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Der Dekalog: Eine retrospektive Betrachtung

Der Dekalog: Eine retrospektive Betrachtung

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Der Dekalog: Eine retrospektive Betrachtung

Länge:
407 Seiten
5 Stunden
Freigegeben:
8. Juni 2018
ISBN:
9783460510401
Format:
Buch

Beschreibung

Im Laufe der Jahrhunderte ist der Dekalog (die Zehn Gebote) zu einem Paradigma für ethischen und politischen Formalismus geworden: Nicht wie und warum er formuliert wurde, war wichtig, sondern nur, dass seine Gebote eingehalten wurden.
Debora Tonelli beschreitet einen historisch-politischen Weg, auf dem der inneren Verpflichtung des Individuums ein besonderes Augenmerk geliehen wird. Das Bewusstsein dieses Weges, der als Modell für eine "deontologische" Ethik betrachtet werden kann, führt einerseits zur Wiederentdeckung dieses kultur- und religionsgeschichtlich zentralen Textes und andererseits zur Kritik jeglichen ethischen und politischen Formalismus.
Freigegeben:
8. Juni 2018
ISBN:
9783460510401
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Der Dekalog - Tonelli

STUTTGARTER BIBELSTUDIEN 239

Begründet von Herbert Haag, Norbert Lohfink und Wilhelm Pesch Fortgeführt von Rudolf Kilian, Hans-Josef Klauck, Helmut Merklein und Erich Zenger

Herausgegeben von Christoph Dohmen und Michael Theobald

Debora Tonelli

Der Dekalog

Eine retrospektive Betrachtung

Aus dem Italienischen von Alexandra von Teuffenbach

© Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart 2017

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Finken & Bumiller

Satz: Rund ums Buch – Rudi Kern, Kirchheim/Teck

Druck: Sowa Sp. z.o.o., Warschau

Printed in Poland

www.bibelwerk.de

ISBN 978-3-460-03394-8

eISBN 978-3-460-51040-1

Danksagung

Dieses Buch ist aus einem Doktorat in politischer Philosophie an der Universität Roma Tre entstanden, das ich dort 2005 verteidigt habe. Diese Forschung hätte ich nicht begonnen, wenn Giacomo Marramao nicht auf ein interdisziplinäres Thema gesetzt hätte, und Jean Louis Ska mich nicht durch die Studien der biblischen Exegese geführt hätte. Ihnen beiden gilt mein Dank.

Die Umwandlung der These in ein Buch wäre ohne das Vertrauen und die Hilfe von Prof. Antonio Autiero, Direktor des Centro per le Scienze religiose der Trienter Bruno Kessler Stiftung nicht möglich gewesen. Dort habe ich meine Forschungen seit Ende des Doktorats fortgesetzt. Ich danke ihm, dass er an diese Arbeit geglaubt und sie in die neue renommierte Serie „Scienze religiose. Nuova serie" aufgenommen hat.

Teile des zweiten und vierten Kapitels sind schon in leicht anderer Form in den „Annali di Studi religiosi der Bruno Kessler Stiftung, herausgegeben von Edizioni Dehoniane, und in den „Materiali per una storia della cultura giuridica der Società editrice il Mulino erschienen. Ich danke beiden Herausgebern, dass sie mir erlaubt haben, die Texte noch einmal zu verwenden.

In diesen Jahren haben mir wirklich viele Menschen geholfen und ich werde sie nicht alle nennen können. Ein besonderer Dank geht an Jean Louis Ska, der mich nach dem Doktorat weiter zu dieser Arbeit ermutigt hat, und mir mit Sorgfalt und Geduld zur Seite stand.

Eine interdisziplinäre Arbeit verlangt Kompetenzen in verschiedenen Bereichen und die Fähigkeit, diese untereinander auszugleichen: die Unterstützung von Andrea Grillo war unentbehrlich, um die Knotenpunkte festzuhalten und mich nicht in der Weite des Feldes zu verlaufen. Die mit ihm geführten Diskussionen haben mir neue Perspektiven eröffnet und ich bin ihm dankbar. Ein herzlicher Dank geht auch an Francesco Riccobono, der mich in die juristische Welt eingeführt und geduldig mit mir die verschiedenen Phasen des Manuskripts diskutiert hat. Fruchtbar für diese Arbeit war auch der Studienaufenthalt an der Goethe Universität Frankfurt, dank eines Stipendiums des DAAD. Die von Prof. Axel Honneth koordinierten Seminare und die mit ihm zum Thema meiner Forschung geführten Diskussionen haben mir erlaubt, mögliche andere Wege zu sehen.

Das Seminar in Kritischer Theorie, das von Marina Calloni, Stefano Petrucciani und Walter Privitera koordiniert wurde, war eine ausgezeichnete Gelegenheit, einige Themen zu besprechen, die ich in dieser Forschung angehe. Ich danke meinem Freund und Kollegen Paolo Costa, der die erste Fassung dieses Manuskripts gelesen und beurteilt hat, und mir so wertvolle Hinweise gab.

Es sind viele Menschen, die mir in diesen Jahren Denkanstöße gaben und fruchtbare Kritik formulierten und somit dazu beitrugen, die Arbeit zu verbessern. Unter ihnen möchte ich Julie Clague, Gerard Mannion, Gian Luigi Prato, Elmar Salmann, Lorenzo Zani und Erich Zenger nennen. Zengers Tod (2010) hat die biblischen Studien um einen wichtigen Gesprächspartner beraubt. Ich danke meinem Freund und Kollegen Davide Zordan, der meinen Weg durch unsere unterschiedlichen Ausbildungen und Perspektiven bereichert hat.

Trotz der Unterstützung vieler so wertvoller Menschen und den vielen Anregungen, die ich bekommen habe, weiß ich, dass die Untersuchung, die ich hier vorstelle, viele Grenzen und Ungenauigkeiten hat, an denen nur ich Schuld trage.

Ich danke der Redaktion der Stiftung Bruno Kessler, insbesondere Alessandro Genovese für die Arbeit am Manuskript.

Ein weiterer und besonderer Dank geht an meine Eltern, an meine Schwester und an meinen Mann, die mich in diesen Jahren unterstützt und ermutigt haben. Ich widme diese Arbeit dem Andenken von Francesco Valentini, der vom ersten Jahr der Universitätsstudien für mich ein menschlicher und wissenschaftlicher Bezugspunkt war. Ich würde gerne vollendeter ausdrücken, was mich an ihn bindet, aber jedes Wort entpuppt sich als ungeeignet. Daher kann ich nur hinzufügen, dass ich die Erinnerung an ihn in mir trage, jeden Tag.

Für die Aufnahme meines Buches in die Reihe der „Stuttgarter Bibelstudien" danke ich Prof. Dr. Christoph Dohmen. Es ist eine Ehre für mich. Dr. Alexandra von Teuffenbach hat lange an der Übersetzung des Buches gearbeitet, wofür ich ihr sehr danke. Schließlich möchte ich mich bei meinem Freund und Kollegen Andrea De Santis bedanken, der eine wichtige Rolle bei der Realisierung gespielt hat. Zuletzt danke ich den Mitarbeitern am Regensburger Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Alten Testaments, Hubertus Kerscher und Martin Seiberl, die sich intensiv um Korrektur und Verbesserung der deutschen Fassung meines Buches bemüht haben.

Debora Tonelli

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Zum Geleit von Davide Zordan

Einleitung

Erstes Kapitel: Der aktuelle Forschungsstand

1.Hauptfragen zur Redaktion des Dekalogs und zum dtr. Einfluss

2.Die Geburt der historisch-kritischen Methode: von Hobbes bis Wellhausen

3.Der hebräische Text: Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft

4.Der aktuelle literarische Kontext des Dekalogs

Zweites Kapitel: Exegetisch-juridischer Kommentar

1.Der Text von Ex 20,1-17: Übersetzung und Analyse

2.Der Name Gottes

3.Kurzes juridisches Vokabular

4.„Dabar, torah"

5.„Mishpat, Halakah, Haggada, zdk"

Drittes Kapitel: Ein Rückblick aus politischer Sicht

1.Der Glaube an JHWH als Eroberung der politischen Unabhängigkeit

2.Die theologische Neubegründung der sozialen Ordnung

3.Die Rolle des Dekalogs im Pentateuch

4.Die Entstehung der modernen Rechtswissenschaft: von der Erfahrung zu den normativen Systemen

5.Schlussfolgerungen

Viertes Kapitel: Fragen aus dem Text: Bund, Isonomie und Schutz des politischen Lebens

1.Die Grundlage der Worte: die „berît"

2.Die Isonomie

3.Schlussfolgerungen: Der Schutz des politischen Lebens

Bibliographie

I.Abkürzungen

II.Alttestamentliche und altorientalische Studien

III. Allgemeine Werke

Zum Geleit

Der bekannte Hollywood Kolossalfilm „Die zehn Gebote" aus dem Jahr 1956 hatte einen ungewöhnlichen Vorspann; denn der Regisseur, der einflussreiche Cecil B. DeMille, erschien vor einem noch geschlossenen Vorhang, um den Film einzuführen. Seine kurze Vorrede in der Form einer Predigt unterstreicht die historische Verwurzelung der im Film beschriebenen Ereignisse und fordert die Zuschauer auf, den moralischen Inhalt wahrzunehmen.

Die Geschichte, die erzählt werden soll, so versichert DeMille, ist nicht irgendeine Geschichte sondern „die Geschichte der Geburt der Freiheit. Im Grunde stellt sie die Frage: „Ob die Menschen von göttlichen Gesetzen oder von den Launen eines Diktators regiert werden müssen; ob die Menschen Eigentum des Staates sind oder freie Seelen nach dem Abbild Gottes, eine Frage „die bis heute durch die ganze Welt geht".

