Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Die dunklen Geheimnisse der Brenda Logan: Drei Abenteuer um das magische Amulett / Cassiopeiapress Sammelband

Die dunklen Geheimnisse der Brenda Logan: Drei Abenteuer um das magische Amulett / Cassiopeiapress Sammelband

Vorschau lesen

Die dunklen Geheimnisse der Brenda Logan: Drei Abenteuer um das magische Amulett / Cassiopeiapress Sammelband

Länge:
337 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 12, 2018
ISBN:
9783743847675
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Buch enthält die Romantic Thriller:


Jan Gardemann: Das unheimliche Spiegelkabinett
Jan Gardemann: Die Vampir-Lady
Jan Gardemann: Schönheit mit Biss

Gibt es eine andere Welt hinter den Spiegeln? Oder ist es ein Gefängnis?
Erschaffen von einem mächtigen bösen Zauberer? Brenda Logan kommt der Sache auf die Spur. Doch wird es der Amulettjägerin auch gelingen, den Zauber zu brechen und die Frau in den Spiegeln zu befreien?
Bei einem Banküberfall wird ein Mann getötet, der daraufhin in der Pathologie landet. Dort stellt man fest, dass er zusehend altert, was nicht normal ist. Außerdem entdeckt man merkwürdige Bissspuren an seinem Körper. Der Scotland Yard Beamtin Tatjana Barbican kommt dies mysteriös vor und bittet Brenda Logan, die Amulettforscherin, um Hilfe. Beide sind sich einig, dass in London ein Vampir sein Unwesen treibt, dem schnellstens das Handwerk gelegt werden muss ...
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 12, 2018
ISBN:
9783743847675
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Die dunklen Geheimnisse der Brenda Logan

Mehr lesen von Jan Gardemann

Buchvorschau

Die dunklen Geheimnisse der Brenda Logan - Jan Gardemann

München

Die dunkle Geheimnisse der Brenda Logan: Drei Abenteuer um das magische Amulett

Dieses Buch enthält die Romantic Thriller:

Jan Gardemann: Das unheimliche Spiegelkabinett

Jan Gardemann: Die Vampir-Lady

Jan Gardemann: Schönheit mit Biss

Gibt es eine andere Welt hinter den Spiegeln? Oder ist es ein Gefängnis?

Erschaffen von einem mächtigen bösen Zauberer? Brenda Logan kommt der Sache auf die Spur. Doch wird es der Amulettjägerin auch gelingen, den Zauber zu brechen und die Frau in den Spiegeln zu befreien?

Bei einem Banküberfall wird ein Mann getötet, der daraufhin in der Pathologie landet. Dort stellt man fest, dass er zusehend altert, was nicht normal ist. Außerdem entdeckt man merkwürdige Bissspuren an seinem Körper. Der Scotland Yard Beamtin Tatjana Barbican kommt dies mysteriös vor und bittet Brenda Logan, die Amulettforscherin, um Hilfe. Beide sind sich einig, dass in London ein Vampir sein Unwesen treibt, dem schnellstens das Handwerk gelegt werden muss ...

Das unheimliche Spiegelkabinett

Das magische Amulett Band 86

Roman von Jan Gardemann

Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten.

Gibt es eine andere Welt hinter den Spiegeln? Oder ist es ein Gefängnis?

Erschaffen von einem mächtigen bösen Zauberer? Brenda Logan kommt der Sache auf die Spur. Doch wird es der Amulettjägerin auch gelingen, den Zauber zu brechen und die Frau in den Spiegeln zu befreien?

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2017

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Marietta wollte ihren Lauf stoppen. Doch da stolperte sie plötzlich über eine Schwelle, die sich unmittelbar vor dem geheimnisvollen Spiegel befand. Verzweifelt ruderte Marietta mit den Armen. Aber sie konnte das Unheil nicht mehr aufhalten, sondern stürzte direkt auf den Spiegel zu. Jeden Moment würde sie gegen das verspiegelte Glas prallen und sich verletzen! Aber wie erstaunt war Marietta, als sie sah, wie ihre ausgestreckten Hände plötzlich in die Spiegelfläche eintauchten und darin verschwanden. Den Händen folgten die Arme, dann tauchte Marietta mit dem Kopf voran in den geheimnisvollen Spiegel ein - wie in einen stillen, kühlen Waldsee. Entsetzt schrie Marietta auf. Doch der Schrei erstarb auf ihren Lippen, als sie nun ganz von dem Spiegel verschluckt wurde...

1

Der alte verschnörkelte Wandspiegel hing seit Jahren in einer Nische im ersten Stock des British Museum. Er war nicht besonders schön. Aber ich, Brenda Logan, hatte während meiner Laufbahn als Archäologin und Amulettforscherin auch schon hässlichere Wandspiegel gesehen.

Die große Spiegelfläche des antiken Stücks war längst erblindet, und die schwarzen Flecken, die sie überzogen, verrieten, dass sich die Spiegelschicht auf der Rückseite des Glases langsam abzulösen begann.

Trotzdem wäre niemand im Museum auf die Idee gekommen, das Spiegelglas zu erneuern. Immerhin war das gute Stück vierhundert Jahre alt und stammte vermutlich aus einer der ersten

Spiegelmanufakturen Venedigs.

Das Spiegelglas war einst von einem kundigen Handwerker angefertigt worden und stellte trotz

seines schlechten Zustandes einen unschätzbaren Wert dar.

Der Rahmen des Spiegels, der etwa die Größe einer Tür besaß, war handgeschnitzt und mit Blattgold überzogen. Dieser Rahmen machte den kostbaren Spiegel zu einem einzigartigen unersetzbaren Stück, denn er wies mysteriöse Runen und magische Symbole auf und war mit großem künstlerischem Geschick gefertigt. Auf einem kleinen Oval am rechten unteren Rand des Rahmens war ein Name geritzt.

» Maurizio Franese « stand dort in verschnörkelter Schrift. So lautete wahrscheinlich der Name des Mannes, der diesen Spiegel und den geheimnisvollen Rahmen angefertigt hatte.

Ich hatte diesem Spiegel bisher nicht viel Beachtung geschenkt, wohl aber war er mir wegen der magischen Symbole unlängst auf gefallen. Nur leider hatte ich noch keine Zeit gefunden, mich näher mit dem antiken Stück zu befassen.

Magie und Okkultismus gehörten nämlich zu meinen Steckenpferden. Ein Hobby, das ich längst zu meinem Beruf gemacht hatte. Doch es war auch ein gefährliches Hobby, das mich schon oft in lebensbedrohliche Abenteuer verstrickt hatte.

Dass ich mich an diesem Tag vor dem antiken Spiegel im ersten Stock des British Museums einfand, hatte jedoch nichts mit meinen beruflichen Ambitionen zu tun.

Der Grund war vielmehr ein attraktiver, gutaussehender Mann, namens Daniel Connors.

Daniel war ein bekannter Arzt und Neurologe. Er arbeitete im Londoner St. Thomas Hospital, wo ich ihn auch vor einigen Jahren kennengelernt hatte.

Es war Liebe auf den ersten Blick, die Daniel und mich zusammenbrachte. Diese Liebe hatte in den drei Jahren, die wir nun schon verheiratet waren, nicht an Intensität und Tiefe eingebüßt.

Im Gegenteil. Noch immer schlug mein Herz höher, wenn ich Daniel tief in die Augen blickte und ein wohliges Prickeln ergriff von mir Besitz, wenn er mich zärtlich in seine Arme schloss.

Daniel war ein Mann, dem ich grenzenlos vertraute. Er gab mir das Gefühl von Geborgenheit, war dabei aber wildromantisch und sehr abenteuerlustig. Keinen Augenblick würde er zögern, sich mit mir Hals über Kopf in das nächste Abenteuer zu stürzen, nicht jedoch, ohne vorher sichergestellt zu haben, dass wir keinen gesundheitlichen Schaden davontragen würden. Denn Daniel war mit Leib und Seele Arzt. Und es brachte ihn schier um den Verstand, mich in Gefahr zu wissen, wenn ich mal wieder in den Bann eines magischen Amuletts geraten war.

