Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket: Galaktische Intrigen

Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket: Galaktische Intrigen

Vorschau lesen

Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket: Galaktische Intrigen

Länge:
2,155 Seiten
24 Stunden
Freigegeben:
Aug 17, 2019
ISBN:
9781386190882
Format:
Buch

Beschreibung

Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket: Galaktische Intrigen

Von Alfred Bekker & Hendrik M. Bekker & Wilfried A. Hary & Gordon R. Dickson & Reinhard Köhrer

Eine unendliche Galaxis, gewaltige Sternenreiche, unfassbare Intrigen und heraufdämmernder Krieg - darum geht es in den Science Fiction Abenteuern dieses Buches.

Dieses Buch enthält folgende Scince Fiction Abenteuer.:

Alfred Bekker: Planet der Eissegler

Gordon R. Dickson: Der Agent

Reinhard Köhrer: Weg der Erde

Wilfried A. Hary: Eine andere Phase

Wilfried A. Hary: Das Raumschiff aus der Vergangenheit

Alfred Bekker: Ferne Mission

Alfred Bekker: Raumschiff Sternenkrieger im Einsatz

Hendrik M. Bekker: Jäger

Hendrik M. Bekker: Kosmische Beute

Hendrik M. Bekker: Angriff der Chadrana

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa Teil 1

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa Teil 2

Hendrik M. Bekker: Der Tod im Blut (Extra-Erzählung)

Hendrik M. Bekker: Die erste Mission der EURYTION

Hendrik M. Bekker: Die Entfesselung der Kriegshunde

Alfred Bekker: Galaxienwanderer – In zwei Milchstraßen

Freigegeben:
Aug 17, 2019
ISBN:
9781386190882
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


Ähnlich wie Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket

Mehr lesen von Alfred Bekker

Buchvorschau

Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket - Alfred Bekker

Publisher

Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket: Galaktische Intrigen

Von Alfred Bekker & Hendrik M. Bekker & Wilfried A. Hary & Gordon R. Dickson & Reinhard Köhrer

Eine unendliche Galaxis , gewaltige Sternenreiche, unfassbare Intrigen und heraufdämmernder Krieg - darum geht es  in den  Science Fiction Abenteuern dieses Buches.

Dieses Buch enthält folgende Scince Fiction Abenteuer.:

ALFRED BEKKER: PLANET der Eissegler

Gordon R. Dickson: Der Agent

Reinhard Köhrer: Weg der Erde

Wilfried A. Hary: Eine andere Phase

Wilfried A. Hary: Das Raumschiff aus der Vergangenheit

Alfred Bekker: Ferne Mission

Alfred Bekker: Raumschiff Sternenkrieger im Einsatz

Hendrik M. Bekker: Jäger

Hendrik M. Bekker:  Kosmische Beute

Hendrik M. Bekker: Angriff der Chadrana

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa Teil 1

Hendrik M. Bekker: Die Jarnaxa Teil 2

Hendrik M. Bekker: Der Tod im Blut (Extra-Erzählung)

Hendrik M. Bekker: Die erste Mission der EURYTION

Hendrik M. Bekker: Die Entfesselung der Kriegshunde

Alfred Bekker: Galaxienwanderer – In zwei Milchstraßen

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

Diese Ausgabe entstand im Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Munsonius, Bärenklau.

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Planet der Eissegler

von Alfred Bekker

DER UMFANG DIESES BUCHS entspricht 120 Taschenbuchseiten.

TERRANISCHE FORSCHER untersuchen einen Eisplaneten. Sie stoßen auf eine uralte Macht, die das Kräftegleichgewicht in der Galaxis verändern könnte...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker  

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de 

postmaster@alfredbekker.de  

1

Das Licht der Sonne A-7234 schimmerte rötlich. Idris al-Khalil setzte sich seine Schutzbrille auf. Die war auch dringend nötig, wollte man in dieser weißen, völlig vereisten Umgebung nicht in relativ kurzer Zeit erblinden.

Der Erdenmensch blickte sich um, ließ den Blick über die kalte Einöde schweifen. Eine Landschaft, wie man sie auf der Erde allenfalls in der Antarktis vorfand. Aber hier auf der irdischen Siedlerwelt Candoy war es die Äquatorzone, die so aussah. Der Planet war völlig von Eis bedeckt. Die Temperaturen lagen ständig unter dem Gefrierpunkt. In kalten Wintern unterschritten sie die Minus-Hundert-Grad-Grenze. Mörderische Stürme fegten dann über die wüstenähnlichen Eisflächen. Ein paar Grad wärmer und Candoy wäre eine Wasserwelt, ging es Idris durch den Kopf. Auch auf der Erde hatte es in weit zurückliegenden erdgeschichtlichen Epochen Phasen totaler Vereisung gegeben, die bis zum Äquator gereicht hatten, wie man heute annahm. Schnee und Eis sorgten für weitere Schneefälle und noch mehr Eis. Das war ein Naturgesetz. Die weißen, kalten Flächen reflektierten das Sonnenlicht, warfen es zurück in den Weltraum. Für die nächsten Jahrhunderttausende bestand kaum Aussicht, dass sich die klimatischen Verhältnisse auf Candoy in irgendeiner Weise veränderten.

Ein Eisklumpen mit einer Sauerstoffatmosphäre, genau das war dieser Planet. So wurde er auch von den irdischen Siedlern gesehen, die das Wagnis auf sich genommen hatten, sich hier anzusiedeln. Nicht wenige waren den widrigen klimatischen Bedingungen erlegen, denn das Leben auf Candoy war äußerst hart. Aber es gab wertvolle Rohstoffe hier, die dieses Wagnis angemessen erscheinen ließen. Deswegen waren die meisten der Siedler hier.

Nicht so Idris.

Er hatte aus einem anderen Grund den Weg hier her gefunden.

Es war der Drang nach Wissen.

Idris war Forscher.

Sein Forschungsgebiet war die Ethnologie.

Aber ihn interessierten nicht die Abweichungen, die sich inzwischen in der Kultur der hiesigen Siedler gebildet hatten, wenn man sie mit ihrer jeweiligen Ursprungskultur auf der Erde verglich. Es gab Kollegen, die sich für derartige Fragen brennend interessierten und ihre Doktorarbeiten über dergleichen schrieben. Idris al-Khalil gehörte nicht dazu, ihn interessierte etwas ganz anderes.

Die Korreen, wie sich die humanoiden Urbewohner von Candoy nannten.

He, Idris!, rief jemand.

Eine Männerstimme.

Idris wurde aus seinen Gedanken gerissen. Er wandte den Kopf in Richtung des Sprechers und sah den Ökologen John X. Smith. Er stand in der Nähe des Gleiters, mit dem die beiden hier gelandet waren.

Was ist los?, fragte Idris.

Wieso stehst du da so herum? Du könntest mir mal helfen!

Idris ging auf seinen Kollegen zu. Smith trug genau wie Idris al-Khalil eine Polarausrüstung. Nur im Gesicht spürte er die schneidende Kälte.

Idris stapfte auf Smith zu.

Smith war gerade damit beschäftigt, eine Eisbohrung vorzubereiten. Das Eis war hier verhältnismäßig dünn. Nur etwa vier bis fünf Meter dick. Darunter befand sich der Ozean, die Heimat der sehr eiweißhaltigen Kasratan. Gewaltige Kopffüßer waren das, den Riesenkraken der Erde nicht unähnlich. Eine faszinierende Welt voller Leben existierte unter dem Eispanzer. Die Lebensformen Candoys hatten sich dorthin zurückgezogen und sich angepasst.

Halt mal, sagte Smith und reichte Idris eines der Messinstrumente.

Idris warf einen eher flüchtigen Blick auf die Messdaten, die das Gerät anzeigte.

Er stutzte.

Es gibt gewaltige elektrische Entladungen - ganz in der Nähe, stellte er fest.

Smith grinste.

Ganz genau.

Bedeutet das...

Arbu'atan - was sonst.

Arbu'atan - mit diesem Namen hatten die humanoiden Urbewohner Candoys die walähnlichen Riesen bezeichnet, die in den Tiefen des ewig dunklen candoyanischen Ozeans lebten. Gewaltige, bis zu hundert Meter lange Kolosse, über die nicht sehr viel bekannt war. Es gab einige Bilder, die von Sensoren aufgenommen worden waren, die man in die Tiefe eingelassen hatte. Aber mehr nicht.

Für die Korreen, die humanoiden Bewohner Candoys, hatten die Arbu'atan religiöse Bedeutung. Eine Bedeutung, die Idris noch nicht ganz klar war. Aber um das zu erforschen, war er unter anderem hier.

Idris blickte noch einmal auf die Anzeigen. Ja, die Werte lassen keinerlei Zweifel, dachte er. Derart große Entladungen konnten nur durch Arbu'atan verursacht werden. Sie hatten offenbar die Fähigkeit, gewaltige elektrische Spannungen zu erzeugen. Es gab Moränenarten auf der Erde, die das auch vermochten. Allerdings in wesentlich geringerem Umfang. Die irdischen Moränen setzten ihre Fähigkeit, Elektrizität zu erzeugen dazu ein, Feinden und Beutetieren tödliche Stromschläge zu verabreichen. Möglicherweise war das bei den Arbu'atan auch der Fall. Aber gesicherte Erkenntnis war das keineswegs.

Smith rammte den Energiebohrer in die vereiste Oberfläche. Das stabförmige Gerät drang nur wenige Zentimeter ein. Smith betätigte den am oberen Ende angebrachten Knopf.

Ein Summton ertönte.

Dann ein Zischen.

Smith bleckte die Zähne. Sein Gesicht hatte jetzt einen triumphierenden Gesichtsausdruck.

Die Bohrung ist glatt durchgegangen.