Die Aktion, die so überzeugend und geschickt von dem amerikanischen Regisseur durchgeführt wurde, sagt nicht nur, bis zu welchem Punkt die abendländische Kultur in all ihren Formen weiterhin von biblischen Elementen geprägt ist, sondern vor allem wie sehr diese Elemente ohne Unterlass sowohl nach den sozialen Erfordernissen wie auch nach den politischen Verhältnissen umgemodelt werden. In diesem besonderen Fall scheint es, dass die Betonung des Wertes der ‚Freiheit‘, die dem mosaische Gesetz eingeschrieben ist, als explizite Förderung der „privaten Freiheit" zu verstehen ist, die zusammen mit der vom Gesetz garantierten Sozialordnung die Grundlage für das amerikanische System und seinen Erfolg ist. Sicherlich muss man über die Leichtigkeit und den Mut, mit denen die mosaischen Wurzeln ins Spiel gebracht wurden, d. h. in den Rahmen der filmischen Volkskultur, ein wenig lächeln. Aber einmal abgesehen davon, dass es für Generationen von Zuschauern nicht so war und dass die Worte von DeMille lange als Legitimation für eine intensive emotionelle und ideologisch überzeugte Teilnahme galt, muss man auch anerkennen, dass der starke kulturelle und politische Einfluss des Dekalogs sich speist, und sich immer zum größten Teil gespeist hat – aus einem Teilverständnis des biblischen Textes und einem äußerst mangelnden Verständnis des Kontextes.

Auch wenn es sehr leicht ist, die exegetische Parteilichkeit DeMilles zu erfassen, kann man sich der Aufgabe nicht entziehen, andere Einseitigkeiten aufzudecken, die auf solideren begrifflichen Fundamenten gründen. Aufgrund von kultureller Gewohnheit oder auch Unachtsamkeit sind wir ja fast unfähig geworden, zu erkennen, welche Gedanken bezüglich des biblischen Dekalogs im Hinblick auf Recht und Gerechtigkeit in uns tiefer verwurzelt sind. So projizieren wir auf eine Weise, die sich von der DeMilles gar nicht so sehr unterscheidet, den Dekalog immer auf unsere Art zu denken und voranzugehen, und rühmen dann seinen grundlegenden und unerschütterlichen Wert. Aber so sprechen wir mehr über uns selbst als über den Dekalog.

Was die Untersuchung von Debora Tonelli geprägt hat, scheint mir der Gedanke zu sein, einen Mechanismus des Rückblicks aufzudecken, der hinterhältiger erscheint, weil er unbewusst ist. Um ihm entgegenzutreten, nimmt sich die Autorin vor, eine bessere Kenntnis der Perikope Ex 20,1-17 wiederzugewinnen. Dadurch hat sie eine neue Basis, die es ihr ermöglicht, Grundfragen wieder zur Diskussion zu stellen, die die augenblickliche gesellschaftspolitische Debatte bewegen und diese auf der neuen Grundlage zu verifizieren. Dazu benutzt sie Analogien und Unterschiede zum biblischen Dekalog und der religiösen und politischen Erfahrung, die sich widerspiegeln. Diese Aufgabe ist heikel, da sie Sachkenntnis auf verschiedenen Ebenen erfordert, darüber hinaus Zusammenarbeit und die Fähigkeit sich anzugleichen. Eine gute Kenntnis des aktuellen Standes der historisch-exegetischen Forschung zum Dekalog ist ebenso erforderlich wie eine gewisse Vertrautheit mit den juridischen Wissenschaften und eine nicht nur oberflächliche Sachkenntnis der gegenwärtigen politisch-philosophischen Debatte. Aber damit nicht genug: im Dialog dieser verschiedenen „Wissensgebiete" ist es auch nötig, die Eigenarten eines jeden zu respektieren, ohne jedoch die schlechthin theologische Zielsetzung zu vergessen, die diese Arbeit bewegt. Genau mit diesem Aspekt möchte ich mich nun im Folgenden beschäftigen.

Die christliche Theologie hat großes Interesse, Fragen der Texthermeneutik zu behandeln, weil das Christentum, wie das Judentum vor ihm aus der Interpretation eines Wortereignisses entstanden ist, die auch Sinn einer Schrift wurde. „Aus der Interpretation geboren werden" ist ein Gedanke, der gleichzeitig sagt, dass es nichts vor der Interpretation gibt und dass aus der Interpretation alles Mögliche hervorgeht, auch die Möglichkeit der Erfahrung selbst.

