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Das Ich und seine Taktiken: Selbstgespräche

Das Ich und seine Taktiken: Selbstgespräche

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Das Ich und seine Taktiken: Selbstgespräche

Bewertungen:
5/5 (1 Bewertung)
Länge:
537 Seiten
11 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
5. Nov. 2018
ISBN:
9783752891522
Format:
Buch

Beschreibung

Bei dem Buch handelt es sich um ausgewählte Talks von Karl Renz in der Zeit von 2003 bis 2010. Mit unnachahmlichem Witz bei gleichzeitig durchdringender Klarheit weist Karl Renz auf das Unsagbare hin, spricht über Advaita: "Nicht-Zwei", und deckt dabei, neben anderem, die vielfältigen Taktiken des Ich auf.
Fragender: Aber wo kommt die Furcht her, was für eine Furcht? Warum fürchte ich mich?

Karl: Es gibt Furcht, aber keinen, der sich fürchtet - möglicherweise. Es fürchtet sich etwas, das eine Idee für real nimmt. Und eine Idee braucht jede Art von Bestätigung. Sie fürchtet sich und muss sich darum kümmern, dass sie als Idee bleibt. Sie fürchtet sich immer vor Sterblichkeit, vor Gehen, vor Vergehen, weil sie gekommen ist. Das ist die grundsätzliche Ur-Furcht. Die Bibel würde sagen: Die Ursünde, die Sünde, dass du - als etwas Gekommenes - das, was du erfährst, als real nimmst, nämlich dass du die Idee von Existenz als real nimmst. In dem Moment bist du in einer existentiellen Krise. Weil: Du bist etwas Relatives, etwas Objekthaftes geworden, etwas, das du definieren kannst. Du definierst es als Existenz. Und diese Definition ist abhängig von einer Definition; die braucht jede Art von Zuwendung und Aufmerksamkeit, damit sie bleibt. Diese Furcht ist eine Energie, damit diese Überlebenssache bleibt. Es ist eine Natürlichkeit in sich, dass etwas überleben möchte - als Existenz. Und dann fürchtet sie sich natürlich, nicht zu existieren. Also, allein die Idee von Existenz fürchtet sich vor dem Nichtexistieren. Das ist die Ursache von Furcht. In dem Moment gibt es vielleicht noch gar keinen, der sich fürchtet. Aber es ist die Wurzel von Furcht, weil damit die Idee von Existenz erscheint, als Ich-Idee, als Existenz-Idee. Das ist immer Krise. Und alles, was danach kommt ist Krisenmanagement - so oder so. Das, was du bist, ist vor der Idee. Und vor der Idee meint: Das Mysterium, das nicht definiert werden kann. Was nur ein Hinweis ist, ein Hinweis auf das, was nicht zu definieren ist, was weder ist noch nicht ist, was in sich absolut ist, was keine Quelle hat, was kein Kommen und Gehen hat, was nie geboren ist und deshalb auch nie sterblich ist, was nicht eine Idee von etwas ist und kein Gefühl von etwas, nie etwas, was du erfahren kannst oder nicht erfahren kannst. Du bist also das absolute Auge Gottes, die absolute Wahrnehmung, der Wahrnehmende an sich, der aber nicht relativ ist.
Herausgeber:
Freigegeben:
5. Nov. 2018
ISBN:
9783752891522
Format:
Buch

Über den Autor

Karl Renz, eigentlich Renzihausen: von "Rennen, Ziehen, Hausen", wie er mal sagte, wurde 1953 als Bauernsohn im Weserbergland, Deutschland geboren. Seit 1980 lebt er als Musiker und Maler in Berlin; längere Zeit weilte er in Australien. Nach der Realisation, nie geboren zu sein, entwickelte sich seine Talk-Tätigkeit, die er Selbstgespräche nennt. "In der absoluten Akzeptanz dessen, was ist, hörte die Zeit auf. Es blieb das Wissen, dass das, was ich bin, vor der Zeit ist." Karl Renz reist seit vielen Jahren um die Welt, um Talks zu halten, so in mehreren europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika, Thailand, Australien, Indien, Tibet.


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Buchvorschau

Das Ich und seine Taktiken - Karl Renz

Inhaltsverzeichnis

Vorspiel

Die Umarmung der Einsamkeit

Hamburg 15.11.2003

Was du erlebst, ist nicht real

Hamburg 12.12.2004

Jesus und andere Avatare

Hamburg 16.12.2005

Das Ich und seine Taktiken

Stuttgart 04.04.2006

Leiden, Trauma, dunkle Nächte

Hamburg 14.03.2008

Wer sein Herz an etwas hängt, wird Kummer haben

Hamburg 06.06.2008

Es ist alles Spekulation – Neti neti

Hamburg 13.08.2010

Vorspiel

F: Warum hast du gesagt: „Da ist leider keiner mehr da"?

K: Ja, weil der Leider dann leider nicht mehr da ist und nie da war, weil das das Ende von Leid ist. Ohne Leid gibt es keinen Leider. Das ist nun mal die Natur vom Leider: Ohne Leid kann er nicht existieren. Und Leid gibt es nur in der Zweiheit, also in der Getrenntheit von Sein. Wenn die vollkommen wegfällt – in der Erkenntnis – dann gibt es leider den Leider nicht mehr, weil er keinen Halt mehr hat. Er kann sich an nichts mehr halten, noch nicht einmal mehr an seinem eigenen Leid, an dem er sich bis dahin immer gut halten konnte, denn Leid war immer da. Allein die Idee von Existenz ist in sich leidvoll, also eine existentielle Krise. Und in der Krise leidet er und versucht die Krise zu bewältigen. Da war er immer gut drin: ein Meister von Krisenbewältigung, Krisenvermeidung. In der Krisenvermeidung ist nun mal auch eine Krisenbestätigung – das gehört dazu. Alles, was ich vermeiden will, bestätige ich damit, und das ist dann das Fatale: Sobald ich das Ich weghaben will, bestätige ich, dass es überhaupt ein Ich gibt und dass ich brauche, dass es geht.

F: Das bedeutet ja, dass wir uns ständig damit befassen, dass es rund wird und es eigentlich schon längst rund ist.

