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Der Löwe. Mike Winter Kriminalserie, Band 12. Spannender Kriminalroman über Verbrechen, Mord, Intrigen und Verrat.
Der Löwe. Mike Winter Kriminalserie, Band 12. Spannender Kriminalroman über Verbrechen, Mord, Intrigen und Verrat.
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eBook258 Seiten3 Stunden

Der Löwe. Mike Winter Kriminalserie, Band 12. Spannender Kriminalroman über Verbrechen, Mord, Intrigen und Verrat.

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Über dieses E-Book

Skrupelloser Mord und blutige Rache. Der Manager des World Space Centers in Bremen sitzt noch zu später Stunde über den miserablen Bilanzen des abgeschlossenen Quartals, als ein Mann mit Pistole in sein Büro stürmt. Der Unbekannte sinnt auf Rache. Erst als er sein Opfer mit einem Namen betitelt, den nur wenige Menschen kennen, beginnt dieser zu begreifen. Zu spät, wie sich schon Sekunden später erweist, als er tödlich getroffen zu Boden sinkt.
Schon in der nächsten Nacht dringt der Unbekannte in eine Braunschweiger Wohnung. Es ist der Ort, an dem der Bruder des ermordeten Managers lebt. Ebenfalls ein erfolgreicher Geschäftsmann und Leiter des Münzhandelshauses Koch. Auch er ist das Ziel seiner Rache, soll für das, was er verbrochen hat, mit seinem Leben bezahlen. Was der Killer nicht ahnt, ist dass er beobachtet wird. Zur gleichen Zeit wird in dem angrenzenden Münzkontor ein Einbruch verübt. Der Fluchtweg des Meisterdiebs führt ihn am Ort des Mordes vorbei. Er wird Zeuge der Tat, doch da es ihm nicht möglich ist einzugreifen, muss er tatenlos mit ansehen, wie der Killer das Werk seiner Rache beendet.
"Der Löwe" ist das 12. Buch der Mike Winter Krimiserie.

SpracheDeutsch
HerausgeberKlarant
Erscheinungsdatum4. Jan. 2013
ISBN9783943838695
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    Buchvorschau

    Der Löwe. Mike Winter Kriminalserie, Band 12. Spannender Kriminalroman über Verbrechen, Mord, Intrigen und Verrat. - Uwe Brackmann

    4

    Danksagung

    Ich danke Frau Viola Dowhanycz und Herrn Jürgen Nieber für ihre freundliche Unterstützung bei der Verwirklichung dieses Romans.

    Einleitung

    Der Löwe ist der zwölfte Teil einer überwiegend in Bremen spielenden Krimiserie deren Hauptdarsteller die Mitarbeiter der Mordkommission 2 sind.

    Die jeweils abgeschlossenen Fälle reflektieren die Arbeit der Mordkommission 2 innerhalb der Bremer Kriminalpolizei. Sie geben aber auch Einblicke in das Privatleben des Kommissars Mike Winter und seiner Mitarbeiter.

    Mike Winter ist leitender Oberkommissar. Sein väterlicher Freund, der Kriminalrat Gerd Kretzer, unterstützt ihn bei seiner Arbeit. Zusammen mit Edda Blache und Aron Baltus sind sie das Team der MK 2.

    Privat schwebt Mike zur Zeit über allen Wolken. Er ist Vater geworden und dies heißt für ihn gleichermaßen Glück, wie auch Verantwortung, der er gerecht werden will. Ist aus dem ruhelosen Bullen wirklich ein Familienmensch geworden?

    Handlungen und vorkommende Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten oder eventuelle Übereinstimmungen sind daher rein zufällig.

    Kapitel 1

    Space World Center, Bremen 02:00, Sonntag Morgen.

    Hinter einem gläsernen Schreibtisch in irgendeinem der Büros in der dritten Etage des Verwaltungsgebäudes arbeitet zu dieser späten, oder besser gesagt, frühen Stunde ein Mann, dessen Sorgenfalten sich tief in sein Gesicht gegraben haben. Seine langen silbergrauen Harre fallen über die gepolsterten Schultern seines Armanianzuges. Er jongliert erfolglos mit den Zahlen der Monatsabrechnung. Schon seit längerem bleiben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen der Investoren zurück. Ferdinand von Mertesheimer ist mit seinem Latein am Ende. Er allein trägt als Manager des Space Centers die Verantwortung für das sich mehr und mehr abzeichnende Desaster. Auch wenn ihn die Gesellschafter nicht persönlich haftbar machen können, wird er in der Bremer Finanzwelt kein Bein mehr an die Erde bekommen. Abgesehen davon hat auch er viel Geld in das Projekt gesteckt.

    Der Mann hinter dem Schreibtisch leert zum wiederholten Male den Cognacschwenker. Sein Gesicht ist blutleer, die trüben Augen verstecken sich in tiefen Höhlen. Seine zittrigen Hände greifen nach einer Holzschatulle, die sich neben der Flasche mit dem Rest Remi Martin befindet. Sie holen eine dicke Zigarre und ein Päckchen mit Streichhölzern daraus hervor. Minuten später umhüllt dichter Rauch den Schreibtisch. Ferdinand von Mertesheimer hat sich wieder seinen Unterlagen zugewandt. Er bemerkt nicht, wie sich eine unbekannte Person Zutritt zum Verwaltungsgebäude verschafft. Seine Finger fliegen über das Tastenfeld eines Tischrechners. Vielleicht gibt es aus der drohenden Insolvenz ja doch noch einen Ausweg?

    Der Eindringling hat sich inzwischen an der Pförtnerloge des Wachpersonals vorbeigeschlichen. Der alte Mann vor den Monitoren ist während seines anstrengenden Dienstes eingeschlafen. In der Faust des Unbekannten befindet sich eine italienische Beretta - Cougar, auf die ein Schalldämpfer geschraubt wurde. Der Alte hinter der Glasscheibe interessiert ihn nicht, er verfolgt ein anderes Ziel. Seine Vorgehensweise ist bis ins letzte Detail durchdacht, minutiös geplant. Der Mann mit der Cougar lächelt, während er sich an der Glasscheibe vorbeischiebt. Es hätte ihm nichts ausgemacht, den Alten kalt zu stellen, doch wenn er am Leben bleibt, ist er ihm von größerem Nutzen..

    Sein behandschuhter Zeigefinger drückt auf den Taster, der die Fahrstuhltüren auseinander fahren lässt, dann betritt der Mann, dessen Bewegungen an die Geschmeidigkeit einer Katze erinnern, den Lift und die Türen schließen sich hinter ihm. Nur ein typisches Surren ist zu hören, während sich die Kabine nach oben hebt. Ein heller Gong kündet schließlich davon, dass der Fahrstuhl sein Ziel erreicht hat. Gleichmäßig schieben sich die beiden Türhälften auseinander. Vor dem elegant gekleideten Mann im Sportjackett teilt sich ein dunkler Flur.

    Der Eindringling verlässt den Lift. Er sieht den Gang zu beiden Seiten hinab. Hinter ihm schließen sich die mechanischen Türen der Kabine. Er entscheidet sich für die linke Seite. Lautlos tastet er sich durch die Dunkelheit. Bingo! Unter einer der Türen dringt Licht auf den Flur. Das muss das Büro seines Opfers sein. Ein letztes Mal ruft er das Bild der Zielperson vor seinem geistigen Auge ab, seine Faust umschließt die Waffe mit Nachdruck, sämtliche Sehnen seines Körpers spannen sich an, pures Adrenalin schießt durch seine Adern und noch mit demselben Wimpernschlag reißt er ruckartig die Tür auf.

    Zwei zu Tode erschrockene Augen starren ihn an. Der Unbekannte erkennt in dem Mann hinter dem gläsernen Schreibtisch sein Opfer wieder. Er hält die Cougar am ausgestreckten Arm. Der grauhaarige Mann im Nadelstreifenanzug erhebt sich langsam. In seinem Gesicht zeichnet sich Verwunderung. „Wer sind Sie?, herrscht er dem Eindringling entgegen. Doch der antwortet ihm nicht, sondern schließt in seliger Ruhe die Tür. „Was wollen Sie von mir? Wenn Sie auf Geld aus sind, kommen Sie vergebens. Ich habe gerade herausgefunden, dass ich pleite bin. Mertesheimer lacht zynisch. „Sie sehen also, Sie kommen vergebens. „Dein dreckiges Geld will ich sowieso nicht! Ich nehme dir das, woran du neben deinem Geld am meisten hängst, Freddy, - dein Leben.

    Der Grauhaarige erstarrt zu Eis. Nur wenige Menschen kannten ihn unter diesem Namen. Tausend Gedanken schießen ihm durch den Kopf. Sein Verstand arbeitet so gut es in dieser Situation möglich ist und plötzlich fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Er hat den Mann, dessen Waffe weiterhin auf ihn gerichtet ist, erkannt. Lange war es her, verdammt lange und doch kommt es ihm in diesem Augenblick so vor, als habe er den Knaben erst gestern auf seinem Schoß gewogen. Dann kommt ihm die Erinnerung an jenen Tag, der auch sein Leben veränderte. Der Mann hinter dem Schreibtisch kann seine Gefühle nicht länger unter Kontrolle halten. Panik bricht in ihm aus, treibt ihm puren Angstschweiß aus den Poren. „Lass uns darüber reden", fleht er. Doch mehr als ein müdes Grinsen kann er seinem Gegenüber nicht entlocken. Ein schlichtes Plopp beendet sein Hoffen.

    Mertesheimer greift sich an die Brust. Er fühlt, wie der Schmerz darin brennt und doch will er nicht für wahr haben, dass dies seine letzten Atemzüge sein sollen. Voller Entsetzen starrt er in das Gesicht seines Richters. Dann denkt er an seinen Bruder und daran, dass er ihn warnen muss, doch der rote Fleck, der langsam das Hemd und seine Weste durchtränkt, unterhalb der Schusswunde hervorquillt, verdeutlicht ihm, nur noch wenig Zeit zu haben. Während die eine Hand unermüdlich auf die Wunde presst, greift die andere zum Telefon, wirft den Hörer von der Gabel und fingert nach der Kurzwahl, die er wegen der häufigen Telefonate mit seinem Bruder eingespeichert hatte.

    Der Mann mit der Cougar lässt ihn gewähren, ergötzt sich an dem verzweifelten Versuch seines Opfers. Ja, er empfindet es als eine Art Spiel, bei dem es am Ende doch nur einen Sieger geben kann. Sein lüsternes Sinnen nach Rache hat ihn derart verbittern lassen. All die Jahre seiner Kindheit, in denen er mit ansehen musste, wie sein Vater in einer leblos wirkenden Hülle, ohne das Wissen um das, was geschehen war, dahin vegetierte. All die Jahre in denen die Brüder Mertesheimer seinen Vater schmählich im Stich ließen. Sein Vater war daran zerbrochen, war inzwischen einsam und in Armut gestorben. Aber nun war er alt genug, um Rache zu nehmen und sich all das zu holen, was seiner Familie zustand.

    Er geht einige Schritte auf den Schreibtisch zu, dabei beobachtet er sein Opfer genau. Mertesheimer steht noch immer schaukelnd dahinter. Er ist zäh, presst nach wie vor eine seiner Hände auf die Wunde, als wenn er glaubt, auf diese Weise die Blutung zum Stillstand bringen zu können. Der Mann im Sportjackett steht nun unmittelbar vor dem Telefon. Er hört, wie sich am anderen Ende der Leitung eine Männerstimme meldet. Der Hörer liegt nach wie vor auf der Glasplatte neben dem Telefon. Mertesheimer greift danach, hat aber keine Kraft mehr, ihn anzuheben, geschweige denn, an seine Lippen zu pressen. Ja, er hat nicht einmal mehr die Kraft, einen vernehmlichen Laut von sich zu geben. Er röchelt, schwankt und sackt in den Chefsessel, hinter dem Schreibtisch, wo ihm schließlich auch die letzten Lebensgeister entschwinden.

    Der Unbekannte greift nach dem Hörer, hält ihn an sein Ohr und lauscht. Er vernimmt die wütende Stimme des Angerufenen, der seinen Unmut über die nächtliche Belästigung in rüdem Ton zum Ausdruck bringt. Als er seine Schimpfkanonade für einen Moment unterbricht, sagt der Unbekannte gelassen: „falsch verbunden", und legt auf. Ein Grinsen umspielt seine Züge. Es ist die Vorfreude auf das, was noch kommen soll, denn noch ist seine Mission nicht beendet.

    Er greift in die Seitentaschen seines Jacketts und kramt zwei große, blaue Plastikmüllsäcke und Klebeband hervor. Die Cougar steckt er in eine der nun leeren Taschen. Er weiß, dass er sich beeilen muss, aber noch ist er gut in der Zeit, noch läuft alles nach Plan. Den ersten Müllsack stülpt er seinem Opfer über den Kopf. Der erschlaffte Körper kippt nach vorn. Mit einer Hand verhinderte er, dass er unkontrolliert zu Boden stürzt. Mit der anderen fischt er seinem Opfer die Brieftasche und einen Schlüsselbund aus dem Anzug, an dem sich auch ein Autoschlüssel befindet. Abschließend zieht er dem Toten den Müllsack bis zum Gesäß herunter.

    Erst dann lässt er den Leichnam weiter nach vorn kippen, legt ihn schließlich rücklings auf dem Parkettboden ab. Er hebt die Beine seines Opfers und streift den zweiten Sack darüber. Da, wo das Plastik aufeinander trifft, verklebt er es mit dem Klebeband. Er sieht sich um und entdeckt schließlich ein geeignetes Versteck. Nur für den Fall, dass sich der müde Nachtwächter doch einmal auf seine Runde begibt und seine Nase in das Büro steckt. Mehr als 24 Stunden würde er nicht brauchen. Wenn die Putzfrau irgendwann auch in diesem Büro ihre Arbeit tut, wird sein Werk vollendet sein.

    Die wuchtige Ledercouch lässt sich nur mühsam von der Wand abrücken, aber um die gut verpackte Leiche dahinter verschwinden zu lassen, ist sie ideal. Der Unbekannte schleift den leblosen Körper über das Parkett. Er achtet peinlich darauf, keine Spuren zu hinterlassen. Schließlich schiebt er das Sofa so weit wie möglich an seinen Ausgangspunkt zurück. Die Akte, an der sein Opfer bis zu seinem Tode gearbeitet hat, klappt er zusammen und legt sie in eine der Schubladen des Blechcontainers neben dem Schreibtisch. Abschließend schiebt er den Chefsessel an die Glasplatte und verlässt den Raum. Dabei vergisst er nicht, das Licht zu löschen und die Tür zu verschließen.

    Für den Rückweg hat sich der Mann mit der Beretta für das Treppenhaus entschieden. Die kleine Halogentaschenlampe in seiner Hand weist ihm den Weg durch den dunklen Flur. Das Schlüsselbund des Toten öffnet ihm den Weg zum Parkplatz. Soll sein Plan aufgehen, muss es den Anschein haben, als verließe nicht er, sondern Mertesheimer in seinem Auto das Gelände.

    Der Unbekannte braucht nicht lange suchen, er kennt den Wagen seines Opfers. Sein Plan ist von langer Hand vorbereitet und gut durchdacht. Davon zeugt auch die Perücke mit dem langen silbernen Haar, welche er jetzt aus der Umhängetasche unter seinem Jackett hervorzieht. Mit ihr auf dem Kopf, wird der schlaftrunkene Pförtner beschwören, dass er Mertesheimer die Schranke geöffnet hat.

    Erst lautes Hupen reißt den alten Mann aus seinen Träumen. Es dauert einige Momente, bis sich der Wachmann orientiert hat. Der Unbekannte hebt dreist die Hand und winkt dem Pförtner zu. Der Uniformierte grüßt peinlich berührt zurück und lässt den Schlagbaum ohne zu Zögern in die Höhe schnellen. Selbst als der Wagen keine zwei Meter an der Pförtnerloge vorbeirollt, kann ihn der Alte nicht erkennen, denn der Mann hinter dem Steuer hält immer noch grüßend die Hand vor sein Gesicht. Ein entspanntes Grinsen umspielt seine Lippen, als er im Rückspiegel beobachtet, wie sich die Schranke senkt und sich der Pförtner wieder in seinem Sessel niederlässt.

    Der erste Teil seiner Mission ist erfüllt. Der Killer ist mit sich zufrieden. Er weiß, dass ihn nun nichts mehr stoppen kann

    Kapitel 2

    Münzhandelshaus Koch, Braunschweig 23:15 Sonntag Abend.

    Das leise Zischen eines Klapppfeils, der durch eine Harpune abgefeuert wurde und das anschließend, deutlich hörbare Geräusch, welches verursacht wird, wenn Metall auf Stein kratzt, wurden gleichsam durch den um diese Zeit immer noch lebhaften Straßenverkehr überdeckt. Eine dunkel gekleidete Gestalt zieht vorsichtig an der dünnen Angelschnur, die mit dem Aluminiumanker verbunden ist. Neben ihr wickelt sich gleichzeitig ein besonders tragfähiges Drahtseil von einer Rolle ab, die in einer speziellen Vorrichtung steckt. Bereits nach kurzer Zeit rastet der Karabiner an der Spitze des Drahtseils in der Führungsöse des Ankers ein und die Gestalt kann das Seil straffen. Sie sichert es und montiert die kleine Gondel, mit der sie die zehn Meter über die Seitenstraße zum angrenzenden Flachdach überbrücken will.

    Es ist nicht das erste Mal, dass die Gestalt mit dieser Vorrichtung arbeitet. Eine gewisse Routine ist ihr deshalb anzumerken. Überdies hat sie sich gut auf das Unternehmen vorbereitet. Nachdem sich die kleinen Metallrollen am Tragbügel der Gondel ungehindert auf dem Seil hin und herbewegen lassen, hängt die dunkel gekleidete Person den Lastenträger ein. Ein Sack, in dem sie das benötigte Werkzeug hinter sich herziehen will. An ihm befestigt sie nun die Angelschnur. Auch dies klappt ohne Probleme. Mit einem letzten Check vergewissert sich die Gestalt ob das Seil ausreichend Spannung aufweist, dann schwingt sie sich einer großen Katze gleich, behände in die Gondel und zieht sich Stück für Stück über die Kante des Flachdaches und weiter über die etwa zwölf Meter unter ihr befindliche Seitenstraße, welche nur wenige Meter weiter in den Hagenring mündet.

    So präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und in beinahe stoischer Ruhe hangelt sich die Gestalt Stück für Stück an sein Ziel heran. Nur noch einen Wimpernschlag ist die Gondel von der Brüstung des im spätromanischen Stil erbauten Eckhauses entfernt. Im selben Augenblick, in dem die Gondel ihr Ziel erreicht, gehen in der Wohnung des im rückwärtig gelegenen Teil des Hauses die Lichter aus. Es ist 23.42 Uhr, als die unbekannte Gestalt auf das Flachdach übersetzt und den an der Angelschnur befestigten Lastensack über die Straße zieht. Das leise Surren des Laufrades ist nicht einmal von dem jungen Paar zu vernehmen, welches gerade in diesem Moment, aus Richtung Innenstadt kommend, die Straße überquert. Der Schatten wartet einige Sekunden, bis die Passanten weit genug entfernt sind, ehe er schließlich den Sack über die Brüstung zieht.

    Nun geht es Schlag auf Schlag. Sein nächstes Ziel ist ein Lüftungsschacht, in dessen Gitter er einen Spiegel führt, der am Ende eines Schwanenhalses befestigt ist. Mit dem blauen Licht eines sich im Spiegel brechenden Halogenstrahls sucht er nach einem eventuell dahinter verborgenen Alarmmelder. Ein mildes Lächeln huscht über das im Dunkel der Nacht liegende Gesicht. Ein Sensor! Ein Kinderspiel! Die Gestalt bedient sich eines elektronischen Impulsgebers und überbrückt so die Kabel, mit denen der Sensor an der Alarmzentrale angeschlossen ist. Nun kann sie in aller Ruhe das Gitter abschrauben und zur Seite legen.

    Laut der Baupläne, die der Löwe über einen Server in Italien, völlig legal aus dem Internet heruntergeladen hat, führt der Unbekannte Schatten das Lüftungsrohr genau an den Ort seiner Begierde. Da das quadratische, etwa fünfzig Zentimeter breite Rohr zunächst steil nach unten abfällt, befestigt er vorab eine Strickleiter am Einstieg. Bevor er selbst in den Schacht klettert, lässt er unter zur Hilfename der Angelschnur den Lastensack hinunter. Dann folgt auch er.

    Sein Ziel befindet sich im ersten Stock des Hauses. Dort stehen mehrere mit seltenen Münzen aus aller Welt vollgestopfte Vitrinen, die schon viel zu lange darauf warten mussten, von ihm ausgeplündert zu werden. Bis dahin war es jedoch noch ein weiter und vor allem nicht ungefährlicher Weg. Doch gerade dieser Kick ist es, der den Löwen auf seinen Beutetouren reizt. Immer wieder orientiert sich der katzenhafte Schatten im Geiste an den Eintragungen des Bauplanes, ehe er schließlich durch ein weiteres Gitter den anvisierten Raum erblickt. Auch an dieser Stelle verwendet er den Spiegel und die Lampe, um die andere Seite des Lüftungsgitters nach einem möglichen Sensor abzusuchen.

    Er ist beinahe enttäuscht, als er feststellen muss, dass man an dieser Stelle auf einen weiteren Impulsgeber verzichtet hat. Dennoch ist er erfahren genug, um dem ersten Anschein nicht blindlings zu trauen. Und auch dieses Mal soll ihm seine Vorsicht Recht geben. An den Schrauben, mit denen man das Gitter befestigt hat, sind Kontakte angebracht, die bei geringster Berührung einen Alarm auslösen würden. Die Gestalt ist zufrieden. Jetzt weiß sie, womit man sie hinters Licht führen will. Die Gefahr liegt nicht in der Komplexität der Falle, sondern darin, sie zu übersehen, schmunzelt die Gestalt, bevor sie sich daran macht, die Kontakte kurz zu schließen.

    Wenig später ist auch dieses Hindernis überwunden und das Gitter abmontiert. Aber auch jetzt bleibt der Schatten vorsichtig, setzt noch nicht zum Sprung in den Raum an, sondern versprüht zunächst einen feinen Staub, der sich in der Luft des gesamten Raumes verteilt. Der Schatten sieht amüsiert, wie etwa zehn Zentimeter über dem Boden mehrere Laserstrahlen sichtbar werden. Er lässt den Lastensack hinab und folgt ihm mit einem zielsicheren Sprung aus dem etwa zwei Meter hoch liegenden Lüftungsschacht. Er landet fast lautlos an der vorbestimmten Stelle. Immer noch zeigt ihm der feine Staub, der sich nur sehr zögerlich setzt, die Linien der Lichtschranke. Auch zu diesem Zweck führt der unbekannte Schatten einige Spiegel mit sich, die er nun, auf kleinen Stativen befestigt, zwischen die Lichtstrahlen schiebt. Die kleinste Unachtsamkeit kann den Alarm auslösen. Mit viel Geduld und einer ruhigen Hand gelingt es ihm schließlich, sich so den nötigen Platz für seine weitere Arbeit zu verschaffen.

    Aus einem Erkundungsbesuch als interessierter Münzsammler getarnt, weiß er, dass die Glasflächen der Schaukästen mit speziellen Berührungssensoren ausgestattet sind, welche bei der kleinsten Erschütterung Alarm auslösen. Ähnliches gilt für die elektronisch gesicherten Schlösser der Vitrinen. Lange hatte er sich den Kopf darüber zerbrochen, wie er auch dieses Hindernis überwinden kann. Es hatte ihm etliche Versuche an einem eigens nachgebauten Schaukasten gekostet, bis er die Lösung hatte. Er grinste zufrieden, schließlich nannte man ihn nicht umsonst den Löwen.

    Des Rätsels Lösung lag in einer kleinen Flasche Stickstoff, für die er eine Art Trichter konstruiert hatte. Gefühlvoll stülpt er den Trichter genau über den Punkt der Glasscheibe, unter dem sich der Sensor befindet. Bedächtig öffnet er das Ventil und beobachtet für einen Moment, ob die erhoffte Wirkung eintritt. Das Glas vereist innerhalb von Sekunden und überträgt die Kälte auf die Elektronik des Sensors. Der Zeitpunkt, um die Saugvorrichtung anzusetzen, ist gekommen. Mit der Diamantspitze eines Glasschneiders zeichnet er einen Kreis in das Glas. Die Sekunde der Wahrheit ist da. In dem Moment, in dem er das Stück Glas unter den Saugnäpfen herausbricht, wird sich zeigen, ob sein Plan aufgeht.

    Noch zögert er. Pures Adrenalin pumpt

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