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Sieben Morde für Bount Reiniger - Sieben Kriminalromane

Sieben Morde für Bount Reiniger - Sieben Kriminalromane

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Sieben Morde für Bount Reiniger - Sieben Kriminalromane

Länge:
905 Seiten
11 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
27. Juni 2019
ISBN:
9783743823303
Format:
Buch

Beschreibung

Sieben Krimis von Alfred Bekker , Glenn Stirling und Alfred Wallon

Der Umfang dieses Buchs entspricht 800 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende sechs Romane:

Glenn Stirling: Wegen erwiesener Unschuld
Alfred Bekker: Der Killer, dein Freund und Helfer
Alfred Bekker: Der Killer von Manhattan
Alfred Wallon: Terror an Bord
Alfred Wallon: Kampf um schwarzes Gold
Alfred Wallon: Der letzte Auftrag
Alfred Wallon: Eine Falle für Toby Rogers

Fünf Jahre unschuldig hinter Gittern! Als Rory O′Neill wegen erwiesener Unschuld entlassen wird, gibt es in ihm nur noch Hass auf all diejenigen, die ihn mit Intrigen und falschen Aussagen ins Gefängnis gebracht haben. Bount Reiniger versucht, ihn von der tödlichen Rache abzuhalten. Doch O′Neill ist nicht zu bremsen, trotz aller Bemühungen bleibt eine Spur aus Blut und Leichen hinter ihm zurück. Reiniger muss sein eigenes Leben in die Waagschale werfen, und trotzdem ist es der Erfolg höchst zweifelhaft.


Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.
Herausgeber:
Freigegeben:
27. Juni 2019
ISBN:
9783743823303
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Sieben Morde für Bount Reiniger - Sieben Kriminalromane - Alfred Bekker

Sieben Morde für Bount Reiniger (N.Y.D. - New York Detectives)

Sieben Krimis von Alfred Bekker , Glenn Stirling und Alfred Wallon

Der Umfang dieses Buchs entspricht 800 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende sechs Romane:

Glenn Stirling: Wegen erwiesener Unschuld

Alfred Bekker: Der Killer, dein Freund und Helfer

Alfred Bekker: Der Killer von Manhattan

Alfred Wallon: Terror an Bord

Alfred Wallon: Kampf um schwarzes Gold

Alfred Wallon: Der letzte Auftrag

Alfred Wallon: Eine Falle für Toby Rogers

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors; Cover: Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Wegen erwiesener Unschuld: N. Y. D. - New York Detectives

Krimi von Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buchs entspricht 157 Taschenbuchseiten.

Fünf Jahre unschuldig hinter Gittern! Als Rory O′Neill wegen erwiesener Unschuld entlassen wird, gibt es in ihm nur noch Hass auf all diejenigen, die ihn mit Intrigen und falschen Aussagen ins Gefängnis gebracht haben. Bount Reiniger versucht, ihn von der tödlichen Rache abzuhalten. Doch O′Neill ist nicht zu bremsen, trotz aller Bemühungen bleibt eine Spur aus Blut und Leichen hinter ihm zurück. Reiniger muss sein eigenes Leben in die Waagschale werfen, und trotzdem ist es der Erfolg höchst zweifelhaft.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Sie stand vor ihrer Frisiertoilette, barfuß bis zum Kinn, räkelte sich vor dem Spiegel und betrachtete ihren wohlgeratenen Körper und die über die Schultern wallende rotblonde Mähne. Sie wusste, dass sie schön war und fühlte sich großartig.

Jeffs Nähe erfüllte sie mit prickelnder Erregung. Im Spiegel sah sie, wie er sich von der Bettkante aus vorbeugte und die Hände ausstreckte, um ihre nackten Schenkel zu streicheln. Sie betrachtete seinen athletisch gebauten Körper, das kurzgeschnittene blonde Haar, das gebräunte kantige Gesicht. Alles an ihm wirkte sehr männlich, und sie wusste besser als andere, dass dies nicht nur äußerlich war.

Ihr wurden die Knie weich, als seine Hände liebkosend höher wanderten, und sie genoss seine Zärtlichkeit mit steigender Wollust.

Plötzlich läutete das Telefon.

Verdammt!, dachte sie. Wie konnte ich nur vergessen, es auf Summton umzustellen!

Das penetrante Läuten wiederholte sich. Joan spürte, wie seine streichelnden Finger sich von ihren Schenkeln zurückzogen. Sie sah im Spiegel, wie er sich seufzend aufrichtete und mürrisch nach dem Telefonhörer angelte.

„Was gibt’s denn?", fragte er unwillig.

Eine Weile hörte er sich an, was der Anrufer zu sagen hatte. Eine steile Falte bildete sich auf seiner Stirn. „Heute Mittag schon?, fragte er dann. „Weiß er’s? ... Noch nicht? ... Ist der Anwalt unterrichtet? ... Dieser Vollidiot! ... Keine Sorge, ich passe schon auf ... Okay, ich kümmere mich um ihn ... Bis später!

Er legte auf und wandte sich Joan zu, die ihn fragend ansah. Sein Gesicht wirkte wie versteinert.

„Rory wird heute Mittag freigelassen, sagte er mit spröder Stimme. „Er weiß es noch nicht, aber innerhalb der nächsten zwei Stunden wird er’s vom Gefängnisdirektor erfahren. Wütend schlug er mit der Faust auf die Nachttischkante. „Dieser Mistkerl hat also tatsächlich den Beweis erbringen können!"

„Von wem sprichst du?" Joan sah ihn verwirrt an.

Er lachte wütend. „Stell’ dich nicht dümmer, als du bist, Baby! Wie oft habe ich dir schon verklickert, dass Rorys Anwalt diesen Schnüffler, diesen Reiniger, eingeschaltet hat. Damals hat es der Rechtsverdreher nicht geschafft, Rory rauszupauken. Mamas Liebling wurde verknackt. Aber Reiniger, dieser Hurensohn, hat nicht aufgehört, im Dreck zu wühlen, um Rorys Unschuld zu beweisen. Jetzt hat er’s geschafft. Aldo liegt im Krankenhaus, Krebs, letztes Stadium. Er hat alles gestanden. Kunststück! Ihn wird keiner mehr einlochen. Rory ist frei, und wie du weißt, hat er uns allen Rache geschworen.

Ich wette, dass er bei dir auftaucht. Schließlich warst du sein Mädchen. Vermutlich weiß er nichts von uns beiden, aber er wird dich fragen, warum du ihn seit zwei Jahren nicht mehr besucht hast. Vielleicht hat er auch Wind davon bekommen, dass ich seine Nachfolge bei dir angetreten habe."

Ihr war, als erstarre sie innerlich zu Eis. Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Rory war frei! Sie kannte seine Eifersucht und wusste, wie temperamentvoll er war. „Mein wilder Junge", hatte sie ihn früher manchmal genannt.

Sie hätte ihn durch ihre Aussage jederzeit aus dem Gefängnis holen können, wäre imstande gewesen, eine Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen. Denn sie kannte den wahren Mörder; sie hatte von Anfang an gewusst, dass Aldo den Bankboten erschossen und ausgeraubt hatte.

Eine Million Lohngelder hatten sie erbeutet! Das Geld war nie gefunden worden. Inzwischen war es längst verbraucht.

Aus Angst vor Aldo und seinen Freunden hatte sie geschwiegen. Nicht nur aus Angst. Da waren einige Dinge in ihrer Vergangenheit gelaufen, über die sie nicht gern sprach, an die sie nicht erinnert werden wollte. Wenn diese Geschichten hier in New York publik wurden, war es um ihren guten Ruf geschehen; man würde sie vom Podest des erfolgreichen Showstars stürzen und in den Sumpf der Armut zurückstoßen. Niemand wusste besser als sie, was das bedeutete.

Jetzt war sie Jeffs Freundin. Sie liebte ihn. Und hing an ihm. Es gab keinen Mann, der ihr jemals mehr bedeutet hätte als er. Jeff steckte mit seiner Agentur für Models und Entertainer ganz groß im Showgeschäft. Dass er vor vier Jahren noch ein ganz schwerer Junge gewesen war, wusste hier kaum jemand; so mancher Künstleragent hatte eine ähnliche Karriere hinter sich.

„Joan", hörte sie ihn eindringlich sagen, „er wird todsicher zu dir kommen, aber zuallererst wird er Jagd auf Aldos Freunde machen. Ich habe damals in San Francisco gegen ihn ausgesagt, nicht nur geschwiegen wie du. Das wird er mir nie verzeihen. Trotzdem dürfen wir nicht gleich durchdrehen.

Erstens ist er noch gar nicht raus aus dem Knast, zweitens muss er erst mal nach New York kommen. Sein Anwalt macht sich Sorgen um den lieben Rory, wusste mein alter Freund Turski zu berichten, und will erneut den Schnüffler Reiniger einschalten, und der sitzt bekanntlich in New York. Er soll auf Rory aufpassen.

Hast du das begriffen, Joan? Rory kommt nach New York. Er weiß also, dass wir hier sind, zumindest, dass du hier bist. Er will also zu dir."

„Jeff, ich habe wahnsinnige Angst!", stieß Joan hervor und griff nach ihrem Negligé, als könnte es sie vor der Kälte schützen, die in ihr hoch kroch.

