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Raue Wege - 9 Western Romane: 1079 Taschenbuchseiten Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

Raue Wege - 9 Western Romane: 1079 Taschenbuchseiten Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

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Raue Wege - 9 Western Romane: 1079 Taschenbuchseiten Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

Länge:
1.060 Seiten
15 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Feb. 2018
ISBN:
9783736873032
Format:
Buch

Beschreibung

Der Umfang dieses Ebook entspricht 1079 Taschenbuchseiten.
Niemand vermochte den Wilden Westen so authentisch zu beschreiben wie Pete Hackett. Er schuf ein einzigartiges Werk von atemberaubender Dramatik.
Harte Männer im Kampf um Recht und Rache - Dramen, wie sie nur vor der Kulisse der amerikanischen Pionierzeit denkbar sind.
Dieses Ebook enthält folgende neun Romane:
Sterbelied für Desperados
Das gnadenlose Gesetz
Die Verdammten des Südens
Mit ihm war der Hauch des Todes
Weide in Flammen
Sein Name war Gesetz
Den Hals in der Schlinge
Einsam sind die Tapferen
Dakota
Cover: STEVE MAYER
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Feb. 2018
ISBN:
9783736873032
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Raue Wege - 9 Western Romane - Pete Hackett

München

Raue Wege – 9 Western Romane

von Pete Hackett

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© 2015 der Digitalausgabe by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Der Umfang dieses Ebook entspricht 1079 Taschenbuchseiten.

Dieses Ebook enthält folgende neun Romane:

Sterbelied für Desperados

Das gnadenlose Gesetz

Die Verdammten des Südens

Mit ihm war der Hauch des Todes

Weide in Flammen

Sein Name war Gesetz

Den Hals in der Schlinge

Einsam sind die Tapferen

Dakota

Sterbelied für Desperados

Der Rancher John Slade wird im Auftrag des benachbarten Ranchers Bill Mahone in der Stadt Tascosa des Viehdiebstahls beschuldigt und erschossen, da Mahone Slades Land haben möchte. Als Slades Sohn Waco, der vor Jahren nach einem Streit mit seinem Vater das Land verlassen hatte, Wochen später von dem Mord erfährt, schwört er sich Rache und versammelt eine Mannschaft von Gunslingern um sich, um Tascosa in Angst und Schrecken zu versetzen und selber zum Gesetzlosen zu werden.

*

»Tausend Dollar sind eine Menge Geld für eine Unze Blei«, sagte Bill Mahone gedehnt. Seine Stimme klang kühl. Aufmerksam beobachtete er den Hageren.

Der nickte.

»Sicher«, erwiderte er. »Es ist aber auch eine gefährliche Sache, auf die ich mich einlasse. Der Sheriff …«

Er verstummte, als Mahone ungeduldig abwinkte.

»Der Sheriff«, entgegnete er verächtlich, »ist die größte Pflaume im County. Er frisst mir aus der Hand, wenn ich will.«

Bill Mahone räusperte sich.

»Trotzdem verlange ich von Ihnen perfekte Arbeit. Es darf kein Makel an dem Namen Mahone haften, wenn Sie Ihren Job beendet haben, verstanden?«

In den Mundwinkeln des Hageren zuckte es, dann umspielte ein hämisches Lächeln seine Lippen. »Keine Bange, Rancher«, erklärte der hoch gewachsene Mann mit dem scharf geschnittenen Gesicht und den glitzernden Augen. »Ihr Name bleibt sauber, dafür garantiere ich.«

»Dann ist es ja in Ordnung. Brauchen Sie einen Vorschuss?«

»Fünfhundert, wenn's recht ist.«

Im Gesicht Bill Mahones traten scharf die Wangenknochen hervor. Dann gab der grauhaarige, wettergegerbte Boss der M im Kreis sich einen Ruck.

*

John Slade lehnte an der Theke im Trailman Saloon von Tascosa. Seine rechte Hand hielt das halbleere Bierglas umklammert. Ein dickleibiger Mann mit Glatze sprach auf ihn ein. John hörte kaum hin. Es interessierte ihn nicht besonders, was der Glatzköpfige zu erzählen hatte. So vernahm er nur mit halbem Ohr, als der Bursche sagte: »Regen täte verdammt Not. Wasserlöcher und Brunnen auf den Weiden trocknen aus. 1875 hatten wir auch so einen höllisch heißen Sommer. Reihenweise verendete damals das Vieh …«

»Dreh dich um, Slade!«

Die klirrende Stimme ließ den fetten Kerl neben John augenblicklich verstummen.

John Slade war zusammengezuckt. Er duckte sich unwillkürlich unter dem peitschenden Klang der Stimme. Sekundenlang hielt er die Luft an, dann stellte er das Bierglas auf den Schanktisch und drehte sich um.

Der Dicke neben ihm pfiff durch die Zähne, so, als wäre ihm ein Licht aufgegangen und er hätte die Situation schlagartig erfasst. Sein Blick hetzte zwischen John und dem hochgewachsenen Fremden bei der Pendeltür hin und her, dann beeilte er sich, aus Johns Nähe zu kommen.

Er hatte wohl tatsächlich begriffen.

Und nicht nur er.

Um John herum wurde es plötzlich lebendig, hastige Schritte dröhnten über die Fußbodendielen, ein rauer Fluch übertönte alles, ein Glas klirrte zu Boden.

Und dann war es still. Nur mehr gepresstes Atmen war zu vernehmen. John Slade stand allein am Tresen. Einsam, verlassen und — irgendwie verloren. Ein Mann von zweiundfünfzig Jahren, den ein Leben voller Entbehrungen und knochenbrechender Arbeit geformt, aber auch gebeugt hatte.

Vor nahezu 30 Jahren war er mit seiner Frau in das Land zwischen Canadian River, Alamocito Creek und Middle Alamoso Creek gekommen. In der Nähe des Canadian, der die Slade-Weide nach Norden begrenzte, hatte er ein Haus gebaut. Seine beiden Kinder waren in diesem Haus zur Welt gekommen, seine Frau war in diesem Haus gestorben.

John hatte niemals aufgegeben. Das Land südlich des Canadian war ihm zum Schicksal geworden, ihm und seiner Familie. Nur noch er und Judith lebten auf der Ranch. Judith, seine Tochter. Was er aus der Ranch erwirtschaftete, reichte für Judith und ihn zum Leben. Mehr allerdings konnte er nicht erwarten und erwartete er auch gar nicht.

Die Worte des fremden Mannes klangen in John Slade nach. Er spürte, wie seine Kehle trocken wurde.

»Was — was wollen Sie von mir?«, fragte er heiser und stockend.

Der Fremde ließ sich Zeit mit der Antwort. Es hatte den Anschein, als bereitete es ihm Genuss, den anderen zappeln zu lassen. Er legte den Kopf ein wenig schief, schob sich mit den Fingerspitzen seiner Linken den breitrandigen Hut ein wenig aus der Stirn, dann sagte er: »Du bist ein Viehdieb, John Slade, ein niederträchtiger Rinderdieb. Wo Rustler hingehören, weißt du. Sie gehören an das Ende eines Stricks, ganz einfach.«

John zog scharf die Luft durch die Nase ein. Sein Gesicht lief dunkel an.

»Das ist eine gottverdammte Unterstellung, eine Verleumdung!«, rief er erregt. »Niemals habe ich auch nur ein Maverick von einer fremden Weide getrieben. Bei Gott … Sie kommen daher und bezeichnen mich als Rustler. Wer gibt Ihnen das Recht? Wer sind Sie überhaupt?«

»Mein Name ist O'Connor. Jim O'Connor. Und das Recht!« O'Connor lachte böse auf, klatschte mit den flachen Händen gegen die Holster an seinen beiden Oberschenkeln. »Die hier geben mir das Recht.«

Da wusste John Bescheid. Es war ein abgekartetes Spiel. Bill Mahones Viehbestand hatte sich in den letzten Jahren derart vermehrt, dass Mahones Weide zu klein geworden war. Nun streckte er seine Hände nach dem Land zwischen Alamocito Creek, Middle Alamoso und East Creek aus. Da gab es saftiges Weideland und Wasser in Hülle und Fülle.

Bereits drei Angebote Mahones hatte er ausgeschlagen. Zuletzt hatte er den Rancher und dessen raubeiniges Rudel mit der Winchester in den Fäusten von seinem Grund und Boden gejagt.

Doch nun schien es, als hätte Mahone den Spieß umgedreht, als wollte er es auf die raue, tödliche Art und Weise zu Ende bringen.

Die weiteren Worte Jim O'Connors brachten ihm die Gewissheit.

»Ich habe in deinem Stall unter einem Haufen alten Gerümpels ein Dutzend Häute mit dem Brand der M im Kreis gefunden, Slade«, erklärte der Gunman. »Deine eigenen Kühe waren dir wohl zum Schlachten zu schade, wie? Da hast du dir deine Steaks einfach von Mahones Weide geholt.«

»Eine feine Art, einem unbequemen Nachbarn etwas anzuhängen.« John hatte es beinahe leidenschaftslos ausgestoßen. Er wusste, dass er nie ein Rind mit dem M im Kreis-Brand geschlachtet und gehäutet hatte. Und vielleicht hätte er jedem anderen, der ihn dessen verdächtigt oder beschuldigt hätte, dies lautstark ins Gesicht geschrien, möglicherweise auch die Zähne in den Hals geschlagen. Diesem O'Connor gegenüber wäre dies sinnlos, wenn nicht gar unmöglich gewesen.

John Slade hatte erkannt, dass er sich in einer nahezu ausweglosen Situation befand, dass er gegen den Schießer Mahones keine Chance hatte, weder mit Worten noch mit der Waffe in der Faust.

Johns Magen krampfte sich zusammen. Er spürte plötzlich die Angst in sich aufsteigen, und mit der Angst kam die Verzweiflung. Sein Atem begann zu rasseln.

»Wie viel – wie viel bezahlt Ihnen Mahone für diese Schmutzarbeit?«

Irgendwie versuchte er O'Connor hinzuhalten, wollte er Zeit gewinnen. Hinter seiner Stirn wirbelten die Gedanken. John suchte einen Ausweg. Er war kein Lamm, das sich als willenloses Opfer zur Schlachtbank führen ließ.

Über O'Connors Lippen drang ein schepperndes Lachen.

»Mahone hat mich sozusagen als Weidedetektiv auf seine Lohnliste gesetzt. Mein Auftrag lautet, Burschen deines Schlages das dreckige Handwerk zu legen. Habe ich Glück, erhalte ich ein Honorar …«

»Und haben Sie kein Glück, dann helfen Sie nach, indem Sie irgendjemand einen Viehdiebstahl in die Schuhe schieben.«

John Slade hatte es laut und verbittert ausgestoßen. Er hatte seine alte Verfassung zurückgewonnen und klammerte sich an die Hoffnung, dass jemand den Sheriff verständigen würde. Chris Holyman konnte ihn aus dieser tödlichen Klemme befreien, sonst niemand.

»Jetzt wirst du auch noch frech, wie?«, keifte O'Connor. Ein bösartiges Flackern war einen Sekundenbruchteil in seinen Augen. »Nur zu, Slade. Du darfst das. Ein Mann in deiner Lage darf fast alles. Ein Mann, der …«

»… gleich tot sein wird. Das meinen Sie doch?« So schnitt ihm John das Wort ab. »Sie sollten eines nicht vergessen: Wir leben in einem halbwegs zivilisierten Land. Und wir haben ein Gesetz. Mörder hängt man in Texas, O'Connor. So verlangt es das Gesetz.«

»Auch Viehdiebe landen hier am Galgen, Slade.«

»So ist es. Warum gehen Sie denn nicht zum Sheriff und zeigen mich an? Er wird Ihren Anschuldigungen auf den Grund gehen. Und sollte er mich des Viehdiebstahls überführen, dann wird er mich vor Gericht bringen und man wird mich verurteilen, nach Recht und Gesetz. Sie, O'Connor, wissen, dass ich kein Viehdieb bin. Mahone weiß es, jeder hier. Und der Sheriff würde es auch feststellen. Darum versuchen Sie mich herauszufordern, denn Mahone will mich loswerden, für immer und ewig. Das ist der Grund, weshalb Sie es selbst in die Hand nehmen - in die Hand nehmen müssen. Erst wenn ich tot bin, ist für Bill Mahone der Weg frei.«

»Was soll ich darauf antworten?«

Die Schultern O'Connors strafften sich nach diesen Worten, von den Zügen des Gunman war kein Zeichen der Regung abzulesen. Sie wirkten wie zu Stein erstarrt.

»Wir brauchen keinen Sheriff, um klare Verhältnisse zu schaffen«, schnappte der Schießer. »Diese Sache geht nur Mahone etwas an, dich, Slade, und mich natürlich. Jeder andere wäre zu viel in diesem Reigen.«

»Bilden Sie sich nur nicht ein, dass ich verrückt genug bin, nach dem Colt zu greifen.« John schüttelte den Kopf. »Ich werde Ihnen keinen Grund geben.«

»Dann nimmst du dir selber die letzte Chance, du Narr. Ich werde kurzen Prozess mit dir machen.«

Ruckartig setzte O'Connor sich in Bewegung. Er glitt wie ein Raubtier auf John zu. Bei jedem seiner Schritte streiften seine Handgelenke die Revolverkolben.

Jim O'Connor war entschlossen, den Smallrancher zu töten. Der Gunman war ohne Skrupel und gnadenlos.

John Slade hatte plötzlich das Gefühl, als streifte ihn der Eishauch des Todes. Er erbebte innerlich.

Da handelte O'Connor.

Seine linke Hand zuckte schattenhaft schnell in die Höhe, traf klatschend Johns Wange.

Das war die Art Jim O'Connors einen Mann herauszufordern.

Ein paar Männer stöhnten auf, es kam wie aus einem Mund. Auf eine solche Beleidigung gab es nur eine Antwort.

Seltsame Unruhe entstand ringsum. Aber niemand krümmte auch nur einen Finger, um John Slade zu helfen. Hier war sich ein jeder selber der Nächste. Der andere musste eben zusehen, wie er zurechtkam.

Über Johns Lippen war ein abgrundtiefes Ächzen gedrungen, als er auf diese hundsgemeine Art gedemütigt wurde. Seine verarbeiteten Hände zuckten vor, so, als wollte er dem Gunman an die Kehle fahren. Mitten in der Bewegung aber erstarrte John.

Er durfte O'Connor keinen Grund geben.

Dessen Hände lagen bereits auf den Revolverkolben, bereit, die Eisen aus den Holstern zu reißen und heißes Blei aus den Läufen zu jagen.

John nahm dies mit seltener Klarheit auf. Langsam löste sich in ihm die Verkrampfung. Seine Wange brannte von dem Schlag. Das Bewusstsein, vor der ganzen Stadt gedemütigt worden zu sein, drang in sein Denken wie ein glühender Stachel. Mit eiserner Hand zwang er sich zur Ruhe.

O'Connor gegenüber den Helden spielen zu wollen, wäre einem Selbstmord gleichgekommen.

Langsam drehte John sich um und zeigte dem Revolverschwinger den Rücken.

Mit dieser Reaktion hatte O'Connor nicht gerechnet. Er schnappte nach Luft, dann blaffte er: »Lieber feige als tot, wie?«

John schenkte ihm keine Beachtung. Er nahm vielmehr sein Bierglas, setzte es an den Mund und trank. Er gab sich Mühe, das Zittern seiner Hand zu verbergen, es gelang ihm jedoch nicht so richtig. Seine Gedanken arbeiteten sprunghaft.

Wo blieb nur Chris Holyman, der Sheriff? Irgendjemand musste ihn doch verständigt haben. Diese Stadt konnte doch nicht zusehen, wie …

O'Connor löste die Hände von den Knäufen. Wie die Klauen eines Adlers legten sie sich auf Johns knochige Schultern, wirbelten den Smallrancher herum.

Bier schwappte über den Glasrand, John taumelte. Er kam nicht richtig zum Denken, da traf ihn O'Connors Faust eisenhart auf den Mund. Johns Lippen platzten augenblicklich auf, dunkles Blut rann sein Kinn hinunter und tropfte auf den Boden, vermischte sich mit dem verschütteten Bier.

Ein unbeherrschter Aufschrei brach sich Bahn aus John Slades Mund. Achtlos ließ der Rancher das Glas fallen, seine Rechte schnappte nach dem alten schweren Armeecolt an seiner rechten Hüfte.

Jim O'Connor lachte scheppernd. Und als John sein Eisen halb aus dem Holster hatte, zuckten seine Hände zu den abstehenden Kolben. Der Gunman zog traumhaft schnell. Seinen Bewegungen war mit den Augen kaum zu folgen.

Feuer und Blei rasten aus den Mündungen auf John Slade zu, die Wucht der Geschosse warf ihn gegen den Schanktisch. Entsetzen, Verzweiflung und Todesangst verzerrten das lederhäutige Gesicht Johns, seine Lippen formten tonlose Worte.

Er rutschte langsam am Tresen hinunter, fiel zur Seite, schlug hart mit dem Gesicht auf die abgetretenen Dielen.

Sein letzter Gedanke galt seiner Tochter Judith.

Dann war John Slade tot.

Ein eiskalter Mörder hatte einen blutigen Schlussstrich unter ein hartes Leben voller Entbehrungen und Nöte gezogen — sinnlos, grausam, unvorbereitet.

*

Waco Slade stapfte beinahe gelangweilt den Bohlensteig hinunter. Das ausgetrocknete Holz ächzte unter seinen Schritten. Er blieb stehen, als Paul Henderson aus seinem Drugstore trat, grüßte und geschäftig sagte: »Eben ist mit der Postkutsche die Winchestermunition angekommen, Sheriff. Ich habe Ihre fünfundzwanzig Packungen zur Seite gelegt. Nehmen Sie das Zeug gleich mit, oder soll ich es in Ihr Office schaffen lassen?«

»Ihr Boy soll die Munition in mein Büro bringen, Mr. Henderson. Besten Dank übrigens für die Einladung zum Abendessen am Sonnabend. Ihre Frau ist als ausgezeichnete Köchin in der Stadt bekannt. Ich freue mich schon darauf, ihre Kochkunst am eigenen Leib zu erproben.«

Paul Henderson grinste.

»Noch mehr freut sich Betsy, wenn auch bei ihr die Freude in eine andere Richtung geht, in eine ganz andere. Sie wissen ja selbst, Sheriff, wie sehr das Mädchen in Sie verknallt ist.«

Waco lächelte. »Ich weiß schon, Mr. Henderson. Betsy schwärmt für mich, wie das Mädchen in ihrem Alter eben tun. Wenn ich nur daran denke, wie ich als Zwölfjähriger in meine Lehrerin verschossen war …« Er lachte auf. »Johnny Brennan, der Sohn unseres Schmieds, macht Ihrer Tochter verliebte Augen. Vielleicht können Sie sich ein wenig für den Boy erwärmen. Er würde schon vom Alter her prächtig zu ihr passen.«

Paul Henderson verdrehte die Augen, erwiderte dann aber Wacos Lächeln.

Waco Slade marschierte weiter.

Die Stadt war ruhig. Um diese Zeit war sie immer ruhig. Lauter wurde sie erst abends und an den Wochenenden. Sie wurde aber niemals zu laut.

Dafür sorgte Waco Slade.

Vor zwei Jahren hatte er den Stern in Casper, Wyoming, genommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Casper eine wilde Stadt voll böser Tücken und übler Lasterhaftigkeit gewesen.

Waco kehrte mit eisernem Besen, fegte mit Pulverdampf und heißem Blei jede Art von Gesindel aus der Town und ließ weder Unruhe noch Gesetzlosigkeit in Casper Fuß fassen.

Eine harte Zeit lag hinter Waco.

Nun aber war er Sheriff in einer ruhigen, friedlichen Stadt. Er kam an der Futtermittelhandlung vorbei, passierte die City Hall, warf einen Blick in Buck Cogans Schnapsbude, betrat die Posthalterei.

Tom Bixby, der Lenker der Overland Stagecoach, die zweimal in der Woche durch Casper kam, rief grinsend: »Hallo, alter Feuerfresser! Lange nicht mehr gesehen. Wie ich feststelle, steht dieses lausige Nest noch, und sein Sheriff erfreut sich bester Gesundheit. James Miller und seine Raureiter haben also ihre Drohung, Casper an allen vier Ecken anzuzünden und dem Erdboden gleichzumachen, nicht wahrgemacht, nachdem du sie ganz übel hast auflaufen lassen, als sie hier den Teufel loslassen wollten.«

»Nicht eine Nasenspitze war von ihm und seiner Höllenmannschaft in den vergangenen vier Wochen zu sehen. Sie werden sich ihre Wunden lecken und überlegen, wie sie mich am sichersten zu meinen Vorfahren schicken. — Wie war der Weg, Tom? Besondere Vorfälle?«

»Kein Bandit dieser Welt ist scharf auf irgendwelche Liebesbriefe, die wir durch das Land kutschieren. Wir müssten schon Gold oder gemünztes Silber durch die Gegend fahren, damit das zwielichtige Gesindel Wyomings auf uns aufmerksam würde. Du bist doch meiner Meinung, George, altes Ross?«

George war Toms Begleitmann. Das Gehalt für ihn hätte sich die Overland Company sparen können, denn auf dieser Linie wurde tatsächlich nichts anderes befördert als Briefe und Päckchen, für die sich kein Outlaw interessierte. Einmal hatte George bereits die Kündigung in der Tasche. Da ergriff der alte Tom Bixby für ihn Partei.

»Entweder George fährt weiterhin neben mir auf dem Kutschbock dieser Linie«, hatte er wütend getönt, »oder es fährt überhaupt keiner mehr von uns beiden. Sie sollten gut darüber nachdenken.«

Für Toms Boss gab es nicht viel zu überlegen. Tom Bixby war ein viel zu ausgefuchster Kutscher. Die Overland Company konnte und wollte auf ihn und seine Erfahrungen nicht verzichten. Und so blieben sie beide, Tom Bixby und George Stevens …

George nickte, als Tom ihn fragte, ob er dessen Meinung sei.

Waco wünschte den beiden eine gute Weiterfahrt, dann verließ er die Poststation.

Im Sheriff's Office erwartete ihn sein Gehilfe mit ernstem Gesichtsausdruck.

»Du kommst doch aus der Gegend von Tascosa, Texas, Waco, wenn ich nicht irre?«, fragte der Deputy.

»So ist es«, erwiderte Waco. Er war aufmerksam geworden. Dave Tucker musste schließlich einen Grund haben, wenn er eine solche Frage mit einem derart düsteren Gesichtsausdruck stellte.

Dave Tuckers Kiefer mahlten. Er angelte sich eine verknitterte und vergilbte Zeitung vom Schreibtisch und hielt sie Waco hin.

»Lies mal diesen Artikel.« Dave deutete auf eine bestimmte Stelle auf der Vorderseite der Gazette.

Waco las, und mit jedem Wort, das er in sich aufnahm, veränderten sich seine Züge. Sie wurden hart und kantig. Dann war Waco fertig. Er schaute auf das Datum des Blattes.

»Vier Wochen alt.« Er rieb sein Kinn und sah Tucker durchdringend an. »Woher hast du sie?«

»Sie lag beim Barbier herum. Ich las den Bericht, als ich darauf wartete, rasiert zu werden. Nachdem ich einiges aus deiner Vergangenheit kenne, brachte ich die Sache mit dir in Verbindung. Ist es …«

Er verstummte, als Waco abgehackt sagte: »Dieser John Slade hier in dem Artikel war mein Vater. Hier steht, dass ihn ein Weidedetektiv erschoss, nachdem er ihn des Viehdiebstahls überführte. Das — das ist unmöglich. Dad, ein Viehdieb? Eher hätte er sich selber eine Kugel durch den Kopf gejagt.«

Seine Stimme hatte flach und tonlos geklungen, zugleich aber bitter und grimmig.

Langsam hob Waco den Blick. Er starrte an Dave Tucker vorbei auf einen unbestimmten Punkt an der Wand.

Eine Flut von Gedanken und Gefühlen wälzte sich hinter seiner Stirn.

Eine Stunde später verließ Waco Slade Casper. Die Nase seines Pferdes zeigte nach Südosten. Es war ein langer Trail, den Waco vor sich hatte.

Waco ritt mit dem festen, unumstößlichen Vorsatz, die Umstände, die zum Tod seines Vaters führten, aufzuklären.

Am Ende seines Trails sollte er nur noch den Tod zum Partner haben.

*

Über sieben Jahre war es her, seit Waco das Oldham County verlassen hatte. Es gab damals einen schlimmen Streit zwischen ihm und seinem Vater. Und im Zorn hatte er die kleine Ranch zwischen den Hügeln zehn Meilen östlich von Tascosa verlassen.

Niemals schrieb er auch nur eine Zeile nach Hause, und niemand in der Heimat erfuhr je von ihm, wo er sich gerade aufhielt. Hätte er die Schwierigkeiten ahnen können, in denen sein Vater steckte, dann wäre er längst nach Hause zurückgekehrt.

Nun aber schien es, als wäre es zu spät.

Die Stadt hatte sich kaum verändert. Einige neue Häuser waren dazugekommen, der Cattleman Saloon auf der linken Seite der Main Street war neu. Aber sonst war alles wie vor sieben Jahren, sogar das Schild mit der Aufschrift »Sheriff« sah unverändert aus.

Ob Chris Holyman noch den Stern trug?

Waco sah es, nachdem er das Office betreten hatte. Chris Holyman war noch immer Sheriff von Tascosa.

Überrascht schaute er auf, als der große, hagere Mann hereinkam. Skeptisch blickte er auf den tief sitzenden Colt an dessen linker Seite, dann sagte er kühl und schnarrend: »Mahones Ranch liegt nördlich von hier, Mister. Big Bill hat Sie doch ins Land geholt, nicht wahr? Nur er hat Bedarf an Kerlen von Ihrer Sorte.«

Es hatte sarkastisch und freudlos geklungen.

Waco lächelte und erwiderte: »Du irrst dich, Chris, wenn du denkst, dass ich jemals Bill Mahones Sattel drücke. Ich werde vielmehr …«

»Ist es die Möglichkeit?« Chris Holymans Augen waren groß und weit geworden, jähes Erkennen blitzte in ihnen auf. »Der verlorene Sohn kehrt auf die Heimatweide zurück.« Ein Schatten schien sein Gesicht zu verdunkeln. »Du kommst zu spät, Waco, wie du immer schon zu spät gekommen bist.« Grimmig sog der Sheriff Luft durch die Nase ein. Dann fügte er hinzu: »Dein Vater wusste damals schon, warum er dich zum Teufel jagte. Er hat genau erkannt, wie wenig du taugst und dass auf dich kein Verlass ist.«

Waco winkte schroff ab. Sein Gesicht war dunkel, hart und kantig geworden, und zu beiden Seiten seiner Mundwinkel hatten sich tiefe Kerben gebildet.

»Weshalb ich mich mit meinem Vater stritt, damals, geht dich nichts an, Holyman«, sagte er kehlig. »Es ist auch nicht mehr wichtig. Durch Zufall erfuhr ich oben in Casper, Wyoming, was sich hier zugetragen hat. Man hat meinen Vater als Viehdieb erschossen. Von dir will ich nun wissen, was dran ist an dieser Story. Und zweitens will ich wissen, was du als Sheriff unternommen hast. Du hast die Angelegenheit doch untersucht, denke ich?«

»Was hätte ich tun sollen? Es gibt nichts zu untersuchen. Auf der Slade-Weide standen über ein Dutzend umgebrändeter Mahone-Rinder. Außerdem fanden Mahones Leute ein Dutzend Häute mit dem M im Kreis-Brand. Das reicht doch aus, wie?«

»Du warst nie ein guter Sheriff, Chris, und ich frage mich, weshalb sie dich seit zwölf Jahren immer wieder wählen.«

Der Sheriff sprang auf. Sein Gesicht hatte sich verzerrt, in sein Augen sprühten zornige Funken. »Raus!«, brüllte er. »Sonst mache ich dir Beine!«

»Natürlich, Chris, natürlich. Ich gehe schon. Nur noch eine Frage: Was ist aus meiner Schwester geworden?«

»Judith?« Der Sheriff beugte sich ein wenig nach vorn, in seinen Zügen wetterleuchtete es. Gallig fuhr er fort: »Sie hat sich dem jungen Mahone an den Hals geschmissen, kaum dass euer Vater richtig kalt war. Dabei wusste sie nur zu gut, dass es ein Mahone-Mann war, der euren Vater im Trailman Saloon erschoss.«

Aus Wacos Gesicht schien sich der letzte Blutstropfen zu verlieren. Seine Finger krümmten und spreizten sich. Abrupt wandte er sich um und verließ das Office.

Er brachte sein Pferd in den Mietstall, dann begab er sich in den Trailman Saloon. Die wenigen Gäste fixierten Waco, schätzten ihn ein und schenkten ihm dann weiter keine Beachtung mehr.

Waco stützte sich mit beiden Ellbogen auf den Tresen.

»Howdy, Sid Binder«, sagte er ohne jeden Unterton. »Kennst du mich nicht mehr, oder willst du mich ganz einfach nicht mehr kennen?«

Der Barkeeper prallte zurück, seine Augen wurden eng, und er starrte auf Waco. Ein Zucken in seinem Gesicht verriet, dass er ihn erkannt hatte. Dann stieß er unfreundlich hervor: »Ah, Waco Slade. Viele Jahre hat man nichts von dir gehört, und es wurden schon Wetten darauf abgeschlossen, dass man dich irgendwo am Hals aufgehängt hat. Bist du etwa gar kein Bandit geworden, oder hat man dich nur noch nicht erwischt?«

Waco hatte sich gar nichts anderes vorgestellt. Er war ein wilder Bursche gewesen, damals, als Zwanzigjähriger. Und er trug — gegen den Willen seines Vaters — tief am Gürtel einen langläufigen Armeecolt. Er hatte gerne getrunken, viel gerauft und hätte um ein Haar den Storehalter erschossen, wenn nicht gerade noch rechtzeitig sein Vater dazwischen gegangen wäre und ihm die Waffe abgenommen hätte. Er hatte ihn, volltrunken wie er war, verprügelt und zu ihm gesagt: »Du bist anders als die anderen Männer hier, du hast das Zeug zum Revolverschwinger, zum Banditen in dir. Verschwinde, verlass das Land und komm nie wieder zurück!«

So hatte er gesprochen, der alte aufrechte John Slade. Es war zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen ihnen gekommen, und dann war Waco losgeritten.

Sie waren im Bösen auseinander gegangen, und nun gab es für Waco keine Gelegenheit mehr, sich mit dem alten Mann auszusöhnen.

»Wie war das mit meinem Vater, Sid?«, fragte er ohne jede Einleitung.

Binder zuckte mit den Achseln.

»Es stand Mahone-Vieh auf seiner Weide, und Mahone hat seine eigenen Gesetze, wenn es um Rustler geht. Hätte er deinen Vater auf frischer Tat ertappt, dann hätte er ihn wohl aufhängen lassen. Aber so …«

»… hat er ihn nicht auf frischer Tat ertappt und ließ ihn nur erschießen, wie?«

Wieder zuckte Binder gelangweilt mit den Achseln. Er wollte sich abwenden, aber Waco hielt ihn am Ärmel zurück.

»Rede, Binder, verdammt!«, herrschte er den Mann an.

Irgendetwas in Binder riet ihm, Waco nicht noch mehr zu reizen. Und so sagte er: »Dein Vater stand hier am Schanktisch, als O'Connor hereinkam. O'Connor sagte ihm, was es zu sagen gab, und dann flog heißes Blei durch die Gegend. Dein Vater griff übrigens zuerst zum Colt.«

Waco schüttelte den Kopf.

»Mein Vater konnte nur miserabel mit dem Sixshooter umgehen. Darum kann ich nicht glauben, dass er auf die üble Anschuldigung eines Revolverhelden hin danach langte.«

»Glaub, was du willst, Slade. Es war so und nicht anders. Wenn du mich fragst, dann seid ihr Slades alle …«

Abrupt verstummte er, versuchte, sich aus Wacos Griff zu befreien. Aber wie eine Stahlklammer hatte sich Wacos Rechte um seinen Unterarm geschlossen.

»Weiter, Binder, weiter!«, zischte Waco zornig. »Sag, was wir Slades alle sind.«

Seine Stimme geißelte den anderen. Der aber hoffte auf Rückenstärkung durch die Gäste, die längst aufmerksam geworden waren, und so wurde er leichtsinnig.

»Schlecht und verkommen seid ihr!«, stieß er hervor. »Jawohl. Dein Alter gab sich als Biedermann und fischte im Trüben, deine Schwester ist ein Flittchen, und du … Ich brauche nur zu sehen, wie du die Kanone umgeschnallt hast, um zu wissen, was dein Broterwerb ist.«

»Du hast recht.« Waco atmete scharf aus. »Ich war Sheriff, oben in Wyoming. Ein heißes Pflaster …« Mit dem letzten Wort schlug er zu. Vollkommen überraschend für Sid Binder. Es knackte trocken, als Wacos geballte Linke gegen Binders Kinnspitze knallte. Sein Kopf flog in den Nacken, ein abgerissener Laut sprang über seine wulstigen Lippen. Waco stieß ihn zurück, er taumelte gegen das Flaschen- und Gläserbord, es schepperte und klirrte.

Drei, vier von den Gästen sprangen erregt auf. Einer fluchte. Sie hatten Front gegen Waco eingenommen und kamen langsam näher. Tödliche Drohung ging von ihnen aus, ihre Gesichter waren wie aus Granit gemeißelt.

Waco, der herumgewirbelt war, wich drei Schritte zur Seite, um Sid Binder nicht mehr im Rücken zu haben. Seine Hand legte sich auf den Coltknauf.

Er kannte die Burschen, die da näher kamen, alle noch von früher. Sie verhielten, und einer sagte rau: »Klemm dir deinen Klepper zwischen die Beine und bring eine Meile zwischen dich und diese Stadt. Du bist hier nicht willkommen, Slade. Hau also ab und wir vergessen, dass du eben Sid Binder geschlagen hast.«

»Seit wann hast du hier etwas zu sagen, Fisher? Dürfen in Tascosa jetzt auch schon miese Kreaturen wie du das Maul aufreißen?«

Fisher sprang einen Schritt vor, eine Lohe heißen Blutes verfärbte sein Gesicht dunkel.

»Dafür schlage ich dir die Zähne in den Hals!«

Er stürmte nach vorn und — erstarrte in der Bewegung. Denn Waco hatte seinen Colt gezogen. Es war eine glatte Bewegung von Hand und Arm gewesen. Die Mündung deutete auf Fishers Bauch.

»Ich habe keine Lust, mich mit dir zu prügeln, Fisher«, sagte Waco kalt. »Zieh also Leine. Und euch dreien rate ich, euch schnell wieder zu setzen und die Hände auf dem Tisch zu lassen, andernfalls kann es höllisch ungemütlich für euch werden.«

»Ja«, rief Fisher voll Hass, »du bist ein verdammter Gunslinger geworden, Slade. Ein großmäuliger Coltmann. Aber das war nicht anders zu erwarten.«

»Halt's Maul und verdufte!«

Sie zogen die Köpfe ein und entfernten sich. Waco wartete, bis die Pendel der Schwingtür hinter ihnen zur Ruhe kamen, dann sagte er laut: »Ich werde das erhalten, was mein Vater aufgebaut hat. Und ich werde herausfinden, ob sich mein Dad tatsächlich an Mahone-Eigentum vergriffen hat, oder ob er nur deshalb sterben musste, weil jemand das so haben wollte. Dieser feigen Stadt spucke ich vor die Füße. Hundert Freunde hatte John Slade hier, aber keiner, kein einziger stand zu ihm, als dieser O'Connor auf ihn losging.«

Er spuckte voll Verachtung auf den Fußboden, holsterte den Colt und verließ den Saloon.

*

Grau und verfallen lagen die Gebäude der kleinen Ranch vor Waco. Die Corrals waren leer, die Fensterläden geschlossen. Eine schief in den Angeln hängende Tür knarrte im schwachen Wind.

Es war deutlich, dass die Ranch seit Wochen nicht mehr bewirtschaftet worden war.

Seit John Slades Tod.

Waco saß ab, schlang die Zügel um den Querholm vor dem Haupthaus. Gelber Staub puderte seine Stiefel, dann überquerte er die Veranda und betrat das Haus.

Alles war noch so, wie er es in Erinnerung hatte. Waco spürte es heiß in sich aufsteigen. Auf dem Kamin in der Wohnstube stand noch das Bild, das die Slade-Familie zeigte. John Slades Hände lagen auf den schmalen Schultern eines Jungen — seinen Schultern. Die Mutter trug ein kleines Mädchen auf dem Arm. Judith. Als Waco fortgeritten war, war sie dreizehn gewesen. Lange betrachtete Waco das Bild.

Ein Jahr, nachdem es in Tascosa aufgenommen worden war, starb Mutter an der Auszehrung einer heimtückischen, schleichenden Krankheit, die die Lungen befallen hatte.

Bilder aus der Vergangenheit entstanden vor Wacos geistigem Auge. Und unwillkürlich lächelte er ohne jede Härte. Dann aber schüttelte er den Kopf. Die Bilder verblassten. Nur die Gegenwart zählte. Nur sie.

*

Waco ließ das Pferd unter sich im Schritt gehen. Er war auf dem Weg zu Bill Mahone und hatte es nicht sehr eilig. Herden von Longhorns kreuzten seinen Weg, und oft war er gezwungen ihnen auszuweichen. Manche Rinder trugen noch den Slade-Brand. Die meisten aber hatten Mahones Zeichen eingebrannt. Allerdings grasten sie auf der Weide, die als John Slades Eigentum ins Grundbuch eingetragen war.

Vor Waco stieg das Land an. Rechts von ihm begann ausgedehntes Buschgelände. Nach Westen dehnte sich die offene Weide.

Waco ließ seine Blicke wandern, nahm alles in sich auf, war aufmerksam und wachsam. Er ritt sozusagen über »Feindesland«, und daher schien ihm Vorsicht geboten.

Wie sehr sie angebracht war, bewies ihm das Aufpeitschen eines Gewehrschusses. Waco spürte den Luftzug der Kugel auf seiner Wange und ließ sich einfach seitlich aus dem Sattel kippen, riss im Fallen sein Gewehr aus dem Scabbard. Hart landete er auf dem von der Sonne ausgedörrten Boden, blitzartig rollte er sich zur Seite, auf den Buschgürtel zu seiner Rechten zu. Zweige knackten. Waco sprang auf und rannte gebückt durch das Strauchgeflecht hangaufwärts. Ein wenig atemlos langte er oben an. Vor seinem Blick dehnte sich das Land tafelflach aus.

Die Heckenschützen hatten in einer flachen Mulde auf dem Hügelkamm Stellung bezogen. Es waren zwei Burschen, wie Cowboys gekleidet.

»Sieht aus, als hätte ich ihn doch getroffen«, sagte einer und Waco konnte seine Worte deutlich verstehen. »War mir im ersten Augenblick nicht sicher. Das verdammte Flirren in der Luft …«

»Hoffen wir's. Soll eine mächtig harte Nummer sein, dieser Slade. Fisher sagt, dass er nie einen Mann schneller den Colt ziehen sah.«

Waco lächelte grimmig. Also Fisher, diese Ratte, hat Mahone von meiner Heimkehr in Kenntnis gesetzt. Und der alte Eisenfresser Mahone wollte auf Nummer sicher gehen und postierte ein paar Schießer zwischen Tascosa und der M im Kreis. Die wilde Wut stieg in Waco hoch, als er daran dachte, dass die Hundesöhne dort in der Mulde sich für diesen niederträchtigen Mordauftrag hergegeben hatten.

»All right, ihr Schufte!«, murmelte er. »Ihr habt es nicht anders gewollt.«

Die Winchester im Hüftanschlag trat er aus den Büschen. Er befand sich schräg hinter den beiden.

»Du hast mich nicht getroffen, mein Freund!«, rief er eisig.

Die beiden warfen sich herum, die Mündungen ihrer Gewehre ruckten hoch. Waco sah ihre verzerrten Gesichter und zog durch. In diesem Moment verspürte er keine Skrupel. Der eine war sofort tot, der andere starb Sekunden später mit einer Verwünschung auf den Lippen. Um Waco herum zerflatterte der Pulverrauch.

Er senkte die Winchester, hatte einen galligen Geschmack auf der Zunge und ging zu seinem Pferd, das mit hängenden Zügeln stehen geblieben war.

*

Cash Mahone traute seinen Augen nicht, als er durch das staubgeränderte Fenster den Reiter erkannte, der langsam über den Ranchhof kam.

»Beim Teufel, Dad«, rief er über die Schulter. »Ich dachte, du hast Slade ein Empfangskommando entgegengeschickt. Entweder waren das die falschen Leute, oder Slade hat einen anderen Weg genommen.«

Bill Mahone, der schwergewichtige, löwenmähnige Rancher trat schnell neben seinen Sohn. Die Wangenknochen mahlten, und über seiner Nasenwurzel schoben sich die Brauen zusammen wie schwarze Raupen.

Im Hof war Waco gerade aus dem Sattel geglitten. Sporenklirrend stakste er über die Veranda. Die Haustür knarrte, als er sie aufstieß. Er befand sich in einem düsteren Gang. Aber Waco kannte sich hier aus. Gleich rechts, die erste Tür, führte ins Ranch Office. Ohne anzuklopfen trat Waco ein. Die feindseligen Blicke der beiden Mahones, die sich äußerlich gar nicht ähnlich waren, trafen ihn.

Er zog die Tür ins Schloss und trat einen Schritt zur Seite, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und erwiderte stumm ihre Blicke.

»Was willst du?« Mahones Stimme klang wie fernes Donnergrollen.

»Was schon?«

In Mahones Mundwinkel zuckte es. »Drück dich deutlich aus!«

»Deutlich ausgedrückt haben sich die beiden Schießhunde, die am Weg auf mich lauerten. Du kannst ihre Namen von deiner Lohnliste streichen, Mahone.«

»Du verdammter …«

»Na, was?«

»Nimm die Peitsche, Dad, und jage ihn zum Teufel!«, stachelte Cash seinen Vater auf.

Waco lächelte spöttisch.

»Hey, Cash, ich habe gehört, dass du drauf und dran bist, mein Schwager zu werden. Beeil dich, sonst saust du vorher noch aus den Stiefeln.«

»Elender Schießhund!«, fauchte der Bursche. »Komm mir ja nicht so. Wir Mahones haben den längeren Arm und …«

»Aber ich habe den schnelleren Arm, Cash, und das wird am Ende ausschlaggebend sein. — Wo ist meine Schwester?«

»Sie will mit dir nichts zu tun haben«, mischte sich Bill Mahone wieder ein. »Sie wird eine Mahone, und du wirst es nicht verhindern können.«

»Ich will sie sprechen.« Mit Nachdruck stieß Waco es zwischen den Zähnen hervor.

Die beiden Mahones wechselten einen schnellen Blick. Bill Mahone schüttelte den Kopf.

»Dies hier ist mein Haus, Slade«, knurrte er, »und du wirst hier mit niemandem sprechen, wenn ich es nicht will. Ich wüsste auch gar nicht, was es zwischen dir und deiner Schwester zu besprechen gäbe. Dein Vater hat dich vor sieben Jahren fortgejagt und dir verboten, je wieder nach Hause zurückzukehren. Judith ist eine erwachsene Frau, und mein Sohn wird sie heiraten. Du wirst daran nichts ändern können, Slade.«

»Sie will also den Mann heiraten, dessen Vater den ihren erschießen ließ. Wenn das kein Witz ist, Mahone.«

»Lach dich nur nicht tot«, schnappte Cash.

»Den Gefallen erweise ich dir gewiss nicht.«

»Dein Vater hat Vieh gestohlen — mein Vieh. Und dafür erhielt er seine Strafe.«

Dies sagte wieder Bill Mahone.

»Du solltest an diesen Worten ersticken müssen, denn du weißt mit Sicherheit, dass sie erstunken und erlogen sind. Du hast diesen Killer O'Connor auf meinen Vater angesetzt, obwohl du wusstest, dass Dad keine Chance gegen diesen Burschen hatte.«

»Es ist O'Connors Aufgabe, meine Weide sauberzuhalten.«

»Und alte Männer abzuschießen, wie?«, warf Waco grimmig ein.

Bill Mahone ging hinter seinen Schreibtisch und setzte sich, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Du wirst dir den Schädel einrennen, Slade«, sagte er dann zynisch. »Meine Weide ist zu klein geworden, und ich musste Land dazu erwerben.«

»Die Art und Weise ist dir wohl egal?«

»Yeah. Und so kam es mir gerade recht, dass O'Connor deinen Vater des Viehdiebstahls überführte.«

»Du drückst dich nicht richtig aus, Mahone. Du wolltest sicher sagen, dass es dir recht gekommen ist, dass O'Connor meinen Dad in deinem Auftrag erschoss und kein Hahn danach krähte. Eines verspreche ich dir: An der Slade-Weide wirst du dir die Finger verbrennen, ganz empfindlich.«

Mahone lachte schallend.

»Du redest immerzu von der Slade-Weide. Es gibt aber keine Slade-Weide mehr. Warum will das nicht in deinen Kopf? Deine Schwester hat an mich verkauft. Ich zahlte ihr zehntausend Dollar.«

»Welche wieder in deine Brieftasche zurückfließen, sobald Cash Judith heiratet.«

»Bist ein kluger Junge, Waco.«

Der hakte beide Daumen hinter den Revolvergurt.

»Meine Schwester konnte das Land überhaupt nicht an dich verkaufen«, knurrte er. »Die Hälfte der Slade-Ranch gehört nämlich mir. Und mir ist nichts davon bekannt, dass Dad mich enterbt hätte. Lass dir von Judith die zehntausend Bucks wieder zurückzahlen. Der Vertrag zwischen ihr und dir ist ungültig, denn du hast vergessen, mich in deine Kalkulation mit einzubeziehen.«

»Du bist kein Problem, Waco. Oder bildest du dir ein, dass ich mich von dir aufhalten lasse?«

»Aufhalten? Zur Rechenschaft werde ich dich ziehen, für den Mord an meinem Vater. Denn dass es Mord war, davon bin ich überzeugt. Und jetzt hole meine Schwester, Cash. Und keine üblen Tricks, sonst werde ich höllisch ungemütlich.«

»Du willst es nicht glauben, Waco«, entgegnete der junge Rancher. »Sie hat sich von dir losgesagt. Sie schämt sich, eine Slade zu sein.«

»Das will ich aus ihrem Mund hören.«

»Hol sie!«, befahl Bill Mahone voll Ungeduld.

Cash verließ das Office, und Waco hörte seine Schritte auf der Treppe. Wenig später kam Cash mit Judith zurück. Sie beachtete Waco kaum, als sie das Zimmer durchquerte und sich neben Bill Mahone stellte, der ihr Gebaren mit einem zufriedenen Lächeln quittierte. Cash baute sich am Fenster auf.

