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Wanda

Wanda

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Wanda

Länge:
207 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 2, 2018
ISBN:
9783958131590
Format:
Buch

Beschreibung

Im musikalischen Verein der kleinen Stadt soll Hof gehalten werden, ein Spiel, welches dem Vergnügen dient und bei dem die Frauen ersteigert werden dürfen. Auch die schöne, adelige Wanda hat es in diesen Kreis von Bürgern und Handwerkern geschafft. Diese fühlen sich geehrt. Doch bevor die Feier so richtig losgehen kann, passiert im Nachbarort ein Brandunglück. Die Feier wird unterbrochen und zwei Männer, der Schmied und der Schornsteinfeger, eilen zu Hilfe. Dabei tritt Emil Winter, der Schornsteinfeger, mutig und uneigennützig hervor. Das imponiert anschließend auch Wanda und Emil gewinnt ihre Zuneigung. Es könnte alles harmonisch verlaufen, wenn da nicht Wandas aufgeblasener Verlobter Herr von Säumen wäre. Er sieht seine Verlobung und seine Geschäfte in Gefahr und möchte den örtlichen Rivalen gerne ausschalten.
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 2, 2018
ISBN:
9783958131590
Format:
Buch

Über den Autor

Karl Friedrich May (* 25. Februar 1842 in Ernstthal; † 30. März 1912 in Radebeul; eigentlich Carl Friedrich May)[1] war ein deutscher Schriftsteller. Karl May war einer der produktivsten Autoren von Abenteuerromanen. Er ist einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache und laut UNESCO einer der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller. Die weltweite Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland. (Wikipedia)


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Wanda - Karl May

Inhaltsverzeichnis

I. Die Auktion

Unter allen Gesellschaften der Stadt war Die Erheiterung die beliebteste. Zwar gehörten ihre Mitglieder ohne Ausnahme dem gewöhnlichen Handwerkerstand an, aber bei ihren Zusammenkünften und Vergnügungen herrschte immer ein seriöser Ton, und sie verhielten sich achtbar und untadelig. Da die charakteristische Gemütlichkeit, die man eher dem einfachen Bürger als dem Höhergestellten zuschreiben kann, ihre Anziehungskraft auch auf die Bessergestellten hat, ließen sich sogar die Honoratioren der Stadt gern und häufig im Kreis der jungen, munteren Leute sehen, um sich von ihnen unterhalten zu lassen.

Überzogene Ansprüche durfte man allerdings nicht mitbringen, und es war auch besser, zu irgendeinem lustigen Einfall nicht mit schulmeisterlicher Pedanterie den Kopf zu schütteln. Wer kam, der musste mitmachen, und wer das nicht wollte, der erhielt ohne Weiteres sein Eintrittsgeld zurück und durfte wieder gehen. Gerade dieses energische Aussortieren aller störenden Elemente hatte dem Verein seine Beliebtheit eingebracht, sicherte ihm die Teilnahme der Verständigen und machte sein Lokal zum Versammlungsort all derer, die den Staub der Arbeit oder belästigenden Zwänge einmal abschütteln und fröhliche Menschen sein wollten.

Heute nun feierte Die Erheiterung ihr Stiftungsfest, und zahlreiche Einladungen waren verteilt und auch angenommen worden. Sogar der Herr Polizeirat hatte zugesagt und um die Erlaubnis gebeten, seinen hohen Gast, Herrn Baron von Säumen, mitbringen zu dürfen. Dieser hatte sich viele Jahre lang in Italien aufgehalten und war nach dem kürzlich erfolgten Tod seines Vaters in die Heimat zurückgekehrt, um sein Erbe anzutreten. Der letzte Wille des Verstorbenen hatte ihn mit einem Fräulein von Chlowicki verlobt, die mit ihrer Mutter in einer der nahe gelegenen Villen wohnte. Von Säumen war deshalb nach der Regulierung der Erbschaft gekommen, um die junge Dame kennenzulernen, die er vorher noch nie gesehen hatte. Er hatte bei dem Polizeirat, einem alten pensionierten Sicherheitsbeamten, der irgendwie mit ihm verwandt war, gastliche Aufnahme gefunden.

