Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Rauer Trail - 9 Western Romane: 1092 Taschenbuchseiten Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

Rauer Trail - 9 Western Romane: 1092 Taschenbuchseiten Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

Vorschau lesen

Rauer Trail - 9 Western Romane: 1092 Taschenbuchseiten Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

Länge:
1.064 Seiten
15 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
25. Mai 2018
ISBN:
9783736873094
Format:
Buch

Beschreibung

Niemand vermochte den Wilden Westen so authentisch zu beschreiben wie Pete Hackett. Er schuf ein einzigartiges Werk von atemberaubender Dramatik.
Harte Männer im Kampf um Recht und Rache - Dramen, wie sie nur vor der Kulisse der amerikanischen Pionierzeit denkbar sind.
Der Umfang dieses Ebook entspricht 1092 Taschenbuchseiten.
Dieses Ebook enthält folgende neun Romane:
Schieß zurück, Lane
Die Hölle von Tombstone
Fahr zur Hölle, Hombre
Stirb!
Reite, kämpfe und töte
Bleib hier und kämpfe!
Bennett und der Trail der Vergeltung
Durch die Hölle des Südens
Härter als alle anderen
Cover: STEVE MAYER
Herausgeber:
Freigegeben:
25. Mai 2018
ISBN:
9783736873094
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Rauer Trail - 9 Western Romane

Mehr lesen von Pete Hackett

Buchvorschau

Rauer Trail - 9 Western Romane - Pete Hackett

Rauer Trail – 9 Western Romane

von Pete Hackett

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© 2015 der Digitalausgabe by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Der Umfang dieses Ebook entspricht 1092 Taschenbuchseiten.

Dieses Ebook enthält folgende neun Romane:

Schieß zurück, Lane

Die Hölle von Tombstone

Fahr zur Hölle, Hombre

Stirb!

Reite, kämpfe und töte

Bleib hier und kämpfe!

Bennett und der Trail der Vergeltung

Durch die Hölle des Südens

Härter als alle anderen

Schieß zurück, Lane

Charles Turpin wischte sich den Schweiß von der Stirn. Soeben hatten er und sein Sohn Lane die letzten Mavericks aus der Herde ausgesondert und zum Feuer getrieben. Cole, sein Ältester, warf eines der Kälber mit hundertfach geübtem Griff um und hielt es fest. Dave, der mittlere seiner drei Söhne, riss das Brandeisen aus dem Feuer. Der Stempel glühte. Zischend fraß sich die Hitze in das Fell des Jungtieres. Es roch nach verbranntem Horn. Rauch stieg auf. Das Rind brüllte, Cole sprang zurück. Mit einem Ruck war das nunmehr gebrändete Tier auf den Beinen, erschreckt rannte es davon, dorthin, wo die Herde stand.

Die Sonne hing über den Bergen im Westen. Noch acht Kälber. Charles stieg vom Pferd und führte es zum Wasserloch, dessen glatte Fläche wie Gold im Sonnenlicht schimmerte. Er ließ das Tier trinken, dann warf er sich einige Hände Wasser ins gerötete Gesicht und wusch sich Staub und Schweiß ab.

Lane half seinen Brüdern beim Brandmarken der letzten Mavericks. Charles beobachtete seine Söhne. Für den Sechsundfünfzigjährigen waren sie die prächtigsten Jungs der Welt. Groß, sehnig, stark und geradlinig. Dave und Cole glichen mehr ihm selbst, waren aus seinem Holz geschnitzt. Lane hingegen, der Jüngste, war mehr nach der Mutter geraten.

Ein schmerzlicher Ausdruck überlief das faltige Gesicht des Ranchers, als er an Mae dachte. Sie war vor fünfundzwanzig Jahren gestorben. Bei Lanes Geburt … Er hatte sich nie wieder eine Frau genommen. Es wäre ihm wie Verrat an seiner über alles geliebten Mae vorgekommen.

Noch achtmal zischte der Brandstempel, noch achtmal brüllten Jungtiere, dann stapften die drei Burschen zum Wasserloch. Sie hatten die Hemdärmel hochgekrempelt, waren schmutzig und abgekämpft, aber sie waren noch längst nicht am Ende. Ihr blitzendes Grinsen und das Leuchten in ihren Augen verrieten es.

»Schluss für heute!«, rief Charles mit tiefem Bass, der zu seiner vierschrötigen Gestalt passte.

»Wir könnten heute noch damit beginnen, die Rinder zu zählen und die Kühe für den Trail nach Denver auszusondern«, schlug Dave vor.

Cole seufzte und warf Lane einen viel sagenden Blick zu, den Charles auffing. Grinsend sagte der Rancher: »Mir scheint, Dave, damit stößt du bei deinen Brüdern auf wenig Begeisterung. Aber auch ich habe die Nase voll. Seit einer Woche sitzen wir täglich bis zu fünfzehn Stunden in den Sätteln. Ich spüre jeden einzelnen meiner alten Knochen.«

»Yeah, das mit den alten Knochen ist so eine Sache, Bruder«, sagte Dave grinsend. »Schließlich gehst du auf die dreißig zu. Verständlich, dass du Ruhe brauchst!«

In gespieltem Ernst nahm Cole die Stellung eines Faustkämpfers ein. Seine Muskeln strafften sich, »Komm her, Rotznase, dann prügle ich dich trotz meiner vermeintlich morschen Knochen bis nach Feuerland.«

»Und mit wem willst du die fünfhundert Kuhschwänze nach Denver treiben? Wer soll auf dich aufpassen, alter Bruder, wenn nicht ich?«, gab sich Dave entrüstet und trocknete sich mit seinem Halstuch das Gesicht ab.

Cole wollte etwas erwidern, plötzlich aber neigte er den Kopf zur Seite und lauschte. Auch Lane hatte den Kopf gehoben und witterte wie ein Wolf in südöstliche Richtung. Denn in die Geräusche der stehenden Herde hinein erklang trappelnder Hufschlag. Dave richtete sich auf. Von der Herde kam Tex Dudley, der einzige Cowboy der Bar-T Ranch. Er zügelte beim Wasserloch sein Pferd und sprang aus dem Sattel. »Hört ihr auch, was ich höre, Leute?«, krächzte er mit staubheiserer Stimme.

»Yeah«, erwiderte Charles Turpin rau und kratzend. »Und ich kann mir schon denken, wer da ankommt.« Er rannte zu seinem Pferd und zog entschlossen die Winchester aus dem Scabbard. Mit einem kurzen, harten Knacken hebelte er eine Patrone in den Lauf.

Auch Tex Dudley griff nach seinem Gewehr. Lane rückte den Revolvergurt zurecht. Dave stapfte langsam zu seinem Braunen und holte sich ebenfalls die Winchester. Und Cole lüftete seinen Colt im Halfter. Verschwommen wehte der Hufschlag heran, wurde aber schnell deutlicher. In den sonnengebräunten und von Wind und Regen gegerbten Gesichtern arbeitete es.

Und dann trieben die Reiter ihre Pferde über den Hügelkamm, an dessen Fuß die Bar-T Herde stand. Es waren sieben. Ohne anzuhalten ritten sie schräg den Abhang herunter. Unruhiges Gewoge ging durch die Herde. Horn klapperte, buschige Schwanzenden peitschten erregt. Das Muhen der Kühe verstärkte sich.

»Die Sattelstrolche von der Great Sand Ranch!«, knirschte Charles zwischen den Zähnen. »Ich wusste es.« Fester umklammerten seine Fäuste das Gewehr.

»Yeah, und allen anderen voran Bill Forsyth, der verschlagene Ableger Big Jims«, sagte Lane und spuckte aus.

Schließlich waren die Reiter heran. Sie zogen sich zu einer Linie auseinander, stützten sich lässig auf die Sattelknöpfe und lehnten sich vor. Das eine oder andere Pferd tänzelte, wurde aber hart an die Kandare genommen. Herausfordernde Augen fixierten die Bar-T Männer — und so herausfordernd wie ihre Blicke war die ganze Haltung der Leute von der Great Sand Ranch. Mit einem Schenkeldruck trieb Bill Forsyth seinen Schecken nach vorn. Sein Blick sprang von einem zum anderen und blieb schließlich an Charles Turpin hängen, der ihn gelassen erwiderte. »Das Land, auf dem ihr euch befindet, gehört meinem Vater!«, stieß Bill Forsyth hervor. »Wie kommt ihr dazu, hier euer Round up durchzuführen?«

Charles reckte die mächtigen Schultern und röhrte wütend: »Das ist freie Weide, Forsyth - Regierungsland. Hier dürfen die Rinder eines jeden grasen. Wenn dein Vater Anspruch auf dieses Land erheben will, dann muss er es kaufen. Und erst dann, wenn er mir eine Kaufurkunde vorweisen kann, ziehe ich meine Herde ab. Andernfalls stehen meine Rinder hier bis zum Jüngsten Tag.«

Bill Forsyth lachte scheppernd. Seine Stimme klirrte: »Du täuschst dich, Turpin. Deine Kuhschwänze werden schon in einer halben Stunde nicht mehr die Great Sand Weide zertreten und kahl fressen. Wir jagen sie nämlich auf dein Land zurück. Du hast es dir selbst zuzuschreiben. Gewarnt haben wir dich oft genug.«

Charles atmete tief durch. Mit einem schnellen Blick streifte er seine Söhne. Sie standen angespannt, wie sprungbereit da, heißen Zorn in den Augen, bereit zu kämpfen. Grimmig, bemüht, die hochkochende Wut zu unterdrücken, rief Charles: »Denk nur nicht, dass wir tatenlos zusehen, wenn ihr euch über unsere Rinder hermacht. Du musst damit rechnen, Bill Forsyth, dass du mit der Nase in den Dreck fliegst.«

Das Gesicht Bill Forsyths verzerrte sich, wurde zu einer boshaften, gehässigen Fratze. »Ihr Turpins seid uns schon lange ein Dorn im Auge!«, fauchte er und beugte sich weit im Sattel nach vorn. »Mein Vater bedauert es seit fünfzehn Jahren, dass er euch nicht in der ersten Minute, als ihr hier ankamt, zum Teufel jagte. Nun, was Big Jim versäumte, werde ich nachholen.« Seine Stimme triefte vor selbstsicherer Überheblichkeit.

Lane Turpin trat einen Schritt vor. »Du fühlst dich auch nur stark und unbezwingbar, wenn du die abgebrühtesten Sattelwölfe deines Vaters hinter dir weißt, Bill. Als wir uns das letzte Mal in Alamosa begegnet sind und du alleine warst, konntest du mir nicht mal gerade in die Augen sehen. Steig ab und kämpf mit mir. Beweise den Männern deines Vaters, dass du tatsächlich der hart gesottene Bursche bist, für den du dich gerne ausgibst.«

Die wilde Leidenschaft in seiner Stimme erschreckte Charles Turpin. Er kannte den Jähzorn Lanes, trat schnell neben ihn und legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. Aber Lanes Blick ließ Bill Forsyth nicht mehr los und übte einen dumpfen Druck auf den Ranchersohn aus.

»Ich mache mir an einem wie dir die Hände nicht schmutzig!«, giftete Forsyth. »Du bist für mich nämlich Dreck, Lane Turpin. Und dich jage ich persönlich mit der Peitsche aus dem Alamosa County.«

Der Gesichtsausdruck Lane Turpins verriet, dass er kurz vor der Explosion stand. Der Griff seines Vaters wurde härter. Lanes Kiefer mahlten.

»Du bist ein Feigling, Bill Forsyth. Ein windiger, aufgeblasener Bastard, der nicht einmal Cody Renslaw das Wasser reichen kann!«

Cody Renslaw war der verkommenste Säufer in Alamosa. Für einen Brandy holte er Fünfcentstücke aus den Spucknäpfen in den Saloons. Ein Wrack, das sein Leben im Delirium fristete.

Lanes provozierende Worte hingen unheilvoll zwischen ihnen. Und jeder spürte, wie sich jäh eisige Kälte ausbreitete.

*

Bill Forsyth war zusammengezuckt wie unter einem Peitschenhieb. Er wusste, dass er sein Gesicht verlor, wenn er diese Herausforderung nicht annahm.

John Landers, der Vormann der Great Sand Ranch, rief rau vor unterdrückter Erregung: »Darauf gibt es nur eine einzige Antwort, Lane. Du weißt das.«

»Natürlich«, versetzte Lane gelassen und unbeeindruckt.

Bill Forsyth fühlte die ersten Anzeichen tiefer Unsicherheit und Angst. Aber wenn er jetzt kniff, würden ihn die Cowboys verachten. Und da schnitten auch schon John Landers' Worte tief in sein Bewusstsein: »Du wirst ihm die entsprechende Antwort nicht schuldig bleiben können, Bill. Oder willst du die Beleidigung auf dir sitzen lassen?«

Bill Forsyth erschauderte. Mit belegter Stimme, in der all seine inneren Nöte mitschwangen, gab er zu verstehen: »Wie du willst, Lane. Ich nehme deine Herausforderung an. Hoffentlich bist du dir darüber im Klaren, dass ich mit dem Colt besser bin als du. Ich habe es nämlich nicht nötig, lassoschwingend hinter sturen Rindern herzujagen. Ich hatte Zeit, zu üben.«

»Hör auf!«, mahnte Charles Turpin beschwörend und gerade so laut, dass Lane es verstehen konnte. »Wenn hier Blut fließt, dann wird es einen Krieg geben.«

Lane trat von seinem Vater weg. Dessen Hand rutschte von seiner Schulter und fiel nach unten. »Du redest zuviel, Bill!«, peitschte Lanes Stimme. »Also steig ab, damit wir es austragen können. Ich denke, diese Sache zwischen uns beiden ist längst fällig.«

Aller Augen ruhten auf Bill Forsyth. Er spürte die Blicke nahezu körperlich und kam sich vor wie ein in die Enge gedrängtes Tier. Fast zögernd hob er sein linkes Bein über den Sattelknauf. Er ließ sich aus dem Sattel gleiten und machte zwei kurze, linkische Schritte. Seine Hand hing neben dem Revolverkolben, öffnete und schloss sich und war feucht vom Schweiß. »Es ist wegen Lisa, nicht wahr?«, zwang er sich, mit einigermaßen gefestigter Stimme zu sagen.

»Ich weiß, dass du ihr nachstellst, und zwar gegen den ausdrücklichen Wunsch deines Vaters. Als die Tochter eines Coyotenjägers steht sie unter seiner Würde. Du bist Lisa ein Gräuel. Sie hat es mir selbst gesagt. Und weil sie dir die kalte Schulter zeigt, brauche ich dich ihretwegen auch nicht auf deine richtige Größe zurechtstutzen.«

Bill Forsyths Blick wurde unstet. In seinem schmalen Gesicht zuckte es. Er schielte zu John Landers hin. Erbärmliche Furcht sprach aus jedem seiner Züge.

»Ich kann dir in diesem Fall nicht helfen, Bill«, knurrte Landers. Seine Worte fielen wie Hammerschläge und erreichten den Ranchersohn wie eine Botschaft von Untergang und Tod, hallten in ihm nach wie Höllenglocken. »Das ist eine Sache, die du alleine austragen musst. Tut mir leid!«

Blitzschnell hob Dave seine Winchester an. Die Mündung strich über die Reihe der Reiter. »Und ich rate auch keinem anderen, sich einzumischen!«, rief Dave.

Lane schoss seinem Bruder einen überraschten Blick zu. Überhaupt richtete sich die ganze Aufmerksamkeit für die Spanne einiger Herzschläge lang auf Dave. Nur Bill Forsyth, der sich das Gehirn nach einem Ausweg aus dieser für ihn gefährlichen Situation zermartert hatte, hatte Lane im Blick behalten. Und nun, da alles abgelenkt schien, sah er seine Chance. Seine Hand fuhr zum Colt. Das Eisen schwang hoch. Charles Turpin erfasste die tödliche Bedrohung zuerst. Sein Warnschrei blieb ihm im Hals stecken, er sprang vor und versetzte Lane einen heftigen Stoß. Im selben Moment brüllte der Schuss auf. Lane wurde zur Seite geschleudert, strauchelte und fiel auf die Knie. Und es war mehr der Reflex, als ein bewusster Wille, der ihn den Colt ziehen ließ. Das Donnern in den Ohren schoss er, Bill Forsyth knickte in der Mitte ein, er sperrte den Mund auf, und ein abgrundtiefes Röcheln brach daraus hervor. Seine Augen weiteten sich in ungläubigem Staunen.

Von Charles Turpin kam ein erstickendes Husten. Er wankte und hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Ein dunkler, feuchter Fleck auf seiner rechten Brustseite vergrößerte sich schnell. Rasender Schmerz zeichnete tiefe Risse und Linien in das Gesicht des Ranchers.

Betroffenheit und Lähmung griffen um sich. Der Pulverrauch, der Lane einhüllte, verflüchtigte sich. Erst der dumpfe Aufprall, als Bill Forsyth auf das Gesicht fiel, riss die Männer aus ihrer Erstarrung. Cole Turpin sprang hinzu, um seinen Vater zu stützen. Die Finger des Ranchers hatten sich im Hemd verkrallt. Blut sickerte zwischen ihnen hindurch. »Dad!« Fassungslos schrie Cole dieses Wort. »Mein Gott …« Seine Stimme erstarb, als er das Blut und die gähnende Leere im Blick seines Vaters sah.

Ein dritter Schuss krachte. Eine armlange Mündungsflamme zuckte aus Dave Turpins Gewehr. Einer der Great Sand Reiter warf beide Arme hoch, sein Colt flog im hohen Bogen davon, dann stürzte der Bursche rücklings vom Pferd.

Lane erhob sich. In die zerflatternde Detonation hinein brüllte er: »Schluss jetzt!« Erschlug den Colt auf John Landers an und sah aus den Augenwinkeln, wie Cole seinen Vater sachte zu Boden gleiten ließ.

»Dad stirbt!«, schrie Cole verzweifelt. Lane ließ den Colt sinken, eilte zu seinem Vater hin. Die Brüder tauschten einen fassungslosen Blick. »Die Kugel sitzt neben dem Herzen. Vielleicht hat sie die Lunge erwischt. Die einzige Rettung für ihn gibt es in Alamosa.«

Dave und Tex Dudley hielten die Great Sand Mannschaft in Schach. Ungeachtet der auf ihn gerichteten Waffen sprang John Landers vom Pferd. Er ging zu Bill Forsyth hin, der seinen Colt unter sich begraben hatte, beugte sich über ihn und drehte ihn auf den Rücken. Erschüttert starrte er in das bleiche, starre Antlitz mit den weitaufgerissenen, gebrochenen Augen, dann stieg es dumpf und hohl aus seiner Kehle: »Er ist tot. Oh, verdammt, Lane Turpin, du hast den Sohn Big Jim Forsyths erschossen. Dafür wird Big Jim dir die Haut in Streifen abziehen.«

Lane richtete sich auf. Der Aufruhr seiner Empfindungen legte sich. Bitterkeit stieg in ihm hoch. »Sieh dir meinen Vater an, Landers«, quoll es gallig aus seinem Mund. »Er wollte den Kampf nicht. Und nun hat er eine Forsyth-Kugel in der Brust und ist dem Tod näher als dem Leben. Bill war ein Bastard, der mich kaltblütig niedergeknallt hätte, als ihm die Gelegenheit günstig und risikolos erschien. Er hat den Tod verdient.«

»Big Jim wird dich zur Rechenschaft ziehen, Lane!« Landers stand auf und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen, als wollte er einen bösen Traum verscheuchen. Aber das alles hier war alptraumhafte Wirklichkeit und ließ sich nicht einfach aus der Welt wischen. »Wir werden dich hetzen, bis dir die Zunge zum Hals heraushängt, Lane Turpin. Big Jim wird nicht ruhen, bis eure Sippschaft ausgerottet und die Bar-T ein Haufen Schutt und Asche ist. Und ich werde ihm dabei helfen. Denn Bill war mein Freund.« Mörderischer Hass brannte in seinen Augen.

»Packt ihn auf sein Pferd und haut ab!« schnappte Lane. »Und lasst euch nicht einfallen, noch einmal einen Fuß auf das Gebiet der Bar-T Weide zu setzen.«

Landers ging steifbeinig zu dem Cowboy, den Dave vom Pferd geschossen hatte. Der Mann lag am Boden und wimmerte. Die Kugel hatte ihm die Schulter zerschmettert. »Du wirst es überleben, Steve. Komm, ich helfe dir aufs Pferd.«

Charles Turpin regte sich. Seine Lider flatterten, seine Lippen bewegten sich und formten Worte, die nicht zu hören waren. Auf seinem verfallenen grauen Gesicht perlte Schweiß.

»Ruhig, Dad, ganz ruhig«, flüsterte Cole heiser vor namenloser Angst um seinen Vater.

»Lane!«, entrang es sich matt und kaum vernehmbar dem Rancher. Ein keuchender, abgerissener Atemzug, und dann noch einmal: »Lane, Junge …«

»Er will dich, Lane!«, murmelte Cole.

Lane kniete neben seinem Vater ab. Er schob ihm die flache Hand unter den Hinterkopf und stützte ihn, schaute in das zerfurchte Antlitz, das vom Tod gezeichnet war, und der Magen krampfte sich ihm zusammen.

»Lane.« Der Sterbende röchelte. »Der zweite Schuss — hast du Forsyth …« Seine Stimme brach. Aus seinem Mundwinkel rann ein dünner Blutfaden. Lane riss sein Halstuch herunter und tupfte damit seinem Vater den Schweiß aus dem Gesicht.

»Forsyth ist tot«, entrang es sich ihm.

Die Lider seines Vaters sanken halb über die fiebrigen Augen herab. Seine Brust hob sich unter einem rasselnden Atemzug. »Du - darfst - nicht - hierbleiben, mein Junge …« Charles Turpins Stimme verebbte wie ein Windhauch. Unzusammenhängendes Gestammel folgte. Seine Hände zuckten unkontrolliert. Aber dann fand er noch einmal die Kraft, zu sprechen. Es war das letzte Aufflackern der Flamme seines Widerstandsgeistes. »Big Jim wird den Tod seines Sohnes fürchterlich rächen. Reite fort, Lane, reite fort - sonst - tötet - er dich!« Sein Kopf wurde schwer, sein Blick erlosch. Charles Turpin war tot.

Lane stand auf. Er war wie benommen. Die Great Sand Reiter hatten Bill Forsyth auf sein Pferd gelegt. Der Bursche, dem Dave die Schulter zerschossen hatte, hockte krumm und mit schmerzverzerrtem Gesicht im Sattel. John Landers saß gerade auf. Er setzte sich zurecht und rief grollend: »Wir kommen dich holen, Lane Turpin. Und solltest du es vorziehen, zu fliehen, dann werden wir dich jagen. Du wirst keine ruhige Minute mehr haben. Du bist so gut wie tot.«

Lane sah ihn mit einem Blick an, der durch den Vormann hindurchzudringen schien. Er hielt noch immer den Colt in der Faust. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel. Es war, als hätte er die Drohung Landers überhaupt nicht begriffen. Er stand nur da und mutete an wie ein Mann, dessen Welt zusammengestürzt, in dem etwas zerbrochen war.

»Reiten wir!« Landers spornte sein Pferd an und gab ihm den Kopf frei. Schweigsam folgte ihm die Mannschaft. Sie ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren. Bald verschwanden sie über dem Hügel aus dem Blickfeld der Turpins. Dave und Tex Dudley senkten die Waffen. Wie im Trance ging Dave zu seinem Vater hin. Heiß stieg es in ihm hoch. Er schluchzte trocken.

*

Es war Nacht. Unter der Sichel des Mondes pfiff ein frischer Wind dahin. Er rüttelte an den Türen der Bar-T Ranch und trieb prasselnd den feinen Sand gegen die Fenster. Die drei Brüder hatten Charles Turpin in der Wohnstube aufgebahrt. Zwei Kerzen flackerten und verbreiteten trübes Licht,

Bleischwer hing das bedrückte, dumpfe Schweigen im Zimmer. Lane und Dave saßen am Tisch. Die Gewehre lehnten griffbereit neben ihnen. Cole hatte sich einen Stuhl zum Fenster geholt und starrte hinaus in die Dunkelheit. Wolkenschatten zogen über den Hof. Die Spannung, die bleierne Ruhe, das Warten auf Big Jim - das alles zerrte an den Nerven und zermürbte sie.

An Schlaf dachte keiner der Brüder. Obwohl eine Woche knochenbrechender Sattelarbeit hinter ihnen lag, würde keiner von ihnen Ruhe finden.

Jeder hing seinen unerfreulichen Gedanken nach. Jeder spürte das Verhängnis, das sich über ihren Köpfen zusammenbraute. Aber keiner dachte an Flucht.

Tex Dudley war auf dem Weg nach Alamosa. Er sollte den Sheriff über den Vorfall auf der Weide unterrichten. Dessen Aufgabe war es, für Friede und Ordnung im County zu sorgen. Und bis er eintraf, wollten Lane und seine Brüder sich gegen Big Jim Forsyth behaupten.

Zäh verrann die Zeit. Irgendwann trug der Wind das Pochen von Pferdehufen heran. Coles Stimme sprengte die lastende Stille: »Sie kommen!«

Lane blies die Kerzen aus. Stiefelleder knarrte, Sporen klirrten. Eine Diele ächzte. Die Finsternis war mit den Augen nicht zu durchdringen. Nur vor dem Fenster zeichnete sich Coles Schulter- und Kopfpartie verschwommen ab.

»Wo willst du hin, Lane?«, fragte Dave.

»Ich verschanze mich im Wagenschuppen. Sobald sie in den Hof reiten, haben wir sie in der Zange.«

»Glaubst du, sie reiten uns wie blutige Anfänger vor die Mündungen?«, rief Dave hastig.

»Warten wir es ab. Jedenfalls gehe ich in den Schuppen hinüber.«

»Nichts zu machen, Lane!«, mischte sich Cole mit scharfer Stimme ein. »Was du vorhast, ist nämlich Selbstmord. Ich durchschaue deine Absicht, Bruderherz.« Er erhob sich mit einem Ruck und verdunkelte mit seinem Körper das Fenster. »Du willst vom Wagenschuppen aus die Aufmerksamkeit Forsyths auf dich ziehen, weil du der Meinung bist, dass er es einzig und allein auf deinen Skalp abgesehen hat Du möchtest uns raushalten. Aber daraus wird nichts. Er will uns alte. Darum wirst du auch nicht den Märtyrer spielen.«

»Das ist Unsinn! Ich …«

»Geschenkt«, presste Dave hervor. »Wir stellen uns diesem Weidepiraten geschlossen entgegen. Und wenn es so sein soll, dann gehen wir eben gemeinsam drauf.«

»Wie ihr wollt.« Lane gab sich geschlagen, ging zum anderen Fenster und schob es hoch. Ein kühler Luftzug streifte sein Gesicht.

Dave murmelte: »Ich postiere mich an der Haustür. Von dort aus habe ich auch das Korridorfenster in der Rückwand im Auge.« Er stapfte hinaus.

Dumpf brandete der Hufschlag heran. Er war der Vorbote von Untergang und Tod. Big Jim Forsyth wollte Rache. Sein Herz war tot, seine Seele abgestumpft, nachdem sie seinen Sohn erschossen nach Hause gebracht hatten. Zuerst glaubte er, verrückt zu werden. Sein einziger Sohn, sein Erbe, war tot. Nur nach und nach gelang es ihm, es zu begreifen - und zu verarbeiten. Aber dann war der Hass gekommen — in rasenden, giftigen Wogen.

Und nun ritt der Rancher an der Spitze seiner Mannschaft durch die dunkle Nacht. Was ihn beseelte, war tödlicher als die Waffen seiner Leute.

Die Lärmwelle, die unter dem Nachthimmel heranrollte, verstummte. Angespannt lauschten die Brüder. Der Wind trug den Geruch von Gras und Salbei heran. Ein Pferd wieherte. Die Reiter mussten sich in dem Buschgürtel befinden, der sich vom Saguache Creek aus nach Westen erstreckte.

Big Jim verharrte stumm auf seinem Rotfuchs. Aus engen Augenschlitzen starrte er auf die Ranchgebäude, deren Konturen durch die Finsternis nur verschwommen und als große, dunkle Flecke auszumachen waren. Dass sein Sohn Charles Turpin erschossen hatte, rührte ihn nicht. Rache!, brüllte es durch seinen schmerzenden Verstand, wieder und immer wieder: Rache! Er wollte Lane Turpin. Vor allem ihn. Aber er wollte auch dessen Brüder.

John Landers trieb sein Pferd neben das des Ranchers. »Wir sollten keine Zeit vergeuden, Boss«, knurrte er kehlig. »Die Leute wissen Bescheid. Wir nehmen die Ranch von allen Seiten in die Zange. Und wenn die Hundesöhne nicht geflohen sind, dann schießen wir sie in Fetzen.«

Big Jim nickte versonnen. »Fangt an. Doch wenn es möglich ist, dann bringt mir zumindest Lane Turpin lebend. Ich will den Mörder meines Sohnes am Ende eines Lassos zappeln sehen.«

Landers zerrte sein Pferd zurück, wendete es und rief unterdrückt: »All right, Leute, verteilt euch. Und seht zu, dass sie uns lebend in die Hände fallen. Bevor ihr aber ein Risiko eingeht - schießt, was das Zeug hält.«

Der Pulk zog sich auseinander. Die Reiter drängten ihre Pferde in die Büsche. Die Tiere scheuten und prusteten unwillig, aber die Männer lenkten wie mit eiserner Hand.

Eine Stimme, hart wie Metall, erklang: »Lane Turpin - hörst du mich?«

Lanes Kinnmuskeln spannten sich.

»Lass die Kerle lieber im Ungewissen«, riet Cole. »Er will nur hören, ob wir tatsächlich verrückt genug waren, hier auf sie zu warten. Sie werden sich darauf einstellen und sich eine todsichere Taktik zurechtlegen. So aber verunsichern wir sie.«

Sekunden verstrichen. Wieder ließ sich das stahlharte Organ vernehmen - John Landers' Organ: »Auch recht, Lane. Aber solltest du mich hören, dann lass dir folgendes gesagt sein: Ich habe über ein Dutzend tödlich entschlossener Burschen mitgebracht. Wir haben die Ranch umstellt. Ihr sitzt wie Ratten in der Falle. Wenn ihr klug seid, dann ergebt ihr euch. Andernfalls stürmen wir. Und ich verspreche dir, dass es für euch verdammt hart werden wird.«

Lane schwieg verbissen.

»Ich gebe euch Narren noch zehn Sekunden, um die Waffen zu strecken und mit erhobenen Händen herauszukommen. Wenn die zehn Sekunden um sind, werden wir euren Bau an allen vier Ecken anzünden. Wir werden euch rösten. Also sucht es euch aus. Das Ultimatum läuft!«

»Lass sie nur kommen!« zischte bei der Haustür Dave. Er hatte sie eine Handbreit geöffnet und spähte hinaus.

»Ich werde ihm einen Handel vorschlagen!«, presste Lane hervor.

»O nein, Bruder«, sagte Cole. »Du gehst nicht hinaus und wirfst dich diesen Wölfen zum Fraß vor.«

»Die zehn Sekunden sind um!«, brüllte Big Jim. »Stürmt den Bau, Leute, und brennt ihn nieder!«

Die Nacht wurde lebendig. Die Männer Big Jims kamen zu Fuß. Ihre Pferde hatten sie im Schutz der Dunkelheit zurückgelassen. Die Finsternis wurde von grellen Mündungsblitzen zerrissen. Ein Bleigewitter prasselte gegen das Haus. Es krachte, knirschte und splitterte. Die Gewehre der Brüder begannen zu donnern und schleuderten ihr rhythmisches Krachen den Great Sand Leuten entgegen. Sie schossen auf die Mündungsfeuer. Das Peitschen der Schüsse verschmolz zu einem explosionsartigen Dröhnen. Männer schrieen, schossen wie besessen und hetzten, jeden Schutz ausnutzend, aus der Dunkelheit. Ihre huschenden Schemen schälten sich aus den tintigen Schatten, heißes Blei raste ihnen entgegen. Der Geruch von verbranntem Pulver breitete sich aus. Pulverrauch vermischte sich mit den Nachtnebeln. Staub wallte.

Die Winchester lag nicht mehr verkrampft, sondern leicht und locker in Lanes Fäusten. Eine Kugel riss den Fensterstock auf und wirbelte ihm Holzsplitter ins Gesicht. Eine andere zog ihm eine blutige Schramme über die Wange. Die Wohnstube war erfüllt vom berstenden Donnern ihrer Gewehre.

Die Haustür wurde von Kugeln förmlich zerfetzt. Dave kniete im Schutz der Hauswand neben der Türöffnung und jagte Schuss um Schuss hinaus. Eine Gestalt taumelte aus dem Schlagschatten des Pferdestalles und brach zusammen. Ein Mann versuchte, sich kriechend in Sicherheit zu bringen. Ein mörderischer Strom von gnadenloser Härte, des brutalen Vernichtungswillens, des unerbittlichen Willens, Big Jims gieriger Besessenheit tödlichen Nachdruck zu verleihen, schlug über den Brüdern zusammen wie eine alles verschlingende Brandungswelle.

*

Eine Fackel loderte und warf zuckende, geisterhafte Reflexe auf die Wand eines Schuppens. Es roch nach verbranntem Petroleum. Der Mann, der die Fackel hielt, zögerte. Die unerbittliche Stimme John Landers sprang ihn an: »Worauf wartest du? Wirf sie endlich!«

Der Cowboy glitt an der Wand nach vorn, dann wirbelte die Fackel durch die Finsternis. Sie polterte auf den Vorbau und rollte bis zur Wand. Feuer flackerte hoch, Funken sprühten. Ringsum peitschten mit unverminderter Heftigkeit die Schüsse. Eine zweite Fackel segelte durch die Dunkelheit, eine dritte …

Mit einem Satz war Dave auf dem Vorbau. Wild um sich schießend erreichte er einen der hochlodernden Brandsätze, trat ihn aus und rannte geduckt zum nächsten. Mit einem zornigen Tritt fegte er die Fackel vom Vorbau. Seine Absätze hämmerten ein hallendes Echo auf den Bohlen, als er weiterhetzte. Ein Geschoss schleuderte ihn herum. Er fiel gegen die Hauswand und hob sich im Lichtschein deutlich davon ab. Eine Salve aus mehr als einem halben Dutzend Waffen nagelte ihn förmlich dagegen. Langsam rutschte er zu Boden, kippte auf den züngelnden Brandherd und erstickte ihn mit seinem Körper.

Lane schrie auf wie von Sinnen. Sein Herz drohte zu zerspringen. Er stöhnte auf. »Dave!« Seine eigene Stimme riss ihn aus der Erstarrung. Wie feurige Kometen zogen weitere Brandsätze vor seinem Blick ihre lautlose Bahn. Nur der Aufprall war zu vernehmen. Und der Wechsel von Licht und Schatten irritierte das Auge.

Cole hatte Dave fallen sehen und schoss wie rasend auf die durch die Dunkelheit stoßenden Mündungslichter. Dann war die letzte Kugel aus dem Colt. Mit fliegenden Fingern lud er nach. Ein Brandsatz flog durch das Fenster und rollte über den Boden. Draußen leckten die Flammen am Holz der Fassade hoch. Der Rauch wurde immer dichter und beißender.

»Wir müssen hier raus!«, brüllte Lane.

Cole schien ihn nicht zu hören. Lane sprang ihn an, zerrte ihn hinter sich her zur Tür. Brennende Gardinenfetzen fielen in der Wohnstube zu Boden. Ein Sessel brannte. Rauch wölkte bereits in dichten Schwaden und verätzte die Atemwege, ließ die Augen brennen und tränen.

»Durchs hintere Fenster!« Lane verschluckte sich, hustete und krümmte sich. Cole riss sich los. Er taumelte zur offenen Haustür, vor der ein Flammenvorhang zu stehen schien. In dem ausgetrockneten Holz des Vorbaus fand das Feuer ausreichend Nahrung. Es knackte und prasselte. Und Cole wankte direkt darauf zu, als hätte er den Verstand verloren. »Cole!«, rief Lane voll Verzweiflung. Rauch füllte seine Lungen, Schwindelgefühl erfasste ihn, Übelkeit stieg in ihm hoch. Er japste wie ein Erstickender und sah Cole hinter dem Flammenvorhang verschwinden. Eine schneidende Stimme peitschte: »Nicht schießen, ich will ihn lebend!«

Lane vernahm es wie durch einen Wattebausch und torkelte durch den Flur, spürte die Benommenheit gegen sein Bewusstsein anstürmen, und riss im Aufflackern eines jähen Überlebenswillens das Fenster hoch. Ein Schwall kalter Luft traf sein Gesicht, gierig sog er den Sauerstoff ein und spürte, wie sich die Benommenheit auflöste. Vorne wummerte Coles Colt. Einmal, zweimal - dann schwieg er. Die schnarrende Stimme Big Jims war zu hören, doch was sie rief, konnte Lane durch das Brausen des Feuers nicht verstehen.

Hin und her gerissen zwischen Gefühl und Verstand stand er wie versteinert. Sie hatten Cole. Dave war tot. Ein Zittern durchlief ihn. Und er war nahe daran, nach vorne zu stürzen und bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Aber der Verstand hämmerte ihm ein, dass er sein Leben retten musste. Er musste leben und Charles Turpins Vermächtnis verteidigen.

Er schüttelte seine Trägheit ab und sprang aus dem Fenster. Eng an die Hauswand geschmiegt lud er seinen Colt nach. Sein Verstand arbeitete wieder klar und präzise.

Auf dem Ranchhof waren die Waffen verstummt. Wie gebannt starrten die Männer von der Great Sand Ranch auf den hoch gewachsenen Mann, der nach zwei blindlings abgefeuerten Schüssen seinen Bruder aus den leckenden Flammen zerrte und der nun, die leblose Last auf den Armen, die Treppen hinunter in den Hof wankte. Der Feuerschein zeichnete seine Gestalt scharf nach. Sein Gesicht sah erschreckend starr aus, nur die Augen schienen noch darin zu leben.

Am Rande der Helligkeit stand Big Jim. Cowboys traten aus den Schatten. Die Metallteile ihrer gesenkten Waffen blinkten. John Landers erschien neben dem gnadenlosen Rancher. Ohne jede Gemütsregung blickte er Cole Turpin entgegen, der sich marionettenhaft und eckig bewegte. Seine Haare waren versengt, auf seinem Hemd glommen Funken. Sein schweißnasses Gesicht war rußverschmiert. In seinen Augen war ein irrsinniges Flackern. Zwei Schritte vor Big Jim blieb er stehen. Dann sagte er langsam, fast schleppend, mit angegriffener Stimme: »Der zweite Turpin, Big Jim, der innerhalb weniger Stunden an einer Forsyth-Kugel zugrunde ging. Ich bin in deiner Hand. Wahrscheinlich wirst du auch mich töten. Aber Lane ist dir entkommen. Und er wird zurückkehren. Und dann gnade dir Gott, Big Jim Forsyth, denn dann wirst du bezahlen!«

Cole verlor die Kraft. Er brach in die Knie, Big Jim versank vor seinem Blick in diesigem Nebel.

Hinter dem lichterloh brennenden Ranchhaus dröhnten Schüsse. »Lane Turpin!«, knirschte John Landers und fegte los. Einige der Cowboys schlossen sich ihm an.

*

Lane kauerte an der Rückwand des Ranchhauses, über dessen Dach bereits bläuliche Flammen tanzten.

Linker Hand reichten Stangencorrals bis hinter das Haus. In einer Entfernung von etwa hundert Yards wälzten sich die Fluten des Saguache Creek nach Südosten. Lane schob sich an die Hauswand entlang. Er hatte kein Pferd! Er hatte nur das, was er auf dem Leib trug - und er hatte seinen Colt und die Patronen in seinem Gürtel.

Bei den Corrals nahm er eine flüchtige Bewegung wahr. Er federte herum. Grell blitzte es auf. Lane spürte einen harten Schlag gegen den Oberschenkel, das Bein wurde ihm förmlich unter dem Körper weggerissen, trotzdem war sein Reflex noch da. Er schoss genau in den verglühenden Feuerball hinein und nahm im gleichen Augenblick einen zweiten Schemen wahr, der über das Corralgatter sprang und auf den Bauch hechtete. Lane spürte den sengenden Strahl eines Geschosses, biss die Zähne zusammen und drückte ab, rollte zur Seite und kam so vom Haus weg, in das nun die Kugeln des Great Sand Reiters harkten.

Lane zielte ruhig und überlegt. Dann feuerte er. Sein Geschoss trieb den anderen hoch, Lanes zweite Kugel schüttelte ihn, und im selben Augenblick, als er fiel, kam Lane hoch. Stechender Schmerz pulsierte von seinem Bein bis unter seine Schädeldecke. Er ignorierte ihn und humpelte davon, so schnell ihn seine Beine zu tragen vermochten.

Kugeln pfiffen hinter ihm her. Er stolperte, stürzte und schlug mit dem Gesicht auf den von der Sonne hartgebackenen Boden. Eine kalte, klirrende Stimme wehte heran. »Schnappt ihn euch! Aber denkt daran, dass Big Jim ihn hängen will!«

Es riss ihn wieder in die Höhe. Sein schmerzender Verstand begriff, dass dies seine Chance war. Feuerschein flutete über ihn hinweg, er raffte sich auf und stolperte weiter. Seine Gestalt warf einen langen Schatten. Eine kratzende Stimme holte ihn ein: »Stehen bleiben, Turpin! Bleib stehen, zum Teufel!«

Weiter, Lane, weiter! Sie dürfen dich nicht kriegen! Es drängte sich auf nahezu hypnotische Weise in sein Bewusstsein. Vom Grauen getrieben floh er, trampelnde Schritte näherten sich ihm von hinten. Er taumelte aus dem Lichtkreis. Das Ufergebüsch schien ihm unendlich fern und unerreichbar. Und seine Verfolger holten auf. Sie hatten seine große Not erkannt und verschwendeten keine Munition mehr, kamen wie ein Rudel Schweißhunde, die das Jagdfieber gepackt hatte.

Wieder strauchelte Lane, wieder schlug er hin. Der Schmerz in seinem Körper explodierte. Aber noch einmal überwand sein Widerstandswille Erschöpfung und Fatalismus, und er hob das Eisen. Eine Kugel röhrte aus dem Lauf, die heranrasenden Schatten spritzten schreiend und fluchend auseinander, als hätte eine Granate zwischen ihnen eingeschlagen. Sie versanken in der Dunkelheit. Hier und dort blitzte es auf. Lane aber kroch schon auf dem Bauch davon. Das sirrende Blei wurde ihm kaum gefährlich.

»Wir müssen ihm den Weg zum Fluss abschneiden!«, gellte John Landers' Organ.

Sie hatten seine Absicht durchschaut: Glasklar hatte Landers erfasst, dass Lanes einzige Rettung der Creek war.

Lane bot noch einmal alle Kraft auf, kämpfte sich hoch und schleppte sich weiter. Er wusste selbst nicht, wie es ihm gelang, das Ufergestrüpp zu erreichen. Er stürzte kopfüber hinein und spürte nicht, dass Äste sein Gesicht peitschten und ihm die Haut aufrissen. In der Nähe brüllte ein Mann Dinge, die Lane nicht verstand. Er robbte wie besessen durch das Strauchwerk, riss sich die Hände wund und wunderte sich selbst, dass er noch immer den Colt umkrampft hielt. Und plötzlich war er am Fluss. In der Wasserfläche spiegelte sich das Sternengeflimmer. Rechts von ihm ertönte Brechen und Rascheln, er schoss seine letzten Kugeln in diese Richtung, schleuderte den wertlosen Colt fort und warf sich in die Fluten. Kalt schlugen sie über ihm zusammen. Die Kälte war es auch, die in seinem Hirn einen Vorhang zum Zerreißen brachte. Sie vertrieb die Betäubung und linderte fast schlagartig den Schmerz in seinem durchschossenen Oberschenkel.

Ein Strudel erfasste ihn, wirbelte ihn herum und drückte seinen Körper nach unten. Die Luft wurde ihm knapp. Verbissen kämpfte er, spürte den Untergrund unter seinen Füßen und stieß sich ab. Er nahm nicht wahr, dass mit seinem Eintauchen in das Wasser die Great Sand Reiter die letzten Hemmungen über Bord warfen. Landers, der befürchtete, dass Lane ihnen entkam, brüllte mit sich überschlagender Stimme: »Schießt, Leute, haltet drauf! Besser wir haben ihn tot als überhaupt nicht!«

Das Wasser spritzte unter den Einschlägen. Ein fauchendes Brausen lag in der Luft. Funken und Asche wirbelten. Gelegentlich war das knirschende Bersten von niederbrechendem Gebälk zu hören.

Lane konnte sich aus dem Strudel befreien. Sein Kopf zerteilte die Wasseroberfläche, lechzend sog er frische Luft in seine Lungen. Er pumpte sie voll Sauerstoff und ließ sich wieder wegsacken. Am Fluss aufgewachsen konnte er schwimmen wie ein Fisch. Und die Erkenntnis, dass er ihnen fürs Erste entkommen war, verlieh ihm Antrieb. Weit holten seine Arme aus, die kraftvollen Schwimmstöße und die Strömung brachten ihn schnell flussabwärts.

Irgendwo, weitab, trieb ihn die Strömung ans flache Ufer. Erschöpft blieb er liegen. Die Finsternis hüllte ihn ein wie ein Mantel. Und seine Einsamkeit wurde ihm bewusst. Verlorenheit senkte sich in sein Gemüt, und dazu gesellte sich die Verzweiflung, die dem Wissen entsprang, dass innerhalb weniger Stunden sein bisheriges Leben zerstört worden war. Er folgte dem Fluss nach Südosten. Zerschunden, blutend und triefend vor Nässe setzte er mechanisch einen Fuß vor den anderen, die Schusswunde mit beiden Händen umklammernd, den Schmerz verbeißend. Weit zurück stürzte krachend das Haupthaus ein. Funkengarben stoben zum Himmel.

»Der erste Schritt, das Great Sand Valley von diesem Smallranchergeschmeiß zu säubern, ist getan. Ich hätte niemals einen von diesen Hungerleidern Fuß fassen lassen dürfen.« Big Jim Forsyth sprach in kurzen, abgehackten Sätzen. Licht- und Schattenreflexe ließen sein Gesicht dunkel und zerrissen anmuten, an die Rinde eines alten Baumes erinnern. »Aber zunächst will ich Lane Turpin. Er muss für den Tod meines Sohnes büßen.«

Er hatte die Worte in die Länge gezogen und die Umstehenden begannen trotz der Gluthitze zu frösteln. Sein schwelender Blick voll Hass und unheilvoller Begierde heftete sich auf die Brüder, von denen einer besinnungslos, der andere aber tot war.

*

Bald überfiel Lane bleierne Erschöpfung. Sein eingefallenes, von Blutverlusten und Schmerz gezeichnetes Gesicht verzerrte sich. Aber unermüdlich kämpfte er sich vorwärts. Die Schübe der Benommenheit kamen schneller, die Abstände zwischen ihnen wurden immer kürzer.

