eine enorme Umstellung. All jene wurden zur Auswanderung veranlasst, die sich nicht unterordnen wollten. Die Zahl der Immigranten war nach zögerlichem Beginn enorm: Um 930, als fast alles brauchbare Land vergeben war und der Strom der Siedler spürbar nachließ, lebten bereits etwa 30.000 bis 40.000 Menschen auf Island. Fast ein Drittel der gesamten Insel-Nutzfläche geriet anfangs in die Hände von vier Großgrundbesitzern, darunter auch Ingólfur Arnarson mit seiner Sippe.

    Bis 930 wurde Island durch eine steigende Zahl autarker Höfe geprägt, denen freie Bauern vorstanden. Viele davon hatten aus der Heimat das Amt des Tempelbesitzers, goði, mitgebracht, das man auf der Insel zusehends weltlich umdeutete. Die Goden wurden zu Häuptlingen. Um ein für allemal verbindliche Regeln für das Zusammenleben der Bauern zu schaffen, richtet man im Jahr 930 in Þingvellir das Althing ein (s. S. 178), eine Art Inselparlament, in dem die Vertreter der lokalen Thinge Sitz und Stimme hatten. Damit hatte sich Island als Freistaat oder Bauernrepublik selbst konstituiert, dessen oft beschworene „Demokratie jedoch nichts mit unserer Vorstellung von „Volksherrschaft zu tun hat. Durch den Ausschluss von Frauen, Gesinde und unfreien Bauern war die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nicht repräsentiert. Das Althing trägt den Ruf, das älteste funktionierende Parlament der Welt zu sein. Recht zu sprechen und Recht durchzusetzen sind jedoch zweierlei. An der Exekutive mangelte es dem Freistaat. Dieses Defizit führte später zu einer langen Reihe von Sippenfehden und bürgerkriegsähnlichen Zuständen, in letzter Konsequenz dann zum Verlust der staatlichen Unabhängigkeit.

    Seit 965 war laut Beschluss des Althings der Freistaat in vier Bezirke eingeteilt, die jeweils drei bzw. vier lokale Thinge hatten. In jedem gab es jeweils drei Tempel, die wiederum jeweils dem Privatbesitz eines Goden angehörten. Jeder Isländer musste sich einem der Goden und dessen Gemeinde anschließen und später auch mit Abgaben unterstützen. Für die Frühzeit der isländischen Geschichte wurde damit die Institution des Godenamtes, goðorð, zum entscheidenden Faktor für alle wichtigen religiösen, kulturellen und politischen Angelegenheiten.

    Religiöse Folgen hatte es, wenn ein Gode zum Christentum übertrat, denn dies bedeutete meistens den geschlossenen Übertritt der gesamten Gemeinde. Trotz aller Eigenständigkeit erkannten die isländischen Goden-Priester die Oberhoheit des Bremer Erzbischofs an, dem alle skandinavischen Gemeinden unterstanden. Er weihte im Jahr 1056 mit Ísleifur Gíssurarson auch den ersten isländischen Bischof, dessen heimatlicher Hof von Skálholt sich damit zum Bischofssitz wandelte. 1106 wurde in Hólar ein zweiter isländischer Bischofssitz eingerichtet (s. S. 186).

    Durch ihre Ländereien und ihren Anteil vom „Zehnten" konnten die Goden Reichtümer anhäufen, mit denen sie das rege kulturelle Leben finanzierten, das sich an ihren Höfen entfaltete. Beispiel dafür war der Hof Oddi in Südwestisland, auf dem die wichtigsten Gelehrten, Dichter und Historiker des Freistaats zu Hause waren, darunter auch Snorri Sturluson (1178–1241), Islands überragende Gestalt des Mittelalters (s. S. 324).

    Politisch waren die Goden als Häuptlinge und Anführer ihrer Gemeinde bedeutsam, indem sie deren Interessen auf den lokalen Thingen und dem Althing durchzusetzen wussten. Dadurch wurde das Konkurrenzverhältnis zwischen den einzelnen Goden verstärkt, unterstützt durch die Möglichkeit, das Godenamt auch käuflich zu erwerben. Einige der ehrgeizigen und machtbesessenen Sippen schoben sich nach einer relativ friedlichen Periode im 12. und 13. Jh. in den Vordergrund. Aus dem anfänglichen Miteinander wurde ein Gegeneinander. Dies bedeutete das Ende der Endzeit der unabhängigen Bauernrepublik, eine Epoche, die durch ununterbrochene Kämpfe der mächtigen Geschlechter gekennzeichnet ist. Das mächtigste und bekannteste war das der Sturlunger, zu dem auch Snorri Sturluson gehörte.

    Während die Goden durch Ämterverkauf und Parteinahme ihre eigene Stellung untergruben und die Basis des Freistaats zerstörten, profitierten zwei miteinander verbündete Kräfte davon: die Kirche und das norwegische Königreich. 1238 wurden die beiden vakanten isländischen Bischofssitze mit Norwegern besetzt, und schließlich mussten die Goden ihre einzigartigen Privilegien abgeben. Gleichzeitig fand Norwegen in Håkon IV. Håkonsson (1217–1263) einen aktiven und machthungrigen Herrscher. Als geschickter und skrupelloser Taktiker verstand er es, die einzelnen isländischen Mächtigen gegeneinander auszuspielen. Während sein Königreich eine mittelalterliche Blütezeit erlebte und sich als europäische Großmacht etablierte, musste sich die Bauernrepublik der Übermacht beugen. 1262–1264 unterwarf sich jeder der vier Bezirke der Insel, zuerst der Nord- und Westteil, dann der Süden und zum Schluss der Osten. Durch den „Alten Vertrag", gamli sáttmáli wurde die Personalunion zwischen Norwegen und Island besiegelt. Das starke norwegische Königshaus, 400 Jahre zuvor noch der Auswanderungsgrund vieler Siedler, hatte seine ehemaligen Landeskinder eingeholt.

    Das Mittelalter – nach dem Aufstieg der Fall

    In den ersten Jahren der norwegischen Herrschaft veränderte sich in Island nichts grundlegend. Der Fall in die Bedeutungslosigkeit hatte andere Gründe.

    Seit der Landnahme fußte die isländische Zivilisation auf dem Bauerntum. Doch die Bäume, die für den Schiffs- und Wohnungsbau gefällt wurden, wuchsen längst nicht so schnell nach wie in Skandinavien, zudem wurden die jungen Triebe durch Viehverbiss vernichtet, Erosion setzte ein. Abholzung und Weidewirtschaft führten dazu, dass die nutzbare Fläche immer kleiner wurde und Island zunehmend auf Importe, vor allem von Holz, angewiesen war. Dazu trat ab etwa 1400 mit der „kleinen Eiszeit" eine klimatische Verschlechterung ein, die bis zum 18. Jh. andauern sollte. Verschneite Winter, Treibeis vor den Küsten, kalte Sommer und Missernten traf die traditionelle Lebensgrundlage des Landes empfindlich.

    Die Fischerei, besonders Trockenfisch, konnte den wirtschaftlichen Niedergang kurzzeitig aufhalten

    Hungersnöte gehörten bald schon zum unvermeidlichen Alltag in der Winterzeit. Zur sich ausbreitenden Armut gesellten sich Epidemien wie die Pocken, die 1347 viele Todesopfer forderten. Verschärft wurde die Situation durch Vulkanausbrüche und Erdbeben, die häufiger und schlimmer als in der Landnahmezeit auftraten und der Landwirtschaft großen Schaden zufügten. Allein die Hekla brach im 14. Jh. dreimal aus und brachte Tod und Vernichtung den in ihrer Nähe befindlichen Höfen.

    Der wirtschaftliche Niedergang konnte zu Beginn der norwegischen Herrschaft noch aufgefangen werden, indem sich mittellos gewordene Bauern und Kleinpächter der Fischerei zuwandten. Durch den Städtebund der Hanse wurde der Aufkauf und Vertrieb besonders von Trockenfisch forciert, der damals in ganz Europa eine begehrte Fastenspeise war. Mit dem zunehmenden Schiffsverkehr wurde aber auch die Verbreitung von Seuchen gefördert. Über den Hafen von Bergen kam 1349 die Pest nach Norwegen und raffte dort einen großen Teil der Bevölkerung dahin. Ganze Landstriche wurden dermaßen entvölkert, dass die Wirtschaft kollabierte und das feudalistische System schließlich zusammenbrach. Auch in Island wütete der Schwarze Tod und die norwegische Misere führte dazu, dass der Schiffsverkehr nicht mehr aufrechterhalten werden konnte und die Insel isoliert und von Importen abgeschnitten war.

    Als 1380 König Håkon VI. starb, war das vor über hundert Jahren zur Großmacht aufgestiegene norwegische Reich ausgeblutet. Da er keinen männlichen Erben hinterließ, wurde das Land, ebenso wie Island, von Dänemark übernommen. 1905 gewann Norwegen seine Selbstständigkeit zurück. In Island dauerte der Zustand der Fremdherrschaft noch 39 Jahre länger an.

    Das wirtschaftliche und soziale Leben auf der Insel war zu Beginn der dänischen Zeit katastrophal. Der Fischfang, die einzige Erwerbsquelle in diesen Jahren, musste mit offenen Ruderbooten ausgeführt werden. Schließlich grassierte, schlimmer noch als im 14. Jh., die Pest auf Island, die 1402–1404 zwei Drittel der Bevölkerung hinwegraffte. Der dänische Krone war daran gelegen, auch noch die letzten beiden Aktivposten, die den Isländern geblieben waren, aus machtpolitischen Gründen zu untergraben: die Fischerei und die wenigen Kirchengüter, die Gewinn abwarfen. Handelsbeziehungen mit Ausländern wurden von den Dänen ab 1490 durch eine Verordnung, Þíningsdómur, gekappt, indem man sie durch Aufenthaltsverbote und Zölle abschreckte und arme Isländer zur Landwirtschaft zwang.

    50 Jahre danach intervenierte das inzwischen protestantisch gewordene Königreich auch in Glaubensdingen und verordnete die Reformation. Dies ging bei den traditionell katholischen Isländern nicht ohne Druck. Erst 1551 konnte die neue Konfession völlig durchgesetzt werden, nachdem man Jón Arason, den Bischof von Hólar und entschiedensten Gegner der Reformation, zusammen mit zwei Söhnen und einigen Gefolgsleuten enthauptete. Vorher war es Arason noch gelungen, gegen die Dänen einen Feldzug nach Südisland durchzuführen und auf Viðey, einem Inselchen bei Reykjavík, das geplünderte Kloster wiederherzustellen sowie Verteidigungsanlagen zu dessen Schutz bauen zu lassen.

    Die Neuzeit – 300 Jahre des Leidens

    Die lange Reihe der politischen und Naturkatastrophen, die das ausgehende Mittelalter geprägt hatte, sollte sich nach der Reformation in den nächsten 300 Jahren sogar noch verschlechtern. Dänemark wollte nach den Erfahrung des 15./16. Jh. den Islandhandel mit keiner anderen Macht mehr teilen, sondern völlig in eigener Regie durchführen; selbst um den Preis der völligen Verelendung der Isländer. Seit 1602 (und bis 1787) lag das alleinige Handelsmonopol bei dänischen Gesellschaften in Malmö, Helsingør und Kopenhagen. Dadurch wurde die Handelstätigkeit insgesamt stark eingeschränkt, andererseits blühte der Schwarzhandel.

    Damit die Insulaner das Monopol nicht selbst unterlaufen konnten, verbot man ihnen 1621 gar die Seefahrt mit größeren Booten. Die dänischen Gesellschaften konnten die Fischpreise nach Belieben diktieren und für lächerliche Summen einkaufen, andererseits aber als Importware teure und minderwertige Produkte liefern. Auf dem Land waren längst schon die größten Areale (etwa 50 % der Nutzfläche) an die Krone gefallen, die durch einen Landvogt vertreten wurde, der Rest an einige wenige Großgrundbesitzer. Die breite Masse versank in bitterster Armut – aus der Insel der freien Bauern war eine der Hungerleider, Besitzlosen und Schwindsüchtigen geworden. Halldór Laxness‘ Romantrilogie „Islandglocke" (1943–1946) gibt eine packende und realistische Schilderung dieser isländischen Drangsal. Zu allem Übel kamen Klimaverschlechterungen, harte Winter und Naturkatastrophen: 1618, 1619, 1625, 1636, 1660 und 1693 hatten Vulkanausbrüche und/oder Erdbeben verheerende Folgen. Und als wäre die Insel noch nicht genug gestraft, suchten zu Anfang des 17. Jh. verstärkt fremdländische Seeräuber die Südküste heim, um die Bevölkerung als Sklaven nach Nordafrika zu verschleppen. Am bekanntesten war der Überfall der „Türken" im Jahr 1627, der die Westmännerinseln betraf (s. S. 400). Es ist schon ein kleines Wunder, dass das Volk in diesen Zeiten überlebte und seine Identität und Sprache bewahrte.

    Eine Reihe von Naturkatastrophen, Hungersnöten und Seuchen führte die Insel dem absoluten Tiefpunkt zu. Eine Volkszählung im Jahr 1703 hatte ergeben, dass die Bevölkerung von 80.000 auf 50.358 Menschen gesunken war. Jeder fünfte Einwohner lebte unterhalb des Existenzminimums, 44 % aller Höfe waren aufgegeben worden. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts sollte es keine Erholung geben, im Gegenteil kam es erneut zu schlimmen Vulkanausbrüchen und Erdbeben, die zudem häufig mit Gletscherläufen verbunden waren. Naturgemäß zogen die jeweiligen Ernteausfälle Hungersnöte nach sich. Der Ausbruch der Laki-Spalte, 1783/84, die wohl größte Naturkatastrophe auf der Insel, führte mit der Langzeitwirkung der dabei ausgestoßenen giftigen Gase dazu, dass die inzwischen wieder angestiegene Zahl der Bevölkerung auf der Insel um knapp ein Viertel (von 48.884 auf 38.363) dezimiert wurde. Außerdem fielen 50 % der Rinder, 76 % der Pferde und 79 % der Schafe der Eruption zum Opfer. Eine nachfolgende Pockenepidemie brachte das Volk an den Rand der Auslöschung. Daraufhin dachte man in Kopenhagen ernsthaft daran, Island aufzugeben und die Überlebenden zur Urbarmachung der Heide nach Jütland zu evakuieren.

    Islands einzigartige Natur vernichtete im 17. und 18. Jh. beinahe die Lebensgrundlage seiner Bewohner

    Immerhin hatte die Laki-Katastrophe zur Folge, dass sich die Blicke der Kolonialmacht auf ihre arme Provinz richteten. Selbst im fernen Kopenhagen merkte man, dass es so mit dem nordatlantischen Vorposten nicht weitergehen konnte. Eine erste Lockerung der strengen Handelsbestimmungen erfolgte wenige Monate nach dem Abflauen der vulkanischen Tätigkeit. Doch musste Island noch einige Dekaden warten, bis eine Besserung der sozialen Lage spürbar wurde. Denn mit den Napoleonischen Kriegen hatten Europa und Dänemark andere politische Prioritäten.

    Politisch und administrativ war den Isländern durch die Auflösung des Althing im Jahr 1800 zudem eine schmerzhafte Beschneidung ihrer nationalen Identität beigebracht worden. Indem die Dänen in einer Verwaltungsreform den Obersten Gerichtshof im damaligen 300-Seelen-Ort Reykjavík ansiedelten, leiteten sie andererseits aber den Aufschwung des Dorfes zur Hauptstadt unserer Tage ein.

    Äußere Kräfte leiteten zu Beginn des 19. Jh. eine wirtschaftliche Erholung und das Erwachen eines Nationalbewusstseins ein. Das dänische Königreich war eine verhängnisvolle Waffenbrüderschaft mit Frankreich eingegangen und stand am Ende der napoleonischen Ära als Verlierer da. Es musste seine große Provinz Norwegen 1814 an die Siegermacht Schweden abtreten (nach einer sechsmonatigen Unabhängigkeit Norwegens). Island, Grönland und die Färöer verblieben zwar unter der Kopenhagener Administration, doch fand nun der Ruf nach Selbstständigkeit immer häufiger seinen Weg auch in den Nordatlantik. In Jón Sigurðsson (1811–1879), ihrem bis heute verehrten Nationalhelden, besaßen die Isländer eine überragende Gestalt, die ihrer politischen Emanzipation Ausdruck verlieh und die Forderung nach Loslösung von Dänemark stellte.

    Passend zur Stimmungslage verfasste der nationalromantische Poet Bjarni Þorarensen Gedichte, die die glorreiche Sagazeit zum Thema hatten und schrieb das noch heute populäre Nationallied Eldgamla Ísafold. Ein erster Erfolg war 1843 mit der Wiedereinsetzung des Althing erreicht, das allerdings noch keine gesetzgebende Gewalt bekam. Die soziale Situation verbesserte sich dadurch, dass 1854 der Handel komplett freigegeben wurde. Doch ging der Wandel vielen Landeskindern nicht schnell genug. Zwischen 1855 und 1890 wanderten rund 12.000 Menschen in die USA und nach Kanada aus.

    1874, anlässlich der 1.000-Jahr-Feier der Besiedlung, empfing die Insel König Christian IX. als Gast, der ihr die lang ersehnte neue Verfassung mitbrachte. Darin wurde dem Althing wieder seine alte, legislative Funktion zugebilligt, daneben konnten die Isländer nun über ihre Finanzen und Rechtsprechung selbst bestimmen.

    Das 20. und 21. Jahrhundert

    Der Weg zur Unabhängigkeit

    Erst nachdem im Königreich Dänemark 1901 eine liberale Regierung ans Ruder gekommen war, erhielt Island echte Selbstverwaltung. 1904 konnte Island als autonomer Landesteil etabliert werden. Die Nation gestaltete ihren neuen Status wie der Freistaat geendet hatte: mit Parteiengezänk. Folgenschwer war die Entscheidung des Althing im Jahr 1909, die Prohibition durchzusetzen, die erst 1989 völlig beendet wurde. Während einige Zeitgenossen diesen Schritt schon damals kritisierten, stieß die Gründung der Universität von Reykjavík im Jahr 1911 auf allgemeine Zustimmung. Am Ende des Ersten Weltkriegs regte die dänische Regierung einen zunächst auf 25 Jahre befristeten Vertrag an, der die staatliche Unabhängigkeit vorsah. In einer Volksabstimmung wurde mit über 12.000 Ja-Stimmen der Vorschlag angenommen, nur 897 Stimmberechtigte waren dagegen. Die 1918 zur Realität gewordene Souveränität machte das Land zum ersten Mal seit dem Mittelalter in allen Belangen unabhängig, einschließlich eigener Landesflagge.

    Das letzte Kappen der Stränge zu Dänemark resultierte aus der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Deutschland hatte 1940 Dänemark (und Norwegen) besetzt, womit die Verbindung abgerissen war. Im Gegenzug wurde die strategisch wichtige Insel – die ja nahe der Seerouten zwischen Europa und Nordamerika und den sowjetischen Häfen am Weißen Meer lag – am 10. Mai 1940 von britischen Truppen besetzt. Der weltpolitischen Situation Rechnung tragend erklärte das Althing, dass „nach Lage der Dinge Island berechtigt ist, die Union mit Dänemark aufzuheben, da es gezwungen war, all seine Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen". Fast gleichzeitig übernahmen die USA den Schutz der Insel von den Briten.

    Obwohl sich keine Kriegshandlungen auf Island abspielten, war die Anwesenheit der alliierten Streitkräfte doch von allergrößter Bedeutung – sowohl in sozialer und politischer, als auch in infrastruktureller und kultureller Hinsicht. Niemals zuvor war das bis dahin rein bäuerliche Volk mit einer solchen Zahl von Ausländern konfrontiert worden. Die Soldaten machten zeitweilig ein Drittel der Bevölkerung aus. Niemals zuvor kam man so schnell in den Genuss bisher unbekannter Waren, niemals zuvor ist soviel gebaut worden (Straßen, Häuser, Flugplatz Keflavík etc.). Island war eines der wenigen Völker in Europa, das vom Krieg profitieren konnte: Die Fischexporte stiegen sprunghaft an und die Bezahlung in Dollar machte Importe in bisher nicht gekanntem Umfang möglich; zum ersten Mal zog ein Hauch von Wohlstand auf die Insel.

    In einer 1944 abgehaltenen Volksabstimmung sprachen sich 95 % der Landeskinder für die Republik auf demokratischer Grundlage aus und stimmten dafür, die Union mit Dänemark endgültig zu beenden. Die Ausrufung der unabhängigen Republik Island fand am 17. Juni 1944, dem Geburtstag des Freiheitshelden Jón Sigurðsson, am historischen Platz in Þingvellir statt. Damit hatte das Land – 682 Jahre nach Auflösung des Freistaats – wieder in die Gemeinschaft der souveränen Staaten zurückgefunden. Es folgte der Eintritt in alle möglichen Organisationen; u. a. wurde Island 1945 der Weltbank angeschlossen, 1946 in die UNO aufgenommen, 1947 Mitglied der OECD, 1949 der NATO. Im Rahmen eines bilateralen Verteidigungsabkommens von 1951 hatten die Amerikaner bis 2006 einen Militärstützpunkt auf der Insel. Seit Juli 2010 war Island, hauptsächlich infolge der Finanzkrise 2008/2009, EU-Beitrittskandidat. 2015 zog das Land seinen Beitrittsantrag allerdings zurück.

    Die Zeit des modernen Island beginnt mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie war und ist gekennzeichnet durch einen tiefgreifenden Strukturwandel, in dem die Insel innerhalb kürzester Zeit den Sprung vom Armenhaus Europas zu einem Land mit einem der höchsten Lebensstandards in der Welt schaffte. Ein ganzes Bauern- und Fischervolk, das zu 90 % auf dem Land lebte, zog in die Städte bzw. nach Reykjavík, stürzte sich in einen Kaufrausch und war wenig später flächendeckend mit Fernsehern, Autos, Eigenheimen, Schwimmbädern, Einkaufszentren, PCs und Handys ausgestattet.

    Parteien und Regierung

    Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Althing, das seit 1991 nur eine Kammer besitzt. Es hat derzeit 63 Abgeordnete, die in sechs Wahlkreisen für jeweils 4 Jahre gewählt werden. Die Wahlbeteiligung lag in der Vergangenheit stets bei deutlich über 80 %.

    Die 1929 gegründete Unabhängigkeitspartei, Sjálfstæðisflokku, ist die nach Mitgliederzahlen größte Partei des Landes und steht dem EU-Beitritt ablehnend gegenüber. 2007 kam es zu einer großen Koalition unter Premierminister Geir Hilmar Haarde (Unabhängigkeitspartei). Diese Regierung hatte das Pech, Ende 2008 mit der globalen Finanzkrise in die größten Turbulenzen der Nachkriegszeit zu geraten, die schnell auch eine Regierungskrise nach sich zog. Nach fast täglichen Protesten musste Geir Haarde im Januar 2009 seinen Rücktritt bekannt geben. Die Allianz, Samfylkingin, entstand 1999 durch den Zusammenschluss mehrerer linksorientierter Vorgängerparteien. Die vorgezogenen Neuwahlen brachten 2009 erstmals seit 1944 eine absolute Mehrheit für die linken Parteien. Die Allianz führte eine linke Minderheitsregierung gemeinsam mit der ebenfalls 1999 gegründeten Links-Grünen Bewegung, Vinstrihreyfing-Grænt framboð, unter Duldung durch die linksliberale Fortschrittspartei, Framsóknarflokkur. Zusammen mit der Links-Grünen Bewegung erreichte die Allianz 51,5 % der Stimmen und bildete unter Jóhanna Sigurðardóttir eine neue Regierung.

    Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise konnten von der Regierung nur unzureichend bekämpft werden, sodass die linken Parteien bei den Parlamentswahlen 2013 teils erdrutschartige Stimmenverluste erlitten. Die Folge war die Bildung einer neuen Regierungskoalition der Unabhängigkeitspartei mit der Fortschrittspartei, deren Vorsitzender, Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, Premierminister wurde. Nachdem im Zuge der Veröffentlichung der sog. Panama Papers bekannt geworden war, dass er jahrelang Briefkastenfirmen in Südamerika besessen hatte, trat Gunnlaugson 2016 nach einigen filmreifen Volten auf massiven politischen und öffentlichen Druck zurück.

    Nach den Neuwahlen im Oktober 2016 konnte erst im vierten Anlauf eine neue Regierung unter Bjarni Benediktsson (Unabhängigkeitspartei) gebildet werden. Schon im September 2017 löste sich die Koalition aufgrund von skandalträchtigen Enthüllungen über Benediktssons Vater jedoch wieder auf. Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2017 blieb die Unabhängigkeitspartei mit 25,2 % trotz Verlusten stärkste Kraft. Den Auftrag zur Regierungsbildung erhielt jedoch die Links-Grüne Bewegung (16,9 %) und im November 2017 wurde die Bildung einer Koalition aus Links-Grünen, Unabhängigkeitspartei und Fortschrittspartei unter Führung von Premierministerin Katrín Jakobsdóttir (Links-Grün) verkündet.

    Eine andere Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise war der Vertrauensverlust der Isländer in die Politik, der sich u. a. durch sinkende Wahlbeteiligung bemerkbar machte. Und auch durch Kuriositäten, wie dem Sieg der Spaß-Partei „Beste Partei" („Besti flokkurinn"), in der viele Künstler und andere prominente Isländer mitarbeiten, bei den Kommunalwahlen 2010. Frontmann der inzwischen wieder aufgelösten Partei war der TV-Komiker Jón Gnarr, der im Wahlkampf u. a. kostenlose Handtücher an allen heißen Quellen versprochen hatte. 2010–2014 füllte Gnarr die Rolle des Oberbürgermeisters von Reykjavík recht unkonventionell aus.

    Während der Ministerpräsident mit seinem Kabinett für die Gestaltung der praktischen Politik verantwortlich ist, dient das Amt des Staatspräsidenten hauptsächlich repräsentativen Zwecken. Seit 2016 bekleidet dieses Amt der Historiker und parteipolitisch nicht festgelegte Guðni Th. Jóhannesson.

    Zeittafel

    Landschaftlicher Überblick

    Die Entstehung des Landes

    Noch in der Kreidezeit (bis vor ca. 125 Mio. Jahren) gab es den Nordatlantik nicht. Nordamerika, Grönland und Europa bildeten einen Kontinent, verbunden von einem riesigen Gebirgszug, dessen Überreste sich in den Appalachen, in Neufundland, Ostgrönland, im schottischen Hochland und auf Spitzbergen nachweisen lassen. Als sich die Platte in Eurasien und Nordamerika teilte, füllte sich die Senke über der Nahtstelle mit Wasser, der Nordatlantik entstand. Dem Ozeanboden entströmte (und entströmt) aber weiterhin Lava. Der größte Teil der weltweit geförderten Lava, nämlich rund 70 %, wird auf dem Grund der Weltmeere produziert. Das neue Material wurde zum sog. Mittelatlantischen Rücken aufgeworfen, der heute ungefähr in der Mitte zwischen der ostamerikanischen und westeuropäischen bzw. westafrikanischen Küstenlinie verläuft. Er ist 15.000 km lang, 500–2.000 km breit und erhebt sich bis zu 2.500 m über dem Meeresboden. Von der Mitte dieses Rückens driften nach wie vor die Kontinente nach außen, um ca. 1 cm pro Jahr zu jeder Seite.

    Island ist, wie z. B. die Azoren, eine der wenigen Spitzen des Mittelatlantischen Rückens, die die Meeresoberfläche durchbrochen haben. Das geschah erst vor rund 60 Mio. Jahren, als ein Teil des Rückens über eine Magmakammer von außergewöhnlich hoher Temperatur und erhöhter Förderung, einen hot spot, geriet. Der unterseeische Sockel wuchs immer schneller. Vor ca. 20 bis 16 Mio. Jahren erreichte die Lava zum ersten Mal Meeresniveau und Island war geboren. Eine ungefähre Vorstellung von dieser Geburt bekam man am 14. November 1963, als vor den Kameras der Weltöffentlichkeit zischend und brodelnd das Inselchen Surtsey bei den Westmännerinseln ans Tageslicht trat (s. S. 396).

    In den folgenden Jahrmillionen vergrößerte sich die Insel, indem immer neues vulkanisches Material gefördert und zu Plateau- oder Flutbasalten aufgeschichtet wurde. Die Plateaubasalte reichen bis zu 10.000 m ins Erdinnere hinab und dokumentieren, wie sich eine Lavaschicht nach der anderen über das Land ergossen hat. Da die Driftbewegung nach wie vor von der Mitte ausgeht, müssen sich die ältesten Gesteine also am Rand der Insel befinden, wo sie im äußersten Westen und Osten 17 bzw. 13 Mio. Jahre aufweisen. Entsprechend der Driftbewegung ist die West-Ost-Ausdehnung Islands größer als die in nord-südlichen Richtung. Und noch etwas ist klar: Die Insel wird stetig größer!

    Basaltsäulen im Vesturdalur

    Die jüngsten Gesteine finden sich im Landesinneren, wo die Basalte nur 3 bis 0,7 Mio. Jahre alt sind. Ein 40 bis 60 km breiter Gürtel, der die Insel von Südwesten nach Nordosten durchzieht und dem etwa ein Drittel ihrer Oberfläche zuzuordnen sind, säumt als vulkanisch aktive Zone jene Nahtstelle, an der nach wie vor neues Land entsteht und das bereits entstandene zur Seite weggedrückt wird. Häufig sind die Reißkräfte des Erdinneren mit bloßem Auge zu sehen: Da gehen tiefe Risse durch Hunderte Meter dicke Gletscher oder wird der 1.900 m hohe Vulkan Kverkfjöll in zwei Teile gespalten.

    Island ist die aktivste Vulkanregion der Nacheiszeit. Faszinierend ist, dass hier jene Entstehungsvorgänge unserer Welt zu beobachten sind,

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