Frau von Chlowicki war nach Aussage der wenigen Personen, die sie kannten, eine alte, kränkliche, unausstehlich hochmütige Dame, deren einzige Beschäftigung in dem Studium der Vorrechte ihres Standes bestand. Zur Abwechslung peinigte sie die Dienstboten, beklagte den immer sichtbarer werdenden Verfall des Adels und nörgelte an ihrer Stieftochter herum, deren Erziehung sie als verkehrt und verfehlt bezeichnete. Dabei war sie es selbst gewesen, die deren Erziehung geleitet hatte. Frau von Chlowicki verließ ihre Wohnung äußerst selten. Deshalb gab es in der Stadt nur wenige Personen, die sich rühmen konnten, sie je gesehen zu haben.

Umso öfter wurde dafür ihre Tochter gesehen, Fräulein Wanda oder die wilde Polin, wie sie allgemein genannt wurde. Als sie vor mehreren Jahren den Heimatort mit ihrem jetzigen Aufenthaltsort vertauscht hatte, war unter den jungen Männern der Stadt eine rasch um sich greifende Epidemie ausgebrochen. Der alte scharfzüngige Doktor Kühne bezeichnete diese als Wandamanie. Da aber das schöne Mädchen nicht die geringste Notiz von dieser höchst interessanten Krankheit nahm und die hoffnungslos Infizierten vollständig und konsequent ignorierte, verwandelte sich der Anfall nach und nach in ein unerfülltes Schmachten aus der Ferne – wie einst beim Ritter Toggenburg. Wanda war Königin, ohne dass es einer ihrer Untertanen gewagt hätte, ihr eine offizielle Huldigung darzubringen. Von der Natur mit den herrlichsten Gaben ausgestattet, glänzte sie als leuchtendes, aber unberechenbares Phänomen am gesellschaftlichen Himmel. Während andere ruhig ihre Bahnen zogen, flimmerte sie in den verschiedensten Lichtern, zuckte blitzähnlich von einem Punkt zum andern, warf oft die ganze Planetenstellung über den Haufen und hätte auch den kaltblütigsten Astronomen zur Verzweiflung bringen können. Für sie gab es keine sittliche Unmöglichkeit. Sie ritt wie ein Husarenleutnant, schoss mit den Jägerburschen um die Wette, betrat ganz unerwartet den Fechtboden und trieb mit dem Florett in dem kleinen, weißen Fäustchen jeden Mann in die Enge, galoppierte über Heide und Stoppeln, durch dick und dünn, und erschien bei Tagesgrauen, wenn die ehrbaren Spießbürger noch in den Federn streckten, hochgeschürzt auf dem Sportplatz der Feuerwehr, um an Reck, Barren, Bock und Kletterstange ihre Meisterschaft zu erhalten. Sie tanzte, sang und rezitierte prächtig, spielte mit ungewöhnlicher Fertigkeit Piano, schien in jeder Sprache, in jeder Kunst und Wissenschaft bewandert zu sein und wusste auch in die steifsten Zirkel Leben und Bewegung zu bringen.

Trotz dieser scheinbar unweiblichen Vielseitigkeit und Selbstständigkeit war jedem ihrer Worte, jeder ihrer Taten, ihrem ganzen Wesen und Leben eine so bezaubernde Anmut, eine so mädchenhafte Reinheit, ein so imponierender Adel aufgeprägt, dass es außer der Stiefmutter niemanden gab, der die leiseste Spur eines Anstoßes zu entdecken gewusst hätte. Und wie sie von der Männerwelt vergöttert wurde, so stand sie bei den Frauen in der unbeschränktesten Achtung und Ehrerbietung. Wo Armut ihre düsteren Schatten über ein Familienleben warf, wo Krankheit drohend an die Türen klopfte, wo irgendein Leid den fröhlichen Schlag eines Menschenherzens hemmte, da erschien sie gewiss, um Rat, Trost und Hilfe zu bringen. Es war deshalb kein Wunder, wenn sie nicht bloß von ihren Schutz- und Pflegebefohlenen, sondern auch von anderen, die von ihrem stillen, liebevollen Walten erfuhren, wie ein Engel verehrt wurde.