Wie ein Betrunkener wankte er dahin. Sie werden nicht ruhen, bis sie dich haben!, durchpeitschte eine unbarmherzige Stimme sein Gehirn. Sie jagen dich, bis sie dich Big Jim tot vor die Füße legen können. Du bist allein, unbewaffnet, am Ende …

Er ächzte. Immer wieder knickte das zerschossene Bein unter ihm weg. Die Blutung kam nicht zum Stillstand. Blut verklebte seine Hände. Die Angst, dass er es nicht schaffen könnte, durchrann ihn wie Fieber. Seine Kehle war wie ausgedörrt. Er fror erbärmlich. Seine Zähne schlugen wie im Schüttelfrost aufeinander.

Der Fluss gurgelte und rauschte. Lane lag im Ufersand. Wasser umspülte seine Beine. Er brauchte Hilfe. An der Mündung des Saguache Creek in den San Luis River lebte Lisa mit ihrem Vater. Clay Reed stand zwar als Wolfs- und Coyotenjäger in Big Jims Diensten, im Übrigen aber hatte er mit der Great Sand Ranch nichts zu tun. Reed würde sich heraushalten.

Drei Meilen bis zur Mündung. In seinem Zustand konnte er diese Entfernung nicht mehr bewältigen. Er würde irgendwo umfallen, und wenn er nicht verblutete, würden ihn Big Jims Sattelwölfe finden.

Drei Meilen! Lane starrte auf den Fluss. Und dann fasste er einen Entschluss: Schwimmen! Nun, wenn er infolge seines Blutverlustes die Besinnung verlor, dann ertrank er eben. Ein jämmerlicher Tod, aber immer noch gnädiger, als am Ende eines Lassos elend zugrunde zu gehen.

In jähem Entschluss erhob er sich. Er watete ins Wasser und verlor den Boden unter den Füßen. Die Strömung packte ihn. Er legte sich auf den Rücken, sah weit über sich den Nachthimmel und ließ sich dahintragen. Neue Hoffnungen beflügelten seine Gedanken.

Die dunklen, drohend anmutenden Buschgruppen am Ufer schienen vorbeizuhuschen. Hin und wieder warfen ihn unvermutete Stromschnellen herum, zerrten tückische Wirbel an ihm, aber mit wenigen kräftigen Ruderbewegungen der Arme befreite er sich. Der Fluss wurde breiter und ruhiger. Lane schwamm zum Ufer, kroch auf allen vieren die Uferböschung hinauf und ruhte kurze Zeit zwischen den dichten Büschen aus. Dann schlug er sich hindurch. Clay Reeds Hütte schälte sich aus der Dunkelheit. Es gab einen Pferdestall, einen Heuschuppen, einen kleinen Stangencorral und einen Brunnen.

Reed baute Mais und Weizen an, verfügte über etwas mehr als hundert Rinder, jagte Raubzeug und bekam für jeden Abschuss von Big Jim einen Dollar. Früher arbeitete er als Scout bei der Armee. Er war ein wortkarger, mürrischer Mann, der nie über seine Vergangenheit sprach, der sich selbst der Nächste war, und der sich von allem fern hielt. Und dasselbe erwartete er von seiner Tochter.

Ruhig lagen die Gebäude vor Laue im silbrigen Mondlicht. Clay Reed und seine Tochter schliefen. Lane gab sich einen Ruck. In seinen Stiefeln schmatzte bei jedem Schritt das Wasser. Schwer hing die Kleidung an ihm. Der Schmerz, den er im Wasser kaum wahrgenommen hatte, kam mit Macht zurück.

Er brachte drei Schritte hinter sich, als Clay Reeds Hund anschlug. Sein dunkles, warnendes Bellen zersprengte die Stille und ließ Lane zusammenzucken. Klar und scharf schallte es durch die Nacht, wurde heiser und kläffend. Eine schwere Kette rasselte und klirrte.

»Ruhig, Rex, ganz ruhig!«, rief Lane und hinkte weiter.

Der Hund stutzte, sein Bellen brach schlagartig ab.

»Brav, Rex!« Ein seltsames Gefühl durchströmte Lane. Er fühlte sich plötzlich nicht mehr alleine und einsam.

Das Fiepen des Hundes erreichte sein Gehör. Die Kette schleifte über den Boden. Aber da flog krachend der Fensterladen auf. Ein kurzes, metallisches Knacken, als ein Gewehrhahn gespannt wurde, dann eine raue, unfreundliche Stimme: »Wer immer da draußen herumschleicht zu dieser unchristlichen Stunde - er soll verschwinden! Ich habe niemand eingeladen, und zu holen gibt es bei mir nichts außer heißem Blei.«

Lane war stehen geblieben. Er war sich sicher, dass Reed ihn im Mondlicht ausmachen konnte. »Nicht schießen, Clay. Ich bin es, Lane Turpin. Ich bin verletzt und brauche deine Hilfe!«

»Lane Turpin?«, kam es fragend und misstrauisch zurück. »Wieso gehst du nicht nach Hause, wenn du Probleme hast? Warum kommst du mitten in der Nacht zu mir?«

Lane humpelte ein Stück weiter. In der Dunkelheit winselte Rex und scharrte mit den Pfoten.

»Lass mich in dein Haus, Clay, dann werde ich dir alles erklären.«

»Hattest du Ärger mit …«

Clay Reed wurde unterbrochen, als sich die Haustür knarrend öffnete. Lichtschein fiel ins Freie, die Gestalt einer Frau erschien im Türrechteck, und eine weibliche Stimme rief: »Lane, du lieber Himmel, was ist geschehen? Komm herein.« Sie lief ihm entgegen. Die Laterne schaukelte, das Licht warf ihren Schatten riesengroß und verzerrt auf den Boden.

»Zum Teufel damit!«, grunzte Clay Reed und zog das Gewehr zurück.

Lisa erschrak, als sie Lane aus der Nähe sah. Ihre dunklen Augen weiteten sich. Bestürzt musterte sie ihn, tausend Fragen stürmten auf sie ein.

»Es war Big Jim«, murmelte Lane und machte einen unbeholfenen Schritt auf sie zu. In seinem verzerrten Gesicht zuckten die Muskeln. Tief lagen seine Augen in den Höhlen. Innerhalb weniger Stunden schien er um Jahre gealtert zu sein. Tiefe Linien zogen sich von seinen Nasenflügeln bis zu den Mundwinkeln. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Er sprach weiter — leise, losgelöst, hastig, als müsste er sich beeilen, alles loszuwerden: »Mein Vater und Dave sind tot. Ob Cole noch lebt, weiß ich nicht. Die Ranch ist …« Seine Knie wurden weich wie Butter. Die Betäubung kam wie eine graue, alles verschlingende Flut. Er schwankte. Lisa stützte ihn. Im Licht funkelten seine Augen wie Glas.

Lisa hatte begriffen. Schwer spürte sie Lanes Körper. »Drinnen, Lane«, flüsterte sie herb, mit vibrierender Stimme. »Du kannst uns alles im Haus erzählen. Komm.« Sie drehte den Kopf. Ihre Stimme hob sich, als sie hervorstieß: »Dad, schnell, Lane kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Du musst mir helfen!«

Clay Reed stapfte aus dem Haus. Er schaute ebenso betroffen wie seine Tochter, als er Lane aus der Nähe sah, dann aber kehrte der finstere Ausdruck in sein lederhäutiges Antlitz zurück. Er legte sich Lanes linken Arm um die Schultern, hielt ihn am Handgelenk fest und grollte: »Du siehst elend aus, Turpin, und ich habe das Gefühl, dass ich dich eigentlich zum Teufel jagen müsste. Wahrscheinlich reite ich mich bis zum Hals in den Verdruss hinein, wenn ich es nicht tue. Nun, wir werden es ja sehen.«

Sie schleppten Lane ins Haus. Schließlich hockte er auf einem Stuhl am rohen, grobgezimmerten Tisch. Zu seinen Füßen bildete sich eine Wasserlache. Sein Kinn war auf die Brust gesunken. Er hielt die Augen geschlossen.

Clay zog den Blendladen zu und schloss das Fenster. Die Lampe stand auf dem Tisch. Ihr Licht riss den karg und ärmlich eingerichteten Raum aus der Finsternis.

Lisa schnitt Lanes Hosenbein auf. Die Wunde war vom Wasser aufgequollen, die Wundränder sahen weißlich und teigig aus. Ein feiner Blutfaden, der sich mit dem Wasser auf Lanes Haut vermischte, rann heraus. Das Mädchen hatte sich noch immer nicht ganz von seinem Schrecken erholt. Immer wieder streifte sein besorgter Blick Lanes Gesicht.

Clay beugte sich über die Wunde. »Die Kugel ist hinten wieder ausgetreten«, murmelte er und seine Stirn war nachdenklich gefurcht. »Ein glatter Durchschuss. Hol das Zeug zum Desinfizieren, Lisa, und Verbandszeug. Er ist jung, stark und zäh. In einer Woche kann er wieder rennen wie ein Hase.«

Er ging um den Tisch herum und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Weit streckte er die Beine von sich.

Und während Lisa in ein angrenzendes Zimmer lief, schnappte Clay: »Dann spuck mal aus, Lane, was es gegeben hat. Ich ahne zwar, dass der Krieg zwischen euch und der Great Sand Ranch zum Ausbruch gekommen ist, aber ich will Einzelheiten hören.« Seinem Ton fehlten Frische und Wärme, er war sachlich und fordernd.

Lane hob das Gesicht und öffnete die Augen. Seine blutleeren Lippen bewegten sich: »Es gibt nicht viel zu berichten«, murmelte er. »Bill Forsyth hat meinen Vater erschossen und ich habe Bill Forsyth getötet. Heute Nacht kam Big Jim mit seinem Rudel auf die Bar-T. Dave starb, Cole fiel Big Jim in die Hände, die Ranch ging in Flammen auf. Ich entkam den Wölfen. Das ist die Geschichte, Clay.«

Lisa kam zurück. Sie kniete sich neben Lane auf den Fußboden und begann, seine Wunde zu versorgen. Sie arbeitete stumm und sorgfältig.

»Es ist eine verdammt üble Geschichte, Turpin«, stieg es dumpf aus Clay Reeds Kehle. »Weshalb kommst du ausgerechnet zu mir damit?« Fast feindselig schaute er Lane dabei an.

»Vater!«, rief Lisa vorwurfsvoll und zurechtweisend und schoss Clay Reed einen vernichtenden Blick zu. »Wohin hätte er sich sonst wenden sollen?« Sie hatte die Wunde mit Peroxyd desinfiziert und verband ihn nun. Lane spürte pochenden Schmerz.

Reed zuckte nichts sagend mit den Achseln. »Er hätte wissen müssen, dass ich mich niemals einmischen werde. Ich arbeite öfter mal für Big Jim.« Seine Brauen schoben sich zusammen wie dunkle Raupen. Eine steile Falte stand plötzlich über seiner Nasenwurzel. »Und ich bin sehr dankbar dafür, dass Big Jim mich in Ruhe lässt. Darum hätte er nie herkommen dürfen.«

»Ich bin nicht hier, um mich bei dir zu verkriechen, Clay.« Lanes Tonfall gewann an Festigkeit. »Aber ich wäre dir für einige Dinge sehr dankbar …«

»Ich glaube nicht, dass ich auch nur einen Finger für dich krumm mache, Turpin!«, unterbrach ihn Reed eisig und unbarmherzig. Er nahm die Beine zurück, beugte sich weit über den Tisch. In seinem Blick erschien eine zornige Flamme, »Ich lasse mich von dir in nichts hineinziehen, was mich Kopf und Kragen kosten kann!«, fauchte er bissig. »Euer Krieg interessiert mich nicht. Soll Big Jim auch mir und Lisa das Haus über dem Kopf anzünden?«

Abrupt richtete Lisa sich auf. Ihre roten, sinnig geschnittenen Lippen verzogen sich angeekelt. »Soll das etwa heißen, Vater, dass du Lane in diesem Zustand wieder in die Nacht hinausjagen willst? Hast du denn kein Gewissen? Sind dir Ruhe und Sicherheit mehr wert als ein Menschenleben?« Die Leidenschaft in ihrer Stimme erschütterte Lane.

»Natürlich, das ist mir schon klar!«, giftete Reed und funkelte seine Tochter an. »Du ergreifst seine Partei, weil dir der Kerl etwas bedeutet. Denkst du denn, ich habe es nicht bemerkt, dass er immer wieder nur deinetwegen zu uns gekommen ist? Die Blicke, die ihr gewechselt habt, waren deutlich genug.« Sein Kopf schnellte herum zu Lane. »Denke nur nicht, Turpin, dass ich persönlich etwas gegen dich habe. Ganz und gar nicht.« Seine Stimme hatte wieder den sachlichen Tonfall angenommen. »Aber wie ich Big Jim kenne, kreuzt er in spätestens einer Stunde bei mir auf, weil er nicht dumm ist und sich an fünf Fingern abzählen kann, wohin du dich gewandt hast. Und er wird mich an den Ohren aufhängen, wenn er dahinter kommt, dass ich dir geholfen habe. Du hast nichts mehr zu verlieren. Aber ich! Und ich werde alles verlieren, wenn …«

Lisas entrüstetes Zischen schnitt ihm das Wort ab. Es glich dem wütenden Zischen einer Schlange. Der Anflug von Wildheit in ihren ebenmäßigen Zügen ließ erkennen, dass sie kurz vor der Explosion stand. »Ich schäme mich für dich, Vater!«, sprudelte es aus ihr heraus. »Ja, es stimmt: Lane bedeutet mir etwas — er bedeutet mir eine ganze Menge. Und ich werde ihm helfen. Versuch nur nicht, mich davon abzuhalten. Ich fürchte Big Jim nicht. Wenn Lane seinen missratenen Sohn erschossen hat, dann wird er dafür einen Grund gehabt haben. Lane ist am Ende. Er ist chancenlos. Ihn seinem Schicksal zu überlassen wäre ungefähr dasselbe, als würdest du ihm eine Kugel in den Kopf schießen.«

Lanes Gestalt wuchs schwerfällig in die Höhe. Schwer stützte er sich mit beiden Armen auf den Tisch. Enttäuschung spiegelte sich in seinen verkrampften Zügen wider. In seinem Blick woben die Schatten des Schmerzes und der Erschöpfung. Aber da waren auch Härte und Unbeugsamkeit zu sehen. »Wahrscheinlich hat dein Vater recht, Lisa«, murmelte er und seine Stimme raschelte wie altes Pergament. »Ich darf euch nicht mit hineinziehen. Big Jim ist unberechenbar. Und er ist voll Hass. Er wird vor nichts und niemand haltmachen. Also verschwinde ich.«

Reed sank wieder in seinen Stuhl zurück. Sekundenlang spürte er so etwas wie Ekel vor sich selbst. Aber die Furcht vor Big Jim in ihm überwog. »Ein kluger Entschluss«, bemerkte er grunzend und wich dem flammenden Blick seiner Tochter aus.

»Ich lasse es nicht zu!«, rief sie wie besessen.

Aber Lane winkte ab. »Ein Mann muss sich einen letzten Rest von Stolz bewahren, Lisa. Diesen Stolz aber verliert er, wenn er sich selbst zum Bettler degradiert. Ich werde niemals um etwas betteln. Weder bei Big Jim, noch bei deinem Vater. Du hast mir sehr geholfen, weil du meine Wunde versorgt hast.« Er wandte sich Reed zu. »Ich gehe, Clay. Aber ich kehre zurück. Big Jim ist mir eine Menge schuldig. Wenn er kommt, bestell es ihm.«

Reed knallte die flache Hand auf den Tisch. »Zum Teufel, Lane, versteh mich doch!«, rief er fast weinerlich, was Lane seltsam berührte. »Ich habe genug gekämpft in meinem Leben. Jetzt bin ich alt und will meinen Frieden. Big Jim duldet mich hier nur, weil ich ihm das vierbeinige Raubzeug von der Weide fege. Aber er wird mich davonjagen, wenn ich mich gegen ihn wende.«

Lane humpelte zur Tür. Lisa stellte sich ihm in den Weg. Entschlossene Härte zeigte sich in ihrer Miene. »Du kommst keine drei Meilen weit, Lane. Es dauert mindestens eine Woche, bis du wieder einigermaßen hergestellt bist. Ich weiß ein Versteck, wo Big Jim dich nicht findet. Dorthin bringe ich dich. Und du gehst nicht eher fort, bis du vollkommen gesund bist.«

»Du bist total übergeschnappt, Lisa!«, kreischte Reed. Seine weinerliche Art war verschwunden. Nur die Angst vor der Zukunft beherrschte ihn. »Big Jim vernichtet uns, wenn wir ihn herausfordern!«

Lisa lächelte. Ein Zug eisiger Verachtung lag um ihren Mund, als sie knapp und böse sagte: »Du kannst ihm ja entgegen kriechen und dich für deine Tochter entschuldigen. Ich jedenfalls stehe auf Lanes Seite. Und mit dir bin ich fertig.«

»Aber es ist doch nur deinetwegen, Lisa!« Reed brachte es nur mühsam hervor. Vergeblich versuchte er, das Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. Erregt kratzte er sich am Kinn. Gefühl und Verstand lagen in ihm in zäher Zwietracht. Er musterte Lane mit einem raschen, abschätzen den Blick, dann sah er wieder auf Lisa - beschwörend, fast flehend.

Aber deren Augen verrieten nur den Widerwillen, den sie empfand. Reed blickte in ihr willensstarkes Gesicht, in die trotzigen Augen, und hatte plötzlich den Eindruck, dass sie die verborgensten Züge seines Wesens durchschaute. Er befand sich in einer fürchterlichen Gemütsverfassung. Schließlich überwand er seine Ängste und Befürchtungen und flüsterte fast, als er fragte: »Was brauchst du, um aus dem Valley zu verschwinden, Turpin? Sag es mir und ich will sehen, ob ich dir es geben kann. Ehe ich Lisa verliere, will ich Big Jims Zorn in Kauf nehmen.«

»Selbst wenn er ein Pferd hätte, käme er nicht weit.« Die Anspannung war aus Lisas Miene gewichen. Fast mitleidig fixierte sie ihren Vater. Sie ahnte, welche Überwindung es ihn kostete, Lane dieses Angebot zu unterbreiten, das ihm nichts einbringen konnte als Ärger. Ihre Stimme klang weich und gelöst, als sie fortfuhr: »Ich werde ihn in die Höhle in der Alderschlucht bringen, Vater. Dort findet ihn Big Jim niemals. Er kann da bleiben, bis seine Wunden verheilt sind. Und dann sehen wir weiter.«

Clay Reed überlegte kurz, dann nickte er widerwillig, und es war klar, dass er wenig begeistert war von allem. »Einverstanden. Aber verliert jetzt keine Zeit mehr. Big Jim wird nicht lange auf sich warten lassen.«

*

Clay Reeds unheilvolle Vermutung ging schon bald in Erfüllung. Kaum, dass Lisa und Lane die Farm eine halbe Stunde verlassen hatten, kündete rumorender Hufschlag das Kommen von Big Jim und seiner Mannschaft an. Clay Reed erbebte innerlich und rang die schweißnassen Hände. Draußen bellte Rex wie besessen und zerrte ungestüm an seiner Kette.

Sie donnerten in den Hof und rissen ihre Pferde zurück. Der wogende Staub hüllte sie ein, verschleierte ihre Gestalten, und dennoch glaubte Clay Reed den Strom des Vernichtungswillens, der von dem Pulk ausging, zu fühlen. Er zwang sich zur Ruhe, aber die tiefe, innere Rastlosigkeit ließ sich nicht unterdrücken.

»Reed, heh, Clay Reed!«, rollte Big Jims kräftige Stimme über den Hof. »Ich habe nur ein paar Fragen an dich! Also komm heraus aus deinem Bau.«

Mit der Laterne in der Hand verließ Reed das Haus. Angst sprang ihn an wie ein wildes Tier. Der Staub legte sich, der Lichtschein traf Big Jims versteinertes Gesicht. Clay Reed durchlebte einen furchtbaren Augenblick und zuckte unter dem bohrenden, stechenden Blick Big Jims zusammen wie unter einem Peitschenhieb.

»Ich bin hinter dem Mörder meines Sohnes her, Clay!«, grollte Forsyth. »Hinter Lane Turpin!«

Reed zog den Kopf zwischen die Schultern und fühlte einen eisigen Schauer seinen Rücken hinunterlaufen. »Großer Gott!«, würgte er hervor. »Ihr Sohn ist …«

»Yeah, er ist tot!« Big Jim legte die Hände übereinander auf den Sattelknopf, beugte sich vor und musterte Reed zwingend. »Lane Turpin hat ihn erschossen. Aber dieser Killer ist mir entkommen. Er hat den Fluss als Fluchtweg benutzt. Und was liegt näher, als dass er bei dir Hilfe gesucht hat.«

»Nein — nein!« Es kam hastig — zu hastig aus Reeds Mund. »Turpin ist nicht …« Er verschluckte sich, hustete, und wurde von dem Anfall durch und durch geschüttelt. Dann sprach er keuchend weiter: »Turpin war nicht hier, Mister Forsyth. Ich habe von alledem keine Ahnung. Ich habe geschlafen, bis ich Sie und Ihre Männer heranreiten hörte.« Es gelang ihm nicht, das Zittern seiner Hände zu unterdrücken. Der Schein der Lampe kam auf dem Boden nicht zur Ruhe.

Big Jim schürzte die Lippen. »Es gab für Turpin nur diese Möglichkeit. Er ist verwundet, hat kein Pferd, keine Ausrüstung - gar nichts.« Sein Ton wurde schneidend. »Also raus mit der Sprache, Clay - war er bei dir?«

Reed nagte an der Unterlippe. Sein Kehlkopf hüpfte nervös auf und ab. Er suchte nach Worten, bemühte sich vergeblich, seine aus der Angst geborene Erregung zu verbergen und duckte sich förmlich unter Big Jims durchdringendem Blick.

»Er war also hier!«, spuckte der Rancher, wandte den Kopf und rief in John Landers Richtung: »Seht nach!« Sein Gesicht ruckte wieder herum. Mit böser Schärfe sagte er: »Es war dumm von dir, Clay, mich zu belügen.«

Reeds Schultern sackten nach unten. Er hielt den Atem an, versank in einer Welle des verzehrenden Schreckens und schlug die Augen nieder.

»Das wirst du bereuen, Clay!«, geißelte ihn wieder die unerbittliche, gnadenlose Stimme. »Ich werde dich mit der Peitsche aus dem Valley jagen!«

John Landers hatte zwei Reitern einen Wink gegeben. Sie sprangen von den Pferden und liefen ins Haus. Drinnen flammte Licht auf, als sie Streichhölzer anrissen. Dann versank der Raum wieder in der Finsternis und sie stürmten nach draußen. »Er war da!« rief einer. »Auf dem Boden ist eine riesige Pfütze.« Sie liefen zu ihren Pferden.

»Was hast du dazu zu sagen, Clay?«, fragte Big Jim sanft, tödlich sanft. Ein kaltes Lauern trat in seine Pupillen.

»Bei Gott, Mister Forsyth, was sollte ich tun?«, jammerte Reed und trat von einem Bein auf das andere, druckste herum und wand sich förmlich unter dem zwingenden, durchbohrenden Blick des Ranchers. »Er kam zu mir. Ich hatte von nichts den blassesten Schimmer. Er war verwundet und ich stellte keine großen Fragen. Wir …« Er stockte und verbesserte sich: »Ich habe ihn verbunden und dann bat er mich, ihm ein Pferd zu leihen. Ich hatte keinen Grund, ihm diese Bitte abzuschlagen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass er vor Ihnen auf der Flucht war.«

»O doch, du hast es gewusst. Ein Mann wie du stellt Fragen, Clay. Turpin hat es dir gesagt. Und dennoch hast du ihm geholfen. Ist das der Dank dafür, dass ich dich hier all die Jahre leben ließ?«

»Ich …« Das Grauen schüttelte Reed und lähmte seine Stimmbänder. Die Hoffnung, ungeschoren davonzukommen, platzte wie eine Seifenblase.

»Turpin hat dir sicher auch gesagt, wohin er sich wenden wird.« Big Jim schielte zum Haus hinüber, als erwartete er etwas Bestimmtes. Seine Augen verkrallten sich wieder an Reed. »Spuck es schon aus, Clay. Oder müssen wir es aus dir herausprügeln?«

»Er — er hat fast überhaupt nicht gesprochen, wirklich. Er hatte es höllisch eilig, und kaum, dass ich seine Wunde verbunden hatte, sattelte er das Pferd und ritt fort wie der Teufel.«

»Wo ist deine Tochter? Warum lässt sie sich nicht sehen?«

Reed räusperte sich, als müsste er sich die Kehle freimachen, ehe er antwortete. In Wirklichkeit versuchte er, Zeit für eine glaubhafte Erklärung zu gewinnen. Rau rief er: »Lisa ist in der Stadt, bei ihrer Freundin Betty Miller.«

»Lass mal im Pferdestall nachsehen, Landers!«, presste Forsyth hervor.

»Ben!«, ertönte John Landers' auffordernde Stimme.

Der Gerufene lief los. Schweigen senkte sich über die Farm. Nur das Stampfen der Pferde, ihr Schnauben und das Knarren von Sattelzeug durchbrach es. Abwartende, drohende Spannung füllte die Atmosphäre, und Reed konnte sie kaum noch ertragen. Sein Blick streifte Big Jims düsteres Gesicht.

Der Cowboy kam zurück. »Im Stall steht ein einziger Gaul, Boss«, berichtete er. »Ein Schecke.»

»All right, Clay«, stieg es grollend aus Big Jims Kehle, und in seiner Stimme schwang eine tödliche Drohung mit. »Du hast mich genug belogen. Eigentlich bewundernswert dieser Mut, mit dem du versuchst, Lane Turpin die Flucht zu ermöglichen. Jetzt aber wird es verdammt bitter für dich. Yeah. Ich weiß, dass du vier Pferde besitzt. Und ich bin überzeugt, dass deine Tochter den jungen Turpin begleitet und dass sie ein Packpferd mit Vorräten mit sich führen.« Er presste sekundenlang die Lippen zusammen. Dann setzte er gedehnt hinzu: »Jeder im Valley weiß, was es mit deiner Tochter und Lane Turpin auf sich hat. Meinen Jungen ließ sie abblitzen. Mir war das nur recht. Denn Bill hätte etwas Besonderes verdient gehabt als eine Lisa Reed. Aber jetzt ist mein Sohn tot - und deine Tochter hilft seinem Mörder. Gebt es diesem Narren!« Er lachte leise, wie besessen auf.

Clay Reeds Fassung zerbrach. Er warf sich herum, um ins Haus zu fliehen. Aber er trat auf den Saum seines langen Nachthemdes und stolperte. Die Lampe entglitt ihm, zerschellte auf dem Boden und verlosch. Reed lag auf den Knien. Das Entsetzen schnürte ihm die Luft ab. Mahlende Schritte näherten sich ihm schnell. Und dann rissen ihn unbarmherzige Fäuste in die Höhe.

*

Sie ritten stumm durch die Nacht. Zunächst ging es über fruchtbares Grasland, das von Buschgürteln zerschnitten war und über dem der Duft des blühenden Salbeis hing. Später wurde das Gelände immer wieder von wild übereinander getürmten Felsgruppen unterbrochen, und je höher sie kamen, desto steiniger wurde der Boden, umso karger die Vegetation. Sie befanden sich in den Ausläufern der Felswildnis im Osten, die sich schwarz und drohend in der Ferne gegen den Sternenhimmel abhob. Buckelige Felsen zwangen sie zu Umwegen. Geröllhalden schwangen sich zu beiden Seiten nach oben.

Unbeirrt folgten sie dem ansteigenden Weg über kahle Felsterrassen. Irgendwann ritten sie durch einen Canyon. Bäume wuchsen auf seiner Sohle. Es waren Erlen, die der Schlucht ihren Namen gegeben hatten. Der Wind rauschte in ihren Kronen. Das Gurgeln eines Baches, der sich zwischen dem Geröll ein Bett, ausgewaschen hatte, begleitete sie. Kühle Luft strömte ihnen entgegen. Die Geräusche muteten in der Schlucht eigenartig dumpf, klingend und melodiös an.

Mit traumwandlerischer Sicherheit fand Lisa sich zurecht. Sie ritt bis zu einem Einschnitt in der Wand und lenkte ihr Pferd hinein. Ein steiler Pfad führte bergan. Sie zügelte das Tier. Lane verhielt ebenfalls. Sie sagte: »Am Ende dieses Pfades findest du die Höhle, Lane. Es gibt nur diesen Zugang. Ich entdeckte sie vor einigen Jahren, als ich mit meinem Vater hier auf der Jagd war. Du bist da oben so sicher wie in Abrahams Schoß. Du hast Proviant für eine

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Rauer Trail - 9 Western Romane denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen