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Der Goldene Weg der Mitte: Erkrankungen mit westlicher und Chinesischer Medizin verstehen und behandeln

Der Goldene Weg der Mitte: Erkrankungen mit westlicher und Chinesischer Medizin verstehen und behandeln

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Der Goldene Weg der Mitte: Erkrankungen mit westlicher und Chinesischer Medizin verstehen und behandeln

Länge:
634 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Okt. 2017
ISBN:
9783962559465
Format:
Buch

Beschreibung

Erschöpfung, Burnout, Depression, Reizdarmsyndrom, Lebensmittelunverträglichkeiten, Gastritis, das metabolische Syndrom (Diabetes mellitus Typ II, Fettleibigkeit, hoher Blutdruck und hohe Blutfette), Herzinfarkt, Schlaganfall, Autoimmunerkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis, Multiple Sklerose, Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn, Lupus Erythematodes, ...), Asthma bronchiale, COPD, Akne vulgaris, Polyneuropathie und Krebs sind nur einige unserer Erkrankungen des Westens, die chinesisch auf eine "müde Mitte" zurückzuführen sind. Dr. Georg Weidinger, Arzt, Autor, Musiker und Yoga-Lehrer, bekannt durch seinen Bestseller "Die Heilung der Mitte", schafft in diesem Buch den Spagat, die großen Zusammenhänge mit "unserer" westlichen Medizin und der Chinesischen Medizin zu erklären und mit Humor nahezubringen. "Der Goldene Weg der Mitte" kann auch als Fortsetzung der "Heilung der Mitte" verstanden werden, diesmal noch viel genauer, mit umfangreichem Wissen über die einzelnen Erkrankungen, mit konkreten Therapievorschlägen mittels Lebensführung, chinesischer und westlicher Kräuter. Mit einem Vorwort von Werner Lampert.
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Okt. 2017
ISBN:
9783962559465
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Der Goldene Weg der Mitte - Georg Weidinger

Register

Vorwort von Werner Lampert

Werden wir plötzlich, mitten im Leben stehend, von Krankheiten und Leid heimgesucht, verengen sich die Lebensräume, verdüstert sich die Hoffnung, das tragende Fundament unseres Lebens, gleitet die Diagnostik der herrschaftlichen Medizin ins Ungefähre, so ist die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oft jenes Licht, das uns im langen, dunklen Tunnel entgegenleuchtet. TCM ist längst bei uns viel mehr als ein Hoffnungsschimmer. Sie ist zur festen Burg für viele Kranke geworden, deren Hoffnung auf Genesung schwindet, für Menschen, die chronisch krank sind. Für sie ist die TCM ein Zufluchtsort, eine Methode, die wieder Hoffnung schafft. Aber Menschen sind nicht nur entweder gesund oder krank. Wir alle finden uns im Laufe unseres Lebens an verschiedenen Stellen des fließenden Kontinuums von Gesundheit und Krankheit wieder. So ist die TCM nicht nur Hoffnung für Menschen, die schwer erkrankt sind, sondern auch Unterstützung für jene, die den Wunsch nach Harmonisierung von Körper, Seele und Geist haben. Erst im Einklang mit Körper, Seele und Geist eröffnet sich für uns die Quelle zu unseren verdeckten Ressourcen. Wir sind als Menschen immer im Wandel, sind inneren und äußeren Veränderungen ausgesetzt und eingespannt in eine innere Polarität. Wir sind blockiert und offen, liebend und einsam, erfolgreich und erfolglos zur selben Zeit auf unterschiedlichen Ebenen unseres Seins. Yin und Yang gälte es für uns im harmonischen Gleichgewicht zu halten. Diese Prozesse begleiten uns ein Leben lang. Geraten Yin und Yang in ein Missverhältnis zueinander, äußert sich das als Krankheit, als Störung in unserem ganzheitlichen Befinden. Diese Krise dürfen wir dann als Wandlungsbeginn verstehen und nutzen. Im Chinesischen ist die „Krise Gefahr und Gelegenheit zugleich, Gelegenheit als Chance auf persönliches Wachstum innerhalb unseres Krankheits- und Gesundungskontinuums. Die TCM verhilft uns zur nötigen Wachheit für diese inneren Prozesse, um aus dem Leid auszusteigen und die Chance auf Veränderung zu erkennen. Die Diagnostik der allopathischen Medizin wird immer mehr zum digitalen Ereignis. Ganz anders in der Traditionellen Chinesischen Medizin, in der die Begegnung von Arzt und Patient im Mittelpunkt steht. Hier wird der Patient als Mensch gesehen, gehört, berührt und verstanden. Zwischen dem behandelnden Arzt und dem Patienten entsteht ein Prozess, in dem der Patient zu verstehen beginnt, was in ihm tatsächlich vor sich geht: Er lernt das harmonische Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist. Diese belebende Erfahrung ermöglicht es einem, die Verantwortung für die eigene Genesung zu übernehmen. Das ist die hohe Kunst des TCM-Arztes, diesen Prozess in Gang zu setzen. Und das ist die hohe Schule, die Expertise, von Dr. Georg Weidinger. Er, ein Künstler, ist in einer Person ein großartiger und passionierter Pianist und praktizierender TCM-Arzt. Als Arzt erlebe ich ihn stets als „Heilkünstler: klar und eindeutig in der Diagnostik, in der Begegnung vertrauensschaffend, dem Patienten eine heilende Perspektive überantwortend und in der Behandlung treffsicher. Ein Heilkünstler durch und durch. Nach unserer ersten Begegnung veränderte ich mein Leben grundlegend. Seine Einsichten öffneten mir Handlungs- und Gestaltungsräume. Ich eroberte meine Glücksfähigkeit zurück und erweiterte sie. Dies ereignete sich nicht nach langen, aufreibenden Gesprächen. Es waren treffende Worte, zielgenau, die das bisherige krankmachende Fundament zum Einsturz brachten. Aus dem Einstürzenden wuchs etwas Neues. So entstand ein neues Fundament, das mir half, die guten Anlagen auszubilden, ihnen zu vertrauen und nach meinen vorhandenen Ressourcen zu leben. Bringt man Yin und Yang in Harmonie, eröffnet das einem Menschen den Zugang zu sich selbst und seinen Möglichkeiten. Die Konsultation bei Dr. Georg Weidinger brachte mich meiner Ganzheit und meiner Gesundheit näher.