Wanda war natürlich auch zu dem heutigen Fest geladen. Da man ihren Verlobten erwartete, so glaubte man, auch mit ihrem Erscheinen rechnen zu dürfen. Aber fast wäre das erwartete Vergnügen gestört worden. Kurz vor Beginn der Festrede brach nämlich in einem Nachbardorf Feuer aus, und nach dem ersten Schreckensruf schien es, als wollten die zahlreich Versammelten auseinanderstürmen. Bald jedoch überzeugte man sich, dass der Ort fast eine Meile entfernt und daher kein Grund zu einer so gewaltsamen und unwillkommenen Störung bestand. Nur zwei Mitglieder des Vereins, der Schmiedemeister Anton Gräßler und der Schornsteinfeger Emil Winter, mussten als Mitglieder der Feuerwehrabteilung für auswärts dem Ruf des Signalhorns folgen. Die anderen aber kehrten in den Saal zurück.

So verging die Zeit. Längst schon war die städtische Löschmannschaft an der Unglücksstätte angekommen und sah ihre Bemühungen von allmählich immer größerem Erfolg gekrönt. Blutig rot glänzte der Himmel. Die sich über der Brandstelle sammelnden Wolken tauchten ihre Säume in die aufsteigenden Gluten. Lange hatte das Gemäuer dem Feuer widerstanden. Jetzt stürzte es mit Getöse zusammen. Dichter schwarzer Rauch wirbelte aus dem zischenden Herd auf. Wie die Strahlen einer riesigen Fontäne zuckten und sprühten die Flammen weithin leuchtend zum letzten Mal empor. Dann sanken sie in sich zusammen. Der Himmel färbte sich dunkler. Nur hier und da leckte eine gefräßige Zunge an einem noch nicht verkohlten Balken.

»Gott sei Dank, itzt is endlich vorbei!«, sagte tief aufatmend der Schmied, der als Spritzenmeister das Mundstück des Wasserschlauchs geführt hatte.

»Das war, mein Seel, keen Zuckerlecken; ich bin wie gerädert.«

»Na, du Riesenkind wirst das bissel Anstrengung nich besonders merken, aber wie es unserm Winter dort zumute is, das möchte ich wissen. Der hat fast Übermenschliches getan. Ohne ihn hätten die armen Leute elendiglich umkommen müssen.«

»Hast recht, alter Haudegen. Das Herz hat mer, mein Seel, im Leib gezittert, als ich den braven Jungen so hoch da droben mitten durch Rauch und Flammen über die Firste balancieren sah. So eenen verwegenen Gesellen gibt’s hundert Meilen in der Runde nich wieder, und er hat sich heut wenigstens ein halbes dutzend Orden und Medaillen verdient. Na, wenn ich Fürst wäre oder gar König, wüsste ich, was ich zu machen hätte. Da ich aber leider nur een simpler Hufnagler bin, so kann ich ihm weiter nischt als nur eenen ehrlichen, gut gemeinten Händedruck geben. Und den soll er ooch gleich haben!«

Der Schmied kletterte über die herumliegenden Trümmer und schritt auf den Schornsteinfeger zu, der abseits von der Menge an einem Baum lehnte.

»Emil, alter Schwede, wie schaut es denn bei dir aus? Du musst doch, mein Seel, verbrannt sein wie ’ne Weihnachtsstolle, die von Pfingsten bis zu Ostern im Backofen gestanden hat!«

»Danke, Anton. Es ist nicht so schlimm, wie du denkst. Meine schwarze Staatsmontur hat freilich einige Schandflecken davongetragen; die Haut aber ist so ziemlich unverletzt geblieben. Du hast mich ja erst gehörig eingeweicht, bevor ich das Kunststück unternahm.«