Doch es gab auch Tage, da sehnten wir uns einfach nur nach etwas Ruhe und Behaglichkeit. Leider kam es nicht allzu häufig vor, dass uns solche Momente auch, gegönnt waren. Darum mussten wir manchmal zu etwas ungewöhnlichen Mitteln greifen, wenn unsere Sehnsucht nach ungestörter Zweisamkeit mal wieder übermächtig geworden war.

Aus diesem Grund hatten Daniel und ich uns heute auch vor dem antiken, venezianischen Spiegel im British Museum eingefunden.

Daniel hatte eine Woche dienstfrei. Da ich aber im Museum zu tun hatte, hatte mein geliebter Mann mir auf meiner Arbeit kurzerhand einen Besuch abgestattet. Es war früher Nachmittag, um diese Zeit waren die Hallen der Renaissance und Folgezeit, wo auch der geheimnisvolle venezianische Spiegel ausgestellt war, fast menschenleer.

Hierhin hatten Daniel und ich uns nun zurückgezogen, um ein paar Worte zu wechseln und unsere Zweisamkeit für einen flüchtigen Augenblick ungestört genießen zu können.

In der Nische, wo der antike Spiegel hing, standen wir uns gegenüber und sahen uns tief in die Augen.

»Schade, dass du dir heute nicht freinehmen konntest, Brenda«, sagte Daniel mit gedämpfter Stimme; »Draußen schneit es. Die Themse sieht wie verzaubert aus.«

»Manche Liebespaare gehen auch ins Museum«, merkte ich an und lächelte verführerisch. »Hier ist es doch auch ganz schön.«

»Aber es kennt dich hier jeder«, erwiderte Daniel. »Außerdem könnte die Museumsdirektorin jeden Moment aufkreuzen und dich mit einer Aufgabe betrauen.«

»Hierher verirrt sich nur selten ein Kollege«, beruhigte ich Daniel. »Sieh dir zum Beispiel diesen alten Spiegel an. Die wenigsten wissen, dass er hier hängt. Viele kennen nicht einmal diese Nische. Die Chance, dass uns jemand stört, ist also eher gering. Außerdem hatte ich noch keine Mittagspause. Mir steht es also durchaus zu, der Arbeit einen Moment fern zu bleiben.«

Daniel schmunzelte. »Wenn man uns so reden hört, könnte man fast annehmen, wir hätten etwas Verbotenes oder Unsittliches vor.«

»Du hast damit angefangen«, merkte ich verschmitzt an. »Warum bist du überhaupt gekommen?«

Daniel trat nun ganz dicht an mich heran und legte seine Arme um meine Hüften. »Ich hatte Sehnsucht nach dir«, gestand er. »Drei Wochen lang musste ich ununterbrochen Dienst schieben. Wir haben uns kaum gesehen, und...«

Ich hauchte Daniel rasch einen Kuss auf die Lippen und brachte ihn damit zum Verstummen. »So ist das eben mit unseren Berufen«, flüsterte ich. »Sie sind sehr zeitaufwendig und verlangen uns viel ab. Aber wir lieben unsere Jobs auch mindestens genauso, wie wir uns lieben.«

Daniel grinste. »Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht.« Er ließ mich los. »Wann hast du heute Feierabend? Ich könnte für uns kochen und dich ein wenig verwöhnen. Das verschneite London bietet von unserer Dachterrasse aus bestimmt einen romantischen Anblick.«

»Ich werde so gegen acht Uhr zu Hause sein.«

Daniel seufzte theatralisch. »Es ist noch eine verdammt lange Zeit bis dahin.«

»Du musst ja nicht sofort wieder gehen«, sagte ich und schlang meine Arme um Daniels Nacken. »Es steht mir genau eine halbe Stunde Mittagspause zu.«

»Hast du etwa etwas Verbotenes oder Unanständiges vor?«, erkundigte sich Daniel schmunzelnd.

»Kommt ganz darauf an«, erwiderte ich und zog Daniels Gesicht zu mir herab. Unsere Lippen trafen sich zu einem leidenschaftlichen Kuss. Daniel drängte mich tiefer in die Nische hinein, bis ich mit dem Rücken plötzlich gegen den antiken Wandspiegel stieß.

Im selben Moment durchzuckte mich plötzlich ein eiskalter Blitz. Von einem Moment auf den anderen wurde ich von einem seltsamen Prickeln ergriffen. Es fühlte sich an, als würde jede Zelle meines Körpers in Vibration versetzt. Fremde Eindrücke und Stimmen stürzten auf meinen Geist ein. Mir wurde schwindelig und vor meinen Augen begann sich alles zu drehen.

Dann entstand vor meinem geistigen Auge schlagartig ein Bild und plötzlich sah ich mich, an einen fremden Ort und in eine andere Zeit versetzt...

2

Neapel, im Sommer 1566.

Der Marktplatz in der Nähe des Hafens von Neapel bot an diesem Tag einen mehr als ungewöhnlichen Anblick. Dort, wo sonst dichtgedrängt die Budenstände der Marktleute standen, hatten nun die unterschiedlichsten Schausteller ihre bunten Jahrmarktswagen aufgestellt.

Auf dem Marktplatz herrschte buntes Treiben. Elegant gekleidete Damen mit rüschenbesetzten Schirmen flanierten an den Jahrmarktständen vorbei, begleitet von galanten Herren, die sich herablassend umblickten. Gassenjungen schwärmten ausgelassen zwischen den Besuchern umher, begierig darauf, dass ihnen keine der dargebotenen Attraktionen entging.

Ein warmer lauer Wind wehte vom Golf von Neapel kommend über den Marktplatz und machte die Sommerhitze, die seit mehreren Tagen wie ein Fluch über der Stadt lastete, ein wenig erträglicher. Der Wind trug das helle Lachen der Frauen bis weit in die engen Gassen Neapels hinein. Hin und wieder hallte auch ein triumphierender Männerschrei über den Platz, wenn es einem der Besucher gelungen war, an einer der Wurfbuden einen Preis zu erringen.

All diese fröhlichen Laute drangen bis weit über den Stadtkern hinaus und verscheuchten die bleierne Lethargie, die die sommerliche Hitze Neapels auferlegt hatte. Es klang wie der Schrei eines erwachenden Kindes, das aus einem schwermütigen Traum gerissen wurde und nun froh war, dem Alpdruck entronnen zu sein. Wer diesen Laut vernahm, machte sich neugierig auf den Weg zum Hafen, um an der erfrischenden Fröhlichkeit teil zu nehmen. Es hätte gar nicht der vielen handgemalten Tafeln bedurft, die der Veranstalter in Neapel hatte aufstellen lassen, um die Lustbarkeit im Hafen anzukündigen. Die Leute kamen aus einem ganz anderen Grund herbei. Sie wollten dem Fluch der Hitze entrinnen, und auch der Arbeit, die an diesen brutigen Tagen besonders schwer von der Hand ging. Die Leute wollten sich amüsieren und für einige wenige Stunden dem tristen Alltag entrinnen.

»Ich habe noch nie so etwas Aufregendes erlebt!«, rief Marietta Ovo, und ihre Stimme klang dabei so glockenhell, dass sie den fröhlichen Lärm, der um sie herum herrschte, spielend übertönte.

Marietta war zwanzig Jahre alt, wunderschön anzusehen und von bezauberndem Wesen. Als Tochter eines einflussreichen Kaufmanns war sie bei den Männern sehr begehrt, zumal sie nicht nur reich, sondern auch gutaussehend und sehr aufgeweckt war.

Mariettas Vater behütete seine Tochter wie seinen eigenen Augapfel. Er ließ keinen Mann in ihre Nähe, ohne ihn nicht vorher einer eingehenden Prüfung unterzogen zu haben. Und selbst wenn sich der junge Verehrer des Wohlwollens von Mariettas Vater sicher sein konnte, so war es ihm trotzdem unmöglich, auch nur eine einzige Minute mit Marietta allein zu verbringen. Stets wurde sie entweder von ihrem Vater oder von Colletta, einer prüden und strengen Anstandsdame, bewacht.

