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Dezember-Mörder 2016: Fünf Krimis

Dezember-Mörder 2016: Fünf Krimis

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Dezember-Mörder 2016: Fünf Krimis

Länge:
513 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Juni 2019
ISBN:
9783739684338
Format:
Buch

Beschreibung

Krimis von Alfred Bekker, Wolf G. Rahn & A. F. Morland
 
Der Umfang dieses Buchs entspricht 425 Taschenbuchseiten.
 
Dieses Buch enthält folgende Geschichten:
Alfred Bekker: Mörder mit Hut
Wolf G. Rahn: Das Phantom von Manhattan
A. F. Morland: Mafia-Hyänen
Alfred Bekker: Satansjünger
Alfred Bekker: Die Bestie
 
Um bei der New Yorker Mafia ganz groß einzusteigen, plant der kaltblütige Verbrecher Tunga Curella, der nach drei Jahren wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist, eine Entführung. Eine Million Dollar Lösegeld soll dem Killer eine angemessene Position in der Ehrenwerten Gesellschaft sichern. Roberto Tardelli, Spezial-Agent des COUNTER CRIME, erhält einen Tipp: Opfer des Kidnappings soll der ehemals gefeierte Filmstar und Milliardär Rod Lincoln sein. Das soll der erfolgreiche Mafiajäger verhindern, zumal der alternde Schauspieler herzkrank ist und eine Entführung nicht überleben würde. Die Suche nach Curella ist gefährlich, denn dieser erhält Unterstützung von der Cosa Nostra ...
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Juni 2019
ISBN:
9783739684338
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Der Umfang dieses Buchs entspricht 425 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Geschichten:

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Wolf G. Rahn: Das Phantom von Manhattan

A. F. Morland: Mafia-Hyänen

Alfred Bekker: Satansjünger

Alfred Bekker: Die Bestie

Um bei der New Yorker Mafia ganz groß einzusteigen, plant der kaltblütige Verbrecher Tunga Curella, der nach drei Jahren wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist, eine Entführung. Eine Million Dollar Lösegeld soll dem Killer eine angemessene Position in der Ehrenwerten Gesellschaft sichern. Roberto Tardelli, Spezial-Agent des COUNTER CRIME, erhält einen Tipp: Opfer des Kidnappings soll der ehemals gefeierte Filmstar und Milliardär Rod Lincoln sein. Das soll der erfolgreiche Mafiajäger verhindern, zumal der alternde Schauspieler herzkrank ist und eine Entführung nicht überleben würde. Die Suche nach Curella ist gefährlich, denn dieser erhält Unterstützung von der Cosa Nostra ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

MÖRDER MIT HUT

von Alfred Bekker

1

Alle, die an jenem Abend um Geld spielten, gehörten zu denjenigen, die es sich leisten konnte, etwas aufs Spiel zu setzen, ohne dabei auf den Pfennig sehen zu müssen: Da war Gundelach, der Juwelier, ein Spieler aus Leidenschaft, der sich diese ruinöse Sucht seines gutgehenden Geschäftes wegen leisten konnte. Geiger war Bankdirektor und als solcher schon Berufs wegen mit einem gewissen Hang zum Geiz behaftet: Er spielte nie über sein Limit hinaus, selbst wenn er dafür von den anderen, allesamt weitaus vermögenderen Mitspielern belächelt wurde. Jochimsen, ein kühler, zurückhaltender Mann, war in derselben Branche wie Brandner tätig, besaß ebenfalls ein gutgehendes Unternehmen und es gehörte fast schon zum Ritual dieser Spielabende, dass er den Gastgeber drängte, seine Firma doch an ihn zu verkaufen und sich ins Privatleben zurückzuziehen. Natürlich lehnte Brandner dieses Ansinnen seines schärfsten Konkurrenten stets ab.

Wie wäre es, wenn Sie Ihre Firma als Einsatz stiften würden?, meinte Jochimsen nachdem er einige Fünfhunderter an seine Mitspieler hatte auszahlen müssen. Wenn es um einen lohnenden Einsatz ginge, könnte ich mich vielleicht auch besser auf das Spiel konzentrieren!

Brandner lächelte. Sie werden nie aufgeben, was?

Da haben Sie recht!, erklärte Jochimsen Irgendwann werde ich Ihre Firma kaufen, ob Sie nun wollen oder nicht!

Im weiteren Verlauf des Abends suchte das Pech vor allem den Juwelier Gundelach heim, der von Runde zu Runde verbissener versuchte, das Verlorene zurückzugewinnen.

Ich denke, Sie sollten jetzt Schluss machen!, meinte Geiger, der Bankdirektor. Gundelach rieb sich nervös die Stirn.

Es war allgemein bekannt, dass der Juwelier nicht nur innerhalb dieser Herrenrunde seiner Spielleidenschaft frönte, sondern auch regelmäßiger Gast verschiedener Spielsalons war.

Wollen Sie Kredit, Gundelach?, erkundigte sich Brandner. Ich bezahle Ihre Schulden und Sie unterschreiben mir einen Schuldschein. Zinslos, Sie verstehen?

Das ist großzügig. Sie sollten darauf eingehen, meinte Geiger, noch bevor der Betroffene selbst sich äußern konnte.

2

Es war schon nach Mitternacht, als die Spielrunde sich auflöste. Brandner wusste seine Frau bereits seit einigen Stunden schlafend im Bett, aber er selbst war noch nicht müde genug, um sich ebenfalls zur Ruhe zu begeben. Er ließ sich daher mit einem Buch in einen der schweren Sessel fallen.

Zu selben Zeit war jener Mann, der wenig später zu Brandners Mörder werden sollte, damit beschäftigt, das Küchenfenster mit Hilfe eines stabilen Schraubenziehers auszuhebeln.

Dann schlich er auf leisen Sohlen ins Wohnzimmer. Brandner drehte sich im Sessel herum. Der Eindringling trug einen auffallend breitkrempigen Schlapphut, der etwas albern wirkte und sein Gesicht im Schatten versinken ließ. Dennoch erkannte Brandner ihn. Aber er kam nicht mehr dazu, irgend etwas zu sagen, denn zwei Schüsse aus einer Pistole mit Schalldämpfer machten seinem Leben ein Ende. Später würde man feststellen, dass der Schuldschein, den Gundelach dem Hausherrn unterschrieben hatte, nicht mehr aufzufinden war.

3

Als wenige Tage später Brandner zu Grabe getragen wurde, gaben alle - bis auf Gundelach - die an jenem Abend zusammen gespielt hatten, dem so plötzlich zu Tode gekommenen das letzte Geleit. Gundelach war unterdessen vorläufig festgenommen worden, da er als Einziger ein offenkundiges Motiv zu haben schien und darüber hinaus der unter Zeugen ausgestellte Schuldschein verschwunden war.

Mein Beileid, sagte Geiger, der Bankdirektor, zu der wie versteinert dastehenden Witwe des Ermordeten.

Sie nickte nur und sagte: Ich hoffe, dass der Schuldige zur Rechenschaft gezogen werden wird!

Das wird er!, meinte Geiger zuversichtlich.

Frau Brandner lächelte zynisch. Die Polizei hat bereits den richtigen verhaftet. Bleibt nur zu hoffen, dass man es diesem Gundelach auch beweisen kann!

Geiger schüttelte den Kopf. Ich für meinen Teil kann es kaum glauben, dass Gundelach einen Mord begehen könnte...

4

Einige Tage später trafen sich Geiger und Jochimsen zufällig.

Haben Sie schon gehört, dass man Gundelach wieder freigelassen hat?, fragte Jochimsen.

Ach, was Sie nicht sagen! Das beruhigt mich aber. Ich konnte mir ohnehin nicht vorstellen, dass unser Freund Gundelach - auch wenn er in einer finanziell verzweifelten Situation war - deshalb zum kaltblütigen Mörder würde.

Jochimsen schüttelte den Kopf. Es ist nicht so, dass die Polizei von seiner Unschuld überzeugt ist. Vielmehr deuten nach wie vor alle Indizien - so spärlich sie auch sein mögen auf Gundelach. Aber man kann es ihm nicht beweisen.

Ach so ist das. Geiger zuckte die Achseln. Nun, jeder kann auch unschuldig in die Fänge der Justiz geraten.

5

Die mehr oder minder regelmäßigen Glücksspielabende bei Brandners fanden nun - nach dem Tod des Gastgebers - natürlich nicht mehr statt. Aber es dauerte nur wenige Wochen, da traf man erneut zusammen und zwar wieder auf einer Beerdigung. Es war Gundelach, der (mitsamt den beiden Bleikugeln im Rücken, die seinem Leben ein Ende gemacht hatten) zu Grabe getragen wurde. Jochimsen bemerkte mit Erstaunen, dass Frau Brandner bei dieser Bestattung zugegen war, und so dachte er sich, dass dies möglicherweise eine günstige Gelegenheit wäre, ihr den Kauf des Brandner'schen Unternehmens anzubieten. Ich würde Ihnen einen vorzüglichen Preis bieten, erklärte er der Witwe.

Sie nickte. Ja, ich bin einverstanden, sagte sie. Um ehrlich zu sein, Sie nähmen mir mit der Firma eine große Bürde ab, denn ich verstehe nichts von geschäftlichen Dingen.

Jochimsen lächelte zufrieden. Der Verkaufserlös, das kann ich Ihnen versichern, wird Ihnen für den Rest Ihres Lebens eine standesgemäße Existenz sichern.

Sie nickte leicht. Das ist ein großer Tag für mich.

Jochimsen runzelte die Stirn. Verzeihen Sie... Würden Sie mir das näher erklären?"

Sie sah ihn mit einem offenen Blick ein paar Sekunden lang an und antwortete dann: Es ist ein gutes Gefühl, den Mörder meines Mannes im Grab zu wissen!

Für die Polizei war Gundelach nicht der Mörder.

Ach! Hören Sie doch auf!, zischte sie ihm zu, gerade noch leise genug, so dass es sonst niemand mitbekam und die Zeremonie nicht gestört wurde. Diese Polizisten sind doch allesamt Stümper! Wie hätten sie diesen Mann sonst laufenlassen können? Erklären Sie mir den verschwundenen Schuldschein, von dem sowohl Sie, als auch Geiger übereinstimmend gesagt haben, dass er ausgestellt wurde! Nein, Gundelach ist für mich der Mörder meines Mannes, ganz gleich, was die zuständigen Beamten dazu sagen!

Haben Sie etwas mit Gundelachs Tod zu tun?, fragte Jochimsen zögernd. Erst schwieg sie.

Und wenn schon..., war dann die kühle Antwort.

Als die Zeremonie beendet war, verabschiedeten sie sich voneinander und Jochimsen setzte seinen großen, breitkrempigen Schlapphut auf. Irgendwie albern, dieser Hut, dachte Frau Brandner. Aber seit sie Jochimsen kannte, hatte er stets einen gewissen Hang zur Extravaganz gehabt.

ENDE

Das Phantom von Manhattan

von Wolf G. Rahn

Ein Serienmörder treibt in New York sein blutiges Unwesen. Von der Presse als „Phantom" bezeichnet, kündigt er den Opfern ihren Tod vorher an. Trotzdem gelingt es niemandem, sich vor dem Phantom-Mörder zu schützen. Die Polizei tappt im Dunkeln und vermutet, dass der Täter die Betroffenen wahllos aussucht. Die Familie eines Ermordeten beauftragt den erfolgreichen Privatdetektiv Bount Reiniger, den Killer zu finden. Zunächst glaubt Reiniger, dass es sich bei dem Täter in diesem Fall um ein Familienmitglied – einen Trittbrettfahrer – handelt. Doch dann erhält auch der clevere Detektiv eine Morddrohung per Telefon …

Die Hauptpersonen des Romans:

Kim Ruffer - Ihr Vater wurde ermordet, und Kim ist froh, dass Bount die Aufklärung dieses Falles übernommen hat ...

Carey Ruffer - Er hat ein Geheimnis, das er nicht einmal den Menschen anvertraut, die es gut mit ihm meinen ...

Mae Irving - Aus Liebe zu einem Mann rennt sie in ihr Verderben ...

Das Phantom - Ganz Manhattan zittert vor dem Killer, den keiner kennt und der seine Opfer zum Wahnsinn treibt ...

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen

1

Es war nicht zu leugnen, dass das Jahr seinen Zenit überschritten hatte. Draußen peitschte ein eisiger Wind die letzten Ahornblätter durch die Straßen. Die Männer hielten ihre Hüte fest, und die Frauen, je nach Freizügigkeit, ihre Röcke.

Gloster Deighton stand am Fenster und beobachtete eine langbeinige Blondine, die es in dieser Beziehung nicht so genau nahm. Reizvolle Perspektiven öffneten sich ihm, und er schmunzelte genießerisch.

Ein Seufzer entrang sich seiner Brust. Auch sein Leben hatte den Zenit inzwischen überschritten. Er war zweiundfünfzig. Kein beängstigendes Alter für einen aktiven Mann, der auch jetzt durchaus noch in der Lage war, so ein attraktives, lebenshungriges Mädchen nicht nur durch seine Briefmarkensammlung zu begeistern.

Trotzdem, es wurde Herbst! Auch bei ihm. Früher hätte ihn zum Beispiel nie gestört, dass die Fenster nicht ganz dicht waren und der beißenden Kälte ungehindert Einlass gewährten. Er hätte es nicht einmal zur Kenntnis genommen. Heute spürte er, dass sein Körper unwillig auf die feinen Nadelstiche reagierte. Er war empfindlicher geworden.

Aber gerade deshalb hatte er sich vorgenommen, seinen Herbst in vollen Zügen auszukosten. Er konnte es sich auch leisten. Getreu seinem Wahlspruch, dass jeder, der für sein Vergnügen länger als bis fünfzig arbeiten musste, selbst dran schuld sei, hatte er sich vor zwei Jahren zur Ruhe gesetzt. Im Moment war er damit beschäftigt, das Geld auszugeben, das er zuvor zusammengerafft hatte.

Es machte ihm Spaß. Es machte ihm sogar solchen Spaß, dass er sekundenlang überlegte, ob er hinaus gehen und der Blondine ein Angebot unterbreiten sollte, das beide Seiten zufriedenstellen würde. Doch das durfte er nicht wagen.

Nicht, dass er eine handgreifliche Reaktion befürchtet hätte. Ein Mädchen, das sich so bereitwillig und gekonnt darbot, war kaum zimperlich genug, einen Tausender als Beleidigung aufzufassen.

Aber da war jemand, der ihm den Spaß verderben wollte. Den Spaß an seinem Herbst, den er sich redlich verdient hatte. Redlich jedenfalls im Sinne, was er darunter verstand.

Gloster Deighton blickte der Langbeinigen gedankenverloren nach. Auch jetzt, die atemberaubenden Beine wieder züchtig bedeckt, bot sie noch einen aufregenden Anblick. Doch ausgerechnet um diese Zeit durfte er das Haus nicht verlassen. Vermutlich wartete der Halunke nur darauf. Vielleicht hatte er das Mädchen sogar als Köder für ihn vorgeschickt.

Der Mann trat vom Fenster zurück. Ihm wurde bewusst, dass man ihn trotz des Vorhangs unter Umständen von draußen sehen konnte.

Das war gefährlich. Lebensgefährlich!

Gloster Deighton atmete schwer. Er war nicht mehr ganz schlank. Wozu auch. Jeder Mann konnte es sich leisten, so dick zu sein wie seine Brieftasche. Auch dieser Spruch gehörte zu seiner Lebensphilosophie. Und außerdem war es erforderlich, immer ein bisschen klüger zu sein als die anderen.

Genau das hatte er vor. Er ließ sich nicht ins Bockshorn jagen. Wenn er den heutigen Tag überlebte, hatte das Phantom von Manhattan seinen Schrecken für ihn verloren.

Er zog einen zerknitterten Zettel aus der Jackentasche. Viel stand nicht darauf. Es war nur ein einziger Satz, aber der hatte es in sich:

„Morgen Vormittag bist du an der Reihe!"

Die Botschaft, die gestern anonym mit der täglichen Post eingetroffen war, war mehr als nur ein makabrer Scherz. Er, und ganz Manhattan wusste, dass vor ihm bereits verschiedene Leute ähnliche Mitteilungen erhalten hatten. Seines Wissens lebte von den Betroffenen keiner mehr.

Gloster Deighton wollte aber leben. Er dachte gar nicht daran, dem Phantom eine Chance zu geben. Er würde nicht nur heute Vormittag, sondern den ganzen Tag im Haus bleiben. Er würde auch die Haustür nicht öffnen. Nicht mal seinem besten Freund, und auch nicht der verführerischsten Frau, was ihm noch schwerer fiel.

„Du erwischst mich nicht, flüsterte er heiser, „wer auch immer du sein magst.

Er hatte Vorkehrungen getroffen. In seiner Tasche steckte eine flache Pistole. In jedem Raum des Hauses hatte er eine weitere Schusswaffe an leicht zugänglicher Stelle deponiert. Falls der Kerl versuchte, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen, sollte er sein blaues Wunder erleben. Klarer Fall von Notwehr. Die Polizei würde sogar erleichtert aufatmen, wenn ihr jemand die Arbeit abgenommen hatte, den geheimnisvollen Killer zur Strecke zu bringen.

Im Flur klapperte der Briefschlitz. Gleichzeitig rasselte das Telefon.

Gloster Deighton erschrak trotz aller gespielten Zuversicht. Wer mochte das sein? Er erwartete keinen Anruf. Sollte er überhaupt abheben?

Er lachte gequält auf. Warum nicht? Durchs Telefon hindurch war seines Wissens noch niemand erschossen worden. Vielleicht wurde diese Möglichkeit auch noch irgendwann erfunden, vorläufig aber erübrigten sich seine Befürchtungen.

Er hob den Hörer ab und meldete sich.

„Du lebst ja noch", hörte er eine spöttische Stimme sagen und erschrak.

„Wer … wer sind Sie?, fragte er keuchend. „Was wollen Sie von mir?

„Hast du meine Botschaft nicht erhalten?"

„Sie meinen den gestrigen Wisch?"

„Stimmt genau, Deighton. Den meine ich. Er hat dich erschreckt, nicht wahr?"

Gloster Deighton war alles andere als ruhig, obwohl er sich bemühte, diesen Anschein zu erwecken. Er zermarterte sein Gehirn, ob er diese Stimme kannte, aber bestimmt war sie verstellt, falls er dem Schuft überhaupt jemals begegnet war. Es handelt sich zweifellos um einen Verrückten. Die Polizei hatte zwischen seinen bisherigen Opfern keinerlei Zusammenhänge ermittelt.

„Derlei Fetzen wandern bei mir sofort in den Papierkorb", behauptete er und ärgerte sich, dass seine Stimme nicht den gewünschten festen Klang hatte.

Der andere lachte prompt. „Das nehme ich dir nicht ab, Deighton, erklärte er kichernd. „Wetten, dass du meine Mitteilung in den letzten Stunden mindestens hundertmal in die Hand genommen hast? Sie ist vermutlich schon ganz schweißnass. Du hast die Hosen voll. Warum würdest du dich sonst schon die ganze Zeit in deinem Schneckenhaus verkriechen, he?

„Ich bin Ihnen über meine Lebensgewohnheiten keine Rechenschaft schuldig." Deightons Stirn glühte. Er spürte die Schweißperlen darauf. Warum ließ der Kerl ihn nicht in Ruhe? Er hatte ihm doch nichts getan.

Wieder dieses aufreizende Gekicher. „Deine Lebensgewohnheiten interessieren mich einen Dreck, aber bei deinen Todesgewohnheiten will ich dir ein wenig behilflich sein. Noch ist der Vormittag ja nicht vorüber, nicht wahr? Ich kann mir also noch etwas einfallen lassen."

„Strengen Sie Ihr Gehirn nicht an, falls Sie überhaupt eins besitzen. An mich kommen Sie nicht ran. Mein Haus wird Tag und Nacht durch die Polizei überwacht. Sie haben keine Chance. Geben Sie auf!"

„Mach dich nicht lächerlich. Kein einziger Bulle steht vor deiner Bude. Das habe ich längst gecheckt. Jetzt ist es kurz nach zehn Uhr. Ich habe also noch fast zwei Stunden Zeit. Ich hoffe, dass dich diese zwei Stunden an den Rand des Wahnsinns bringen."

Gloster Deighton hüstelte trocken. Er fingerte sich eine Zigarette aus einer zerknautschten Packung und schob sie in den Mund. Er vergaß jedoch, sie anzuzünden.

„Was habe ich Ihnen denn getan, Mann?, wollte er wissen. „Warum wollen Sie mich unbedingt umbringen? Ich kenne Sie doch gar nicht.

„Grund genug, dass du mich endlich kennenlernst, Deighton. Versuche, dich vor mir zu schützen. Du schaffst es nicht. Irgendwann, irgendwo schlage ich zu."

Es läutete an der Haustür.

Gloster Deighton hätte vor Entsetzen fast geschrien. Seine Nerven waren weitaus strapazierter, als er zugeben wollte.

Das Phantom konnte es nicht sein. Es befand sich momentan in irgendeiner anonymen Telefonzelle. Vielleicht konnte es von dort sein Haus beobachten, aber es war ausgeschlossen, dass es zur gleichen Zeit bei ihm klingelte.

„Es hat geläutet, sagte er von oben herab. „Lassen Sie sich die Zeit nicht lang werden.

Der Unbekannte lachte hohl. „Oh, du bekommst Besuch. Dann will ich dich nicht aufhalten. Vielleicht ist es einer von deinen angeblichen Leibwächtern. Ich wünsche gute Unterhaltung. Trotzdem. Von mir hörst du auf alle Fälle noch."

Ein Knacken in der Leitung verriet, dass der Anrufer aufgelegt hatte.

Draußen läutete es stürmischer.

Gloster Deighton legte den Hörer zurück und überlegte fieberhaft.

Das Phantom hatte verdächtig schnell das Gespräch beendet. Es selbst konnte nicht an der Tür sein, aber vielleicht hatte es einen bezahlten Killer geschickt.

2

Der Mann rührte sich nicht. Er entsann sich, dass er am Telefon ziemlich laut gesprochen hatte. Der Besucher draußen hatte ihn vermutlich gehört.

Na, wenn schon! Sollte er doch versuchen, die Tür gewaltsam zu öffnen. Sie war zweimal verschlossen. Der Schlüssel steckte von innen, der Riegel war vorgeschoben, die Kette vorgelegt und die Alarmanlage eingeschaltet. Und wenn sich der Kerl trotzdem nicht abschrecken ließ, stand er, Gloster Deighton, bereit, ihn mit einer Kugel zu empfangen.

Es läutete zum dritten Mal. Diesmal lehnte sich der Bursche anscheinend gegen den Klingelknopf.

Deightons Hände waren feucht. Zum wiederholten Male überprüfte er das Magazin seiner Waffe und überzeugte sich, dass er sie entsichert hatte.

Ja, es war alles in Ordnung. Bessere Vorkehrungen konnte er nicht treffen.

Oder doch? Warum hatte er sich nicht tatsächlich an die Polizei gewandt? War seine ausgeprägte Abneigung gegen diese Institution der Grund gewesen?

Unsinn! Sie würden nicht kommen, um in seiner Vergangenheit zu wühlen und von jedem Dollar, den er verdient hatte, einen Herkunftsnachweis zu verlangen. Er war ein Bürger dieser Stadt wie jeder andere auch. Er hatte ein Recht darauf, beschützt zu werden.

Aber Versäumtes ließ sich nachholen. In ein paar Minuten konnte ein Streifenwagen hier sein. Er brauchte nur anzurufen.

Während er die Nummer wählte, brach das nervtötende Läuten an der Haustür ab. Sein Besucher hatte aufgegeben.

Gloster Deighton spähte aus dem Fenster. Er musste lachen, als er die kesse Emily erkannte. Vor der hätte er sich wirklich nicht zu fürchten brauchen. Emily war nicht hinter seinem Leben her, sondern nur hinter seinem Geld, und davon gab er ihr bereitwillig reichlich. Sie war ja mit Gegenleistungen auch nicht geizig.

Er leckte sich genießerisch über die Lippen. Eigentlich schade, dass er nicht geöffnet hatte. Wo hätte er besser während der folgenden Stunden die Bedrohung vergessen können als in Emilys weichen, zärtlichen Armen?

Sollte er sie zurückrufen? Nein, dazu hätte er das Fenster öffnen müssen, und dazu brachte ihn heute keine Macht der Welt. Nicht mal die Aussicht auf ein Schäferstündchen mit allen Raffinessen.

Er bekam seine Verbindung und verlangte den leitenden Beamten, der die Ermittlung zu den Phantom-Morden führte. Schon Sekunden später hatte er den Mann an der Strippe und hörte erfreut, dass unverzüglich ein erkleckliches Aufgebot zu ihm in Marsch gesetzt werden würde.

Er atmete auf, nachdem das kurze Gespräch beendet war. So, du verdammter Lump, dachte er mit bösem Lächeln. Jetzt werden dir gleich deine Felle davonschwimmen.

Er hatte mit dem Captain sicherheitshalber ein Klingelzeichen verabredet, damit er nicht ahnungslos seinem Mörder die Tür öffnete.

Gloster Deighton blickte auf die Uhr. Noch eindreiviertel Stunden. Jetzt endlich nahm er sich Zeit, seine Zigarette anzuzünden, aber sie wollte ihm nicht schmecken.

Er trat an die gut ausgestattete Bar und schenkte sich einen Bourbon ein. Er verzichtete auf Eis und Soda. Er brauchte den Platz für den Whisky.

Da er auch danach nicht ruhiger wurde, überlegte er, wie er die Zeit bis zum Eintreffen der Polizei totschlagen sollte. Wieder dachte er an Emily und an die langbeinige Blondine mit dem eigensinnigen Rock. Junge, Junge, nicht auszudenken, wenn sie jetzt beide hier wären.

Er trat nochmals ans Fenster, doch die Straße war frei.

Nachdenklich verließ er das Zimmer und schlich auf leisen Sohlen zur Haustür. Vielleicht lenkte ihn die Post ein wenig von seinem Problem ab. Wenn es sich auch hauptsächlich um Reklame handelte, wie er schon von weitem registrierte, so war das immer noch besser als eine Morddrohung.

Mit den Zeitungen und Briefen kehrte er ins Arbeitszimmer zurück.

Er ließ sich schwer atmend in dem Ledersessel hinter seinem Schreibtisch nieder und kontrollierte zunächst, ob sich wieder ein gelber Umschlag ohne Absender darunter befand. Das war nicht der Fall. Wozu auch? Heute hatte sich das Phantom ja telefonisch gemeldet.

Etwas Wichtiges war nicht dabei. Überwiegend Drucksachen, eine Sendung von seiner Bank und nur zwei private Briefe.

Einer war von seinem Sohn. Gloster Deighton verzog geringschätzig die Mundwinkel. Vermutlich brauchte Guy wieder mal Geld. Der Junge war lebensuntüchtig. Ihm fehlten die Ellbogen, mit denen man sich an die Futternäpfe vorarbeitete. Guy war zu sensibel und zu romantisch. Aber er besaß Stolz. Wenn er seinen Vater um Geld anging, musste es ihm schon ziemlich dreckig gehen.

Dieser Brief war nicht so wichtig. Seine Beziehung zu Guy war gestört, seit er dessen Unfähigkeit, sich durchzuboxen, erkannt hatte.

Der zweite Brief stammte von Cyril Crane, der fabelhaftesten Frau, die er in den letzten fünfzehn Jahren kennengelernt hatte. Cyril war nicht nur eine ideale, verständnisvolle Bettgenossin, sie verfügte auch über eine gehörige Portion Verstand, den sie mit einer geradezu perfekten Figur paarte. Dass sich Cyril nach fast zweijähriger Pause wieder bei ihm meldete, nahm er als gutes Omen. Sein Leben würde nicht heute enden. Es gab für ihn eine Zukunft, einen herrlichen, ausgefüllten Herbst. Warum nicht mit Cyril?

Erwartungsvoll riss er den Umschlag auf.

Als der grellweiße Blitz auf ihn zuraste, blickte er in die Hölle. Den stechenden Schmerz, der seine Brust durchdrang, spürte er nur für den Bruchteil einer Sekunde.

Eine unwiderstehliche Macht hob ihn hoch und schleuderte ihn über den Schreibtisch quer durchs ganze Zimmer. Er landete zwischen den Flaschen der Bar, die ihren Inhalt berstend über ihn ergossen.

Gloster Deighton war schon während der Explosion nicht mehr am Leben. Von seinem Körper blieb nicht viel, wie es ursprünglich gewesen war. Sein Blut vermengte sich mit Gin und Brandy.

Irgendwo in einer Ecke fanden die nur kurze Zeit später auf tauchenden Polizeibeamten seinen linken Unterarm, an dessen Handgelenk noch die goldene, mit beachtlichen Diamanten besetzte Armbanduhr hing.

Auch sie hatte ihr Leben ausgehaucht. Die beiden Zeiger standen genau auf halb elf. Das Phantom hatte Wort gehalten.

3

Bount Reiniger legte den Telefonhörer auf die Gabel. Sein Gesicht trug nicht die Merkmale blendender Laune. Als er seinen Freund Toby Rogers im Capital Crimes Department angerufen hatte, wollte er lediglich eine Auskunft über einen Klienten einholen, der ihm nach seiner Ansicht faustdicke Lügen aufgetischt hatte. Aber Toby hatte ihn gleich angefaucht, er solle ihn gefälligst mit diesem albernen Kram in Ruhe lassen. Er habe seine Zeit nicht gestohlen. Ob er noch nichts von dem Phantom von Manhattan gehört habe.

Zwar hatte sich der Leiter der Mordkommission im Laufe ihres Gesprächs wieder etwas beruhigt, trotzdem war er ausgesprochen brummig geblieben.

Bount zündete sich eine Pall Mall an und blies den würzigen Rauch zur Decke seines Büros. Natürlich wusste er, was es mit dem Phantom auf sich hatte, diesem geheimnisvollen Killer, der nun schon seit Wochen die Bevölkerung von Manhattan in Angst und Schrecken versetzte. Keiner war vor ihm sicher, denn er suchte sich seine Opfer scheinbar wahllos heraus. Er betrieb das Morden offenbar als eine Art Sport. Er brachte die Leute nicht nur um, er verhöhnte sie und die Polizei, indem er regelmäßig seine Untaten ankündigte und sogar den ungefähren Zeitpunkt festlegte.

Sechs dieser Fälle waren bereits bekannt geworden, wobei zweifellos auch noch mit einer Dunkelziffer gerechnet werden musste. Von dem siebenten Opfer war Toby Rogers in den heutigen Vormittagsstunden angerufen und um Schutz gebeten worden. Als seine Beamten an Ort und Stelle eintrafen, um sich auf die Lauer zu legen, fanden sie nur noch einen Trümmerhaufen vor. Inmitten dieses Chaos’ lag Gloster Deighton, dessen Ermordung avisiert worden war. Kein Wunder, dass der dicke Toby vor Wut fast unter der Decke schwebte.

Als Ursache war eine Briefbombe ermittelt worden. Die Spezialisten arbeiteten fieberhaft, um mögliche Spuren sicherzustellen, doch schon jetzt wurde als wahrscheinlich angenommen, dass man wieder keinen Schritt weiterkommen würde.

Es war tatsächlich wie verhext. Da lebte jemand in einer Acht-Millionen-Stadt und benutzte sein verbrecherisches Gehirn, um Menschen abzuschlachten. Es bereitete ihm ein sadistisches Vergnügen, seine Opfer bereits vorher leiden zu lassen und der ermittelnden Behörde auf der Nase herumzutanzen.

Die gewaltige Polizeimaschinerie hatte selbstverständlich alles versucht, um über die Opfer ein Motiv und dadurch den Täter zu ermitteln, doch der Computer, der mit sämtlichen verfügbaren Daten gefüttert worden war, streikte. Es waren keine Zusammenhänge ersichtlich. Keine geheimen Fäden, die die große Gruppe der Ermordeten gemäß aller Theorie verbinden mussten.

Bount interessierte sich schon lange für dieses Phantom, so wie er sich für alle aus dem Rahmen fallenden Verbrechen interessierte. Von Berufs wegen nahm er Anteil an Gerichtsverhandlungen und Urteilen, an Zeitungsberichten und Bemerkungen, die er bei allen .möglichen Gelegenheiten aufschnappte. Das war sein Job. Mit diesem Sammelsurium von Informationen war es ihm vielleicht möglich, seinen nächsten Fall zu lösen.

Das Phantom von Manhattan war nicht sein Fall. Den bearbeiteten die Männer um Toby Rogers, und er hatte keinerlei Anlass, ihnen ins Handwerk, das sie zweifellos verstanden, zu pfuschen. Dennoch fühlte auch er sich provoziert. Jeden neuen bekannt gewordenen Mord, der eindeutig auf das Konto des Phantoms ging, fasste er als Herausforderung auf. Doch er hütete sich, diese Herausforderung anzunehmen.

Nicht etwa aus Feigheit. Wenn es etwas gab, was man Bount Reiniger nicht nachsagen konnte, dann war es, dass er vor etwas Angst zeigte. Da er aber nicht nur ein ausgezeichneter Privatdetektiv war, sondern zum Glück auch ein ziemlich bekannter, hatte er über mangelnde Aufträge nicht zu klagen. Manche, die ihm zu unbedeutend erschienen, musste er sogar wegen Zeit- und Personalmangel ablehnen. Warum sollte er sich also um Dinge kümmern, die ihn nichts angingen. Er wurde nicht vom Staat bezahlt, sondern musste sich seine Dollars von privaten Klienten holen. Und June wollte schließlich auch bezahlt werden.

Die Blondine kam gerade ins Büro und musterte ihren Boss kritisch. Im Laufe der Zeit hatte sie ein unfehlbares Gespür für seine Stimmungen entwickelt. Bount brauchte gar nichts zu sagen, sie wusste fast immer, wie sie ihn anfassen musste.

„Spielt der gewaltige Captain mal wieder den Unnahbaren?", erkundigte sie sich lächelnd und legte ein paar Schriftstücke vor Bount hin, die sie gerade getippt hatte.

Der Detektiv grinste. „Das gibt sich schon wieder, meinte er versöhnlich. „Er hat’s ja nicht gerade leicht. Welchem Polizisten gefällt es schon, wenn er um Hilfe gebeten wird und nichts mehr tun kann, als den Leichenwagen zu bestellen.

June March studierte aufmerksam Bounts Gesicht. „Das Phantom?", fragte sie.

Bount nickte und erzählte ihr, was sich Stunden vorher bei einem gewissen Gloster Deighton zugetragen hatte.

„Bei dieser Bestie muss man schneller reagieren, sagte sie. „Toby hat eine einmalige Chance verpasst. Bount wehrte ab und verteidigte seinen Freund. „Der Tod kam mit der Post ins Haus. Wahrscheinlich steckte der Brief mit der Bombe bereits im Kasten, als Deighton die Polizei um Schutz bat."

„Sagtest du nicht, dass er kurz vorher einen Anruf von dem Mörder erhielt?"

„Stimmt, aber der sollte wohl nur zur Ablenkung dienen. Der Killer kann sich ausgezeichnet in die seelische Verfassung seiner Opfer hineindenken. Toby wird sich wohl noch manchen Zahn an ihm ausbeißen."

„Und du würdest ihm schrecklich gern beim Beißen helfen", vermutete June.

„Zugegeben, dieses Monster reizt mich, aber der Fall ist nicht mein Bier. Ich lasse die Finger davon, sonst erzürne ich Toby noch mehr. Er steht ohnehin kurz vor einem Tobsuchtsanfall."

Er unterschrieb die Schriftstücke, ohne sie zu prüfen. Auf June konnte er sich verlassen. Sie erledigte ihre Arbeit zuverlässig und gewissenhaft. Deshalb war er auch froh, dass sie sich noch nicht mit Heiratsabsichten trug. Er konnte sich gar nicht vorstellen, sie nicht mehr um sich zu haben.

June langte nach dem Telefonhörer, denn es hatte gesummt. Sie lauschte und wollte sich auf die ihr eigene aufreizende Art auf der Schreibtischkante niederlassen, aber diesmal wurde der Chef der Detektei gewünscht.

Sie hob die Schultern und gab den Hörer weiter. „Ein Mister Ruffer", flüsterte sie.

„Kennen wir den?", gab Bount genauso leise zurück.

„Nicht dass ich wüsste, Großer. Er tat sehr geheimnisvoll und wollte unbedingt den Maestro persönlich. Dabei halte ich doch jedem Vergleich mit dir stand."

Sie reckte sich, und die Fäden ihrer Blusenknöpfe wurden auf eine harte Zerreißprobe gestellt.

„Vielleicht nicht jedem, räumte Bount ein, „aber einigen augenfälligen ganz bestimmt. Er nahm den Hörer entgegen und meldete sich.

„Sind Sie es selbst, Mister Reiniger?", vergewisserte sich der Anrufer trotzdem.

„Sie können sich drauf verlassen. Mister ..."

„Ruffer. Mein Name ist Hank Ruffer. Entschuldigen Sie bitte mein Misstrauen, Mister Reiniger, aber es ist sehr wichtig für mich. Genau genommen, lebenswichtig. Ich soll nämlich ermordet werden."

Bount schluckte. Der Mann am Telefon war sehr aufgeregt. Was nur verständlich war, falls seine Behauptung zutraf.

„Jemand trachtet Ihnen nach dem Leben, Mister Ruffer? Wer ist es?"

Eine kleine Pause entstand. Bount vernahm heftiges Atmen. Dann war da wieder die atemlose, ein wenig überschnappende Stimme. „Woher soll ich das wissen, zum Teufel? Ich habe keine Feinde. Niemand hat einen Grund, mich umzubringen."

„Einen Grund, ein Motiv gibt es immer, meinte Bount Reiniger ernst. „Sogar auf den Papst wurde geschossen. Das hatte auch keiner für möglich gehalten. Sie wissen also nicht, dass man Sie töten will, Sie vermuten es lediglich.

„Ich weiß es, Mister Reiniger. Diesmal klang die Stimme ärgerlich. „Es wurde mir prophezeit.

Bount beschlich eine Ahnung. „Doch nicht etwa von dem Phantom, das seit Wochen von sich reden macht?"

„So ist es, japste der andere. „Sie müssen mir helfen, Mister Reiniger. Ich weiß sonst nicht, an wen ich mich wenden soll. Ihr Ruf ist ausgezeichnet. Zu Ihnen habe ich mehr Vertrauen als zu unserer Polizeimaschinerie, die viel zu träge arbeitet. Ich bitte Sie, helfen Sie mir, verhindern Sie meinen Tod.

Bount wechselte mit June, die mithörte, einen bedeutungsvollen Blick. Nun musste er sich also doch mit diesem merkwürdigen Fall befassen. Man sollte eben die Geister nicht rufen.

„Okay, Mister Ruffer, sagte er, „bleiben Sie ganz ruhig, und beantworten Sie mir einige Fragen. Wann und wodurch wurden Sie über Ihren bevorstehenden Tod informiert, und wann sollen Sie ermordet werden?

„Ich erhielt heute früh einen Anruf. Ein Kerl, dessen Stimme ich nicht erkannt habe, sagte mir spöttisch, dass meine Uhr abgelaufen sei. Ich wüsste schon, warum."

„Und? Wissen Sie es?"

„Keine Ahnung, Mister Reiniger. Wirklich nicht. Das Ganze ist mir ein Rätsel.

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