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Mehr Waffen und Helden: Cassiopeiapress Western/ Edition Bärenklau
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eBook508 Seiten6 Stunden

Mehr Waffen und Helden: Cassiopeiapress Western/ Edition Bärenklau

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Über dieses E-Book

4 Romane in einem Band
von Pete Hackett & Timothy Kid

Der Umfang dieses Buchs entspricht 460 Taschenbuchseiten.

Waffen und Helden… und immer wieder Waffen…und immer wieder neue Helden.
Nach den Pionieren in ihren Planwagen, gefolgt von Männern und Frauen, die den Kontinent erobern wollten und das Land in Besitz nahmen oder es den Indianern abnahmen, folgte auch die Zivilisation. Die Eisenbahn verband mit Abertausenden Kilometern von Schienen und Schwellen den Kontinent von Osten nach Westen und weiter von Norden nach Süden.
Ein Land im Aufbruch und Umbruch.
Eine Nation entsteht. Verdrängt seine Ureinwohner und strauchelt fast in seinem Bruderkrieg.
Davon berichten Pete Hackett und Timothy Kid in ihren Romanen.


Dieses Buch enthält folgende vier Romane:
Pete Hackett: Das harte Gesetz der Wildnis
Pete Hackett: Wölfe kennen kein Erbarmen
Timothy Kid: Zum Sterben nach Montana
Timothy Kid: Tausend blutige Meilen
SpracheDeutsch
HerausgeberBookRix
Erscheinungsdatum4. Apr. 2018
ISBN9783739607436
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    Mehr Waffen und Helden - Pete Hackett

    München

    Mehr Waffen und Helden

    4 Romane in einem Band

    von Pete Hackett & Timothy Kid

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 460 Taschenbuchseiten.

    Waffen und Helden… und immer wieder Waffen…und immer wieder neue Helden.

    Nach den Pionieren in ihren Planwagen, gefolgt von Männern und Frauen, die den Kontinent erobern wollten und das Land in Besitz nahmen oder es den Indianern abnahmen, folgte auch die Zivilisation. Die Eisenbahn verband mit abertausenden Kilometer von Schienen und Schwellen den Kontinent von Osten nach Westen und weiter von Norden nach Süden.

    Ein Land im Aufbruch und Umbruch.

    Eine Nation entsteht. Verdrängt seine Ureinwohner und strauchelt fast in seinem Bruderkrieg.

    Davon berichten Pete Hackett und Timothy Kid in ihren Romanen.

    Dieses Buch enthält folgende vier Romane:

    Pete Hackett: Das harte Gesetz der Wildnis

    Pete Hackett: Wölfe kennen kein Erbarmen

    Timothy Kid: Zum Sterben nach Montana

    Timothy Kid: Tausend blutige Meilen

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Authors

    © dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

    Romane © by Timothy Kid und Edition Bärenklau sowie Pete Hackett/ CassiopeiaPress, 2015

    Cover © by Firuz Askin und Edition Bärenklau, 2015

    Das harte Gesetz der Wildnis

    von Pete Hackett

    Milton Luster, seine Frau und seine Tochter Mary Jane leben seit ein paar Jahren am Frisco Creek. Schon seit längerem haben sie Probleme mit der M-im-Kreis-Ranch. Eines Tages, Milton Luster will den Saloon besuchen, gerät er in eine Schlägerei mit Handlangern der Ranch. Der Barkeeper kann den Konflikt noch rechtzeitig beenden, doch der Hass bei den Cowboys ist spürbar. Am selben Abend wird Milton Lusters Farm überfallen, seine Frau und er getötet und Marry Jane entführt, vermutlich von Indianern. Doch die M-im-Kreis-Ranch scheint ihre Finger mit im Spiel zu haben...

    1

    Es war ein warmer Tag im Mai. Milton Luster lenkte das Gespann vor den Store und hielt es an. Neben ihm auf dem Bock saß Mary Jane, seine achtzehnjährige Tochter. Mary Jane war ein hübsches, dunkelhaariges Mädchen, das die Blicke der jungen Burschen auf den Gehsteigen auf sich zog.

    Milton Luster wickelte die Zügel um den Bremshebel des leichten Fuhrwerks und sprang vom Bock. Auch Mary Jane stieg hinunter. »Okay, Mary Jane«, sagte der Heimstätter grollend. »Du gibst Osborne die Liste, die Mutter aufgeschrieben hat. Er soll alles vorbereiten. Ich trinke in der Zwischenzeit ein Bier.«

    »In Ordnung, Dad«, sagte die junge Frau mit klarer Stimme. »Ich gebe Mr Osborne die Liste, dann komme ich in den Saloon.«

    Milton Luster marschierte davon. Er ahnte nicht, dass er direkt dem Verdruss entgegenschritt.

    Er war personifiziert in der Gestalt von vier Männern, die im Saloon am Tresen standen. Es handelte sich um Cowboys der M-im-Kreis Ranch. Als Milton Luster den Schankraum betrat, wandten sie sich ihm zu. Der Heimstätter stockte einen Moment im Schritt, als er die vier Kerle sah. Wahrscheinlich wäre er gar nicht in den Saloon gegangen, wenn die Pferde der vier am Hitchrack gestanden hätten. Aber sie hatten die Tiere im Mietstall abgestellt.

    Es gab immer wieder Ärger zwischen der M-im-Kreis und den Siedlern an den Flüssen. Nicht selten arteten die Zwistigkeiten in gewaltsame Auseinandersetzungen aus.

    Milton Luster schluckte krampfhaft. Am liebsten wäre er auf der Stelle umgekehrt. Aber das ließ sein Stolz nicht zu. Mochte es auch falscher Stolz sein – vernichtender Stolz. Er gab sich einen Ruck, ging zu einem der leeren Tische und setzte sich. An zwei anderen Tischen saßen insgesamt fünf Männer aus der Stadt. Sie nickten ihm freundlich zu, dann nahmen sie ihre Gespräche wieder auf.

    Die Cowboys von der M-im-Kreis fixierten ihn mit stechenden Blicken. Einer der Kerle begann zu grinsen. Das Grinsen war anzüglich und absolut nicht freundlich. Zwar bildeten sich um seine Augen unzählige Lachfalten, aber die Augen selbst lachten nicht mit. Sie blickten kalt. »Sieh an. Ich glaube, wir bekommen Abwechslung.«

    »Was darf ich dir bringen, Milt?«, fragte der Keeper.

    »Ein Bier.«

    Die Weidereiter tuschelten miteinander. Ihre Blicke huschten immer wieder in Lusters Richtung. Als der Keeper mit dem Krug voll Bier um das Ende des Tresens ging, setzte sich einer der Cowboys in Bewegung und schnitt ihm den Weg zum Tisch des Heimstätters ab.

    »Ich bringe ihm das Bier, Burl.« Ein hartes Grinsen bahnte sich in seine Miene.

    Burl Haggan, der Keeper, verzog das Gesicht. »Mach keinen Ärger, Rufus. Lass Luster in Ruhe sein Bier trinken und …«

    »Ich will ihm doch nur das Bier bringen, Burl«, unterbrach ihn der Cowboy. »Was ist schon dabei? Also gib mir den Krug. Du willst uns doch den Spaß nicht verderben?«

    Diese letzte Frage kam drohend, in den Augen des Weidereiters zeigte sich ein kaltes Flirren, in seinen Mundwinkeln hatte sich ein unduldsamer Zug eingekerbt. Burl Haggan zog den Kopf zwischen die Schultern. Er warf Milton Luster einen um Entschuldigung heischenden Blick zu. Dann überließ er Rufus Hadley den Bierkrug.

    Als der Cowboy auf seinen Tisch zusteuerte, stemmte sich Milton Luster schwerfällig in die Höhe. Er verriet Unsicherheit. Unbehaglich zog er die Schultern an. Sein Blick war ruhelos und huschte immer wieder hilfesuchend zu den Tischen mit den Stadtbewohnern hin. Wenn sich sein Blick mit ihren Blicken kreuzte, schauten sie schnell weg. Niemand wollte sich mit den Leuten von der M-im-Kreis anlegen.

    Dem hartbeinigen Quartett hatte er nichts entgegenzusetzen. Die drei Burschen, die am Tresen lehnten, grinsten hämisch.

    Rufus Hadley blieb auf der anderen Seite des Tisches stehen. »Ich bringe dir das Bier, Schollenbrecher. Was sagst du dazu? Ist das nicht nett von mir?«

    »Ich will keinen Ärger«, murmelte Milton Luster. Er fühlte die Blicke aller im Saloon Anwesenden auf sich gerichtet. Und er spürte Beklemmung, um nicht zu sagen Angst. »Darum gehe ich jetzt wieder.« Er griff in die Tasche und holte einige Münzen heraus, nahm ein Fünfcentstück und legte es auf den Tisch. »Für das Bier, Burl.« Er wollte sich abwenden.

    Da schüttete ihm Rufus Hadley mit einer wilden, unbeherrschten Bewegung den Inhalt des Kruges ins Gesicht. »Damit du das Bier nicht umsonst bezahlt hast«, stieß der Cowboy hervor und zeigte die Zähne. Es erinnerte an das Zähnefletschen eines Wolfes.

    Milton Luster nahm sein Halstuch ab und trocknete sich damit das Gesicht ab. Dann sagte er dumpf: »Ich gehe jetzt. Ihr hattet euren Spaß.« Er wollte sich abwenden.

    »So billig kommst du nicht weg, Maulwurf«, stieß Rufus Hadley hervor. Er stellte den Krug ab, machte zwei schnelle Schritte und verbaute Luster den Weg zur Tür. »Der richtige Spaß kommt erst noch.« Mit dem letzten Wort schlug er zu. Er traf den Heimstätter in den Magen und Milton Lusters Oberkörper pendelte nach vorn. Ein dumpfer Laut brach aus seiner Kehle. Der Schlag nahm ihm die Luft und die Augen quollen ihm aus den Höhlen. Ehe er sich erholen konnte, versetzte ihm Rufus Hadley mit der flachen Hand einen klatschenden Schlag auf die Wange. Lusters Kopf wurde herumgerissen. Er taumelte einen Schritt zurück und stieß gegen den Tisch. Der Atem des Heimstätters ging stoßweise. In seinem Gesicht arbeitete es. Rot zeichneten sich die fünf Finger des Cowboys auf seiner Wange ab.

    »Okay«, grollte Luster. Er hatte zwar Angst, aber demütigen lassen wollte er sich nicht. »Du willst den Kampf und sollst ihn haben. Werden sich deine Kumpane heraushalten?«

    »Ich brauche sie nicht, Schollenbrecher. Dich mache ich mit links fertig. Komm schon, komm her! Ich werde die rechte Hand in die Tasche schieben. Worauf wartest du, Schollenbrecher?«

    Seine Worte waren genauso herausfordernd wie die ganze Haltung des Cowboys.

    Luster hob die Fäuste und ging langsam auf den Cowboy zu. Dieser schob natürlich die rechte Hand nicht in die Tasche. In seinen Augen glomm ein böses Licht voll Verschlagenheit. Als Luster nahe genug war, zuckte Hadleys Bein hoch. Er traf den Heimstätter in den Leib und Luster krümmte sich nach vorn, genau in Hadleys Schwinger hinein. Lusters Hut flog davon. Der Schlag richtete den Heimstätter auf, er wankte rückwärts, ruderte haltsuchend mit den Armen und hatte den Mund wie zu einem stummen Schrei aufgerissen. Hadley setzte nach, ließ seine Fäuste fliegen und traf zweimal. Aus Lusters aufgeplatzter Lippe rann Blut über sein Kinn.

    Der Heimstätter versetzte Hadley einen derben Stoß und konnte sich so von ihm freimachen. Als der Cowboy wieder angriff, warf sich ihm Milton Luster entgegen. Er schmetterte Hadley die Faust an den Kopf und die andere in den Magen. Ein Keuchton entrang sich dem Cowboy. Ein weit aus der Hüfte gezogener Haken stellte ihn auf die Zehenspitzen. Und dann traf ihn wieder ein Schwinger in den Bauch und er vollführte eine unfreiwillige Verbeugung. Luster donnerte ihm die Faust in den Nacken und der Weidereiter fiel auf das Gesicht.

    Als sich Hadley mit beiden Armen in die Höhe stemmen wollte, stellte ihm Luster den Fuß zwischen die Schulterblätter. Hadleys Arme knickten ein wie morsche Zaunlatten, erneut fiel er auf das Gesicht. Benommenheit brandete gegen sein Bewusstsein an. Vor seinen Augen wallten dichte Nebel. Er begriff auf schmerzliche Art und Weise, dass er den Mund wohl etwas zu voll genommen hatte. Sein Atem rasselte.

    Schnelle Schritte hämmerten auf den Dielen, Sporen klirrten, Milton Luster drehte den Kopf. Die drei anderen Cowboys kamen. Ehe der Heimstätter richtig zum Denken kam, hatten ihn zwei gepackt. Die Arme wurden ihm schmerzhaft auf den Rücken gebogen. Er machte das Kreuz hohl, um dem Schmerz in seinen Schultergelenken entgegenzuwirken. Der dritte der Cowboys half Rufus Hadley auf die Beine. Die Augen des Cowboys schwammen in Tränen. Seine Zähne knirschten, hart traten die Backenknochen in seinem Gesicht hervor. Er hatte seine Benommenheit überwunden. Etwas Unheilvolles ging von ihm aus. Jeder Zug in seinem Gesicht verriet Gehässigkeit und böse Entschlossenheit. »Jetzt kriegst du es, Schollenbrecher«, keuchte er, und dann schlug er zu.

    In dem Moment betrat Mary Jane den Saloon. Mit einem Blick erfasste sie, was sich abspielte. »Ihr gemeinen Schufte!«, schrie sie, packte einen Stuhl, schwang ihn hoch und ging damit auf die Weidereiter los. Ehe sich Rufus Hadley versah, zerschmetterte das Mädchen auf ihm den Stuhl. Der Cowboy ging in die Knie und schrie vor Wut und Schmerz auf. Mary Jane bückte sich nach einem Stuhlbein. Aber da war schon einer der Kerle bei ihr, packte sie an den Haaren und schleuderte sie herum. Mary Jane stürzte aufschreiend zwischen Tische und Stühle, kam aber sofort wieder hoch und machte Anstalten, sich auf den Burschen, der ihr Schmerz zugefügt hatte, zu stürzen.

    Da schrie Burl Haggan überschnappend: »Schluss jetzt!« Er hielt ein Schrotgewehr in den Händen. Die Doppelläufe pendelten sowohl über die Cowboys als auch über Mary Jane und ihren Vater hinweg. Das Mädchen stand geduckt da, in ihren Augen irrlichterte der Zorn. Es sah aus, als würde Mary Jane im nächsten Moment dem nächstbesten der Weidereiter an die Kehle gehen.

    »Milt«, rief Burl Haggan, der Keeper, grollend, »es ist besser, wenn ihr jetzt geht.« Seine Stimme duldete keinen Widerspruch.

    Milton Luster nickte, hob seinen Hut auf und sagte: »Komm, Mary Jane. Komm, wir gehen. Es ist wohl wirklich besser.«

    Mary Jane entspannte sich. Sie ging zu ihrem Vater. »Haben Sie dir wehgetan, Dad?«

    »Wegen des Schlages mit dem Stuhl unterhalten wir uns noch, du kleines Luder!«, drohte Rufus Hadley mit hassgetränkter Stimme. Er dehnte die Worte auf eine Art, die in ihrer Unmissverständlichkeit erschreckend war.

    Milton Luster legte den Arm um Mary Janes schmale Schultern, dann verließen sie den Saloon. Quietschend und knarrend schlugen hinter ihnen die Türpendel aus.

    2

    Milton Luster kniete bei einem Wassertrog und wusch sich das Blut aus dem Gesicht.

    »Diese niederträchtigen Halunken«, schimpfte Mary Jane. »Wenn ich ein Mann wäre …«

    »Du bist aber kein Mann«, sagte hinter ihr eine dunkle, sonore Stimme.

    Unbemerkt hatte sich Sheriff John Warner genähert. Das Mädchen drehte sich zu ihm herum. »Verhaften sie die vier Schufte, Sheriff. Sie waren drauf und dran, Dad niederzuschlagen. Vier gegen einen. Es sind feige Coyoten.«

    »Wer hat versucht, dich niederzuschlagen, Milt?«, fragte der Sheriff.

    »Rufus Hadley und drei andere Cowboys der M-im-Kreis. Es war mein Fehler. Ich hätte den Saloon sofort wieder verlassen sollen, als ich sie sah.«

    »So weit käme es noch«, knurrte der Sheriff, »dass ein unbescholtener Bürger nicht in einen Saloon gehen dürfte, ohne befürchten zu müssen, von irgendwelchen Rabauken niedergeschlagen zu werden. Ich werde mir die Kerle kaufen.«

    Der Sheriff rückte seinen Revolvergurt zurecht. Eine Schrotflinte trug er in der linken Hand am langen Arm. Er schaute grimmig drein. Warner versah erst seit kurzem das Amt in Stratford und wollte den Menschen hier beweisen, dass er seinen Job ernst nahm.

    Unter seinen Sohlen mahlte der feine Staub. Langbeinig marschierte er zum Saloon. John Warner war fast eins neunzig groß und schlank. Er trug einen dunklen Anzug. Auf seinem Kopf saß ein breitrandiger Stetson mit flacher Krone. Er war verheiratet und hatte fünf Kinder.

    Knarrend und quietschend pendelten die Türflügel. Zwei Schritte hinter der Tür blieb er stehen. »Rufus Hadley!«

    Die Weidereiter an der Theke drehten sich um.

    »Aaah, Sheriff«, dehnte Hadley. »Hat sich der Schollenbrecher etwa bei dir beschwert?«

    »Das war nicht nötig. Körperverletzung und Störung des öffentlichen Friedens sind Delikte, die das Gesetz von sich aus verfolgt. Jeder von euch zahlt entweder zehn Dollar Ordnungsgeld, oder ihr wandert für fünf Tage in den Knast.«

    Das Grinsen in den Gesichtern gerann. »Bist du plötzlich übergeschnappt, Sheriff?«, blaffte Rufus Hadley. »Verleitet dich das Stück Blech an der Brust zum Größenwahn?«

    »Weder – noch. Entweder ihr zahlt, oder ihr wandert hinter Gitter.« Der Sheriff klemmte sich den Kolben der Shotgun unter die rechte Achsel. »Ich zähle bis drei, dann müsst ihr euch entschieden haben.«

    »Du großspuriger Hundesohn!«, fauchte Hadley. »Denkst du denn, dass wir vor dem Stück Blech an deiner Jacke Respekt haben. Wir werden es dir herunterreißen und auf dich spucken.«

    »Worauf wartest du, Hadley?«, versetzte der Sheriff kalt.

    »Glaubst du wirklich, Trevor Johnson lässt zu, dass du uns fünf Tage einsperrst?«, schnappte einer der anderen Weidereiter.

    »Dann zahlt zehn Dollar. Damit könnt ihr euch sozusagen freikaufen. Im Übrigen ist Trevor Jackson nicht mein Boss. Ich möchte fast wetten, dass er es nicht gutheißt, wenn er hört, wie ihr euch aufgeführt habt.«

    »Es war doch nur ein Spaß, Sheriff«, knurrte Hadley einlenkend.

    »Ja, ich hab's gesehen. Milton Luster sitzt draußen auf dem Tränketrog und lacht sich halbtot. Na schön. Die Zeit ist um. Ihr scheint euch entschieden zu haben. Schnallt eure Revolver ab und legt sie auf den Tresen. Und dann schwingt die Hufe in Richtung Gefängnis. Den Weg kennt ihr ja.«

    Die Hände der vier Weidereiter legten sich wie auf ein geheimes Kommando auf die Knäufe ihrer Revolver. »Ich glaube, wir müssen dich auf deine richtige Größe zurechtstutzen, Warner. Du scheinst etwas zu verkennen. Die Stadt lebt im Schatten der M-im-Kreis und der Bar-H Ranch. Du bist nur geduldet. Es gelten nach wie vor die Gesetze, die Trevor Jackson diktiert.«

    Der Sheriff setzte sich in Bewegung. Die Doppelläufe der Schrotflinte waren auf die Cowboys gerichtet. Einen halben Schritt vor Rufus Hadley hielt er an. »Die Zeit, in der jemand seine eigenen Gesetze schreiben durfte, ist vorbei«, grollte Warner. Dann schlug er zu. Hadley bekam die Doppelläufe schräg über das Gesicht und schrie auf. Blut schoss aus seiner Nase. Seine Gefährten wollten die Revolver herausreißen, aber da deuteten schon wieder die Mündungen auf sie. Warner spannte die Hähne. Sein Zeigefinger krümmte sich um den Abzug.

    »Legt ab. Und dann gehen wir.«

    Hadley presste seine Hand auf die Nase. Blut tropfte auf den Fußboden. »Dafür wirst du büßen, Sheriff.«

    »Bedrohung eines Gesetzesbeamten«, versetzte John Warner kalt. »Das kostet dich weitere zehn Bucks oder insgesamt zehn Tage Knast.«

    »Zahlen wir«, murmelte einer der Männer, die Hadley begleiteten.

    »Woher soll ich zwanzig Dollar nehmen?«, schnaubte Hadley.

    »Das ist dein Problem«, versetzte der Sheriff ungerührt.

    »Ich verdiene am Tag einen Dollar«, begehrte der Cowboy noch einmal auf.

    »Das hättest du dir vorher überlegen sollen«, erwiderte der Sheriff.

    »Legen wir zusammen«, schlug einer der Cowboys vor.

    Schließlich lagen fünfzig Dollar auf der Theke. »Wenn ihr wollt, kann ich euch Quittungen ausstellen«, erklärte Warner.

    »Damit kannst du dir den Hintern abwischen«, stieß Hadley wütend hervor. »Kommt, wir gehen, Leute.«

    »Vergesst nicht, eure Zeche zu bezahlen«, erinnerte sie Burl Haggan.

    Zähneknirschend beglich sie die Rechnung. Als sie auf die Straße traten, fuhren Milton Luster und seine Tochter vorbei. Gehässige Blicke, die eine unheimliche Drohung zeigten, folgten den beiden.

    3

    Als die Sonne hinter dem westlichen Horizont versank, erreichten Mary Jane und ihr Vater die Heimstatt. Es handelte sich um ein flaches Wohnhaus mit zwei unverglasten Fenstern, abgedeckt mit dicken Grassoden, die auf eine Unterlage aus Brettern und Teerplane gelegt waren. Dazu kamen einige Schuppen, ein Stall und eine Scheune. In einem Pferch standen ein Dutzend Schafe und Ziegen, in einer Koppel weidete eine Milchkuh.

    Carol Luster kam aus dem Wohnhaus. Sie blieb zwei Schritte vor der Tür stehen. Die untergehende Sonne legte dunkle Schatten in ihr Gesicht. Die Siebenundvierzigjährige sah vorzeitig gealtert und verbraucht aus. Ein herber Zug lag um ihren Mund. Ihr Dasein hier am Frisco Creek war ein einziger Überlebenskampf. Es hatte die geprägt und verbittert.

    Das Rumpeln, Poltern und Quietschen des Wagens verklang, als Milton Luster das Pferd anhielt. Das Tier stampfte auf der Stelle und peitschte mit dem Schweif. Der Heimstätter und seine Tochter stiegen ab.

    »Was ist mit deinem Gesicht?«, fragte Carol Luster.

    Milton Lusters Hand tastete über den Bluterguss am Kinn und über die verschorfte Platzwunde an der Unterlippe. »Ich kam vier Reitern der M-im-Kreis in die Quere«, murmelte er. »Sie wollten es mir auf die raue Tour besorgen, aber dann kam Mary Jane. Sie zertrümmerte einen Stuhl auf Hadley. Dann war Burl Haggan mit seiner Shotgun zur Stelle.«

    »Jetzt gehen sie also schon in aller Öffentlichkeit auf uns los«, murmelte die Frau. Ihr Gesicht war Spiegelbild ihrer Empfindungen. »Es reicht ihnen nicht mehr, dass sie unsere Zäune zerschneiden und Vieh auf unsere Felder treiben.«

    »Mach dir keine Sorgen, Carol. Sie wollten sich nur einen rauen Spaß mit mir machen.«

    Milton Luster und Mary Jane trugen die Vorräte, die sie besorgt hatten, ins Haus. Es waren Mehl, Salz, Zucker, Reis und eine Reihe weiterer Dinge, die hier draußen zum Überleben notwendig waren.

    Die Schatten wurden lang und begannen zu verblassen. Mary Jane spannte das Pferd aus und führte es zur Tränke. Ihr Vater und ihre Mutter befanden sich im Haus. Seit drei Jahren lebten sie nun am Frisco Creek. Noch zwei Jahre, dann würde das Stück Land endgültig in den Besitz ihrer Eltern übergehen. Das Pferd soff. Als es seinen Durst gestillt hatte, führte es Mary Jane in den Stall und begann es mit Strohbüscheln abzureiben. Im Stall war es düster. Durch die Ritzen in den Bretterwänden viel in schräger Bahn das letzte Licht des Tages. Staubpartikel tanzten in den schmalen Lichtbahnen. Schließlich stellte Mary Jane einen Eimer voll Hafer vor das Tier hin und warf einige Arme voll Heu in die Futterraufe.

    Als sie den Stall verließ, woben die Schatten der Abenddämmerung in den Einschnitten zwischen den Hügeln ringsum. Der Himmel im Westen hatte sich glühend rot verfärbt. Eine Amsel saß auf dem Dach der Scheune und zwitscherte. Im Hof pickten Hühner in den Staub. Mary Jane holte eine Schwinge voll Hühnerfutter aus einem der Schuppen und füllte den steinernen Futternapf am Rand des Hofes. Der Hahn krähte. Alles vermittelte Ruhe und Frieden.

    Mary Jane ging ins Haus. Ihr Vater hatte die Lampe noch nicht anzündet. Er saß am Tisch und rauchte Pfeife. Ihre Mutter stand am Herd und goss Pfannenkuchenteig in die Pfanne, in der das Schmalz brutzelte. Es war warm in der Küche.

    »Das Pferd ist versorgt«, erklärte Mary Jane. »Die Hühner habe ich gefüttert. Die Kuh, die Ziegen und Schafe treibe ich nach dem Essen in den Stall.«

    »Hol mir einen Eimer voll Wasser vom Fluss«, bat Carol Luster.

    Mary Jane schnappte sich den Blechkübel und verließ das Haus. Sie ging zum Fluss. Ihr Vater hatte eine schmale Bresche ins Ufergebüsch geschlagen, so dass man sich nicht jedes Mal aufs Neue einen Weg bahnen musste. Hummeln und Bienen summten. Auch auf der anderen Seite wuchsen Büsche.

    Mary Jane tauchte den Eimer ins Wasser und zog ihn wieder heraus. Ihr Blick wanderte über den Fluss. Und plötzlich hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Sie konnte sich dieses Gefühl nicht erklären. Es war einfach da und ließ sich nicht vertreiben. Mary Jane war es plötzlich unbehaglich zumute. Und sie glaubte, zwei glitzernde Augen zwischen dem Zweiggespinst auf der anderen Flussseite zu sehen.

    Das Mädchen starrte wie gebannt hinüber. Doch irgendwann entspannte sich Mary Jane. Es war wohl so, dass ihr ihre Sinne einen Streich gespielt hatten. Mary Jane nahm den Eimer voll Wasser und trug ihn zum Haus. Sie sprach nicht mit ihren Eltern darüber und dachte auch nicht länger darüber nach. Nach dem Essen trieb sie Schafe und Ziegen und auch die Kuh in den Stall. In der Küche brannte jetzt Licht. Die Dunkelheit kam. Die Nacht hatte den Tag endgültig nach Westen vertrieben.

    Mary Jane und ihre Eltern legten sich bald schlafen. Für sie begann der Tag sehr früh und so gingen sie sozusagen mit den Hühnern zu Bett.

    Unheil und Tod näherten sich der Farm auf stampfenden Hufen. Die Reiter kamen von Norden. Es waren über ein Dutzend. Eine gutturale Stimme rief einen Befehl. Das Rudel kam zum Stehen. Auf der anderen Seite des Creeks lag die Farm in Dunkelheit. Mond und Sterne waren hinter einer Wolkendecke verschwunden. Die Pferde prusteten. Eines der Tiere wieherte hell. Wieder erklang eine kehlige Stimme. Die Reiter trieben ihre Pferde in den Fluss. Das Wasser gischtete und spritzte. Es reichte den Tieren nur bis knapp über die Sprunggelenke.

    Vor den beiden Fenstern auf der Farm lagen die grob aus ungehobelten Brettern zusammengezimmerten Blendläden. Jetzt wurde einer aufgestoßen. Er knarrte und quietschte rostig in den Angeln. Die Reiter trieben ihre Pferde an. Spitzes, abgehacktes Geschrei erhob sich. Es ließ den Weißen auf der Farm das Blut in den Adern gerinnen.

    »Es sind Indianer!«, schrie Milton Luster entsetzt. »Gott steh uns bei!«

    Rücksichtslos dirigierten die Nachtreiter die Tiere durch das Ufergestrüpp, dann stoben sie auf die Farm zu. Staub wallte dicht. In das dumpfe Hufgetrappel hinein krachten Schüsse. Einige der Angreifer sprangen im Farmhof von den Pferden. Die Tür des Farmhauses wurde eingetreten und die Indianer drängten ins Haus. Milton Luster schoss einen von ihnen nieder. Dann fielen sie über ihn her. Der Tod griff mit gebieterischer Hand nach ihm …

    4

    Buster Kilkeene jagte zwischen die ersten Häuser der Stadt. Sein Pferd zog eine wallende Staubfahne hinter sich her. Weiße Schaumflocken tropften von den Nüstern des Tieres. Vor dem Sheriff's Office sprang Kilkeene vom Pferd und stürmte hinein. John Warner, der Sheriff von Stratford, saß hinter seinem Schreibtisch und schrieb seinen Tagesbericht in eine Kladde. Jetzt blickte er dem frühen Besucher entgegen und legte den Federhalter weg.

    »Die Luster-Farm wurde überfallen!«, stieß Kilkeene ziemlich atemlos hervor. »Milton Luster und Carol sind tot. Die Schweine haben Carol die Kehle durchgeschnitten. Mary Jane ist verschwunden.«

    John Warner stand mit einem Ruck. »Was sagst du da?«, entfuhr es ihm. Er stemmte sich mit beiden Armen auf den Schreibtisch. Ungläubig starrte er den Heimstätter an, der ihm die Hiobsbotschaft überbracht hatte.

    »Du hast dich nicht verhört, Sheriff«, sagte Kilkeene. »Ich war auf dem Weg in die Stadt und wollte bei den Lusters guten Tag sagen.«

    »Zur Hölle«, murmelte der Sheriff. »Milton hatte gestern hier in der Stadt Ärger mit ein paar Burschen von der M-im-Kreis. Sollten sie …?«

    Der Sheriff brach ab.

    »Du musst ein Aufgebot bilden und versuchen, die Spur der Bande aufzunehmen«, stieß Kilkeene hervor. »Ich reite natürlich mit.«

    »Sag du mir nicht, was ich zu tun habe«, knurrte der Sheriff etwas unwirsch. Er nagte an seiner Unterlippe. »Aber du hast recht«, sagte er schließlich, dann richtete er sich auf und ging an Kilkeene vorbei nach draußen. Der Heimstätter folgte ihm.

    Eine halbe Stunde später ritt das Aufgebot zum Frisco Creek. Es waren neun Männer, Buster Kilkeene hatte sich der Posse angeschlossen. »Gebt Acht«, rief der Sheriff in das Stampfen der Hufe hinein. »Zerstört keine Spuren.«

    Bald war klar, dass das Rudel nach Norden geritten war. Außerdem stellten die Männer fest, dass es sich um unbeschlagene Pferde handelte. Für sie stand außer Frage, dass der Überfall von Indianern verübt wurde. Sie waren aus dem Niemandsland zwischen Texas und Kansas gekommen und nach dem Überfall wieder dorthin zurückgekehrt. Bei den Männern machte sich Entsetzen breit.

    Milton Luster und Carol wurden begraben. Bald zeugten nur noch zwei Grabhügel davon, dass das Paar hier seine letzte Ruhe gefunden hatte. Zwei primitive Kreuze, schnell aus Latten zusammengenagelt, wurden in die Hügel gerammt. Namenlose Gräber, die irgendwann der Wind eingeebnet haben würde.

    Das Aufgebot folgte der Spur. Sie führte hinauf zum North Canadian River. Die Indianer hatten den Fluss überquert. Die Männer des Aufgebotes wagten nicht, weiterzureiten.

    »Was werden das für welche gewesen sein?«, fragte einer. »Cheyenne oder Comanchen?«

    Der Sheriff zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Im Endeffekt spielt es aber nicht die große Rolle.« Während er sprach, blickte er über den Fluss. Drüben buckelten Hügel, auf den Kämmen erhoben sich Felsen und Gruppen von Bäumen - sturmzerzauste Föhren und Birken, zwischen denen dichtes Strauchwerk wucherte. »Wir befinden uns bereits im Niemandsland«, fuhr der Sheriff fort. »Die Horde hat zehn oder zwölf Stunden Vorsprung. Es hat wohl keinen Sinn, ihr zu folgen.«

    »Aber wir können Mary Jane doch nicht einfach aufgeben«, wandte Buster Kilkeene ein und schaute ziemlich unglücklich.

    »Wir befinden uns außerhalb meines Zuständigkeitsbereiches«, erwiderte der Sheriff. »Unabhängig davon: Wir können die Bande nicht mehr einholen.« Der Sheriff sprach eindringlich. »Und wenn, dann kommt es wahrscheinlich zum Kampf. Ich will das Leben keines dieser Männer hier gefährden.«

    »Ich bin auch dafür, dass wir zurückreiten«, sagte Stanley Hanson, der Schreiner. »Der Sheriff hat recht. Wir können die Bande nicht mehr einholen.«

    Sie stimmten ab. Alle - außer Buster Kilkeene - waren dafür, umzukehren. Schließlich ritt auch Kilkeene mit zurück. Alleine und ohne die erforderliche Ausrüstung wäre er chancenlos gewesen.

    5

    Die beiden Banditen lagerten am Coldwater Creek. Ihre Namen waren Jesse Calhoun und Steve Benson. Jeder von ihnen war fünfhundert Dollar wert. Es war Mittagszeit und die Sonne stand hoch am Himmel. Calhoun und Benson hatten sich ein Kaninchen geschossen, es ausgenommen und gehäutet und nun brieten sie es über einem Feuer. Ihre Pferde hatten die beiden Banditen an die Büsche am Flussufer gebunden.

    Joe und ich beobachteten die beiden von einem Hügel aus. Wir befanden uns im Schutz von Büschen und Felsen.

    »Endlich«, murmelte Joe. »Dachte schon, wir holen die beiden Schufte überhaupt nicht mehr ein. Schnappen wir sie uns.«

    Wir liefen zu unseren Pferden, saßen auf und ritten auf der den Banditen abgewandten Seite den Hügel hinunter. Dann gelangten wir in einem weiten Bogen zum Fluss und stellten unsere Pferde im Ufergebüsch ab, nahmen die Gewehre und pirschten auf dem schmalen Ufersaum in die Richtung, in der wir die beiden Banditen wussten. Wir bewegten uns lautlos wie Raubkatzen. Calhoun und Benson waren arglos. Ich hörte ihre Stimmen, was sie sprachen konnte ich jedoch nicht verstehen. Joe und ich trennten uns. Ich wartete ein wenig, bis ich davon ausgehen konnte, dass mein Partner Position bezogen hatte. Dann trat ich aus dem Ufergebüsch. »Hände hoch, ihr beiden!«

    Sie wandten sich mir erschreckt zu. Ihre Hände zuckten zu den Revolvern. Da trat hinter ihnen Joe aus dem Buschwerk und repetierte die Winchester. Das metallische Knacken ließ die beiden herumwirbeln. Bei Calhoun war der Reflex schneller als der Verstand. Er riss den Revolver heraus. Joe schoss. Jesse Calhoun brach zusammen. Die Detonation verebbte raunend. Der Bandit stöhnte. Steve Benson hob die Arme. »Nicht schießen!«

    Ich trat von hinten an Benson heran und zog ihm den Revolver aus dem Holster, schob das Eisen in meinen Hosenbund. Dann fesselte ich die Hände des Banditen. Er musste sich auf den Boden setzen.

    Calhoun hatte die Kugel in die Hüfte bekommen. Joe und ich verbanden ihn. Wir beschlossen, die beiden Banditen nach Stratford zu schaffen, damit Calhoun ärztliche Hilfe bekam.

    Wir erreichten die Stadt, als die Sonne unterging. Sheriff John Warner traf ich in seinem Büro an. Ich begrüßte ihn, dann sagte ich: »Wir haben zwei Banditen bei uns, Sheriff. Einer ist verwundet. In seiner Hüfte steckt eine Kugel. Er braucht ärztliche Hilfe und wir werden ihm wohl ein paar Tage Ruhe gönnen müssen, ehe wir mit ihm nach Amarillo reiten. Können wir die beiden solange in Ihr Gefängnis sperren?«

    »Um wen handelt es sich denn?«, fragte der Sheriff.

    »Jesse Calhoun und Steve Benson. Zwei Postkutschenräuber. Bei einem ihrer Überfälle haben sie einen Mann schwer verletzt.«

    Der Sheriff holte ein Bündel Steckbriefe aus der Schublade und begann sie durchzusehen. Zwei sortierte er aus. Sie waren schon ziemlich vergilbt. »Da haben wir sie ja«, murmelte er. »Von denen ist jeder fünfhundert Bucks wert. Sicher, Logan, bringen Sie die beiden herein. Warum sollte ich dem Bezirksgericht die Amtshilfe verweigern?«

    Ich ging hinaus. Die beiden Banditen und Joe saßen noch auf ihren Pferden. »Der Sheriff stellt uns sein Gefängnis zur Verfügung«, gab ich zu verstehen.

    Joe schwang sich aus dem Sattel, schlang den Zügel um den Hitchrack, dann half er Calhoun beim Absteigen. Der Bandit stöhnte. Wir brachten die Calhoun und Benson ins Office und wenig später waren sie auf Nummer sicher. »Ich werde den Doc verständigen«, versprach John Warner. Plötzlich kniff er die Augen zusammen. »Schlechte Neuigkeiten, Marshals. Rothäute sind nach Texas eingedrungen und haben am Frisco Creek eine Heimstatt überfallen. Den Heimstätter und seine Frau haben sie umgebracht. Die achtzehnjährige Tochter haben sie entführt.«

    Ich war betroffen. Ein Blick in Joes Gesicht verriet mir, dass es ihm ebenso erging wie mir. »Indianer!«, dehnte ich.

    Der Sheriff nickte. »Eindeutig. Wir sind ihrer Spur bis zum North Canadian gefolgt, mussten dann aber aufgeben. Der Vorsprung der Bande war zu groß. Außerdem wollte ich meine Männer nicht gefährden. – Zuerst dachte ich, dass die M-im-Kreis für das Massaker auf der Luster Farm verantwortlich ist. Ich bin Rufus Hadley und drei weiteren Burschen von der M-im-Kreis kurz vorher ziemlich nachdrücklich auf die Zehen getreten, nachdem sie Luster zusammenschlugen. Aber es waren zweifellos Indianer.«

    »Wann fand der Überfall statt?«

    »In der Nacht auf gestern. Den Spuren nach zu urteilen waren es etwa fünfzehn Reiter. Ich befürchte, dass es nicht bei dem einen Überfall bleibt.«

    »Ihre Befürchtung ist sicher nicht ungerechtfertigt«, murmelte ich und schaute Joe an. »Wir müssen uns darum kümmern«, sagte ich.

    »Fürs Indianerland sind die Marshals des US-District Criminal Court im Western District of Arkansas zuständig«, gab Joe zu bedenken. »Richter Parker wird nicht begeistert sein, wenn wir in seinem Zuständigkeitsbereich tätig werden.«

    »Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen«, versetzte ich. »Bis Fort Smith verständigt ist, vergehen viele Tage. Bis dahin ist das Mädchen spurlos irgendwo im Indianer-Territorium verschwunden. So lange können wir nicht warten. Ich folge der Bande.«

    »Wir«, verbesserte mich Joe. »Wir folgen der Bande.« Er legte die Betonung auf das Wörtchen wir.

    Doch ich schüttelte den Kopf. »Du musst Calhoun und Benson nach Amarillo schaffen.« Ich hob schnell die Hand, als Joe sein Veto einlegen wollte. »Das ist mindestens genauso wichtig.«

    »Schon gut«, murmelte Joe und seufzte ergeben.

    Ich ritt am Morgen, als ein heller Streifen über dem östlichen Horizont den Sonnenaufgang ankündigte, los. Es war hell, als ich die Farm der Lusters erreichte. Die Pferche und die Koppel waren leer. Einige Hühner badeten im Staub. Andere waren auf der Suche nach etwas Fressbarem. Ich fand die beiden Gräber. Sehr schnell stellte ich fest, dass die Spuren tatsächlich von unbeschlagenen Pferden stammten. Die Fährte führte zum North Canadian. Ich trieb mein Pferd in den Fluss. Das Tier musste schwimmen. Wie der Bug eines Bootes teilte es mit seiner Brust das Wasser. Wir wurden ein wenig abgetrieben. Doch dann hatte das Pferd wieder Boden unter den Hufen und es trug mich ans Ufer. Es gelang mir, die Spur wieder aufzunehmen. Sie bog nach Osten ab.

    Hügeliges Terrain umgab mich. Viele der Anhöhen waren bewaldet, die Wälder zogen sich oftmals weit in die Ebenen hinein. Hier und dort erhob sich ein zerklüfteter Felsen aus dem Boden. Ich musste dornige Sträucher umreiten und folgte den Windungen zwischen den Hügeln.

    Die Fährte war ziemlich deutlich, obwohl seit dem Überfall etwa sechzig Stunden vergangen waren. Wenn ich dem Fluss folgte, würde ich nach etwa hundertzwanzig Meilen Fort Supply erreichen. Ich nahm aber nicht an, dass sich die Indianer in die Nähe des Forts begeben haben.

    Es wurde wieder ein warmer Tag. Ich ließ das Pferd im Schritt gehen. Manchmal prustete es. Hin und wieder hielt ich an und lauschte, des Öfteren trieb ich das Pferd auf einen Hügel, um weit in die Runde blicken zu können. Das Land mutete wie ausgestorben an. Ein Mann konnte hier verschwinden wie ein Staubkorn in der Wüste. Ich ritt hellwach und sicherte ständig um mich. Die Gefahr, die von den Indianern ausging, war allgegenwärtig.

    Ich ritt, bis es dunkel war, dann

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