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Flucht in die Berge: Alpen-Krimi: Cassiopeiapress Spannung

Flucht in die Berge: Alpen-Krimi: Cassiopeiapress Spannung

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Flucht in die Berge: Alpen-Krimi: Cassiopeiapress Spannung

Länge:
277 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Mai 2019
ISBN:
9783739644325
Format:
Buch

Beschreibung

Alpen-Krimi
von A. F. Morland
 
Der Umfang dieses Buchs entspricht 210 Taschenbuchseiten.
 
Im beschaulichen Sonnleiten herrschen Sodom und Gomorrha. Dorfpolizist Finkbach hat gleich mehrere Probleme: Eine entflohener Mörder will sich sich an ihm rächen, ein Mord unter Drogenhändlern muss aufgeklärt werden, und seine Freundin hat durch den Dorftratsch von seinem Fehltritt erfahren. Mit dem gemütlichen Beamtenleben auf seiner Dienststelle ist es damit erst mal vorbei...
 
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Mai 2019
ISBN:
9783739644325
Format:
Buch

Über den Autor


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Flucht in die Berge - A. F. Morland

Flucht in die Berge

Alpen-Krimi

von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 210 Taschenbuchseiten.

Im beschaulichen Sonnleiten herrschen Sodom und Gomorrha. Dorfpolizist Finkbach hat gleich mehrere Probleme: Eine entflohener Mörder will sich sich an ihm rächen, ein Mord unter Drogenhändlern muss aufgeklärt werden, und seine Freundin hat durch den Dorftratsch von seinem Fehltritt erfahren. Mit dem gemütlichen Beamtenleben auf seiner Dienststelle ist es damit erst mal vorbei...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover Steve Mayer

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

„Wir tun nichts Unrechtes, Marcel", versuchte Jochen Riedinger seinem jüngeren Bruder mit größtmöglichem Nachdruck und der ihm angeborenen außergewöhnlichen Überzeugungskraft einzureden.

„Es ist ein Verbrechen", entgegnete dieser dennoch äußerst skeptisch.

„Blödsinn."

Marcel beharrte auf seinem Standpunkt. „Wenn man jemanden beraubt, dann ist das ein Verbrechen. Du kannst das drehen und wenden, wie du willst – es ist so."

Jochen nickte. „Ja. Okay. Wenn man sich die Habe eines anständigen, ehrbaren, total unbescholtenen Menschen unter den Nagel reißt, dann ist das tatsächlich ein Verbrechen, da gebe ich dir absolut Recht, aber das haben wir ja nicht vor. Wir vergreifen uns lediglich an dem Geld eines skrupellosen Kriminellen, der mit illegalen Drecksgeschäften ein Vermögen macht."

Es ging konkret um Gustav Braunhuber, einen fettgefressenen, unsympathischen, raffgierigen Widerling, dem ein Speditionsunternehmen namens GUBRATRANS gehörte. Seine monströsen schwarz-gelben Lastwagen waren permanent in Osteuropa auf Achse, und jedes Mal, wenn sie zurückkamen, brachten sie Waren mit, die von den Behörden sofort beschlagnahmt worden wären, wenn sie davon Kenntnis gehabt hätten.

Verbotene Rauschgifte verschiedenster Art: Kokain, LSD, Heroin, Crystal Meth, Designer-Drogen, Magic Mushrooms, Haschisch, Marihuana, Cannabis... Die ganze Suchtmittel-Palette.

Einmal im Monat bekam der angesehene Spediteur, der in den allerhöchsten Kreisen verkehrte, Besuch von einigen zwar sehr elegant gekleideten, aber dennoch ziemlich zwielichtigen Gestalten, die ihm einen dicken Geldkoffer brachten und das illegale Handelsgut abholten.

Jochen Riedinger hatte durch Zufall in einem Gasthaus von einem GUBRATRANS-Lastwagenfahrer, der so betrunken gewesen war, dass er kaum noch stehen konnte, davon erfahren und sogleich begonnen, einen Plan zu schmieden, in den er seinen Bruder aber erst eingeweiht hatte, als die Strategie Hand und Fuß hatte. Marcel war zunächst nicht abgeneigt gewesen, mitzumachen, doch inzwischen schien er kalte Füße bekommen zu haben, und das ärgerte Jochen ein wenig.

Er musterte seinen achtzehnjährigen Bruder verdrossen. „Hör mal, was soll das komische Gerede – von wegen, was wir uns vorgenommen haben, ist ein Verbrechen und so? Wir waren uns doch einig, dass wir das durchziehen. Willst du jetzt vielleicht kneifen? Verdammt, wenn du mich so kurz vor dem Coup im Stich lässt, bist du für mich erledigt. Dann rede ich nie wieder ein Wort mit dir. Dann habe ich keinen Bruder mehr."

„Habe ich gesagt, dass ich kneifen werde?, fragte Marcel aufgebracht. „Habe ich das gesagt?

„Es hat sich sehr danach angehört."

„Ich werde doch noch meine Bedenken äußern dürfen. Oder etwa nicht?"

Jochen beruhigte sich wieder. Er stand auf, ging zum Kühlschrank, holte zwei Bierflaschen, öffnete sie, trank einen Schluck und wischte sich mit dem Handrücken über die Lippen. „Das Ganze wird ein Spaziergang. Eine Rein-Raus-Aktion. Ohne Mühe. Ohne Risiko. Glaube mir. Es kann überhaupt nichts schiefgehen. Ich habe mir das alles genauestens überlegt."

Marcel griff nach der zweiten Bierflasche und meinte grinsend: „Jochen, der Planer."

„Ist schon mal was schiefgelaufen, wozu ich dich überredet habe?"

Marcel runzelte die Stirn. Er sah gut aus, war hübscher als Jochen, der aber trotzdem, dank seiner besonderen Überredungskunst, bei den Mädchen besser ankam. „Wir hatten noch nie so etwas Großes vor. Mal ein bisschen Kupfer klauen. Mal das Warenlager eines Supermarkts plündern. Mal im Hallenbad ein paar Kästchen aufbrechen..."

Jochen nickte. „Höchste Zeit, dass wir mal nicht kleckern, sondern klotzen."

Marcel machte ein Gesicht, als würden ihn schwere Winde plagen.

„Was ist denn?", fragte Jochen verdrossen.

Marcel zeigte auf die Brust des Bruders.

„Was?", blaffte Jochen.

„Na ja, dein Herz."

Jochen feixte. „Was für ein Herz? Ich hab doch gar keines."

„Du hast einen Herzklappenfehler."

„Den hatte ich als Kind."

„Den hast du noch immer."

„Mag sein, aber er macht mir nicht zu schaffen, entgegnete Jochen bestimmt. „Ich laufe schneller als du, habe mit dem Fahrrad schon die höchsten Berge erklommen, trinke dich jederzeit unter den Tisch, bin in jeder sportlichen Disziplin ausdauernder als du... Also... Er ließ das kalte Bier in seine Kehle glucksen, wechselte das Thema und fragte: „Hast du alles, was ich dir aufgeschrieben habe, besorgt?"

Marcel deutete mit dem Kopf in eine der Zimmerecken. „Ist alles in der Reisetasche dort."

„Zeig her", verlangte Jochen.

Die Brüder wohnten zusammen in der Wohnung ihrer Eltern, die vor einem Jahr bei einem Zugunglück ums Leben gekommen waren. Sämtliche Medien hatten groß und tagelang darüber berichtet. Auf einer eingleisigen Strecke waren zwei Züge frontal zusammengekracht. Es hatte fast hundert Tote gegeben.

Marcel holte die weinrote Reisetasche aus strapazierfähigem Kunststoffgewebe, öffnete den Reißverschluss und legte ihren Inhalt nebeneinander auf den Tisch. „Zwei Paar Latex-Handschuhe. Sportschuhe für dich und mich. Graue Arbeitsmäntel. Kabelbinder. Klebeband. Und hier – die Dick-und-Doof-Masken."

Jochen rieb sich die Hände. „Sehr gut, sagte er zufrieden. „Ausgezeichnet. Wunderbar. Er grinste Marcel an. „Wir werden bald in Geld schwimmen, Bruderherz."

2

Ein greller Blitz zerfetzte die dunkle Nacht, und der Donner, der gleich darauf folgte, war so ohrenbetäubend laut, dass Bärbel Linner heftig zusammenzuckte und sich Schutz suchend an ihren Liebsten schmiegte.

Hast du Angst?, fragte Hubert Finkbach. Der große, starke, hübsche Polizist befand sich in ihrer Kammer. Sie lagen im Bett, zugedeckt mit einer dicken Daunenbettdecke.

Nicht, wenn du bei mir bist, flüsterte die junge Magd.

Hubert gab ihr einen Kuss. Seine Lippen waren warm und weich. Ich hab dich ganz schrecklich gern, Bärbel, sagte er.

Sie drückte ihn innig. Ich dich auch.

Auf dem Kirchweihfest werde ich nur mit dir tanzen, kündigte er an. Kein anderes Madl werde ich anschauen.

Bärbel lachte leise. Das möchte ich dir auch nicht raten. Ich bin nämlich ziemlich eifersüchtig, und ein Bursch, der's mit der Treue nicht genau nimmt, ist nix für mich.

Sie lauschten dem heftig rauschenden Regen. Schwer prasselten die Wassermassen auf das Dach des großen Bauernhauses.

Wie das schüttet, sagte Hubert. Sein Arm lag um Bärbels nackte Schultern. Sie sollte sich bei ihm sicher und geborgen fühlen.

Man könnte meinen, es ist die Sintflut, sagte sie gepresst.

Hubert schaute besorgt zum Fenster. Hoffentlich geht der Lammerbach nicht über.

Wieder blitzte und donnerte es fast gleichzeitig.

Das Gewitter befindet sich genau über unserm Dorf, stellte Bärbel heiser fest. Sie nagte an ihrer Unterlippe, konnte sich nicht erinnern, dass ein Gewitter jemals so heftig gewesen war.

Es wird bald weiterziehen, beruhigte Hubert sie.

Das hoffe ich. Bärbel zog die große Tuchent fröstelnd über ihre Schulter. Wenn die Naturgewalten so wild toben, merkt man erst, wie klein und hilflos der Mensch eigentlich ist. Der nächste Blitz flammte auf. Taghell war es für Sekundenbruchteile in Bärbels kleiner Kammer. Ein Zischen und Fauchen war zu hören, und der gewaltige Donnerschlag ließ das alte Haus so sehr erbeben, dass Bärbel erschrocken Heilige Muttergottes! ausrief.

Jetzt hat der Blitz irgendwo eingeschlagen, sagte Hubert, sprang aus dem Bett und eilte zum Fenster. Er konnte nichts sehen. Der Regen war zu dicht. Es schüttete wie aus riesigen Bottichen. Unruhe im Haus... Laute Stimmen... Trampelnde Schritte... Aufgeregte Rufe... Eine Faust schlug gegen Bärbels Tür. Die Magd hielt unwillkürlich den Atem an.

Bärbel! Das war der Liebherr-Bauer. Sie war bei ihm im Dienst.

Ja?, antwortete sie mit belegter Stimme.

Der Blitz hat die alte Linde vor der Kirche getroffen, hat ihr einen dicken Ast abgerissen!, rief Balthasar Liebherr. Und der Lammerbach steigt und steigt... Er wird aus den Ufern treten... Das Vieh vom Horninger-Franz ist in Gefahr... Wir müssen helfen... Kommst du?

Ja! Sofort!

Der reiche Liebherr-Bauer und sein Nachbar waren sich nicht immer grün. Manchmal stritten sie im Wirtshaus, dass die Fetzen flogen, aber in Notfällen waren sie füreinander da. Bärbel verließ hastig ihr Bett und zog sich an. Draußen polterten schwere Schuhe die Holztreppe hinunter.

Der Jungbauer klopfte an die Tür der Magd. Bärbel?

Ich komme! Sie zog Gummistiefel und Regenmantel an und wandte sich an Hubert. Da es dem Liebherr-Bauern nicht gefallen hätte, dass seine Magd in seinem Haus mit einem Mann zusammen war, sagte sie leise: Ich gehe jetzt. Warte kurz, und pass auf, dass dich keiner aus meiner Kammer kommen sieht.

Hubert Finkbach zog unwillig die Augenbrauen zusammen. Ich hasse es, mich zu verstecken.

Bitte. Sie streichelte seine Wange. Sei gescheit. Ich möchte keinen Ärger haben.

Das ganze Dorf weiß, dass wir ein Paar sind.

Dagegen hat der Liebherr-Bauer auch nichts, sagte Bärbel. Er will nur nicht... Du weißt schon. Sie küsste ihn ganz schnell auf den Mund und lief dann zur Tür.

3

„Und nun... pass auf, sagte Jochen Riedinger zu seinem Bruder. Er setzte die Bierflasche noch einmal an, und als er sie auf den Tisch zurückstellte, war sie leer. Seine Augen glänzten. „Jetzt kommt der Hammer!, sagte er grinsend, verließ das kleine, billig möblierte Wohnzimmer und kam in der nächsten Minute wieder.

Marcel sah ihn irritiert an. Er strich sich das brünette Haar aus der Stirn und fragte: „Und? Wo ist der Hammer?"

„Hier." Jochen griff nach hinten, zog zwei Gegenstände aus dem Gürtel und legte sie neben die Dinge, die sein Bruder besorgt hatte, auf den Tisch.

Marcel zuckte zusammen und riss entsetzt die Augen auf. „Grundgütiger, was ist das?"

Jochen zuckte grinsend mit den Achseln. „Kanonen. Wummen. Knarren. Schießeisen. Kugelspritzen. Ballermänner. Pistolen... Es gibt sehr viele Namen dafür."

„Bist du noch zu retten?", stieß Marcel entgeistert hervor.

„Wieso?"

„Von Waffen war nie die Rede."

„Nun mach dir nicht schon wieder ins Hemd."

„Ich fasse so ein Ding nicht an."

„Meine Güte, hab dich nicht so."

Marcel schüttelte heftig den Kopf. „Keine Pistolen, Jochen. Das kommt nicht infrage."

Jochen lachte unbekümmert. „Krieg dich wieder ein, Bruder. Das sind keine echten Waffen, sondern Spielzeugpistolen. Damit kannst du überhaupt nichts anstellen. Wir jagen Gustav Braunhuber mit diesen täuschend echt aussehenden Kanonen lediglich einen Mordsschrecken ein. Er wird seine teure Hose voll kacken, wenn er diese Dinger sieht, keinen Widerstand leisten und alles tun, was wir von ihm verlangen."

Marcel griff zögernd nach einer der beiden Pistolen und betrachtete sie von allen Seiten. „Ich habe zwar noch nie eine Kanone in der Hand gehabt, aber die muss man für echt halten."

Jochen griente. „Made in China. Er erhob sich, zog den grauen Arbeitsmantel an, setzte die Oliver-Hardy-Maske auf, schnappte sich die zweite Pistole, wedelte aggressiv damit und rief energisch: „Hände hoch, sonst knallt's!

Da er keine echte Waffe auf Marcel richtete, spielte dieser mit und hob mit gespielter Furcht die Hände. „N-nicht schießen, bettelte er schlotternd und stotternd. „B-bitte, b-bitte nicht schießen!

Aber Oliver Hardy drückte trotzdem ab und machte: „Peng!"

Und Marcel starb getroffen einen filmreifen Tod.

4

Nur die alten Leute von Sonnleiten hatten den Lammerbach schon einmal so entfesselt erlebt. Damals hatte er eine Brücke weggerissen und eine kleine Kapelle so unterhöhlt, dass sie eingestürzt war.

Seite an Seite kämpften die Sonnleitener gegen die schlammbraunen Wassermassen. Sie errichteten Barrieren und dichteten sie mit Sandsäcken ab.

Bärbel half mit, die gefährdeten Tiere in Sicherheit zu bringen. Sie trieb mit dem Pfarrer und dem Kaplan Kühe, Pferde und Schweine aus dem überfluteten Stall, war trotz des Regenmantels nass bis auf die Haut, weil sie zweimal gestürzt war. Der Lammerbach schob Erde, Holz und Geröll am Stall vorbei. Das Wasser reichte Bärbel bis an die Knie und war eiskalt. Eines der Pferde geriet in Panik, bäumte sich wiehernd auf und schlug aus. Es traf den Kaplan. Der schrie auf, warf die Arme hoch, flog rücklings ins dreckige Wasser und ging unter.

Hilfe!, schrie Bärbel entsetzt. Hilfe! Hierher! Der Kaplan! Er ertrinkt!

Männer stürzten herbei, hoben den bewusstlosen Kaplan aus dem Wasser und trugen ihn fort. Hubert Finkbach tauchte neben Bärbel Linner auf.

Sein dichtes blondes Haar klebte wie eine dunkle Mütze an seinem Kopf. Bist du in Ordnung?, schrie er besorgt.

Ja, schrie sie in den Lärm des Unwetters. Es war so, als würde die Welt untergehen.

Hubert hatte gesagt, das Gewitter würde bald weiterziehen, doch es blieb, und Bärbel hatte den Eindruck, dass es an Heftigkeit sogar noch zunahm.

Jedesmal wenn es blitzte, duckte sie sich ängstlich, und ihr rasten all die schrecklichen Geschichten durch den Kopf, die man sich von den vielen Opfern erzählte, die der Blitz sich schon geholt hatte.

Allein in Sonnleiten sollte er in einem Zeitraum von zehn Jahren drei Menschen erschlagen haben, und so ein Unglück konnte jederzeit wieder passieren.

Sechs Stunden tobte das Unwetter über Sonnleiten mit beängstigender Wildheit. Dann ließ es allmählich nach und zog über die Schafalm hinweg nach Forstenau und Ebenkirchen.

Als der Morgen graute, rissen die Wolken auf, und die ersten Sonnenstrahlen ließen die erschöpften Sonnleitener erkennen, dass sie der entfesselten Natur mit beachtlichem Erfolg getrotzt hatten.

Der Schaden, den die Wassermassen angerichtet hatten, hielt sich in Grenzen. Der größte Teil der tosenden Fluten konnte abgeleitet werden, und da es nicht mehr regnete, kehrte der Lammerbach allmählich in sein Bett zurück. Keiner ging nach Hause. Alle beteiligten sich an den umfassenden Aufräumarbeiten. Überflutete Keller wurden ausgepumpt. Entwurzelte Bäume wurden mit Traktoren fortgeschleppt. Dutzende Schaufeln kamen gegen Schlamm und Geröll zum Einsatz.

Was immer es für Querelen in Sonnleiten gab - in Krisenzeiten hielten die Dörfler wie Pech und Schwefel zusammen.

5

„Wann geht es los, Jochen?", fragte Marcel Riedinger, während er hinter dem Haus an seinem Motorrad – einem V4-Crosstourer von Honda - herumschraubte, damit es am Tag X bestens in Schuss war. Er trug einen blauen Overall, hatte Schmutzflecke im Gesicht und wischte sich die öligen Finger mit einem alten Handtuch ab.

Jochen boxte ihn lachend. „Kannst du's nicht erwarten?"

Marcel zog die Augenbrauen zusammen und seufzte. „Na ja, ich hätte es schon gerne hinter mir. Ich werde von Tag zu Tag kribbeliger, schlafe nicht mehr so gut, träume immer wieder davon, dass etwas schiefgeht..."

Jochen legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte zuversichtlich: „Es wird nichts schiefgehen. Du wirst dich wundern, wie geschmiert alles ablaufen wird. Er lächelte. „Ich muss dich noch um ein klein wenig Geduld bitten. Zur Belohnung gibt es dann aber einen Geldregen vom Feinsten. Er zeigte auf die Maschine. „Wie geht es deinem Gaul?"

Marcel tätschelte den rot lackierten Tank. „Er ist bei bester Gesundheit."

„Er darf uns im entscheidenden Moment nicht im Stich lassen."

„Das wird er nicht, darauf kannst du dich verlassen. Mit dieser Maschine haben die Japaner ein wahres Universaltalent geschaffen."

„Und du hast sie für 'nen Appel und 'n Ei bekommen."

Marcel nickte. „Weil Lothar so ein Vollidiot ist."

Jochen wackelte mit dem Kopf. „Ist was ziemlich Schlimmes, so eine verteufelte Spielsucht. Die kann dich ganz schnell ins Verderben reißen. Du verlierst oft über Nacht alles. Deine Familie. Deine Freunde. Dein ganzes Hab und Gut. Deine Freiheit... Und das alles nur, weil du die Finger nicht von den blöden Karten lassen kannst. Ich bin froh, dass

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