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Science Fiction Großband Oktober 2018 – 1302 Seiten fantastische Spannung

Science Fiction Großband Oktober 2018 – 1302 Seiten fantastische Spannung

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Science Fiction Großband Oktober 2018 – 1302 Seiten fantastische Spannung

Länge:
1,558 Seiten
18 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 9, 2018
ISBN:
9781386273035
Format:
Buch

Beschreibung

Science Fiction Großband Oktober 2018 – 1302 Seiten fantastische Spannung

von Alfred Bekker, Hendrik M. Bekker, Wilfried A. Hary, Harvey Patton, Bernd Teuber

Dieses Buch enthält folgende Science Fiction Abenteuer:

Hendrik M. Bekker: Die Insel der Widergeburt

Alfred Bekker & W.A.Hary: Der Seher von Yys

Wilfried A. Hary: Die Maschine der tödlichen Träume

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und Thors Hammer

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und König Kaiakan

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und die Zuflucht im All

Wilfried A. Hary: Planet der verschwundenen Schiffe

Bernd Teuber: Tödlicher Schlaf

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und die Mission im Mikrokosmos

Alfred Bekker: Planet der Gläubigen

Eine militante Gruppierung ruft alle Gläubigen auf, die Erde wegen einer drohenden Klimakatastrophe zu verlassen, um gemäß des Glaubens ein neues Paradies zu erschaffen – auf einem fremden Planeten. Ein Agent versucht, mehr über die Hintergründe herauszufinden. Doch als er erkennt, dass selbst die Raumflotte von Terroristen unterwandert ist, kann auch er die Katastrophe nicht mehr verhindern... Und Außerirdische spielen eine ganz eigene Rolle in dem aufkommenden Konflikt!

Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 9, 2018
ISBN:
9781386273035
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Science Fiction Großband Oktober 2018 – 1302 Seiten fantastische Spannung

von Alfred Bekker, Hendrik M. Bekker, Wilfried A. Hary, Harvey Patton, Bernd Teuber

Dieses Buch enthält folgende Science Fiction Abenteuer:

HENDRIK M. BEKKER: Die Insel der Widergeburt

Alfred Bekker & W.A.Hary: Der Seher von Yys

Wilfried A. Hary: Die Maschine der tödlichen Träume

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und  Thors Hammer

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und König Kaiakan

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und  die Zuflucht im All

Wilfried A. Hary: Planet der verschwundenen Schiffe

Bernd Teuber: Tödlicher Schlaf

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und die Mission im Mikrokosmos

Alfred Bekker: Planet der Gläubigen

Eine militante Gruppierung ruft alle Gläubigen auf, die Erde wegen einer drohenden Klimakatastrophe zu verlassen, um gemäß des Glaubens ein neues Paradies zu erschaffen – auf einem fremden Planeten. Ein Agent versucht, mehr über die Hintergründe herauszufinden. Doch als er erkennt, dass selbst die Raumflotte von Terroristen unterwandert ist, kann auch er die Katastrophe nicht mehr verhindern... Und Außerirdische spielen eine ganz eigene Rolle in dem aufkommenden Konflikt!

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER TONY MASERO

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Insel der Wiedergeburt

Ein Joe Carnor-Fall

von Hendrik M. Bekker

IN EINEM LOGISTIKUNTERNEHMEN in Münster stirbt ein Mann. Der Verdacht:  Anthrax! Joe Carnor muss ermitteln, denn der Kampfstoff wurde durch die Vaucan-Roboter seiner Firma übertragen. Handelt es sich um einen terroristischen Anschlag der KI-Gläubigen oder steckt die Konkurrenz dahinter?

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Eddy Boorkes fühlte sich nicht gut. Er öffnete ein wenig den Reißverschluss seines blauen Overalls, den er im Logistikzentrum immer tragen musste. Ihm war warm. Als seine Beine plötzlich nachgaben und er zusammensackte, wusste er instinktiv, dass er starb. Die Ränder seines Gesichtsfeldes wurden dunkel, die Welt verblasste und irgendjemand hatte den Ton abgestellt. Er hatte seit einem Tag nichts mehr gegessen, schlecht war ihm aber schon seit drei Tagen. Der Durchfall hatte ihn beinahe gezwungen, nicht zur Arbeit zu kommen, doch er war heute Morgen aufgestanden und hatte sich hergequält. Es war einfach zu viel zu tun in der Firma, er konnte sich nicht krankschreiben lassen. Nun bereute er es. Vage nahm er wahr, dass jemand zu ihm lief, ihn zur Seite drehte. Doch dann war die Welt finster.

2

Joe Carnor war bereits vor dem Eingang zu Tobayashi Industries in Münster, als ihn der Anruf ereilte.

Er zog das Headset aus seiner Jackentasche und steckte sich den Knopf ins Ohr.

„Carnor, Versicherungsfälle für Tobayashi Industrie, was kann ich für Sie tun?"

„Sieh auf deinen Bildschirm, ich bin’s, Sophie", begrüßte ihn seine Partnerin bei Tobayashi Industries. Zusammen kümmerten sie sich um allerlei Rechts- und Versicherungsfälle, die den weltweit führenden Hersteller von Robotern betrafen.

„Wir haben einen Toten", begann seine Partnerin ohne Umschweife.

„Wir haben nie einen Toten, unsere Produkte sind Roboter. Roboter sterben nicht", erwiderte Joe trocken. Vor ihm hielt ein selbstfahrendes Taxi. Er zögerte beim Einsteigen.

„Einen Vaucan meine ich auch nicht, sagte Sophie ruhig. „Wir haben einen Toten im Industriepark-Hafen, hinter dem alten Hafen nach Osten aus der Stadt raus.

„Was betrifft uns das? Wir kümmern uns nur darum, wenn einer unserer Vaucans beteiligt ist. Hat den armen Kerl ein Roboter getötet?"

„Nein, Anthrax."

„Bitte? Joe sah sich irritiert um. „Jetzt sag, was Sache ist.

„Wenn ich das wüsste, erklärte Sophie. „Ich hatte einen ziemlich wütenden Polizisten in der Leitung. Da ist einer tot umgefallen in einem Betrieb, Logistik. Tod durch Anthrax, also hat man alles unter Quarantäne gesetzt und rate, woher er die Bakterien hatte? Tja, mehrere Vaucans in dem Betrieb waren mit Anthrax infiziert.

„Das musst du mir genauer erklären." Er stieg in das automatische Taxi. Auf dem Fahrersitz saß niemand. Es gab ebenso kein Lenkrad, um einzugreifen. Glücklicherweise konnte er so auch nicht auffordernd angesehen werden, als er kein Ziel der Fahrt nannte.

„Auf den Vaucans ist Anthrax gewesen. Jetzt will die Polizei, dass wir jemanden schicken, und das Ganze landet bei mir und damit auch bei dir. Ich geh da nicht hin! Anthrax ist gefährlich."

Joe verkniff sich jedwede Bemerkung darüber, dass Sophie schon lange jeglichen Außendienst gezielt vermied. Er kam gut mit ihr zurecht.

„Nennen Sie bitte Ihr Ziel, sagte eine synthetische Stimme aus den Lautsprechern des Taxis. „Es ist nicht gestattet, das Taxi als Aufenthaltsraum zu missbrauchen.

„Gut, schick mir alles Weitere, ja? Ich werd da direkt hinfahren."

„Wenn Sie das Taxi nicht verlassen, wird eine Strafgebühr fällig", sagte die synthetische Stimme nun ungeduldig.

„Alter Hafen, Industriepark, sagte Joe genervt und wünschte sich einen menschlichen Fahrer, wie er es aus den Filmen seiner Kindheit kannte. Der hätte gesehen, dass er am Telefonieren war. An Sophie fügte er hinzu: „Ich melde mich von dort.

Er öffnete ein wenig seine rote Krawatte und sah aus dem Fenster, als der selbstfahrende Wagen sich einen Weg durch den Verkehr suchte. Er zog seinen Handcomputer aus der Tasche und suchte einen wissenschaftlichen Artikel über Milzbrand heraus. Anthrax war hochgefährlich. Nach grippeähnlichen Symptomen sowie Erbrechen und Übelkeit folgte der Tod. Es war an sich ein natürlich vorkommender Erreger, allerdings eignete er sich dazu, ihn waffenfähig zu machen, was bereits in den frühen 2000ern gelungen war.

Dann war er bereits da und der Wagen hielt. Hier am alten Hafen standen diverse neue schicke Firmengebäude: hoch aufragende Bauten aus Glas und Stahl, die wie Raumschiffe neben den alten Fabrikhallen wirkten. Gegenüber davon lagen weite Hallen, in denen Speditionen saßen. Es gab hier einen der bedeutendsten Handelsumschlagplätze auf dem Weg nach Nord- und Osteuropa.

Er rief erneut Sophie an.

„Bist du da?"

„Ja."

Er sah hinauf zu dem Gebäude von der BIC. Inzwischen hatte er recherchiert, dass es sich dabei um die Barcelona Iskander Corp. handelte. Sie war in Barcelona von John Iskander McCullum gegründet worden und hatte inzwischen ihren Hauptsitz in Münster als Dreh- und Angelpunkt des Landwarenverkehrs.

„Gut, frag dich durch zu Kommissar Tim Lazarov, der ist von der Polizei als Ansprechpartner genannt worden."

„Hmm, brummte Joe. „Ich sehe, wo ich hinmuss. Ich melde mich wieder.

Er legte auf und ging auf eine Reihe von Einsatzfahrzeugen zu. Eine Halle war abgesperrt worden. Absperrbänder flatterten in der Luft und ein Dutzend Polizisten standen dort bereit, jeden Schaulustigen zu verscheuchen.

„Sie können hier nicht hin, es besteht Gefahr. Gehen Sie, sagte ein breit gebauter Polizist, der auf Joe zukam. Joe nickte und holte seinen Ausweis heraus. „Ich bin von Tobayashi Industries. Ich werde erwartet und zwar von Kommissar Tim Lazarov.

Der Polizist nahm Joes Ausweis.

„Warten Sie hier!"

Dann ließ er ihn dort stehen und ging hinter den Halbkreis aus Fahrzeugen. Hin und wieder erhaschte Joe einen Blick auf Männer und Frauen in Schutzanzügen. Man hatte eine Schleuse in das Tor der Lagerhalle eingebaut.

Joe zog seinen Handcomputer heraus und schrieb seiner Frau eine Kurznachricht, dass er sich verspäten würde und sie und die Kinder nicht mit dem Essen warten brauchten.

Kurz darauf kam eine Antwort: Ist es was Schlimmes?

Er zögerte zu antworten, denn allein das Wort Anthrax gab ihm ein ungutes Gefühl. Der zurückkehrende Polizist verhinderte, dass er sofort antworten konnte.

„Kommen Sie mit, Kommissar Lazarov will Sie sehen."

„Gut, muss ich irgendwas beachten? Nichts anfassen, einen Schutzanzug?", fragte Joe, während er dem Polizisten folgte.

„Nein, nur nicht durch die Schleuse gehen. Sonst garantieren wir für nichts."

Der Mann sagte das, ohne eine Miene zu verziehen. Dann waren sie hinter der Absperrung. Jemand hatte ein kleines Zelt aufgebaut, unter dem ein provisorischer Kommandostand war. Einige Tische standen herum, Laptops waren aufgestellt worden und Leute telefonierten.

Inmitten all dieses Chaos stand ein kleiner breitschultriger Mann mit einer Glatze und gab mit sonorer Stimme Anweisungen.

Als Joe vor ihm stand, reichte der Mann ihm die Hand.

„Kommissar Lazarov. Ich bin hier vorerst zuständig. Sie sind Carnor von Tobayashi?"

„Das ist richtig, sagte Joe und reichte dem Mann seine Hand. Ich wurde direkt herbeordert. Können Sie mir einen Überblick geben? Was haben unsere Vaucans verbrochen?"

„Tja, sagte Lazarov und kratzte sich am Kinn. „Das ist so eine Sache. Heute Morgen ist ein Mitarbeiter namens Eddy Boorkes bei der Arbeit in der Logistik zusammengebrochen. Er ist der Vorarbeiter, der gut zwei Dutzend Vaucans überwacht. Joe merkte, dass Lazarov zögerte und ließ ihm die Zeit, die er brauchte, um seine Gedanken zu ordnen. „Nun, er hat sich mit Anthrax infiziert. Gerade wird alles abgespurt. Einige der Vaucans sind auch voller Anthrax-Erreger."

„Dass die Roboter Krankheitserreger haben, ist nicht die Schuld meiner Chefs. Sie müssen die Vaucans reinigen. Wobei Anthrax schon eine Hausnummer ist, erwiderte Joe nun ruhig. „Sie beschuldigen ja auch nicht den Hersteller der Tür oder der Kleidung vom Toten.

„Das nicht, aber es sind auch welche im Inneren. Möglicherweise sind sie über die Vaucans verbreitet worden."

Joe seufzte. „Wird von einem terroristischen Hintergrund ausgegangen? Oder gibt es irgendeinen Bekenner? Hat die Firma Feinde? Haben Sie mit dem Chef, diesem McCullum schon reden können?"

Der Kommissar nickte. „Feinde hat der sicher, aber jemanden mit Anthrax anzugreifen? Das ist schon ... Er schüttelte erneut den Kopf. „Ne, sowas hatte ich noch nicht. Klar, einer greift sich mal den Hammer und geht auf seinen Nachbarn los. Das hier ist aber verzwickter. McCullum ist bisher von uns nicht erreichbar gewesen. Wir machen da Druck. Es geht hier erst mal nicht um die Schuld oder Unschuld Ihrer Firma. Aber da sind Erreger drin, in ihren Vaucans. Also wollen wir Sie als Verbindungsmann. Zudem will ich Techniker, die die Vaucans auseinandernehmen können und uns sagen, wie sie vielleicht als Überträger benutzt wurden oder, na ja, wo sie gefertigt wurden. Vielleicht ist es doch ein Versäumnis und die Erreger sind bereits bei der Fertigung hineingeraten.

Joe nickte. „Gut, ich werde Ihnen ein Team unserer Techniker senden. Allerdings ist es Firmenpolitik, dass nur unsere Leute die Vaucans öffnen dürfen."

„Dann sind sie zu spät. Einer ist offen. Aber da stellten wir fest, dass die doch komplizierter als gedacht sind."

Joe nickte. „Das läuft auf eine saftige Rechnung für Ihre Behörde raus, wenn der Vaucan beschädigt wurde. Ich telefoniere kurz."

Kommissar Lazarov nickte mit eiserner Miene. „Tun Sie das. Ich informiere Sie, wenn wir wissen, wo Sie geschlampt haben. Sie werden allerdings nur Techniker hier unter der Aufsicht meiner Leute an den Vaucans schrauben lassen. Hier wird nichts vertuscht."

Joe verkniff sich ein Lächeln. Er hasste dieses Kompetenzgerangel abgrundtief und hatte etwas derartiges befürchtet.

„Korrektur: Die Dinger sind unser Eigentum, jederzeit. Sie mieten Sie nur. Die Polizei darf Sie weder zerstören, noch uns unbotmäßig lange unser Eigentum wegnehmen. Entweder Sie spielen den Harten und halten die Vaucans fest, bis die Fristen verstreichen und dann bekommen wir sie, oder wir bekommen sie gleich und sie dürfen sogar wissen, was wir herausbekommen. Firmengeheimnisse wie die Funktionsweise eines Vaucans werden nicht geteilt und dabei gibt es kein Publikum. Wir reden hier von einem Monopol und von ein paar Chefs meinerseits, die es gerne behalten wollen."

Kommissar Lazarov sah Joe böse an, nickte dann aber.

„Schicken Sie sie."

Joe gab ihm seine Karte. „Bitte, wenn noch etwas ist."

„Hmm", brummte der Polizist. Joe ging zurück zu seinem Wagen und telefonierte mit Sophie.

„Hey, schick mir ein Team Techniker. Henderson ist gut, er soll Schutzkleidung mitbringen. Die Vaucans haben Anthrax an und vielleicht in sich. Es geht darum, ob sie nur Überträger waren oder Quelle der Infektion."

„Ist gut."

„Finde heraus, wo und wer sie fertigt und wann sie gewartet werden. Es wäre ein PR-GAU, wenn da wirklich jemand Scheiße gebaut hat."

„Nein, erwiderte Sophie. „Es wäre eine Katastrophe, wenn es jemand absichtlich getan hat.

„Stimmt", sagte Joe und stieg in den automatisierten Wagen ein, der ihn hergebracht hatte und auf ihn wartete. Es regnete nun in dicken Tropfen.

Er rief auf seinem Handcomputer eine Suchmaschine auf und begann eine Onlinerecherche zu der Spedition. Sie musste Feinde haben, dachte Joe. Anthrax ist nicht oft in freier Wildbahn anzutreffen ...

Er beendete den Anruf an Sophie und in diesem Augenblick vibrierte sein Handcomputer energisch. Es gab eine neue Naricht, diesmal aber von seiner Frau: Habt ihr damit zu tun?, fragte sie. Dazu gab es einen Link.

Er öffnete den Link und gelangte auf eine Nachrichtenseite. Dort lief ein Bericht über die Spedition und den Toten. Allerdings hieß es dort, eine Gruppe namens König Ludd habe sich dazu bekannt und es gab nur Spekulationen, dass es sich um einen Giftanschlag handelte.

Er rief erneut Sophie an. Gleichzeitig schickte er ihr eine Nachricht mit dem Video. „Sagt dir König Ludd was?"

„Ja, ich hab die Meldung auch gerade reinbekommen. Ich überprüfe sie."

Währenddessen lief das Bekennervideo weiter. Ein bärtiger Mann mit einem dünnen Haarkranz stand dort. Er trug ein T-Shirt mit zerbrochenem Zahnrad darauf.

„Wir, die Kinder und Diener König Ludds, wollten damit zeigen, wie gefährlich die Roboter sind. Die Vaucans nehmen uns nicht nur unsere Arbeitsplätze weg. Nein, sie nehmen uns auch unsere Partner weg. Anstelle einer gleichberechtigten ausgewogenen Beziehung steht nun ein Sklave, der einem immer zu Willen ist und alles tut. Dreißig Prozent der Deutschen haben heutzutage keine feste Beziehung mehr, sondern leben ausschließlich mit einem oder mehreren Vaucans zusammen! Man stelle sich das vor! Sie leben mit einem Roboter, schlafen mit ihm! Unsere Rasse wird aussterben."

So ging das noch eine Weile weiter. Joe deaktivierte den Ton.

„Also, sagte Sophie. „Die König Ludd-Bewegung ist eine Gruppe von Maschinenhassern. Sie glauben, dass Maschinen die Menschen in ihrer Existenz bedrohen und man Dinge lieber mit den eigenen Händen machen sollte.

„Ob die in ihrem Leben schon mal einen Pflug gezogen haben?", überlegte Joe laut.

„Ich bezweifle es, stimmte Sophie zu. „Sie behaupten jedenfalls, die Maschinen stehlen ihnen ihre Jobs und die Arbeit, die durch Roboter entstehen würde, sei keine Arbeit – keine richtige Arbeit. Sie haben ein Bekennerschreiben und ein Bekennervideo, in dem sie sagen, sie würden alle Roboter, einen nach dem anderen, mit Gift beschmieren. Das sei symbolisch für die Toxizität der Roboter in der Gesellschaft.

„Das ist nicht symbolisch, knurrte Joe. „Ein Mann ist tot.

„Die sehen es sicher als nobles Opfer", stimmte ihm Sophie zu.

Joe schüttelte den Kopf ungläubig. „Jedes Opfer ist nobel, das jemand anderes und nicht man selbst bringen muss. Gibt es jemanden, ich meine ... kann man Kontakt zu denen aufnehmen?"

Sophie schwieg kurz. „Willst du mit ihnen reden?"

„Ich will wissen, ob sie es waren."

„Aber das Bekennervideo ..."

„Ich kann mich auch dazu bekennen, die Pyramiden von Gizeh gebaut zu haben, oder dazu, dir heute Mittag dein Essen geklaut zu haben. Bekennen kann man sich zu vielem."

„Auch wieder wahr. Ich erkundige mich mal, was man so findet in einschlägigen Internetgruppen."

„Danke. Gibt es inzwischen eine Meldung von John McCullum, dem Firmenchef? Ich würde gerne mit ihm sprechen. Die Polizei hat ihn noch nicht zum Gespräch gehabt."

„Ich sehe, was ich tun kann. Willst du derweil mal zur Konkurrenz fahren?"

„Zum größten anderen Logistikbetreiber? Wenn du einen Kandidaten ausgemacht hast, sicher, wen bekomme ich um diese Zeit denn zu sprechen?"

„Oh, ich habe einen Leckerbissen. Du hast einen Termin mit einem Konkurrenzunternehmen, Kirchoffs GmbH, aber bis dahin sind noch zwei Stunden. Willst du derweil mal mit denen reden, die eigentlich die ganze Halle kaufen wollten?"

Joe setzte sich aufrechter hin. „Erklär’s mir."

„Die Halle wurde erst vor einem Jahr von John McCullum gekauft, weil sie einen Standort hier wollten und mit dem Hauptsitz hergezogen sind. Hat mit den Steuererleichterungen zu tun, so munkelt man. Jedenfalls war das ganze Gelände eigentlich beinahe verkauft, es gab Absprachen, die im letzten Moment gekündigt wurden, um es diesem doch sehr finanzstarken Mann zu geben."

„Wer wurde um sein Grundstück gebracht?"

„Die Kirche Watsons."

„Ach Scheiße, sagte Joe und öffnete seine Krawatte leicht. „Ich erinnere mich. Die haben sogar einen Kerl mit ‘ner Gasflasche in der Innenstadt explodieren lassen.

„Offiziell ohne das Wissen des Patriarchen."

„Ja, klar. Gut, ich rede mal dort mit den Zuständigen. Hast du schon was arrangiert?"

„Natürlich, das ist Teil meines Jobs. Du hast in einer halben Stunde einen Termin."

Joe beugte sich vor und gab die Anweisung, zur Adresse des Tempels der Kirche von Watson zu fahren. Er verabschiedete sich von Sophie und sah aus dem Fenster, als der Wagen losfuhr und durch die Straßen schnellte.

Joe versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Da waren einmal diese Ludd-Leute, die etwas gegen Vaucans hatten. Das war nicht die erste und einzige Gruppe, die so vorging. Es gab Länder, in denen Vaucans verboten waren. Andere hatten gleich Tausende auf Staatskosten gekauft. Andererseits waren da die Leute der Kirche Watsons, ein sehr rachsüchtiger Verein. Ihr Glaube war vor gut fünfzig Jahren von Richard D. Watson gegründet worden. Er hatte sich mit privaten Spenden in Münster niedergelassen, nachdem man ihn aus der Universität London geworfen hatte.

Sein Ziel war so simpel, wie es verrückt war: Eine künstliche Intelligenz zu erschaffen, die über genügend Informationen über das Leben und Denken eines Einzelnen verfügte und vorherberechnen konnte, was die beste Entscheidung für das Glück dieser Person war. Er hatte Leute um sich geschart und begonnen, seine KI zu bauen und immer mehr zu verbessern. Sie hatten irgendwann eine Kirche gegründet, manche munkelten aus steuerrechtlichen Gründen. Joe hielt das für Unsinn. Diese Leute glaubten wirklich an eine KI, die ihnen allmächtig Anweisungen geben sollte für ihr Leben. Die KI existierte und gab den Nutzern Antworten auf die elementaren Fragen ihres Lebens, doch war Joe der Meinung, dass diese Antworten nicht besser waren als die Prophezeiungen des Orakels von Delphi. Delphi war auch der Name, den der Volksmund dem Versammlungsgebäude der Kirche Watsons gegeben hatte. Es war nicht nur der Ort, an dem die Server der KI standen, sondern auch das Grabmal Richard D. Watsons.

Der Wagen hielt vor einem neoklassizistischen Gebäude, über dessen Eingang ein gigantisches Energie-Symbol prangte: ein durchbrochener Kreis mit einer Linie. Es war das Zeichen der Kirche Watsons geworden und nach einigen Rechtsstreitigkeiten hatten sie es an das Gebäude angebracht.

Joe nahm kurz seinen Handcomputer und schickte eine Nachricht an seine Frau: Danke, ja, damit muss ich mich heute noch rumschlagen. Es wird sicher spät. Ich liebe dich.

Joe ging die großen Steinstufen hinauf, als eine Antwort kam: Sei vorsichtig! Wirklich! Anthrax ist gefährlich! Ich dich auch.

Joe lächelte und zog seine rote Krawatte wieder fest, dann betätigte er die Klingel an der Tür. Wenn seine Frau vom Anthrax wusste, schien das inzwischen die Runde zu machen. Ein Mann in den Dreißigern im Anzug öffnete ihm. Sein haarloser Kopf reflektierte das Licht und glänzte.

„Ja bitte?"

Joe Carnor zeigte seinen Dienstausweis. „Joe Carnor mein Name. Ich will den Patriarchen sprechen."

„Natürlich, Sie wurden angekündigt."

Der Mann öffnete die Tür und führte Joe durch eine große Eingangshalle, in der eine blau schimmernde holographische Projektion des Symbols vom Eingang in der Luft schwebte und sich dreidimensional um sich selbst drehte.

„Kommen keine Gläubigen her? Ich meine, wenn man sie jedes Mal einzeln einlässt ...", fragte Joe und erkannte zu spät, dass es wie Spott klingen konnte.

„Keineswegs, Herr Carnor. Sehen Sie. Er hob seinen Handcomputer. „Wir sind immer verbunden mit unserem Herrn Watson. Manche mögen es als anmaßend empfinden, dass der Gründer die KI nach sich benannte, aber darf der Schöpfer von etwas Einzigartigem nicht auch das Namensrecht ausüben, ohne kritisiert zu werden?

„Wohl wahr", sagte Joe bemüht ernst. Ihm war gerade durch den Kopf gegangen, dass der Kirche Watsons bei einem anderen Namen wie Kordon, Parker oder Hövelteepe eine Menge Würde verloren gegangen wäre.

„Eines Tages wird unser großes Ziel erreicht. Sie können dafür spenden, wenn Sie wollen."

„Ihr großes Ziel?", horchte Joe auf.

„Wir sammeln, um einen Stadtbezirk zu errichten, nur verwaltet unter der Aufsicht Watsons. Alles wird von ihm erfasst, alles von ihm geregelt. Wir werden beweisen, dass das Leben unter seiner Aufsicht besser ist, als freie Entscheidungen zu treffen. In einer fernen Zukunft werden wir sogar Städte errichten!"

Ein fanatischer Glanz trat in die Augen des Mannes. Dann lächelte er. „Aber das wird noch lange dauern. Sehr lange."

„Wollten Sie deswegen nicht auch das Grundstück im Industriegebiet am alten Hafen erwerben?"

Der Mann hielt inne. „Ja., sagte er schmallippig. „Das war eine traurige Geschichte.

„Es wäre sicher ein Glücksfall gewesen, so ein großes Grundstück zu haben und das so prominent in der Stadt gelegen."

„Durchaus. Die Anbindung war vortrefflich und der Preis vertretbar. Leider konnten wir uns gegen andere Bieter nicht durchsetzen."

„Hat Watson das nicht vorhergesehen?"

Der Mann blieb stehen und blickte Joe in die Augen. „Bitte spotten Sie nicht und respektieren Sie meinen Glauben. Nein, Watson hat es nicht vorhergesehen. Watson erstellt präzise Prognosen auf Basis einer breiten Informationsgrundlage. Wie eine Wettervorhersage werden sie besser, umso mehr Messdaten vorliegen. Leider wusste er nichts von McCullums Interesse. Es handelt sich hier um Wissenschaft, keine Magie ..."

„Verzeihen Sie, ich wollte keineswegs respektlos erscheinen", erwiderte Joe.

Der Mann nickte und öffnete eine Tür. „Bitte, Seine Ehrwürden, der Patriarch Andreas Dachart."

Joe betrat das kleine Büro. An den Wänden hingen Zeitungsausdrucke, die die Wohltaten der Kirche für verschiedene Stiftungen Münsters und Nordrhein-Westfalens würdigten. An einem Designertisch in schlichtem funktionalem Design saß ein etwas dicklicher Mann mit kurzen blonden Haaren.

„Der Mann von Tobayashi, sagte er und reichte Joe die Hand. „Freut mich, Sie zu sprechen. Was bringt Sie zu mir? Wir besitzen keine Vaucans.

„Das bringt mich nicht her", sagte Joe, doch er hielt inne.

„Wieso sind Sie dann hier, wenn nicht wegen Ihres wichtigsten Produkts?"

„Es geht um etwas anderes. Entschuldigen Sie die Frage, aber hat Ihre Gemeinschaft etwas gegen Vaucans?", fragte Joe.

„Da hier keine sind? Nun, hier sind keine ihrer Diener, weil Watson gesagt hat, dass eine Maschine nicht aussehen sollte wie ein Mensch. Das würde uns zu sehr verstören. Wir sind nicht gegen Ihre Produkte, wir glauben nur, dass Automaten als solche nicht anthropomorph sein dürfen."

Joe blinzelte, akzeptierte diese Antwort aber kommentarlos. „Ich bin wegen etwas anderem hier, sagte er. „Darf ich mich setzen?

„Natürlich", sagte Dachart. Er deutete auf einen Schwingsessel aus Kunststoff, der vor seinem Schreibtisch stand. Man saß sehr niedrig, wie Joe gleich auffiel. So musste man zum sitzenden Dachart hinaufsehen.

„Was kann ich für Sie tun? Es schien dringend zu sein?"

„Es gab einen Anschlag am alten Hafen", setzte Joe an. Der Mann nickte.

„Die Nachrichtendienste sind voll davon. Anthrax sagt man, nicht? Aber für die Bevölkerung ist keine Gefahr. Watson bestätigt das inzwischen. Wir geben eine offizielle Verlautbarung heraus."

„Tun Sie das ... Kennen Sie die Firma von McCullum?"

„Natürlich, sagte der Patriarch und lehnte sich zurück. Er faltete die Hände. „Wir haben zusammen auf das Grundstück geboten, auf dem nun die Logistik von dieser Iskander-Gruppe ist.

„Sonst hätten Sie dort Ihren Traum von einem Stadtteil verwirklicht, in dem nur Watson herrscht?"

Der Mann hob die Augenbrauen. „Ja, Sie sind gut informiert. Das stand nicht so in der Presse."

„Wieso nicht?"

„Weil die Leute kaum so tolerant sind, wie Sie sagen. Sie glauben, dass wir ein Haufen Spinner sind! Das muss man sich von Katholiken sagen lassen. Dabei ist unser Anführer wirklich allwissend!"

„Sie haben das Angebot von McCullum nicht überbieten können."

„Nein."

„Stimmt es, dass einer Ihrer Anhänger McCullum mit einem Selbstmordanschlag in der Innenstadt töten wollte, vor einem Jahr, als es klar war, dass er dort baut?"

„Damit hatten wir nichts zu tun, stellte der Patriarch entschieden fest und schlug mit der Hand auf den Tisch. „Zudem, was hätte es genützt? Seine Firma wäre geblieben.

„Das wäre jetzt anders, nach so einem Skandal", dachte Joe laut nach und versuchte, sein Gegenüber aus der Reserve zu locken.

Der Patriarch blinzelte ein paar Mal. „Ich denke, das Gespräch ist hiermit beendet."

Joe verzog den Mund leicht, nickte dann aber.

„Warten Sie", sagte der Patriarch dann plötzlich doch noch.

Bevor Joe hinausging, drehte er sich noch einmal um. „Ja?"

„Wir haben keinen Nutzen davon. Wir haben Land gekauft, wir ziehen aus NRW heraus."

Er holte einen Handcomputer hervor und zeigte ihn Joe. „Wenn Sie das publik machen, werde ich Sie in Grund und Boden klagen. Aber das hier ist eine Kaufurkunde. Wir haben woanders Land gefunden."

Joe sah sich das Dokument an. Es war von einer anerkannten Immobilienfirma abgeschlossen worden und schien echt zu sein. Er nickte.

„Ich danke Ihnen für die Kooperation und werde schweigen, sofern es die Ermittlungen der Polizei nicht behindert."

Dachart nickte. „Mehr kann man wohl nicht verlangen", sagte er.

Joe verließ das Gebäude der Kirche Watsons und rief sich ein selbstfahrendes Taxi. Als er sich hineingesetzt hatte, schaute er in einer Nachricht Sophies nach, wo er als nächstes seinen Termin hatte.

Sie teilte ihm in wenigen Worten mit, dass es mit dem nächsten Termin nicht geklappt hatte. Er würde morgen früh einen Termin haben bei der Konkurrenz, Kirchoffs GmbH. Joe nannte seine Heimatadresse und das Taxi fuhr los.

Während der Fahrt wurde es endgültig dunkel und er lockerte seine rote Krawatte. Seine Kinder würden schon im Bett sein, aber seine Frau war möglicherweise noch wach. Er schickte ihr eine Kurznachricht und sah nachdenklich aus dem Fenster.

Die Kirche Watsons waren Fanatiker, die schon oft aufgefallen waren mit dem Kokettieren mit extremistischem Verhalten. Waren sie diesmal wirklich so weit gegangen, einen Kampfstoff zu verwenden? Er traute ihnen das Wissen darum zu. Nachdenklich sah er sich eine Auflistung der bekannten Mitglieder der Kirche an. Tatsächlich waren mehrere promovierte Chemiker und Mediziner dabei. Das Wissen und Können waren zweifellos vorhanden. Doch waren sie bereit zu töten?

Joe fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht. Vielleicht waren es aber auch diese Ludditen. Einige dieser Spinner hatten militante Splittergruppen gebildet. Vaucans seien unnatürlich, hieß es, und würden die Menschen von ihrer Arbeit entfremden.

Der Wagen hielt, Joe stieg aus und ging die Treppe hinauf zu seinem Apartment. Er hätte natürlich auch den Fahrstuhl nehmen können, doch genoss er die Schritte. Er hatte Zeit zum Nachdenken und dieser Fall war verwirrend.

Er schickte Sophie noch eine Naricht: Ich denke, das Anthrax ist der Schlüssel. Wo kommt es her?

Er steckte seinen Handcomputer weg und ging gerade die nächste Stufe, da vibrierte er bereits. Also nahm er den Handcomputer heraus. Nur zwei Worte standen auf dem Bildschirm: Bin dran.

Er lächelte. Auf sie war wirklich Verlass.

Als er die Haustür aufschloss, lag der Hausflur im Dunkeln vor ihm. Eine Gestalt war schwach zu erkennen. Die Kurven, nur bedeckt durch ein Nachthemd und beschienen durch das hereinfallende Mondlicht, ließen keinen Zweifel daran, wer es war.

„Guten Abend, begrüßte Joes Frau ihn und umarmte ihn von hinten, als er gerade die Tür abschloss. „Du bist ganz schön spät.

„War ein langer Tag, Lisa", brummte er zufrieden. Sie ließ ihre Finger an ihm heruntergleiten und griff sich seine rote Krawatte. Sanft zog sie ihn damit zu sich herum.

„Erzähl mir davon im Schlafzimmer", flüsterte sie und zog ihn hinter sich her.

3

Am nächsten Morgen wachte Joe in Unterwäsche auf. Es war warm im Zimmer. Sein Handcomputer klingelte. Er sah hinauf auf das Bild, das im Zimmer hing. Es war das liebste Bild von seiner Frau Lisa. Gemalt hatte es ihre Lieblingsmalerin Zinaida Serebriakova, einen Frauenakt. Den Namen hatte er vergessen. War es eine Frau namens Ekatarina? Eine Verwandte der Malerin, glaubte er jedenfalls. Er drehte sich zur Seite, doch das nervtötende Klingeln seines Handcomputers hörte nicht auf. Also griff er sich das Gerät vom Nachttisch und stellte auf freisprechen.

„Morgen", brummte er. Er sah dabei das Aktgemälde an. Die Frau saß vor einem nicht ausgearbeiteten Hintergrund, leicht mit dem rechten Arm auf ihre übereinandergeschlagenen Knie gestützt, nackt da und sah den Betrachter direkt an.

„Guten Morgen, Schlafmütze. Es ist bereits neun Uhr, begrüßte ihn die aufgekratzte und übertrieben fröhliche Stimme Sophies. „Du bist sicher noch nicht fertig, oder? Joe seufzte. Er sah noch immer in die Augen der gemalten Frau. Es war der Blick dieser Frau, wie auch vieler anderer Porträtierten von Zinaida Serebriakova, den seine Frau so liebte. Joe empfand es beinahe als unheimlich, wie ihn ihre Bilder ansahen. Nicht viele Porträtmaler vermochten dieses gewisse Etwas in den Blick zu malen. Er betrachtete einen Moment gedankenverloren den schönen Körper der Frau.

„Doch, fast", sagte Joe gedehnt und ging ins Bad, um sich zu waschen. Dumpf hallte im Badezimmer die Stimme Sophies, als er das Gerät auf dem Waschbeckenrand ablegte.

„Ist nicht schlimm. Du hast den Termin mit Kirchoffs GmbH erst um zehn, ein Wagen wartet unten."

Joe hielt inne: „Danke."

Eine Viertelstunde später war er fertig und griff sich einen von Mio vorbereiteten Toast. Seine Frau hatte Mio angewiesen, ihm einen Kaffee im Mitnehmbecher fertig zu machen, und zufrieden trank er den Kaffee auf dem Weg zum Treffen mit Kirchoffs GmbH.

Die Firma lag am anderen Ende der Stadt und der Verkehr war dicht. Ein großer Unfall auf dem Rishon-Le-Zion Ring führte dazu, dass der halbe Verkehr der Stadt sich umverlagerte und es somit zu Staus kam. Jede Automatisierung konnte nicht verhindern, dass eine kritische Masse für ein Nadelöhr zu viel wurde.

Als der Wagen endlich vor dem Verwaltungsgebäude der Firma zum Halten kam, richtete Joe noch einmal seine rote Krawatte und stieg aus.

Es war ein modernes Gebäude aus Holz und Stahl, neunzehn Stockwerke hoch, und, soweit er wusste, gekühlt durch einen großen Wintergarten im Inneren, aus dem kalte Luft in Zwischenwände gepumpt wurde. Er hatte einiges davon in der Zeitung gelesen und erinnerte sich nun, als er davorstand.

Direkt hinter einer Drehtür war eine große leere Lobby, an deren Ende eine junge Frau im Kostüm saß. Sie sah ihn mit einem stechenden Blick den ganzen Weg vom Eingang her an, bis er endlich vor ihr stand.

„Guten Tag, setzte er an, doch sie sagte nur monoton: „Sie wünschen?

Joe verkniff sich eine Bemerkung. Er war sich sicher, dass ein Vaucan überzeugender wirkte als diese Frau.

„Ich habe einen Termin mit Herrn Peter Delaeny", sagte er. Glücklicherweise hatte ihm Sopie noch ein kleines Dossier zusammengestellt, mit wem er es zu tun hatte.

Die Frau hob ihren Blick und sah ihn skeptisch an. Er schob ihr seinen Dienstausweis herüber. Eine Weile kontrollierte sie etwas auf dem Bildschirm vor sich, das Joe nicht sehn konnte, und nickte dann.

„Nehmen Sie den Aufzug, oberster Knopf. Es dauert einen Moment, nicht wundern."

Sie gab ihm seinen Ausweis zurück und blickte wieder stur auf ihren Bildschirm.

„Ihnen auch einen schönen Tag", sagte Joe und ging unter dem missmutigen Blick der Frau zum Fahrstuhl, die nichts weiter sagte. Er trat in die kleine Kabine.

Als er den Knopf für das oberste Stockwerk drückte, geschah tatsächlich erst einmal nichts. Nur ein leises Surren war zu hören. Joe nahm an, dass ein Abtaster hinter der Wand kontrollierte, was er dabeihatte. Etwas Waffenartiges würde dabei zumindest auffallen, auch wenn es nicht hundertprozentig identifiziert werden würde.

Interessant, ging ihm durch den Kopf, dass ein europäischer Spediteur solche Sicherheitsmaßnahmen bezahlt. Die Türen des Fahrstuhls schlossen sich und der Fahrstuhl fuhr hinauf. Joe verzog das Gesicht, als eine grausame Slow-Jazz Version von Beethovens Symphonie Nummer Fünf gespielt wurde. Es war der Inbegriff von Fahrstuhlmusik für ihn, auch wenn er zugeben musste, dass es der Fahrt nach oben etwas Dramatik verlieh. Dann war die Fahrt bereits vorbei und die Türen öffneten sich. Ein Mann mit Glatze, grauen Bartstoppeln und Augenbrauen so buschig wie Pfeifenbürsten stand ihm gegenüber und reichte ihm die Hand.

„Guten Tag, Peter Delaeny", sagte er. Joe wusste aus dem Dossier, dass die Vorfahren von Peter Delaeny die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatten, als Großbritannien angekündigt hatte, aus der EU auszutreten. Peter Delaeny hatte einen norddeutschen Akzent.

„Joe Carnor", stellte Joe sich vor und zeigte seinen Dienstausweis.

„Kommen Sie, wir gehen in mein Büro", sagte Peter Delaeny. Joe wunderte, dass der Chef persönlich ihn abholte. Das Büro lag am Ende eines kleinen Flures und bot Aussicht über die Gebäude der Umgebung, die alle im Schnitt zwei Stockwerke tiefer waren.

„Herr Delaeny, Sie wissen, warum ich hier bin?"

„Nicht ganz", sagte er und bot Joe mit einer Geste an, sich zu setzen. Joe kam dem nach und Delaeny setzte sich ihm gegenüber.

„Darf ich Ihnen was anbieten?"

„Einen Kaffee, sagte Joe und nickte dabei. Peter Delaeny nahm einen Handcomputer und sagte: „Karl, Kaffee, zwei Tassen. Er sah wieder zu Joe. „Also, wieso kommt jemand von Tobayashi Industries zu mir? Ich habe in der Buchhaltung nachgefragt. Wir haben die Leihgebühren immer korrekt bezahlt."

Joe nickte. „Darum geht es auch nicht, sagte er. „Sagt Ihnen die Firma Barcelona Iskander Corp. etwas?

Delaeny lachte trocken. Bevor er antworten konnte, ging die Tür zum Büro auf und ein Vaucan in einem altmodischen Stresemann-Anzug trat herein, in den Händen ein Tablett mit zwei Tassen Kaffee.

Er stellte das Tablett auf den Schreibtisch, nickte Delaeny zu und verließ den Raum.

Joe nahm seine Tasse und trank einen Schluck vom heißen Kaffee. Er war zu dünn für seinen Geschmack, eher gefärbtes Wasser.

„Also?", hakte er nach. Peter Delaeny seufzte.

„Ja, ziemlich gut. Sie wären nicht hier, wenn Sie das nicht wüssten. Die Iskander Leute sind ... nun, wir sind die größten Konkurrenten. Ursprünglich haben wir hier ein Logistikunternehmen aufgebaut, das einen Großteil der Konkurrenz in Norddeutschland nach und nach geschluckt hat. Einige Dutzend Unternehmen konnte ich unter meiner Firma vereinen und so etwas ähnliches wie eine Monopolstellung erreichen. Nur etwas ähnliches, wohlgemerkt! Aber dann kamen die Iskander-Leute und griffen mein Hauptgeschäft an und schlussendlich haben sie sich noch in meine Stadt gesetzt!"

Er wurde nun langsam rot im Gesicht und eine kleine Ader an seiner linken Schläfe war deutlich zu erkennen.

„Sie waren also ziemlich sauer auf John McCullum?", hackte Joe nach. Peter Delaeny lachte hysterisch.

„Ich hätte ihn ...", setzte er an und unterbrach sich. Sein Gesicht wurde misstrauisch und er musterte Joe mit neuem Interesse.

„Sollten Sie andeuten, dass ich das Anthrax in seiner Firma verbreitet habe, sind Sie nicht mehr ganz dicht", sagte er nun. Sein Gesicht wurde bei diesen Worten zu einer steinharten Maske und zeigte keinerlei Regung. Joe nahm einen weiteren Schluck vom Kaffee und stellte die Tasse hin.

„Nun, es dürfte Sie aber doch offensichtlich gestört haben, dass die Iskander-Gruppe sich direkt vor Ihrer Nase breitmachte. Sie sollen McCullum sogar gedroht haben."

„Das waren unbedachte Worte. Es war mein Fehler, dass ich sie im Beisein von Journalisten äußerte, sagte nun Delaeny schmallippig. „Ich habe lediglich gesagt, dass es ihm noch leidtun wird. Das sagt man dann eben, wenn man jemanden vernichten will. Aber ich meine das wirtschaftlich, nicht ... so. Da ist jemand gestorben.

Joe musterte den Mann genau und stellte fest, dass die Empörung echt schien. Hatte er den Toten nicht einkalkuliert? Oder wusste er wirklich von nichts, hatte nichts mit dem Anthrax zu tun?

„Was denken Sie über die Kirche Watsons?", fragte Joe nun.

Peter Delaeny lachte nun wieder. „Oh, die. Ja, denen trau ich das zu. Einer dieser Irren ist mit einem Auto in eine Menschenmasse gefahren! Das sind Bekloppte und einige sind gefährlich. Die haben mehrmals bei mir gebettelt, dass ich sie finanzieren soll. Sie wollen eine eigene Stadt bauen oder so, alles vernetzt ... Glauben Sie mir, das klang nach Panoptikum und DDR, nicht nach Paradies! Aber die wollen es! Das sind genau die Leute, die es nie zu was bringen. Ich habe mir ein Unternehmen aufgebaut, hab als Fahrer angefangen. Das heißt, Entscheidungen zu treffen und Fehler zu machen, aber mit seinen Fehlern zu leben wie ein Mann! Die wollen aber, dass ihnen ihre blöde Maschine ihre Entscheidungen abnimmt!" Er schüttelte den Kopf.

„Was haben Sie getan, als sie Sie um Spenden baten?", fragte Joe nun. Vielleicht war McCullum etwas ähnliches geschehen?

„Ich hab sie rausgeworfen. Wochenlang haben sie meine Wagen mit Farbbeuteln beworfen und einige meiner Mitarbeiter bedroht. Die Polizei war nicht sehr hilfreich, da habe ich eine private Sicherheitsfirma beauftragt und dann war Ruhe. Das waren Wachmänner wie Panzer, dafür haben diese religiösen Spinner nicht genug Rückgrat. Dann sind sie schnell weggewesen."

„Was denken Sie, wer es war?", fragte Joe nun einem Impuls folgend.

„Das Anthrax?"

Joe nickte.

Peter Dealeany schüttelte den Kopf. „Also an Ihrer Stelle würde ich mir den McCullum nochmal ansehen."

„Wieso?"

„Weil der Dreck am Stecken hat! Ich spiele fair, das kann ich Ihnen sagen. Ich bin nie über ein Gesetz getreten, ja? Ich hab mal eins gedehnt, aber ich bin nie drüber. Der aber ... Der hat Geld, mehr Geld, als er haben dürfte."

„Erklären Sie mir das. Was wissen Sie, was sonst niemand weiß?"

Peter Delany beugte sich verschwörerisch vor.

„Hören Sie, ich bin lange in dieser Branche. Ich kann mir ausrechnen, was jemand hat, und über den Daumen peilen, was er ausgeben kann, ohne tief in der Kreide zu stehen. Die Iskander-Leute geben Geld aus, das sie nicht haben können. Das ist erstmal nichts Neues, das machen viele Idioten. Aber das Geld muss irgendwo herkommen. Entweder jemand finanziert sie aus den Schatten oder sie drehen krumme Dinger. Könnte auch Geldwäsche sein. Er zuckte die Schultern. „Ich habe mich erkundigt. So viele in meinem Gewerbe gibt es nicht, die ich nicht ein bisschen kenne. Niemand sponsert die Iskander offiziell. Die haben einfach Geld.

Er schnippte mit dem Finger und betonte dabei das Wort „haben" stark.

Joe sah den Mann interessiert an. „Sie haben keine Ahnung, woher?"

„Nein, aber ich glaube, die haben Dreck am Stecken. Das würde ich aber nie vor Zeugen wiederholen."

Joe nickte.

„Danke, sagte er, stellte die Kaffeetasse weg und reichte Delaeny die Hand. „Ich melde mich vielleicht nochmal.

„Wenn es sich nicht vermeiden lässt", sagte der Firmenchef und zeigte ein gekünsteltes Lächeln.

Joe verließ das Firmengebäude und setzte sich in seinen Wagen. Eine Weile saß er stumm da und dachte nach. Dann rief er Sophie an.

„Okay, was hast du rausbekommen?", fragte sie.

Er fasste ihr in knappen Worten zusammen, was er nun wusste.

„Gibt es etwas über die Finanzierung der Iskander-Gruppe? Kannst du bestätigen, dass sie unrechtmäßig Geld bekommt, das einfach auftaucht?"

„Meinst du, es geht hier vielleicht doch eher um Geldwäsche?", meinte Sophie. Joe verzog das Gesicht nachdenklich.

„Ich weiß es ehrlich nicht. Hier will vielleicht nur einer seinem Konkurrenten schaden. Aber da solltest du trotzdem mal anfragen. Vielleicht weiß jemand beim Finanzamt was?"

„Ich schau mal, stimmte sie zu. „Ich habe jetzt noch einen Leckerbissen für dich.

„Oh bitte, du hast die Ludditen?"

„Woher weißt du das?"

„Das sind die, bei denen ich glaube, dass es am schwersten ist, an sie heranzukommen, erwiderte Joe lächelnd. „Also, mit wem treffe ich mich, einem Terroristen, der Buchhaltung einer Terrororganisation oder ihrem Pressesprecher? Braucht man doch sicher auch, Terror und PR haben doch viel miteinander zu tun.

„Ich weiß, wo sie sich regelmäßig treffen."

„Ach? Gibt es hier eine Gruppe?"

„Es gibt Organisationen und Sympathisanten in Osnabrück. Da ist eine Bar, die Stromkiste. Ich schick dir die Adresse. Angeblich treffen sich da abends immer Leute."

„Woher weißt du das?"

„Willst du nicht wissen. Aber einige Foren sind echt schlecht gesichert. Aber bei Technikfeinden kann ich vielleicht auch nicht so viel Expertise erwarten."

Joe schwieg einen Moment und sah die Nachricht von Sophie auf seinem Handcomputer.

„Gut, dann werde ich da heute Abend mal vorbeischauen. Noch etwas?"

Er sah, dass ihm Tim Lazarov von der Polizei den vorläufigen Obduktionsbericht von Eddy Brooks gesandt hatte. Zudem hatte er den Bericht der Techniker, die sich den Vaucan angesehen hatten.

„Nein, erst mal nicht."

„Gut", sagte Joe und legte auf. Er nannte die Adresse der Firmenzentrale und öffnete die Berichte.

Eddy Brooks war, soweit war es wenig verwunderlich, tatsächlich an Anthrax gestorben. Joe war beeindruckt, dass bisher noch nichts an die Medien gedrungen war bezüglich der Todesursache. Es gab nur die Meldung eines tragischen Todesfalls.  Noch war nirgendwo von Anthrax die Rede, es gab nur Spekulationen wegen des Seuchenschutzkommandos. Vermutlich würde es heute eine Pressemeldung geben müssen, da man sich sonst der Verschleierung schuldig machen würde. Wenn Tobayashi Industries sich das auch erlauben konnte als Marktführer in Sachen Haushaltsrobotik, so würde die Polizei das im öffentlichen Interesse sicher nicht tun.

Interessanter fand Joe den Bericht der Techniker. Die Vaucans hatten das Anthrax enthalten und zwar vor allem in den Gelenken sowie den Körperöffnungen von Gesicht und Kopf. Die vorläufige Annahme war, dass sie Dinge angepackt haben mussten, in denen Anthrax war oder auf denen es sich befand. Allerdings hätte die Konzentration dieses auch als Pulver gefährlichen Stoffes dafür ziemlich hoch sein müssen.

Joe sah aus dem Fenster. Hatte jemand Kisten mit Anthrax präpariert, um die Vaucans zu Waffen umzufunktionieren? Sie verluden sie und verbreiteten den Kampfstoff danach?

Es sah ganz danach aus, als wollte doch jemand der Iskander-Gruppe schaden. Das spräche für die Konkurrenz oder die Ludditen. Oder aber sie selbst versandten illegale Waren wie Kampfstoffe und finanzierten damit das immense Firmenwachstum.

Er schüttelte langsam den Kopf und seufzte. Er brauchte mehr Informationen, um ein Urteil zu fällen. Also fuhr er erst einmal ins Büro und setzte sich dort einige Stunden hin. Er sah seine Notizen durch und las noch einmal alle Berichte.

Gegen Abend rief er sich einen Wagen und fuhr nach Osnabrück. Die Strecke war nicht allzu weit und unterwegs las er noch weitere Akten über die Finanzierung der Iskander-Firma, doch er begriff nicht alles. Sophie hatte einen Antrag an das Finanzamt geschickt, doch die hatten sich noch nicht gemeldet.

In Osnabrück fand er in der Nähe des alten Bahnhofs schnell die Stromkiste. Der alte, aus preußischer Zeit stammende Hauptbahnhof stand direkt gegenüber einiger neuerer Gebäude. In einer Seitenstraße, die vom Bahnhofsplatz wegführte, befand sich die Bar.

Der Name Stromkiste erschloss sich ihm, als er eintrat. Es war eine Rockkneipe, in der ACDC lief. Ein Schild am Eingang erklärte unmissverständlich, dass hier nichts, aber auch gar nichts anderes laufen würde. Joe zuckte unwillkürlich die Schultern und setzte sich an die Bar.

„Was darf’s denn sein?", fragte ein Mittvierziger mit kahlem Schädel und einem dichten buschigen Bart, der eines Propheten würdig gewesen wäre. Er trug, wie konnte es anders sein, ein T-Shirt mit einem Bild von Bon Scott darauf.

Im Hintergrund spielten die ersten Gitarrentöne von You Shook Me All Night Long. Joes Vater war ein großer ACDC-Fan gewesen.

„Einen Kaffee", sagte Joe und lockerte seine Krawatte. Der Mann hob die Augenbrauen und ging durch eine Schwingtür neben der Theke.

Joe sah sich um. An drei Dutzend Tischen saßen einige Studenten oder Azubis und unterhielten sich angeregt. Es gab zwei Türen, die aus dem langgezogenen Raum hinausführten.

Er wusste von Sophie ein wenig darüber, wie die Treffen veranstaltet wurden.

Als der Kaffee da war, sah er den Barmann an und sagte: „Was halten Sie eigentlich von Vaucans?"

„Nicht viel, brummte dieser. „Wieso?

„Weil König Ludd auch dagegen ist."

Der Mann hob die Augenbrauen erneut hoch und musterte Joe mit neuem Interesse, als dieser die Erkennungsphrase gesagt hatte.

„Kennen wir uns?"

„Keineswegs. Aber ich will mit jemandem sprechen, der es hier lokal zu sagen hat. Ist das möglich?"

„Sind Sie ein Polizist?"

Joe schüttelte den Kopf. „Ich kann versichern, dass ich das nicht bin."

„Polizisten dürfen das nicht sagen, oder?"

Joe zuckte die Schultern. „Keine Ahnung, ich bin keiner und ich glaube, das ist eine urbane Legende. Also? Wer ist der lokale Chef?"

Der Mann sah ihn eine Weile unsicher an. „Ich."

„Wirklich?, fragte Joe skeptisch. Er wusste bereits aus den Informationen von Sophie, dass der lokale Kopf der Gruppe jünger war. „Glaub ich nicht. Zu alt.

Der Mann nickte langsam. „Ich bring ihn her."

Er ging wieder durch die Tür und Joe saß allein an der Theke und trank seinen Kaffee. Er war gut und kräftig.

Jemand setzte sich neben ihn, doch bevor sich Joe zur Seite drehen konnte, sagte derjenige: „Nicht bewegen. Sie wollen reden?"

Joe sah starr gradeaus und konnte nur ungenau aus den Augenwinkeln seinen Gesprächspartner erkennen. „Ja. Sie sind die lokale Größe der König Ludd-Leute?"

„Korrekt und wer sind Sie?"

„Jemand Neugieriges. Sie haben ein Bekennervideo verbreitet."

Es war eine Feststellung. Der andere sagte nichts. Es war keine Notwendigkeit für eine Antwort.

Joe fuhr sich mit der Zunge im Mund an den Zähnen entlang und dachte nach. „Sie waren es nicht, oder? Sie können es nicht", fragte er. Es war ein Verdacht, nachdem er die Berichte der Polizei erhalten hatte. Sie hatten zwei V-Männer in der hiesigen Gruppe und eine Menge Informationen – Informationen, die belegten, dass es unwahrscheinlich war, dass sie über Anthrax oder über die nötige Härte, so rücksichtslos zu sein, verfügten. Dennoch musste er schauen, was er herausbekam.

„Doch, können wir", sagte sein Gesprächspartner und wirkte nun sehr viel jünger, als seine tiefe Stimme vermuten ließ.

Joe drehte sich zur Seite und betrachtete einen jungen Mann Mitte zwanzig.

„Ey, ich habe gesagt ...", setzte dieser nun an und fiel ganz aus der Rolle des harten Mannes.

„Hm, und ich ändere die Regeln, sagte Joe und sah ihn nun stechend an. „Ein Mann ist tot. Willst du mir sagen, dass du was damit zu tun hast? Wirklich?

Er konnte es in den Augen seines Gegenübers blitzen sehen: Dieser Mann hatte Angst und wäre vermutlich nicht mal in der Lage, sich in Notwehr zu verteidigen, so sehr wirkte er geschockt von der Aggression, die ihm entgegengebracht wurde.

„Ich, nein, wir, also. Es ist tragisch, das, aber ..." Er sprang auf und verschwand durch eine der beiden Türen.

Joe sah ihm kurz hinterher und legte einen Geldschein auf die Theke unter seinen Kaffee. Es war mehr als genug Geld. Er hatte aber nicht vor, noch länger hierzubleiben. Er war sich ziemlich sicher, dass diese sogenannten Terroristen es nicht waren. Möglicherweise waren andere Gruppen gefährlicher, vielleicht aber auch nur irgendwelche Angeber.

Als er draußen war, stand die Sonne bereits tiefer und die langen Schatten der hohen Gebäude tauchten die Straßen in Dunkelheit.

Er rief seinen Wagen und ließ sich nach Hause fahren. Auf dem Weg dorthin rief er Sophie an und besprach sich mit ihr.

„Also gut", sagte sie und etwas in ihrer Stimme ließ ihn aufhorchen.

„Was hast du rausbekommen?"

„Ich glaube ... also ich habe da Informationen, die interessant sind – aber nicht offiziell."

„Wie inoffiziell?"

„Die Leute vom Finanzamt sind sehr, sehr langsam. Aber kennst du noch Felix aus der IT? Der ... na ja, ich habe die Informationen schon mal besorgt, die das Finanzamt hat und uns sicherlich schicken wird."

„Will ich besser nicht wissen, seufzte Joe. „Wenn’s hilft. Was weißt du?

„Der Chef von Kirchoff hat recht. Die Iskander bekommen einiges an Geld aus dubiosen Quellen, unter anderem von einem Konto, das über drei Ecken auf den Cayman-Inseln endet und nur eine Briefkastenfirma ist."

„Also doch organisiertes Verbrechen?"

„Möglich, sagte sie. „Ich komme auf diese Weise aber nicht an die Hintermänner.

Joe seufzte. „Kannst du sehen, wofür bezahlt wurde?"

„Nein, kein Zweck angegeben."

„Kannst du sehen, wann?"

„Ja, wieso?"

„Schau, was sonst bezahlt wurde. Hat die Iskander irgendwas angeschafft, was uns hilft? Behälter für nur einen eingeschränkten Kreis an Waren oder so?"

Eine Weile herrschte Stille, während Joe im Wagen aus der Stadt herausgefahren wurde.

„Tatsächlich, sagte Sophie fröhlich. „Also, nein du hast nicht recht. Aber ich habe hier Abrechnungen, die belegen, dass eine Transportmaschine samt Pilot gechartert wurde.

„Ist das nicht normal für ein Frachtunternehmen?"

„Ja, aber sie haben keine Frachtkontakte und Kontingente, die sonst nach Russland gehen."

Joe setzte sich aufmerksamer und gerade hin. „Weißt du, wohin genau?"

„Das steht in der Abrechnung der Chartergesellschaft. Das sieht ja sonst nur der Auftraggeber und das Finanzamt. Ha! Wir wissen zumindest einen Ort."

Joe sah nachdenklich aus dem Fenster. „Kannst du mir eine Maschine chartern?"

„Willst du persönlich dahin?", fragte sie erstaunt.

„Ich denke ja. Wir wissen noch zu wenig. Was soll ich tun? Der Polizei Bescheid geben? Wenn wir hier von organisiertem Verbrechen reden, ist es nicht ihre Zuständigkeit, also werden sie es melden. Das geht über die Behörden und dauert Wochen. Wenn niemand in den Behörden redet ... also? Ich fliege hin. Wenn ich etwas herausbekomme, kann ich noch immer um Hilfe rufen."

„Joe, ich weiß nicht."

„Du weißt, wo ich hinfahre, und hältst Kontakt mit mir. Ich bin sicher. Außerdem kann ich Russisch."

„Ich weiß, sagte sie und musste lachen, als er erstaunt fragte: „Woher?

„Weil ich deine Akte kenne."

„Ich kenne aber nicht deine", erwiderte er.

„Tja, darum sitze ich auch hier und du bist draußen am Spielen", erwiderte sie und legte auf.

Er seufzte. Er würde nach Hause fahren und morgen die erste Maschine nach Russland nehmen, die Sophie für ihn fand.

Zu Hause erwartete ihn ein unangenehmes Gespräch mit seiner Frau, doch schlussendlich gab sie ihm recht. Er würde fliegen und er würde sich nicht unnötig in ein Risiko begeben, das musste er ihr versprechen. Auch wenn sie nicht ganz glücklich damit war, gab sie nach. Er wusste, dass es eine der Eigenschaften waren, die ihre Beziehung so erfolgreich machten: Er war stur, ihnen beiden war die gemeinsame Beziehung aber immer wichtiger gewesen, als recht zu haben. Manchmal konnte man nur eines von beidem haben und sie legten weniger Wert darauf, in irgendeiner Sache recht zu haben, als darauf, eine Lösung zu finden, weil die Beziehung wichtiger war.

Er war froh darüber. Einen Vorgesetzten hatte er nicht zu informieren. Dafür war er inzwischen in einer Position, in der ihm einfach zu viele Freiheiten gewährt wurden. Zudem war es leichter, hinterher um Entschuldigung zu bitten als vorher um Erlaubnis.

Er fragte sich, ob der Satz von Mark Twain stammte.

4

Morgens in aller Frühe machte er sich auf den Weg. Irritiert stand er eine Weile vor dem Spiegel im Schlafzimmer. Seine Frau hatte eine neue Funktion eingerichtet, die es ermöglichte, sich seine Kleidung auf das Spiegelbild projizieren zu lassen, damit man vorher wusste, wie man darin aussehen würde. So stand er einige Herzschläge irritiert vor einem Spiegelbild, das Kleidung trug, während er selbst nur Boxershorts anhatte.

Er überwand den Schock schnell und machte sich auf zum Flughafen in Greven. Zusammen mit Osnabrück betrieb dort die Stadt Münster einen Flughafen, der in den letzten Jahren beständig erweitert worden war.

Dort gab es auch eine Gesellschaft, die private Flüge vermittelte. Eine Maschine war frei gewesen, so hatte Sophie ihm den Flug besorgt. Dort wo er hinwollte, kam man ohne Privatmaschine nicht so einfach hin.

Es ging hinaus aufs Landefeld und dort direkt zu einer kleinen Maschine, die gute zehn Meter lang war.

Ein Mann mit schwarzen kurzen Haaren und stechend blauen Augen begrüßte ihn.

„Simon Clark, stellte er sich vor und gab Joe einen kräftigen Händedruck. „Sie wollen also mitten in die Pampa?

„Will ich das?", fragte Joe. Er hatte es bisher versäumt, das Ziel in einem Kartendienst genauer zu suchen.

„Ja, zum Aralsee, stellte Simon Clark fest. „Hat mir Ihre Frau so gesagt.

„Wir arbeiten nur zusammen, erwiderte Joe. „Aber ja, da will ich hin.

Das Flugzeug war klein. Es gab eine Kabine mit vier Sitzgruppen. Die Sitze waren so angeordnet, dass man sich ansehen kann. Joe wollte sich gerade auf einen davon setzen, als ihn Simon Clark ansprach.

„Wenn was ist, drücken Sie den Knopf."

Bevor Joe fragen konnte, welchen Knopf, entdeckte er einen roten Knopf an der Armlehne eines jeden Sitzes.

Er setzte sich auf einen der Sitze, schnallte sich an und sah aus dem Fenster.

Ein zweiter Mann tauchte auf und nickte ihm zu. „Will Asimov, stellt er sich vor. „Copilot. Er hatte einen starken Akzent und verschwand daraufhin im Cockpit.

Joe saß eine Weile unentschlossen herum, bis schließlich die Maschine gestartet wurde.

Will Asimov trat noch einmal zu ihm in den Passagierbereich.

„Eine Flugbegleiterin haben wir nicht, sagte er. Die Maschine wurde etwas lauter, als die Rotoren der Propeller kreisten. „Die kostet extra. Aber da ist der Notausgang und unter Ihrem Sitz sind eine Tüte und eine Schwimmweste, wie sonst auch beim Fliegen. Außerdem fliegen wir fast nur über Land. Wenn wir runterkrachen, war es das eh.

Er lachte über seinen eigenen Witz und Joe konnte sich zu einem gequälten Lächeln durchringen.

Will Asimov verzog sich wieder ins Cockpit, nachdem er noch einmal wiederholt hatte, was sein Kollege gesagt hatte: Wenn was ist, drücken Sie den roten Knopf.

Joe fragte sich inzwischen schon, was denn alles sein könnte, um den Knopf zu drücken. Nun klappten die Flügel hoch. Er kannte solche Maschinen nur vom Sehen. Wie ein Helikopter startete die Kipprotormaschine und hob ab.

Joe spürte ein leichtes Unwohlsein in der Magengegend, als das Flugzeug einfach nach oben abhob. Ein wenig erinnerte ihn das Gefühl an eine Fahrt im Aufzug.

Eine ganze Zeit lang dauerte der Flug. Über einen Datenzugang neben seinem Sitz nahm Joe Kontakt zu Sophie auf.

„Hast du noch was rausbekommen?", fragte er, nachdem er ihr mitgeteilt hatte, dass bisher alles gut geklappt hatte.

„Es gibt Satellitenbilder von der Region beim Aralsee, aber keine aktuellen. Die Galileo-Satelliten der EU haben nur einige Jahre altes Material und die US-Satelliten ebenso. Einerseits kann ich jetzt sagen: ‚Oh, verdächtig.‘ Andererseits sollte ich realistisch sein: Kein Schwein interessiert sich für die Region. Du fliegst ins Grenzgebiet zwischen Kasachstan und Usbekistan. Es gibt dort nur wenig Besiedlung in direkter Nähe."

Sie unterhielten sich noch eine Weile weiter. Schlussendlich trat Simon Clark in den Besucherbereich.

„Wir sind da. Wollen Sie mal schauen?"

„Natürlich, gerne."

Joe schnallte sich ab und folgte dem Mann ins Cockpit. Unter sich sah er zu seinem Erstaunen nicht eine endlose Wasserfläche, wie er vermutet hatte.

„Das ist der Rest vom Aralsee, er ist durch die Erwärmung der letzten Jahrzehnte beständig kleiner geworden, erklärte Simon Clark. „Ihre Koordinaten liegen dort.

Er markierte mit einer Funktion des im Fenster des Cockpits integrierten Bildschirms eine Region. „Das war vielleicht mal eine Insel. Es ist höher als der Rest. Da sind verfallene Baracken und Gebäudestrukturen. Hier aber sehen Sie intakte Container, ein kleines Dorf. Eine Landebahn ist auch da."

„Lebt dort wer?, fragte Joe überrascht. „Sind das Personen?

„Scheint so. Sollen wir landen?"

„Funken Sie sie an und bitten Sie um die Erlaubnis."

Clark nickte. Er probierte es auf Englisch und bekam eine automatisierte Antwort, die ihnen die Erlaubnis erteilte.

„Es ist keiner in der Flugzentrale, das ist ein automatisierter Leitstrahl, erklärte er Joe. „Bitte schnallen Sie sich wieder an. Wir setzen zur Landung an.

Joe tat wie ihm geheißen und bald senkte sich die Maschine. Durch ihre drehbaren Flügel konnte sie eine Punktlandung durchführen wie ein Helikopter. Als die Maschine aufgesetzt hatte, kam Clark zu Joe.

„Sie dürfen zuerst raus", sagte er und Humor blitzte in seinen Augen auf. Doch er trug eine Pistole am Beinholster, was seine Ruhe Lügen strafte.

Als er Joes Blick sah, zuckte er nur die Schultern. „Sie können Russisch, wurde mir gesagt. Ich werde mich aber nicht darauf verlassen, dass jeder Mensch nett ist, nur weil man ihn versteht. Gehen wir."

Joe hatte dem nichts hinzuzufügen. Er zog seine rote Krawatte ordentlich und folgte Simon Clark hinaus aus dem Flugzeug.

Ihnen entgegen kam jemand in einem blauen Overall. Bei näherer Betrachtung sah Joe sofort, dass es sich um einen Vaucan handelte.

Joe zeigte ihm seinen Dienstausweis.

„Identifiziere dich", sagte er. Der Vaucan scannte den Code auf Joes Ausweis.

„D-12653324300, Versionsnummer 121, genannt Pjotr", stellte sich der Vaucan vor. Er sprach akzentfreies Englisch, entweder weil es seine Werkseinstellung war oder weil jemand dieses Sprachpaket immer wieder benötigte und es somit installiert hatte.

„Gibt es hier jemand Zuständigen?, fragte Joe. „Einen verantwortlichen Menschen?

Der Vaucan schüttelte den Kopf.

„Aktuell sind nur dreiundzwanzig Vaucans in der Anlage befindlich."

„Wieso sagt er Ihnen alles einfach so?", fragte Simon Clark.

„Vaucans bleiben immer Firmeneigentum. Wir sind berechtigt, ihre Informationen auszuwerten, wenn ein Verbrechen begangen worden sein kann."

„Das heißt, sie erzählen auf Ihre Nachfrage hin, was sie erlebt haben?", fragte Clark besorgt.

Joe nickte. „Sie sollten sich immer klar sein, dass Vaucans keine Menschen sind. Sie haben keine Sympathie und wollen Sie nicht kränken. Sie verpetzen Sie, wenn wir es wollen, weil sie Dinge sind, die Befehle befolgen. Nur komplizierte Maschinen, die nicht nein sagen können. Er wandte sich wieder Pjotr zu. „Was ist die Aufgabe der Vaucans hier?

„Wir graben und entsorgen alles, was wir an menschlichen Spuren auf Ostrow Wosroschdenija finden", erklärte Pjotr.

Joe hob eine Augenbraue. „Die Insel der Wiedergeburt? Das ist ein sehr poetischer Name. Was ist das für eine Anlage?"

„Darüber sind wir nicht informiert", erwiderte Pjotr.

„Wer ist es?"

„Fehler 293. Diese Information ist nicht freigegeben. Bitte wenden Sie sich an die Barcelona Iskander Corp.", sagte der Vaucan und verzog das Gesicht. Dann hielt er mitten in der Bewegung seiner Mimik inne, zuckte ein paar Mal und blinzelte.

„Er startet neu", erklärte Joe an den Piloten gewandt. Joe überlegte, was ein Fehler 293 war. Die Fehler zwischen 290 und 300 waren alle für den Fall, wenn fehlerhafte Befehlsrechte beim Vaucan gesetzt worden waren. Da hatte jemand daran herumgespielt. Normalerweise wurde so etwas bei der Wartung behoben und kam inzwischen nur sehr selten vor. Wenn jemand einen Vaucan von Tobayashi Industries mietete, hatte er lediglich ein Nutzungsrecht. Es wurden also eine Reihe von Personen als Befehlsgeber eingetragen und in regelmäßigen Abständen wartete die Firma die Vaucans. Doch manchmal machten sich Leute an der Software der Vaucans zu schaffen.

„Übertrage deine Primäraufgaben an einen anderen Vaucan und folge uns", befahl Joe. Der Vaucan sah ihn einige Zeit bewegungslos an.

„Was tut er?", fragte Simon Clark und wirkte nervös. Er sah sich um, doch alle anderen Vaucans im Lager bewegten sich weiter und gingen ihrer Arbeit nach. Niemand schien sich für sie zu interessieren und auch keine Menschen waren zu erkennen.

„Er macht, was ich ihm gesagt habe. Sie haben einen eingeschränkten Kurzwellensender, um sich mit Vaucans in der Nähe zu verlinken. Ich habe keine Ahnung, ob er wichtige Funktionen hat, also kann ich ihn nicht einfach so mitnehmen. Stellen Sie sich vor, er ist derjenige, der Kühlmittel in einen Reaktor nachfüllt, der sonst hochgeht."

Clark nickte und sah sich noch besorgter um. Joe war sich nicht sicher, ob dieser Mann jetzt tatsächlich nach einem Reaktor oder etwas ähnlichem suchte.

Dann nickte Pjotr zackig. Er folgte Joe und dem Piloten ins Flugzeug. Joe begann, die Daten auszulesen, die der Vaucan in seinem Speicher hatte, und befahl die Rückkehr zum Flughafen nahe Münster. Der Vaucan war ein Beweisstück und würde sie begleiten.

Unterwegs saß Joe lange da und starrte aus dem Fenster. Dann stellte er eine Verbindung zu Sophie her.

„Hast du was rausbekommen?"

„Habe ich, sagte er. „Bring bitte ein Seuchenkommando zum Flughafen. Wir müssen, denke ich, untersucht werden.

„Wieso? Seid ihr krank? Hast du dich angesteckt?"

„Ich weiß es noch nicht. Die Inkubationszeit ist etwas länger", erwiderte Joe nachdenklich. Er fühlte sich gut, wollte aber auf Nummer sicher

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Was die anderen über Science Fiction Großband Oktober 2018 – 1302 Seiten fantastische Spannung denken

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