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Drei Top Krimis #7: Cassiopeiapress Sammelband

Drei Top Krimis #7: Cassiopeiapress Sammelband

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Drei Top Krimis #7: Cassiopeiapress Sammelband

Länge:
391 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
12. Mai 2019
ISBN:
9783739697383
Format:
Buch

Beschreibung

Drei Kriminalromane von A. F. Morland & Alfred Bekker & Franc Helgath
Der Umfang dieses Buchs entspricht 360 Taschenbuchseiten.
Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.
 
 
Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Franc Helgath: Russisch Roulette in Vegas
A.F. Morland: Die Haie der Commissione
Alfred Bekker: Die Waffe des Skorpions

Zwei Kriminalromane der Sonderklasse: hart, überraschend und actionreich.

Henry Rohmer ist das Pseudonym des bekannten Fantasy- und Jugendbuchautors Alfred Bekker, der darüber hinaus an zahlreichen Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X mitschrieb.

Titelbild: Firuz Askin.
Herausgeber:
Freigegeben:
12. Mai 2019
ISBN:
9783739697383
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Drei Top Krimis #7 - Alfred Bekker

Drei Top Krimis #7

Drei Kriminalromane von A. F. Morland & Alfred Bekker & Franc Helgath

Der Umfang dieses Buchs entspricht 360 Taschenbuchseiten.

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Franc Helgath: Russisch Roulette in Vegas

A.F. Morland: Die Haie der Commissione

Alfred Bekker: Die Waffe des Skorpions

Zwei Kriminalromane der Sonderklasse: hart, überraschend und actionreich.

Henry Rohmer ist das Pseudonym des bekannten Fantasy- und Jugendbuchautors Alfred Bekker, der darüber hinaus an zahlreichen Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X mitschrieb.

Titelbild: Firuz Askin.

Russisch Roulette in Vegas: N. Y. D. - New York Detectives

Krimi von Franc Helgath

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Lionel Lister leitet das »All America Casino« in Las Vegas – ungewöhnlich hohe Gewinne einer Gruppe chinesischer Spieler beim Roulette machen ihm schwer zu schaffen, denn das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Er bittet seinen alten Freund Toby Rogers, Leiter des New Yorker Morddezernats C/II, um Hilfe. Rogers, der keine Kompromisse macht, wenn es um Recht und Gesetz geht, wird von dem cleveren Privatdetektiv Bount Reiniger begleitet, der die richtige Spürnase für üble Machenschaften hat und auch sonst hart im Nehmen ist. Gemeinsam versucht das ungleiche Trio, die Falschspieler zu entlarven ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Hauptpersonen:

Lionel Lister – besitzt den 'golden pencil', doch dieses Privileg verhindert nicht, dass an seinem Roulette-Tableau falsch gespielt wird.

Toby Rogers - Leiter des Manhattaner Morddezernats, eilt seinem alten Freund Lionel zu Hilfe

Jerome Kelly - leidet an gebrochenem Herzen und bringt mitten in der endlos flachen Wüste eine Lawine ins Rollen.

Bruce Wallaby - hält sich für einen Eisenfresser. Auf New Yorker Private Eyes ist sein Gebiss allerdings nicht geeicht.

May Lung - hat ihr Freischwimmerzeugnis als Callgirl schon hinter sich. Am Ufer einer zweiten Karriere strandet sie.

Ken Schreiber - hält sich für das Ass aller Asse.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

1

Jerome Kelly war ein hagerer Mann Mitte der vierzig. Seine langen, schmalen, geschmeidigen Hände zuckten noch nervöser als die Millionen Lichter am Strip von Las Vegas. Golden Nugget, Fremont, Star Dust - lauter weltbekannte Namen umgaben ihn. Seit zehn Jahren schon war diese Glitzerstadt seine Heimat, doch zum ersten Mal fühlte er Todesangst. Auf seiner hohen, blassen Stirn lag ein kalter Schweißfilm, den auch der Wind aus der Wüste nicht zu trocknen vermochte. Was machte er eigentlich hier? Hatte er nicht auch so schon Sorgen genug? War es ein Fehler gewesen zu versuchen, nach zwei Seiten abzukassieren?

Kelly fröstelte. Nun, er hatte A gesagt. Er biss die Zähne zusammen, bis sie knirschten. Würde er eben auch noch B sagen. Die Situation war ohnehin schon verfahren genug. Er hatte sich verzettelt, und er wusste es. Alles kam nun darauf an, dass er glaubwürdig blieb.

Doch wer glaubte schon einem Erpresser?

Eine Limousine, schwarz wie ein Leichenwagen, rollte neben ihm aus und kam zum Stehen.

»Mister Kelly?«, fragte eine kalte Stimme aus dem Inneren des Cadillac Caravan, einer Sonderanfertigung. »Bitte steigen Sie ein ...«

Kelly gehorchte. Was blieb ihm jetzt noch anderes übrig. Schwer ließ er sich in die Polster der Beifahrerseite fallen, streckte die müden Beine lang. Er hatte soeben seine Schicht beendet und gerade noch Zeit gefunden, einen Whisky zu trinken. Knapp zehn vorbei. Die Shows in den großen Hotels waren noch nicht zu Ende. Die Kasinos würden sich erst später knallvoll füllen. Las Vegas hatte immer Hochsaison. Das ganze Jahr über und rund um die Uhr. Die Klimaanlagen machten die Jahreszeiten vergessen, die sich hier im südlichen Nevada sowieso kaum voneinander unterschieden und immer nur die Hitze aussperrten.

Früh um fünf wurde reiner Sauerstoff durch die Aggregate geblasen, damit die Spieler bei der Stange blieben. Und verloren. Jerome Kelly war mit sämtlichen Tricks dieses Gewerbes vertraut. Auch mit den dreckigsten.

Und deshalb saß er jetzt hier in diesem Bestattungsunternehmer-Caddy. Der kalte Schweiß floss noch schneller. Er wischte sich die Hände an den Oberschenkeln seines Dinner-Anzugs ab. Der Kragen seines weißen Hemds war ihm zu eng.

Vielleicht hätte er sich vorher doch besser umziehen sollen. Jetzt klebte ihm dieses Hemd am Körper, obwohl er sonst nicht zum Schwitzen neigte. Jerome Kelly konnte sich riechen, und das war ihm zusätzlich peinlich.

Er kannte den Mann neben sich. Doch ihn hatte er eigentlich nicht erwartet. Nicht ausgerechnet ihn. Allerdings wusste er auch nicht, welche Rolle er nun wirklich spielte. Es wunderte ihn ein wenig, dass sich die Gegenseite so weit aus der Deckung wagte.

»Sie haben das Paket dabei?«, fragte der Mann.

Er war blond und muskulös und starrte teilnahmslos durch die Windschutzscheibe. In seinem Mundwinkel hing eine halb gerauchte Zigarette. Die Packung dazu lag in einem Fach der Mittelkonsole. Ein buschiger Oberlippenbart sollte wohl seine strichdünnen Lippen verbergen, die diesem bei aller muskulösen Fülle hageren Gesicht einen Zug von Grausamkeit verliehen. Möglich, dass er Dope nahm. Kokain vermutlich. Wer sich mit »H« abspritzte, verlor in dieser Stadt schneller seinen Job, als eine Space-Shuttle fliegen konnte.

»Es gibt kein Paket«, antwortete Kelly. Seine Kehle kratzte. Er hatte sich vor diesem Satz räuspern müssen. »Alles in meinem Kopf.«

Der blonde Fahrer schwieg. Kellys Haar lag wie eine schwarze Kappe um den Schädel.

»Ist das nicht ein bisschen unvorsichtig?«, fragte der Mann am Steuer ruhig. »Ich meine, Sie wissen doch, worauf Sie sich hier einlassen.«

Und ob der Croupier das wusste. Er reiste auf des Messers Schneide. Erneut wischte er sich über die Oberschenkel. Er hätte jetzt so gern einen weiteren Drink gehabt. Etwas stärkeres als Whisky. Am besten einen Tequila. Und er hätte vorher noch etwas essen sollen. Er fühlte Übelkeit aus seinem Magen hochsteigen.

»Natürlich habe ich mich abgesichert«, entgegnete er schroff. »Ich bin doch kein Idiot. Und die Zeiten, in denen missliebige Personen spurlos in der Wüste verschwanden, sind ein für allemal vorbei. Das könnt ihr euch nicht mehr leisten. Es sitzen euch zu viele Leute auf den Hacken. Das FBI, die Kommission, der Sheriff und nicht zuletzt die Multis selbst. Es ist doch Käse, zu behaupten, dass die Mafia heute noch am Roulette-Zylinder mitdreht.«

Der eigene Satz hatte Kelly etwas beruhigt. Denn was er sagte, stimmte. Schon möglich, dass Gangster wie Bugsy Siegel und sogenannte Gangster wie Moe Dalitz und Major Riddle das heutige Las Vegas bald nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Taufe hoben, doch inzwischen hatten die internationalen Multis die Ansprüche des Großkapitals erhoben, diese Goldgrube mit auszubeuten. MGM war genauso vertreten wie EXXON, IBM oder die rührige Rockefeller-Connection. Natürlich auch bei denen wurde mit den allerhärtesten Bandagen gekämpft, doch gehörte Mord offiziell noch nicht zu ihren Geschäftspraktiken, wie Jerome Kelly inständig hoffte.

Und sein Kasinohotel gehörte so einem Multi, wenn auch nicht einem der eben erwähnten.

Der blonde Fahrer schwieg. Sie hatten die Stadt in südwestlicher Richtung hinter sich gelassen. Schwarze Berge rahmten die Landschaft, ein fahlgelber Mond zauberte Glanzlichter auf die nur zwei Monate im Jahr zum Teil schneebedeckten Kämme und Grate.

Nevada - also schneebedeckt - hatten ein gewisser Padre Escalante und seine Truppe spanischer Conquistadores das Land Anno Domini 1776 getauft, als sie ihre christliche Fahne über einer grünen Oase mitten in einer schier endlosen Wüste hissten. Sie nannten den Ort Las Vegas, was im Spanischen so viel wie >Die Wiesen< bedeutet. Und schon damals hatten sich hier nackte Pajute-Indianer stundenlang dem Vergnügen hingegeben, Knöchelchen und bemalte Stäbchen in einer Art Würfelspiel über den Sand zu rollen und bei den Wetten ihre Frauen und Pferde einzusetzen.

Nun Pajutes gab es heute keine mehr, denn sie hatten ihren grausamen Manitu lieber gehabt als den barmherzigen Christengott und wurden folglich ausgerottet.

Doch das Würfeln und die Spielleidenschaft waren geblieben.

Jerome Kelly kannte diese Geschichte. Und er schöpfte Trost daraus. War er etwa ein primitiver Heide? War der Blonde neben ihm etwa ein spanischer Priester aus einer Epoche religiösen Wahns?

»Wo fahren wir hin?«, fragte er. Er fühlte sich jetzt ein bisschen besser. Die etwas frischere Nachtluft hatte gut getan. Der Mond und die Wüste wirkten beruhigend auf ihn. Der Cadillac schaukelte dahin wie eine Sänfte. Was, zum Teufel, sollte ihm schon passieren?

Sie lebten schließlich in zivilisierten Zeiten!

2

Viel konnte man in seiner Freizeit nun wirklich nicht anfangen in Las Vegas. Und das war vollkommen beabsichtigt. Am Swimmingpool herumliegen, der ebenfalls nie weiter als zwei Minuten vom nächsten Spielautomaten entfernt war; in glühender Hitze Tennis spielen; eine Runde reiten oder wie nirgendwo sonst in den Staaten schweißtreibend Golf spielen. Der Service auch in den Luxusherbergen war anerkannt miserabel, denn die Besucher - selten blieb einer länger als drei oder vier Tage - sollten sich ja nicht in ihren Zimmern aufhalten, sondern spielen. Aus demselben Grund war das Essen in den allermeisten Restaurants vom qualitativen Standard einer Quick-Food-Kette. Die Stühle und Tische samt übrigem Interieur luden niemals zum Verweilen ein. Sie hatten den Charme einer Werkskantine.

Eine löbliche Ausnahme im Freizeitprogramm bildete einzig und allein der Lake Mead hinter der gigantisch aufragenden Steilwand des Hoover-Staudamms. Hier konnte man segeln, sich in überraschend kaltem Wasser erfrischen und wenn man Glück hatte auch etwas Vernünftiges zwischen die Kiemen bekommen.

»Ich lade Sie ein«, sagte der Fahrer, während er vom Interstate Highway zur kaum schmäleren Auffahrt abbog. »Hängt Ihnen der Fraß in Las Vegas nicht auch schon zum Hals raus?«

»Wie? Was?« Kelly war in Gedanken versunken gewesen. Jetzt ruckte er wieder hoch. »Ach ja. Ja bitte. Sehr freundlich von Ihnen.«

»Wir können uns doch auch wie kultivierte Menschen unterhalten, nicht wahr? Und uns einigen.«

Im letzten Satz schwang unüberhörbar ein drohender Unterton mit. Jerome Kelly nickte heftig. Gleichzeitig setzte sein Herz einen Schlag aus. Wie immer öfter in der letzten Zeit. Er schluckte schnell eine Tablette. Er trug sie in der Seitentasche seines Jacketts. »Natürlich werden wir uns einig.«

Die mondhelle Nacht floss an den Fenstern vorbei. Steine, nichts als Steine. Am Tag und besonders bei Sonnenauf- und -untergang brannten sie in allen Regenbogenfarben. Nun aber lagen sie da, wie von der Faust eines grimmigen Riesen verstreut, schwarz und abweisend. Nur vereinzelt wuchs ein Kreosot, ein Dornbusch. Die Landschaft war bedrückend. Sie legte sich aufs Gemüt, und schon war Kellys Laune wieder am Schwindel! Er wusste das Kribbeln in seinen Fingerspitzen und am Nacken nicht zu deuten. Machte er sich nur etwas vor? War er doch in Gefahr?

Das Gesicht des Blonden blieb ausdruckslos. Er schaute stur geradeaus, zündete sich eine neue Zigarette an. Er trug nur ein Sweatshirt und hellfarbige enge Jeans. Darunter konnte er unmöglich eine Waffe verbergen. Doch andererseits, wenn Kelly so seine kräftigen Hände ansah, die zur Zeit noch locker das Steuer umfassten, dann brauchte dieser Mann wahrscheinlich gar kein Schießeisen. Mit solchen Fäusten brach man ein Genick wie einen dürren Ast. Die kurzen Ärmel ließen den imposanten Bizeps frei.

Eine neuerliche Abzweigung. Der Croupier war schon oft genug hier oben gewesen, doch die kannte er nicht. Automatisch verkrampfte er sich auf seinem Sitz.

»Mein Geheimtipp«, meinte der Blonde, als habe er Kellys Gedanken erraten. »Ein Lokal, in dem es täglich frische Forellen gibt. Und die besten Butterkartoffeln weit und breit. Selbst angebautes Gemüse und nicht das aus der Gefriertruhe. Sie werden begeistert sein. Nur keine Bange. Ihnen passiert schon nichts. Schließlich haben Sie uns in der Hand. Wir wollen keinesfalls, dass Ihr Wissen an fremde Ohren dringt. Wie viel, sagten Sie, möchten Sie haben?«

Kelly schluckte am Kloß in seinem Schlund. Er schmeckte scheußlich. Der Fahrtwind Fächelte in seinem pechschwarzen glatten Haar.

»H..., hunderttausend Dollar ...«

Der Fahrer nickte. »Nicht gerade ein Pappenstiel.«

»Was wollen Sie? Ihre Gruppe hat inzwischen mindestens zehn Millionen abgeräumt.«

»So genau wissen Sie das?«

Kelly wurde patzig. »Ich bin vom Fach.«

»Das ist mir klar. Sie können sich übrigens wieder entspannen. Wir sind gleich am Ziel. Nur um die vierhundert Yards noch.«

Die Straße führte jetzt zwischen Kiefern hindurch. Sie waren nicht von selbst gewachsen, sondern gesetzt worden. Für dieses Ufer hatte die Natur keine Bäume vorgesehen gehabt. Sie waren so künstlich wie Las Vegas auch. Der Wüste abgerungen und nur lebensfähig, weil der Mensch das so wollte. Die Erde dafür hatte extra von weit her angefahren werden müssen. So wie auch jene am Rand des Pools und für den Rasen und die üppigen Blumenrabatten dazwischen. Las Vegas verbrauchte fast viermal so viel Wasser wie eine vergleichbar große Stadt in gemäßigteren Zonen.

Der Fahrer verlangsamte sein Tempo. Ein Nachtvogel schrie geisterhaft. Der Motor des Caddy war kaum zu hören. Kelly kam es vor, als würde sein Puls viel lauter pochen. Jeglicher Appetit war ihm ohnedies vergangen.

Keinen Bissen hätte er jetzt noch hinuntergekriegt, und das wollte er gerade sagen, als der Blonde aufs neuerliche die Straße verließ. Kein Asphalt mehr. Nur ein holpriger Feldweg. Der Croupier hatte auch kein Schild bemerkt, das auf irgendein Lokal hingewiesen hätte. Dann knirschte plötzlich Kies unter den Pneus, und der mächtige Wagen stand, in den Stoßdämpfern wippend.

Jerome Kellys Gedanken brauchten sich nicht erst zu überschlagen. Panik schwemmte in ihm hoch wie eine Sturmflut, schwappte über ihm zusammen, hüllte ihn ein, trug ihn fort. Ein Paradoxon, dass ihm das ausgerechnet hier in Nevada passierte.

Doch seine Reflexe waren in Ordnung. Ohne blendende Reflexe kam kein Croupier aus. Sie waren das A und O in seinem Beruf.

Blitzschnell huschten die Karten aus dem Schuh beim Baccarat, blitzschnell flogen die Würfel beim Craps. Er musste Augen haben wie ein Luchs und die Geschicklichkeit eines Zauberkünstlers, ohne selbst dabei »zaubern« zu dürfen. Und seinen schnellen Augen war es letzten Endes auch zu verdanken gewesen, dass er diesen Betrügern überhaupt auf die Spur gekommen war.

In diesen Sekunden allerdings war Jerome Kelly seinem Schicksal überhaupt nicht mehr dankbar für dieses Talent. Er hätte es verfluchen mögen! Wieso hatte er nur so leichtfertig sein können!

Er riss den Wagenschlag auf, ließ sich hinausfallen, rollte über die Schulter ab. Der Blonde war sich zu sicher gewesen mit seinen Muskeln und seinem stoischen Gehabe und seiner Größe, mit der er den Croupier des »All America Casino« um mindestens einen Kopf überragte. Glaubte der Kerl denn, er ließe sich die Haut abziehen wie ein totes Kaninchen?

Kelly kam hoch. Er hatte die Orientierung verloren. Doch die Doppelscheinwerfer des Caddy brannten noch. Nichts wie weg aus dem Lichtkegel, der seine Balken drohend in die Dunkelheit schnitt. Unterholz. Rascheln an seinen Knien. Frische Luft.

Und dann vor ihm die Fläche des Lake Mead. Unschuldig wie flüssiges Silber lag sie vor ihm. Kein Windhauch kräuselte den Spiegel.

Wohin jetzt? Zu den Forellen?

Es gab keine Forellen im See. Er hätte vorher daran denken sollen. Er hätte so vieles vorher bedenken sollen.

Was für ein Narr er doch gewesen war!

Kelly stolperte weiter, wusste den Verfolger hinter sich, ohne auch nur einen Atemzug von ihm zu hören. Leute wie dieser Blonde hielten sich nicht mit Keuchen auf. Sie handelten. Blind wie ein Grottenolm war er in eine Falle getappt. Nicht aus Geldgier, sondern von einer vagen Hoffnung getrieben. Von einer Hoffnung auf eine Zukunft, die ihm hier in Las Vegas nie in Erfüllung gegangen wäre.

Als sich ein paar zugreifende Hände von hinten hart um seine Knöchel schlossen, war endgültig alles geklärt. Keine Fragen mehr, kein Morgen. Er klatschte mit dem Gesicht ins Wasser. Kalt, eiskalt, spritzte es auf, wo sein Kopf untertauchte. Ein Stechen in der Brust, als habe ihm jemand ein Messer ins Herz gebohrt, es brutal in der offenen Wunde gedreht. Und dieselben Hände, die ihn zu Fall gebracht hatten, rissen ihn nun wieder heraus aus dem Wasser.

Dann stand er da, der Blonde. Mit schwer hängenden Armen. Es dauerte eine Weile, bis er die Wahrheit erkannte. Dann traten ihm, dem Erbarmungslosen, auf einmal Tränen in die Augen. Es waren echte Tränen.

»Du Schwein!«, heulte er, und niemand war in der Nähe, der ihn hätte hören können. »Du zehnmal verfluchtes Schwein! Musstest du ausgerechnet jetzt krepieren?«

3

Toby Rogers trank gerade seinen dritten Whisky, für ihn eine beinahe olympiareife Leistung, weil er sonst Bier bevorzugte.

Aber er litt unter Flugangst. Einer höllischen Flugangst. Nicht einmal die Oberweite der Stewardess konnte ihn darüber hinwegtrösten, und schon das allein bewies, welche Schrecken das Fliegen für den Schrecken der Centre Street barg.

Centre Street. Das ist das Police Headquarters Manhattan South, ein Bau, der jährlich um die drei Zentimeter tiefer in die Erde versinkt und von Architekten schon ein Stahlkorselett verpasst bekommen hat. Und Rogers war in diesem Ameisenhaufen uniformierter und ziviler Gesetzeshüter der Leiter des Morddezernats C/II. Heiß geliebt von einer kleinen Handvoll Leute und wie die Pest gehasst von einem runden Tausend. Seine Squad erreichte die Aufklärungsquote von nahezu 90 Prozent, und das war einsame Spitze in New York.

Zu den Leuten, die ihn deswegen hassten, gehörten nicht wenige seiner Kollegen.

Neben ihm, auf der Fensterseite der Boeing 727, hatte Bount Reiniger überhaupt keine Angst, betrachtete sogar die Oberweite des so wenig engelhaft fliegenden weiblichen Personals mit wachsendem Genuss. Es stieg meist im Plaza ab, das wusste er, das gehörte bei ihm fast schon zur Allgemeinbildung.

Indes, ein paar andere Probleme standen ihm zur Zeit näher. Und auch um Freund Rogers abzulenken, fragte er: »Woher kennst du Lionel Lister eigentlich? Bisher hast du dich darüber ausgeschwiegen.«

»Wie man Leute halt so kennt«, wich Rogers aus.

Ihn als Schwergewicht zu bezeichnen, wäre der Wahrheit ziemlich nah gekommen. Allerdings musste man ihm den Boxer wieder davon abziehen. Es sei denn, in der nächsten Saison würden Nashörner und Elefanten in den Ring des Madison Square Garden zugelassen. Captain Toby Rogers verfügte über eine rotledrige Haut, den Nacken eines Corrida-Stiers, die adrette Figur vom Kühlturm eines Atom-Meilers und das freundliche Gemüt eines gereizten Bull-Terriers.

Bount Reiniger liebte ihn! Sie waren Freunde schon seit ungezählten Jahren.

»Was soll das heißen?«, bohrte Reiniger nach. »Wie man Leute halt so kennt ...«, äffte er anschließend Rogers hinterher. »Du rufst mich an, fragst mich, ob ich innerhalb einer Stunde reisefertig und am La Guardia sein kann. Ich Trottel sage ja, und jetzt fliegen wir schon seit vier Stunden, und ich weiß immer noch nicht, worum es geht! Nur den Namen >Lionel Listen< nennst du ab und zu und so leise wie einen Geheimtipp beim nächsten Pferderennen. Was soll das alles? Deine Flugangst in Ehren, lange genug hab’ ich darauf Rücksicht genommen, aber jetzt solltest du endlich Farbe bekennen. Wir landen in weniger als einer halben Stunde.«

»Landen? Ogottogott!«

»Wenn dir Fallschirmspringen lieber ist ...?«

»Idiot!«

»Na endlich«, meinte Reiniger. »Du findest wieder zu dir. Wer ist Lionel Lister?«

Rogers bedachte Reiniger mit einem umflorten Blick. »Du gibst wohl nie auf, eh?«

»Hättest du mich sonst mitgenommen? Gratis? Oder besser gesagt, auf Kosten von irgendwem? Nur so zum Spaß?«

»Du wirst schon auf deinen Schnitt kommen«, brummte Captain Toby. Seine Grammatik war nicht einwandfrei, die Aussage dennoch klar. »Wer wüsste inzwischen nicht mehr, dass du der am besten bezahlte Privatbulle der Ostküste bist.«

In Rogers' Feststellung nistete Neid. Ganz einwandfrei.

»Lister!«, insistierte Reiniger weiter. »Und jetzt bitte keine Ausreden mehr. Ich hatte mehr als vier Stunden Geduld mit dir. Mehr, als ich je jemandem anderen einräumen würde.«

»Willst du mir auf meine alten Tage noch ein paar Schuldkomplexe aufladen?«

»Du brauchst nur zu reden, Honey-Boy.«

Unter der Boeing 727 breitete sich inzwischen die Wüste von Nevada aus. Nicht das geringste Anzeichen von schneebedeckt oder gar verschneit. Die Berge lagen nackt wie Marylin Monroe in ihren totgeschwiegenen Pornofilmen unter dem Flieger.

»Ja, das ist so«, begann Toby Rogers endlich. »Lionel Lister. Ich hab ihn bei mir immer nur den >Lion< genannt. Den >Löwen<. Wenn du ihn siehst, wirst du wissen, warum.«

Reiniger schwieg. Toby Rogers fuhr fort.

»Siehst du, Bount, vor einigen vielen Jahren war alles noch ein wenig anders bei uns. Was heißt war? Ist doch immer noch! Bei uns in New York gelten die Betreiber von Spielkasinos als kriminelle Elemente. Meist stimmt das ja auch. Aber einigen von ihnen hat Las Vegas damals eine legale Existenz geboten. Sie haben sie ergriffen. Kann ich etwa was für unsere Gesetze?«

Captain Rogers konnte nicht. In diesem Punkt war Reiniger mit ihm einig.

»Weiter, Toby.«

»Las Vegas«, wiederholte Rogers, »hatte ihnen eine legale Existenz geboten. Sie galten wieder als geachtete Mitglieder der Gesellschaft und konnten sich neu in die Gemeinschaft eingliedern. Sie waren keine >Outcasts< mehr, keine Ausgeschlossenem. Und siehst du, unter der Ägide von Leuten wie Lion ist Las Vegas das geworden, was es heute ist: Eine von Verbrechen saubere Stadt. Allein in der Lexington Ave registrieren wir in einem Monat mehr Raubüberfälle als Vegas in einem Jahr. Unter dem Einfluss von Männern wie Lion Lister entwickelte sich Las Vegas zu einer geordneten, dem Gesetz unterstellten Gemeinschaft, unabhängig der verkommenen Spieler aus aller Welt, die meist schleunigst wieder abgeschoben werden, sobald man sie erkennt. Es entstanden Schulen und Kirchen, zwei Universitäten, der Fremdenverkehr nahm ungeahnten Aufschwung. Und Lion ist einer jener Pioniere, die das alles bewerkstelligt haben. Ich habe alle Achtung vor ihm. Er ist auch ein Freund.«

»Du willst mir nicht sagen, wie das kam?«

Rogers zuckte die Schultern. Plötzlich sah er abgekämpft und müde aus.

»Die alte banale Story, Bount«, sagte er dann. »Er hat mir das Leben gerettet. Ich war noch ein junger Spund damals. Nahm an einer Razzia teil. Es ging ausgerechnet darum, einen unkonzessionierten Spielklub in Manhattan auszuheben, der schon damals in Nevada stocklegal gewesen wäre. Aber du kennst das ja. In New York gibt’s keine Todesstrafe mehr. Und fährst du durch den Holland Tunnel rüber nach New Jersey, spritzen sie die Leute mit Gift ins Jenseits. Was soll man als Cop schon davon halten? Den Kopf in den Gasofen stecken, eh? Herrgott! Soll ich etwa Präsident Ford einen Gauner nennen, weil er Nixon begnadigt hat? Oder einen Bankier einen Dieb, weil er mit seiner Bank bankrott machte? Oder eine Firma, die Personalkredite gibt, ein Wucherunternehmen? So wie unser Staat das Rentensystem handhabt, in etwa?«

Darauf war schwerlich was zu sagen. Bount Reiniger huldigte ja selbst der Anschauung, dass keineswegs nur im Shakespeares »Staate Dänemark« etwas faul war. Besonders die USA standen ihm da in nichts nach. Die unselige Allianz zwischen Politik und Korruption war schließlich schon sprichwörtlich geworden.

Toby Rogers fuhr leiser fort: »Wir rückten also dort an, ich weiß es noch so gut wie heute. In einer piekfeinen Privatwohnung an der Park Avenue war das. Lion arbeitete an einem Roulettetisch. Um ihn herum lauter Großkotze aus der sogenannten besten Gesellschaft und ihre Huren. Und einer dieser Großkotze fühlte sich eben big genug, einen Revolver zu ziehen und auf mich zu schießen. So nach dem Motto: Daddy wird’s schon richten. Und ich war ja auch nichts als ein kleiner, mickriger City-Bulle.«

»Und dürr wie ein unterernährter Hering«, warf Reiniger ein, doch Rogers hatte offenbar nicht hingehört, denn er vollführte eine wegwerfende Handbewegung.

»Der Knabe kam nur zu diesem einen Schuss, weil ihm Lion von hinten einen Schlagring über den Schädel zog.« Beinahe bekam Captain Toby vor Rührung

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