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Drei Top Krimis #5: Der Killer und sein Zeuge/ Das Grab ohne Namen/ Dem Würger auf der Spur

Drei Top Krimis #5: Der Killer und sein Zeuge/ Das Grab ohne Namen/ Dem Würger auf der Spur

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Drei Top Krimis #5: Der Killer und sein Zeuge/ Das Grab ohne Namen/ Dem Würger auf der Spur

Länge:
474 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
14. Juni 2019
ISBN:
9783739642543
Format:
Buch

Beschreibung

Alfred Bekker, Bernd Teuber & A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 390 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Krimis:
Bernd Teuber: Das Grab ohne Namen
A. F. Morland: Dem Würger auf der Spur
Alfred Bekker: Der Killer und sein Zeuge

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.
Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Und immer anders, als man zuerst denkt.
Herausgeber:
Freigegeben:
14. Juni 2019
ISBN:
9783739642543
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Drei Top Krimis #5 - Alfred Bekker

München

Drei Top Krimis #5

Alfred Bekker, Bernd Teuber & A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 390 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Krimis:

Bernd Teuber: Das Grab ohne Namen

A. F. Morland: Dem Würger auf der Spur

Alfred Bekker: Der Killer und sein Zeuge

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Und immer anders, als man zuerst denkt.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

DAS GRAB OHNE NAMEN

von Bernd Teuber

Die Leiche eines 10-jährigen Mädchens wird aus dem Altwarmbüchener See bei Hannover gezogen. Kommissar Wolfgang Mauritz und sein Kollege Förster ermitteln unter Hochdruck. Die Spur führt zu einem vorbestraften Kinderschänder. Bevor er die Tat gesteht, nimmt er sich das Leben. Die Identität des Mädchens bleibt jedoch ungeklärt. Niemand vermisst das Kind.

Kommissar Mauritz veranlasst auf eigene Kosten eine Beerdigung und lässt einen Grabstein aufstellen, auf dem einzig und allein ein Kreuz eingemeißelt ist. An jedem Jahrestag des Fundes besucht er das Grab. Gleichzeitig setzt er seine Nachforschungen fort.

Doch erst 14 Jahre später findet Mauritz eine neue Spur. Am Grab des Mädchens trifft er eine Frau, die mehr zu wissen scheint. Er will sie ansprechen, aber sie flieht. Er hat sie nie zuvor gesehen. Sie ist unscheinbar, abgesehen von der Narbe auf der linken Wange.

Wer ist diese Frau?

Warum ist sie geflohen?

Mauritz macht sich auf die Suche. Doch irgendjemand setzt alles daran, um ihn an seinen Nachforschungen zu hindern. Notfalls auch mit Gewalt ...

1

Wieder einmal träumte Wolfgang Mauritz denselben Traum. So, wie er es in den vergangenen Jahren schon oft getan hatte. Er war nicht mehr der pensionierte Mitsechziger mit seinen mehr als zwei Zentnern, sondern wieder der drahtige Kriminalhauptkommissar von früher – einundfünfzig Jahre alt, kräftig und gut in Form. Ein unheimliches Gefühl beschlich ihn, als er sich am Ufer des Altwarmbüchener Sees entdeckte. Er wusste, was er hier sehen würde. Das Bild war so scharf wie immer. Es hatte sich in seine Netzhaut eingebrannt.

Wolfgang begann zu schwitzen. Er starrte auf das kleine Mädchen, das vor ihm lag. Es hatte mittelblonde Haare, die ihr bis zu den Schultern reichten. Die Augen unter den halb geschlossenen Lidern waren blau, noch akzentuiert durch die dunklen Ringe darum. Das Mädchen war nicht älter als sieben Jahre, und die Schnur, die man straff um ihren Hals gewickelt hatte, bewies eindeutig, dass sie keinen Tag älter werden würde.

Wolfgang erwachte. Er lag still auf dem Rücken, presste die Hände auf sein verschwitztes Gesicht und atmete heftig. Seine Bronchien rasselten. Er zitterte. Nach einer Minute fühlte er sich besser. Der Schock war vorbei. Er drehte sich auf die Seite, um zu sehen, ob er seine Frau gestört hatte. Nein. Carlas dunkler Schatten lag ganz ruhig, und ihr Atem ging gleichmäßig. Wolfgang stand leise auf, schlüpfte in die Pantoffeln, zog den warmen Bademantel über und ging ins Wohnzimmer. Durch das große Fenster fiel das Licht der Mondsichel und der Sterne herein.

Der fünfundsechzigjährige Wolfgang Mauritz war ein stattlicher Mann, der etwas zu viel Gewicht mit sich herumtrug, was bei seiner Größe aber nicht weiter auffiel – vielleicht hätte der Bauch etwas dünner sein können. Das weiße Haar war kurz geschnitten, dafür durften aber die schwarzen Augenbrauen ungehindert wachsen. Dunkle Augen lagen tief neben einer fleischigen, gekrümmten Nase, dazu ein vorspringendes Kinn und ein breiter Mund. Es war ein freundliches Gesicht, das sich aber durch eine kurze Lippenbewegung und ein geringfügiges Senken der Lider in eine beunruhigend harte Maske verwandeln konnte.

Die Wohnung von Wolfgang und Carla Mauritz lag im fünften Stock eines neuen städtischen Wohnblocks. Sie war nicht besonders groß, bot aber genug Platz für zwei Personen. Es gab eine schmale Diele, dahinter Wohn- und Schlafraum, ein Arbeitszimmer und eine winzige Küche. Wolfgang zündete sich eine Zigarette an, setzte sich auf die Armlehne eines Sessels und blickte über die schweigende Stadt. Die Lichter von Hannover verloren sich am weiten Horizont. Licht aus einigen wenigen Häusern, weißes Licht der Straßenlaternen, gelbes Licht der Lampen an den Ausfallstraßen, gelegentlich die sich bewegenden Lichter eines Autos – und am Himmel das Blinklicht eines Flugzeugs.

Wolfgangs Gedanken wandten sich wieder dem Traum zu. Er wusste, warum er ihn geträumt hatte. Immer wieder musste er an den Fund der Leiche denken, und vor allem an das Nachspiel. An den Fund hatte er sich erinnert, weil es morgen – er sah auf die alte Standuhr: drei Uhr morgens – weil es heute vor vierzehn Jahren gewesen war. Vierzehn Jahre! Sein nachdenkliches Kopfschütteln galt weniger der Tatsache, dass er in all den Jahren der Lösung des Rätsels nicht einen Schritt näher gekommen war, sondern dem so entsetzlich schnellen und unerbittlichen Verstreichen der Zeit. Es schien nur wenige Wochen her zu sein, seit er am Ufer des Altwarmbüchener Sees gestanden hatte.

Wolfgang seufzte, erhob sich, drückte die Zigarette aus und ging in sein Arbeitszimmer. Als er das Licht anknipste, musste er blinzeln. Der kleine Raum, ursprünglich als zweites Schlafzimmer vorgesehen, war sehr schlicht mit einem selbst gebauten Schreibtisch und zwei Stühlen möbliert und barg einige Erinnerungsstücke an die dreißigjährige Dienstzeit bei der Kriminalpolizei von Hannover. An einer Wand hingen drei Zielscheiben, ein Filmplakat des Humphrey Bogart-Klassikers »Die Spur des Falken« und einige Fotos. An einer anderen Wand waren Zeitungsausschnitte und ein alter Stadtplan von Hannover befestigt. An der Wand, vor der sich der Schreibtisch befand, hing nur ein Erinnerungsstück: das lebensgroße Porträtfoto eines kleinen Mädchens. Das Kind hatte die Augen geschlossen und sah aus, als ob es schlafen würde.

Wolfgang, der am Schreibtisch saß, lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und betrachtete das Foto. Es war ihm so vertraut, dass er jede Kontur und jeden Schatten kannte, so vertraut sogar, dass er nicht einmal das Bild benötigte, um sich an das Gesicht zu erinnern. Trotzdem konnte er sie einfach nicht vergessen, zumal sie, während die Zeit verstrich, immer noch unidentifiziert blieb, obwohl Aufrufe und ein Foto von ihr, auf dem sie mit geöffneten Augen abgebildet war, in den Zeitungen abgedruckt wurden. Vierzehn Jahre, dachte er und war wie immer betrübt darüber, dass niemand das Kind haben wollte, dass es unbekannt blieb und unerwünscht. Vierzehn Jahre. Er seufzte müde, legte die gekreuzten Arme auf den Schreibtisch und ließ den Kopf sinken.

2

Vierzehn Jahre zuvor.

Der Altwarmbüchener See ist Teil eines Naherholungsgebietes am Rande des Altwarmbüchener Moores, nordöstlich von Hannover im Stadtteil Altwarmbüchen. Nachdem die Landschaft über Jahrhunderte durch bäuerlichen Torfabbau und Entwässerung geschädigt wurde, folgten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Aufschüttungen mit Bodenaushub des Mittellandkanals sowie eine 1937 eingerichtete Mülldeponie, wodurch die ursprüngliche Moorvegetation weitgehend zerstört wurde. Um die neue Landschaft des Altwarmbüchener Moores weiterzuentwickeln, beschloss man, die Halden zu begrünen und einen See anzulegen. Er hat eine Gesamtlänge von 150 Hektar und eine Wasserfläche von 48 Hektar. Seine Länge beträgt 1500 Meter und die Breite maximal 450 Meter. Der See ist 7 bis 12 Meter tief und hat ein Wasservolumen von rund 3,2 Millionen Kubikmetern.

Ein junges Pärchen hatte es sich am Nachmittag des 23. Oktober am Ufer bequem gemacht. Es war ein schöner Herbsttag und sie genossen die warmen Strahlen der Sonne. Plötzlich machten die beiden eine ungewöhnliche Entdeckung. Etwa zwei Meter vom Ufer entfernt schwamm dicht unter der Wasseroberfläche ein dunkles, unförmiges Paket, das ihre Neugier weckte. Gespannt holten sie den Fund an den Uferrand. Er entpuppte sich als zerschlissener Koffer.

„Da hat bloß einer seinen Müll entsorgt", sagte die Frau.

„Und was, wenn nicht? gab ihr Freund zu bedenken. „Es könnte auch Geld darin sein.

„Das glaubst du doch selbst nicht."

„Finden wir es heraus."

Doch die nähere Untersuchung des Gepäckstücks ließ die beiden vor Schreck zusammenzucken, denn durch das Öffnen des Kofferdeckels wurde die nackte Leiche eines kleinen Mädchens sichtbar. Sofort verständigte das Pärchen die Polizei.

Fünfzig Minuten später trafen Kriminalhauptkommissar Wolfgang Mauritz und sein Kollege Heinrich Förster von der Mordkommission am Altwarmbüchener See ein. Es war nicht schwer, das Ziel zu finden. Ein Haufen Schaulustiger hatte sich mittlerweile dort eingefunden. Mauritz musste seine Ellenbogen gebrauchen, um sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, die sich so dicht zusammendrängte. Selbst als ein Polizist, der an der Absperrung stand, ihn erkannte und in vergeblichem Bemühen um Autorität mit den Armen zu wedeln begann, machten die Leute keine Anstalten, beiseite zu gehen.

„Es ist sinnlos, hier herumzustehen und zu schreien, knurrte Mauritz, als er die Absperrung erreichte. „Sorgen Sie dafür, dass die Leute verschwinden.

„In Ordnung."

An der Fundstelle herrschte bereits rege Betriebsamkeit. Das Gelände war weiträumig abgesperrt worden. Dass Pärchen, das die Leiche entdeckt hatte, saß in einem Streifenwagen und wurde einer genauen Befragung unterzogen. Die Kriminaltechniker des Zentralen Kriminaldienstes markierten inzwischen einen Arbeitsweg, auf dem sich keine verwertbaren Spuren befanden. Er diente fortan als Zu- und Abgangsweg zum eigentlichen Fundort der Leiche. Behutsam näherten sich die Spezialisten dem Koffer. Schritt für Schritt schweifte ihr geschulter Blick auf dem Erdreich umher. Nichts durfte ihnen entgehen. Hier und da stellten sie Tafeln mit Ziffern auf, die sogenannten Spurentafeln, um dann mit einer Spiegelreflexkamera jede Menge Fundort- und Spurenbilder aufzunehmen. Diese Methode erleichterte die späteren Recherchen. Außerdem ersparte sie eine Menge Schreibarbeit, da alles, was am Fundort und an der Leiche zu sehen war, genau festgehalten werden konnte. Die Fotos zeigten nachher von der äußeren Umgebung bis zur Leiche selbst, die den Mittelpunkt bildete, alle Einzelheiten, die von Bedeutung sein konnten.

Doktor Pflugstedt vom Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover streifte sich Gummihandschuhe über und trat nun erstmals dicht an den Koffer heran. Während er die Leiche behutsam untersuchte, war er bemüht, die unsichtbaren Spuren nicht zu verwischen. Ihm ging es zunächst nur um die Todeszeit. Alles andere, insbesondere die Sicherung von Mikrospuren am Körper des Mädchens gehörte in den Sektionssaal. Bereits die oberflächliche Inspektion begründete neben der Tatsache der ungewöhnlichen, vor allem aber illegalen Bestattungsart die Annahme eines Tötungsverbrechens.

Der Körper war regelrecht in den Koffer hinein gezwängt, und die Lücken mit Steinen ausgefüllt worden. Er lag dort zusammen gekrümmt wie in einem viel zu kleinen Bett. Zudem wirkte er leicht aufgedunsen. Blaugrüne, verästelte Flecken an der linken Bauchseite zeigten die beginnende Fäulnis an.

„Erdrosselt", lautete Doktor Pflugstedts sachliche, emotionslose Feststellung.

„Können Sie schon sagen, wann das Mädchen getötet wurde?" fragte Kommissar Mauritz.

„Nicht genau. Die Ergebnisse wären zu unsicher."

„Wie wäre es mit einer Vermutung?"

„Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sie im Wasser gelegen hat, und den Leichenerscheinungen würde ich sagen, dass der Tod vor ungefähr zwei bis drei Tagen eingetreten sein könnte. Aber das ist nur eine grobe Schätzung. Etwas Genaueres kann ich erst nach der Untersuchung sagen."

„Zwei, drei Tage, murmelte Kommissar Mauritz. „Heute ist Montag. Dass würde bedeuten, dass die Leiche am Samstag oder Freitag hier versenkt wurde.

„Vielleicht."

„Was schätzen Sie, wie viel der Koffer wiegt?"

„Inklusive des Körpers und der Steine? Fünfzig bis sechzig Kilo vielleicht."

Kommissar Mauritz nickte. Er fand es nicht weiter erstaunlich, das die versenkte Leiche bei dem beachtlichen Gewicht wieder aufgetaucht war. Für so etwas gab es keine feste Regel. Zu vielfältig waren die auf eine Wasserleiche einwirkenden Bedingungen. Einerseits konnte es vorkommen, dass unbeschwerte Leichen niemals wieder auftauchten, andererseits gab es Fälle, bei denen selbst erhebliche Gewichte nicht in der Lage waren, die fäulnisgeblähten Körper am Auftauchen zu hindern.

Doktor Pflugstedt überwachte den Abtransport der Leiche. Er wollte sobald wie möglich mit der Obduktion beginnen. Außerdem war es notwendig, den Körper in die kühle Atmosphäre eines Sektionssaales zu schaffen. Die warme Witterung zwang zur Eile, denn schon schritt der Fäulnisprozess voran. Angelockt durch den Verwesungsgeruch waren bereits unzählige Insekten über das sich zersetzende Gewebe hergefallen.

Anschließend durchsuchten die Kriminaltechniker auch die weitere Umgebung des Fundorts. Dabei galt ihre Aufmerksamkeit in erster Linie Gegenständen, die einen möglichen Zusammenhang zu dem Verbrechen nahe legten und die spurenkundlich untersucht werden mussten. Sie fanden unter anderem verrostete Werkzeuge, alte Bekleidung, Kinderschuhe, ein benutztes Taschentuch, Fahrkarten und Spielzeug. Dutzende dieser vermeintlichen Spurenträger warteten darauf, untersucht zu werden.

Kommissar Mauritz entfernte sich von der Fundstelle und ließ seinen Blick umherschweifen. Bei der Art des Verbrechens wurde der Ort, psychologisch betrachtet, zum Teil des Mordes. Die Geographie deutete seiner Meinung nach außerdem auf einen in der näheren Umgebung lebenden Täter hin, wahrscheinlich jemand, der den größten Teil seines Lebens hier zugebracht hatte. Nur ein Einheimischer wusste, wo und wann man die Leiche am unauffälligsten entsorgen konnte.

Ein Räuspern unterbrach seine Überlegungen. Kommissar Förster erschien neben ihm, ein hagerer, hochaufgeschossener Mann mit fahlem Gesicht und den eingefallenen Wangen eines chronisch Magenkranken. Er war ein besonnener, in sich gekehrter niedersächsischer Dickschädel, der sein Fach beherrschte.

„Entsorgt wie Müll", sagte er tonlos.

„Ja, stimmte Mauritz ihm zu. „Der Täter hat die Leiche vermutlich mit einem Auto hierher gebracht.

„Wahrscheinlich. Es wäre zumindest sehr auffällig gewesen, mit einem so schweren Koffer durch die Gegend zu laufen."

„Ja, und wenn wir Glück haben, wurde er dabei sogar beobachtet."

„Sprechen wir überhaupt von einem männlichen Täter?"

„Ich gehe zumindest von einem oder mehreren männlichen Tätern aus."

„Und er stammt mit Sicherheit aus dem Umfeld des Kindes."

„Vielleicht."

„Nein, bestimmt sogar. Wenn das Opfer erst einmal identifiziert ist, haben wir auch den Mörder."

Kommissar Mauritz nickte, aber gleichzeitig hörte er eine sanfte leise Stimme, die flüsterte, dass es ganz und gar nicht so leicht gehen würde.

3

Doktor Pflugstedt verbrachte die nächsten Stunden im Sektionssaal des Instituts für Rechtsmedizin. Zweiter Obduzent war Doktor Reichert, ein forensisch ambitionierter Pathologe der Medizinischen Hochschule. Ein Sektionsassistent stand ihnen zur Seite. Der Sektionssaal war modern und geräumig, ausgestattet mit drei Seziertischen. Zwei davon waren nicht belegt und konnten für die Präsentation der Asservate genutzt werden. Der Koffer und die Steine wurden großzügig ausgebreitet, fotografiert und mit einem Operationsmikroskop sorgfältig untersucht. Auf dem dritten Tisch lag der Leichnam des Mädchens, den die Doktoren obduzierten. Intensiver, käseartiger Geruch breitete sich aus. Laut und deutlich diktierte Doktor Pflugstedt die Befunde in ein Mikrofon, das über dem Tisch an einem Kabel befestigt war.

4

Am nächsten Morgen vertiefte sich Kommissar Mauritz in den Autopsiebericht und notierte sich wichtige Ergebnisse, die er für die Planung der nächsten Ermittlungsschritte für nötig hielt. Bei der Toten handelte es sich um ein Mädchen im Alter von sieben bis acht Jahren mit mittelblonden, schulterlangen Haaren und einer Körpergröße von 109 Zentimetern. Obwohl die Leiche bereits drei Tage im Wasser verbracht hatte, war sie noch nicht entstellt, und wies eine normale Färbung auf. An einigen Stellen waren Verwesungsflecken zu erkennen. Unter beiden Augenlidern zeigten sich Blutunterlaufungen. Straff um den Hals wurden – vermutlich im Sinn einer sogenannten Sicherheitsdrosselung – mehrere Touren einer aus verschiedenartigen Stücken zusammengesetzten Paketschnur geführt und im Nacken verknotet. Verletzungen im Gesicht deuteten daraufhin, dass im Moment des Erdrosselns eine enorme Gegenwehr stattgefunden hatte, was auch bewies, dass das Kind noch lebte, als es stranguliert wurde. Blutproben aus Muskeln und Hirnhaut ergaben die Blutgruppe A. Die Mageninhaltsanalyse zur Eingrenzung des Todeszeitraums ließ darauf schließen, dass der Tod am Freitagabend zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr eintrat. Hinweise auf sexuellen Missbrauch konnten nicht gefunden werden.

Aber Kommissar Mauritz wusste auch, dass dieser Umstand nicht viel zu bedeuten hatte. Es war ein weitverbreiteter Irrtum, zu glauben, dass Triebtätern ein extremer Sexualtrieb zugrunde liegen würde. In erster Linie stand bei ihnen der unwiderstehliche Drang zum Quälen und Töten im Vordergrund. Das Sexualempfinden war bei den meisten Tätern verkümmert. Vor allem aber ihre Unberechenbarkeit machte es so schwer, sie zu fassen. Normalerweise fanden die meisten Verbrechen zwischen Menschen statt, die sich auf die eine oder andere Weise kannten. Doch bei Triebtätern konnte davon keine Rede sein. Ihre Motive waren weitaus komplexer als Neid, Gier oder Eifersucht. Dadurch wurde es schwerer, ihre Verhaltensmuster nachzuvollziehen, und das entfernte sie von normalen Empfindungen wie Schuld, Mitleid oder Reue.

Die spurenkundliche Untersuchung des Koffers führte nur zu spärlichen Ergebnissen. Es war ein älteres Modell aus Sperrholz mit Vulkanfiberecken, das schon seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr an den Handel ausgeliefert wurde. Die Innenverkleidung bestand aus bedrucktem Stoff.

Nach Lage der Dinge verfügte Kommissar Mauritz nur über ein geringfügiges Ausgangsmaterial für die weiteren Ermittlungen. Die Ergreifung des unbekannten Täters setzte zunächst die Identifizierung des toten Mädchens voraus. Doch die Überprüfung der Vermisstenanzeigen im Bezirk verlief ergebnislos. Nun wurde es unumgänglich, an die Öffentlichkeit zu treten. Bereits acht Tage später erschien deshalb in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung eine Pressenotiz, in der die Bevölkerung zur Mitarbeit aufgefordert wurde. Man appellierte an die Leser, bei der Identifizierung des unbekannten toten Mädchens mitzuhelfen und veröffentlichte neben ihrem Foto auch eins des braunen Koffers.

Daraufhin gingen unzählige Hinweise bei der Polizei ein, die einer Prüfung bedurften. Um diese Aufgabe überhaupt bewältigen zu können, forderte Kommissar Mauritz personelle Verstärkung an. Weit über zwanzig Kriminalbeamte meldeten sich in den nächsten Tagen in den Räumen der Morduntersuchungskommission zum Dienstantritt.

Mauritz hatte inzwischen mehrere Arbeitsgruppen gebildet, in die er die Zusatzkräfte verteilte. Neben der routinemäßigen Überprüfung aller polizeibekannten Pädophilen und Gewalttäter überprüfte eine Gruppe ähnlich gelagerte Fälle bezüglich eventueller Übereinstimmungen und hatte schließlich eine Liste von etwa zwölfhundert möglichen Verdächtigen beisammen.

Eine andere stellte Ermittlungen zum Fahrzeug- und Personenverkehr in der Nähe des Fundorts der Leiche an. Eine Dritte überprüfte die Vermisstenanzeigen des gesamten Bundesgebietes und der angrenzenden Länder. Alle Ermittlungen richteten sich nun auf das Alibi für den Abend des 20. Oktober und den Besitz eines braunen Koffers.

Kommissar Mauritz wusste, dass der Schlüssel zum Erfolg auch im scheinbar Nebensächlichen verborgen sein konnte. Also wurde jede Information gewissenhaft gespeichert. In nur wenigen Tagen füllten die Akten mehrere Schränke. Es bedurfte einer eigenen Ordnung, sich in ihnen zurechtzufinden. Fragen über Fragen drängten sich auf. Wer war das Mädchen? Und warum musste sie sterben? Wer könnte ein Interesse am Tod des Kindes haben? Wo könnte der Tatort sein? Wer war am Freitagabend in der Nähe des Altwarmbüchener Sees? Wer ging wann dort vorbei? Wie war er angezogen?

Ein Spaziergänger behauptete, am Abend des 20. Oktober ein sonderbares Erlebnis in unmittelbarer Nähe des Leichenfundorts gehabt zu haben. Seinen Beobachtungen zufolge sei ein Mann in ein rotes Auto gesprungen und nur wenige Meter weit gefahren. Dann sei er wieder ausgestiegen, habe einen Gegenstand aus dem Kofferraum geholt und in den See geworfen. Danach sei er weggefahren. Aufgrund dieser Aussage forderten die Ermittler der Mordkommission die Unterlagen zu sämtlichen roten PKW der Stadt und des Umlandes an und begannen mit der Überprüfung der Fahrzeughalter. Doch die aufwendige Recherche führte zu keinem Ergebnis.

Zeitgleich wurden in Altwarmbüchen und den umliegenden Ortschaften Handzettel verteilt und Fahndungsplakate in allen öffentlichen Einrichtungen ausgehängt, um die Bevölkerung zur Mitarbeit aufzurufen. Immer wieder spielte das Interesse der Kriminalpolizei an Personen eine wichtige Rolle, die das tote Mädchen gekannt haben könnten. Viele der eingegangen Hinweise führten an der Sache vorbei und andere widersprachen sich. Neue Ermittlungen waren nötig, um die Widersprüche auszuräumen. Doch seltsamerweise schien niemand das Mädchen zu vermissen. Auch die Hoffnung, dass jemand den Koffer wiedererkennen würde, erfüllte sich nicht. Zwar trafen einige Hinweise zu dem vermeintlichen Besitzer ein, doch bei näherer Prüfung erwiesen sie sich allesamt als falsch.

Die gesicherten Spuren vom Fundort wurden ebenfalls gründlich untersucht. Da gab es sogenannte Teilschuhabdrücke -, ein Absatz, eine schräg gemusterte Sohle. Auch das am Ufer gefundene Herrentaschentuch mit den verkrusteten Flecken wurde genau untersucht, ebenso die drei Lederschlaufen und die beiden abgerissenen Mantelknöpfe. Aber aufgrund von fehlendem Vergleichsmaterial führten diese Spuren wie alle anderen ins leere.

Währenddessen dauerte die Überprüfung sämtlicher Personen, die schon einmal in ähnliche Delikte verwickelt und ihretwegen sogar verurteilt worden waren, immer noch an. Vor allem ging es um die Frage, ob sie für Freitagabend ein Alibi vorweisen konnten, und was für Schuhwerk sie trugen. Kommissar Mauritz hatte große Hoffnungen, den Täter in solchen Kreisen zu finden. Er ließ Fotos der Männer zusammenstellen. Wer hat einen von ihnen am 20. Oktober dort am Fundort gesehen? Den Befragungen und Zeugenvernehmungen folgte eine aufwendige Vergleichsarbeit und Überprüfung der Angaben. Doch es war Eile geboten, denn die Erinnerung der Befragten, wo sie sich an jenem Abend aufhielten und wer das bezeugen könnte, verblasste von Tag zu Tag mehr.

Die Ermittler arbeiteten rund um die Uhr, verfolgten jeden Hinweis – jedoch ohne Erfolg. Die meisten Verdächtigen konnten nicht zur Tatzeit am Altwarmbüchener See gewesen sein. Andere hatten wasserdichte Alibis. Einer nach dem anderen schied als Täter aus. Alle Bemühungen führten in eine Sackgasse. So vergingen die Wochen. Noch immer war der Tatort nicht bekannt, und kein einziger Verdächtiger ermittelt. Doch unbeirrt ließ Kommissar Mauritz die Untersuchungen weiterführen, auch wenn seine Einsatzgruppe täglich schrumpfte, weil die Kräfte wieder abgezogen wurden.

Ein Experte für Verhaltensforschung entwickelte ein hypothetisches Persönlichkeitsprofil des Täters, aus dem man hoffte, neue Ermittlungsansätze ableiten zu können. Seiner Meinung nach war der Mörder Mitte bis Ende dreißig. Und es war nicht das Werk eines Menschen, der Erfahrung mit dem Töten hatte. Allerdings zeigte er eine explosive, aktive Persönlichkeit. Sollte er je verheiratet gewesen sein, wurde er inzwischen geschieden. Er war ein Verlierer mit geringer Selbstachtung. Er mochte selbstbewusst auftreten, aber tief in seinem Innern fühlte er sich extrem unzulänglich. Er war mittelmäßig intelligent und nicht über die Volksschule hinausgekommen. Sein Verhalten war für diesen Täter ungewöhnlich grob. Vielleicht hatte er vorher getrunken und dadurch seine Hemmungen abgebaut, doch er war nicht betrunken, als er die Leiche fortschaffte. Die Todesart – erwürgt mit einer Paketschnur – zeugte von einem persönlich motivierten Verbrechen. Es war keine Methode, die ein Fremder wählen würde. Aus dem Verpackungsmaterial, der Art der Leichenbeseitigung und dem Fundort schloss der Experte, dass das Mädchen an einem Ort getötet worden war, an dem die Verpackungsutensilien dem Täter direkt zur Verfügung standen. Dass die Tat im Freien verübt worden war, schloss er daher aus. So aufschlussreich dieses Persönlichkeitsprofil auch sein mochte, es brachte die Ermittler keinen Schritt weiter.

5

Nach einer unruhigen Nacht, in der Wolfgang schlecht geschlafen hatte, weil ständig das tote Mädchen durch seine Träume geisterte, erwachte er viel zu früh. Es war noch völlig still im Haus, und das schmutzige Grau des Morgens hellte sich nur ganz langsam auf. Neben ihm lag Carla. Sie schlief noch mit tiefen, regelmäßigen Atemzügen. Er wandte vorsichtig den Kopf und betrachtete seine Frau. Sie lag flach auf dem Rücken, ihre Stupsnase wies zur Zimmerdecke, und die Fülle ihres Haares breitete sich über das Kissen, wie die entfalteten Flügel eines Vogels. Er blickte auf ihren sinnlichen Mund, auf die Lippen, die ihn schon so oft voller Liebe geküsst hatten. Wolfgang konnte sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen, so lange waren sie schon zusammen.

Carla und er hatten Höhen und Tiefen durchlebt, Krisen gemeistert, aber auch schöne Zeiten miteinander gehabt. Doch über seine Arbeit sprach er mit ihr so gut wie nie. Und wenn, dann nur über allgemeine Dinge. Was hätte er auch sagen sollen? Er verbrachte seine Tage damit, sich tote und verstümmelte Menschen anzusehen – besonders, wenn es sich wie in diesem Fall um ein Kind handelte -, war das kein geeignetes Gesprächsthema. Weder beim Abendessen, noch sonst irgendwann. Und allmählich ging ihm dieser Fall mit dem toten Mädchen auch an die Nieren. Bei seiner Art von Arbeit war es zwar notwendig, eine gewisse Distanz und Objektivität zu wahren, weil man sonst den Verstand verlor, aber je länger die Ermittlungen andauerten, desto schwerer fiel es ihm. In solchen Augenblicken war er fast froh darüber, dass Carla und er keine Kinder hatten. Bei dem, was er tagtäglich zu sehen bekam, wäre es ihm wahrscheinlich schwergefallen, ihnen den nötigen Freiraum zu geben, den sie für ihre Entwicklung brauchten. Stattdessen hätte er versucht, diese Kinder auf Schritt und Tritt zu bewachen, damit ihnen bloß nichts zustieß.

Draußen war der Himmel inzwischen hell geworden. Carla schlug die Augen auf und rollte herüber in Wolfgangs Arme.

„Guten Morgen, flüsterte sie und küsste ihn. „Du bist schon wach?

Er lächelte. „Nein, ich schlafe noch."

Sie lagen eine Weile eng beisammen, dann wurde es Zeit, aufzustehen. Nach dem Frühstück fuhr er mit der Straßenbahn zur Mordkommission und ließ sich auf den neusten Stand der Ermittlungen bringen. Das Ergebnis war enttäuschend. Noch immer gab es keine brauchbare Spur von dem Täter. Noch immer war die Identität des Mädchens ungeklärt.

„Stunde Null, sagte Kommissar Mauritz niedergeschlagen. „Hatten wir schon lange nicht mehr.

„Ja, stimmte Förster ihm zu. „Aber es hat auch keinen Sinn, wenn wir uns zu sehr in diese Sache verbeißen.

„Was sollen wir denn sonst machen? Darauf warten, dass der Mörder hier eines Tages zur Tür herein marschiert kommt?"

„Nein, natürlich nicht."

„Ich hasse dieses verdammte Blinde-Kuh-Spielen."

Er war im Innersten unzufrieden. Seine Vorgesetzten machten keinen Hehl daraus, dass ihnen die Leistungen der Ermittlungskommission nicht genügten. Und Wolfgang Mauritz wusste nur zu gut, dass, wenn die Dinge schief gehen sollten, er der Erste war, der es ausbaden musste. Man würde ihm vorwerfen, er hätte reichlich Zeit und jede Hilfe gehabt, die er verlangt habe, und trotzdem hätte er keine Ergebnisse vorweisen können. Wie immer, wenn die Dinge schlecht standen, wandten sich seine Gedanken der Zukunft zu. Noch ein paar Jahre, dann konnte er sich pensionieren lassen und sich eine Stellung in der freien Wirtschaft suchen. Verschiedene seiner Freunde hatten das in den vergangenen Jahren getan und leisteten jetzt viel weniger Arbeit für viel mehr Geld. Selbstverständlich versäumte Mauritz die Tatsache zu berücksichtigen, dass sie im Allgemeinen nicht so glücklich waren, wie bei der Polizei, doch in seinem innersten Herzen wusste er, dass seine Pläne nur das Ergebnis gereizter Unzufriedenheit waren. Er mochte seine Arbeit verfluchen, manchmal sogar verabscheuen, aber er würde sie nie aufgeben und dabei glücklich sein können.

Ein Polizist erschien im Türrahmen. „Da ist jemand, der Sie sprechen möchte, Kommissar."

„Mann oder Frau?"

„Ein Mann."

„Hat er seinen Namen genannt?"

„Sven Drechsler."

„Kenne ich nicht. Was will er denn?"

„Er sagt, er weiß, wer das Mädchen aus dem Altwarmbüchener See ermordet hat."

„Was? Kommissar Mauritz sprang von seinem Stuhl hoch. „Na, los, schicken Sie ihn rein.

Der Polizist nickte und verschwand wieder.

„Sieht so aus, als würden wir doch endlich Fortschritte machen", sagte Förster.

„Das glaube ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe."

Ein Mann trat ein. Hinter ihm der Polizist, der ihm einen Stuhl anwies.

„Herr Drechsler?"

„Ja."

„Guten Morgen. Ich bin Kommissar Mauritz, das ist mein Kollege Kommissar Förster."

„Guten Morgen." Der Mann war in einen dicken blauen Mantel gehüllt, unter dem die von getrocknetem Schmutz starrenden Aufschläge seiner Hose hervorkamen. Er setzte sich auf den Stuhl, den ihm der Polizist zugewiesen hatte und strich mit den Fingern über die Augenbrauen.

„Sie sagten dem Beamten, dass Sie etwas über das tote Mädchen vom Altwarmbüchener See wissen?"

„Ja, stimmt."

„Und Sie kennen auch den Täter?"

„Ja", antwortete der Mann. Sein Mantel klaffte vorn auf und ließ erkennen, dass er von sehr kleinem Wuchs war. Sein hageres Gesicht wurde von einem Bart umrandet. Ein grob gewebtes Jackett verbarg ein grünes Hemd, das am Hals offen stand. Sein Alter lag schätzungsweise zwischen dreißig und vierzig Jahren.

„Das müssen Sie uns mal genauer erklären. Aber bevor wir damit anfangen, brauchen wir erst noch ein paar Angaben zu ihrer Person."

„Okay, was wollen Sie wissen?"

Kommissar Mauritz holte ein Blatt Papier aus der Schreibtischschublade und machte sich einige Notizen. „Wie alt sind Sie?"

„Vierunddreißig."

„Wohnhaft?"

„Altwarmbüchen. Ernst-Grote-Straße 12."

„Leben Sie dort allein?"

„Nein, in einer Wohngemeinschaft. Es ist keine Frage der Weltanschauung, wenn Sie das glauben. Ich muss da nur nichts bezahlen."

„Berufstätig?"

„Nein."

„Wovon leben Sie denn?"

„Gelegenheitsarbeiten."

„Sagen Sie, mischte Kommissar Förster sich ein, „haben Sie heute Morgen getrunken?

„Ob ich getrunken habe? fragte Drechsler irritiert. „Was meinen Sie? Alkohol?

„Ja."

„Überhaupt nicht. Höre ich mich etwa so an?"

„Es fällt mir nur auf, dass Sie ziemlich nervös sind."

„Na ja, man geht schließlich nicht jeden Tag zur Polizei. Da ist es doch verständlich, wenn man ein bisschen aufgeregt ist."

Kommissar Mauritz musterte den jungen Mann eingehend. Dabei fielen ihm besonders die geweideten Pupillen auf. „Sie sind drogensüchtig, nicht wahr?", schlussfolgerte er.

„Ja, na und?" erwiderte Sven Drechsler aufgebracht. „Aber ich versuche davon los zukommen. Scheiße, seit einem Jahr habe ich nichts

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