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Jesse Trevellian und der Serienkiller: Kriminalroman

Jesse Trevellian und der Serienkiller: Kriminalroman

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Jesse Trevellian und der Serienkiller: Kriminalroman

Länge:
260 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Juli 2019
ISBN:
9783743827813
Format:
Buch

Beschreibung

Krimi von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 236 Taschenbuchseiten.

Bereits drei bestialisch verstümmelte Opfer hatte der grausame Serienkiller hinterlassen. Alle drei jungen Frauen waren rothaarig gewesen. Und jeder neue Mord war noch schlimmer als der vorhergehende.
Stehen die Morde etwa mit einem anderen Fall in Verbindung, gehört der brutale Serienkiller zu einer Bande – und betrügt er mit seinen Morden den großen Boss …
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Juli 2019
ISBN:
9783743827813
Format:
Buch

Über den Autor


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Jesse Trevellian und der Serienkiller - A. F. Morland

München

Jesse Trevellian und der Serienkiller

Krimi von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 236 Taschenbuchseiten.

Bereits drei bestialisch verstümmelte Opfer hatte der grausame Serienkiller hinterlassen. Alle drei jungen Frauen waren rothaarig gewesen. Und jeder neue Mord war noch schlimmer als der vorhergehende.

Stehen die Morde etwa mit einem anderen Fall in Verbindung, gehört der brutale Serienkiller zu einer Bande – und betrügt er mit seinen Morden den großen Boss …

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Kapitel 1

Angie Turner hatte Angst. Todesangst. Und das aus gutem Grund. Denn sie war einem Irren in die Hände gefallen. Der Kerl war total durchgeknallt.

Er tanzte fortwährend vor ihr herum, als müsse er ganz dringend aufs Klo, führte Selbstgespräche, richtete das Wort zwischendurch aber auch mal an sie und stellte Fragen, obwohl er wusste, dass sie nicht antworten konnte, weil er nämlich selbst dafür gesorgt hatte.

Das scharfe Metzgermesser in seiner Hand sei fürs Häuten von Tieren gedacht, hatte er ihr erklärt. Man könne es aber auch bei Menschen verwenden.

Und dabei hatte alles so harmlos begonnen.

Susan, Angies beste Freundin, hatte sie am Morgen angerufen und gesagt: „Hach, was würde ich mich gern mal wieder ein bisschen auf dem Rummelplatz von Long Island herumtreiben."

„Was hält dich zurück?", hatte Angie gefragt.

„Ich mag nicht allein so weit fahren."

„Meine Güte, was bist du umständlich. Warum sagst du nicht gleich, ich soll mitkommen?"

„Würdest du?"

„Ich hätte nichts dagegen."

Sie hatten Hoboken um neun Uhr verlassen und sich den ganzen Tag auf dem Rummelplatz vergnügt. Irgendwann war ihnen ein toller Typ über den Weg gelaufen, dessen Hintern Susan so süß gefunden hatte, dass sie ihm einfach nicht widerstehen konnte.

„Es macht dir doch hoffentlich nichts aus, wenn ich mich mit ihm verziehe, hm?, hatte sie im Waschraum eines Strandcafés – um Zustimmung bettelnd – gefragt. „Hm? Du bist mir doch nicht böse, nein? - wenn ich mit ihm… Nicht wahr, Angie, du verstehst das? Eine so einmalige Gelegenheit darf ich mir nicht entgehen lassen. Der Junge sieht zum Niederknien aus. Und er hat ordentlich was in der Hose. Ist dir das aufgefallen?

Sie hatte kichernd vor dem großen Spiegel gestanden und kokett an ihren blonden Löckchen herumgezupft. Ihre grünen Augen hatten vor Lebenslust gesprüht und gefunkelt, und sie hatte sich geschüttelt, als würde sie frösteln.

„Ich bin schon ganz kribbelig. Verrückt, dass ich auf bestimmte Kerle immer gleich so heftig reagiere, was? Aber so bin ich nun mal. Ich kann es nicht ändern."

So war Angie, die verständnisvolle Freundin, dann noch eine Stunde allein umhergebummelt, hatte sich am Strand auf eine Bank gesetzt und auf den Sonnenuntergang gewartet – und dann hatte er sich zu ihr gesellt.

Er hatte auf die Bank gezeigt und höflich gefragt: „Ist hier frei?"

Sie hatte genickt, und er hatte neben ihr Platz genommen. Sein edles Profil hatte ihr gefallen. Er hatte ein weißes Poloshirt und marineblaue Hosen getragen. Und schwarze Gucci-Schuhe.

Pechschwarzes, nicht zu langes Haar – sehr dicht und korrekt gescheitelt. Glatt rasierte Wangen. Markante Gesichtszüge. Eine elegante Erscheinung.

Der Wind hatte sanft mit ihren roten Haaren gespielt, und sie hatte sie immer wieder mit einer anmutigen Bewegung aus ihrem aparten Gesicht gestrichen.

Es hatte sich eine nette, unverfängliche Unterhaltung ergeben. Angenehmer Smalltalk. Leicht dahinplätschernd, aber dennoch nicht uninteressant.

Angie wäre nie auf die Idee gekommen, es mit einem gefährlichen Psychopathen zu tun zu haben, sonst hätte sie sich niemals von ihm zum Essen einladen lassen.

Nach dem Essen, beim Verlassen des Restaurants, waren ihr plötzlich die Knie eingeknickt. Der junge Mann, der sich Peter genannt hatte, hatte sofort nach ihrem Arm gegriffen und sie gestützt.

„Ist dir nicht gut?", hatte er besorgt gefragt.

„Ich – weiß – nicht … Sie hatte sich verwirrt und verlegen an die Stirn gegriffen. Der Schwächeanfall war ihr peinlich gewesen. „Mir ist auf einmal so – komisch …

„Mein Wagen steht zum Glück gleich um die Ecke. Ich fahre dich nach Hause."

„Das ist weit."

„Wo wohnst du denn?"

„In Hoboken."

„Das ist doch nicht weit. Los Angeles ist weit. San Francisco ist weit. Aber doch nicht Hoboken."

Sie hatte es mit seiner Hilfe gerade noch bis zu seinem Wagen geschafft. Wie er sie auf den Beifahrersitz verfrachtet hatte, hatte sie schon fast nicht mehr mitbekommen.

Als er die Tür zugeklappt hatte, waren bei ihr sämtliche Lichter ausgegangen, und als sie irgendwann wieder zu sich gekommen war, hatte sie hier, in diesem aufgelassenen U-Bahn-Tunnel, gefesselt und geknebelt mit hochgestreckten Armen an einem Eisenrohr gehangen, und Peter hatte ihr sein wahres Gesicht gezeigt.

„Baby, du hast ein Problem", sagte er soeben, als wäre er in großer Sorge.

Sie machte verzweifelt „Mpf! Mpf!". Ihre grauen Augen schwammen in Tränen. Er hatte ihr inzwischen gestanden, dass er ihr K.-O.-Tropfen in den Drink getan hatte. Und er war mächtig stolz darauf, dass sie es überhaupt nicht mitbekommen hatte.

„Wie war das?, fragte er zynisch und legte die Hand hinter sein Ohr. „Was hast du gesagt? Was heißt ›Mpf! Mpf!‹? Scheiße, du blödes Stück! Das ist doch nicht zu verstehen. ›Mpf! Mpf!‹ Ist das Chinesisch? Japanisch? Kisuaheli? Er kniff die Augen zusammen. „Ich glaube, du machst dich über mich lustig. Er schüttelte grimmig den Kopf. „Das solltest du nicht tun. Nein, Honey, das solltest du wirklich nicht tun. Ich vertrage es nämlich nicht, wenn sich jemand über mich lustig macht. Ich will ernst genommen werden …

Die Situation wurde immer verrückter. Peter antwortete sich selbst plötzlich mit der Stimme einer Frau: „Will das nicht jeder?"

„Natürlich will das jeder, sagte er wieder als Mann. „Aber die wenigsten scheren sich darum.

Und als Frau: „Dann verschaff dir Respekt. Wozu hast du das Messer?"

„Das Messer. O ja. Damit werde ich ihr beibringen, dass man sich über den schönen Peter nicht lustig macht."

„Aber sieh zu, dass sie dein weißes Poloshirt nicht mit ihrem Blut versaut."

„Ich hätte was überziehen sollen. Einen Arbeitskittel. Oder einen Regenmantel. Ja, ein Regenmantel wäre ideal gewesen. Mit Kapuze. Ich muss mir so was zulegen. Dann kann es ruhig mal ein bisschen spritzen."

„Mach sie fertig, die Schlampe!"

Peter nickte. „Keine Sorge, sie kommt von hier nicht lebend weg."

„Sie lebt schon viel zu lange."

Peter lachte meckernd. „Ist doch schön, zu sehen, wie sehr sie sich fürchtet."

„Tu es endlich!"

„Ja doch, stieß Peter mürrisch hervor. „Dräng mich nicht. Ich will es genießen.

„Hüte dich vor den Gezeichneten. Sie ist eine Gezeichnete. Sind wir uns in dem Punkt einig?"

„Natürlich ist sie eine Gezeichnete, bestätigte Peter. „Das sieht man doch. Sieht doch jeder, dass sie rote Haare hat.

„Und was hat mit den Gezeichneten zu geschehen?"

Peter senkte den Kopf und schaute auf sein Messer. „Eliminieren … Man muss sie eliminieren. Ausrotten muss man sie. Alle. Ausnahmslos. Damit sie ihr dreckiges Erbgut nicht weitergeben können. Es sollte jedermanns vordringlichste Pflicht sein, zu verhindern, dass sie sich vermehren."

„Dann drück dich nicht davor."

„Tu ich doch gar nicht", verteidigte sich Peter.

„Doch, das tust du."

Er tippte sich mit der Messerklinge an die Stirn. „Blödsinn."

„Bist du diesmal etwa zu feige?"

„Machst du Witze?, schnarrte Peter. „Willst du mich zum Lachen bringen? Ich – feige. Der schöne Peter feige. Das war er noch nie und wird er nie sein.

„Beweise es!"

Peter wandte sich an sein Opfer. „Hast du das gehört? Sag jetzt bloß nicht wieder ›Mpf! Mpf!‹, sonst …" Er fuchtelte mit dem Messer drohend vor Angies entsetzensstarren Augen herum.

Und dann stach er unvermittelt zu.

Kapitel 2

Ich stieg in meinen Sportwagen, wartete, bis Milo Tucker neben mir saß, und fuhr dann los. Mein Partner presste grimmig die Lippen zusammen.

„Ich wollte, wir brauchten da nicht hinzufahren", sagte er dunkel.

Ich nickte. „Mir geht es genauso."

Er runzelte die Stirn. „Wie kann man so pervers sein?"

Ich hob die Schultern. „Der Mann ist krank."

„O ja, das ist er, pflichtete mein Kollege mir bei. „Und wie. Ich wüsste zu gern, was in seinem Kopf vorgeht.

„Vielleicht weiß er das selbst nicht."

„Und so jemanden soll man aus dem Verkehr ziehen, damit er nicht noch mehr rothaarige Frauen bestialisch ermordet."

Ich fuhr über die Brooklyn Bridge. Der Verkehr war dicht. Unser Ziel war die Flushing Avenue. Dort, wo sie auf den Auburn Place stieß, gab es - zwischen Büschen und Bäumen versteckt - die Möglichkeit, zu einem aufgelassenen U-Bahn-Tunnel hinunterzusteigen. Und dort wurden wir erwartet.

Weil jemand das dritte Opfer des Serienkillers, hinter dem wir seit geraumer Zeit her waren, entdeckt und anonym die Polizei angerufen hatte.

Sein erstes Opfer war eine Austauschstudentin aus Idaho gewesen. Sein zweites eine Sekretärin aus Suffolk. Das dritte Opfer war noch nicht identifiziert.

Alle drei jungen Frauen waren rothaarig gewesen, und wir gingen davon aus, dass sie deshalb hatten sterben müssen. Unser Mann, der nicht richtig tickte, hatte offensichtlich etwas gegen rothaarige Frauen.

Der Grund hierfür war in seinem kranken Kopf verborgen, und deshalb würde es besonders schwierig sein, ihn zu finden - weil er weder aus Rache noch aus Habgier, noch aus Eifersucht oder einem anderen irgendwie nachvollziehbaren Grund tötete, sondern wahllos.

Sah er eine Rothaarige, machte es bei ihm „Klick!", und er schlug zu. Und er wurde immer grausamer. Jeder neue Mord war noch schlimmer als der vorhergehende.

Irgendwann würde er seine Taten nicht mehr toppen können.

Die Flushing Ave kam in Sicht. Ich nahm Gas weg und bog rechts ab. Von weitem schon sah ich die nervös zuckenden Rotlichter der Streifenwagen.

Ich fand hinter der Polizeiabsperrung eine Parkmöglichkeit. Als wir ausstiegen, kam uns ein baumlanger, rotgesichtiger Mann (er hätte mal seinen Blutdruck checken lassen sollen) entgegen: Lieutenant James Elg.

Für ihn war sein Job kein Beruf, sondern eine Berufung. Er war geradlinig, offen, strebsam und unbestechlich. Zwei Gangster, die geglaubt hatten, ihn schmieren zu können, saßen heute im Knast und begriffen nicht, wie sie mit ihrer Meinung - jeder Mensch wäre käuflich, es komme immer nur auf den Preis an - so falsch hatten liegen können.

Elg gab uns die Hand. Zuerst mir, dann meinem Partner. „Agent Trevellian. Agent Tucker", sagte er dabei.

„Wie sieht's aus?", erkundigte ich mich.

„Ich habe ja schon viel erlebt, aber …" Er brach seufzend ab.

„Spuren?", fragte ich.

„Meine Leute haben noch keine gefunden, antwortete der Lieutenant. Jenseits der Absperrung drängten sich Schaulustige. Elg deutete mit dem Kopf auf sie. „Ich verstehe diese Leute nicht. Wenn ich nicht hier sein müsste, würde ich einen Riesenbogen um diesen Tatort machen. Er zeigte uns den Weg in die Unterwelt. „Machen Sie sich auf was gefasst, warnte er uns. „Ich hoffe, Sie haben robuste Magennerven. Sonst kann ich für nichts garantieren.

Wir gelangten über eine eiserne Wendeltreppe in den Tunnel. Sie ächzte, quietschte und klapperte. Ich hörte, wie jemand sagte: „Siebenundvierzig Messerstiche … Und dann hat er sie auch noch gehäutet, mit Benzin übergossen und angezündet …"

Dementsprechend sah die Leiche aus. Man brauchte sehr viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass das mal ein Mensch gewesen war. Ich möchte nicht näher ins Detail gehen.

Trotz Elgs Warnung krampfte sich mein Magen zu einem schmerzhaften Klumpen zusammen. Ich hob den Kopf und sah mir den Strick an, mit dem der Killer sein Opfer an ein Rohr gefesselt hatte. „Wieder derselbe Knoten", stellte ich fest.

Lieutenant Elg nickte. „Die Affenfaust. Sein Markenzeichen. Mit diesem speziellen Knoten möchte er offenbar erreichen, dass wir seine Morde keinem andern Täter zuordnen."

Der Tatort wurde von transportablen Standscheinwerfern taghell ausgeleuchtet. Ringsherum lief das volle Programm der Mordkommission. Wände, Boden, Decke – alles wurde akribisch unter die Lupe genommen. Doch der Täter schien – trotz seines dokumentierten Irrsinns - keinerlei Spuren hinterlassen zu haben.

„Er muss einen ganz unbändigen Hass auf rothaarige Frauen haben, meinte James Elg. „Höchstwahrscheinlich hat ihn ein Erlebnis mit einer Rothaarigen – Freundin, Schwester, Mutter, Tante, Kindermädchen, Nachbarin, Lehrerin, Erzieherin - so sehr traumatisiert, dass er jedes Mal den Verstand verliert, wenn er einer begegnet. Es wäre sehr wichtig, herauszufinden, wofür er sich so grausam rächen muss.

Einer von Elgs Männern führte uns zum Lager eines Obdachlosen. Es befand sich etwa hundert Meter vom Tatort entfernt. Das Nest war natürlich leer.

Der Vogel war ausgeflogen. Aber wann war er zuletzt hier gewesen? Hatte er etwas von dem Mord mitbekommen? Hatte er die Polizei anonym angerufen?

Auf dem Boden lagen zwei dicke blau-weiß gestreifte Matratzen, und fünf dicke Kartonschichten sorgten dafür, dass die Kälte der Wand nicht auf den Schlafenden abstrahlte.

Eine Steppdecke war in eine große Alu-Folie gewickelt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Das Ganze sah nicht so aus, als ob hier schon lange keiner mehr „wohnte". Dies war ein Quartier, das nur vorübergehend verlassen worden war. Das Bett war zwar nicht mehr warm, aber letzte oder vorletzte Nacht konnte es durchaus noch benutzt worden sein.

Lieutenant Elg sagte, sie würden versuchen, den Mann zu finden, der sich hier eingenistet hatte. „Oder die Frau", ergänzte er.

Ich bat ihn, uns auf dem Laufenden zu halten. Wir kehrten zu der Toten zurück. Sie wurde gerade abgeschnitten und in einen schwarzen Leichensack gelegt.

Der Polizeifotograf schoss weitere Bilder von ihr, und der Polizeiarzt stellte seinen Obduktionsbericht binnen vierundzwanzig Stunden in Aussicht.

Wir verließen mit dem Lieutenant den Tunnel. Die Zahl der Schaulustigen hatte sich inzwischen verdoppelt, und eine Gruppe von Reportern stellte – total disziplinlos, sich gegenseitig heftig schubsend und stoßend und wild durcheinanderschreiend - so viele Fragen, dass wir mehrere Stunden gebraucht hätten, um sie alle zu beantworten.

Da die sensationsgeile Meute aus Milo und mir nichts Verwertbares herausbrachte, hielt sie sich an James Elg. Sie kreiste den Lieutenant ein und fiel wie ein Rudel hungriger Wölfe über ihn her, während wir zu meinem Sportwagen zurückkehrten, an dem ein junger Mann lehnte.

Jetzt löste er sich vom Wagen und zeigte uns seinen Presseausweis. Sein Name war David Sheeny. Er sagte, er würde für kein bestimmtes Blatt arbeiten, sondern seine Storys jeweils dem Meistbietenden verkaufen.

Er war so gut angezogen, dass die Vermutung nahe lag, dass er sehr viel mehr mit dem verdiente, was er wusste, aber nicht veröffentlichte.

Sheeny wusste, wer wir waren. Woher, das ließ er offen. „Der Killer ist eine Bestie in Menschengestalt, nicht wahr?, sagte er. „Ich habe seine ersten zwei Opfer gesehen. Und diesmal hat er sich noch mehr ausgetobt – kam mir zu Ohren. Er richtete seinen Blick auf mich. „Wie sehen Sie Ihre Chancen, den Kerl zu kriegen, Agent Trevellian?"

„Wir werden ihm das Handwerk legen", erklärte ich bestimmt.

Sheeny nickte lächelnd. „Natürlich. Sie müssen auf Optimistisch machen. Das ist ganz klar. Aber sind Sie auch wirklich überzeugt von dem, was Sie sagen?"

Milo schaltete sich ärgerlich ein. „Was würden Sie lieber von uns hören, Mr Sheeny? Dass wir uns nicht vorstellen können, den Täter zu fassen? Dass wir keinen blassen Schimmer haben, wer der Kerl ist, wie er seine Opfer auswählt, wie wir an ihn herankommen sollen?"

Der Reporter hob grinsend die Hände. „Ich hab nur ein paar harmlose Fragen gestellt, Agent Tucker. Kein Grund, mir deshalb gleich den Kopf abzureißen. Ich bin auf Ihrer Seite. Ich wünsche mir – ganz ehrlich - im Moment nichts sehnlicher, als dass Sie den Wahnsinnigen so schnell wie möglich aus dem Verkehr ziehen. Sonst sorgt er dafür, dass es bald keine rothaarigen Frauen mehr in New York gibt. Das fände ich sehr schade, weil mir die rothaarigen Ladys nämlich am liebsten sind. Die echten Rothaarigen natürlich nur. Nicht die gefärbten. Sie sind für mich etwas Besonderes. Ich mag ihre hübschen Sommersprossen, ihre milchweiße Haut … Er hat wieder diesen Spezialknoten, der Affenfaust genannt wird, gemacht, nicht wahr?"

Milo musterte ihn scharf. „Woher wissen Sie das?"

David Sheeny zuckte mit den Achseln. „Ich habe es zufällig aufgeschnappt."

Mein Partner kniff die Augen zusammen. „Sie haben erstaunlich gute Ohren, Mr Sheeny."

Der Reporter lächelte entwaffnend. „Muss ich wohl – bei meinem Beruf, oder?"

„Waren Sie unten?", fragte mein Partner lauernd.

„Im Tunnel?, fragte Sheeny. „Ich? Nein. Warum fragen Sie, Agent Tucker? Er kratzte sich am Hinterkopf. „Ich hab zwar versucht, einen Blick auf die Leiche zu werfen, aber die Cops haben es mir nicht erlaubt."

Der Mann hatte etwas an sich, was mir nicht gefiel. Obwohl sein Äußeres untadelig war. War er mir zu glatt? Störte es mich, dass er sich für ganz besonders clever hielt? Wieso war er nicht bei der Journalistenmeute, die noch immer Lieutenant Elg umringte? Hielt er sich für etwas Besseres?

Oder ging er immer einen anderen Weg, um an seine Informationen zu kommen? Stimmte mit David Sheeny irgendetwas nicht? Oder bildete ich mir das nur ein?

Ich forderte ihn auf, zur Seite zu treten. Er zögerte kurz, dann tat er, was ich wollte. Als ich die Wagentür öffnete, sagte Sheeny hinter mir: „Ich stelle es mir ungemein schwierig, ja geradezu unmöglich vor, in einer Stadt mit sieben Komma zweiunddreißig Millionen Einwohnern einen Frauenmörder, der offenbar geisteskrank ist, zu finden. Allein hier in Brooklyn leben zwei Komma drei Millionen Menschen –

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