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Legenden des Wilden Westens: Band 1-6 (Sammelband): Sechs historische Western Romane

Legenden des Wilden Westens: Band 1-6 (Sammelband): Sechs historische Western Romane

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Legenden des Wilden Westens: Band 1-6 (Sammelband): Sechs historische Western Romane

Länge:
688 Seiten
9 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 16, 2018
ISBN:
9783736831506
Format:
Buch

Beschreibung

Eine Sammlung von Western Romanen nach historischen Tatsachen.
Jeder Roman beschreibt das Leben eines Helden, der tatsächlich gelebt hat.
Männer, die den Westen prägte: Marshals, Banditen, Indianerkrieger, Gunslinger.
Diese Serie beschreibt den Westen, wie er wirklich war: Packend, hart, authentisch.
Dieses Ebook beinhaltet folgende sechs Western:
Rächer ohne Gnade
Der Outlaw
Und dann nahm er den Stern
Christopher Columbus Slaughter
Dave Mathers Weg
Nur ein dreckiger Bandit
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 16, 2018
ISBN:
9783736831506
Format:
Buch

Über den Autor


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Legenden des Wilden Westens - Pete Hackett

München

Legenden des Wilden Western (1- 6)

Sechs Western von Pete Hackett

Dieses Ebook beinhaltet folgende sechs Western:

Rächer ohne Gnade

Der Outlaw

Und dann nahm er den Stern

Christopher Columbus Slaughter

Dave Mathers Weg

Nur ein dreckiger Bandit

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

Rächer ohne Gnade

Ein Western-Roman um Apache Kid (ca. 1860 bis nach 1894)

Die Schüsse peitschten. Toga-De-Chuz, der Apachenhäuptling, wurde herumgerissen und geschüttelt und sank schließlich tot zu Boden. Apachen, die um das Lagerfeuer saßen, sprangen auf. Geschrei kam auf.

Pulverdampf wölkte und wurde vom lauen Abendwind zerpflückt. In den Gesichtern der Männer, die geschossen hatten, zuckte kein Muskel. Sie zogen sich langsam zurück und hielten die Gewehre im Anschlag. Niemand wagte es, ihnen zu folgen…

Außerhalb des Feuerscheins warfen sie sich herum und begannen zu laufen. Sie verschwanden in der Nacht.

John Bullis, der Agent von San Carlos, wurde verständigt. Er erfuhr die Namen der Mörder des Häuptlings und ließ Al Sieber, den alten Armeescout zu sich kommen. Der bärtige Sieber hörte sich an, was Bullis zu sagen hatte. Dann murmelte er: »Ski-Be-Nan-Ted wird seinen Vater rächen wollen. Er wird den Mördern folgen.«

»Ich werde ihm verbieten, das Reservat zu verlassen. Die Mörder werden unsere Leute verfolgen. Aber wahrscheinlich haben sie sich nach Mexiko in die Sierra Madre abgesetzt. Sie dort zu finden wird unmöglich sein. In der Felswildnis haben sich schon Victorio und Geronimo mit ihren Leuten monatelang versteckt, ohne dass es gelungen wäre, sie aufzustöbern.«

»Apache Kid wird sich von Ihrem Verbot nicht abhalten lassen, John«, prophezeite Al Sieber.

»Dann lasse ich ihn verhaften und einsperren«, knurrte Bullis. »Ich habe damit kein Problem.«

»Hat man Apache Kid schon über den Tod seines Vaters unterrichtet?«

»Wahrscheinlich. Sprechen Sie mit ihm, Al. Sagen Sie ihm, dass ich ihm untersage, das Reservat zu verlassen, und dass er mit Bestrafung zu rechnen hat, wenn er meine Anordnung missachtet. Sollte er einen der Mörder seines Vaters töten, werde ich ihn wegen Mordes anklagen lassen. Beruhigen Sie ihn damit, dass wir die Mörder verfolgen und ihrer gerechten Bestrafung zuführen werden.«

»Damit wird sich Ski-Be-Nan-Ted nicht beruhigen lassen. Die Chiricahuas unterliegen einem eigenen Kodex, und das wissen Sie auch, Bullis. Ich glaube nicht, dass sich Apache Kid an Ihre Weisung halten wird.«

John Bullis schaute verkniffen drein. »Dann wird er die Konsequenzen tragen müssen.«

Al Sieber verließ die Kommandantur der Reservatsverwaltung. Sein Pferd stand am Holm und ließ den Kopf hängen, peitschte mit dem Schweif nach den blutsaugenden Bremsen an seinen Flanken und prustete manchmal. Es war heiß. Die Hitze füllte beim Atmen die Lungen wie mit Feuer. Die Konturen verschwammen in der flirrenden Luft. Und wieder einmal kam Al Sieber zu dem Schluss, dass San Carlos eine Außenstelle der Hölle sein musste. Hitze, Staub, Felsgestein, Klapperschlangen und Eidechsen. Das Leben hier war eine Strafe …

Einige Apachen lungerten herum. Abgerissene Gestalten, die Al Sieber beobachteten und von deren Mienen nicht abzulesen war, was sie dachten. Sieber dachte daran, dass der Apachenkrieg mit der Kapitulation Geronimos noch nicht zu Ende war. Ein Apache namens Massai sorgte nach wie vor mit einer kleinen Horde von Kriegern für Angst und Schrecken im Arizona-Territorium und in Mexiko. Massai war dem Gefangenenzug nach Florida entkommen. Er war noch wilder und gefährlicher als Geronimo und Victorio.

Sieber seufzte. Das Land würde wohl noch lange nicht zur Ruhe kommen. Er band sein Pferd, einen Fuchs mit breiter Brust und hohen Beinen, los, stellte seinen linken Fuß in den Steigbügel und zog sich den alten, brüchigen Sattel. Unter der Tür der Kommandantur erschien Bullis und blinzelte in den Sonnenschein. Sieber hob die Hand zum Gruß, dann zog er das Pferd herum und schnalzte mit der Zunge, dazu gab er dem Tier leicht die Sporen.

Sieber ritt in die Reservation hinein. Die Gebäude der Verwaltung verschwanden hinter Bodenunebenheiten. Das Land war karg und unfruchtbar. Die Hufe des Pferdes krachten auf dem hartgebackenen Boden. Am Wegrand wuchsen dornige Comas und Mesquites. Hier und dort erhob sich ein riesiger Kaktus. Dieses Land musste der Teufel persönlich geschaffen haben.

Der Scout ritt drei Stunden lang. Dann tauchten vor ihm einige strohgedeckte Hütten auf. Kinder rannten dazwischen umher und schrien. Ein dürrer, brauner Hund, der im Schatten gelegen hatte, erhob sich, streckte sich und gähnte und trollte sich schließlich davon.

Einige Apachen saßen in den Schatten und blickten dem Reiter entgegen. Sieber zügelte das Pferd, legte beide Hände übereinander auf das Sattelhorn und verlagerte das Gewicht seines Oberkörpers auf die durchgestreckten Arme. »Hola«, sagte er auf Spanisch. »Ich suche Apache Kid.«

Einer der Apachen deutete auf einen Hügel, aus dem Felsen ragten und an dessen Flanken dorniges Gestrüpp wuchs. »Sein Herz ist voll Trauer«, sagte der Chiricahua. »Ski-Be-Nan-Ted wollte alleine sein.«

»Er weiß also schon Bescheid?«

»Ja. Ein Bote aus San Carlos hat es berichtet.«

Al Sieber nickte und stieg vom Pferd. »Sein Herz ist sicher nicht nur voll Trauer«, murmelte er. Er schlang den langen Zügel um den Ast eines Busches, dann machte er sich an den Aufstieg. Überall am Boden lag Geröll. Schweiß rann über das faltige Gesicht des Scouts. Stechmücken umschwirrten ihn. Düstere Gedanken zogen durch seinen Kopf.

Der Weg war steil. Sieber ließ sich Zeit. Das Leder seiner Stiefel knarrte. Leise klirrten seine Sporen. Dann stand er vor den zerklüfteten Felsgebilden, die sich aus der Hügelkuppe erhoben. Er schritt an ihrem Fuß entlang und dann sah er Apache Kid. Der junge Krieger saß im Schneidersitz am Boden und starrte auf einen unbestimmten Punkt in der Ferne.

Jetzt vernahm er die mahlenden Schritte und drehte den Kopf. Der Blick seiner dunklen Augen war unergründlich. Sieber ging neben ihm auf die Hacken nieder, legte die Arme auf seine Oberschenkel und ließ die Hände zwischen den Knien baumeln. Eine ganze Zeit schwiegen die beiden Männer.

Apache Kid war fünfundzwanzig Jahre alt. Um den Kopf hatte er sich ein rotes Tuch gebunden, das seine langen, schwarzen Haare hielt. Sein Gesicht war hohlwangig. Irgendwann ergriff er das Wort:

»Toga-De-Chuz war ein Mann es Friedens.«

»Weil er Frieden gepredigt hat musste er sterben. Es waren Männer von Massai, die ins Reservat kamen und versuchten, die friedlichen Krieger aufzuwiegeln. Old Rip, Tanankia, Toshawi …«

»Ich kenne ihre Namen«, murmelte Apache Kid. Diesen Namen hatten ihm die Weißen gegeben. Sein Blick war wieder auf einen unbestimmten Punkt in der Ferne gerichtet. Dort ragten die Gipfel der Pinal Mountains in ein Meer von weißen Wolken hinein.

»Was wirst du tun?«, fragte Al Sieber.

»Ich werde die Mörder verfolgen und töten.«

Sieber presste die Lippen zusammen. Sie bildeten nur noch einen dünnen, blutleeren Strich. Dann sagte er: »John Bullis lässt dir bestellen, dass er dir verbietet, das Reservat zu verlassen.«

»Das Gesetz der Apachen fordert von einem Sohn, dass er den Tod seines Vaters rächt.«

»Das Gesetz der Apachen ist überholt, Apache Kid. Im Reservat gilt das Gesetz des weißen Mannes. Und das besagt …«

»Es ist nicht mein Gesetz. Der Mord an Toga-De-Chuz darf nicht ungesühnt bleiben. Ich bin sein Sohn. Mir obliegt es, seine Mörder zur Rechenschaft zu ziehen.«

»Wenn du sie tötest, ist das Mord. Bullis wird dich dafür vor Gericht stellen. Und du weißt, was das Gesetz des weißen Mannes auf Mord für eine Strafe vorsieht.«

»Das kann mich nicht abhalten, Sieber.«

»Überleg es dir gut, was du tust.«

»Es gibt nichts zu überlegen.«

»Komm zur Vernunft, Kid. Dein Vater würde sicher nicht wollen, dass du dich zum Richter und Henker aufschwingst.«

Apache Kid schwieg. Auch Al Sieber verfiel wieder in Schweigen. Minutenlang hing er seinen Gedanken nach. Dann sagte er: »Man wird dich jagen und stellen.«

»Ich tue, was ein Sohn tun muss.«

Al Sieber richtete sich auf. »Ich verstehe dich zwar, Kid, aber ich kann deinen Entschluss nicht akzeptieren. Du solltest es dir gut überlegen.« Der Scout wandte sich ab und stieg den Hügel hinunter. Apache Kid blickte ihm nicht hinterher.

*

Apache Kid verließ am Abend seine Hütte. Winema, seine junge Squaw, saß auf einer Büffelhaut am Boden und blickte ihm mit brennenden Augen hinterher. Sie hieß gut, was er tat. Der junge Chiricahua war nur mit einem Messer und einem Tomahawk bewaffnet. Er hatte sich schwarze und weiße Striche ins Gesicht gemalt. Die Farben des Krieges …

Es war noch nicht richtig finster. Der Westhimmel erglühte noch vom Widerschein der untergegangenen Sonne. Wolkenbänke, deren Ränder zu glühen schienen, hatten sich vor diese purpurne Kulisse geschoben. Am Westhimmel glitzerte ein einsamer Stern – der Abendstern.

Apache Kid ging schnell. Seine Füße steckten in kniehohen Mokassins. Er trug eine blaue Hose der Armee, von der die gelben Nahtstreifen abgetrennt worden waren. Dazu war er mit einem Hemd aus weichem Rehleder bekleidet. Um die Hüften hatte er sich ein Tuch gebunden, in dem seine Waffen steckten.

Das Rot im Westen verfärbte sich zu Violett und die Dunkelheit kam schnell. Apache Kid fürchtete die Nacht nicht. Meile um Meile lief er durch die Dunkelheit. Das Heulen der Coyoten begleitete ihn. Fledermäuse zogen ihre lautlosen Bahnen auf der Jagd nach Beute. Im Herzen des jungen Kriegers war die Trauer dem Hass gewichen. Es war ein Hass, der kein Entgegenkommen und keine Zugeständnisse kennen würde.

Als der Morgen graute, lagen die Gebäude der Agentur vor seinem Blick. Vom Gila River stiegen weiße Nebel in die Höhe. Das Windrad am Fluss stand still. In einigen Pferchen befanden sich Ziegen, Schafe und Milchkühe. Es gab auch einen Corral mit Pferden.

Heller Schein über dem Horizont im Osten kündete den Sonnenaufgang an. Die Landschaft hob sich schwarz und bizarr vor diesem Hintergrund ab. Es war ein wildes und schönes, aber auch gefährliches Land. Wer in diesem Land nicht seine Lektionen lernte, verschwand sehr schnell in einem namenlosen Grab. Die Gefahr lauerte überall, der Tod war allgegenwärtig.

Die Menschen in der Agentur schliefen. Apache Kid stand im Schutz eines Strauches und ließ seinen Blick schweifen. Nichts deutete auf Gefahr hin. Er lief zu einem der Schuppen und öffnete die Tür. Es dauerte ein wenig, bis sich seine Augen an die herrschenden Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Er fand Sattel- und Zaumzeug und trug es aus der Hütte, ging damit zum Corral und holte ein Pferd heraus. Kid legte dem Tier den Sattel auf und zäumte es, dann führte er es davon. Als er weit genug entfernt war, saß er auf. Er ritt zum Dorf seines Vaters. Die Sonne ging auf und schickte ihre ersten Flammenbündel über das Land.

Toga-De-Chuz war in der Dorfmitte aufgebahrt. Es war ein Gerüst aus Stangen und Ästen, auf das sie ihn gelegt hatten. Ein paar alte Männer hielten Wache. Der Häuptling sollte nach den Ritualen der Chiricahuas bestattet werden. Apache Kid stieg nicht vom Pferd. Das Pferd tänzelte unruhig unter ihm. Er nahm es hart in die Kandare. Einer der alten Krieger griff nach dem Zaumzeug. Das Pferd wollte zurückscheuen, doch der Apache ließ nicht locker. »Es waren Old Rip, Tanankia, Toshawi, Sleeping Rabbit und Scarfaced Charley.«

»Ich werde sie töten«, antwortete Apache Kid.

»Das erwartet dein Vater sicher von dir«, versetzte der alte Krieger.

»Ich weiß.« Apache Kid zog das Pferd um die linke Hand und trieb es an. Im Galopp ritt er davon. Die Krieger blickten hinter ihm her. Der alte Apache sagte: »Er ist ein guter Sohn. Sein Vater wird Ruhe finden beim Großen Geist. Seine Mörder werden ihm in den ewigen Jagdgründen dienen.«

Apache Kid ritt nach Süden, bald überquerte er den Gila River. Der Fluss war in der Strommitte ziemlich reißend. Das Pferd verlor den Boden unter den Hufen und musste schwimmen. Es wurde abgetrieben. Aber Apache Kid schaffte es. Er erreichte das jenseitige Ufer und lenkte das abgekämpfte Tier die Uferböschung hinauf, dort zog er das Tier herum und blickte auf seiner Fährte zurück. Ein heißer Wind wirbelte den Staub auf und trieb ihn vor sich her. Die Sonne stand im Südosten. In rauchiger Ferne erhoben sich die Gipfel und Grate der Santa Teresa Mountains.

Kid war sich im Klaren darüber, dass die Mörder seines Vaters nach Mexiko geflohen waren. Vor ihm lagen fast hundertfünfzig Meilen Wildnis. In irgendwelche Ansiedlungen durfte er sich nicht wagen. Apache Kid ging davon aus, dass ihm John Bullis einige Männer hinterher schickte. Vielleicht sogar Al Sieber, den alten Scout, zu dem Apache Kid Vertrauen gefasst hatte. Sieber kannte das Land wie seine Westentasche. Und er kam mit den Strapazen und Unbillen, die das Land bot, zurecht wie kein anderer.

In der Steinwüste hinterließ Kid keine Spuren. Aber Sieber würde wissen, dass Kid die Mörder in Mexiko suchen würde. Dort hatte sich Massai mit seinen abtrünnigen Kriegern verschanzt. Old Rip und seine Begleiter waren ins Reservat gekommen, um weitere Apachen zu überreden, San Carlos zu verlassen und nach Mexiko zu gehen. Toga-De-Chuz hatte ihnen widersprochen. Er hatte die jungen Krieger gemahnt, dem Ruf der Aufständischen nicht zu folgen. Darum musste er sterben.

Skorpione huschten unter Steine. In der Sonne lag eine Klapperschlange. Es ging durch Schluchten und über Anhöhen. Unverdrossen ritt Apache Kid. Bald tropfte von den Nüstern des Pferdes weißer Schaum. Das Fell des Tieres war klatschnass. Apache Kid lenkte es zwischen Felsen und saß ab. Hier gab es etwas Schatten. Das Pferd begann die jungen Triebe von dem Dornengestrüpp zu zupfen, das hier wucherte. Apache Kid stieg auf einen der Felsen und richtete den Blick nach Norden. Und dann sah er die Staubwolke, mehr Staub, als dass ihn nur der Wind aufgewirbelt haben konnte. Im asiatisch anmutenden Gesicht des jungen Indianers arbeitete es. Da kamen John Bullis' Leute, um ihn einzufangen. Sie hatten Gewehre und Revolver. Nachdem er das Reservat verlassen hatte, war er vogelfrei. Sein Pferd war ziemlich verausgabt. Wenn er es in diesem Tempo weitertrieb, würde es nach wenigen Meilen zusammenbrechen.

Der junge Apache überlegte. Dann ließ er sein Pferd einfach stehen und setzte seine Flucht zu Fuß fort. Das Gelände stieg an. Zwischen Felsen ging es immer weiter hinauf. Der Schweiß wurde Kid aus allen Poren gedrückt. Er rann ihm in die Augen und entzündete sie. Sein Lederhemd war auf dem Rücken und unter den Achseln dunkel vom Schweiß. Seine Lungen begannen zu pumpen. Schließlich hielt er an. Er lehnte sich gegen den rauen Fels und atmete tief durch. Hufschläge waren zu hören. Das Klirren und Krachen stieg zu ihm herauf und erschien ihm wie ein Vorbote von Untergang und Verderben. Mit geflohenen Apachen machte man oftmals kurzen Prozess.

Kid ging weiter und sah einen Felsspalt, in den er kroch. Ein Pferd wieherte hell und trompetend. Das Hufgetrappel brach ab. Wahrscheinlich waren die Verfolger auf sein Pferd gestoßen. Bei Kid regulierten sich Atmung und Herzschlag. Seine Hand legte sich um den Griff des Messers, das in der Schärpe steckte. Den Dolch hatte ihm sein Vater geschenkt …

Stimmen waren zu hören. Sie sickerten heran, verstummten, erklangen erneut und waren näher als vorhin. Ein Schatten fiel um einen Felsvorsprung. Apache Kid hielt den Atem an. Er lag unter dem Felsen, die Zähne in der Anspannung zusammengebissen, bereit, sich aus dem Spalt zu rollen und sich gegen seine Verfolger zur Wehr zu setzen. Der Mann, der den Schatten warf, erschien. Er hielt den Revolver in der Faust. Der Hahn war gespannt. Apache Kid kannte ihn vom Sehen. Es war einer von John Bullis' Angestellten. Ein zweiter Mann gesellte sich zu ihm.

»Gehen wir zurück«, sagte einer der Kerle. »Er ist sicher tiefer in das Felslabyrinth hineingelaufen. Ihn hier zu finden ist unmöglich. Wir werden wohl umkehren.«

Die beiden wandten sich ab und verschwanden. Apache Kid ließ verbrauchte Atemluft aus seinen Lungen. Die Anspannung seiner Nerven ließ nach. Doch er gab sich keinen Illusionen hin. Noch war er nicht in Sicherheit. Und er hatte kein Pferd mehr. Zu Fuß konnte er den Mördern seines Vaters nicht nach Mexiko folgen.

Einige Zeit verging, dann kamen wieder die Hufschläge auf. Die Geräusche wurden leiser und leiser und versanken schließlich in der Stille, die in der Bergwelt herrschte. Kid kroch unter dem Felsen hervor und witterte wie ein Wolf. Er misstraute den Weißen. Sie waren schlau und wussten, dass er sich in der Nähe befinden musste. Vielleicht waren nur einige von ihnen fortgeritten, um ihn in Sicherheit zu wiegen.

Apache Kid ging den Weg nicht zurück, den er gekommen war. Er stieg höher hinauf, gelangte auf ein Hochplateau und überquerte es. Auf der anderen Seite verschwand er zwischen den Felsen …

*

Es war Nacht. Kid war an einen Creek gelangt. Am Himmel funkelten Myriaden von Sternen. Der Mond stand im Süden und versilberte das Weideland, das es zu beiden Seiten des Creeks gab. Murmeln und Gurgeln erfüllte die Nacht, dazu kamen das leise Säuseln des Windes und das Zirpen der Heuschrecken. Kid war viele Meilen gelaufen. Er hatte die Santa Teresa Mountains durchquert. Er war zäh wie ein Wüstenwolf.

Kid ging am Ufer auf die Knie nieder und wusch sich Staub und Schweiß aus dem Gesicht. Die Sonne hatte seine Haut verbrannt. Er trank in kleinen Schlucken. Das Wasser belebte ihn. Er legte sich zwischen die Büsche und spürte den Hunger, der in seinen Eingeweiden nagte. Er musste versuchen, am Morgen etwas Essbares aufzutreiben. Er schlief ein. Als er wieder erwachte, war es noch dunkel. Kid war sofort hellwach. Der Mond hing jetzt im Westen. Wolkenschatten zogen über das Land. Kid folgte dem Fluss. Ein Kauz schrie gespenstisch. Der Schrei klang durch die Nacht und trieb über den einsamen Mann hinweg. Es war kühl. Kid fröstelte es. Das Wasser des Flusses sah im Licht der Sterne und des Mondes aus wie flüssige Bronze. Und dann begann sich die Nacht zu lichten. Die Sterne verblassten. Das Hungergefühl, das Kid beherrschte, war nagend. Schließlich schälten sich vor ihm die Gebäude einer Ranch aus dem Dunst. Kid hielt an. Er sah ein flaches Wohnhaus und drei Schuppen. Einer war etwas größer und diente wohl als Stall. In einem Corral lagen sechs Pferde.

Apache Kid schlich zwischen die Gebäude. Er bewegte sich so lautlos wie ein Schatten. Die Stalltür ließ sich öffnen. Sie knarrte leise in den Angeln. Es roch nach Kot und Tierausdünstung. Das Meckern einer Ziege erklang. Kids Augen passten sich den Lichtverhältnissen an. Plötzlich begann ein Huhn zu gackern. Kid zog sich zurück. Er verschwand wieder in der Dunkelheit und lief auf eine Anhöhe. Aus dem Schutz der Büsche, die hier wuchsen, beobachtete er die Ranch.

Als die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont zuckten, kam ein Mann aus dem Ranchhaus. Sein Oberkörper war nackt. Über seiner Schulter ging ein Handtuch. Er ging zum Fluss und wusch sich. Aus dem Kamin stieg Rauch. Der Mann ging ins Haus zurück. Wenig später erschien eine Frau. Sie verschwand im Stall und ließ die Hühner heraus. Dann holte sie aus der Scheune eine Schwinge voll Korn und fütterte damit das Federvieh. Wenig später trieb sie ein Dutzend Schafe und Ziegen aus dem Stall. Die Tiere begannen hinter dem Haus zu grasen. Die Ranchersfrau ging mit einem Eimer in den Stall, wahrscheinlich um die Kuh zu melken.

Der Mann kam in den Hof. Er war jetzt angezogen. Er holte Sattelzeug aus dem Stall und sattelte eines der Pferde aus dem Corral. Dann ritt er weg und verschwand zwischen den Hügeln. Die Frau kam mit dem Eimer aus dem Stall und trug ihn ins Haus. Schnell wurde es hell.

Im Schutz eines der Schuppen lief Kid zur Ranch. Von der Seite schlich er an das Haupthaus heran. Es war aus Felsbrocken und Baumstämmen errichtet. Alles mutete grau in grau an. Über den Hof wehten Staubspiralen. Es handelte sich um ein ärmliches Anwesen. Es gab keine Glasfenster, sondern nur Blendläden, die grob aus Brettern zusammengezimmert waren. Der Wind hatte Tumbleweds gegen die Wände der Schuppen getrieben und niemand hatte sie entfernt.

Kid drang in das Ranchhaus ein und befand sich in der Küche. Die Rancherfrau stand am Tisch und schnitt Fleisch in Streifen. Fliegen schwirrten um sie herum. Durch das kleine Fenster fiel nicht viel Licht und es war düster in dem Raum. Die Frau stieß einen erschreckten Aufschrei aus. Entsetzt starrte sie den Apachen an. Ihre Mundwinkel zuckten.

»Ich habe Hunger«, sagte Kid. Seine Stimme klang guttural. Gierig starrte er auf das Fleisch, das auf dem blank gescheuerten Tisch lag. »Brate mir Fleisch und gib mir Brot«, forderte Kid.

Die Frau schluckte. Sie musste zweimal ansetzen, ihre Stimmbänder wollten ihr nicht gehorchen, schließlich entrang es sich ihr: »Bist du alleine? Kommst du aus dem Reservat?«

»Ich bin Ski-Be-Nan-Ted«, erwiderte Apache Kid. »Mein Vater wurde ermordet. Ich verfolge die Mörder. In der Wildnis habe ich mein Pferd verloren. Ich werde mir eines von euren Pferden nehmen.«

»Mein Mann wird bald zurückkommen. Er wird dich erschießen, wenn er dich hier antrifft.«

»Ich werde ihn töten, wenn er kommt.«

Die Frau wurde bleich. Ihre Hände zitterten. In ihrem Gesicht zuckten die Muskeln. »Wir sind arme Leute, die nichts gegen die Apachen haben. Doch wenn du uns bestiehlst …«

»Brate mir Fleisch!«, gebot Apache Kid.

Die Frau bewegte sich. Sie legte Holz ins Feuer, dann nahm sie eine Pfanne, stellte sie auf den gemauerten Herd und schlug einige Löffel voll Schmalz hinein. Als das Schmalz zerlaufen war und zu brutzeln begann, legte sie einige Fleischstücke in die Pfanne. Dann schnitt sie Brot ab.

Bald aß Kid. Er stopfte gebratenes Fleisch und Brot in sich hinein. Fett rann ihm über das Kinn und tropfte auf seine Brust. Schließlich war er satt. Er wischte sich mit dem Handrücken die fettigen Lippen ab, rülpste laut und sagte: »Du bist eine gute Köchin. Ein Mann muss froh sein, eine Squaw wie dich zu haben. – Hast du eine Waffe im Haus?«

Die Frau schüttelte den Kopf. »Das Gewehr hat mein Mann mitgenommen.«

»Wohin ist dein Mann geritten?«

»Auf die Weide. Dort befinden sich auch unsere beiden Cowboys. Sie bränden Jungrinder.«

Kid ging hinaus. Er fand im Stall einen alten, zerschlissenen Sattel und ein Zaumzeug, dessen Riemen zum Teil gebrochen waren. Dann holte er einen Schecken aus dem Corral und legte ihm den Sattel auf, zog die Riemen fest und streifte dem Tier das Zaumzeug über den Kopf. Die Rancherfrau stand unter der Tür und beobachtete ihn. Kid kletterte aufs Pferd. Ohne noch ein Wort zu verlieren trieb er das Tier an.

Als er aus ihrem Blickfeld verschwunden war, geriet Leben in die Frau. Sie lief am Fluss entlang. Nach über einer halben Stunde erreichte sie das Weidecamp. Ein großes Feuer brannte. Rinder weideten. Muhen, Brüllen und Blöken erfüllte die Luft. Ihr Mann und die beiden Cowboys blickten ihr entgegen. Atemlos und mit gerötetem Gesicht kam die Frau bei ihnen an. Zwischen gepressten Atemzügen stieß sie hervor: »Ein Apache war auf der Ranch. Er hat ein Pferd und einen Sattel gestohlen und ist nach Süden geritten.«

Jesse Marshall, der Rancher, kniff die Augen zusammen. Staub und Schweiß hatten eine graue Schmutzschicht in seinem Gesicht gebildet. Seine Augen waren gerötet. »Der Kerl ist wahrscheinlich aus dem Reservat getürmt und auf dem Weg zu den anderen renitenten Wilden, die sich jenseits der Grenze verkrochen haben. Aber ich werde mir die verdammte Rothaut kaufen. – Ich bringe dich zur Ranch zurück, Mae. Komm, ich helfe dir aufs Pferd.«

Er nahm seinen Braunen am Kopfgeschirr und führte ihn zu der Frau. »Macht ihr beide weiter. Ich komme wieder, wenn ich die dreckige Rothaut in die Hölle geschickt und mein Eigentum zurückgeholt habe.«

Er half seiner Frau aufs Pferd, dann stieg er hinter ihr auf und setzte das Tier in Bewegung. Nachdem er seine Frau zur Ranch gebracht hatte, nahm er die Verfolgung auf. Sein Entschluss, sich sein Pferd zurückzuholen und den Viehdieb zu bestrafen, war unumstößlich.

Das Pferd, das Apache Kid ritt, hatte in dem kniehohen, staubigen Gras eine deutliche Spur hinterlassen. Je weiter sich Jesse Marshall vom Creek wegbewegte, desto karger wurde das Land. Südlich erhoben sich die Galiuro Mountains. Dort gab es nur Steine und Staub. Jesse Marshall hoffte, den Apachen bald einzuholen. Für eine lange Verfolgungsjagd war er nicht ausgerüstet. Manchmal kreuzten Rinderrudel seinen Weg. Dann fand der Rancher die Überreste eines Kalbes. Der Apache hatte sich die besten Fleischstücke herausgeschnitten. Marshall drehte sich der Magen um, als er daran dachte, dass der Indianer das Fleisch wahrscheinlich im rohen Zustand verspeisen würde.

Der Graswuchs hörte auf. Der Boden wurde sandig. Winzige Kristalle glitzerten im Sonnenlicht. Glimmerschiefer, den die Erosion im Laufe der Jahrtausende zersetzt hatte. Das Pferd stapfte dahin. Die Hitze setzte dem Mann und dem Tier zu. Die Sonne stand hoch im Zenit und verwandelte das Land in eine Gluthölle. Pferd und Reiter warfen einen kurzen Schatten.

Jesse Marshall gelangte zwischen die Felsen. Er ritt an einer Felswand entlang, an deren Basis sich heruntergestürzte Felsbrocken türmten. Plötzlich löste sich aus einer Spalte eine Gestalt. Jesse Marshal wurde vom Pferd gerissen. Er krachte auf den Boden und die Luft wurde ihm aus den Lungen gedrückt. Sein Pferd scheute und stieg auf die Hinterhand. Ein helles Wiehern erhob sich.

Der Rancher überwand seinen Schrecken und kam hoch. Apache Kid stürzte sich auf ihn. Marshall empfing ihn mit einem krachenden Faustschlag, der den Apachen zur Seite taumeln ließ. Dann sprang Jesse Marshall zu seinem Pferd und riss die Winchester aus dem Scabbard. Jetzt aber handelte Kid. Er flog regelrecht auf den Weißen zu, umklammerte ihn mit beiden Armen und riss ihn zu Boden. Das Gewehr entfiel Marshall. Ein trockener Laut stieg aus seiner Kehle. Sie rollten über den Boden. Apache Kid behielt die Oberhand. Er kniet über dem Weißen und riss den Tomahawk aus der Schärpe, zog auf und zischte: »Bist du der Mann, dessen Pferd ich genommen habe?«

Jesse Marshall wusste, dass sein Leben an einem seidenen Faden hing. Mit dieser Entwicklung hatte er nicht gerechnet. Er sah das unheilvolle Glimmen in den dunklen Augen des Apachen und las darin eine tödliche Prophezeiung. Mit belegter Stimme sagte er: »Es ist das Recht eines Mannes, sein Eigentum zurückzuholen.«

»Ich brauche das Pferd«, murmelte Apache Kid. »Und ich brauche dein Gewehr.« Mit dem letzten Wort schlug er zu. Aber er zerschmetterte nicht den Schädel seines Gegners, sondern schlug ihm das flache Blatt der Axt gegen den Kopf, sodass Jesse Marshall nur in Ohnmacht fiel. Der Körper des Ranchers erschlaffte. Kid erhob sich. Marshalls Pferd hatte sich beruhigt und stand mit geblähten Nüstern da, scharrte mit dem Huf und beobachtete misstrauisch den Indianer. Kid bückte sich nach dem Gewehr und ging damit zu dem Pferd, stieg auf und ritt an. Das Tier, das er auf der Ranch gestohlen hatte, stand ein ganzes Stück entfernt hinter einem Felsen. Kid nahm das Lasso, das am Sattel des Ranchers hing, und legte dem Schecken eine Longe an. Das Pferd im Schlepptau ritt er davon.

*

Kid stieß auf den San Pedro River und folgte ihm nach Süden. Um die wenigen Ortschaften, die am Fluss entstanden waren, machte er einen großen Bogen. Zwei Tage später befand er sich in der Nähe von Fort Huachuca. Einer Kavalleriepatrouille wich er aus. Es war Abend, als er die Grenze überschritt. Er befand sich mitten in der majestätischen Welt der Sierra Madre. Wie gigantische Grabsteine erhoben sich die Felsriesen. Die Schluchten muteten an wie riesige, steinerne Gräber. Die Massive schienen unüberwindlich zu sein. Schweigen herrschte in der steinernen Wildnis.

In dieser Ödnis hatten sich Massai und seine Getreuen verkrochen. Apache Kid hatte keine Ahnung, wo er suchen musste. Aber er ahnte, dass ihn Massais Späher früher oder später ausmachen würden. Bei Massai würde er auf die Mörder seines Vaters stoßen.

Vor Apache Kid öffnete sich eine Schlucht. Der Boden war mit Geröll übersät. Feiner Sand wurde über die Ränder der Felsen zu beiden Seiten geweht und das leise Prasseln, mit dem er auf den Schluchtgrund regnete, war zu hören.

Hier hatten nur Eidechsen und Skorpione eine Chance. Die Dunkelheit kam schnell. Kid lagerte. Die beiden Pferde band er an dorniges Gestrüpp. Außerdem band er ihnen die Vorderbeine zusammen, damit sie nur kleine Schritte machen und nicht fliehen konnte, sollte sie ein wildes Tier erschrecken. In der Felswildnis gab es Pumas und Wölfe.

Apache Kid aß das Fleisch des Kalbes, das er geschlachtet hatte. Es machte ihm nichts aus, das Fleisch roh zu verzehren. Er dachte auch nicht daran, dass es durch die Hitze vielleicht ungenießbar geworden war. Der Apache war wie ein Tier. Er konnte sein Leben selbst dort noch fristen, wo Schlangen und Eidechsen keine Chance mehr hatten.

In der Schlucht mutete die Finsternis fast stofflich und greifbar an. Die Pferde hatten sich niedergelegt. Apache Kid lag in die Decke des Ranchers gehüllt am Boden. Er wusste, dass er wahrscheinlich auch gegen Massai und die anderen Krieger kämpfen musste, wenn er versuchte, Old Rip und die anderen Mörder seines Vaters zur Rechenschaft zu ziehen. Und er gab sich keinen Illusionen hin. Vielleicht kam er um und seine Knochen würden in der Sonne bleichen. Aber den Tod fürchtete Apache Kid nicht. Er hatte für ihn, obwohl er erst fünfundzwanzig Sommer zählte, längst seinen Schrecken verloren.

Als der Tag anbrach, ritt der Apache weiter. Als er die Schlucht verließ und einen Geröllhang hinaufritt, erschienen oben drei Reiter. Sie zügelten ihre Pferde und starrten auf Apache Kid hinunter, der sein Tier ebenfalls in die Kandare nahm. Der Schecke, den er an der Longe führte, blieb von selbst stehen.

Es waren bärtige Kerle mit riesigen Hüten auf den Köpfen. Sie trugen helle Leinenanzüge, über der Brust des einen kreuzten sich zwei Patronengurte. Die Messingböden der Patronenhülsen funkelten matt in den Schlaufen. Die Verworfenheit stand den drei Reitern in die Gesichter geschrieben. Es waren mexikanische Bravados, Männer, die von der Polizei gejagt wurden und sich in der Felswüste verstecken mussten. Heruntergekommene Kerle, die raubten und töteten und von Zeit zu Zeit sogar über die Grenze ritten, um ihr blutiges Handwerk auch in den Staaten auszuüben.

»Diese verdammten Rothäute!«, knurrte einer. »Sie ziehen uns die Rurales und die Kavallerie auf den Hals. Erst Victorio, dann Geronimo und Nana, jetzt dieser verdammt Massai.«

»Schneiden wir dem Kerl die Kehle durch!«, grunzte der mit den vor der Brust gekreuzten Patronengurten. »He, Rothaut!«, rief er dann. »Wo willst du denn hin? Hast du dich vielleicht verlaufen?«

Die Kerle lachten. Es waren böse, giftige Laute, die aus ihren Kehlen stiegen. Sie waren sich ihrer Stärke und Überlegenheit sehr sicher.

Das Pferd unter Apache Kid stampfte auf der Stelle. Jetzt zog er das Tier herum, um umzukehren. Die drei Bravados zogen die Gewehre aus den Scabbard. Kid gab seinem Pferd die Fersen und stob den Abhang hinunter. Das andere Tier wurde mitgerissen. Die Banditen repetierten und feuerten hinter dem Apachen her. Apache Kid riss das Pferd nach links, und gleich darauf verschwand er um einen Felsen.

Die Bravados hämmerten ihren Pferden die Sporen in die Seiten. Die Tiere streckten sich und rannten die Hügelflanke hinunter, jagten um den Felsen herum – und hinein in Kids Feuer. Einer der Banditen wurde vom Pferd gerissen. Eines der Tiere stieg auf die Hinterhand und brach im nächsten Moment zusammen. Der Reiter wurde abgeworfen. Der dritte Bandit riss sein Pferd herum und sprengte den Weg zurück, den er gekommen war. Kid stieß das Gewehr in den Scabbard, sprang vom Pferd und zog sein Messer aus der Schärpe. Soeben wollte sich der Mexikaner erheben, dessen Pferd Kid erschossen hatte. Er sah Kid auf sich zukommen und griff nach dem Revolver. Aber da war Kid schon über ihm, rammte ihn mit der Schulter, warf sich auf ihn und stieß ihm das Messer bis zum Heft in die Brust. Der Bandit bäumte sich auf, ein gurgelnder Laut brach aus seiner Kehle, dann fiel er zurück und starb.

Der andere der Kerle röchelte. Kid kam hoch und beugte sich über ihn, griff ihm in die Haare und zog seinen Kopf in die Höhe. Die Lider des Burschen zuckten. Da hörte Kid ein Geräusch über sich. Er warf sich herum und stieß sich ab, flog zur Seite und hörte den Knall des Schusses. Ein Querschläger jaulte durchdringend. Kid lag am Boden und rollte auf den Rücken. Der dritte Bandit stand auf dem Felsen und zielte mit dem Revolver auf ihn. Die Distanz betrug keine fünfzehn Schritte. Kid warf sich herum. Dort, wo er eben noch gelegen hatte, pflügte die Kugel den Boden. Der Apache ließ das Messer fallen, riss den Tomahawk aus der Schärpe und warf ihn. Das Beil überschlug sich einige Male in der Luft, dann fuhr es in die Brust des Banditen. Dieser ließ den Revolver fallen, krümmte sich nach vorn und stürzte schließlich kopfüber von dem Felsen. Ein dumpfer Aufprall, dann herrschte Stille.

Kid erhob sich. Er rannte zu dem Bravado hin, dem er das Messer in die Brust gerammt hatte, und holte sich dessen Revolver. Das Eisen im Anschlag ging er zu dem Burschen hin, in dessen Brust sein Tomahawk steckte. Verkrümmt und reglos lag er am Boden. Kid drehte ihn auf den Rücken. In dem bärtigen Gesicht war die absolute Leere des Todes. Die Augen waren geöffnet und gebrochen. Mit der Linken zog Kid den Tomahawk aus der Brust des Toten, wischte das Blatt an dessen Jacke ab und schob die Waffe hinter die Schärpe.

Der Apache ging zu dem Banditen hin, den er verwundet hatte. »Paco wird dich töten«, röchelte der Bursche.

»Wer ist Paco?«

»Paco Morales«, stöhnte der Bravado. »Er – er kontrolliert dieses Gebiet. Ihm entgeht nichts.«

»Ich suche Massai«, erklärte Apache Kid.

»Der hat sich irgendwo weiter westlich verkrochen, in der Sierra del Pajarito. Du – du musst über den Rio de los Alisos. Aber du musst viele Meilen durch das Gebiet von Paco reiten. Alleine hast du keine Chance.«

Kid hielt die Mündung des Revolvers an die Stirn des Verwundeten und spannte den Hahn. Klickend bewegte sich die Trommel um eine Kammer weiter. Matt glänzten die Bleiköpfe der Kugeln in den Bohrungen. »Ich kann dich töten«, murmelte Apache Kid.

In den Augen des Bravados wob die Todesangst. Seine Nasenflügel bebten. Die Linien in seinem Gesicht schienen sich vertieft zu haben. Unter der braunen Haut war er krankhaft bleich.

Plötzlich ließ Kid die Faust mit der Waffe sinken. Er richtete sich auf, entspannte den Revolver und schob ihn hinter die Schärpe. Dann lief er um den Felsen herum, kam mit einem kraftvollen Satz in den Sattel seines Pferdes und bearbeitete die Seiten des Tieres mit den Fersen. Er galoppierte zwischen die Felsen.

*

Der Bravado erhob sich. Heißer Schmerz pulsierte von der Wunde in seiner rechten Brustseite bis unter seine Gehirnschale. Schwindelgefühl erfasste ihn und ihm wurde es schwarz vor den Augen. Dann gelang es ihm, diese Schwäche zu überwinden. Er presste die linke Hand auf die Wunde. Blut quoll zwischen seinen Fingern hervor.

Es war eine Überwindung und kostete all seinen Willen, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Seine Beine wollten ihn kaum tragen. Benommenheit brandete gegen sein Bewusstsein an. Ein verlöschender Laut stieg aus seiner Kehle. Er erreichte sein Pferd und lehnte sich gegen das Tier. Es schnaubte und spielte mit den Ohren. Der Geruch des Blutes machte das Tier nervös. »Por Dios«, krächzte der Bandit. »Bleib stehen.«

Er brach auf das linke Knie nieder. Sein Atem ging rasselnd. Eine Welle der Benommenheit schwemmte durch sein Bewusstsein und drohte ihn in die Tiefe zu reißen. Er nahm die Umgebung nur noch verschwommen wahr. Der Selbsterhaltungstrieb stellte sich ein und er drückte sich hoch. Er schwankte wie ein Schilfrohr im Wind und musste sich am Sattelhorn festhalten. Der Schwächeanfall ging vorüber. Es gelang ihm, in den Sattel zu klettern. Er sank vornüber. Mit beiden Armen umklammerte er den Hals des Pferdes. Das Tier trug ihn über windige Höhen und durch staubige Senken. Nach zwei Stunden etwa ritt der Bandit, der wie betäubt im Sattel saß und nur noch vom Unterbewusstsein dirigiert wurde, in eine Ebene, auf der sich eine verfallene Missionsstation erhob.

Es handelte sich um eine alte Kirche, die von einem Friedhof umgeben war. Die Grabhügel waren vom Wind verweht, die Grabsteine standen schief und waren bemoost. Rund um die Kirche waren die Ruinen der Häuser, die die Menschen, die einst diese Ortschaft bevölkerten, bewohnten. Es gab einen Brunnen mit einer gemauerten Einfassung.

Der Reiter erregte Aufmerksamkeit. Männer, Frauen und Kinder liefen auf den Platz vor der Kirche. Das Pferd hielt von selbst an. Der Bandit fiel von seinem Rücken. Männer und Frauen beugten sich über ihn. Jemand rief: »Das ist Esteban. Er ist verwundet. Esteban ist mit Josè und Manuelito weggeritten. Was ist geschehen?«

Ein hochgewachsener Mann mit pockennarbigem Gesicht und schulterlangen, schwarzen Haaren bahnte sich einen Weg durch die Schaulustigen. Er war mit einer schwarzen Hose und einer gleichfarbigen, kurzen Jacke bekleidet. Um seine schmalen Hüften lag ein breiter Patronengurt aus schwarzem Büffelleder, im Holster an seiner linken Seite steckte ein schwerer Coltrevolver. Ein dicker, schwarzer Schnurrbart verdeckte seine Oberlippe. Er kniete bei dem Verwundeten ab. Esteban röchelte und gurgelte. Mit fiebrigem Blick schaute er den Mann an. Seine Lippen formten tonlose Worte.

»Bringt mir Wasser!«, forderte der Pockennarbige.

Es dauerte ein wenig, dann reichte ihm jemand eine mit Filz umnähte Flasche. Er schraubte sie auf, schob seine Rechte flach unter Estebans Kopf, hob ihn etwas an, dann flößte er dem Verwundeten Wasser zwischen die trockenen, rissigen Lippen. Wasser rann über Estebans Kinn und seinen Hals. Sein Blick klärte sich ein wenig. Kaum verständlich sagte er: »Eine verdammte Rothaut. Sie reitet allein. Sucht Massai. Ich – ich habe sie nach Westen geschickt. Zum Rio de los Alisos.« Der Verwundete hüstelte. Speichel rann aus seinem Mundwinkel. »Der Indianer hat Josè und Manuelito umgebracht. Er – er hat gekämpft wie ein Puma.«

Die Augen des verwundeten Banditen wurden starr. Sie muteten an wie Glasstücke.

»Er ist tot«, murmelte Paco Morales und richtete sich. Er biss die Zähne zusammen, dass der Schmelz knirschte. Hart traten die Backenknochen in seinem Gesicht hervor. »Die verdammte Rothaut hat drei meiner besten Männer getötet. Holt die Pferde! Wir jagen diesen Bastard, bis ihm die Zunge zum Hals heraushängt.«

Eine Viertelstunde später wurden die Pferde herangeführt. Ein Dutzend Banditen sprangen in die Sättel. »Schnappen wir uns den elenden Indianer!«, blaffte Morales und drosch seinem Pferd brutal die scharfen Sternradsporen in die Seiten. In einer Wolke von Staub ritten die Bravados in eine Schlucht. Paco Morales war bereit, ein mörderisches Kesseltreiben auf Apache Kid zu veranstalten.

*

Die fünf Apachen lagerten an einem Fluss inmitten der Felswüste. Sie hatten die Pferde an Büsche gebunden. Ein Feuer wagten sie nicht anzumachen, weil sie befürchteten, damit mexikanische Banditen, die die Gegend unsicher machten, anzulocken. Auch berittene Polizei, Rurales, durchstreifte das Gebiet. Und ihnen in die Hände zu fallen war ebenso wenig erstrebenswert, wie die Aufmerksamkeit der Bandoleros zu erregen.

Zwischen den Felsen war es finster. Die Krieger hatten getrocknetes Fleisch gegessen und dazu Wasser getrunken. Einer von ihnen ließ seine Stimme erklingen: »Ob uns Ski-Be-Nan-Ted verfolgt?« Es war Scarfaced Charley, ein älterer Indianer mit narbigem Gesicht, der diese Frage stellte.

Old Rip antwortete: »Wenn er nicht vor dem ganzen Stamm als Feigling dastehen will, muss er uns folgen. Aber ich fürchte ihn nicht. Wenn er kommt, werde ich ihn töten.«

»Vielleicht war es ein Fehler, Toga-De-Chuz zu erschießen«, gab Sleeping Rabbit zu bedenken. Sein indianischer Name war Chavez. »Ski-Be-Nan-Ted wird unsere Spur aufnehmen und vielleicht die Soldaten zu Massais Lager führen. Das wäre nicht gut.«

»Chavez hat Recht«, pflichtete Toshawi bei.

»Wir sollten ihn abfangen«, murmelte Old Rip. »Es ist wohl wirklich nicht gut, wenn er das Lager findet.«

»Ich werde zurückbleiben und ihn töten, wenn er kommt«, erklärte Tanankia.

»Ein guter Entschluss«, sagte Old Rip.

Sie verbrachten die Nacht am Fluss und wachten abwechselnd. Einmal waren Hufschläge zu vernehmen, aber ansonsten verlief die Nacht ruhig. Als der Morgen graute, ritten Old Rip, Toshawi, Chavez und Scarfaced Charley weiter. Tanankia blieb zurück. Er zerrte sein Pferd hinter sich her auf einen Hügel. Der Aufstieg war steil und das Tier musste die Hinterbeine wie Säulen gegen das Zurückgleiten stemmen. Geröll rutschte in die Tiefe. Unterhalb des Kammes stellte der Apache sein Pferd ab und band es an. Oben, auf der Kuppe, im Schatten eines Gebüsches, postierte er sich. Er setzte sich im Schneidersitz auf den Boden und legte das Gewehr quer über seine Oberschenkel. So wartete er Stunde um Stunde. Die Sonne wanderte über ihren Zenit hinweg. Am späten Nachmittag gab der Krieger auf. Er stieg auf sein Pferd und ritt nach Westen. Dann kam die Nacht und er lagerte zwischen einigen haushohen Felsen.

Die Dunkelheit nahm zu. Plötzlich vernahm Tanankia das Pochen von Hufen. Er trieb von Norden heran und war nur undeutlich zu hören. Der Apache richtete seinen Oberkörper auf und lauschte angespannt. Er hatte sich nicht getäuscht. Geschmeidig erhob er sich und nahm das Gewehr. Es knackte metallisch, als er eine Patrone in die Kammer riegelte. Dann schlich er davon. Die Dunkelheit hüllte ihn ein. Er verursachte nicht das mindeste Geräusch. Das Stampfen wurde deutlicher. Und dann sah Tanankia den Reiterschemen. Er zog am Rand eines Buschgürtels entlang und verschwamm manchmal völlig mit dem Hintergrund. Ein zweites Pferd ging an der Longe. Tanankia konnte nicht erkennen, wer sich ihm näherte.

Plötzlich prustete eines der Pferde. Blitzartig verschwand der Reiter vom Rücken des Tieres. Es hatte die Witterung des Apachen aufgenommen und mit seinem lauten Schnauben den Reiter gewarnt.

Tanankia hatte noch immer keine Ahnung, mit wem er es zu tun hatte. Geduckt stand er neben einem Strauch, jeder seiner Sinne war aktiviert, seine Muskeln waren angespannt.

Die Pferde waren stehen geblieben. Tanankia zog sich zurück, erreichte seinen Lagerplatz und bezog bei einem Felsen Stellung. Die Anspannung brachte seine Nerven zum Schwingen. Schließlich erklangen wieder die Hufschläge. Sie entfernten sich und waren schließlich nicht mehr zu hören.

Tanankia wartete, bis der Morgen graute. Dann ritt er weiter. Er kam nicht weit, denn plötzlich trieb ein Reiter sein Pferd um einen Felsen herum, ein zweites Tier folgte. Er parierte. Es war Apache Kid.

Tanankia zerrte sein Pferd in den Stand. Unruhe flackerte in seinen Augen. Apache Kid hielt das Gewehr an der Hüfte im Anschlag, die Mündung wies auf Tanankias Brust. Der Zeigefinder des Apachen lag um den Abzug. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel. Es mutete an wie aus Eichenholz geschnitzt.

Die beiden Apachen starrten sich an. Dann ergriff Tanankia das Wort. Er rief: »Dein Vater war ein Verräter, Ski-Be-Nan-Ted. Er hat den Tod verdient.«

»Mein Vater wollte Frieden. Er hat gesehen, dass Krieg nicht gut ist. Unsere Leute wurden nach Florida gebracht, wo sie sterben wie die Fliegen. In San Carlos haben die Chiricahuas eine Chance.«

»Was ist das für ein Leben? John Bullis betrügt uns. Weiße dringen ins Reservat ein auf der Suche nach Gold oder Land. Bald wird man uns auch aus San Carlos vertreiben. Wir sind dem Untergang geweiht.«

»Es gibt Verträge. General Crook hat versprochen, dass sie eingehalten werden. Die Soldaten werden die Eindringlinge aus dem Reservat vertreiben. Ihr führt nicht Krieg, weil ihr fürchtet, dem Untergang geweiht zu sein. Euch treibt der Hass.«

»Du bist uns gefolgt, um deinen Vater zu rächen. Ich habe auf dich gewartet.«

»Ich werde dich töten, Tanankia, und dann hole ich mir die anderen Mörder meines Vaters.«

»Du machst dir damit auch Massai zum Feind.«

»Massai führt euch alle ins Verderben.«

»Du redest zuviel, Ski-Be-Nan-Ted!« Tanankia riss das Gewehr an die Schulter und feuerte. Aber Apache Kid war abgesprungen. Sein Pferd bekam die Kugel in den Kopf und brach zusammen wie vom Blitz getroffen. Jetzt sprang auch Tanankia von seinem Vierbeiner. Er warf sich zur Seite, als Kid schoss und die Kugel streifte seinen Oberarm. Er warf das Gewehr weg und riss das Messer aus dem Gürtel. Geduckt und im Zickzack rannte er auf Kid zu. Dieser erwartete seinen Gegner. Tanankias Messerarm zuckte hoch. Kid nahm das Gewehr in beide Hände, riss es in die Höhe und fing den Stoß ab. Dann wirbelte er das Gewehr herum und schlug den Kolben gegen Tanankias Kopf. Der Krieger taumelte zur Seite.

Jetzt ließ auch Kid das Gewehr fallen und zog das Messer aus der Schärpe. Geduckt wartete er, die Arme halb angehoben. Die Klinge des Dolches funkelte im Sonnenlicht.

Tanankia überwand seine Not und stürzte Kid entgegen. Seine Faust mit dem Messer zuckte auf Kid zu, dieser wich geschickt aus und griff Tanankia an. Er fintierte, Tanankia wich zurück, die beiden ließen sich gegenseitig nicht einen Moment aus den Augen und versuchten die Taktik des Gegners im Voraus zu berechnen. Sie begannen sich zu umkreisen. Ihre Gesichter waren in der Anspannung verkniffen. In den Mundwinkeln hatte sich ein entschlossen-brutaler Zug festgesetzt. In den Augen eines jeden war der kompromisslose Vernichtungswille zu lesen.

Tanankia atmete stoßweise. Er zeigte die Zähne. Das Aufblitzen in seinen Augen war wie ein Signal – und Kid wusste es zu deuten. Er glitt behände zur Seite, als der Angriff erfolgte, Tanankia taumelte an ihm vorbei, Kid wirbelte halb herum und rammte seinem Gegner die Klinge in die Seite. Sofort zog er das Messer wieder aus Tanankias Körper und sprang zurück.

Tanankia wankte, Ungläubigkeit prägte jeden Zug seines Gesichts, plötzlich brach er auf die Knie nieder, dann fiel er auf die Seite. Sein Blut spritzte auf den Boden und wurde von diesem gierig aufgesaugt. Ohne die Spur einer Gemütsregung starrte Apache Kid auf den Sterbenden hinunter. Tanankia schloss die Augen. Dann erschlaffte seine Gestalt.

Kid wandte sich ab und ging zu Tanankias Pferd, nahm es am Kopfgeschirr und führte es zu seinem toten Tier hin. Er nahm dem Pferd den primitiven Sattel ab und legte ihm den Sattel des toten Tieres auf. Dann verließ Kid diesen Platz. Er trieb sein Pferd hart an.

*

Brutal riss Paco Morales sein Pferd in den Stand. Die bremsenden Hufe des Tieres hinterließen tiefe Spuren im Sand. Staub wirbelte zwischen den Hufen. Die Horde verhielt am Rand einer steil abfallenden Felswand. Unten, auf dem Grund der Schlucht, stob ein Reiter mit einem Pferd im Schlepptau dahin. Hinter Morales hatten die Bravados ihre Pferde gezügelt. Eines der Tiere wieherte. Gebissketten klirrten.

Morales knirschte mit den Zähnen. »Ich krieg dich, verdammte Rothaut!« Er zog die Winchester aus dem Scabbard, repetierte und hob die Waffe an die Schulter. Nachdem er kurz gezielt hatte, peitschte der Schuss. Aufbrüllend antworteten die Echos in der Schlucht. Dann verhallte die Detonation mit geisterhaftem Geflüster.

Der Reiter in der Schlucht hatte sein Pferd zurückgerissen und war abgesprungen. Mit wenigen Sätzen erreichte er die Deckung eines Felsblocks. Sekundenlang war er verschwunden. Dann tauchte er wieder auf, kam mit einem kraftvollen Satz in den Sattel und peitschte das Pferd vorwärts. Wie fernes Donnergrollen stiegen die Hufschläge aus der Schlucht.

»Sucht einen Abstieg!«, schrie Morales wild und schlug seinem Pferd die Faust zwischen die Ohren. Das Tier stieg erschreckt auf die Hinterhand und drehte sich wie ein Kreisel. Die Vorderhufe vollführten einen Trommelwirbel in der Luft. Dann krachten sie auf den Boden und das Tier bockte hinten hoch. Der Mexikaner bändigte es mit stählerner Hand und presste dem Pferd mit den Oberschenkeln die Luft aus den Lungen. Das Tier stand schließlich mit zitternden Flanken und schnaubte mit geblähten Nüstern. »Ich will diesen Bastard, der meine Männer erschossen hat, endlich erwischen!«, grollte Paco Morales. »Ich will auf seinen Kadaver spucken!«

Zwei der Banditen stoben davon.

Unten verschwand Apache Kid um einen Knick der Schlucht.

Die Ungeduld zerfraß Paco Morales. Manchmal fluchte er. »Wir folgen Pedro und Gonzales!«, schrie er schließlich. Langsam ritt die Horde weiter. Nach einer ganzen Weile ertönte Hufgetrappel, und dann erschienen die beiden Bravados. Sie winkten. Morales trieb sein Pferd an.

»Wir haben einen Abstieg gefunden!«, rief einer der Banditen. Die beiden ritten voraus. Es war ein natürlicher Pfad, der in die Tiefe führte. Sie saßen ab. Die Pferde scheuten. Geröll polterte in die Tiefe. Es war ein halsbrecherischer Weg. Stellenweise war der Pfad so schmal, dass kaum ein Pferd hindurchpasste. Dann war auf einer Seite nur noch die steile Felswand, linker Hand ging es hundert Yards steil hinunter. Unten türmten sich Felsbrocken. Eines der Pferde weigerte sich, weiterzugehen. Der Reiter zerrte es am Zügel hinter sich her, das Tier stemmte sich dagegen. »Caramba!«, fluchte der Bandit und riss wild am Zügel. Plötzlich verlor das Tier den Halt. Es rutschte ein Stück den felsigen Pfad hinunter. Die Hufe schlugen Funken auf dem Gestein. Das Tier prallte gegen den Mann, der es führte. Dieser ruderte mit den Armen, aber es gab nichts, woran er sich klammern konnte. Und dann verlor er das Übergewicht und stürzte in die Tiefe, gefolgt von dem Pferd. Ein grässlicher Schrei stieg an den Felswänden in die Höhe, dann verschwanden der Bravado und das Pferd zwischen den Felsen.

Paco Morales knirschte mit den Zähnen. »Auch dafür wird der Bastard büßen!«

Der Rest der Bande kam gut unten an. Der Abstieg hatte fast eine Stunde gedauert. Niemand kümmerte sich um den Mann, der zerschmettert irgendwo auf dem Grund der Schlucht lag. Er blieb als Futter für die Geier und Kojoten zurück.

Die Horde stob durch die Schlucht. Schließlich endete die Schlucht. Die Banditen verhielten am Rande einer Ebene, die rundum von Felsen begrenzt wurde. Der Wind trieb Staubfahnen darüber hinweg. Sie wurde von einem Arroyo zerteilt. Einige Korkeichen fristeten ein kümmerliches Dasein. Von dem Apachen war nichts zu sehen.

»Pedro, Gonzales, Pepe!«, brüllte Morales. »Versucht, seine Spur aufzunehmen. Adelante!«

Die drei Banditen jagten auf ihren Pferden davon. Die anderen Bravados saßen ab, die meisten setzten sich auf den Boden und drehten sich Zigaretten. Morales nahm eine unruhige Wanderung auf. Immer wieder blieb er stehen und starrte über die Ebene. Seine Männer waren längst auf der anderen Seite verschwunden.

Er hatte keine Ahnung, dass Apache Kid auf sie wartete.

Der junge Krieger sah die drei Bravados kommen. Sie ritten hintereinander am Fuß eines Felsens entlang. Oben auf dem Felsen lauerte Apache Kid. Er ließ sie an sich vorbei. Dann schleuderte er einen Stein, der das Pferd des hinteren Reiters traf. Das Tier erschrak und brach zur Seite aus. Der Reiter hatte Mühe, sich im Sattel zu halten. Apache Kid stieß den Schrei des jagenden Pumas aus. Die Panik des Pferdes verstärkte sich. Es warf seinen Reiter ab und stob in wilder Karriere davon. Auch die Pferde der anderen beiden Banditen waren von dem Schrei in Panik versetzt worden. Sie gebärdeten sich wie wild. Einer der Banditen sprang ab. Sein Pferd raste davon. Er riss den Revolver heraus und schoss auf Kid, der aber wie ein Spuk verschwand. Der Knall schien zwischen den Felsen hin und her zu springen.

Dem dritten Banditen gelang es, sein Pferd unter Kontrolle zu bekommen. Er saß ab. »Wir versuchen den Hund zwischen uns zu kriegen!«, stieß er hervor. »Und dann gnade ihm Gott!«

Sie rannten auseinander.

Apache Kid pirschte zwischen den Felsen herum. Er durfte die Banditen nicht unterschätzen. Seine Sinne arbeiteten scharf und präzise. Er blieb stehen und lauschte. Hart schmiegte er seinen Körper

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