»Na, schönes Kunststück! Wenn es gilt, nen Tanzsaal auszuräumen oder ein Dutzend Baldrians zusammenzuhauen oder meinswegen ooch mit eener zweespännigen Fuhre Erdäpfel auszureißen, da bin ich dabei. Aber wie ne Katze off brennenden Dächern rumklettern und drei Menschen, eenen nach dem andern, dem Bruder Vesuvius aus dem Rachen reißen, dazu bin ich nich gemacht, das kann nur so een verteufelter Kerl wie du zustande bringen. Ich hab’s ja immer gesagt: Du bist’n tüchtiger Kerl in allen Stücken, und wir alle sind froh, dass du wieder bei uns bist.«

»Lass es gut sein. Ich habe nur getan, was jeder andere Schornsteinfeger auch tun würde. Freilich wollte es mir erst nicht so recht passen, dass ich unsern schönen Ball im Stich lassen musste. Es ist ja der Erste, dem ich wieder beiwohne. Jetzt aber bin ich ausgesöhnt mit der Störung. Du glaubst nicht, Anton, wie wohl es tut, wenn man sich sagen kann: ›Hast heut rechtschaffen deine Pflicht getan!‹«

»Bist alleweil ein guter Junge, Emil! Und was den Ball betrifft, so is er uns ja noch gar nich davongeloofen. Wenn wir itzt gleich anspannen, so kommen wir schon zurecht. Es gibt sowieso nischt mehr für uns zu tun. Du, guck mal da nüber. Ich gloobe, die suchen dich. Es sieht aus wie der Pastor und der Schulze.«

»Du hast recht. Aber ich bin kein Freund von Komplimenten. Spann rasch an und komm nach. Ich werde vorangehen. Ich hab nicht allein gearbeitet. Ihr habt alle Dank verdient.«

»Na, so loof nur zu. In zehn Minuten haben wir dich eingeholt.«

Der Schornsteinfeger schlich durch die Gärten und suchte die Straße, die zur Stadt führte. Als er sie erreicht hatte, schritt er leichten Fußes aus. Er mochte die Seligkeit, die er wegen der Rettung dreier Menschen empfand, nicht durch störende Dankesworte entweihen lassen und gab sich den wohltuenden Gefühlen seines Inneren hin, bis er das laute Rollen des herannahenden Spritzenwagens hinter sich vernahm.

»Hallo, Emil, bist du’s? Da sind wir. Komm, steig uff. In eener halben Stunde sind wir in der Stadt; unsere Equipage fährt rasch. Da sehen wir zuerst, wie’s im Saal ausschaut, und dann rennen wir nach heeme, stecken die Arme in den Frack und holen das Versäumte doppelt nach. Vorwärts, Christian, und een bischen laut!«

Das Sechsergespann donnerte in scharfem Trab weiter, und kaum war die halbe Stunde vorüber, hielt der Spritzenwagen mit der darauf hockenden Mannschaft vor dem Gasthaus.

Die beiden Männer sprangen ab und traten in den Hausflur. Hier kam ihnen der Wirt entgegen.

»Seid ihr wieder da? Ist’s Feuer niedergeschlagen?«

»Ja. Wie sieht’s denn droben aus, Gevatter?«

»Sehr belustigend! Der Thomas hat wieder was Schönes ausgeheckt. Er versteigert die Weibsen. Macht, dass ihr naufkommt, wenn ihr noch eene abhaben wollt. Umziehen könnt ihr euch nachher ooch noch. Hör, Emil, der Buchhändler hat das Geld für dich geschickt. Ich hab’s drin liegen, wenn du’s haben willst.«

»Nachher. Halt nur deinen Mund. Es braucht niemand zu wissen, was ich in meinen Feierstunden treibe!«

Aus den geöffneten Flügeltüren tönte ihnen lustiges Lachen entgegen, das eine laute, um Ruhe bittende Stimme zu übertönen versuchte.

