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Die Kanzlei Geheime Macht: Vampirroman

Die Kanzlei Geheime Macht: Vampirroman

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Die Kanzlei Geheime Macht: Vampirroman

Länge:
264 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 4, 2018
ISBN:
9783739687964
Format:
Buch

Beschreibung

Glaubst du an die Liebe? Glaubst du an das Schicksal? Glaubst du daran, dass jedes Leben vorherbestimmt ist?

Fanny Raigen tut das, bis sie von ihrem Freund Max verlassen wird. Um die Gefühle für ihn zu vergessen, stürzt sie sich in ihre Arbeit. Was sie nicht weiß, ihr Chef hat sie für die vor kurzem freigewordene Stelle als Assistentin von Oskar Monrach in New York vorgeschlagen. Zunächst scheint dieser Vorschlag auch aussichtslos.
Doch das Blatt wendet sich, als sie zufällig in der Berliner Kanzlei auf den mysteriösen Sohn des Kanzleigründers trifft. Die Begegnung hinterlässt Spuren und verändert für beide alles.

Glaubst du an die Liebe und daran, dass jedes Leben eine Bestimmung hat? Doch was ist, wenn deine Bestimmung das Monster aus deinen Albträumen ist?


Leserstimmen: 

"Die Kanzlei ein Buch für alle, die die Biss-Reihe gern gelesen haben, keine Folge von Vampire Diaries verpassen und von The Originals begeistert sind."


Bisher erschienen: 
 
Band 1 - Die Kanzlei - Geheime Macht
Band 2 - Die Kanzlei - BlutErbe
Band 3 - Die Kanzlei - Gefährliches Vertrauen
Band 4 - Die Kanzlei - HerzensAsche
Band 5 - Die Kanzlei - Bittere Rache
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 4, 2018
ISBN:
9783739687964
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Die Kanzlei Geheime Macht

Buchvorschau

Die Kanzlei Geheime Macht - H.J. White

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Epilog

Lesen Sie weiter …

Über die Autorin

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vielen Dank an deinem Interesse für meine Geschichte um Fanny und Oskar. Doch ich muss dich an dieser Stelle warnen, wenn du auf der Suche nach einer leichten Romantasy Liebesgeschichte bist, bist du bei dieser Buchreihe leider falsch. Meine Protagonisten, vor allem Fanny, müssen einige grausame Dinge erleiden, was ich auch teilweise explizit beschrieben habe. In »Die Kanzlei« sind Vampire gewalttätig und kosten dies auch aus.

Die Bände sind NICHT in sich abgeschlossen.

Bist du nun abgeschreckt?

Nein, gut.

Dann wünsche ich dir nun viel Spaß und spannende Stunden mit dem ersten Band der Buchreihe.

Alles Liebe

H.J. White

Alle Rechte vorbehalten, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form.

Dies ist eine fiktive Geschichte, alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Bücher der Reihe:

Band 1 - Die Kanzlei Geheime Macht

Band 2 - Die Kanzlei BlutErbe

Band 3 - Die Kanzlei Gefährliches Vertrauen

Band 4 - Die Kanzlei HerzensAsche

Band 5 - Die Kanzlei Bittere Rache

Band 6 - Die Kanzlei LiebesBlut wird im Herbst 2021 erscheinen!

Prolog

Die Nacht ließ jeden einzelnen Baum des Waldes wie ein Schreckgespenst aus einem der schlimmsten Albträume wirken und kalt peitschte der Regen zu Boden. Babygeschrei durchbrach die Finsternis und jagte auch dem kleinsten Waldbewohner einen Schauder über den Rücken.

»Bitte kümmert euch gut um sie«, die Stimme zitterte und sie versuchte nicht zu Schluchzen.

Ängstlich blickte er seiner Ehefrau ins Gesicht. Zum ersten Mal stand sie seiner Affäre gegenüber. Es lagen zermürbende Monate hinter ihnen. Streit und Vorwürfe. Schließlich hatte sie zugestimmt, dass Produkt seiner Untreue bei sich aufzunehmen.

Nun standen sie hier, mitten in der Nacht im Wald und starrten das wenige Stunden alte Wesen an. Klein, hilflos. Eingewickelt in eine flauschige rosa Decke, schrie sich das Baby die Seele aus dem Leib.