Bevor der Leser aktiv wird, ist die Interpretation zunächst ein Werk des Textes, es ist der Text selbst, der am Werk ist. Die Arbeit des Interpreten besteht dann darin, die Eigendynamik des Textes herauszuheben und sich dabei so auszurichten, dass man ein neues Verständnis von sich und der Welt gewinnen kann. Und wenn der Interpret sich von den eigenen Vorurteilen befreit hat, kann er, über den ‚ursprünglichen‘ Sinn des Textes hinaus, auch eine Veränderung bei sich selbst, eine neue Geburt erleben.

Der Weg der Forschung, der hier vorgestellt wird, besteht darin, sich auf die Sicht des ‚Interpretierend-geboren-Werden‘ einzulassen, das nicht anders als ein ‚Interpretierend-wiedergeboren-Werden‘ verstanden werden kann. Denn diese Arbeit muss ja der Last eines stark aus dem Zusammenhang gerissenen Vorverständnisses standhalten, das besagt, der Dekalog sei der Ausdruck von ewigen Wahrheiten, ein allgemein gültiges Gesetz, das in das menschliche Herz eingeschrieben ist. Gegen einen solchen „Essen-tialismus bemüht sich die Autorin, den kulturellen Wert der „Zehn Worte hervorzuheben und auf diesem Hintergrund ihre – vor allem politische – Aktualität zu messen. Wenn ihre Schlussfolgerungen sicherlich frei sind und wenn ihre Entwicklung gewollt partiell ist, so ist doch der Aufbau klar, gerade bei der ausgiebigen Beschäftigung mit der Interpretation und der Analyse des Textes, der dann wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Das, was eine erneute Lesung uns eröffnet, ist zunächst die Vorstellung, dass die Verbote des Dekalogs eine normative Leere öffnen, die sich als Anlass zur Freiheit darstellt. Die Verneinung, die dem Ausdruck des göttlichen Willens vorausgeht, lässt einen Spielraum bezüglich seiner Reichweite, die genau den Schutz der menschlichen Freiheit bietet. Die Negativform des Dekalogs stiftet einen Spielraum für Autonomie und Erfindung. Wenn einmal die Liste der Dinge, die man nicht tun soll, zusammengestellt ist, sind, anders gesagt, die ‚Gebote‘ auch schon zu Ende. Sie zwingen nicht, sie verbieten nur, mit Ausnahme des Sabbats und der Ehre, die man den Eltern zollen soll. Aber wenn einmal diese Befehle ausgeführt sind, was ist dann positiv zu tun? Kein anderes „Wort wird darauf verwendet, um das freie Feld der Freiheit zu begrenzen. In der Version des Deuteronomiums präzisiert der Dekalog noch: „diese Worte und sonst nichts (Dtn 5,22). Das, was sicher verwundert, ist, dass derselbe Text dann für viele Kapitel weitergeht mit vielen detaillierten ‚Vorschriften‘ der Torah, die die Originalität des Dekalogs unter den Verträgen der Beziehung von Israel mit seinem Gott noch auffälliger macht.

Wir können also sagen: bevor dem Volk Israel gesagt wird, was es tun soll und wie es sein soll, wird es daran erinnert, was es schon ist: ein freies Volk. Die Freiheit hat gleichzeitig die Form eines freien Raums und der Mahnung, und die Art der Mahnung selbst (mit Verben im Indikativ und nicht im Imperativ) führt zu diesem offenen und unverzichtbaren Raum zurück. Der Text trägt so in sich eine nicht lösbare Spannung. Er ist normativ formuliert, doch keine Form von Erfüllung, wenn sie sich an die Parameter des Verbots hält, befriedigt ihn wirklich. Er scheint ein „mehr" zu fordern, was jedoch ungesagt bleibt, formal nicht gefordert, an den Rand des Textes gedrängt, und doch belebt es ihn grundlegend.

So ist klar, dass dieser Spielraum, dieses ‚mehr‘, sofort verschwindet, wenn man den Dekalog als modernen Text einer deontologischen und vorschreibende Ethik liest. So wird auch der ganze Dynamismus aufs Spiel gesetzt, der den Text stützt, und den die jüdische Tradition im Gegensatz zur christlichen in ihren Institutionen lebendig erhalten hat, durch eine stark gegensätzlichen Kombination von der mehr narrativen und phantasievollen Haggadah, und der mehr normativen Halakhah. Der zugrundeliegende Gedanke ist, dass wenn auch die Normen des Gesetzes (613 nachr rabbinischer Zählung) stark vermehrt werden, sie doch nicht in der Lage sind, das auszuschöpfen, was in der Beziehung mit Gott und den anderen Individuen eine Rolle spielt. Einst sagte Paul Ricoeur, dass die Gerechtigkeit mit der begrifflichen Reduktion arbeitet, die Liebe jedoch mit poetischer Erweiterung. Die Notwendigkeit, auszuwählen und genau das eine vom anderen zu trennen, ist im Grunde eine moderne Erfindung.

