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Der Schwarze Captain

Der Schwarze Captain

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Der Schwarze Captain

Länge:
478 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 12, 2018
ISBN:
9781386039815
Format:
Buch

Beschreibung

Der Schwarze Captain

Western von Larry Lash

Der Umfang dieses Buchs entspricht 442 Taschenbuchseiten.

Als Juan nach guten Geschäften nach Hause kommt, muss er feststellen, dass ihn seine Frau verlassen hat, ein verwegener Bandit hat sie verführt und sie und den Sohn von Juan mit sich genommen. Juan wird von ungeheurer Rachsucht erfüllt und macht sich daran, die ganze Bande nach und nach auszulöschen. Schon bald wird der Schwarze Captain genannt. Jahre später gibt es noch immer einen Schwarze Captain, doch niemand weiß genau, wer sich hinter diesem Namen verbirgt. Tatsache ist jedoch, dass er sowohl auf der guten, wie auch auf der dunklen Seite agiert. Wer versteckt sich hinter diesem Namen?

Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 12, 2018
ISBN:
9781386039815
Format:
Buch

Über den Autor


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Der Schwarze Captain - Larry Lash

Publisher

Der Schwarze Captain

Western von Larry Lash

Der Umfang dieses Buchs entspricht 442 Taschenbuchseiten.

Als Juan nach guten Geschäften nach Hause kommt, muss er feststellen, dass ihn seine Frau verlassen hat, ein verwegener Bandit hat sie verführt und sie und den Sohn von Juan mit sich genommen. Juan wird von ungeheurer Rachsucht erfüllt und macht sich daran, die ganze Bande nach und nach auszulöschen. Schon bald wird der Schwarze Captain genannt. Jahre später gibt es noch immer einen Schwarze Captain, doch niemand weiß genau, wer sich hinter diesem Namen verbirgt. Tatsache ist jedoch, dass er sowohl auf der guten, wie auch auf der dunklen Seite agiert. Wer versteckt sich hinter diesem Namen?

BERNHARD BÖMKE SCHRIEB als Bernd Bömke gleich nach Kriegsende, also Anfang der 1950er diesen großen Roman aus dem amerikanischen Westen – jung und unverbraucht und in einer kraftvollen Sprache, die damals seinesgleichen gesucht hat. 

Damit gehört das zweibändige Leihbuch aus der Verlagsbuchhandlung HEINZ BREHM zu den Kleinoden der Westernliteratur und liegt hiermit erstmals in deutscher Sprache vor.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Tony Masero, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Erster Teil: Das Vermächtnis des Schwarzen Captains

1. Kapitel: Die Wölfe

Eisig peitschte der Wind wirbelnde Schneeflocken vor sich her. Alles war weiß, die Luft, die Erde. Wo ist „Oben, wo „Unten? Nur das Gefühl der Schwerkraft deutete an, dass der einsame Mann, der verfroren im Sattel seines schwarzen Pferdes saß, noch nicht von Mutter Erde in die weiße Einsamkeit, die ihn ringsherum erdrückend umgab, aufgelöst und aufgesogen war.

Pfeifend grelle Töne beunruhigten den Einsamen. Aufmerksam lauschte er nach vorn. Nichts ... Ab und zu tauchte vor ihm der schlanke Hals seines Hengstes auf, der, vom Schnee verdeckt, kaum sichtbar war. Klatschend schlug die Wolldecke, die er schützend um seinen Körper gezogen hatte, auseinander, flatterte, knallte, so dass der Gaul entsetzt die Ohren hochstellte und ein schrilles Wiehern hören ließ. Es war, als ob der Reiter erlöst aufatmete ... Endlich ein Laut, welcher ihm bekundete, dass sein treuer Begleiter hellwach den Gefahren der Wildnis gegenüberstand.

Die grellen, bis ins Mark dringenden Töne verstärkten sich; man konnte glauben, dass ein Kobold auf dem Hals des Mustangs saß, um Pferd und Reiter zu erschrecken.

Die Augen des Mannes schmerzten und tränten. Wie glühende Nadeln biss der Wind in die Haut des unbedeckten Gesichts.

Schwer, ja, keuchend arbeitete die Brust, denn der Wind verschlug den Atem. Ohne einen Weg oder irgendeinen Baum zu erkennen, der etwa als Anhaltspunkt hätte dienen können, verließ sich der Mann nur auf das Gefühl des Tieres. Der Weiße Tod belauerte die beiden Wesen aus Fleisch und Blut, er streckte gierig seine Krallen aus.

Juan Avelinos wischte sich mit der Hand über die blaue Schutzbrille, die er zum Schutze gegen die Schneeblindheit aufgesetzt hatte, und dachte nach.

Noch zwei Stunden, und er würde bei seiner lieben jungen Frau und seinem Jungen sein. Magdalena war wie er spanischen Blutes. Sanft, biegsam, mit feurigen großen Augen, die glutvoll entflammen konnten. Er liebte diese unberechenbare Frau und vertraute ihr.

Nur seine Arbeit behagte ihm nicht. Wochenlang war er unterwegs, kaufte Felle auf und tauschte sie bei den Trappern für Ware wie Tabak, Kaugummi, Salz, Gewürze, kostbare Pelze. Im bestem Mannesalter stehend, dazu eine reizende, bezaubernde Frau und einen Knaben von 15 Jahren, war es verständlich, dass er sich auf die kurzen Stunden des Zuhauseseins freute. Vor allem jetzt. Seine Frau war hoch in Hoffnung. Vielleicht konnte er schon den neuen Erdenbürger begrüßen.

Ein Glücksgefühl durchflutete den Mann ... Er kannte seine Frau ... wenn auch widrige Nachbarn behaupteten, dass Magdalena mit einem verwegenen Burschen ein Verhältnis hätte ...

Seine Frau? Nein! Nie!

In Juan Avelinos’ Adern rauschte das Blut tatkräftiger Eroberer. Mag der Teufel wissen, wie die Avelinos nach dem Westen verschlagen wurden. Von Spanien stammend war sein Ahnherr an der Spitze kühner Krieger ins Inkareich vorgedrungen. Schaurig tobte der Kampf um das gleißende Gold. Obwohl die Inkas grausige Methoden beim Angriff anwandten, indem sie den Körpern ihrer gefallenen Feinde das Knochengerüst aus dem Leibe rissen, den Leichnam aufschnitten und ihn sich über den Kopf stülpten, um ihre Gegner zu erschrecken, waren die Eroberer noch grausamer.

Irgendwie war auch in Juan das ungebärdige Temperament der Vorfahren vorhanden. Dunkel und forschend schien sein Blick in den Seelen der Menschen zu lesen. Kräftig und breit in den Schultern, schmal in den Hüften, dazu das scharf geschnittene Profil des Gesichts und das schwarze Haar – alles in allem, er war ein Mann, der gefallen konnte.

Von seiner frühesten Kindheit an mit dem Colt vertraut, im Sattel zu Hause, ein Meister des Lassos, war er ein Gegner, den sich keiner zum Feind machte. Man sprach von ihm in Eidsvold und Charleston. Sein Ruf ging weit ins Land, aber er blieb einfach und schlicht. Er war ein Freund der Gerechtigkeit und hasste alles Niedrige.

Der weiße Nebel wurde immer dichter. Nicht einmal die Hand vor den Augen konnte der Reiter sehen. Auch der Wind nahm an Schärfe zu.

„Was mochte sein einziger Sohn sagen, wenn er bald ein Schwesterchen, wenn es der Zufall wollte, einen Bruder bekommen würde? Juan war stolz auf seinen Sohn, der vieles von seiner Art geerbt hatte, und doch ... irgend etwas störte ihn. Vielleicht kam es daher, dass er oft unterwegs und der Junge zu sehr sich selbst überlassen war. „Bald wird es anders werden, sinnierte er; dann könnte Alberto, sein Sohn, ihn begleiten. Gemeinsam würden sie reiten.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht; es würde schön werden, sehr schön. Wenn nun der erwartete Erdenbürger auch noch ein Junge wäre? Dieser Gedanke beflügelte seine Sinne. Er setzte die Sporen an. Unwillig schnaubte der Gaul.

Auf einmal hörte das Pfeifen auf. Der Reiter stutzte, denn sein Ohr hatte sich an das Geräusch gewöhnt. Etwa zwei Meter vor ihm ragten gleich grauen Schatten die Baumstämme eines Waldes, wie Gespenster anzusehen, empor. Nun erst kam er dahinter, wie die eigenartigen schrillen Töne erzeugt worden waren. Der schneidende Wind verfing sich in den Mähnenhaaren des Mustangs und spielte auf diesen sonderbaren Saiten eine bis ans Mark dringende Melodie.

Erstaunt musterte der Verfrorene die Umgebung. Denn ohne, dass er es bemerkte, hatte das dichte Schneegestöber vollständig aufgehört. Nur der Wind heulte seine klagende Weise in die einsetzende Dämmerung hinaus.

Es konnte nicht mehr allzu weit bis Eidsvold sein. Der schwarze Hengst hatte sich noch nie verirrt. Gleich traurigen Gestalten standen die Bäume da, ihres Blätterdachs beraubt. Meterhoch angewehter Schnee machte die Passage zum Wald unmöglich.

„Da drinnen im Walde muss es erträglich warm sein", dachte Juan und schüttelte sich. In seiner Vorstellung kreisten die Gedanken nur um Wärme. Er dachte an die glutvollen Strahlen der Sonne, an die gemütliche Ofenhitze, um sich selbst zu erwärmen.

Langsam ritt, er am Waldessaum entlang. Mühsam bahnte sich der Mustang durch den weichen Schnee einen Weg. Stellenweise reichte die weiße Decke bis an die Stiefelschäfte des Reiters. Es sah aus, als ob der schwarze Gaul sich schwimmend fortbewegte und jeden Augenblick untergehen wollte.

Höchste Zeit war es, dass der Reiter ein Dach über seinen Kopf bekam, denn die Dunkelheit verbreitete sich beängstigend schnell.

Eigenartig heulende Töne klangen auf.

„Wölfe ...!", durchfuhr es Juan eisig.

Seine Hand griff automatisch zum Colt. „Das hat gerade noch gefehlt!" Auch auf den Mustang verfehlte der klagende Gesang seine Wirkung nicht. Mit unfehlbarem Instinkt verließ das Tier den schützenden Waldsaum, um das freie Gelände zu erreichen! Hier war der Schnee fest. Der Wind hatte den losen Schnee bis zum Walde getrieben, wo er von den Bäumen aufgehalten wurde. Knirschend zertraten die schnellen Hufe die weiße Decke.

Juans scharfe Augen spähten in die Dunkelheit. Der Fluss ...? Sie mussten doch in der Nähe des Flusses sein! Er wusste, dass jede Sekunde Vorsprung ihn retten konnte; denn die Wölfe mussten den Pferdegeruch mit dem Wind gewittert haben und sich nun auf seine Spur setzen. Er kannte die Gefahren der Wildnis.

Schon hörten seine empfindlichen Ohren den Sammelruf des Leitwolfes. „Ein starkes Rudel", schloss er aus den antwortenden Stimmen.

Der Rappe warf den kleinen Kopf hoch und preschte mit einer verblüffenden Schnelligkeit davon; erlöst atmete der Reiter auf.

Undeutlich, aber doch erkennbar, sah er die gefrorene Fläche des Flusses in vielen Windungen auftauchen. Ein Blick nach hinten ließ ihn erschauern.

Schemenhaft, hechelnd kamen die Wölfe heran ... in weiten Sätzen. Der Hunger trieb sie voran. Gier und Mordlust flammten in den grünen, höllischen Augen. Die mageren Flanken und struppigen Felle zeugten davon, dass sie lange nichts gerissen, lange ihren nagenden Hunger nicht gestillt hatten.

Schneewolken stäubten unter ihren rasenden Läufen auf, und die in furchtbarer Angriffswut auf den Fliehenden gerichteten Lichter leuchteten gleich hellen Flammen.

Der Hengst gab sein Letztes her. Wie von der Sehne geschnellt schoss er dahin; leichter Schweiß bedeckte seinen Körper. Aber die Verfolger ließen nicht locker. Durch den Pferdeschweiß erregt, ließen sie ein grausiges Geheul ertönen.

Mit weiten Sätzen flog der Leitwolf dem Rudel voran. Es war ein ausgesprochen starkes Tier mit leuchtenden Fangzähnen und breiter Brust.

Zusehens verringerte sich der Abstand  ... noch ein paar Sprünge, und die Beute war erreicht.

Da drehte sich Juan im Sattel um. Er sah den dunklen Körper des Leitwolfes, die gelblich

grünen Augen, riss den Colt heraus und schoss.

Sich mehrmals überrollend blieb der Angreifer in seinem eigenen Blute liegen. Bestienhaft stürzten die Nachfolgenden auf den Kadaver, zerrissen und zerstückelten ihn, verschlangen in wilder Gier das Erhaschte und nahmen dann die Hetze wieder auf.

Der kleine Vorsprung, den Avelinos herausgeholt hatte, verringerte sich mit zunehmender Schnelligkeit. Das geschlossene Rudel rückte in breiter Front heran.

Entschlossen lenkte Juan seinen Mustang zu einer verlassenen Zitterpappel, sprang aus dem Sattel, ein Satz, ein Ruck, und er saß auf dem untersten Ast des Baumes, gerade früh genug, um einen Wolf zu sehen, der von den harten Hufen seines Hengstes getroffen, wie ein Knäuel durch die Luft flog und tot zwischen den Angreifern landete.

Da bellte seine Pistole in kurzer Reihenfolge. Zerriss mit lautem scharfen Knall die Nacht, und graue Schatten wälzten sich am Boden. Geheul erscholl, wiehernd keilte der Hengst mit der Hinterhand derbe, gut gezielte Tritte aus. Mit fliegender Hast füllte Juan die leeren Patronenkammern nach, zielte kurz und schoss – einmal, zweimal – sprang vom Ast in den Sattel, schoss nochmals und sauste davon.

Die Wölfe balgten sich um ihre schaurige Mahlzeit.

Juan Avelinos wusste, dass er vorerst Ruhe haben würde und ließ sein Tier in Schritt fallen.

Bei der wilden Jagd war ihm heiß geworden. Sein Rappe dampfte; es tat Not, dass dieser abgerieben wurde und in einen warmen Stall kam. Seine Gedankengänge wurden vom Schnauben des Tieres unterbrochen.

Winzig klein schimmerten in der Ferne die Lichter von Eidsvold. Bald waren sie daheim. Im schnellen Trab eilte das Pferd. Eine halbe Stunde, und das Ziel würde erreicht sein.

Die Freude schien Juan zu ersticken. Drei Monate war er fort gewesen – drei lange Monate. Gleich würde er Magdalena in die Arme schließen, ihr von seinen Erfolgen berichten können. Was würde sie sagen, wenn er ihr mitteilte, dass sein Plan, eine Farm zu kaufen und eine Herde zu halten, endgültig in Erfüllung gegangen war. Seine Magdalena – aufjubeln würde sie, ihre großen Augen würden auf ihn gerichtet sein mit Verwunderung und aufrichtigem Stolz. Es war gut, dass er niemals von seinem Vorhaben berichtete. Die Überraschung musste um so größer auf seine Frau wirken.

Die Ölfunzeln der kleinen Holzhäuser von Eidsvold warfen rötlich-gelbes Licht nach außen. Kein Mensch schien unterwegs zu sein. Nur aus Ikey Tramps Kneipe tönte raues Gelächter. Juan ritt an der Gaststätte vorbei, ohne einen Blick zu verlieren. Es trieb ihn heim, unwiderstehlich heim.

Der Wirt, Ikey Tramp, hatte an Juan noch nichts verdienen können; denn dieser mied das Lokal, obwohl er den Inhaber der Schnapshölle gut kannte und des öfteren mit ihm ins Gespräch gekommen war.

Da stutzte der Reiter. Nanu – sollte seine Frau schon schlafen? Um diese Zeit? Sonderbar!

Dunkel, verlassen lehnte die kleine Hütte seiner Behausung an Charles Browns Bank, einem aus festem Eichenholz verfertigten Bau.

Beunruhigt stieg er vom Pferd, führte es zum Schuppen und band es fest. Fast zaghaft pochte er an die Tür und lauschte. Nichts! Er klopfte stärker. Sollten die beiden einen so tiefen Schlaf haben?

Entschlossen drückte er auf die Klinke. – Komisch! Nicht einmal verriegelt! Dies war doch sonst nicht Magdalenas Angewohnheit. Sie, die immer Ängstliche, auf einmal so unvorsichtig? Ausgeschlossen, hier stimmte etwas nicht! Mit angespannten Sinnen, hellwach, trat er ins Zimmer. Tiefe Dunkelheit umgab ihn. Er tastete zum Tisch, hielt sich daran fest und lauschte wieder. – Nichts, kein Geräusch, gar nichts, nur sein erregtes Herz pochte schwer.

„Magdalena!" Aus gequälter Brust kam dieser Schrei und zerriss die Luft.

Licht flammte auf. Ein leiser Luftzug ließ die Flamme flackernde Schatten auf das totenblasse Gesicht des Mannes werfen. Seine Augen starrten groß und unsicher zu der offenen Tür, die zum Schlafzimmer führte.

Fast unwirklich erkannte man die Betten. Mit zusammengekniffenen Lippen, Schritt für Schritt, in der rechten Hand eine Kerze, ging er vorwärts. Es zuckte in seinem Gesicht.

„Magdalena!" Wieder stammelte er den Namen der geliebten Frau.

Was mochte in seinem Innern vorgehen?

Er sah, dass von seiner Frau und seinem Jungen nicht die geringste Spur vorhanden war, unberührt lagen die Betten, leichter Staub lagerte auf allen Möbelstücken.

Wortlos, mit einem erstickten Schluchzen, setzte er sich und vergrub das Gesicht in beiden Händen. Er sah nicht, dass die Kerze immer kleiner wurde, sah nicht, wie der Docht im weichen, aufgelösten Wachs langsam unterging, als wäre er eine sterbende Seele.

ERST ALS DER MORGEN graute, verließ Juan seine Wohnung. Er war über Nacht ein anderer geworden. Im Schuppen fütterte er seinen Hengst, hielt den Kopf des Tieres mit beiden Händen und redete mit dem Pferd, als wäre es sein bester Freund.

„Was meinst du dazu? Verwandte hat sie hier nicht, und Bekannte suchte sie niemals auf. Magdalena ist schon lange fort. Gleich nachdem wir beide auf Reisen gingen, muss es passiert sein. Entführt oder geraubt ist sie nicht, sonst sähe es da drinnen anders aus. Warum hat sie nichts hinterlassen? Kein Schriftzeichen, nichts, gar nichts? Wo kann sie nur sein, sie und der Junge? Ob sie in ..." Juan kam ein Gedanke. Warum hatte er bisher nicht daran gedacht, dass seine Frau ein Kind erwartete. Ein Hoffnungsschimmer verklärte sein Gesicht. Schnell entfernte er sich und schlug den Weg zu Ikey Tramps Kneipe ein.

Unterwegs begegnete ihm Henry Manus, ein alter Cowboy, der ihn erstaunt musterte: „Hallo, Juan! Endlich zurück?"

„Yes, war auch Zeit!", sagte Juan.

Er machte eine Pause und fragte dann wie beiläufig: „Weißt du, wo meine Frau und mein Junge sind?"

Henry blieb stehen; sein verrunzeltes Pergamentgesicht zog sich noch stärker zusammen. Die hellen, blauen Augen streiften eigentümlich schau den Jüngeren.

„Hm, man munkelt so allerlei ..."

„Zum Teufel, Alter, was soll das? Ich will wissen, wo Magdalena und Alberto sind. Beantworte gefälligst diese Frage, und weiche nicht aus!", unterbrach Juan ihn.

„Wo sie sind, fragst du? Das kann ich dir auch nicht sagen."

„Hör zu, Alter, du lügst. Ich mache mit dir kurzen Prozess, wenn du nicht Farbe bekennst! Halt, nimm die Hände von der Feuerspritze, du weißt, es nützt dir nichts. Schäm dich, Alter, auf deine alten Tage noch so zu handeln! Also, was ist mit ihnen?"

Der Cowboy drehte sich hin und her. Er war in einer heiklen Lage. Wenn er die Wahrheit sagte, würde ihn der erregte Mann auf der Stelle umlegen. Schließlich bequemte er sich zu antworten.

„Es tut mir aufrichtig leid. Keiner weiß etwas Genaueres. Die Leute schwätzen nur so ..."

„Was schwätzen die Leute? Heraus mit der Sprache!", donnerte Juan.

„Deine Frau soll fort sein."

„Alter, noch einen derartigen Witz, und du kannst deine Seele dem Teufel empfehlen!" Juan Avelinos war aufs Höchste gereizt. Langsam, bedächtig hob er die Pistole. Henry fuhr zusammen und zitterte heftig am ganzen Körper.

„Halt!, schrie er mit brüchiger Stimme, „lad’ keinen Mord auf dein Gewissen. Ich will dir alles sagen, was ich erfahren habe.

„So? Na schön, kam es beißend über Juans Lippen, „also ...

„Deine Frau ist durchgebrannt und hat den Jungen mitgenommen."

„Schwein! Wehr dich – verdammter Heuchler!", knirschte es zurück.

Henry dachte nicht daran, seinen Colt zu ziehen. Er wusste, dass dieses seinen sicheren Tod bedeuten würde und schaute mit furchtsamen Augen, in denen das Grauen stand, auf Juan.

„Geh, mach, dass du aus meinen Augen kommst; ich zähle bis drei, dann knallt’s. Los! eins – zwei ..."

Die kleinen krummen Beine des Cowboys rasten über den harten Schnee. Er lief um sein Leben mit keuchenden Lungen, nur von einem Wunsch beseht, in sichere Deckung zu gelangen.

Juan störte sich nicht um den Fliehenden; er lachte qualvoll in wildem Schmerz und taumelte zu Ikey Tramps Kneipe. Verschlafen erhob sich der Wirt und gähnte herzhaft. Die Kneipe war leergefegt; außer Juan war kein weiterer Gast anwesend. Roh gezimmerte Bänke, Tische und Stühle bildeten die primitive Einrichtung. Schmucklos, kahl waren die Wände, und nur am Aufbau der Theke war der Raum als Kneipe zu erkennen.

Ikey, der Wirt, betrachtete den neuen Gast höchst verwundert und schnarrte: „Nanu, welch seltener Besuch! Was soll’s denn sein, ein Whisky oder Wein? Der Whisky ist gut, mein Junge, jedoch der Wein ist auch nicht schlecht. Nimm Whisky, jeder Mann trinkt hierzulande nur Feuerwasser. Wein mögen Frauen trinken – ist ein läppisches Zeug, taugt nicht für Männer."

Er kam bei diesen Worten hinter der Theke hervor. Das feuerrote Haar stand struppig nach allen Seiten ab. Fleckig, unregelmäßig besprenkelt war das gedunsene Gesicht, über und über mit Sommersprossen bedeckt. Grünlich-graue Augen ruhten forschend auf dem Schweigsamen.

„Ein Whisky", antwortete dieser lässig und ließ sich auf einen Hocker niederfallen. Dabei streiften seine Augen die vielen Flaschen auf den Regalen, die verräucherten Wände, die ohne Zierrat einen hässlichen Eindruck machten. Dann blieben sie auf den näher kommenden Wirt mit kalter Abweisung haften.

Ikey schien das nicht zu stören; ein breites Lachen stand auf seinem Gesicht.

„Kommst auch einmal zu mir? Musst wohl gute Geschäfte gemacht haben", grinste er freundlich.

Verdammt, der Kerl muss etwas wissen. Genau wie bei Henry scheint in seinen Augen Schadenfreude aufzuleuchten, dachte Juan. Man müsste ihm auf den Zahn fühlen!

„Sag mal, Ikey – nichts Neues während meiner Abwesenheit in Eidsvold passiert?"

„Hahaha – können nicht klagen. Die Männer Dolfo da Gamas haben den Gehilfen Charles Browns bis auf den letzten Dollar geplündert und ihn dann in Unterhosen laufen lassen. Schöner Streich, was? Dem Schleicher habe ich so etwas schon immer gegönnt."

„Nanu, wie kam denn das?", interessierte sich Juan.

Ikey stellte das gefüllte Whiskyglas vor seinen Gast hin und ließ sich neben ihm nieder.

„Charles hatte seinen Gehilfen fortgeschickt, damit dieser eine größere Geldsumme von Astor Becks Farm abhole. Auf dem Wege geriet der Gehilfe, nachdem er das Geld bekommen hatte, Dolfo da Gama in die Hände. – Kannst dir gewiss vorstellen, wie der über den fetten Braten gelacht haben wird. Jedenfalls bekam Dolfo das Geld, ohne dass sich der Gehilfe zur Wehr setzte. Schöner Feigling, was?"

Mit diesen Worten schloss Ikey seinen Bericht, stand auf und schenkte für sich selbst ein Glas ein: „Prost, Juan! Der Teufel soll alle Bankiersgehilfen holen!"

Spielte der alte Gauner Theater?

Unwillig kam Juan der Aufforderung des Wirtes nach und hob sein Glas.

Er wusste, dass sich der Wirt mit Dolfo da Gama gut verstand, dass Dolfo, dieser Vagabund, sich auf dem besten Wege befand, ein Bandit zu werden und nun wohl die Polizei auf dem Halse hatte.

Dolfo hatte den ersten Raubüberfall gewagt, war somit zum Banditen übelster Sorte geworden und hatte sich gleichzeitig zum Bandenführer gemacht.

Juan kannte Dolfo aus seiner Jugendzeit. Der Bandit war ein Nachkömmling spanischer Sträflinge, die sich auf abenteuerlichem Wege befreien konnten. Lange Jahre hatte Juan den Dolfo nicht gesehen. Muss ein tolles Früchtchen geworden sein, stellte er sachlich fest.

Für einen Augenblick schienen seine Gedanken abgelenkt auf die Erzählung des alten Gauners gerichtet zu sein. Jetzt packte ihn wieder die Unruhe.

„Ist das alles, was du zu erzählen hast?" Lauernd musterten seine dunklen Augen den Wirt.

Mit lässiger Gebärde angelte sich dieser eine Zigarette aus einer Schachtel und setzte sie in Brand. Mit halb geschlossenen Lidern stellte er dann die Gegenfrage: „Wieso?"

Er machte eine Pause, strich sich mit der Hand über die Stirn, und fuhr dann fort: „Ich wüsste nicht, was sonst noch in diesem elenden Nest an Interessantem vorgekommen sein sollte. Man soll sich nicht um Dinge kümmern, die einen nichts angehen; es ist sonst leicht möglich, dass man sich die Finger dabei verbrennt oder seinen Pelz voll Löcher bekommt."

Die Blicke der beiden Männer verfingen sich, ließen nicht voneinander los.

Eine peinliche, aufreizende Minute, mit Spannung geladen!

„Ach – seltsam!, kam es schneidend von Juans Lippen .„Du willst nichts wissen ...

„Ich weiß wirklich nicht, was du von mir willst, Juan Avelinos", war die bissige Antwort.

„Ach, Quatsch, warum willst du ihm nicht die Wahrheit sagen? Sag es ihm doch, Daddy. Warum zögerst du?" Wie eine Bombe wirkten diese Worte, und wie von einer Tarantel gestochen fuhr Juan herum.

Unbemerkt von den Männern war die Tochter des Wirtes eingetreten. Sie mochte 21 bis 24 Jahre alt sein und hatte eine gute Figur. Die schwarzen, ins Blaue schimmernden Haare hingen bis auf die Schultern herab und umrahmten ein hübsches, mutwilliges Gesicht von brauner Färbung. Hoch geschwungene Augenbrauen deuteten auf rege Phantasie und einen berechnenden Geist. Die schwarzen Augen konnten in der Erregung aufleuchten gleich hellen Flammen. Der Wirt hing an ihr mit einer wahren Affenliebe, denn die Schönheit seiner Tochter brachte ihm eine Menge blanker Dollars ein.

Dieses schwarzhaarige Mädel stand nun mit spöttischem Lächeln vor den beiden.

„Sag es ihm!"

„Halt’s Maul, Juanita! Misch dich nicht in meine Angelegenheiten!, schrie er hochrot vor Zorn. „Mach, dass du hier hinauskommst.

„Fällt mir nicht ein! Ich sage es ihm, wenn du den Mut dazu nicht aufbringen kannst. An einer Frau wird er sich nicht vergreifen. Er soll hören, was er für eine saubere Frau hat. Ist er etwa besser als wir?"

„Hör auf, verrücktes Weibsbild! Raus, raus!" Mit überschnappender Stimme erhob sich der dicke Wirt und näherte sich mit erhobener Hand seiner Tochter.

„Du Kröte, scher dich zum Kochtopf, ich schlage dir ..."

„Halt! Mit erhobener Pistole erhob sich Juan. „Nimm deine Hände hoch, alter Knabe! So! – Richtig! Nun mit dem Gesicht zur Wand! Verhalte dich ruhig, mein Junge, wenn du dich muckst, knallt es, verstanden? – Also, was ist mit meiner Frau?

Fast eisig schien seine Stimme zu sein, wie der Hauch des Todes.

Juanita erschauerte; sie fror plötzlich.

Eine solche Wirkung hatte sie nicht erwartet; sie duckte sich ängstlich zusammen.

„Da hast du es!, keifte Ikey Tramp in ohnmächtiger Wut. „Von mir erfährt er nichts, und wenn er mich niederknallen sollte. Es wäre Mord, feiger Mord!

„Halt den Mund, du bist nicht gefragt. – Was ist mit meiner Frau, Juanita? Was mit meiner Frau ist, möchte ich wissen? – So antworte doch! Antworte, oder ..."

Drohend fielen diese Worte.

Des Mädchens Augen schillerten wie die einer Katze.

„Such sie bei den Banditen. Sie ist mit ihrem Sohn freiwillig ihrem Liebhaber gefolgt", flüsterte sie geheimnisvoll.

Die Pistole fiel zu Boden. Juan stand wie erstarrt, dann sackte er mit einem Schrei zusammen.

Mit flackernden Augen beobachtete das Mädchen diesen Vorgang, ohne sich zu rühren. Es kam ihr sonderbar vor, dass ein Mann wie Juan Avelinos von solcher Nachricht so ergriffen werden konnte.

Ob er seine Frau so liebte? Eine solche Liebe gab es doch überhaupt nicht mehr. Die Männer waren schlecht, grundschlecht. Sie hatte doch darin genügend Erfahrung sammeln können.

Da riss sie die Stimme ihres Vaters aus ihren Gedanken.

„Warum musstest du mit deiner vorlauten Zunge dazwischenreden? Er hätte es auch ohne uns früh genug erfahren. Komm, pack an, wir legen ihn dort an den Kamin. Er wird schon wieder zu sich kommen."

Mit einiger Anstrengung und vereinten Kräften schleppten Vater und Tochter den schweren Mann fort. Doch kaum wollten sie ihn niederlegen, als er emporschnellte, einen furchtbaren Blick um sich warf, die Pistole vom Boden aufhob und wortlos ins Freie stürmte.

„Verdammt, jetzt wird der Tanz losgehen, ließ sich Ikey vernehmen. „Kannst deinen Liebhaber sofort benachrichtigen, damit er weiß, wem er es zu verdanken hat, und wer sich auf seine Spuren setzen wird wie ein Schweißhund. Dolfo da Gama wird sich freuen, hat keinen üblen Gegner gefunden. Er wird sich schwer zusammennehmen müssen. War dies denn nötig? Hättest dir alles ersparen können; ihr Weiber könnt eure Mäuler eben nicht halten.

„Hör auf zu keifen, es ist besser, er hört es von uns als durch andere. Glaubst du etwa, ich hätte Lust, von ihm abgeknallt zu werden? Du kannst noch vieles lernen. Auf die kräftigen Hände kommt es nicht immer an; man muss es im Kopf haben, verstehst du?"

Ikey knurrte noch etwas vor sich hin, was aber nicht zu verstehen war und schritt zum Fenster.

Die Sonne warf blitzende Reflexe auf den Schnee. Es glitzerte und sprühte.

„Da! Komm her, Juanita! Da hast du die Bescherung", rief er und zeigte seiner herbeieilenden Tochter einen Hengst, auf dessen Rücken Juan Avelinos aus der Stadt sprengte.

2. Kapitel: Juanita

Es war Frühling geworden . Über Nacht brachte der warme Fön den Schnee zum schmelzen.

Überall grünte und spross es. Warme, würzige Luft lockte die Bewohner von Eidsvold aus der stickigen Atmosphäre der Stuben.

Das Leben machte wieder Freude.

Ein Rudel Hunde jagte hinter einem wilden Reiter her, der auf die kleinen Holzhäuser zu galoppierte, vor Ikeys Schnapsladen aus dem Sattel sprang und eiligst ins Innere trat. Mit wüstem Gekläff entfernte sich die Meute und balgte sich auf der Straße.

Tom Blody, seines Zeichens Sheriff von Eidsvold, schritt, nachdem er lässig an den Hut getippt hatte, was einen Gruß vorstellen sollte, zur Theke.

„Hallo! Wirt! Einen Whisky – mach schnell!"

„Nur mit der Ruhe, Tom! Warum so eilig?"

„Eine tolle Schweinerei! Habe heute schon den dritten Mann gefunden – lag mit dem Gesicht im Dreck. Eine Kugel hat ihn, genau wie die beiden vor einer Woche, zwischen den Augenbrauen, etwa ein Zentimeter über der Nasenwurzel, erwischt. Verdammt guter Schütze! Sonderbar ist nur, dass alle drei Toten nicht aus dieser Gegend sind. Weiß der Teufel, ich kann mir keinen Vers darauf machen. Muss gleich mit meinen Leuten noch einmal zum Tatort zurück. Habe mir die Spur angesehen und bin zu der Überzeugung gekommen, dass der Täter nicht aus dem Hinterhalt schießt, sondern vorher sein Opfer anfällt und es zum Kampf zwingt. Ein Mörder ist es auf keinen Fall. Die Sache beginnt interessant zu werden!"

Der Wirt brachte das gewünschte Glas Whisky herbei. Seine Tochter lauschte aufmerksam der Unterhaltung, und in ihren Augen leuchtete es höhnisch.

„Sagen Sie, Sheriff, sind die Leichen ausgeraubt?", fragte sie beiläufig.

„Nein, Miss – wie kommen Sie darauf?"

„Fällt es Ihnen nicht auf, Sheriff? Ein Bandit kann es nicht sein, der würde der Beute halber seine Opfer anfallen und sie aus dem Hinterhalt abknallen. Wahrscheinlich haben wir es hier mit einem Menschen zu tun, der aus persönlicher Rache unterwegs ist. Sonderbar und auch bedenklich ist, dass der Rächer unbekannte Männer umlegt. Vielleicht ist er ein Killer, ein Mann, der aus einem inneren Zwang heraus töten muss."

„Haha, da könnte er es einfacher haben. Aber ich werde bestimmt noch dahinterkommen. Wer mag wohl der Mann sein?, fuhr er wie im Selbstgespräch fort. „Es ist zum Verzweifeln; in dieser Sache hat sich bisher kein klarer Lichtblick ergeben.

„Verzeihung, Sheriff! Werden Sie mich mitnehmen?"

„Wohin?"

„Zu der Untersuchung der Leiche."

„Ist keine Sache für Frauen."

„Aber der Fall interessiert mich", kam es bittend von ihren blutroten Lippen.

Belustigt schielte er auf die Sprecherin.

„Wenn es Ihnen Spaß macht! Ich komme für nichts auf. Ist bestimmt keine angenehme Sache, und ich muss Sie warnen!"

„Warnen, wieso?"

„Haben Sie schon mal von Leichen, wenn sie lange standen, den Geruch eingeatmet?"

„Doch, man kann es vertragen."

„Na, wir werden ja sehen, ob Ihr Näschen empfindlich ist oder nicht. Ich komme gleich mit meinen Leuten hier vorbei; Sie können sich dann anschließen."

„Ich danke Ihnen."

„Das ersparen Sie sich lieber!" Bei diesen Worten kippte er mit einem Schlag den Inhalt seines Glases in die Gurgel und erhob sich. Er nickte den anwesenden Gästen zu und knallte die Tür hinter sich zu. Wahrscheinlich wollte er damit seine Gemütsfassung andeuten.

Der Wirt blinzelte seiner Tochter zu und flüsterte: „Pass genau auf, ob es nicht einer von Dolfo da Gamas Leuten ist, den der Unbekannte gekillt hat. Habe das verdammte Gefühl, dass der Schütze ein alter Bekannter von uns ist, der jetzt mit den Männern Dolfos aufräumt."

„Du kannst Recht haben; denn bisher hat er nichts von sich hören lassen und seine Wohnung nicht betreten", gab sie leise zurück.

„Sei vorsichtig, lass dir nichts anmerken."

„Keine Angst, deine Belehrungen sind nicht nötig. Ich bin kein Kind mehr."

Juanita war ihrem Vater weit über den Kopf gewachsen. Er musste gehorchen; denn sie kannte ihre Macht über ihn und gebrauchte sie.

Geschmeidig, biegsam tänzelte sie zum Stall, holte ihren Fuchs hervor und schwang sich in den Sattel. Das rassige Mädel war wie ein Cowboy gekleidet und brauchte sich vor einen Ausritt nicht erst lange umzuziehen.

Da fiel ihr Blick auf Lester Damp.

„Heute Abend machst du dich für einen längeren Ritt fertig, verstanden?"

Der Angeredete, ein unheimlich dürrer, ausgetrockneter Mann, nickte wortlos mit seinem knochigen Schädel.

In Juanitas Händen schien dieser eigentümliche Mensch wie ein Sklave zu sein. Mit unsicheren Schritten schleppte er die schweren Wassereimer zum Stall, um die Pferde zu tränken. Lester Damp versorgte die Tiere des Wirtes und machte alle nebensächlichen Arbeiten für geringen Lohn. Er litt an einer sonderbaren Krankheit, aber diese war hier in der Gegend eine weit verbreitete Seuche, die fast jeden Mann befallen hatte und weiter nicht tragisch genommen wurde. Es war ein ewig brennendes Gefühl in der Kehle, das nur durch Whisky gelöscht werden konnte.

Lester schien von dieser Krankheit besonders hart befallen zu sein, denn sein Durst war ungeheuer. Des öfteren lag er total betrunken in irgendeiner Ecke. Bei einem solchen Rausch hatte er sich einstmals ein Bein gebrochen; dadurch wirkte noch heute sein Gang schleppend, und wenn er gar in Versuchung geriet zu laufen, machte er Sprünge wie ein ausgewachsenes Känguru.

„Halt dich bereit", rief Juanita ihm nochmals zu und setzte mit ihrem Gaul über die Umzäunung.

Wie eine Amazone saß sie im Sattel, von Lester Damp mit lüsternen Augen betrachtet. Er schnalzte genießerisch und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

Auf den Ellenbogen gestützt, lehnte er sich an den Zaun und schaute der schneidigen Reiterin nach, bis sie seinen Augen entschwunden war.

Unterwegs traf Juanita auf Tom Blody und seine Leute.

„Teufel, ist das ein Weib", murmelte er und fand reichlich Beifall bei seinen Männern, die seine leisen Worte verstanden hatten.

Das Mädchen lenkte ihr Pferd neben Toms helle, gelbbraune Stute und eröffnete sofort, während des Reitens, ein Gespräch: „Wie lange reiten wir?"

„Zwei Stunden, Miss! Wir wollen den Leichnam genau untersuchen, vielleicht findet sich ein Anhaltspunkt, den ich übersehen habe. Viele Augen sehen mehr als zwei. Habe auch, so sonderbar es klingt, den Toten nicht identifizieren können. Na, wir werden ja sehen, was sich machen lässt. Allzu viel Hoffnung habe ich, ehrlich gesagt, nicht!"

Ein leichter Schenkeldruck, und sein

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