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Lauter besondere Tage: 365 kurzweilige Lebensimpulse

Lauter besondere Tage: 365 kurzweilige Lebensimpulse

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Lauter besondere Tage: 365 kurzweilige Lebensimpulse

Länge:
442 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 12, 2017
ISBN:
9783863389987
Format:
Buch

Beschreibung

Weil jeder Tag etwas Besonderes ist
365 kurzweilige Lebensimpulse

Jeder Tag kann etwas ganz Besonderes sein! Entscheidend ist, mit welchen Gedanken, Werten und Hoffnungen ich ihn lebe.
Die Ereignisse und Jahrestage, die mit dem jeweiligen Tag in Verbindung stehen, bieten dafür eine Fülle von Anregungen. Welche Ideen und Ideale stehen hinter den Menschen oder Begebenheiten? Und vor allem: Wie helfen sie mir, mein Heute mit Sinn zu füllen?
Mit erfrischender Leichtigkeit gelingt es Fabian Vogt mit seinen Andachten, in jeder Nachricht eine gute Nachricht zu finden und auch aus außergewöhnlichen Anlässen geistliche Kostbarkeiten zu schürfen.
Lassen Sie sich von diesen hilfreichen Gedankenanstößen durch das Jahr begleiten und erleben Sie lauter besondere Tage!

Die Texte dieses Buches sind ursprünglich als Radioandachtenfür den Sender HR3 entstanden. Dabei hat Fabian Vogt eine interessante Erfahrung gemacht:
In der Redaktion des Hessischen Rundfunks habe ich einen Rat bekommen, der mich bis heute prägt. Dort sagte mir nämlich einer der Redaktionsleiter mal:
"Wenn Sie schon im Radio geistliche Beiträge bringen, dann tun Sie mir bitte einen Gefallen: Reden Sie von Gott."
Und als ich ihn völlig verwirrt anstarrte, fügte er hinzu: "Ja, wir brauchen im Radio keine moralischen Belehrungen wie "Trag mal der Nachbarin die Einkaufstaschen hoch!" oder "Fahr öfter mit dem Fahrrad". Das wissen wir alle selbst. Mich interessiert nur eins: Können Sie mir als Theologe etwas Neues und Lebensstiftendes über Gott sagen? Denn das ist das absolute Alleinstellungsmerkmal der Kirche und ihre zentrale Kompetenz. Das erwarte ich von Ihnen."
Spannend. Finde ich. Und versuche seither, mich daran zu halten.
(aus dem Vorwort)

Fabian Vogt
ist Pfarrer und Schriftsteller - und seit vielen Jahren Radio-Verkündiger bei ver-
schiedenen Wellen des Hessischen Rundfunks.
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 12, 2017
ISBN:
9783863389987
Format:
Buch

Über den Autor

Fabian Vogt, Dr. theol., Jahrgang 1967, ist Theologe, Schriftsteller und Kabarettist. Wenn er nicht gerade schreibt oder singt, entwickelt er für die evangelische Kirche kreative Projekte und Inszenierungen, die Menschen einladen, Gott und die Welt neu zu entdecken. Dabei fasziniert ihn die Klugheit der Zehn Gebote schon seit Langem.


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Buchvorschau

Lauter besondere Tage - Fabian Vogt

Vogt

1. Januar

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Wahrscheinlich ist das der berühmteste Satz von Hermann Hesse. Klingt ja auch klasse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Die Zeile gehört zu einem Gedicht mit dem schönen Titel „Stufen" – und ich finde: Jetzt zum Anfang eines neuen Jahres passt sie besonders gut.

Dabei geht es Hermann Hesse in dem Gedicht gar nicht darum, auf den besonderen Charme von etwas Beginnendem hinzuweisen, nein, er sagt sinngemäß: Dass wir Anfänge als ein Geschehen voller Zauber erleben, ist vor allem ein Schutz.

Und wovor? Ganz einfach: Davor, dass wir nicht im Alltagstrott untergehen. Neues ist deshalb so faszinierend, weil wir dadurch Mut bekommen, das Alte hinter uns zu lassen. Wörtlich schreibt Hesse: „Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise / und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, / nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, / mag lähmender Gewohnheit sich entraffen."

Hesse preist den Anfang also, weil er Menschen Mut machen will, eingefahrene Gleise zu verlassen. Denn nur dann haben sie die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Also: Was können, sollen, müssen wir hinter uns lassen, um den „Zauber des Anfangs" mal wieder so richtig zu spüren?

Und vielleicht klingt da ja in dem einen oder der anderen auch noch mal der Ruf des Verkündigungsengels aus der Weihnachtsgeschichte nach: „Fürchte dich nicht. Aufbrechen braucht nämlich Mut. Aber es ist „zauberhaft.

2. Januar

Veränderung

Veränderung heißt ja heute ganz cool „Change Management": die Kunst, etwas zu verändern. Ja, Veränderungen muss man gekonnt managen, weil solche Prozesse unglaublich kompliziert sind. Und wenn man dabei sogar noch versucht, sich selbst zu verändern, stößt man schnell an seine Grenzen.

Nebenbei: Eine der berühmtesten Veränderungsgeschichten steht in der Bibel – und hat sogar den Kultstatus eines Sprichworts erlangt: Da wird nämlich einer vom Saulus zum Paulus. Erinnern Sie sich?

Der jüdische Gelehrte Saulus ist über die Christen so empört, dass er beginnt, sie regelrecht zu jagen. Und dann passiert es: Auf dem Weg von Jerusalem nach Damaskus wird Saulus plötzlich geblendet und eine Stimme sagt: „Warum verfolgst du mich?"

Schnell wird Saulus klar: Das ist die Stimme von Jesus. Und er erkennt, wie sehr er sich verrannt hat und dass er noch mal ganz von vorne anfangen möchte.

Tja, und wie damals üblich, nimmt er auch gleich einen neuen Namen an – damit jeder erkennt, dass er jetzt irgendwie ein anderer ist. Nicht mehr der alte Saulus, sondern der neue Paulus.

Diese Geschichte ist deshalb so bewegend, weil sie zeigt, dass jeder Mensch sich verändern kann. Und ich frage mich natürlich: Was könnte mich so verändern, dass ich dafür sogar einen neuen Namen annehmen würde? Spannend, oder?

3. Januar

Gute Vorsätze

Also, ich habe mir fest vorgenommen: Dieses Jahr wird alles anders. Und damit fange ich gleich … äh … morgen an. Ja, also vorgestern, am 1. Januar, war es ein bisschen ungünstig. Gestern war Familientag. Und heute wollte ich wirklich, aber ein Freund hat mich eingeladen – und da dachte ich …

Kennen Sie das? Dieses ewige Vor-sich-her-schieben? Und damit meine ich nicht nur den Elektronikschrott, der seit Monaten darauf wartet, zum Wertstoffhof gebracht zu werden – oder den Keller, der laut hörbar nach Aufräumen schreit. Nein, wir sind alle Meister darin, Dinge zu verzögern. Gerade dann, wenn es um Verhaltensänderungen geht.

Darum sagt ja der Volksmund sehr weise: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen." Klingt gut. Aber auch ziemlich altklug. Außerdem fällt uns ja immer noch ein guter Grund ein, warum wir etwas heute nicht besorgen können. Wir würden wirklich gerne … aber die Umstände.

Schon im Alten Testament steht der garstige Satz: „Beeile dich, deine Gelübde zu erfüllen, und warte damit nicht, bis du tot bist." Offensichtlich ist es den Menschen schon vor 3.000 Jahren schwer gefallen, gute Vorsätze auch wirklich umzusetzen. Umso mehr reizt es mich, das jetzt endlich zu schaffen.

Apropos Gelübde: Sie und ich, wir können uns doch jetzt versprechen, dass wir morgen wirklich anfangen. Oder heute … O. k.?

4. Januar

Wo Dein Herz ist

Es gibt ja das schöne Sprichwort: „Wo dein Herz ist, da ist deine Heimat." Klingt gut. Klar. Da, wo unser Herz höher schlägt, da wollen wir sein. Da, wo wir emotional berührt sind, dazu fühlen wir uns hingezogen. Da, wo uns das Herz aufgeht, da fühlen wir uns wohl.

Nur, was heißt denn das genau: „Wo dein Herz ist … Ich meine: Ich kenne eine Menge Leute, denen geht das Herz auf, wenn sie im Büro sind. „Im Büro, da ist meine Heimat. Nee, lieber nicht. Oder doch?

Kürzlich sagte mir einer: „Mein Herz schlägt für die Eintracht. „Wo Eintracht Frankfurt ist, da ist meine Heimat. Ja … kann schon mal vorkommen. Aber so als Ganzes wär’s mir doch zu wenig.

Und dann lese ich, dass die meisten Menschen mehr Zeit mit dem Smartphone als mit dem Partner verbringen. Heißt das: „Wo mein Smartphone ist, da ist meine Heimat"?

Vielleicht stimmt das ja gar nicht: „Wo dein Herz ist, da ist deine Heimat. Zumindest hat schon der Reformator Martin Luther die Sache mit dem „Herzen ein wenig kritisch gesehen. Er schrieb nämlich: „Wo dein Herz ist, da ist dein Gott." Sprich: Wir hängen unser Herz an vieles. Und geben ihm damit Macht über uns.

Entscheidend ist also, dass wir unser Herz an die richtigen Dinge hängen. Für Luther war klar, was das ist: Jesus Christus. Aber sein Hinweis gilt natürlich auch allgemein: Ja, Heimat hat ganz viel mit Herzblut zu tun. Gerade darum lohnt es sich, immer wieder zu schauen, ob unser Herz für das Richtige schlägt.

5. Januar

Umberto Eco

Umberto Eco war einer von den ganz Großen. Ein kluger Wissenschaftler, ein leidenschaftlicher Autor, ein echter Ästhet und ein scharfsinniger Analyst der Welt. Heute hätte der begnadete Geschichtenerzähler seinen Geburtstag gefeiert.

Ich weiß noch, dass ich seinen Mittelalter-Roman „Der Name der Rose" verschlungen habe. Diese skurrile Geschichte des Mönchs William von Baskerville, der in einer ligurischen Benediktinerabtei eine Mordserie aufklären soll. Erinnern Sie sich? Innerhalb weniger Tage werden dort fünf Mönche auf äußerst beunruhigende Weise getötet, und William beginnt zu ermitteln.

Im Lauf der Zeit wird dann klar, dass es sich um Morde aus Leidenschaft handelt. Aber aus einer krankhaften, pervertierten Leidenschaft. Einer der Mönche glaubt nämlich inbrünstig, dass er Gott vor dem Lachen der Menschen schützen müsse. Wirklich. Und deswegen tötet er alle, die sich mit dem Buch des Aristoteles über die Komödie beschäftigen wollen. Wie absurd. Aber auch: Wie traurig. Als wäre das Lachen der Menschen für Gott eine Bedrohung.

Am Ende schreibt Eco sinngemäß: „Der Teufel, das ist nichts Materielles, das ist ein Glaube ohne Lächeln, eine Wahrheit, die niemals vom Zweifel erfasst wird." Möglicherweise ohne es zu beabsichtigen, hat Umberto Eco mit solchen Sätzen dazu beigetragen, dass heute in vielen Kirchen wieder gern und entspannt gelacht wird. Weil Glaube und Verkrampfung einfach nicht zusammenpassen.

6. Januar

Epiphanias

Epiphanias – die Erscheinung des Herrn. Die wird immer am 6. Januar gefeiert. Dabei geht es darum, dass an diesem Tag noch einmal besonders offenbart wurde, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Dass in diesem kleinen Kind in der Krippe Gott selbst auf die Erde gekommen ist.

Und wodurch wurde das offenbart? Na, vor allem durch die drei Weisen aus dem Morgenland, die ja keine Kosten und Mühen gescheut haben, um quer durch die Wüste zu ziehen und das neugeborene Kind in Bethlehem als Zeichen des Himmels zu begrüßen. Und weil die Tradition später aus den Weisen drei Könige gemacht hat, wird der Epiphanias-Tag gerne auch „Dreikönigstag" genannt.

Erinnern Sie sich: Diese drei Weisen brachten als symbolische Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe mit – lauter Gaben, die eigentlich in das Krönungszeremoniell bedeutender Herrscher gehörten. In diesem Fall aber waren sie vor allem eine demonstrative Bestätigung, dass Jesus tatsächlich göttlichen Status hat.

Verrückt, oder? Die Bibel präsentiert ganz verschiedene Gruppen, die alle bezeugen sollen, wie bedeutend diese Geburt ist: Engel, Hirten und als Höhepunkt noch drei Weise. Quasi Vertreter von Glaube, Praxis und Wissenschaft. Weil schon damals klar war, was das für eine unglaubliche Geschichte ist: Gott wird Mensch.

Am Epiphaniastag versucht die Christenheit seit 2.000 Jahren, dieses Wunder noch einmal zu feiern. Weil es die Welt verändert.

7. Januar

Der dritte Mann

Fast jede und jeder kennt die berühmte Musik aus „Der dritte Mann". Dem Filmklassiker, der am 6. Januar 1950 in die deutschen Kinos kam. Und schon einen Tag später überall diskutiert wurde.

Vielleicht, weil seine Geschichte so grausam realistisch ist. Orson Welles spielt darin nämlich den Schwarzhändler Harry Limes, der im vom Krieg zerstörten Wien gestohlenes Penicillin schmuggelt. Und dem es völlig egal ist, dass das gestreckte Medikament bei vielen Kindern zu schrecklichen Schädigungen führt.

Als der Trivial-Autor Holly Martins nach Wien kommt, um seinen Freund Harry zu finden, entdeckt er nach und nach, was für ein Schwein Harry Limes eigentlich ist. Trotzdem weigert er sich lange, den Freund der Polizei auszuliefern.

Bis ihm Major Calloway, der zuständige Polizist, in einem Kinderhospital einige Opfer zeigt. Sprich: Erst als Holly Martins die Konsequenzen seines Handelns vor Augen geführt werden, reagiert er. Und es kommt zur berühmten Verfolgungsjagd durch die Kanalisation Wiens, an deren Ende Harry Limes stirbt.

„Der dritte Mann ist unfassbar spannend. Und ein Film über die Frage: Machst du dir eigentlich bewusst, was dein Handeln für Konsequenzen hat? Und: Kannst du das verantworten? Getreu dem biblischen Motto, das später zum Sprichwort wurde: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

Kaum ein anderer Film hat diese Botschaft so großartig verpackt.

8. Januar

Stephen Hawking

Heute hat er Geburtstag: Der Brite Stephen Hawking, der bei vielen als größtes mathematisches Genie des 21. Jahrhunderts gilt. Ein Mann, der seit Jahrzehnten den großen Geheimnissen des Universums auf der Spur ist. Obwohl er im Rollstuhl sitzt und nur mit Hilfe eines Sprachcomputers kommunizieren kann.

Dabei besteht seine größte wissenschaftliche Leistung wohl darin, dass er die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik zusammengeführt hat – also die Lehre von den ganz großen und die Lehre von den ganz kleinen Dingen.

Na ja, und dann hat er auch noch mehrfach laut verkündet, dass man aus physikalischer Sicht für die Entstehung des Universums keinen Gott braucht. Wörtlich schreibt er: „Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen."

Das ist übrigens eine uralte Theorie. Schon der französische Physiker Laplace erklärte vor 200 Jahren: „Ich brauch die Hypothese ‚Gott‘ nicht zur Erklärung der Welt." Natürlich könnte man jetzt Hawking fragen, woher denn überhaupt die Schwerkraft kommt, aber das wäre doch ziemlich unsinnig.

Ich vermute eher, dass Hawking nach Gott mit den falschen Mitteln am falschen Ort sucht. Denn: An einen Gott, den man physikalisch und mathematisch erklären kann, wollte ich ohnehin nicht glauben. Und vielleicht wären wir uns in diesem Punkt sogar einig. Auf jeden Fall: Herzlichen Glückwunsch, lieber Stephen.

9. Januar

Joan Baez

„We shall overcome … Wir werden das überwinden. „Eines Tages werden wir das überwinden. O, tief in meinem Herzen weiß ich: Ich glaube daran, dass wir all das hier eines Tages überwinden werden. Toller Text.

Mit diesem großen, alten Protestsong wurde Joan Baez 1963 berühmt. Ja, das Lied „We shall overcome" wurde zum Schlüsselsong einer ganzen Generation. Und zwar weltweit. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung sang ihn genauso wie die Anti-Apartheitsbewegung in Südafrika, die Aktivisten in Bangladesch oder die Friedensbewegung in Deutschland: Wir werden das alles hier überwinden.

Joan Baez selbst galt durch dieses Lied als Sprachrohr und Idol ihrer Generation. Vor allem, weil sie ihre Worte auch lebte. Sie engagierte sich ihr Leben lang in der Friedensbewegung und demonstrierte gegen Menschenrechtsverletzungen. Ja, noch immer setzt sie sich gegen Atomwaffen, Kernenergie und Umweltverschmutzung ein. Und heute, da feiert sie ihren Geburtstag.

Nebenbei: Den Text zu „We shall overcome" hat ein Pfarrer geschrieben: Charles Tindley. Weil er überzeugt war, dass es letztlich die Kraft und die Liebe Gottes sind, die all das Schlechte in der Welt überwinden. Manche Aktivisten vergessen das bisweilen, wenn sie lauthals dieses Glaubenslied singen. Aber Joan Baez, die weiß es. Zum Glück. Herzlichen Glückwunsch.

10. Januar

Skispringen

Ich wollte mir die Mühlenkopfschanze in Willingen mal anschauen. Auf der Durchreise. Und als ich dann davor stand, dachte ich spontan: Ganz ehrlich, nichts auf der Welt könnte mich jemals dazu bringen, hier runterzuspringen. Uaah. Ich meine: Das ist doch Wahnsinn. Der Schanzenrekord liegt deutlich über 150 Meter.

Aber dann wurde mir klar, dass die Skispringer, die hier jedes Jahr im Januar um den Weltcup springen, natürlich auch klein angefangen haben. Ja, deren erste Sprünge gingen bestimmt nicht 150 Meter weit. Die haben alle vorsichtig geübt, sich erst mal langsam ans Fliegen gewöhnt und dann nach und nach gelernt, auch von größeren Schanzen zu springen.

Da wurde meine Ehrfurcht schon kleiner. Zumindest ein bisschen. Ja, schließlich geht mir das bei vielen Dingen so: Ich sehe beeindruckt, was Menschen können, und vergesse dabei schnell, dass die meisten erst Schritt für Schritt gelernt haben, mit immer größeren Herausforderungen zurechtzukommen.

Das aber heißt: Nur wer langfristig motiviert ist, ein Ziel zu erreichen, kommt auch auf die großen Schanzen. Wer voller Glauben dran bleibt. Wer beharrlich sein Können steigert.

Der Prophet Jesaja schrieb dazu schon vor langer Zeit: „Viele Menschen werden müde und geben auf. Aber wer auf Gott vertraut, der bekommt immer wieder neue Kraft, so dass er anfängt zu fliegen wie ein Adler." Passt doch irgendwie zum Skispringen in Willingen.

11. Januar

Wittgenstein

1921 veröffentlichte der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein ein starkes Buch, aus dem vor allem ein Zitat berühmt wurde: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Cool, oder? „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

Natürlich hat Wittgenstein in seinen Werken sehr ausführlich erklärt, wie man denn prüft, ob ein Satz mit der Wirklichkeit übereinstimmt oder nicht. Und dabei kam er eben zu dem Schluss: Wenn man den Wahrheitsgehalt einer Aussage nicht überprüfen kann, dann sollte man sie nicht machen. „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

Das klingt natürlich so, also könne man zum Beispiel auch über Gott gar nicht reden, weil Formulierungen über Gott ja selten logischen Kriterien genügen. Das hätte auch Wittgenstein so gesehen. Allerdings hätte er daraus nicht geschlossen, dass es Gott nicht gibt.

Schließlich kann man auch über Phänomene wie Hoffnung oder Liebe keine belegbaren Aussagen machen. Darum schreibt Wittgenstein sinngemäß: „Über manche Werte kann man nicht reden. Aber man kann am Leben der Menschen erkennen, ob sie diese Werte haben. Und zwar an ihren Taten und ihren Einstellungen."

Kluge Erkenntnis. Finde ich. Wenn ein Mensch an Gott glaubt, dann kommt es nicht darauf an, ob er darüber groß reden kann, sondern ob dieser Glaube sein Leben stark macht und welche Folgen er hat. Also: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

12. Januar

Thomas

Manchmal ist es ziemlich blöd, wenn man was verpasst. Oder? Thomas zum Beispiel, einer der Jünger Jesu, der hatte die Auferstehung verpasst. Wirklich. Als Jesus sich seinen Jüngern noch einmal gezeigt hatte, war Thomas nicht dabei gewesen.

Und da konnten ihm die anderen von ihren Erfahrungen noch so leidenschaftlich vorschwärmen, Thomas blieb stur. „Also, ich glaub das einfach nicht. Ein Toter steht nicht wieder auf. Ich weiß nicht, was ihr euch da zusammenfabuliert. Aber es kann nicht sein."

Deswegen bekam Thomas ja auch den Spitznamen „Der ungläubige Thomas. Weil er sagte: „Ohne Beweise geht gar nichts.

Und die lieferte Jesus ihm. Thomas bekam eine Woche nach den anderen eine „Sondererscheinung – und dazu alles, was er gefordert hatte. Er darf sich die Wundmale in Jesu Händen genau angukken und seine Hand in die Wunde an Jesu Seite legen. Und dabei sagt Jesus den schönen Satz: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.

Was Thomas dann auch ist. Er ruft: „Mein Herr und mein Gott. Doch Jesus weist ihn sofort freundlich zurecht: „Du glaubst leider nur, weil du mich gesehen hast. Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.

Eine hochinteressante Unterscheidung. Finde ich. Sich an Fakten festhalten ist schön und gut. Doch mit Glauben im engeren Sinn hat das noch gar nichts zu tun. Wahrer Glaube ist eine Kraft, die stärker ist als Beweise. Eine Kraft, die größer ist als alles, was ich sehen oder anfassen kann.

13. Januar

Knut

Wer schwedische Möbel mag, der weiß natürlich, dass heute KnutTag ist. Das wird einem ja oft genug in der Werbung gesagt. Und was ist am Knut-Tag? Nun, da geht in Skandinavien die Weihnachtszeit zu Ende. Das heißt: Heute werden überall im hohen Norden rituell die letzten Süßigkeiten von den Weihnachtsbäumen genascht – bevor dann die Tannen von der Familie aus dem Haus gebracht werden. Für viele Skandinavier ist das noch mal ein richtig großes Fest.

Benannt ist der Knut-Tag übrigens nach dem Heiligen Knut, einem dänischen König aus dem 11. Jahrhundert, der sich stark für das Christentum einsetzte. Und angeblich war er es auch, der damals die Weihnachtszeit in seinem Reich um eine Woche verlängerte. Normalerweise endet die Weihnachtszeit ja am 6. Januar, aber Knut wollte gerne den Christinnen und Christen etwas Gutes tun – und hat einfach noch mal 7 Tage drangehängt. Damit die wunderbaren Erfahrungen von Weihnachten nicht zu schnell im Alltagstrott verloren gehen.

Der Heilige Knut wurde später in einer Kirche ermordet, aber sein Einsatz für die Weihnachtszeit bleibt unvergessen. Bis heute freuen sich die nordischen Völker darüber. Und die Botschaft „Gott kommt auf die Welt, damit die Liebe Gottes sichtbar wird", macht die Gemüter eine ganze Woche länger hell. Gerade, wenn es draußen so dunkel ist. Weil der Baum noch steht und die tröstlichen Weihnachtslieder fröhlich weitergesungen werden. Also: Ich feiere heute auch noch mal …

14. Januar

Fashion Week Berlin

Ende Januar ist wieder Fashion Week in Berlin. Glanz und Glamour. Shows, Preise und Konzerte – und jede Menge cooler Events.

Aber: Das ist nicht alles. Zum Glück. Da gibt es nämlich den Trend zur „Eco-Fashion", also zur ökologischen Kleidung. Und dieser Trend entpuppt sich gerade als einer der großen Wachstumsbereiche der Branche. Kein Wunder: Immer mehr Leute wollen genau wissen, aus welchen Materialien und unter welchen Bedingungen ihre Kleidung eigentlich hergestellt wird.

Deshalb findet man auf der Fashion Week inzwischen unter anderem einen „Green Showroom und eine „Ethical Fashion Show. Also Shows mit ethischem Anspruch. Das fängt bei biologisch angebauter Baumwolle an, geht über Polyester-Recycling und hört bei Fair Trade noch lange nicht auf. Plötzlich wird vielen klar, dass Mode natürlich Einfluss auf die Umwelt und die sozialen Verhältnisse hat. Und dass Modefirmen eine große Verantwortung tragen.

Lustigerweise ist auch in der Offenbarung des Neuen Testamentes ganz oft von „reinen Kleidern die Rede. Ja, die Menschen sehnten sich schon vor 2.000 Jahren in ihren Zukunftsvisionen danach, eines Tages mit reinen Kleidern vor Gott zu stehen. Nun, damals ging es natürlich vor allem um Sauberkeit. Aber vielleicht bekommt ja das prophetische Bild von den „Reinen Kleidern angesichts der Eco-Fashion eine ganz neue Dimension.

Wäre doch nicht schlecht: „Hier stehe ich, und meine Weste ist rein."

15. Januar

Wikipedia

Am 15. Januar 2001 wurde das Online-Lexikon „Wikipedia" erstmals freigeschaltet. Seither sind darin weltweit mehr als 33 Millionen Artikel in mehr als 280 Sprachen veröffentlicht worden. Von fast 2 Millionen angemeldeter Autorinnen und Autoren. Unglaublich, oder?

Und die Idee ist ja auch großartig: Jede und jeder darf Beiträge bei Wikipedia einstellen. Solange sie neutral, nachprüfbar und mit Achtung vor der Meinung anderer geschrieben sind. Und weil die Leser jeden Artikel auch verbessern und ergänzen dürfen, entsteht so im Lauf der Zeit eine kluge Enzyklopädie, in der sich nach und nach das Wissen der Welt sammelt. Toll!

Nun bin ich ja Pfarrer und denke manchmal: Das Grundkonzept von Wikipedia könnte man auch für den Glauben nutzen. Ja, das wäre doch mal ein interessanter Versuch: Jede und jeder bekommt auf einer Internetplattform die Gelegenheit, davon zu erzählen, wie sie oder er sich Gott vorstellt. Oder was sie glauben, und was das für ihr Leben bedeutet. Und dann dürften andere natürlich fleißig kommentieren – und zum Beispiel anmerken, welche dieser Vorstellungen und Bilder ihnen helfen, Gott und den Glauben besser zu verstehen.

Ich meine: Dadurch kommt man dem Geheimnis näher, was einen lebendigen Glauben ausmacht. Weil dann alle miteinander nach der Wahrheit suchen. Und weil sich die Glaubenserfahrungen von ganz vielen Gläubigen dort versammeln. Ich habe keine Ahnung, ob das funktionieren würde. Aber ich finde: Etwas mehr Austausch zwischen den Glaubenden kann auf keinen Fall schaden.

16. Januar

Jazz oder nie

Am 15. Januar 1920 kam in Deutschland eine Schallplatte auf den Markt, die die Hörgewohnheiten vieler Musikfreunde radikal auf den Kopf stellte und am Tag danach das Smalltalk-Thema war: der „Tiger Rag, gespielt von der „Original Excentric Band in Berlin.

Die Aufnahme dieser Dixieland-Nummer gilt heute als erste deutsche Jazz-Schallplatte überhaupt. Allerdings sagte man damals in Deutschland noch „Jatz. Und ihre Veröffentlichung war deshalb so spektakulär, weil die neue Musik am Anfang total umstritten war. Jatz, das war „Negermusik, „Katzenmusik oder sogar „Bums-Musik. Zügelloses Zeug schwarzer Straßenmusiker, grell, dekadent, wild und synkopisch.

Doch in den wilden Zwanzigerjahren waren die jungen Leute mehr als willig, sich von den neuen Rhythmen begeistern zu lassen. Und plötzlich spaltete der Jazz ganze Familien und ganze Gesellschaftsschichten. Was den einen ein Gräuel war, regte die anderen an, sich frei und lustvoll zu bewegen.

Na ja, seien wir ehrlich: Daran hat sich ja bis heute nichts geändert. Immer wieder ist es die Musik, die Älteren deutlich macht, dass sie die Jüngeren nicht mehr verstehen. Nebenbei: Schon vor 3.000 Jahren scheint das ein Thema gewesen zu sein. Zumindest verkünden die Psalmen mutig: „Singt dem Herrn ein neues Lied."

Nun: Der „Tiger Rag" war 1920 ein neues Lied. Ich bin gespannt, was musikalisch in diesem noch jungen Jahr auf uns zukommt.

17. Januar

Martin Luther King

Als er fünf Jahre alt war, erklärten ihm die Nachbarn, dass er jetzt nicht mehr mit seinem besten Freund spielen dürfe. „Was, warum denn das? „Ganz einfach: Er ist weiß. Und du bist schwarz. Tja, in den Dreißigerjahren war in Amerika alles nach Rassen getrennt: Schulen, Kirchen, Behörden, Busse, Züge, ja, sogar Waschbecken. Und diese Ungerechtigkeit ließ Martin Luther King keine Ruhe mehr.

So setzte er sich leidenschaftlich für die Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß ein, organisierte Sitzblockaden und Demonstrationen – und den berühmten Busstreik von 1956, in dem die schwarze Bevölkerung erklärte, sie werde solange nicht mehr mit dem Bus fahren, bis die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln abgeschafft werde. Mehr als ein Jahr hielt sie durch. Und einige Verkehrsbetriebe gingen fast bankrott.

1963 kam es dann zu einer Kundgebung in Washington, bei der Martin Luther King seine berühmte Rede hielt: „Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter an einem Tisch sitzen werden."

Und: Der Traum wurde wahr. 1964 erhielt der Bürgerrechtler dafür den Friedensnobelpreis. Und heute hätte er vielleicht noch seinen Geburtstag gefeiert. Hätte ihn nicht ein Fanatiker 1968 ermordet. Nebenbei: Als man King einmal fragte, woher er seine Energie nehme, sagte er: „Der Glaube an die Kraft und die Macht des lebendigen Gottes lässt mich weitergehen … In diesem Glauben habe ich immer einen Weg gefunden, wo kein Weg zu sein schien."

18. Januar

Welttag des Schneemanns

Heute ist der Welttag des Schneemanns. Am 18. Januar. Und warum gerade heute? Na, ein Schneemann sieht doch aus wie eine Acht. Und der Besen in seiner Hand, der sieht aus wie eine Eins. Also: 18. Und oft gibt es im Januar ja auch genug Schnee.

Ausgerufen hat diesen Tag der Schneemann-Fan Cornelius Grätz. Und weil der Schneemann von jeher ein Symbol für Vergänglichkeit ist, sind heute alle Kreativen eingeladen, sich pfiffige Aktionen einfallen zu lassen. Zum Klimawandel oder zur Sehnsucht nach Beständigkeit.

Wobei ich ehrlich sagen muss: Bei all dem Schneegeschippe ist das nicht unbedingt ein Knallerthema für mich.

Tja, was machen wir nun mit dem „Welttag des Schneemanns". Einfach vergessen? Oder vom schönsten Schneemann unserer Kindheit träumen? Oder für alle Fälle doch mal Karotte, Zylinder und Kohlenstücke bereitlegen?

Wissen Sie was? Wenn draußen schon kein Schnee liegt, dann zitiere ich Ihnen jetzt wenigstens mal meine Lieblings-Schnee-Stelle aus der Bibel. Da sagt Gott nämlich: „So wie Schnee und Regen vom Himmel fallen und die Erde fruchtbar machen, so werden auch meine Worte euer Leben fruchtbar machen."

Und wem beim Anblick eines schönen Schneemannes schon mal so richtig das Herz aufgegangen ist, der ahnt, was das bedeutet.

19. Januar

Welttag der Religionen

Ein „Welttag der Religionen" ist schon spannend. Ja, heute finden auf der ganzen Welt Veranstaltungen statt, die sich mit dem Dialog zwischen den Religionen beschäftigen.

Wenn man bedenkt, wie oft und hartnäckig sich die Anhänger verschiedener Religionen bekämpft und bekriegt haben und noch bekriegen, dann ist es tatsächlich ein riesiger Fortschritt, dass viele Glaubensgemeinschaften gelernt haben, auch miteinander zu reden. Anders Glaubende zu achten. Ja, sie überhaupt erst mal richtig kennenzulernen – und sich nicht auf Vorurteilen auszuruhen. Zu entdecken, dass ein Muslim, ein Jude, ein Buddhist oder ein Hindu genauso ernsthaft nach Himmel und Erde fragt, wie ein Mensch aus der christlichen Kultur.

Dabei wurde dem einen oder anderen auch klar, wie viel Kostbares die Weltreligionen tatsächlich haben. Ja, allen Glaubensgemeinschaften geht es darum, dass das Miteinander der Menschen gelingt. Sie machen deutlich, dass man anders denkt und handelt, wenn man weiß, dass das Leben in größere Zusammenhänge eingebunden ist.

Angeregt haben den „Welttag der Religionen übrigens die Baha’i, eine religiöse Gruppe, die sich den Dialog der Glaubenden auf die Fahnen geschrieben hat. 1950 war das. Und seither gilt der Grundsatz: In einen Dialog eintreten kann man nur dann, wenn man den eigenen Standpunkt wirklich kennt. Insofern ist der heutige „Welttag der Religionen auch eine Einladung, dem eigenen Glauben auf die Spur

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