Die Anwendung auf den Dekalog erlaubt ohne Zweifel, einige Elemente ans Licht zu holen, aber es verdunkelt auch andere, und das muss man in Rechnung stellen, vor allem dann, wenn man mögliche Analogien zwischen dem politischen und religiösen Empfinden aufzeigt, das den Hintergrund für den Dekalog selbst und gewisse Elemente oder grundlegende Institutionen der politischen und juridischen Tradition des Abendlandes bildet.

Wegen der Sorgen, die es angeregt haben, und noch mehr wegen der behandelten Themen, ist das Buch nicht frei von Verbindungen zu einigen neuen Entwicklungen der sogenannten öffentlichen Theologie, besser public theology, wie sie im englischsprachigen Raum verstanden wird. Man versteht darunter eine lange Serie von Reflexionen, die die biblisch-theologische Überlieferung, die philosophische Analyse, das historische, rechtliche und gesellschaftspolitische Urteilsvermögen und die praktische Dimension der Existenz verschiedentlich durchkreuzen. Als Theologie stellt sie ein Projekt der Interpretation und der Konstruktion dar, das aus der Glaubenserfahrung eines bestimmten religiösen Bekenntnisses gespeist wird und zum Ziel hat, die öffentliche Relevanz des theologischen Wissens im Kontext der heutigen Fragenkomplexe zu zeigen. Wenn die Grenzen der Disziplin unscharf scheinen und die angewendeten Methoden verschieden sind, bezweifelt niemand, zumindest nicht prinzipiell, die Möglichkeiten dieses Studienfeldes zu einer Zeit, in der es wichtig ist für ein neues Verständnis der religiösen Erfahrung und ihrer bleibenden Dynamik – trotz der gleitenden Praktiken und ihrer symbolischen Grenzen – zu arbeiten.

Im Buch spricht man, wohlgemerkt, von alledem nicht. Aber man kann das eine oder andere Echo wahrnehmen, zum Beispiel in der Art, wie die Exegese als Spezialwissenschaft vorgestellt wird, die eine besondere Kompetenz erfordert, aber deswegen nicht schon sich selbst genügt. Allgemeiner spürt man etwas davon in der Art, wie die Einzeldisziplinen ohne Unterordnungen auf einem theologischen Weg zusammengeführt werden, mit einem besonderen Augenmerk auf die gegenwärtigen Dringlichkeiten und die gesellschaftspolitische Debatte.

Es handelt sich nicht um ein rein zufälliges Echo, dass die Idee, diese Arbeit zu veröffentlichen, innerhalb eines Forschungsprojektes zu Themen der öffentlichen Theologie entstand. Es ist ein Projekt der Bruno Kessler Stiftung Trient, das die Autorin des Buches und den Autor dieser Seiten genauso miteinbezieht. Obwohl es im Hintergrund bleibt, bieten dieses Projekt und die öffentliche Theologie gültige Indizien, um die Zielsetzung des Buches innerhalb des weiteren Verständnisses des theologischen Wissens zu verstehen.

In diesem Versuch von Tonelli bedeutet dies eine gewisse hermeneutische Disziplin, die nötig ist, um sich mit der nötigen Ausgeglichenheit und Demut ausdrücken zu können. Der Inhalt betrifft einige große Fragen, die unsere Kulturgeschichte kreuzen und die verschiedentlich auf die religiöse und politische Tradition des Dekalogs zurückführen. Ihn noch einmal neu zu lesen, ist eine Wette, die man annehmen sollte, um „interpretierend wiedergeboren zu werden".

Davide Zordan

Einleitung

Ganz auf der Linie der neuesten kritischen Studien wird die Bibel auch in dieser Arbeit wie jeder andere antike literarische Text analysiert. Das bedeutet, dass man ihn aus einer anderen Perspektive – und nicht in Antagonismus zum sakralen Wert dieses corpus von Texten - betrachten möchte. Bei dieser Entscheidung spielt keine polemische Absicht mit, sondern das Bedürfnis, mit einem offeneren Blick auf ein Werk zu schauen, dessen Bedeutung in der Bildung der abendländischen Kultur auch für die, die die religiöse Botschaft nicht teilen, maßgeblich ist.

Der Wissenschaftler, der Platon und Aristoteles studiert, aber auch der moderne Jurist, wissen, wie bedeutsam die Untersuchung des Wortschatzes ist, um den Gedankengang zu verstehen, aber auch, wie sehr dies mehr Probleme schafft, als es löst. Dasselbe gilt für die Bibel, und wir müssen sicher anerkennen, dass ihr Einfluss auf die Kulturgeschichte des Abendlandes dem der griechischen und lateinischen Klassik ebenbürtig ist. Daneben muss man dem biblischen Text auch eine politische Funktion zugestehen, und daher erschien es mir angebracht, mich mit einem der am meisten missverstandenen Texte des ATes zu beschäftigen: dem Dekalog.

Der Dekalog ist bekannter als die „Zehn Gebote", und sein Verständnis ist oft durch grundlegende Missverständnisse zunichtegemacht worden, die aus der ausschließlich religiösen Dimension seiner Zugehörigkeit und seiner Interpretation stammen und mit Kant deontologisch genannt werden können. Diese Studie will nicht eine Geschichte der Interpretation des Dekalogs sein. Sie will vielmehr durch Analyse und Diskussion einiger der vielen Fragen, die er stellt, schrittweise zum Bewusstwerden der Bedeutung dieses Textes führen.

Im Laufe der Studie fehlten mir Modelle, die mir die Synthese der theoretischen Aspekte mit den (unentbehrlichen) der literarischen Analyse hätten liefern können. Das Werk Crüsemanns, Bewahrung der Freiheit, hat mich in meinen Hypothesen bestärkt. Er versucht, jenseits der exegetischen Studie, Überlegungen weitgreifender gesellschaftspolitischer Art zu machen, aber diese Arbeit bleibt noch zu sehr einer theologischen Dimension verbunden. Ich habe mich dann mit der Studie von Marcello Gigante, Nomos Basileus, beschäftigen müssen, ein unverzichtbares Werk, um den Begriff nomos im alten Griechenland zu verstehen. Seine umfassende Untersuchung war auf das Objekt meiner Studie nicht anwendbar. Aus diesem Text habe ich wertvolle Klärungen und Ideen entnommen, aber er konnte kein Beispiel für die Untersuchung des biblischen Textes liefern. Noch weniger konnte ich als Beispiel die Texte zeitgenössischer Philosophen nehmen, die meistens den biblischen Text nicht genau untersuchen. Dennoch haben sie bei der Reflexion über den Begriff der Gleichheit und der Isonomie eine Rolle im Hintergrund gespielt. Im Laufe der Arbeit werden die griechische Tradition und die moderne Reflexion nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie dazu beitragen können, durch Analogien und Unterschiede die Inhalte von Ex 20, 1-17 besser zu verstehen, sie sind aber nicht Objekt einer eigenen Abhandlung.

Obwohl er innerhalb eines corpus von Texten erscheint, die für heilig gehalten werden, bin ich zutiefst überzeugt, dass der Dekalog ein hauptsächlich politischer Text ist: er ist das erste Manifest der politischen Unabhängigkeit Israels, und deswegen ist er so leicht zusammen mit dem Exodus in den entscheidenden Momenten der abendländischen Geschichte aufgetaucht. Walzer hat in seiner kurzen, aber glänzenden Studie zum Exodus, Exodus and Revolution, an diese historischen Momente erinnert und den biblischen Exodus als Modell späterer Revolutionen dargestellt. Was Walzer nicht geklärt hat, ist, warum der Exodus zum Modell schlechthin der Revolution geworden ist, und ähnliche andere Ereignisse dagegen nicht. Um auf diese Frage zu antworten, war es notwendig, nicht nur zu sehen, was der Text sagt, sondern auch, wie er es sagt. So hat die literarische Analyse hier ihre Daseinsberechtigung als Grundlage einer theoretischen Reflexion gefunden, die mit ihrem Studienobjekt kohärent sein möchte. Ohne den Anspruch, das Thema auszuschöpfen und alle Fragen zu lösen, die der Dekalog aufwirft, möchte mein Beitrag eine erste Reflexion sein und der Versuch, diesen wichtigen Text auf eine neue Weise zu verstehen und ihm den Platz zurückzugeben, der ihm im Bereich der abendländischen Tradition zusteht.

Das Problem

Die philosophisch-politische Debatte der letzten Jahre ist von wichtigen Diskussionen zur Idee der Norm und den dazugehörigen Bereichen gekennzeichnet: das Recht, das Verhältnis von privater und öffentlicher Sphäre, von Ethik und Politik, und das von Religion und Politik. Man kann sagen: seit der Mensch begonnen hat, über das Sozialleben (gesellschaftliche Leben) nachzudenken, gibt es keine politische Theorie, die nicht auch eine anthropologische Theorie voraussetzt, eine Idee des Menschen eben, die die Notwendigkeit und den Vorzug eines bestimmten politischen Systems anstatt anderer rechtfertigt. Es ist nicht meine Absicht, die Geschichte des politischen Denkens nachzuzeichnen, ich nehme mir etwas viel Bescheideneres vor: eine Reflexion über die Entstehung des Begriffs der Norm, wie er in der Version des Dekalogs enthalten ist, die im Buch Exodus (20,1-17) steht. Die Wahl, gerade diese Version zu analysieren und nicht die in Deuteronomium (5,6-21), ist vor allem durch den Erzählkontext, auf den sie sich bezieht, gegeben. Im Buch Exodus wird der Dekalog gleich nach der Flucht aus Ägypten verkündet, und der Leser folgt dem Auf und Ab der Geschehnisse. Die Gleichzeitigkeit der Flucht und der Verkündigung hilft, dem Inhalt des Dekalogs einen bestimmten Nachdruck zu verleihen. Im Gegensatz dazu ist die im Deuteronomium enthaltene Fassung in die Erinnerung an diese Taten eingebettet und bietet einen Rückblick auf das, was schon erzählt wurde¹.

Es handelt sich um einen biblischen Text, der einen Bezugspunkt im christlichen Katechismus hat, und so besteht das Vorurteil, dass das Verständnis des Dekalogs auf den religiösen Bereich beschränkt ist, und dass er mit dem literarischen oder philosophischen zu tun hat. Anders ausgedrückt wird der Dekalog seiner historisch-kulturellen Dimension beraubt, und als Wort Gottes wird er von der Welt getrennt. Die einzige Rolle, die ihm unter Menschen zuerkannt wird, ist eben die, ein Bezugspunkt der christlichen Moral zu sein, und genau das hindert daran, ihn wirklich zu kennen. Gleichzeitig ist das Buch Exodus, in das er eingebettet ist, in der menschlichen Geschichte lebendig geblieben, viele Denker haben sich mit seinem Sinn beschäftigt und viele Revolutionäre haben es benutzt, um die Menschenmenge aufzuwiegeln und ihr Tun zu rechtfertigen. All das ist Zeichen seiner unvergänglichen Kraft². Wie alle größeren Revolutionen ist auch der biblische Exodus mit der Wiederherstellung der Legalität abgeschlossen, aber er hat nicht nur etwas Bedeutungsvolles behalten, das die historischen Unterschiede und die vergangenen Jahrhunderte überwindet, er hat verschiedentlich dazu geführt, die revolutionäre Erfahrung zu wiederholen. Eine erstaunliche Bedeutung, nachdem in dieser Revolution keine Helden aufscheinen. Kann sich vielleicht der Prophet Mose ein Held nennen, der seine Mission nur ungern annimmt (Ex 3,7-13) und dann von der Hand Gottes gehalten wird? Kann sich das Volk Israel heroisch nennen, das auf Initiative JHWHs aus Ägypten herausgeführt wird und sich die ganze Zeit über beschwert, so dass es sogar dem Sklavenhaus nachweint (Ex 16,2-3; 17,3)? Vielleicht liegt der einzige Akt wirklichen Heroismus in dem, was auf den Exodus folgt, nämlich dem Durchhalten im Glauben an JHWH, bis dahin, ganz allein zu bleiben, also ohne die Hilfe der großen Reiche der Zeit? Das Bedeutungsvolle des Exodus ist nicht sein glücklicher Ausgang, auch wenn er ermutigend und inspirierend ist, sondern die Art, wie man zu ihm kam: der erzieherische Prozess hat ein Sammelsurium von Sklaven in das erwählte Volk verwandelt, Arbeitswerkzeuge in Personen, Exilanten in Bürger. Die Verwandlung ist doppelt, religiös und politisch, und sie wurde durch das neue Bewusstsein ermöglicht, das die Israeliten sich mühsam angeeignet hatten, dank der Heilstat Gottes, d. h. dank der Sorge und der Anerkennung, die Er seinem Volk anbietet, aber auch dem Vertrauen, das dieses Volk in ihn setzt. Erst am Ende dieses Prozesses wird der Dekalog verkündet.

Außerhalb dieses Prozesses könnte es ein einfaches religiöses Credo sein, das an das Ende der Exoduserfahrung gesetzt ist, doch in Wirklichkeit ist es die erste soziale und politische Regelung Israels, in der die Anthropologie und die Religion eine wichtige Rolle spielen. Die Flucht aus Ägypten ist zunächst eine politische Aktion, sie ist die Ablehnung der Sklaverei und der Unterstellung unter einen fremden und irdischen Herrscher. Daher können wir das Vorurteil nicht annehmen, das uns überzeugen will, den Dekalog nur als „Zehn Gebote" zu verstehen, wie es von der katholischen und evangelischen Kirche im Katechismus gelehrt wird. So würde dieser Beitrag die einfache Wiederholung der schon bekannten Dinge sein, ohne dem Reichtum der Perikope Rechnung zu tragen.

Das Ziel dieser Arbeit besteht zunächst darin, sich bewusst zu werden und zu zeigen, dass dieser Text sehr anders ist als das, was wir bislang gehört haben, wie wir ihn aus dem Zusammenhang gerissen nur als Liste von Vorschriften angesehen haben. Aus einer breiteren Perspektive hat diese Untersuchung einen Zweck, der den Text selbst übersteigt: sie entsteht dadurch, dass ein gewisser juridischer Formalismus nicht geteilt wird. Dieser entleert die Norm ihrer Bedeutung und entzieht ihr ihren Sinn, sie vergisst, dass die Erfahrung, die Vorgangsbezogenheit, die individuelle Beteiligung, die Verantwortung des Einzelnen und des Kollektivs ihre wesentlichen Charakteristika sind, sowohl die juridischen, als auch die ethischen. Um all das herauszuarbeiten, habe ich vorgesehen, eine Analogie vorzuschlagen, um den Dekalog zu untersuchen, der in der christlichen Tradition und der abendländischen Kultur als Modell (und manchmal als Grundlage) des ethischen und juridischen Formalismus angesehen wurde. Diese Arbeit besteht nicht in einer Untersuchung der mittelalterlichen oder modernen Rezeption des Dekalogs, sondern ist geschrieben aus dem Bewusstsein, dass der Dekalog im Laufe der Jahrhunderte seines historischen und politischen Sinns beraubt wurde. Es ist nicht einmal eine Studie über die allgemeine biblische Norm, sondern über das, was aus dem speziellen Text des Buches Exodus hervorgeht, das stark verwurzelt ist in dem neuen politischen Kontext, in dem Israel sich innerhalb der Erzählhandlung befindet, und in der Epoche, in der der Text redigiert wurde³. Der zeitliche Unterschied zwischen der Zeit der Ereignisse und der Zeit der Erzählung drängt dazu, den Text als Analogon der Ereignisse zu lesen, die zeitgleich mit dem Autor⁴ sind, der ihn in diesen Rahmen eingefügt hat. Die Arbeit bewegt sich also auf einer doppelten Ebene. Die erste ist der Dekalog in Bezug zu seinem historisch-literarischen Kontext, die zweite ist der Dekalog als Untersuchungswerkzeug für die Erforschung einiger Fragestellungen, die er hervorhebt und die in den zeitgenössischen Debatten wiederkehren.

Allgemein denkt man an den Dekalog als eine Abfolge von Geboten, die im Bereich der christlichen Kultur auswendig gelernt werden müssen. Sie werden als etwas Unbestreitbares und Unbewegliches verstanden, und diese Perspektive erlaubt ihre Ent-Kontextualisierung. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Dekalog zum Paradigma des ethischen und politischen Formalismus, es war nur wichtig, dass er befolgt wurde⁵. Seine Handlung auf den Gehorsam zu beschränken, bedeutet, darauf zu verzichten, bewusst den Wert und die Bedeutung der Gesetze zu entdecken, die nicht nur alt sind, sondern auch zeitlich unbeschränkt. Wenn das normenkonforme Handeln bedeutet, sich einfach dem anzupassen, was vorgeordnet ist, wie kann man da von Verantwortung und Freiheit sprechen? Welche Rolle spielen Verantwortung und Freiheit in der Beziehung zwischen den Einzelnen und der Gemeinschaft?

Dieser Ansatz verrät nicht nur den Sinn des Textes, sondern verhindert es auch, die fruchtbaren Momente herauszuarbeiten. Er verrät ihn, weil er der Rolle widerspricht, die er im literarischen Kontext spielt, in dem die Redakteure ihn überlieferten. An das Ende eines Befreiungsweges gestellt und als Angelpunkt des Prozesses des religiösen und vor allem politischen Selbstbewusstseins Israels, wäre es ein interner Widerspruch, den Dekalog wie eine neue Form von Zwang zu lesen, wie eine Sklaverei. Ich möchte den gebieterischen und verpflichtenden Aspekt des Dekalogs nicht leugnen, sondern ich möchte zeigen, dass der Dekalog in einem anderen Sinne so ist, ich möchte seine Tiefe und seinen letzten Grund ans Licht holen. Um all das wiederzuentdecken, ist es nötig, diesen Text im Inneren eines historisch-politischen Weges, bei dem die innere Zustimmung des Individuums eine entscheidende Rolle spielt, neu zu verstehen. Das festgelegte Gesetz ist ein Befehl, aber sein Sinn ist von der Geschichte gegeben, die ihm vorausgeht: sie ist das Ergebnis des Wachstums einer Beziehung zwischen Gott und seinem Volk und der Befreiung aus der Sklaverei. Die Ethik wächst aus dem Geschenk der Befreiung und nicht umgekehrt, so wie das Gesetz nach der Erfahrung des Exodus gegeben ist, nicht vorher, und daher ist es wirklich eine Gabe: Israel soll das Gesetz beachten, nicht um gerettet zu werden, sondern weil es gerettet ist.

Die Zehn Worte, fernab davon, eine schwere Bürde zu sein, sind das Zeichen und der Ausdruck eines neuen Lebens, eines Weges, der den Menschen in der Freiheit bewahrt: die Normen reduzieren sich nicht auf die bloße Auferlegung von Verboten, sondern begrenzen und garantieren einen Raum für die Freiheit. Nicht das Fehlen von Regeln, sondern ihre weise

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