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Drachen-Queste: Die Prüfung des Feuerdrachenkriegers
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Drachen-Queste: Die Prüfung des Feuerdrachenkriegers
eBook269 Seiten3 Stunden

Drachen-Queste: Die Prüfung des Feuerdrachenkriegers

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Über dieses E-Book

Das Leben der 15jährigen Tara gerät völllig aus den Fugen. Nicht, dass es nicht schon schlimm genug wäre, dass ihre Eltern über ihren Kopf hinweg entscheiden und sie mit ihnen widerwillig nach Vancouver ziehen muss. Zu allem Übel träumt sie auch noch von ihrem verstorbenen Vater und ihre Mutter verhält sich zunehmend komischer. Was verschweigt sie? Und was hat es mit dem seltsamen Buch und dem Brief auf sich?
In der neuen Heimat angekommen, hat Tara gleich einen Streit mit ihrer Mutter und läuft davon. Wie automatisiert folgt sie den geheimnisvollen Rufen und stürzt durch ein Dimensionsportal in eine andere Welt. Kaum dort angekommen, muss Tara plötzlich einen jungen Krieger auf seiner Queste begleiten und sich den Fragen stellen: Wer bin ich und wer kann ich sein? Kann ihr bei der Suche nach Antworten das Vermächtnis der alten Weisen helfen?
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum24. Apr. 2018
ISBN9783752899801
Drachen-Queste: Die Prüfung des Feuerdrachenkriegers
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Autor

Steve Dime

Steve Dime wurde in den 1970s geborgen. Ihre Kurzgeodachten lauten: Vom Süden in den Norden, dann quer in den Osten - ihrer Uni-Laufbahn entsprechend. Steves Base ist Norddeutschland, wo sie mit ihrem Mann lebt. Im Schatten des Feuerdrachen (1) und Die Rückkehr des Feuerdrachen (2) gehören zu den ersten Büchern der promovierten Autorin.

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    Buchvorschau

    Drachen-Queste - Steve Dime

    Für den kleinen Helden, der mich mit Herz und Freude und mit seiner grenzenlosen Phantasie beim Erschaffen der anderen Welt unterstützt hat.

    Inhaltsverzeichnis

    Prolog

    Der Schattenmann

    Der Ruf des Feuerdrachen

    Mythos von Almaak

    Magisches Amulette

    Die Inschrften von Si Wash

    Der Feuerdrachenkrieger

    Prolog

    Wie es dazu kam …?

    Nun, es begann … mit einem Stern.

    Jener, der dafür sorgte, dass das Licht wie fallende Tropfen vom Himmel regnete und beim Aufschlagen in viele Tausend und aber Tausend Einzelteile zersprang; um dem Leben eine ganz besondere Energie mitzugeben. Eine Energie, die sich gemeinsam mit den allerersten Lebensformen mitentwickeln sollte: das Licht in ihrem Lebenskern.

    So steht am Anfang der Geschichte ein Stern, der einst auf den Entstehungsprozess des Lebens blickte und sich überlegte, dem Leben einen besonderen Funken einzuhauchen, der es zu einem großen Ganzen gestalten würde … das universelle Licht.

    Awwa … das war der Name des Sterns.

    Er war jedoch kein großer Stern; seine lichtvollen Tropfen allein hätten nicht ausgereicht. Deshalb sprach er mit anderen Sternen und bat sie, auch etwas von dem Licht ihrer Schönheit abzugeben. Viele von ihnen waren wenig überzeugt von der Idee. Sie wandten sich ab. Einige Sterne lachten sogar darüber. Der Stern aber ließ sich von der Gleichgültigkeit der anderen nicht abbringen. Er war überzeugt von seiner Idee und hielt daran fest. Immer weiter versuchte er, all die zauberschönen Sterne des Universums zu überzeugen.

    So kam es, dass das mitfühlende Wesen einer Sonne gerührt war von der Ausdauer des kleinen Sterns. Sie beschloss schließlich, ihn zu unterstützen und sprach mit einem Mond, um auch ihn zu überzeugen, etwas von sich herzugeben. Nachdem sich Sonne und Mond entschieden hatten, dem Stern zu helfen, stimmten endlich auch die anderen Sterne der Idee zu, Tropfen mit der universalen Essenz ihres Lichts abzugeben. Gebündelte Tropfen, bestehend aus der reinen Weisheit des Mondes, der mitfühlenden Wärme der Sonne und der unsterblichen Schönheit des Lichts der Sterne.

    Diese Tropfen fielen vom Himmel, landeten auch auf der Erde und zersprangen in winzig kleine Funken, die sich mit den allerersten Lebensformen verbanden. Funke um Funke sprühte und flammte auf und verband sich von Leben zu Leben und Existenz zu Existenz … immer weiter fort – bis heute und noch weiter bis in alle Ewigkeit hinein - selbst dann, wenn die Erde längst nicht mehr existieren sollte.

    So also wurde aus der Summe der einzelnen Funkenteile von Awwas Licht – wie man es nannte - ein großes, universelles Ganzes, das doch nur aus den kleinen elementaren Einzelteilen bestand, die wieder und wieder zueinanderstrebten und sich finden sollten.

    Und dennoch …

    … verlor sich der Funke auf der hier auf der Erde im Laufe der Jahrtausende mehr und mehr. Verlor sich in einer Welt, die zunehmend durch das Streben nach Macht, der dunklen Seite verfiel. Und das nur, weil das Paradies auf Erden eingetaucht wurde, in einem unfairen Handel mit den unsäglichen Seelenräubern, die diese Welt selbst wieder und wieder hervorbrachte. Namenlose Kriege, unter wechselndem Vorwand, sollten im Wandel der Zeit kommen und gehen und Leid und Krankheit das Leben auf der Erde zeichnen, während Awwas Licht immer weiter in Vergessenheit geriet. Dabei waren es nicht die Pflanzen und Tiere, die den Funke vergessen sollten. Nein, es waren die menschlichen Seelen selbst, die sich nicht mehr an das Licht des Sterns erinnerten, das doch eigentlich ein universaler Teil ihres Selbst war.

    Während also auf dem Planeten Erde die Jahrtausende dahinzogen, in denen sich die Geschichte wieder und wieder wiederholte, aus der doch eigentlich hätte gelernt werden können, verlor sich der Funke von Awwas universalem Licht beinah gänzlich aus dem menschlichen Leben. Das Dunkle war allzu oft übermächtiger als das Licht, das dem gewaltigen Schatten fast nicht mehr zu weichen imstande war. Und dabei waren all die menschlichen Seelen in all dieser Zeit doch nur auf der Suche nach dem einen Funke, den sie vergeblich außerhalb ihrer selbst in der Zerstreuung zu suchen begannen und durch erbarmungslose Kriege für sich alleine in Anspruch nehmen wollten. So herrschten Despoten um Despoten, töteten und wurden getötet oder starben eines natürlichen Todes oder erlagen ihren Wunden auf dem Schlachtfeld oder den Pestwellen, die ihren Tribut forderten. Das Kriegen, Töten und Leiden sollte bis ins 21. Jahrhundert der menschlichen Erdenzeit hinein andauern, dessen Beginn zum Zeitpunkt dieser Geschichte geschrieben steht.

    So beginnt die Erzählung zu einer Zeit, die in weiten Teilen der Erde nicht minder krisensicher und kriegsgebeutelt sein sollte, als sie es in der Vergangenheit gewesen war. Das Dunkle begleitete auch dieses menschliche Zeitalter, in der sich Awwas Licht noch immer hinter dem Schatten in der Vergessenheit wähnte. Wie lange das Kämpfen noch weitergehen würde, war ungewiss. Das Wissen darum gehörte einer noch ungeschriebenen Zukunft an, die sich aus den Ursachen der Vergangenheit und dem gegenwärtigen Handeln speiste. Das Dunkle und das Helle aber standen sich einmal mehr einander gegenüber, um sich im Kampf zwischen Gut und Böse zu beweisen. Ein Kampf, den jedoch jeder einzelne menschliche Geist in sich und ganz alleine mit sich austragen musste. Und so lag das Schicksal des gesamten planetaren Lebens in den Händen der menschlichen Seelen selbst, die doch eigentlich all die Jahrtausende immer nur auf der Suche nach dem Einen gewesen waren; und es aber doch noch immer nicht hatten finden können, weil ihre getrübten Augen den Funken Licht hinter dem Schatten in der Vergessenheit nicht oder nicht mehr erkennen konnten.

    Hin und wieder kam es aber doch vor!

    Und dann … dann sollte derjenige, dem es gelungen war, ganz plötzlich und unvermittelt andere Welten kennenlernen. Die Welten der geistigen Wesen, deren Magie ebenso gut und verzaubernd wie böse und furchteinflößend war; nicht wenige schrieben sogar darüber. Denn schließlich war die Erde nicht der einzige Planet, der um die dualistische Balance zwischen hell und dunkel und Gut und Böse kämpfen musste.

    Wie es also dazu kam …? Nun, darum soll es nun gehen …

    Der Schattenmann

    >>Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen,

    Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden. Was wir

    können und möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der

    Zukunft dar; wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen

    besitzen. So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahrhaft

    Mögliche in ein erträumtes Wirkliches<<

    (Johann Wolfgang Goethe)

    Die Sonne warf ihre letzten Strahlen über das Meer. Der Sand fühlte sich noch immer warm an, auch wenn es längst Anfang September war. Die See war ruhig. Ein lauer Wind wehte, ließ die Wellen gegen das Ufer kräuseln. Das sanfte Rauschen wirkte beruhigend und irgendwie erzählend. Tag für Tag konnte man lauschen. An der Küste zu leben bedeutete, den Geschichten des Meeres zuzuhören. Deshalb liebte es Tara, nach der Schule an den Strand zu fahren. Der Anblick des Meeres gab ihr ein Gefühl von Freiheit. So wie auch heute. Bis eben noch war sie mit ihrem Longboard auf den Fährwellen geritten. Nun saß Tara zusammen mit ihren Freunden am Strand. Die Mädchen lachten ausgelassen. Ihre Zähne blitzten in den gebräunten Gesichtern. So kurz vor Sonnenuntergang schimmerte die Sonne auf dem Meer wie flüssiges Gold.

    >>Morgen soll es regnen. Wer hat Lust auf Kino nach der Schule? <<, fragte Tara und strich sich eine verirrte Strähne aus dem Gesicht.

    >>Ich muss lernen. Wir schreiben am Donnerstag eine Deutscharbeit. << Kiran verdrehte die Augen und nahm einen Schluck von seiner Cola.

    Lilly warf dem Jungen mit den strohblonden Haaren, die auf einer Seite immer ein bisschen länger waren, einen verträumten Blick zu. Tara musste sich ein Kichern verkneifen.

    >>Was ist mit dir, Lilly<<, Josh, der den Blick ebenfalls mitbekommen hatte, stieß das Mädchen neben sich grinsend an.

    >>Hallo … lass das! << Missbilligend schüttelte sie ihren dunklen Lockenkopf und schnalzte ertappt mit der Zunge. >>Ich muss auch lernen<<, log sie.

    >>Alter … da könnt ihr ja zusammen lernen<< Josh stieß Kiran grinsend an.

    Der 16jährige aber tat gleichgültig. Seine verschmitzten Blicke galten Tara.

    >>Ich muss zum Zahnarzt<<, entschuldigte sich Insa und lachte, um den anderen ihre Zahnspange zu zeigen. Ihr keckes Gesicht mit den Sommersprossen und der kleinen Stupsnase wirkte viel kindlicher, als die 15jährige mit dem roten Strubbelkopf war.

    >>Ok … dann also morgen kein Kino. << Tara schaute auf ihre Uhr. Obwohl das gar nicht nötig war. Die Sonne war fast untergegangen. Um diese Jahreszeit bedeutete das, dass es kurz vor acht Uhr war. >>Ich muss los. Meine Eltern sind unterwegs. Jussis Babysitter müsste schon da sein. << Eigentlich war Jenny auch ihre Babysitterin. Aber das würde Tara niemals vor ihren Freunden zugeben. Natürlich nicht!

    >>Ich bring dich nach Hause<<, rief Josh schneller, als Kiran lieb war. Keine Frage, die beiden Jungs standen auf sie.

    Tara stand auf, klopfte sich den Sand von den Beinen und zog sich Jeans und Kapuzenshirt über ihren Bikini. Das lange Haar steckte sie zu einem Knoten im Nacken zusammen. Josh zog sich ebenfalls an. Gemeinsam brachten sie ihre Longboards zum Beachhouse, winkten den anderen zum Abschied zu und liefen zu ihren Rädern.

    ***

    Das Strandhaus der Familie von Sengbusch lag abseits. Die beiden radelten auf einem schmalen Pfad durch einen Birkenwald. Der Geisterwald, so wurde er genannt, grenzte direkt an die Steilküste. Er machte seinem Namen alle Ehre. Denn nachts, wenn Mond und Sterne zwischen den Wolken hervorlugten, warfen die Birkenstämme gespenstige Schatten.

    >>Wollen wir morgen zusammen ins Kino? <<, fragte Josh, als sie beim Haus angekommen waren.

    >>Ja, warum nicht<<, Tara lächelte. Sie mochte Josh. >>Ich app dich morgen in der Schule an, ok? <<

    >>Ok<<, erwiderte Josh und versuchte einen verstohlenen Blick auf ihre Lippen zu werfen.

    Tara tat, als merke sie es nicht, stieg vom Rad und öffnete das geschwungene Eisentor. >>Also dann … bis morgen. <<, verabschiedete sie sich winkend und schaute dem groß gewachsenen Jungen hinterher.

    >>Bye<< Josh fuhr sich verlegen durchs Haar und radelte davon.

    Der Kies unter ihren Füßen knarzte, als Tara ihr Rad zur Garage brachte und das Auto ihrer Eltern entdeckte.

    Warum sind sie noch zuhause? Hat sich Jenny verspätet? Keine so gute Idee!

    Ihr Stiefvater, Dr. Maximilian von Sengbusch, mochte Verspätungen nicht so gerne. Er war leitender Oberarzt in einem Hamburger Krankenhaus. Die norddeutsche Metropole lag zwei Stunden entfernt vom familiären Wohnsitz. Die lange Fahrt nahm er in Kauf, wenn auch nur zähneknirschend. Oft genug war die hin und her Fahrerei allerdings mit Stress verbunden. Das sah man ihm an. Dann nämlich zeigten sich Schatten um seine wachen Augen und er wirkte mürrisch. Typisch Erwachsene! Dabei war er für einen Stiefvater sonst eigentlich echt ganz ok. Ihr echter Dad hingegen war für Tara seit jeher ein Schattenmann – irgendwann mal da gewesen, aber nun nicht mehr greifbar.

    >>Tara, bist du das? <<, hallte die freundliche Stimme ihrer Mutter durch den Flur und riss sie aus sie aus ihren Gedanken.

    >>Ja<<. Eilig durchquerte Tara einen langgestreckten Flur, der an eine Kunstgalerie erinnerte und betrat das stilvoll eingerichtete Wohnzimmer mit dem offenen Kamin. Durch eine riesige Glasfassade konnte man aufs Meer schauen.

    >>Ah, da bist du ja<<, ihre Mutter, von großer schlanker Gestalt, trat aus dem Küchentrakt, der direkt ans Wohnzimmer grenzte.

    >>Wolltet ihr nicht nach Hamburg? Wo ist Jenny? << Tara blickte sich suchend um und musterte die aristokratischen Gesichtszüge ihrer Mutter. Bevor ihre Mutter antworten konnte, schoss ein Kleinkind vergnügt um die Ecke.

    >>Lala<<, rief es strahlend.

    >>Jussi<<, Tara hob ihren Halbbruder hoch, dabei fiel ihr auf, dass ihre Mutter statt eines Abendkleides Leinenhose und Tunika trug. >>Wollt ihr gar nicht auf den Ball? <<, fragte sie daher einigermaßen irritiert.

    >>Tara …<<, setzte ihre Mutter an und brach ein wenig unwirsch ab.

    Was war das denn? So kannte sie ihre Mutter gar nicht. Innerlich verdrehte Tara ihre Augen. Erwachsene!

    >>Ich bringe Jussi ins Bett. Setz dich doch zu Max an den Tisch. Ich bin gleich bei euch. <<

    >>Ok<<, Tara zuckte mit den Achseln, gab Jussi noch einen Gute-Nacht-Kuss und ging am Küchenblock vorbei zum Essbereich. Ein paar Kerzen warfen sanftes Licht. Durch ein geöffnetes Fenster drang das Rauschen der Brandung.

    >>Hi Tara<<, grüßte ihr Stiefvater, der lässig in Jeanshemd und Leinenhose bekleidet vor einem Glas Wein an der Holztafel saß. Tara gesellte sich zu ihm.

    >>Möchtest du ein Glas Cola? <<. Wie immer, ohne wirklich eine Antwort abzuwarten, stand Max auf und ging um den Küchenblock herum zu einer Glasvitrine.

    Tara verfolgte seine Bewegungen. Trotz seiner Größe bewegte er sich geschmeidig durch den Raum. >>Ist der Ball abgesagt worden? <<

    >>Nein … nicht direkt<<, entgegnete Max, für Taras Geschmack etwas zu gedehnt. Achselzuckend drehte er sich mit dem Glas in der Hand zu ihr um. Tara bemerkte, dass er angespannt wirkte. Sein schmales Gesicht mit dem markanten Kinn aber strahlte.

    >>Jussi ist sofort eingeschlafen<<. Ihre Mutter betrat barfuß den großen Wohntrakt, trat an den Tisch und nahm sich einen Schluck Wein.

    Nun gesellte sich auch Max wieder zu ihnen.

    Was sollte das alles? Was hatte das zu bedeuten? Tara schaute abwechselnd von Max zu ihrer Mutter.

    >>Du fragst dich bestimmt, warum wir noch zuhause sind<<, bemerkte ihre Mutter. Max räusperte sich vernehmlich. Irgendwie schien ihm das Gespräch ein wenig unangenehm zu sein.

    >>Mmmh … ja<<, nuschelte Tara in das Glas Cola hinein.

    Ihre Mutter schlug ihre schlanken Beine übereinander und blickte sie direkt an. >>Es gibt Neuigkeiten, die wir gern mit dir besprechen möchten<<, sagte sie in dem für sie gewohnt laissez-fairen Tonfall.

    >>Ok … und das wäre? << Tara wurde etwas mulmig zumute. Irgendwas ging da vor sich. Ihre Mutter wirkte angespannt. Und das war gar nicht gut.

    >>Max wurde eine Professur angeboten, die er annehmen wird<<, erklärte ihre Mutter sachlich.

    >>Hej … das ist doch super<<, Tara zuckte mit den Achseln und lächelte Max zu, verstand aber nicht ganz, was das nun mit ihr zu tun hatte. >>Und? <<

    >>Nun …<<, ihre Mutter geriet ins Stocken.

    >>Die Stelle ist in Vancouver<<, ergänzte Max ganz direkt.

    >>Toll! <<, erwiderte Tara begriffsstutzig.

    >>Tara, das bedeutet, dass wir, Max, ich, Jussi und du, zusammen nach Kanada ziehen werden! <<

    Wie ein verirrter Frisbee knallte der Satz gegen ihre Stirn. Es war, als würde sich eine Faust in ihren Magen bohren und zugleich der Boden unter ihren Füßen auftun. Sie stürzte hinab und fiel in ein Loch, als die Erkenntnis sie traf. >>W-wir … ziehen um? Weg? Aber wieso? <<, sprach sie hilflos und viel lauter als beabsichtigt. Ihre Stimme verklang schrill im Raum.

    >>Weil es eine einmalige Chance ist – für mich und deine Mutter. Wir können gemeinsam in ein und demselben Krankenhaus arbeiten und ich muss nicht mehr stundenlang durch die Gegend fahren<<.

    >>A-aber … was hat das alles mit mir zu tun? Warum muss ich mit euch kommen? Ich will hierbleiben. Hier<<, stotterte Tara hilfesuchend. Wirr fuchtelte sie mit der Hand umher. >>Mein Leben hier ist voll ok. Ich will nicht weg. Versteht das doch! Ich will hierbleiben. Hier bei meinen Freunden. Hier … am Meer. Was wird denn aus meinen Freunden? Und überhaupt …<<. Was wird aus mir, dachte sie verzweifelt und drängte ihre Tränen zurück. >>Ihr könnt mich nicht dazu zwingen<<, flüsterte sie kopfschüttelnd.

    >>Tara, beruhige dich doch. Du wirst neue Freunde finden. In deinem Alter ist das doch überhaupt kein Problem. Sei doch bitte nicht so egoistisch<<, entgegnete ihre Mutter ziemlich sachlich.

    Was ist das denn für eine blöde, typisch erwachsene Aussage, dachte Tara frustriert! Wie konnten sie bloß so gnadenlos sein? Lilly und Insa kannte Tara schließlich schon seit Kindertagen. Sie waren zusammen aufgewachsen. Best friends forever hatten sie sich geschworen. Die beiden waren wie Schwestern für sie. Was sollte daraus werden? Und was aus Josh und Kiran? Tara schluckte und ballte ihre Hände zu Fäusten. Wütender Trotz stieg in ihr auf. Das war nicht fair. >>Warum werde ich vor vollendete Tatsachen gestellt? Warum werde ich nicht gefragt? Warum entscheidet ihr darüber, was gut für mich ist und was nicht? Was soll ich verdammt noch mal in Vancouver? <<

    >>Tara … <<, ihre Mutter versuchte ihr beruhigend die Hand auf den Arm zu legen. Tara zog sich unwirsch zurück. >>Noch ist Jussi jung genug und du alt genug. Außerdem wäre der Schulwechsel zum Halbjahr perfekt. Es ist eine wundervolle Möglichkeit. Für jeden von uns. Auch für dich. Sieh das doch ein, Tara<<

    Schulwechsel … zum Halbjahr … echote es in Tara. Das ist doch schon in drei Monaten … Nein, das sehe ich nicht ein, dachte sie trotzig. Plötzlich hieb sie ungestüm mit der Faust auf den Holzstich und schrie: >>Nein. Ich werde nicht mit euch kommen. Nie und nimmer. Ihr könnt mich nicht zwingen<<. Erbost sprang sie auf, rannte durch den Wohnbereich zur Wendeltreppe und hinauf über die Galerie zu ihrem Dachgeschosszimmer.

    >>Tara<<, rief ihr die Mutter hinterher. Doch Tara wollte einfach nichts mehr davon hören.

    ***

    Gedankenversunken saß Tara in einem Hängestuhl auf ihrer kleinen Dachterrasse, den Blick ins Leere gerichtet. Die nackten Füße baumelten frei. Zwischen den Sternen ragte die Sichel des Mondes hell hervor. In der Bucht war die Brandung zu hören, sonst war es still. Niemand war ihr nach oben gefolgt. Es war wie ein stillschweigendes Abkommen zwischen ihr und den Eltern. Auf die Frage nach dem Warum, fand Tara jedoch keine Antwort. Etwas verstellte ihr die Sicht. Bloß was? Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon, hatte ihre Großmutter immer gesagt.

    Ja … vielleicht, dachte Tara und glaubte doch nicht recht daran.

    Traurig schloss Tara die Augen. Das sanfte Brausen der Brandung lullte sie ein. Nicht lange, schon war sie ins Traumgespinst der Nacht verwickelt, als plötzlich aus der Ferne das beständige Schlagen einer Trommel zu ihr drang. Kam das vom Strand? Tara lauschte.

    Bumm wumm wumm.

    Bumm wumm wumm.

    Der gleichmäßige Klang schien sie zu rufen. Ihr Herz fiel in den Takt mit ein.

    Bumm wumm wumm.

    Erschrocken schaute Tara auf. Das Meer, es war verschwunden. Tara fand sich in einem Wald wieder. Der Himmel aschgrau und wolkenverhangen. Ein Rabe kreiste über ihr. Was sollte das? Auch das Schlagen der Trommel nahm zu, wurde ekstatischer.

    Bumm wumm wumm.

    Bumm wumm wumm.

    Taras Füße schienen über den Waldboden zu fliegen, dem Schlagen der Trommel entgegen. Der Rabe folgte ihr. Etwas zog sie magisch an. Der Ruf des Raben war zu hören. Oder was war das? Tara schaute nach oben. Der Rabe war verschwunden. Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Vor ihr tauchte ein Mann aus dem Nebel auf. Er schlug die Trommel. Tara ging auf ihn zu. Er saß mit dem Rücken zu ihr. Langes Haar fiel ihm wie das Federkleid eines Raben über die Schulter. Eine Feder steckte darin. Plötzlich hörte das Trommeln auf. Der Mann drehte sich um und wies mit ausgestreckten Finger auf ein Tor. Seine durchdringenden Augen durchbohrten sie. Tara hielt die Luft an. Was sie sah gefiel ihr gar nicht.

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