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Im Zauber des Nordlichts

Im Zauber des Nordlichts

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Im Zauber des Nordlichts

Länge:
227 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
16. Feb. 2018
ISBN:
9783764192068
Format:
Buch

Beschreibung

Alaska 1939: Als sich die junge Krankenschwester Josie Hals über Kopf in den charmanten Piloten Johnny verliebt, scheint ihr Glück perfekt. Doch dann stürzt der tollkühne Flieger in den eisigen Bergen ab - die Suche nach ihm scheint aussichtslos. Verzweifelt wagt sich Josie selbst mit ihrem Hundeschlitten in die arktische Nacht hinaus, immer weiter nach Norden, wo Elche, hungrige Wölfe und ein geheimnisvoller Fallensteller warten. Im Zauber des Nordlichts kämpft Josie um ihre Zukunft und ihre große Liebe.Ein romantisches Abenteuer voll Spannung und Poesie im ewigen Eis Alaskas.
Herausgeber:
Freigegeben:
16. Feb. 2018
ISBN:
9783764192068
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Im Zauber des Nordlichts - Christopher Ross

Autor

1

Josie Carmack spürte die drohende Gefahr. Der eisige Novemberwind wehte von den Bergen herab und brachte eisige Kälte aus dem Norden mit. Als wäre der Wintergeist der Indianer aus den Bergen gekommen, um sie mit seinen frostigen Händen zu berühren. Aus dem Wald, der wie eine schwarze Wand unter dem abendlichen Himmel lag, schienen warnende Stimmen zu kommen. Die Hunde waren nervöser als sonst, bellten laut und zerrten unruhig an ihren Geschirren. »Easy, Randy«, rief sie dem stämmigen Leithund zu. Vielleicht ein aufkommender Sturm, dachte sie, oder ein Wolfsrudel, das sich in die Täler verirrt hatte.

Sie verdrängte die quälenden Gedanken und half den Hunden über einen Hügel hinweg. Mit kräftigen Tritten schob sie den Schlitten an. »Was ist los mit euch?«, forderte sie die Hunde heraus. »Habt ihr keine Lust mehr? Wenn wir uns nicht beeilen, macht Dad sich Sorgen! Ihr wisst doch, wie er ist!« Die Hunde beschleunigten das Tempo und hetzten durch den staubenden Schnee. »Go! Go! Zeigt, was ihr könnt, ihr müden Helden!« Josie feuerte die Huskys unermüdlich an, schrie »Gee!« und »Go! Go!«, wenn es nach rechts ging, und »Ho! Nun lauft schon!«, wenn eine Linkskurve vor ihnen lag.

Sie kannte jeden Fußbreit der breiten Forststraße, die am Ufer eines zugefrorenen Baches durch die Wildnis führte. Fast immer wenn ihr Einsatzplan im Krankenhaus es erlaubte und sie zwei freie Tage hintereinander hatte, fuhr sie mit dem Hundeschlitten zu ihrem Vater. Bob Carmack wohnte in einem Blockhaus am Ufer des Yukon, arbeitete im Sommer für ein Sägewerk, das Brennholz an die vorbeifahrenden Flussdampfer verkaufte, und ging im Winter auf Pelztierjagd. Die Fahrt dauerte fast einen ganzen Tag und war genau das richtige Training für die Hunde, wenn Josie wirklich am großen Rennen nach Livengood teilnehmen wollte.

Seit ein paar Monaten, als sie die Meldung von dem geplanten Rennen im »News-Miner« gelesen hatte, war sie geradezu von dem Gedanken besessen, einen der Pokale für die drei Erstplatzierten zu gewinnen. Das war sie ihrer Mutter schuldig, die vor ein paar Jahren bei einem Rennen tödlich verunglückt war. Elli Carmack war eine der ersten Frauen gewesen, die an einem Schlittenhunderennen teilgenommen hatten. In den dreißiger Jahren hatte es nur Sprintrennen über zwanzig, dreißig Meilen gegeben, und die Chancen ihrer Mutter, einen solchen Spurt zu gewinnen, waren nicht schlecht gewesen. Selbst die Indianer hatten ihr Team gelobt. Das Unglück war nur passiert, weil ihr Leithund sich den Magen verdorben und auf einer abschüssigen Strecke in den Leinen verfangen hatte. Sie stürzte mit ihrem Schlitten einen steilen Abhang hinab und schlug mit dem Kopf gegen einen Felsen. Sie war bereits tot, als einer der anderen Musher sie im Schnee liegen sah und den Arzt alarmierte.

Das erste Langstreckenrennen sollte im März 1940 stattfinden und von Fairbanks nach Livengood und zurück führen. Eine Strecke von hundertsiebzig Meilen durch unwegsames Gelände, über schroffe Berge und durch tiefe Schluchten. Die Veranstalter hatten mehrfach betont, dass es keine geräumte Piste geben würde. Wer dieses Rennen gewinnen wollte, musste ein ausdauerndes Team besitzen, das auch vor tiefem Schnee nicht zurückschreckte. »Na, was meint ihr?«, rief sie den Hunden zu. »Schafft ihr das? Ihr werdet mich doch nicht blamieren, oder?«

Sie ließ ein lautes »Heya! Heya!« ertönen und verlagerte geschickt ihr Gewicht, als der Schlitten über einige Bodenwellen holperte. Eine halbe Meile weiter ging es einen steilen Hang hinauf. Sie sprang von den Kufen und half den Hunden die Steigung zu erklimmen. Der Schnee war nass und schwer und sie kamen nur langsam voran. »Vorwärts! Nur keine Müdigkeit vorschützen! Willst du wohl laufen, Randy?« Der Husky stammte aus einem Wurf des Leithundes, der das Team ihrer Mutter angeführt hatte, und trug denselben Namen. »Du hast einiges gutzumachen, Randy, vergiss das nicht!« Randy war kein geborener Leithund gewesen, hatte sich immer dagegen gewehrt, ein Geschirr zu tragen, und wütend nach den anderen Hunden geschnappt, wenn sie ihm zu nahe gekommen waren. »Randy muss erst erwachsen werden«, hatte Josie immer gesagt und Recht behalten. Seitdem sie fast jeden Tag mit dem Gespann trainierte, konnte sie sich keinen besseren Leithund vorstellen.

In einer Senke, am Ufer eines zugefrorenen Flusses, legte sie eine kurze Pause ein. Sie verankerte den Schlitten mit einem Holzpflock, der mit einer ledernen Leine an dem Gestell befestigt war, zog die Thermosflasche mit dem heißen Tee aus ihrem Proviantsack und nahm einen großen Schluck. Nervös ließ sie ihren Blick über den dunklen Waldrand am anderen Ufer wandern. Sie hatte immer noch das Gefühl, beobachtet zu werden. Selbst das Nordlicht über den Baumspitzen wirkte bedrohlich. Wie vom Wind entfacht, leuchtete das Himmelsfeuer in der Dunkelheit. Es zauberte helle Schatten auf den Schnee und ließ die aufgeworfenen Eisbrocken im Fluss wie riesige Edelsteine erstrahlen. Das ferne Heulen eines Wolfes drang von den Bergen herab.

Josie war die unheimliche Stille des hohen Nordens gewohnt. Sie war in Alaska aufgewachsen und niemals auf dem »Festland« gewesen. So nannten die Leute in Alaska die Vereinigten Staaten. Die weißen Sandstrände von Kalifornien kannte sie nur von einem Kalender, den ihre Freundin in der Küche aufgehängt hatte. »Eines Tages treffe ich einen reichen Filmstar und dann geht’s ab in die Sonne!«, tönte sie in ihrem unverwechselbaren irischen Dialekt. Sie sprach reines Irisch, obwohl sie in einem winzigen Dorf in der Nähe von Anchorage aufgewachsen war. Ihre Eltern waren gezwungen gewesen, die alte Heimat zu verlassen, und hatten sich nie damit abgefunden, in Alaska leben zu müssen. Josie schmunzelte, als sie an den raubeinigen Vater ihrer Freundin dachte, und griff instinktiv nach ihrem Revolver, als sie ein Geräusch hörte. Der 44er-Colt lag griffbereit in ihrem Vorratsbeutel, wegen der Bären und Wölfe, vor allem aber wegen der Elche, die sehr gefährlich werden konnten, wenn sie den Weg eines Hundeschlittens kreuzten.

Sie blickte sich aufmerksam um und entdeckte ein Kaninchen, das in raschen Sprüngen über den vereisten Fluss hetzte und zwischen den Bäumen am anderen Ufer verschwand. Zögernd steckte sie den Revolver zurück. Das Gefühl einer drohenden Gefahr ließ sich nicht vertreiben. Wären die Hunde nicht so unruhig gewesen, hätte sie ihre Nervosität auf den bevorstehenden Besuch bei ihrem Vater geschoben. In letzter Zeit war er noch mürrischer geworden. Er war niemals über den Tod seiner Frau hinweggekommen und empfand sein Leben wie eine Strafe. Seine Tochter beschuldigte er, ihn im Stich gelassen zu haben. Wenn er besonders schlechter Laune war, hielt er ihr vor, das Schicksal herauszufordern, indem sie an dem Rennen teilnahm. »Reicht es denn nicht, dass deine Mutter umgekommen ist?«

An diesem Fluss war es geschehen. Zwei Meilen weiter nördlich, wo steile Felsen zu beiden Ufern aufragten. Nach dem Tod ihrer Mutter hatte sie ihr Vater alle paar Tage zu der Unfallstelle mitgenommen. Er hatte ein Kreuz in den Boden gerammt und pflegte die Stelle wie ein Grab, legte während des kurzen Sommers sogar Blumen nieder. Das richtige Grab ihrer Mutter lag in Fairbanks, doch ihr Vater kam sehr selten in die Stadt und behauptete, dass die Seele ihrer Mutter noch immer an der Unfallstelle war. »Sie findet keine Ruhe, Josie, sie findet keine Ruhe!«

Sie zog den Holzpflock aus dem Schnee und scheuchte die Hunde auf. »Genug gefaulenzt, Randy! He, Chip, lass den Unsinn! Spar dir deine Kräfte für den Rest des Weges! Das gilt auch für dich, Fancy! Bullet, warte gefälligst, bis die anderen Hunde so weit sind!« Josie und ihre Tiere waren eine Familie, auch wenn Maggie und die anderen Krankenschwestern darüber lachten, dass sie jeden der zehn Hunde mit Namen ansprach und viel mit ihnen redete, um ihnen das Gefühl zu geben, zu ihr zu gehören. Doch nur wenn sie eine eingeschworene Gemeinschaft mit ihrem Team bildete, hatte sie eine Chance, auf einem vorderen Platz zu landen. »Vorwärts, Randy! Lauft endlich!«

Josie trieb das Gespann aus der Senke und durch den tiefen Schnee auf die Forststraße zurück. Ihre Anfeuerungsrufe hingen wie ein Echo in der Luft. Obwohl es erst vier Uhr nachmittags war, lag düsteres Zwielicht über dem Land. Im Winter ließ sich die blasse Sonne nur für ein paar Stunden am Horizont blicken. Dafür war es während des Sommers bis spät in die Nacht taghell. Die Menschen in Alaska waren an diesen Wechsel gewöhnt. Josie, die sich nach dem Schichtplan des Krankenhauses richten musste, machte sowieso keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht. Sie arbeitete seit einem halben Jahr im St. Joseph’s Hospital und wunderte sich manchmal selbst, wie es ihr gelang, die harte Arbeit in der Chirurgie und das Training mit den Hunden unter einen Hut zu bringen.

Auf einer abgeholzten Lichtung endete die Forststraße und Josie war gezwungen, den schmalen Fluss zu überqueren und durch den Wald zum Blockhaus ihres Vaters zu fahren. Unter den weit ausladenden Fichten war der Schnee nicht so hoch und sie kam zügig voran, obwohl sie den Himmel kaum sehen konnte und die Bäume nur schemenhaft zu erkennen waren. Die Hunde kannten den Weg und folgten dem schmalen Pfad, der unter dem Schnee verborgen lag. Sie blieb mit beiden Füßen auf den Kufen stehen und duckte sich unwillkürlich, wenn nasser Schnee von den Zweigen regnete. Das Hecheln der Hunde und die scharrenden Geräusche der Kufen auf dem harschen Schnee klangen hohl und unheilvoll.

Nach einer knappen Stunde hatte sie den Wald durchquert und der sternenübersäte Himmel kam ihr beinahe taghell vor. Sie hielt den Schlitten an. Das Nordlicht schimmerte in zarten Farben und spiegelte sich auf dem Schnee. Vor ihr führte ein abschüssiger Hang in eine weite Senke hinab, die sich bis zu den Ausläufern der Berge im Norden ausbreitete. Ein schmaler Fluss, der von einer dichten Eisschicht bedeckt war, schlängelte sich durch das Tal. Am westlichen Ufer erhob sich ein großes Blockhaus. Aus dem Schornstein quoll Rauch, nur eines der Fenster war beleuchtet. Hier hatte sie ihre Kindheit verbracht, fernab der Zivilisation, im »Busch«, wie die Leute in Alaska sagten. Sogar zur Schule war sie in dem Blockhaus gegangen. Ihre Mutter hatte sich die Bücher kommen lassen und ihr Unterricht gegeben. Elli Carmack war selbst einmal Lehrerin gewesen. Nur das College hatte Josie in der Stadt besucht. Nach dem Tod ihrer Mutter war sie noch einmal nach Hause gekommen, nur für ein paar Monate, wie ihr Vater immer wieder betonte.

Sie lenkte den Schlitten ins Tal hinab und hielt hinter dem Haus. Neben dem alten Pick-up, mit dem ihr Vater im Sommer nach Fairbanks fuhr, und den Überresten des Schlittens, der ihrer Mutter gehört hatte, stieg sie von den Kufen. Sie zog ihre Handschuhe aus, befreite die Hunde von den Leinen und band sie an die Pflöcke. In den Holzhütten, die ihr Vater gebaut hatte, war frisches Stroh aufgeschüttet. Er war auf ihren Besuch vorbereitet und doch lag in allem, was er ihr zuliebe tat, der stille Vorwurf, zu Hause habe sie es besser als »in der Fremde«. Sie tätschelte ihren Leithund und flüsterte ihm ein »Gut gemacht, Randy!« ins Ohr.

Als sie sich zum Haus wandte, sah sie ihren Vater mit dem Wasser für die Hunde durch die Hintertür kommen. »Du hättest auch ein bisschen früher kommen können«, brummte er. Er füllte die Wassertröge und berührte seine Tochter an der Schulter. »Der Elcheintopf steht seit drei Stunden auf dem Herd!«

»Hallo, Dad«, begrüßte Josie ihn. »Schneller geht es nicht, das weißt du doch. Wenn ich die Hunde zu stark antreibe, machen sie bis März schlapp.« Sie nahm den Vorratsbeutel vom Schlitten und ging zum Haus. »Ich hab dir frische Milch und Butter und ein paar Eier und etwas Gemüse mitgebracht.« Sie öffnete die Tür und ließ ihren Vater vorangehen. »Wie geht es dir, Dad?«

Bob Carmack stellte den Wassereimer in den Geräteschrank und ging zum Herd. Er füllte heißen Elcheintopf in die bereitstehenden Teller und stellte sie auf den Tisch. Aus der spärlich beheizten Speisekammer holte er Bier und Limonade. »Setz dich«, forderte er seine Tochter auf. Er war ein kräftiger Mann mit breiten Schultern und einem leicht gebückten Gang, als trüge er ständig eine schwere Last auf seinen Schultern. Sein Gesicht war von zahlreichen Falten durchzogen, die ihn älter aussehen ließen, als er wirklich war, und seine Augen blickten traurig und verbittert. Er trug graue Wollhosen und einen dunklen Pullover, den seine Frau kurz vor ihrem Tod gestrickt hatte. »Iss!«, sagte er. »Ich wette, im Krankenhaus bekommst du nur Hamburger und Hot Dogs und so was! Schau nur, wie dünn du geworden bist!«

»Das Essen im Krankenhaus ist besser, als du denkst«, erwiderte sie, nachdem sie den ersten Bissen genommen hatte. Ihr Vater war kein besonders guter Koch, aber sein Elcheintopf war unübertrefflich. Er hatte sich das Rezept über den Herd gehängt. »Und zu Hause esse ich auch ordentlich. Wir wechseln uns ab.«

»Du und diese Maggie?« Er blickte sie über den Löffel hinweg an. »Manchmal frage ich mich, ob es richtig war, mit dieser … dieser Irin zusammenzuziehen. Die hat doch nur Unsinn im Kopf!«

»Maggie ist in Ordnung«, sagte sie schärfer als beabsichtigt. »Okay, manchmal schlägt sie etwas über die Stränge, aber sie ist meine beste Freundin und die beste Krankenschwester, die ich kenne!« Sie hütete sich, ihrem Vater von der wilden Geburtstagsparty vor zwei Monaten zu erzählen, als Maggie singend durchs Krankenhaus gezogen und alle Patienten ihrer Station zu Champagner eingeladen hatte. »Der Eintopf schmeckt gut, Dad.«

»Ist ein altes Rezept von deiner Mutter«, gab er dieselbe Antwort wie jedes Mal, wenn er für sie beide gekocht hatte. Seine Augen wurden feucht. »Ich wollte, sie wäre noch hier und alles wäre wie früher!« Er hielt mit dem Essen inne und blickte sie lange an. »Warum kommst du nicht zurück, Josie? Was ist an dem Leben in Fairbanks dran, dass du unbedingt dort bleiben willst? Hier hättest du doch alles, was du brauchst! Die Arbeit im Sägewerk bringt genug und im Winter könnten wir zusammen Pelztiere jagen und die Fallen ablaufen. Die Arbeit im Krankenhaus ist nichts für eine junge Frau! Mom hätte bestimmt nicht gewollt …«

»Lass Mom aus dem Spiel!«, erwiderte Josie scharf. »Mom war immer dafür, dass ich aufs College gehe und einen anständigen Beruf lerne!« Als sie den bestürzten Gesichtsausdruck ihres Vaters sah, zwang sie sich zu einem Lächeln und fuhr etwas sanfter fort: »Warum müssen wir immer streiten, Dad? Jedes Mal wenn ich dich besuche, geht es um das Gleiche! Ich liebe dich, Dad, das weißt du doch, und ich tue alles, damit es dir gut geht. Aber du kannst die Zeit nicht zurückdrehen! Ich bin erwachsen!« Sie nahm einen Schluck von ihrer Limonade. »Ich habe einen Beruf und kann mich nicht dauernd um dich kümmern! Ich bin Krankenschwester! Gerade jetzt werden Schwestern gebraucht!«

»Du meinst wegen dem Krieg?« Er schüttelte unwirsch den Kopf. »Der Krieg ist weit weg, mein Kind, und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir uns da reinziehen lassen!«

»Die Soldaten in Fairbanks reden anders, Dad. Maggie war mit einem Captain befreundet und der sagte, dass ein kleiner Funke genügt um das Pulverfass zu sprengen. Er konnte ihr nicht sagen, welcher Funke das sein soll, aber es klang ziemlich ernst.«

Ihr Vater winkte ab. »Der wollte sich doch nur wichtig machen! Nein, hier draußen bekommen wir von diesem Krieg bestimmt nichts mit.« Er trug seinen leeren Teller zum Spülstein, wischte sich den Mund mit dem Geschirrtuch ab und kehrte zum Tisch zurück. Nachdem er einen großen Schluck von seinem Bier getrunken hatte, fragte er: »Wie kommst du mit den Hunden voran?«

Josie stellte zufrieden fest, dass ihr Vater einem Streit aus dem Weg gehen wollte, und antwortete: »Sie machen sich gut, Dad, besonders Randy, der ist ein richtig guter Leithund geworden.«

»Randy …«, wiederholte Bob Carmack nachdenklich. Natürlich meinte er den Leithund seiner verstorbenen Frau. »Randy war ein guter Hund. Hätte er sich damals nicht den Magen verdorben, hätte Elli das Rennen gewonnen und alles wäre ganz anders gekommen. Deine Mutter konnte mit Hunden umgehen.«

»Ich weiß, Dad. Ich weiß.«

»Sie wäre als Erste ins Ziel gegangen, ganz bestimmt.«

»Im März werde ich gewinnen, Dad. Bis nächsten März sind die Hunde in Form. Wenn ich Bullet dazu bringe, zwei oder drei Pfund abzunehmen, und Fancy die Beißerei abgewöhne, kann uns nichts passieren! Dann schlägt uns nicht mal der Indianer!«

»Yukon Charly? Der hat ein gutes Team.«

»Ich bin besser, Dad. Du wirst sehen.«

Sie wussten beide, dass schon ein Platz unter den ersten fünf ein großer Erfolg gewesen wäre, sagten aber nichts. Schweigend spülte Josie die Teller ab und stellte sie in den Schrank. Während sie abtrocknete, stopfte ihr Vater sich eine Pfeife und zündete sie an.

»Irgendwas ist da draußen«, sagte Josie, als sie das Handtuch an den Haken hängte. Sie ging zum Fenster und kratzte einige Eisblumen von der Scheibe. »Sieht ziemlich düster aus heute.«

»Wird ein Sturm sein«, erwiderte ihr Vater. Er zog nachdenklich an seiner Pfeife. »Wir hatten lange keinen Sturm mehr.«

2

In dieser Nacht schlief Josie sehr unruhig. Sie übernachtete in dem Zimmer, das sie bereits als kleines Mädchen bewohnt hatte, und schreckte zweimal aus einem bösen Traum. Sie war

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