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Heartwork - Der Weg zu Selbstmitgefühl: Mit einem Vorwort von Jack Kornfield

Heartwork - Der Weg zu Selbstmitgefühl: Mit einem Vorwort von Jack Kornfield

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Heartwork - Der Weg zu Selbstmitgefühl: Mit einem Vorwort von Jack Kornfield

Länge:
327 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 3, 2018
ISBN:
9783958032255
Format:
Buch

Beschreibung

Das Herz für sich selbst öffnen

Mit einfachen Achtsamkeitsübungen wird es möglich, angesichts von alltäglichen schmerzhaften Erlebnissen ebenso wie von traumatischen Erfahrungen Mitgefühl zu entwickeln – mit sich selbst, mit anderen, mit der Welt. Basierend auf eigenen Erfahrungen und mithilfe von vielen konkreten Beispielen ihrer Therapieklienten zeigt die Meditationslehrerin und Psychologin Barbara R. Weininger, wie wir unserem eigenen Schmerz und dem Leid der anderen von diesem Ort der klugen Freundlichkeit aus mitfühlend begegnen können.
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 3, 2018
ISBN:
9783958032255
Format:
Buch

Über den Autor


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Heartwork - Der Weg zu Selbstmitgefühl - Barbara R. Weininger

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Meine Geschichte

1.

Erwachen

An einem Septembertag im Jahr 1980 ging ich während der Monsunzeit über eine Straße in Colombo/Sri Lanka. In Begleitung meines Freundes Hans war ich als junge deutsche Studentin hierhergekommen, um mich von zwei schweren Autounfällen, acht Wochen im Krankenhaus und den Traumata eines herkömmlichen westlichen Medizinstudiums zu erholen. Ich lief die laute Straße entlang, gesäumt von Verkäufern, die ihre farbenfrohen Güter anboten, und atmete die dampfende Feuchtigkeit ein. Mein Blick fiel auf ein Straßenschild mit der Aufschrift International Buddhist Center Road. Spontan betrat ich die enge Gasse, die zu einem großen Steingebäude führte. Ohne eine Vorstellung zu haben, was mich erwarten würde, läutete ich eine schwere Türglocke. Ein schlanker junger Mönch in gelber Robe öffnete die Tür.

»Was wünschen Sie?«, fragte er in Pidginenglisch.

»Ich weiß nicht«, antwortete ich verwirrt.

»Sehr gut«, sagte er mit einem Lächeln und einer einladenden Handbewegung. »Folgen Sie mir.«

Treppauf, treppab und durch Korridore führte uns der Weg tiefer und tiefer ins Innere eines Klosters. Endlich gelangten wir in einen geräumigen, abgedunkelten Raum inmitten dieses erstaunlich großen Gebäudes. Zahlreiche ehrwürdig aussehende Mönche in ockerfarbenen Roben saßen dort auf dunklen Kissen. Mein junger Begleiter hielt vor dem Mönch, der am ältesten aussah. Tatsächlich wirkte dieser alte Mann, der mit geschlossenen Augen dasaß, auf mich wie eine Mumie. Er war dünn, nur Haut und Knochen, und schien in seiner reichlich bemessenen Robe fast zu verschwinden. Zu meiner Überraschung öffnete der alte Mönch die Augen, und sein Blick durchdrang mich geradewegs.

Nie hatte ich etwas Derartiges erlebt. Das Gesicht des Mönchs brachte Verständnis und Mitgefühl zum Ausdruck – von einer Qualität, die sich von allem zu unterscheiden schien, was ich je zuvor in einem Menschen gesehen hatte. Seine gütigen Augen waren ruhig, klar und vollkommen lebendig. Zu meinem Erstaunen hatte ich das Gefühl, als sei ich völlig durchsichtig; als könne der Mönch alles über mich wissen. Ich fühlte mich benommen und hatte keinerlei Gedanken mehr. In diesem Moment war ich einfach nur.

»Was wünschen Sie?«, fragte der alte Mönch.

Ich wiederholte, was ich zu dem ersten Mönch gesagt hatte: »Ich weiß nicht.« Zögernd, fast entschuldigend, fügte ich dann hinzu: »Ich will lernen.«

»Sehr gut«, antwortete der alte Mönch. Anschließend nickte er nachdenklich und sagte: »Kommen Sie jeden Morgen um 9:15 Uhr wieder hierher.«

Und genau das tat ich während der nächsten drei Wochen, der mir verbliebenen Zeit in Colombo, während Hans Akupunktur studierte. Immer noch erinnere ich mich an den muffigen Geruch in jenem großen, im Souterrain gelegenen Raum; an die Schatten der vollkommen ruhig dasitzenden Mönche und an die alles durchdringende, allumfassende Stille. Durch die Begegnungen mit dem alten Mönch – dessen Name, wie ich später herausfand, Damaloka lautete – wurde ich in eine zeitlose, raumlose Seinsweise eingeführt, jenseits meiner irdischen, weltlichen Belange und Interessen. Obwohl ich nicht erklären konnte, was geschah, war ich Feuer und Flamme. Auf mich, die an die Grobheit und Ablehnung meiner Familie gewöhnt war, wirkte Damalokas mitfühlende Akzeptanz wohltuend und zugleich befreiend. Meine innere Unruhe und Angst verflogen. Mein Herz und auch mein gepeinigter Geist begannen, sich allmählich zu entspannen. Zu meinem Erstaunen konnte ich ruhig und still dasitzen, ohne dies als unangenehm zu empfinden. Eine gewisse Leichtigkeit erfasste meinen Körper, und ich hatte ein Gefühl, als sei ich nach Hause gekommen.

Von jenem ersten Treffen an stellte ich fest, dass ich nicht fortgehen wollte, wenn der alte Mönch andeutete, dass unsere kleinen Übungen vorüber waren. Als ich an jenem ersten Nachmittag das Kloster verließ, regnete es nicht mehr in Strömen auf das Straßenpflaster, vielmehr war die Sonne hervorgekommen. Mir war viel leichter ums Herz. Während ich mich unter die Fußgänger auf den geschäftigen und farbenfrohen Straßen Colombos mischte, wusste ich nicht, was mir auf dem kleinen runden Kissen widerfahren war, auf jeden Fall aber wusste ich: Was auch immer es war, ich wollte mehr davon. Vielleicht könnte ich es als zum Vorschein kommende Weisheit bezeichnen oder als bedingungslosen Frieden oder als vorbehaltloses Mitgefühl.

Eines Tages trafen Hans und ich den bekannten Gelehrten und Mönch Nyanaponika Thera, der uns schließlich nach Black Rock Hermitage schickte, einem kleinen, tief im Wald und weitab von jedem Dorf gelegenen Retreatcenter. Bante Kashepa, ein gelehrter und liebenswürdiger junger Mönch, war dort der Vipassana-Lehrer. Geduldig brachte er uns bei, mindestens acht Stunden am Tag still dazusitzen. Er unterwies uns in grundlegender Achtsamkeit – wie wir unsere Gedanken und Gefühle beobachten und etwas darüber lernen können, wie unser Geist funktioniert und welche Qualitäten unser Herz kennzeichnen. Als ich den Blick nach innen zu richten und geradewegs in die Landschaft der schwierigen Emotionen zu schauen lernte, empfand ich das als einen großen Schritt nach vorne. Die Meditation hatte mich in die Lage versetzt, langsam unter den Nebelschleier meiner inneren Ruhelosigkeit, Angst und Verwirrung zu sinken und mit einem grundlegenden Frieden in Berührung zu kommen. Im Kloster wurde die Unterweisung aus Nyanaponikas bekanntem Buch The Heart of Buddhist Meditation (Dt.: Geistestraining durch Achtsamkeit) zur Grundlage meiner Praxis. Im Scherz sage ich manchmal: Wenn unsere Visa nicht abgelaufen wären, würden wir vielleicht immer noch dort sitzen und mit Bante Kashepa in Black Rock Hermitage meditieren.

Ich erinnere mich, wie fasziniert ich, an dem von meiner Hütte zum Tempel führenden Trampelpfad sitzend, eine Ameisenkolonne beobachtete, die den Pfad überquerte. Vollkommen achtsam und im gegenwärtigen Augenblick bewunderte ich ihre zielgerichteten Bewegungen und wie jede von ihnen, genau wie ich, ihren perfekten Platz innehatte. Ich erlebte die Ameisen und mich als ständig in Veränderung befindlich, als Teil des allumfassenden großen Ganzen. Ich empfand so viel Liebe für diese Ameisen und alles, was mich umgab. Endlich hatte ich eine liebevolle Zuflucht im eigenen Geist und eigenen Herzen gefunden.

Diese ersten spirituellen Erfahrungen in Sri Lanka kamen für mich überraschend. Ich war eine deutsche Medizinstudentin gewesen, die sich in der Welt der Wissenschaft bewegte, und ich wusste praktisch nichts über den Buddhismus oder über Meditation. Ich wusste bloß, dass ich unter den Auseinandersetzungen in meinem Leben litt und darunter, dass ich keine Ahnung hatte, wie es mit mir weitergehen sollte. Als ich mich auf dem kleinen runden Kissen hinsetzte, wusste ich nicht, ob ich ein existenzielles schwarzes Loch vor mir haben oder mich als bedeutungslosen Partikel in einem ebenso bedeutungslosen Universum erleben würde. Stattdessen verspürte ich tiefe Ruhe, Gelassen- und Unbeschwertheit. Als ich meditierte, traf ich nicht auf ein fremdes, Angst einflößendes Universum, wie es jener Welt entsprochen hätte, in der ich mit meiner Familie aufgewachsen war. Was sich zeigte, waren Liebe, Mitgefühl, Dankbarkeit und vor allem Frieden als Seinsgrund.

Durch die schweren Autounfälle, die ich nur knapp überlebt hatte, war ich an einem Scheideweg angelangt. Die direkte Erfahrung des Heiligen durch tiefe Meditation ermöglichte mir das persönliche Erleben jener Liebe und Weisheit, die von allem Anfang an in jedem von uns gegenwärtig sind, wenn wir ganz ruhig werden. Jahre später hörte ich einen buddhistischen Lehrer sagen: »Das Eintreten des Wunderbaren ist ein Zufall. Praxis macht uns freilich empfänglich für solch einen Zufall.« Diese Aussage brachte meine Erfahrung auf den Punkt. Nun aber weiß ich, dass dieses Verständnis und diese Praxis jedem offenstehen, der zulässt, dass die richtigen Bedingungen zustande kommen.

Hans wollte, nachdem wir Sri Lanka verlassen hatten, Herakhan besuchen, einen kleinen Shiva-Ashram in einer der Hügelketten am Fuß des Himalayas. Einmal mehr brachen wir also ins Unbekannte auf. Vom letzten winzigen Dörfchen aus, das unser klappriger Bus in Uttar Pradesh erreichen konnte, absolvierten wir eine achtstündige Trekkingtour durch Flüsse und über Berge, bis wir den Ashram fanden. Von hohen Bergen umgeben liegt Herakhan an den Quellflüssen des Ganges. Dieser farbenprächtige Ashram, mit Wandbildern der Gottheiten verziert und voller Wildblumen, unterschied sich von dem buddhistischen Kloster, das ebenfalls wunderschön gewesen war, allerdings auf eine eher strenge und ruhige Art und Weise. Die buddhistische Meditationsmethode war eine des Leerwerdens, der absoluten Einfachheit. Wir hatten gelernt, in stiller Meditation alles, was uns ablenkt, loszulassen, sodass wir die Wirklichkeit, wie sie ist, erfahren konnten. Der Hindu-Weg bot einen erstaunlichen Kontrast, der mir zeigte, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, eine tiefe und authentische spirituelle Erfahrung zu machen. Als sich bei der Musik, den Klängen von Aratis und Kirtans, mein Herz öffnete, vergoss ich Tränen. Während des Karma-Yogas trug ich Steine und half mit, Mauern für den Ashram-Garten zu errichten. Dies war der Weg, das Heilige durch Liebe und Hingabe zu erfahren.

In Herakhan wurde mir klar, dass ich mich der Liebe selbst überlassen konnte, der Liebe zu allem, und dass Liebe die Angst vertreiben würde. Ich lernte, dass ich die Möglichkeit hatte, diese Liebe durch meine Arbeit zu zeigen. Jegliche Arbeit konnte aus Liebe zu Gott, aus Liebe zu allem Lebendigen, verrichtet werden.

Nach der Rückkehr von meiner langen Reise durch Sri Lanka und Indien hatte ich das Verlangen, mein Leben ebenso in den Tiefen des unerforschlichen Mysteriums zu gründen wie in Freundlichkeit und Mitgefühl. Spirituelle Praxis war der Weg, dem ich zu vertrauen begann. Zu guter Letzt öffnete ich verschlossene Türen und ließ zu, dass Einsicht und Güte bei mir Eingang fanden.

Auf meinem weiteren Weg begannen der buddhistische Ansatz des Leerwerdens und der Hindu-Weg von Liebe und Einheit zusammenzuströmen. Auf eine ineinander verwobene, sich gegenseitig stützende Art und Weise wurden sie zu einem Weg – dem Weg von Mitgefühl, wechselseitiger Bedingtheit und Liebe.

TAGEBUCHÜBUNG

Durch meine Geschichte sind vielleicht Erinnerungen aus der Zeit Ihres eigenen Heranwachsens und an Wendepunkte in Ihrem Leben wach geworden. Setzen Sie sich bitte mit Papier und Bleistift an einen ruhigen Platz. Machen Sie es sich bequem, ruhen Sie in Ihrem sanft ein- und ausströmenden Atem, und schauen Sie, welche inneren Bilder und Geschichten in Ihnen aufsteigen, während Sie die nachfolgenden Vorschläge lesen. Wenn Ihnen eigene Erfahrungen in den Sinn kommen, praktizieren Sie ein wenig »Freewriting«. Das ist eine Technik, bei der Sie ohne Rücksicht auf Rechtschreibung, Grammatik oder Thema eine bestimmte Zeit lang kontinuierlich schreiben. Solch ein Freewriting kann Ihnen helfen, Blockierungen aufgrund von Apathie und Selbstkritik zu

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