Möge das neue Buch von Dr. Georg Weidinger, „Der Goldene Weg der Mitte", auch Sie, liebe Leserin und lieber Leser, mit auf die Reise zu sich selbst nehmen.

Werner Lampert (www.zurueckzumursprung.at)

Salzburg, September 2017

Einleitung

Ich bin praktischer Arzt mit einer kleinen Allgemeinpraxis für Traditionelle Chinesische Medizin in Bad Sauerbrunn, einem burgenländischen Dorf, welches mit dem Zug oder dem Auto etwa fünfundvierzig Minuten von Wien entfernt ist. Hier werken meine Frau und ich, tagein tagaus, um dem Leid auf dieser Welt ein kleines Schnippchen zu schlagen. Um dieses Schnippchen ein klein wenig zu vergrößern, habe ich vor sieben Jahren mein Buch „Die Heilung der Mitte geschrieben. Darin finden Sie detailliert beschrieben, wie man „lieb sein kann zu seiner Mitte. Die Werkzeuge, die ich Ihnen damals in die Hand gelegt habe, waren Ihre eigene Lebensführung, Ihre Art sich zu ernähren, Ihre Einstellung zu Stress und dem Sinn des Lebens, Ihr Schlaf und Ihr Atem. Sieben Jahre lang durfte ich beobachten, was dieses Buch alles bewirken konnte. Sieben Jahre lang bekamen wir eine Fülle an E-Mails und Briefen, die Erfahrungen mit dem warmen Frühstück, dem Regelmäßig-warm-Essen und all den anderen Empfehlungen wiedergaben. So viele Menschen haben verstanden, was ich sagen möchte, wie Veränderungen im Alltag tatsächlich den Gesundheitszustand verbessern. Viele hatten es vorher nicht geglaubt, dass „nur ein bisschen anders essen so viel verändern kann. „Einfache Dinge sind einfach, aber täglich! Das ist einer meiner Sprüche, die sich meine Patienten immer wieder anhören müssen. Machen Sie die notwendigen Veränderungen. Es sind keine großen Veränderungen, aber sie müssen konsequent und im Sinne der asiatischen Disziplin täglich vollzogen werden. Nichts passiert ohne Grund auf dieser Welt. Alles hat einen Anfang und ein Ende. Erkrankungen und Symptome haben meist einen Sinn. Sie sind uns Wegweiser durch unser Leben. Sie helfen uns, die richtigen Veränderungen im rechten Moment unseres Lebens zu vollziehen. Weil wir so und so leben, bekommen wir diese und jene Erkrankung, meistens. Ich bin Ihr Übersetzer. Ich erkläre Ihnen, was Ihnen Ihr Körper sagen möchte. Ich zeige Ihnen den Weg, den es braucht, um dem Ziel zu einem langen, glücklichen Leben, welches wir alle anstreben, ein bisschen näherzukommen. So mache ich es tagein tagaus in meiner Praxis, meine Frau immer an meiner Seite. So habe ich es in der „Heilung der Mitte gemacht, so mache ich es in dem nun vorliegenden Buch. Es ist Zeit für die Fortsetzung, für „Die Heilung der Mitte – Teil zwei, für den „Goldenen Weg der Mitte". Durch all Ihre Erfahrungsberichte weiß ich, was noch zu tun ist, weiß ich, was ich noch zu schreiben habe und welches Wissen ich Ihnen noch anvertrauen darf. Stellen Sie sich dieses Buch als eine Wanderung vor. Sie schreiten auf einem Weg, der sich zunächst noch in einer großen Stadt befindet, asphaltiert und beidseitig von hohen Häusern gesäumt. Sie gehen zu Fuß und kommen immer weiter aus der Stadt heraus. Nun finden Sie bereits Gras und wilde Blumen an den Rändern Ihres Weges. Die Häuser werden kleiner, die Menschen, denen Sie begegnen, ruhiger und entspannter, langsam erfasst die Ruhe auch Ihr Herz und Ihren Schritt. Schließlich endet der Asphalt und ein unbefestigter Weg schlängelt sich weiter durch die Landschaft. Sie gehen den Weg weiter, der Duft von Wald und Harz erfüllt Ihre Nase, die Kühle eines Waldes berührt Ihre überhitzte Haut, Ihren noch erhitzten Geist. Und dann schreiten Sie aus dem Wald heraus und finden sich in einer ganz anderen Welt wieder. Lächelnde Menschen auf Reisfeldern winken Ihnen zu und weisen Ihnen mit ihrem Nicken und freundlichen Gesten den Weg geradeaus. Sie sind im alten China gelandet. Doch Sie bleiben nicht stehen, Sie gehen weiter, zu groß ist Ihre Neugierde, was da auf Sie zukommt. Langsam erkennen Sie Ihren Weg als eine Pilgerschaft zu dem großen chinesischen Arzt Li Dong Yuan, den Sie dann auch tatsächlich in einem kleinen Dorf antreffen, einen kleinen, unscheinbaren, alten Mann, der still vor sich hin lächelt. Wie in einem Traum gibt es keine Widersprüche. Alles können Sie erfassen und annehmen, auch wenn manche Realitäten einander scheinbar widersprechen. So steht die Stadt für unsere moderne westliche Medizin, der Weg mit den Gräsern und Blumen am Rande für unsere westliche Medizin mit unseren westlichen Kräutern und schließlich das alte China für ein altes Wissen, das auch unsere westliche Welt und unsere westlichen Kräuter in einem ganz neuen Licht erstrahlen lässt. Auf einmal können wir Zusammenhänge verstehen, auf einmal begreifen wir, wo die Fäden alle zusammenlaufen. Wenn wir all das Wissen in uns aufnehmen, kann der darauf folgende Weg nur ein ganz anderer sein, ein neuer, auch wenn sich vielleicht nur die Perspektive geändert hat. Sie wissen, dass der Weg mit dem ersten Schritt beginnt. Wenn Sie das lesen, dann haben Sie diesen bereits gemacht ...

Li Gao, mit Rufnamen Dong Yuan, lebte von 1180 bis 1251 nach Christus. Es war eine dunkle Zeit Chinas, geprägt von Kriegen und Hungersnöten. Ganze Städte wurden vernichtet, unzählige Menschen unschuldig niedergemetzelt. Die Menschen litten unter rassistisch motivierten Ausschreitungen, sozialen Missständen und Naturkatastrophen, unter Hunger, Seuchen und zahlreichen Erkrankungen. Die Ärzte der Zeit waren gezwungen, neue Wege zu beschreiten, um den Menschen helfen zu können. Li Gao entstammte einer sehr wohlhabenden Familie. Von Kindheit an erhielt er eine ausgezeichnete Ausbildung, genoss den Umgang mit hochrangigen Beamten und berühmten Lehrern der Zeit. Vorgeformt war seine Karriere als angesehener, hochrangiger Beamter. Doch eines Tages erkrankte seine Mutter. Ein Arzt nach dem anderen wurde gerufen, doch keiner konnte ihr helfen. Kein Arzt konnte erklären, woran sie litt. Schließlich verstarb sie. Einschneidend muss dieses Erlebnis in der Kinderseele des Li Gao gewesen sein. Schließlich entschied er, Medizin zu studieren. Da Geld keine Rolle spielte, konnte er direkt bei Zhang Yuan-Su lernen, dem Lehrer von zweien der vier Meister der damaligen Zeit. Seine Lehre war im damals traditionalistischen China revolutionär, da sie Neuerungen forderte: „Alte und moderne Zeiten unterscheiden sich. Alte Rezepturen sind nutzlos bei modernen Krankheiten. Li Dong Yuan war ein guter Schüler, jedoch nicht gewillt, die Meinung seines Lehrers einfach zu übernehmen. Aber er nahm die Herausforderung an und veränderte das Gedankengebäude der Chinesischen Medizin. Bis in seine Zeit folgten die medizinischen Gelehrten der Lehre von Zhang Zhong-Jing und richteten ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf das Eindringen der äußeren pathogenen Faktoren, auf die „Infektionskrankheiten, wie wir heute sagen würden. Li Dong Yuan hatte eine neue Idee. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf die „innere Schädigung. Seiner Meinung nach beginnt eine Erkrankung durch einen Schaden „innen, was dann der Wurzel der Erkrankung entspricht. Das Eindringen des äußeren pathogenen Faktors ist nur das Symptom, der Zweig. Ist die Wurzel gesund, wird der Zweig gedeihen. Ist der Körper innen gesund, kann von außen kein Angreifer eindringen. Auf dieser Überlegung aufbauend entwickelte Li Dong Yuan seine Theorie, dass Milz und Magen, der Verdauungsapparat, die wichtigsten Organe im Körper seien und die Basis aller Funktionen des menschlichen Lebens. Die meisten Gelehrten der Zeit schenkten Milz und Magen keine weitere Aufmerksamkeit. Doch Li Dong Yuan hatte beobachtet, hatte Menschen gesehen und behandelt, die fast verhungert wären und solche, die sich in ihrem Wohlstand überfressen hatten. Seiner Meinung nach besteht Gesundheit, solange Milz und Magen miteinander in Harmonie sind. Nun leben wir heute in einer ganz anderen Zeit, wir hier im Westen, im Garten Eden. Doch Religion hat für viele Menschen keine Bedeutung mehr, und so isst man hier auch „die verbotenen Früchte. Essen ist heute bei uns wie Papiergeld. Wenn man Papiergeld im Übermaß, ohne die entsprechenden Goldreserven, drucken lässt, verliert es an Wert. Irgendwann ist es dann nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem es gedruckt ist. In größter Not, im Krieg und in der Nachkriegszeit war die größte Sorge, kein Essen zu haben. Diese Generation hat es geschafft, dass wir heute nicht hungern müssen. Sie hat sogar geschafft, dass wir heute Lebensmittel in Hülle und Fülle haben, wie es der Mensch in seiner ganzen Entstehungsgeschichte nie hatte. Und wie ein Bild grau wird, wenn Sie beim Malen alle Farben verwenden, so wird unser Körper schwach, wenn wir das alles hinunterschlucken. In dieser Situation nicht den Überblick zu verlieren und die Spreu vom Weizen der Lebensmittel zu trennen, ist ein Kunststück. Zu wissen, was man heute essen kann und soll, um eine gesunde Mitte zu haben, ist ein Meisterstück. Seit Li Dong Yuan hat sich die Welt sehr verändert, ebenso das, was wir heute als „Lebensmittel bezeichnen. Was sich nicht geändert hat, sind die Zeichen des Körpers, wenn er nicht in Harmonie ist. Unserem Körper ist es doch vollkommen egal, was es „da draußen an Nahrung und Trinken gibt, solange er sich gut fühlt. Die Kunst wiederum besteht nun darin, die Teile der Nahrung zu identifizieren, die schuld daran sind, dass er sich nicht gut fühlt und krank wird. Diese „Nahrungsteile können sich ändern, so wie sich alles auf dieser Welt ändert. Wenn wir zum Beispiel einen krankmachenden Bestandteil unserer Nahrung identifiziert haben und es konsequent allen erzählen, werden es auch die erfahren, die diese produzieren. Wenn dann keiner mehr diese Nahrung essen will, werden die Produzenten etwas Neues bauen müssen, das sie uns als „Nahrung vorsetzen – die Evolution der Lebensmittelindustrie. Also müssen wir darüber reden. Also muss ich darüber reden, was ich hiermit tue. Medizin ist „ausprobieren und schauen, was passiert. So habe ich es von meinem Vater, dem Internisten, gelernt. So mache ich es bei meinen Patienten, und das seit vielen Jahren. Und die Patienten sagen mir dann, ob es, was auch immer, besser oder schlechter geworden ist. Daraus ziehe ich meine Schlüsse, und diese finden Sie in diesem Buch. Die Lebensführung mit Ihrer Ernährung, Ihrer Bewegung, Ihrem Stress und Ihrem Schlaf ist eine Sache, eine andere sind die Medikamente, die man geben kann, um die Sache zu beschleunigen, um schnell aus dem Sumpf herauszukommen, um nicht weiter unterzugehen. Einmal aus dem Sumpf draußen funktioniert alles hoffentlich wieder ohne Medikamente. Bei Medikamenten gibt es eine klare Vorgabe: „So wenig Kollateralschäden wie möglich! Das soll heißen: „So wenig Nebenwirkungen wie möglich! Wenn ich Ihnen ein Medikament anbiete, das perfekt wirkt gegen Ihre Erkrankung und dabei gar keine Nebenwirkung hat, haben wir die „eierlegende Wollmilchsau gefunden. Wenn Sie dann noch auf Ihre Ernährung achten und die regelmäßige Bewegung, legt sie wahrscheinlich noch mehr Eier ... Dabei sollte Ihnen egal sein, ob dieses Medikament westlich ist oder chinesisch, japanisch, indonesisch, schamanisch oder indianisch. Wenn wir heute schon Zugang zu allem Wissen haben, sollten wir dieses auch nutzen. Meistens ist es so, dass ein westliches Medikament eher mehr Nebenwirkungen hat, dafür aber oft auch gezielter und schneller wirkt, aber leider dann wieder nicht dauerhaft. Darum tun wir „Alternativ- und Komplementärärzte uns ja die ganze Arbeit mit „viel denken und „viel ausprobieren und „viel kombinieren überhaupt an. Wenn die Lösung klar am Tisch liegen würde, wäre ich der erste, der sie nimmt (und dann lieber Klavier spielen geht ...). Weil dem nicht so ist, habe ich aus meiner Erfahrung der letzten Jahre chinesische Kräutermischungen zusammengestellt, die Sie als sogenannte „W-Mischungen (Weidinger-Mischungen) in Apotheken beziehen können. In meinem Buch „Die chinesische Hausapotheke" beschreibe ich Ihnen genau, wie W1 bis W25 anzuwenden sind. Sie finden diese Mischungen auch auf meiner Homepage www.georgweidinger.com. Klicken Sie in der Oberzeile auf: Buch „Die chinesische Hausapotheke. Wenn Sie hinunterscrollen, finden Sie die Mischungen aufgelistet, darunter Tabellen der verwendeten Kräuter, eine Liste der rezeptpflichtigen Kräuter, weiter unten eine Liste „Kräuter und Schwangerschaft und ganz unten all jene Apotheken, die bereits die „W-Mischungen als Granulat oder Tabletten rezeptfrei herausgeben. Die Mischungen W1–25 habe ich in dem vorliegenden Buch nicht nochmals genauestens erklärt, sondern verweise auf spezielle Anwendungsmöglichkeiten derselben. Wenn Sie mehr über diese Mischungen wissen wollen, sehen Sie bitte auf der Homepage nach oder in dem Buch „Die chinesische Hausapotheke. „Der Goldene Weg der Mitte hat elf neue W-Mischungen und zehn Mischungen mit westlichen Kräutern. Diese Formeln und ihre wichtigsten Anwendungen finden Sie wiederum auf meiner Homepage www.georgweidinger.com, diesmal in der Oberzeile unter: Buch „Der Goldene Weg der Mitte.

Prinzipiell brauchen Sie keinerlei Vorkenntnisse der Chinesischen Medizin, um dieses Buch lesen und verstehen zu können. Unser gemeinsamer Weg ist ein langer und bietet viel Zeit, „nebenbei wirklich alles zu erklären (was Kennern der Materie gleich die Möglichkeit der Wiederholung bietet). Sie werden an meiner Tendenz, immer wieder Wichtiges zu wiederholen, erkennen, dass ich unterrichte. Mit diesen Wiederholungen gehe ich bestimmt dem einen oder anderen Studenten in den Kursen auf die Nerven, kann dann aber wenigstens sicher sein, dass es alle verstanden und sich gemerkt haben! Zu meiner Schreibweise darf ich meine Patienten zitieren: „Wenn ich ein Buch von Ihnen lese, höre ich Sie reden! Ich schreibe so, wie ich mit meinen Patienten rede. So verstehen sie es, ich selbst aber auch. Und immer, wenn mir ein Bild vor Augen gekommen ist, habe ich es gleich gezeichnet. So finden Sie zahlreiche Zeichnungen vor, die dem Verständnis dienlich sein sollen und die Ernsthaftigkeit der Materie ein bisschen entschärfen.

So bleibt mir nur noch, Ihnen hiermit mein Buch zu übergeben (es hat mich doch viele Monate begleitet, ebenso wie meine ganze Familie ...) und Ihnen viel Freude auf dem goldenen Weg der Mitte zu wünschen! Ich hoffe, ich kann dem Leid dieser Welt nun noch ein wesentlich größeres Schnippchen schlagen ...! Viele Erkenntnisse und viel Gesundheit!

Ihr

Georg Weidinger

Forchtenstein, 5. September 2017

Präludium

Im Anfang war die Leere. Sie ist der Ursprung von allem. Dann kam die Fülle. Das Leben forderte sie. Zunächst kam die Kraft, welche ihr eine gute Füllung war, mit all ihrem Sprießen, Wachsen und Gedeihen. Die Leere ward nie ganz verschwunden. Das wachsende Leben verleugnete sie und ließ die schlechte Fülle geschehen. Von außen und von innen strömte sie herein: anderes Leben, das den Platz der Leere für sich beanspruchte, und Abfall, welcher die Leere verbarg. So entstanden Krankheit und Tod. Das Leben strebt nach Fülle. Der Mensch strebt nach Fülle. Voll ist es, unser Leben, voll und überladen. Die Leere ist der Anfang der falschen Fülle. Doch die Leere ist auch unsere Heimat. Wer leer werden kann, wird sich von der falschen Fülle befreien, wird gesunden, und Kraft wird wieder in das Haus des Körpers einziehen ...

Teil 1: Der Weg des Magens

Die Menschen erfreuen sich der Gesundheit, wenn sie dem Qi der vier Jahreszeiten folgen und regelmäßige Stunden des Lebens einhalten, Kälte und Sommerhitze meiden, wenn sie sich beim Essen mäßigen, plötzliche Freude und Zorn vermeiden, um so ihren Geist und Willen zu nähren, und wenn sie versuchen, Mäßigung in allen vier Jahreszeiten einzuhalten, in denen zu keiner Zeit eine Phase über eine andere vorherrschen sollte. Wenn dies nicht der Fall ist, werden Milz und Magen geschädigt ... Daraus entstehen die einhundert Krankheiten ... Untersucht man die Dinge aus dieser Perspektive, wird man die Bedeutung vom Festlegen des richtigen Anfangs verstehen.

(Li Dong Yuan, Pi Wei Lun, Buch 3, Kapitel 6)

Der Speisebrei, hoffentlich gut vorgekaut und vorverdaut im Mund („Alles was im Magen ankommt, sollte eine körperwarme Suppe sein ...!"), gelangt in den Magen und kommt dort mit dem Magensaft in Berührung, welcher vor allem das eiweißspaltende Enzym Pepsin und Salzsäure enthält. Genauer gesagt aktiviert die Salzsäure (HCl) das Proenzym Pepsinogen und wandelt es zu dem aktiven Enzym Pepsin um. Das Gleiche macht sie auch mit dem Eiweißspalter Kathepsin.

Die Idee dahinter ist, dass nur so viel aktives eiweißspaltendes Pepsin da sein soll, wie tatsächlich gebraucht wird, und eigentlich sollte auch nur so viel Salzsäure im Magen hergestellt werden, wie für die weitere Zerlegung des Speisebreis notwendig ist. Im Ruhezustand produziert der Magen etwa 10 ml Magensaft pro Stunde, was bei Bedarf auf bis zu einen Liter pro Stunde gesteigert werden kann. Der Magen hat auch die Funktion, den Speisebrei so lange aufzubewahren, bis der Dünndarm bereit für die nächste Fuhre ist. Je nach Aufbewahrungsdauer und Menge wird der Speisebrei langsam auf Körpertemperatur aufgewärmt. Er sollte dann gut erwärmt an den Dünndarm weitergegeben werden, da die Verdauungsenzyme im Dünndarm nur dann gut arbeiten können.

Im Magen passiert die sogenannte Vorverdauung. Dabei werden die Eiweiße (Proteine) etwas zerkleinert, aber noch nicht ganz. Die entstehenden Polypeptidketten (also Ketten von Aminosäuren, den Grundbestandteilen der Eiweiße) werden zusammen mit den Fetten und den Kohlenhydraten in den oberen Dünndarm transportiert, wobei diese beiden im Magen einfach durchgewinkt werden, dosiert langsam und gleichmäßig, um alles in Ruhe und Harmonie mit der richtigen Temperatur vorzuverdauen.

Die Magensäure ist bei uns nur noch negativ besetzt: Wenn man „den Magen reizt, produziert der Magen zu viel davon, was wir als Sodbrennen erleben. Dabei rinnt die Säure über die Speiseröhre bis in den Mund „zurück, und wir schmecken die Säure. Dieses „Zurückrinnen bezeichnen wir als „Reflux (lateinisch refluxus für Rückfluss), und da die Säure vom Magen in die Speiseröhre zurückfließt als „gastroösophagealen Reflux" (lateinisch gaster, der Magen und oesophagus, die Speiseröhre).

Das Aufsteigen der Säure verursacht aber noch viel mehr Beschwerden als einfach nur einen sauren Geschmack. Der saure Geschmack ist sogar ein großartiges Symptom, weil es Ihnen gleich direkt sagt, was los ist: zu viel Säure. Andere Beschwerden sind viel heimtückischer: chronischer Husten, chronische Heiserkeit, Entzündungen in Mund und Rachen, Infekt-Anfälligkeit für Viren und Bakterien und Pilze im oberen Atemtrakt, geschwollene Lymphknoten am Hals, Asthma und Atemnot, manchmal nur ein leichter Druck hinter Ihrem Brustbein.

Diese Kaskade an Beschwerden entsteht, weil die Säure in der Nacht, wenn Sie horizontal liegen, langsam Richtung Mund fließt und dann über den Rachen einfach die andere Abzweigung nimmt Richtung Lunge, durch den Kehlkopf an den Stimmlippen vorbei und Ihnen vielleicht ein bisschen Heiserkeit beschert und dann noch weiter bis in die Bronchien, und da gehört die Säure wirklich nicht hin. Darum schickt Ihnen der Körper den Husten, der ja nichts anderes ist als der Versuch, die Säure oben wieder hinauszuwerfen. Und weil das nicht gelingt, macht die Säure eine Entzündung im Gewebe mit dem Ziel, diese über das Gewebe abzubauen. Und da scheitert der Husten sowieso kläglich: Wie soll er denn die Entzündung raushusten? Und da eben die Entzündung dort nicht hingehört, reagieren die Bronchien empfindlich und erleben Stress, und im Stress, wie Sie wissen, verspannt man sich und spannt seine Muskeln an, und das machen die Bronchien auch. Die haben auch kleine Muskeln, und so bekommen Sie dann keine Luft. Die „Säureentzündungen" können Sie auch im Kehlkopf haben und im Rachen und im Mund. Der Körper aktiviert seine Abwehrzellen und rekrutiert sie in die Lymphknoten, sodass diese geschwollen sind. Und weil die Säure direkt die Schleimhaut angreift, können da schon viele Abwehrzellen vernichtet sein, und damit ist das Tor für einen bakteriellen oder viralen oder sonstigen Angriff geöffnet. Und es kann sein, dass Sie von alldem nichts mitbekommen, weil Sie ja schlafen. Aber wieso ist das so? Wieso ist der Magen gereizt, und wieso bleibt die Säure nicht dort, wo sie hingehört, nämlich im Magen? Dazu gleich ...

Die Magensäure hat mehrere Funktionen: Sie macht die Vorverdauung, indem sie die Vorstufen der eiweißverdauenden Enzyme aktiviert, und sie beschützt den Körper vor Angreifern, die auf dem Wege der Nahrung in unseren Körper gelangen wollen. Der Magensaft hat in leerem Zustand einen pH-Wert von 0,8 bis 1,5, bei Nahrungszufuhr steigt dieser auf 4,5 bis 6,5 an. Denken Sie an Ihre Autobatterie: Ja, so sauer ist es in Ihrem Magen! Und diese Säure vernichtet fast alle Kleinstlebewesen, die in diese Suppe eintauchen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass der Transport durch den Magen nicht zu schnell passiert. Je schneller der Speisebrei unterwegs ist, desto ungenauer die Kontrollen – denken Sie an Grenzkontrollen. Früher ging man davon aus, dass in einem solch sauren Milieu keine Mikroorganismen leben und sich vermehren könnten. Vor 1989 dachte man, die Ursache von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren (lateinisch ulcus, Mehrzahl ulcera) wären ausschließlich Stress, psychische Faktoren und „Übersäuerung". 1983 entdeckten die Australier Barry Marshall und John Robin Warren das gramnegative Stäbchenbakterium Helicobacter pylori (HP). Doch sie wurden lange Zeit nicht ernst genommen. Erst 1989 wurde H. pylori weltweit als Auslöser eines Magengeschwürs anerkannt. Marshall und Warren erhielten 2005 für ihre Arbeiten über H. pylori den Nobelpreis für Medizin. Helicobacter pylori kann also im Magen leben und sich vermehren. In Deutschland und Österreich kommt er in etwa einem Drittel der Bevölkerung vor, wobei 10–20 % der Betroffenen ein Magengeschwür entwickeln. 2005 entdeckten Wissenschaftler der Stanford University, dass insgesamt 128 weitere Bakterienarten den Magen besiedeln, wobei diese sich genetisch erheblich von allen bisher identifizierten Bakterien unterscheiden. Spannenderweise macht der Helicobacter pylori dann Beschwerden, wenn eine Überproduktion der Magensäure stattfindet und der Patient gehäuft unter Sodbrennen leidet.

Eigentlich sollte die Säure nicht zurückrinnen. Eigentlich hat der Mageneingang, die Kardia, einen Schließmuskel, den Ösophagussphinkter, der verhindern soll, dass der Speisebrei und die darin befindliche Säure unkontrolliert Richtung Mund wandert.

Kontrolliert geht schon, falls Sie beschließen, das eben Gegessene doch lieber gleich wieder nach außen zu befördern und damit dem Körper Unverdauliches oder Giftiges zu ersparen. In den ersten Lebensmonaten ist der Sphinkter noch nicht fertig ausgebildet, sodass es sehr häufig zu Erbrechen kommt. Wenn der Sphinkter dann fertig ausgebildet ist, sollte das nicht mehr passieren. Die Hauptursachen für den Reflux bei uns sind 1. eine Überlastung des Sphinkters, weil der Magen immer wieder und ständig überfüllt wird, 2. ein zu hoher Druck im Bauchraum, weil die Därme noch übervoll sind mit Nahrungsabbauprodukten und 3. eine Hiatushernie, eine Ausstülpung des Magens durch das Zwerchfell.

Normalerweise tritt die Speiseröhre durch einen Schlitz im Zwerchfell in den Bauchraum über und mündet dort in den Magen. Wenn nun anlagebedingt das Bindegewebe des Zwerchfells zu schwach ist, um nur einen kleinen Schlitz, gerade groß genug für die Speiseröhre, zu halten ODER der Magen ständig so voll ist, dass der Speisebrei das Gewebe des Zwerchfells um das Loch aufdrückt und überdehnt ODER der Druck im Bauchraum ständig so hoch ist, dass er sich über den Magen bis zum Zwerchfell fortsetzt, rutscht der Magen ein Stück in den Brustraum hinauf, und der Verschluss des Sphinkters nach oben hin funktioniert nicht mehr. Eine Hauptursache für den Reflux und eine Hiatushernie ist der Bewegungsmangel. Wer hätte das gedacht? Wer denkt bei Sodbrennen an Bewegung? Das Zwerchfell ist ein Muskel, der wichtigste Atemmuskel, den wir haben, und wie jeder Muskel gehört auch das Zwerchfell trainiert. Wenn Sie Ausdauersport betreiben, trainieren Sie automatisch das Zwerchfell und fördern damit die Kräftigung des Ösophagussphinkters und treiben den Speisebrei gut in die richtige Richtung, nämlich nach unten. Viele wissen das, weil sie bei regelmäßigem Ausdauersport viel leichter und besser auf die Toilette gehen können. Beim Yoga macht man körperliche Übungen und bringt diese Übungen in einen Einklang mit der Atmung. Bei Sodbrennen würde man zum Beispiel ausatembetonte Übungen praktizieren, um durch Aufwärtsbewegung des Zwerchfells viel Platz im Bauch zu schaffen und durch die Aktivierung der Bauchmuskeln den Nahrungsbrei in den Därmen nach unten voranzutreiben. Die häufigsten Auslöser, den Magen zu reizen und damit die Säureproduktion anzukurbeln, sind falsches Essen und Stress. Das werden Sie gleich verstehen, wenn wir in das chinesische Denken umschwenken. Davor noch eine erstaunliche Tatsache: Am häufigsten haben Sie Sodbrennen (und all die anderen refluxbedingten Beschwerden), weil Sie zu wenig Magensäure haben.

Eine gesunde Magenzelle produziert genauso viel Salzsäure wie notwendig. Eine erschöpfte (müde ...!) Magenzelle produziert zu wenig Magensäure. Sie essen aber trotzdem. Der Speisebrei trifft nun auf zu wenig Säure, sodass zu wenig Eiweiß spaltende Enzyme aktiviert werden. Außerdem verweilt der Speisebrei länger als vorgesehen im Magen, dieser ist ja müde (und der Magen versucht die schwache Enzymleistung durch längere Verweildauer wettzumachen), was Ihnen das Gefühl vermittelt, dass Ihnen Ihr Essen „im Magen liegt". Dadurch können die bereits dort lebenden Bakterien, vermehrt durch den geringeren Salzsäuregehalt der Magenflüssigkeit, auch vermehrt am Essen mitnaschen und sich gut vermehren, unter ihnen der berühmte Helicobacter pylori. Der nicht gut vorverdaute Brei gelangt nun in den Dünndarm, wo die Verdauung mit Aufnahme der Nährstoffe stattfinden sollte. Doch die Enzyme finden zu große Nahrungsbrocken vor, an denen sie nicht gut wirken können, und es kommt zu einer schlechten Aufnahme von Makro- und Mikronährstoffen. Viel schlimmer jedoch ist, dass der gesamte nachfolgende Darm (Dünn- und Dickdarm) mit all den Nährstoffen versorgt wird, auf die sich die Bakterien und Pilze stürzen und so zu einer Veränderung der Darmflora führen: Jene, denen die Mahlzeit besonders mundet, werden sich bestmöglich vermehren, und das geht rasant, und infolgedessen andere verdrängen. Bei einem Ökosystem wie einem Teich nennt man das Eutrophie: ungebremstes Wasserpflanzenwachstum, vor allem Algen, aufgrund eines Überangebotes an Nährstoffen.

Neben vielen anderen Effekten (siehe später) entstehen als Verdauungsprodukte der Bakterien Blähgase, welche zusammen mit einer verlangsamten Verdauung einen übervollen Dünndarm ergeben, welcher nach oben Richtung Magen und Mageneingang drückt und, wie oben beschrieben, den Ösophagussphinkter auseinanderdrückt und Säure und Speisebrei in die Speiseröhre fließen lässt. Alleine der Magensäuremangel durch einen „müden Magen kann eine Kaskade an Erkrankungen lostreten, welche über eine veränderte Darmflora und einen „undichten Darm (siehe dort) zu Durchfällen, Verstopfung, Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen, Hämorrhoiden und auch Autoimmunerkrankungen und Krebsentstehung führt. Und jetzt chinesisch: Der Magen ist das Hohlorgan der Milz und damit das wichtigste Hohlorgan in unserem Körper. Milz und Magen arbeiten eng zusammen, sodass man sie als Einheit betrachten kann. Der Magen bereitet die Nahrung so auf, dass die Milz den Speisebrei dann leicht verdauen, weiterverarbeiten und aufnehmen kann. Chinesisch sagt man, dass der Magen als Hohlorgan „Klares von Trübem trennt, wobei „Klares dem entspricht, was die Milz weiterverarbeiten kann, und „Trübes der „Abfall des Magens ist, welcher im Darm weitergereicht wird: Der Dünndarm kann dann aus dem Trüben wieder Klares und Trübes trennen, das Klare der Milz zuspielen, das Trübe dem Dickdarm weiterreichen, der seiner Spezialisierung getreu nochmals diese Trennung (also „Klares von „Trübem) vollziehen kann. Jetzt ist Schluss mit der Kaskade, und das Trübe fällt als Kot am Ende des Dickdarms aus dem Körper.

Der Magen ist der Ursprung der Flüssigkeiten. Der Magen verwaltet alle Flüssigkeiten, die über Nahrung, über Essen und Trinken, in den Körper kommen. Dabei arbeitet er eng mit der Niere zusammen. Wenn wir also wenig trinken, schaden wir nicht nur der Niere, sondern auch dem Magen. Milz und Magen nenne ich zusammen unsere Mitte. Diese ist zuständig für die Produktion des gesamten nachgeburtlichen Qi. Damit meint man jenes Qi, das der Körper nach der Geburt herstellen kann. Im Gegensatz dazu ist das vorgeburtliche Qi jenes Qi, das wir in Form von Essenz (Jing) von unseren Eltern mitbekommen.

Hat der Magen selbst nicht viel Qi, kann er auch nicht viel Qi zusammen mit der Milz produzieren. Hat die Milz nicht viel Qi, kann die Milz zusammen mit dem Magen nicht viel Qi produzieren. Dies ist die häufigste Form von Qi-Mangel (Qi Xu) mit dem häufigen Symptom der Müdigkeit. Der Magen bildet den Zungenbelag. Ein gesunder Magen bildet einen dünnen, weißlichen Zungenbelag.

Ist der Magen beziehungsweise das Magen-Qi schwach, wird der Belag zunächst an einzelnen Stellen nicht nachgebildet, und es entstehen eingetrocknete, nicht wegwischbare Flecken. Diesen Belag nennt man einen „wurzellosen Belag". Ist der Magen, der ja die Flüssigkeiten verwaltet, völlig ausgetrocknet, verschwindet der Belag stellenweise oder hinterlässt eine belagfreie Zunge.

Schreitet die Schädigung des Magens voran, werden die Säfte des Magens weiter geschädigt, dann schädigt das die Substanz des Magens, das Yin, denn die Säfte sind ein Teil des Yin, und es entstehen Risse im Zungenkörper, vornehmlich in der Mitte der Zunge.

Ein solcher Riss bei normalem Zungenbelag kann aber auch Hinweis sein auf eine anlagebedingte Schwäche des Magens:

Der Magen mag gerne feuchte Nahrung. Er liebt Suppe und Brei. Nahrungsmittel, die lange gebacken wurden, wie zum Beispiel auch Brot, mag er gar nicht, da sie trocken sind. Isst man regelmäßig zu trockene und zu heiße Nahrung, wie Gegrilltes oder Gebackenes, wird der Magen selbst immer trockener und erleidet schließlich einen Schaden in seiner Substanz (Magen-Yin-Mangel). Generell mag es der Magen nicht, wenn man zu viel isst und zu wenig trinkt. Substanzaufbau funktioniert chinesisch nur mit Nahrung plus ausreichend Flüssigkeit. Das muss natürlich nicht gleichzeitig sein. Im Ayurveda sagt man explizit, dass man zuerst essen soll und danach trinken, um die Verdauungssäfte nicht zu verdünnen und damit zu schwächen (im Chinesischen gibt es so eine Anweisung nicht direkt). Wenn man zu viele heiße Lebensmittel zu sich nimmt, wie Fleisch, Alkohol, Gewürze, Frittiertes, Gegrilltes, aber auch Zucker und Weißmehlprodukte, schwächt man also zuerst den Magen (das Magen-Yin, welches den Magen auch kühlen soll) und überhitzt ihn anschließend, und es entstehen Hitze und leere Hitze (das ist quasi viel Feuer mit wenig Brennholz; Hitze aus einer Leere, einer Erschöpfung heraus).

Was passiert nun, wenn man zu viele kalte Speisen oder Getränke wie viel rohes Obst und Gemüse, Joghurt (durch die Gärung ist dieses kalt, auch wenn man es warm zu sich nimmt) und eiskalte Getränke zu sich nimmt?

Kälte kommt in den Magen, und da Kälte der mächtigste Verursacher von Blockaden (Stagnationen) im Körper ist, muss der Magen diese Blockade gleich wegräumen, um ein gutes Funktionieren der Magenfunktionen zu gewährleisten. Wenn Sie kalte Finger haben, dann wärmen Sie diese. Wenn der Magen Kälte hat, wärmt er diese und verbraucht dadurch vermehrt Wärme, Yang, die er eigentlich zur Verarbeitung des Speisebreis bräuchte. Erinnern Sie sich: Westlich gedacht ist eine der Funktionen des Magens, den Speisebrei auf Körpertemperatur zu erwärmen, welche notwendig ist, damit die Verdauungsenzyme des Magens und vor allem des Dünndarms gut funktionieren können. Erinnern Sie sich an den Chemieunterricht. Der Lehrer, der zum Beispiel zwei Flüssigkeiten in einer Eprouvette zusammenschüttet, und es passiert nichts. Erst, wenn er das Reagenzglas über eine Flamme hält, findet eine chemische Reaktion statt. Energie als Wärme ist bei fast allen enzymatischen Reaktionen in unserem Körper notwendig, auch bei unseren Verdauungsenzymen. Der Verbrauch des Yang im Magen führt längerfristig zu einer Erschöpfung der Substanz des Magens (des Yin) und wieder mit den gleichen Symptomen der Magenhitze. Hier heißt die chinesische Diagnose zunächst Magen-Qi-Mangel, dann Magen-Yang-Mangel, und schließlich auch hier Magen-Yin-Mangel mit leerer Hitze.

Stellen Sie sich den Magen anatomisch vor: ein Sack im Bauchraum am Ende der Speiseröhre. Und ein Sack hat nicht viel Substanz, denken Sie an einen Einkaufssack. Bei den Kräften, die im Magen wirken können – Säure wie in einer Autobatterie, Kälte (zum Beispiel durch Eis essen) wie am Nordpol, Schärfe (zum Beispiel durch hochprozentigen Alkohol oder getrocknete Chili) wie ein Messer – ist es ein Wunder, dass der Magen so lange ohne Beschwerden bleibt. Aber wenn es ihm einmal reicht, wenn er einfach mal nicht mehr will, dann wirft er uns unser Essen zurück, macht Erbrechen oder – weil er Sie nicht ganz vor den Kopf stoßen möchte – vorerst einmal nur Sodbrennen, und sagt Ihnen damit, dass Sie bitte jetzt etwas an Ihrer Lebensweise ändern sollen.

Erinnern Sie sich, was ich Ihnen oben über die Magensäure erzählt habe: Das Sodbrennen hat westlich gedacht zumeist einen Magensäuremangel als Ursache. Und chinesisch gedacht passt das zu der Erschöpfung, die der Magen durch unsere oft falsche Ernährung erleidet: Qi-Mangel (der Magen hat keine Kraft mehr, sodass dann der ganze Körper keine Kraft mehr hat), Säfte-Mangel (der Magen trocknet aus, sodass dann der ganze Körper austrocknet; der Magen als „Meister der Säfte), Yin-Mangel (die Substanz, der „Einkaufssack des Magens, bekommt „Löcher oder dünne Stellen, sodass die gesamte Substanz des Körpers langsam „dünne Stellen und Löcher bekommt), Yang-Mangel (durch die Kälte kühlt der Magen aus und zieht die Wärme des Magens und langsam auch des ganzen Körpers ab, sodass dem ganzen Körper langsam kalt wird). Und da der Magen ja mit der Milz eng zusammenarbeitet, hat all das Auswirkungen auf die Milz. UND eine wichtige Ursache für eine Magenschädigung gibt es noch:

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