»Silentium, meine Herrschaften. Si-Si-Silentium, was so viel heeßt wie: Wer fertig is mit Lachen, der mag sich den Bauch wieder zurechtschieben. Denn es wird gleich wieder losgehen. Also drei Taler zum zweeten Mal; drei Taler zum dritten Mal, zum dritten und letzten Mal, Pumps! Der Herr Advokat Heinemann aus Dresden, der heut wegen eenes Gevatterbriefes in unserer guten Stadt weilt, zahlt für die Frau Schmiedemeisterin Anton Gräßler, welche bisher ohne Gevatterbrief anwesend gewesen ist, drei Taler. Kassierer, hier ist das Geld!«

»Meine Frau verkooft?«, rief der Schmied mit seiner tiefen Bassstimme in die von Neuem lachende Versammlung hinein. »Und für drei Taler? Ihr seid nicht recht gescheit. Soviel habe ich doch selber nich für sie gegeben.«

»Schadet nischt, Anton. Nimmst den Profit und erstehst dir eene Bessere. Erlooben die verehrtesten Herrschaften, dass ich meiner Pflicht als Auktionator genüge, indem ich ihn von dem Notwendigen in Kenntnis setze? Er hat wegen des Feuers fortgemusst und weeß also nich, was hier eegentlich losgeht. Wie steht es denn mit dem Brand?«

»’s is aus. Kannst’s nachher ausführlicher hören. Erkläre mir nur erst die Rebellion, die du angerichtet hast, alter Schabernack.«

»Keine Beleidigung nich, Anton; ich bin nich schuld, dass dir deine Gustel abhandengekommen is. Ich habe dich wahrhaftig nich verleitet, in die Feuerwehr einzutreten und jedem glimmenden Zigarrenstummel nachzuspringen. Also, off meinen Vorschlag hat der Verein den Beschluss gefasst, alle anwesenden Damen zu versteigern. Jede dieser Damen gehört dem, der sie ersteht, für die Dauer des heutigen Abends, muss ihm beim Dankeswalzer eenen Kuss geben, darf ohne seine Erloobnis mit keenem andern tanzen, geht mit ihm zur Tafel und muss ihm ooch gestatten, sie nach Hause zu begleiten. Diejenige, für welche das meiste gezahlt wird, ist Ballkönigin. Ihr Herr wird König, und dann errichten die Majestäten eenen Hofstaat, mit dessen Hilfe das Programm entworfen wird. So, und nun mach nur, dass du heem kommst und eenen andern Gottfried anziehst. Du siehst ja aus, als wenn du een halbes Jahr im Teich gelegen hättest und nachher noch eenige Monate lang als Froschreuse in Gebrauch gewesen wärst.«

»Wie viele hast du denn noch?«

»Grad noch een Dutzend.«

»Na, da kann ich doch nicht erst heeme gehen. Wenn ich eenmal ins Parfümieren komme, so werde ich vor dem ersten Advent nich fertig, und dann habe ich das Nachsehen. Ich möchte doch gern Schadenersatz für meine Alte haben und werde warten, bis Eene kommt, die nach meinem Geschmack is. Wer mich in meiner jetzigen Schönheet nich haben will, der kriegt mich, mein Seel, ooch nich, wenn ich nachher noch schöner bin. Also, fang an.«

Der Schornsteinfeger war, unbeachtet von den anderen, hinter einen der Türpfosten getreten und überflog mit musterndem Blick die noch zu versteigernden Damen.

Sie waren ihm alle bekannt, außer …

Mit einer raschen Bewegung trat er überrascht aus dem Versteck hervor und heftete die Augen auf ein Mädchen, das zwischen dem Polizeirat und einem unbekannten Herrn saß.

»Welche Ähnlichkeit. So schön, so herrlich müsste sie geworden sein.«

Und sich an den eben eintretenden Wirt wendend, fragte er: »Wer ist die junge, weiß gekleidete Dame dort unter dem Orchester?«

»Das is Fräulein von Chlowicki. Kennst du sie denn noch nich?«

»Die wilde Polin? Ich habe wohl von ihr gehört, sie aber noch nicht gesehen. Und der Herr zu ihrer Linken?«

»Das is der Baron von Säumen, een reicher Erbe und ihr Verlobter.«

»Kennst du ihren Vornamen?«

»Se heeßt Wanda.«

»Bitte, hole mir mein Geld.«

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