K: Nein, es ist absolut eckig, aber es kommt einem rund vor, oder rund und kommt einem eckig vor, aber es ist weder rund noch eckig.

F: Aber wir stellen es trotzdem ständig infrage.

K: Ja, warum nicht. Das macht ja dem Sein nichts, ob man es infrage stellt. Es gibt diese grundlegende Religion, z.B. von Rama Krishna, die sagt: „Auch indem ich mich infrage stelle, bestätige ich meine Existenz". Vor dem Infrage-Stellen muss ich erst sein, was ich bin, damit ich das, was ich bin, infrage stellen kann.

F: Wenn es weder über Analyse geht, noch darüber, es sich zu wünschen, steigt dann die Wahrscheinlichkeit durch die pure Anwesenheit hier – allein dadurch, dass wir einfach da sind? Es gibt ja sonst nichts zu tun bzw. nichts wie wir es fördern können?

K: Ich meine, du bist hierhergekommen, damit du das absolute Geschenk bekommst – nämlich, dass du dir alles schenken kannst. Du hast dir schon alles geschenkt, du weißt es nur noch nicht. Das ist dein absolutes Geschenk: Du bist wach geworden in der Frage „Ich bin was?" Und das ist deine absolute Antwort: Hier! Das! Das ist deine absolute Antwort. Mehr ist nicht. Da ist nicht mehr! Und das Mehr-Wollen – da wirst du zum Gierlappen. (S. →/→)

Wenn das, was die Heiterkeit ist,

sich seiner selbst gewahr wird,

ist jede Ich-Wolke

ein Witz der Existenz.

Karl Renz

I.

Hamburg 15.11.2003

Die Umarmung der Einsamkeit

Frage: Du hast eben gesagt, es wird auf jeden Fall kommen oder es ist unausweichlich. Andere sagen dann: Spätestens im Augenblick des Todes. Meinst du das auch?

Karl: Nein, das meine ich nicht. Es könnte möglicherweise in dem fünften Leben nach diesem Leben irgendwann sein. Oder irgendwann in tausend Jahren. Spielt das eine Rolle? Da gibt es diese Geschichte von den „drei Saddhus", die unter diesen Bäumen sitzen und Buddha kommt und sie fragen: „Buddha, du musst doch wissen, wann wir erleuchtet werden. Buddha sagt: „So viele Leben, wie Blätter an dem Baum sind, braucht es, damit ihr erleuchtet werdet. Und der eine fällt in eine totale Depression: „Oh, das werde ich ja nie schaffen und das ist ja viel zu lange, und der andere: „Ah, ich werde erleuchtet werden. In dem Moment fallen die ganzen Blätter herunter und da ist es da, weil er sieht, das ist unausweichlich. Das ist unausweichlich! Du kannst dir nicht entkommen. Wann das sein wird, wann dieses Gewahrsein da sein wird, ist doch irrelevant. Es wird da sein, weil es schon da ist!

F: Auf welcher Grundlage sagst du das? Das ist so völlig aus der Luft gegriffen.

K: Aus der Geschichte, aus der Gewissheit, dass das, was du bist, sich selbst nie entkommen kann. Es wird auch da sein, wenn die Idee von Zweiheit, die Idee von Getrenntheit verschwunden ist.

F: Ja, ja, das ist klar. Die Frage ist, ob die verschwindet. Und wenn du sagst, das ist unausweichlich, dass sie verschwindet …

K: Weil sie gekommen ist, deshalb wird sie verschwinden.

F: Mit dem Tod?

K: Nein, das Bewusstsein wird auch nach dem Tod da sein, in diesem Ich-Bin. Und das Ich-Bin ist immer noch die Quelle von Getrenntheit.

F: Oh, wie schrecklich.

K: Oh, wie schrecklich. Da ist kein Entkommen! Der Tod bildet kein Entkommen!

F: Ich finde das einen der unnötigsten und auch am schlechtesten begründeten Züge deiner Lehre, wenn ich das mal in Anführungsstrichen sagen darf, weil ich finde, das ist eine furchtbare Vorstellung, dass es kein Ende gibt für das Bewusstsein oder für das Gewahrsein. Das ist gerade eine tröstliche Vorstellung, dass mit dem leiblichen Tod das Gewahrsein zu Ende ist.

K: Wer will dich trösten? Wer braucht diesen Trost? Genau die Trostlosigkeit ist hier und jetzt das, was die Botschaft ist. Wenn es eine Botschaft gibt, von hier, dann gibt es die Botschaft der Untröstlichkeit: dass es kein Ende gibt, weil es nie angefangen hat.

F: Nein, das doch nicht! Jetzt hat ja der Lebenstrieb auch noch das Übergewicht über den Todestrieb! Aber es gibt einen Augenblick, da kehrt sich das um und das ist der Augenblick, in dem wir – also wenn wir diesen idealen Augenblick erreichen – des Lebens satt sind.

K: Den wirst du nicht erreichen.

F: Und dann – mit dem leiblichen Tod – ist auch das Gewahrsein zu Ende?

K: Nein, da ist nichts zu Ende.

F: Doch!

K: Es hört nichts auf. Davon träumst du. Genauso, wie du jetzt träumst, hier zu sein und zu leben, träumst du dann beim Tode, es wäre zu Ende. Da ist nie etwas geboren und da wird auch nichts sterben.

F: Ach, die bekommen gar nicht mit, dass sie sterben.

K: Wer bekommt nichts mit?

F: Manche.

K: Welche „Manche"? Wer soll das denn sein, der nichts mitbekommt?

F: Der von hinten erschossen wird, ohne Vorwarnung.

K: Was läuft denn hier rum. Es sitzen doch nur Zombies hier. Die sind alle von hinten erschossen worden.

F: Ich zweifle nicht an deinen Worten.

K: Du zweifelst nicht an meinen Worten?! Du meinst, du hast den Schuss nicht gehört, weil du vorher tot warst. Die Konfrontation mit deiner Unendlichkeit ist das einzige, das dich aus der irrtümlichen Verstrickung deiner Selbst – also mit der Welt – entziehen kann, nämlich die vollkommene Resignation und die Einsicht, dass es da nie ein Ende geben wird und nie einen Moment, der dich kapitulieren lässt. Es wird ihn nicht geben! Es ist nie in Zeit und Raum, das wovon ich spreche. Und darum wird es auch nie in Zeit und Raum stattfinden.

F: Aber diese Einsicht kann man nicht haben.

K: Die hat auch keiner. Da kommt auch keiner hin. Du bist hier und jetzt, was du bist, aber nicht dann, wenn irgendetwas passiert. Es kann nichts dafür passieren, weil für das, was du bist, nie etwas passiert ist – auch dann nicht. Da wird es auch keinen Moment der Gnade geben.

F: Ich stelle mir jetzt vor, dass die Perspektive auf das, was ich eben gesagt habe – also auf diesen idealen Tod oder überhaupt auf den leiblichen Tod, schon ein Ausweichen gegenüber dem Tod ist, der in jedem Augenblick stattfindet oder stattfinden sollte.

K: Es ist ein Vermeidungskonzept.

F: Dem stimme ich zu.

K: Und was ist daran? Es ist ein Konzept. Es ist ein Kotzept – zum Brechen.

F: Ja, ja, bloß ich habe mich gegen das gerichtet.

K: Du möchtest immer noch eine kleine Hoffnung übrig lassen.

F: Nein, nein, gar nicht.

K: Hast du doch gerade vorhin gesagt: Ein bisschen Trost wäre doch noch ganz schön, der Trost, dass mit dem Körper irgendetwas aufhört, irgendetwas Leidvolles möglicherweise.

F: Nein, ich habe mich gerade dagegen gewandt, dass Leute aus deinen Worten heraushören, es gehe nach dem leiblichen Tod weiter.

K: Es geht immer weiter.

F: Das ist ja nicht gemeint.

K: Doch! Es ist gemeint, dass es nie aufhört! Du kannst dir nicht entkommen! Und das, was du bist, ist Unendlichkeit, die nie angefangen hat und nie enden wird. Und genauso unendlich ist die Realisation im Weltlichen, diese Realisation von Erscheinungen. Da gibt es keinen Anfang und kein Ende. Es gibt kein Entkommen! Es gibt keinen, der drin ist und es wird auch keinen geben, der raus kommt.

F: Es gibt keine Unendlichkeit, weil die Idee von Erstreckung unsinnig ist, also, weil wir immer im Augenblick leben.

K: Wer lebt im Augenblick? Wer soll das sein? Wer braucht das Konzept von „Augenblick und „Jetzt? Wer ist in dieser „power of now" und wer braucht die?

F: Ja gut, so kann ich dir natürlich auch jedes Konzept um die Ohren hauen.

K: Ja, es sind alles Konzepte; das ist eben das Mögliche und das Unmögliche. Die Möglichkeit, dass du hier frei von Konzepten gehst, ist möglicherweise da. Aber nicht, dass du mit einem besseren Konzept gehst. Es ist alles nur Konzept. Und möglicherweise steckt dir das den Finger in den Hals und du brichst sie alle aus, auf einmal. Und du siehst, dass du nicht wegen der Konzepte, sondern trotz der Konzepte bist.

F: Ja, wem sagst du das? Ich habe deinen Konzepten andere Konzepte entgegen gestellt, und du stellst meinen Konzepten wieder deine Konzepte entgegen.

K: Ja, unendlich. Da gibt es kein Ende.

F: Aber er hat gar kein Konzept.

K: Das wirft sie mir jetzt vor.

F: Weil er jedes Konzept wieder kaputt macht.

K: Genau! Das ist der Gedanke. Das ist die Freiheit von Konstruktion und Destruktion, weil – es bleibt nichts übrig! Du bist dieses absolute left over, das Überbleibsel, dem nichts übrig bleibt. Es bleibt dir nichts übrig! Aber du bleibst immer übrig. Du bist immer das, was das absolute Substratum ist. Wenn du alles abziehst, was du abziehen kannst – du bleibst da. Du kommst nicht weg. Das nennt man das Abstraktum.

F: Gerade deswegen wende ich mich dagegen, dass man aus deinen Worten heraus hören könnte: „Nach dem Tod geht es weiter, habe nur keine Angst und so weiter."

K: Habe keine Angst? Ich sage: „Fürchte dich, fürchte dich hier und jetzt, weil, du wirst dir nicht entkommen. Ich sage nicht: „Habe keine Angst. Ich mache dir absolut Angst: „Du wirst dir nicht entkommen, „Du entkommst dir nicht!

F: Das vermute ich auch, dass es nach dem Tod genau so weitergeht wie vorher. (andere/r F)

F: Dagegen wende ich mich ja.

K: Nein, was er meint … ich könnte ihm jetzt sagen: Es geht nicht weiter, weil es nie angefangen hat.

F: Da wird Schluss sein und es wird gut sein.

K: Es wird gut sein? Da wird Schluss sein? Das ist ungefähr so, wie als sie Ramana gefragt haben: „Ramana, wenn du weg bist, was machen wir dann, wo bist du? Ramana: „Wo soll ich hin? Wo immer du denkst, dass ich bin. „Ich bin unter jedem Stein …; was Jesus auch gesagt hat. „Wo immer ich bin. Keiner geht. Wenn dieser Körper gegangen ist, ist immer noch das, was das ist, was ich bin: das, was nie gekommen ist und nie gehen wird.

F: „Was soll nur aus mir werden, wenn ich mal nicht mehr bin?"

K: „Was mache ich nur ohne dich, wenn ich nicht mehr bin? „Fürchte dich nicht, wer hat das gesagt? – auch Jesus. Weil, du kannst dich ja nur vor dir selbst fürchten. Du fürchtest dich vor der Ausweglosigkeit, die du bist. Und das ist Wahnsinn, sich vor dem zu fürchten, was du bist. Du fürchtest dich vor der Hoffnungslosigkeit, die du bist. Du fürchtest dich vor der Einsamkeit, die du bist. Du „bist" die Einsamkeit!

F: Ich fürchte mich ja nicht.

K: Ich spreche mit allen hier. Ich spreche immer mit dem, was du bist. Ich spreche nicht mit dir. Ich spreche doch nicht mit einem Geist. Ich spreche immer mit mir selbst, egal wen ich anschaue.

F: Weil es ja außer dir niemanden gibt.

K: Es gibt mich noch nicht einmal.

F: Eben. (andere/r F.)

F: Aber ich möchte ja immer alles verstehen. Ich weiß, du widersprichst mir gleich wieder, aber eigentlich verstehe ich nur, dass alles, was wir suchen in uns selbst ist, einmal davon abgesehen, dass wir ja gar nicht suchen.

K: Nein, du könntest sagen: Das was du suchst, bist du schon.

F: Du widersprichst dem nicht?

K: Nein.

F: Gut.

F: Das erste Mal heute Abend. (andere/r F.)

K: Es kann sich auch jeden Moment wieder wenden. Ich kann keine Garantie geben.

F: Bin ich denn auch, was ich suche?

K: Nein, du bist nicht, was du suchst, aber das, was sich durch dich sucht.

F: Noch einmal, was sich durch ihn sucht?

K: Das Bewusstsein. Das, was Bewusstsein „ist. Das sich in der Form von D. als das sucht, was Bewusstsein „ist.

F: Du hast gerade von den verschiedenen Sorten von Furcht gesprochen, oder Einsamkeit. Woher kommt Furcht überhaupt?

K: Furcht kommt von der ersten existenziellen Krise – dass du die Idee hast, dass es dich gibt. In dem Moment fürchtest du dich schon.

F: Warum?

K: Weil Existenz nicht absolut sein kann. Weil allein die Idee, dass es dich gibt – als Gewahrsein, als Ich – relativ ist und damit gekommen ist und nicht absolut ist. Damit entsteht schon die existentielle Krise. Und aus dieser Krise suchst du wieder die Unsterblichkeit, die vor der Idee von Existenz ist.

F: Aber wo kommt die Furcht her, was für eine Furcht? Warum fürchte ich mich?

K: Es gibt Furcht, aber keinen, der sich fürchtet – möglicherweise. Es fürchtet sich etwas, das eine Idee für real nimmt. Und eine Idee braucht jede Art von Bestätigung. Sie fürchtet sich und muss sich darum kümmern, dass sie als Idee bleibt. Sie fürchtet sich immer vor Sterblichkeit, vor Gehen, vor Vergehen, weil sie gekommen ist. Das ist die grundsätzliche Ur-Furcht. Die Bibel würde sagen: Die Ursünde, die Sünde, dass du – als etwas Gekommenes – das, was du erfährst, als real nimmst, nämlich dass du die Idee von Existenz als real nimmst. In dem Moment bist du in einer existentiellen Krise. Weil: Du bist etwas Relatives, etwas Objekthaftes geworden, etwas, das du definieren kannst. Du definierst es als Existenz; und diese Definition ist abhängig von einer Definition; die braucht jede Art von Zuwendung und Aufmerksamkeit, damit sie bleibt. Diese Furcht ist eine Energie, damit diese Überlebenssache bleibt. Es ist eine Natürlichkeit in sich, dass etwas überleben möchte, als Existenz. Und dann fürchtet sie sich natürlich, nicht zu existieren. Also, allein die Idee von Existenz fürchtet sich vor dem Nichtexistieren. Das ist die Ursache von Furcht. In dem Moment gibt es vielleicht noch gar keinen, der sich fürchtet. Aber es ist die Wurzel von Furcht, weil damit die Idee von Existenz erscheint, als Ich-Idee, als Existenz-Idee. Das ist immer Krise. Und alles, was danach kommt, ist Krisenmanagement – so oder so. Das, was du bist, ist vor der Idee. Und vor der Idee meint: Das Mysterium, das nicht definiert werden kann. Was nur ein Hinweis ist, ein Hinweis auf das, was nicht zu definieren ist, was weder ist noch nicht ist, was in sich absolut ist, was keine Quelle hat, was kein Kommen und Gehen hat, was nie geboren ist und deshalb auch nie sterblich ist, was nicht eine Idee von etwas ist und kein Gefühl von etwas, nie etwas, was du erfahren kannst oder nicht erfahren kannst. Du bist also das absolute Auge Gottes, die absolute Wahrnehmung, der Wahrnehmende an sich, der aber nicht relativ ist. Du trittst aus der relativen Wahrnehmung eines Wahrnehmenden in das, was vor Wahrnehmendem ist, was aber nicht definiert ist als so oder so. Aber du kannst nicht bestreiten, dass da Wahrnehmung ist. Du kannst aber nie sagen, was wahrnimmt, was das ist oder ob das überhaupt ist. Das ist ein vollkommenes Nichtwissen, eine Abwesenheit einer Idee, der Idee, ob du bist oder nicht bist. Und das ist diese Hoffnungslosigkeit oder Einsamkeit. Wenn das in dir wach wird, dieses Gewahrsein und du mit dieser Einsamkeit, mit dieser Unendlichkeit konfrontiert wirst, mit deiner selbst, mit dieser unendlichen Untröstlichkeit deiner selbst, weil es da nichts gibt, was dich trösten kann oder helfen könnte, weil es außer dir nichts gibt, was dem helfen könnte – dann nennt man das Gnade.

F: Und ist das dann das Ende der Furcht?

K: Es ist das Ende dessen, der sich fürchtet. Aber solange es noch einen gibt, der sich nicht fürchtet, kann es immer wiederkommen. Also: Das Nichtfürchten – dieser Vorteil des Nichtfürchtens – gilt nicht. Du musst in der Anwesenheit oder Abwesenheit eines Fürchtenden das sein, was vor dem Fürchtenden, also dem, der sich fürchten könnte, ist. Du musst also vor dem Phantom Ich sein, das sein, was die Quelle des Ich ist, aber nie das, was es sich vormacht, also nie die Vorstellung von dir selbst, sondern du bist immer das, was sich alles vorstellt, aber sich selbst nie vorstellen kann.

F: Das kann man sich schwer vorstellen.

K: Aber das bist du hier und jetzt. Du stellst dir vor, dass dieser Körper dir gehört, dass es da einen Besitzer gibt von etwas, das relativ „Körper oder „geboren ist. Das ist alles eine Vorstellung. Wo ist diese Vorstellung im Tief-Tiefschlaf oder wenn du nicht daran denkst? Dann ist sie weg. Aber das, was du bist, muss in allen Umständen sein, was es ist.

F: Du hast jetzt geantwortet, zehn Minuten, glaube ich. Und verstanden habe ich eigentlich nur: Um Furcht zu erfahren, bist du auf der Suche nach Unfurcht – oder?

K: Nein, nein! Ich glaube, dann hast du nichts verstanden. Ich habe nur gesagt: In dem Moment, wo du die Idee von Existenz oder von Ich-Gedanken als real nimmst, deine Aufmerksamkeit darauf richtest und das für wahr nimmst, dich also als geboren empfindest, als etwas, das existiert, und damit gekommen ist, bist du in einer existenziellen Krise und musst diese Krise managen.

F: Aber das ist doch normal.

K: Ja, das ist normal. Ich habe nicht gesagt, dass das nicht normal ist. Ich habe nur gesagt, dass diese Wahnsinnsidee, dass du geboren bist, an sich schon Wahnsinn ist. Und aus dieser Wahnsinnsidee, dass du diesen Wahnsinn, geboren zu sein, als real nimmst, der ganze andere Wahnsinn entsteht, nämlich, dass du dich danach sehnst, wieder in diese Freiheit zu gelangen, in diese Glückseligkeit, die deine Natur ist. Die Glückseligkeit – es gibt keinen, der sie ist oder nicht ist, weil die Glückseligkeit die Abwesenheit einer Idee von Existenz oder Nichtexistenz ist. Aber sobald die Idee von Existenz für dich real ist, gibt es auch eine Nichtexistenz, die das Gegenteil ist. Und in dem Moment bist du in der Dualität. Damit fürchtest du dich vor der Nichtexistenz, vor der Sterblichkeit.

F: Aber alles hat doch seine Notwendigkeit – weil, der Wahnsinn ist ja vom Selbst erschaffen.

K: Das Selbst ist Wahnsinn. Ich sage nicht, dass es vermeidbar wäre. Ich beschreibe nur den Vorgang. Ich beschreibe einen Vorgang, wie er zu sein hat, wie er ist. Du kannst ihn erkennen, als einen Vorgang der stattfindet, der aber für das, was du bist, nichts bedeutet, weil du vor dem Konzept von „Vorgang und Furcht und Fürchtendem" bist. Das einzige, das du weißt, ist: dass du bist.

F: Dann hätte sich das Selbst das alles sparen können.

K: Es kann sich nichts sparen.

F: Du hast es als „Wahnsinnsidee" bezeichnet, dass man annimmt, geboren zu sein. Die meisten würden es als Wahnsinn bezeichnen, dass man annimmt, nicht geboren zu sein.

K: Ja, genau. Aber das ist wahrscheinlich nicht Wahnsinn, nämlich das zu sein, was vor der Idee ist, weil: das ist eine Idee, dass es dich gibt. Es gibt keinen Beweis, keine Beweiskraft, die das bestätigen kann, dass es dich überhaupt gibt.

F: Aber es gibt Erfahrungen davon.

K: Video?

F: Zum Beispiel das Video deiner Geburt, das kann es geben.

K: Ja und dann? Da kommt da so ein Flutsch raus. Was beweist das? Die ganze Wissenschaft versucht, schon seit Bestehen der Wissenschaft, Materie zu beweisen, und im Moment gibt sie auf, weil die Quantentheorie, oder was auch immer, sagt: Es ist immer abhängig von der Wahrnehmung, davon wie sie es wahrnimmt, als Teilchen oder Welle oder als irgendetwas. Also, es ist nicht beweisfähig. „Das, was wir versucht haben zu beweisen, ist unbeweisbar, weil das alles des Raumes und der Zeit eines Beobachters bedarf, also jemandes, der überhaupt Zeit wahrnimmt, und den Beobachter können wir nicht finden". Da steht die Wissenschaft im Moment. Und das ist das, was ist. Das Auge Gottes, nämlich das, was Wahrnehmung ist, ist unfindbar, unbeweisbar, weil alles, was als Beweis möglich ist, ist in Zeit und Raum. Aber das, was das Auge Gottes ist, ist vor Zeit und Raum, vor der Idee von Sein oder Nichtsein, und das ist nicht beweisfähig. Darum werden alle Physiker und Mathematiker inzwischen Buddhisten oder irgendwelche spirituell Suchende. Es ist so!

F: Parapsychologen.

K: Ja, Parapsychologen, Paraphysiker. Diese Resignation der Wissenschaft im Allgemeinen, die finde ich wunderbar, weil allein diese Resignation bedeutet, dass es Freiheit ist. Die Freiheit nämlich: der Unwissbarkeit dessen, was Freiheit ist. Die Freiheit von der Definition von Freiheit. Und allein das ist Freiheit. Das Furchtbarste, wovor du dich wirklich fürchten könntest, wäre, wenn es einem Wissenschaftler gelingen könnte, dich – das, was du bist – zu finden. Dann wärst du ein Objekt in Zeit und Raum. Aber allein diese Unfindbarkeit ist Freiheit. Das ist die gute Botschaft: Es gibt dich nicht als etwas Findbares! Du wirst dich nie finden! Also: Das Nichtfinden deiner Selbst ist die gute Botschaft, nicht das Finden deiner Selbst. Die Unfindbarkeit in Zeit und Raum bedeutet, dass du vor Zeit und Raum bist, vor der Idee von Kommen und Gehen, überhaupt vor Konzept von Existenz und damit absolut in dir selbst. Das ist die frohe Botschaft der Medizin, die ultimative Medizin: das Nichtfinden eines Kranken. Ist das nicht schön?!

F: Könntest du das Wesentliche von heute nochmal zusammenfassen?

K: Wenn überhaupt, könnte nur der Geschmack der Geschmacklosigkeit übrig bleiben. Wenn es überhaupt einen Wunsch gäbe, wäre es der absolute Wunsch, dass nichts übrigbleibt von den Vorstellungen, die du dir von dir selbst gemacht hast. Also, dass du die Geschmacklosigkeit selbst bist, die sich selbst nie schmecken kann, weil sie gar keinen Geschmack hat. Die Wahrnehmung selbst, die sich selbst nie wahrnehmen kann, weil sie nie etwas Wahrgenommenes sein könnte oder werden wird und du alles, was du wahrnehmen kannst, einfach nicht bist, weil es einfach nur Vorstellungen deiner selbst sind. Aber du bist nun mal einfach nicht die Vorstellung deiner selbst. Du bist das, was sich die Vorstellung macht. Aber das, was sich die Vorstellung macht, ist nie gekommen und wird nie gehen. Alles, was du dir vorstellen kannst, kommt und geht, aber nicht das, was sich das vorstellt.

II.

Hamburg 12.12.2004

Was du erlebst, ist nicht real

F: Gestern hat mich sehr betroffen gemacht, als du sagtest, dass die Quelle, die ununterbrochen schöpft, dass selbst da nicht klar ist, was daraus entsteht. Das geht ja immer nur von Moment zu Moment. Dass im Grunde überhaupt gar keine Absicht hinter gar nichts ist – das hat mich schockiert, weil ich immer der Meinung war, dass diese Kraft, die sich immer neu schöpft oder kreiert, dass die zumindest weiß, was sie macht.

K: Das Fatale ist, dass ja nie etwas neu kreiert wird. Von daher kann sie auch nicht entscheiden, was schon da ist, weil auch die Idee von Quelle noch eine Idee ist und sogar „die Quelle, aus der etwas kommt, noch eine Idee ist. Dass es möglicherweise gar keinen Schöpfer gibt und keine Schöpfung. Dass dieses Ganze „Idee ist und deshalb auch keiner weiß, ob es jetzt vorbestimmt ist oder nicht bestimmt ist oder was überhaupt. Alles beides wäre Konzept: nämlich die Vorbestimmung und dass es nicht vorbestimmt ist. Was immer du dir vorstellst, ist eine Vorstellung. Und egal, wie sicher du dir scheinst oder wie tief das Wissen gehen kann – es ist immer eine Vorstellung.

F: Da ist nichts zum Festhalten.

K: Auch das ist wieder eine Vorstellung. Und darum sage ich: Der, der sagt, er wüsste es, weiß es bestimmt nicht und das, was sagt, es weiß es auch nicht, weiß es auch nicht. Aber möglicherweise sitzt jeder hier, weil er sich nach diesem Frieden des Nichtwissens sehnt, da wo keine Vorstellung mehr ist, von dem, was du bist oder nicht bist – was auch wieder eine Vorstellung ist. Wahrscheinlich ist jeder gekommen und denkt, hier sitzt einer, der weiß wie es ist. Nein, ich kann nur sagen: In diesem vollkommenen Nichtwissen, in dieser Absolutheit von An- und Abwesenheit von Wissendem oder Unwissendem – da ist der Frieden, der ich bin und der ist nicht störbar durch einen Wissenden oder Unwissenden oder irgendeine erreichte Erleuchtung oder Realisation. Da gibt es keine Belastung irgendeines Erreichens oder Verlierens oder dass jemals etwas passiert ist.

F: Aber wo kommt denn jetzt das Ego her? Wieso ist das denn überhaupt da, wenn das alles nicht real ist?

K: Das habe ich ja gerade gesagt. Auch das ist möglicherweise eine Vorstellung: dass es nicht real ist.

F: Also gibt es möglicherweise ein Ego?

K: Möglicherweise gibt es das und möglicherweise gibt es das nicht. Du könntest sagen: Als Erfahrung gibt es das, weil, du erfährst ja immer dieses Berechnende, dieses verstandesmäßige Berechnen eines sogenannten Subjektes „Ego". Das erfährst du ja. Bloß, ob diese Erfahrung irgendeine Realität hat, das weißt du nicht. Sie ist eben manchmal da und manchmal nicht da. Möglicherweise könntest du nur darauf hinweisen: wenn es eine Realität hätte, müsste sie ununterbrochen sein.

F: Wenn ich schlafe, also dieses, was da auch immer dann von mir übrigbleibt oder was ich dann ganz werde oder wie auch immer, das habe ich dann, wenn tagsüber das Ego erwacht ist, wieder nicht dabei.

K: Das weißt du ja gar nicht. Ohne das, was im Tiefschlaf da ist, kann das Ego ja gar nicht erscheinen.

F: Oder ohne das Ego könnte dieser Tiefschlaf nicht sein?

K: Das weißt du ja nicht. Wen kümmert das im Tiefschlaf? Es kümmert ja jetzt nur das Ego, ob es das Ego im Tiefschlaf geben könnte, weil es jetzt denkt, es „wäre" jetzt. Es gibt ja nur den Kümmerer, der sich jetzt darum kümmert. Und das nennt man Ego – einen Kümmerling. Der kümmert sich ständig. Aber wenn das Kümmern oder der Kümmerling irgendeine Realität hätten, dann müsste das Kümmern unaufhörlich sein. Und weil es nur ab und zu da ist und, wie gesagt, im Tiefschlaf nicht da ist, kann es nicht das sein, was Realität ist, oder die Wirklichkeit deiner Essenz oder deiner Natur, die ununterbrochen sein muss, die nicht einmal da sein kann und einmal nicht da sein kann – mehr nicht. Es heißt nicht, dass das Ego deshalb real oder nicht real ist. Es kann einfach nicht das sein, was du bist, in deiner Natur, in deiner Essenz. Damit will nichts das Ego wegmachen oder hinkriegen oder irgendetwas damit tun. Einfach nur mal zu unterscheiden: Das, was möglicherweise Wirklichkeit ist, kann nicht manchmal sein und manchmal nicht sein und dass deine Wirklichkeit oder deine Natur möglicherweise eben das ist, was nicht unterbrochen sein kann, dass das auch ist, wenn es keine Erfahrung von sich selbst hat. Das ist der Hinweis mit dem Tiefschlaf. Das heißt nicht, dass du da mehr bist, als jetzt und jetzt weniger. Es heißt einfach nur: Kenne dich so, wie du dich im Tiefschlaf kennst. Da ist Wissen, ohne dass es einen Wissenden gibt, oder ein Wissen oder Nichtwissen. Da ist ein unbedingtes Sein, das du bist, mit und ohne Wissen. Da ist eine vollkommene Abwesenheit eines Wissenden oder Nichtwissenden und trotzdem bist du das, was du bist. Jeden Morgen wacht dieser sogenannte Wissende auf, oder Nichtwissende. Also das Ego tanzt dann herum und abends geht es wieder in die Heia. Das ist wie ein Theater, das morgens wach wird und abends wieder abgeht. Aber du bist während des Theaters und auch ohne das Theater, was du bist.

F: Ich finde das bewundernswert, dass du diese Worte immer und immer und immer wieder sagen kannst.

K: Ja, ich erzähle mir die immer wieder; das kann man nicht oft genug sagen.

F: Ja, man kann es auch nicht oft genug hören.

K: Ja, das meine ich. Das nennt man dann Mitgefühl, das unbegrenzt ist – unerschöpfliches Mitgefühl. Es wird nie langweilig, das immer wieder zu sagen. Das kann man nicht oft genug sagen und nicht oft genug hören. Wenn mich das langweilen würde, dann würde ich bestimmt nicht jeden Tag, manchmal viermal am Tag, das gleiche erzählen. Und doch ist es immer wieder anders. Es ist nie das Gleiche; es ist immer Dasselbe, aber nie das Gleiche. Ich rede also immer mit mir selbst und bekomme nie genug davon. Ich erzähle mir immer wieder selbst, dass das Selbst nicht das sein kann, was nur manchmal da ist und manchmal nicht – mehr nicht. Das ist die grundlegende Definition oder das, was man Diskriminierung nennt, dass eben das, was deine Wirklichkeit sein muss, nicht etwas sein kann, das manchmal da ist und manchmal nicht, sondern es muss etwas sein, das ununterbrochen „ist".

F: Das heißt: Der Schlaf ist das ganze Dilemma?

K: Nein, die Idee, dass du dich eben im Tagesablauf über diesen Körper definierst und das als deine Limitation ansiehst, und du jeden Morgen mit dieser Limitation aufwachst, dich also jeden Morgen wieder in das verliebst, was dein Körper ist, wo es dieses „mein gibt – „mein Körper – und dieser Körper getrennt von anderen Körpern ist, und wo das deine Realität wird. In jedem Aufwachen des Egos wird das Ego also zu deiner Realität, was aber möglicherweise nicht stimmt. Wenn es deine Realität wäre, wäre sie eben ununterbrochen. Das Ego ist aber manchmal da und manchmal nicht da. Das ist dann also wie ein Phantom, das in dir erscheint und wieder vergeht. Und alles, was du mit dem Phantom tust, indem du es bekämpfen möchtest oder abschaffen möchtest, macht das Phantom real, also alles, was du damit tust und auch, was du nicht damit tust. Jede Aufmerksamkeit ist wie eine Art Liebe, die auf das Phantom gerichtet ist und es damit zum Leben erweckt. Also: Es lebt von dir und du nicht von ihm – das ist das Wesentliche. In diesem Moment, wo das Ego deine Wie-auch-immer-Realität ist, wird das Ego zum Meister und du bist sein Sklave. Aber es ist genau umgekehrt: Es ist ein Werkzeug deiner Sinne, also deiner Erfahrung. Aber du bist nicht abhängig vom Ego, sondern das Ego ist abhängig von dir, von dem, was du bist. Sei das, was du bist und dann ist dieses Werkzeug „Ego" ein Sinnesorgan, eine Erfahrung unter unendlichen Erfahrungen. Das Wachwerden, oder dieses Erwecken, ist eigentlich nur ein kleiner, totaler Wechsel von Perspektive, von einer normalen Identifikation mit der Zeit, also davon, dass du ein Kind von Zeit bist, dass du etwas Geborenes bist. Und dann gibt es nur einen ganz kleinen Tick – es verändert sich gar nichts –: auf einmal ist Zeit, alles Vorstellungsmäßige, ein Kind von dir, weil du das bist, in dem alles erscheint. Aber du bist nicht etwas Erscheinendes in etwas anderem – mehr ist nicht. Und damit verändert sich gar nichts und doch ist es nicht wie es war. Also gar keine sensationelle Veränderung. Es ist einfach – indem du bist, was du bist, nämlich das, in dem alles erscheint, indem du der absolute Träumer bist, in dem dieser absolute Traum erscheint – deine Realisation.

F: In Berlin, da hast du etwas gesagt, als du nach deiner eigenen Erfahrung gefragt wurdest, dass du fünfzehn Jahre im Licht gewesen wärest.

K: Ja, und ich habe auch dazu gesagt: Das hat nichts gebracht. Alle hören immer nur das, was sie hören wollen, aber wenn ich dann hinterher sage: Auch das hat nichts gebracht – das will keiner hören. Das heißt einfach nur, dass ich fünfzehn Jahre mit dem Licht identifiziert war, mit dem, was Gewahrsein ist und dass ich hinterher gesagt habe, dass es eben auch nichts gebracht hat.

F: Ich meine, auf die Veränderung bezogen. Du sagst ja, es verändert sich nur die Perspektive.

K: Ja – und das ist das Entscheidende.

F: Aber wenn dann so etwas kommt, wie „fünfzehn Jahre im Licht" – das ist ja schon eine totale Veränderung.

K: Ich möchte damit nur sagen, dass es nichts Besonderes ist. Das haben tausende oder Millionen vorher gemacht und es hat auch nichts gebracht. Weil alle, die ins Licht gegangen sind, sind wiedergekommen, sonst könnten sie nicht darüber erzählen.

F: Ja, aber du ja nicht.

K: Wo bin ich denn? Was ins Licht geht, kommt auch wieder. Es muss das sein, was es ist, in allen Umständen. Und Licht ist ein Umstand, möglicherweise ein Extremumstand von Licht, von Gewahrsein. Dann gibt es einen anderen Extremzustand, der vielleicht Einheit ist, Bewusstsein. Und dann gibt es einen anderen Umstand, der die Welt bedeutet, ein förmlicher Umstand von Zeit und Raum. In allen diesen Umständen musst du das sein, was du bist, sonst hat es keinen Wert. Das, was nur sein kann, was es ist, in diesem Lichtzustand und darin einen Vorteil sieht – das ist immer noch eine Idee, die Abhängigkeit bedeutet. Das habe ich auch gesagt. Du warst ja da, in Berlin, aber du hast natürlich wieder nur das gehört, was du hören wolltest. Das kennen wir ja. Das ist der Verstand, so wie er arbeitet. Er hört nur das, was er hören möchte.

F: Das habe ich gehört, aber das mit den „fünfzehn Jahren" war so sensationell für mich, dass ich das andere gleich wieder vergessen habe.

K: Ja, ja, das meine ich. Jeder ist so fasziniert von irgendeiner Besonderheit. Meistens spreche ich nicht darüber. Aber wenn ich schon mal gefragt werde, dann spreche ich es aus, als wenn es nichts gewesen ist, damit diese ganze Tralala-Geschichte von Was-auchimmer–Erleuchtung, von Licht und was sonst noch alles, eben alltäglich ist. Da ist nichts Besonderes dran. Es ist wie ein Schluck Kaffee – mehr nicht. Das hört sich alles wunderbar an, aber es bedeutet gar nichts. Für das, was du bist, ist es, wie der nächste Schluck Kaffee, eine nächste Erfahrung deiner Existenz, egal wie extrem sie auch sein mag. Nichts hat einen Vorteil für das, was du bist. Das ist der absolute Vorteil. Ob du jetzt im Licht, im Bewusstsein, im formlosen Einheitlichen oder in diesem getrennten Etwas bist – für das, was du bist, macht es kein „mehr oder „weniger. Das ist das, worauf ich immer hinweise. Du bist das, was ist – in Was-auch-immer-Umstand. Und das kann nicht mehr oder weniger werden.

F: Aber der „Schluck Kaffee", das ist ja nur von deinem Zustand aus gesehen. Von meinem Zustand aus gesehen …

K: Es ist nicht „mein Zustand".

F: Das ist dann wahrscheinlich das, wo die meisten Gurus sagen, sie sind erleuchtet – in diesem Licht.

K: Könnte man denken. Auch das ist, wie gesagt, eine Vorstellung. Es heißt auch in den Veden: „Der, der sagt, er wüsste, weiß bestimmt nicht." Und der, der denkt, er wäre erleuchtet, ist möglicherweise ein Kronleuchter, aber …

F: Aber in dem Zustand denken die ja, dass es das wäre.

K: Ja, und weil du gerade sagst, sie denken, ist es eben eine Vorstellung. Darum sagt man im Indischen: „Ein Gnani kennt keinen Gnani." Der sagt immer nein, der sagt nie ja. Das ist ein Ja-Nie. Der sagt: Das ist es auch nicht. Ist es das? Nein, nein.

F: Wie bist du dann von dem Lichtzustand in den jetzigen Zustand gekommen?

K: Welchen jetzigen Zustand?

F: Den jetzigen.

K: Gibt es einen jetzigen Zustand?

F: Und das Jetzt?

K: Wer kommt in das Jetzt? Wer kann im Jetzt sein und wer braucht das jetzt?

F: Ich brauche das jetzt.

K: Du willst einfach nur eine tollere Zeit haben. Jeder der ins Jetzt kommen möchte, möchte eine tollere Zeit haben.

F: Ach Mensch.

K: „Ach Mensch, lass mir doch wenigstens das Jetzt." Es ist auch nur eine Vorstellung, eine Idee, das Jetzt. Eine schöne Vorstellung – zugegeben – und möglicherweise eine kraftvolle Vorstellung.

F: Wie hat es dann klick gemacht, bei dir?

K: Welches Klick? Es hat nicht geklickt.

F: Doch, das hast du vorher gesagt, so ein bisschen.

K: Du könntest sagen: Das ist nebenbei, das merkst du gar nicht.

F: Das ist nebenbei?

K: Es ist wieder nichts passiert. Es ist auf einmal nur ein Gefühl: Es ist wieder mal nichts passiert.

F: Aber das merkst du doch irgendwann, oder?

K: Was denn? Was du nicht merken kannst?

F: Dass nichts passiert ist.

K: Es passiert wieder nichts. Es ist nie etwas passiert. Es war wie immer.

F: Und wie merkst du, dass es wie immer war?

K: Das merkst du eben nicht, weil es wie immer ist. Das ist es eben: Du merkst es nicht.

F: Aber die Verschiebung der Perspektive.

K: Das merkst du auch nicht. Es war immer so. Du warst immer schon das, in dem alles erschien. Das ist nichts Neues. Das ist nicht etwas, wo es peng macht und dann: „Das bin ich, der Meister und das ist alles mein Sklave." Nein! Du hast keine Ahnung. Es hat sich nichts verändert.

F: Aber wie kommst du zu der Aussage: „Die Perspektive hat sich verändert?" Die kann man ja sonst nicht machen, wenn sich nichts verändert hat.

K: Das habe ich ja versucht zu sagen, dass normalerweise das Ego deine Natur ist und auf einmal ist das Ego in dir und du nicht im Ego. Das ist aber nicht etwas, das du merkst. Du kannst nicht sagen, dass es eine Sensation ist. Das war immer so. Es ist einfach nur dieses ganz subtilste Aha, was gar kein Merken ist. Einen „non-event" nennt man es im Englischen, also ein Nicht-Ereignis. Es ist nie etwas passiert. Das ist das vollkommene, absolute Wissen: Für das, was du bist, ist nie etwas passiert. Durch alle diese Umstände, durch alle diese Veränderbarkeiten sensationeller Erscheinungen wurde das nie verändert in das, was du in deiner natürlichsten Form bist oder in das: nämlich vor jeder Idee zu sein. Und das wurde nie von irgendeiner Idee, von irgendeiner wahrnehmbaren Sensation berührt oder verändert. Und das ist wie ein Aha. Dabei passiert nichts. Alles was

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