Du willst eine Sonde runterschicken, John?

Sicher. So eine Chance bekommen wir nicht alle Tage!

Ich weiß.

Smith nahm ein Gerät, das wie eine überdimensionale Pistole aussah. Er reichte Idris den Energiebohrer, setzte dann das Abschussgerät für die Sonde an den durch das Eis gebrannten Kanal. Er musste sich beeilen. Der schmale Kanal, den er in die Tiefe hinein gebohrt hatte, würde innerhalb weniger Augenblicke schon wieder zu vereisen beginnen.

Er drückte ab.

Die Sonde hatte einen Treibsatz, der sie in die Tiefe hineinschoss. Innerhalb eines Sekundenbruchteils war sie in der Tiefe verschwunden.

Wir bekommen Besuch, sagte Idris.

Smith schien das gar nicht zu registrieren.

Er bückte sich zu einer der Taschen, die er mit aus dem Gleiter genommen hatte und holte das Steuermodul der Sonde hervor. Ein kleiner Bildschirm zeigte die optischen Eindrücke an, die sich dem ferngesteuerten Auge boten. Viel war das nicht, trotz des Lichts, das die Sonde verströmte. Die Messwerte, die die Sonde übermittelte, zeigten allerdings ganz eindeutig, dass das Meer in der Tiefe alles andere als ein lebensfeindlicher Ort war. Unzählige mikroskopisch kleiner Lebensformen bevölkerten das eiskalte Wasser. Wesen, die sich der Dunkelheit und der Kälte perfekt angepasst hatten.

Ich sagte, wir bekommen Besuch, stellte Idris noch einmal fest.

Smith wandte den Kopf.

Idris deutete zum Horizont.

Einige Segel der Korreen-Eissegler tauchten am Horizont auf. Sie wirkten wie die Flügel von Schmetterlingen. Deutlich hob sich ihr brauner Farbton vom kalten Weiß des Eises ab. Hier an der Oberfläche hatte es für die Korreen weder Feinde noch Beute gegeben, vor der man sich hätte tarnen müssen. So gab es auch keine Veranlassung dazu, sich unauffällig zu bewegen. Im Gegenteil. Mit Hilfe der braunen Segel konnten sich die verschiedenen Korreen-Gruppen oft über viele Kilometer hinweg sehen.

Verdammt, knurrte Smith.

Idris hob die Augenbrauen.

Was?

Na, ich hoffe, dass das keinen Ärger gibt.

Sie sind aus demselben Grund hier wie wir, murmelte Idris.

Wegen den Arbu'atan?

Natürlich.

Aber woher wissen sie, dass eines dieser Riesenbiester sich gerade unter uns befindet? Idris, das ist doch Unfug, das können sie nicht wissen.

Sie wissen es aber. Idris' Tonfall klang vollkommen sicher. Es gab eine geheimnisvolle Verbindung zwischen den Korreen und den gewaltigen Arbu'atan in der Tiefe. Worin sie bestand, wusste niemand zu sagen. Noch niemand. Nur eines stand fest: Den Korreen standen nicht die technischen Mittel zur Verfügung, um jene elektrischen Spannungen zu messen, die von den Arbu'atan erzeugt wurden.

Die beiden Erdenmenschen blickten den Ankömmlingen entgegen. Die Segel strebten tatsächlich genau auf ihren gegenwärtigen Standpunkt zu. Sie waren ziemlich schnell, wenn man bedachte, dass es sich dabei um ein äußerst primitives, vortechnologisches Verkehrsmittel handelte, dessen einzige Energiequelle die scharfen Winde waren, die über die eisige Oberfläche Candoys fegten.

Die Eissegler der Korreen näherten sich.

Mist, unsere Messungen können wir vergessen, meinte Smith. Diese Korreen tauchen wirklich immer im ungünstigsten Moment auf...

Was wir tun, ist in ihren Augen Frevel, sagte Idris.

Ach wirklich?

Wirklich.

Na, großartig. Ich hoffe, du kannst sie besänftigen.

Ich werde mein Bestes tun!

Smith grinste schief. Ich hoffe, dass das ausreicht.

Die Eissegler bremsten in einer Entfernung von einigen Dutzend Metern ab, indem sie mit der Spitze in den Wind hineingelenkt wurden. Männer sprangen von auf schlanken Kufen dahingleitenden Gefährten, die für eine Landschaft wie diese ein geradezu perfekt angepasstes Verkehrsmittel zu sein schienen. Ihre Kleidung wies Ähnlichkeit mit jener der irdischen Eskimos auf. Angesichts der klimatischen Bedingungen war das auch kein Wunder. Die Gesichter, die aus den Kapuzen ihrer dicken Anoraks herausschauten, waren schwarz.

Schwarz wie mein Gesicht, ging es Idris al-Khalil durch den Kopf. Er war Somali, Smith ein Anglo-White American. Die Korreen waren mit den humanoiden Ral verwandt, das hatten genetische Tests zweifelsfrei ergeben. So sind Smith und ich trotz unseres unterschiedlichen Aussehens genetisch mit mehr Gemeinsamkeiten ausgestattet, als mich mit den Korreen verbindet, ging es Idris durch den Kopf. Das Phänomen war seit langem bekannt. Ähnliche Lebensumstände sorgten für die Entstehung sehr ähnlicher morphologischer Formen des Lebens, die jedoch nichts über den tatsächlichen Grad an Gemeinsamkeit aussagten. Der Wolf sah dem inzwischen ausgerotteten australischen Beutelwolf zum verwechseln ähnlich. Hätte je ein Experte die Möglichkeit gehabt, beide Spezies nebeneinander zu sehen, so hätte er Schwierigkeiten gehabt, sie auf den ersten Blick zu unterscheiden. Aber was die genetische Verwandtschaft anging, so stand der Wolf dem Menschen viel näher als dem Beutelwolf.

Immerhin sorgte Idris' schwarze Hautfarbe dafür, dass er bei den Korreen ein Art Vertrauensvorschuss besaß, zumindest verglichen mit Smith und anderen Weißen. Ein Vorschuss, der eigentlich durch nichts zu rechtfertigen war. Idris nutzte diesen Umstand jedoch im Sinn seiner Tätigkeit als Forscher.

Die Korreen stiegen von den katamaranähnlichen Seglern hinunter.

Idris sah ihnen entgegen und erwartete sie.

Ihr befindet euch an einem Ort, an dem ihr nicht sein dürftet, sagte einer von ihnen. Er trat etwas vor. Seine Augen waren lang und schmal, die Nase wirkte gerade.

Was drückt dieses Gesicht aus?, dachte Idris.

Stolz?

Vielleicht sogar das Bewusstsein von Überlegenheit? Ja, etwas in der Art war es mit Sicherheit. In der Hand hielt der Mann etwas, was man als Flammenlanze bezeichnen könnte. Eine Art Strahlgewehr, gebaut aus den Überresten der Ral-Technologie, mit der die ersten von ihnen hier her, nach Candoy gekommen waren. Zumindest behauptet dies die vorherrschende Lehrmeinung.

Idris trat dem Mann mit der Flammenlanze entgegen, blieb etwas fünf Schritte von ihm stehen. Dann hob er die Hand zum traditionellen Grußzeichen der Korreen.

Die meisten Korreen beherrschten nicht nur eine irdische Sprache, sondern sogar mehrere. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie die Sprachen der irdischen Siedler erlernt, die sich auf Candoy niedergelassen hatten.

Nahezu alle von ihnen sprachen zumindest recht passables Anglo-Standard.

Es war erstaunlich, in welcher Perfektion sie das hingekriegt hatten, zumal man bedenken musste, dass es kaum Kontakte zwischen Korreen und Erdenmenschen gab. Die irdischen Siedler lebten in ihren erschlossenen Arealen und wagten sich nur selten darüber hinaus, wenn es nicht unbedingt sein musste. Die Korreen hingegen folgten ihrer traditionellen Lebensweise, die sich im Verlauf langer Zeitalter nicht geändert hatte. Mit gutem Grund vermutlich, überlegte Idris. Sie sind geradezu perfekt an ihre Umgebung angepasst. Sie sind wirkliche und wahrhaftige Candoyaner - wir Erdenmenschen hingegen werden hier wohl immer nichts weiter als Fremde bleiben. Forscher, Prospektoren, Glücksritter - aber dennoch Fremde, die eigentlich auf diesem Klumpen Eis mitten in den Weiten des Raumes nichts zu suchen hatten.

Wer bist du?, fragte Idris den Korreen.

Mein Name ist Somak vom Stamm der Godoree.

Wer schickt dich?

DIE STIMME selbst ist es, die mich schickt. Mich und die meinen.

Die Stimme?, echote John Smith.

Idris al-Khalil machte eine Handbewegung und gebot Smith damit zu schweigen.

Smith verdrehte die Augen. Er deaktivierte erst einmal seinen Energiebohrer.

Er dachte: Ist doch immer dasselbe mit Idris; eine empfindliche Mimose ist er. Aber wahrscheinlich hilft ihm das dabei, sich in die Psychologie fremder Spezies einzufühlen.

Die Stimme sagt, dass es zu einem Quwartach kommen wird, sagte der Korreen.

Quwartach, die Begegnung mit dem Gott der Tiefe, so ging es Idris al-Khalil durch den Kopf.

Es gab keine Entsprechung auf Anglo-Standard für diesen Begriff.

Und wahrscheinlich galt das auch für alle anderen irdischen Idiome.

Aber in seiner Zeit bei den Korreen war Idris immer wieder auf diesen Begriff gestoßen. Bis heute war er sich nicht vollends darüber im Klaren, was er tatsächlich bedeutete. Bislang hatte er angenommen, dass es sich um einen spirituellen Begriff handelte.

Die Begegnung mit dem Gott der Tiefe...

Vergleichbar mit den Erleuchtungs- und Erscheinungserlebnissen, die aus der prä-austronautischen Ära der Erde bekannt waren.

Vielleicht auch nur ein Phänomen, das auf krankhafte Prozesse im Gehirn zurückzuführen war. In der irdischen Geschichte gab es zahllose Entsprechungen dafür. Jean d'Arc hörte Stimmen, die ihr befahlen gegen die Engländer zu kämpfen. Vielleicht war sie schizophren, dachte Idris.

Ihr seid am falschen Ort, verkündete Somak vom Stamm der Godoree jetzt.

Sein Blick wirkte ruhig dabei.

Ein Blick, aus dem selbst Idris, der anerkanntermaßen beste irdische Korreen-Kenner, sich keinen vernünftigen Reim zu machen wusste.

John X. Smith meldete sich jetzt zu Wort.

An Idris gewandt raunte er: Vielleicht gibst du mir jetzt mal einen guten Rat, was wir jetzt tun werden...

Idris hörte nicht weiter hin.

Die Stimme seines Kollegen nahm er nur wie aus weiter Ferne wahr.

Er starrte den Korreen an.

Dieser Somak ist vollkommen ruhig, überlegte er.

Ein ächzender Laut war plötzlich zu hören. Markerschütternd war dieser Laut und ließ die beiden Erdenmenschen unwillkürlich zusammenzucken.

Was ist das?, fragte John X. Smith.

Das Eis, sagte Idris.

So etwas in der Art habe ich mir schon gedacht...

Wir müssen hier weg!

Somak vom Stamm der Godoree hob beide Arme.

Eine Geste deren Bedeutung Idris nur zu gut kannte.

Geringschätzung.

Aber nicht nur im herkömmlichen, irdischen Sinn dieses Begriffs. Für die Korreen steckte viel mehr darin. Spirituelle Verwerfung, ging es Idris durch den Kopf. Verdammnis... Ja, das traf es schon besser.

Der Gott der Tiefe ist gegen euch.

Somak senkte seinen Arm wieder, während er diesen Satz vollkommen ruhig und gelassen aussprach.

Damit drehte er sich um.

Er eilte zurück in Richtung seines Eisseglers, dessen braunes Segel in dem eisigen Wind flatterte. Durch besondere Verfahrensweisen, denen diese Segel unterzogen wurden (es handelte sich um zusammengenähte Häute von Riesentintenfischen) bekamen die Korreen es hin, dass sie keinerlei Feuchtigkeit aufnahmen.

So wurden sie nicht hart und porös, sondern blieben geschmeidig.

Wieder war ein stöhnender Laut zu hören. Wie von einem lebendigen Wesen.

Aber sowohl Idris als auch Smith wussten, dass das nur eine Illusion war.  Das Eis arbeitete.

Wenn sich die meterdicke Schicht über dem planetaren Ozean hob und senkte, weil irgendwo Millionen Tonnen Schnee niedergingen und auf sie eindrückten,  entstanden Risse. Gewaltige Eisplatten verschoben sich dann gegeneinander. Das führte zu diesen Stöhnlauten.

An diesen Krach werde ich mich nie gewöhnen, meinte Smith. Als ob das Eis lebt...

Ja, den Eindruck hat man manchmal, murmelte Idris. Und was die Korreen angeht, so trifft diese Sichtweise auf sie vielleicht sogar zu. Für sie ist alles Teil der RAGAWAR, der Ordnung, die vom Gott der Tiefe geschaffen wurde...

Idris beobachtete die Korreen.

Somak von den Godoree bestieg seinen Eissegler.

Die Segel wurden gesetzt, die schnittigen Fahrzeuge gewendet.

Dann brausten sie davon.

Pfeilschnell zischten sie über die Eisoberfläche.

Wir sollten weiter machen, hörte Idris John X. Smith sagen.

Aber der Ethnologe schüttelte energisch den Kopf.

Nein.

Aber...

Wieder ein Stöhnlaut. Diesmal sehr durchdringend. Normalerweise kein Grund zur Beunruhigung, dachte Idris. Jeder, der auf Candoy lebte, gewöhnte sich früher oder später daran. Mehr als 80 Prozent der Planetenoberfläche waren eigentlich Ozean.

Was ist jetzt? Setzen wir unsere Messungen nochmal irgendwann fort?, fragte Smith. Und dabei dachte er: Er hört überhaupt nicht zu...

Weg hier!, stieß Idris hervor.

Wieso das denn?

Los, komm schon!

Aber...

Deswegen!

Idris al-Khalil streckte die Hand aus. Smith stierte in dieselbe Richtung und vergaß den Mund wieder zu schließen. Der Schwall Kaltluft drang ihm bis in die Lunge und ließ ihn frösteln.

Ein Riss bildete sich in der Eisdecke. Sie platzte auf.

Verdammt, was geht hier vor sich?, fragte er.

Bin ich Glaziologe?

Sie sammelten Smiths Messgeräte ein, dann liefen sie zum Schweber, der in einer Entfernung von ein paar hundert Metern abgestellt war.

Der Riss vergrößerte sich indessen zusehends, wurde breiter. Die Knarr- und Stöhnlaute waren geradezu ohrenbetäubend. Der Riss im Eis fraß sich fort mit einer Geschwindigkeit, gegen die kein Läufer, zumindest kein menschlicher, eine Chance hatte.

Er verzweigte sich.

Der gesamte Untergrund wurde auf einer Fläche von fast einem Quadratkilometer instabil.

Die Korreen haben das gewusst, ging es Idris durch den Kopf. Ihre Eissegler waren hinter dem Horizont verschwunden. Und sie haben uns gewarnt. Vergeblich...

Als plötzlich das Eis unter ihren Füßen schwankte, schlugen die beiden Erdenmenschen zu Boden.

Idris war der erste, dem es gelang, sich wieder aufzurappeln. Er reichte Smith die Hand, zog ihn empor.

Sie hetzten weiter, sprangen über eine etwa ein Meter fünfzig breite Spalte, die plötzlich entstanden war.

Danach befanden sie sich wieder auf einigermaßen festem Eis.

John Smith blickte zurück.

Verdammt..., stieß er hervor.

Aber sein Ruf verlor sich im Getöse des berstenden Eises.

ETWAS brach aus dem Eis hervor.

Jetzt sah es auch Idris.

ES war so gewaltig, dass die beiden Erdenmenschen eine Sekunde brauchten, um zu begreifen, dass ES lebendig war.

Ein gewaltiger, augenloser Kopf, ausgestattet mit einem fischartigen, zahnlosen Maul. Das Wesen erinnerte an einen gewaltigen Wal, allerdings überstiegen die Ausmaße bei weitem die irdischen Maßstäbe. Allein der zum Vorschein kommende Kopf hatte mit schätzungsweise dreißig Metern Länge bereits die Maße eines ausgewachsenen Blauwals. Das ganze Tier musste mindestens hundert Meter lang sein.

Ein Arbu'atan!, stieß Idris hervor.

Das war der Name, den die Korreen diesen gewaltigen Geschöpfen gegeben hatten. Bislang kannte man sie nur von Radaraufnahmen. Aber selbst Unterwassersonden, die man durch das Eis getrieben hatte, war es nie gelungen, tatsächlich Bilder von einem derartigen Wesen aufzuzeichnen. Offenbar hielten sie sich mit Vorliebe in großer Tiefe auf, wo der Druck dermaßen hoch war, dass gewöhnliche Ortungssonden schlicht und ergreifend zerquetscht wurden.

Wie es den gewaltigen Arbu'atan gelang, in extremen Tiefen zu überleben war bislang eines ihrer vielen Geheimnisse, die zu lösen einen erheblichen Forschungsaufwand bedeutet hätte.

Aber daran war im Augenblick wohl niemand auf Candoy wirklich interessiert.

Niemand, außer ein paar Forschern.

Es gab für die irdischen Kolonisten einfach näherliegende Probleme, die unbedingt gelöst werden mussten.

Da stand die Erforschung einer exotischen Tierart, die bislang darüber hinaus wohl kaum wirtschaftlich genutzt werden konnte, nicht sehr weit oben auf der Tagesordnung.

Sie erreichten den Schweber.

Gerade noch rechtzeitig gelang der Start, bevor der gewaltige, walartige Arbu'atan aus dem Wasser herausstieg und sich auf eine Länge von mindestens fünfzig Metern auf die Eisfläche fallen ließ.

Das führte zu unglaublichen Erschütterungen der Eisfläche, die an vielen weiteren Stellen aufplatzte.

John X. Smith lenkte den Schweber, zog mit ihm eine Flugbahn, die einen Bogen über das Geschehen zog.

Die Kraft dieses Wesens muss enorm sein, ging es Idris durch den Kopf.

Der herausgestiegene Körper des Monstrums war mit seinem vollen Gewicht auf die Eisfläche geklatscht und hatte das Eis unter sich dazu gebraucht durchzubrechen. Der walartige Körper verschwand wieder, sank unter die Oberfläche aus gebrochenem Eis.

Da haben wir nochmal Glück gehabt, meinte Smith. Ich habe die Aufzeichnung eingeschaltet.

Das ist gut.

Ich bin zwar kein Experte, was die Arbu'atan angeht, aber ich schätze, so etwas kommt nicht allzu oft vor. Jedenfalls nicht, so lange Erdenmenschen auf Candoy siedeln.

Es ist in dieser Zeit noch nie vorgekommen, korrigierte Idris. Aber die Mythen der Korreen berichten davon.

Dann scheint wohl doch ein Kern Wahrheit in diesen Geschichten zu liegen!

Ja.

Idris atmete tief durch.

Smith drehte noch ein paar Runden mit dem Schweber. Die beiden Erdenmenschen warteten darauf, dass der Arbu'atan noch einmal aus dem Eis herausstieg. Aber nichts dergleichen geschah.

Das walartige Monstrum schien sich zurückgezogen zu haben.

Die Bruchstücke der Eisoberfläche verbanden sich bereits wieder. Bei den niedrigen Temperaturen, die auf der Candoyanischen Oberfläche herrschten, war das alles andere als ein Wunder.

Ich schlage vor, wir drehen ab, sagte Idris.

Du meinst, hier passiert nichts mehr?

Exakt.

Meinetwegen. Smith lenkte den Schweber herum, ließ ihn dann in jene Richtung fliegen, in der einige hundert Kilometer entfernt das Forschungscamp zu finden war. Für das computergesteuerte Navigationssystem des Schwebers kein Problem. Wie ist dieses Verhalten des Arbu'atan erklärbar?, fragte Smith.

Frag Barris, unseren Biologen, erwiderte Idris lakonisch.

Ich fürchte, der hat auch keine Antwort darauf.

Man müsste mit Unterwasserkapseln in die Tiefe des Candoy-Ozeans, um endlich mehr über diese Kreaturen zu erfahren, John.

Das wird niemals geschehen.

Der politische Gegensatz zwischen der Zentralregierung auf der Erde und den Kolonialplaneten spitzte sich immer mehr zu. Und dabei ging es im Kern um die Verteilung der Geldmittel und größere Autonomie der Kolonien. Aber gleichgültig, wie dieser Konflikt auch ausgehen mochte, es war nicht anzunehmen, dass eine der beiden Seiten ein gesteigertes Interesse an der Erforschung der Arbu'atan an den Tag legen würde. Die Zentralregierung nicht, weil diese walähnlichen Ungeheuer natürlich keine Gefährdung der irdischen Souveränität bedeuteten. Und die planetare Administration von Candoy nicht, weil deren Mittel ohnehin äußerst knapp waren. Technisch waren die Kolonisten hinter dem Standard des machbaren weit zurück. Sie schlugen sich durch, so könnte man den gegenwärtigen Zustand beschreiben. Investitionen würden zunächst eher einer besseren Versorgung mit Technologie dienen.

Idris bekam das immer mit, wenn er in regelmäßigen Abständen nach Port Candoy fliegen musste, um Vorräte zu besorgen. Die Wissenschaftler im Camp wechselten sich dabei ab. Außerdem wurden bei dieser Gelegenheit kurze Fortschrittsberichte über die Forschungen auf den verschiedenen im Camp vertretenen Gebieten an die planetare Administration übergeben. Das hatte sich die Administration Candoys ausbedungen, schließlich stammten 30 Prozent der Forschungsmittel von ihr. Augenscheinlich bereute man in Port Candoy bereits seit längerem, dieser Regelung zugestimmt zu haben. Und Idris war sich darüber völlig im klaren, dass man die erstbeste Gelegenheit nutzen würde, um dem Camp den Geldhahn zuzudrehen.

Insbesondere Idris' eigene Tätigkeit als Ethnologe war den Behörden sehr suspekt. Dass es sinnvoll war, sich mit den im großen und ganzen für die Erdenmenschen doch recht pflegeleichten Korreen zu beschäftigen, leuchtete dort immer weniger Leuten ein.

Idris einziger Trumpf war, dass seine Tätigkeit bedeutend preiswerter war, als die Forschungen der naturwissenschaftlichen Kollegen, die ein vielfaches mehr an High-Tech-Equipment zur Durchführung ihrer Experimente brauchten.

Trotzdem hatte Idris das Gefühl, sich bei seiner Tätigkeit auf Candoy irgendwie beeilen zu müssen.

Sein Job auf Candoy konnte schneller beendet sein, als ihm lieb war, schneller, als dass er noch irgendwelche wirklich fundamentalen Erkenntnisse über sein Forschungsobjekt erzielen konnte.

Die beiden Forscher schwiegen auf dem Rückweg eine ganze Weile lang.

Idris starrte auf die weiße Einöde hinab.

Tausende von Kilometern weit erstreckten sich diese Eiswüsten, ohne dass irgendeine Abwechslung zu erkennen war.

Ich glaube, es gibt eine Verbindung zwischen den Korreen und den Arbu'atan, die stärker ist als nur irgendein mystischer Glaube an einen mysteriösen Gott der Tiefe, erklärte Idris schließlich.

Und was soll das deiner Meinung nach für eine Verbindung sein?, fragte Smith.

Idris zuckte die Achseln.

Ich weiß es nicht...

Du hast doch für einige Zeit unter diesen Leuten gelebt, Idris.

Ja, schon, aber...

Aber was?

Idris drehte sich halb zu Smith herum. Was heute passiert ist, lässt mich alles in einem völlig neuen Licht sehen, John.

Du glaubst doch nicht an irgendeine Art von Psi-Verbindung?

Warum nicht? So etwas ist auch anderen galaktischen Völkern bekannt.

Ich weiß. Aber in diesem Fall widerspricht es jeder Logik, Idris.

Ach, ja?

Kannst du mir sagen, was diese walartigen Ungeheuer, die normalerweise hunderte oder sogar tausende von Metern tief in dieser lichtlosen Salz-Brühe schwimmen für ein Interesse an irgend etwas von dem haben könnten, was ÜBER dem Eis geschieht, Idris? Das ist doch eine völlig andere Welt, mit der die Arbu'atan keinerlei Berührungspunkte haben. Eine dicke Eisschicht liegt dazwischen, Idris! Eine Schicht, die stabil genug ist, um Port Candoy darauf zu errichten.

Heute hatte eines dieser Wesen zweifellos ein Interesse, das in diese Richtung ging, gab Idris al-Khalil zu bedenken.

Eins zu null für dich, Ethnologe!

Das Camp tauchte auf.

Es kaum zu sehen in dem öden Weiß, das die Landschaft beherrschte.

Die Flugbahn des Schwebers senkte sich.

2

John X. Smith legte die gesammelten Proben ordentlich in eine Reihe auf den Tisch. Die Proben waren bereits nummeriert und mit Datum versehen.

Dafür, dass die Korreen uns am Ende bei der Arbeit erheblich behindert haben, ist die Ausbeute an Proben für den heutigen Tag doch ganz enorm, dachte er.

Smith nahm die Proben der Reihe nach auf und sortierte sie ins Regal. Dort würden sie noch ein Weilchen liegen müssen, bevor sie untersucht werden könnten.

Die Anzahl der Wissenschaftler auf dieser Forschungsstation war nicht so groß, dass ein schnelleres Arbeiten möglich war.

In diesem Moment trat Idris al-Khalil in die 'Vorratskammer', wie sie bei den Mitarbeitern genannt wurde, da in diesem Raum nicht nur die Proben, sondern auch die Vorräte aufbewahrt wurden. In dem Raum herrschte annähernd Außentemperatur, um die Proben nicht zu gefährden.

Idris legte noch mehrere Rollen auf den Tisch.

So, das ist alles. Wenn es dir nichts ausmacht, gehe ich schon rüber in den Aufenthaltsraum. Ich brauche dringend ein warmes Getränk.

Nein, geh' nur. Ich bin hier auch so gut wie fertig, erwiderte Smith.

Bis gleich, sagte Idris und verließ den Raum.

Smith nickte nur. Er hatte bereits eine weitere Probe in der Hand, um sie in das entsprechende Fach zu legen.

Idris ist schon ein merkwürdiger Kauz. Aber sind nicht alle Ethnologen ein wenig seltsam, die du kennst, dachte Smith. Fremde Völker zu erkunden, was da alles schief gehen kann. Da lob ich mir meine Proben. Dadurch erfahre ich mehr über die Geschichte eines Planeten, als durch jede andere Wissenschaft.

Smith sortierte die letzten Proben ein. Er würde Idris al-Khalil später folgen.

3

Idris al-Khalil gelangte über eine Rampe zu der Station, in der die Schlafräume der Wissenschaftler, die Kommunikationseinrichtungen, die Küche und nicht minder wichtig, der Aufenthaltsraum untergebracht waren.

Bei schweren Stürmen hatten die Forscher zwar die Möglichkeit sich durch extra im Eis angelegte Tunnel zwischen den wenigen Gebäuden zu bewegen, aber heute war ein klarer, wenn auch sehr kalter Abend.

Am Himmel von Candoy leuchteten zahlreiche Sterne, und wenn man nicht mit den Sternbildern vertraut war, konnte man glatt annehmen, sich auf einer irdischen Forschungsstation zu befinden.

Idris al-Khalil genoss diesen Anblick. Er atmete flach und mit geschlossenem Mund. Das hatte er sich von den Korreen abgeguckt. Würde die eiskalte Luft auf direktem Weg in seine Lunge gelangen, wäre eine Lungenentzündung unausweichlich.

In der Nähe der Station standen ein paar Schweber, mit denen man nach Candoy Port, der Hauptstadt der irdischen Siedler gelangen konnte.

Er öffnete die Tür zur Station, trat ein und schloss sie sofort wieder. Am Ende eines schmalen Flurs lag der Aufenthaltsraum. Der war sein Ziel.

An einem der zahlreichen Haken im Flur hängte er seine High-Tech-Kleidung auf. Die Spezial-Schuhe, die auch enorme Minusgrade mitmachten, stellte er dazu.

Unter dem Anzug für draußen, trug er seinen Arbeitsoverall, der innerhalb der Station getragen wurde.

Hinter der Tür zum Aufenthaltsraum hörte er Stimmengemurmel, das immer wieder anschwoll. Es schienen bereits einige Kollegen ihre Arbeiten für diesen Tag erledigt zu haben.

Idris al-Khalil öffnete die Tür und betrat den Aufenthaltsraum.

In 4er Gruppen saßen die Männer und einige wenige Frauen zusammen. Forschungsergebnisse wurden ausgetauscht oder sich auch nur unterhalten.

Idris al-Khalil setzte sich an einen Tisch zu Oates Atkins, einem der wenigen Atmosphärenforscher auf Candoy.

Die beiden Männer kannten sich noch aus Studienzeiten, da sie an der Akademie ein gemeinsames Quartier bezogen hatten.

Oates nickte Idris zu.

Wie war dein Tag? Wieder üblen Kontakt zu den Einheimischen gehabt?

Idris schüttelte den Kopf.

Nein, würde ich so nicht sagen. Du weißt ja, dass ich einige Zeit unter den Korreen gelebt habe.

Ja, und seitdem ist er ziemlich voreingenommen gegenüber diesen Halbwilden, ging es Oates Atkins durch den Kopf. In positivem Sinn natürlich. Konnte es so etwas geben, wie positive Vorurteile? Wahrscheinlich schon. In Idris' Fall trifft es den Nagel auf den Kopf.

4

Idris genoss die Aussicht , für zwei Stunden allein mit dem Schweber nach Port Candoy zu fliegen.

In dieser Woche war er an der Reihe, die Vorräte für die Station zu besorgen.

Im regelmäßigen Turnus war jeder der Wissenschaftler damit beauftragt, wobei sich die Freude daran bei den Meisten in Grenzen hielt.

Idris al-Khalil jedoch genoss die Vorstellung, der Station für ein paar Stunden zu entfliehen und andere Eindrücke zu bekommen, auch wenn es sich nur um einen 'Einkauf' handelte.

Die Zeit, die er allein mit seinen Gedanken im Schweber verbrachte, war ihm kostbar.

In der Station war man nie allein, was auch nicht weiter verwunderlich war, da man dort auf kleinstem Raum zusammenleben musste.

Idris stapfte die paar Schritte durch den Neuschnee, der über Nacht gefallen war.

Geräuschlos öffnete sich der Schweber, nachdem Idris eine bestimmte Tastenkombination eingegeben hatte.

Idris al-Khalil setzte sich in die Sitzschale des Piloten. Vor ihm befand sich das Terminal. Er berührte die Konsole. Rasch glitten seine Finger über das Terminal.

Der Schweber schloss sich daraufhin und begann die Startsequenz.

Idris lehnte sich zufrieden zurück. Den Rest übernahm der Computer, da das Ziel, Port Candoy, nun einprogrammiert war.

Der Schweber stieg in die Höhe und beschleunigte.

Der Flug würde ungefähr zwei Stunden dauern. Viel zu sehen gab es in dieser Zeit nicht, da Candoy überall aus Eis bestand.

Ein Blick aus den getönten Scheiben des Schwebers ließ eine unendlich wirkende weiße Fläche erkennen, so weit das Auge reichte.

Idris al-Khalil hing seinen Gedanken nach als ihn ein sich wiederholender Ton hochschrecken ließ.

Auf dem Terminal erschien der Hinweis, dass der Schweber nicht mehr in schwebender Position gehalten werden könnte, solange die Impulse weiterhin das System störten.

Verdammt, was ist das denn?, ging es ihm den Kopf.

Hastig berührte Idris einige Tasten, doch dies zeigte keine Wirkung.

Irgendeine Art von Impulsen störte das Rechnersystem. Panik begann Idris zu erfassen. Eine Notlandung in dieser Einöde war kein Zuckerschlecken.

Der Schweber verlor immer mehr an Höhe.

Das System reagierte nicht mehr.

Komplettausfall!

Fieberhaft überlegte Idris, welche Impulse das System stören könnten, doch eine kurze Überprüfung der dafür in Frage kommenden Anzeigen brachte kein Licht ins Dunkel.

Idris al-Khalil sah den Planeten näher und näher kommen.

Noch wenige Sekunden und er würde unweigerlich mit dem Schweber auf das Eis aufprallen.

Instinktiv schloss er die Augen und hob die Arme vor das Gesicht.

Er kam nicht mehr dazu, seinen Kopf nach unten zu halten, denn in diesem Moment schlug der Schweber auf dem Eis auf.

Idris knallte mit dem Kopf gegen das Terminal. Ihm wurde schwarz vor Augen.

Er wusste nicht, wie lange er bewusstlos im Schweber gelegen hatte, aber die Kälte kroch bereits in seine Kleidung.

Idris versuchte Kontakt zur Station zu bekommen, aber es war nur ein Rauschen zu hören. Es schien fast so als würde irgendetwas den Funkkontakt stören.

Dann verebbte auch das Rauschen.

Kein System war jetzt noch intakt. Nicht einmal das Wärmeaggregat.

Idris überprüfte sein Kom-Gerät.

Tot.

Absolut tot.

Idris überlegte kurz. Es hatte keinen Sinn einfach zu warten, bis man ihn vermissen würde. Das wäre frühestens in ein paar Stunden der Fall und dann wäre es dunkel.

Und Idris musste damit rechnen, bis dahin erfroren zu sein.

Ich muss mich bewegen, ging es ihm durch den Kopf.

Eine andere Chance hatte er nicht.

Er  musste darauf vertrauen, dass die Zeit, die er bei den Korreen verbracht hatte, ihm nun helfen würde, in der Eishölle zu überleben.

Ich werde die Gegend etwas erkunden. Vielleicht habe ich Glück und treffe auf Korreen... Ansonsten muss ich mich in der Nähe der Absturzstelle halten und ständig bewegen... Und wenn ich dann verdammt großes Glück habe, erlebe ich es noch, dass man mich findet...

Er überprüfte seine High-Tech-Kleidung, schloss jegliche Öffnung aus der Wärme entweichen könnte und setzte die Kapuze, sowie die Schneebrille auf.

Und er nahm den Blaster an sich, der sich im Schweber befand. Allerdings musste er feststellen, dass das interne Rechnermodul der Waffe ebenfalls nicht mehr funktionierte.

Also ließ er sie zurück.

Danach stieg er aus dem Schweber und stapfte durch den Schnee. Ein Eishügel tauchte vor ihm auf. Idris ging direkt auf ihn zu.

Die Stunden krochen dahin.

Ein Geräusch ließ ihn herumfahren. Doch da war nichts. Nur die Unendlichkeit der Eiswüste breitete sich aus.

Idris ging ein paar Schritte, doch weiter kam er nicht. Er hatte die Spalte, die sich plötzlich vor ihm auftat, nicht gesehen.

Er stürzte in die Eisspalte, die nur höchstens zwei Meter tief war. Ein paar blaue Flecken würde er davon tragen. Aber das war das kleinere Übel.

Idris sah keine Möglichkeit aus der Spalte zu entkommen. Er kauerte sich auf den Boden. Lange könnte er hier nicht ausharren, das war ihm bewusst. Bei einer Außentemperatur von minus hundert Grad auf Candoy genügte eine kurze Zeit des Verharrens auf einer Stelle, um einen schnellen Tod zu haben.

Idris dachte daran, dass man ihn vermutlich nie finden würde, aber das Eis seinen Körper auf ewig konservieren würde.

5

Bernd Rogers, Chef der Irdischen Sicherheitsorganisation, kurz: ISO, war guter Laune, als er Ross Joston van Gerrigk in seinem Büro empfing.

Von der ISO-Zentrale in Main City aus regierte Bernd Rogers den irdischen Geheimdienst und Ross Joston van Gerrigk war einer seiner besten Agenten.

Setzen Sie sich, Ross, sagte Bernd Rogers.

Ein verhaltenes Lächeln erschien auf Ross Joston van Gerrigks Gesicht.

Er ließ sich in einer der Sitzschalen nieder und schlug die Beine übereinander.

Sie haben es ja ziemlich dringend gemacht, sagte Ross.

Es ist auch dringend, erwiderte Rogers.

Worum geht es?

Die außenpolitischen Spannungen zwischen uns und dem Ral-Imperium dürften Ihnen ja kaum entgangen sein, begann Rogers.

Für wen halten Sie mich?, fragte Ross. Der Agent grinste. Hat es Präsident Dahlheim mal wieder an der nötigen Diplomatie mangeln lassen? Oder waren unsere Agenten auf Ralar dumm genug sich erwischen zu lassen und damit einen diplomatischen Skandal erster Güte heraufzubeschwören?

Rogers hob die Augenbrauen.

Wenn dem so wäre, dann hätte das Ral-Imperium keinen Grund dazu, die beleidigte Leberwurst zu spielen. Schließlich gibt es zumindest ebenso viele Ral-Agenten bei uns.

Wem sagen Sie das.

Rogers beugte sich ein wenig vor.

Ross musterte genau das Gesicht seines Gegenübers und Vorgesetzten.

Ich weiß nicht, ob Ihnen der Name 'Candoy' ein Begriff ist, Ross?

Ross Joston van Gerrigk atmete tief durch. Kann es sein, dass ich im Zusammenhang mit irgendwelchen kolonialen Querelen schon mal davon gehört habe?

Ja, das ist gut möglich. Es handelt sich um eine Eiswelt, eigentlich unbedeutend. Eine Handvoll Kolonisten siedelt dort und außerdem gibt es humanoide Eingeborene, von denen wir wissen, dass sie genetisch von den Ral abstammen. Ihre Physiognomie ist im übrigen auch nur unwesentlich gegenüber den Ral verändert. So ist die Hautfarbe etwas heller, aber auch sie besitzen zwei Kreislaufsysteme und zwei Herzen. Genau wie die Ral.

Bernd Rogers machte eine unbestimmte Geste mit der linken Hand.

Naja und die genetischen Tests, sie wir durchgeführt haben, lassen natürlich keinerlei Zweifel was die Verwandtschaft angeht.

Wie kommen diese Ral nach Candoy?, fragte Ross.

Es sind keine Ral, korrigierte Bernd Rogers.

Naja, wie immer sie sich auch nennen mögen.

Sie werden Korreen genannt und sind offenbar die Nachfahren gestrandeter Ral-Raumfahrer. Jedenfalls ist das eine Theorie über ihre Herkunft. Sie wissen ja wie das ist: Drei Ethnologen, vier Meinungen.

Ross Joston van Gerrigk grinste.

Ja, ich verstehe, was sie meinen.

Bernd Rogers nahm den Datenträger, der vor ihm auf dem Tisch lag und schob ihn Ross Joston van Gerrigk hin.

Hier, das ist das betreffende Dossier über die Situation auf Candoy. Es enthält auch ein paar Berichte unserer Agenten auf Ralar. Danach ist anzunehmen, dass die Ral in nächster Zeit Anspruch auf Candoy erheben werden.

Die Ral haben Tausende von Planeten kolonialisiert, gab Ross Joston van Gerrigk zu bedenken. Was sollen sie mit einem solchen Klumpen von Eis? Es gibt nun wirklich zahllose Welten, die ihren Bedürfnissen viel eher entgegen kommen.

Ich weiß, nickte Rogers.

Ross Joston van Gerrigk nahm den Datenträger an sich, lehnte sich dann in seiner Sitzschale etwas zurück.

Oder gedenkt man auf Ralar jetzt eine Art 'Heim ins Imperium'-Politik betreiben zu wollen, was die Korreen betrifft?, fragte Ross dann.

Nein, das glaube ich kaum, sagte Bernd Rogers. Ich glaube, die Korreen sind den Ral völlig egal.

Es gibt einen anderen Grund?, fragte Ross.

In der Tat. Sie werden das alles in den Daten finden, die ich Ihnen gegeben habe. Es geht darum, dass man in den höchsten Stellen des Ral-Imperiums offensichtlich glaubt, Hinweise darauf gefunden zu haben, dass sich auf Candoy eine uralte Waffe der Geheimnisvollen befindet.

Und die will das glorreiche Imperium jetzt in seine Gewalt bringen, schloss Ross Joston van Gerrigk.

Bernd Rogers nickte.

Das steht zu befürchten.

Und worum handelt es sich bei dieser Waffe?

Wenn wir das wüssten. Es gibt einige Forscher dort unten, die Reste der Nalater-Kultur auf Candoy erforschen und natürlich Ethnologen. Ein Mann namens Idris al-Khalil erforschte die Lebensweise der Korreen ziemlich intensiv. Er hat sogar eine ganze Weile unter ihnen gelebt. Manche halten ihn seitdem für einen Spinner.

Ross grinste.

Man wird immer sehr stark durch die Menschen geprägt mit denen man viel Umgang hat, meinte er. Das wird bei diesem al-Khalil nicht anders sein.

Er beugte sich vor.

Worin besteht meine konkrete Aufgabe auf Candoy?, fragte er.

Sie sollen die Lage sondieren, Ross. Finden Sie heraus, ob bereits Ral-Agenten auf Candoy aktiv sind und wenn ja, versuchen Sie so gut es geht, die Interessen der Erde zu wahren.

Nicht gerade eine sehr konkrete Anweisung, bemängelte Ross.

Die Situation ist auch sehr verworren. Auf jeden Fall müssen wir verhindern, dass das Ral-Imperium auf Candoy Einfluss gewinnt.

Verstehe, sagte Ross.

Sie werden an Bord des Raumkreuzers ARMSTRONG hinfliegen, erklärte Rogers. Gleichzeitig wird so schnell es geht, ein Verband der irdischen Flotte dort eintreffen. Man muss das Ganze auch unter dem Aspekt sehen, dass die Kolonien derzeit mit der Zentralregierung etwas unzufrieden sind. Wir müssen den Siedlern das Gefühl geben, dass sie vor auswärtigen Interventionen geschützt werden, ansonsten bekommen sie das Gefühl von der Erde im Stich gelassen zu werden, was sie nur gegen die Zentrale aufbringen kann. Auf der anderen Seite erlaubt uns zur Zeit die politische Großwetterlage kaum eine Konfrontation mit den Ral.

Na, wunderbar!, stieß Ross Joston van Gerrigk hervor. Einen Motor reparieren ohne Werkzeug, so etwas liebe ich.

Rogers lächelte dünn.

Mit anderen Worten: Ein Job für Sie, Ross. Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Glück.

Danke, ich werde es brauchen.

6

Zer Magan Hor war der Kommandant des Raumers STERN DES IMPERIUMS V, einer Raumfregatte mit 38 Mann Besatzung.

Ein Großteil der Flotte des Ral-Imperiums, das über zehntausend Planeten besiedelt hatte, wurde durch derartige aus dem Erbe der Geheimnisvollen stammenden Raumeinheiten gestellt.

Das der Kommandant einer relativ kleinen Raumeinheit, wie der STERN DES IMPERIUMS V, den Rang eines Dhasker bekleidete, war relativ ungewöhnlich, aber Zer Magan Hor war auch nicht der rechtmäßige Kommandant, sondern nahm nur für die Dauer einer Sondermission diese Rolle ein. Einer Sondermission, die galaktopolitisch ziemlich heikel war und zunächst einmal im Verborgenen abzulaufen hatte, um Komplikationen zu verhindern.

Schließlich war es vor kurzem erst zum Austausch von Botschaftern zwischen der Erde und Ralar, der Hauptwelt des Ral-Imperiums gekommen und da wollte man nicht gleich unnötiges diplomatisches Porzellan zerschlagen.

Die Betonung lag dabei auf unnötig, denn es gab durchaus ein Szenario innerhalb dessen Ralar dies billigend in Kauf genommen hätte.

Und zwar für den Fall, dass auf Candoy, dieser abgelegenen, eigentlich völlig unbedeutenden Eiswelt, die einsam eine Sonne umkreiste, der die Erdenmenschen den Namen A 7234 gegeben hatten, das Geheimnis einer Waffe zu finden war, die die Nalater einst Gardolan genannt hatten.

Die Raumfahrt des Ral-Imperiums gründete ebenso wie die Raumfahrt der Erde auf dem Erbe der Geheimnisvollen, von denen man annahm, dass sie mit den Nalatern identisch waren.

Der Unterschied war nur, dass sie der Menschheit in dieser Hinsicht etwa dreihundert Jahre voraus waren. In dieser Zeit hatten die äußerlich absolut humanoiden Ral, die kaukasischen Erdenmenschen mit dunkler Gesichtsfarbe glichen, ihr beachtliches Sternenreich aufgebaut.

Natürlich konnte bei einer derart beachtlichen Ausdehnung dieses Sternenreiches die Kontrolle der Zentralwelt nicht absolut sein.

Es gab ständig Welten innerhalb des Imperiums, die sich entweder offen oder verdeckt im Aufstand befanden. Darüber hinaus kam es natürlich auch zu Auswanderungswellen Unzufriedener, die auf neuentdeckten Planeten ihr Glück zu machen hofften.

Einer solchen Auswanderungswelle mussten auch die Korreen entstammen, die humanoiden Bewohner Candoys, bei denen es sich genetisch gesehen um Ral-Nachfahren handelte. Das wusste man in Ralar inzwischen durch die Ermittlung von Agenten, die man auf dem Planeten abgesetzt hatte.

Ein Umstand, der vielleicht zu einem politischen Hebel werden konnte, um diese Welt dem Imperium einzugliedern.

Allerdings nur, falls sich tatsächlich herausstellen sollte, dass sie die geheimnisvolle Waffe Gardolan beherbergte.

Ansonsten lag das Schicksal der Korreen dem Imperium nicht weiter am Herzen. Nach allem, was man über sie wusste, hatten sie sich ohnehin sehr weit von der Kultur der Ral entfernt.

Der Funkoffizier des STERN DES IMPERIUMS V meldete sich.

Kommandant, wir erhalten eine Nachricht.

Worum handelt es sich?, fragte Zer Magan Hor.

Es ist eine verschlüsselte Nachricht unserer Agenten auf der Planetenoberfläche.

Ich werde die Nachricht in meiner Kabine entgegennehmen, erklärte Zer Magan Hor.

Jawohl, Kommandant.

Zer Magan Hor verließ die Zentrale des Raumers.

Wenig später war er allein. Er wollte nicht, dass die Besatzung dabei war, wenn er die Nachricht öffnete.

Zer Magan Hor hatte gelernt, jedem zu misstrauen. Je höher er in der Hierarchie des Imperiums gestiegen war, desto mehr hatte sich bei ihm die Erkenntnis verfestigt, dass er nur auf sich selbst zählen konnte.

Und was die Erfüllung dieser Sondermission anging, so hing sie ganz maßgeblich davon ab, dass nicht vorzeitig irgendetwas nach draußen drang.

Und wer konnte schon dafür garantieren, dass jeder der 38 Ral an Bord der STERN DES IMPERIUMS V wirklich astrein war und sich keine von den Erdenmenschen oder einer Rebellenwelt gekauften Agenten darunter befanden.

Falls sich die geheimnisvolle Waffe genannt Gardolan tatsächlich auf Candoy befand oder zumindest relevante Daten über sie, so durften die Erdenmenschen davon auf keinen Fall erfahren.

Eine relativ wertlose Eiswelt waren sie vielleicht bereit im Interesse des diplomatischen Friedens zu opfern, zumal Candoy ziemlich weit außerhalb des menschlichen Siedlungsgebietes lag.

Eine Kolonie, die im Ernstfall nur sehr schwer zu verteidigen war.

Zer Magan Hor konnte sich sogar vorstellen, dass das Imperium in diesem Fall bereit war, den Erdenmenschen als Kompensation eine oder mehrere andere Welten anzubieten, die weitaus besser für menschliche Besiedlung geeignet waren.

Aber wenn man auf der Erde davon erfährt, was vielleicht unter dieser Eisdecke schlummert, dann werden die Erdenmenschen diesen Klumpen von gefrorenem Wasser mit Klauen und Zähnen festhalten, überlegte Zer Magan Hor.

Er ließ sich die übersandte Datei auf den Schirm geben. Es handelte sich um ein harmloses Landschaftsbild. Im Hintergrund lag Port Candoy, der einzige Raumhafen.

Ein altmodisches 2-D-Bild, aber in dieser Bilddatei war die Botschaft jenes Agenten versteckt der den Codenamen 27 bekommen hatte und der seit einiger Zeit auf der Oberfläche Candoys operierte.

Mit Hilfe steganographischer Verfahren war diese Mitteilung so innerhalb des Datensatzes versteckt, dass es einen enormen Rechenaufwand gebraucht hätte, um sie ohne den entsprechenden Schlüssel herausfinden zu können.

Zer Magan Hor ließ sich den Bericht von Agent 27 entschlüsseln, hatte wenig später einen Text auf dem Schirm. Er überflog ihn, anstatt ihn sich mit der Sprachausgabe vorlesen zu lassen.

Das ging schneller.

Auf Zer Magan Hors ebenmäßigen Gesicht zuckte ein Muskel unterhalb des Auges. Der Schlag seiner beiden Herzen beschleunigte sich.

Der Kommandant der STERN DES IMPERIUMS V war voller Ungeduld, denn langsam musste sich in dieser Angelegenheit etwas bewegen.

Zu lange schon patrouillierte die STERN DES IMPERIUMS V in der Nähe des Systems von Stern A 7234 herum, bislang unentdeckt, aber das musste ja nicht ewig so bleiben und war auch wohl nur darauf zurückzuführen, dass die irdische Flottendichte in dieser Region äußerst dünn war.  Gesamtstatus unverändert, las Zer Magan Hor und ballte dabei unwillkürlich die Hände zu Fäusten.

Verdammt, viel zu oft habe ich das schon lesen müssen, ging es ihm durch den Kopf.

Dann las er den Bericht im einzelnen.

Agent 27 glaubte Hinweise darüber erhalten zu haben, dass möglicherweise die Korreen etwas über die Waffe namens Gardolan wussten.

Außerdem pilgerten sie regelmäßig zu einer Art Heiligtum, dessen genaue Lage ihm bislang unbekannt sei, bei dem es sich aber wohl nur um eine alte Anlage der Geheimnisvollen handeln konnte.

Und dann erwähnte Agent 27 noch einen Umstand, der Zer Magan Hor zutiefst beunruhigte. Das Auftauchen eines Erdenmenschens, der zuvor schon mehrfach unter den Korreen gelebt hatte und von ihnen als einer der ihren akzeptiert worden war. Ein Mann, der mehr über sie wusste, als jeder andere Erdenmensch: Idris al-Khalil.

7

Der irdische Raumkreuzer ARMSTRONG trat nach seiner letzten Transition in den Normalraum ein.

Alle Systeme arbeiten einwandfrei, meldete der Erste Offizier, der den Pilotensitz besetzte.

Captain John Jenkins, der Commander der ARMSTRONG, lehnte sich in seinem Kommandantensessel zurück, strich sich mit der Hand über den exakt geschnittenen Knebelbart, seiner einzigen Kopfbehaarung.

Er wandte einen Seitenblick an den Gast, der sich an Bord der ARMSTRONG befand: Ross Joston van Gerrigk, seines Zeichen bekannter ISO-Agent.

Captain Jenkins empfand ein gewisses Misstrauen gegenüber Joston van Gerrigk, das nicht nur damit zusammenhing, dass er über die Einzelheiten der Mission, mit der der ISO-Mann betraut war, nicht informiert wurde.

Die betreffenden Informationen schlummerten im Bordrechner. Sie ließen sich nur durch die Eingabe bestimmter Codes aktivieren und über diese Codes verfügte einzig und allein Joston van Gerrigk.

Dem ISO-Mann sollte auf diese Weise die Möglichkeit gegeben werden, die Operation nach seinen Bedürfnissen zu steuern.

Jenkins gefiel es nicht, in diesem Fall als eine Art Erfüllungsgehilfe zu fungieren, aber er hatte es hinzunehmen.

Schließlich war er ein loyaler Offizier der irdischen Flotte und dachte nicht im Traum daran irgendeine Art von Obstruktion an den Tag zu legen.

Auf dem Hauptsichtschirm erschien jetzt eine blau-weiße Kugel.

Sir, wir nähern uns Candoy, meldete der Erste Offizier.

Schwenken Sie in ein stabiles Orbit ein, wies Jenkins ihn an.

Er wandte sich an den Ortungsoffizier.

Irgendwelche auffälligen Anzeigen?

Nein, Sir!, kam es zurück. Keinerlei Anzeichen dafür, dass sich Ral-Raumer bereits in der Nähe befinden.

Genau das war der Punkt auf den es Jenkins ankam.

Zumindest, was das betraf, hatten Joston van Gerrigk und Jenkins etwas gemeinsam.

Die Raumkontrolle von Port Candoy Raumhafen erbittet ein Identifikationssignal, meldete die Funk-Z.

Geben Sie denen, was sie wollen, sagte der Captain.

Er drehte seinen Kommandantensessel herum, wandte sich an Joston van Gerrigk und erhob sich dabei.

Ross Joston van Gerrigk war fast einen Kopf größer als Commander Jenkins. Auch das war ein Umstand, der dem Captain nicht gefiel.

Was werden Sie jetzt tun, Mister Joston van Gerrigk? Werden Sie jetzt von Bord gehen, um irgendeine Art von Kommando-Unternehmen zu starten? Jenkins grinste. Oder warten wir hier auf das Auftauchen einer riesigen Ral-Flotte, die wir ganz allein in einem heroischen Abwehrkampf zu besiegen haben?

Ross Joston van Gerrigk zeigte sich von der Ironie seines Gegenübers völlig unbeeindruckt.

Wir warten einfach ab, erklärte er.

So? Jenkins zuckte die Schultern. Mir soll es recht sein.

Lassen Sie die Ortungsabtaster auf Hochtouren laufen, forderte Ross.

Wonach suchen wir?, fragte Jenkins.

Ein nachsichtiges Lächeln umspielte Ross Joston van Gerrigks Lippen.

Nach allem, das irgendwie wie eine Operation der Ral aussehen könnte.

Ihr Wunsch sei mir Befehl, erwiderte der Captain.

Er warf unterdessen einen Blick auf die planetaren Daten Candoys, die auf einer kleinen Projektion erschienen.

Eine schematische 3-D-Darstellung lieferte der Bordrechner gleich mit.

Jenkins schüttelte nur den Kopf. Wie können Menschen nur auf die Idee kommen, auf so einem Eisklumpen siedeln zu wollen, meinte er verständnislos.

8

Die Stimme aus dem Interkom riss Zer Magan Hor aus seinen Gedanken.

Achtung, hier Zentrale an den Kommandanten, meldete sich der Erste Offizier.

Was gibt es?, fragte Zer Magan Hor.

Ein irdischer Raumer ist vor kurzem aus dem Hyperraum aufgetaucht.

In Zer Magan Hor schrillten sämtliche Alarmglocken.

Jetzt geht das Spiel in eine neue Runde, dachte er. Möglich, dass das Auftauchen dieser Einheit nichts mit der Sondermission zu tun hatte, deren Kommando Zer Magan Hor inne hatte.

Genau so gut aber konnte es sein, dass die irdische Spionage von den Plänen Imperiums Wind bekommen hatte. In dem Fall war es vielleicht notwendig, kurzfristig umzudisponieren.

Improvisationskunst war allerdings eine Eigenschaft, die in dem streng hierarchisch gegliederten Ral-Imperium nicht gerade gefördert wurde. Aufgrund dieser Tatsache war sie relativ rar gesät.

Zer Magan Hor gehörte zu den Wenigen, denen sie nachgesagt wurde, unter anderem war das ein Grund dafür gewesen, ihn mit dieser Mission zu betrauen.

Halten Sie sich weiter im Schutz des Asteroiden-Feldes, befahl Zer Magan Hor. Dann kann uns hier nichts passieren.

In Ordnung, Kommandant, kam es aus dem Interkom zurück.

Die Sonne A-7234 wurde außer von ihrem einzigen Trabanten Candoy auch noch von einem ausgedehnten Asteroidenfeld umkreist, das von einer Hunderttausende von Kilometern umfassenden Gaswolke umgeben wurde.

Offensichtlich die Überreste von einem zweiten Planeten, der A-7234 in weiterem Abstand umkreist hatte und irgendwann aus unbekannter Ursache explodiert war, möglicherweise durch den Einschlag eines anderen Himmelskörpers.

Weder die Erdenmenschen noch sonst irgendjemand hatte das bisher genauer erforscht.

Jedenfalls hatten die Asteroiden die Eigenschaft aufgrund ihres hohen Gehalts von bestimmten Metallen, sehr verwirrend auf die Ortungsabtaster zu wirken.

Eine gute Tarnung also und die war auch notwendig, denn andernfalls wäre die Mission der STERN DES IMPERIUMS V auf das Höchste gefährdet gewesen.

9

Ross Joston van Gerrigk schiffte sich mit einem Beiboot des Raumkreuzers ARMSTRONG aus, um den Raumhafen Port Candoy anzufliegen.

Die ARMSTRONG selber würde im Orbit stationiert bleiben.

Der Raumhafen von Candoy verdiente diese Bezeichnung kaum. Es gab ein befestigtes Landefeld und einen Tower, der den Einflug und die Landungen koordinierte.

Allerdings war die Raumüberwachung auf Candoy vollkommen unzureichend, das hatte auch damit zu tun, dass es auch viel zu wenige Beobachtungssatelliten im Orbit gab.

Immerhin hatten es die Kolonisten es bisher geschafft, Kollisionen zwischen verschiedenen Raumern zu verhindern und das obwohl die Mehrzahl der im Raumhafen vorzufindenden Einheiten nur vorsintflutlich zu nennen war.

Uralte irdische Einheiten, ein übernommener Miiant-Raumer war das fortschrittlichste Modell, das Ross Joston van Gerrigk entdecken konnte.

Die Stadt selbst war eine kleine Siedlung, die sich um den Raumhafen herum gruppierte.

Als Ross ins Freie trat, schlug ihm die mörderische Kälte Candoys entgegen. Selbst für den hartgesottenen ISO-Agenten stellte sie einen Schock dar.

Zwar verfügte er über eine entsprechende Ausrüstung, aber trotz alledem musste man sich erst daran gewöhnen.

Ein Schweber senkte sich in der Nähe des Landeplatzes nieder. Neben Ross Beiboot landete das Gefährt.

Ein Mann stieg aus. Er war klein, rothaarig und dick.

Mein Name ist O'Hara. Ich bin der Repräsentant der lokalen Administration und soll sie hier abholen. Sie müssen van Gerrigk sein.

Mit soviel Luxus hätte ich gar nicht gerechnet, sagte Ross.

Wollen Sie mich auf den Arm nehmen, van Gerrigk? Ein unterschwelliger Tonfall von Feindseligkeit schwang in O'Haras Worten mit. Er rieb die Hände gegeneinander.

Steigen Sie in den Schweber ein. Da ist es wenigstens warm drin, meinte er.

Danke sehr.

Ross stieg ein.

O'Hara startete den Schweber. Es waren kaum achthundert Meter vom Landefeld bis zum Administrationsgebäude, einem bescheidenen containerartigen Objekt, das so sehr mit Schnee bedeckt war, dass man es auf einige hundert Meter Entfernung für eine Art Iglu halten konnte.

Der Schweber setzte auf den Boden auf.

Was gibt's denn hier so wichtiges zu erledigen, dass man einen wie Sie schickt?, fragte O'Hara.

Einen wie mich?

Einen Spezialagenten der ISO.

Ich weiß nicht, inwiefern Sie autorisiert sind mit mir darüber zu sprechen, sagte Ross Joston van Gerrigk.

Offenbar nahm die Planetarregierung so etwas wie Diskretion nicht allzu ernst.

Wahrscheinlich können sich die Leute hier gar nicht vorstellen, dass davon mitunter das Überleben eines Geheimagenten abhängt, ging es Ross Joston van Gerrigk durch den Kopf. Aber ist Fantasielosigkeit wirklich schon ein Grund, sie zu verachten?

Ross stieg aus. Bis zu den Knien sank er in den Schnee.

Sorry, aber hier ist 'ne Menge in den letzten Tagen heruntergekommen, meinte O'Hara. Und wir können uns hier den Luxus nicht leisten, das alles wegmachen zu lassen.

Habe ich mich beklagt?, fragte Ross Joston van Gerrigk.

Ich sag's ja nur.

Die beiden Männer betraten das Hauptgebäude der Administration von Candoy.

Es war einfach und funktional eingerichtet.

Kommen Sie!, forderte O'Hara. Folgen Sie mir!

Sie erreichten einen Büroraum.

O'Hara knöpfte seine Thermojacke auf, zog sie sich von den Schultern herunter und warf sie auf einen der Sessel.

Dann setzte er sich selbst hinter den Schreibtisch.

Willkommen in meinem Büro, van Gerrigk.

Ihr Büro?, echote Ross.

Ja. Etwas daran auszusetzen?

Nein, aber ich dachte, ich spreche mit jemand Ranghöherem.

Ich bin Ihr Gesprächspartner, van Gerrigk, niemand sonst. Das ist ein Beschluss der planetaren Administration. Alles, was Sie auf dem Herzen haben, können Sie mir sagen. Haben wir uns verstanden?

Vollkommen, sagte Ross.

Das Ganze ist eine bewusste Zurücksetzung, ging es Ross Joston van Gerrigk durch den Kopf. Allerdings war es dem ISO-Agenten durchaus klar, dass durch diese Zurücksetzung, diese Missachtung nicht gegen seine Person richtete, sondern gegen die Bundesregierung auf der Erde. Man demonstrierte hier offensichtlich eine gewisse Geringschätzung gegenüber dem Anliegen der Zentralregierung.

Ross konnte damit leben.

Die Kolonisten lebten hier auf einem der hintersten Eiswinkel im bekannten Universum. Nicht gerade die allererste Adresse und da war es schon verständlich, wenn die planetare Administration sich etwas aufplusterte.

Der ISO-Mann war in der Lage, das sachlich und kühl zu sehen.

Ich bin darüber informiert, dass Sie hier sind, weil die Zentralregierung insbesondere die irdische Sicherheitsorganisation Aktivitäten von Agenten des Ral-Imperiums befürchtet, begann O'Hara.

Das ist richtig, bestätigte Ross.

Sie bekommen natürlich von uns jede notwendige Unterstützung.

Danke sehr.

Jede notwendige! Die Betonung liegt hier auf notwendig, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Nein, nicht ganz.

Damit meine ich, dass Sie sich nicht vorstellen brauchen, dass hier alles Ihnen und Ihrer Mission zu Füßen liegt, schon gar nicht, so lange Sie, die lokale Administration nicht näher einweihen.

Ein dünnes Lächeln erschien auf Ross Joston van Gerrigks Gesicht.

Keine Sorge, ich werde Sie schon nicht überfordern, Mister O'Hara. Ich suche einen Mann namens Idris al-Khalil. Ein Ethnologe, der sich hier auf dem Planeten befinden soll.

Und Sie erwarten jetzt, dass ich den Aufenthaltsort jedes Bürgers von Candoy auswendig weiß, zischte O'Hara zwischen den Zähnen hindurch.

Bei einer Bevölkerung, die sich noch im vierstelligen Bereich bewegt, könnte man das von einer umsichtigen Administration doch erwarten, versetzte Ross Joston van Gerrigk ironisch.

O'Haras Gesicht wurde noch dunkler rot als es ohnehin schon war.

Wir werden sicher keine Freunde, dachte Ross.

O'Haras Finger glitten über ein Terminal. Ein vorsintflutlicher Flachbildschirm wurde in Betrieb genommen.

O'Hara drehte ihn herum, so dass Ross das Bild sehen konnte. Eine Darstellung der Planetenoberfläche erschien dort.

Hier, dieser blinkende Punkt markiert die Stelle, an der das Forschungscamp sich befindet, in dem Idris al-Khalil tätig ist. Vorausgesetzt natürlich er zieht es nicht vor mal wieder ein paar Monate in Gesellschaft der Korreen zu verbringen.

Wie komme ich dahin?, fragte Ross Joston van Gerrigk.

Na, mit ihrem Beiboot natürlich.

Ich würde gerne etwas weniger auffällig reisen.

Warum? Wovor haben Sie Angst? Es weiß sowieso jeder, dass Sie hier sind. So etwas spricht sich herum, Sie Super-Agent.

Ja, das habe ich schon gemerkt.

O'Hara hob die Augenbrauen.

Also, was wollen Sie?

Ich hätte gerne einen Schweber. Natürlich einen mit funktionierender Heizung, wenn möglich.

O'Hara lehnte sich zurück.

Welche Wahl habe ich jetzt?, fragte er.

Sie sagen einfach ja und zeigen mir, welches Gefährt ich nehmen kann, konterte Ross Joston van Gerrigk.

O'Hara lächelte dünn.

Und wenn ich das nicht tue, werden Sie einen unserer Schweber im Auftrag der Zentralregierung beschlagnahmen, nicht wahr?

Darauf wollen wir es doch nicht ankommen lassen.

O'Hara betätigte ein Kom-Gerät.

Mr. Brix, machen Sie bitte für unseren Gast einen Schweber klar. Sorgen Sie dafür, dass die Energiespeicher gut aufgeladen sind und die Heizung funktioniert.

In Ordnung, Sir!, kam es aus dem Kom-Gerät zurück.

Das Gerät war so aufgestellt, dass Ross Joston van Gerrigk das Gesicht des anderen Gesprächsteilnehmers nicht sehen konnte.

O'Hara hob die Augenbrauen.

Zufrieden, Mr. van Gerrigk?

Ich bin zufrieden, ja.

Na, großartig.

Der ISO-Agent erhob sich. O'Hara ebenfalls.

Van Gerrigk, ich möchte etwas von Ihnen wissen.

Nur zu, fragen Sie, erwiderte Ross.

Ein irdischer Raumkreuzer im Orbit von Candoy, das kommt nicht alle Tage vor.

Das ist richtig.

Was ist der Grund dafür, van Gerrigk? Steht eine Invasion der Ral bevor? Ich möchte eine ehrliche Antwort.

Ross Joston van Gerrigk hob die Schultern.

Ich weiß es nicht.

Oder will die Zentralregierung nur durch die Vorspiegelung irgendeiner Gefahr wieder zur Räson bringen?

Sie trauen World-City jede nur erdenkliche Schlechtigkeit zu, was O'Hara?

Nicht jede, aber fast jede, grinste O'Hara.

Sie werden verstehen, dass ich Ihnen keine Einzelheiten über meine Mission mitteilen kann. Nur so viel: Ich hoffe, dass wir uns alle umsonst Sorgen machen.

Danke für Ihre erschöpfenden Auskünfte, Van Gerrigk, erwiderte O'Hara ironisch.

10

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Das 1790 Seiten SF-Abenteuer Paket denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen