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SF-Abenteuer-Paket: Im Weltraum verloren

SF-Abenteuer-Paket: Im Weltraum verloren

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SF-Abenteuer-Paket: Im Weltraum verloren

Länge:
749 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 9, 2019
ISBN:
9781386737094
Format:
Buch

Beschreibung

SF-Abenteuer-Paket: Im Weltraum verloren

von Alfred Bekker, Hendrik M. Bekker

Dieses Buch enthält folgende SF-Abenteuer:

Alfred Bekker: Die verschwundenen Raumschiffe

Alfred Bekker: Die Spur der Götter

Alfred Bekker: Planet der Eissegler

Alfred Bekker: Angriffsziel Erde

Alfred Bekker: Die Raumstation der Aliens

Hendrik M. Bekker: Der neunte Planet

Hendrik M. Bekker: Liebe bis zum Schluss

Hendrik M. Bekker: Als könnte man sie umbringen

Alfred Bekker: Der finale Absturz

Seit den frühen 2000er Jahren vermuteten Wissenschaftler aus Kalifornien, es gäbe einen Planeten, der seine Bahn hinter Pluto ziehen müsste. Das war allerdings immer eine umstrittene Theorie gewesen, bis ein Observationsposten der Marskolonie schwaches Infrarotlicht empfangen hatte. Damit war das Objekt bestätigt. Ein Mitarbeiter im Dienste von Perkov-Stellar-System macht sich mit einem Firmenroboter auf, den neuen Planeten nach Bodenschätzen zu untersuchen. Was sie dort allerdings vorfinden, ist unglaublich...

Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 9, 2019
ISBN:
9781386737094
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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SF-Abenteuer-Paket - Alfred Bekker

Sammelband 6 SF-Abenteuer: Im Weltraum verloren

von Alfred Bekker, Hendrik M. Bekker

DIESES BUCH ENTHÄLT folgende SF-Abenteuer:

Alfred Bekker: Die verschwundenen Raumschiffe

Alfred Bekker: Die Spur der Götter

Alfred Bekker: Planet der Eissegler

Alfred Bekker: Angriffsziel Erde

Alfred Bekker: Die Raumstation der Aliens

Hendrik M. Bekker: Der neunte Planet

Hendrik M. Bekker: Liebe bis zum Schluss

Hendrik M. Bekker: Als könnte man sie umbringen

Alfred Bekker: Der finale Absturz

Seit den frühen 2000er Jahren vermuteten Wissenschaftler aus Kalifornien, es gäbe einen Planeten, der seine Bahn hinter Pluto ziehen müsste. Das war allerdings immer eine umstrittene Theorie gewesen, bis ein Observationsposten der Marskolonie schwaches Infrarotlicht empfangen hatte. Damit war das Objekt bestätigt. Ein Mitarbeiter im Dienste von Perkov-Stellar-System macht sich mit einem Firmenroboter auf, den neuen Planeten nach Bodenschätzen zu untersuchen. Was sie dort allerdings vorfinden, ist unglaublich...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die verschwundenen Raumschiffe

von Alfred Bekker

Chronik der Sternenkrieger

Originalausgabe

EIN CASSIOPEIAPRESS E-Book

© 2014 by Alfred Bekker

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich (Westf.)

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

>+++<

Mitte des 23. Jahrhunderts werden die von Menschen besiedelten Planeten durch eine kriegerische Alien-Zivilisation bedroht. Nach Jahren des Krieges herrscht ein brüchiger Waffenstillstand, aber den Verantwortlichen ist bewusst, dass jeder neue Waffengang mit den Fremden das Ende der freien Menschheit bedeuten würde. Zu überlegen ist der Gegner.

In dieser Zeit bricht die STERNENKRIEGER, ein Raumkreuzer des Space Army Corps , unter einem neuen Captain zu gefährlichen Spezialmissionen in die Weite des fernen Weltraums auf...

ALFRED BEKKER schrieb die fesselnden Space Operas der Serie CHRONIK DER STERNENKRIEGER. Seine Romane um DAS REICH DER ELBEN, die GORIAN-Trilogie und die DRACHENERDE-SAGA machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er schrieb für junge Leser die Fantasy-Zyklen ELBENKINDER, DIE WILDEN ORKS, ZWERGENKINDER und ELVANY sowie historische Abenteuer wie DER GEHEIMNISVOLLE MÖNCH, LEONARDOS DRACHEN, TUTENCHAMUN UND DIE FALSCHE MUMIE und andere. In seinem Kriminalroman DER TEUFEL VON MÜNSTER machte er mit dem Elbenkrieger Branagorn eine Hauptfigur seiner Fantasy-Romane zum Ermittler in einem höchst irdischen Mordfall. Zuletzt erschien DER BEFREIER DER HALBLINGE bei Blanvalet.

>+++<

DIE HAUPTPERSONEN DES Romans

Captain Rena Sunfrost - Kommandantin der STERNENKRIEGER

Commander Steven Van Doren - Erster Offizier im Rang eines Commander an Bord der STERNENKRIEGER.

Robert Ukasi - Waffen- und Taktikoffizier der STERNENKRIEGER im Rang eines Lieutenant Commander.

Bruder Guillermo - Angehöriger des Wissenschaftlerordens der Olvanorer, der sich der Erforschung des Alls verschrieben hat und dessen Mitglieder mit besonderen empathischen Fähigkeiten ausgestattet sind. Sein bürgerlicher Name lautet Guillermo Benford.

Wiley Riggs, Lieutenant - Ortungsoffizier der STERNENKRIEGER

John Taranos, Lieutenant - Navigator und Rudergänger der STERNENKRIEGER

Lin Al-Katibi, Fähnrich - Stellvertretender Navigator und Rudergänger der STERNENKRIEGER.

Simon E. Erixon, Lieutenant - Chefingenieur der STERNENKRIEGER, genetisch optimiert und an die Lebensbedingungen auf Methan-Planeten angepasst, infrarotsichtige Facettenaugen, kann seinen Metabolismus auf Methan-Atmung umstellen.

Corporal Raggie S. Terrifor - Kommandant der Marines-Einheit an Bord der STERNENKRIEGER.

Sergeant Ray Kelleney - Stellvertretender Marines-Kommandant der Marines-Einheit an Bord der STERNENKRIEGER.

Shurukai - Kommandant des Fulirr-Schiffs

Geschher - Stellvertretender Kommandant des Fulirr-Schiffs.

Noris Salot - Kommandant des K’aradan-Schiffs STOLZ DER GÖTTER, Angehöriger des Hauses Fheer.

Shatram - Morrhm-Krieger; Nachfolger seines Vaters Tazaror Halbschädel als Mutterschiff-Kommandant.

Zrrarr - Morrhm, neuer Navigator des Mutterschiffs GÖTTERZORN.

Admiral Raimondo - die graue Eminenz des Space Army Corps der Humanen Welten.

Von Schlichten, Metz und MacKenzie - Wissenschaftler an Bord der STERNENKRIEGER.

Susan Jamalkerim - Lieutenant, Kommunikationsoffizierin der STERNENKRIEGER.

Ricardo Dunston - Fähnrich, Besatzungsmitglied der STERNENKRIEGER.

AUS DEM LOGBUCH VON Captain Rena Sunfrost, Kommandantin der STERNENKRIEGER:

Der Lagebericht ist deprimierend. Die gemeinsam von sechs raumfahrenden Völkern durchgeführte Expedition, die das Erbe der Erhabenen suchen sollte, droht in einem Desaster zu enden. Vier Schiffe, darunter auch die STERNENKRIEGER und die Schiffe der Qriid, K’aradan sowie das Raumboot der Ontiden sind durch Traktorstrahlen ins Innere jenes gewaltigen, mondgroßen Objekts gezogen worden, das von den Morrhm als der Sitz Ruuneds bezeichnet wird, ihres obersten Gottes. Handelt es sich um ein Artefakt der geheimnisvollen Rasse der Alten Götter, der sogenannten Erhabenen? Wir wissen es nicht. Die an Bord befindlichen Wissenschaftler sind sich in dieser Frage uneins. Tatsache ist, dass massive 5-D-Strahlung unsere Kommunikation behindert. Und diese besondere Strahlungsart ist eigentlich ein Kennzeichen der Technologie, die die Erhabenen vor langer Zeit entwickelten.

Die STERNENKRIEGER ist im Inneren des Großobjekts gefangen. Unzählige von Raumschiffen sind hier zu finden. Es wirkt wie ein Raumschifffriedhof. Die Besatzungen sind wahrscheinlich im Laufe der Zeit in die Hände der barbarischen Morrhm gefallen. Zumindest sind keinerlei bekannte Biosignaturen an Bord dieser Schiffe durch unsere Ortung erfassbar.

Was es bedeutet, deren Sklave zu sein, habe ich selbst ja erlebt... Die Überlebenschancen sind nicht besonders gut.

Aus dem Ontiden-Raumboot ist sämtliches Selen entwichen, was bedeutet, dass die insektoide Besatzung kaum Überlebenschancen haben dürfte. Was an Bord des Qriid-Schiffes vor sich geht, wissen wir nicht. An Bord des unter dem Kommandanten Noris Salot stehenden Tellerschiff der K’aradan scheinen heftige Kämpfe getobt zu haben. Ob das Schiff bereits erobert wurde, ist uns nicht bekannt. Ich habe ein Außenteam und Marines mit zwei Beibooten ausgesandt, die inzwischen an Bord der STERNENKRIEGER zurückgekehrt sind. Leider unverrichteter Dinge. Der Plan, das K’aradan-Schiff durch die Übernahme einer Nebenzentrale zu kontrollieren, ist gescheitert und wir können froh sein, dass das Außenteam von dort entkommen konnte. Ich werde mich gleich mit Lieutenant Taranos und einigen anderen Teilnehmern des Unternehmens über die Einzelheiten dieser gescheiterten Mission unterhalten.

Wir wurden inzwischen aufgefordert, uns zu ergeben. Es wurden röhrenartige Gangways ausgefahren und an die Außenhaut der STERNENKRIEGER und die Einheiten unserer Verbündeten  angedockt.

Wir müssen jederzeit mit einer Invasion rechnen.

Unsere einzige Hoffnung ruht jetzt auf der Tatsache, dass das Schiff der Fulirr unter Kommandant Shurukai sowie das Shani-Raumschiff WEITE REISE, mit dessen Kommandantin mich eine Freundschaft verbindet, offenbar entkommen konnten.

Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass es ihnen gelingt, Hilfe zu holen. Wir sind unvorstellbar weit vom Territorium der Humanen Welten entfernt, weit jenseits des mehr als 1000 Lichtjahre durchmessenden K’aradan-Imperiums.

Unsere Lage ist verzweifelt.

Aus den persönlichen Aufzeichnungen von Commander Steven Van Doren, Erster Offizier der STERNENKRIEGER:

Kurz vor Beginn der Expedition ins Morrhm-Gebiet wurde ich vom Lieutenant Commander zum Commander befördert. Damit habe ich nur noch eine Rangstufe seit meiner Degradierung gutzumachen. Vielleicht werde ich ja irgendwann sogar wieder das, was ich schonmal war: Captain eines Raumschiffs. Vielleicht wird das sogar noch eine ganz passable Karriere im Space Army Corps... Vielleicht...

Aber wenn ich wieder vor derselben Entscheidung stünde, wie damals im zweiten Qriid-Krieg, und ich wieder Kommandant eines Zerstörers zu entscheiden hätte, ob ich ein paar überlebende Feinde human behandeln oder einfach verrecken lassen sollte, dann würde ich immer wieder so handeln, wie ich es getan habe.

Vielleicht habe ich ein paar Rangstufen im Space Army Corps verloren.

Aber meinen Rang als Mensch, den habe ich behalten.

Es gibt ein paar Dinge, die uns von den Tieren unterscheiden.

Von dieser Überzeugung wird mich auch nie jemand abbringen können. Auch nicht durch jemanden wie Admiral Raimondo, die graue Eminenz (oder sollte ich besser sagen: den bösen Geist?) der Flotte.

Ich bin bis heute überzeugt, dass Admiral Raimondo hinter meiner Degradierung steckte und die Sache mit den überlebenden Qriid nur ein Vorwand war.

Raimondo war übrigens bei der Zeremonie auf Spacedock 13 im Erdorbit zugegen. Und er vergaß nicht zu betonen, dass diese Beförderung in erster Linie deshalb geschehen sei, um das Rang-Gefüge an Bord in Ordnung zu halten. Der Erste Offizier eines Sondereinsatzkreuzers sei nunmal normalerweise einen Rang unter dem Kommandanten und wenn der den Rang eines Captain hätte, müsse sein I.O. eben ein Commander und nicht ein Lieutenant Commander sein.

Militärische Logik nennt man so etwas wohl.

Und wenn ich so einen Mist höre, frage ich mich manchmal, ob ich wirklich beim richtigen Verein bin... 

Aus den Aufzeichnungen von Professor von Schlichten:

Beispiel für dämlichen Small-talk:

Ich traf Lieutenant John Taranos, den Rudergänger der STERNENKRIEGER in einem der Aufenthaltsräume und dachte eigentlich, ich könnte in Ruhe meinen Salat essen und dabei über ein paar Gleichungen nachdenken. Da spricht mich der Lieutenant an: Wussten Sie, dass wir etwas gemeinsam haben, Professor?

Nein.

Wirklich!

Das wäre mir vollkommen neu.

Ich habe in der Schiffsdatenbank gesehen, dass Ihr vollständiger Name Yasuhiro John Hermann Wolfgang von Schlichten lautet. Wir heißen also beide John.

Wie schön!

Es kann wirklich hart sein, mit einer Mannschaft aus Idioten durch das All zu reisen, deren IQ gerade mal für die Star Corps Akademie auf Ganymed gereicht hat, auch bekannt als Hilfsschule der Humanen Welten.

UNSERE EXPEDITION STAND unter keinem guten Stern, dachte Shurukai. Der Kommandant des Fulirr-Schiffs ließ seine Riechzunge aus dem echsenartigen Maul schnellen. Ein Anzeichen dafür, dass er sich sehr konzentrierte.

Der Sauroide wirkte in dem seiner Physiognomie perfekt angepassten Sitz in der Kommandozentrale seines Raumschiffs fast wie erstarrt und mochte manchen an die Statuen im Konsensdom auf der Zentralwelt seines Volkes erinnern.  Fulirr, Qriid, K’aradan, Ontiden, Shani und Menschen. Sechs galaktische Völker, fünf Schiffe plus ein Raumboot der Ontiden und ein einziges Ziel für diese in jeder Hinsicht bemerkenswerte Expedition: Das Geheimnis einer Rasse zu lüften, die älter als anderen bekannten Völker des Kosmos ist und sich den anmaßenden wie zutreffenden Namen ‘die Erhabenen’ gegeben hat. Ein zischender Laut drang durch die Nasenöffnungen des Fulirr-Kommandanten, wobei diese Bezeichnung letztlich nur eine menschliche Analogie darstellte. Eine Analogie, die nicht so ganz zutraf, denn einen Kommandanten mit uneingeschränkter Autorität, gab es bei den auf ihre absolute Demokratie eingeschworenen Fulirr nicht. Sie alle waren Teil des Nalhsara, der staatlichen Gemeinschaft der Fulirr. Und ihre technische Fortgeschrittenheit erlaubte es ihnen, jederzeit Abstimmungen durchzuführen.