Jeff nickte. „Ich glaube, du hast allen Grund, ängstlich zu sein. Er lächelte aufmunternd. „Aber schließlich bin ich auch noch da. Ich passe schon auf dich auf, Kleines. Und Rory lege ich aufs Kreuz, diesmal endgültig.

Sie klammerte sich an ihn wie eine Ertrinkende und zitterte am ganzen Körper.

2

„Irren ist menschlich, sagte der Gefängnisdirektor und schaute Rory O’Neill durch seine dicken Brillengläser an. „Der wirkliche Täter hat gestanden. Aldo Massini ist aber nicht haftfähig. Die Ärzte geben ihm noch drei Monate. Vermutlich wird es nicht mal einen Prozess geben. Was Sie angeht, O’Neill, so bekommen Sie eine Entschädigung für die fünf Jahre. Mehr ist nach dem Gesetz nicht drin. Tut mir leid, tut mir wirklich leid für Sie. Ich bin nicht das Gericht. Ich kann Sie jetzt nur entlassen.

Rory O’Neill, der noch die Anstaltskleidung trug, starrte den Gefängnisdirektor fassungslos an. Fünf Jahre unschuldig im Knast. Er hatte es ihnen immer wieder gesagt, hatte seine Unschuld beteuert! Fünf herrliche Jahre seines Lebens hatten sie ihm gestohlen.

Der Gefängnisdirektor räusperte sich. Man sah ihm an, wie unbehaglich er sich in seiner Haut fühlte. „Sie bekommen Ihre Sachen, O’Neill, und natürlich auch Ihren Verdienst in den fünf Jahren. Die Entschädigung geht auf ein vom Anwalt benanntes Konto. Das ist dann auch Sache des Gerichts. Sie können innerhalb einer Stunde das Haus verlassen, O’Neill."

Rory hörte kaum zu. Er sah in der Scheibe des Fensters sein Spiegelbild, das kurzgeschnittene Haar auf dem kantigen Kopf, das braungebrannte Gesicht, den muskulösen Hals. Kräftig und muskelbepackt war auch sein Körper. Die letzten drei Jahre hatte er im Außencamp als Holzschäler gearbeitet, bei Sonne, Wind und Wetter. Das hatte seinen Körper gestählt, seine Haut wie Leder gegerbt.

Aber seine Gedanken waren nicht bei seiner körperlichen Verfassung, sondern kreisten unablässig um die Tatsache, dass er fünf Jahre seines jungen Lebens unschuldig hinter Gittern verbracht hatte.

Er empfand nicht die geringste Genugtuung darüber, dass sich seine Unschuld nun endlich herausgestellt hatte. Jetzt nicht mehr. Vor fünf Jahren hätte er triumphiert, aber jetzt war alles in ihm wie ausgebrannt.

Der Direktor sprach weiter: „Ein Detektiv, den Ihr Anwalt engagiert hatte, ist hinter alles gekommen. Aber das kann Ihnen Ihr Anwalt selbst sagen. Er holt Sie gleich ab."

„Ich habe immer gesagt, dass ich unschuldig bin", murmelte Rory.

Der Direktor nickte. „Richtig. Aber sehen Sie, O’Neill, das sagen hier neunzig von hundert Leuten. Ich bin nicht die Polizei, nicht die Staatsanwaltschaft, nicht das Gericht. Ich habe dafür zu sorgen, dass Verurteilte den Vorschriften entsprechend untergebracht werden. Hat man Sie gut behandelt? Haben Sie irgendwelche Klagen? Sie sollten kein Blatt vor den Mund nehmen."

Keine Klagen, dachte Rory bitter. Sie haben sich immer an ihre verdammten Vorschriften gehalten. Den Schlangenfraß haben alle bekommen, sogar die Wärter, sofern sie im Knast ihre Mahlzeiten einnahmen.

„Nein, keine Klagen", sagte er wortkarg, wie er immer gewesen war.

Er drehte sich um und verließ schweigend den Raum. Kein Blick zurück im Zorn auf diejenigen, die nur taten, was man von ihnen verlangte.

Der Wärter, der ihn hergebracht hatte, schien Bescheid zu wissen. „Ich bringe Sie jetzt zur Ausgabe, Mister O’Neill", sagte er. ,Mister' nannte er ihn. Auf die Idee war der Direktor nicht gekommen.

Duschen, Kleiderwechsel. Der Anzug, in dem er eingeliefert worden war, spannte über den breiter gewordenen Schultern. Er bekam sein Geld für die geleistete Arbeit, unterschrieb die üblichen Formulare und wurde durch den sogenannten Empfangsraum geleitet, den er nie kennengelernt hatte, weil er, wie alle Gefangenen, per Transporter durchs Tor eingeliefert worden war. Als freier Mann durfte er das Tor zu Fuß passieren.

Sein Anwalt wartete auf ihn. Murphy war klein und hatte schütteres graues Haar, das die sich ausbreitende Glatze nur spärlich bedeckte. Aber sein energisches Gesicht Verriet den Kämpfer. Rory wusste, dass seine Verurteilung nicht die Schuld oder das Versagen des Anwalts gewesen war. Murphy hatte nie aufgegeben, auch dann nicht, als Rory resigniert hatte und alle Hoffnung fahren lassen wollte.

Ein fester Händedruck wie unter Freunden; keine großen Worte. Der kleine Anwalt nahm den großen Rory wie ein Kind am Arm und führte ihn hinaus. Draußen wartete Murphys farbiger Chauffeur mit dem silbergrauen Jaguar. Sie stiegen ein, und auf eine Handbewegung hin ließ der Fahrer die Limousine anrollen.

Rory lächelte verkrampft, und Murphy sagte mit sanfter Stimme: „Sie sind raus, mein Freund. Das ist der erste Schritt. Der zweite führt uns zur Entschädigungssumme. Mehr als zweiundzwanzigtausend sind nach den Gerichtssatzungen nicht drin. Aber Aldo Massini war kein Einzelgänger. Die Zeugen, die gegen Sie einen Meineid geschworen haben, stehen mit ihm in enger Verbindung. Sie sind alle in New York."

„Und Joan? Ich habe gehört, sie ist auch in New York. Soll eine berühmte Schauspielerin geworden sein."

Murphy verzog das Gesicht. „Schauspielerin ist geprahlt, würde ich sagen. Sie ist ein Showgirl, singt und tanzt, und zeigt vor allem viel Haut. Da sie von der Natur verschwenderisch ausgestattet wurde, brauchte sie nicht viel mehr zu tun, um Karriere zu machen. Was nun Ihre Beziehung zu Joan angeht, Mister O’Neill, so muss ich dazu folgendes sagen: Diese Frau ist kein Umgang mehr für Sie.

Ich werde Ihnen nachher einen Mann vorstellen, der extra aus New York gekommen ist, weil ich ihn darum gebeten habe. Ihm verdanken Sie, dass der wahre Täter entlarvt wurde. Er heißt Bount Reiniger und ist ein Privatdetektiv der Spitzenklasse. Er hat für Sie und für mich einige interessante Fakten ermittelt, die er Ihnen selbst erklären soll.

Was Sie selbst angeht, Mister O’Neill, so können Sie nur einen einzigen fatalen Fehler machen: Nach New York fahren und dort den Rächer der Enterbten spielen. Außer einer totalen Bauchlandung würden Sie sich auch noch um alles bringen, vermutlich sogar um Ihr Leben."

„Erklären Sie mir eins genauer, Mister Murphy. Rory sah seinen Anwalt finster an. „Was ist mit Joan? Hat sie wirklich was mit Jeff Billinger? Ich habe im Gefängnis so was läuten hören.

Murphy nickte. „Hat sie. Er ist so etwas wie ihr Manager – und mehr als das."

Rory atmete tief durch und ballte die Hände zu Fäusten. Schwielige, breite Fäuste waren das, die zupacken konnten.

Murphy erriet die Gedanken seines Mandanten. „Nein, mein Freund, so nicht! Geld! Das trifft sie mehr. Wir werden es aus ihnen herausholen, Dollar um Dollar. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, Ihnen insgesamt eine halbe Million zu beschaffen. Aber das setzt voraus, dass Sie auf keinen Fall in New York aufkreuzen. Überlassen Sie alles Reiniger und mir."

Rory gab keine Antwort. Billinger, dachte er bitter. Er hat vor Gericht gelogen. Sein Kumpan Turski auch. Und Joan hat vielleicht doch etwas gewusst, und dennoch nicht ausgesagt. Damals hatte sie die ahnungslose Ehefrau gespielt und war nicht vereidigt worden. Und sie hatte weiter geschwiegen. Billinger hatte sie damals schon gut gekannt, und jetzt schlief er ungeniert mit ihr. Deshalb war sie seit Jahren nicht mehr gekommen. Ihre Treueschwüre nach seiner Verurteilung waren einen Dreck wert gewesen.

Er bekam Magenkrämpfe, wenn er nur daran dachte, dass Joan es mit einem anderen, mit diesem Billinger, trieb. Ausgerechnet mit diesem Mistkerl.

