Finden Sie Ihren nächsten buch Favoriten

Werden Sie noch heute Mitglied und lesen Sie 30 Tage kostenlos
Graf von Dovers Blutrache: Graf von Dover Buchreihe

Graf von Dovers Blutrache: Graf von Dover Buchreihe

Vorschau lesen

Graf von Dovers Blutrache: Graf von Dover Buchreihe

Länge:
355 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 5, 2019
ISBN:
9783748135692
Format:
Buch

Beschreibung

Der Kaufmannssohn und Tunichtgut Victor Weisborn aus dem 18. Jahrhundert genießt sein Leben in vollen Zügen. Lieber treibt er sich herum als seinem Vater bei den Geschäften zu unterstützen.
Erst als seine Schwester Jessica durch Graf von Dover in Gefahr gerät, schreitet er ein und verhindert ihre Verwandlung zum Vampir. Wut schäumend schwört der grausame Vampirgraf Blutrache an allen Weisborns. Sofort entfacht ein Kampf auf Leben und Tod zwischen den beiden unterschiedlichen Kontrahenten. - Hat der Jüngling überhaupt eine Chance gegen den mächtigen Vampir zu bestehen? Oder scheitert er bei der Rettung seiner beiden jüngeren Schwestern?


Dies ist der erste Teil der "Graf von Dover" - Buchreihe, welche in die Vergangenheit entführt. Dabei handelt es sich um die Vorgeschichte zum Theaterstück "Vampire gibt es nicht - oder doch?"
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 5, 2019
ISBN:
9783748135692
Format:
Buch

Über den Autor

Audrey DeLane ist ein großer Vampir-Fan seit ihrer Kindheit. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Söhnen sowie ihrer Pudeldame im Ruhrgebiet. Als ehrenamtliche Lesepatin ist sie seit 2012 tätig. Außerdem organisierte sie bereits zahlreiche Autorenlesungen. Zudem produziert und schreibt sie seit 1985 Theaterstücke. Aber auch Geschichten und Gedichte gehen ebenso auf ihr Konto. Des Weiteren gehört sie dem Vorstand des "Freien Deutschen Autorenverband NRW (FDA) an. Besonders viel Zeit investiert sie in ihre Autorengruppe "Unsere Vampire sind 100 % GLITZERFREI" und deren Auftritte.


Ähnlich wie Graf von Dovers Blutrache

Buchvorschau

Graf von Dovers Blutrache - Audrey DeLane

Vorwort

„Vampire gibt es nicht oder doch?" ist ein Theaterstück, welches ich 2010 geschrieben habe. Im Nachhinein überlegte ich mir, ob ich nicht die Vorgeschichte meines Theaterstückes erzähle. So kam ich auf die Idee, diese vampirische Buchreihe zu entwickeln, in der ich erkläre, wieso meine Geschöpfe der Nacht so agieren. Mein Buchprojekt soll vier Teile beinhalten, worin ich die Vergangenheit und die Gegenwart meiner Blutsauger beleuchte. Im ersten und zweiten Teil befinde ich mich in der Vergangenheit. Ab dem dritten Teil setze ich mich mit der Gegenwart auseinander. Der vierte Teil erzählt dann die Handlung des Theaterstückes.

-------------------------------------------------------------------------------

„Graf von Dovers Blutrache"

widme ich allen Vampir-Fans

sowie

Joss Whedon & David Boreanaz

Ihr beide seid schuld, dass ich nicht mehr leben kann, ohne zu

schreiben und dadurch meine Erfüllung gefunden habe.

Auch widme ich es meiner über alles geliebten Pudeldame

… LILLY …

die mich am 24. September 2018 für immer verlassen hat!

Tot und doch nicht tot.

Lebendig und doch nicht lebendig.

Verdammt oder doch erlöst?

Wenn Ihr glaubt in den Geschichtsbüchern steht immer die Wahrheit wie in der Tageszeitung.

Dann muss ich Euch enttäuschen!

Es gibt gute Gründe, warum die Tatsachen verschleiert werden.

Wehe die Wahrheit kommt ans Licht.

Ihr wärt überrascht und in Panik zugleich.

Mächte, die sich seit Anbeginn der Zeit eine erbitterte Schlacht liefern, herrschen im Geheimen über die Erde.

Hier folgt meine Lebensgeschichte, und sie wird Euch die Augen öffnen.

Denn nichts ist so wie es scheint.

Tretet ein … und überzeugt Euch selbst …

Victor Weisborn

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Tot und doch nicht tot

Der Pakt

Der Rat der Engel

Blutdurst

Sommersonnenwende

Verdammt

Der Aufbruch

Graf von Dover gibt sich die Ehre

Vampire gibt es nicht

Die Ruine

Zufluchtsort

Warnung

Blutrache

Notlüge

Unvernunft

Wo steckt Victor?

Lebensgefahr

Blutmond

Versagt

Erwacht

Überlebt

Seelenwanderung

Die Suche nach Melissa

Blutmahlzeit

Noch mehr Opfer

Vampire sind Monster

Die Nacht ist unser Verbündeter

Der Himmel kann warten

Vampire unter sich

Flucht

Asche

Der Pakt

»Sammael, Sammael!«, rief eine verführerische, männliche Stimme, die er nicht zuordnen konnte. Hatte er nur geträumt? Oder war es Wirklichkeit? Er drehte sich um seine eigene Achse und wirbelte Staub vom sandigen Weg auf, der von Zypressen gesäumt war. Die Mittagssonne brannte erbarmungslos auf sein Haupt. Schweiß tropfte ihm von den Schläfen. Dies ignorierte er, weil er ein leuchtendes Schimmern in den schönsten Regenbogenfarben entdeckte. Oder handelte es sich um eine Fata Morgana? Ich bin doch nicht in der Wüste. Verwundert zuckte er mit den Achseln. Das Leuchten pulsierte und Sammael sah im Innersten eine Gestalt in einer langen, dunkelroten Robe. Der Unbekannte winkte ihm zu.

Jedoch rieten Sammaels Eltern, misstrauisch gegenüber Fremden zu sein. Aber nur weil der Nachbarsjunge von einer Räuberbande entführt und in die Wüste verschleppt wurde. Die Kinderleiche wurde erst Tage später entdeckt. Seitdem lebten seine Eltern in Sorge um ihre Kinder.

Er schüttelte die Erinnerung ab und stand unschlüssig da. »Komm doch her«, lockte wieder die Stimme. »Wieso so schüchtern, mein Junge?«

»Ich bin kein Junge, ich bin ein gestandener Mann«, protestierte er und bemühte sich seine brüchige Stimme in den Griff zu bekommen, durch den Stimmbruch. Als die Person ihm erneut zuwinkte, meinte Sammael ein Lockstoff ging von der Gestalt aus und zog ihn magisch an. Sein Widerstand bröckelte, und er setzte sich in Bewegung. Dabei schwang sein hellbraunes Baumwollgewand um seine Knöchel, als er sich auf seinen Sandalen dem Unbekannten näherte.

»Was willst du von mir?«, fragte er und schob sein spitzes Kinn vor. Brummend kratzte er sich an seinen juckenden Bartwuchs, der in einem dünnen Streifen von einem Haaransatz zum anderen wuchs. Oder war es ein Zeichen seiner Nervosität? Nein, eher war es Neugierde. Schließlich interessierte es ihn wen er vor sich hatte. Er strengte sich an, in das Antlitz des Fremden zu schauen. Doch die tief ins Gesicht gezogene Kapuze verdeckte ihm die Sicht.

»Ich möchte dir einen Pakt vorschlagen«, antwortete wieder diese lockende Stimme.

»Kein Interesse!«, rief Sammael und fuhr sich durch sein schulterlanges, schwarzes Haar, das in der Mittagssonne glänzte.

»Ich verspreche dir Macht, wenn du mir einen Gefallen erweist.«

»Wie … Macht? Für einen Gefallen? Tatsächlich? Wieso?«

»Sammael, du bist geboren, um mir einen Gefallen zu erweisen, so wie deine Vorfahren seit Anbeginn der Zeit mir zu Diensten sind.«

Sammael kämpfte gegen ein Grinsen an, denn er hatte genug von diesem Blödsinn. So einen Quatsch glaubte er noch nicht einmal den Alten, die mit Weisheit gesegnet waren. Seine Entscheidung war gefallen und er wollte nur weg. Nicht umsonst hatte er sich mit seinen Freunden zur Hinrichtung von diesem Judenkönig verabredet. Es hieß, der Prediger nannte sich selbst Gottes Sohn. Ein Frevel! Dies erzürnte das Volk in seinem Heimatdorf. Die Obrigkeit wiegelte die Menschen gegen diesen Juden auf.

»Ich habe keine Zeit«, brummte er und wollte losgehen. Doch der Unbekannte griff nach ihm und tastete nach seiner Hand. »Warte!«

Sammael fuhr zusammen, als er die heiße Berührung spürte und ins Antlitz der Person schaute. Der Mann besaß fein geschnittene Gesichtszüge. Die Augen glasklar und leuchtend blau wie der Himmel. Wimpern zart wie Seidenfäden einer Spinne, seine Lippen dünn und rosa. Ein Grübchen saß auf dem Kinn und um die Nase herum sah er mehrere Sommersprossen. Lachfältchen zogen sich zusammen, als der Fremde schmunzelte. So viel Schönheit hatte er noch nie zuvor bei einem Mann gesehen, höchstens bei Engelszeichnungen.

Sammael kam sich dagegen hässlich vor. Ja, er war groß und kräftig. Hätte es jemand gewagt, ihn als dick zu bezeichnen, würden sie seine Fäuste zu spüren bekommen. Sein Gesicht war gebräunt, und die dunklen Augen hatte er nicht von seinen Eltern geerbt. Oft behaupteten seine drei Schwestern, sie wären nicht mit ihm verwandt. Dies erduldete er ohne sich zu beschweren und schluckte es herunter. Er überspielte die Gehässigkeiten und redete sich ein, dass sie nur eifersichtig waren.

»Ich kenne deinen Schmerz! Er wird aufhören, wenn du mir den Gefallen erfüllst«, ließ sich sein Gegenüber nicht beirren.

»Du nervst«, antwortete Sammael und blickte in die Augen des Mannes. In ihnen verlor er sich und konnte nicht mehr wegschauen. »Was verlangst du von mir?«, fragte er, und seine Stirn legte sich in Falten. Woher kannte diese Person seine Seelenqualen? Konnte er etwa Gedanken lesen? Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Nicht, dass einer seiner Freunde geplaudert hatte. Dem Schuft würde er mit einem Schlag die Nase brechen. Wut kroch in ihm hoch, und er ballte seine Hände zu Fäusten.

»Sammael, nimm die Lanze und das Gefäß … und fülle es bis zum Rand mit Blut des Judenkönigs. Zum Dank werde ich dich reich und mächtig machen.«

»Wieso kennst du meinen Namen? Deiner ist mir nicht geläufig.«

Der Unbekannte näherte sich seinem Ohr und flüsterte: »Luzifer!«

»Das gibt es nicht! Du siehst aus wie ein Engel und bist der Leibhaftige!«

»Ich bin das … was du in mir siehst. Und ja, ich war einst ein Engel«, antwortete der Höllenfürst und grinste verführerisch. »Hilf mir, und alle deine Wünsche werden sich erfüllen.«

Sammael nickte. »Reich und mächtig willst du mich machen. Aber das genügt mir nicht! Wo bleibt der Spaß?«

»Der wird auch nicht fehlen. Nimmst du den Pakt an und besorgst mir das Blut des Messias?«

»Hä?«

»Ich meine den Judenkönig.«

»Ach so! Sein Name lautet Jesus, nicht wahr?«

Luzifer nickte.

»Weshalb ist das Blut so wichtig für dich?«

»Blut ist immer wichtig! Es ist die erste Nahrung, die ein Menschenkind in sich aufnimmt.«

»Willst du es trinken, oder für was benötigst du es?«

»Es ist mein Pfand zurück ins Paradies. Mehr brauchst du nicht zu wissen.«

Sammael zuckte mit den Achseln. »Pah, Paradies …, wenn dieses existiert. Ich glaube an keinen Gott, der die Welt erschaffen hat. Dies ist die Erfindung von den Priestern und Gelehrten. Ich lebe jetzt und will mein Leben genießen. Ja, mach mich reich und mächtig und lass mich einen Thron besteigen. Dazu möchte ich Weiber haben, die mich befriedigen. Wenn du mir das erfüllst, besorge ich dir das Blut von diesem eigenartigen Messias.«

Vor Sammaels inneren Auge lagen ihm die Frauen bereits zu Füßen und schmiegten ihre Körper an seinen. Nicht so wie in der Vergangenheit, wo seine Schwestern mit ihren Freundinnen ihn verspotteten und sich über ihn lustig machten. Er hörte sie immer noch hinter seinem Rücken kichern. Es schmerzte in seinen Ohren, und er würde ihnen diesen Frevel heimzahlen und sie zu seinen Sklavinnen machen. Die Vorfreude konnte er kaum noch zügeln.

»Später … erst die Arbeit und dann das Vergnügen!«

Widerwillig nickte er, als Luzifer ihn aus den Gedanken riss. Der Höllenfürst bot ihm die Hand an und schmunzelte. Sammael wünschte sich sehnsüchtig, mehr zu sein als nur ein Jüngling, der seinen Frust in Wein ertränkte. Es wäre dumm, diese Gelegenheit auszuschlagen und er schlug ein. Dabei leuchteten seine Augen voller Erwartung. Der Höllenlord drückte zu und schüttelte heftig seine Hand. »Jetzt ist unser Pakt vollbracht!«, verkündete Luzifer weiter, und ein breites Grinsen nahm seine Lippen in Beschlag. Sammael lief es eiskalt den Rücken herunter trotz Hitzewallung. Er schwitzte und starrte Luzifer so lange an, bis er ihn losließ. Staunend öffnete Sammael seinen Mund. Doch er brachte keinen Ton hervor, sondern beäugte prüfend die Lanze und den Weinkrug in seinen Händen. Er benötigte einige Sekunden, bevor er sich von der Überraschung erholte und aufblickte. Perplex stellte er fest, dass der Leibhaftige spurlos verschwunden war. Wie in Trance ging er den Weg entlang. Die Hitze ließ seinen Mund austrocknen, und er wünschte sich etwas zu trinken. Jedoch befanden sich die Häuser mit den Flachdächern zwei Kilometer hinter ihm. Wasser hätte Sammael genügt zum Durststillen. Dafür hätte er sogar auf Wein verzichtet. Seine Freunde würden sich die Bäuche vor Lachen halten, wenn sie ihn jetzt sehen könnten.

Umkehren? Wieso? Nein, er wollte nicht das Ereignis auf dem Berg Golgatha versäumen und seine Freunde verpassen. Egal, wenn er nicht pünktlich am Treffpunkt sein würde. Stattdessen freute er sich auf den Reichtum, die Macht und die Frauen. Er würde sie unterwerfen und ihnen das Lachen für alle Zeiten verbieten. Sammael sah es schon bildlich vor sich, wie sie vor ihm niederknieten und ihm die Füße küssten. Sollten seine Kumpel sich weiter abrackern. Er würde über das Land herrschen und Befehle erteilen. Somit wäre er nicht nur der vierte Sohn von Paulus. Er rümpfte die Nase, ging weiter und pfiff vor sich hin, um sich in Stimmung zu bringen. Die Menschenmassen um ihn herum ignorierte er, als er Golgatha bestieg. Auch am Treffpunkt tauchte er nicht auf. Wachsam schaute er sich um und entdeckte die drei Gekreuzigten, deren geschundene Leiber getränkt von Blut waren.

Er ärgerte sich, dass sie an den Kreuzen hingen und er zu spät kam. Durch Luzifer entging ihm, wie die Nägel in das Fleisch der Verurteilten gerammt wurden. Es war eine Schande, er verpasste den größten Spaß. »Na, hoffentlich komm ich noch auf meine Kosten«, maulte er, trat gegen den Boden und wirbelte Sand auf. Wie gerne hätte ich mich an Auspeitschungen ergötzt. Noch besser wäre eine Hinrichtung mit Köpfen gewesen. Aber heute stehen nur diese Kreuzigungen auf dem Programm. Steinigungen hätte mich sicher mehr in Stimmung gebracht, dachte er und ließ enttäuscht seinen Blick schweifen, während er auf die Gekreuzigten zuschritt. Ohne Probleme erkannte er, wer von den Dreien dieser Wanderprediger Jesus war, über den so viel geredet wurde. Er selbst hatte ihn nie predigen gehört. Zu beschäftigt war er, um von einem Saufgelage zum nächsten zu rennen.

Als er die Dornenkrone auf Jesus` Haupt und die blutigen Wunden auf der Stirn bemerkte, grinste er feist. Ja, die Römer hatten gute Arbeit geleistet und er wünschte, dabei gewesen zu sein. Leider wurde ihm der Zutritt zum Palast verweigert, da er zu jung war. Was für eine Erniedrigung in seinen Augen. Er brummte verächtlich als er sich erinnerte, dass die Wachen ihn wie einen räudigen Hund weggejagt hatten. Am liebsten hätte er sich auf sie gestürzt, aber dann wäre er noch im Verlies gelandet, und darauf konnte er verzichten.

Urplötzlich überkam ihn ein innerer Drang, und er war unfähig, die Augen von dem Verurteilten zu lassen. So achtete er nicht auf die römischen Soldaten in ihren glänzenden Rüstungen, die unter dem Kreuz hockten. Da er lesen konnte, entzifferte er das Schild oben am Kreuz, wo Jesus als König der Juden bezeichnet wurde.

Sammael stellte wie hypnotisiert den Krug ab und zielte wie besessen mit der Lanze auf den Stöhnenden. Flehentlich verlangte der Judenkönig nach einem Schluck Wasser. Als Antwort lachte das römische Gefolge den Gekreuzigten aus. Lieber saßen sie am Boden und stritten sich um den mit Blut getränkten Umhang.

Als Sammael wieder hochsah, traf ihn der gepeinigte Blick des Messias. Wie vom Donner gerührt, verharrte er, und seine Hände zitterten. Es fiel ihm schwer, die Lanze weiter nach oben zu richten und nicht fallen zu lassen.

»Stich doch zu! Stich doch zu!«, drängte die lockende Stimme. Aber von Luzifer fehlte jede Spur. Dennoch lief ihm ein Schauer über den Rücken. Am liebsten hätte er sich die Ohren zugehalten.

»Nein!«, hörte er einen stummen Schrei und er wusste, dass Jesus ihn damit meinte. Sammael schämte sich. Gebannt starrte er auf den Gekreuzigten, der ihn mit seinen grün-blauen Augen anschaute und ihn mildtätig anlächelte. »Ich verzeihe dir deine Sünden«, hörte er die sanfteste Stimme, die er je vernommen hatte. Es gab keinen Zweifel! Der Wanderprediger meinte nur ihn und er fühlte, wie eine große Last von ihm genommen wurde. All sein Gram war wie weggeblasen und seine Wut über seine Schwestern verschwunden. Sammael war frei und hatte kein Verlangen, sich als Luzifers Spielball missbrauchen zu lassen.

»Ich kann nicht!«, rief er und senkte beschämt sein Haupt. Dabei streifte sein Blick eine ältere Frau, völlig in schwarzen Gewändern gehüllt. Sie klammerte sich an eine männliche Person, welche nicht älter war als er selbst. Der Bursche stützte die wankende Frau und war sicher nicht ihr Sohn, denn er ähnelte ihr nicht.

Die Augen der Frau waren gefüllt mit Tränen, die ununterbrochen an ihren Wangen herunter kullerten. Sie schluchzte herzzerreißend, und ihr schmächtiger Körper bebte. Sie musste die Mutter von Jesus sein. Nur eine Mutter litt so um ihr Kind. Ihr Schmerz überwältigte ihn und berührte sein Inneres. Er zitterte nun am ganzen Leib, und ihm entglitt die Lanze. Sie rollte vor die Füße des Zenturios, dessen goldene Rüstung und Helm im Sonnenlicht glänzten. Es blendete ihn und er kniff kurz die Augen zu. Der Römer hob ohne Gefühlsrührung die Lanze auf und antwortete: »Da kommt mir eine Idee.« Höhnisch grinsend riss der Soldat ein Stück Stoff ab und band es um die Lanzenspitze. Dann tunkte er es zu Füßen des Gekreuzigten in eine Schale mit Essig. Als der Stofffetzen sich vollgesogen hatte, hob der Zenturio die Lanze bis zum Mund des Verurteilten. »Trink, Judenkönig! Du hast doch Durst!«, brüllte der Soldat und lachte wieder schallend.

Der Geruch von Essig beleidigte Sammaels Nase. Angewidert verzog er die Mundwinkel und fühlte sich schuldig, obwohl er nicht für die Tat des Römers verantwortlich war. Aber Luzifers Lanze hatte er ins Spiel gebracht. Wie konnte ich mich nur auf einen Pakt einlassen?, schalt er sich selber, und sein Gewissen rebellierte. Ich bin kein Vollstrecker, dachte er und wandte sich ab. Sein schlechtes Gewissen trieb ihn an, als er Golgatha hinunterrannte. Ab und an stolperte er und fiel plötzlich mit dem Gesicht in den Sand. Dabei schrammte er sich die Knie auf. Durch den Sturz gelangten Sandkörner in Sammaels Mund und knirschten zwischen seinen Zähnen. Angewidert spuckte er sie aus, und sein Gesicht verzog sich, als ob er in einen Platzregen geraten war. Fluchend stemmte er sich mit den Händen hoch. Humpelnd und seine Knie massierend trottete er weiter.

Plötzlich wie aus dem Nichts entstand eine Windböe, welche ihn einkesselte und schrecklich durchschüttelte. Ihm wurde speiübel, sodass er sich auf seine Füße erbrach. Bevor er sich reinigen konnte, schimmerte es in dunkelroten Farbtönen vor seinen Augen. Erst als das Leuchten verblasste, erblickte er wieder die vermummte Gestalt, die ihm erneut zuwinkte. Diesmal zögerte er nicht und ging darauf zu. Als er jetzt in Luzifers Antlitz schaute, erschauderte er, und es lief ihm eiskalt über den Rücken. Das Gesicht des Höllenfürsten war durch zahlreiche Eiterpickel entstellt und ähnelte einer dämonischen, missgebildeten Fratze, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Die Augen glühten wie Kohlen, sprühten violette Blitze, die vor seine Füße in den Boden drangen und ihn versenkten. Schwarze spitze Hörner, die sich in der Mitte trafen, wuchsen aus der Stirn, und die Gesichtsfarbe hatte eine dunkelrote Schattierung angenommen. Seine roten Hände glichen Pranken mit Krallen, die so scharf waren wie Schwertspitzen.

»Du Versager!«, blaffte ihn der Gehörnte an. »Wegen dir ist mein Plan gescheitert. Jetzt bleibt mir das Paradies verschlossen. Dafür bezahlst du! Ich werde dich ewig verdammen zu einem Leben, wo es dich nach Blut dürstet.«

»Es war nicht meine Schuld. Dieser Messias ist dafür verantwortlich!«, verteidigte sich Sammael und wäre am liebsten im Boden versunken.

»Du wirst nie vergessen, dass du mich verraten hast, das schwöre ich dir! Von heute an verdamme ich dich, in Einsamkeit unsterblich durch die Nacht zu streifen. Deine menschliche Hülle soll ein Schatten deiner selbst bleiben. Jedoch wird kein Dämon darin einziehen. Deine Seele bleibt gefangen in deinem Körper und gehört auf ewig mir. Sie wird niemals Ruhe finden. Du bist verdammt, als erster Vampir deine Existenz zu frönen.«

Die Worte bohrten sich wie Messerstiche in Sammaels Gehirn, und er zitterte wie Espenlaub. Panisch registrierte er, wie der Höllenfürst schnaufend vor Wut mit seiner Pranke auf ihn deutete. Augenblicklich schoss ein rötlich-gelber Strahl aus Luzifers schwarzen, spitzen Krallenfingern und glitt auf ihn zu. Im Sekundenbruchteil umzingelte ihn ein Lichtkranz mit lauter tanzenden Feuerzungen, die nach seinem Körper hungerten.

Aus lauter Panik schlug er um sich, als er spürte, dass er brannte, wobei ihn die Flammen noch nicht einmal berührten. Sein Gesicht verzog sich in unmenschlicher Pein, und es kam nur ein gurgelnder Laut über seine Lippen. Dann durchzuckte ein stechender Schmerz sein Herz, und es hörte für alle Zeiten auf zu schlagen. Wie vom Blitz getroffen knickten seine Knie ein, und er kippte auf die Seite. Ohne Vorwarnung wich das Schwarze aus seinen Haaren und es ergraute Schritt für Schritt. Tiefe Furchen bildeten sich in seinem Gesicht, weil seine Jugend im Sekundentakt entschwand, bis er zum alten Mann mutierte. Seine vererbte Augenfarbe veränderte sich in Smaragdgrün, und das Weiße darin wurde blutrot. Wie abgesprochen entstanden spitz zulaufende Zähne in seinem Kiefer, die mit Gewalt hindurchbrachen und ihm höllischen Schmerz bereiteten. Er presste die Finger auf den Mund. Gleichzeitig überkam ihm ein unendliches Verlangen nach Blut, das er nicht erklären konnte. Längst hatte ihn die Gier voll erwischt und trieb ihn nahezu in den Wahnsinn.

Doch bevor er tatsächlich den Verstand verlor, erfasste ihn ein Sog und wirbelte ihn durch, obwohl er immer noch glaubte, in Flammen zu stehen. Ein Trugschloss, denn das Rotieren hielt an, bis eine hohe Lichtfront vor ihm auftauchte. Ohne sein Zutun schoss er darauf zu. Geblendet kniff er die Augenlider zu. Doch das Licht drang trotzdem ein und schmerzte in seinen Sehnerven, als ob unzählige Nadeln hindurchstachen. Panik brach in ihm aus, und er unterdrückte den Hang zu schreien.

Der Rat der Engel

»Luzifer hat sich wieder etwas Neues einfallen lassen, wie er zurückkehren kann ins Paradies. Unser aller Schöpfer hat mich darüber in Kenntnis gesetzt. Stellt euch vor, er wollte sich Jesus´ Blut bemächtigen«, hauchte Erzengel Michael und landete auf einem Wolkenteppich mitten im Ratszimmer.

»Das ist unglaublich!«, riefen seine Engelsbrüder wie aus einem Mund und standen nicht mehr still. Sie breiteten ihre mächtigen Flügel aus, die ihnen bis zu den Hacken reichten. Wild schlugen sie damit hin und her, um so ihren Protest zu bekunden. Nur Erzengel Michael beherrschte sich und starrte seine Brüder mit gerunzelter Stirn an.

»Ist es ihm gelungen? Michael, rede doch endlich!«

»Unser Eingreifen ist von Nöten. Rafael, das hast du richtig erkannt! Das Gleichgewicht ist aus den Fugen geraten«, antwortete Michael mit Zornesröte im Gesicht und strich sich eine blonde Locke aus den Augen. Sein blaues, wallendes, bodenlanges Gewand schimmerte matt, als ob sämtliche Farbe aus ihm gewichen wäre. Selbst das blaue Licht, welches ihn umgab, flackerte an und aus. Seufzend stieß er mit dem Ellenbogen Uriel an. Er bewegte mit gesenktem Haupt inzwischen als Einziger noch seine leuchtenden Schwingen und sie verliehen ihm Auftrieb, sodass er abhob. Mit seinem roten Lichtschein überstrahlte er alles und färbte die Wolkenformation, die sie alle umzingelte rötlich ein.

»Er gab lange Ruhe! Welche Schandtat hat er dieses Mal verbrochen?«, fragte Gabriel, zückte sein Schwert und zerteilte damit die Luft. Sofort breitete sich weißes Licht aus. Uriel ließ sich nicht davon beirren und drehte immerzu eine Runde an der Wolkendecke, die sich ins Unendliche ausbreitete. Seine blonden Locken flatterten bei jedem Flugmanöver um seinen Lichtkörper wie der Schleier einer Braut. Durch Gabriels Licht neutralisierte sich endlich der rötliche Schein, bis goldene Strahlen zurückkehrten und die Umgebung erleuchteten.

»Er hat einen Menschen für seine Zwecke verführt«, antwortete Michael und strengte sich an, dass sein blauer Lichtschein nicht wieder erlosch.

»Das ist nichts Neues!«, mischte sich Rafael ein und knetete sein erblasstes Gewand, während sein grünes Licht an Intensität verlor und auszugehen drohte.

»Er hat ein Monster erschaffen, das zur Plage wird. Kein Sterblicher kann es stoppen. Wir müssen sofort einen Gegenpol errichten.«

Rafael nickte. »Wie? Willst du Luzifer zur Rede stellen? Oder was schwebt dir vor?«

»Ich habe da eine bessere Idee! Ihr werdet überrascht sein, meine Brüder.« Seine Antwort brachte Uriel wieder dem Wolkenboden näher und er setzte neben seinen Engelsbruder auf. »Wieso hüllst du dich in Geheimniskrämereien, Michael?«

»Lass dich überraschen! Unser aller Schöpfer ist von meiner Idee ganz angetan.« Dabei schlich sich ein Lächeln auf Michaels Lippen, während er abhob und mit leichtem Flügelschlag davonschwebte, ohne sich nach seinen Brüdern umzuschauen.

Blutdurst

Als das Licht erlosch, riss Sammael die Augen auf. Endlich hörte es auf sich zu drehen und eine Sekunde später landete er mit dem Gesicht mitten im Wüstensand. Sandkörner drangen in seinen Mund und in die Augen ein. Reflexartig kniff er sie zu und ein Hustenreiz befiel ihn. Erst als er einen Schwall Sand ausspuckte ging es ihm besser. Fluchend rappelte er sich auf und schaute sich um. Doch seine Augen schmerzten, weil Fremdkörper in seiner Hornhaut rieben. Er blinzelte und blinzelte und sah alles verschwommen. Zornig fuhr er mit dem Ärmel über die Augen, bis es nachließ.

Wutentbrannt richtete er seine Fäuste gegen den Nachthimmel, als ob er ihn beschwören wollte. Erst jetzt erblickte er den prächtigen Sternenhimmel, der ihm verändert vorkam. So klar hatte er das Milchstraßenband noch nie gesehen. Verwundert zuckte er mit den Achseln.

Was sollte dies bedeuteten? War er überhaupt noch in seiner Heimat? Wie war dies möglich? Es schüttelte ihn, als er an den Höllenfürsten dachte. Beunruhigt schaute er sich um und befürchtete, dass er mutterseelenallein gestrandet war. Aber wo?

Von Luzifer fehlte jede Spur. Oder hatte er es sich nur eingebildet? Entsprangen alle seine Erinnerungen nur seiner Fantasie? Nicht dass er etwa träumte.

Für die Dauer eines Wimpernschlages kroch Erleichterung in ihm hoch. Jedoch als er seine verschrumpelten Hände erblickte, schreckte er zusammen. Oh nein, die Jugend hatte seine Haut verlassen! Kein Mensch altert so rasend schnell. Er zitterte wieder. Nein, es ist keine Einbildung! Ich habe es tatsächlich erlebt. Furcht suchte ihn heim wie Wellen, die gegen die Klippen schlugen. Aber ein unbekanntes Geräusch ließ ihn herumschnellen und seine Nase verriet ihm, dass Lebewesen in der Nähe weilten. Er roch Blut, und pure Gier trieb ihn voran. Der Blutgeruch wurde immer intensiver, und er stürmte vor. Dabei erblickte er ein knisterndes Lagerfeuer vor einem Zelt aus Tierhaut.

Eine männliche Gestalt warf kleine Holzstücke in die Glut. Um das Zelt herum grasten angebundene Kamele, die ihre Hälse in seine Richtung drehten und mehrmals mit den Hufen scharrten. Ihr Gebaren verriet ihm, dass sie seine Witterung aufgenommen hatten.

Geduckt schlich er weiter und verbarg sich hinter einer Palme. Keine Sekunde zu früh, denn der Kameltreiber wandte sich zu den Tieren um und redete mit ihnen in einer fremden Sprache. Seine Stimme beruhigte die Kamele, und sie grasten friedlich weiter.

Sofort visierte Sammael sein Opfer an und lief auf den männlichen, dunkelhäutigen Turbanträger zu. Ehe der Fremde einen Laut von sich gab, riss er ihn hoch und nahm ihn in einem Würgegriff gefangen. Der Kameltreiber röchelte und rammte seine Ellenbogen in Sammaels Bauch. Den Schmerz ignorierte er, und hielt ihn weiter fest wie in einem Schraubstock. Doch der Blutgeruch und das heftige pulsieren der Halsschlagader zogen ihn magisch an. Der innere Drang war zu stark, und seine Beherrschung bröckelte, während seine Vampirhauer durch den Kiefer stießen. Automatisch ließ er seinen Gefangenen los, und seine Vampirzähne übernahmen die Kontrolle. Sofort drangen sie in den Hals des Gegners ein. Sein Gefangener widersetzte sich mit Tritten und Fausthieben. Blut strömte längs aus der Bisswunde und tropfte auf Sammaels Zunge. Der Blutgeschmack erinnerte ihn an süßen Rotwein. Jeder Schluck war ein Genuss und versetzte ihn in freudige Wallungen, als der Lebenssaft seine Kehle herunterrann. Selbst beim Saugen geriet er in Rage und bekam nicht genug. Plötzlich versiegte die Blutquelle. Bekümmert zog er seine Vampirzähne heraus und stieß sein Opfer von sich. Der Kameltreiber knallte auf dem Sandboden. Blut tropfte aus Sammaels Mund und lief die Unterlippe herunter. Gierig erhaschte er mit der Zunge den Rest. Doch einen Wimpernschlag später stellte sich extremer Blutdurst bei ihm ein. Suchend schaute er sich um.

Nichts. Er lauschte. Wieder nichts. Er roch. Leider war keine Menschenseele in der

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Graf von Dovers Blutrache denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen