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Dr. Winter und der Kunstfehler: Cassiopeiapress Arztroman
Dr. Winter und der Kunstfehler: Cassiopeiapress Arztroman
Dr. Winter und der Kunstfehler: Cassiopeiapress Arztroman
eBook167 Seiten2 Stunden

Dr. Winter und der Kunstfehler: Cassiopeiapress Arztroman

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Über dieses E-Book

Arztroman von Glenn Stirling
 
Der Umfang dieses Buchs entspricht 166 Taschenbuchseiten.

Zwei junge Ärzte sitzen auf der Anklagebank. Schwere Körperverletzung wird ihnen zur Last gelegt. Im Prozess um die Schuldfrage finden sie sich wieder in einem Spiel um Ruhm, Ehre und ungeduldeter Liebe. Doch schon bald werden die Regeln neu geschrieben und alles erscheint in einem Licht...
SpracheDeutsch
HerausgeberBookRix
Erscheinungsdatum28. Feb. 2018
ISBN9783743855632
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    Buchvorschau

    Dr. Winter und der Kunstfehler - Glenn Stirling

    München

    Dr. Winter und der Kunstfehler

    Arztroman von Glenn Stirling

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 166 Taschenbuchseiten.

    Zwei junge Ärzte sitzen auf der Anklagebank. Schwere Körperverletzung wird ihnen zur Last gelegt. Im Prozess um die Schuldfrage finden sie sich wieder in einem Spiel um Ruhm, Ehre und ungeduldeter Liebe. Doch schon bald werden die Regeln neu geschrieben und alles erscheint in einem Licht...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    1

    Der Richter und seine Beisitzer erhoben sich. Der Richter setzte sein Barett auf, sah den Zeugen ernst an und sagte: „Herr Professor Doktor Winter, heben Sie bitte die rechte Hand und schwören Sie. Ich spreche Ihnen jetzt die Eidesformel vor. Sie schwören bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, dass Sie nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen haben. Sprechen Sie mir bitte nach: Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe."

    „Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe", erwiderte Professor Dr. Winter mit fester Stimme.

    Der Vorsitzende nahm sein Barett wieder ab, setzte sich und fuhr sich mit der flachen Hand über sein spärliches dunkles Haar. „Herr Professor Winter, wir danken Ihnen für Ihre Aussage. Ich glaube, meine Damen und Herren, wir brauchen Herrn Professor Winter nicht weiter zu bemühen, oder?" Er blickte fragend nach links, wo an der Fensterwand der Staatsanwalt saß. Der schüttelte den Kopf. Nun wandte sich der Vorsitzende nach rechts zu dem Verteidiger und der Verteidigerin und auch die gaben ihm zu verstehen, dass der Zeuge nicht mehr benötigt wurde.

    „Herr Professor Winter, Sie können, wenn Sie wollen, dort drüben Platz nehmen oder aber die Verhandlung verlassen, ganz nach Belieben."

    Professor Winter nickte und sah dann hinüber zu den beiden angeklagten Ärzten. Der eine war rotblond und noch ziemlich jung, die andere war eine dunkelhaarige, ernst dreinblickende Ärztin, deren Gesicht bleich und deren Augen gerötet wirkten. Dadurch sah sie älter als Anfang dreißig aus, die sie tatsächlich war.

    Der rotblonde junge Arzt sah auf Professor Winter und es war ihm nicht anzumerken, was er über dessen Aussage dachte.

    Professor Winter verließ die Verhandlung. In seiner Praxis wartete ein dringender Fall und er konnte es sich nicht leisten, hier noch länger zu bleiben, als er musste. Als er draußen auf dem Gang war, rief der Justizwachtmeister gerade den nächsten Zeugen auf.

    „Herr Doktor Villinger, Herr Doktor Gerhard Villinger", rief der Justizwachtmeister.

    Ein großer, schlanker Mann mit grauen Schläfen stand auf und sah einen Augenblick lang auf Professor Winter. In seinem Blick lag so viel Hass, so viel Abneigung, dass Winter verständnislos auf diesen Mann schaute, den er überhaupt nur vom Hörensagen kannte. Hätte der Justizwachtmeister den Namen nicht genannt, wäre ihm Villinger auch jetzt noch unbekannt gewesen. Das also war der Mann, der hier eigentlich nach Winters Meinung auf die Anklagebank gehörte, er und nicht die junge Ärztin, nicht der junge Arzt.

    Villinger folgte dem Justizwachtmeister und verschwand jetzt im Sitzungssaal. Die Türen schlossen sich hinter ihm und einen Augenblick lang reute es Professor Winter gegangen zu sein. Jetzt, da er diesen Mann gesehen hatte und sich über dessen abgrundtiefe Abneigung kaum einen Reim machen konnte, hätte er zu gerne gewusst, wie es da drin weitergehen würde. Aber nein, dachte er, ich habe noch andere Pflichten. In der Klinik rechnet eine Patientin ganz fest damit, dass ich pünktlich zurückkehre.

    Während Professor Winter die Treppe des Landgerichtes hinunterging, stand Dr. Villinger vor dem Richtertisch. Der Vorsitzende musterte ihn mit einem verbindlichen Lächeln und sagte dann:

    „Die Angaben zur Person haben wir ja vorhin schon gemacht. Herr Doktor Villinger, Sie sind Oberarzt in der privaten Alexander-Cordes-Klinik. Der Vorsitzende blätterte in seinen Unterlagen, als suche er etwas. Dann schaute er wieder auf und fuhr fort: „Ist es richtig, dass in dieser Klinik allgemein chirurgische Fälle behandelt werden, das heißt Fälle, die zum Bereich der klassischen Chirurgie gehören?

    Dr. Villinger nickte. „Ja, das stimmt. Aber im Falle der Patientin Mauerhard..."

    Der Richter unterbrach ihn. „Beantworten Sie bitte nur die Fragen des Gerichtes. Sie sagen also, es werden Fälle der klassischen Chirurgie behandelt. Als die Patientin zu Ihnen gekommen ist, von wem wurde die Erstuntersuchung durchgeführt?"

    „Von Herrn Doktor Bertram..." Villinger sah hinüber zur Anklagebank, wo der rothaarige junge Arzt saß.

    „Was ist Ihnen von der Untersuchung oder dem Ergebnis bekannt?"

    „Nur das, was mein Kollege Bertram in die Karte eingetragen hat. Demzufolge hatte die Patientin Beschwerden in der rechten Leistengegend."

    „Stand etwas auf dieser Karte von der Vorgeschichte der Patientin?"

    „Ja, da stand etwas. Aber ich kann mich jetzt nicht genau erinnern, was Herr Bertram da eingetragen hatte. Das ist schließlich auch nicht meine Aufgabe."

    „Aber zu dem Zeitpunkt, als Sie einer Operation der Patientin zustimmten und erklärt haben, dass eine Hysterektomie durchgeführt werden müsste, also ein Entfernen der Gebärmutter, da spätestens mussten Sie doch Kenntnis von der Anamnese, also der Vorgeschichte der Kranken haben. Führten Sie selbst ein Gespräch mit der Patientin?"

    Villinger schüttelte den Kopf. „Nein, das haben ja Doktor Bertram und Doktor Gail getan." Er wandte sich wieder der Anklagebank zu und sein Blick verweilte auf der jungen dunkelhaarigen Ärztin, die bleich und wie geistesabwesend vor sich hinstarrte.

    „Herr Doktor Villinger, nach den Aussagen der bisher gehörten Sachverständigen und des Zeugen Professor Winter ist eine Hysterektomie eine sogenannte große und damit eine schwere Operation. Bei der Patientin Mauerhard ist, wenn ich dies meinen Unterlagen richtig entnommen habe, eine sogenannte Totaloperation durchgeführt worden, also das Entfernen des Uterus und der Ovarien, auf gut Deutsch: Gebärmutter und Eierstöcke. Ist das richtig?"

    „Es ist richtig", bestätigte Villinger.

    Der Vorsitzende nickte. „Also gut. Er blätterte wieder in seinen Unterlagen. Dann sagte er: „Ich habe hier den kompletten Operationsverlauf. Ihnen hat das auch vorgelegen. Haben Sie Einwände zu machen zu dieser Darstellung, die Doktor Bertram vom Verlauf der Operation angegeben hat oder ...

    „Nein, ich habe keine Einwände. Die Operation ist offensichtlich in dieser Form abgewickelt worden. Das ist durchaus korrekt."

    In den Augen des Vorsitzenden blitzte es kurz auf. Er tauschte einen Blick mit dem Staatsanwalt. Dann wandte er sich wieder Dr. Villinger zu und fragte um eine Spur schärfer: „Es ist demnach also auch richtig, dass Doktor Bertram, der die Operation ja durchgeführt hat, sich in deren Verlauf fernmündlich an Sie gewandt hat, vom Operationssaal also mit Ihnen telefonierte und Ihnen mitgeteilt habe, dass nach Öffnen des Unterbauches für eine Totalexstirpation keine Indikation vorläge. Eine Entzündung des linken Eierstocks läge nicht vor. Abgesehen einmal davon, wieso er zu dieser Erkenntnis gekommen ist, möchte ich Sie folgendes fragen: Doktor Bertram behauptet, Sie am Telefon darauf hingewiesen zu haben und hat Sie gefragt, ob dennoch unter diesen Gesichtspunkten eine Hysterektomie überhaupt durchgeführt werden sollte, dazu noch... Der Vorsitzende las jetzt aus seinen Unterlagen vor: „eine abdominale Totalexstirpation des Uterus mit beiderseitiger Salpingektomie, auf Deutsch also... würden Sie uns das bitte einmal übersetzen, Herr Doktor Villinger.

    „Es handelt sich um eine Entfernung der Gebärmutter, aber auch der Eileiter."

    „Wäre es nicht sinnvoll gewesen, Herr Doktor Villinger, wenn Sie die Situation in Augenschein genommen hätten?"

    „Das brauchte ich nicht zu tun, erklärte Villinger. „Ich konnte mich voll und ganz auf Herrn Bertram verlassen.

    „Und trotzdem haben Sie ihm gesagt, er solle so vorgehen wie ursprünglich vereinbart. Ist das richtig?"

    „Das ist richtig. Ich habe gesagt, er solle die Operation so durchführen wie vereinbart, aus folgendem Grund: Nachdem eine ausgesprochene Indikation nach Meinung von Herrn Bertram nicht mehr vorlag, war ich der Ansicht, dass man in der Operation aus präventiven Gründen fortfahren sollte."

    „Ich darf Sie bitten, das vielleicht so auszudrücken, dass jedermann hier im Saal versteht, was Sie meinen. Also, fügte der Vorsitzende lächelnd hinzu, „wenn es geht, kein Fachchinesisch.

    „Ich wollte, dass die Operation einen vorbeugenden Charakter hat."

    „Nun ist dies ja eine sehr schwierige Sache, während der Operation eine solche Entscheidung zu fällen, das heißt, die Patientin war ja in der Annahme, aufgrund ihrer Beschwerden sei diese Operation notwendig. Daraufhin hatte sie Ihnen ja die Erlaubnis für diese Operation gegeben. Ich muss Sie nun im Zusammenhang mit dieser von der Patientin gegebenen Erlaubnis auf folgendes hinweisen: Der ursprüngliche Tatbestand war lediglich ein sogenannter Kunstfehler, den die Patientin Ihnen vorzuwerfen glaubt. Inzwischen ist von der Staatsanwaltschaft die Anklage um den Punkt der schweren Körperverletzung erweitert worden."

    Villinger zuckte wie unter einem Schlag zusammen. Verwirrt sah er erst auf den Richter, dann hinüber zu den beiden Anwälten der Angeklagten.

    „Wieso schwere Köperverletzung?", fragte er irritiert.

    „Das wollen wir hier nicht behandeln, das ergibt sich nachher beim Plädoyer des Staatsanwaltes von allein. Zur Sache, Herr Doktor Villinger. Die Patientin Gisela Mauerhard wurde also, wie Sie sagen, vorbeugend weiterbehandelt, ohne dass sie in der Narkose die Möglichkeit hatte, dazu ja oder nein sagen zu können. Wie erklären Sie uns diese von Ihnen getroffene Entscheidung? Und man muss ja sagen, dass sie von Ihnen und nicht etwa von Herrn Doktor Bertram getroffen wurde, der sich ja Ihnen als dem Oberarzt unterzuordnen hatte.

    „Er hätte die Möglichkeit gehabt, das abzulehnen", behauptete Dr. Villinger.

    Der Vorsitzende warf einen kurzen Blick auf den Angeklagten, Dr. Bertram, der vor Zorn krebsrot wurde im Gesicht und am liebsten aufgesprungen wäre, aber er schwieg; sein

    Anwalt hatte die Empörung vorausgeahnt und seinem Mandanten mahnend die Hand auf den Unterarm gelegt.

    „Ob er das gekonnt hätte oder nicht, wollen wir mal im Moment ausklammern, meinte der Vorsitzende. „In einer gewissen Beziehung ist er ja ein Abhängiger. Als Assistenzarzt muss er letztlich die Weisungen seines Oberarztes befolgen. Über dieses Thema können wir uns noch später unterhalten. Im Moment ist also dies zu sagen: Sie hatten ihm die Anweisung gegeben, eine präventive Totalexstirpation vorzunehmen, eine präventive, also eine vorbeugende Maßnahme, für die man ja eine Begründung haben muss.

    Dr. Villinger lächelte siegessicher. „Natürlich habe ich diese Begründung. Einmal wird heute in den Vereinigten Staaten, die ja wohl in der Gynäkologie einen erheblichen Schritt weiter sind als wir hier, die präventive Hysterektomie von der Mehrzahl der Gynäkologen nicht nur bejaht, sondern auch mit Überzeugung auf deren Erfolg durchgeführt, das heißt, eine Frau, die keine Kinder mehr will, ist damit sicher, nicht an einem Zervikal oder Uteruskarzinom zu sterben. Das heißt, wo keine Gebärmutter ist, da kann sich auch kein Krebs einnisten."

    „Wollen Sie damit sagen, dass die Gebärmutter der Frau, einmal vom Kinderkriegen abgesehen, nutzlos wäre, dass man darauf verzichten könnte?"

    „Genau das möchte ich sagen."

    „Nun gibt es doch landläufig die Überzeugung, dass nach einer sogenannten Totaloperation die Frauen die Lust an geschlechtlicher Betätigung verlieren, das heißt, dass sie asexual werden. Man sagt auch, eine Frau neige dann zum Dickwerden oder zur Hysterie."

    Jetzt war Dr. Villinger in seinem Element. „Das ist alles Unsinn. Das ist zu widerlegen und in Fachkreisen durchaus bekannt. Ich verweise nur auf die verschiedenen Publikationen der Professoren Stoll und Staemmler, die ihrerseits den Beweis erbracht haben, dass die präventive Hysterektomie ein Segen im Kampf gegen den Krebs darstellt."

    Dr. Villinger machte eine Pause und sah sich Beifall heischend in der Runde um, aber niemand verriet nur durch eine Miene, ob er das, was Dr. Villinger sagte, gut oder schlecht fand, und so fuhr Villinger, der meinte, noch mehr Beweise für seine Überzeugung erbringen zu müssen, im Brustton der Überzeugung fort: „Ich verweise nur auch auf die psychologische Seite einer solchen Operation. Es gibt Tausende von Frauen, Hunderttausende, möchte ich sagen, die Angst vor einer Schwangerschaft haben und denen man diese Angst durch eine Hysterektomie einmal für immer nehmen kann."

    „Da würde doch, meine ich mit meinem Laienverstand, sagte der Richter, „eine sogenannte Tubenligatur, also eine Unterbrechung der Eileiter, genügen.

    „Nun, da gibt es auch Probleme, auf die ich hier nicht eingehen will. Wie ich schon sagte, es gibt eine ganze Reihe von sehr angesehenen und weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannten Gynäkologen, die auch ganz besonders der Karzinophobie, also der Krebsangst wegen, diese Operation durchführen und allergrößte Erfolge vorzuweisen

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