»Sind Sie sich ganz sicher?«

Die Frage war zu viel, um länger die Fassung zu bewahren. Ein lauter Schluchzer hallte durch die Nacht. »Ja. Sie hat bei mir keine Zukunft.« Vorsichtig wurde das Baby übergeben. »Bitte passen Sie gut auf mein Mädchen auf und versprechen Sie mir, dass sie niemals von mir erfahren wird.« Ein eindringliches Flehen lag in dem Blick ihrer blaugrünen Augen. Mit zitternden Händen zog sie einen Umschlag aus der Innentasche ihres Mantels. »Darin sind alle offiziellen Dokumente. Ab jetzt sind Sie ihre Mutter und ich existiere nicht.«

Ein dicker Kloß setzte sich im Hals des Vaters fest. Kaum merklich schüttelte er sich und kämpfte räuspernd gegen die Beklommenheit an, die sein Herz umfing. »So haben wir es besprochen«, erinnerte er laut, während er den Umschlag entgegennahm und den Arm um seine Ehefrau legte. »Unsere Tochter wird es gut haben.«

»Wie heißt sie?«

»Das dürfen Sie entscheiden«, und ein letztes Mal streichelte sie liebevoll über die Stirn des Babys, bevor sie für immer in der Dunkelheit verschwand.

Kapitel 1

- Oskar Coeus Monrach -

New York, Anfang April

Die Nacht durchzog eine frostige Kälte und der Wind brauste durch die leeren Straßen. In dieser Aprilnacht schickte niemand seinen Hund vor die Tür. Leise lachte ich auf, der Vergleich gefiel mir.

Ich betrachtete Jenna Montegrimm im Schein der Straßenlaternen. Zitternd lag sie mir zu Füßen, wie ein Schoßhündchen. Der knielange schwarze Rock war zerrissen und ihre Knie aufgeschlagen, langsam färbte sich ihre Strumpfhose rot. Matsch besudelte ihre weiße Haut. Die langen Locken klebten an ihr, als wäre sie gerade aus der Dusche gekommen und die Angst ließ ihre braunen Augen riesig wirken. Ich sah direkt in ihr verlogenes Selbst und es widerte mich an.

»Bitte, Sir. Ich wusste nicht ... bitte ...«, stammelte sie verzweifelt.

Ihr Wimmern um Gnade klang beleidigend in meinen Ohren. Sie glaubte offenbar, dieses Gewinsel würde ihr jetzt helfen, heil aus der Sache herauszukommen. Unweigerlich musste ich lauthals lachen, und es hallte von den Mauern der verlassenen Gebäude wider. Mit einer Hand packte ich sie an dem Kragen ihrer beigefarbenen Seidenbluse und zog sie ruckartig auf die Beine. Leise hörte man den feinen Stoff zerreißen. »Ach Schätzchen, das wollen Sie mir wirklich weismachen. Sie wussten es nicht. Bitte hören Sie auf, mich für dumm zu verkaufen. Lassen wir die Spielchen«, raunte ich ihr ins Ohr und fühlte, wie ihr Atem mit jeder Silbe mehr ins Stocken geriet.

Mein Blick streifte die goldene Rolex an meinem Handgelenk. Verflucht mir lief die Zeit weg. Leider konnte ich mich ihr nicht so widmen, wie sie es verdient hätte. »Nun ... zum letzten Mal, wo sind die Unterlagen?«

»Ich ... habe ... sie ... nicht. Bitte glauben Sie mir, Mr. Monrach«, versicherte sie mir unter einer Flut von Tränen.

Meine Wut loderte auf. Die Kleine wollte mich verarschen. Ich wirbelte herum und schleuderte sie gegen die Mauer. Deutlich konnte ich ein leises Knacken in ihrem Oberkörper hören. Recht so. Das Miststück war gerade dabei sich wieder aufzurappeln, als ich sie an den Schultern packte und hochzog. Sie erstarrte in meinen Händen und ihr Herzschlag dröhnte durch die Nacht wie Donner. »Dann streng dein Köpfchen an. Klauen konntest du sie ja auch«, zischte ich.

Nach Luft japsend zappelte sie wie ein Fisch im Netz. Ihre Todesangst versüßte die eisige Luft. Langsam begann sie zu verstehen, dass es kein Entkommen für sie gab.

»Bitte ... Sir ...«

»Zum letzten Mal«, fauchte ich und legte meine Hand an ihre Kehle. Meine Geduld war am Ende. Ohne großen Kraftaufwand drückte ich zu und fühlte ihren rasenden Puls. Verzweifelt kämpfte sie darum, meine Finger zu lösen. Wie süß, ich musste grinsen.

Keine zwei Minuten später gab sie ihren Widerstand bereits auf. »In ... meiner Wohnung ... hinten ... im Kleiderschrank«, keuchte sie mit letzter Kraft und in ihren Augen flammte für eine Sekunde die Hoffnung auf Rettung auf.

»Vielen Dank«, flüsterte ich, während ihre Halswirbelsäule knackte wie ein Streichholz, dass man in der Mitte auseinanderbricht.

Aus ihren Augen entwich das Leben und ihr Herz verstummte. Keine Lügen mehr. Ich ließ den leblosen Körper fallen und ging zurück zum Wagen.

Der Chauffeur sprang aus der Limousine, als er mich in der Dunkelheit erkannte und hielt mir die Tür auf, damit ich einsteigen konnte.

Im Inneren umfing mich sofort der Duft nach Sex; zügellosem, animalischem Sex, bei dem man dem Partner nicht das geringste schenkte. Dieser Duft allein hatte mich vor mehreren Jahrhunderten in Flammen setzen können. Grimmig sah ich meine Angetraute an. Der schwarze Kaschmirmantel schmiegte sich an ihre Konturen und hob ihre weiblichen Vorzüge hervor. Ihre roten Haare fielen ihr in großzügigen Wellen über die Schultern und ihre stahlgrauen Augen ruhten triumphierend auf mir. Tief brannte sich ihr Blick in meine Haut.

»Wurde auch langsam Zeit, Oskar«, begrüßte Julitta mich belustigt. »Dein Vater wird sicherlich begeistert sein, wenn wir ihn noch länger warten lassen. Vor allem in dieser Situation.« Mit einem Knall fiel die Fahrertür ins Schloss und im gleichen Augenblick setzten wir uns in Bewegung. Noch bevor ich ihr antworten konnte, setzte sie ihre Sticheleien fort. »Und wo sind die Unterlagen? Hatte das Miststück sie in der Unterwäsche versteckt?«, fragte sie kichernd. Natürlich würde sie weiter Salz in meine Wunde streuen und mich meine Unachtsamkeit nicht vergessen lassen. Nicht in den nächsten fünfhundert Jahren. Dazu liebte sie es zu sehr mich quälen zu können. Fest presste ich die Zähne knirschend zusammen. Überheblich betrachtete sie mich von oben herab und grinste boshaft. »Soll ich mich mal wieder darum kümmern? Ich bin es ja gewohnt deinen Arsch zu retten.« In ihren Augen blitzte es auf.

»Danke, nicht nötig. Ich habe alles unter Kontrolle.«

Sie lehnte sich zu mir und raunte mit rauchiger, verruchter Stimme: »Oh mein Schatz, das bezweifle ich. Wollen wir hoffen, dass du mit dem Auffinden der Unterlagen erfolgreicher bist, als mit dem Aufbewahren.« Die Spitzen ihrer Worte trafen mich, wo sie es beabsichtigt hatte – genau in meiner Mitte, meinem Stolz.

Ich fühlte die Scham über mein Versagen, wie giftige Säure brannte sie mir in den Venen. Der Drang ihr den Kopf abzureißen wurde unerträglich. Allerdings hätte ich dann noch mehr Ärger am Hals. Mein Vater verehrte meine Gattin. Sie bedeutete ihm mehr als ich oder mein Bruder; und niemals vergab er einen Frevel gegen sich oder das, für das er etwas übrig hatte.

Wissend, dass ich ziemlich tief in der Scheiße steckte, lächelte ich verkniffen zurück und sparte mir die Luft, die jedes weitere Wort vergeudet hätte. Ich musste nachdenken und die nächsten Schritte planen, bevor meine Dummheit noch endgültig in einer Katastrophe endete.

- Franziska Fanny Raigen -

Passau, 21. April

Der Kopf schmerzte, meine Nase tropfte unentwegt und die Ohren waren ebenfalls zu. Ich hatte mir eine saftige Erkältung eingefangen. Allerdings auch kein Wunder, denn für April war es dieses Jahr noch ziemlich kalt. Warum war ich eigentlichen nicht zuhause geblieben? Da ich jedoch über die Antwort nicht nachdenken wollte, konzentrierte ich mich einfach darauf wachzubleiben.

»Frau Raigen«, rief mein Chef aufgeregt durch das Büro, seine eiligen Schritte klapperten auf dem abgenutzten Parkettboden. »Frau Raigen? Wo sind sie?«

Seufzend sah ich von der Zwangsvollstreckungsakte auf und legte sie beiseite. »Hier, Herr Meier.«

Er huschte an der Bürotür vorbei, stoppte in der nächsten Sekunde abrupt und kam zurück. »Ah, da sind sie.« Er hielt inne und blickte mich verdutzt an. »Alles in Ordnung? Sie sehen erschöpft aus?«

»Nein, passt schon. Alles gut«, wiegelte ich ab.

»Hatten sie wieder Albträume?«

Ja, doch das ging ihn nichts an, daher schüttelte ich vehement den Kopf. »Ich komme in dem Inkassofall nicht weiter.«

Herr Meier warf einen flüchtigen Blick auf die Akte und nickte, er kannte die Angelegenheit bereits seit Jahren. »Oh ich bin mir sicher, Ihnen fällt noch das Richtige ein.« Nun breitete sich ein freudiges Lächeln auf dem runden Gesicht meines Chefs aus. »Immerhin sind sie die Beste auf diesem Gebiet.«

»Die Beste?«, fragte ich verwirrt nach. Wie kam er darauf?

»Ja, ja. Das dürfen Sie mir schon glauben. Und hier ist der Beweis dafür.« Mit ausladender Geste überreichte er mir ein bereits ziemlich zerknittertes Schreiben, auf dem groß der Briefkopf der Berliner Geschäftsstelle prangte.

... Berlin, 20. April

Sehr geehrter Herr Meier,

In den letzten Jahren haben Sie sehr zum Erfolg der Kanzlei Monrach Inc in Deutschland beigetragen. Um Ihre Verdienste für das Unternehmen auszuzeichnen, laden wir Sie hiermit herzlich zur Jubiläumsfeier am 21. Mai im Rahmen unseres 100-jährigen Bestehens ein. ...

Mit großen Augen sah ich von dem Schreiben auf und Herrn Meier an. Das war tatsächlich eine Ehre für ihn. Normalerweise bedeutete es nichts Gutes, wenn man nach Berlin zitiert wurde, aber eine Einladung zu einem Großereignis wie die Jubiläumsfeier zeigte, dass wir nicht in der Bedeutungslosigkeit der Provinz verschwanden. »Das ist toll für Sie ...«, hibbelig hob er die Hand und deutete mir, dass ich weiterlesen sollte.

... Doch nicht nur ihr persönlicher Arbeitseinsatz, sondern auch ihre Personalführung ist bemerkenswert.

Selbstverständlich ist uns nicht entgangen, dass ihre Mitarbeiterin, Franziska Raigen, überaus erfolgreich die Zwangsvollstreckungsabteilung ihrer Zweigstelle leitet. Daher laden wir Frau Raigen ebenfalls zur Gala ein. ...

»Was? Ich?«, platzte es aus mir heraus.

»Frau Raigen, wissen Sie was das bedeutet ...«, fragte er atemlos.

Ich sah direkt in seine funkelnden, brauen Augen, die sich hinter der schwarzen Hornbrille verbargen. Beförderung, schoss es mir unweigerlich durch den Kopf. Die Beförderung, auf die er seit fünf Jahren sehnsuchtsvoll wartete. Und als hätte er meine Gedanken gelesen, nickte er zustimmend. Ich holte tief Luft und las weiter.

... Wir freuen uns daher, sie beide ab 18. Mai in der Berliner Geschäftsstelle zu begrüßen und einige Tage im regen Erfahrungsaustausch mit Ihnen verbringen zu dürfen. Für die Unterkunft in der Zeit vom 17. Mai bis 22. Mai. wurde bereits gesorgt und ein Appartement im MIB reserviert. Wir bitten lediglich um Rückmeldung ihrerseits, damit wir Ihnen die Reservierungsbestätigung zukommen lassen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. jur. Joachim Baumisch, CEO Monarch Inc. Zweigniederlassung Deutschland ...

»Die Zimmer sind bereits gebucht?« Was sollte man davon halten?

»Ja Frau Raigen. Ist das nicht großartig. Berlin will uns beide sehen. Uns.«

»Und was, wenn ich im Mai etwas anderes vorhabe?« Ich wusste ja, dass die Berliner Bosse sehr von sich eingenommen waren, doch das war eine Anmaßung. Sie ließen einem gar keine andere Wahl als zuzusagen.

»Frau Raigen, was haben Sie denn vor?«, fragte mich Meier nun süffisant.

»Kurzurlaub«, antwortete ich, bevor ich wirklich darüber nachgedacht hatte.

Herr Meier brach in schallendes Gelächter aus. »Ach Frau Raigen.« Er wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. »Ich weiß, dass Sie es nicht mögen überrumpelt zu werden.« Nun brauchte er eine Pause, um wieder zu Atem zu kommen. »Aber seien Sie nicht naiv. Die Amerikaner werden auch da sein. Wir wissen beide, dass sich eine solche Chance nur ein einziges Mal im Leben bietet. Davon kann die gesamte Karriere abhängen. Wollen Sie wirklich den Rest Ihres Lebens hier in der Provinz verbringen? Als Sachbearbeiterin für Zwangsvollstreckungen?«

»Ich lebe und arbeite sehr gerne hier.« Trotzig warf ich den Brief auf den Schreibtisch und verschränkte meine Arme. »Abgesehen davon, haben wir laufende Fristen, die eingehalten werden müssen.«

»Nein. So nicht! Kommen Sie mir nicht mit fadenscheinigen Ausreden. Darum kann sich jemand anderes kümmern«, zornig verengten sich seine Augen. »Ich weiß, in letzter Zeit hatten Sie einige schwierige Rückschläge zu verkraften. Aber sich weiter hier zu verstecken und dem Vergangenen nachzutrauern, bringt Sie nicht weiter.«

Seine Worte ließen es abwechselnd heiß und eisigkalt in mir werden, doch bevor ich darauf erwidern konnte, hörte ich ein Räuspern unter der Tür.

Zeitgleich drehten Herr Meier und ich uns um und in der nächsten Sekunde wünschte ich mir, ich hätte im Boden versinken können. Max stand da und blickte verlegen zwischen uns hin und her. Wie lange stand er da? Hatte er mehr als die letzten Gesprächsfetzen mitbekommen? Mein Chef betrachtete ihn mit mehr als unfreundlichem Blick.

»Entschuldigung. Ich wollte nicht stören, aber Fanny ... ich müsste dringend mit dir sprechen.«

Mein Herz hämmerte wild gegen meine Rippen. Ich weiß nicht, was mich in dieser Sekunde mehr aus der Fassung brachte, dass Max - meine Liebe - vor mir stand und mit mir sprechen wollte, oder dass ich mein Herz wieder spürte.

»In einer halben Stunde hat Frau Raigen Mittag, solange können Sie sicherlich noch warten?«, zischte Herr Meier.

Max nickte und ging, während ich noch immer dastand und versuchte meine Fassung zurückzugewinnen. Er wollte mit mir reden. Dringend. Konnte es sein, dass ...? Ich spürte Herrn Meiers Blick auf mir. Es war ein Blick, den ein besorgter Vater seiner Tochter schenkt, wenn er glaubt, dass sie erneut verletzt wird. »Frau Raigen, Sie sollten nicht ...«

Unwillkürlich schnellte meine Hand nach oben und mein Chef stoppte im Satz. Ich wollte die gutgemeinte Belehrung nicht hören. Ich wollte hoffen. Ich wollte träumen. Ich wollte lieben. Ich wollte mein Herz spüren. Ich wollte ein gutes Ende für mich und Max. » Herr Meier, mit Verlaub das geht Sie wirklich nichts an. Ich mache meine Arbeit und das offensichtlich ziemlich gut.« Kopfnickend deutete ich auf das Schreiben aus Berlin.

»Genau, Sie arbeiten. Das ist das Einzige, was Sie tun, seit dieser Kerl Sie wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen hat. Vergessen Sie das nicht. Er hat Sie verlassen, in einer Zeit in der Sie verletzlich waren und ihn am dringendsten gebraucht hätten.«

Schwer schluckte ich den imaginären Kloß in meinem Hals hinunter. Er hatte recht und dennoch weigerte sich in diesem Moment alles in mir, das Ende der Beziehung zu akzeptieren. »Geben Sie Berlin Bescheid, das wir kommen«, lenkte ich ein und hoffte damit, dass er das Thema Max fallen ließ.

Tief atmete er durch, offenbar erleichtert. »Schön. Ich werde mich sofort darum kümmern.« Er wandte sich zum Gehen, hielt auf der Türschwelle nochmals inne, sein Blick war eindringlich und ruhte schwer auf mir. »Aber bitte versprechen Sie mir, die Worte dieses Windhunds genau abzuwägen, bevor Sie sich auf irgendetwas einlassen.«

Ich starrte ihn schweigend an und nickte.

Kapitel 2

- Fanny -

Passau, 21. April

Mein Herz pochte wie verrückt und ich starrte auf die Uhr. Unbeweglich, als wäre ich eingefroren, wartete ich darauf, dass es endlich zwölf wurde. Ich und Meier waren zur Jubiläumsfeier nach Berlin eingeladen. Fassungslos schüttelte ich meinen Kopf. Wir bei den großen Bossen - das war verrückt! Ich hasste solche Großveranstaltungen.

Allerdings, dass Max mich sprechen wollte, warf mich völlig aus der Bahn. Unweigerlich stieg Hoffnung in mir auf, etwas das ich unbedingt vermeiden wollte und musste. Die letzten Monate waren zu schwer, um jetzt

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