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Clayton - ein Mann am Scheideweg: Die ganze Western Saga: Band 1-7

Clayton - ein Mann am Scheideweg: Die ganze Western Saga: Band 1-7

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Clayton - ein Mann am Scheideweg: Die ganze Western Saga: Band 1-7

Länge:
308 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
3. Aug. 2017
ISBN:
9783736825444
Format:
Buch

Beschreibung

Der Sammelband zur großen Western-Saga von Pete Hackett!
Ken Clayton, ein einsamer Mann steht am Scheideweg und muss sich seinem Schicksal und seiner Vergangenheit stellen.
Hart, historisch genau, mit faszinierender Detailkenntnis der amerikanischen Wildnis und mit aufrechten, mannhaften Charakteren.
Als Town Marshal Ken Clayton die vier heruntergekommenen Kerle an seinem Büro vorbei reiten sah, ahnte er nicht, dass ihr Erscheinen in Topeka einen Wendepunkt in seinem Leben darstellen sollte.
Die Kerle gefielen dem sechsundvierzigjährigen Gesetzeshüter nicht. Es waren Sattelstrolche, Burschen, die es an keinem Ort längere Zeit hielt, die sich oftmals einfach nahmen, was ihnen gefiel und die sich meistens hart am Rande der Gesetzlosigkeit bewegten.
So beginnt diese faszinierende Western-Saga aus der Feder eines Top-Autors.
Cover: Steve Mayer
Herausgeber:
Freigegeben:
3. Aug. 2017
ISBN:
9783736825444
Format:
Buch

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Clayton - Ein Mann am Scheideweg -

Sammelband 1 bis 7

Western von Pete Hackett

Pete Hackett Western-Sammelband - Deutschlands größte E-Book-Western-Reihe mit Pete Hackett's Stand-Alone-Western sowie den Pete Hackett Serien Der Kopfgeldjäger, Weg des Unheils, Chiricahua und U.S. Marshal Bill Logan.

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

Band 1

Als Town Marshal Ken Clayton die vier heruntergekommenen Kerle an seinem Büro vorbei reiten sah, ahnte er nicht, dass ihr Erscheinen in Topeka einen Wendepunkt in seinem Leben darstellen sollte.

Die Kerle gefielen dem sechsundvierzigjährigen Gesetzeshüter nicht. Es waren Sattelstrolche, Burschen, die es an keinem Ort längere Zeit hielt, die sich oftmals einfach nahmen, was ihnen gefiel und die sich meistens hart am Rande der Gesetzlosigkeit bewegten.

Es war ein warmer Tag im Mai des Jahres 1881. Seit drei Jahren trug Ken Clayton in Topeka den Stern des Town Marshals. Vorher hatte er in einer Reihe von wilden Städten mit eisernem Besen gekehrt. Innerhalb kürzester Zeit hatte er auch in Topeka für Ruhe und Ordnung gesorgt und das Gesindel, das in der Stadt für Angst und Schrecken sorgte, mit Pulverdampf und Blei zum Teufel gejagt. Das hatte ihm den traurigen Ruhm eingebracht, ein unschlagbarer Kämpfer zu sein.

Die vier Reiter verschwanden aus dem Blickfeld des Town Marshals. Er blieb dennoch am Fenster stehen und schaute versonnen nach draußen. Immer öfter dachte er zurück, und den Nebeln der Vergangenheit entstiegen die verschiedensten Bilder. Da war eine kleine, beschauliche Stadt, die den Namen Great Bend trug, und da war das hübsche Gesicht einer jungen Frau namens Faye Donovan. Sie hatte ihn angefleht, in Great Bend zu bleiben, doch er wollte hinaus in die Welt und Abenteuer erleben. Es war über zwanzig Jahre her, und viele Jahre lang waren sowohl Great Bend als auch Faye Donovan bei Ken Clayton in Vergessenheit geraten. Jetzt aber stürmte die Erinnerung immer öfter und immer intensiver auf ihn ein.

Seufzend wandte er sich ab, ging hinter seinen Schreibtisch und setzte sich. Das gleichmäßige Ticken des Regulators an der Wand war das einzige Geräusch in dem düsteren Raum. Es war später Nachmittag. Clayton holte eine Kladde aus dem Schreibtischschub und griff nach dem Federhalter, der neben einem Tintenglas auf dem Schreibtisch lag. Er begann seinen täglichen Bericht niederzuschreiben. Seit Monaten hieß es: Der Tag verlief ohne besondere Vorkommnisse. An diesem Tag schrieb Ken Clayton darüber hinaus in das Buch, dass vier Fremde in die Stadt gekommen waren, bei denen es sich möglicherweise um Banditen handelte. Die Feder kratzte über das Papier, immer wieder tauchte Clayton sie in die Tinte.

Spürte er, dass die vier Fremden richtungweisend für seine Zukunft waren? War es eine Art sechster Sinn, der ihm sagte, dass mit ihnen der Verdruss nach Topeka gekommen war? Möglicherweise nur unterbewusst. Als Clayton die Ankunft der vier Fremden vermerkte, leitete ihn kein besonderer Wille. Es war eine Beobachtung, die er für wichtig hielt und die er deshalb schriftlich fixierte.

Jemand klopfte gegen die Tür, und ehe Clayton ihn auffordern konnte, einzutreten, wurde die Tür schon geöffnet und ein bärtiger Mann streckte den Kopf durch den Türspalt. „Guten Tag, Ken. Hast du die vier Kerle gesehen, die vor wenigen Minuten in die Stadt gekommen sind?"

„Ja, Jonas. Was ist mit ihnen?"

„Ich bin ihnen auf der Straße begegnet und einer hat mich gefragt, ob Ken Clayton noch Stadtmarshal ist."

Die Brauen des Town Marshals schoben sich zusammen, über seiner Nasenwurzel bildeten sich zwei senkrechte Falten, und er biss sekundenlang die Zähne zusammen, sodass die Backenknochen in seinem kantigen, schmalen Gesicht hart hervortraten. „Stellten sie sonst noch Fragen?", erkundigte sich Clayton.

„Nein. Als ich bejahte, sagte er Kerl lediglich, dass sie richtig seien. Dann ritten sie weiter zum Long Rider Saloon."

„Hast du dir ihre Gesichter angeschaut?", fragte Clayton.

„Natürlich habe ich sie gesehen, aber sie ritten sofort weiter …"

„Komm herein, Jonas, und schau dir die Steckbriefe an. Vielleicht erkennst du den einen oder anderen der Kerle wieder."

Nach dem letzten Wort holte Ken Clayton einen dünnen Packen Steckbriefe aus der Schublade. Jonas Benton kam ins Büro, drückte die Tür hinter sich ins Schloss, dann nahm er sich die Steckbriefe vor. Jeden einzelnen las er, betrachtete die Konterfeis eingehend, und als er durch war, schüttelte er den Kopf. „Ich kann keinen von ihnen erkennen, Ken."

„Es ist gut, Jonas. Vielen Dank."

Nachdem Jonas Benton das Office verlassen hatte, holte Ken Clayton eine Schrotflinte aus dem Gewehrschrank, lud beide Läufe und verließ das Büro. Auf seinem Weg zum Saloon begegnete er nur wenigen Passanten. Hinter dem einen oder anderen Fenster konnte er den hellen Fleck eines Gesichts erkennen. Aufrecht und furchtlos schritt Ken Clayton am Rand der Fahrbahn in Richtung des Saloons, in dem er das Quartett vermutete. Seine Sohlen mahlten im Staub, und der Staub puderte seine Schuhe. Er trug die Shotgun links am langen Arm. Der Handballen seiner Rechten streifte den Knauf des schweren 45er Coltrevolvers, der im offenen Holster tief an seiner rechten Hüfte hing.

Etwas regte sich im Hintergrund seines Bewusstseins – es entzog sich jedoch seinem Verstand. Da war nur eine Ahnung – und an ihrem Ende stand etwas Dunkles, Unheilvolles.

Am Holm vor dem Long Rider Saloon standen die vier verstaubten und verschwitzten Pferde. Müde ließen sie die Köpfe hängen, mit den Schweifen schlugen sie nach den Blut saugenden, lästigen Bremsen an ihren Flanken. Ken Clayton schaute sich die Brandzeichen der Tiere an. Er kannte sie nicht. Entschlossen trat er auf den Gehsteig, stieg nach wenigen Schritten die vier Stufen zum Vorbau des Saloons hinauf und schritt zur grün gestrichenen Pendeltür. Seine Schritte erzeugten ein trockenes Hämmern auf den Vorbaubohlen. Ohne im Schritt zu stocken betrat der Town Marshal den Schankraum. Hinter ihm schlugen die Batwings der Tür quietschend und knarrend aus.

Einen Schritt hinter der Tür hielt er an. Die vier Kerle lümmelten an einem Tisch. Andere Gäste waren um diese frühe Abendzeit nicht im Saloon. Der Keeper schenkte hinter dem Tresen Bier in Glaskrüge. Die Blicke, mit denen die vier Männer Ken Clayton maßen, waren stechend, zugleich aber forschend und prüfend. Es war, als nähmen sie Maß.

Groß und hager stand der Town Marshal vor der Pendeltür, die sich beruhigt hatte. Bekleidet war er mit einem dunkelbraunen Anzug und einem weißen Hemd, seine Schnürsenkelkrawatte war von rubinroter Farbe, seine rauchgrauen Augen zeigten nichts als steinerne Ruhe. „Ihr habt euch nach mir erkundigt", rief er grollend und schaute von einem zum anderen. Seinen Blick konnte man als unergründlich bezeichnen.

Einer, ein dunkelhaariger Mann von etwa dreißig Jahren, stoppelbärtig und verstaubt, in dessen Gesicht ein unstetes Leben unübersehbare Spuren hinterlassen hatte und um dessen Mund ein brutaler Zug lag, fragte: „Bist du Ken Clayton?"

„Ja."

Jetzt zeigte der Dunkelhaarige ein kantiges Grinsen. „Du hast einen Ruf wie Donnerhall, Clayton. Dein Name ist sogar über die Grenzen Kansas’ hinaus bekannt. Eine lebende Legende bist du. Man behauptet, dass du weder mit dem Colt noch mit dem Gewehr zu schlagen bist."

Ken Claytons düstere Ahnung begann Formen anzunehmen. Bitterkeit stieg in ihm hoch. Er presste die Lippen zusammen, sodass sie nur einen dünnen, blutleeren Strich bildeten, dann stieß er hervor: „Und deswegen seid ihr hier, wie? Wollt ihr euch davon überzeugen, ob ich wirklich unschlagbar bin?"

„Man Name ist Larry Wood, erklärte der Dunkelhaarige. „Das sind meine Freunde Dave Burton, John McClure und Anthony Potts. Nacheinander wies er mit dem Kinn auf seine Begleiter. Keiner von ihnen war älter als dreißig. Und jedem standen Verkommenheit, Niedertracht und Skrupellosigkeit ins Gesicht geschrieben.

„Schön, Wood. Ich kenne jetzt eure Namen. Die Antwort auf meine Frage bist du mir allerdings schuldig geblieben."

„Der Mann, der dich im Revolverkampf besiegt, erlangt Berühmtheit", versetzte Wood und grinste schief.

„Traurige Berühmtheit, gab Ken Clayton zu verstehen. „Und er wird keine Ruhe finden. Denn es wird immer jemand geben, der einen berühmten Kämpfer besiegen will, um selbst Ruhm einzuheimsen. Merk dir eines, mein Freund: Nicht die Schnelligkeit und Treffsicherheit mit einer Waffe machen einen guten Mann aus. Und die Waffe – sie ist immer nur so gut – oder so schlecht wie der Mann, der sie in den Händen hält. Ich gebe dir und deinen Freunden den Rat, auszutrinken, auf die Pferde zu steigen und Topeka zu verlassen. Lasst die verrückte Idee, hier zu Berühmtheit zu gelangen, sausen. Es ist keine echte Berühmtheit, und wie ich schon sagte …

„Du bist alt, Clayton!, unterbrach Larry Wood den Town Marshal. „Vielleicht ist es auch die Angst, die dich so sprechen lässt. Hat dich der Mut verlassen? Man sagt dir nach, dass du ein eisenharter, kompromissloser Kämpfer wärst, einer, der in die Hölle reitet und dem Satan ins Maul spuckt. Stimmt das alles etwa gar nicht? Bist du ein Feigling geworden, der sich hinter dem Stück Blech an der Jacke verkriecht?

Herausfordernd starrten die Kerle den Gesetzeshüter an.

Ken Clayton spürte, dass sie Worten nicht zugänglich waren. Er sagte grollend: „Ihr seid Dummköpfe, denn ihr sucht die Gefahr. Kennt ihr das Sprichwort: Wer die Gefahr sucht, kommt in ihr um? Es beinhaltet ein hohes Maß an Wahrheit. Sicher, Wood, ich bin gut und gerne fünfzehn Jahre älter als du, und vielleicht bin ich mit sechsundvierzig alt. Du, Wood, wirst dieses Alter nicht erreichen, wenn du nicht sehr schnell einen anderen Weg einschlägst. Das gilt auch für deine Freunde. Darum beherzigt meinen Rat und verlasst Topeka. Ich vertrete hier das Gesetz, und ich werde ihm Geltung verschaffen, wenn jemand der Meinung ist, es mit Füßen treten zu müssen. War das klar genug?"

„Sicher, Clayton, sicher. Larry Wood nickte wiederholt und sein Grinsen wurde breiter und herausfordernder. „Die Frage ist nur, wie du dem Gesetz Geltung verschaffen möchtest, wenn du tot bist.

„Noch lebe ich, Wood", erwiderte Ken Clayton und schaute den Burschen mit stählerner Härte im Blick an. Nach diesen Worten verließ der Town Marshal rückwärtsgehend den Saloon. Draußen atmete er auf. Ken Clayton gab sich keinen Illusionen hin: Die nächste Zukunft würde wenig erfreulich werden für ihn. Die vier Narren würden ihn zwingen, zu kämpfen. Er verspürte Widerwillen.

*

Um 19 Uhr löste der Nachtmarshal Ken Clayton ab. Er ging nach Hause. Seine Frau Joana hatte das Abendessen zubereitet. Sie nahmen gegenüber am Tisch in der Küche Platz, nachdem Clayton die Jacke ausgezogen, die Krawatte abgenommen und den Revolvergurt abgeschnallt hatte.

Den Clayton schien ausgesprochen in sich gekehrt zu sein. Er hatte sich vorgenommen, Joana nichts von den vier Ankömmlingen zu erzählen, denn er wollte sie nicht beunruhigen. Joana und er waren seit dreizehn Jahren verheiratet. Ohne zu murren war sie ihm in all die wilden Städte gefolgt, in der er als zähmende Hand die Ruhe und den Frieden herstellte.

Joana hatte mageres Fleisch gebraten und frisches Brot gebacken. Dazu gab es Bohnen und Bratkartoffeln. Nachdem sie den Teller ihres Mannes gefüllt hatte, sagte sie: „Es hat sich mit der Schnelligkeit eines Lauffeuers in der Stadt verbreitet, Ken. Ich kenne dich und weiß, dass du mit mir nicht darüber sprechen möchtest. Ich will nicht, dass du dich den vier Strolchen zum Kampf stellst. Sie sind ehrgeizig und das Wort Fairness kennen sie wahrscheinlich gar nicht."

Ken Clayton stieß scharf die Luft durch die Nase aus. „Was soll ich denn tun, Joana? Soll ich die Stadt verlassen und warten bis das Quartett wieder verschwunden ist? Er lachte gallig auf. „Das wäre meinem Ansehen hier in der Stadt sicher nicht förderlich.

„Denkst du, es fördert dein Ansehen, wenn sie dich erschießen?"

„Seit zwanzig Jahren vertrete ich in verschiedenen Städten das Gesetz, Joana, murmelte er. „Es war nicht immer einfach, und ich hatte es oftmals mit Kerlen von einem Kaliber zu tun, denen die vier Strolche wahrscheinlich nicht einmal das Wasser reichen können. Trotzdem bin ich sechsundvierzig Jahre alt geworden.

„Irgendwann findet jeder seinen Meister."

Clayton zuckte mit den Schultern. „Ich muss es auf mich zukommen lassen." Er schnitt ein Stück Fleisch ab und schob es sich in den Mund, begann zu kauen und hoffte, dass mit seinem letzten Satz das Thema beendet war.