Auf dieser Expedition allerdings war die Besatzung von Shurukais Schiff auf sich gestellt. Eine kommunikative Verbindung zum Nalhsara war nur in Ausnahmefällen möglich. In diesen Fällen wurde die absolute und direkte Demokratie eben auf unterer Ebene autonom durchgeführt. In diesem Fall bedeutete dies, dass jede wichtige Entscheidung innerhalb des Schiffsdatennetzes abgestimmt werden musste.

Selbst in Gefechtssituationen verzichteten die Fulirr ungern auf dieses höchste Zeichen ihrer Freiheit und Demokratie. Die alleinige Befehlsgewalt wurde nur in Ausnahmefällen allein einem Kommandanten oder anderen gewählten Würdenträgern auf politischer Ebene überlassen.

Und auch der Kommandant eines fulirr’schen Kriegsschiffes konnte durchaus abgewählt werden, wenn eine entsprechend qualifizierte Mehrheit an Bord mit seinen Leistungen und Entscheidungen nicht mehr zufrieden war.

In der Vergangenheit war das bereits oft genug vorgekommen. Und Shurukai hatte es selbst schon mehrfach hinnehmen müssen, wieder in die Reihen einfacher Mannschaftsmitglieder zu treten. Auch seine mannigfache Erfahrung schützten ihn davor nicht. Allerdings konnte er sich darauf verlassen, dass die gesammelte Erfahrung ihn immer wieder in eine Position brachte, in der man seinen Weisungen vertraute und sich ihm bereitwillig unterordnete.

Shurukai hatte es sich abgewöhnt, darüber nachzudenken, welche Folgen seine Entscheidungen für sein persönliches Fortkommen hatten. Verantwortung übernehmen hieß, mit der Möglichkeit rechnen zu müssen, abgewählt zu werden. Für einen Fulirr war das eine Grundtatsache des Lebens, der man sich irgendwann stellen und sie akzeptieren musste.

Manchmal beneidete Shurukai die Angehörigen der weniger demokratisch gesinnten Völker ein wenig. Die Gesellschaft der Menschen beispielsweise mochte primitiv, ihre Auffassung von Demokratie allenfalls ein Ahnung dessen sein, was in diesem Bereich im Nalhsara der Fulirr erreicht worden war und als Standard angesehen wurde. Aber wer sich als Mensch gewisse Verdienste erworben hatte, für den war es zumindest etwas leichter, sie auch zu seinem persönlichen Vorteil zu bewahren.

Aber Shurukai wusste natürlich, dass es sinnlos war, sich etwa in eine Epoche zurückzuwünschen, in der die Volksherrschaft gerade erst zaghaft begonnen worden war, wie es bei diesen erst vor kurzer Zeit aufgestiegenen humanoiden Art der Fall war.

Die K’aradan etwa - wenngleich den Menschen doch äußerlich so ähnlich und für einen Fulirr von den Menschen allenfalls am Geruch einigermaßen unterscheidbar - hatten in den Jahrtausenden, die die interstellare Geschichte ihrer  Raumfahrt und ihres Imperiums bereits zurückreichte, niemals damit angefangen, das Volk sich selbst regieren zu lassen.

Es werden von den Instrumenten ungewöhnliche energetische Aktivitäten an der Außenhülle des Objekts registriert, meldete der Ortungsoffizier. Keine unmittelbare Handlung erforderlich. Ursache des Phänomens aber unklar.

Könnte es sich um die Aktivierung eines weiteren Waffensystems handeln?, fragte Shurukai.

Der Datenbefund ist unklar, meldete der Ortungsoffizier. Er stieß dabei einen zischenden Laut aus, bei dem eine der beiden Zungen für kurze Zeit eine Art Trichter bildeten, während sie aus dem lippenlosen Echsenmaul herausschnellten. Unter Fulirr war das ein non-verbaler Ausdruck des Erstaunens. Oder der Ratlosigkeit. Und genau das wurde offenbar durch die eingehenden Werte bei ihm ausgelöst.

Kommunikationsoffizier, haben Sie es inzwischen geschafft eine Verbindung zum Shani-Schiff herzustellen?

Nein, Kommandant, kam es zurück. Unsere Kommunikation wird massiv durch ein 5-D-Strahlungsfeld gestört, das das gesamte Großobjekt umgibt und sich noch weiter ausdehnt und an Stärke gewinnt.

Das Großobjekt, ging es Shurukai durch den echsenhaften Kopf. Die Heimat dieses Barbarengottes Ruuned... Was mag nur die wahre Natur dieses unerklärlichen Dings sein?

Der Kommandant des Fulirr-Schiffs aktivierte eine dreidimensionale Projektion an dem seiner echsenhaften Physiognomie angepassten Kommandantensitz. Sie entfaltete sich aus der Armlehne heraus zu einer flirrenden Lichtblase, in der die Ortungsergebnisse veranschaulicht wurden. Die Lage einiger Morrhm-Mutterschiffe, sowie unzählige Sturmshuttles und Jäger, mit denen diese Barbaren des Alls anzugreifen pflegten, wurde exakt abgebildet.

Feinste Farbnuancen, die wohl nur für die scharfen und speziell ausgebildeten Augen eines Fulirr zu erkennen waren, gaben weitere Informationen.

So zeigten sie Kommandant Shurukai unter anderem die schleichende Veränderung an, die sich an mehreren Stellen auf der Außenhaut des Objekts abspielte, das die anderen Schiffe quasi verschlungen hatte.

Es muss etwas mit den Emissionen an fünfdimensionaler Strahlung zu tun haben, war dem Kommandanten des Fulirr-Schiffes klar.

Mit Höchstgeschwindigkeit hatten sowohl die WEITE REISE der Shani als auch das unter Shurukais Kommando stehende Schiff versucht, den Morrhm zu entkommen. Nur der Tatsache, dass die tellerartigen Fesselstrahlmodule nicht an der Außenhülle dieser beiden Schiffe hafteten, ist das zu verdanken, war es dem Fulirr-Kommandanten durchaus klar.

Den massenhaft angreifenden Sturm-Shuttles, die wie ein Schwarm Raubtiere sich vor allem über das riesige K’aradan-Schiff hergemacht hatten, waren weit hinter den flüchtenden Einheiten zurückgeblieben. Sie werden uns nicht kriegen!, dachte Shurukai. Und doch geben sie nicht auf. Auch wenn es gegen jede vernünftige Wahrscheinlichkeit ist, etwas sie tun!

Insbesondere diesen, nur tollkühn zu nennenden Charakterzug der Morrhm, traf bei Shurukai auf vollkommenes Unverständnis. Es fiel dem echsenhaften Fulirr schwer, die Tatsache zu akzeptieren, dass ein Volk mit derartigen, offensichtlich selbstmörderischen Eigenschaften, nicht schon längst ausgestorben war.

Offenbar war ihre Fertilität hoch genug, um die enormen Verluste, die die Kampfweise dieser Weltraumbarbaren mit sich brachte, immer wieder auszugleichen.

Wirkung der fünfdimensionalen Strahlung nimmt zu, meldete unterdessen der Ortungsoffizier. Werte sind so hoch, dass wir mit weiteren Systembeeinträchtigungen zu rechnen haben. Allerdings gibt es Feldstärkeschwankungen, für die ich im Moment noch keine Erklärung habe!

Ich schlage vor, dem Feind noch ein paar Antimaterieraketen entgegenzuschicken, ehe wir vielleicht die Kontrolle über die Waffensysteme verlieren, meldete sich nun der Erste Offizier zu Wort. Sein Name war Geschher und er galt als gewiefter Taktiker. Allerdings hatte er es seit einigen fulirr’schen Mittelzeitintervallen nicht mehr geschafft, zum Kommandanten eines eigenen Schiffs gewählt zu werden. Offenbar fehlte ihm dazu die kommunikative Geschicklichkeit, die für den Aufstieg in der Flotte des Nalhsara ebenso wichtig war, wie die rein fachlichen Qualifikationen. Was letztere betraf, gab es bei Geschher nicht den geringsten Zweifel. Aber das allein reichte in der totaldemokratischen Nalhsara eben nicht aus.

Waffenoffizier, berechnen Sie mögliche Effekte, befahl Shurukai.

Der Waffenoffizier antwortete mit einem kurzen Zischlaut. Beide, miteinander verdrehten Zungen schnellten dabei kurz aus den lippenlosen Echsenmaul heraus. Es handelte sich um einen kurzen, nur in der mündlichen Kommunikation üblichen Laut intensiver Bestätigung.

Das Ergebnis der Rechneranalyse sagt, dass wir besser warten sollten, bis die Feinde näher herangekommen sind, erklärte der Waffenoffizier des Fulirr-Schiffs. So verschwenden wir nur wertvolle Antimaterieraketen.

Und im Moment sieht es nicht danach aus, dass die Barbaren uns einholen könnten, meinte Shurukai.

Wir bekommen eine verstümmelte Nachricht der Shani!, meldete der Kommunikationsoffizier.

Lassen Sie uns das rezipieren, gab Shurukai zurück.

Ansehen oder anhören hätte es nach dem Verständnis eines Fulirr nicht getroffen. Aber das Fulirr-Wort, das ansatzweise mit dem Verb rezipieren übersetzt werden konnte, schloss alle möglichen Sinneseindrücke ein. Auch den Geruch beispielsweise oder die elektrostatische Aura, die von den Echsenartigen zumindest ansatzweise wahrgenommen werden konnte.

Natürlich war es selbst über die fortgeschrittenen Kommunikationssysteme der Fulirr unmöglich, Geruch zu übertragen. Und so stand Shurukais Wortwahl in erster Linie dafür, dass er sich sehr für die Botschaft interessierte und sie möglichst vollständig zu erfassen wünschte.

Eine blasse Projektion erschien rechts neben dem Hauptschirm der Schiffszentrale.

Zunächst waren nur unklare Strukturen zu erkennen.

Dann erschien der Kopf eines schlangenhaften Shani.

Shurukais scharfe Augen erkannten trotz der für fulirr’sche Verhältnisse schlechten Bildqualität sofort, dass es sich um die Kommandantin handelte.

Shurukais Sympathie für die Shani hielt sich in Grenzen.

Äußerlich mochten Fulirr und Shani sich in manchem ähneln - aber für Shurukai verstärkte das den Eindruck der Fremdheit und Undurchschaubarkeit noch, den er gegenüber Angehörigen dieser Spezies empfand. Eine rationale Erklärung gab es dafür nicht.

Und im Gegensatz etwa zu den K’aradan verband die Fulirr keine Vergangenheit aus Kriegen, Gewalt und gegenseitigen Eroberungsplänen. Die schlangenhaften Shani hatten schließlich erst vor kurzem ihre Raumfahrt weit genug entwickelt, um das Heimatsystem verlassen zu können. Sie siedelten nirgendwo sonst im Universum, als auf ihrem Herkunftsplaneten und stellten auch kaum einen galaktopolitischen Machtfaktor dar.

Das Einzige, was sie unter anderen Emporkömmlingen hervorhob war die Tatsache, dass sie offenbar in der Lage waren, die Außenhüllen ihrer Raumschiffe mit einer äußerst widerstandsfähigen Beschichtung zu versehen. Einer Beschichtung, die auch die entsprechenden Materialien, die von den Fulirr zu diesem Zweck benutzt wurden, deutlich in den Schatten stellte, wie Shurukai ungern zugeben musste.

Wie auch immer - beiden Raumschiffen hatte ihre Beschichtung wohl vorerst davor bewahrt, ins Innere des Objekts hineingezogen zu werden, dass die Morrhm als die Wohnstatt ihres Gottes Ruuned ansahen. Die tellerartigen Fesselstrahl-Module hatten an den Außenhüllen der WEITEN REISE und des Fulirr-Raumers einfach nicht haften können.

Ein Glücksfall, wusste Shurukai.

Aber auf dieses Glück, so sagte ihm seine unbestechliche Intuition, würde man sich in Zukunft vielleicht nicht mehr verlassen können.

Der Kommandant erhob sich aus seinem Sitz und näherte sich der Projektion.

Er sah dem Schlangenmaul der Shani-Kommandantin dabei zu, wie es sich bewegte und vermutlich Töne oder irgendwelche sonstigen kommunikationsrelevanten Äußerungen produzierte.

Von denen erreichte allerdings nichts das Fulirr-Schiff.

Kommunikationsdatengehalt negativ, meldete Geschher. Der Erste Offizier des Fulirr-Raumers stand neben seiner Konsole und nahm ein paar Modifikationen an der Projektion vor. Zunächst ohne Erfolg. 

Einige schrille Laute wurden übertragen, bei denen zunächst nicht ganz klar war, ob sie tatsächlich aus dem Shani-Maul stammten, oder einfach technische Ursachen hatten und beispielsweise durch Interferenzen verursacht worden waren.

Wir haben Bruchstücke an verbaler Kommunikation, meldete der Kommunikationsoffizier. Genaue Zuordnung von konkreten Bedeutungsinhalten scheint selbst für unseren Hochleistungsbordrechner schwierig zu sein.

Was heißt hier schwierig?, zischte es aus Shurukais Echsenmaul heraus. Es war das erste Mal, dass der Kommandant seine stoisch nach außen hin demonstrierte Gelassenheit verlor. Er wurde anscheinend zunehmend ungeduldig. Das konnte niemanden verwundern. Es stand schließlich bei dieser Mission sehr viel auf dem Spiel. Und wenn es sich bei dem Objekt wie angenommen um eine Hinterlassenschaft der mysteriösen Alten Götter handelte, dann lag hier vielleicht ein entscheidendes Artefakt vor. Ausgerechnet jetzt bahnte sich ein Desaster des ganzen Unternehmens an. Auf eine eventuelle Wiederwahl zum Kommandanten oder gar eine Kandidatur für noch höhere Aufgaben, brauchte Shurukai unter diesen Voraussetzungen gar nicht erst zu hoffen.

Die Struktur des Shani-Idioms unterscheidet sich so stark von unserer eigenen Sprache, dass unsere Translatorprogramme Mühe haben, die Bruchstücke sinnvoll zu interpretieren, meldete der Kommunikationsoffizier. Es scheint eine Warnung zu sein... Irgend etwas wird hier von Anzeichen eines bevorstehenden energetischen Schocks ausgesagt... Eines fünfdimensionalen energetischen Schocks, um genau zu ein, auch wenn sich unser Translatorprogramm über eine genaue Bezeichnung der einzelnen sprachlichen Bruchstücke nicht ganz sicher ist.

Ich wusste gar nicht, dass die Shani überhaupt irgendeine Ahnung von fünfdimensionaler Energie haben, bekannte Geschher. Der Erste Offizier modifizierte die Darstellung der Daten auf einer eigenen Konsole und war plötzlich von einer enormen Hektik angetrieben.

Ein fragendes Zischen des Kommandanten beachtete er nicht weiter.

Dann verlosch plötzlich die Projektion der Shani-Kommandantin.

Verbindung abgerissen, meldete der Kommunikationsoffizier pflichtschuldig.

Ursache?, fragte Shurukai.

Das Niveau der fünfdimensionalen Strahlungsemissionen ist innerhalb weniger Sekunden um fast achthundert Prozent gestiegen, danach aber wieder auf das vorherige Level abgefallen.

Was schließen Sie daraus?

"Computeranalyse bleibt unklar. Aber es könnte sein, dass die fünfdimensionale Emission entweicht..."

Entweicht?, echote Shurukai und unterstrich das Erstaunen, das schon in seine Tonfall zum Ausdruck kam, noch zusätzlich durch eine tief in der Kehle entstandenen Schnalzlaut, der durch eine peitschenartige, sehr plötzliche Bewegung der Riechzunge entstand. Wohin sollte die Emission entweichen?

Hypothetischerweise in ein anderes, dimensional übergeordnetes Kontinuum, erklärte Geschher.

Den Zwischenraum?, fragte Shurukai.

Das wäre eine der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, aber wir wissen ja nur zu gut, dass es da noch andere Kontinua gibt, deren dimensionale Verfassung mehr oder weniger stark von den Verhältnissen in unserem Universum abweicht.

Shurukai ging ein paar Schritte auf den Ersten Offizier zu. Er warf einen kurzen Blick auf die Anzeigen von dessen Konsole. Was, beim heiligen Konsensdom unserer Heimatwelt, geht hier vor sich? Wohin entschwinden diese Strahlungsenergien so plötzlich? Die Gedanken rasten nur so durch den breiten Echsenschädel des Kommandanten. Ganz besonders ein bestimmter Gedanke drängte sich ihm in diesem Moment geradezu auf.

Und nicht nur ihm.

Geschher schien dieselbe Eingebung gehabt zu haben, denn er sagte in diesem Augenblick: Das, was da entschwunden ist, scheint auch wieder zurück in unser Universum fließen zu können, und zwar nach Regeln, die wir nicht einmal im Ansatz verstehen.

Glauben Sie, dass die starken Schwankungen im fünfdimensionalen Emissionsniveau dadurch begründet sind?, fragte Shurukai und wandte dabei den Blick in Geschhers Richtung.

Ich wüsste keine andere Hypothese, die in diesem Zusammenhang irgendeinen Sinn ergeben würde. Zudem würden dazu auch die eigenartigen Schwankungen der Nanoraumstruktur passen.

Und genau davor wollten uns offenbar die Shani warnen!,  erkannte Shurukai. Und im selben Augenblick wurde ihm schlagartig klar, dass es offenbar bereits zu spät war.

Eine Reihe von hochfrequenten Signalen ertönte. Signale, die für menschliche Ohren kaum hörbar gewesen wären. Außerdem blitzten Dutzende von optischen Alarmzeichen auf.

Ein Strahl schoss aus der Außenhülle des gewaltigen Objekts heraus, dass die Morrhm als den SITZ DER GÖTTER bezeichneten. Der Strahl war so energiereich, dass für kurze Augenblicke sämtliche Sensoren der Ortung davon beeinträchtigt wurden.

Der Ortungsoffizier meldete den Schaden und zählte im Einzelnen die Werte auf, die innerhalb einiger Augenblicke schließlich zu einem vollkommenen Systemkollaps führten.

Es wurde dunkel auf der Brücke des Fulirr-Schiffs.

Wir haben keine Kontrolle mehr über die Schiffssysteme, meldete der Erste Offizier. Geschher versuchte durch einige Notschaltungen noch etwas zu retten.

Vergeblich.

Ein gurgelnder Laut, ganz tief aus seinem Rachen herausgebracht, ließ daran nicht den geringsten Zweifel aufkommen.

Was ist passiert?, fragte Shurukai im selben Moment, als die Beleuchtung ausfiel und die Bildschirme dunkel wurden. Gleichzeitig verschwanden die meisten Projektionen. Die wenigen Projektionen, die nicht verschwanden, erstarrten plötzlich und wirkten wie gefroren. Manche waren zusätzlich verzerrt.

Es herrschte absolute Stille auf der Brücke.

Fluoreszierende Streifen an den Wänden sorgten dafür, dass man sich nach wie vor orientieren konnte.

Geschher stieß zischend und stoßweise seinen Atem aus.

Kommandant, den letzten Daten nach, die von den Außensensoren noch aufgezeichnet werden konnten, ist das Shani-Schiff explodiert.

Gibt es eine Ursachen-Hypothese?, fragte Shurukai.

Es könnte etwas mit dem Peilstrahl zu tun haben, der sowohl uns als auch das Shani-Schiff getroffen hat, vermutete Geschher.

Ein Peilstrahl bringt aber normalerweise keine Schiffe zum Explodieren, meinte Shurukai.

In diesem Fall schon, meldete sich der Ortungsoffizier zu Wort. Dieser Strahl diente zu einer Art Markierung, woraufhin die in das höhere Kontinuum entschwundenen 5-D-Emissionen zurückfluten und sich auf das markierte Objekt konzentrierten.

Mit dem Ergebnis, dass das Shani-Schiff explodierte?, wunderte sich Shurukai.

...und bei uns sämtliche Schiffssysteme ausfielen, ergänzte der Funkoffizier. Ich stimme dieser Theorie zu. Vom schädlichen Einfluss von 5-D-Strahlungsfeldern auf Kommunikationssysteme wissen wir seit langem. Und was das Shani-Schiff betrifft, so könnte es durchaus sein, dass Komponenten der Energieversorgung oder ihrer vergleichsweise primitiven Waffensysteme ebenfalls sehr empfindlich auf diesen Einfluss reagiert haben und möglicherweise eine Zerstörung des Schiffes verursachten.

Dann haben wir offenbar einfach nur Glück gehabt, dass uns nicht dasselbe Schicksal wie den Shani widerfahren ist, ging es Shurukai durch den Kopf. Aber das Ganze bedeutete noch etwas anderes. Offenbar wollten die Morrhm um jeden Preis verhindern, dass auch nur ein einziges Schiff der kleinen Flottille entkam.

Morrhm?, ging es Shurukai dann durch den Kopf. Zweifel kamen in ihm auf. Wer steuert dieses Objekt wirklich?, fragte er sich. Und wer hat diesen besonderen Peilstrahl abgegeben, der offenbar nichts anderes war, als eine Markierung, um den Zielpunkt vernichtender fünfdimensionaler Energien zu bestimmen?

Beides waren jedenfalls nicht die Waffen, die Morrhm üblicherweise einsetzen. Und ganz allgemein schien der Einsatz solcher Mittel auch der Kampfdoktrin dieser Weltraumbarbaren, wie man sie bisher kennengelernt hatte, diametral entgegengesetzt zu sein.

SHATRAM, SOHN UND NACHFOLGER von Tazaror Halbschädel, betrat die Brücke des Morrhm-Mutterschiffs.

Für einen Augenblick gehörte jetzt dem neuen Kommandanten die volle Aufmerksamkeit aller. Shatram führte den Mpongor mit sich, jenes gorillagroße Haustier, das ihm aus dem Besitz seines Vaters zugefallen war. Der Mpongor knurrte vernehmlich und fletschte die Zähne. Etwas von seinem ätzenden Speichel troff auf den Boden und fraß sich zischend durch die oberste Kunststoffbeschichtung. Diese Spuren würden all die Brückenoffiziere immer an den Tag erinnern, da Shatram das Kommando seines Vaters übernommen hatte.

Tazaror Halbschädel hatte den Mpongor niemals mit auf die Brücke genommen. Das Tier hatte die eigenen Wohnräume, die Tazaror zusammen mit seinen Frauen und Kindern bewohnt hatte, so gut wie nie verlassen.

Aber Shatram brach mit dieser Tradition.

Er wollte demonstrieren, dass er nicht nur ein würdiger Nachfolger war, sondern diesen in mancher Hinsicht sogar übertraf.

Lange hatte man Shatram vielleicht unterschätzt. Ihn für weich gehalten. Für einen, der ohne die schützend Autorität seines Vaters niemals Erfolg gehabt und Achtung errungen hätte.

Jetzt, da Shatram seinen Vater auf rechtmäßige Weise getötet hatte, änderte sich das natürlich schlagartig.

Bislang gab es niemanden, der Shatrams Anspruch auf das Kommando in irgendeiner Weise angezweifelt hätte.

Wie auch?

Diejenigen, die in letzter Zeit im Geheimen ihre Intrigen gegen Tazaror Halbschädel gesponnen hatten, waren von Tazaror nach und nach und in der gewohnten Rücksichtslosigkeit eines gestandenen Morrhm-Kriegers liquidiert worden.

Sein Sohn und Nachfolger profitierte jetzt davon, dass sein Vater sich so rücksichtslos durchgesetzt hatte.

Du hast es mir wahrhaft leicht gemacht!, dachte Shatram, der den knurrigen Mpongor noch etwas die Zähne fletschen ließ. Dann kraulte er das Tier hinter den Ohren. Daraufhin änderte sich die Tonlage der Laute, die der Mpongor jetzt ausstieg. Sie klangen jetzt hoch und winselnd, so als würde er sich vollkommen dem Willen Shatrams unterwerfen.

Das wirkte angesichts der massigen, raubtierhaften Erscheinung dieser Kreatur zwar etwas eigenartig, verfehlte aber den beabsichtigten Eindruck keineswegs.

Selbst der ätzende Speichelfluss kam jetzt schlagartig zum  Stillstand.

Zrrarr, der neue, bereits von Shatram in seinen Rang beförderte Erste Offizier wollte gerade die traditionelle Begrüßungsformel für den Kommandanten zwischen den Hauern seines ungeschlachtenen Gesichts herausbrüllen, als die Anzeige auf dem Hauptbildschirm plötzlich die Aufmerksamkeit aller fesselte.

Ein flüchtendes Feindschiff zerstört, meldete der Ortungsoffizier. Er machte eine Geste der Ehrfurcht und stieß einen grollenden Laut aus, die einem Gebet gleichkam. Unser Gott Ruuned!, stieß er dann hervor. Er hat seine schreckliche Herrlichkeit gezeigt und seine Waffe angewendet.

Shatram war natürlich weit davon entfernt, seinem allerhöchsten Gott, dem Herrn im Sitz der Götter, etwa die Verehrung zu verweigern. Wenn Ruuned geruhte, eine seiner besonderen Waffen anzuwenden, dann nie ohne einen besonderen Anlass. Diese Waffen schlummerten im Inneren des Sitzes der Götter und ganz nach dem Willen und der Laune der allerhöchsten Gottheit zeigte Ruuned hin und wieder das wahre Ausmaß seiner Macht.

Aber die Tatsache, dass Ruuned es offenbar für nötig gehalten hatte, selbst in die Geschicke des Universums und der sterblichen Kreaturen einzugreifen, hatte auch eine unangenehme Kehrseite.

Ruuned hatte es offenbar seinen treuen Dienern vom Stamm der Barar-Morrhm nicht mehr zugetraut, das Problem der beiden flüchtigen Schiffe in eigener Regie noch lösen zu können.

Für einen vom wahrhaften Glauben beseelten Diener Ruuneds war das natürlich eine Demütigung.

Gepriesen sei Ruuned, unser höchster Gott!, rief nun der Erste Offizier. Zrrarr war als ein Krieger bekannt, der die heiligen Rituale sehr viel strenger befolgte, als die meisten Morrhm. Ein Eiferer, so hatte Shatrams Vater Tazaror Halbschädel ihn mal beurteilt.

Aber von seinem Vater wusste Shatram auch, dass er teilweise ketzerisches Gedankengut vertrat und daran gezweifelt hatte, dass Ruuned überhaupt existierte und der lebendige höchste Gott ihres Volkes war.

Ideen, die eine gefährliche Nähe zu dem Gedankengut hatten, wie es der verfluchte Ketzerstamm der Zuur vertrat, dessentwegen man ihn verbannt und ausgestoßen hatte.

Überall auf der Brücke überboten sich jetzt die anwesenden Morrhm mit Ergebenheitsbekundungen gegenüber ihrem höchsten Gott.

Wenn es noch eines Beweises für seine Macht bedurft hätte, so hatte Ruuned ihn gerade erbracht.

Warum ist das andere Schiff nicht auch zerstört worden?, fragte Shatram jetzt, während er zunächst alle Mühe hatte, den Mpongor zu beruhigen, den die ganze Situation dermaßen aufregte, dass dadurch sein Säurespeichelfluss über die Maßen angeregt wurde.

Shatram bereute es insgeheim schon, den Mpongor mit auf die Brücke gebracht zu haben. Aber wer hätte auch damit rechnen können, dass sich eine derartige Situation ergab?

Tatsache war, das niemand anders den Mpongor noch hätte beruhigen oder fortschaffen können, ohne von im zersetzt zu werden. Sein Gebiss war eine furchteinflößende Waffe und seine reinen Körperkräfte überstiegen die eines Morrhm bei weitem. Man musste schon genau wissen, wie man mit einem derartigen Haustier umzugehen hatte.

Shatram hatte selbst seine liebe Not gehabt, ihm auf die Schnelle Respekt einzuflößen. Und da war auch nur deswegen gelungen, weil das Tier halbintelligent war.

Der Mpongor hatte begriffen, dass sein alter Herr tot war.

Und er wusste auch, dass er eine neuen benötigte, wenn er wollte, dass es ihm weiterhin gut ging.

Shatram kannte der Mpongor gut. Schließlich war der Sohn von Tazaror Halbschädel in den Räumen seines Vaters aus und ein gegangen.

Shatram drehte dem Mpongor das linke Ohr herum. Der Mpongor jaulte auf. Diese Methode wirkt immer!, stellte er zufrieden fest.

Ich nehme an, dass es unsere Aufgabe sein wird, das zweite Schiff zu zerstören, meinte Zrrarr. Wir sollten Ruuned dankbar sein, falls er uns diese Ehre doch noch erweist - nachdem wir offensichtlich so versagt haben!

Shatram stieß einen dröhnenden Laut aus und riss das Morrhm-Maul mit den gewaltigen Hauern auf. Ein Warnschrei war das. Zrrarr erstarrte. Mit einer so heftigen Reaktion schien der Erste Offizier nicht gerechnet zu haben.

Du wolltest meinen Vater kritisieren?, fragte Shatram dann scharf. Sicherheitshalber hielt er den Mpongor am Ohr fest, denn es konnte sonst gut sein, dass das halbintelligente Haustier sonst auf die Idee gekommen wäre, einfach blindwütig loszustürmen und sich auf Zrrarr zu stürzen - um ihn zu zerfleischen.

Aber Shatram konnte sich einen solchen Verlust nicht leisten. Zudem war ja er selbst es gewesen, der Zrrarr gerade erst zu seinem neuen Posten verholfen hatte. So einer bist du also! Beißt die Pranke, die dir nach oben hilft!, ging es Shatram bitte durch den Kopf. Das werde ich mir merken...

Wir empfangen eine Nachricht von Prioritätsstufe 1, meldete nun der Kommunikationsoffizier. Ruuned selbst hat uns eine Nachricht geschickt.

Wie lautet sie?, fragte Shatram, ohne Zrrarr aus dem Blickfeld zu lassen.

Die Nachricht ist codiert - und nur für die Kommandanten der Mutterschiffe bestimmt, erklärte der Kommunikationsoffizier und riss dann das Maul zu einem lautlosen Gähnen aus. Ein Zeichen der Verlegenheit. Shatram wusste nur zu gut, dass er selbst es war, der diese Verlegenheit ausgelöst hatte.

Er hat mich auf einen Fehler hingewiesen, war Shatram sofort klar. Ich hätte es selbst wissen müssen, dass wichtige Nachrichten der Gottheiten immer nur an die Kommandanten der Mutterschiffe persönlich gerichtet werden!

Sein Vater hatte während seiner Zeit als Kommandant dieses Mutterschiffs Dutzende solcher Nachrichten erhalten, auch wenn er kaum darüber gesprochen hatte. Das war eine Sache zwischen Ruuned und den Kommandanten des ihm treu ergebenen Stammes der Barar gewesen.

Shatram trat etwas weiter vor und ließ sich dann im Sitz des Kommandanten nieder. Den Mpongor brauchte nicht erst gesagt zu werden, wo sein Platz zu sein hatte. Das spürte diese Kreatur vollkommen intuitiv und platzierte den massigen, selbst gemessen an Morrhm-Maßstäben sehr kräftig gebauten Körper zu Shatrams Füßen.

Der neue Kommandant des Mutterschiffs aktivierte dann das Modul am Armlauf des Kommandantensitzes, über den man einen Zugang zum Bordrechner bekommen konnte.

Auf einem kleinen Display nahm er die Nachricht Ruuneds entgegen. Für die anderen Anwesenden auf der Brücke schien das beinahe einer heiligen Handlung gleichzukommen.

Niemand sagte ein Wort, niemand ließ auch nur einen gurgelnden Atemzug hören oder ließ das hauernbewehrte Maul geräuschvoll zusammenklappen.

Dies war ein Augenblick größter Andacht und größten Respekts.

Hier sind die Befehle Ruuneds an die Mannschaft dieses Schiffes!, verkündete Shatram schließlich. Und wir alle mögen sie befolgen oder den Zorn unseres höchsten und erhabensten Gottes zu spüren bekommen!

CAPTAIN SUNFROST BESPRACH sich mit einigen Mitgliedern des zurückgekehrten Außenteams im Captain’s Room. Darunter waren Lieutenant John Taranos sowie Corporal Raggie S. Terrifor und Sergeant Ray Kelleney von den an Bord befindlichen Marines des Space Army Corps.

Es tut mir leid, dass wir nicht erfolgreicher waren, sagte Taranos. Die genaue Situation an Bord des K’aradan-Schiffs ist nach wie vor unklar. Jedenfalls war es mit unseren Mitteln letztlich nicht möglich, die Kontrolle über das Schiff zu gewinnen.

Ich danke Ihnen für Ihren Bericht, Mister Taranos, sagte Rena Sunfrost. Die Kommandantin der STERNENKRIEGER wirkte äußerlich ruhig. Innerlich sah es allerdings ganz anders aus. Die Lage war verzweifelt. Nur durfte sie gerade in so einer Lage ihre eigene Verzweiflung nicht nach außen dringen lassen. Das wusste sie nur zu gut.

Ich verstehe das nicht! Wir hätten auf Grund unserer Kenntnisse der K’aradan-Technolgie das Schiff rechtzeitig unter unsere Kontrolle bringen müssen, meinte Taranos.

Nein, das konnten Sie nicht, widersprach Bruder Guillermo. Der Angehörige des Wissenschaftler-Ordens der Olvanorer sprach mit ruhiger, sonorer Stimme und einer Aura absoluter Gewissheit. Zumindest in dieser Frage. Wir haben alle die Auswirkungen der 5-D-Strahlungsfelder vollkommen unterschätzt. Ich habe vorhin mit Professor von Schlichten und Dr. Metz noch einmal eingehend darüber gesprochen. Offenbar sind die Auswirkungen viel weitreichender, als wir es uns bisher vorgestellt haben. Und darüber hinaus scheinen auch die Fesselstrahlen, die uns momentan festhalten, fünfdimensionale Komponenten zu enthalten. Es ist möglich, dass sich die Emissionen der tellerartigen Module, die an den Außenhüllen unserer Schiffe befestigt wurden, auch teilweise bereits lähmend auf unsere Systeme auswirkten.

Glauben Sie das wirklich?, fragte Taranos mit zweifelndem Gesichtsausdruck.

Ja, bekräftigte Bruder Guillermo.

Sie brauchen Ihre diplomatischen Künste bei mir nicht zu bemühen, Bruder Guillermo. Ich kann eine klare Analyse vertragen.

Daran hat auch nie jemand gezweifelt, Lieutenant.

Allerdings zermartere ich mir schon die ganze Zeit das Hirn darüber, warum unsere Mission so kläglich gescheitert ist.

Weil Sie es nicht schaffen konnten, Lieutenant Taranos. Nur wussten wir das nicht, als Sie aufbrachen. Das ist alles. Ihre Selbstzerfleischung hat keinerlei Nutzen. Und auch wenn ich gewiss eine Tendenz habe, Dinge freundlich auszudrücken, heißt das nicht, dass ich geneigt wäre, auf Grund irgendeiner Rücksichtnahme Ihnen gegenüber meine wahren Ansichten zu verschweigen.

John Taranos atmete tief durch und lehnte sich in seinem Schalensitz ein Stück zurück.

Da hatte er endlich die Gelegenheit, eine Außenmission zu befehligen und dann endet sie relativ sang- und klanglos,  ging es Rena Sunfrost durch den Kopf. Aber da muss er durch. Das hart jeder durchmachen müssen, der irgendwann mal damit angefangen hat, ein Kommando zu führen und dafür die Verantwortung zu tragen.

Wir sollten uns zwei Fragen stellen, meinte jetzt Corporal Raggie S. Terrifor. Auf dem Rückflug ins Schiff habe ich die schlauchartigen Zugänge gesehen, die an die STERNENKRIEGER, das K’aradan-Schiff und an das Schiff der Qriid angedockt wurden.

Das macht uns ebenfalls Sorgen, Corporal, stimmte Sunfrost zu.

Wir dürfen uns wahrscheinlich nicht darüber wundern, wenn sich in nächster Zeit Horden von Morrhm genau dort mit ihrem verfluchten Monoschwertern und was die sonst noch für Barbaren-Werkzeuge haben, durch unsere Außenhülle schneiden und dann anfangen, die Besatzung einen nach dem anderen umzubringen oder zu versklaven.

Darüber gebe ich mich keinen Illusionen hin, sagte Sunfrost.

Die bessere Frage ist, weshalb die Morrhm das noch nicht getan haben, meinte Bruder Guillermo. Und daran schließt sich der Einwand an, dass sie dasselbe auch mit Hilfe ihrer unzähligen Sturm-Shuttles erreichen können, die überdies viel flexibler sind.

Raggie S. Terrifor runzelte die Stirn. Der stiernackige und enorm kräftige Corporal der Marines-Einheit, die an Bord der STERNENKRIEGER ihren Dienst tat, bedachte Bruder Guillermo mit einem Blick, der nichts von seinen gegenwärtigen Empfindungen zurückhielt. Corporal Terrifor fühlte sich durch den Wissenschaftler aus den Reihen des Olvanorer-Ordens ziemlich genervt. Jetzt, so schien Terrifor überzeugt zu sein, war die Zeit des entschlossenen Handelns. Nicht der Augenblick, da man offensichtliche Wahrheiten auch noch in Frage stellen sollte.

So interessant Ihre Theorien ja sonst sein mögen, Bruder Guillermo - im Moment ist das reine Zeitverschwendung. Die Absicht der Feinde liegt auf der Hand. Wir sollten uns darauf vorbereiten und unsere eigenen militärischen Ressourcen so effektiv wie möglich einsetzen. Und da komme ich auch gleich schon zum zweiten Punkt, den ich noch ansprechen wollte. Und zwar geht es um diese tellerförmigen Module, die diese Teufel an unsere Außenhülle geklatscht haben und die vermutlich die Fesselstrahlen bündeln, die uns hier festhalten.

Haben Sie etwa einen Vorschlag, wie wir die Dinger loswerden könnten?, fragte Sunfrost.

Ich habe bereits mit dem Chefingenieur darüber gesprochen. Er hält meinen Vorschlag für praktikabel.

Dann lassen Sie ihn uns hören, sagte Sunfrost.

Sowohl die Zugänge, als auch die Tellermodule müssten mit kleinen Sprengsätzen versehen werden. Stark genug, um die Dinger zu entfernen, aber nicht so stark, dass wir Löcher in der Außenhülle riskieren.

Haben Sie denn so etwas in ihrem Arsenal, Corporal?, fragte Sunfrost.

Nicht exakt so etwas, schränkte Corporal Terrifor ein. Wir haben aber Sprengsätze, die nach einer geringfügigen Modifikation geeignet wären. Und uns aller Chefingenieur traut sich zu, das hinzukriegen.

Nun, ich will erst selbst noch mit Lieutenant Erixon sprechen...

Aber...

Corporal, ich weiß, dass unser Chefingenieur Wunder vollbringen kann, aber wenn bei der Sache irgendwelche Risiken bestehen, dann will ich die gerne von Erixon selbst erläutert bekommen.

Wie Sie meinen, knurrte der Corporal. Ich hoffe nur, dass wir schnell genug sind. Denn über den von Bruder Guillermo angesprochenen Grund für die Tatsache, dass wir bislang nicht mit einer Invasion der Morrhm auf unserem Schiff konfrontiert wurden, habe ich nämlich meine ganz eigene Theorie.

Sunfrost hob die Augenbrauen. Und die wäre?, fragte sie.

Das Schiff der K'aradan ist ein gewaltiges Objekt. Anderthalb Kilometer Durchmesser! Alle anderen Schiffe, die an dieser Expedition teilnehmen, sind dagegen nur Nussschalen...

Worauf wollen Sie hinaus?

"Das K'aradan-Schiff wurde bereits geentert, als wir noch außerhalb des Objekts waren. Und seitdem dürften dort schwere Kämpfe toben. Dieses Riesenschiff ist auch für eine große Anzahl von Morrhm nicht so einfach zu kapern, wie das vielleicht bei kleineren Einheiten der Fall ist."

Sie meinen also, die Morrhm hätten zurzeit ihre Kampfkraft auf die Kaperung des K'aradan-Schiffs konzentriert und ihre Strategie vollkommen darauf ausgerichtet, es zunächstmal unter ihre vollständige Kontrolle zu bringen, schloss Bruder Guillermo. Eine bedenkenswerte Hypothese, aber dennoch meine ich...

Corporal Terrifor unterbrach den Olvanorer.

Allein schon die schiere Anzahl bewaffneter Besatzungsmitglieder an Bord des K'aradan-Schiffs dürfte die Morrhm vor enorme Probleme stellen und eine schnelle Eroberung unmöglich machen, glaubte Terrifor.

Möglicherweise haben die Morrhm das Problem tatsächlich unterschätzt, warf Lieutenant John Taranos ein.

Uns würde das ein Zeitfenster eröffnen, in dem wir vielleicht noch unbehelligt bleiben, ergänzte Sergeant Ray Kelleney.

Auf jeden Fall sind für die Morrhm K'aradan die wertvollsten Sklaven, stellte Captain Sunfrost fest. Wertvoller jedenfalls, als die vergleichsweise körperlich anfälligen Menschen oder gar Qriid, die sie kaum kennen dürften.

Sunfrost hatte ja während ihrer Zeit der Gefangenschaft auf einem Sklavenschiff der Morrhm erfahren, welch geringen Wert die Morrhm einem einzelnen Sklaven generell zumaßen. Auf Grund der großen Ähnlichkeit zwischen K'aradan und Menschen hatte man auch zumeist mit diesem Volk identifiziert, dessen Eigenschaften von den Morrhm für die Sklavenhaltung geschätzt wurden. Wenn ich wirklich eine K'aradan gewesen wäre, hätte ich es auf jeden Fall leichter gehabt, hatte Sunfrost seitdem oft gedacht. Allein schon die Doppelanlage aller lebenswichtigen Organe bei den K'aradan hätte ihr unter den katastrophalen Bedingungen, unter denen die Sklaven auf den Mutterschiffen oft gehalten wurden, eine deutlich bessere Überlebensprognose gegeben.

Sunfrost wandte sich an Bruder Guillermo. Möglicherweise waren sie an unseren ontidischen Freunden nicht einmal als Sklaven interessiert und haben sie deswegen schlicht und ergreifend umgebracht, indem sie ihnen das lebenswichtige Selen entzogen.

Es könnte aber auch sein, dass das Selen auch für die Morrhm irgendeine Bedeutung hat und es ihnen daher wichtiger war, diesen Stoff in ihren Besitz zu bringen, als die Ontiden-Mannschaft zu versklaven, gab Guillermo zurück. Und was die angedockten Röhrenobjekte angeht, die wir für Gangways halten...

Gibt es denn irgendeinen objektiv fassbaren Hinweis darauf, dass diese Dinger etwas anderes als Gangways sein könnten?, wurde der Olvanorer dann von Terrifor unterbrochen. Der Marines-Corporal des Space Army Corps schien es einfach nicht fassen zu können, dass Bruder Guillermo daran tatsächlich noch zweifeln konnte. Schließlich waren diese röhrenartigen Zugänge mit Hilfe der Ortungssysteme eingehend durchleuchtet worden. Welchen anderen Zweck, als eine Invasion von Morrhm-Kriegern hätte man sich denken können?

Sunfrost blickte erwartungsvoll in Bruder Guillermos Richtung.

Der Olvanorer blieb vollkommen gelassen. Ich habe mir nicht umsonst angewöhnt, nach Möglichkeit auf ihn zu hören und seine Einwände ernst zu nehmen, dachte Sunfrost. Die Perspektive, mit der er die Dinge betrachtet, ist auf jeden Fall immer etwas...Besonderes! Anders konnte man es nicht ausdrücken.

Wie gesagt, ich habe mir die Frage gestellt, ob diese angeblichen Gangways nicht einem ganz anderen Zweck dienen. Mir ist aufgefallen, dass diese Verbindungen zu allen Schiffen existieren, die sich im Inneren dieses Objekts befinden. Aber anscheinend ohne, dass tatsächlich Verbindungen zwischen dem Inneren der Röhren und den Schiffen existieren.

Bei allem Respekt, woher wollen Sie das so genau wissen?, fragte John Taranos erstaunt.

Innerhalb der Röhren besteht ein veritables Vakuum. Auf den Schiffen, die ich angemessen habe, findet sich jedoch durchweg Atmosphäre. Diese Atmosphären unterscheiden sich teilweise erheblich in der Zusammensetzung, aber der Druckunterschied zum Inneren der angedockten Röhre ist auf jeden Fall so immens, dass keine Verbindung existieren kann.

Es gibt luftdichte und druckresistente Türen, meinte Terrifor gelangweilt. Sowas haben wir auch schon eingesetzt...

Zum Beispiel beim Entern von Schiffen, die von Piraten entfernt wurden, ergänzte Sunfrost.

Terrifor schien überrascht.

Er sah Sunfrost an und hob die Augenbrauen.

Sie kennen sich anscheinend auch in dieser Hinsicht aus, Captain, stellte der Corporal nicht ohne Bewunderung fest.

Mein erstes Kommando - da war ich noch Lieutenant - war ein unterlichtschnelles Raumboot der Defiant-Klasse, erläuterte Sunfrost.

Einsatzgebiet: Äußeres Sol-System, wie ich annehme.

Kuiper-Gürtel.

Raggie S. Terrifor nickte langsam. Da ist das Piratenproblem bis heute am Schlimmsten.

Sunfrost wandte sich wieder an Bruder Guillermo. Welchem Zweck dienen Ihrer Meinung nach die Röhren?

"Also zunächstmal möchte ich noch anfügen, dass ich kein Anzeichen für Luftschleusen finden konnte. Und ich bin mir sicher, dass ich sie gefunden hätte! Also falls tatsächlich

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