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POLARLICHT - Gesammelte Erzählungen
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eBook607 Seiten8 Stunden

POLARLICHT - Gesammelte Erzählungen

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Über dieses E-Book

Social Fiction – so nannte Reinmar Cunis (* 08. August 1933, † 16. April 1989) jenen Bereich der Phantastischen Literatur, in dem social sciences an die Stelle der Naturwissenschaften treten. Ein neuer Begriff für ein altes Genre, denn George Orwells 1984 ist ebenso der Social Fiction zuzurechnen wie Aldous Huxleys Schöne neue Welt. Cunis will mit diesem Wort den Anspruch der Sozialwissenschaften unterstreichen, in der Science Fiction ebenbürtig neben andere Wissenschaften getreten zu sein. Technischer Fortschritt ist undenkbar ohne gesellschaftliche Veränderung; Ängste vorm physikalischen Aus für die Erde können nur begreiflich gemacht werden, wenn die Untergangsgesellschaft schlüssig beschrieben wird. Die Menschen der Gegenwart auf dem SF-Prüfstand des Zusammenlebens: das ist – so Cunis – Social Fiction.

Polarlicht enthält erstmals die gesammelten Erzählungen – 19 an der Zahl – und ein Nachwort von Reinmar Cunis (zum Thema Social Fiction) sowie ein Interview mit dem Autor anlässlich der Veröffentlichung seines Roman-Meisterwerks Wenn der Krebsbaum blüht.
SpracheDeutsch
HerausgeberBookRix
Erscheinungsdatum15. Apr. 2021
ISBN9783743871120
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    Buchvorschau

    POLARLICHT - Gesammelte Erzählungen - Reinmar Cunis

    FICTION

    Das Buch

    Social Fiction – so nannte Reinmar Cunis (* 08. August 1933, † 16. April 1989) jenen Bereich der Phantastischen Literatur, in dem social sciences an die Stelle der Naturwissenschaften treten. Ein neuer Begriff für ein altes Genres, denn George Orwells 1984 ist ebenso der Social Fiction zuzurechnen wie Aldous Huxleys Schöne neue Welt. Cunis will mit diesem Wort den Anspruch der Sozialwissenschaften unterstreichen, in der Science Fiction ebenbürtig neben andere Wissenschaften getreten zu sein. Technischer Fortschritt ist undenkbar ohne gesellschaftliche Veränderung; Ängste vorm physikalischen Aus für die Erde können nur begreiflich gemacht werden, wenn die Untergangsgesellschaft schlüssig beschrieben wird. Die Menschen der Gegenwart auf dem SF-Prüfstand des Zusammenlebens: das ist – so Cunis – Social Fiction.

    Polarlicht enthält erstmals die gesammelten Erzählungen – 19 an der Zahl – und ein Nachwort von Reinmar Cunis (zum Thema Social Fiction) sowie ein Interview mit dem Autor anlässlich der Veröffentlichung seines Roman-Meisterwerks Wenn der Krebsbaum blüht.

    Der Autor

    Reinmar Cunis (* 08. August 1933, † 16. April 1989).

    Reinmar Cunis war ein deutscher Soziologe, Journalist und Autor von Science-Fiction-Romanen.

    Geboren in Bremen, absolvierte Cunis eine Banklehre, studierte anschließend in Berlin und Köln Soziologie, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften. Er promovierte im Jahre 1964 mit einer Arbeit in Soziologie über künftige Militärverfassungen in demokratischen Industriestaaten und arbeitete beim NDR.

    Mit 17 Jahren veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte und schrieb anschließend für Zeitungen und Zeitschriften. Im Jahre 1966 schließlich wurde sein erstes Hörbild Alpträume und Wunschbilder im NDR-Rundfunk ausgestrahlt.

    Reinmar Cunis drehte auch Fernseh-Reportagen zu wirtschafts- und sozialpolitischen Themen und war überdies einige Jahre Projektgruppenleiter bei der Fernsehspielabteilung des Norddeutschen Rundfunks.

    Sein erster Science-Fiction-Roman Livesendung erschien 1978. In ihm geht es um den Besuch eines Außerirdischen, der allerdings von der betriebsblinden Presse nicht wahrgenommen wird. Cunis' zweiter Roman Zeitsturm wurde im Jahre 1979 veröffentlicht: Er befasst sich mit dem Thema Zeitreise mittels Drogen und ist vom Werk so unterschiedlicher Autoren wie Philip K. Dick und J. G. Ballard beeinflusst.

    Zu Reinmar Cunis' Lieblingsthemen gehörten außersinnliche Wahrnehmungen, Teleportation, psychedelische Drogen, Psi-Phänomene und Leben nach dem Tod.

    Als seine herausragendsten Werke gelten Am Ende eines Alltags (1982), eine Sammlung von Kurzgeschichten, sowie der Roman Wenn der Krebsbaum blüht (1987).

    Für die Kurzgeschichte Polarlicht wurde er 1986 mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet.

    Der Apex-Verlag widmet Reinmar Cunis eine umfangreiche Werkausgabe.

    Polarlicht

    Da hockten sie zwischen Tauen und Netzen auf Kisten, Tonnen oder Bojen, steif, die Blicke seit Stunden auf den schmierig-nassen Steinboden gerichtet. Das Feuer im Eisenofen hinten an der Wand gab ihren Gesichtern flackernde Schatten, und manchmal hoben sie die Köpfe, um eine Dose an den Mund zu setzen und Leichtbier hinunterzugießen. Das Bootshaus knirschte, war's vom Sturm oder vom kurzen, harten Seegang, es stand mit dem vorderen Teil auf Stelzen im Meer, die Rückseite war am Fels verankert, und so wie dies gab's noch ein paar Häuser mehr an der Bucht. Schmal, ein- oder zweistöckig, weißgetünchte Holzwände und kleine Sprossenfenster, hinter denen zu dieser späten Tageszeit die Frauen bei Handarbeit und Fernsehen saßen. Auch in der Wohnung überm Bootshaus lief das Fernsehprogramm, da war Pauls Frau Berit und wartete. Paul, Kutterführer, nahm jetzt einen Schluck aus der Bierdose und starrte dabei den schweren Türriegel an, bevor sein Blick auf den Boden zurückkehrte. Alle dachten an Jon.

    Sie waren Fischer, was andres gab's hier nicht. Die Schule, die Autoschlosserei, die Kirche und den Supermarkt fand man ein paar Ortschaften weiter, hinter dem Steilhang oder längs der Küste, auf der östlichen, dem Festland zugewandten Seite der Insel. Mir ist diese winzige Siedlung auf merkwürdige Weise aus den Augen geraten, hab' sie später nicht wiederfinden können, obwohl ich jeden Winkel der Lofoten abgesucht habe, ich meine, sie versteckte sich im abgewandten Teil von Vestvågty, aber vielleicht irre ich mich.

    An diesem Abend zur Hauptfangzeit, tagsüber blieb die Sonne hinterm Horizont und patschte violettes Licht unter den Himmel, hatte der seit einer Woche blasende Südwest an Stärke zugenommen; was von den Wolken übriggeblieben war, klebte an den Wellenkämmen, verfing sich in den Takelagen der stramm vertäuten Boote oder prallte gegen die nackten schwarzen Felswände. Ziegen und Federvieh waren längst in die Ställe gekrochen, Hunde und Katzen und Mäuse duckten die Nasen unter die Pantoffel der Frauen, in den Kojen schliefen die Kinder. Niemand war mehrdraußen - außer Jon.

    »Vielleicht hat er Unstad angelaufen«, sagte Paul und fiel wieder in Schweigen. Arvid irgendwann: »Oder die Höhle«, und sog sehr heftig an seiner kalten Pfeife.

    »Hab' ihn gut hundert Meter voraus gesehen, drei Strich über Backbord«, hatte Jon Strinden berichtet, er war zwanzig Jahre jünger als der andere Jon, Jon Heimdal, der alte Fischer, der in einem Anbau an Strindens Haus allein lebte.

    Graubraune, salzgegerbte Gesichter hatten sie alle, wie Stockfisch, aber Jon Heimdals Gesicht war unbeweglich wie der Stein, der die Bucht schützte. Sie hatten kleine, schwarze Augen, die besser als Radar waren, und schaufelgroße Hände, aber Jon Heimdals Augen lagen so tief hinter Sehschlitzen wie verborgne Laserkanonen, und seine Hände konnten einen GCM-Hubschrauber am Aufsteigen hindern. Jons Zunge war schwer, deshalb sprach er noch sehender als die andern; ich fragte ihn einmal, wie alt er sei, er schüttelte nur den Kopf, und als ich fragte, »hast du immer hier gelebt?« öffnete er die Lippen, das Kinn stieß ruckartig auf und nieder, zwischen seinen Zahnlücken kam ein Laut, der so viel wie das hier übliche jau, jau bringen sollte. Ich sagte: »Würdest du mich mal auf Fang mit hinausnehmen?«

    Da richtete er seine Sehschlitze auf mich, und ich musste zur Seite springen, sah aber noch auf seinen Backenknochen so etwas wie Grinsen.

    Als der Riegel kippte und die Bootshaustür über die Angeln schwang, saßen sie alle wie aus einem einzigen Schattenschnitt, schluckstill; selbst das Kaminfeuer hatte aufgehört zu knacken. Aber es war Pastor Eriksen, nicht Jon, der hereinkam, er klimperte mit dem Autoschlüssel, sah über die Köpfe und nickte schließlich Paul zu: »Er ist also immer noch nicht zurück.«

    Paul kippte den Blick wieder weg.

    »Berit hat mich angerufen«, erklärte der Pfarrer und schloss sorgfältig die Tür, »sie bat mich zu kommen.« Trat ein paar Schritt näher: »Sie sagte, ihr seid in großer Sorge um Jon. Ihr weigert euch heraufzukommen, bevor nicht auch Jon wieder da ist. Sie sagte, ihr hättet nicht mit euren Frauen reden wollen, weil Jon fehlt.«

    »Jon ist besser als jeder von uns«, antwortete Håkon. »Er hätte, wenn nötig, den Kutter in beide Hände genommen und an den Strand getragen. Jon ist pünktlicher als Ihre Turmuhr, und ob

    Schneesturm oder Nebel, er verliert nie die Peilung.«

    »Sie kennen doch Jon, Herr Pastor!«, sagte Arvid, aber Eriksen, sehr klein: »Er war selten am Sonntag in den Bänken.«

    Arvid sagte, was alle dachten, schon so lange sie hier hockten, dachten sie's: »Wir müssen raus, ihn suchen.«

    Der Pfarrer stand breitbeinig vor der Tür, blickte in jedes Gesicht. Fest: »Da geht jetzt keiner raus. Hört ihr: Keiner.« Und redete gleich weiter: »Die vielen Hubschrauber in den letzten Tagen - sind euch die aufgefallen?«

    Wartete.

    Natürlich würde Håkon das Schweigen brechen, wer sonst, so gut kannte ich meine Fischersleute schon. Håkon, mager und etwas gallig, war erst seit fünf Jahren hier, hatte sich mit Arvids Tochter angefreundet, einem drallen, zwanzigjährigen Mädchen. Ich schätzte ihn auf irgendwas zwischen fünfzehn und fünfzig, und vermutlich hatte er irgendwo auf dem Festland abhauen müssen, was ging's die Leute hier an. Håkon wusste meist als erster, an welchem Tag der Dorsch kam, um zu laichen, dann ging er laut pfeifend an Bord.

    »Militär, was?«, spuckte er jetzt. »Kampfhubschrauber, he? Ist den Kanonenbubis wieder so eine U-3 weggekommen?«

    Kein U-Boot hieß U-3, nur die Fischer sagten das, vor Jahren war einem von ihnen ein U-3 gekennzeichnetes Kriegsschiff in die Quere gelaufen.

    Eriksen wartete weiter, bis er spürte, jetzt würden sie alle gern seine Antwort hören, und er senkte die Stimme ein wenig, wie er es tat, wenn er mit der Auslegung der sonntäglichen Bibelstelle begann: »Es kommen beunruhigende Nachrichten aus der Hauptstadt.« Und nach einer Pause: »Aus allen Hauptstädten.« Und: »Beunruhigende militärische Nachrichten.«

    Als er dann nichts mehr sagte, kehrten die Blicke der Fischer auf die nassen Steine zurück, und nach einer Weile hörte ich Arvid auf der Pfeife kauen: »Wir müssen raus, ihn suchen.«

    Da knarrte die Treppe neben dem Kamin, trotz des Getöses draußen war's deutlich zu hören, dann erschien erst die Katze, danach Berit, sie blieb auf der untersten Stufe stehen und verkündete: »Das Fernsehen geht nicht mehr.«

    Paul schaute sie an oder wohl nur das Strickzeug in ihrer Hand: Håkon meinte: »Kaputt, he, kaputt.«

    Pastor Eriksen rief: »Ist das Gerät kaputt?«

    »Nei, ich glaub' nicht, nei, nei«, sagte Berit fest. »Strom ist da, Kanal 1 eingeschaltet. Nei, nei

    »Was geht nicht?«, sagte ihr Mann.

    Sie versuchte zu erklären, das Bild sei plötzlich während des Films verschwunden, der Ton ausgefallen. Eine Störung, doch sei niemand auf dem Schirm erschienen, sich dafür zu entschuldigen.

    »Und auf den anderen Kanälen?«

    Sie schüttelte den Kopf.

    »Jau jau«, nickte Eriksen, niemand wusste, was er damit meinte.