„Ja, du bist sechsundvierzig, und von den Strolchen ist keiner dreißig. Gewiss tragen sie ihre Schießeisen nicht nur zur Dekoration herum. Das sind Halsabschneider, die mit allen schmutzigen Wassern gewaschen sind und denen nichts heilig ist. – Du musst mit dem Town Mayor sprechen, Ken. Er muss eine Bürgerwehr auf die Füße stellen, die dir gegen die vier Coltschwinger beisteht. Du hast viel für diese Stadt getan. Nun ist es an der Zeit, dass sie zu dir steht."

Clayton schluckte den Bissen hinunter. „Ich glaube nicht, dass sich auch nur ein einziger Mann in der Stadt bereit erklärt, eine Waffe in die Hand zu nehmen und gegen ein paar Revolvermänner anzutreten. Der Weg wäre umsonst, Joana, und die Aktion wäre für mich wahrscheinlich die größte Enttäuschung meines Lebens."

„Wenn du nicht zum Bürgermeister gehst, dann suche ich ihn auf!", stieß Joana Clayton im jähen Entschluss hervor.

„Lass mich essen, Joana, ich habe Hunger."

„Iss! Und wenn du gegessen hast, machst du dich auf den Weg."

„Es ist sinnlos …"

„Du musst es versuchen, Ken." Joana sprach eindringlich, verlieh ihren Worten Nachdruck und nahm den Blick nicht vom Gesicht ihres Mannes, als wollte sie damit Druck auf ihn ausüben.

Ken Clayton begriff, dass seine Frau nicht umzustimmen war. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, und sie würde nicht nachgeben, bis sie ihrem Willen Geltung verschafft hatte.

Er liebte Joana. Sie war zehn Jahre jünger als er und verströmte etwas, das ihn vom ersten Augenblick an in ihren Bann gezogen hatte. Sie war nicht schön, sie war aber auch nicht hässlich. Ich Gesicht bestach nicht so sehr durch seine Regelmäßigkeit, sondern durch seine Wärme und Fraulichkeit, die es verstrahlte. Joana hatte brünette Haare, die sie hochgesteckt trug. Ihr Kleid betonte ihre schlanke Taille.

Ken Clayton nickte und sagte: „Na schön, Joana, ich werde den Bürgermeister aufsuchen. Doch solltest du dir keine Hoffnung machen."

Die Frau kniff die Augen etwas zusammen. „Du willst ja gar nicht, dass dir jemand hilft!", brach es plötzlich über ihre zuckenden Lippen.

„Ich will nicht, dass Bürger von Topeka gefährdet und vielleicht sogar getötet werden, Joana. Ich bin der Town Marshal, die Stadt bezahlt mich dafür, dass ich für Ordnung sorge. Es ist meine Pflicht, die Bürgerschaft zu beschützen, nicht sie einer Horde schießwütiger Pilger auszuliefern."

„Nein, Ken. Es ist dein Stolz – dein verdammter, falscher Stolz. Du hast deine Angelegenheiten schon immer alleine geregelt, und das willst du auch in Zukunft nicht ändern. Es ist dein Stolz – und er wird irgendwann dein Untergang sein."

Joana schluchzte trocken. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Ken Clayton beugte sich etwas über den Tisch und tätschelte ihren Handrücken. „Ich gehe nach dem Essen zu Miller und rede mit ihm. Ich verspreche es dir, Joana. Soll ich dir etwas sagen?"

Fragend fixierte sie ihn.

„Ich habe es schon seit geraumer Zeit satt, den Stern zu tragen und denke immer öfter an die kleine Stadt Great Bend, die ich vor über zwanzig Jahren verlassen habe. Wir haben genügend Geld gespart, Liebste. Und für einen Mann in meinem Alter ist es an der Zeit, sich einen Platz zu suchen, an dem er ohne Pulverdampf und Blei in Ruhe leben kann. Ich habe fünf Jahre lang im Store als Helfer gearbeitet und eine Menge über den Beruf des Kaufmanns gelernt. Wir könnten in Great Bend ein Geschäft eröffnen und unabhängig von unserem Ersparten für unser Auskommen sorgen."

Joana wischte sich die Tränen aus den Augen und lächelte. „Das ist ein guter Vorschlag, Ken. Du machst mich damit glücklich. Ich wäre sofort dabei. Wenn es nach mir ging, könnten wir schon morgen Topeka verlassen."

Ken Clayton lachte. „So schnell geht es nicht, Joana, wehrte er dann ab. „Ich muss meinen Vertrag mit der Stadt kündigen, wir müssen unser Haus verkaufen, wir brauchen ein Fuhrwerk, mit dem wir unseren Hausrat befördern können, und, und, und.

Ihr Lächeln war wieder wie weggewischt. „Du willst die Sache mit den vier Kerlen erledigen, nicht wahr?"

Auch Ken Clayton wurde wieder ernst. „Nur selten ist es einem Mann gelungen, seiner Vergangenheit zu entfliehen. Sie holt ihn immer wieder ein. Und wenn Larry Wood und seine Komplizen das Gefühl haben, dass ich vor ihnen geflohen bin, stärkt das ihr Selbstbewusstsein, und sie werden mir folgen – wohin ich auch gehe. Daher muss ich erst einen Schlussstrich ziehen, ehe wir Topeka verlassen."

„Ich habe Angst, murmelte die Frau, und ihre Stimme klang gepresst. „Ich hatte immer Angst um dich, Ken. Doch diesmal ist dieses Gefühl ganz besonders intensiv.

„Ich spreche mit dem Town Mayor", versicherte Ken Clayton.

Nach dem Essen verließ er sein Haus. Es war noch hell, aber die Sonne stand schon tief und die Schatten waren lang. Sein Ziel war das Haus des Bürgermeisters.

*

Es war dunkel, als Ken Clayton nach Hause zurückkehrte. Seine Frau erwartete ihn in der Küche. Das Licht der Laterne, die über dem Tisch von der Decke hing, spiegelte sich in ihren Augen und ließ sie glitzern.

Ken Clayton hängte seinen Hut an den Haken neben der Tür und zog die Jacke aus. Der erwartungsvoll-fragende Blick Joanas weckte in ihm ein Gefühl des Unbehagens. Er nahm den Patronengurt ab, rollte ihn zusammen und legte ihn auf ein Bord. Dann sagte er: „Ich wusste es, Joana. Miller hat es abgelehnt, eine Bürgermiliz zusammenzustellen. Er begründet es damit, dass er nicht berechtigt sei, das Leben der Bürger in die Waagschale zu werfen. Er schlug mir vor, mich selbst mit den verschiedenen Leuten zu unterhalten und sie um Unterstützung zu bitten."

Jeder Zug im Gesicht der Frau drückte Enttäuschung aus, da waren aber auch Unglaube und Betroffenheit. „Und?", entrang es sich ihr.

„Ich war bei Saddler, bei Hanson, bei Thompson und bei Draeger. Jeder von ihnen lehnte ab. Draeger wies mich sogar aus seinem Haus und rief mir hinterher, dass er einer von denen sei, die mich bezahlen und dass es nicht seine Aufgabe sei, für mich die heißen Kastanien aus dem Feuer zu holen."

„Diese feigen Ratten!, entfuhr es der Frau. „Warum hast du Miller nicht den Stern vor die Füße geworfen, Ken? Diese Stadt ist es nicht wert, dass du deine Haut für sie zu Markte trägst.

„Es gibt einen Vertrag, Joana. Und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich niemals vertragsbrüchig werde. Ja, ich gebe Topeka den Stern zurück. Aber erst muss die Sache mit Larry Wood und seinen Kumpels erledigt sein."

„Sie werden dich töten. Auf deinen Stern spucken sie. Das sind ehrlose, skrupellose Halunken. Ken, du darfst dich ihnen nicht ausliefern. Im Stall stehen zwei Pferde. Ich kann reiten. Packen wir unser Geld und ein paar andere Habseligkeiten in Satteltaschen und verlassen wir diese Stadt. Ich pfeife auf das Haus und den Hausrat. Gegebenenfalls können wir das Zeug zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen."

Joana sprach eindringlich, geradezu flehend.

„Ich kann es nicht, murmelte Ken Clayton. „Noch niemals bin ich weggelaufen, Joana. Würde ich es tun, käme ich mein Leben lang nicht darüber hinweg.

Es klang abschließend und endgültig.

Joana kannte ihren Mann und gab es auf, ihn beeinflussen zu wollen. Es fiel ihr schwer, und das Herz drohte ihr in der Brust zu zerspringen. Aber sie schwieg.

In der Nacht fand Ken Clayton kaum Schlaf. Nie zuvor in den Jahren, in denen er in Topeka das Gesetz vertrat, hatte er die Bürgerschaft um Hilfe gebeten. Konsequent, kompromisslos, unduldsam und mit unbeugsamer Härte war er den Weg gegangen, den ihm sein Vertrag, der Stern und sein Diensteid vorschrieben. Wie oft hatte er sein Leben in die Waagschale geworfen? Er schalt sich einen Narren, weil er verschiedene Leute um Hilfe angegangen hatte. Und er verspürte tief sitzende Enttäuschung. Ihre Ablehnung hatte ihm die Augen geöffnet.

Als er sich am Morgen von Joana verabschiedete, um seinen Dienst anzutreten, klammerte sie sich an ihn, als wollte sie ihn nie wieder los lassen. Er küsste sie auf den Mund. „Alles wird gut, Joana. Ich verspreche es dir."

Dann verließ er das Haus. Zurück blieb eine verhärmte Frau, die die Sorge um ihren Mann zerfraß. In dieser Stunde verfluchte sie den Stern, dem er so treu ergeben war. Und sie verfluchte seinen Ehrenkodex, der ihm vorschrieb, sich der Auseinandersetzung mit den vier Revolverhelden zu stellen, sie verfluchte auch seinen Stolz, der ihn möglicherweise in den Untergang trieb.

Im Marshal’s Office traf Ken Clayton auf den Nachtmarshal. Es war ein Mann von zweiunddreißig Jahren, er wirkte drahtig und sehr geschmeidig. Sein eckiges Kinn verriet Durchsetzungsvermögen und Energie, der Zug um seinen Mund Entschlossenheit. Sein Name war Jesse Myer.

„Guten Morgen, Ken, erwiderte Myer den Gruß des Town Marshals. „Ich kann dir melden, dass es keine besonderen Vorkommnisse in der Nacht gegeben hat.

„Prima, Jesse. Dann geh nach Hause und leg dich aufs Ohr. Heute Abend musst du wieder fit sein."

„Ich hab mir die vier Kerle etwas näher angeschaut, Ken, erklärte Jesse Myer. „Sie haben im Long Rider Saloon gesessen, bis dieser schloss. Ich sage dir, Ken, die vier gehören zur ganz besonders üblen Sorte. Ihr Anführer hat großkotzige Reden geschwungen. Er sprach von Ruhm, Anerkennung und Respekt, die man ihm entgegenbringen würde, wenn er den legendären Ken Clayton im Kampf besiegt. Er ist fest entschlossen …

„Es sind vier großspurige Grünschnäbel, gab der Town Marshal zu verstehen. „Sollten sie es versuchen, werden sie ihr blaues Wunder erleben.

Myer musterte Ken Clayton forschend. „Ich nehme dir diese Gelassenheit nicht ab, Ken, murmelte er. „Die Sicherheit, die du an den Tag legst, ist aufgesetzt. Es sind keine großspurigen Grünschnäbel, es sind Kerle, die wahrscheinlich tödlicher sind als die Cholera. Ich gehe mit dir auf die Straße, Ken. Und sei es nur, um dir den Rücken frei zu halten.

„Ich habe keine Ahnung, wenn die Kerle aktiv werden, versetzte Ken Clayton. „Auch kann ich nicht auf sie losgehen und sie verhaften, denn ich habe nichts in den Händen gegen sie. Wessen soll ich sie anklagen? Also müsste ich sie sehr schnell wieder laufen lassen. Was wäre dadurch gewonnen? Nichts – gar nichts. Es ist so - ich muss ihnen den nächsten Zug überlassen. Es kann sein, dass sie es heute schon versuchen, vielleicht versuchen sie auch, mich mürbe zu machen und warten bis morgen oder übermorgen.

„Zur Hölle, Ken, es gefällt mir nicht …"

Clayton winkte ab und unterbrach mit dieser Geste den Nachtmarshal. „Mir auch nicht, Jesse. Aber du kannst nicht in den nächsten vierundzwanzig, sechsunddreißig oder achtundvierzig Stunden meinen Aufpasser spielen. Was meinst du, wie lange dein Körper mitspielen würde? Also geh nach Hause und schlaf dich aus."

„Wahrscheinlich

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