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Katzen für Mariette: Eine Geschichte von Freundschaft, Versöhnung und Abschied

Katzen für Mariette: Eine Geschichte von Freundschaft, Versöhnung und Abschied

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Katzen für Mariette: Eine Geschichte von Freundschaft, Versöhnung und Abschied

Länge:
196 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 1, 2018
ISBN:
9783958032187
Format:
Buch

Beschreibung

Für Leser von "Dienstags bei Morrie"

Mitten in den trockenen Weiten Südafrikas begegnen sich zwei Menschen und schließen unerwartet Freundschaft: Michael Brown und die sterbende Mariette Van Wyk. Die beiden kommen sich näher, während Michael seiner neuen Freundin Geschichten aus seinem Leben mit Katzen erzählt, die ihm seit jeher das Gefühl geben, ganz er selbst zu sein. Während Mariette sich auf ihre letzte Reise vorbereitet, taucht sie ein in die magische Welt der Samtpfoten, die ihr Heilung, Einsicht und die Lösung schmerzhafter Konflikte aus der Vergangenheit beschert. Und auch Michael wird beim Erzählen unmerklich ein Geschenk zuteil: Im Kontakt mit Mariette erlebt er zum ersten Mal, was Weihnachten tatsächlich bedeutet.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 1, 2018
ISBN:
9783958032187
Format:
Buch

Über den Autor


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Katzen für Mariette - Michael Brown

Botjie

1

Kaffeeklatsch

Cathy war Ende sechzig und gerade mal einen Meter fünfzig groß. Sie hatte ein schmales Gesicht, war aber immer noch ausgesprochen muskulös für eine Frau ihres Alters. Die erste Hälfte ihres Erwachsenenlebens hatte sie als hingebungsvolle Nonne verbracht und die Gärten im Kloster Mariannhill gepflegt.

Bis zu jenem Tag, an dem sie ein gewaltiges Vermögen erbte – ein Ereignis, das sie als Fingerzeig Gottes sah, der sie offensichtlich wieder ins weltliche Leben zurückbringen wollte.

Bekannt gemacht hat Cathy und mich – ich lebte damals noch kein Jahr im südafrikanischen Aberdeen – eine gemeinsame Bekannte. Wir wurden sofort enge Freunde.

Bei unserer ersten Begegnung erzählte sie mir, wie sie nach einer hemmungslosen Kauforgie schließlich in einer psychiatrischen Einrichtung gelandet war. »So ein Haufen Geld kann dich in einen ziemlichen Rausch versetzen«, gluckste sie. »Früher hatte ich nur zwei Kleider und plötzlich besaß ich einen begehbaren Kleiderschrank so groß wie anderer Leute Wohnzimmer. Irgendwann musste ich dann raus aus der Klapse, sonst wäre ich für immer für diese Welt verloren gewesen.«

Als ich Cathy kennenlernte, nannte sie Grund- und Gewerbebesitz in verschiedenen Teilen Südafrikas ihr Eigen, darunter eine Zuckerrohrfarm in der Provinz Natal und ein Weingut in Stellenbosch. Ihren verschiedenen Besitztümern stattete sie jedes Jahr vor Weihnachten reihum einen Besuch ab, wobei sie immer auf einen Kaffee bei mir vorbeischaute.

Bei einer dieser jährlichen Visiten sprachen wir darüber, welche Pläne wir für Weihnachten hätten. »Und machst du heuer was zu Weihnachten?«, wollte sie wissen.

Bestrebt, das Thema schnell wieder vom Tisch zu wischen, sagte ich: »Nein, du weißt doch, dass ich Weihnachten nicht feiere.«

Sie lächelte schelmisch. »Magst du Weihnachten etwa nicht?«

»Nein, ich mag es tatsächlich nicht«, gab ich zu. »Und einer Menge armer Leute geht es damit genauso. Wenn auch erst im Januar, wenn sie ihr ganzes Geld für unnützen Kram ausgegeben haben, der gleich kaputtgeht oder sowieso umgetauscht wird.«

Cathy paffte schweigend ihre selbst gedrehte Zigarette, während sie mich aufmerksam ansah. Nach ein paar Sekunden sagte sie: »Klingt so, als hättest du ein ungelöstes emotionales Problem, was Weihnachten angeht.«

Sie will dich wegen der Bücher aufziehen, die du schreibst, dachte ich bei mir.

Dann warf sie mir den Fehdehandschuh hin: »Dagegen solltest du etwas unternehmen.«

Ich witterte eine List und fragte lächelnd: »Und warum sollte ich dagegen etwas tun?«

Sie kicherte. »Nun ja, vielleicht damit du nicht einmal jährlich in mieser Laune versinkst.«

Ich nahm den Fehdehandschuh auf. »Ich habe keine miese Laune, kein bisschen. Ich finde nur den ganzen Rummel einfach nervig. Mit schlechter Laune hat das überhaupt nichts zu tun.«

»Mag sein, aber ›O du fröhliche‹ singst du auch nicht gerade, oder täusche ich mich da?«, hielt sie mir entgegen. Wieder stieß sie eine Rauchwolke aus und meinte: »Also, ich finde, du solltest dir dieses Jahr ein besonderes Weihnachtsgeschenk machen, Michael.«

»Soso, findest du«, sagte ich und rutschte auf der Bank hin und her, auf der ich saß. »Und was schwebt dir da so vor?«

»Tu doch mal was Nettes für jemanden, den du nicht kennst«, schlug sie mir vor.

»Wie? Im Ernst jetzt?«, sagte ich kopfschüttelnd. »Warum in aller Welt sollte ich das tun? Das heißt doch nur, den Leuten Sand in die Augen zu streuen. Sie werden deswegen weder zu besseren Menschen, noch löst es ihre Probleme.«

Aber Cathy ließ nicht locker, trotz meiner ablehnenden Haltung: »Probier es einfach aus. Dann weißt du wieder, worum es beim Weihnachtsfest geht.«

»Und worum geht es da bitte, teure Frau Weihnachtsmann?«

In dem Moment erschien Presence auf der Veranda und sprang auf die Couch. »Hallo, meine Schöne«, gurrte Cathy, nachdem Presence sie beschnüffelt und um die Beine meiner entzückten Besucherin gestrichen war. Dann ließ die Katze sich an ihrer Seite nieder.

Als Cathy anfing, Presences rötliches Fell zu streicheln, schloss die Katze die Augen und schnurrte laut. Ich erhob mich von meinem Platz und verkündete: »Ich höre mir schon an, was du zum Thema Weihnachten zu sagen hast, aber zuvor brauche ich noch ein bisschen Kaffee.«

Ich schlenderte also in meine behagliche, zartgrün gestrichene Küche mit der Bambusdecke und der hübschen Ecke, in dem einst der mit Holz befeuerte Herd seinen Platz hatte, wie das für die Häuser in der Karoo typisch ist. Dieser kleine Raum ist für mich ein Stück Himmel. Hier haben all die wunderbaren Köstlichkeiten ihren Ursprung, die dafür sorgen, dass ich mich mit jedem Tag jünger fühle, obwohl ich ja eigentlich immer älter werde. Aufgrund der Fülle, für die dieser Raum in meinem Leben steht, sage ich hier oft mit lauter Stimme: »Ich danke dir, Gott!«

Die Küche, in der ich stand und das Aroma des reinen Arabica-Kaffees einatmete, war der Ort, an dem sich meine Arbeit an mir selbst am stärksten niederschlug, das Bemühen, emotional nicht mehr in Automatismen zu verfallen, sondern ganz im gegenwärtigen Augenblick zu sein. Nur Gott konnte mich auf diese Reise geschickt haben, die mich hierhergeführt hatte, in diesen Moment. Meine Generation hatte die fundamentalen Umwälzungen, die Südafrika verändert haben, in Gang gesetzt. Viele meiner guten Freunde weilten nicht mehr unter uns. Sie starben zu früh, um die ersten freien und gleichen Wahlen in diesem Land mitzuerleben. Wenn ich an den Zustand dieser Welt denke, daran, dass viele meiner besten Freunde heute nicht dabei sein konnten, um bei tiefschürfenden Gesprächen eine Tasse Arabica zu genießen, fühle ich mich wirklich zutiefst gesegnet.

»Mmm, was für ein köstlicher Duft!«, rief Cathy aus, als ich ins offene Wohnzimmer ging und ihr eine Tasse Kaffee reichte. »Köstlich«, sagte sie, als sie das erste Schlückchen genommen hatte. »Niemand macht besseren Kaffee als du, Michael Brown.«

»Den hast du mir mitgebracht«, klärte ich sie auf.

Als ich mich wieder gesetzt hatte, um mit meinem Besuch meine zweite Tasse Kaffee zu genießen, spürte ich, wie mir die warme Vormittagssonne den Rücken wärmte. Für Dezember war es ein reichlich kühler Tag in der Karoo. Die Karoo ist eine Halbwüste, die das Landesinnere der Republik Südafrika einnimmt, eine weite, schroffe, wunderbar einsame Landschaft, die etwas Mystisches ausstrahlt, das die Menschen aus den Städten ebenso anzieht wie Touristen, wie Cathy eine war.

Meine Freundin steckte sich eine neue Zigarette an und sah mich forschend an. »Deine Aversion gegen Weihnachten hat nichts mit Weihnachten zu tun, sondern vielmehr mit dir«, verkündete sie.

Natürlich hatte sie recht. Mir fiel sofort das erste Weihnachten ein, das wir mit unserem neuen Stiefvater verbracht hatten. Er hatte damals versucht, meinen Bruder und mich mit einem Berg Geschenke für sich einzunehmen. Ich hatte darauf allerdings nicht so reagiert, wie er sich das erhofft hatte. Später am Tag, als unser Stiefvater außer Haus war, um auf einer nahe gelegenen Farm nach dem Rechten zu sehen, sammelte ich alle Geschenke ein und ging wie der Weihnachtsmann mit meinem Sack von Tür zu Tür, um die Sachen unter den Kindern der indischen Gemeinde in unserer Nachbarschaft zu verteilen.

Vielleicht denken Sie jetzt, die Geschenke meines Stiefvaters zurückzuweisen sei eine reine Trotzreaktion meinerseits gewesen. Aber das stimmt nicht. Ich hatte wirklich das Gefühl, all diese Spielsachen nicht zu brauchen, und wollte damit etwas Gutes tun. Natürlich wurde mein Stiefvater wütend, als er nach Hause kam. Um mir eine Lektion zu erteilen, ließ er mich jedes einzelne Geschenk wieder zurückholen. Für einen kleinen Jungen war das eine höchst peinliche Erfahrung, um es mal vorsichtig zu formulieren. Damit die Lektion auch wirklich saß, verabreichte er mir dazu noch eine Tracht Prügel. Von dem Tag an hatte Weihnachten jeden Reiz für mich verloren.

»Und du denkst wirklich, ich sollte herumgehen und nach jemandem Ausschau halten, dem ich helfen kann?«, wandte ich gegen Cathys Vorschlag ein.

Sie schmunzelte. »Nein, überhaupt nicht. Aber du könntest dich doch mal auf Weihnachten einlassen, statt es immer nur reflexhaft abzulehnen.« Sie zwinkerte mir zu.

Ach, ich hasse es, wenn jemand mir meine eigene Medizin verabreicht.

»Statt ständig an Weihnachten herumzukritisieren«, fuhr sie fort, »könntest du darum bitten, dass die Christusnatur in dir einen Weg findet, wie du einem Menschen in Not nützlich sein kannst.«

Ich sah immer noch die Ordensschwester aus Cathys lebhaften Augen blitzen. Offensichtlich ist die Nonne in dir nie in Pension gegangen, dachte ich bei mir. Dennoch musste ich zugeben, dass der Vorschlag etwas hatte. Auf jeden Fall sprach er mich an. Vielleicht war das jener kindliche Aspekt in mir, dem ich nicht mehr erlaubt hatte, sich auf Weihnachten zu freuen, zumindest seit der Betätigung als Junior-Weihnachtsmann mit den entsprechenden Folgen.

Zu meiner Überraschung ließ sich Cathy nun mit einer Warnung vernehmen. »Aber sei dabei aufrichtig, Michael, oder frage erst gar nicht danach«, ermahnte sie mich. »Ich bitte dich hier um ein Weihnachtsgebet, und das ist kein Spiel. Gebete dieser Art werden zu Weihnachten immer erhört, also musst du schon mit dem Herzen dabei sein.«

Sie leerte ihre Tasse und fing an zu erklären: »Ich muss dir ja nicht sagen, dass das wahre Weihnachten nicht der 24. Dezember ist, die vielen Weihnachtskarten, die Geschenke oder der Christbaum. Es geht vielmehr darum, die Gegenwart von Christus in sich zu erfahren und diese liebende Energie jemandem zu schenken, der sie bitter nötig hat.«

Nun fühlte ich mich doch ein wenig unbehaglich in meiner Haut. Um Cathys Blick von mir abzulenken, fragte ich: »Und du machst das jedes Jahr?«

»Jedes Jahr«, nickte sie und blies den Rauch ihrer Zigarette in die Luft. »Wenn Weihnachten näher rückt, sage ich: ›Chris-tus, mach mich zu deinem Werkzeug.‹ Und jedes Jahr passiert dann etwas Wunderbares, etwas völlig Unerwartetes.«

»Und es wird dir jedes Jahr gezeigt, was du für jemand anderen tun sollst?«

»Ja«, sagte sie mit einem Lächeln. »Und jedes Jahr ist damit eine Art von Wunder verbunden – für die anderen und für mich.«

Neugierig geworden, fragte ich: »Hast du schon um eine Aufgabe für dieses Weihnachten gebeten?«

Sie grinste. »Darauf kannst du wetten. Ich mache das immer schon Ende November.« Dann beugte sie sich vor und sagte: »Ich weiß, dass Weihnachten für die meisten Leute nur Konsum ist, aber ich habe nun mal beschlossen, mich von diesem Rummel nicht einfangen zu lassen.«

»Hört sich so an, als nähmst du Weihnachten ziemlich ernst, Cathy.«

»Du bist doch derjenige, der Weihnachten tierisch ernst nimmt, nicht ich.«

Womit sie erneut ins Schwarze traf. Mir war Weihnachten ernsthaft zuwider.

»Wir leben in einer verrückten Welt, aber ich weigere mich einfach, Weihnachten als das zu nehmen, wozu der Rest der Welt es machen will«, fuhr sie fort. »Weihnachten steht vor der Tür, Michael, und geht so bald nicht vorüber. Da sich daran nichts ändern lässt, will ich sichergehen, dass ich mein Weihnachten so gestalte, wie ich mir das vorstelle.«

Sie drückte ihre Zigarette aus, stand auf, streckte sich und meinte: »Es war schön wie immer, mein Freund. Aber ich habe noch eine lange Fahrt vor mir, ich mache mich also besser auf den Weg.«

Cathy schaute auf ihren Rundreisen gewöhnlich am Vormittag bei mir herein, nachdem sie – abhängig davon, in welcher Richtung sie unterwegs war – in einer Pension in Uniondale oder Middelburg übernachtet hatte. Dann blieb sie meist eine Stunde. Ich freute mich immer sehr auf ihre Besuche.

Also stand ich ebenfalls auf. Aber eines wollte ich noch wissen: »Und was wirst du dieses Weihnachten nun machen? Hast du irgendeinen Fingerzeig bekommen?«

Ihre Tasche in der einen, die Autoschlüssel in der anderen Hand antwortete sie lächelnd: »Wer weiß? Vielleicht musste ich einfach einen Zwischenstopp einlegen und dich besuchen. Womöglich bist du dieses Jahr mein Weihnachtswunder.«

»Aber du schaust doch jedes Jahr hier vorbei.«

»Tja«, kicherte sie, »das liegt wohl daran, dass du so ein Dickschädel bist, Michael Brown.« Sie lächelte. »Weißt du noch, was ich dir gesagt habe von wegen darum bitten, jemandem nützlich sein zu dürfen? Das musst du schon selbst machen.«

Wir umarmten und verabschiedeten uns voneinander. Ich stand vor dem Haus und winkte ihr nach, während sie die Jackson Street hinunter verschwand, wobei sie eine Staubwolke hinterließ. Ich war immer ein wenig traurig, wenn sie wieder abfuhr und ich ihr nachblickte, wie sie mir vom Autofenster aus noch einmal feierlich zuwinkte, ehe sie hinter der Rechtskurve verschwand.

Ich bin gern nützlich, sagte ich laut zu mir selbst, während ich das Tor schloss, solange ich dafür nicht irgendwo hinfahren muss.

2

Der Anruf

Ich überflog gerade meine morgendlichen E-Mails, als das Telefon läutete.

Ich nahm den Hörer ab: »Hallo?«

»Michael.« Es war Vicky, unsere stadtbekannte Nachrichtenzentrale, bei der sämtliche Informationen zusammenliefen, um von dort aus wieder hinaus in die Welt zu gehen. Wer immer eine Auskunft brauchte, fragte Vicky. Und wenn sie einem nicht sofort Auskunft geben konnte, stellte sie Erkundigungen an und gab dir dann Bescheid – und allen anderen in der Stadt.

»Entschuldige die Störung«, sagte sie mit einer Stimme, die für diese frühe Morgenstunde viel zu munter klang, »aber ich habe gerade etwas sehr Trauriges erfahren und dachte, es interessiert dich vielleicht.«

Übermäßig traurig konnte diese Neuigkeit wohl nicht sein, so fröhlich, wie sie sich anhörte. Es ist schon seltsam, wie viel Spaß es manchen Leuten macht, schlechte Nachrichten zu verbreiten.

»Was ist denn los, Vicky?«, fragte ich eher desinteressiert.

Sofort schlug ihre Stimme ins Ernsthafte um. »Es geht um Mariette, Michael. Du weißt schon, die Frau, mit

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