Waco erkannte Judith kaum wieder. Als er vor sieben Jahren die Ranch verlassen hatte, war Judith ein Mädchen mit langen Zöpfen, dünnen Beinen und ungezählten, lustigen Sommersprossen um die Nase gewesen. Nun aber stand sie als Frau vor ihm, hübsch genug, das Herz eines jeden Mannes höher schlagen zu lassen.

»Hallo, Judith«, sagte er, und seine Stimme kam ihm plötzlich fremd vor.

Sie erwiderte seinen Gruß mit einem hochmütigen Nicken. Dann sagte sie kühl und ohne jede Freundlichkeit: »Warum bist du heimgekehrt? Reicht es nicht, dass Vater sterben musste? Soll noch mehr Blut fließen wegen einiger Rinder, wegen irgendwelcher Wasserrechte, wegen einiger Quadratmeilen Weide? Ich liebe Cash und werde ihn heiraten, und ich werde eine Mahone sein. Vater hat sich an fremdem Eigentum vergriffen. Willst du dort weitermachen, wo er aufhörte?«

Wacos Herz hatte sich zusammengekrampft, schlug in wildem Rhythmus.

War das wirklich die Tochter John Slades, die eben diese schonungslose, um nicht zu sagen herzlose Rede gehalten hatte? Alles in Waco sträubte sich, es zur Kenntnis zu nehmen. Und doch war es so. Langsam begriff er es.

»Du wirst eine gute Mahone«, antwortete er verbittert. »Nein, du bist schon wie sie.« Nichts als Verachtung war in diesem Moment in seinen Gesichtszügen.

Sie erwiderte nichts, starrte ihn nur an. Ihr Blick war geradezu feindselig.

Und so ergriff Waco wieder das Wort. Er sagte: »Du hast die Ranch an Bill Mahone verkauft, obwohl du kein Recht dazu hattest.«

»Kein Recht?«, höhnte sie. »Wo warst du denn die ganzen Jahre über? Sollte ich vielleicht die Ranch bewirtschaften, nachdem Vater tot war? Sollte ich hinter Kuhschwänzen herreiten und sie auf den Trail nach Norden bringen? Ich hatte sehr wohl ein Recht, die Slade-Ranch zu verkaufen, denn mit dir war nicht zu rechnen.«

»Und trotzdem hattest du nicht das Recht dazu.«

»Willst du es rückgängig machen? Das kannst du nicht. Die Änderung im Grundbuch ist längst vorgenommen. Ich gebe dir die Hälfte von den zehntausend Dollar, unter der Bedingung, dass du das Land wieder verlässt.«

»Mahones Drecksgeld will ich nicht. Höchstens, um es deinem zukünftigen Schwiegervater in den Hals zu stopfen. Ihr habt euch zu früh gefreut, vor allem du, Bill Mahone. Deine Rechnung wird nicht aufgehen, dafür sorge ich. Und dir, Schwester, gebe ich einen guten Rat. Heirate ihn nicht, denn sonst bist du sehr schnell Witwe. Und das ist nicht gut für eine junge und hübsche Frau.«

Draußen war er, und Sekunden später ritt er von der M im Kreis. Die Gedanken und Gefühle tobten in ihm, und die Enttäuschung über das Verhalten Judiths drohte ihn einige Atemzüge lang resignieren zu lassen.

Nicht länger, denn es war nicht seine Art, einfach aufzugeben. Seine Art war es, sich der Realität zu stellen und — ließ man ihm keine andere Wahl — zu kämpfen.

*

Sie kamen mit der Abenddämmerung. Vier raubeinige, hart gesottene Kerle, in deren Augen die Mordlust glitzerte.

Waco trat hinaus auf den Vorbau, als er den Hufschlag hörte. Er ahnte, in welcher Mission sie kamen, und er rechnete sich seine Chancen aus, gab sich aber gelassen.

Hart zügelten sie ihre Pferde, die Tiere stiegen und drehten sich auf der Hinterhand. Dann verebbte der Lärm, der aufgewirbelte Staub legte sich.

Die vier grinsten und erinnerten Waco an ein Rudel zähnefletschender Wölfe. Einer sagte näselnd: »Du hast offenbar nicht zugehört, als dir Big Bill Mahone erklärte, dass es eine Slade-Ranch nicht mehr gibt. Das Land, auf dem du dich befindest, gehört den Mahones, und du hast hier nichts verloren.«

Waco spürte nahezu körperlich den Hauch des Bösen, der von den Vieren ausging.

»Doch«, entgegnete er sanft, »die Slade-Ranch gibt es noch. Dies hier —«, er vollführte eine weit ausholende Bewegung mit dem Arm, »— ist die Ranch, und vor euch steht ein Slade. Könnt ihr das begreifen? Wenn ja, dann verzieht euch. Denn wenn hier jemand nichts verloren hat, dann seid ihr das.«

»Hört, hört!« Der Anführer des Rudels schien guter Dinge zu sein, denn er lachte belustigt auf. Plötzlich aber wurde sein Gesicht zur Fratze, und er rief: »Du hast vier höllisch heiße Kanonen vor dir, Slade, gegen die du ein Dreck bist, nichts als ein lausiger …«

Der Colt flog förmlich in Wacos Faust, die Mündung wies auf den Anführer des hartgesichtigen Rudels.

»Ein lausiger …«, wiederholte Waco dessen letzte Worte. »Na, los, sprich es ruhig aus!«

Die vier schnappten nach Luft und rissen die Augen auf. Aber ihre Überraschung dauerte nur Sekunden, und jener Bursche, der sich halbrechts hinter dem Sprecher der rauen Mannschaft befand, glaubte an seine Chance. Seine Hand zuckte zum Kolben, glatt kam der Colt aus dem Holster und schwang hoch, da blitzte es an Wacos Hüfte auf.

Die Hütten der Ranch warfen die Detonationen des Schusses zurück, der Mann schwankte im Sattel, wurde kreidebleich, der Colt entglitt ihm und fiel in den Staub. Und dann rutschte er vom Pferd. Mit ausgebreiteten Armen blieb er liegen. Seine Augen brachen.

Aus Wacos Revolvermündung kräuselte ein feiner Rauchfaden, sie deutete wieder auf den Anführer. Der zerbiss einen Fluch, war plötzlich sehr darauf bedacht, seine Hand nicht zu nahe an den Coltknauf heranzubringen und sagte: »Du schießt eine verdammt schnelle und sichere Kugel, Slade. Mir scheint, Bill Mahone hat uns mit einem Himmelfahrtskommando betraut.«

»Wenn du es nur einsiehst, Amigo.«

Der Mann nickte. »Dürfen wir ihn mitnehmen?« Er deutete auf den Toten.

»Ich bitte sogar darum.«

»Legt ihn auf seinen Gaul und bindet ihn fest.« So wandte sich der Wortführer an seine beiden Kumpane. »Und vergesst seine Waffe nicht.«

Die beiden saßen ab, um den Befehl auszuführen, und in dem Moment, als sie bei dem Toten angelangt waren und sich über ihn beugten, hörten sie ihren Anführer sagen: »Ich gebe dir trotzdem den guten Rat, das Land zu verlassen, Slade. Auch gegen deine Sorte ist ein Kraut gewachsen, das Mahone mit Sicherheit kennt.«

Die beiden sahen Waco für den Bruchteil einer Sekunde abgelenkt, und das ließ sie wie Kampfmaschinen handeln. Sie wirbelten herum, rissen die Colts aus den Futteralen, zogen durch. Feuer, Blei und Rauch zuckten aus den Mündungen.

Waco nahm es im letzten Augenblick wahr und hechtete zur Seite. Dort, wo er gestanden hatte, rissen die Projektile den Putz von der Hauswand.

Der Bursche auf dem Pferd hatte sich geduckt und ebenfalls gezogen. Er folgte mit dem Colt Wacos Hechtsprung und drückte ab. Die Kugel durchschlug Wacos linken Oberarm. Er verbiss den Schmerz und feuerte zurück, sah den Mann auf dem Pferd die Arme hochwerfen und wechselte den Colt in die rechte Hand, weil ihn in der linken die Kraft verließ.

Kopfüber stürzte der Gunman aus dem Sattel, das Pferd scheute zur Seite und rollte mit den Augen.

Waco zuckte herum, krümmte den Finger. Der vorletzte Revolverschwinger knickte seitlich ein und presste den Arm auf seine Rippen.

Waco taumelte hoch, hörte das Krachen des Schusses, und im selben Augenblick explodierte etwas vor seinen Augen. Er verspürte noch einen dumpfen Schlag, sah eine Stichflamme hochschießen, dann wurde es schwarz um ihn herum.

Aus!, durchzuckte es ihn noch, dann versank er in unendliche Tiefen.

Die beiden Mahone-Schießer näherten sich ihm, die Colts im Anschlag. Dem einen hatte Wacos Kugel die Haut über den Rippen aufgerissen. Blut tropfte über seinen Patronengurt in den Staub und färbte sein Hemd dunkel. In den Gesichtern der beiden zeichneten sich Anspannung und Schrecken ab.

Der eine hob noch einmal den Colt, um Waco den Rest zu geben. Aber der andere drückte dessen Revolverhand nach unten und sagte: »Lass es gut sein, Curly. Der hat genug. Spar dir die Kugel.«

*

Es war die fürchterliche Hitze, die Waco aus seiner tiefen Ohnmacht erwachen ließ. In seinem Kopf rumorte es, um ihn herum war nur Knistern, Knacken und Prasseln. Er schlug die Augen auf.

Die Gebäude der Ranch brannten lichterloh. Das Flammenmeer machte die Nacht zum Tag. Funken sprühten zum Himmel, verglühten und regneten auf Waco herunter.

Ächzend und keuchend kam er auf die Beine, stolperte mehr als er ging den Vorbau hinunter, wankte durch den Hof und erreichte den Rand des Feuerscheins, wo die Hitze unerträglich war. Dort, wo die Nacht begann, drehte er sich um. Zuckende Lichtreflexe geisterten über seine Gestalt.

Krachend stürzte das Dach des Ranchhauses ein, wie ein Feuerwerk muteten die hochwirbelnden Funken an. Immer wieder krachte und barst es, und dann fielen die Flammen in sich zusammen. Einsam und geschlagen stand Waco vor den glimmenden und rauchenden Trümmern der Ranch, die sein Vater in mühsamer Arbeit aufgebaut hatte. Blicklos starrte er auf die Berge von qualmendem Schutt.

Als die Gebäude zusammenstürzten, war auch in ihm etwas zerbrochen. Es war sein Glaube an die Gerechtigkeit.

Sein ganzes Denken und Fühlen war nur noch auf gnadenlose Rache ausgerichtet.

Um ihn herum wurde es finster. Am Himmel blitzten vereinzelt Sterne, irgendwo schrie ein Nachtvogel.

Wacos Hand tastete nach dem Holster. Es war leer. Der Colt lag irgendwo zwischen Schutt und Asche. Waco schaute zum Corral hinüber, wo er sein Pferd untergebracht hatte. Ein Gatter war niedergebrochen und zertrampelt. Waco steckte zwei Finger in den Mund, sein gellender Pfiff zerschnitt die Nacht. Er lauschte.

Nichts.

Er pfiff noch einmal und hatte das Gefühl, der Kopf müsste ihm zerspringen.

Und nun drang fernes, helles Wiehern an seine Ohren, und dann der anschwellende Hufschlag.

Erleichtert atmete er auf.

Das Pferd galoppierte heran, wieherte noch einmal und stand dann mit zitternden Flanken, mit rollenden Augen, den Brandgeruch witternd.

Waco gelang es erst nach dem dritten Anlauf, aufzusitzen.

Das Pferd trug einen geschlagenen Mann in die Nacht hinein.

*

Vier Wochen waren ins Land gezogen. Waco war seit jener blutigen Nacht auf der Slade-Ranch verschwunden, als hätte ihn die Erde verschluckt. In Tascosa und auf der M im Kreis-Ranch vergaß man ihn bereits.

Es war ein lauer Tag im September. Ein warmer Südwind trocknete das Land nach tagelangem Regen. In Tascosa läuteten an diesem Tag die Kirchenglocken. Es waren Hochzeitsglocken. Denn Cash Mahone führte Judith Slade vor den Traualtar.

Ein glückliches Leuchten war in den Augen der jungen Frau. Das Brautpaar nahm die Glückwünsche der Bevölkerung entgegen, und kein Mensch in Tascosa ahnte, dass bereits düstere Gewitterwolken aufzogen, die das junge Glück trüben, ja, zerstören sollten.

Es war ein ausgelassenes Fest im Cattleman Saloon, und niemand achtete auf den Reiter, der von Süden her in die Stadt ritt. Er passierte den Saloon, lenkte sein Pferd schräg über die Straße und saß vor dem Trailman Saloon ab, leinte das Pferd an und schaute sich aufmerksam um. Dann betrat er den Saloon.

Bei Sid Binder hatte sich an diesem Tag kein einziger Gast eingefunden. Er saß hinter dem Schanktisch und döste vor sich hin. Als der Fremde hereinkam, schreckte er auf. Er rieb sich die Augen und fixierte den Gast, der am Tresen haltmachte.

»Schenken Sie Gift aus, Keeper? Oder was ist es sonst, dass man in der Bar auf der anderen Straßenseite ausgelassen feiert und sich hier kein einziger Gast eingefunden hat?« Der Fremde legte die Hände flach auf den Schanktisch.

»Da drüben feiern sie Hochzeit, Stranger«, erklärte Sid Binder, »und da der Cattleman Saloon mehr Platz bietet als dieser hier, hat Mahone ihn gewählt.«

Der Fremde kniff die Lider ein wenig zusammen.

»Sagten Sie Mahone?«

»Yeah. Sein Sohn hat heute geheiratet. Kennen Sie Big Bill Mahone?«

»Nein. Aber eine Hochzeitsfeier, an der eine ganze Stadt teilzunehmen scheint, ist nicht alltäglich. Muss ein mächtiger Mann sein, dieser Bill Mahone.«

»Er ist der mächtigste.«

»Interessant. Wer ist denn die Auserkorene?«

»Sie heißt Judith Slade. - Brandy?«

»Yeah, einen doppelten. Hab 'ne Menge Staub in der Kehle.«

Von da an schwieg der Fremde sich aus. Er trank den Schnaps, zahlte und ging.

Sid Binder eilte zu einem der großen, bunt beschrifteten Frontfenster und sah ihn davonreiten. Ein seltsames Gefühl war plötzlich in dem Salooner, eine Art Beklemmung, von der er nicht wusste, woher sie rührte.

Der Fremde hatte zwei Colts am Gürtel hängen. Und er wirkte ganz und gar nicht wie ein Mann, der lediglich auf der Durchreise war. Eher wie jemand, der irgendetwas auskundschaften sollte. Dazu kam das Interesse, das er bei der Nennung des Namens Mahone zeigte. Und dann sein plötzlicher Aufbruch. So benahm sich nur ein Mann, der einen bestimmten Auftrag hatte.

In Sid Binder stieg plötzlich die Angst hoch. Sie schnürte ihm die Kehle zu. Der Gedanke an einen Namen löste sie aus: Waco Slade!

Schlagartig beherrschte er Sid Binders Denken. Waco war spurlos verschwunden gewesen, nachdem sie ihn niedergeschossen und seine Ranch niedergebrannt hatten. Sollte er nun zurückkommen, um sich zu rächen? Und war der Bursche von eben so etwas wie seine Vorhut?

Sid Binder dachte zurück. Und der Magen krampfte sich ihm zusammen, als ihm bewusst wurde, wie abweisend und arrogant er sich Waco Slade gegenüber benommen hatte, nachdem der vor etwas über vier Wochen heimgekehrt war.

Die ganze Stadt hatte sich den Slades gegenüber schlecht verhalten. Bill Mahone ließ den alten John Slade erschießen und setzte Heckenschützen auf Waco an. Und zuletzt …

Heaven's!

Bill Mahone hatte verbreiten lassen, dass Waco Slade tot wäre, dass er erschossen wurde, als er sich mit dem Colt in der Faust den Mahone-Reitern in den Weg zu stellen versuchte. Binder war sich schlagartig gewiss, dass Waco lebte und auf dem Weg hierher war.

Voll Sorgen begann er in die Zukunft zu blicken.

*

Währenddessen ritt der Fremde wieder nach Süden. Er folgte dem Weg, den er gekommen war, ungefähr vier Meilen, bis er auf drei Männer stieß, die in einer schmalen Senke auf ihn warteten.

Einer von ihnen war Waco Slade.

Er hatte sich nicht nur innerlich verändert. Auch äußerlich war er ein anderer geworden. Sein Gesicht wies Kerben und Linien auf, die es früher nicht gegeben hatte. Und es war hart und kantig. In seinen pulvergrauen Augen war ein kaltes, ein eisiges Flirren.

Die drei saßen auf ihren Sätteln und rauchten. Einige Schritte von ihnen entfernt grasten ihre Pferde. Gespannt starrten sie dem Reiter entgegen, der schräg die Hügelflanke herunterkam.

Als er anhielt, erhob sich Waco und legte eine Hand auf den Hals des Pferdes.

»Wie sieht es aus in Tascosa, Slim?«, fragte er und schnippte den Rest seiner Zigarette im hohen Bogen fort.

Slim ließ sich aus dem Sattel gleiten, zog seinen Revolvergurt in die Höhe und erwiderte: »Du wirst es mir nicht glauben, aber du bist rechtzeitig zur Hochzeit deiner Schwester gekommen. Und rate mal, wer der Bräutigam ist.«

Waco senkte den Kopf.

»Also doch«, murmelte er wie im Selbstgespräch. »Diese Närrin.«

Er ging zurück zu seinem Sattel und wuchtete ihn in die Höhe. Slim, der ihm gefolgt war, fragte: »Reiten wir?«

»Ja.«

Schweigend ritten sie bald nach Norden. Die Abenddämmerung kroch in die Senken und Täler, im Westen färbte der Widerschein der untergegangenen Sonne den Himmel blutrot.

Waco ritt ein Stück vor den anderen. Sie ließen ihre Pferde im Schritt gehen. Waco war nur erfüllt vom Gedanken an seine Rache.

Übergangslos kam die Nacht. Aber schon von weitem deutete der Widerschein der Lichter der Stadt am Nachthimmel an, dass sie ihr Ziel bald erreicht hatten.

Sie schwenkten auf die ausgefahrene alte Poststraße von Amarillo herauf ein, und bald passierten sie die ersten Häuser Tascosas.

Überall unter den Vorbaudächern brannten Laternen, aus den Fenstern fiel Lichtschein. Vom Cattleman Saloon herüber drang der wüste Lärm der Hochzeitsgesellschaft. Auf dem Vorbau saß ein betrunkener Cowboy und schlief.

Ziel des Rudels war der Trailman Saloon. Als sie ihn nacheinander betreten und sich am Tresen aufgestellt hatten, war Sid Binder nahe daran, die Besinnung zu verlieren. Wie erstarrt stand er hinter dem Schanktisch, die blutleeren Lippen fest zusammengepresst, mit vor Angst jagendem Herzen.

Wacos Züge waren ausdruckslos. Nichts in ihnen verriet, was hinter seiner Stirn vorging.

Slim Miles grinste hämisch.

»Da bin ich wieder, mein Freund«, sagte er zu Binder. »Und wie du siehst, habe ich einen guten alten Bekannten von dir mitgebracht. Du freust dich doch, oder sollte ich mich täuschen?«

Der Salooner war nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Da aber erreichte ihn Wacos klirrende Stimme, und sein Herzschlag drohte sekundenlang auszusetzen. Waco sagte: »Big Bills Killer haben nicht sorgfältig genug gearbeitet, Sid. Ich habe es überlebt und bin zurückgekehrt. Diesmal aber nicht, um mir mein Recht zu holen. Diesmal werde ich Strafgericht halten. Aber keine Angst, Sid, du bist noch nicht dran. Wir wollen bei dir nur etwas trinken.«

»Nur — etwas — trinken?«, stotterte der Salooner, so, als wollte es ihm nicht in den Sinn, dass Waco ihn nicht auf der Stelle erschoss. »Natürlich, etwas zu trinken. Bier, Brandy, Whiskey …«

Er hatte sich verhältnismäßig schnell wieder gefangen, nachdem er Gewissheit hatte, dass Waco nicht bei ihm anzufangen gedachte.

»Bier, vier Gläser.«

Als er die Männer bedient hatte, war Sid Binders alte Sicherheit zurückgekehrt.

»Was hast du vor, Waco?«, fragte er. »Wusstest du, dass deine Schwester und der junge Mahone heute …«

»Nein!« Waco unterbrach ihn schroff.

Der Salooner schwieg.

Langsam trank Waco sein Glas leer, dann sagte er: »Ich gehe jetzt. Ihr verteilt euch auf der Straße. Haltet mir den Rückzug offen. Und dir, Binder, rate ich, das Maul zu halten, sonst frisst du heißes Blei.«

Sie verließen den Saloon, das Klirren ihrer Sporen verklang. Binder wagte sich nicht hinter dem Tresen hervor. Er hatte in Wacos Augen geschaut, und dessen Blick hatte ihm jeden Mut genommen. Er hatte den Tod gesehen.

Waco marschierte über die Straße. Seine Schultern waren gestrafft. Bei jedem seiner Schritte streifte sein linkes Handgelenk den Coltknauf.

Aus der Tür des Cattleman Saloon wogten dichte Rauchschwaden. Mit jedem Schritt, den Waco näher kam, nahm der Lärm aus dem Inn zu.

Er zog den Revolvergurt in die Höhe und rückte das Holster zurecht, dann hatte er die Schwingtür erreicht. Er atmete tief durch, stieß sie mit dem Fuß auf, und ein langer Schritt brachte ihn in den Schankraum.

Köpfe ruckten herum, Dutzende von Augenpaaren starrten ihn an. Es wurde still. In diese Stille hinein drang gellend Judiths Aufschrei: »Waco! Mein Gott …!«

Sie saß zwischen den beiden Mahones. Betroffenheit, Angst und Schrecken spiegelten ihre Züge wider.

Von Waco ging eiserne Entschlossenheit aus.

»Steh auf, Bill Mahone, du Schuft!«, befahl er mit fester Stimme. Blitzschnell zog er, es knackte, als er den Hammer zurückzog. »Wird's bald?«

Da nahm Waco an einem der Nebentische eine schattenhafte Bewegung wahr. Seine Colthand zuckte herum, orangefarben stach es aus der Mündung. Die Detonation des Schusses ließ den Saloon in seinen Fundamenten erzittern. Die Wucht der Kugel riss den Burschen, der mit einem schnellen Schuss das Problem Waco Slade glaubte lösen zu können, von seinem Stuhl und fegte ihn unter den Tisch.

Bill Mahone federte trotz seines Körpergewichts geschmeidig in die Höhe. Seine Rechte fuhr in den Ausschnitt seiner Jacke. Er hatte als erster die Lähmung abschütteln können, die mit dem Brechen des Schusses alles in ihrem Bann hielt.

Wieder peitschte es von Waco her. Der Rancher schien noch um einige Zentimeter zu wachsen, ein abgerissener Laut brach über seine Lippen, jede Farbe wich aus seinem Gesicht. Er schwankte wie ein Grashalm im Wind und brach wie vom Blitz getroffen zusammen.

Ehe einer der Anwesenden zur Besinnung kam, war Waco wieder draußen. Geduckt hetzte er über die Straße, während des Laufens seinen Colt nachladend.

Im Cattleman Saloon erwachten Mahones Revolverschwinger aus ihrer Erstarrung. Ein heilloses Durcheinander entstand, als sie zu den Fenstern und zur Tür eilten und sich gegenseitig behinderten. Dann aber jagte eine Serie von Schüssen über die Straße. Im Cattleman Saloon verlöschten die Lichter.

Von der gegenüberliegenden Seite der Main Street aus wurde das Feuer erwidert. An drei verschiedenen Stellen zerschnitten Flammenzungen die Nacht. Die Mahone-Schießer drängten zurück, als das Blei um ihre Köpfe surrte. Einer stürzte, die anderen trampelten über ihn hinweg, zwei, drei Burschen sackten getroffen zusammen.

Waco erreichte die Pferde, leinte sie los und schwang sich in den Sattel. Er stieß den Colt ins Holster und riss die Winchester aus dem Sattelschuh. Seine Kumpane gaben Schuss um Schuss ab und hielten so die Mahone-Crew in Schach.

Waco schoss von der Hüfte aus. Das Pferd unter ihm tänzelte nervös, aber Wacos eiserner Schenkeldruck bannte es auf der Stelle. Von links hetzte Slim Miles heran, mit einem wilden Satz kam er in den Sattel. Auch er benutzte seine Winchester.

Nur vereinzelt wurde aus dem Saloon zurückgeschossen.

Buck Hunter kam aus dem Schlagschatten eines Hauses, fast gleichzeitig tauchte Conny Coulter auf. Buck Hunter lachte voll wilder Freude.

Über die Straße wogte beißender Pulverdampf.

»Aufgesessen!«, brüllte Waco, mit seiner Stimme das donnernde Inferno übertönend.

Hunter kam in den Sattel, riss sein Pferd herum, hieb ihm die Sporen in die Weichen.

Im selben Augenblick erwischte es Conny Coulter. Er fiel aufs Gesicht und begrub seine Waffe unter sich.

Das Feuer aus dem Saloon verstärkte sich. Waco und seine beiden verbliebenen Komplizen warfen sich flach auf die Hälse ihrer Pferde und jagten davon.

Männer rannten auf die Straße und schossen hinter ihnen her. Slim Miles bekam noch eine Kugel in die Schulter, dann hatte die Nacht das raue Rudel aufgenommen.

Lastende Stille legte sich über Tascosa.

*

Bill Mahone war tot. Ein paar seiner Revolverschwinger hatten eine Reise ohne Wiederkehr angetreten. Einige bluteten aus mehr oder weniger harmlosen Wunden.

Sheriff Chris Holyman rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn über die Straße. Er war kopf- und ratlos.

Jim O'Connor packte ihn am Hemd und zischte wütend: »Trommele ein Aufgebot zusammen, Mann! Ihr Vorsprung ist viel zu gering, als dass wir sie nicht mehr einholen könnten. Wir reiten voraus, ihr kommt hinterher.«

O'Connor hetzte in den Mietstall, wo seine Männer schon die Pferde sattelten.

Minuten später donnerte ein großer Reiterpulk aus Tascosa. Einige Männer umringten die leblose Gestalt Conny Coulters. Einer beugte sich über sie.

»Er lebt noch!«, rief er. »Holt den Doc!«

Cash Mahone und seine junge Frau knieten neben Bill Mahone. Cashs Augen brannten wie im Fieber. Eine ganze Weile sagte er nichts, starrte nur auf den Toten. Plötzlich aber kam es monoton und abgehackt über seine Lippen: »Es war dein Bruder, der meinen Vater ermordet hat. Ein Slade. Auch du bist eine Slade, yeah, auch du.«

Judiths trockenes Schluchzen brach ab. Langsam wandte sie den Kopf. Entsetzt sah sie ihn an. Vor wenigen Stunden erst war sie seine Frau geworden. Und nun …

»Geh mir aus den Augen!«, brüllte er. Sie prallte zurück. »Verschwinde, ehe ich vergesse, dass du jetzt meinen Namen trägst — und den seinen!«

Da erkannte Judith, dass das alles kein böser Traum, sondern raue Wirklichkeit war. Und wenn sie bis zu dieser Sekunde noch im Banne des Geschehens der letzten Viertelstunde gestanden hatte, so fiel diese Erstarrung nun von ihr ab. Abrupt erhob sie sich.

»Du weinender Haufen Elend!«, giftete sie. »Jetzt wird es deutlich, was du ohne deinen Dad bist. Ein Jammerlappen. Ich hätte es längst erkennen müssen. Aber ich war blind.«

Cash richtete sich ebenfalls auf. Sein Blick war voller Feindseligkeit. »Du bist eine Slade«, keuchte er. »Eine verdammte Slade.«

Judith hasste ihren Bruder plötzlich. War er ihr bisher gleichgültig gewesen, so wünschte sie ihm von dieser Sekunde an

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Was die anderen über Raue Wege - 9 Western Romane denken

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