Anders verhielt es sich auch nicht an diesem heißen Sommertag. Marietta hatte sich bei einem muskulösen, gut aussehenden Burschen untergehakt. Er hatte dichtes schwarzes Haar, ein jugendliches markantes Gesicht und blitzende braune Augen, die Marietta keinen Moment unbeobachtet ließen. Einen Schritt hinter den beiden folgte Colletta, die Anstandsdame. Sie hielt einen weißen Sonnenschirm in der Hand, den sie sorgsam über ihren jungen Schützling ausgebreitet hatte, damit Mariettas liebreizendes Gesicht immer im Schatten lag und keinen Schaden nahm.

Der junge Mann an Mariettas Seite hieß Camillo Gennaro. Er war der Sohn eines angesehenen Arztes. Mariettas Vater hatte durchblicken lassen, dass es ihm gar nicht unrecht wäre, wenn die beiden sich im Spätsommer, wenn die Abende wieder etwas lauer waren, verloben würden.

Camillo liebte Marietta über alles. Aufmerksam beobachtete er jede ihrer Gesten. Der Klang ihrer Stimme verzauberte ihn. Und wenn er seinen Blick unbemerkt über die weiblichen Formen seiner Geliebten schweifen ließ, begann das Blut in seinen Adern zu wallen.

Marietta erging es nicht anders. Von allen jungen Männern, die sich bisher für sie interessiert hatten, erschien ihr Camillo am aufregendsten. Camillo war nicht nur gut gebaut und stammte aus einer angesehenen Familie. Er besaß auch eine gehörige Portion Abenteuerlust und eine gewisse Wildheit, die Marietta, die in ihrem Leben bisher noch nicht viel erlebt hatte, bis tief in ihrer Seele aufrührte.

»Dein Vater sollte dir etwas mehr Freiheit gewähren, Marietta«, erklärte Camillo in diesem Augenblick. »Es gibt auf der Welt noch aufregendere Dinge, als diesen Rummel.«

Marietta sah Camillo bestürzt an. »Langweilst du dich etwa?«, wollte sie besorgt wissen. Sie wusste, dass Camillo das Abenteuer liebte, und sie ahnte, dass er von vielen Dingen, auch von Liebesangelegenheiten, sehr viel mehr wusste, als sie. Daher war es Mariettas größte Sorge, Camillo könnte sich in ihrer Gegenwart langweilen und sich irgendwann enttäuscht von ihr abwenden.

»Wo denkst du hin?«, rief Camillo lachend. »Mit dir an meiner Seite, würde mir sogar der Nachmittagskaffee, den meine Mutter einmal in der Woche für ihre tratschigen Freundinnen gibt, wie eine wilde Tarantella vorkommen.«

Marietta errötete. Noch nie hatte ein Mann ihr ein derartiges Kompliment gemacht. Die Tarantella war ein schneller wirbelnder Tanz und eine Leidenschaft fast aller Süditaliener.

»Signora Marietta wird sicherlich niemals eine Tarantella tanzen«, machte Colletta sich aus dem Hintergrund bemerkbar. »Dieser Tanz ist nur etwas für gewöhnliche Leute. Für eine Kaufmannstochter geziemt es sich nicht, sich diesen schnöden Vergnügungen hinzugeben.«

»Ich würde trotzdem gerne einmal Tarantella tanzen«, erwiderte Marietta mit überschäumender Begeisterung.

»Wir werden es auf unserer Verlobung tun«, versprach Camillo und zwinkerte Marietta schelmisch zu.

»Damit wird Signore Ovo niemals einverstanden sein«, belehrte Colletta kühl.

»Ich gehe jede Wette ein, dass Signore Ovo selbst schon einmal Tarantella getanzt hat«, erwiderte Camillo überzeugt. »Jeder echte Neapolitaner beherrschte diesen Tanz perfekt.«

»Hört auf zu streiten«, warf Marietta dazwischen. »Schließlich will ich mich heute amüsieren und nicht ständig an die strengen Auflagen meines Vaters erinnert werden. Wer weiß, wann sich das nächste Mal eine Gelegenheit bietet, einen Rummel zu besuchen.«

Camillo zog Marietta dichter an sich. Durch den Stoff ihres, eleganten Spitzenkleides spürte er ihren aufregenden Körper. Am liebsten hätte er Marietta jetzt geküsst. Aber Colletta würde sofort dazwischen gehen und darauf bestehen, dass Marietta unverzüglich zum Elternhaus zurückkehrte. Darum bezähmte er seine Leidenschaft und begnügte sich damit, Mariettas Lippen, die verführerisch in der Sonne schimmerten, einen sehnsuchtsvollen Blick zuzuwerfen.

Marietta, der Camillos Regung offenbar nicht entgangen war, warf ihrem Begleiter einen müden verstehenden Blick zu. Auch sie sehnte sich danach, von Camillo berührt und geküsst zu werden. Doch bis es soweit war, würde sie sich noch gedulden und mit ihrer blühenden Fantasie begnügen müssen. Erst wenn Marietta und Camillo vermählt waren, würde ihr Vater es dulden, dass die beiden intim wurden.

Gewaltsam und mit einem leisen Seufzer auf den Lippen riss Marietta sich von Camillos Gesicht los. Stattdessen widmete sie sich wieder dem brodelnden Leben auf dem Rummel...

3

»Brenda, was ist mit dir?«

Daniels Stimme drang wie aus weiter Ferne leise an mein Ohr.

Erschrocken zuckte ich zusammen und blickte mich verwirrt um.

Der bunte Jahrmarkt und all die altertümlich gekleideten Leute waren verschwunden. Stattdessen befand ich mich wieder im British Museum. Arm in Arm stand ich mit Daniel in der Nische bei dem geheimnisvollen Wandspiegel.

Zögernd befreite ich mich aus Daniels Umarmung und warf dem Spiegel einen unbehaglichen Blick zu.

»Ist, alles in Ordnung?«, erkundigte sich Daniel.

»Ich... ich weiß nicht«, erwiderte ich verwirrt. »Ich hatte das Gefühl, plötzlich ganz woanders zu sein.«

Daniel grinste. »Mein Kuss muss dich ja wirklich umgehauen haben.«

Ich schüttelte düster den Kopf. »Das meinte ich nicht«, erwiderte ich ernst. »Ich war wirklich woanders. In Neapel, um genau zu sein. So, wie ich es gesehen habe, muss es dort etwa vor vierhundert Jahren ausgesehen haben.«

Daniel sah mich verständnislos an. »Ich weiß überhaupt nicht, wovon du redest«, gestand er.

Misstrauisch musterte ich den düsteren Wandspiegel. Etwas Bedrohliches, Unheimliches schien nun plötzlich von ihm auszugehen.

»Hast du denn nichts Ungewöhnliches bemerkt?«, fragte ich Daniel.

Mein geliebter Mann zuckte mit den Schultern. »Du scheinst beim Küssen nur plötzlich irgendwie abwesend zu sein«, erklärte er nachdenklich. »Du warst nicht recht bei der Sache, so als würden dir plötzlich andere Dinge durch den Kopf gehen. Ich habe natürlich sofort von dir abgelassen und dich gefragt, was los ist. Dann hast du die Augen geöffnet. An den Rest erinnerst du dich ja selbst.«

»Merkwürdig«, murmelte ich. »Deiner Schilderung nach zu urteilen, konnte der Vorfall nur wenige Sekunden gedauert haben. Mir kommt es aber so vor, als müssten etwa zwanzig Minuten verstrichen sein.«

Daniel musterte mich eingehend. Es war nun der Arzt in ihm, der mich durch seine Augen prüfend ansah.

»Ich kann keinerlei krankhafte Symptome an dir feststellen«, erklärte er gedehnt. »Mir ist es völlig schleierhaft, wie es bei dir zu diesem verzerrten Raum- und Zeitgefühl kommen konnte.«

»Das letzte, was ich wahrnahm, war, dass ich mit dem Rücken gegen den Spiegel stieß«, sagte ich unbehaglich. »Dann veränderte sich plötzlich alles um mich herum und ich war in Neapel.«

Zögernd streckte ich meine Hand nach dem Spiegel aus und berührte ihn.

Die Spiegelfläche fühlte sich kühl und glatt an. Aber nichts Ungewöhnliches geschah.

»Glaubst du, etwas mit dem Spiegel könnte nicht stimmen?«, erkundigte sich Daniel. Seine Stimme verriet, wie angespannt mein geliebter Mann plötzlich war. Er nahm meine Worte nicht auf die leichte Schulter, dafür hatte er mit mir zusammen schon zu viele mysteriöse Dinge erlebt. Vielmehr schien er nun zu befürchten, ein neues, gefährliches Abenteuer könnte sich anbahnen.

Unschlüssig zuckte ich mit den Achseln. »Ich bin mir nicht sicher«, sagte ich, ohne den Wandspiegel dabei aus den Augen zu lassen. »Aber es hat ganz den Anschein, als ob der Vorfall von dem Spiegel hervorgerufen wurde.«

»Was hast du denn gesehen?«, erkundigte sich Daniel.

»Einen Jahrmarkt«, erklärte ich. »Und eine Gruppe von Leuten. Ich kann mich sogar noch an ihre Namen erinnern.«

Daniel berührte den Spiegel nun auch. Aber er machte dabei ein ziemlich ratloses Gesicht. »Ich spüre überhaupt nicht«, merkte er nüchtern an.

Ich drehte dem Spiegel nun den Rücken zu und lehnte mich dann ganz vorsichtig dagegen. Schließlich wollte ich das antike Stück nicht beschädigen.

Nun hatte ich ungefähr die Position eingenommen, in der mich die Vision plötzlich überkommen hatte. Aber auch jetzt war nichts Ungewöhnliches zu bemerken. Nichts deutete darauf hin, dass mit dem Spiegel etwas nicht stimme oder in ihm gar magische Kräfte schlummerten.

»Habe ich mich vielleicht doch nur getäuscht?«, murmelte ich.

Daniel schüttelte den Kopf. »Vom medizinischen Standpunkt aus gesehen, gibt es überhaupt keinen Grund, warum du dich beim Küssen plötzlich an einen anderen Ort und eine andere Zeit versetzt fühlen könntest. Es muss also einen anderen Grund geben.«

Plötzlich hellte sich Daniels Miene auf. »Ich hab’s!«, rief er und stellte sich dann vor mich. Und während er sein Gesicht langsam zu dem meinen herab neigte, sagte er: »Vielleicht war ja unser Kuss ausschlaggebend für den mysteriösen Vorfall.«

Ich lächelte und schüttelte nachsichtig den Kopf. »Du suchst doch nur einen Vorwand, mich wieder zu küssen.«

Daniel lachte. »Du hast mich durchschaut, Brenda. Trotzdem kann ein Versuch nicht schaden.«

»Du bist unverbesserlich«, hauchte ich und schlang meine Arme dann um Daniels Nacken.

Einen Moment später berührten sich unsere Lippen und ein kalter Blitz schien aus dem Spiegel, gegen den ich mit dem Rücken lehnte, auf mich überzugreifen.

Im selben Moment veränderte sich meine Umgebung und ich befand mich wieder auf dem Jahrmarkt im Neapel des sechzehnten Jahrhunderts...

4

Marietta war fest entschlossen, den Tag auf dem Jahrmarkt nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Sie wollte sich amüsieren und dabei Camillos aufregende Nähe in vollen Zügen genießen.

Sie hatten bereits mehrere Buden besucht, Lose gekauft, an einem Glücksrad gedreht, und Camillo hatte mit einem Katapult auf kleine Tontiere geschossen und dabei eine Porzellanpuppe für Marietta gewonnen.

Marietta war überglücklich. Die sommerliche Hitze machte ihr genauso wenig aus, wie das beengende Gedränge auf den schmalen Gassen zwischen den Jahrmarktswagen.

Da fiel Mariettas Blick wie zufällig in einen Gang der zwischen zwei Süßigkeitenbuden entstanden war. Eine in mehrere Segmente aufgeteilte Spiegelfront war am Ende

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Die dunklen Geheimnisse der Brenda Logan denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen