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Israel - Dschihad in Tel Aviv

Israel - Dschihad in Tel Aviv

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Israel - Dschihad in Tel Aviv

Länge:
399 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Apr. 2019
ISBN:
9781547530649
Format:
Buch

Beschreibung

Spannender Agententhriller, in den tatsächliche Geschehnisse geschickt eingewoben wurden.

Yael Cohen ist eine überaus intelligente Agentin und leitet beim Mossad - dem israelischen Auslandsgeheimdienst - ein Team von Spezialisten. Dazu gehören unter anderem eine Mathematikerin, zwei junge Computergenies und bald auch der amerikansche Agent Green, der seinen Gefühlen gerne mit Flüchen zusätzlichen Ausdruck verleiht. Es ist jedoch nicht leicht, dem Terrorismus immer einen Schritt voraus zu sein, denn Terroranschläge gehören in Israel leider zum Alltag.

Herausgeber:
Freigegeben:
6. Apr. 2019
ISBN:
9781547530649
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Israel - Dschihad in Tel Aviv - Ariel Lilli Cohen

ISRAEL

DSCHIHAD IN TEL AVIV

Ein Roman von Ariel Lilli Cohen

Copyright © 2017 von Ariel Lilli Cohen

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Publikation darf auf irgendeine Weise ohne vorherige schriftliche Zustimmung vervielfältigt, verteilt oder an Dritte übergeben werden.

www.ariellillicohen.com

www.ariellillicohen.co.il

ariel@ariellillicohen.co.il

Hinweis des Verlegers: Dies ist eine erfundene Geschichte. Namen, Charaktere, Orte und Vorkommnisse sind wurden vom Autor frei erfunden.  Orte und öffentliche Namen werden teilweise zu Atmosphärischen Zwecken genutzt. Jegliche Ähnlichkeit zu tatsächlichen Menschen, lebend oder tot,  zu Geschäften, Betrieben, Geschehnissen, Einrichtungen oder Orten ist reiner Zufall.

Gedruckt in Israel –Tel Aviv 330033 - Dezember 2017

Israel Dschihad in Tel Aviv

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ISBN: 978-0-244-05832-6

Israel Dschihad in Tel Aviv basiert auf den israelischen Serien

Israel Dschihad

Ein Roman von Ariel Lilli Cohen

1. Ausgabe

Inhaltsverzeichnis

Zitat 

Widmung 

Vorwort

Prolog

Kapitel 1 - Yael

Kapitel 2 - Muhammad 

Kapitel 3 - Yossi Kadosh 

Kapitel 4 - Yael & Avner 

Kapitel 5 - Journalismus 

Kapitel 6 - Avner 

Kapitel 7 - Alles Gute zum Geburtstag

Kapitel 8 - Widerstandsfähigkeit

Kapitel 9 - Süß wie Salz 

Kapitel 10 - Meine Liebe 

Kapitel 11 - Der Frieden beginnt  

Kapitel 12 - Eine seltene Perle 

Kapitel 13 - Mainstream 

Kapitel 14 - Wir sind alle Amerikaner

Kapitel 15 - Die Sonne geht unter

Kapitel 16 - Mein erster Tag  

Kapitel 17 - Hadas & Aisha  

Kapitel 18 - Das Spiel beginnt 

Kapitel 19 - Wer ohne Sünde ist

Kapitel 20 - Ein Schaf unter Wölfen  

Kapitel 21 - Die Furcht beginnt aufs Neue  

Kapitel 22 - Der Anfang vom Ende  

Kapitel 23 - Eine geprägte Generation 

Kapitel 24 - Ein neuer Tag bricht an

Kapitel 25 - Wir sind alle Europäer 

Kapitel 26 - Der gute Muslim     

Kapitel 27 - Hi, ich bin Monique  

Kapitel 28 - Ich liebe dich  

Kapitel 29 - Der Judaskuss 

Kapitel 30 - Der Lieblingssohn    

Kapitel 31 - Die Unsichtbaren  

Kapitel 32 - Der Geruch von Sex 

Kapitel 33 - Yael & Youssef     

Kapitel 34 - Blaues Gold 

Kapitel 35 - Bis es zum Krieg kommt, besteht Hoffnung

Kapitel 36 - Mein Freund aus Pakistan   

Kapitel 37 - Zwei nette Frauen    

Kapitel 38 - Die amerikanische Botschaft 

Kapitel 39 - Yamas  

Kapitel 40 - Immunschwäche  

Kapitel 41 - Tel Aviv  

Kapitel 42 - Alte Freunde  

Kapitel 43 - Epilog 

Zitat

––––––––

In Israel stirbt eigentlich niemand.

In Israel lebt aber auch niemand wirklich.

Ariel Lilli Cohen

Widmung

––––––––

Ich widme diesen Roman...

Hadar Cohen

(Or Yehuda 1997 – Jerusalem 2016)

Hadas Malka

(Ashdod 1994 – Jerusalem 2017)

Solomon Gavriyah

(Be’er Yaakov 1997 – Har Adar 2017)

––––––––

Mögen unsere gefallenen und verwundeten Helden, die sich geopfert haben, um unsere Freiheit und Sicherheit zu beschützen, unsere tiefste Dankbarkeit empfangen.

Wir werden euer Opfer nie vergessen.

––––––––

Ariel Lilli

Vorwort

"Die jüdischen Menschen überdauerten die Jahrhunderte. Die jüdischen Menschen litten während jedem dieser Jahrhunderte. Das hat sie stärker werden lassen." Anne Frank

Wie sehr ich doch in den frühen Morgenstunden den bitterkalten Wind in Haifa vermisse.

Einen IQ von 170 zu besitzen, ist ein Fluch. Meine Intelligenz raubte mir die Jugend. Ich hätte so viele Dinge tun können: Volleyball spielen, Klavier lernen oder Model werden ...

Stattdessen bin ich jetzt hier; in einem der renommiertesten Einsatzteams des nationalen Sicherheitsdienstes. 

Schwarz auf weiß zu schreiben und dennoch all meine Gefühle auszudrücken, ist nicht einfach, denn ich lebe mehrere Leben zugleich. Weil ich Angst habe, verrückt zu werden, weil ich mich selbst wiederfinden will, weil ich von Erlebnissen, Hoffnungen und von unterdrückten Wahrheiten und der Liebe inmitten all dem berichten will, schreibe ich nun diesen Roman. Monatelang undercover zu leben, manchmal sogar Jahre ohne Pause, Beziehungen aus dem echten Leben zu beenden, meine Freunde, meine Familie und manchmal auch mich selbst anzulügen, führte zu komplizierten Beziehungen mit Personen, die ich beruflich kennen gelernt habe. Diese Art von Lebensstil verändert einen. Es fällt einem immer schwerer, den Alltag aus Sicht eines „normalen", unbekümmerten Bürgers, wahrnehmen zu können.

Ich habe viel erlebt und bin nun müde. Ich bin es müde, immer hart zu arbeiten. Ich bin es müde, immerfort zu lügen. Ich bin es müde, dauernd Angst haben zu müssen.

Während eines Einsatzes weiß man nie, was alles passieren könnte. Vor zwei Monaten wären Shani und ich fast getötet worden. Wir wurden brutal zusammengeschlagen. Als ich schweißnass Blut in der Kehle schmeckte und es sich so anfühlte, als ob mein Herz gleich explodieren würde, habe ich mich gefragt, warum ich dem israelischen Geheimdienst beigetreten bin. Warum opfere ich dieser Sache mein Leben? Wenn mich ein Fremder auch nur für einen Augenblick zu lange anschaut, erstarre ich innerlich vor Angst. Man verlernt es, unbekümmert durchs Leben zu schreiten. Man ist immer achtsam.

Vor ein paar Jahren gelang es einer Terroristenzelle der Hamas, nahezu unbemerkt in Israel einzudringen. Als wir sie entdeckten, bereiteten sie gerade einen bakteriologischen Anschlag im Dizingoff-Center vor. Dieses Mal haben wir es geschafft, sie gerade noch rechtzeitig auszuschalten. Wenige Stunden später betrat ich das Einkaufszentrum dann erneut, um mit meinen Freunden Shani, Shlomit, Zoe und Aviv Eis essen zu gehen - wie ganz normale Menschen. All die anwesenden Familien und Kinder hätten ohne unser Eingreifen sterben müssen. Genau aus diesem Grund mache ich diesen Beruf. Um meine Mitmenschen zu beschützen und - so hochgesteckt das auch klingen mag - um die Weltdemokratie zu beschützen.

Jetzt im Moment, während ich versuche, meine Gedanken zu Papier zu bringen, sitze ich in einem Café in der Richardson-Straße in Montreal, und warte auf einen Informanten. Ich hoffe, dass dieses Mal alles glattgeht.

Wird das alles hier je ein Ende haben? So viel Arbeit wurde bereits getan und so viel Arbeit muss noch getan werden! Ich erinnere mich an Milan vor sechs Monaten, San Diego, Buffalo und Tel Aviv und Madrid vor drei Monaten; und letzten Monat war da noch das Musikgeschäft zwischen der Pitt-Straße und dem runden Kaiplatz in Sydney. 

Ich erinnere mich an sämtliche Angriffe, zu deren Vereitlung ich beigetragen habe. Ich denke an all die namenlosen Sterne, die am Eingang des Haupteingangs meiner Behörde in Tel Aviv hängen. Ich denke an all die Agenten, die im Dienst ihr Leben geopfert haben, um unter anderem deines zu retten.

Bitte stelle sicher, dass ihr Tod nicht umsonst war. Ich wünsche mir eine Welt, in der mein Beruf unnötig wäre. Eine Welt ohne Konflikte, die durch religiösen Extremismus verursacht werden.

Während ich dies schreibe, schweifen meine Gedanken zu meinen Kollegen in Jerusalem ab, die das letzte Bollwerk der Demokratie darstellen; zu den Löwen und Löwinnen von Magav, zu Shira, die tagtäglich am Kämpfen ist und zu Heli, die den Außendienst am Damaskustor nach drei langen Jahren schließlich quittierte.

Ich bedanke mich für das Privileg, die Menschen in Israel, einem der heiligsten Orte dieser Welt, beschützen zu dürfen. Ich danke auch Hadar und Hadas, die ihr Leben für Jerusalem geopfert haben und Solomon, der in Har Adar gefallen ist. Ich empfinde tiefes Mitgefühl für seine Freundin Betty und seine trauernden Verwandten. Wie viele Menschen, Mütter, Väter, Brüder, Schwestern, Freunde und Freundinnen müssen denn noch ihrer Liebsten beraubt werden? Wie viele werden wegen Anschlägen noch alleine zurückgelassen?

Ich möchte aber nicht nur die Hände der Täter für diese Verbrechen verurteilen.

Mein Zorn, meine Wut und meine Verachtung richten sich auch gegen diejenigen, die eben diese Hände trotz ihrer Ideologien mit Waffen ausstatten. Ihre Reden, gefüllt von Hass und Feindseligkeit, füllen wie das Wasser in der Wüste die leeren Leben dieser Leute, die von einer extremistischen Ideologie einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Gerade jene haben Blut an ihren Händen. Während sie zu Hause bleiben, sicher im Warmen, senden sie junge Männer in den Tod, nachdem sie sie zu blindem Hass erzogen haben.

Es fühlt sich so an, als ob ich früher oder später auch an dieser Wand hänge. Ein kleiner Stern inmitten von vielen. Ich werde es meinen gefallenen Kameraden gleichtun. Jungen, verliebten Leuten mit einem Leben, das sie nicht leben konnten. Manchmal wünsche ich mir wirklich, bei ihnen zu sein. 

Dieser Beruf nagt einem am Bewusstsein. Man muss Dinge sehen und Dinge tun, die man sich überhaupt nicht vorzustellen vermag. Früher oder später werde ich auch einen leichtsinnigen Fehler machen; eine falsche Entscheidung treffen. Einen Fehler, der mich das Leben kosten wird. Das Leben, das sich gerade sehr leer anfühlt.

Ich hoffe, dass dieses Buch unterhaltsam sein wird und zum Denken anregt. Ich musste ein paar Namen ändern und ein paar Ereignisse vertuschen, die andernfalls die Sicherheit des Staates Israel gefährden würden. In Form dieses Romans kannst du nun einen Ausschnitt dessen erleben, was sich tatsächlich so zugetragen hat. Dinge, die die Medien vertuscht, ignoriert oder verändert haben. Außerdem hoffe ich, dass du meine Nachricht der Hoffnung und der Liebe bemerkst, die zwischen den Zeilen versteckt ist.

Dies ist eine Reise am Rande des Gesetzes, die ich 2014 kurz vor dem Gazakrieg antrat. Sie handelt von einer Gruppe von Freunden, die innerhalb weniger Monate zu einem der besten Einsatzteams des Mossad wurden.

Ariel Lilli

Prolog

14. Januar 2014 - Hotel Kempinski, Genf

Noora sitzt an der Hotelbar. Es mag vielleicht an der Farbe liegen, die alles um sie herum von der Bar über die Decke bis zu den Stühlen in Lila einhüllt, oder aber es liegt an dem Licht der Abenddämmerung, die dem großen Fluss vor ihr einen sogar noch wehmütigeren Anblick verleiht, aber Nooras Gedanken schweifen ab zu Erinnerungen, wie alles einmal war.

Sie fühlt ein eigenartiges Gefühl in ihrer Magengrube, als sie an die wunderbaren Jahre in Eton mit Leuten aus der ganzen Welt zurückdenkt, die auch nicht viel besser waren als sie selbst, wie sie schon bald feststellen musste. Dennoch waren es sehr schöne Jahre. Sie hat sogar etwas Sehnsucht nach ihren Lehrern, obwohl sie die meisten davon damals noch gehasst hatte. Und dann war da noch ihr Lehrer in Sozialwissenschaften an der Uni in New York ... Ach wie sie sehr sie doch New York vermisste ... Vor allem die windigen Tage, wenn die Luft in den Alleen herumwirbelte und es eine Herausforderung darstellte, die Kleidung anzubehalten. Sie schwelgt in ihren Erinnerungen über das kalte Wetter; dieselbe Kälte, die auch die Luft in Genf so klar macht und den See tausende Lichter aus der Quai-de-Mont-Blanc-Straße reflektieren lässt. Beinahe jeder, der im Mittleren Osten aufgewachsen ist, hasst diese Kälte; sie ist irgendwie falsch und unnatürlich. Noora aber gefällt sie. Sie bekommt dadurch das angenehme Verlangen, mit jemandem zu kuscheln, damit ihr wieder warm wird.

Wie lange ist das schon her? Fünfzehn? Ja, es waren beinahe fünfzehn Monate vergangen, bis sie den Katar verlassen konnte. Die Reise nach Genf war ihr erster Urlaub, seit sie sich für so lange Zeit an einem Ort aufgehalten hatte, der sich schon lange nicht mehr wie zu Hause anfühlte. Jedenfalls ist es das, was sie hätte erwarten sollen, als sie sich dazu bereit erklärte, die dritte Frau des Emirs von Katar zu werden. Zunächst fühlte sie sich geschmeichelt und stellte sich vor, wie viel Gutes sie mit Organisationen wie UNICEF würde tun können. Sie könnte endlich all das, was sie während ihres Studiums gelernt hatte, in die Tat umsetzen und so vielen verwaisten und benachteiligten Kindern helfen. Die alltägliche Realität erwies sich dann jedoch ganz anders als erwartet: Dinnerpartys, die mehr förmliche Treffen als Partys waren, aber nichts wirklich Handgreifliches. Sie wurde ein UNICEF-Botschafter, aber wusste sehr gut, dass das mehr dem immensen Reichtum der königlichen Familie zu verdanken war, als ihren Fähigkeiten. Die beiden anderen Frauen fühlten sich wohler in ihrer Rolle, aber sie waren schließlich auch die Cousinen des Emirs und gehörten zur Familie. Sie dagegen gehörte nicht dazu. Sie kam in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Tochter eines Botschafters auf die Welt und jetzt war sie eine Sheika. Warum also wollte sie so weit weg, wie es nur ging?

Nooras Anfall von Nostalgie wird abrupt unterbrochen, als sich ein elegant gekleideter Mann der Bar nähert; er sieht ebenfalls nicht besonders glücklich aus, aber mehr auf eine enttäuschte als melancholische Art und Weise. Er ist sehr attraktiv, und athletisch gebaut, und hat irgendwie einen eigenartigen Ausdruck in den Augen. Noora will ihn nicht weiter anstarren und wendet ihre Augen ab, da ihre Bodyguards sie definitiv beobachten, und wer weiß schon, was die dem Emir alles berichten. Mit einem letzten verstohlenen Blick fällt ihr ein kleines Detail auf, das irgendwie nicht zum Rest seiner Erscheinung passen will. Statt eines Stofftaschentuchs ragt aus seiner Jacketttasche eine Plakette mit einem Namen und einem Symbol heraus, das ihr nicht bekannt vorkommt.

Einen Whisky, bitte!, sagt der Mann, der nun vier Sitze weiter von Noora entfernt Platz nimmt, und sie damit nicht länger zur Alleinkundin des Barkeepers macht. Dieser hört damit auf, Weingläser zu polieren und fein säuberlich aufzureihen und begrüßt den Neuankömmling.

Irgendeine Vorliebe?

Glenlivet, wenn Sie den haben.

Der Barkeeper gießt dem Mann das Verlangte ein: Hier, bitteschön ... Jamal, sagt er und deutet auf die Plakette auf dessen Brusttasche.

Ja ... Können Sie mir vielleicht erklären, wie um alles in der Welt jemand mit zwei Damen nur zwei Jetons kriegt, aber dann in der fünften Runde von der Bank die dritte Königin aufgedeckt bekommt?!

Noora ist ein wenig verwirrt, während sie zu verstehen versucht, worüber sie da reden. Jamals klarer Akzent aus dem Mittleren Osten reizt ihre Neugierde.

Sie sollten wissen, sagt der Barkeeper, dass Poker zwar eine Geschicklichkeitssache ist, aber mindestens 60% sind reines Glück.

Und das erzählen Sie mir, antwortet Jamal sofort, Ich mache das beruflich.

Ich habe mich das schon immer gefragt. Kann man wirklich davon leben, auf Pokerturnieren mitzuspielen?

Darüber reden sie. Poker! Und aus irgendeinem Grund fühlt Noora, dass sich die potentiell gefährliche Situation wieder entspannt.

Natürlich. Man muss zwar gut sein, aber dann kann man damit auch gutes Geld verdienen. Das eigentliche Problem ist, dass man dauernd reisen muss.

Wo kommen Sie denn her, Jamal?

Noora ist sich fast sicher, dass Jamal kurz zögert, bevor er dem Barkeeper antwortet, weil er zu ihr herüberschaut und sie von Kopf bis Fuß mustert.

Aus Beirut im Libanon, sagt Jamal, aber scheint abgelenkt. Das ist eine weitere Bestätigung, denkt Noora, dann fährt er fort: Ich werde morgen nach Hong Kong abreisen und falls alles gut geht, danach weiter nach Tokio, Honolulu und Vancouver.

Noora schlägt ihre Beine übereinander und schlüpft aus ihrem linken Jimmy Choo, so dass er nur noch an ihren Zehen baumelt. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkt sie, dass ihre Geste Jamals Aufmerksamkeit hervorruft; sie bemerkt, wie seine Augen sie von oben bis unten mustern und ihr Herz beginnt, schneller zu schlagen.

Wow, die Stimme des Barkeepers verrät einen Hauch von Neid, und wo waren Sie, bevor sie nach Genf kamen?

Ich war für zwei Wochen in New York wegen eines wichtigen Zwei-Millionen-Dollar-Turniers.

Und, haben Sie gewonnen?

Ohne sich bewusst dafür zu entscheiden, fixiert Noora erstmals ihren Blick auf Jamal und fährt sich mit der Zungenspitze über ihre Oberlippe, so als ob ihr Lippenstift nicht nur eine Farbe wäre, sondern außerdem den Geschmack einer reifen Kirsche besäße. Dann steht sie auf, nimmt ihre Tasche und entfernt sich. Jemand bewegt sich. Sie kann einen Schatten erkennen, aber jemand hält ihn zurück. Noora betritt die Toilette in der Hotellobby.

Ehm ... Ich habe es nicht bis ins Finale geschafft. Ich habe nur zweihunderttausend gewonnen ... antwortet Jamal, aber ist im Geiste ganz wo anders.

****

Noora sitzt auf der Toilette und schüttelt sich. Ihr ist so heiß, dass es ihr so vorkommt, als ob jemand extra heiße Luft auf sie blasen würde. Warum hat sie sich so verhalten? Was hat sie sich nur dabei gedacht? Was, wenn ihre Bodyguards das mitbekommen hatten? Nun, was kann man jetzt noch daran ändern. Sie muss sich beruhigen. Und was, wenn Jamal ihre Einladung annimmt und ihr hierher folgt? Nein, das wird er nicht, wiederholt sie im Geiste immer wieder, während ihr Herzschlag kein Anzeichen machen will, langsamer zu werden. Als sie es endlich schafft, ihren Atem zu beruhigen, steht sie auf und öffnet die Tür, bereit um sich vor dem Spiegel zurechtzumachen. Jamal steht da und wartet auf sie. Es läuft ihr kalt den Rücken herunter, aber ein Teil von ihr, der ihr selbst noch völlig unbekannt ist, übernimmt die Führung.

Und ... wie war New York? Sie hört sich das selbst mit heiserer Stimme sagen, die ihr irgendwie nicht wie ihre eigene vorkommt.

Es war sehr windig, antwortet Jamal, während er sie packt und an sich heranzieht. Noora liebt das Gefühl seiner Hände auf ihrem Rücken und bietet ihm ihre Lippen dar. Einen Genuss, den sie bereits viel zu lange nicht mehr hat spüren dürfen.

Es ist ein langer, inniger Kuss. Währenddessen heben Jamals Hände ihr feines Seidenkleid an und beginnen, sie zu berühren; genau das will sie gerade auch von ihm. Dann blickt er ihr tief in die Augen und Noora erkennt endlich, was sie die ganze Zeit so eigenartig an ihm gefunden hat: Seine Augen waren unterschiedlich; das linke blau und das rechte braun, wie eine Kastanie. Er dreht sie herum. Noora weiß, was jetzt kommt. Sie spürt, wie er sich nach unten beugt und ihr Höschen herunterstreift. Er schiebt ihr Kleid nach oben. Noora stützt sich auf dem Waschbecken ab und stellt ihre Beine ein klein wenig weiter auseinander. Sie stöhnt, als er in sie eindringt. In Nooras Geist entfacht sich ein Feuerwerk; sobald sie sich davon erholt, pausiert er, beugt sich nach vorne und flüstert ihr ins Ohr:

Darf ich ...

Sie lässt ihn den Satz nicht einmal mehr beenden und sagt: Mach, was immer du willst!

****

Der Emir erreicht sein Hotel ein paar Minuten vor Mitternacht. Er ist in Gedanken versunken und sieht müde aus. Sobald er seine Suite erreicht, treffen sich sein und Faysals Blick. Faysal ist sein persönlicher Berater und bester Freund - womöglich sogar die einzige Person, der er wirklich vertraute.

Mein lieber Faysal, es ist doch alles hoffnungslos. Ich frage mich, warum wir uns überhaupt die Mühe gemacht haben, herzukommen. Der sture Assad wird niemals die amerikanischen Forderungen akzeptieren. Diese Hunde! Ich würde es auch nicht. Dann pausiert er, weil ihm Faysals Stirnrunzeln auffällt. Einen Gesichtsausdruck, den er nur dann macht, wenn etwas wirklich Ernstzunehmendes passiert ist. Dieses Mal muss es eine wirklich ernste Situation sein, weil er anstatt der üblichen großen Zigarre ein Tablet in Händen hält.

Faysal, was ist los?

Emir, ich muss dir etwas zeigen, aber bitte setz dich erst.

Dieser setzt sich und bekommt von Faysal das iPad gereicht, auf dem Bilder von Nooras Untreue zu sehen sind. Der Monarch explodiert vor Wut.

Dreckige Hure! Ich habe diese Schlampe erst vor drei Monaten geheiratet, sagt er, und was macht sie, wenn wir das erste Mal den Katar verlassen? Sie lässt sich wie eine Hure in einer Hoteltoilette ficken. Ich werde sie eigenhändig umbringen ... Er will gerade aufstehen, aber Faysals starke Hand hält ihn zurück.

Emir, es kommt noch schlimmer! Der Emir sieht Faysal ungläubig und bestürzt zugleich an.

Dieser Mann, dieser Hund, der diese Schandtat beging, ist ein israelischer Agent. Jeder im Raum erwartet einen weiteren Wutausbruch, aber der alte Emir verbleibt still und als er endlich spricht, ist seine Stimme kalt wie Eis.

„Es ist so weit. Endlich ist es so weit. Mit Allahs Hilfe wird bald nicht einmal mehr ein Stein von dem verdammten Staat Israel übrig sein. Es ist an der Zeit, die offene Rechnung zu begleichen. Faysal, mein Freund, bitte bestell die von der Hamas her und ruf Khalid an. Ich will, dass er sofort herkommt.  Und jetzt raus mit euch! Euch allen!" Die Wachen, die die ganze Zeit über still waren, verlassen den Raum; als alle draußen sind, flüstert Faysal auf seinem Weg hinaus:

Und Noora?

Ich werde sie selbst empfangen, antwortet der Emir mit einem Funkeln im Auge.

Erinnert euch daran, wessen Tochter sie ist, Emir.

"Ich werde sie nicht töten. Nicht jetzt zumindest, falls du es so wissen willst. Aber jetzt geh und ruf Khalid an.

Kapitel 1 - Yael

Zu viel Licht. Diese drei Worte wiederholen sich immer wieder in Yaels Gedanken, während sie mit dem Rest der Familie darauf wartet, dass Stern, der Rabbiner, mit seiner zeremoniellen Rede beginnt. Ausnahmsweise wird die Gedenkfeier dieses Jahr nicht auf Mount Herzel zelebriert - normalerweise werden militärische Trauerfeiern dort abgehalten - sondern auf der Ebene oben am Yad Vashem, dem sogenannten Berg der Erinnerungen, der für diesen Anlass feierlich dekoriert wurde.  Die Bühne, die der Rabbiner gleich betreten wird, steht direkt vor einem grobgemauerten Gebäude mit großen Fenstern, in dem Yael jedes Jahr mit ihren Klassenkameraden die Gefallenen des Staates Israel geehrt hat. Die Sitzplätze wurden in zwei große Flügel mit einem Durchgang in der Mitte aufgeteilt; der Generalstab der Armee ist auf der rechten Seite platziert und dahinter sitzen zwei Reihen Männer in Zivil, die aber auch alle Soldaten sind, wie Yael weiß. Tatsächlich sind es ehemalige Kollegen ihres Vaters und - jetzt kann sie es noch nicht wissen - bald ihre eigenen. Die linke Seite ist für Verwandte, Freunde und alle, die an der Gedenkfeier teilzunehmen wünschten, reserviert.

Die achtzehnjährige Yael trägt den für diesen Anlass angemessenen Dienstanzug, der für diesen besonders warmen Tag allerdings etwas zu dick ist. Ähnlich, wie die Wärme, die sie daher empfindet, durchströmt sie jetzt auch das leibhaftige Gefühl der Brüderlichkeit, das sie mit all diesen Menschen verbindet. Auf die gleiche Weise, wie die glühende Sonne unentwegt dieses Gefühl der Wärme verbreitet, lässt auch die ständige Bedrohung, die über das Land einzieht, das Gefühl von Zugehörigkeit in ihr und all ihren Kameraden anwachsen.

Hinter den Stühlen wird ein Tisch, der von ihrer Mutter mit Gläsern und Platten vorbereitet wurde, für den gleich nachfolgenden Empfang drapiert. In der Ferne kann man vage die Dächer Jerusalems erkennen. 

Yaels Augen brennen ...

Endlich betritt der Rabbiner die Bühne und beginnt mit seiner Rede: Wir sind heute zusammengekommen, um der zehn Jahre seit Erans Verschwinden zu gedenken. Er ist einer der Söhne, die der Shoa entfliehen konnten. Er gehört zur ersten Generation, die unser Herr uns nach diesen Jahren des Leidens und des Kummers schenkte ... Der Rabbiner spricht von Yaels eigenem Vater. Sie kennt die einzelnen Abschnitte der Rede auswendig: Seine glückliche Kindheit, seine prägenden Jahre im Kibbuz Zikim, ein paar Meter weg von dem, was jetzt der Gazastreifen ist, seine Sportauszeichnungen und schließlich seine militärische Karriere. Er war der jüngste Soldatenausbilder seiner Generation, und so weiter, bis zu seinem Tod während dem Libanonkrieg, wo er sich schließlich opferte, um seinen Trupp im Einsatz „Schlau und Reibungslos" gegen den Terroristenangriff in Zar’it Shlom zu retten.

All diese Schlachtnamen brannten sich fest in Yaels Gedächtnis ein, als sie sie vor zehn Jahren erstmals gehört hatte, und zwar von einem jungen Soldaten, der an die Tür ihres Hauses im Bauhausstil im Rotschildaviertel von Tel Aviv geklopft hatte. An diesem unvergesslichen Tag war Yael, die gerade erst acht geworden war, im kleinen Vorgarten mit ihrer besten Freundin Zohar und spielte Erwachsensein, indem sie sich gegenseitig Mutters Makeup auf die Wangen schmierten.

Dieser Mann, der aus einer Limousine ausgestiegen war, sprach sie an und lud sie, während er sich über sie beugte, dazu ein, ihm ins Hausinnere zu folgen, weil er mit ihrer Mutter Hodaya sprechen wollte. Yael sah, wie ihre Mutter auf dem Sessel zusammenbrach, mit ihrem Bauch, der bereits von ihrer baldigen Schwester Ariel bewohnt wurde, die ihren Vater nicht zu Gesicht bekommen würde. Yael erinnert sich abermals daran, wie ihr fast dreizehnjähriger Bruder Avner sich für drei Tage in seinem Zimmer einsperrte, und auch an das Gefühl der inneren Leere, die sie während der letzten zehn Jahre nicht zu füllen vermochte.

Der Verlust ihres Vaters hatte einen leeren Raum in ihr zurückgelassen. Sie vermisste seine kostbare Gegenwart während ihrer Kindheit; diese raren Kuschelmomente während einer kurzen Auszeit von seinem Dienst, um einen Abend mit der Familie zu verbringen; seine Antworten auf ihre unzähligen Fragen. Er war ein

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