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Mord in der Eissporthalle: Kriminalroman aus Kassel

Mord in der Eissporthalle: Kriminalroman aus Kassel

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Mord in der Eissporthalle: Kriminalroman aus Kassel

Länge:
253 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 20, 2019
ISBN:
9783743814318
Format:
Buch

Beschreibung

Kriminalroman aus Kassel
von Rolf Michael

Der Umfang dieses Buchs entspricht 248 Taschenbuchseiten.

Während eines Eishockeyspiels der Kasseler Huskies gegen die Frankfurter Lions im Auestadion will der Antiquitätenhändler Paul Marser eine verschollen geglaubte Originalseite des Hildebrandliedes dem Frankfurter Syndikat für 1 Million Mark verkaufen. Doch der vom Käufer beauftragte Mittelsmann Benjamin Brandner will nicht nur den Millionen-Scheck behalten, sondern auch das wertvolle Schriftstück auf eigene Rechnung verhökern und ermordet den arglosen Marser hinterhältig. Was der Mörder nicht weiß, ist, dass auch eine Geheimloge großes Interesse an der alten Liedseite hat – und nun sind sowohl Kriminalkommissar Carsten Behring, der Patriarch vom Syndikat als auch Unbekannte hinter ihm her ...
Herausgeber:
Freigegeben:
May 20, 2019
ISBN:
9783743814318
Format:
Buch

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Mord in der Eissporthalle - Rolf Michael

München

Mord in der Eissporthalle

Kriminalroman aus Kassel

von Rolf Michael

Der Umfang dieses Buchs entspricht 248 Taschenbuchseiten.

Während eines Eishockeyspiels der Kasseler Huskies gegen die Frankfurter Lions im Auestadion will der Antiquitätenhändler Paul Marser eine verschollen geglaubte Originalseite des Hildebrandliedes dem Frankfurter Syndikat für 1 Million Mark verkaufen. Doch der vom Käufer beauftragte Mittelsmann Benjamin Brandner will nicht nur den Millionen-Scheck behalten, sondern auch das wertvolle Schriftstück auf eigene Rechnung verhökern und ermordet den arglosen Marser hinterhältig. Was der Mörder nicht weiß, ist, dass auch eine Geheimloge großes Interesse an der alten Liedseite hat – und nun sind sowohl Kriminalkommissar Carsten Behring, der Patriarch vom Syndikat als auch Unbekannte hinter ihm her ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Das monotone Dröhnen der Trommel übertönte sogar noch das Gebrüll der mehr als sechstausend begeisterten Zuschauer in der Eissporthalle am Kasseler Auestadion. Und mit viel Fantasie konnte man das, was da von den Rängen erklang, als Kassels Antwort auf die Fischer-Chöre bezeichnen. „Blau-Weiß-Blau, wir saufen wie die Sau! Und wir holen die Deutsche Meisterschaft - und die Löwen werden Letzter", röhrte es nach dem Refrain des Hamburger Veermasters von den Sitzen und der Galerie rund um die Eisfläche. So herausfordernd klangen die lautstarken Stimmen der Fans, dass ein Widerspruch unmöglich schien. Immerhin war man in der glorreichen Saison 96/97 Deutscher Vizemeister geworden und die Frankfurt Lions hatten nicht mal die Play-offs geschafft. Was war das damals ein Triumph für Nordhessen über die Leute der ungeliebten Mainmetropole im Süden. Denn jenseits des Taunus wollte man der deutschen Nation per HR 3 und diversen TV-Sendungen immer wieder beibringen, dass man nur Hesse war, wenn man dieses Frankfurter Bordell-Gelaber à la Heinz Schenk oder Rodgau Monotones redete und am Wochenende für die Eintracht brüllte. Alles, was nördlich von Marburg lag, galt für einen Frankfurter als Vorort von Hannover.

Dazu kam, dass die Fuldametropole stets als Provinz betrachtet wurde, wo nichts los war. Vor allem in sportlicher Hinsicht war für die Leute rund um den Römerberg nördlich der Eder absolut tote Hose. Wenn auch der Fußball des KSV Hessen in Kassel den Bach runtergegangen war, so blieb doch der jährliche Citylauf mit internationaler Beteiligung ein sportliches Großereignis ersten Ranges. Und seit einigen Jahren machte die Stadt an der Fulda auf dem Eis bundesweit von sich Reden. Seit man neben dem jetzt von Zuschauern verwaisten Auestadion eine Eissporthalle gebaut hatte, flitzte dort der Puck für die ESG Kassel über das Eis. Rasch fand der harte Männersport begeisterte Zuschauer. Seit Anfang der Achtziger gingen die Leute zwischen Habichtswald und Söhre trotz der nicht gerade billigen Eintrittspreise zum Eishockey. Und während Shane 'the Train' Tarves übers Eis flitzte und die schwarze Hartgummischeibe ins gegnerische Netz jagte, teilte man sich brüderlich den in großen Thermosflaschen mitgebrachten und reichlich mit Rum gewürzten Glühwein und brüllte für die ESG. Inzwischen spielten die 'Kassel Huskies' in der DEL. Und das ist in dieser Sportart erste Klasse.

Ein Spiel gegen die 'Sportsfreunde' aus Südhessen stellt immer eine Besonderheit dar. Zwar ist dieser hessische Nord-Süd-Konflikt nicht sonderlich ernst zu nehmen, doch ist es natürlich Ehrensache, dass Kassel wenigstens auf dem Eis einmal vor dem ungeliebten Frankfurt durchs Ziel geht. Wenn die Frankfurt Lions gegen die Kassel Huskies auflaufen, ist die Halle so voll wie beim Endspiel der Play-offs. Und das, obwohl die Preise für dieses Spiel zum Ärger der Fans besonders angehoben werden.

Bully auf dem Eis. Das Anfeuerungsgeschrei der Fans ebbte für den Moment etwas ab. Wie zwei sprungbereite Raubtiere standen sich zwei Stürmer gegenüber, während der Referee sich besonders Zeit ließ, den Puck zu werfen. Über die Hallenlautsprecher dudelte der „Zillertaler Hochzeitsmarsch", was die Stimmungswogen noch höher trieb.

„Auf einem Baum ein Löööööööweee!, schrillte eine hohe Stimme vom 'Heuboden' und übertönte sogar die „Schürzenjäger aus den Lautsprechern. Hier auf dem Balkon gegenüber der Anzeigetafel saßen die hartgesottensten Eishockeyfans, die seit Beginn der Serie ihre Plätze behaupteten. „Huuh! Haah! Schade um den Baum! Schade um den Baum!, johlte der ganze 'Heuboden' und die angereisten Frankfurter Schlachtenbummler im Gästeblock A knirschten mit den Zähnen. Mit einem „Es kommt die Zeit, in der die Huskies Gassi geh‘n!, versuchten sie, sich zu rächen.

Doch dazu waren die Huskies auf dem Eis zu beschäftigt, dem Gegner die Zähne zu zeigen. So einfach waren die Schlittenhunde nicht an die Leine zu nehmen. Außerdem wurde das Frankfurter Spottlied kaum gehört. Denn kaum wagten es die Jungs und Mädels aus der Äppelwoi-Gegend den Mund aufzumachen, begann die ganze Halle in allen Tonarten, einen Schlachtgesang zu Ehren der Huskies anzustimmen.

Gnadenlos wurden die Besucher aus Frankfurt niedergebrüllt.

2

Der hochgewachsene Mann im dunklen Designeranzug passte in die blau-weiß bunt gemischte Szenerie der Eissporthalle genauso gut wie ein Punker in einen Kindergottesdienst. Interessiert beobachteten die beiden Security-Männer am Eingang der Halle, wie er mit elastisch federnden Schritten auf ihren Einsatzort am Seiteneingang neben dem Auestadion zukam. Mit fließender Bewegung zogen seine feingliedrigen Hände die Eintrittskarte aus der Tasche.

„Bitte!" Das Wort, das er beim Vorzeigen der Karte zwischen den Zähnen hervorzischte, schien aus einem geöffneten Kühlschrank zu kommen. Die beiden Wachmänner fröstelte es, als sie den kalten, hypnotischen Schlangenblick seiner hellblauen Augen ertragen mussten. Das strohblonde Haar, das ein schmales, blasses Gesicht umrahmte, war schulterlang und im Nacken zusammengebunden. Bei Typen dieser Art muss man vorsichtig sein. Verdammt vorsichtig sogar.

„Heben Sie bitte die Arme zur Durchsuchung, presste Fred Dammer hervor, um die Routinekontrolle durchzuführen, die bei so einem Spiel nötig war. „Denken Sie, ich habe einen Kracher dabei, um ihn in der Halle losgehen zu lassen?, zischelte es spöttisch durch die schmalen Lippen. „Ich finde, bei so einem Herrn können wir auf das Übliche verzichten, Fred!, mischte sich der andere Wachmann ein. „Sie führen doch keine Waffe mit sich, oder?

„Sehe ich so aus? Die Stimme des Fremden war von öliger Freundlichkeit. „Bloß nicht antworten. Jedenfalls nicht ehrlich, schoss es Dammer durch den Kopf. Denn sonst hätte die Antwort ein klares „Ja" ergeben. In amerikanischen Krimis sahen so immer die Killer der Mafia aus. Fred Dammer beeilte sich, wie sein Partner brav mit dem Kopf zu schütteln.

„Dann ist ja alles okay. Keine Probleme! Der Fremde war befriedigt. „Und wo finde ich Block B?

„Ich bringe Sie hin", beeilte sich Dammer zu sagen und öffnete die Tür, die während des Spieles geschlossen war. Es war nicht einfach, diesen seltsamen Heiligen durch die Reihen der Fans zu schleusen, die für eine bessere Sicht inzwischen auch die Durchgänge versperrten. Doch Dammer hatte so seine Erfahrungen und die Jungen und Mädels im Teeny-Alter machten bereitwillig Platz, als sie die schwarze Kleidung des Security-Mannes erkannten.

Vom obersten Rang aus blickte der Fremde hinunter auf die Menge der Zuschauer, die gebannt das Geschehen auf der Eisfläche verfolgten. Das Spiel interessierte ihn überhaupt nicht. Er war aus einem ganz anderen Grund hier.

Seine Mission war ganz einfach. Er sollte etwas abholen und überbringen. Ganz einfach und harmlos. Wenn der Gegenstand, um den es sich handelte, nicht eine Kostbarkeit von Weltrang gewesen wäre. Und wenn auf dem Scheck nicht gerade ein Betrag von einer Million Mark gestanden hätte.

Deshalb hatte er sich selbst einen Plan zurechtgelegt, von dem seine Auftraggeber nichts wussten, weil er geringfügig vom Konzept abwich. Begriffe wie 'Skrupel' und 'Gewissen' existierten in seinem Bewusstsein nicht. Wenn alles gut ging, war er morgen um diese Zeit Millionär. Ging die Sache schief, konnte er ein Fall für den Totengräber werden. Aber für gewisse Summen sind manche Menschen bereit, über Leichen zu gehen. Auch, wenn es die eigene ist.

Sein Auftrag war eine einfache Übergabe und Übernahme während eines Eishockeyspiels. Denn im Trubel auf den Rängen war man sicher, dass weder die Polizei, falls sie zufällig von der Sache Wind bekommen haben sollte, noch irgendeine 'Konkurrenzfirma' etwas von dem Deal bemerkte.

Eigentlich war Benjamin Brandner, in 'Fachkreisen' der schöne Benny genannt, einer jener kleinen Ganoven, die stets die Drecksarbeit zu erledigen hatten. Er wusste, dass die Kohle, die man ihm für seine 'Bemühungen' auszahlte, im Verhältnis zu dem Gewinn, der in den Etagen der Bosse gemacht wurde, ein lausiges Trinkgeld war. Immer wieder hatte der schöne Benny auf den Augenblick gewartet, dass er seine Chance bekam, richtig zu kassieren. Und diesmal war es so weit. Benjamin Brandner hielt sich für clever genug, einmal selbst richtig mitzumischen. Auch, wenn er damit gewissen Leuten des Frankfurter Finanzadels einen dicken Deal versaute. Dieses Geschäft sollte dem schönen Benny so viel Geld einbringen, dass er für den Rest seiner Tage ausgesorgt hatte.

Benjamin Brandners Plan zum kommenden Reichtum hatte zwei Teile. Und der erste Teil dieses Planes war ganz einfach. Er lautete „Mord" - den perfekten Mord ...

3

Der Puck hatte das Eis noch nicht berührt, als Greg Evtushevski die schwarze Scheibe mit einem geschickten Schlag in Richtung auf das Frankfurter Tor beförderte. Hier lauerten bereits zwei Husky-Stürmer, die aus dieser Vorlage rasch einen Vollstreckungsfall machen konnten. Doch der Verteidiger der Lions reagierte verteufelt rasch. Mit einem weit ausholenden Schlag erwischte der Frankfurter den Puck und schlug ihn zurück in Richtung der blauen Linie vor dem Tor der Huskies. Das war im Prinzip richtig. Jedenfalls nach dem Lehrbuch. Aber im Lehrbuch stand nichts davon, dass Jukka Seppo wie ein geölter Blitz über das Eis fegte. Und sein vorgestreckter Schläger bildete für den Puck eine Sperre, die so unüberwindbar war wie einstmals die Berliner Mauer. Eine kaum zu erahnende Drehung des Schlägers trieb den Puck in Richtung auf Daniel Kreutzer, eins jener Jungtalente, die bei den Huskies eine Chance bekamen, einmal großes Eishockey zu spielen.

Sofort versuchten zwei Frankfurter Stürmer, Danny in die Zange zu nehmen. Und sie waren schnell. Verteufelt schnell. Aber der Husky im blau-weißen Trikot war schneller. Der elegante Haken, den er schlug, hätte einem flüchtenden Hasen alle Ehre gemacht. Mit Volldampf raste er auf das gegnerische Tor los, wo Jukka Tammi, der Keeper der Lions, in leicht gebückter Position den Schuss erwartete.

Ein Tor gegen Frankfurt. Dieser Erfolg hätte Danny Kreutzer stolz gemacht. Doch ein direkter Angriff brachte nicht unbedingt einen sicheren Schuss. Der Lions Torwart war unglaublich sicher und hütete seinen Kasten so sicher wie Höllenhund Zerberus das Tor zur Unterwelt. Schon einige Male hatte seine Fanghand einem furiosen Husky-Angriff den Erfolg genommen. Auch wenn die Fans jetzt mit lautstarken „Auf geht‘s, Huskies, schießt ein Tor!"-Gesängen den ersten Treffer für die blau-weiße Mannschaft herbeibeschwören wollten, so einfach ließ sich der Puck nicht im gegnerischen Kasten versenken. Daniel Kreutzer handelte mit der eiskalten Reaktion eines jagenden Wolfs. Aus den Augenwinkeln hatte er gesehen, dass Jukka Seppo auf der anderen Seite lauerte. Während alle Frankfurter Verteidiger versuchten, sich Danny in den Weg zu werfen, stand der Finne in diesem Augenblick völlig frei. War es auch nicht ein Tor für Daniel Kreutzer - es war doch ein Tor für die Mannschaft.

Ein mächtiger Schlagschuss des jugendlichen Talents der Huskies, mit dem niemand gerechnet hatte, trieb die Gummischeibe vor den anstürmenden Gegnern quer über die ganze Eisfläche. Mit weit ausholendem Schlag fuhr Jukka Seppo mitten in den Schuss - und traf. Eine geschickte Drehung des Schlägers veränderte die Richtung der Scheibe. Wie ein abgefeuertes Geschoss raste der Puck auf das Tor der Lions zu. Keine Chance für eine Abwehr mit der Fanghand oder der Kelle. Geistesgegenwärtig warf sich der Frankfurter Keeper zur Seite, um mit seinem ganzen Körper das Tor zu sperren. Doch es war zu spät. Bevor Jukka Tammis ausgestreckte Gestalt die Eisfläche berührte, war der Puck unter ihm hindurchgeglitten und brachte hinter ihm das Netz des Tores zum Erzittern. Die hässlich trötende Sirene der Trefferanzeige ging in einem einzigen rund um die Eisfläche aufbrandenden „Tooor"-Schrei unter. Das rote Licht über dem Tor zeigte an, dass der Torrichter hinter dem Frankfurter Kasten den Treffer bestätigte.

Tor! Tor! Tor für die Kassel Huskies! Die Zuschauer auf den Sitzrängen sprangen auf. Die hölzernen Stehtribünen ächzten unter den begeistert tobenden Fans. Weiß-blaue Fahnen wurden geschwenkt und der Wollschal mit dem Huskies-Emblem, mit dem nicht nur die eingefleischten Fans angerückt waren, kreiste in wilder Drehung über den Köpfen. „Rama-Lama-Ding-Dong!, dröhnte der uralte Rock'n Rolltitel aus den Lautsprechern und die ganze Halle johlte aus voller Kehle mit. Eine Zeremonie, die sich bei jedem Spiel wiederholte, wenn es der heiß geliebten Heimmannschaft gelang, den Puck im gegnerischen Tornetz zu versenken. Gelang es dem Gegner bedauerlicherweise, Chris Rogles, den Kasseler Torwart, zu überwinden, fiel diese Ovation natürlich aus. Doch die Kasseler Fans waren so sportlich, auch dem Gegner, wenn er eine gute und kämpferische Torszene geboten hatte, zu applaudieren. Selbstverständlich hielt sich der Beifall hier natürlich in Grenzen. „Tor für die Huskies!, kam die Stimme von Jochen Mäder, dem Stadionsprecher, der Jukka Seppo als Torschützen bekannt gab, jedoch auch die Vorarbeit von Danny Kreutzer nicht unerwähnt ließ. „Wir haben einen neuen Spielstand. Auch diese Durchsage war eins jener Rituale, die stets mit Leidenschaft gepflegt wurden. „Kassel ...

„Eins!, brüllte die Halle mit einer Stimme. „Frankfurt?, kam die Frage aus den Lautsprechern. „Null!, schrie die Halle mit Wonne und setzte hinzu: „Zu viel! Viel zu viel! Scheiß Kölner Haie! Was die Eishockey-Cracks vom Rhein damit zu tun hatten, war Sabrina Hoffmann völlig unverständlich. Sie hatte ohnehin Probleme, teilweise die einstudierten Rufe und Gesänge der Fans zu verstehen. Verflixt, warum musste der Kollege von der Sportredaktion gerade heute seinen Hochzeitstag feiern. Und warum war Sabrina auf die Kateridee gekommen, sich einen Bericht über ein solches Eishockeyspiel überhaupt aufschwätzen zu lassen. Wäre sie doch nur zum Martinator-Anstich in die Kropf-Brauerei gefahren. Dort hätte sie wie immer Kassels Prominenz aus Wirtschaft und Politik getroffen, die bei dem einen oder anderen Glas des süffigen, dunklen Bockbiers einiges mehr gesagt hätten, als sie bei offiziellen Interviews von sich gaben.

Sabrina Hoffmann war leidenschaftliche Journalistin und die HNA war froh, diese engagierte Mittzwanzigerin in ihrer Lokalredaktion zu beschäftigen. Mit Sport hatte die mittelgroße Frau mit den schulterlangen dunklen Haaren, der fast knabenhaft schlanken Figur und den rehbraunen Augen außer regelmäßigem Joggen im Park Schönfeld nichts am Hut. Sie trug eine schwarze Lederjacke nach der neuesten Trendmode und Jeans, die wie eine zweite Haut saßen. Während ihrer Schulzeit hatte Sabrina begeistert Sport in Form von Leichtathletik getrieben und war auch eine vorzügliche Schwimmerin. Aber mit Sportarten, von denen die Massen begeistert waren, hatte sie nicht viel am Hut.

Sabrina verstand weder, warum sich die Männerwelt so aufregte, wenn zweiundzwanzig erwachsene Männer hinter einem Ball her rannten, noch warum beim Tennis die Emotionen so hoch gingen, während doch nur zwei Weißgekleidete mit ihren Schlägern einen gelben Ball immer über ein Netz beförderten. Und wenn Schumi noch so gut aussah, Autorennen gehörte verboten, weil es nur ein schlechtes Beispiel für Verkehrsrowdies war. Und Springreiten zählte für Sabrina als Abart der Tierquälerei. Dieses Eishockey aber - das war für die Journalistin schon die Vorstufe zu einem Krieg. Wenn sie sich auch eingestehen musste, dass die Faszination dieses Spiels sie in seinen Bann zog ...

Der Mann mit dem veralteten, grauen Trenchcoat und dem unzeitgemäßen Hut im Sitzblock B nahe der Sprecherkabine passte in das Szenario der Eissporthalle so gut wie ein Papagei in den Hühnerhof. Das verknittert wirkende Gesicht mit der ungesunden Farbe und der Geiernase ließ keine Schätzung des Alters zu. Zwei knochige Finger verkrallten sich um ein schwarzes Diplomatenköfferchen, dessen Inhalt bereits von den Security-Leuten am Eingang scharf unter die Lupe genommen wurde. Aber sie fanden nur Papiere, die offensichtlich wichtige Dokumente darstellten, die ein Geschäftsmann eben nicht im Auto liegen lassen kann. Der Kerl konnte mit diesen Papieren höchstens Schwalben bauen und aufs Eis segeln lassen. Aber das war bei der verkniffenen Miene dieses seltsamen Mannes kaum anzunehmen.

Eisern hielt er den Platz an seiner Seite frei, obwohl das Spiel bereits in vollem Gange war. Er erwarte einen Geschäftsfreund, der etwas später eintreffen würde, ranzte er den Ordner an, der ihn höflich fragte, ob er den Sitzplatz vielleicht einem der Senioren aus den Stehrängen überlassen könne. Immer wieder huschten seine grauen Mauseaugen hinüber zum Gang, wo der Erwartete irgendwann zu ihm herabsteigen musste. Dem Spiel selbst wandte er kaum Aufmerksamkeit zu.

Wer von den Security-Leuten hätte ahnen können, dass eins der durch eine unauffällige Aktenmappe gesicherten Dokumente in der Tasche des Antiquitätenhändlers einen Millionenwert besaß. Und dass er hier auf den Abgesandten eines potentiellen Kunden wartete, der ihm im Austausch dafür einen Scheck geben sollte, der seinen Lebensabend nicht nur sicherte, sondern im sonnigen Süden mehr als freundlich gestalten würde. Geistig sah sich der Mann im Trenchcoat schon in einer kleinen Eigentumswohnung auf Mallorca Sangria schlürfen und die Aussicht auf frühreife Bikinimädchen genießen.

Paul Marser stand vor dem Geschäft seines Lebens ...

4

„Stell dir mal vor - da ist ein Platz, du weißt schon wo. Da schenkt man dir ein Lächeln und sagt ...", klang einschmeichelnd der McDonalds-Song durch

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