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American Pioneers - 9 Romane: Western Sammelband

American Pioneers - 9 Romane: Western Sammelband

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American Pioneers - 9 Romane: Western Sammelband

Länge:
1,482 Seiten
19 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 15, 2019
ISBN:
9783743823471
Format:
Buch

Beschreibung

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1400 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende acht Romane:

Larry Lash: Mann ohne Nerven
Alfred Bekker: Das Gesetz des Don Turner
Pete Hackett: ...dann gnade dir Gott!
Peter Dubina: Der Kriegspfad des Schwarzen Falken
Alfred Wallon: Alaska-Hölle
Hendrik M. Bekker: Die Akte Poe - Gesamtausgabe
Ursula Gerber: Höllenfahrt nach Gainesville
Thomas West: Pony-Express-Rider
Timothy Kid: Zum Sterben nach Montana
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 15, 2019
ISBN:
9783743823471
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

American Pioneers - 9 Romane - Alfred Bekker

München

American Pioneers: Neun Romane in einem Band

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1400 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende acht Romane:

Larry Lash: Mann ohne Nerven

Alfred Bekker: Das Gesetz des Don Turner

Pete Hackett: ...dann gnade dir Gott!

Peter Dubina: Der Kriegspfad des Schwarzen Falken

Alfred Wallon: Alaska-Hölle

Hendrik M. Bekker: Die Akte Poe - Gesamtausgabe

Ursula Gerber: Höllenfahrt nach Gainesville

Thomas West: Pony-Express-Rider

Timothy Kid: Zum Sterben nach Montana

Copyright

© by Authors

© dieser Ausgabe by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Mann ohne Nerven

Western von Larry Lash

Der Umfang dieses Buchs entspricht 153 Taschenbuchseiten.

Als Joe Sullivan seinen neuen Job in der Außenstation der Stagecoach-Nixon-Company antreten will, überfallen ihn die Apachen. Joe ist ihr Gefangener - und nicht er allein. Auch eine weiße Frau befindet sich in den Händen der Rothäute.

Der Mann ohne Nerven beweist seinen Mut in einem Zweikampf mit dem Häuptling und gewinnt dabei die Freiheit.

Doch schon lauern neue Gefahren, und diesmal sind es nicht die Apachen, die Joe daran hindern wollen, die Station im Wildbuschgebiet zu übernehmen.

Erst nach langer Zeit weiß er, wer der Bursche ist, der ihm immer wieder die Banditen auf den Hals hetzt.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© by Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1.

„Boss, der Neue ist da!"

Der Mann, der diese Worte sagte, stand an der schweren Eichenholztür und hielt die Messingklinke in der Hand. Das Zimmer, in das er hineinsah, war nüchtern eingerichtet. Es diente dem Boss der Stagecoach-Nixon-Company als Arbeitsraum. Hinter dem mächtigen Schreibtisch saß Allan Nixon. Er hatte seine besten Jahre hinter sich. Nixon war klein und breitschultrig, sein Haar grau. Das faltige Gesicht mit der schlaffen Haut und den unter Fettpolstern liegenden Augen verriet, dass Nixon die Freuden des Lebens bis zur Neige ausgekostet hatte. Er wirkte selbstzufrieden.

Seit Jahren leitete er die Stagecoach-Nixon-Company. Seine Teilhaber konnten sich keinen fähigeren Mann wünschen. Er verstand nicht nur viel vom Geschäft, sondern schien auch einen besonderen Riecher für Gefahren zu haben.

„Schicken Sie Mister Sullivan herein!", sagte Allan Nixon und blickte kurz von seinen Akten auf, die er vor sich auf dem Schreibtisch liegen hatte.

„All right, Boss", erwiderte der Mann an der Tür und verschwand.

Allan Nixon schien sich wieder in seine Arbeit zu vertiefen. In Wirklichkeit wartete er gespannt auf das Auftauchen des Neuen. Als dieser schließlich eintrat, blickte Nixon auf. Seine Augen weiteten sich, und er sagte: „Ich habe Sie mir nicht so jung vorgestellt. Wollen Sie tatsächlich die Stelle annehmen? Man hat Ihnen doch sicherlich gesagt, worum es sich handelt."

„Das hat man, Sir", antwortete der Mann und kam mit leisen Schritten näher. Unaufgefordert setzte er sich in den Besuchersessel und streckte die langen, etwas gekrümmten Reiterbeine weit von sich.

Allan Nixon sah einen hochgewachsenen, breitschultrigen jungen Mann vor sich, dessen sommersprossiges Gesicht in der Tat noch sehr jung wirkte. Die blauen Augen unter der rostroten Haartolle funkelten.

„Ich bin sechsundzwanzig Jahre alt, bin also nicht so jung, wie Sie annehmen."

„Das ist tatsächlich überraschend, bekannte Nixon. „Das hätte ich nicht geglaubt, Mister Sullivan. Sie haben einen weiten Ritt hinter sich?

„Ich bin im Sattel Zuhause, erwiderte Joe Sullivan. „Ihre Agenten haben mich angeworben, und jetzt bin ich hier, um den Job zu übernehmen.

„Das klingt ganz so, als würde Ihnen der neue Job besonders zusagen, meinte Nixon. „Man hat Ihnen doch wohl berichtet, dass einer Ihrer Vorgänger fluchtartig die Gegend verließ, nachdem man ihm ziemlich übel mitgespielt hat. Ein anderer kam von einem Ritt nicht wieder nach Hause. Dennoch scheinen Sie sorglos zu sein. Brauchen Sie einen Job, weil der Winter vor der Tür steht? Der Spott in Nixons Worten entging Joe Sullivans feinem Gehör nicht. Der große Boss schien daran zu zweifeln, dass er den richtigen Mann für seine Außenstation vor sich hatte.

Ja, Nixon war enttäuscht. Seine Agenten sollten für die Wildbuschstation einen besonders erfahrenen, mit allen Wassern gewaschenen Burschen anwerben. Nun erschien ein junger Mann, der noch nicht allzu viel Erfahrung gesammelt haben konnte.

Joe Sullivan stand lässig auf, wandte sich ab und wollte gehen, ohne auf Allan Nixons Fragen zu antworten. Nixon ahnte, dass sein Besucher keinen Wert mehr auf die Einstellung legte, und gerade das imponierte ihm mehr als eine lange Debatte.

„Bleiben Sie!"

Das war kein Befehl; es klang wie eine Bitte. Joe Sullivan hatte ein Gefühl für solche Unterschiede. Er setzte sich wieder genauso lässig wie zuvor. Unaufgefordert griff er in die auf dem Schreibtisch stehende Zigarrenkiste, klemmte sich eine Zigarre zwischen die Lippen und ließ sich von Nixon Feuer geben.

„Wenn ich schon für die Stagecoach-Linie meinen Kopf hinhalten soll, möchte ich auch das Gefühl haben, für eine gerechte Sache einzustehen, sagte Sullivan jetzt. „Sie haben einen besonderen Mann gesucht. Nun, ich halte mich für einen solchen. Ich bin zwar kein Held, doch ich bin ein wenig herumgekommen und habe mir den Wind um die Nase wehen lassen. Früher war ich oft mit meinem Vater unterwegs.

„Ich habe davon gehört. Ihr Vater trailte von Mexiko bis Kanada, durch Wüsten und über Gebirge, durch weite Prärien und Indianergebiete. Er hatte eine Handelslizenz. Es ist bekannt, dass er auch im Krieg mitten durch die Gebiete der Indianer ziehen konnte. Es gab viele Männer, die ihn für einen Indianerfreund hielten und nicht gut auf ihn zu sprechen waren."

„Mein Vater war ehrlich. Er war ein guter Geschäftsmann, der auch die Indianer als Menschen ansah, der sie nicht betrog und begaunerte. Vielleicht war es das, wodurch er sich von vielen anderen Händlern unterschied. Ich war stolz auf ihn."

„Man sagt, dass er tot ist."

„Das stimmt, erwiderte Joe Sullivan. „Er wurde von weißen Banditen erschossen, von sogenannten wilden Händlern, die verdorbene Nahrungsmittel, schlechten Whisky und die Krankheiten des weißen Mannes zu den Rothäuten brachten. Solche Kerle ermordeten meinen Vater. Joe Sullivans Stimme hatte einen bitteren Klang bekommen. Seine Gedanken glitten in die Vergangenheit. Nur er allein wusste, wie alles gewesen war. Er hatte viel Leid und Elend zu sehen bekommen und erlebt, wie schlimm man den Indianern mitspielte. Mit seinem Vater hatte er viele Stämme besucht. Er selbst war fast wie ein Indianer aufgewachsen. Das aber ging Allan Nixon nichts an. Er war nicht hier, um einem Fremden seine Lebensgeschichte zu erzählen. Er wollte einen Job haben. Joe Sullivan zog an der Zigarre und ließ blaue Rauchringe aufsteigen.

Allan Nixon beobachtete ihn hinter halbgesenkten Lidern.

„Ihr Vater war ein bekannter Mann - sehr schnell mit dem Eisen und als Scout unübertrefflich. Er leistete der Armee manchen wertvollen Dienst."

„Was er bis zu seinem Tode bereut hat, erwiderte Joe Sullivan, ohne mit der Wimper zu zucken. „Er stellte zu spät fest, dass sein Wissen den Indianern nur schadete, nicht aber den gewünschten Frieden brachte. Wollen Sie noch mehr wissen, Mister Nixon?

„Nein, das ist nicht nötig, wehrte Nixon ab. „Sie sind eingestellt, Sullivan. Zwei Tage brauchen Sie, um nach Hamilton zu kommen. Zwanzig Meilen südlich der Stadt liegt die Stagecoach-Station, die Sie übernehmen. Die Arbeit auf einer solchen Station ist nicht leicht.

„Ich weiß, ich werde alles selbst machen müssen: Pferdewechsel, Gepäck- und Passagierkontrolle, Fahrerüberwachung, Schmiedearbeiten und ..."

„Ja, das stimmt, es gibt eine Menge zu tun, gab Allan Nixon zu. „Sie haben jedoch Hilfe. Der Station ist ein kleines Restaurant angeschlossen. Die Passagiere nehmen dort ihre Mahlzeiten ein. Der Pächter ist gleichzeitig Ihr Gehilfe.

„Eine Frage, Sir: Dieser Pächter konnte sich dort oben in den Bergen halten?"

„Ja, antwortete Nixon. „Warum, weiß ich nicht. Die Stationsleiter vermochten das nicht, so dass die Station in den letzten drei Monaten praktisch ausfiel. Für unsere Gesellschaft bedeutet das Verspätungen und Verluste. Sie können sich selbst ausrechnen, dass die Leute ärgerlich werden, wenn es bei einem solchen Unternehmen nicht auf die Minute klappt.

„Was geht auf der Station vor?"

„Wir haben es nachzuprüfen versucht. Die Leute dort in den Bergen sind ziemlich wild. Wir nehmen an, dass jemand auf die Gesellschaft oder auf mich persönlich nicht gut zu sprechen ist. Finden Sie es heraus, Sullivan!"

„Haben Sie Feinde?"

„Wer hat die nicht? Ein Mann ohne Freunde und Feinde ist kein richtiger Mann. Ein erfolgreicher Mann hat eine Menge Freunde und noch mehr Feinde. Wenn mir persönlich jemand ans Leder wollte, könnte er das hier in der Hauptstadt bequemer haben. Ich komme - offen gesagt - einfach nicht dahinter, was gewisse Kerle damit bezwecken wollen, den Außenposten der Linie außer Gefecht zu setzen. Das scheint ihr einziges Ziel zu sein."

„Hatten Sie nicht einen starken Reitertrupp nach Hamilton geschickt?"

„Ja, das habe ich getan. Solange er dort war, ging alles seinen geregelten Gang, nichts regte und rührte sich. Ständig so viele Leute im Einsatz zu haben, wird der Gesellschaft auf die Dauer aber zu teuer. Ich habe Staatenreiter angefordert, doch das war vergebens. Die Truppe hat genug mit den aufständischen Apachen zu tun. Wenn schon Uniformierte auftauchen, dann sind es kleine Trupps, die an der mexikanischen Grenze entlang reiten und schnell wieder verschwinden. Meistens sind sie auf der Suche nach weißem oder rotem Gelichter. Kurz, auch vom Militär ist keine Hilfe zu erwarten. In Gottes eigenem Land muss man sich allein helfen, oder man kann einpacken."

„Waren Sie selbst einmal auf Ihrer Außenstation, Mister Nixon?"

„Das war ich. Es ist eine raue, einsame Gegend. Die Stadt Hamilton liegt etwa zwanzig Meilen von der Station entfernt. Dort geht es etwas lebhafter zu. - Unsere Linie reicht bis Kalifornien, und sie führt hier durch Arizona, durch New Mexico und Texas bis nach Louisiana. Das scheint der tiefere Grund für die Schwierigkeiten zu sein. Wir erschließen das Land. Wir haben die Ponyreiter abgelöst und erobern den Westen - Zug um Zug. Uns geht es um die Einhaltung des Fahrplanes. Wir haben Pflichten zu erfüllen. Auf uns schauen die Menschen in den großen Städten des Ostens. Ohne uns wäre der Kontinent noch lange nicht so erschlossen, wie er es jetzt ist. Wer für die Stagecoach-Nixon-Company arbeiten darf, kann stolz darauf sein!"

„Sind Sie selbst es, Mr. Nixon?"

„Und ob, Sullivan!, erwiderte Nixon. Sein müder Blick belebte sich. „Ein Mann muss etwas haben, wofür er kämpft, das ihm wertvoll genug ist, um sein Leben dafür einzusetzen. Der Mensch muss eine Idee verkörpern, er muss ein Ziel vor Augen haben. Nur so wird das Leben sinnvoll.

„Ist es Ihre Absicht, die Stagecoach-Linie für immer zu erhalten, Mr. Nixon?"

„Eine lohnende Aufgabe. Nixon lächelte. „Leider hat die Sache einen Haken. Was immer man auch beginnt und für zukunftsträchtig hält, eines Tages wird es durch etwas Besseres abgelöst. Der menschliche Erfindungsgeist kennt keine Ruhe, und das bringt laufend Veränderungen mit sich. Zuerst kamen die Pioniere, die Busch- und Waldläufer ins Land. Ihnen folgten die Planwagen, und dann kamen die Ponyreiter, die die ersten Verbindungen herstellten. Jetzt sind wir dran, und nach uns wird es sicherlich etwas anderes geben. In wenigen Jahren wird alles anders aussehen. Die Schusswaffen werden laufend verbessert. Zündhütchen und Pulverbeutel gibt es schon lange nicht mehr. Ich weiß noch, wie jede Schussladung gestampft werden musste. Ich … Allan Nixon brach ab und lachte vor sich hin. „Sie reiten in eine harte Sache hinein, Sullivan, fuhr er dann unvermittelt fort. „Noch können Sie umkehren, und unsere Unterredung wird von mir vergessen.

„Sie werden sich mit meinem Hiersein abfinden, Mr. Nixon", sagte Joe Sullivan und legte den Zigarrenstummel in den Aschenbecher.

„All right! Reisen Sie mit der Stagecoach?"

„Ich habe ein gutes Pferd."

„In Ordnung. Lassen Sie sich Ihren Ausweis ausstellen und die Urkunden und Papiere aushändigen! Allan Nixon beugte sich über seinen Schreibtisch und füllte eine Anweisung aus. „Diese Summe lassen Sie sich auszahlen, sagte er und überreichte Joe das Papier. „Ich habe Ihnen Ihr Gehalt für vier Monate im Voraus bewilligt. Sie werden kaum etwas davon ausgeben können. Hamilton ist zwanzig Meilen von der Station entfernt, und Kost und Logis sind für Sie frei."

Joe Sullivan stand auf, verabschiedete sich und verließ den Raum. Vor dem Haus blieb er einen Moment stehen. Ein wolkenverhangener Herbsthimmel spannte sich über der Stadt. Joe atmete befreit auf und ging langsam an den Werkschuppen vorbei, in denen man neue Stagecoaches baute und alte reparierte. Er dachte an das Mädchen, das ihm Geld und Papiere ausgehändigt und ihn dabei angesehen hatte, als wäre er ein Mann, den man schon jetzt aufgeben müsste.

Als Joe sich umwandte und zum Verwaltungsgebäude zurückblickte, sah er das Mädchen und Allan Nixon am Fenster stehen. Beide schauten rasch in eine andere Richtung.

„Wieder einer, der glaubt, mit allen Schwierigkeiten fertigwerden zu können. Wir werden sehen, wie lange er durchhält und bei unserer Gesellschaft bleibt. Wetten wir, meine Liebe, dass er nach einer Woche aufgibt?", knurrte Nixon.

„Die Wette gilt!, sagte das schwarzhaarige Mädchen. „Ich setze meinen Monatslohn, dass er länger als eine Woche bleibt.

„Ich setze den dreifachen Betrag dagegen, erwiderte Allan Nixon grinsend. „Kommen Sie, Miss, ich habe Ihnen einen langen Brief zu diktieren. Machen wir uns an die Arbeit. Der junge Mann scheint Ihnen leidzutun.

„Er ist ein netter Bursche, bekannte sie offen. „Jetzt geht er geradewegs zum Mietstall, um sein Pferd zu holen. Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Ich glaube, Sie haben diesmal einen guten Mann eingestellt.

„Vielleicht - vielleicht! Junge Leute glauben immer, dass sie die Welt erobern können."

„Sir, dieser Sullivan scheint genau zu wissen, was er sich zutrauen kann. Trotzdem tut er mir leid. Ein Mann allein kann es nicht schaffen. Sie sollten ihm noch ein Dutzend Helfer mit auf den Weg geben."

„Die Kosten wären zu hoch. Das kann sich die Gesellschaft nicht leisten."

Joe Sullivan hatte inzwischen den Mietstall erreicht. Der Mietstallbesitzer kam heran.

„Wollen Sie in der Stadt bleiben? Verkaufen Sie Ihren Wallach? Ich habe jemanden, der ihn sofort kaufen möchte. Es ist eine Lady, die lieber nach Hamilton reiten, als mit der Stagecoach fahren würde. Sie ist drinnen im Mietstall an der Box Ihres Pferdes. Wenn Sie klug sind, können Sie jetzt ein gutes Geschäft machen. Genine Crondite ist die Tochter eines der reichsten Männer aus den Bergen. Haben Sie schon von ihr gehört?"

„Ich hörte, dass sie sehr schön sein soll."

„Das stimmt! Der Mietstallbesitzer grinste Joe freundlich an. „Kommen Sie, lassen wir die Lady nicht warten!

Das Mädchen stand vor der Box, in der Joes Rehbrauner untergebracht war. Joe begriff, weshalb man Genine Crondite die Schönste im ganzen Land nannte. Im Zwielicht des Stalles sah er sich einer hochgewachsenen, schlanken Frau gegenüber, deren rotes Samtkleid ihren Körper wie eine zweite Haut umschloss. Braunrotes Haar fiel auf Nacken und Schultern, und Joe blickte in große, grüne Augen.

„Madam, Sie haben den Besitzer des Wallachs vor sich, murmelte der Mietstallbesitzer höflich. „Wenden Sie sich an ihn! Vielleicht verkauft Ihnen Mister Sullivan sein Pferd.

„Ich kann jeden Preis zahlen, sagte Genine Crondite von oben herab. „Ich kaufe das Pferd. Nennen Sie einen Preis, ganz gleich wie hoch. Mir gefällt das Tier, ich will es haben.

„In dieser Beziehung werden Sie Ihren Willen nicht bekommen. Joe Sullivan lächelte spöttisch. „Tut mir leid, dass ...

„Wie hoch ist der Preis?", schnitt sie Joe das Wort ab und trat näher. Ihre Augen richteten sich fest auf ihn. Joe spürte, dass dieser verwöhnten Frau bisher kein Wunsch abgeschlagen worden war, dass sie auch jetzt glaubte, leicht ans Ziel zu kommen.

Mancher Mann wäre bei ihrem Anblick schwach geworden und hätte es sich zur Ehre angerechnet, ihre Wünsche erfüllen zu können. Doch Joe gehörte nicht zu dieser Sorte.

„Es hat keinen Zweck, mich umstimmen zu wollen, Madam. Ich möchte Sie weder kränken, noch beleidigen. Der Wallach ist ein Geschenk Cochises, des Chiricahua Apachenhäuptlings, und aus diesem Grunde unverkäuflich. Sie müssen sich nach einem anderen Pferd umsehen. Es gibt hier im Mietstall eine Menge guter Tiere. Sie werden schon das richtige finden." Joe Sullivan nickte ihr zu und ging zu der Box seines Wallachs. Der Rehbraune schnaubte und rieb seinen Kopf an Joes Ärmel.

„Sie haben sich das beste Geschäft Ihres Lebens entgehen lassen, wandte sich der Mietstallbesitzer an ihn. „Wissen Sie, dass es genügend Männer gibt, die Miss Crondite jeden Wunsch erfüllen würden?

Genine Crondite hörte diese Worte nicht mehr. Sie hatte sich abgewandt und betrachtete die anderen Pferde.

„Ich gehöre nicht zu den Männern, die beim Anblick einer schönen Frau den Verstand verlieren und sich lächerlich machen, erwiderte Joe. „Was habe ich für die Unterbringung und für das Futter zu zahlen?

Der Mietstallbesitzer nannte den Preis. Joe reichte ihm das Geld und machte sich daran, sein Pferd aufzusatteln und aufzuzäumen. Der Mietstallbesitzer verließ ihn, um mit der Lady handelseinig zu werden.

„Genine Crondite, murmelte Joe. „Ein eigenwilliges Geschöpf und sehr stolz. Es ist gut, dass ich ihr wohl nie wieder begegne. Wer weiß, wo sie in Hamilton wohnt und wann sie aufbrechen will. Eine Frau kann doch nicht allein tagelang durch die wilde Gegend reiten. Sie hat sicherlich Begleiter und möchte zeigen, wie mutig sie ist. Die verwohnten, reichen Ladies haben immer ziemlich verrückte Einfälle. - Aber was geht das mich an?

Joe führte sein Pferd ins Freie, zog sich in den Sattel und ritt zu seinem Quartier, in dem er seinen Packen zurückgelassen hatte. Das Quartier war ein ärmliches Hotel am Stadtrand. Es war so verwahrlost, dass manch einer vorzog, im Freien zu nächtigen.

Joe Sullivan stieg ab und band sein Pferd am Holm fest. Dann ging er auf das Hotel zu. Als er die Tür öffnete und in die Halle trat, fielen ihm sofort zwei schwerbewaffnete Kerle auf, die am Schreibpult standen und sich durch Blicke verständigten. Joe war erfahren genug, um zu wissen, dass sie nicht zufällig dort standen, sondern auf ihn gewartet hatten.

„Bleiben Sie stehen!, forderte ihn der größere mit rauher Stimme auf. „Keinen Schritt weiter, Sullivan!

Joe kam der Aufforderung sofort nach. Er wusste nur zu gut, was er von Burschen dieser Sorte zu halten hatte. Die beiden drohten nicht, sie würden sofort handeln, das verrieten ihre eiskalten Augen. Joe wunderte sich, dass sie seinen Namen wussten.

„Um was geht es, Gents?", fragte er.

Der zweite Kerl grinste und sagte laut: „Sie haben einen Job angenommen. Wir wissen, dass Sie einen Vertrag in der Tasche haben. Treten Sie den Job nicht an, Sullivan! Reiten Sie, wohin Sie wollen, nur nicht zur Wildbuschstation. Es könnte sein, dass Sie dort nicht ankämen."

„Wer hätte ein Interesse daran, es zu verhindern?", fragte Joe.

„Wir könnten es jetzt und auf der Stelle verhindern, sagte der kleinere der Männer. „Außer uns ist niemand im Hause. Wir könnten Sie zusammenschießen und uns dann davonmachen, dabei brauchten wir uns nicht einmal zu beeilen. Dass wir Rücksicht nehmen, liegt daran, dass unser Boss Ihrem verstorbenen Vater verpflichtet ist. Er will Sie schonen. Fragen Sie nicht nach seinem Namen, Sie würden es vergeblich tun.

„Also hat er etwas gegen den Stagecoach-Boss? Was hat er gegen Allan Nixon?"

„Gegen Nixon und die Stagecoach-Linie hat er nichts. Er hat nur etwas dagegen, dass die Außenstation besetzt wird. Nixon ist ein Dickkopf, dass er das nicht begreift. Er hätte seine Station abbrechen und woanders neu aufbauen können, aber nein, er ist der Meinung, dass sie an die Stelle, an der sie jetzt steht, gehört. Gehen Sie zu Nixon und sagen Sie ihm, dass er im Wildbuschgebiet nichts zu suchen hat!"

„Warum sagen Sie ihm das nicht selbst?", fragte Joe Sullivan.

„Nixon ist gewarnt, aber er will wohl feststellen, ob er immer wieder einen Dummen findet, der sich für ihn opfert. Ihren Vorgängern erging es übel. Nixon weiß das. Er scheint aber sturer zu sein, als unser Boss annimmt. Darum beherzigen Sie unsere Warnung!"

Die beiden Kerle starrten Joe nochmals drohend an. Dann verließen sie die Halle durch eine Nebentür. Im ersten Moment wollte Joe ihnen nach. Dann warnte ihn sein Gefühl, und er blieb stehen. Eine Tür schlug zu, und Joe war allein.

Nein, er dachte nicht daran, zu Nixon zurückzukehren, um ihm über die Begegnung zu berichten. Er ging zu seinem Zimmer, wo sein Packen noch unberührt an der Stelle lag, an die er ihn gelegt hatte. Er nahm ihn an sich und verließ das Haus. Niemand war zu sehen, der ihn gehindert hätte, seinen Packen hinter den Sattel zu schnallen. Passanten gingen vorüber, aber sie kümmerten sich nicht um ihn. Einige Reiter ritten an ihm vorbei, doch auch sie schienen ihre eigenen Sorgen zu haben.

Aufatmend schwang sich Joe Sullivan auf sein Pferd, das sich sofort in Bewegung setzte.

Schon bald lag die Hauptstadt hinter ihm. Mehrere Male drehte er sich im Sattel um. Ihm folgte niemand. Es war, als hätte es die Begegnung mit den beiden Kerlen nicht gegeben, als sei alles nur ein Spuk. Immer wieder fragte sich Joe, was es im Wildbuschgebiet - zwanzig Meilen von Hamilton entfernt - so Besonderes gab, dass eine harmlose Pferdewechsel- und Raststation jemandem im Wege war.

„Nachher schaue ich mir erst mal die Karte genauer an", murmelte er.

Die Gesellschaft hatte ihm mit den Papieren auch eine Karte übergeben, in der die Fahrtroute der Stagecoach mit den einzelnen Pferdewechselstationen genau eingezeichnet war.

Der Abend dämmerte, als die sechsspännige Coach Joe überholte und der Fahrer ihm vom Bock aus zuwinkte. Joe erinnerte sich, den Fahrer gesehen zu haben, bevor er Nixons Büro betrat. Er winkte zurück, und der Fahrer ließ die Peitsche knallen. Die Coach verschwand in einer Staubwolke. Auf einer Anhöhe tauchte sie wieder auf. Erst jetzt wurde Joe bewusst, dass nicht ein einziger Passagier in der Coach saß. Wie ein Lauffeuer würde sich die Nachricht von Station zu Station fortpflanzen, dass die Hamilton-Außenstation wieder einen Leiter bekommen hatte. Der Fahrer trug die Neuigkeit weiter. Auf der ganzen Linie war bald jeder informiert. Überall wartete man wohl gespannt, ob es ihm gelingen würde, sich auf der Station zu halten.

Je weiter der Rehbraune Joe Sullivan trug, desto eigenartiger wurde ihm zumute. Mit jedem Hufschlag begriff er, dass er sich in etwas Unbekanntes, Drohendes einließ.

Joe stellte den Kragen seiner gefütterten Jacke hoch. Der kalte Wind wirbelte Blätter durch die Luft.

Als die Nacht sich schließlich herabsenkte, ritt Joe durch eine gespenstige Landschaft. Links und rechts des Weges standen versteinerte Baumstümpfe. Sie wirkten wie Säulen, die einst ein riesiges Dach getragen hatten. Laut hallte der Hufschlag des Pferdes auf dem felsigen Boden.

2.

Als Joe Sullivan gegen Mitternacht die erste Pferdewechselstation der Stagecoach-Nixon-Company erreichte, schien man dort bereits auf ihn gewartet zu haben. Das Licht brannte, und auf der Veranda stand ein Mann, der ihn anrief: „Sind Sie es, Sullivan?"

„Hat man mich schon angemeldet?"

„Wundert Sie das?"

„Eigentlich nicht."

„Kommen Sie, Sie sind eingeladen! Meine Frau hat das Essen bereits auf dem Tisch stehen. Sie werden bei uns auf der Station schlafen. Sie haben doch nichts dagegen, dass ein paar Freunde aus der Stadt gekommen sind? Sie wollen sich den Mann ansehen, der die Wildbuschstation übernimmt."

Nur mühsam konnte Joe Sullivan einen Fluch unterdrücken und seinen Zorn bezwingen.

„Ganz und gar nicht", erwiderte er höflich und drückte damit genau das Gegenteil von dem aus, was er wirklich dachte.

Vier Männer waren gekommen, ältere Männer. Es waren Rancher und Städter, die es sich nicht entgehen lassen wollten, den Mann zu begutachten, den Nixon eingestellt hatte. Joe wurde ihnen vorgestellt. Dann bat man ihn zu Tisch. Währenddessen kümmerte sich ein Cowboy um seinen Rehbraunen.

„Ihre Station ist ähnlich wie diese angelegt, eröffnete Hawken, der Stationsleiter, nach dem Essen das Gespräch. „Es ist ein kleiner Betrieb mit einem Quartier für die Fahrgäste, was Sie allerdings hier bei mir nicht finden. Ihre Station wurde bei Apachenaufständen mehrere Male niedergebrannt, doch Nixon ließ sie immer wieder aufbauen. Sie liegt an einem zentralen Punkt, den Cochise stets bei seinen Zügen nach Mexiko ansteuerte. Cochise ist schon lange tot. Zu seiner Zeit wusste man, warum die Station besonders gefährdet war.

„Und heute?"

Joes Gesprächspartner hob die Schultern und schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid, sagte er. „Das scheint ein Geheimnis zu bleiben. Man vermutet zwar, dass es mit streunenden Apachenhorden zu tun hat, doch in dieser Beziehung ist nichts erwiesen. Wenn Sie die Station halten wollen, müssen Sie herausfinden, wem sie im Wege ist.

„Sie hatten den Posten nicht übernommen?"

„Ich habe eine große Familie, antwortete der Gastgeber lächelnd. „Zudem bin ich nicht mehr jung genug, um noch daran zu glauben, dass man alle Hindernisse überwinden kann. Mit zunehmendem Alter wird man immer bescheidener und muss froh sein, wenn man über die nächsten Runden kommt. Man sagt Ihnen nach, dass Sie sich gut mit den Apachen verstehen und dass Ihr Vater und Sie jederzeit zu Cochise kommen konnten.

„Das stimmt."

„Es gab damals viel böses Blut, Sullivan."

„Ich weiß, man hätte uns gern als Verräter gebrandmarkt, und wenn der berühmte Tom Jefford nicht gewesen wäre, könnte ich jetzt nicht für die Gesellschaft arbeiten. Tom Jefford war Cochises Freund, sie waren Blutsbrüder. Auch ihn nannte man einen Verräter an der weißen Rasse. Er war es aber so wenig wie mein Vater und ich. Er war ein Mensch, der sich selbstlos einsetzte."

„Hören Sie, Sullivan, meldete sich einer der Gäste, „Sie haben doch die besten Aussichten, den Posten zu halten, da Sie mit den Apachen befreundet sind.

Joe sah dem Mann fest in die Augen.

„Es ist ein Elend, dass nur wenige Weiße begreifen wollen, dass alle Menschen gleich sind. Alle werden geboren, um zu leben, zu leiden und zu sterben. Ihr Los ist unser Los, ihr Schicksal ist unser Schicksal." Joe verstummte, als er das Grinsen der anderen sah. Sein Zorn wuchs. Nein, es war zwecklos, diesen Kerlen etwas beibringen zu wollen, für das sie kein Verständnis hatten. Joe spürte, dass sie sich über ihn lustig machten. Er wollte keinen Streit und keinen Ärger. Für sie waren die Rothäute nichts anderes als Tiere, die man nach Belieben abknallen konnte. Diese Männer hatten keine Ahnung von den Apachen. Sicherlich war nicht einer von ihnen bei den Roten gewesen. Keiner von ihnen wusste, wie die sogenannten Wilden dachten und wie sie lebten.

„Cochise kann Sie nicht mehr beschützen, Sullivan. Nach seinem Tode ist es mit der Freiheit der Apachen für immer vorbei. Ein gewisser Geronimo hat die aus den Reservaten geflohenen Roten um sich geschart. Wohin dieser wilde Haufen auch kommt, er hinterlässt seine blutige Fährte. Kennen Sie Geronimo?"

„Cochise hat ihm misstraut, er nannte ihn einen schlechten Apachen."

„Das stört Geronimo wenig. Morgen reiten Sie durch das Gebiet, das er terrorisiert. Warten Sie hier, bis weitere Reiter kommen! Es ist nicht so gefährlich, wenn mehrere zusammen sind."

Bevor Joe antworten konnte, wurde draußen Hufschlag laut. Der Gesprächspartner grinste.

„Sie sind unter einem guten Stern geboren, Sullivan. Es scheinen noch mehr Leute nach Westen zu wollen. - He, Hawken, wer kommt da jetzt noch angeritten?"

Der Stationsleiter hatte die Tür geöffnet und blickte nach draußen. Die Männer waren bereit, die Waffen zu ziehen. Nur Joe machte eine Ausnahme. Er saß am Tisch und streckte die Beine von sich. Am Hufschlag der Pferde hatte er erkannt, dass sie Eisen trugen. Es waren beschlagene Hufe, die durch die Nacht trommelten. Apachen ritten nicht auf beschlagenen Tieren.

„Schade, dass es nicht Geronimo ist!, sagte Joe in das Schweigen hinein. „Sie hätten jetzt Gelegenheit, einen schlechten Apachen kennenzulernen.

Jetzt war er es, der lachte, und sein kaltes Lachen war den Männern unheimlich.

Hawken zog sich so weit zurück, dass die halboffene Tür ihn deckte. Auf den Gesichtern der Gäste zeigte sich Angst. Sie wichen zur Wand zurück, bis sie endlich erkannten, dass das halbe Dutzend Pferde keine Apachen herantrug, sondern Weiße, die in ihrer Mitte eine Frau hatten.

„Mister, rief einer der Reiter, „ein Quartier für Madam Crondite! Sie wird hier übernachten. Noch bevor der Stationsleiter antworten konnte, fuhr der Sprecher fort: „Keine Widerrede! Sagen Sie nicht, dass Sie keinen Platz hätten! Für Madam wird Platz gemacht, und wenn Sie selbst die Station räumen! Madam Crondite bezahlt gut."

Der Name der Lady schien mächtigen Eindruck auf die Männer im Zimmer zu machen.

„Ich rate dir, sagte einer von ihnen zum Stationsleiter, „tu, was er sagt! Ihr Vater ist einer der mächtigsten Burschen weit und breit. Er liebt seine Tochter abgöttisch, und wo immer sie ist, wird dafür gesorgt, dass ihre Wünsche erfüllt werden. Außerdem machst du bei dieser Sache ein gutes Geschäft.

„Madam Crondite, die Station steht Ihnen zur Verfügung, beeilte sich Hawken zu sagen. „Selbstverständlich räumen meine Gäste und meine Familienangehörigen den Bau. Im Pferdeschuppen kann man für eine Nacht auch unterkommen. Seien Sie willkommen, Madam Crondite!

Hawken ging eilig nach draußen, und die anderen Männer folgten ihm. Sie waren neugierig auf die Frau, die „die Schönste im Lande" genannt wurde. Nur Joe blieb am Tisch sitzen und grübelte darüber nach, weshalb eine schöne Frau ernsthafte Männer zu Narren machen konnte. Ihnen waren die Wünsche des Mädchens Befehle. Außerdem schienen sie mächtigen Respekt vor dem Reichtum ihres Vaters zu haben. Für Joe war Genine Crondite ein verwöhntes Frauenzimmer, das glaubte, alles in der Welt beuge sich vor ihr. Der Name Crondite weckte zudem böse Erinnerungen in Joe an einen Mann, der - wie sein Vater - vor Jahren als Händler unterwegs gewesen war und den Indianern schlechten Whisky und anderen Plunder verkauft hatte. Sicherlich hatte Genine Crondite nichts mit jenem Mann zu tun, denn ihr Vater war Großrancher, der mächtigste, den es weit und breit gab. Außerdem besaß er zahlreiche Minen und war auf dem besten Wege, in der Politik eine große Rolle zu spielen. Bestimmt war er also nicht jener Händler, der mit einem Maultierwagen ohne Lizenz in das Indianergebiet gezogen war und die Rothäute betrog und begaunerte wie kein anderer. Das war so lange gut gegangen, bis die Apachen ihn schließlich gnadenlos jagten.

„Stehen Sie auf, wenn eine Lady eintritt!", hörte Joe eine harte Stimme hinter sich.

Joe blieb sitzen, wie er saß, den Rücken der Tür zugekehrt. Er tat so, als hätte er die Schritte der Eintretenden nicht gehört, als sei er eingeschlafen.

Eine Hand legte sich auf Joes linke Schulter und klammerte sich wie ein Schraubstock fest. Gleichzeitig schlug die andere Hand des Mannes scharf an Joes Wange vorbei.

„Achtung für die Lady!, hörte er die grollende Stimme dicht an seinem Ohr. „Jeder kleine Cowpuncher weiß, wie er sich in Gegenwart einer Lady zu benehmen hat.

Joe wandte sich um. Starr blickte er den Mann an, der sich so tief zu ihm herunterbeugte, dass sein ausladendes Kinn genau vor Joes Faust kam, die jäh hoch zuckte. Der Klammergriff an Joes Schulter löste sich augenblicklich. Ein Stöhnen war zu hören, dann ein Poltern.

Für einen Augenblick schienen alle im Raum gelähmt zu sein, nur Joe Sullivan nicht. Er bemerkte, wie ihn Genine Crondite mit aufgerissenen Augen ansah. Sein Blick glitt zu seinem Gegner. Was er sah, hätte manchen bewogen, sich auf der Stelle zur Flucht zu wenden. Der Kerl, dem er einen Kinnhaken versetzt hatte, war ein bulliger Klotz. Die Brutalität war ihm auf die niedrige Stirn geschrieben. Der Fluch, den er jetzt ausstieß, war keineswegs salonfähig. Das gute Benehmen, das er einem Fremden beibringen wollte, fehlte ihm selbst. Er schnaufte und ging sofort wieder auf Joe los, als wollte er ihn mit den bloßen Händen in den Boden schlagen.

Joe tauchte zur Seite und wich erst im letzten Moment den Fäusten aus. Von der Wucht seines Angriffs getragen, krachte der Kerl gegen den Tisch und stürzte. Noch bevor er sich aufgerappelt hatte, war Joe bei ihm und ließ seine Rechte gegen das Kinn des anderen krachen. Der Bursche taumelte rückwärts gegen das Fenster. Holz splitterte, und Scheiben klirrten. Joe packte die Beine seines Gegners und warf ihn mit einem Ruck aus dem Fenster.

Noch bevor sich die Verblüffung der anderen gelegt hatte, hechtete Joe ebenfalls nach draußen.

„Bleibt, wo ihr seid!, befahl Genine Crondite ihren Begleitern. „Alles hiergeblieben!

Die Männer, die sich in Bewegung setzen wollten, um ihrem Partner zu Hilfe zu eilen, gehorchten.

Draußen war ein Brüllen und Keuchen zu hören.

„Jetzt hat er ihn erwischt!, schrie einer begeistert. „Jetzt wird er Sullivan beibringen, wie man sich zu benehmen hat. Er wird ihn auf seine richtige Größe zurechtstutzen.

„Seid still!, forderte Genine Crondite herrisch. „Allan wird ihm zeigen, wer wir Crondites sind. Einer genügt, um mit dem Burschen fertig zu werden. Sullivan ist derjenige, der mir sein Pferd nicht verkaufte. Wenn Allan mit ihm fertig ist, braucht Sullivan kein Pferd mehr. Ihr bleibt hier! Es soll nicht heißen, dass wir unfair sind.

In das Lachen des Mädchens stimmten die anderen ein, auch die Gäste des Stationsmannes und dieser selbst. Das Lachen wurde von einem wilden Heulen unterbrochen. Man sah den Bulligen schattenhaft auftauchen. Er rannte - rannte aber nicht hinter Joe her, sondern riss vor ihm aus. Die beiden Gestalten verschwanden, dann hörte man wieder ein Brüllen. Als es endete, sahen sich die Leute auf der Station betreten an.

„Madam, sagte einer von Genine Crondites Begleitern, „jetzt müsste man nachschauen. „Hiergeblieben!, sagte sie in einer Art, die deutlich verriet, dass sie zu befehlen gewohnt war. „Ich selbst sehe nach.

„Das ist zu gefährlich, mischte sich einer der Städter ein. „Dieser Sullivan ist wie ein Apache. Er beherrscht wohl alle teuflischen Tricks; denn mit rechten Dingen kann das nicht zugegangen sein. Er ist nur ein Zwerg, verglichen mit Ihrem Vormann. Wenn ...

Der Sprecher verstummte. Die Augen Genine Crondites funkelten. Sie schlug mit der Reitpeitsche leicht gegen den linken Schenkel und warf dann den Kopf in den Nacken.

„Ich will keine Hilfe, bleibt, wo ihr seid! Keiner von euch verlässt den Bau!", befahl sie, während sie den Raum verließ.

„Joe Sullivan, wo stecken Sie?", rief sie draußen.

Die Männer sahen sich an, steckten die Köpfe zusammen und lauschten. Die Luft war spannungsgeladen wie vor einem Gewitter. Nach einiger Zeit waren schlurfende Schritte zu hören, dann Allans Stimme, die nicht mehr so hart klang wie vorher. Seine Worte waren nicht zu verstehen.

„Wie sehen Sie aus?", fragte Genine Crondite.

Die Männer in der Station drängten zur Tür. Genine Crondite starrte Allan Med an, der jetzt in den Lichtschein trat, der aus dem zertrümmerten Fenster fiel. Der Vormann war kaum wiederzuerkennen. Sein Hemd war zerfetzt, und der Waffengurt fehlte. Wirr hing ihm das Haar in sein zerschlagenes Gesicht. Mühsam setzte er einen Fuß vor den anderen.

„Ich habe gegen ein Ungeheuer gekämpft, Madam, berichtete er stöhnend. „Dieses Ungeheuer schien tausend Arme und Beine zu haben. Von allen Seiten drosch es auf mich ein, bis mir der Atem wegblieb.

„Sie hatten nur einen Gegner, Allan. Sie haben mich sehr enttäuscht. Wenn mein Vater hört, dass sein bester Mann windelweich geprügelt wurde, wird er seinen Namen von der Lohnliste streichen. Wo steckt Joe Sullivan?"

Zur Überraschung des Mädchens meldete sich Joe selbst.

„Hier bin ich, Madam. Haben Sie Ihren Vormann wieder?"

„Sie haben ihn böse zugerichtet, Sullivan."

„Er wird sich wieder erholen, kam es spöttisch zurück. „Geben Sie ihm ein paar Tage Zeit, und lassen Sie ihn sich auf dieser Pferdewechselstation ausruhen. So, wie es jetzt um ihn steht, wird er Ihnen kein guter Führer durch das Apachengebiet sein.

„Wollen Sie das an seiner Stelle übernehmen, Sullivan?", fragte das Mädchen und setzte mit dieser Frage nicht nur ihre Begleitmannschaft, sondern auch die anderen Männer auf der Station in Erstaunen.

„Nein, Madam, lehnte Joe ab. „Ich rate Ihnen, einige Tage hierzubleiben und Ihren Vormann zu pflegen. Auf der vor Ihnen liegenden Strecke ist etwas nicht geheuer. Es wäre gut, wenn Sie meinen Rat befolgen und hier zurückbleiben würden. So long, Madam!

„Sullivan, so hören Sie doch!"

Hufschlag klang auf und entfernte sich. Joe Sullivan hatte die Station verlassen.

Genine Crondite starrte mit zornig aufgerissenen Augen in die Nacht.

„Sie haben es nicht nötig, diesen Schuft anzuwerben, Madam, hörte sie ihren angeschlagenen Vormann sagen. „Er arbeitet für die Stagecoach-Linie. Es steht fest, dass er seinen neuen Job verdammt ernst nimmt. Kein Angebot könnte ihn reizen. Aber wenn der Bursche glaubt, dass er mich fertiggemacht hat, irrt er sich. Ich bin fit genug, um noch heute weiterzureiten. Befehlen Sie es, und der Trail wird augenblicklich fortgesetzt.

„Sie haben gehört, was er sagte. Er hat uns gewarnt."

„Um über uns lachen zu können, knurrte Allan Med. „Wir wären blamiert, wenn er in Hamilton erzählt, dass er uns riet, hierzubleiben, und wir seinen Rat befolgt hätten. Ihr Vater, Madam, mag die Stagecoach-Linie nicht - und noch weniger ihren Boss Nixon. Dabei sollen die beiden Männer früher Freunde gewesen sein.

„Das ist lange her. Dad hat keine Freunde mehr, antwortete Genine leise. „Er hat nur noch Neider und Feinde. Er ist den Leuten einfach zu groß geworden.

„Genau das ist es, Madam! Wir sind stolz, dass wir für ihn reiten dürfen. Geben Sie den Befehl zum Aufbruch, dann werden Sie sehen, dass ich reiten kann und nicht aus dem Sattel falle. Ich kann schon allerhand einstecken."

„Sie brennen wohl darauf, es Sullivan heimzuzahlen?"

„Er wird auch ohne mich eine Menge Kummer bekommen, Madam", wich Allan Med aus.

„Was wissen Sie wirklich, Allan?", hakte sie sofort ein und bewies damit, dass sie wachsam war.

„Madam, die Spatzen pfeifen es in der Hauptstadt von den Dächern, und von der Gesellschaft wird dafür gesorgt, dass es überall bekannt wird. Jeder weiß, dass Sullivan die Station im Wildbuschgebiet übernehmen soll, und jeder weiß, dass das ein heißes Eisen ist."

„Das habe ich gehört, erwiderte sie, ohne ihren Vormann aus den Augen zu lassen. „Sie weichen mir aus, Sie wissen mehr als alle anderen.

Allan Med senkte schweigend den Kopf.

„Nun?" fragte sie ungeduldig.

„Ich verehre Sie, Madam, murmelte er so leise, dass nur sie die Worte verstehen konnte. „Ich hasse alle Männer, die Sie beachten.

„Ich möchte so etwas nicht noch einmal hören, Allan Med!, herrschte sie ihn mit blitzenden Augen an. „Ich will aber diesem aufgeblasenen Sullivan zeigen, dass ich seine Ratschläge nicht brauche. Wir reiten! Genine Crondite schaute in das zerschlagene Gesicht ihres Vormannes, auf dem sich jetzt ein widerliches Grinsen zeigte. Am liebsten hätte sie den Befehl widerrufen. Schon in diesem Augenblick bereute sie ihren Entschluss. Sie bereute es, nicht nach Sullivans Rat gehandelt zu haben.

Allan weiß viel mehr, als er sagt, dachte Genine. Mein Vater hat mir nicht die besten Leute geschickt. Viele von ihnen sind Fremde für mich. Dad hat sie eingestellt, als ich im Pensionat war. Nein, ich darf jetzt nicht widerrufen. Diese Männer achten nur den, der sich hart durchsetzt.

„Also, worauf warten wir noch?, sagte sie laut. „Seht eure Waffen nach! Von jetzt an geht es durch ein wildes Land.

„Madam, gab Allan Med zurück, „das Land kann nicht wild genug sein. Wir bringen Sie sicher hindurch. - Holt die Pferde, Leute!

Wenig später ritt Genine Crondite mit ihrem Trupp in die Nacht hinein. Die Gäste des Stationsleiters blieben bei diesem zurück.

„Das schönste Mädchen, das ich je sah, sagte einer der Männer mit leuchtenden Augen. „Wie sie die Kerle in Schach hält.

„Dieser Sullivan imponiert mir mehr. Er hat uns deutlich gezeigt, dass er ein Mann ohne Nerven ist, knurrte Hawken. „Nixon hat wieder einmal bewiesen, dass er es versteht, die richtigen Leute auf den richtigen Posten zu stellen. Kommt, Gents, schauen wir uns den Stall an! Bevor die Männer sich in Bewegung setzen konnten, kam die Frau des Stationsvorstehers aus der Küche.

„Ich habe Sullivans Pferd gesattelt, sagte sie. „Ich habe es gern getan. Mir ist es zuwider, wenn alle gegen einen sind.

„Mary, was muss ich hören?"

„Die Wahrheit! Ich habe an der Tür gehorcht, und es wurde mir Angst und Bange, als der junge Mann sich gegen den bulligen Vormann zur Wehr setzte. Als er dem Kerl dann das gab, was er verdiente, habe ich seinen Wallach gesattelt, und Sullivan hat mir herzlich gedankt. Ich muss schon sagen, dieser junge Mann hat ausgezeichnete Manieren, und ausgerechnet Allan Med wollte ihm Manieren beibringen."

„Der neue Mann der Linie ist wohl für Frauen unwiderstehlich, spottete einer der Männer. „Wollten Sie ihn beschützen, Madam?

„Ja, gab die Frau zu. „Ich hatte die Schrotflinte meines Mannes vom Haken genommen. Ich vermutete, dass die Begleiter der Lady eine Jagd auf Sullivan veranstalten wollten. Diesen Burschen hätte ich es gezeigt.

„Du hättest wirklich geschossen, Mary?", staunt' Hawken. Er blickte seine Frau an, als sehe er sie zum ersten Male in seinem Leben.

„Gewiss! Ich habe es satt, zuzusehen, wie du unsere Gäste beleidigen lässt. Jahrelang habe ich darauf gewartet, dass du dich einmal als richtiger Mann zeigst. Von der Leitung der Stagecoach-Linie wirst du geachtet, weil der Betrieb hier glatt läuft, das ist alles. Ein Mann muss aber auch genug Mut haben, um notfalls seine Gäste zu schützen!"

Bevor der Stationsleiter noch etwas sagen konnte, wandte Mary Hawken sich ab und schlug die Küchentür hinter sich zu.

Verdutzt sahen sich die Männer an. Einer lachte leise, ein zweiter zog seine Nickeluhr aus der Westentasche und sagte: „Ich muss reiten. Es war schon ein turbulenter Auftakt hier. Ich wette, dass dieser Sullivan auf der Wildbuschstation bleibt. Ich halte jede Wette!"

Bevor einer der Männer auf das Angebot eingehen konnte, wurde erneut Hufschlag laut. Es waren zwei Fremde, die sich sofort aus den Sätteln warfen.

„Wo ist Sullivan?", fragte der eine von ihnen barsch. Das Aussehen der beiden ließ keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass man es mit harten Kerlen zu tun hatte.

„Haben Sie eine Verabredung mit Sullivan?", fragte der Stationsleiter vorsichtig.

„Verabredung?, staunte der Sprecher und lachte dröhnend. „Wo ist der Bursche? Seine Fährte führt hierher, und dabei haben wir ihm deutlich genug gesagt, dass er in alle Richtungen reiten kann, aber nicht in dieses Land. Also, mach den Mund auf, Freund! Wenn er schläft, werden wir ihn verdammt unsanft wecken.

Hawken wurde am Hemdkragen gepackt und geschüttelt. Der zweite Fremde zog blitzschnell seinen Revolver und hielt die anderen Männer in Schach.

„Lassen Sie sofort meinen Mann los!, ertönte in diesem Augenblick von der Küchentür her die Stimme Mary Hawkens. „Ich habe eine mit gehacktem Blei geladene Schrotflinte in den Händen. Ich schieße, und wenn ihr alle draufgeht. Also los, ihr Banditen, packt euch und verschwindet!

Der Kerl, der den Stationsleiter am Kragen hatte, ließ jäh los. Der andere steckte seine Waffe ein, und fast fluchtartig machten sie sich davon. Als sie in die Nacht hineinjagten, rief der eine dem anderen zu: „Bei Frauen weiß man nie, was sie tun. Ich glaube, sie hätte selbst ihren eigenen Mann nicht geschont."

„Ed, ich vermute, dass Sullivan weitergeritten ist."

„Genau das habe ich dir auch sagen wollen, Jerry. Wir hätten nicht auf George Warde hören, sondern Sullivan schon bei unserer ersten Begegnung aus der Welt schaffen sollen."

„Das ging George Warde gegen den Strich. Sullivans Vater hat ihm einmal das Leben gerettet. Nein, wir hätten ihn so lahm schießen sollen, dass er in den nächsten Wochen flachgelegen hätte. Aber die besten Ideen hat man immer, wenn es zu spät ist. Warde wird sehr ärgerlich sein."

„Vor allem, wenn er erfährt, dass auch Crondites Leute in der Hauptstadt waren. Aber wir können ihn beruhigen, die Burschen haben nicht spioniert. Sie lungerten nicht um Nixons Büro herum, sondern haben nur Crondites Tochter abgeholt. Und Warde glaubte schon, dass Crondite ihm auf die Schliche gekommen sei."

„Um sich dann an dem großen Geschäft zu beteiligen, wie? Dieser Crondite war und ist der gerissenste Bursche weit und breit. Er hat einen Riecher für große Geschäfte, und sicherlich macht auch er sich Gedanken darüber, warum die Wildbuschstation ständig attackiert wird. Man muss damit rechnen, dass er seine Leute einsetzt, um den Grund herauszufinden."

„Dann bekommt er eins auf die Nase. Dieser Schuft hat sich genug an Land gezogen, mehr als alle anderen. Trotzdem will er noch reicher und mächtiger werden."

„Nun, wir werden sehen. Ich habe Genine Crondite beobachtet. Hoffentlich wird George Warde nicht von ihr gefesselt und verknallt sich in sie. Wenn das passiert, wird sich wohl seine Haltung Crondite gegenüber ändern."

„Das ist kaum möglich. Crondite ist zu arrogant. Er ist unserem Boss zu ähnlich."

„Hoffen wir es! Desto größer ist unser Anteil. - Die frische Nachtluft tut mir gut."

„Mir auch. - Dennoch, es ist eine Schande, dass wir vor einer Frau davonliefen. Vielleicht bluffte sie nur. Vielleicht hatte sie nicht mal eine Schrotflinte in der Hand."

„Da irrst du dich, ich habe die Feuerspritze deutlich gesehen. Es war eine abgesägte, doppelläufige Flinte, mit der du ein halbes Dorf wegpusten kannst. Nein, es war schon gut, dass wir uns davongemacht haben. Es ist immer besser, wenn man sich nicht mit Frauen anlegt. Das verzeiht einem niemand, und es bringt selbst die friedlichsten Bürger in die Sättel. Wir brauchen jetzt Ruhe für unsere Vorbereitungen und können nur hoffen, dass Geronimo so viel Unheil anrichtet, dass darüber die Stagecoach-Station im Wildbusch vergessen wird."

„Wir müssen uns in Hamilton in Acht nehmen. Dieser Sullivan darf uns nicht sehen und schon gar nicht herausbringen, für wen wir arbeiten. Ich bin gespannt, wie der Boss sich jetzt entscheidet."

Die beiden Männer ritten in der Spur der Stagecoach. Ihre Pferde legten Meile um Meile zurück. Die Radfurchen zogen sich deutlich sichtbar durch das vom Mondlicht erhellte Gelände.

Gegen Morgen hörten sie schwache Schussdetonationen, die vom Wind herangetragen wurden. Sie trieben ihre Pferde an. Als sie von einem Hügel in ein Tal blickten, sahen sie im Licht der aufgehenden Sonne eine umgestürzte Stagecoach. Die Pferde hingen tot im Geschirr, der Fahrer lag neben dem Wagen. Rings um die Stätte des Grauens wimmelte es von Trittsiegeln unbeschlagener Pferdehufe.

„Apachen!", murmelte Ed Tanner. Sein Kumpan Jerry Grant nickte.

3.

Die Zeichen, die Joe Sullivan kurz nach seinem Kampf mit Allan Med, dem Vormann der Begleitmannschaft von Genine Crondite gesehen hatte, veranlassten ihn, wachsamer als zuvor zu reiten. Er spürte die Gefahr, die in der Umgebung lauerte, und hoffte, dass Genine Crondite seine Warnung ernst nehmen und ihren Ritt um einige Tage verschieben würde.

Joe musste immer wieder an das Mädchen denken. Ihr Bild drängte sich ihm auf, aber auch das Bild der Männer, die bei ihr waren. Niemand von ihren Begleitern hatte aufgemuckt und versucht, sich ihren Anordnungen zu widersetzen. Es war erstaunlich, wie sie die kleine Crew in der Hand hatte.

Über Joe Sullivans Gesicht zog ein Lächeln, das jedoch schnell verging, als er im Mondlicht eine feine Staubwolke aufsteigen sah. Er hielt seinen Rehbraunen sofort an und beobachtete aufmerksam das vor ihm liegende Gelände, ohne sich im Sattel zu bewegen. Dann glitt sein Blick zum Fahrweg der Stagecoach-Linie, den er verlassen hatte, um auf dem granitharten Boden parallel zu dem Weg zu reiten. Was er sah, ließ Zorn in ihm aufsteigen. Ein halbes Dutzend Reiter tauchte auf, das in dieselbe Richtung strebte wie er selbst. Niemand brauchte ihm zu sagen, wer dort ankam. Wütend stellte er fest, dass man seine Warnung in den Wind geschlagen hatte. Einen Augenblick lang war er versucht, seine Deckung preiszugeben und die Reiter zu warnen, doch er unterließ es.

„Es würde nur Kummer bringen, murmelte er. „Sie sind jetzt alle hinter mir her. Dieser Vormann hat nicht genug bekommen. Er ist zäher, als ich glaubte, und will meinen Skalp. Nur ein Narr würde jetzt ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken. Tut mir leid, Gents, dass euch die Lady in die Sättel brachte. Ich habe sie für klüger gehalten. Sie ist doch nur ein verwöhntes, ungezogenes Mädchen. Es ist schlimm, wenn sich ausgewachsene Männer am Gängelband führen lassen und keinen eigenen Willen haben.

Joe beobachtete die Reiter, bis sie hinter dem nächsten Hügelrücken verschwunden waren. Seine Kehle zog sich zusammen. Wieder drängte es ihn, dem Trupp nachzureiten, doch er wusste, dass das Ärger bringen würde. Was ihn außerdem beunruhigte, war die Staubfahne. Er setzte seinen Wallach in Bewegung und lenkte ihn noch weiter vom Weg ab. Er musste herausfinden, was die Staubglocke unter sich verbarg.

„Go on!", rief er seinem Pferd zu.

Je weiter Joe ritt, umso beklommener wurde ihm zumute. Es lag etwas in der Luft, das nicht ganz geheuer war. Joe schreckte aus seinen Gedanken auf, als er Räderrollen vernahm, das durch schnell aufeinanderfolgende Schussdetonationen unterbrochen wurde.

„Apachen!", flüsterte er und trieb seinen Rehbraunen an.

Zwischen den Schüssen drang ein schrilles Heulen zu Joe herüber. Er kannte dieses Geheul; er hatte es schon oft gehört und wusste, dass es das Siegesgebrüll der Chiricahua Apachen war.

Der Todesschrei eines Mannes gellte auf.

Vor Joe Sullivan hob sich ein langgestreckter Hügel. Der Rehbraune nahm den Hang. Funken stoben unter den Hufeisen auf. Joe lenkte das Pferd in eine Senke. In dem Augenblick, als Joe die Senke erreichte, fühlte er einen harten Schlag an seinem Kopf. Er stürzte aus dem Sattel, und ein bodenloser, schwarzer Abgrund tauchte vor ihm auf.

Wie lange Joe ohnmächtig gewesen war, wusste er erst, als er wieder zu sich kam und über sich die Sonne am Himmel sah. Er lag auf einem Stangengestell, das mit einer Plane bespannt war und von einem Pferd gezogen wurde. Lederriemen hielten die Bahre zusammen.

Wie aus weiter Ferne drang Hufschlag an Joes Ohren. Dumpf und hohl hörten sich die Geräusche an. Er hatte einen Stirnverband und spürte, dass trockenes Blut seine Augenlider verklebte. Schmerzwellen durchrasten ihn. Er biss die Zähne zusammen und sah im nächsten Augenblick hoch über sich das Gesicht eines dunkelhäutigen Reiters, dessen strähniges, schwarzes Haar von einem roten Stirnband gehalten wurde. Eine bunte Bluse, die sicherlich einmal einer Siedlerfrau gehört hatte, umspannte den muskulösen Oberkörper des Apachen.

„Ich sehe, du bist erwacht, sagte der Reiter. „Hätte ich gewusst, dass du es warst, hätte ich dich nicht aus dem Sattel geholt.

„Du, Tahyh?"

„Deine Augen sind also in Ordnung, erwiderte der Krieger. „Deine Sinne haben sich nicht verwirrt. Umso besser, Bruder.

„Wir waren Brüder, Tahyh, wir sind es nicht mehr, entgegnete Joe rau. „Brüder fesselt man nicht, man schleppt sie nicht als Gefangene mit. Bist du nicht mehr in der Reservation?

„Nein, sagte der Apache stolz. „Nur die Alten blieben dort, die nicht mehr reiten und kämpfen können. Sie essen das Holzbrot, das man ihnen gibt. Sie hungern und darben und warten auf ihren Tod. Tom Jefford wurde abgelöst. Der einzige Mann, der es gut mit uns meinte, musste gehen. Man zwang ihn zu gehen. Man will das große Sterben bei den Apachen. Alle sollen sterben, Männer, Frauen und Kinder. Selbst Tom Jefford, Cochises Freund, stand dem falschen Spiel machtlos gegenüber. Wir brachen aus, als Geronimo uns rief. Wir sind frei, Bruder, frei, um zu sterben! Tahyh sprach ruhig und gelassen. Seine dunklen Augen verrieten nichts von seinen Gefühlen. Er vermied es, noch mehr zu reden und all die Ungerechtigkeiten aufzuzählen, die seinem Volk und ihm selbst widerfahren waren. Er sprach nicht davon, was die Weißen unter einem zahmen Indianer verstanden. Die Weißen dachten dabei an ein menschliches Wrack, das dumpf vor sich hinbrütete. Die Vergangenheit hatte deutlich gemacht, dass man alle Apachen ausrotten wollte. Wer immer auch dahintersteckte und verantwortlich für die Belieferung der Reservationen war, wer die Agenten aussuchte, die die Waren nicht ankommen ließen, sie verschoben und Menschen schlimmer als Tiere hielten, würde wohl nie geklärt werden. Es handelte sich immer um Leute, die intelligent genug waren, sich nicht erwischen zu lassen.

Joe Sullivan wusste nur zu gut Bescheid. Er ahnte, was Tahyh dachte, fühlte und empfand. Alle, die zu Geronimo liefen, waren sicherlich nicht wie der gefürchtete Häuptling selbst, den Cochise aus dem Stamm gestoßen hatte. Es waren Verzweifelte, die nichts mehr um ihr Leben gaben, sondern nur noch wie Männer sterben wollten.

„Es gab glückliche Tage, Bruder, fuhr Tahyh fort. „Wir leben jetzt nur noch in der Erinnerung. Die Gegenwart bedeutet Tod, und die Zukunft ist für die Apachen ausgelöscht. Noch leben wir und reiten. Morgen sind wir vielleicht in Mexiko. Dort bereitet sich ein großer Kampf vor. Überall, wo getötet wird, schalten sich weiße Männer ein, die viel Geld verdienen wollen. Es werden viele Waffen über die Grenze nach Mexiko gebracht. Er verstummte und starrte zum Himmel „Geronimo misstraut dir, fuhr er dann leise fort. „Wir sind weit vom Haupttrupp entfernt. Er hat mich mit deiner Bewachung beauftragt.

„Du bist Cochises Neffe. Du brauchst dich ihm nicht unterzuordnen, Tahyh."

„Die alten Ränge gelten nicht mehr, erwiderte Tahyh. „Die alten Sitten bestehen nicht mehr. Der Apachengott ist weit fortgegangen und kommt vielleicht nie wieder zu seinen Kindern zurück. Alles zerfällt und zerbröckelt - Steine, Pflanzen, Tiere und Apachen.

„Was ist mit der Stagecoach geschehen, Tahyh?"

„Wir nahmen uns, was wir brauchten, erwiderte der Apache, ohne zu zögern. „Der Fahrer kam ums Leben. Er hatte einen schnellen, guten Tod. Geronimo nahm seinen Skalp. Ich habe ihn aufrecht neben die Stagecoach gesetzt, wie es sich für einen guten Kämpfer gehört.

„Habt ihr noch andere weiße Männer gesehen?"

„Ja, und bei ihnen war eine weiße Frau, gab Tahyh zurück. „Wir haben sie alle gefangengenommen. Sie haben nicht einmal gekämpft. Geronimo nimmt sie mit nach Mexiko. Wir werden dort erwartet. In Mexiko sollen sie sterben, nur die weiße Frau nicht. Geronimo will sie behalten. Vielleicht schenkt er sie einem Mexikaner, wer weiß?

Joe Sullivan brauchte einige Zeit, um seinen Schrecken zu überwinden. Es gelang ihm, und er ging nicht weiter auf das Thema ein. Stattdessen fragte er: „Es ist neu, dass sich die Apachen mit ihren Todfeinden, den Mexikanern, verbünden."

„Das stimmt, aber Geronimo will es so. In Mexiko wird es wieder eine Revolution geben. Danach will Mexiko gegen die Staaten kämpfen, um sich verlorene Gebiete zurückzuholen. Unsere Feinde werden unsere Freunde sein. Vielleicht gibt es dadurch für die Apachen einen neuen Weg ins Leben."

„Ein zweifelhafter Weg!"

„Ich weiß es - und mit mir viele, aber ein Ertrinkender greift sogar nach einem Strohhalm, um sich daran festzuhalten. Für uns ist Mexiko dieser Strohhalm."

Nach diesem Gespräch schwieg Tahyh. Meile um Meile ging es vorwärts. Zweimal noch verlor Joe die Besinnung, und immer wieder, wenn er aufwachte, konnte er feststellen, dass man sich weiter nach Westen bewegte, genau in die Richtung, in die er geritten wäre, wenn man ihn nicht gefangengenommen hätte. Dann und wann sah er einige Reiter des Haupttrupps. Es war eine bunt zusammengewürfelte Schar. Aus allen Stammesgruppen waren Männer unter ihnen. Außer Tahyh konnte er allerdings keinen Apachen entdecken, den er von früher her kannte.

Später bekam Joe Sullivan auch die anderen weißen Gefangenen zu Gesicht. Man hatte sie quer über die Sättel ihrer Pferde gebunden. Sie waren mehr tot als lebendig. Als er Genine Crondite sah, atmete er auf. Sie war nicht gefesselt, aber von ihrer stolzen Erscheinung war nicht viel übriggeblieben. Das Haar hing ihr wirr auf die Schultern herab, ihre Kleidung war verdreckt und unordentlich. Aller Stolz schien von ihr abgefallen zu sein. Zwei Krieger ritten neben ihr und ließen sie nicht aus den Augen.

Stunden später sah Joe Geronimo. Ein Spähtrupp kam heran und meldete, dass man ein kleines Gefecht mit weißen Männern gehabt habe, die auf der Fährte der Apachen geritten seien.

„Sie haben zwei von uns getötet. Wir selbst haben sie nicht erwischt. Sie konnten entkommen, berichtete der Nachhutreiter. „Sicherlich folgen ihnen viele weiße Männer, Geronimo.

Geronimo befahl, schneller zu reiten. Für die auf den Pferden festgebundenen Gefangenen musste das die Hölle sein.

Joe Sullivan war wieder ohnmächtig geworden.

„Wach auf, Bruder!, hörte er aus weiter Ferne eine leise Stimme. „Du musst essen und trinken. Tahyh beugte sich über ihn und setzte ihm eine Tonschale an die Lippen. Es war Nacht. Geräusche in der Nähe deuteten darauf hin, dass Pferde abgefüttert wurden. Über Joe stand ein heller Sternenhimmel. Der Wind wehte kalt und frisch über Joes Stirn. Der Verband war abgenommen worden. Die Schmerzen hatten nachgelassen.

„Wir wissen jetzt, dass kein Reitertrupp hinter den beiden Weißen war, sagte Tahyh. „Bis zum Morgengrauen werden wir lagern. Wir haben alle Fährten sorgfältig hinter uns gelöscht. Man kann uns nicht überraschen. Heute solltest du getötet werden, das hatte Geronimo befohlen. Ich habe ihm aber gesagt, dass ein Apache seinen Blutsbruder nicht töten kann. Ich habe dein Blut, und du hast mein Blut in den Adern. Tahyh blickte auf die kleine Narbe an seinem Handgelenk. Joe hatte an dieser Stelle ebenfalls eine Narbe. Vor Jahren waren sie Blutsbrüder geworden, als Joes Vater und Cochise noch lebten, als die Apachen sich in ihre Festungen zurückgezogen hatten und der Schrecken der Wüsten geworden waren. In einer feierlichen Zeremonie wurde die Blutsbrüderschaft der beiden Knaben besiegelt. Der ganze Stamm der Chiricahuas hatte daran teilgenommen. Tom Jefford Joe konnte sich noch gut an die Vorgänge erinnern, aber auch an das, was dieser Blutsbrüderschaft vorausgegangen war. Beide waren sie einer Comanchenbande entkommen. Sie hatten wie Krieger gekämpft und sich bereits verloren geglaubt, da hatten sie in letzter Minute Hilfe von einem Jagdtrupp der Apachen bekommen, der sie aus der Klemme befreite.

„Geronimo will mit dir kämpfen, Joe", sagte Tahyh in Joes Gedanken hinein.

Joe wusste nur zu gut, dass Geronimos Ansinnen den Apachenbräuchen entsprach. Sicherlich nahm er an, dass er mit einem geschwächten Gegner leicht fertig würde. Daran war wieder einmal deutlich Geronimos Art zu erkennen. Er war der hinterhältigste und gerissenste Apachenführer. Nichts war an ihm, was an Cochise erinnert hätte, den man sogar in der US-Armee den roten Napoleon genannt hatte. Geronimo scheute keinen Trick und keine Lüge, um sich Vorteile zu verschaffen.

„Es ist nicht richtig, dass er mit dir kämpfen will, Joe, fuhr Tahyh fort. „Du bist noch zu schwach, um einen Kampf gegen ihn wagen zu können. Ich habe es ihm gesagt.

„Er lehnte ab?"

„Er tat, als sei er ein sehr großzügiger Häuptling, berichtete Tahyh weiter. „Wenn du ihn besiegst, lässt er alle weißen Gefangenen - auch die weiße Frau - frei. Ich weiß, dass er ein solches Versprechen nur gab, um dich zum Kampf zu reizen. Den anderen Apachen hat das sehr gefallen. Sie kommen nicht dahinter, dass Geronimo in Wirklichkeit deine Notlage ausnützt. Was soll ich ihm sagen?

Tahyhs große, schwarze Augen richteten sich fest auf Joe, und dieser wusste, auf welche Weise die Apachen Zweikämpfe austrugen. Der Sieger ließ den unterlegenen Gegner nur selten am Leben.

„Sag Geronimo, dass ich sein Angebot annehme, Tahyh, erklärte Joe mit fester Stimme. „Der Handel gilt: Mein Sieg befreit alle Gefangenen.

Tahyh nickte zustimmend. Er sprang nicht sofort auf, um dem Häuptling diese Nachricht zu bringen, sondern hockte in Gedanken versunken neben Joe. Alles, was ringsum geschah, versank für ihn. Joe wusste, dass Tahyh betete. In seinem Gebet versuchte er, seinen Gott anzurufen, um den Ausgang des Kampfes von ihm zu erfahren. Im Leben eines Apachen gab es keinen Zufall. Er glaubte fest daran, dass alles vorausbestimmt war. Tahyhs strenges Gesicht schien wie aus Stein gemeißelt.

„Geronimo lacht über dich, sagte er mit seiner dunklen Stimme. „Er war nie dein Freund.

„Ich habe ihn immer verachtet, Tahyh, antwortete Joe. „Einmal muss es zwischen uns entschieden werden. Es ist wohl so bestimmt, dass das jetzt geschieht.

Tahyh nickte. In seinen Augen war ein heller Glanz. Er stand auf und ging mit langsamen Schritten durch das Camp. Joe verlor seinen Blutsbruder aus den Augen. Er blickte zum Sternenhimmel auf und dachte an den bevorstehenden Kampf.

Tahyh kam bald zurück und sagte so laut, dass alle es hören konnten: „Im Morgengrauen findet der Kampf statt, Bruder, sobald die Sterne verlöschen und das Tageslicht kommt. Nach Geronimos Willen sollst du das Sonnenlicht nicht mehr sehen."

„Und die Kampfart, Tahyh?"

„Darüber wollen die Apachen noch beraten. Geronimo will es uns überlassen, zu wählen."

„In Ordnung, Tahyh", erwiderte Joe.

Tahyh ließ sich nieder und zog einen Lederbeutel hervor, den er vorsichtig öffnete. Ein eigenartig scharfer Geruch entströmte dem Beutel. Joes Augen leuchteten auf, und Tahyh nickte. Wortlos entledigte sich Joe seiner Oberkleidung und streckte sich lang aus. Tahyh begann, ihn mit einer Salbe zu massieren. Ab und zu kamen Apachen heran, sahen zu den beiden hin und verschwanden wieder.

„Wo sind die anderen Gefangenen?", wollte Joe wissen.

„Hinter den Steinen, gab Tahyh zurück. „Sie wissen, was geschieht, wenn du den Kampf verlierst. Die weißen Männer benehmen sich schlecht. Einer ist unter ihnen, der wie ein Büffel aussieht und jetzt große Angst hat.

Wen Tahyh meinte, war für Joe völlig klar. Es konnte nur Genine Crondites Vormann Allan Med sein. Ausgerechnet er musste die Weißen bei den Apachen blamieren. Die Apachen schätzten Mut sehr hoch. Med schien mit den Nerven völlig fertig zu sein. Vielleicht hatte man ihn auf dem langen Ritt besonders schlecht behandelt. Das war nach Meinung der Apachen eine große Ehre, die man nur einem starken Krieger antat. Man wollte sehen, ob er nicht nur Schmerz und Leid aushielt, sondern noch in der Lage war, seine Gegner zu verhöhnen und

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