Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Die großen Themen unserer Zeit: Autoren im Dialog. 26. Ausgabe

Die großen Themen unserer Zeit: Autoren im Dialog. 26. Ausgabe

Vorschau lesen

Die großen Themen unserer Zeit: Autoren im Dialog. 26. Ausgabe

Länge:
198 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
Sep 17, 2018
ISBN:
9783828034563
Format:
Buch

Beschreibung

Dem Frieling-Verlag Berlin liegt ein offener und engagierter Dialog zu den richtungsweisenden Themen unserer Zeit am Herzen. In dem zeitkritischen Sammelband "Die großen Themen unserer Zeit. Autoren im Dialog" beziehen Autorinnen und Autoren zu aktuellen Fragestellungen Stellung und diskutieren ihre Beobachtungen zum Zustand der Welt .
Der vorliegenden Band umfasst auch Beiträge zum Schwerpunktthema "Wie verändert uns die Technik? Wie viel Freiheit und Privatsphäre wollen wir uns erhalten?" In diesem Thementeil setzen sich Autorinnen und Autoren mit der Rolle der (vor allem digitalen) Technik in unserem Leben auseinander und beleuchten unter anderem die Auswirkungen des Smartphones auf Individuum und Gesellschaft.
Freigegeben:
Sep 17, 2018
ISBN:
9783828034563
Format:
Buch

Ähnlich wie Die großen Themen unserer Zeit

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Buchvorschau

Die großen Themen unserer Zeit - Frieling-Verlag Berlin

Was die geneigten Leser vorab wissen sollten:

Wir geben unseren Autoren die Freiheit, selbst über den Gebrauch von alter, neuer oder Schweizer Rechtschreibung zu entscheiden, daher variiert auch die Schreibweise in dieser Anthologie.

INHALT

Gerhard Althof

Wie verändert uns die Technik?

Wie uns die Technik verändert.

Christian Barsch

Nachtgedanken

Friederike Fiederer

Etwas Lebendiges ist mir lieber als alle Schätze der Erde

Regina Franziska Fischer

Prolog: MUT ZEIGEN …

WAS MARIA VON AGREDA ÜBER DIE GOTTESMUTTER SCHRIEB

HEILIGE ALS ANSPORN – BEMÜHEN UM HEILIGKEIT

AMORIS LAETITIA – GOTT IST DIE LIEBE

KIRCHENABRISSE

„UM FRIEDEN BETEN, ABER GEWALT

KONSUMIEREN"

ANSICHTEN EINER SPONSORIN

Werner Hauke

Woran wir alle tragen

Inci Hilbert und Volker Mergner

Fuchs und Storch oder Die missratenen Essen

Tilki ve Leylek

Marc Hoffmann

Sklave

Horst Jesse

Der Mensch bleibt Herr der Technik

Günther Melchert

Kollaps eines allmächtigen Chirurgen in „seiner" Klinik

HINDELANG

Alfred Munz

Das Handy

Rolf von Pander

Im Gespräch über Fragen zu Wahrheit und Recht

Ursula Schinzel

Online Education

Hartmut Schustereit

Autor und Verleger – Partner?

Hannelore Thürstein

Fahrroboter übernehmen das Steuer: „Steigen Sie ein und genießen Sie die Fahrt"

Barbara Vogler

Anbei zur Beruhigung einer Frage

Rücksicht

Askese

Autorenspiegel

Gerhard Althof

Wie verändert uns die Technik?

– generelle Betrachtung –

Bis in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war man in den meisten Berufen und im Privatleben mehr manuell tätig. Um dies gut zu können, hing eine geschickte Fingerfertigkeit und Denkkraft mit einem vorhergehenden notwendigen Wissenserwerb zusammen, zu dem hauptsächlich ein geistiges Rüstzeug wie zum Beispiel Schreiben und Rechnen mit der Hand gehörten, was in der Regel ohne technische Unterstützung vermittelt und dauernd gebraucht wurde. Um das alles gut zu beherrschen, benötigte man Zeit und Geduld.

Dann setzte mit der Erfindung des Computers eine ständig immer schneller fortschreitende Entwicklung ein: zuerst nur in großen Firmen, um Produktionsprozesse, Verwaltungsabläufe und anderes schneller zu erledigen sowie auch menschliche Fehlerquellen weitgehend auszuschließen. Die technischen Fortschritte insbesondere bei den Computern beschleunigten die Informationsübermittlung immer mehr und wurden wegen ständig neuer Wünsche immer mehr optimiert, ganz gleich wo. Die Menschen, die ja zur Erlangung und Weiterentwicklung ihrer älteren Fähigkeiten eine Anzahl von Jahren gebraucht hatten, standen zum größten Teil nun verständnislos da. Es wurde ihnen immer klarer, dass diese Entwicklung nicht mehr umkehrbar war und ihr Wissen und Können wohl bald nur noch für die Gestaltung der Freizeit in Frage kam.

Wenn neue computergesteuerte Apparate oder Maschinen in den Firmen installiert wurden, bekamen nicht wenige das Gefühl, überflüssig zu sein, und bangten um ihre Arbeitsplätze, folglich auch um ihr Einkommen. Gesagt wurde ihnen oft, dass die neue Entwicklung auch viele neue Arbeitsplätze schaffe, wobei offengelassen wurde, ob man die alte Anzahl halten könne. Andere machten eine Umschulung, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Hier war dann Tempo gefragt beim Erlernen des Umgangs mit der Computertechnik. So wie früher war es jetzt nicht mehr, denn das gerade Erlernte war nicht selten nur kurz geeignet für die Anwendung, da dann etwas Neues oder ganz anderes dazukam.

Zweifellos hatte dies auch seine Vorteile, denn monotone Arbeiten wurden mit der Zeit immer mehr automatisch erledigt. Früher waren in den großen Hallen der Automobilwerke Angestellte damit beschäftigt, am Fließband immer die gleichen Arbeitsvorgänge auszuführen, die dafür notwendig waren, bestimmte Teile für ein Auto herzustellen. Wenn sie nach einiger Zeit nicht eine andere Tätigkeit zugewiesen bekamen, konnten sie dadurch krank werden.

Geht man heute durch diese Hallen, sieht man kaum noch Menschen, außer vielleicht ein paar Technikern, welche dafür sorgen, dass die Roboterarme störungsfrei für die Produktion funktionieren. Gegen diese Art von umfangreichen Veränderungen war und ist der Einzelne machtlos. Auch Proteste von Gewerkschaften, Betriebsräten, Arbeitern und Angestellten konnten sie nicht verhindern.

Einkaufen oder eine Reise buchen kann man heutzutage bei jedem Wetter: vom Homecomputer aus per Tastendruck. Dies hatte zur Folge, dass viele kleine Geschäfte schließen mussten, sofern sie nicht mit ihren Angeboten auf die neue Technik umschwenkten und Serviceleistungen anboten, falls einmal etwas nicht so funktionierte wie gewünscht. Vor der technischen Neuzeit war es gang und gäbe, dass sich mit der Zeit auch soziale Beziehungen zwischen Kunden und Geschäftsleuten ergeben konnten, da man miteinander sprach. Bei der Bestellung von zu Hause aus hat man keine Gesprächspartner mehr; alles erfolgt still, anonym und schnell, wenn man von den Klickgeräuschen der Tastatur einmal absieht. Wer noch persönliche Geschäftskontakte pflegen will, sollte wie vorher auch sich mehr Zeit nehmen.

Insgesamt gesehen kann man per Internet oder Smartphone an jedem Ort zu jeder Zeit telefonieren, Informationen abrufen und versenden oder Bestellungen aufgeben. Dies hat natürlich den zeitlichen Vorteil, dass man nicht erst lange Wege zurücklegen oder warten muss. Wenn man allerdings heute seine Mitmenschen gehen oder sitzen sieht, haben nicht wenige von ihnen dauernd das Smartphone in der Hand oder am Ohr. Sie schauen kaum, was um sie herum sich abspielt.

Sollte der Informationsbedarf mittlerweile so groß geworden sein, dass die konkrete Umwelt nur noch eine nachgeordnete Rolle spielt? Dabei ist doch bekannt, dass ein Zuviel an Informationen Orientierungslosigkeit verursachen kann, weil das Gehirn nicht mehr in der Lage ist, sie sinnvoll zu ordnen und zu bewerten. Fühlt man sich persönlich wertvoller, wenn eine SMS nach der anderen eintrifft oder von einem selbst geschrieben wird?

Ein weiteres Problem liegt darin, zu beurteilen, ob die empfangenen Informationen vollständig sind oder mit anderen gemischt wurden, um glaubwürdig und nutzbar zu erscheinen. Außerdem fliegen sie immer schneller durch das Netz. Dies kann durchaus das Gefühl vermitteln, in der ganzen Welt zu Hause zu sein, obwohl man sich nur in einer bestimmten Gegend aufhält. Um nicht verrückt zu werden an den schier unendlich vielen Mitteilungen, ist es vorteilhafter, auszuwählen, welche man zu brauchen glaubt. Dieses selektive Vorgehen lässt einen bewusster leben.

Hierzu gehört es beispielsweise, ein Gespräch mit einer anderen Person zu führen, in dem man sie persönlich wahrnimmt. Aus der Art und Weise der Stimme beim Sprechen lässt sich erkennen, wie das von einem selbst Gesagte bei ihr angekommen ist, der Gesichtsausdruck dabei hat auch eine Aussagekraft. All dies fehlt bei einem geschriebenen Dialog per Computer oder Smartphone. Hier sind nur Sätze auf dem Bildschirm vorhanden, in denen durchaus mutiger anstößig oder aggressiv formuliert werden kann, denn der Empfänger sitzt einem schließlich nicht gegenüber. Im persönlichen Beisammensein sind Menschen damit in der Regel vorsichtiger.

Bei ständigem Benutzen der technischen Kommunikation kann mit der Zeit auch die verbale Formulierfähigkeit nachlassen. Unvollständige und nicht mehr zusammenhängende Sätze – mündlich sowie auch schriftlich – werden dann vermehrt von Schülern und Erwachsenen geäußert. Bei nicht wenigen ist es ja bereits heute so.

Ferner macht ständige Erreichbarkeit unfrei, da meistens der Druck des sofortigen Antwortens damit verbunden ist. Wenn man sehr freizügig über seine inneren Befindlichkeiten in Facebook berichtet, besteht die Gefahr, dass andere davon erfahren, die es im Grunde genommen nichts angeht. Die einmal eingegebenen Erklärungen können kaum wieder gelöscht werden. In einem persönlichen Gespräch unter miteinander Vertrauten ist dieser Personenkreis begrenzt. Diese Privatsphäre muss auf alle Fälle erhalten bleiben, was dadurch geschehen kann, dass Facebook sparsamer genutzt wird. Für den guten realen Umgang mit seinen Mitmenschen kann es dem Nutzer nur von Vorteil sein.

Es ist offensichtlich, dass die meisten Menschen sich in einer Übergangszeit befinden, bis die neue Art der Kommunikation sich endgültig durchgesetzt hat, was noch einige Zeit dauern kann. Die älteren Generationen sind von dieser Entwicklung überrascht worden und haben Probleme damit. Der Nachwuchs hingegen bekommt das Smartphone wohl bald mit in die Wiege gelegt, sodass er später nichts anderes mehr kennt und über das Telefonieren mit der Drehscheibe sowie das Briefeschreiben mit der Hand nur noch müde lächelt.

Vielleicht wird dann für sie alles noch einfacher, wenn das Gehirn ans Internet angeschlossen ist und Nachrichten direkt ins Smartphone gedacht werden können.

Wie uns die Technik verändert.

– individuelle Betrachtung –

Nach dem verlängerten Wochenende, an dem Kevin sich mit einigen Freunden zu einer „Männersause" getroffen hatte, war er auf dem Rückweg in seine Wohnung. Während er auf der fast leeren Landstraße mit seinem Wagen fuhr, dachte er noch einmal an das lustige Beisammensein und lachte manchmal vor sich hin. Besonders oft erschien die attraktive Vera, sie war eine der Kellnerinnen, in seinen Erinnerungen. Beide mochten sich auf den ersten Blick, mit der Folge, dass sie nach Dienstschluss in seinem Hotelzimmer landeten, so wie die folgenden drei Tage auch.

Kevins Gesicht wurde nachdenklicher, denn er wusste nicht, wie er seiner Freundin Sabine beibringen sollte, dass er sich neu verliebt hatte und sich nun von ihr trennen wollte. Eine offene Aussprache verdrängte er jedes Mal, wenn sie als notwendig in seinem Inneren auftauchte. In persönlichen Angelegenheiten hatte er bisher immer direkte Auseinandersetzungen oder unangenehme Gespräche vermieden, soweit es irgendwie möglich war. Doch was sollte er hier tun, seufzte er vor sich hin. Die E-Mails, die er Sabine während seiner Abwesenheit geschickt hatte, beinhalteten, dass er sich freue, wieder nach Hause zu kommen. Dies war zwar glatt gelogen, aber es würde sie auch nicht in Aufregung versetzen. Ein Telefonat hatte er lieber vermieden.

Kennengelernt hatten sich die beiden über ein Institut zur Vermittlung von Partnerschaften. Das gehe zügiger, als auf irgendwelchen Veranstaltungen zu versuchen, jemand kennenzulernen, oder dies dem Zufall zu überlassen, hatte sich Kevin damals gesagt. Außerdem entfallen auch Momente der Verlegenheit, wenn man jemanden anspricht, sowie das Suchen nach Themen für ein Gespräch und die Mühen, dieses am Laufen zu halten. Am Bildschirm geht das erste Kennenlernen geräuschlos vonstatten. Bei Nichtgefallen reicht ein Tastendruck, und die nächste Person wird begutachtet; es gibt keine gestammelten Entschuldigungen.

Er erinnerte sich nun an ihren ersten „Informationskontakt", bei dem er sich behaglich in seinem komfortablen Sessel zurückgelehnt und ein paar sympathisch klingende Sätze getippt hatte, die schnell beantwortet wurden. Während er sie las, unterbrach er öfter das Lesen und schaute auf das Porträtfoto Sabines. Sie sah ohne Zweifel sehr gut aus, doch von wann war das Bild, schoss es ihm damals durch den Kopf. Na ja, wird schon stimmen, und er schob den Gedanken beiseite. Ihre Stimme hatte er bei dem stummen Kennenlernen nicht vernommen, ebenso wenig ihren Händedruck. Doch darauf kam es ihm wohl nicht an, Hauptsache schnell und stimmig. Zwei Tage später trafen sie sich. Kevin war danach mit sich und der Welt zufrieden, als sie sich wieder verabredeten. Schnell und effizient, so wie ich es mag, dachte er auf dem Heimweg. Der Algorithmus zum Vergleich der passenden persönlichen Merkmale war einfach gut gewesen. Bei seiner neuen Liebe dagegen war der technische Aufwand nicht notwendig gewesen; sie stand plötzlich in voller Größe vor ihm.

Noch immer war er zu keiner Entscheidung gekommen, wie er Sabine seine Absicht kommunizieren sollte. Der Gedanke an einen Brief behagte ihm überhaupt nicht, denn er hatte keine Ahnung, wie er ihn schreiben sollte; ein Telefonat war wohl auch nicht das Richtige. Dann fiel ihm ein, dass man sich ja per Tastatur kennengelernt hatte, warum nicht auch auf diese Weise die Zweisamkeit beenden? Ist nicht ein

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Die großen Themen unserer Zeit denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen