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Amor im Gepäck: Liebesroman

Amor im Gepäck: Liebesroman

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Amor im Gepäck: Liebesroman

Länge:
230 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 18, 2019
ISBN:
9783739659565
Format:
Buch

Beschreibung

Regel Nummer eins: Trink nie wieder Alkohol!
Regel Nummer zwei: Verlieb dich nie wieder in deinen Arbeitgeber! 
Regel Nummer drei: Setz nie wieder wegen eines Kerls eine Freundschaft auf Spiel.

Elisa ist sich sicher, dass ihre desolate Lebenssituation alleine an drei Dingen liegt, deshalb stellt sie sich drei Regeln auf, die es zu befolgen gilt.
Doch dann tritt Alessandro in ihr Leben, und mit einem Schlag geraten alle Regeln gefährlich ins Wanken. Zumal es so aussieht, als ob er es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, ihre Schutzmauer und ihre Regeln zu brechen.
Was also tun, wenn der Falsche vielleicht doch der Richtige ist? Auf sein Herz hören oder doch lieber auf den Verstand?


Jetzt brandneu: "Amors Küsse"
Fans von "Amor im Gepäck" dürfen sich in "Amors Küsse" auf ein Wiedersehen mit Elisa und Alessandro und auf Lucias Geschichte freuen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 18, 2019
ISBN:
9783739659565
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Amor im Gepäck

Buchvorschau

Amor im Gepäck - Dana Summer

München

Kapitel 1

Ich spüre es. Heute ist endlich, nach monatelangem Warten, der Tag gekommen, der mein Leben verändern wird. Der Moment, den ich mir Nacht für Nacht in meinen Träumen herbeisehne. Es wird der Tag sein, den ich mir in mein Gedächtnis einbrenne und von dem ich meinen Kindern und deren Kindern berichten werde.

Deutlich spüre ich, wie mein Herz vor Aufregung schneller schlägt, wie meine Hände, die nach meiner eckigen Lederumhängetasche greifen, leicht zittern. Nervös blicke ich aus dem Fenster meines alten Opel Corsa auf den hell beleuchteten Parkplatz. Unzählige Autos reihen sich auf dem alten Fabrikgelände aneinander und ich bin froh, noch einen der letzten freien Stellplätze erwischt zu haben. Neben all den teuren Luxuskarossen gleicht mein in die Jahre gekommenes Auto mit seinen Schönheitsfehlern, unzähligen Rostflecken, hie und da kleinen Blechdellen einer Beleidigung für die Augen. Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, dass in dem Spruch „Frauen können schlecht einparken" in meinem Fall wirklich ein Funken Wahrheit steckt. Obwohl ich immer, wirklich immer nach der größten Parklücke Ausschau halte, meint es der liebe Parkgott nicht allzu oft gut mit mir. Meine letzte Kollision mit einem einsamen Einkaufswagen liegt schon ein paar Wochen zurück, und doch sehe ich die anderen Autofahrer noch vor mir, wie sie mich kopfschüttelnd angucken.

Schnell verwerfe ich den Gedanken, denn schließlich soll heute mein neues Leben beginnen, und dazu gehören keine Eskapaden mit diversen Crashs.

Vorsichtig öffne ich die Tür meines Wagens, sehr bedacht darauf, dem pechschwarzen Aston Martin neben mir ja keinen Kratzer zu verpassen, und steige aus. Sofort umfängt mich ein kühler Windzug, ein letzter Nachbote, wie ich hoffe, des langen Winters, und ich ziehe unauffällig mein neu gekauftes schokobraunes Strechminikleid ein Stück weiter nach unten.

„Als ob der dünne Stoff es schafft, dich vor der Kälte zu schützen", flüstere ich leise und verfluche mich nun schon zum dritten Mal, dieses Stück Stoff überhaupt angezogen zu haben. Das Kleid ist so eng geschnitten, dass man es nur mit Modelmaßen anziehen kann oder eben, man hat wie in meinem Fall eine dieser Zauberunterhosen an, wie ich sie gerne nenne. Gut, die Teile sehen alles andere als toll aus, aber hey, wie soll man es sonst schaffen, mit einer Figur, die hie und da etwas zu viel hat, solch ein heißes Kleid anzuziehen?

„Alles für Teddy", wispere ich leise und der Gedanke an meinen Boss treibt mich von meinem Wagen weg auf das Fabrikgebäude zu. Er ist der Grund, warum ich heute in diesen neu eröffneten Club gehe, anstatt es mir auf meiner Couch gemütlich zu machen. Teddy, der eigentlich nur Ted heißt, ist auch der Anlass für meine Nervosität und der Mann, in den ich seit Monaten hoffnungslos verknallt bin. Heute feiert er mit uns Mitarbeitern und ein paar seiner Freunde seinen 30. Geburtstag. Aus diesem Grund hat er einen Tisch im VIP-Bereich gebucht.

Meine Füße tragen mich zu dem bunt beleuchteten Eingang auf die zwei Türsteher zu.

„Hey, mein Name ist Elisa Neumann. Ich stehe auf der Gästeliste von Ted Spencer", mit einem freundlichen Lächeln blicke ich zu den zwei Gorillas empor.

„Guten Abend. Einen kleinen Moment bitte, der glatzköpfige Mann studiert einen Zettel auf seinem schwarzen Klemmbrett. Mit den Worten „‘nen schönen Abend! lässt er mich durch und hält mir galant die Türe auf.

„Danke sehr", nicke ich und husche an den zweien vorbei.

Sofort schlägt mir die laute Musik entgegen. Der Bass dröhnt unangenehm in meinen Ohren und mein aufgeregtes Herz passt sich dem rhythmischen Hämmern an. Das dämmrige Licht tut sein Übriges, um mich wie eine ältere Dame im Seniorenheim zu fühlen. Blind und beinahe taub. Am liebsten würde ich mir meine Ohren zuhalten und wackle wie ein Storch auf meinen schwindelerregend hohen Schuhen an den anderen Partygästen vorbei. Selbst mit diesem Schuhwerk muss ich mich noch auf Zehenspitzen stellen, um ein wenig mehr zu sehen als nur tanzwütige Körper, die sich in der Menge aneinanderreihen.

„Entschuldigung", halte ich eine knapp bekleidete Kellnerin auf, die ein Tablett mit vollen Gläsern jongliert.

„Getränke gibt es an der Bar", völlig gestresst versucht sie mich abzuwimmeln.

„Ich möchte keine Getränke, ich suche den VIP-Bereich", muss ich gegen den Lärm anbrüllen.

„Gut, dann komm mit, ich bin sowieso gerade auf dem Weg dorthin."

So schnell es meine Füße zulassen, folge ich ihr durch die Menge, vorbei an verschwitzten, zum Teil mit Parfüm vollgesprühten Körpern, die mir dadurch beinahe Tränen in die Augen treiben.

Ich folge ihr die paar Stufen der Treppe empor zu einem erhöhten abgegrenzten Bereich, der den Gästen im VIP-Bereich einen kompletten Ausblick über den ganzen Club verschafft. Während meine Wegweiserin einfach an dem Security-Typen vorbeistiefelt, werde ich mit den Worten „Nicht so schnell, junge Dame!" aufgehalten.

Genervt blicke ich den Mann an, der mir mit seinem massigen Körper den Weg versperrt und nebenbei noch um einiges jünger als ich selbst zu sein scheint. Selbst sein aufgesetzter Blick, der wohl so viel sagen soll wie „Ich hab hier das Sagen!", verfehlt seine Wirkung bei mir komplett.

„Elisa Neumann. Ich steh auf der Gästeliste", dabei kann ich ein genervtes Schnauben nicht unterdrücken. Es gibt wirklich nicht viel, was mich auf die Palme bringt, außer die Tatsache, dass ich viel zu oft gefragt werde, ob ich schon volljährig bin.

Jedes Mal wenn dieser Satz oder ein ähnlicher kommt, könnte ich meinem Gegenüber an die Gurgel gehen. Klar ist es toll, wenn man jung aussieht, vor allem dann, wenn man mal über vierzig ist. Aber mit 26 immer noch für ein beinahe noch pubertierendes zwanzigjähriges Ding gehalten zu werden, nervt dann doch gewaltig.

„Neumann sagtest du?", will mein Gegenüber wissen und senkt seinen kastenförmigen Holzkopf, um den Zettel auf seinem schwarzen Klemmbrett zu studieren.

„Soll ich es dir buchstabieren?", leicht bissig verdrehe ich die Augen. Dieser Typ hält mich nicht von meinem zukünftigen Lover ab.

„Nicht nötig. Ich hab dich gefunden, bereitwillig gibt er mir den Weg frei. „Mr. Spencers Tisch ist ziemlich weit hinten.

„Danke", nicke ich ihm zu und betrete den abgegrenzten Bereich. Ohne auf die anderen feierwilligen Gäste zu blicken, marschiere ich zielstrebig an den vielen Tischen vorbei. Was interessiert es mich, ob hier irgendein Hamburger Promi sitzt. Suchend halte ich Ausschau nach Ted und spüre sofort, nachdem meine Augen das Objekt meiner Begierde entdeckt haben, wie sich mein Herzschlag beschleunigt. Wie mein Puls in die Höhe schießt.

Okay, Elisa, it’s Showtime. Mit diesen Gedanken raffe ich meine Schultern zurück, streiche mein Kleid zurecht und gehe hüftschwingend, zumindest so gut ich es beherrsche, auf meinen Boss und seine Gäste zu.

Ted muss mein sexy Gang wohl aufgefallen sein, denn er wendet sich von seinem Gesprächspartner ab und winkt mir zu. Mein Boss sieht so gut aus. Wie immer trägt er sein schulterlanges strohblondes Haar zu einem Knoten gebunden hinter dem Kopf. So wie dieser bekannte Geiger, dessen Namen ich mir leider nie merken kann. Das dunkelblaue Hemd passt perfekt zu seinen Augen, welche heute nicht durch eine Brille auf der Nase an Größe gewinnen. Eine vorwitzige Strähne, die sich aus dem Dutt gestohlen hat, umspielt sein ovales Gesicht. Mit jedem Schritt beschleunigt sich mein Herzschlag noch mehr, bis ich schließlich direkt vor ihm stehe und ihn ansehe.

„Hey Elisa. Schön, dass du da bist", Ted beugt sich zu mir und drückt mich kurz an sich. Dabei verweilt meine Hand einen Moment zu lange auf seiner Schulter.

„Hey Ted. Alles Gute zu deinem Geburtstag", wispere ich kaum hörbar.

„Danke", für einen Moment sehen wir uns tief in die Augen und da ist es wieder, das Gefühl, das mir sagt, dass er sich ebenfalls in mich verliebt hat und jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, dass wir uns unseren Gefühlen hingeben.

Jetzt oder nie, denke ich mir und nehme all meinen Mut zusammen. Eigentlich hab ich mir vorgenommen, ihm meine Gefühle erst später zu gestehen, aber warum nicht jetzt?

„Ted, kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?", jetzt ist es raus. Gespannt warte ich auf seine Reaktion, die allerdings auf sich warten lässt. Bei all meiner Nervosität hab ich gar nicht mitbekommen, dass die Aufmerksamkeit meines Gegenübers gar nicht mehr mir gilt. Stattdessen blickt er einfach an mir vorbei. Ich sehe, wie seine Augen sich weiten, wie er aufmerksam irgendetwas hinter mir eingehend studiert.

Was zur Hölle…, weiter kann ich gar nicht denken, denn in diesem Moment vernehme ich eine weibliche Stimme direkt hinter mir: „Hey Ted."

Hallo, hast du nicht bemerkt, dass Teddy und ich uns unterhalten?, verärgert drehe ich mich um, um diesen Störenfried mit vernichtenden Blicken zu bestrafen. Ich hab mich noch nicht einmal ganz umgewandt, als Ted sich an mir vorbeischiebt.

Peng, meine große rosafarbene Seifenblase zerplatzt in dem Moment, als ich mich ganz umdrehe und sehe, wie Ted diese Person, die eben noch hinter mir war, an sich zieht und küsst. Das Blut rauscht in meinen Ohren und ich bin unfähig, etwas Anderes als das Bild vor mir wahrzunehmen.

Ich starre die beiden an und spüre, wie sich mein Herz krampfartig zusammenzieht. Wie der Schmerz sich tief in meinem Inneren verstärkt. Das kann unmöglich gerade wirklich passieren. Vielleicht sollte ich mich kurz zwicken, um aus meinem persönlichen Albtraum aufzuwachen. Doch stattdessen werde ich am Arm berührt.

„Hey Elisa, mach den Mund zu", es ist die Stimme von Rafael, meinem Arbeitskollegen und der Person, die als Einzige weiß, wie verknallt ich in Teddy bin.

„People, darf ich euch Selina vorstellen, my Girlfriend", da ist wieder Teds Stimme, die mich aus meiner Schockstarre befreit.

„Hey Selina", ertönt es von den anderen Gästen wie im Chor. Nur Rafael und ich bleiben stumm.

„Okay Leute, dann lasst uns meinen Birthday feiern", eigentlich liebe ich die Art, wie Ted, der ursprünglich aus London kommt, die deutschen Wörter mit den englischen vermischt. Aber im Moment könnte ich bei dem Klang seiner Stimme nur noch würgen.

Ted führt die blonde Schönheit mit ihren viel zu langen Beinen und der Modelfigur an uns vorbei auf seinen gebuchten Tisch zu. Die anderen acht Partygäste nehmen ebenfalls Platz, nur ich und Rafael stehen immer noch da.

„Guys, setzt euch", fordert Ted uns auf.

„Moment, Boss, Elisa und ich haben noch etwas zu besprechen. Etwas Dienstliches", ruft ihm mein Arbeitskollege zu.

„Tolle Mitarbeiter hast du, Ted. Kann ich sie dir abwerben?", will einer von Teds Kumpeln wissen.

„No Chance", er lacht und prostet uns mit seinem vollen Sektglas zu.

„Komm mit", ich spüre, wie Rafaels Hand sich um meinen Unterarm schließt und er mich hinter sich zur VIP-Bar zieht.

Unsanft schiebt er mich auf einen der samtbezogenen Hocker und winkt dem Barkeeper zu: „Zwei doppelte Tequilas, bitte."

„Ich muss noch fahren, Raf", protestiere ich halbherzig, als Raf, wie ich ihn nenne, mir ein Glas in die Hand drückt.

„Du bist weißer als ein Schneemann. Trink das Zeug da! Ich bestell uns später ein Taxi", befiehlt er.

„Ach Raf", ich schließe die Augen und spüre, wie ich langsam wieder denken kann. Mein Ted hat eine Freundin. Er ist vergeben.

„Oh Babe, ich weiß. Dieser Scheißkerl", Raf tätschelt mir den Unterarm.

„Was soll ich denn jetzt tun? Ich liebe ihn doch", schluchze ich, dabei spüre ich, wie meine Hände zittern, ebenso das Glas mit der braungoldenen Flüssigkeit.

„Ich weiß, und wenn ich kein Totalversager wäre, was Beziehungen angeht, würde ich dir helfen", Raf blickt mit leerem Blick an mir vorbei und ich weiß genau, dass er wieder an Sebastian denkt. Seine letzte Beziehung oder Affäre oder was auch immer.

„Oh Raf, tröstend streiche ich über seine Hand, „wieso musst du nur schwul sein? Wir beide wären das perfekte Paar. Dabei nehme ich einen großen Schluck aus meinem Glas. Diese braungoldene Flüssigkeit schmeckt scheußlich, und doch hat das wärmende Gefühl, das sich kurz darauf in meinem Magen ausbreitet, etwas Beruhigendes.

Raf sieht auch wirklich gut aus. Sein dunkelbraunes, fast schwarzes Haar kringelt sich in kleinen Locken um seinen Kopf. Seine graubraunen Augen und die langen schwarzen Wimpern passen perfekt zu seinem ovalen Gesicht. Einzig und allein seine Nase, die mit einem recht großen Höcker versehen ist, schmälert seine Schönheit, zumindest meint Raf das. Mir gefällt seine Nase. Ich finde, sie besitzt Charakter. Aber sobald ich etwas in diese Art erwähne, schnappt er ein. Vielleicht liegt es daran, dass er Italiener ist? Oder einfach nur daran, dass an seinem perfekten Äußeren eben nicht alles wie bei einem gefotoshopten Model aussieht.

„Du meinst, wenn du ein Mann wärst?", Raf, der ebenfalls von Liebeskummer gezeichnet ist, es aber niemals zugeben würde, zwinkert mir zu.

„Nein, wenn du auf Frauen stehen würdest", korrigiere ich ihn und stelle das geleerte Glas auf dem Tresen ab.

Mein bester Freund gibt dem Barkeeper ein stummes Zeichen, die Gläser erneut aufzufüllen: „Apropos Frauen. Mein Bruder ist übers Wochenende da und schaut noch auf einen Drink oder auch zwei vorbei."

„Sprichst du von - korrigiere mich, wenn ich deine Wortwahl nicht genau treffe - deinem selbstverliebten, Frauen aufreißenden Bruder?"

Zumindest hatte ich von Rafs und meinem letzten Gespräch über das Thema Familie diesen Kommentar noch in Erinnerung.

„Genau der, nickt Raf und deutet mit dem Kopf zu Ted und seinen Gästen. „Wenn wir nicht wollen, dass er irgendeinen Verdacht schöpft, dann sollten wir uns langsam zu ihnen begeben.

Widerwillig folge ich Rafs Blick und bereue es sofort. Ted hat seinen Arm um Selinas Schulter gelegt und zieht sie so dicht zu sich, dass nicht einmal mehr ein Blatt Papier zwischen den beiden Platz hätte. Verliebt spielt Ted mit einer Haarsträhne seiner Angebeteten und seine andere Hand wandert auf ihrem Schenkel auf und ab.

Schnell wende ich den Blick ab. „Ich glaub, ich pack das nicht."

„Du musst", erwidert Raf streng und zieht mich unsanft vom Barhocker.

„Aber… ach verdammt. Hab ich mir Teds Avancen etwa nur eingebildet?", mit einem Zug leere ich mein Glas.

„Lag ich so daneben?"

Statt einer Antwort schiebt Raf mich zum Tisch unseres Bosses und drückt mich ziemlich unsanft auf einen freien Stuhl. Er lässt sich neben mich sinken und flüstert mir ins Ohr: „Kopf hoch."

Leichter gesagt als getan. Denn da ich dem Mann fast genau gegenübersitze, der eigentlich jetzt neben mir sitzen und an mir rumkrabbeln sollte, fällt es mir doch leichter, das mir gereichte Sektglas eingehend zu studieren. Dass der Abend noch schlimmer werden konnte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die Minuten ziehen sich unendlich in die Länge und mit jedem Blick auf die Uhr werde ich noch frustrierter. Wie war es nur möglich, dass die Zeit nicht vergehen wollte? Ich bin noch keine 60 Minuten da und Ted hat uns, seine anderen Gäste, komplett vergessen. Er hat nur noch Augen für seine makellos aussehende Modelfreundin. Ihr roter Minirock und das schwarze, mit Steinchen verzierte Top passen wie angegossen. Bestimmt muss sie keine dieser hässlichen Unterhosen tragen, um ihren Schokoladenbauch, so wie meiner einer ist, zu verstecken. Dazu noch diese endlos langen Beine. Bestimmt weiß die Gute nicht, was Cellulite ist, denke ich mir und wende den Blick ab. Wir anderen Gäste müssen uns mit Alkohol und langweiligem Smalltalk begnügen. Wobei auf mich das Erstere zutrifft. Das Glas in meiner Hand scheint ein Zauberglas zu sein. Jedenfalls war es immer voll und so habe ich schnell den Überblick verloren, wie viel ich bereits getrunken habe. Auf alle Fälle genug, damit ich diese Situation irgendwie ertragen kann. Es war genug, um mein blödes verliebtes Herz zu beruhigen. Und doch war es noch nicht genug, um zu wissen, dass ich mir später, wenn ich alleine sein werde, die Augen aus dem Kopf heulen werde. Dass ich mich auf meinen kleinen Balkon setzen werde, um mir eine Zigarette zwischen die Lippen zu schieben, den Mond und die Sterne betrachten werde, und dabei in Selbstmitleid zerfließen.

Darin bin ich besonders gut. Leider.

Teds Stimme, die, welch Wunder, nun auch mal wieder für unsere Ohren bestimmt ist, erklingt: „Guys, bevor ich es vergesse, ich hab noch News für euch. Okay, Darling, soll ich es sagen?"

Was für eine blöde Frage. Jetzt kann er schließlich keinen Rückzieher mehr machen, oder will er uns mit seinen „News" davon abhalten, seine Geburtstagsparty frühzeitig zu verlassen?, denke ich für mich und fische ein Ananasstückchen aus meinem Drink, um es gleich darauf in meinen Mund wandern zu lassen.

Selina nickt mit einem geheimnisvollen Grinsen, was in mir sofort sämtliche Alarmglocken anspringen lässt. Was ist hier los?

Kapitel 2

Ungeduldig rutsche ich auf dem Stuhl herum, starre auf Ted, der mittlerweile wie ein Kleinkind zu Weihnachten grinst. Mein Chef strahlt über das ganze Gesicht und mir wird von Sekunde zu Sekunde schlechter. Mein Gefühl sagt mir, dass ich diese News gar nicht wissen möchte.

„Okay Guys, ich rede gar nicht lang um den heißen Apel…"

„Brei", korrigiert Raf ihn.

„Yes, sorry. Brei herum. Selina und Ich werden in Zukunft nicht nur

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