„Turski ist noch in San Francisco", sagte Murphy. „Er hat sein Immobiliengeschäft sofort nach dem Ende des Prozesses stark vergrößert. Vermutlich mit einem Teil des geraubten Geldes. Aldo Massini, der wirkliche Mörder, stirbt als reicher Mann. Den Grundstock hat er sich vermutlich ebenfalls von seinem Beuteanteil gelegt. Mit dieser Starthilfe lief seine Kneipe wie geschmiert. Jetzt besitzt er in New York sieben Lokale. Der schwerverletzte Begleiter des ermordeten Geldboten ist an den Rollstuhl gefesselt. Außerdem haben sie ihn rauschgiftsüchtig gemacht. Aldo Massini hat auch das gestanden. Der Mann würde uns nicht helfen können. Die Versicherungssumme, die er damals bekommen hat, wurde längst für Heroin verpulvert. So sieht es aus, aber wir holen uns alles, was sie besitzen! Das trifft diese Geier schlimmer als ein Prozess.‟

Rory hörte es wie durch eine Nebelwand. „Und warum haben sie mich zum Mörder gestempelt?‟, fragte er mit spröder Stimme.

Murphy lachte wütend. „Ganz einfach. Billinger wollte Joan und Ihr Geschäft haben, Rory. Er hat innerhalb von zwei Wochen alles verhökert. Das kam dann zu seinem Startkapital hinzu."

Rory O’Neill knirschte mit den Zähnen. „Auf den Knien wird sie vor mir kriechen, die treulose Schlampe! Ja, auf den Knien!"

Murphy dachte immer noch nur an Geld. „Bei ihr ist das Wenigste zu holen, Rory. Sie verdient gegenwärtig zwar recht gut, aber sie verfügt längst nicht über solche Mittel wie Billinger, Turski und Massini."

Der Anwalt hatte seinem Chauffeur ein gutes Restaurant als Ziel angegeben. Dort aßen sie fast zwei Stunden lang. Gesprochen wurde wenig. Erst als sie in Murphys Kanzlei auf Bount Reiniger trafen, wurde es lebhafter. Der sportlich und durchtrainiert wirkende Detektiv erklärte Rory die Zusammenhänge und berichtete, wie es ihm gelungen war, Aldo den Mord an dem Geldboten und die Schuld an der schweren Schussverletzung von dessen Begleiter nachzuweisen, und den todkranken Mörder zu einem lückenlosen Geständnis zu bringen. Lange, harte Arbeit war das gewesen, aber letzten Endes war sie von Erfolg gekrönt.

Rory und Bount Reiniger verstanden sich auf Anhieb, allerdings teilte Bount die Ansicht des Anwalts nicht, dass Rory sich mit dem Geld begnügen würde.

Als Rory einmal auf die Toilette gegangen war, kam es zwischen Anwalt und Detektiv zu einem vertraulichen Gespräch.

„Er hat’s begriffen, Bount, sagte Murphy leise. „Ich hole für ihn eine halbe Million aus dem Pack heraus, und er hält still.

Reiniger zündete sich eine Pall Mall an und lehnte sich zurück. „Ich fürchte, da liegst du völlig schief, Ken. Er hat keineswegs vor, die Hände in den Schoß zu legen und dich machen zu lassen. Er will seine Rache heiß genießen."

„Das wäre doch hirnverbrannt", ereiferte sich Murphy.

Reiniger grinste. „Aus deiner Sicht, Ken. Aber mit Vernunftargumenten allein kann man solche Dinge nicht lösen. Willst du, dass ich mich um ihn kümmere? Eine verdammt schwere Aufgabe. Er will seine Rache. Das Geld interessiert ihn nicht die Bohne. Er will die Frau in die Knie zwingen und Billinger und Turski erledigen. Wenn du das nicht herausgehört hast, Ken, dann bist du taub."

„Glaubst du? Murphy schüttelte zweifelnd den Kopf. „Er wäre doch total verrückt. Wenn er das tut, bekommt er keinen Cent, und strafbar macht er sich auch noch.

„Lass mich mal ein paar Minuten mit ihm allein. Geh dir die Hände waschen und lass mich mit ihm reden. Ich glaube, bei mir packt er eher aus, als bei dir." Rory kam zurück, und wenige Minuten später ließ Murphy ihn mit Bount Reiniger allein.

Murphys Sekretärin servierte ihnen Kaffee, und Bount entging der Blick nicht, den Rory auf ihre wohlgeformten Beine warf. Fünf Jahre Knast, dachte Bount, da gibt es einen ziemlichen Nachholbedarf.

Als die beiden Männer wieder allein waren, sagte O’Neill: „Mister Murphy glaubt, ich tue, was er will. Er meint es gut und würde dabei auch nicht schlecht verdienen, aber mir genügt das nicht. Ich will Joan zur Rede stellen, und ich will mir Jeff und Turski vorknöpfen. Die beiden Dreckskerle haben mich bewusst belastet. Geld interessiert mich nicht."

Genau das hatte Bount Reiniger von ihm erwartet. „Sie würden sich die Finger verbrennen, Rory, versuchte er es trotzdem. „Billinger ist kein Schwachkopf. Er weiß, dass Sie stocksauer auf ihn sind. Ich gehe jede Wette mit Ihnen ein, dass er bereits von Ihrer Entlassung weiß. Da sitzen garantiert ein paar Stinker in den Gerichten, die Turski einen Gefallen tun, und Billinger wiederum ist nicht der Typ, der darauf wartet, dass Sie was tun, Rory. Der greift lieber an.

„Soll er doch! Ich habe für alles, was kommt, meine Strafe bereits abgesessen. Billinger ist mein Mann, und Joan kommt mir auch nicht ungeschoren davon. Er erhob sich und fügte grinsend hinzu: „Sie haben sich viel Mühe gegeben, Bount. Vielen Dank! Und Mister Murphy ist auch ehrlich bemüht, mir zu helfen.

„Nichts zu danken, Rory. Das ist mein Beruf. Murphy hat mir einen Auftrag erteilt und die Bucks springen lassen. Sie wollen gehen?"

Rory nickte. „Ich habe ein paar Besorgungen zu machen. Es wäre sinnlos, mich zu beschatten, Bount. Ich führe immer durch, was ich mir vorgenommen habe."

Bount Reiniger nickte, als hätte er nichts anderes erwartet. „Also in New York? Heute noch?"

Rory O’Neill grinste nur, aber Bount war das Antwort genug. Rory verschwand, und Murphy kam zu spät zurück, um etwas dagegen unternehmen zu können.

„Du hättest ihn nicht weglassen sollen, Bount!", rief er vorwurfsvoll von der Tür aus.

Reiniger zuckte die Achseln. „Sehe ich aus wie ein Kindermädchen?"

„Der Mann ist in Lebensgefahr!" Murphy raufte sich das spärliche Haupthaar.

„Weiß ich, Ken, und er weiß es auch. Sollte ich ihn festbinden? Ich habe dir den wahren Mörder geliefert. Meine Maschine nach New York geht in zwei Stunden. Den Weg hierher hätte ich mir sparen können. Rory wird ebenfalls nach New York fliegen. Ich hätte ihm dort alles verklickern können. Ich nehme an, die siebzehnhundert Bucks gibst du mir in bar. Ich möchte dafür nicht auch noch Steuern bezahlen."

Murphy sah seine Felle davonschwimmen. Er hatte O’Neill nicht nur aus reiner Nächstenliebe geholfen. Es ging um eine Menge Geld, das er ohne weiteres aus den Beteiligten herausgeholt hätte. Aber dafür hätte O’Neill sich an die Spielregeln halten müssen.

„Dieser Narr macht sich und mir alles kaputt, knurrte der Anwalt wütend. „Du musst das verhindern, Bount. Ich beauftrage dich damit.

Bount, der bereits aufgestanden war, ließ sich wieder in den Sessel sinken. „Wie stellst du dir das vor, Ken? Soll ich ihn kidnappen? Oder ihm eine Betäubungsspritze verpassen? Wir sind doch nicht beim Film, Mann. Er ist ein erwachsener Mensch, und ich bin kein Polizist. Ich warne auch niemand. Schon gar nicht Typen wie Billinger und Turski. Was sollte ich also tun, außer mir jetzt von dir mein Honorar geben zu lassen?"

Murphy schlug mit der Faust auf den Tisch, dass die Kaffeetassen schepperten. „Ich will, dass du in seiner Nähe bleibst und verhinderst, dass er Blödsinn macht. Mit seiner beschissenen Rache macht er sich doch alles kaputt! Sie sperren ihn wieder ein, und es kommt kein müder Cent rüber. Du sollst in seiner Nähe bleiben, und das zu dem üblichen Satz, den wir vereinbart haben. Das ist ein Auftrag, Bount!"

„Ich höre nicht schlecht, Ken. Also, brüll’ nicht so! Wenn es ein Auftrag ist, dann die siebzehnhundert fürs Herkommen und fünf Mille als Anzahlung für die Beschattung, klar?"

Murphy ging das runter wie Lebertran. „Deine Geldgier ist bemerkenswert", stellte er mürrisch fest.

Bount Reiniger zuckte mit den Schultern. „Danke, gleichfalls, Ken. Sobald du geblecht hast, knöpfe ich mir Turski vor."

„Guter Gedanke." Murphy schrieb den Scheck aus, und Bount schob ihn achtlos in die Innentasche seiner Lederjacke.

Murphy musterte seinen langjährigen Freund eine Weile und bemerkte trocken: „Muss dich noch mal genau anschauen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dich womöglich nicht so frisch und munter wiederzusehen. Die werden O’Neill aufs Kreuz legen, bevor er überhaupt weiß, wo sie stecken. Und dich werden sie auch nicht mit Glacéhandschuhen anfassen."

Er seufzte. „Vielleicht sollte ich diesen O’Neill einfach in sein Unglück rennen lassen. Dann brauchst du nichts für ihn zu riskieren."

Bount Reiniger lachte spöttisch. „Wenn ich dich nicht so gut kennen würde, Ken, käme ich vielleicht auf die Idee, du meintest es wirklich ernst. Aber für dich stecken zweihundert Mille drin, und ich weiß, dass du dir nie etwas durch die Lappen gehen lässt, was du sicher zu haben glaubst. Also, Alter, pass du auch gut auf dich auf! "

„Hatte ich erwähnt, dass du mit zwanzig Prozent beteiligt bist, wenn es so läuft, wie ich es geplant habe?"

„Hast du nicht, aber ich hab’s nunmehr vernommen, Ken."

Er war schon an der Tür, als Murphy ihm besorgt nachrief: „Lass dich nicht unterbuttern, Bount!"

„Bestimmt nicht, wenn es sich vermeiden lässt", erwiderte Bount Reiniger trocken, dann war er draußen. Den sehnsüchtigen Blick von Murphys hübscher Sekretärin bemerkte er nicht.

Stattdessen fiel ihm ein etwa fünfzig Schritt entfernt parkender Chevy auf, in dem zwei Männer saßen. Es war der einzige geparkte Wagen mit Insassen. „Na wenn das keine guten Freunde sind", murmelte Bount und winkte ein Taxi herbei.

Kaum saß er drin, da setzte sich der blaue Chevy in Bewegung.

Hab ich’s doch geahnt, dachte Bount und sagte zum Taxifahrer: „Gordon’s Hole. Eile ist nicht nötig, ich habe Zeit. Aber keine Umwege, Sportsfreund. Ich kenne den Weg!"

Der Fahrer, offenbar ein Mexikaner, knurrte etwas und ließ sein Cab mit vierzig Meilen durch die Straßen zuckeln. Der Chevy blieb hinter ihnen, allerdings in respektvollem Abstand. Bount drehte sich um und betrachtete den Wagen und seine Insassen, dass es auffallen musste. Als sie es merkten, vergrößerten sie den Abstand.

Auf der breiten vierspurigen General Sheridan Avenue drehten die Brüder mit dem Chevy plötzlich auf und gingen auf die Überholspur.

Bount sah nach vorn, entdeckte rechts eine schmale, asphaltierte Seitenstraße und sagte scharf: „Dort, die nächste rechts rein! Los, rechts jetzt! Nun mach schon, Amigo!"

Der Mexikaner kapierte erstaunlich schnell und zog seinen Wagen genau in dem Augenblick herum, als der Chevy schräg hinter ihnen war.

Bount sah die Mündung einer Maschinenpistole an der Unterkante des geöffneten Beifahrerfensters, dann das Gesicht des Beifahrers, und damit war alles klar. Das Aufblitzen der Schüsse kam zu spät. Das Taxi war bereits in der Seitenstraße, und die Geschosse pfiffen weit am Cab vorbei. Als der Chevy stoppte, hatte er die Gelegenheit zum Einbiegen verpasst.

Zufrieden erkannte Bount, dass zu viel Verkehr herrschte, um zurücksetzen zu können. Der Chevy fuhr zögernd an, dann raste er davon.

Der Mexikaner hielt, drehte sich zu Bount um und keuchte: „Was war das, Mann? Da hat doch einer auf meinen Wagen geschossen!"

„Schießen wollen, Amigo! Und jetzt die nächste rechts, dann wieder rechts und zurück auf die General Sheridan in die Richtung, aus der wir gekommen sind."

„He, Mister, bevor ich meine Karre auch nur einen Zollbreit in Bewegung setze, will ich wissen, was das soll! Oder muss ich über Funk die Kameraden von der Streife anpeilen?"

„Die geschossen haben, waren Gangster, Amigo! Wirf einen Blick auf meine Lizenz und nimm dann Kurs auf Blankport Nummer 14."

„Mensch, du bist ein Schnüffler? Und auch noch einer aus New York? Wieso schießen die hier in Frisco auf dich?"

„Die schießen noch ganz woanders auf mich. Und jetzt ab die Post, sonst erleben wir den Budenzauber noch mal!"

3

Turskis Immobilienagentur im Blankport 14 war in fünf Jahren zu einer richtigen Organisation angewachsen. Das gesamte riesige neue Gebäude gehörte Turski. Ganz oben im 10. Stock hatte er seine Wohnung. Bount Reiniger war nicht zum ersten Mal hier. Er kannte sich aus. Schließlich hatte nicht nur Aldo Massini in diesem Schmierenstück mitgemischt.

Das Trinkgeld, das Bount dem Mexikaner gab, veranlasste den Mann, dem Wunsch seines Fahrgastes willig nachzukommen und ein Stück weiter in einer Seitenstraße auf ihn zu warten. Zudem war dort Schatten. Der ideale Platz für eine kleine Siesta.

Die Glastür öffnete sich automatisch, dann war Reiniger im Flur und ging an der verglasten Pförtnerloge vorbei auf den Lift zu. Im Lift lockerte er die Waffe in seinem Schulterholster und entsicherte sie. Ohne Ärger, das war ihm klar, würde es hier nicht abgehen. Doch das war für ihn zu alltäglich, um sich darüber Gedanken zu machen.

Er verließ den Lift im neunten Stockwerk. Bis zur zehnten Etage fuhr der Aufzug nur mit einem Spezialschlüssel. Turski wollte sich die Leute aussuchen, die ihm direkt in die Privatwohnung schneiten.

Natürlich wusste Reiniger, dass sein Besuch nicht geheimzuhalten war. Das verhinderten schon die versteckten Kameras vom Empfangsfoyer bis hin zum Lift. Noch war kein offener Krieg ausgebrochen. Falls sie noch nichts von Aldos Geständnis wussten, was Bount nach dem Feuerzauber von vorhin bezweifelte, würden sie womöglich erneut versuchen, ihn auf ihre Seite zu ziehen.

Wenn sie es wissen, überlegte Bount, dann ist Rory in akuter Gefahr, und ich bin es nicht minder. Mal sehen, was Turski oder sein Goldstück auf Lager haben.

Die Begrüßungszeremonie kannte er von seinen drei früheren Besuchen her. Erst das Vorzimmer, wo eine Eule saß, die selbst den friedlichsten Träumer verschreckt und in die Flucht getrieben hätte. Sie war etwa fünfundfünfzig, sah aus wie siebzig, und war aufgedonnert wie ein Mädchen aus dem Rotlichtdistrikt. Ihr violett gefärbtes Haar lechzte nach einer Perücke, so dünn war es. Die dicke Puderschicht verwandelte ihr Gesicht in eine von Sturm und Kälte gemarterte Gletscherlandschaft, und der knallrot gefärbte Mund sah aus wie der feuerspeiende Schlund eines Vulkans.

Sie saß stocksteif auf ihrem Stuhl, wie Roosevelt auf seinem Denkmal in Boston und starrte unverwandt auf den Bildschirm ihres Monitors, auf dem insgesamt zwölf Einzelbilder in gleich großen Rechtecken zu erkennen waren, vom Foyer, von den Fluren, den Liften – einfach dem ganzen Weg bis zu ihr.

Mrs. Mansfield hieß die Eule mit bürgerlichem Namen. Bount hatte sie Eule getauft, hütete sich aber, sie spüren zu lassen, was er von ihr hielt. Denn sie wimmelte neunzig Prozent aller Besucher bereits im Vorzimmer ab. Bount ging es da besser. Sie kannte ihn, war infolge der Kameras auch auf ihn vorbereitet, und hatte wohl auch entsprechende Anweisungen vom Chef bekommen.

„Wie schade, empfing sie Bount mit honigsüßem Lächeln, das ihm wie das Zähneblecken eines Monsters vorkam, „Mr. Turski, zu dem Sie sicher wollen, ist heute in Acapulco. Sie müssten mit Mrs. Fisher vorliebnehmen. Doch sicher ist Ihnen bekannt, dass Mrs. Fisher die Stellvertreterin vom Chef ist und weitestgehende Vollmachten hat. Bitte, gehen Sie direkt durch, Mister Reiniger! Das alles sagte sie mit dem melodischen Wohlklang einer in der Kurve quietschenden Straßenbahn. Ihre schrille Stimme hörte erst auf, seine Ohren zu beleidigen, als er die Tür nach nebenan hinter sich schloss.

In diesem Vorzimmer residierte ein Täubchen namens Rose Forbess, schön wie der lichte Morgen und freundlich, als begrüßte sie jedes Mal den liebreizendsten Mann der Welt. Von ihr wurde Bount direkt ins Allerheiligste geführt, in dem sonst Turski thronte. Jetzt aber saß auf seinem wuchtigen Stuhl eine Frau in weißem Kostüm, das einen reizvollen Kontrast zu ihrem blauschwarzen Haar bildete. Die Haut war sanft gebräunt und ließ auf häufigen Strandaufenthalt

schließen. Sie war rundum eine Schönheit. Mit etwa dreißig nicht mehr das kleine Dummerchen mit dem gläubigen Blick, sondern durch und durch eine reife Frau mit gewiss nicht unbewegter Vergangenheit. Die langen Beine hatte sie damenhaft übereinandergeschlagen. Ein Anblick, der Bount absolut nicht kalt ließ.

Er hatte sie einmal ganz flüchtig gesehen, auf dem Flur, im Dämmerlicht. Nun hatte er sie vor sich, wie auf der Bühne. Eine Augenweide, diese Olivia Fisher. Hundert Pfund Schönheit vom Feinsten.

Sie lächelte wie eine Sphinx, nickte huldvoll, als er sie salopp begrüßte, und deutete auf den Stuhl ihr gegenüber.

„Es war nicht nötig, sagte Bount Reiniger ohne Einleitung, „dass Ihr Boss auf mich schießen ließ. Ich bin ausgestiegen aus dem Fall.

Sie zog verwundert die dünnen Augenbrauen hoch und sah ihn aufmerksam mit ihren grünen Augen an.

„Wer soll auf Sie geschossen haben? Jemand von uns? Das ist ganz sicher nicht richtig." Ihre Stimme war dunkel, rauchig, eben unerhört erotisch. Bount schluckte das wie 18jährigen Whisky.

„Ja, ja, meinte er, „dann habe ich wohl nur geträumt, dass mich zwei Sonntagsschüler umlegen wollten. Halluzinationen oder Verfolgungswahn vermutlich.

Sie drückte eine Taste der Gegensprechanlage. Eine heisere Männerstimme meldete sich: „Ja, Mister Turski?"

„Hier spricht Olivia Fisher. Wieso ist auf Mister Reiniger geschossen worden? Der Boss hat es ausdrücklich verboten. Er sollte nur beobachtet werden! "

„Die beiden sind noch nicht zurück. Es hat Ärger mit den Bullen gegeben wegen der Knallerei. Sie sollten nicht schießen, das ist richtig, aber sie sollten ihn unbedingt aufhalten, wenn er abhaut. Vielleicht dachten sie …‟

Olivia Fisher drückte auf die Taste, ohne den Mann ausreden zu lassen, dann lächelte sie entschuldigend.

„Da hören Sie’s, Mister Reiniger. Man kann sich auf keinen mehr verlassen. Sind Sie sehr schnell gefahren?"

„Nur Schneckentempo", erwiderte Bount, nicht ganz wahrheitsgemäß.

„Um auf Ihre Eingangsbemerkung zurückzukommen", nahm die Schöne den Gesprächsfaden wieder auf. „Sie steigen also aus, und O’Neill ist entlassen? Ich will nicht wissen, wie Sie es geschafft haben, Aldo Massini zum Reden zu bringen, aber ich muss wissen, ob das mit dem Aussteigen Ihr Ernst ist?«

„Mein voller Ernst, und deshalb bin ich hier. O’Neill scheint ein Idiot zu sein. Murphy hat ihm geraten, mit der Abfindung irgendwo an der südlichen Ostküste neu anzufangen."

Sie nickte, als ahnte sie, wie es weitergehen würde. „Er aber will nach New York."

„Sie sollten es mal als Hellseherin versuchen, riet ihr Bount. „Genau so ist es. Aber für mich war so oder so Schluss.

„Zwanzigtausend, Mister Reiniger, fünftausend im voraus, fünf in einer Woche und der Rest, wenn alles erfolgreich abgeschlossen ist. Arbeiten Sie für uns."

Bount gab sich interessiert. „Zwanzig Mille wofür?"

„Für die Rückreise nach New York, zusammen mit O’Neill. Sie geben vor, um ihn besorgt zu sein. Sagen Sie, Sie täten es umsonst, aus reiner Nächstenliebe. Er darf keine Sekunde unbewacht bleiben, ob Sie nun dicht bei ihm sind, oder ganz in seiner Nähe. Dieser Mann will sich ganz gewiss rächen. Alles, was Sie zu tun haben, ist, ihn an seiner Rache zu hindern."

Bount Reiniger amüsierte sich königlich über Turskis Stellvertreterin. Glaubte sie im Ernst, er würde ihr diese herzallerliebste Story aus dem Sonntagsblatt abnehmen? Sie wollten O’Neill doch eiskalt umlegen. Wozu also dieser Zauber?

Vermutlich legten sie es darauf an, den Mord an O’Neill einem anderen in die Schuhe zu schieben und ihn, wie gehabt, hinter Gitter zu bringen. Ein paar saftige Meineide, einige Spuren für die Polizei, und alles lief wie geschmiert. Vielleicht wollen sie es mir anhängen, dachte Bount. Na, da müsst ihr aber früher aufstehen, Leute.

Er verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen und sagte, was sie hören wollte: „Einverstanden. Aber was soll erfolgreich abgeschlossen heißen? Ich meine, wann wollt ihr mir die zweite Hälfte zahlen? Sobald ich O’Neill umgelegt habe?"

Sie stellte sich an, als habe er einen obszönen Witz gerissen. In gut gespielter Entrüstung sah sie ihn an.

„Aber nicht doch! Das, was Aldo Massini getan hat, war ein gemeines Verbrechen. Mister Turski hat das alles erst viel später erfahren und würde eine solche Bluttat niemals billigen. Natürlich konnte er Massini als guten alten Freund nicht im Stich lassen. Aber es war ein Verbrechen. Mister Turski sagt das immer wieder mit aller Entschiedenheit. Ihre Augen sprühten Blitze, und er murmelte: „Amen. Lassen wir es mal dabei. Was meinen Sie also mit erfolgreich?

„Wenn Mister O’Neill aus New York verschwindet, für immer, und es nicht zu irgendwelchen Racheakten gekommen ist."

„Wissen Sie denn, ob er sich tatsächlich rächen will?" Bount sah sie an. Ihre Augen waren wie die einer Katze und schienen im Licht zu schillern.

„Er hat Mitgefangenen gegenüber geäußert, er werde, sollte er vorzeitig herauskommen, alle Zeugen in seinem Prozess töten. Wir wissen außerdem, dass er sich sämtliche Adressen beschafft hat, und seine frühere Freundin lebt in New York."

„Diese Freundin, wie Sie Joan nennen, ist Rory O’Neills Ehefrau. Nicht gewusst?"

Sie schüttelte den Kopf.

„O’Neill ist Ire, auch wenn er seit acht Jahren einen amerikanischen Pass besitzt, Mrs. Fisher. Und die Iren nehmen es mit der ehelichen Treue sehr genau. An seiner Frau wird er sich bestimmt rächen wollen. Ich kann versuchen, ihn davon abzuhalten. Wie viel Zeit habe ich?"

Sie dachte nach, dann kam es wie aus der Pistole geschossen: „Eine Woche, dann muss er verreisen, so oder so. Wenn er’s nicht freiwillig tut, müssen Sie eben nachhelfen."

„Wie immer Sie das meinen, ich werde es zur Zufriedenheit aller erledigen, versprach Bount und verabschiedete sich. Ihren Hinweis, dass Mrs. Mansfield ihm den Scheck ausfertigen werde, quittierte er mit der Bemerkung: „Na, das ist doch heute eine Ihrer allerbesten Ideen gewesen.

Als er das Haus verließ und nach links schwenkte, um zum wartenden Taxi in die Nebenstraße zu gehen, schoss auf einmal eine Gestalt aus einem Hauseingang hervor. Rory O’Neill!

Sein Gesicht war krebsrot, und er keuchte, während er einen funkelnagelneuen 38er Smith & Wesson auf Bount richtete: „Du Saftarsch, hab’ ich mir’s doch gedacht! Mit Turski unter einer Decke! Du kannst ihn nicht angetroffen haben, denn er hat sich verpisst. Flugticket nach New York. Ich weiß alles. Los, runter von der Straße! In den Hausflur hier!"

Er machte eine unmissverständliche Bewegung mit dem Revolverlauf, um Bount zu zwingen, ihm in den Flur eines leerstehenden Hauses zu folgen. Die Tür flog auf, als O’Neill dagegen trat, ohne sich dabei umzudrehen.

„Nun komm schon, du verdammte Ratte! Solche Lumpen wie dich muss man gleich umnieten, sonst vermehrt ihr euch noch! Also, willst du, oder willst du nicht? Ich leg dich auch hier auf der Straße um!"

4

Bounts erster Gedanke war: Wie kommt er so schnell an eine Waffe? Sein zweiter: Der hat nichts kapiert und dreht durch. Sein dritter Gedanke befasste sich mit einem Plan, wie er aus diesem Schlamassel herauskommen konnte.

Im ersten Moment hatte ihn maßlose Wut erfasst, aber jetzt war er eiskalt. Dieser Kameltreiber, dachte er. Ich hole ihn aus dem Knast, und er spielt den großen Zampano!

Was dann kam, ging rasend schnell. Bount, der im Lift die Lederjacke ausgezogen und nur umgehängt hatte, riss das gute Stück mit ruckartiger Bewegung von der Schulter und wirbelte es O’Neill entgegen, gleichzeitig warf er sich mit einem Satz gegen O’Neills Schienbein und trat dann aus wie ein Wildhengst.

Rory O’Neill tat, was alle tun, wenn ihnen so etwas widerfährt. Er schoss instinktiv, dann riss es ihm die Beine unter dem Körper weg, und unmittelbar danach bekam er einen harten Tritt gegen den rechten Arm. Während er im Reflex noch einmal abdrückte, bekam er den zweiten Tritt. Diesmal traf es sein Kinn. Da Bount stabile Schuhe trug, war das wahrhaftig wie von einem Pferd. Mit dem Gefühl, der Kopf sei ihm abgerissen worden, sank O’Neill in tiefste Träume.

Das alles war nicht ohne Zeugen abgegangen. Als sich Bount aufrichtete, die Jacke hastig überzog und damit Schulterholster und Waffe wieder verdeckte, standen auf der anderen Straßenseite schon drei Männer, hielt in gleicher Höhe ein Wagen mit drei Insassen, und gafften von rechts vier junge Männer und ein junges Mädchen herüber.

Bount spielte den Film wie üblich weiter, ließ Handschellen zuschnappen und schleifte Rory in den Hauseingang. Dann winkte er den jungen Männern und dem Mädchen und rief so laut, dass es auch die übrigen Gaffer hören konnten:

„Ich brauche Zeugen für die Verhandlung. Kommen Sie mal rüber, und geben Sie mir Ihre Adresse."

Es gibt kein besseres Mittel, Gaffer loszuwerden. Das Theater mit der Aussage vor Polizei und Gericht kennen die meisten. Prompt bekam Bount ein paar schlappe Ausreden; keiner wollte etwas Genaues gesehen haben. Dann fuhren die haltenden Wagen weiter, die drei auf der anderen Straßenseite verkrümelten sich, und auch die vier Typen mit dem Mädchen verschwanden wieder.

An der gegenüberliegenden Hausfront geöffnete Fenster wurden rasch geschlossen. Wer wollte schon gern Zeuge sein?

Aber irgend jemand hatte wohl die Polizei alarmiert. Als Bount das Taxi geholt hatte und mit dem Fahrer den noch immer im Tiefschlaf befangenen O’Neill einlud, hörten sie die Sirenen.

„Los, niemand hat was davon gesagt, dass wir hier Wurzeln schlagen wollen!", drängte Bount und knallte die Tür hinter O’Neill zu, der unsanft auf dem Rücksitz gelandet war.

Sie fuhren los, und der Mexikaner erwies sich als wahrer Meister am Steuer und im Abschütteln von etwaigen Verfolgern.

Als er drauf und dran war, ein Rennen quer durch die Stadt zu veranstalten, sagte Bount Reiniger trocken: „Also, das war bisher ganz gut, aber nun Kurs auf den Flughafen, Amigo. Aber nicht zum International, sondern zu den Lufttaxis, und das in zehn Minuten."

Dem Mexikaner machte die Raserei offenbar einen Heidenspaß. „Kleinigkeit, behauptete er. „Ich bin vor vier Jahren noch regelmäßig Rallye gefahren. Kein Problem für mich.

In den nächsten sieben Minuten verwandelte sich sein Taxi in eine Hölle auf Rädern. Der Mexikaner jagte wie ein Wahnsinniger quer durch die Stadt bis zum Flughafen. Zwei ihn verfolgende Streifenwagen gaben auf, ein dritter, der das Taxi am Flughafen abfangen wollte, wartete vergeblich, denn zum Lufttaxitrakt ging es über eine andere Zufahrt, und die nahm der Fahrer langsamer.

Dafür gab es einen ganz simplen Grund. O’Neill war aufgewacht, und ihm war so schlecht von der Kurvenraserei, dass er sich übergeben musste. Bount, der das Würgen mitbekam, fing die Ladung mit einer alten, zu einer Tüte geformten Zeitung auf. Als O’Neill weiter würgte, nahm der Mexikaner den Fuß vom Gas. So fiel er auch dem Hubschrauber nicht auf, der nach einem „Amok-Taxi" Ausschau hielt.

Bount und sein Gefangener erreichten unbehelligt das Lufttaxigebäude über eine Einfahrt zu einer Rampe, wo Passagiere und Gepäck ausgeladen wurden.

„Ich nehme an, sagte Bount, als der Wagen hielt, „du hast jetzt kapiert, wo es langgeht. Du hast völlig schiefgelegen, O’Neill. Ich nehme dir jetzt die Handschellen ab. Wenn du wieder den Komiker mimen willst, tu dir keinen Zwang an. Das nächste Mal verleihe ich dir einen Orden mitten in die Visage, den kannst du dann lebenslänglich mit dir rumschleppen. Ich schaukele mit dir im Lufttaxi nach Sacramento. Und von dort geht’s weiter, ohne dass dir jemand eine verpasst, du Narr! Los, dort hinüber!

Bount entlohnte den Mexikaner fürstlich, denn das verhinderte Rallye-Ass hatte das seiner Meinung nach verdient. Als der Mann wegfuhr, winkte er Bount noch einmal freundschaftlich zu.

Kaum waren Bount und O’Neill in der Abfertigungshalle angelangt, da tauchten drei Streifenwagen dort auf, wo eben noch das Taxi gehalten hatte.

O’Neill kapierte allmählich, wie der Hase lief. „Verdammte Bullen!, fluchte er. „Was nun?

„Keine Sorge, beruhigte ihn Bount. „Wir verschwinden durch die Stahltür dort drüben. Sobald der Mann mit dem Gepäckkarren vorbeikommt, direkt dahinterklemmen! Und dann durch die Tür in die Gepäckaufbewahrung. Los jetzt!

Ein Elektrokarren, hoch mit Gepäck beladen, surrte vorbei. Reiniger zog O’Neill am Arm mit. Im Schutz des Karrens gelangten sie durch die Tür, ohne von den Polizisten entdeckt zu werden, die bereits quer durch die Schalterhalle stürmten.

Alles ging gut. Sie versteckten sich im Lagerraum hinter einem Stapel Luftfracht. Die Polizei machte sich offenbar nicht die Mühe, weiter nach ihnen zu suchen. Es blieb alles ruhig. O’Neill wiegte sich in Sicherheit.

„Hornochsen!, sagte er verächtlich. „So schnell geben die auf!

Sie standen nebeneinander hinter dem Stapel. Bount lauschte angespannt. Irgendwo auf der Betonpiste startete eine große Maschine. Trotzdem hörte er die Hunde. Das Bellen kam näher.

„Los, weg hier! Raus!, drängte er. „Sie kommen mit Spürhunden.

„Gib mir meine Waffe wieder, dann knalle ich die Köter ab, sagte O’Neill, als wäre das alles ein Riesenspaß. „Im Knast hatten sie auch solche Biester. Da kenne ich mich aus.

Bount wusste, dass er seine Lizenz riskierte, wenn die Polizisten ihn zusammen mit O’Neill schnappten.

O’Neill hingegen fieberte einer Auseinandersetzung mit den Verhassten entgegen und forderte immer wieder seine Waffe zurück. Als er wieder einmal mit der Faust herumfuchtelte und mit Gewalt versuchte, an seinen Smith & Wesson zu kommen, schlug Bount kurz und trocken zu. Hinter dem Kinnhaken lag mindestens soviel Pfeffer wie hinter dem Tritt an die gleiche Stelle. O’Neill schien ein Glaskinn zu haben. Er war erneut aus dem Rennen.

Bount fing ihn auf, nahm ihn auf die Arme, und schleppte ihn hinter dem Stapel hervor. Er verstaute ihn in einer leeren Tonne, deren Deckel er entfernt hatte, wuchtete die Tonne auf einen Karren mit Elektroantrieb und fuhr seine Ladung durchs vordere Tor direkt an eine zweimotorige Cessna heran, deren Ladeluke offenstand.

Es war niemand bei der Maschine. Bount lud die Tonne mit O’Neill ein und erkannte, dass die Polizisten etwa zweihundert Meter entfernt am Flugschalter in der Lufttaxihalle aufgetaucht waren. Er konnte sich ah fünf Fingern abzählen, wann sie mit den Hunden durch die Vordertür in den Lagerschuppen dringen würden.

Ungehindert lud Bount die schwere Tonne ein, fuhr den Elektrokarren beiseite und bestieg die Maschine.

Wenn die Polizei nicht direkt in der Cessna nach ihnen suchte, würden sie unentdeckt bleiben. Die Hunde würden die Spur nicht weiter als bis zum ursprünglichen Stellplatz der Tonne verfolgen können.

O’Neill kam wieder zu sich. Er betastete sein Kinn wie eine offene Wunde und stöhnte vernehmlich.

„Still!, mahnte Bount. „Bleib in der Tonne! Rühr dich nicht, sonst bist du schneller wieder im Knast, als du Piep sagen kannst.

Diesmal gehorchte O’Neill, und da tauchten sie auch schon am Tor auf. Zwei Polizisten waren es. Sie sahen sich suchend um. Bount verzichtete vorsichtshalber darauf, ihr weiteres Vorgehen durch die Scheibe zu beobachten; sie hätten ihn womöglich entdeckt.

Es hieß warten und hoffen, dass sie nicht auf die Maschine aufmerksam wurden.

Sie hatten Glück. Die Polizisten zogen sich zurück.

Wenig später musste Bount feststellen, dass sie keineswegs aus dem Schneider waren. Jede startbereite Maschine der Lufttaxiflotte wurde von Polizisten kontrolliert. Ganz sicher hatten sich auch welche vor dem Abfertigungsgebäude postiert.

Das Gefühl, in der Falle zu sitzen, war für Bount nicht gerade erhebend. Immerhin ging es auf den Abend zu, und es bestand die Möglichkeit, dass diese Maschine heute gar nicht mehr starten würde.

„Sag mir endlich, was der ganze Zauber zu bedeuten hat", zischte O’Neill.

Statt einer Antwort gab Bount ihm einen guten Rat. „An deiner Stelle würde ich New York abblasen und mich verdrücken, Murphy schickt dir genug Geld, dass du bis ans Ende deiner Tage ausgesorgt hast."

Rory O’Neill schüttelte den Kopf und machte wieder sein trotziges Bullenbeißergesicht. „Erst zahle ich’s allen heim, die mich reingelegt haben. – Was hattest du bei Turski zu suchen?"

„Ich hatte eine Unterredung mit Olivia Fisher. Sie wollte das Gleiche von mir wie Murphy: Ich soll auf dich aufpassen und dich daran hindern, Mist zu machen."

„Mich umlegen sollst du! Turski macht sich in die Hosen, solchen Schiss hat er vor mir."

„Mag sein, aber er wehrt sich seiner Haut – mit allen Mitteln. Wenn du mich fragst, dann solltest du deine Rache vergessen. Murphy melkt sie für dich ab, und du hast den Triumph, sie pleite gemacht zu haben. Murphy braucht dazu keinen Revolver; er macht das völlig legal mit Hilfe der Gerichte. Sie müssen zahlen, bis sie schwarz werden."

„Einen Dreck! Die legen Murphy eiskalt um, wenn er ihnen lästig wird."

Bount schüttelte missbilligend den Kopf. „Du neigst dazu, jeden zu unterschätzen. Am meisten deine Gegner. Die Blase hat sich etabliert, Rory. Sie wollen um keinen Preis der Welt auffallen. Sieht so aus, als hätten wir momentan andere Sorgen. Da kommt ein Pilot mit zwei Polizisten direkt auf die Cessna zu."

Bount Reiniger handelte blitzartig. Er zog die Handschellen aus der Jackentasche, legte sie sich selbst an und fuhr O’Neill an: „Verschwinde in deiner Tonne und rühr’ dich nicht. Überlass’ den Rest mir!"

O’Neill hatte begriffen, dass er erneut im Knast landen würde, wenn er von den Polizisten gefasst wurde. Er verkroch sich gehorsam in der Tonne. Bount Reiniger legte sich unweit der Ladeluke auf den Boden wie einer, der das Bewusstsein verloren hat.

Dann kamen die drei Männer näher. Der Pilot entdeckte Bount zuerst. „He, da liegt einer!"

Aus schmalen Lidschlitzen sah Bount, wie ein Polizist, ein Rothaariger, den Piloten zur Seite schob und seine Dienstwaffe auf Bount richtete.

„Ah, der Schnüffler! Wo, zum Teufel, ist der andere?"

Bount Reiniger stöhnte, als käme er allmählich zu sich. Die beiden Polizisten kletterten in die Maschine. Als der Pilot ihnen folgen wollte, befahl der Rotkopf: „Draußen bleiben!"

Sein Begleiter, unverkennbar lateinamerikanischer Abstammung, kniete sich neben Bount, hob den Kopf etwas an und fragte mitfühlend: „Schmerzen? Irgendwo verletzt?"

„Er ... hat mich niedergeschlagen. Wollte ihn festnehmen. Wo ... wo ist er?"

„Abgehauen vermutlich, knurrte der Rotkopf. „Hier in der Maschine ist er jedenfalls nicht mehr. Einfaltspinsel!, dachte Bount. So einfach macht ihr euch das!

Der rothaarige Polizist versuchte vergebens, mit seinem Handschellenschlüssel Bounts Stahlarmbänder zu öffnen.

„Kommen Sie mit!", befahl er und zog Bounts Waffe aus dem Holster. „Dass er Ihnen das Ding nicht abgenommen hat …‟

„Er hat seinen eigenen Revolver wieder an sich genommen. Er steckte in meinem Hosenbund", erklärte Bount rasch.

Er hatte die Waffe noch schnell vorn in die Kanzel geworfen, und dahinter stand die Tonne. Keiner der Polizisten machte sich die Mühe, dort nachzusehen, und der Pilot, der sich im Cockpit auskannte, durfte nicht in die Maschine.

„Am Besten begleiten Sie uns. Irgend jemand von uns kann das Ding schon aufmachen", meinte der Streifenführer und deutete auf die Handschellen.

Eine Minute später torkelte Bount Reiniger, von den beiden Polizisten gestützt, zum Frachtschuppen hinüber. Der Pilot folgte ihnen, ohne vorher in der Maschine gewesen zu sein.

Wenig später hatten sie einen passenden Schlüssel gefunden und Bount von den Handschellen befreit. Dabei wäre es ihm ein Leichtes gewesen, selbst freizukommen; sein Schlüssel steckte im linken Schuh.

Ein Polizeioffizier mit grauer Bürstenfrisur nahm sich Bount vor und wollte Einzelheiten wissen. Bount erklärte ihm, er habe O’Neill vor einer Dummheit bewahren wollen. Ausführlich schilderte er Rory O’Neills Rachegelüste.

Die Polizisten schluckten das; schließlich kam es der Wahrheit auch ziemlich nahe. Wenn Bount sich allerdings eingebildet hatte, O’Neill nunmehr schnellstens herausholen zu können, so sah er sich getäuscht. Er musste sein Spiel zu Ende führen und erst noch auf dem Polizeihauptquartier ein Protokoll unterschreiben. Dann ließen sie ihn laufen.

Er befand sich mitten in der City, weit weg vom Flugplatz und damit auch weit von O’Neill entfernt. Als er schließlich bei Anbruch der Nacht die Cessna erreichte und auch ungesehen in die Maschine gelangte, war O’Neill nicht mehr in der Tonne.

Bount suchte die ganze Maschine ab.

Rory O’Neill hatte das Weite gesucht.

Er rief vom Abfertigungsgebäude aus Murphy an und schilderte ihm die Pleite.

Der Anwalt hatte Neuigkeiten. „Unser Mann ist schon in der Luft, Bount. Er hat genau das Ziel gewählt, zu dem du ihm geraten hast: Sacramento. Nur hat er sich kein Lufttaxi genommen, sondern ein gewöhnliches Straßentaxi. Die Polizei weiß es auch schon, denn dieser Vollidiot hat, statt zu bezahlen, dem Fahrer eine verpasst. Als der Junge aufwachte, war O’Neill bereits in der Maschine nach New York, und die befindet sich zur Zeit in der Luft. In New York werden sie nichts gegen ihn unternehmen. Das, was die Polizei ihm hier vorwirft, zählt dort nicht. Er hat ja keinen umgelegt. Du musst dich auf den Weg nach New York machen, Bount. Vielleicht kannst du das Schlimmste verhindern …‟

5

Sie trug einen schillernden Seidenkasack und schwarze, enganliegende Hosen. Das Haar hing offen über ihre Schultern. Ihre Füße steckten in hochhackigen Sandaletten. Mit beiden Händen balancierte sie ein Tablett mit einem Teller, der randvoll mit Tomatensuppe gefüllt war.

Als Rory O’Neill hinter dem Vorhang hervortrat, stieß Joan einen spitzen Schrei aus, blieb mit vor Schreck starrem Gesicht stocksteif stehen und merkte nicht, wie die heiße Suppe von dem schräg gehaltenen Teller schwappte.

Rory lächelte mitleidslos. In der rechten Hand hielt er einen Knüppel, den er drohend hob.

„Na endlich! Ich hab’ lange auf diesen Augenblick gewartet. Stell’ das verdammte Zeug weg!"

Joan schrie erneut auf und ließ das Tablett einfach fallen. Der Teller ging zu Bruch, und die Tomatensuppe spritzte wie Blut nach allen Seiten. Joan sah es nicht.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie Rory O’Neill an, als wäre der Mann, dem sie noch immer rechtlich angetraut war, ein Gespenst.

„Ich bin gekommen, sagte er, „um mich bei dir zu bedanken. Fünf Jahre unschuldig im Knast! Da habe ich doch allen Grund, dir meinen Dank abzustatten. Geh dort ’rüber! Los, bis zur Couch!

Sie rührte sich nicht, schien gar nicht verstanden zu haben, was er von ihr verlangte.

Er ging auf sie zu und packte sie am Arm, da kreischte sie, als hätte er ihr den Arm ausgerissen.

„Nicht schlagen! Bitte, schlag mich nicht! Ich musste schweigen. Ich musste es tun, Rory! Sie haben mich gezwungen!"

Er spürte, dass sie vor Angst zitterte. Mit ruckartiger Bewegung schleuderte er sie quer durch den Raum, dass sie gegen die Couch prallte und auf den Rücken fiel.

„Fünf Jahre musste ich schmoren, weil du geschwiegen hast! Ich weiß alles, Joan, alles ... Wo ist er? Wo steckt dieser Mistkerl Billinger? He, mach’s Maul auf! " Er baute sich breitbeinig vor ihr auf. Sie starrte wie hypnotisiert auf den Knüppel in seiner Rechten. Die Furcht, dass er damit zuschlagen, sie vielleicht sogar erschlagen könnte, raubte ihr fast den Verstand.

„Du sollst mir sagen, wo ich diesen Stinker finde!", herrschte er sie an.

Ihr Zittern wurde stärker. Verzweifelt überlegte sie, wie sie seinen Zorn besänftigen könnte. Sie wusste, wie stark er war. Widerstand war zwecklos.

Ihr Entschluss war gefasst. Soll er sich doch an Jeff halten, dachte sie. Zeit gewinnen und die eigene Haut retten, darum geht’s.

„Bei sich zu Hause, denke ich", beantwortete sie mit dünner Stimme seine Frage.

„Scheißauskunft! Wo ist das verdammte Rattenloch, in dem er sich verkrochen hat?"

Sie nannte ihm Jeffs Adresse. Er ging zum Vertiko und schrieb sie auf einen Zettel, der neben dem Telefon lag. Er steckte den Zettel ein, dann wandte er sich mit hämischem Grinsen der Couch zu.

„So, mein Schatz, jetzt wirst du deinen ehelichen Pflichten nachkommen. Du bist immer noch meine Frau. Fünf Jahre Knast, da hat sich eine Menge angestaut. Jetzt holen wir alles nach. – Zieh diese Fummel aus! Von heute an sehe ich dich nur noch im Kleid. Du weißt, dass ich Hosen bei Frauen wie die Pest hasse. Los, runter mit dem Zeug! Ich will dich tanzen sehen, wie früher ..."

Trotz der Angst, die sie noch immer beherrschte, spürte sie, dass keine Todesgefahr mehr bestand. Er will mit mir schlafen, dachte sie. Ich muss alles tun, damit er seinen Hass auf mich vergisst. Vielleicht tut er mir dann nichts ... Er will mich zum Sex zwingen. Na und? Früher habe ich es gern mit ihm getrieben. Gütiger Himmel, wenn er darüber nur seinen Hass vergisst!

6

Turski hielt sich seit drei Tagen in New York auf. Jetzt saß er Jeff Billinger gegenüber, der ihn im Hotel angerufen und gebeten hatte, auf schnellstem Weg zu ihm zu kommen.

„Was ist denn so wichtig?", fragte der schwergewichtige Immobilienhändler kurzatmig. In den guten letzten Jahren hatte er Speck angesetzt. Mit seinem Stiernacken und dem breiten, faltigen Gesicht erinnerte er an eine Bulldogge.

Der athletische Billinger verachtete den Fettsack; die gemeinsamen Interessen zwangen ihn jedoch, mit dem langjährigen Partner gut auszukommen.

„Reiniger, der verdammte Schnüffler, ist auch wieder hier gelandet und sucht überall nach O’Neill. Genau wie wir. Aber ich weiß endlich, wo der Kerl steckt."

Turski machte große Augen. „Und da lebt er noch?"

Billinger winkte ab. „Das meinst du doch nicht im Ernst! Jeder Bulle könnte es sich an fünf Fingern abzählen, wer als Mörder in Frage käme. Es wäre saudumm, ihn einfach umzulegen. Entweder lassen wir das Reiniger erledigen, oder wir suchen uns einen anderen Sündenbock."

„Und wo steckt O’Neill?"

„Bei Joan. Seit über sieben Stunden. Ich habe einen meiner Leute gegenüber von Joans Wohnung einquartiert. Zwei weitere Männer sollten ihn im Haus abfangen. Offenbar ist er über die Feuerleiter in Joans Wohnung gelangt, ohne dass meine Leute ihn bemerkt haben. Vielleicht hat Joan ein Fenster offengelassen. Jedenfalls ist er drin.

Und jetzt kommt der Hammer: Sie sind ein Herz und eine Seele. Einer von den Jungs im Haus ist ebenfalls über die Feuerleiter eingestiegen und hat sich einen guten Platz auf dem Balkon vor ihrem Schlafzimmerfenster gesucht, das halb offen stand. Er hat gehört und gesehen, wie sie mit O’Neill geschlafen hat. Vorher ist sie als seine Privattänzerin aufgetreten. Wie im Kino, sag’ ich dir. Und danach haben sie wie ein richtiges Ehepaar Kaffee getrunken. Jetzt bist du platt, was? Joan ist umgefallen; sie hat sich auf seine Seite geschlagen. Und ich wette, sie singt wie ’ne Nachtigall. Er wird alles erfahren, was er wissen wollte."

„Du bist enttäuscht von ihr, was?", fragte Turski hämisch.

„Und du bist ein ausgemachter Armleuchter! Wenn sie singt, geht das auch dich etwas an. Mit dir will er bestimmt nicht bumsen, und mit mir auch nicht. Uns will er umlegen."

„Da muss er erst mal an uns ’rankommen. Turski schüttelte den Kopf. „Das soll er nur versuchen, dieser Amokläufer, dann geht’s ihm dreckig!

„Er hat drei Männer ausgetrickst, die auf Joan aufpassen sollten. Im Knast hat er mehr gelernt, als nur Baumstämme zu schälen. Kennt Joan eigentlich deine Mitarbeiterin?"

„Nein. Nicht dass ich wüsste."

Billingers Gesicht entspannte sich. „Ruf Olivia an und lass sie herkommen. Wir werden O’Neill aufs Kreuz legen."

„Was hast du vor, Jeff?", erkundigte sich Turski stirnrunzelnd.

„Ich werde mir die Finger nicht dreckig machen und hier alles aufs Spiel setzen. O’Neill fliegt auf die Schnauze, und Joan wird für immer die Klappe halten. Das ist die ganze Story. Olivia wird die Verhältnisse auskundschaften. Dann wissen wir, wie wir vorzugehen haben. O’Neill kommt vorerst garantiert nicht von Joans Spielwiese runter. Bei ihr fühlt er sich sicher wie in Abrahams Schoß."

„Aber wir müssen die Wohnung weiter beobachten lassen."

Billinger nickte. „Das ist fürs uns lebenswichtig."

„Vielleicht sollten wir diesem Reiniger einen Tipp geben?", schlug Turski vor.

„Später. Nicht, bevor Olivia das Terrain sondiert hat. Dann könnte es für dich und mich ratsam sein, wegzutauchen oder ein verdammt gutes Alibi aufzutreiben."

Turski bekam Froschaugen. „Mann, Jeff, woran denkst du? An Mord?"

„So etwas solltest du nicht mal im Schlaf murmeln."

Turski fuhr sich mit der Hand durch den dunklen Bart. „Sei bloß vorsichtig! O’Neill ist ein Tiger, sag’ ich dir. Ein verdammt gefährlicher Tiger!"

Billinger lachte verächtlich. „Ein Tiger? Eine Klapperschlange ist das, der man den Kopf abschlagen muss. Das lassen wir aber andere machen. Wir haben schließlich nicht alles aufgebaut, um es jetzt aufs Spiel zu setzen. Aldo, dieser Idiot, hat schon genug Mist gemacht. Wie geht’s ihm überhaupt?"

Turski zuckte die Achseln. „Man kommt nicht mehr an ihn heran. Sie haben ihn ins Polizeihospital verlegt. Wie ich hörte, liegt er in den letzten Zügen. Mich haben sie ja auch verhört wegen des Meineids. Aber ich habe behauptet, Aldo habe mich erpresst. Bedroht und erpresst. Sie scheinen das zu glauben. Auf alle Fälle bin ich dabei, alles von San Francisco nach hier zu verlegen. Deshalb bin ich in erster Linie hier. In New York kann mir keiner was."

„Richtig, und das soll auch so bleiben. Ruf Olivia an!" Billinger schob dem andern das Telefon zu.

Turski legte die Hand auf den Hörer, hob aber nicht ab. „Olivia hat mit Reiniger ein Abkommen. Was ist mit dem Knaben? In deinem Lagebericht kommt er überhaupt nicht vor."

Billinger schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. „Erinnere mich lieber nicht daran. So ein Schwachsinn, einen Privatschnüffler einzuspannen! Ich habe dir gesagt, dass wir uns mit dem ’ne Laus in den Pelz setzen. Jetzt haben wir ihn aus den Augen verloren. Aber das macht nichts. In dieser Partie hat er nichts mehr verloren."

Turski kniff die Augen schmal. „Ihr wisst nicht, wo Reiniger momentan ist? Heh, ist dir klar, dass der auch noch mitmischt, ob du das willst oder nicht?"

Billinger verzog das Gesicht. „Es war idiotisch, ihn einzuspannen. Ich habe inzwischen genug von Reiniger gehört. Der hat Freunde bei den Bullen. Außerdem würde der nie eine krumme Tour reiten. Es war ein Fehler. Jetzt sollen wir wohl auch noch auf den Schnüffler aufpassen, wie?"

„Er arbeitet für Geld, warf Turski ein. „Von uns bekommt er viel Geld. Leute wie er sind immer knapp bei Kasse. Er arbeitet allein und wird sich dieses Geld verdienen wollen, zumal er gar nichts riskiert. Aber wir müssen ihn beschatten.

„Blödsinn!, fauchte Billinger. „Denkst du, ich hätte tausend Mann zur Verfügung? Am Ende funkt der uns noch dazwischen. Es wäre besser, ihn aus dem Spiel zu nehmen.

„Stell lieber fest, wo er steckt, damit wir Verbindung mit ihm aufnehmen können. Er hat doch ein Büro in New York, oder?"

Billinger zuckte mit den Schultern. „Also gut, aber warte noch damit, bis wir die Sache mit O’Neill erledigt haben. Und nun ruf endlich Madame Olivia an!"

7

Seit zwei Tagen wusste Bount Reiniger, wo O’Neill zu finden war. Seitdem beobachtete er Joans Wohnung. Er wusste, dass andere das Gleiche taten. Drei waren es, und er wusste, wo sie sich postiert hatten.

Einer befand sich in einer Wohnung

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Was die anderen über Sieben Morde für Bount Reiniger - Sieben Kriminalromane denken

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