    »Rufst Dahlmann an, der kommt morgen und repariert«, sagte Paul, aber sie: »Hab's schon versucht, auch das Telefon geht nicht.«

    Eriksen nickte, die Katze schmiegte sich an Berits Beine, die Männer blickten auf die Katze, da jaulte oben der Hund. Man hörte Rumpeln, Knarren, dann kamen die Kinder die Treppe herab. Die Kleine, Vierjährige blinzelte verstört, der große Bruder sagte: »Es leuchtet.«

    Es leuchtet - damit meint man hier das Polarlicht, dieses meist grüngelbe, manchmal auch rötliche Aufglühen von Atomen in rund hundert Kilometern Höhe, wenn sie von schnellen Elektronen und Protonen getroffen werden, eine Erscheinung, die immer zusammen mit geomagnetischen Störungen auftritt. Ich wusste über diese sphärischen Teilchenströme gut Bescheid, weil ich seit einem Jahr mit einer EISCAT-Antenne an der Universität Tromso inkohärente Streuungen beobachtete. Natürlich hatte man mir auch erzählt, die Einheimischen Lapplands glaubten, das seien Fackeln der Götter, um die Seelen der Toten in ein Land des Glücks zu führen.

    Eriksen sagte: »Es leuchtet?« Ich wunderte mich, dass er daran zweifelte, Polarlicht ist um diese Zeit nichts Ungewöhnliches.

    »Es leuchtet? Im Norden?«

    Der Siebenjährige zeigte irgendwo hin, es schien mir eher in Windrichtung als nordwärts zu sein, und der Pfarrer nickte.

    »Schlaft weiter!«, schickte Berit die beiden mit einem Klaps auf die Frottierhöschen wieder nach oben, die Kleine miaute: »Mag nicht schlafen!«

    »Mama und Papa gehen auch schlafen«, versprach Berit. »Alle gehen schlafen, ganz fest, ganz lange und ganz fest.« Ich hörte wieder den Hund, vielleicht war's auch das Jaulen des Sturms.

    Als die Kinder fort waren und die Fischer schief an Berits Beinen vorbeistierten, ging sie auch, sie machte keinen Versuch, Paul mitzulotsen; ich sah die Katze in seinen großen Händen liegen, flach und dünn wie einen nassgewordenen Tabaksbeutel. Wie lange wir so hockten, weiß ich nicht, was war schon Zeit in dieser nachtlosen Nacht! Im flackrigen Widerschein des Feuers wirkten die Silhouetten der Fischer wie ein weggehängtes Marionettenballett, selbst der Pfarrer, stumm hingekauert, machte diesen merkwürdig leblosen Eindruck.

    Irgendwann wurde die Tür aufgestoßen, im fahlgelben Licht ein Paar Stiefel Größe 51, darüber der massige Leib, der Bart, der flache, breite Schädel mit der Strickmütze drauf, Jon Heimdal, zweifellos, er war's, selbst im NEW YORK HILTON hätte ich ihn wiedererkannt. Er streckte den Arm aus und zeigte auf die Bucht hinaus, aufs Meer, auf den schimmernden Himmel, ich weiß nicht wohin. Ich starrte auf sein Kinn, das auf- und niederruckte, aus seinem verkrampften Hals kam: »S-s-sie b-b-brennen...«

    »Jon!«, sagte Paul, er war aufgestanden, die andern hoben die Köpfe. Eriksen hinter der Tür beugte sich vor, sein Gesicht war kotzgrün und wie eine Maske.

    »Komm endlich rein, Jon«, sagte Håkon, man hörte ihm die Erleichterung an.

    »S-s-sie b-b-brennen...«, wiederholte der große Mann auf der Schwelle.

    »Wer brennt, Jon, wer?«, sagte Paul so, als ob er seinen kleinen Sohn beruhigte.

    Jon Heimdal: »Die Möwen.«

    Die Männer schienen zu kichern. Es war schwer, überhaupt eine Gemütsbewegung bei ihnen zu finden, aber das vom Luftstrom neu entfachte Kaminfeuer machte den Raum so hell, dass mir ihr Schmunzeln auffiel, und Håkon klang sehr belustigt: »Bei dem Wetter hat er eine brennende Möwe gesehen!«

    »Zuerst der H-h-horizont. Glutrot wie die M-m-maisonne am Abend. W-w-widerschein von Bränden. D-d-die Luft so heiß, d- d-da schmolzen die Hagelkörner von Deck. Das Meer g-g-glatt und tot, Nebel, Dampf, da f-f-fielen die Möwen raus. S-s-sie brannten.«

    »Komm rein, Jon«, sagte Håkon. »Mach die Tür zu.«

    »D-d-die Hubschrauber aus Svolvaer, zwölf oder v-v-vierzehn, die auch, ins M-m-meer. Wie Fackeln. V-v-viele Fische rings um mich herum. Sah ihre B-b-bäuche schimmern. Bauchoben trieben sie. W-w-wollte den Kutter wenden, die Bucht anlaufen. Der gehorchte nicht. Kappte die F-f-fangnetze. Wozu noch Netze. Ich dachte, die Siedlung b-b-brennt auch schon. Da Mast und Steuerhaus weg, der Kutter wie im S-s-strudel! Hab' mich an der Netzwinde festgebunden. Der Himmel über mir, der kreiste herum und herum und herum. Der Nebel war weg, die Sterne f-f-fielen runter.«

    Keiner unterbrach ihn mehr, alle starrten ihn an, die Münder offen, die Oberkörper vorgebeugt, zwischen Pauls Stiefeln lag die Katze.

    »Denkt ihr, das waren Sterne? N-n-natürlich nicht. Über mir hingen tausend Lichter grünrotgelbweiß, ganz bunt, viel prächtiger als Trondheim zur Mittsommernacht. Die kamen näher, immer näher, und dabei hörte ich die Strömung von Moskenes donnernd laut. Das riesige strahlende Ding kam auf mich zu, ich dachte, jetzt fällt es herab, genauso wie die brennenden Möwen und wie die Hubschrauber. Will euch sagen, die GCM-Jungs taten mir leid, konnte sie zwar nicht riechen, hab' sie manchmal geärgert, wisst ihr noch? Aber so schrecklich sterben, für immer tot...«

    Draußen war's seltsam hell, kräftiger, als ich's je gesehen hatte, das interessierte mich, aber ich mochte Jon nicht unterbrechen, und der stand klotzig mitten in der Tür, die rechte Hand auf dem schweren Riegel, die linke ausgestreckt, und redete wie ein Nachrichtenaufsager.

    »...das strahlende Ding kam nicht runter - ich schwebte ihm entgegen! Der Kutter wurde mit mir zusammen mitten in die Lichter hineingehievt. Dabei sah ich für kurze Zeit im Osten die Inseln, auch die Küste und das Festland. Ich dachte, es sieht aus wie geronnenes Blut. Dann konnte ich nichts mehr erkennen, zwischen den Lichtern wurde es blendend hell, ich schloss die Augen und bedeckte sie noch mit den Händen. Ich hörte Stimmen, Gesang, ja, wie Lys, wenn sie früher sang, und viel schöner noch. Mir kamen Tränen, als mich das Singen an Lys erinnerte, und ich wollte mir die aus den Augen wischen. Da sah ich um mich herum einen hohen und weiten Raum, der war ganz aus Licht. Darin Leute, auch aus Licht, die schimmerten bläulich-weiß, und in ihren Augen sah ich Funken leuchten. Die Leute bewegten sich Licht-in-Licht, es waren hundert oder mehr, sie sangen mir freundlich zu. Das gefiel mir, ich wurde sehr fröhlich, seit Lys' Tod bin ich nicht mehr so fröhlich gewesen. Ich band mich von der Netzwinde los und kletterte von Bord, tauchte einfach in dies Licht. Mir war leicht und warm und trocken. Nachdem ich eine Weile zugehört hatte, wollte ich wissen, was dies für ein Fahrzeug sei. Ich hörte eine Stimme nah an meinem Ohr: Kein Schiff wie dein Schiff. Wer seid ihr? wollte ich fragen, woher kommt ihr? Die Stimme sagte: Keine Welt wie deine Welt. Da musste ich an das blutverkrustete Land denken, das ich gesehen hatte, und obwohl ich so fröhlich war, fühlte ich Traurigkeit. Es ist spät, wollte ich sagen, die andern warten auf mich, sie brauchen meine Hilfe. Hab' keine Zeit! rief ich, da hörte ich: Es ist eine andere Zeit. Neben mir stand niemand, und doch war das Flüstern so nah wie aus einem Kopfhörer, ich drehte mich neugierig um mich selbst. Der Raum, soviel konnte ich inzwischen erkennen, schien für die Navigation da zu sein, manche Einzelheiten sahen aus wie auf der Brücke eines Luxusliners. Ich wollte auf einen Tisch oder Block zugehen, über dem ein Kompass kreiste. In diesem Moment zitterte das Schiff, das Licht zerriss, ich fiel. Fiel und fiel, da war nichts unter und nichts über mir, ich fiel einfach, vielleicht hing ich auch irgendwo in diesem Nichts und hatte nur das Gefühl zu fallen. Nach und nach entdeckte ich große Luftblasen um mich herum, ich fiel an ihnen vorbei und durch sie hindurch, sie wurden immer enger und fester und schließlich gummihart.

    Mir war gleichzeitig heiß und kalt, die Augen schmerzten, durch mein Ölzeug hindurch sah ich mein eigenes Skelett leuchten. Jeder von euch hätte dasselbe gedacht wie ich: Ich bin tot, so ist das, wenn man tot ist, jetzt hat's auch mich erwischt. Ich sag' euch, ich war nicht erschrocken oder entsetzt. Ich war glücklich. Glücklich darüber, nun endlich so tot zu sein wie Lys, ich dachte, jetzt werde ich sie Wiedersehen, wir werden Zusammensein. Wir haben den Tod hinter uns gebracht.«

    Jon redete wie Eriksen am Ostersonntag, niemals hatte ich oder einer der anderen von ihm mehr als drei Wörter an einem Tag gehört, und die waren nur nach schrecklichen Zungenkrämpfen zustande gekommen. Was für einen Schock hatte er erlebt, dass er plötzlich ohne Punkt und Komma sprach? Dass ihm Wörter kamen, die keiner dieser Fischer je benutzt hatte? Was war draußen passiert - Eriksen hatte von beunruhigenden politischen Nachrichten erzählt?

    »Jon!«, sagte Håkon in die Pause hinein. »Jon.«

    »Ich lag mit dem Rücken auf einer dieser gummiharten Kugeln, die dehnte sich. Grün wurden um mich herum die Wiesen, die Bäume weiß wie am Hardangerfjord im Frühling. Ich sah Berge, blau und schneebedeckt, davor hügeliges Land, an den Hängen wuchs dichtes Gebüsch mit segelähnlichen Blättern. Schmetterlinge groß wie Suppenteller schaukelten über mir. Das Gras, in dem ich lag, war mannshoch, da stand ich auf und sah diese üppigen Pflanzen bis zum Horizont. Weit weg hinter den Bäumen erkannte ich das Meer. Das Boot! dachte ich und stiefelte los und wollte dort an der Küste das Wrack suchen. Der Marsch war lang und beschwerlich, aber ich fühlte mich unglaublich jung. Ich zerteilte Sträucher und Gebüsch mit den Händen und bog die Baumstämme zur Seite, die gaben federnd nach. Einmal glaubte ich, den Schwanz einer großen Echse zu sehen, vielleicht war's auch ein überwucherter roter Felsen gewesen, denn ich fand nirgendwo Spuren von Landtieren, aber das Meer voll von Fischen. Ich konnte sie springen sehen, bis auf den Grund hinab tummelten sie sich, ich musste lachen. Ich dachte an euch und an euer Staunen und lachte. Ich fand den Kutter nicht, ging, immer noch lachend, am Strand entlang, der Sand war fest und mit Muschelschalen übersät. Ich wanderte und wanderte und merkte, wie hell und warm es war, und besonders glücklich machten mich die vielen Fische.«

    »Jon!«, sagte Håkon zitternd. »Du bist hier, Jon. Hier, bei uns.«

    Endlich wandte sich Heimdal zu uns um, seine ausgestreckte Hand sank herab, er trat von der Schwelle und zog die Tür hinter sich zu, da wurde es dunkel im Raum, nur noch Geflacker aus dem Kamin. »Klar, bin ich hier!«, sagte er dröhnend, in dieser Stimme war noch das Lachen. Er sagte: »Klar, manchmal musste ich um einen Felsen herum, manchmal durchs knietiefe Wasser, die Dorsche waren ganz zutraulich. Je länger ich ging, desto besser kannte ich die Umgebung, endlich sah ich die Bucht, die Siedlung, vorn dein Haus, Jon Ständen, und die Boote am Steg.«

    »Du meinst«, begann Paul und bückte sich, die Katze aufzuheben, aber die entwischte und rannte zu Jon und schubberte an ihm, da sah ich, dass seine Stiefel voll Sand und Muschelkalk waren. »Du meinst, du bist den ganzen Weg zu Fuß gekommen?

    Hierher zurück - zu Fuß?«

    Heimdal nickte.

    »Wo ist dein Boot?«

    Jon nahm die Katze und streichelte sie, bis sie schnurrte. »Bei den Lichtmenschen, denk' ich.«

    Håkon betastete ihn, starrte ihm auf die Stirn, dann auf die Stiefel. »Du fühlst dich in Ordnung, Jon? Ganz heil?«

    »Bring ihn nach Hause!«, sagte Paul zu Strinden, der stand auf, packte Jon und schob ihn hinaus. Ich musste an diese unheimliche Intensität des Polarlichts denken, da hörte ich von den Fischern einen seltsamen Laut, ein erschrockenes oder erstauntes Gurgeln.

    Strinden stieß die Tür weit auf, es war hell wie an einem Junitag. Wir drängten hinaus und auf den Steg, leichter Wind ging, das Meer schwappte gemächlich gegen die Holzpfähle. Der Himmel war sternblau, hoch über uns stand die Sonne, ein neuer Himmel und eine neue Erde! Neben mir schnaufte Erikson: »Offenbarung, Kapitel 21, Vers 1«, und klammerte sich an meinen Arm.

    Die Kutter schaukelten am Steg, jeder konnte sehen, dass Jons fehlte. Ich schaute ihn an, sein Gesicht war hellblau, fast schimmernd weiß, auch der Bart und die Kopfhaare und die großen Hände, die aus dem Ölzeug hingen. Seine Augen lagen nicht mehr so tief wie sonst, und sie hatten einen warmen, rötlichen Glanz.

    »Dein Boot, Jon?«, hörte ich Paul, wandte mich um und sah die Fischer neben mir, alle hellblau, weißschimmernd und mit rotglänzenden Augen.

    Das war's, was ich über diesen Tag erzählen wollte, den Tag, an dem Jon überfällig war. Wir sind dann, obwohl die Sonne hoch stand, schlafen gegangen, wir schliefen fest und sehr lange, so, wie Berit es den Kindern versprochen hatte.

    Übrigens: Als ich nach Tromsø zurückkehrte, um meine Studien an der EISCAT-Antenne zu beenden, fand ich völlig wertlose Daten, meine Analysen waren zum Teufel. 1 Rayleigh, das ist die Einheit, in der wir die Stärke des Polarlichts messen, entspricht einem Teilchenstrom von 10⁶ Protonen pro Sekunde und Quadratzentimeter. Die Menge Rayleighs, die das Gerät aufgezeichnet hatte, passte in keine Theorie, die gab's auf unserer Erde überhaupt nicht.

    Jedenfalls nicht auf dieser.

      Sohn um Sohn

    1

    Er zerstückelte das Kind, bis von ihm nichts mehr zu erkennen war, mühelos folgte das Strahlmesser seinen gierigen Bewegungen. Seine Augen, fast geschlossen, starrten leer, Schweiß und Speichel rannen ihm über die Haut, die Zunge stieß wie ein aufgequollener Schwanz hervor. Überall Blut: auf der Werkbank, dem Steinfußboden, dem rostigen Werkzeug, an den Wänden, den Ketten und Flaschenzügen, auf den Geleisen, die hinaus zum Ufer führten. Er stand steif, nackt vornübergebeugt, ruckartig führte er das Messer, stieß ruckartig den Atem aus.

    Als es getan war, löste sich die Anspannung, Befriedigung schüttelte ihn. Erwachend sah er das Messer in seiner Hand und legte es weg, Kälte kroch ihm über Zehen und Beine, durchs glaslose Fenster fiel rhythmisch der Blitz des Leuchtfeuers, grell, schwarz, grell und fünfzig Sekunden Finsternis, und wieder das doppelte Aufblitzen im frostschwangeren Abendhimmel. Anno, spitzknochig, zart, mit ersten Härchen auf der Lippe, stand schnatternd im Schuppen vorm Boot, das auf dem Schienenwagen festgezurrt war, starrte auf die Jacken, Hemden und Hosen, die über der Bordwand hingen, und auf die rotbespritzten Holzpantinen, erinnerte sich nicht. Im jähen Licht des Leuchtturms sah er über der Werkbank eine Spinne, die sich aus ihrem Netz herabließ, in der Blutlache aufsetzte und verharrte, sah den fetten, zottligen Leib, Ekel würgte ihn, er wandte sich ab und erbrach auf den Boden.

    Rings um das Haus war es eisig und still, der purpurne Horizont ging unvermittelt in Nacht über, auf dem Wattenmeer kündigte sich die Flut an. Nordwind blies durch Schilf und ausgehängte Fischernetze, in breiten Schwaden rann Sand am Fuß des Deichs entlang und um den Schuppen, übersprang die Geleise und wehte hinaus. Niemand hatte am späten Nachmittag die beiden Kinder am Strand gesehen, als sie einträchtig das Fahrrad zum Bootshaus schoben, Muscheln und Steine sammelten, Möwen scheuchten. Ein Fischer, weit draußen vor der Küste, erinnerte sich später an die Silhouetten, die mannsgroße und die kurze, die kaum höher war als das Rad. Befragt, an welchem Tag? wiegte er bedächtig den Kopf, er sei immer draußen, nur bei Sturm nicht. Es war kein Sturm an diesem Abend.

    Anno stopfte gleichmütig die Leichenteile in einen alten Jutesack, nur einmal zuckte er zurück, als er der Spinne nahe kam. Steckte auch die Kleidungsstücke und die Pantinen des Kindes hinein, band die Zipfel zu fachmännischen Knoten und stellte den Sack neben dem Schuppentor ab, öffnete es einen Fußbreit und spähte hinaus, erst den Strand entlang, woher sie gekommen waren, dann in die andere, südliche Richtung, schließlich auf die weite Ebene des Watts. Schlüpfte in Hemd, Hose und Pullover und stutzte, als sein Blick auf die beider, sorgfältig abgelegten, codierten Armbanduhren fiel, die (wie heutzutage üblich) mit einer Empfangs- und Sendetaste ausgestattet waren. Nahm den schweren Bootshaken und zertrümmerte sie und trat sie unter einen losen Stein, machte eine zweite, sorgfältige Runde um das Bootshaus, bevor er den Sack packte und durch den schweren, windgerippten Sand ins Watt hinausschleifte. Er folgte einem Priel, einem Süßwasserarm, der sich in engen Windungen vom Land zum Meer ergoss, an einigen Stellen hatte sich das Wasser in Mulden ins Watt gegraben, die Strömung spülte sie rasch aus und riss den Sand mit sich fort. Eine dieser Vertiefungen war groß genug, den Sack aufzunehmen, Anno hockte sich an ihren Rand und blockierte den Zufluss, sofort suchte sich das Wasser ein neues Bett, das Loch füllte sich mit Sand, kurz darauf war der Sack nicht mehr zu sehen. In zwei Stunden würde die Flut die letzten Spuren einebnen.

    Er kehrte zum Schuppen zurück, ohne ihn noch einmal zu betreten, bestieg das Rad und fuhr über den holprigen Deichweg nordwärts, dem Leuchtfeuer entgegen, die Nacht hatte den letzten Widerschein am Horizont gelöscht, Sterne zogen auf. Wir beobachten dich, sehen dich, einer von uns passt immer auf, Jens oder Olaf, Karin, Anker, Marlene, Siv oder der alte Lüssen, ja, auch Onkel Lüssen, wir wissen, was du tust.

    Kurz vor der Landzunge, auf der weit draußen im Westen der Leuchtturm aufragte, bog er vom Deichweg ab und durchquerte die kleenassen Wiesen, einzelne Häuser von Norden schimmerten ihm entgegen, aber er fuhr nicht in den Ort. Blieb auf der Landstraße und radelte weiter nach Norden, schaute nur einen Augenblick zu dem flachen, langgestreckten Haus mit dem schmalen Giebel hinüber, dann verschwand es in der Dunkelheit hinterm Deich, vor ihm stieg die Straße in einer weiten Kurve ins Heideland auf.

    Immer war einer dagewesen, der ihn packte und seine Späße mit ihm trieb, Jens oder Olaf oder Karin, manchmal auch andere, neue, wie Benne und Curd und Arte.

    Komm her, Anno!, sagten sie, macht das Spaß, Anno? Komm!, sagten sie. Und sie sagten: Geh! Geh weg! Tritt nicht auf die Beete! Pflück nicht die Bohnen ab! Hol Eier aus dem Stall!, sagten sie. Sei brav, Anno! Brav! Einer von uns passt immer auf.

    Er sagte wütend: Ich erinnere mich nicht an euch.

    Das Bootshaus roch damals nach frischem Lack, Onkel Lüssen gab ihm den Pinsel und zeigte ihm, wie Strich neben Strich gesetzt wird, und konnte noch viel mehr: Segel nähen und Schafe scheren und Hühner schlachten, er reparierte Schwebeboote und Wärmepumpen und tötete Kreuzottern ohne Strahler. Anno war vier und weinte, als Sybille ihn zu den Großeltern fortbrachte.

    Sie wohnten zwei Dörfer weiter, mitten in der Heide und wenige Kilometer vor der Kreisstadt, zu der Großvater zu Fuß zu gehen pflegte. Dann nahm er Anno mit, und das waren die einzigen Male, an denen der Junge das Haus verlassen durfte. Draußen ist es gefährlich. Es gibt viele böse Menschen, du bist klein, schwach, kannst dich nicht wehren. Die bösen Menschen werden dich ausrauben und töten, sie haben Strahlmesser und Pistolen, sei auf der Hut! Wenn du mit Großvater gehst, halte immer seine Hand fest.

    Ich erinnere mich nicht an euch, sagte er wütend.

    Großvater befahl, bei Anbruch des Abends die Türkontrolle auf SPERRE zu schalten, die Läden vor den Fenstern wurden verriegelt und die Lichtschranken aktiviert. Dann legte Ohme eine Kassette in den Medienterminal und ließ Anno alte Fischermärchen hören, trank dabei stinkenden Espresso mit Kognak und sagte, gib Ohme einen Gutenachtkuss, aber der Kleine rannte in sein Zimmer und schloss ab, heulte und urinierte ins Bett. Großvater meinte, das gibt sich, wenn er zur Schule kommt.

    Eines Morgens stand die Ohme nicht mehr auf, eine Frau vom Jugendamt kam und brachte einen Info-Apparat mit, stellte ihn auf den Küchentisch und begann, Anno auszufragen. Bei jeder seiner Antworten tippte sie auf die Tasten, und der Apparat machte bunte Zeichen auf einer Scheibe, und sie nickte dazu. Eine kluge Maschine, sagte sie, sucht dir den besten Platz aus, den du dir wünschen kannst. Die Zeichen auf der Scheibe ergaben J 40 - 17, ja, sagte die Frau, da wird es dir gut gefallen.

    Er radelte an dem Haus vorbei, in dem längst andere Leute wohnten, umkurvte die Abtaster an der Kreuzung, wo die Straße geradeaus in die Kreisstadt führt, und nahm die Abzweigung nach Gladernes.

    Zur Stadt ist es nicht weit, nicht wahr, Anno, du gehst gern mit mir in die Stadt, es ist ein guter Weg, es dauert nicht lange, dann sind wir da, lauf voran, lauf, Anno, lauf zu!

    Ich erinnere mich nicht, sagte er.

    Kurz vor Gladernes, gegen den Osthimmel waren die Kirche und die mächtigen Linden um den Dorfplatz kaum noch zu erkennen, radelte er auf einen schwach beleuchteten, übers Heideland verstreuten Gebäudekomplex zu, stieg ab, schob das Rad auf einem Seitenpfad bis zum abseits gelegenen Flachbau und brachte es in einen geräumigen Fahrradkeller. Stellte es neben fünfzig gleichfarbige, unterschiedlich große, ging durch den anschließenden Heizungsraum zur Müllverwertungsanlage und stopfte seine Kleidung hinein, auch die Pantinen, betrat die gegenüberliegenden Duschräume und seifte sich gründlich ab, niemand hatte sein Kommen bemerkt. Eine halbe Stunde später passierte er die Zählschranke und schlief bereits, als die anderen Heimkinder in die Betten kamen.

    Am nächsten Morgen waren die Waschräume voll wie stets, er rempelte kräftig, ein großer Junge sagte: »Geh weg!«

    »Selber weg!«, schrie er, die Schlägerei brachte mehrere Schürfwunden, ein blaues Auge, einen ausgerenkten Arm und zwei blutende Nasen, plötzlich, schnaufend, hielt er inne.

    »Wisch das Blut weg!«, sagte er, und noch einmal, drohend: »Wisch das Blut weg!«

    »Das wirst du büßen, du Zwerg«, sagte der andere.

    »Überflüssig!«, zischte Anno.

    Sie standen sich keuchend gegenüber, der andere, größer als er, wich endlich zurück, berührte die Ruftaste am Armband und verlangte Wundpuder.

    »Und du?«, sagte der Mann im grauen Kittel zu Anno, aber der war schon verschwunden, zog gerade im Vorraum frische Wäsche aus dem Spender, schlüpfte in neue Pantinen und schlenderte zum Speisesaal. Auf dem Hemdkragen bildeten sich kleine rote Sprenkel.

    Stunden später, gerade hatte der Mathematikunterricht begonnen, den er besonders hasste, betraten zwei Männer den Schulraum.

    »Anno Ahls?«, sagten sie.

    Als er den Arm hob, fiel sein Blick aufs Handgelenk, wo die Uhr fehlte. Er schrie: »Ich erinnere mich nicht«, aber schon blitzte grellweißes Licht in seinem Kopf auf, er verlor das Bewusstsein.

    2

    Als Anno wieder zu sich kam, waren Kopf und Augen noch immer voll Licht, geblendet schloss er die Lider, aber die Helligkeit blieb. Sehr langsam begann schattiges Grau aufzusteigen, Anno blinzelte, jetzt schälten sich Konturen heraus: schmale, hohe Pfosten zwischen riesigen Fenstern, Regale, ein flacher Schreibtisch, ein Videoterminal, dahinter ein leerer Stuhl. Endlich bemerkte er den Mann, der, an eine Wand gelehnt, ihn beobachtete, ein schlanker Mann in einem weißen Kittel - nein, eine Frau, sie hatte langes, schneeblondes Haar, das wie eine Kapuze herabfiel, und darunter eine schwarzgeränderte Brille.

    Endlich war das Licht soweit zurückgegangen, dass er hinter den Fenstern einen Garten erkennen konnte, eine große Wiese, buschumstanden, junge Leute, die Fußball spielten, auf einer Bank saßen Mädchen und rauchten Zigaretten. Die Frau kam näher, ohne ihn aus den Augen zu lassen, langsam, fast umständlich nahm sie die Brille ab und ließ sie zwischen Daumen und Zeigefinger pendeln.

    »Anno«, sagte sie. »Warum bist du hier.«

    Er schwieg.

    »Warum, meinst du, haben wir dich geholt«, sagte sie gleichbleibend freundlich.

    »Blöde Frage«, knurrte er. »Hören Sie auf zu fragen!« Er sagte: »Überflüssig.«

    »Ich möchte es von dir hören«, sagte sie, die Brille pendelte.

    »Warum bist du hier, Anno.«

    Er schwieg, starrte hinaus auf die Wiese und das Fußballspiel, hätte viel drum gegeben, jetzt dabei zu sein.

    »Also gut«, sagte er. »Ich weiß es nicht. Genügt das?«

    Sie blickte ihn fest an. »Das genügt nicht«, sagte sie.

    Der Raum war achteckig und vollständig aus Glas, auch die Decke, der Fußboden, der Schreibtisch, alles aus Glas. Einige Flächen waren stärker getönt als andere, wirkten grau und braun und grün, auf dem Boden bildeten sich Karomuster. Keine Mauern, keine Gitter, niemand, der ihn bewachte, der blanke Raum sah aus wie das Informationszentrum im Gladernes-Heim. Aber er wusste, dass er nicht in Gladernes war.

    »Ja«, sagte er, »Polizei!« Er sagte: »Warum beschäftigt ihr euch mit mir?«

    »Erzähl mir von dir!«, sagte die Frau.

    »Ich erinnere mich nicht.«

    »Es wird dir schon etwas einfallen«, sagte sie.

    »Polizei!«, sagte er. »Ausgerechnet mich habt ihr euch herausgeangelt.«

    Sie sagte: »Erzähl!«

    »Natürlich ist ein anderer derjenige, den ihr sucht«, sagte er. »Aber ausgerechnet mich holt ihr euch heraus.«

    »Erzähl mir von dir, Anno!«

    Er sagte: »Überflüssig.«

    Sie fragte: »Wie lange bist du im Gladernes-Heim.«

    »Lange.«

    »Wieviel Jahre?«, sagte die Frau und pendelte mit der Brille, das lange Haar fiel ihr fast in die Augen.

    Anno sagte: »Weiß nicht.«

    »Aber Anno!«, sagte sie, kam näher. »Erzähl mir, wo du vorher gewesen bist!« Als er nicht antwortete, ging sie um den Schreibtisch herum, setzte sich vor den Videoterminal und blickte in das Gerät. Jetzt bemerkte er den rot pulsierenden Lichtpunkt.

    »Wo bist du gewesen, bevor du ins Heim kamst?«

    Sein Kopf war leer und graugemustert wie der Boden unter ihm. Er schrie: »Sie wissen es doch. Sie wissen doch alles über mich. Warum schauen Sie nicht in der Videokartei nach?«

    »Ich will es von dir hören«, sagte sie und spielte mit der Brille.

    Er starrte hinaus auf den Fußball.

    »Du warst bei deinen Großeltern«, sagte sie, ohne ihn anzublicken, »du hast bei deinen Großeltern gewohnt, bis der Großvater starb. Du hast ihn sehr gemocht, Anno, nicht wahr?«

    Plötzlich lachte er. »Wie kommen Sie darauf? Diesen blöden Seni? Ich soll ihn gemocht haben? Sagt das die Kartei? Aha, Sie haben sich also geirrt, als Sie mich verhaftet haben.«

    Sie sagte: »Wir verhaften niemanden.«

    »Was soll ich hier?«, sagte er.

    Sie schwieg lange, endlich, fast flüsternd, wiederholte sie: »Ich meine, ihr habt euch gut verstanden.«

    »Quatsch«, sagte er. »Nicht Großvater ist gestorben, sondern die Ohme. Die Ohme starb, so war das, dem Seni hat das Kinn gezittert, zum ersten Mal war er klein und krumm und hatte das Kommandieren vergessen, so war's!«

    »Wo ist er geblieben, nachdem deine Großmutter tot war?«, fragte die Frau.

    Er starrte auf die Teppichkaros. »Warum soll ich mich mit diesem Festungskommandanten verstanden haben?« Er sagte: »Da gab es nichts zu verstehen.«

    »Wo ist er geblieben.«

    »Im Heim!«, schrie er. »Überflüssig, so ein Seni. Was macht man? Steckt ihn ins Heim. Überflüssig. Ich bin auch im Heim. Nicht wahr? Das wollten Sie doch wissen. Ich bin im Gladernes- Heim. So, nun hören Sie auf zu fragen, ich habe alles erzählt!«

    Er sagt es überzeugend, dachte sie und diktierte Schlüsseldaten in den Terminal.

    »Es gibt einen Seni, der dein Freund war«, hakte sie nach. »Vorher, bevor du zu deinen Großeltern kamst.«

    Anno folgte sehnsüchtig dem Fußballspiel auf der Wiese.

    Sie sagte: »Peer Lüssen.«

    Der Spieler gab nicht ab, dippte unablässig den Ball auf den Rasen und schrie etwas, hier oben in der gläsernen Kanzel war's nicht zu hören.

    »Peer Lüssen«, sagte sie.

    »Abgeben!«, schrie Anno. »Abgeben! Da steht einer frei...«

    Sie sagte: »Peer Lüssen.«

    »Spiel endlich, du Zwerg!«, schrie Anno.

    »Dein Freund Peer Lüssen.«

    Sie dachte: Wenn das tatsächlich seine Persönlichkeitsstruktur ist, müssten sich gute Heilerfolge erzielen lassen. »Also ja«, nickte sie und fuhr mit der Hand über eine Sensortaste. »Lassen wir das.«

    Die Fensterscheibe wurde matt und undurchsichtig.

    Anno blinzelte, beugte sich vor und blinzelte, und als er endlich begriff, sackte er zusammen.

    Die Brillenschlange sagte: »Wo wohnt Carl Gisevius.«

    »Wer soll das nun wieder sein?«

    »Der Landtagsabgeordnete«, sagte sie. »Willst du leugnen, dass du ihn kennst?«

    »Nie gesehen«, sagte er.

    »Und Finn Gisevius. Auch nie gesehen?«

    In seiner Erinnerung regte sich nichts.

    »Wo ist deine Armbanduhr, Anno.«

    Jetzt sah er den leeren, hochgereckten Arm, die beiden Männer im Klassenzimmer, sprang auf, die Fäuste geballt, und wieder explodierte ein Lichtblitz in seinem Kopf. -

    Gestern hast du Finn Gisevius angesprochen. Du hast ihn aus dem elterlichen Garten gelockt und mit an den Strand genommen. Ihr habt gemeinsam das Fahrrad bis zum Bootshaus geschoben. Der Schuppen gehört deinem Freund Peer Lüssen.

    Es war derselbe Raum, in dem er erwachte. Hinter den Fenstern dehnte sich eine Kiefernschonung, der dunkle Wald milderte das Licht. Anno starrte hinaus und versuchte, sich zu erinnern. Er war allein.

    Du kennst Finn Gisevius schon lange. Du hast den Sohn des Landtagsabgeordneten monatelang beobachtet. Gestern hast du ihn angesprochen. Du wusstest, dass seine Eltern nicht in der Nähe waren. Du hast ihn mit an den Strand genommen.

    Die Brillenschlange! Wo war sie - wieso sah er sie nicht - sie fragte unablässig - redete auf ihn ein -

    Gestern hast du plötzlich den Entschluss gefasst, Finn mitzunehmen. Du hast ihn überredet, mit dir an den Strand zu gehen. Als du den Bootsschuppen sahst, hast du ihn hineingezogen. Du hast ihm die Armbanduhr abgenommen.

    Ich bin verhaftet, in der Abschirmung, die lassen mich nicht mehr weg, wen sie haben, kneten sie weich. Sie wollen was von mir, etwas Bestimmtes, was wollen sie von mir?

    Du wusstest, dass der Junge mit dir gehen würde. Er kannte dich, hatte mit dir schon gespielt. Du hast ihm ein tolles Abenteuer am Strand versprochen. Du hast die Armbanduhren vernichtet, um ungestört zu sein.

    Eine Tonkapsel! Sie haben mir eine Kapsel ins Ohr gesteckt, aber ich erinnere mich nicht.

    Du kanntest den Platz, an dem Peer Lüssen das Strahlmesser aufbewahrt. Du hast es in die Hand genommen und eingeschaltet...

    Brüllend rannte er aus dem Raum auf den Gang hinaus, plötzlich stand er vor der weißen Frau.

    »Wir wollen die Sache beenden«, sagte sie freundlich und nahm den Knopf aus seinem Ohr.

    Er bat: »Lasst mich doch in Ruhe!«

    Sie legte ihren Arm um seine Schultern und führte ihn ins Zimmer zurück, sie war viel kleiner als er und jung, fast ein Mädchen.

    »Deine Schule hat angefragt«, sagte sie. »Ihr habt heute ein Spiel, du bist ein guter Stürmer, nicht wahr, Linksaußen, ist es so? Sie brauchen dich.«

    Er stand betäubt.

    »Brauchen mich? Mich? Heute brauchen sie mich?«

    »Ein Spiel gegen Brandrup-Zentralschule?«, fragte sie.

    »Ja«, sagte er.

    »Lass uns die Sache jetzt abschließen, was, Anno?«

    »Kann ich dann gehen?«

    »Sie brauchen dich fürs Spiel. Also?«

    »Ja«, sagte er. »Ja. Natürlich, ich erinnere mich, heute ist das Pokalspiel gegen Brandrup.«

    »Woran erinnerst du dich, Anno?«

    »Fehlt ihnen der Stürmer, was?«, schrie er.

    »Ja«, sagte sie.

    »Gegen Brandrup-Zentralschule?«

    Sie sagte: »Heute Nachmittag.«

    »Lassen Sie mich gehen!«, bettelte er.

    Sie lächelte.

    Und als er auf dem Gang war: »Übrigens hast du zwei Blutflecken auf deinem Hemd.«

    Er wandte sich um und grinste sie an, irgendwie mochte er sie, er wusste nicht warum, sie gefiel ihm. Sagte: »Aber die Wäsche ist frisch, es kann kein Blut drauf sein. Mein Zeug habe ich gestern in den Abfallverwerter geworfen.«

    Und während er das Untersuchungsgefängnis ungehindert verließ, berührte die Ermittlungsbeamtin die Sendetaste an ihrem Handgelenk, der Videoterminal schaltete um und gab das aufgezeichnete Gespräch zusammen mit ihren Empfehlungen an den Zentralspeicher weiter.

    3

    Der historische Bau aus der Wiederherstellungszeit war dem Landtag längst zu klein geworden, im Saal IV hockten die Ausschussmitglieder dicht gedrängt. Das Zimmer war als Büroraum geplant worden, später hatte man es an die Klimaanlage angeschlossen, »Saal« genannt und mit sechzehn Leichtmetallsesseln und einem inzwischen veralteten Videoterminal bestückt. Der eineinhalb Meter hohe, (gegenüber den heutigen Modellen) vergleichsweise unförmige Würfel mit acht Bildschirmen, Videotextausgaben und Aufzeichnungseinrichtungen stand mitten im Raum, von jedem Sessel lief ein offenes Kabel zu ihm, er sah aus wie ein elektronischer Krake, und einige der Anwesenden empfanden das auch so.

    »Pardon«, sagte eine rundliche Frau, die sich neben Gisevius in den Stuhl zwängte, »sind wir bei unserer Haushaltslage überhaupt imstande, weitere zwei Millionen auszugeben?«

    Ein Ausschussmitglied, das gegenüber Platz genommen hatte, schnaufte: »Bildungsideale der Arbeiterbewegung« und: »Befähigung zum Erkennen der eigenen Lage.«

    »Der alte Bebel hat wahrhaftig nicht davon geträumt, lauter Intellektuelle heranzuzüchten«, behauptete eine junge Vertreterin der Linkssozialisten, sie war Neuling in dieser Runde und aufsässig laut. »Wir ziehen Monster in unseren Schulen heran, Roboter, keine Menschen.«

    »Ein Schnipsel aus Ihrer Wahlrede, Frau Kollegin?«

    »Recht hat sie!«

    »Aufblähung des Staatsapparates führt zu nichts Gutem.«

    »Sollten die Steuergelder lieber für praktische Dinge als für ausgedunsene Ideale ausgeben.«

    Das angeregte Stimmengewirr brach ab, als die Sitzung eröffnet wurde. Oben auf dem Videoterminal erschien Grünlicht, Bildschirme flammten auf:

    SITZUNG NR. 18/07

    19. LANDTAGSPERIODE, BILDUNGSPOLITISCHER AUSSCHUSS. BEGINNEN SIE.

    »Bitte die Haushaltsvorlagen!«, sagte Gisevius und fuhr mit der Hand über eine Taste an seiner Stuhllehne.

    Die Abgeordneten warfen einen Blick auf die Zeilenkolonnen, die den meisten von ihnen schon bekannt waren, jemand hatte eine Rückfrage. Dann der Fraktionskollege Bertels: »Die Anträge der Regierungskoalition!« Weitere Bildschirme servierten Wörter, Zahlen, Symbole.

    »Es gibt einen Minderheitenentwurf!«, rief die junge Linkssozialistin. »Wir sollten ihn jetzt zur Kenntnis nehmen.«

    Weitere Zahlen wanderten über die Schirme.

    ERÖHNUNG REDE DES ANTRAGSTELLERS.

    BITTE SPRECHEN SIE.

    Neben dem grünen erschienen ein rotes Lämpchen und das

    Wort AUFNAHME. Gisevius beugte sich vor, um besser ins Mikrofon sprechen zu können, und sagte geschäftig:

    »Wir haben bereits große Fortschritte erzielt, dies ist nur ein weiteres Teilstück in der langen Kette unserer sozialen Erfolge. Kolleginnen und Kollegen, bitte bedenken Sie, dass wir als Regelschule das zentral gelenkte Ganztagssystem durchsetzen konnten. Das gleiche gilt für den Vorschulbereich. Eine umfassende Erziehung außerhalb des Elternhauses unter gleichen und pädagogisch aufbereiteten Bedingungen! In diesem System haben wir neben der speziellen Ausbildung die weiterführende Bildung gleichwertig platzieren können. Das bedeutet Mehrbereichsbefähigung.« Er sprudelte stichwortartig Fachausdrücke hervor, Kauderwelsch der Experten: Besinnungsschulung, Umlernmobilität, Grundwertkreativität. Die Zuhörenden kannten sich aus, einige nickten, andere legten ihre Gegenrede zurecht.

    Gisevius hatte sich inzwischen

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