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N.Y.D. - Special #1: Vier Krimis (New York Detectives): Cassiopeiapress Spannung

N.Y.D. - Special #1: Vier Krimis (New York Detectives): Cassiopeiapress Spannung

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N.Y.D. - Special #1: Vier Krimis (New York Detectives): Cassiopeiapress Spannung

Länge:
597 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
14. Juni 2019
ISBN:
9783739617145
Format:
Buch

Beschreibung

Vier Krimis von Alfred Bekker, A.F. Morland & Alfred Wallon

Der Umfang dieses Buchs entspricht 500 Taschenbuchseiten.

Rasante Action Krimis um den smarten Privatdetektiv Bount Reiniger, dessen Fälle von Top-Autoren wie Alfred Bekker, A.F. Morland und Alfred Wallon geschildert wurden.
In den Straßenschluchten New Yorks oder an Schauplätzen in aller Welt ist Bount Reiniger auf der Jagd nach skrupellosen Verbrechern. Mal hilft ihm die Automatik, mal sein glasklarer Verstand und hin und wieder muss er sich auf Witz und Charme verlassen.

Dieses Buch enthält folgende vier Romane:

A.F. Morland: Abserviert von zarter Hand
Erst liebte sie ihn – aber als sie endlich sein schmutziges Spiel durchschaute, verurteilte sie ihn zum Tode …

Alfred Bekker: Ein Killer läuft Amok
Ein bis dahin friedliebender Mann läuft Amok - und Privatdetektiv Bount Reiniger muss einen Mörder entlasten!

Alfred Wallon: Kampf um schwarzes Gold
Kennen Sie die TV-Serie DALLAS? Es war der Beginn einer Serie von Seifenopern, wie sie bei uns zu Dutzenden über die Mattscheiben flimmern. Damals ging es um schmutzige Geschäfte um Öl, Reichtum, Macht und Intrigen.
Mich hat das immer gelangweilt – ich habe mir nur einige Folgen angesehen und festgestellt, dass diese glitzernde TV-Welt der Reichen und Schönen nichts für mich ist. Wahrscheinlich deshalb, weil ich eher ein bodenständiger Typ bin und noch sehr genau weiß, wie viel ein Hamburger kostet. Was man von anderen Leuten nicht mehr behaupten kann.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich eines Tages auch mal mit Öl zu tun habe. Nein, ich habe keine eigene Ölquelle angezapft und mich daran bereichert. Ich war nur – sagen wir es mal so – wieder mal mitten drin in Ereignissen, die mich beinahe den Kopf gekostet hätten. Aber in diesem Job ist das wohl ganz normal ...
Das Ölgeschäft scheint Ärger anzuziehen wie ein Kuhfladen die Fliegen. Bount Reiniger ist mitten drin …
 
Alfred Bekker: Mörderspiel
Leslie Craven ist Mitarbeiter einer literarischen Agentur und führt ein unauffälliges, zurückgezogenes Leben.
Bis er eines Tages verschwindet, nachdem er kurz zuvor von zwei Unbekannten bedroht wurde.

Titelbild: Firuz Askin
Herausgeber:
Freigegeben:
14. Juni 2019
ISBN:
9783739617145
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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N.Y.D. - Special #1 - Alfred Bekker

München

N.Y.D. - Special #1: Vier Romane (New York Detectives)

von Alfred Bekker, A.F. Morland & Alfred Wallon

Der Umfang dieses Buchs entspricht 500 Taschenbuchseiten.

Rasante Action Krimis um den smarten Privatdetektiv Bount Reiniger, dessen Fälle von Top-Autoren wie Alfred Bekker, A.F. Morland und Alfred Wallon geschildert wurden.

In den Straßenschluchten New Yorks oder an Schauplätzen in aller Welt ist Bount Reiniger auf der Jagd nach skrupellosen Verbrechern. Mal hilft ihm die Automatik, mal sein glasklarer Verstand und hin und wieder muss er sich auf Witz und Charme verlassen.

Dieses Buch enthält folgende vier Romane:

A.F. Morland: Abserviert von zarter Hand

Erst liebte sie ihn – aber als sie endlich sein schmutziges Spiel durchschaute, verurteilte sie ihn zum Tode …

Alfred Bekker: Ein Killer läuft Amok

Ein bis dahin friedliebender Mann läuft Amok - und Privatdetektiv Bount Reiniger muss einen Mörder entlasten!

Alfred Wallon: Kampf um schwarzes Gold

Kennen Sie die TV-Serie DALLAS? Es war der Beginn einer Serie von Seifenopern, wie sie bei uns zu Dutzenden über die Mattscheiben flimmern. Damals ging es um schmutzige Geschäfte um Öl, Reichtum, Macht und Intrigen.

Mich hat das immer gelangweilt – ich habe mir nur einige Folgen angesehen und festgestellt, dass diese glitzernde TV-Welt der Reichen und Schönen nichts für mich ist. Wahrscheinlich deshalb, weil ich eher ein bodenständiger Typ bin und noch sehr genau weiß, wie viel ein Hamburger kostet. Was man von anderen Leuten nicht mehr behaupten kann.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich eines Tages auch mal mit Öl zu tun habe. Nein, ich habe keine eigene Ölquelle angezapft und mich daran bereichert. Ich war nur – sagen wir es mal so – wieder mal mitten drin in Ereignissen, die mich beinahe den Kopf gekostet hätten. Aber in diesem Job ist das wohl ganz normal ...

Das Ölgeschäft scheint Ärger anzuziehen wie ein Kuhfladen die Fliegen. Bount Reiniger ist mitten drin …

Alfred Bekker: Mörderspiel

Leslie Craven ist Mitarbeiter einer literarischen Agentur und führt ein unauffälliges, zurückgezogenes Leben.

Bis er eines Tages verschwindet, nachdem er kurz zuvor von zwei Unbekannten bedroht wurde. Einer der beiden Angreifer findet sich dann wenige Tage später als Leiche im East River wieder. Bount Reiniger wird beauftragt, Craven zu suchen und schon nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass an diesem Mann nichts stimmt - weder Name noch Lebenslauf. Craven lebte unter einer falschen Identität. Je weiter Bount Reiniger in mit seinen Ermittlungen vordringt, desto tiefer gerät Bount Reiniger in den Strudel ebenso mysteriöser wie lebensgefährlicher Ereignisse, die in irgendeinem Zusammenhang mit Cravens Doppelleben stehen. Als Bount Cravens Schwester aufstöbert, lauern ihm Unbekannte auf und er entkommt ihnen nur knapp. Plötzlich gerät der Privatdetektiv in das Visier von Andy Carillo, einer rachsüchtigen Unterweltgröße, mit der Leslie Craven eine offene Rechnung zu haben scheint.

Die Ereignisse überschlagen sich. Ein toter FBI-Mann bringt Verwirrung, bevor Bount die richtige Spur findet...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors/ Cover: Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Abserviert von zarter Hand

von A. F. Morland

Erst liebte sie ihn – aber als sie endlich sein schmutziges Spiel durchschaute, verurteilte sie ihn zum Tode ...

Erstveröffentlichung: 1977

1

Er war einer von denen, die wussten, wann eine Sache verloren war. Bount Reinigers Automatik wies auf seine breite Brust, und er wäre verrückt gewesen, zu denken, da wäre noch ein Blumentopf zu gewinnen. Mit einem überheblichen Grinsen, wie nur er es zustande brachte, ließ er die Beute fallen. Sie befand sich in einem schwarzen Stoffsack: zwanzigtausend Dollar und noch ein paar Zerquetschte aus dem Safe der gegenüberliegenden Bar, der Dandy Moreno einen nächtlichen Besuch abgestattet hatte.

Seit einem Monat war Bount Reiniger hinter diesem raffinierten Kriminellen her. Endlich war es ihm gelungen, Dandy Moreno auf frischer Tat zu ertappen.

Über ihnen rollte der spärliche Nachtverkehr über den Stelzen-Highway, der den Hudson River begleitete. Moreno hob langsam die Hände, als wollte auch er das Betonband dort oben stützen. Bount wies mit den Augen nach rechts.

„Mein Wagen steht dort drüben, Dandy."

Moreno bedachte ihn mit einem frostigen Blick. „Wohin fahren wir?"

„Centre Street. Nur ein paar Blocks."

„Okay. Gehen wir."

Reiniger winkte den gefährlichen Burschen mit dem Lauf seiner Kanone nach links. „Drei Schritte, Dandy. Der Gangster zählte sie grinsend ab: „Eins, zwei, drei. Recht so?

„Ich bin zufrieden", gab Bount zurück. Er hob den Sack mit den Dollars auf. Mit einem neuerlichen Wink veranlasste er Moreno zu gehen. Sie erreichten den Mercedes. Bevor der Verbrecher einstieg, schenkte er Bount Reiniger ein mitleidiges Lächeln. Seine Augen sagten: Du armes Würstchen, was hast du denn schon Großartiges erreicht?

Und sein Mund formte die Frage: „Meinen Sie, dass sich die Mühe wirklich gelohnt hat?"

Bount grinste breit. „Ich denke schon."

„Was werde ich kriegen? Sieben Jahre. Wenn ich mich gut führe, bin ich in fünf Jahren wieder frei. Fünf Jahre, Reiniger. Was ist das schon? Die sitz‘ ich doch auf einer Backe ab."

Fünf Jahre. Es war eine Rechnung. Sie ging auf.

Nach genau fünf Jahren – und keinem Tag länger – öffneten sich für Dandy Moreno die Gefängnistore wieder. Er war jetzt siebenundzwanzig ... und voller neuer Pläne.

2

Bount Reiniger ließ seinen silbergrauen Mercedes 450 SEL vor der beeindruckenden Villa ausrollen. Es war ein Tag mit allem Drum und Dran: akzeptable Temperatur, blauer Himmel, lachende Sonne, Windstille. Ein Tag zum Angeln, zum Faulenzen, zum Menschsein. Aber wer nahm darauf schon Rücksicht. Es gab Klienten, die scherten sich nicht um die Schönheit eines Tages. Sie hatten andere Probleme. Probleme, die Bount für sie lösen sollte.

Reiniger stieg aus dem Wagen. „Da wären wir", sagte er zu seiner Sekretärin June March.

Das hübsche Mädchen klappte die Tür auf der anderen Seite zu. „Von so einer Villa träume ich manchmal, sagte sie bewundernd. „Muss herrlich sein, in so was zu wohnen.

Bount grinste. „Träumst du bei der Gelegenheit auch von der Miete, die dafür Monat für Monat hinzulegen ist?"

„Ich werde mich hüten. Es soll ja kein Albtraum sein."

Sie hörten Arbeitsgeräusche: das Ächzen einer Zugsäge, die schrillen Töne einer hochtourigen Bohrmaschine, Hämmern ...

Die herrschaftliche Villa ragte beeindruckend zwischen hohen Pappeln hervor. Es gab einen breiten Balkon, hohe Fenster, Säulen vor dem protzigen Eingang, auf den Reiniger gleich darauf mit seiner Assistentin zuschritt. Ein Mann mit Schnapsnase lief ihnen über den Weg. Er trug ein Brett. Wohl nur, um den Schein zu wahren.

Bount hielt ihn auf. Der Bursche setzte sofort das Brett ab. Bloß keine Kräfte vergeuden. „Was kann ich für Sie tun?", fragte er Bount, aber seine Augen waren auf June March gerichtet, denn die gefiel ihm scheinbar viel besser.

„Zu Mrs. Amanda Carr, sagte Reiniger. „Wo finden wir sie?

Der Schnapsmann schürzte die Unterlippe. „Mrs. Carr? Ich glaube, die ist im Augenblick im Obergeschoss."

„Diese Auskunft werde ich Ihnen nie vergessen", sagte Bount grinsend. Er schob seinen Arm unter den von June und strebte der Treppe zu, die nach oben führte. Widerwillig nahm der Handwerker sein Brett wieder auf. Er trottete durch die Räume des Erdgeschosses und rollte mit den Augen, als sich einer seiner Kollegen nach ihm umwandte.

„Da hab‘ ich jetzt ‘ne blonde Puppe gesehen ... Mann, war die klasse."

Im Obergeschoss wurden Trennwände in sämtlichen Räumen aufgestellt. Die saalähnlichen Zimmer wurden zu kleinen Labyrinthen umgebaut. Männer standen auf hohen Leitern und bohrten Löcher in die Decke. Andere tapezierten die Kunststoffwände. Der Parkettboden wurde mit Sisalläufern ausgelegt. June March zog überall bewundernde Blicke auf sich.

Amanda Carrs Stimme war schon von Weitem zu hören. Sie diskutierte mit dem Elektriker, weil sie an seiner Arbeit etwas auszusetzen hatte. Als sie den Mann mit einer unwilligen Handbewegung entließ, betraten June und Bount den Raum.

June stellte fest, dass Mrs. Carr eine unwahrscheinlich attraktive Frau war. Schätzungsweise fünfundvierzig Jahre alt, elegant, unglaublich gut aussehend. Ihr Teint war sauber, die Figur durch sorgfältige Diät bezaubernd, sylphidenhaft. Sie besaß jene Art von reizvoller Überschlankheit, die Fotomodellen ihren besonderen Charme verleiht. Ihre Züge waren von sanfter Weichheit. Und das mit fünfundvierzig. Mehr als beachtlich. Amanda Carr trug ein einfaches, kaum dekolletiertes Kleid, dem man eine gewisse Eleganz nicht absprechen konnte. Ihr kastanienbraunes Haar war locker und gut geschnitten.

Als sie die Schritte hörte, drehte sie sich halb um. Ihre ärgerliche Miene verflog. Ein freundliches Lächeln hieß Bount Reiniger und seine Assistentin herzlich willkommen.

Mit ausgestreckten Händen ging sie auf Reiniger zu. „Bount! Freut mich, Sie wiederzusehen."

„Die Freude ist auf meiner Seite, Amanda, erwiderte Reiniger höflich. Er deutete eine kleine Verneigung an. „Darf ich Ihnen meine Sekretärin vorstellen? Miss June March. June, das ist Mrs. Amanda Carr. Eine der reichsten Frauen von Boston.

Amanda winkte lachend ab. „Nun übertreiben Sie nicht, Bount. Ich bin nicht reich. Mein Mann ist es."

„Kommt das nicht auf dasselbe heraus?", fragte Reiniger.

„Nur, solange die Ehe gutgeht."

„Das tut sie bei euch doch, oder?"

„Ich kann nicht klagen."

„Das freut mich", sagte Bount. Die beiden Frauen musterten einander mit jenem undefinierbaren Blick, den sie immer für eine Konkurrentin parat haben. Ein paar Teilchen Neugier, ein wenig harte Kritik, eine Prise Missgunst, ein Schuss Neid und vielleicht auch noch etwas Misstrauen. Von Bewunderung konnte Bount weder bei June noch bei Amanda etwas entdecken. Er grinste. Das alte Spiel. Jede Frau spielt es. Jede beherrscht es. June und Amanda waren in dieser Disziplin sogar Meisterinnen. Etwas unterkühlt reichten sie sich die Hände.

„Sie sind also die gute Fee von Bount Reiniger", stellte Amanda lächelnd fest.

„Und Sie sind diejenige, die Bount in einem Atemzug nennt, wenn er von Boston spricht. Sie scheinen großen Eindruck auf ihn gemacht zu haben, Mrs. Carr."

Mrs. Carr lachte hell auf. „Das hoffe ich, hoffe ich wirklich." Sie schickte einen dankbaren Blick an Bounts Adresse. Es freute sie, dass er sie noch nicht vergessen hatte.

Mrs. Carr war sie. Die Frau von Lui C. Carr, dem vermögendste Mann von Boston. Es gab kaum ein gewinnträchtiges Unternehmen, in dem er seine Goldfinger nicht drinnen hatte. Lui C. Carr, gewiss ein Mann, zu dem man aufblicken konnte. Und es gab viele Frauen, die Amanda um den Platz an seiner Seite beneideten. Er war ein netter Bursche, hatte kaum Allüren, überhäufte seine Frau mit Geschenken, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Lui war fünfundfünfzig.

Das Hämmern und Bohren riss Amanda aus ihren Erinnerungen.

Die Umbauarbeiten, die an der Villa vorgenommen wurden, gehörten zu den umfangreichen Vorbereitungen, die die bevorstehende Wanderausstellung erforderlich machte.

„Sie haben sich in den drei Jahren, die wir uns nicht gesehen haben, nicht verändert, Bount", sagte Amanda lächelnd.

„Das Kompliment kann ich reinen Gewissens zurückgeben. Auch an Ihnen sind die letzten drei Jahre spurlos vorübergegangen", erwiderte Bount.

June seufzte leise. Liebe Güte, wie charmant er sein kann, dachte sie. Bei mir hält er sich in der Beziehung weitgehend zurück. June kannte die Geschichte, wie Bount das Ehepaar Carr kennengelernt hatte. Die beiden waren in Florida in eine üble Rauschgiftaffäre verwickelt worden. Bount hatte damals gerade in dieser Gegend zu tun gehabt. Lui C. Carr engagierte ihn vom Fleck weg. Bount erledigte seine Arbeit mit Auszeichnung. Und von da an war er in unregelmäßigen Abständen gern gesehener Gast bei den Carrs in Boston.

„Wir sind mit den Umbauten ein wenig in Verzug, erklärte Amanda Carr. Sie nahm Bount und June mit auf den Balkon. Vor ihnen dehnte sich die endlose Weite eines gepflegten Parks aus. „Aber wir werden es schaffen, die Wanderausstellung zum festgesetzten Termin zu eröffnen.

Bount wies auf die Villa. „Sie haben sich dafür den prachtvollsten Rahmen ausgesucht."

Amanda atmete schwer aus. „Hat viel Zeit gekostet, das richtige Haus zu finden."

„Der Aufwand hat sich gelohnt", meinte Bount.

Amanda blickte ihm so fest in die Augen, dass sich June March beinahe überflüssig vorkam. Sie grollte innerlich.

„Ich danke Ihnen, dass Sie sofort hierhergekommen sind, Bount."

Reiniger grinste. „Sag‘ ich nicht immer: ,Anruf genügt, komme ins Haus!‘?"

„Mein Mann hat eine halbe Million Dollar in sein neues Hobby gesteckt", erzählte Amanda.

Bount ließ einen anerkennenden Pfiff hören. „Kleinlich kann man ihn wirklich nicht nennen."

„Er hat innerhalb eines Jahres die besten Bilder zeitgenössischer Maler aufgekauft. Ein namhafter Kunstexperte war ihm dabei behilflich. Lui versteht nicht allzu viel von diesen Dingen, aber er bemüht sich, laufend dazuzulernen."

Bount lächelte. „Lui C. Carr, der Philanthrop. Es sieht ihm ähnlich, dass er nicht bloß Bilder kauft und sie dann in seinem Haus versteckt ..."

Amanda nickte. „Lui findet, es ist nicht richtig, dass schöne Gemälde einem Menschen allein gehören. Sie sollen viele Menschen erfreuen. Deshalb hat er diese Wanderausstellung ins Leben gerufen. Er will die Kunstwerke einer breiten Publikumsschicht zugänglich machen."

„Eine vernünftige Ansicht", sagte Bount.

„Wir haben uns mit einer bekannten Bostoner Werbeagentur zusammengetan, die in jeder Stadt, die wir besuchen, für uns die Reklametrommel rührt."

Bount nickte. „Ich hab‘ die Plakate schon gesehen."

„Wie gefallen sie Ihnen?"

„Grafische Kunstwerke. Geschmackvoll gestaltet, trotzdem nicht zu übersehen", erwiderte Bount.

„Lui will am Eröffnungstag eine Pressekonferenz geben. Rundfunk und Fernsehen werden über unsere Ausstellung berichten. Wir rechnen mit einer hohen Besucherzahl."

,,Die Leute werden bestimmt kommen", meinte Reiniger.

June March hatte es langsam satt, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Amanda hatte kaum einen Blick für sie.

Es war Zeit, dass sie sich in die Unterhaltung einschaltete, damit die beiden wieder auf sie aufmerksam wurden. Sie fragte: „Wann treffen die Gemälde in New York ein, Mrs. Carr?"

„Ach, bitte, nennen Sie mich doch Amanda, ja?"

„Okay ... Amanda."

„Und ich darf June zu Ihnen sagen?"

„Warum nicht?"

„Sie sind süß, June."

„Sie auch", sagte June, aber wenn sie ganz ehrlich zu sich war, meinte sie es nicht so, wie sie es gesagt hatte. Sie hatte nichts gegen Amanda. Es war nur diese dumme Eifersucht, die es eigentlich nicht geben durfte, weil sie kein Recht auf Bount Reiniger hatte. Aber wer kann schon raus aus seiner Haut, die manchmal so eng ist wie eine Zwangsjacke. Wäre Amanda alt und hässlich gewesen, hätte sich June garantiert besser in ihrer Nähe gefühlt. So aber ...

„Die Gemälde treffen in einer Woche hier ein, sagte Amanda. „Bis dahin muss in der Villa alles getan sein. „Kommen die Bilder aus Boston?", wollte June wissen.

Amanda schüttelte den Kopf. „Wir waren damit schon in zehn Städten: San Francisco, Los Angeles, Phoenix, Houston, Dallas, Memphis, Washington, Baltimore, Philadelphia, Chicago."

„Die Gemälde reisen von Chicago hierher?", fragte June.

„Ja."

„Warum ist New York erst die Nummer elf?", erkundigte sich June.

Amanda lächelte nervös. „Das ist eine gute Frage, June. Ich will versuchen, Ihnen darauf eine gute Antwort zu geben. Mein Mann fürchtet den Moloch New York. Es muss eine Art Komplex sein. Für ihn ist diese Stadt der Wohnsitz des Lasters und des Verbrechens. Er nennt New York einen Hexenkessel, und er kommt nicht gern hierher, weil er Angst vor diesem Schmelztiegel der Nationen hat. Seiner Meinung nach ist der Boden für das Verbrechen nirgendwo so fruchtbar wie in dieser Stadt. Lui hängt an seinen Bildern. Man könnte fast sagen, sie sind ihm so wichtig wie für jemand anders seine Kinder. Unsere Ehe blieb kinderlos. Mit diesen Gemälden hat Lui sich einen Ersatz geschaffen. Zu jedem einzelnen Kunstwerk hat er eine ganz besondere Beziehung, und er könnte es nicht verwinden, wenn ihm eines von diesen wertvollen Bildern gestohlen würde."

„Sind die Gemälde versichert?", fragte June.

„Selbstverständlich. Aber alles Geld dieser Welt kann keinen ideellen Wert ersetzen, June."

„Das leuchtet mir ein."

„Aus diesem Grund hat mich Lui gebeten, Bount zu engagieren. Amanda wandte sich nun wieder an Reiniger. „Ich soll Sie beauftragen, für unsere Wanderausstellung die nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Sie kennen so ziemlich alle Tricks, mit denen die Gangster in dieser Stadt arbeiten. Nur wenn Sie sich persönlich um die Gemälde kümmern, will Lui das Wagnis auf sich nehmen, nach New York zu kommen. Im anderen Fall muss ich die Umbauarbeiten hier unverzüglich abbrechen und so bald wie möglich nach Boston zurückkehren.

Amandas wache Augen musterten Bount eingehend.

Bount rieb sich nachdenklich mit Daumen und Zeigefinger das Kinn. „Eine verdammt heikle Sache ..."

„Sie hätten selbstverständlich völlig freie Hand", sagte Amanda schnell.

„Wenn was schiefgeht ... Ich möchte Lui nicht enttäuschen."

„Ich bin genauso sicher wie er, dass die Sache bei Ihnen in den allerbesten Händen liegt, Bount. Lui traut niemandem so sehr wie Ihnen."

Bount grinste. „Eine Menge Vorschusslorbeeren ..." Was Amanda ihm da anbot, war bestimmt kein leichter Job. Eine schwierige Aufgabe, Bilder im stolzen Wert von einer halben Million so zu sichern, dass es nicht einmal dem gerissensten Dieb in dieser Stadt möglich war, sich an ihnen zu vergreifen.

New York war vollgeklebt mit netten Plakaten, die überall verkündeten, dass hier demnächst ein fantastischer Schatz zu holen sein würde.

Eine schwierige Aufgabe. Sie reizte Bount Reiniger. Deshalb nahm er den interessanten Auftrag an. Und natürlich auch aus Freundschaft zu Amanda und Lui C. Carr. Er nickte und sagte grinsend: „Okay, Amanda. Dann werde ich also dafür sorgen, dass Luis Babys nicht in die falschen Hände kommen."

„Ich danke Ihnen, Bount. Ich wusste, dass Sie sich uns zur Verfügung stellen würden."

3

Das Motorrad war ein japanisches Fabrikat. Ein heißer Ofen. Chromblitzend und entsetzlich laut, weil der Auspuff völlig entrümpelt war, damit der Apparat ein paar PS mehr lieferte. Brüllend bog die Suzuki in die schmale, schattige Sackgasse ein. Zehn Meter noch. Dann verstummte das lärmende Eisen, das so gar nicht zu dem hübschen Mädchen passte, das nun vom Sattel sprang. Sie trug hautenge Jeans und eine weiche braune Nappalederjacke, die sich beachtlich über ihrem üppigen Busen wölbte. Ihr Name war Laura Pant. Sie nahm den Sturzhelm ab, der sie wie ein Wesen von einem anderen Stern aussehen ließ. Jetzt schüttelte sie die weiche, wallende Fülle ihrer blonden Mähne. Das Haar reichte bis zu den Schulterblättern. Ächzend riss Laura die Maschine auf den Ständer. Der Zündschlüssel verschwand in der Lederjacke.

Plötzlich legte sich eine Hand auf Lauras Schulter. Hart und schwer.

Das Mädchen fuhr erschrocken herum. Der Sturzhelm polterte auf die Straße und eierte der Gosse entgegen. Laura schlug aus der Drehung heraus sofort zu. Ihre Handkante traf den Oberarm eines etwa siebenundzwanzigjährigen Mannes. Er war blond, hatte eine unleugbare Ähnlichkeit mit Robert Redford und war kräftig. Das bewies er in diesem Moment. Blitzschnell fing er den Arm des Mädchens ab.

Eine rasante Drehung. Laura stieß einen heiseren Schmerzensschrei aus und fasste sich an die Schulter. „Au!, krächzte sie. „Au! Du kugelst mir den Arm aus! Der Mann ließ sie grinsend los. „Nächstens schaust du dir die Leute zuerst genauer an, ehe du versuchst, sie zu erschlagen!"

Sie holte das jetzt nach, während sie die immer noch schmerzende Schulter massierte. Ihre Augen weiteten sich. „Dandy. Dandy Moreno!"

Der Bursche grinste. „In voller Lebensgröße. Er wies auf die Suzuki. „Schickes Ding hast du dir da zugelegt.

„War nicht billig."

„Das glaube ich. Allein bezahlt?"

„Ganz allein", nickte Laura. Kein Junge hatte da auch nur einen müden Dollar hinzugelegt. Sie hasste es, einem Kerl verpflichtet zu sein. Das gab ja doch nur Streit und Ärger.

Moreno starrte ungeniert auf Lauras Busen. „Bist verdammt sexy geworden, Baby."

Laura hob gleichmütig die Schultern. Sie wusste, dass sie prima aussah. „Man tut, was man kann."

„Lange nicht gesehen", sagte Moreno.

„Vier Jahre?"

„Fünf", sagte Moreno.

„Eine verdammt lange Zeit. Vieles ändert sich. Alles wird anders in fünf Jahren."

Moreno nickte mit finsterer Miene. Er hatte Reiniger damals gesagt, die fünf lächerlichen Jährchen würde er auf einer Backe absitzen, aber er hatte beide dazu gebraucht, um es durchzustehen. Nun, wo er wieder draußen war, hatte er den Eindruck, er könne sich in dieser Stadt, in der er geboren und aufgewachsen war, nicht mehr zurechtfinden. Laura hatte recht. Vieles ändert sich in fünf Jahren.

„Ich hab‘ auf dich gewartet", sagte Moreno.

Laura blickte ihn erstaunt an. Der Schmerz in der Schulter ebbte allmählich ab. Gott, hatte dieser Junge Bärenkräfte. Man sah sie ihm eigentlich gar nicht an. „Auf mich? Was kann ich denn für dich tun?"

„Du wenig."

„Versteh‘ ich nicht."

Moreno hob Lauras Sturzhelm auf und reichte ihn ihr. Dabei schaute er ihr fest in die Augen. In seinem Blick entdeckte sie all das, was man ihm nachsagte: Bosheit, Gemeinheit, Aggressivität, Grausamkeit und Intelligenz.

„Ich suche Bug Kadess", sagte er ernst.

Laura schüttelte grimmig den Kopf. Unwillig stieß sie hervor: „Den gibt es nicht mehr."

„Willst du damit sagen, dass er tot ist?"

„Ja. Er ist tot. Gestorben. Jedenfalls für mich ist er gestorben!"

„Was war los mit euch beiden?, fragte Moreno neugierig. Er konnte sich an die Zeit erinnern, wo sich die beiden kennengelernt hatten. Turteltauben waren sie gewesen. Das „Pärchen des Jahres wurden sie von ihren Freunden genannt. Und man war der Meinung gewesen, falls es in naher Zukunft eine Hochzeit geben würde, dann bestimmt mit Laura und Bug.

Lauras Miene wurde hart. „Heroin, sagte sie verbittert. „Das war los mit ihm. Bug macht heute noch Selbstmord mit der Nadel. Ich denke, er wird es jetzt bald geschafft haben.

„Wie geht es ihm?"

„Dreckig, hab‘ ich gehört. Ich kümmere mich nicht mehr darum. Bug Kadess, das ist ein Kapitel in meinem Leben, das ich restlos gestrichen habe. Das Schwein wollte auch mich süchtig machen. Glücklicherweise bin ich ihm auf sein Geschwafel nicht hereingefallen, sonst wäre ich heute genauso am Ende wie er."

„Kannst du mir sagen, wo er wohnt?"

„Geh da lieber nicht hin. Er ist es nicht mehr wert, dass man sich um ihn schert. Besser, er krepiert. Er hat uns allen schon genug Kummer gemacht."

„Gib mir seine Adresse, Baby."

„Mann, ich hätte dich für klüger gehalten ..."

„Die Adresse!, verlangte Dandy Moreno scharf. Laura zuckte zusammen, als hätte sie eine Ohrfeige bekommen. Wut blitzte in ihren Augen auf. Was nahm dieser Zuchthausbruder sich ihr gegenüber eigentlich heraus? In was für einem Ton redete er mit ihr? Wer war er denn, dieser dahergelaufene Straßenköter? „Nun?, drängte Moreno.

„Baychester. Arnow Avenue 1546."

„Vielen Dank", sagte Moreno.

Fahr zur Hölle, dachte Laura. Und nimm Bug Kadess gleich mit!

4

Kadess war Maler.

Früher, bevor er mit dem Tanz auf der Nadel angefangen hatte, brachte er ganz passable Bilder zustande. Sogar drei Vernissagen waren ihm gegönnt gewesen, und zwei Kritiker – unmaßgebliche Leute von unmaßgeblichen Zeitungen – hatten seine Werke sogar über Gebühr gelobt. Die Zeitungsausschnitte bewahrte er heute noch in seinem Schrank auf. Ja, früher hatte er wenigstens noch Talent gehabt. Wo war das heute? Abhanden gekommen wie ein treuloser Kater, der ausgezogen war, um die Katzen der Stadt glücklich zu machen. Er hatte gedacht, in seiner beruflichen Entwicklung schneller vorwärtszukommen, wenn er seine Bilder unter dem Einfluss von Drogen malte. Viele seiner Kollegen arbeiteten so. Auch Musiker griffen zum Rauschgift, wenn sie was Besonderes leisten wollten. Zuerst hatte er es mit Haschisch versucht. Dann hatte er Marihuana geraucht. Und die Bilder waren tatsächlich besser geworden. Wie die warmen Semmeln konnte er sie verkaufen. Man riss ihm seine Werke aus der Hand. Aber eines Tages stagnierte die Entwicklung. Kadess hatte sich an Hasch und Marihuana zu sehr gewöhnt. Sie konnten ihn nicht mehr beflügeln. Also ging er einen Schritt weiter: Heroin. Von diesem Tag an führte der Teufel den Pinsel. Wieder durchlebte Bug Kadess eine erfolgreiche Phase. Er konnte mit Geld um sich werfen. Und er redete sich ein, vom Heroin jederzeit wieder loskommen zu können. Er brauchte nur zu wollen. Aber er wollte nicht. Wollte nicht, weil er nicht konnte. Das Rauschgift bekam ihn immer fester in den Griff. Es ließ ihn nicht mehr los. Es unterhöhlte seine Gesundheit. Er magerte ab. Er brauchte seinen Schuss immer häufiger. Trotzdem – oder gerade deswegen – wurde die Qualität seiner Bilder immer schlechter. Bald wollte sie keiner mehr haben. Lieber einen leeren Rahmen an die Wand hängen, als eines von Bug Kadess‘ infantilen, lächerlichen Bildern, hieß es.

Der Abstieg war nicht mehr aufzuhalten. Kadess verdiente mit seinen Gemälden kaum noch Geld. Er versuchte verzweifelt, den Dämon Rauschgift loszuwerden, aber es war zu spät dazu.

Bibbernd lag er in seiner hellen Atelierwohnung auf dem Boden. Ihm war erbärmlich kalt. Er klapperte mit den Zähnen, stöhnte, hatte wahnsinnigen Durst. Das waren wieder einmal diese verdammten Entzugserscheinungen, die ihn quälten. Er hätte ganz dringend was in die Vene gebraucht, aber sein Dealer weigerte sich, ihm noch einmal Kredit zu geben.

„Erst bezahl deine Schulden, hatte er eiskalt gesagt. „Dann kannst du wieder was von mir haben. Eher nicht.

Kadess hätte ihm am liebsten den Schädel eingeschlagen. „Hör zu, Mort, ich verkaufe in den nächsten Tagen wieder ein Bild. Ich hab‘ ‘nen Mäzen gefunden. Er gibt mir tausend Dollar für den Schinken. Sobald ich das Geld habe, bin ich bei dir. Dann kriegst du alles wieder. Mit Zinsen und Zinseszinsen."

Mort grinste spöttisch. „Wird Zeit, dass du mal ‘ne andere Platte auflegst, Bug. Die Story mit dem Mäzen kenn‘ ich schon seit einem Jahr. Hängt mir schon zum Halse raus."

Ich erwürge ihn. Bei Gott, ich erwürge ihn, wenn er mir nichts gibt!, dachte Kadess verzweifelt. Er erniedrigte sich vor dem höhnisch grinsenden Dealer so sehr, dass er vor diesem auf die Knie sank und ihn händeringend anflehte, nicht so schrecklich hartherzig zu sein. Heulend umklammerte er Morts Knie. Dieser riss sich wütend von ihm los und versetzte ihm einen kräftigen Tritt, der ihn umwarf. „Verdammt noch mal, ich bin Geschäftsmann. Ich kann es mir nicht mehr leisten, dir noch was zu kreditieren, Bug. Tut mir leid. Tut mir wirklich leid, aber es geht nicht. Ich hab‘ genauso meine finanziellen Verpflichtungen. Ich muss flüssig sein für die nächste Lieferung. Nun steh endlich auf und mach ‘ne Fliege. Und komm erst wieder, wenn du wieder Kohlen in der Tasche hast."

Kadess schnellte in seiner grenzenlosen Verzweiflung hoch. Er brauchte den Stoff. Er musste ihn haben. Um jeden Preis. Mit einem heiseren Schrei warf er sich auf Mort. Er packte ihn an der Kehle und würgte ihn. Aber Mort war kräftig. Ein Magenhaken warf Kadess an die Wand. Sein Gesicht verzerrte sich. Er japste nach Luft, hatte irrsinnige Schmerzen. Trotzdem wollte er sich noch einmal auf Mort stürzen. Doch da hatte dieser wie durch Zauberei eine Luger in der Faust. Mit gefletschten Zähnen fauchte er: „Verdammt, Bug. Wenn du mir nicht so viel Moos schulden würdest, würde ich dich jetzt wie einen räudigen Straßenköter abknallen. Mach, dass du rauskommst aus meiner Wohnung ..."

„Es tut mir leid, Mort", sagte Kadess zerknirscht. Teufel, noch nie hatte er sich so sehr gehenlassen. Noch nie hatte er die Kontrolle so beängstigend über sich verloren. Er war jetzt so weit. Er würde einen Mord begehen, um zu seinem Schuss zu kommen. Diese furchtbare Erkenntnis ließ ihn schaudern. Er wusste, dass er bei einer der letzten Stationen angelangt war. Mit hängenden Schultern schlurfte er zitternd aus Morts Wohnung.

„In längstens vier Wochen will ich mein Geld wiederhaben!", plärrte ihm Mort nach. Aber Bug wusste, dass er auch in vier Wochen nicht würde zahlen können.

Zu Hause wurden die Schmerzen dann immer schlimmer. In seiner Verrücktheit wusste er kaum noch, was er tat. Er rannte in die Küche, band sich den Arm ab, nachdem er den Hemdsärmel hochgerollt hatte. Hässlich blau und schrecklich zerstochen war seine Armbeuge. Er nahm eine Nadel und stach sie in eine Vene. Nur so. Bloß, um sich selbst zu täuschen. Aber nach dem Stich folgte keine Wirkung. Er heulte, und er kletterte beinahe die Wände hoch.

„O Gott, ich halte das nicht aus!", brüllte er. Mit glasigen Augen wankte er ins Atelier zurück. Dort stolperte er über seine eigenen Füße und knallte hart auf den Boden. Schluchzend wälzte er sich jetzt auf den Brettern. Er brauchte was, brauchte es so verdammt dringend wie nie zuvor. Sein Herz schlug unregelmäßig. Schaum trat auf seine Lippen. Die Kälte, die ihn schüttelte, nahm zu. Wahnsinnige Krämpfe zwangen ihn, sich winselnd zusammenzukrümmen. Er biss sich in die Hand. Es half alles nichts. Sein Körper würde ihn so lange foltern, bis er ihm das Rauschgift, das er forderte, gegeben hatte.

Hechelnd wie ein Tier kroch Kadess über den Boden. Schweiß rann ihm über das Gesicht. Er presste die Augen fest zusammen. Als er sie wieder öffnete, sah er Beine.

Eine Halluzination. Beine. Männerbeine. Es musste sich um eine gottverfluchte Halluzination handeln. Niemand fand es mehr der Mühe wert, sich um Bug Kadess zu kümmern. Die Zeiten waren vorbei. Schlotternd rollte sich der Maler auf den Rücken. Ungläubig betrachtete er das männliche Gesicht dort oben. Jetzt war er sicher, dass es sich um eine Halluzination handelte. Ja, jetzt schnappte er langsam über. Er sah Dandy Moreno. Was für ein Irrsinn. Der saß im Knast seine sieben Jahre ab. Mal sehen, wie weit der Wahnsinn schon geht, dachte Kadess. Das Lächeln, das er versuchte, misslang kläglich.

„Hi, Dandy", krächzte er.

„Hi, Bug", sagte die Halluzination. Mensch, raunte es in Kadess, du bist ja noch verrückter, als du denkst. Er steht nicht nur da. Du kannst ihn nicht nur sehen. Du kannst ihn auch hören. Du kannst dich mit ihm unterhalten. Mit einem Trugbild. Ist das nicht meschugge?

„Wie geht‘s, Dandy?"

„Mir geht es besser als dir."

Kadess kicherte. Der Spuk sagte obendrein auch noch die Wahrheit. Heiliger Strohsack, was für eine irrsinnig komische Situation war das doch. Da lag er auf dem Boden. Dort stand Dandy Moreno, der gar nicht wirklich da war. Er konnte mit jemandem reden, der seit fünf Jahren im Kittchen saß. Ein Fall für die Klapsmühle. Ganz sicher.

Der Schüttelfrost ebbte etwas ab. Vermutlich trat er zugunsten des Wahnsinns einen Schritt zurück.

Kadess kämpfte sich mühsam hoch. Er starrte Moreno, den er immer noch für eine raffinierte Täuschung seiner Sinne hielt, mit großen, glasigen Augen an. Die Zunge huschte schnell über seine spröden, trockenen Lippen.

„Verzeih, Dandy. Hast du was dagegen, wenn ich dich anfasse?", fragte er zaghaft.

„Hier meine Hand", sagte Moreno schmunzelnd. Er streckte dem Maler die Hand entgegen.

Jetzt greifst du durch ihn hindurch!, sagte sich Kadess. Du wirst nach seiner Hand fassen, wirst zudrücken und wirst nichts in deiner Pfote haben. Nichts weiter als Luft. Blitzschnell griff er zu. Da war ein Widerstand. Eine weiche, warme Hand. Kadess stieß einen verwirrten Schrei aus, riss sich von Moreno los und sprang zitternd zurück. „Dandy!, stöhnte er fassungslos. „Du bist es wirklich!

Moreno lachte amüsiert. „Was dachtest du denn? Hast du geglaubt, ich wäre ein Geist?"

„Dandy, ächzte Kadess. Er schlug die Hände vors Gesicht und murmelte dahinter: „Er ist es wirklich.

„Ich hab‘ gehört, es geht dir nicht besonders."

„Wenn ich sagen würde, es geht mir schlecht, wäre selbst das noch geprotzt", erwiderte Kadess leise. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Moreno musterte den Maler. Seine Augen lagen in dunkelgrauen Höhlen. Über den Jochbeinen spannte sich eine fahle Haut, die an den Wangen tief einsank. Er bestand nur noch aus Haut und Knochen, hatte kaum Muskeln, sein Hals war dürr und sehnig.

„Ich hab‘ dir was mitgebracht", sagte Moreno. Er griff in die Innentaschen seines Jacketts und holte drei Heroinbriefchen hervor.

„Für mich?", fragte Kadess, als könne er es nicht glauben.

„Ich hab‘ das Zeug ja nicht nötig", antwortete Moreno lächelnd.

„Oh, Dandy. Dandy, du bist ein Heiliger. Aufgeregt griff der Maler nach den Briefchen. „Bin gleich wieder hier!, stieß er nervös hervor. Er rannte in die Küche, um sich den Schuss zu machen. Als er wiederkam, war er wie ausgewechselt. Er wirkte ruhig, zufrieden, ausgeglichen. Seine Hände zitterten nicht mehr. Der tierhafte Ausdruck war nicht mehr in seinen dunklen Augen.

Während seiner Abwesenheit hatte sich Dandy Moreno ein wenig in der Atelierwohnung umgesehen. Die Bude platzte fast aus den Nähten. Überall standen Bilder herum. Halbfertige. Fertige, die wie halbfertige aussahen. Schade um Farbe, Zeit und Leinwand. Die Farben harmonierten nicht miteinander. Sie führten einen erbitterten Kampf gegeneinander. Wenn man einem Orang-Utan einen Pinsel in die Hand gedrückt hätte, wären geschmackvollere Motive auf die Leinwand gebracht worden.

„Gefällt dir irgendwas davon?, fragte Kadess. „Kannst alles haben.

„Wenn einer solche Sachen verbricht, sollte er aufhören, sagte Moreno ernst. „Damit ist nichts mehr zu verdienen.

Kadess schaute mit gekräuselter Stirn auf seine Hände. „Wem sagst du das."

„Warum suchst du dir keinen Job, der was einbringt?"

„Keiner will mich haben, sagte Kadess kleinlaut. „Denkst du, ich hab‘s noch nicht versucht?

Moreno lächelte hintergründig. „Vielleicht will ich dich haben, Junge."

„Du? Verständnislosigkeit in Kadess‘ Blick. „Wieso du?

„Setz dich. Ich habe mit dir zu reden." Sie nahmen auf der abgewetzten Samtcouch unter dem schrägen Fenster Platz.

„Seit wann bist du wieder draußen?‘, wollte Kadess wissen.

„Seit ein paar Tagen."

Der Maler lächelte verlegen. „Und schon willst du dich ins Unglück stürzen, indem du mir ‘nen Job anbietest? Wie hast du mich gefunden?"

„Ich war bei Laura."

Kadess‘ Miene verdüsterte sich. „Laura, die miese kleine Kröte. Es gibt nichts, wovon sie viel hält. Nur Sex interessiert sie. Morgens, mittags, abends. Und wenn‘s möglich ist, auch mal zwischendurch einen auf die Schnelle. Ich hab‘ das nicht durchgehalten. Schließlich hat mich der Stoff völlig geschafft. Da ist sie dann abgehauen, um sich anderswo zu holen, was sie so dringend nötig hatte."

Moreno angelte die Zigarettenpackung aus der Tasche. Er gab dem Maler ein Stäbchen. Sie rauchten. „Was hast du für mich?", fragte Kadess gespannt.

„Eine prima Sache."

„Bringt sie was ein?"

Moreno grinste von Ohr zu Ohr. „Hör mal, hab‘ ich schon mal ein Ding gedreht, bei dem zu wenig heraussprang?"

„Nee."

„Na also. Was soll dann die dämliche Frage." Moreno ließ den Zigarettenrauch durch die Nasenlöcher sickern.

Kadess schüttelte den Kopf.

„Was ist?", fragte Moreno.

„Es ist zwar verdammt nett, dass du an mich gedacht hast und mich in einen Coup mit hineinnehmen möchtest, aber ich kann bei der Sache nicht mitmachen."

Moreno lachte. „Du weißt ja noch gar nicht, worum es geht, Junge."

Kadess wies auf den Boden, und zwar auf die Stelle, wo er vorhin gelegen hatte. „Du hast gesehen, was mit mir los ist. Ich würde dir die Tour vermasseln, Dandy. Man kann sich auf mich nicht verlassen. Ich flippe ständig aus. Ich kann niemandem helfen, ich brauche selber Hilfe."

Moreno wies mit der Glut seiner Zigarette auf Kadess‘ Gesicht. „Ich will dich trotzdem haben, Bug."

„Mensch, dann bist du bestimmt nicht mehr so intelligent, wie du mal warst. Was ist passiert? Haben sie dir im Knast zu oft auf die Birne gehauen?"

Moreno zog an seiner Zigarette und schmunzelte dann. Er ließ seinen Blick durch das Atelier schweifen und sagte: „Du malst die größte Scheiße, die ich je gesehen habe."

„Ich kann nichts anderes mehr."

Moreno überhörte den Einwand und fuhr unbeirrt fort: „Du kannst zwar selbst nichts mehr, aber ich bin überzeugt davon, dass du immer noch ein – sagen wir – gutes Gemälde von einem weniger guten unterscheiden kannst."

„Das schon, aber ..."

„Du bist ein Experte, Bug. Und ich brauche einen Experten."

„Bilderraub?"

„Ja. Aber im großen Stil."

Kadess griente. „Mit Kleinigkeiten hast du dich ja noch nie abgegeben."

Moreno drehte die Augen, zur Decke. „Diesmal ist mehr drin, Junge. Viel mehr."

„Wie viel?", fragte der Maler gespannt.

„Schätzungsweise dreihunderttausend Eier."

Kadess bekreuzigte sich. „Heilige Mutter Gottes. Hast du die Absicht, die staatliche Gemäldegalerie zu plündern?"

Moreno schüttelte den Kopf. „Ich mach‘ mir‘s einfacher. Ich vergreif‘ mich an den Bildern von Lui C. Carr."

„Das klappt nicht", entgegnete Kadess.

„Wieso nicht?"

„Man wird die Gemälde genauso gut absichern wie die Goldbarren in Fort Knox."

Moreno winkte gleichgültig ab. „Die Sicherheitsmaßnahmen auszutricksen lass getrost meine Sorge sein. Dein Job ist es, mir zu sagen, welche Bilder den größten Wert haben."

„Wer wird noch mitmachen?", fragte Kadess.

Moreno hob die Schultern. „Weiß ich noch nicht. Erfährst du früh genug. Vier. Das müsste reichen. Moreno lachte gepresst. „Damit dein Anteil nicht zu klein wird. Hab‘ ich dein Okay? Kann ich mit dir rechnen? Dandy Moreno streckte dem Maler die Hand entgegen.

Kadess lachte nervös. „In meiner Situation kann ich es mir gar nicht leisten, nein zu sagen." Er schlug ein.

5

Bount ließ die Pall Mall-Packung im Kreis gehen. June March schüttelte den Kopf. Dafür langte Wilkie Lenning

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