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Mehr mutige Männer: 4 Western Romane

Mehr mutige Männer: 4 Western Romane

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Mehr mutige Männer: 4 Western Romane

Länge:
458 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
5. Apr. 2018
ISBN:
9783739620732
Format:
Buch

Beschreibung

4 Romane in einem Band
von A. F. Morland, Alfred Bekker, Glen P. Webster & C. C. Slaterman

Der Umfang dieses Buchs entspricht 411 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält die Auswahl folgende vier Romane:
A. F. Morland: Drei Särge warten in Amarillo
Alfred Bekker: Zum Sterben nach Sonora
Glen P. Webster: Clay Cannan, der Spieler – Sturmwind der Begierde
C. C. Slaterman: Kintpuash – eine indianische Tragödie

Manche Männer treibt die Rache in die kleinen Städten, wo das Gesetz nur so lange befolgt wird, wie es einen Sheriff gibt. Manchmal versuchen einige verwegene Männer das Gesetz auch in die eigene Hand zu nehmen und hoffen das Beste. Doch meist starb man in seinen Stiefeln - selten im Alter auf seiner Farm oder zuhause bei seiner Familie.
Und immer wieder werden diese mutigen Männer in Auseinandersetzungen hineingezogen, ohne auf Hilfe von außerhalb hoffen zu können.
 
Herausgeber:
Freigegeben:
5. Apr. 2018
ISBN:
9783739620732
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Mehr mutige Männer - Alfred Bekker

München

Mehr mutige Männer

4 Romane in einem Band

von A. F. Morland, Alfred Bekker, Glen P. Webster & C. C. Slaterman

Der Umfang dieses Buchs entspricht 411 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält die Auswahl folgende vier Romane:

A. F. Morland: Drei Särge warten in Amarillo

Alfred Bekker: Zum Sterben nach Sonora

Glen P. Webster: Clay Cannan, der Spieler – Sturmwind der Begierde

C. C. Slaterman: Kintpuash – eine indianische Tragödie

Manche Männer treibt die Rache in die kleinen Städten, wo das Gesetz nur so lange befolgt wird, wie es einen Sheriff gibt. Manchmal versuchen einige verwegene Männer das Gesetz auch in die eigene Hand zu nehmen und hoffen das Beste. Doch meist starb man in seinen Stiefeln - selten im Alter auf seiner Farm oder zuhause bei seiner Familie.

Und immer wieder werden diese mutigen Männer in Auseinandersetzungen hineingezogen, ohne auf Hilfe von außerhalb hoffen zu können.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

Romane © by A.F. MORLAND, ALFRED BEKKER, GLEN P.WEBSTER, C.C.SLATERMAN

und Edition Bärenklau, 2015

A.F.Morland – in alter Rechtschreibung

Cover © by Firuz Askin, 2015

DREI SÄRGE WARTEN IN AMARILLO

von A. F. MORLAND

In alter Rechtschreibung

Frank Bunuel spürte einen harten Schlag an der Brust. Er wurde zurückgeworfen. Mit zusammengepreßten Kiefern wollte er endlich abdrücken, doch seltsamerweise hatte er keine Kraft mehr im Zeigefinger. Die Stille wurde immer wieder von Detonationen zerrissen. Das letzte Geschoß schleuderte Frank Bunuel zu Boden, direkt vor Fannys Füße. Die junge Frau war kreidebleich geworden. „Frank! schrie sie kreischend. „Frank! Sie fiel neben ihrem toten Mann auf die Knie. Tränen quollen aus ihren Augen, die den Leichnam fassungslos anschauten. Die Hufschläge entfernten sich, waren bald nicht mehr zu hören. Wie ein Spuk waren die vier Killer aufgetaucht und wieder verschwunden und hatten einen Toten zurückgelassen, den seine verzweifelte Frau beweinte...

1

Sie kämpften hinter dem Saloon. Johnny Puma brauchte keine Zuschauer, wenn er eine Sache, die ihm nicht paßte, mit den Fäusten bereinigte. Sein Gegner war ein schwerer Brocken mit fleischigen Augenlidern und kantigem Schädel. Dennoch war von der ersten Minute an zu erkennen, daß der Mann gegen Johnny keine Chance hatte.

Puma zog einen Aufwärtshaken mit großer Kraft nach oben. Er traf voll. Den anderen hob es beinahe aus den Stiefeln. Er rollte mit den Augen und schüttelte benommen, den Kopf.

Knurrend wollte er zum Gegenangriff übergehen. Er nahm seine großen Hände hoch, krampfte sie zu harten Fäusten zusammen und schlug damit nach Johnnys Bauch.

Puma blockte den Hammer ab und konterte blitzschnell. Der Mann torkelte. Seine kleinen Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Na warte, du Bastard!" zischte er und griff nach seinem Messer.

Auf der langen Klinge tanzten blitzende Reflexe. Johnny Puma starrte den Gegner eiskalt an. Er fürchtete den Mann, der größer und schwerer als er war, nicht. Es gab wohl niemanden auf der Welt, vor dem Johnny Angst gehabt hätte.

Der angeschlagene Kerl wollte das Blatt nun wenden. „Ich mach’ dich fertig, du Strolch!" fauchte er.

„Mann, du solltest das Messer schnell wieder wegstecken, sonst kriegst du mehr ,Ärger, als du verkraften kannst", sagte Johnny.

Der Kerl stach zu. Johnny brachte sich mit einem federnden Satz in Sicherheit. Die Klinge fegte an seinem Gürtel vorbei. Johnny Puma fing den Messerarm geschickt ab, rammte dem Mann seinen Ellenbogen gegen die Brust, drehte den Arm kraftvoll herum. Ein Aufschrei. Das Messer fiel in den Staub.

Und nun gab Johnny dem Kerl mit ein paar wuchtigen, präzise gesetzten Hieben den Rest.

Der Mann fiel. Johnny schickte ihm. noch einen Faustschlag nach. Der Kerl landete auf dem Bauch und streckte alle viere von sich. Er keuchte schwer, war unfähig, sich zu erheben.

„So, sagte Johnny Puma kalt. „Ich denke, das sollte. reichen. Vielleicht hast du daraus etwas gelernt: Kein Mann darf ungestraft behaupten, Johnny Puma wäre ein Feigling, bloß, weil er keine Waffe trägt!

Damit war Johnny mit dem Kerl fertig. Er ließ ihn liegen, kümmerte sich nicht weiter um ihn, machte auf den hohen Hacken seiner Halbstiefel kehrt und ging in den Saloon zurück.

Der Mann rappelte sich schwitzend auf. Er hob sein Messer auf, torkelte zur gegenüberliegenden Tränke, steckte den Kopf ins Wasser, kam prustend hoch und rief in Richtung Saloon: „Warte nur, du dämlicher Angeber! Eines Tages wird dich einer Feigling nennen, und du wirst es dir gefallen lassen müssen!"

Im Saloon ging es hoch her. Der Klavierspieler hatte einen seiner besten Tage. Zudem war er besoffen, und so ließ er die Finger zu seinem eigenen Vergnügen über die Tasten tanzen. Dazu grölte er all die Ohrwürmer, die landauf, landab gern gehört wurden.

Cowboys und Farmer saßen an getrennten Tischen, wollten nichts voneinander wissen, ließen einander an diesem Tag ausnahmsweise in Ruhe. Die Girls, leicht geschürzt, mit tiefen Ausschnitten, in denen allerhand wogte, setzten sich mal auf diesen, dann auf jenen Schoß, um den Umsatz zu heben, und er hob sich tatsächlich.

Das nahm der feiste Wirt mit fröhlicher Miene zur Kenntnis. Wenn er Zeit hatte, überschlug er immer wieder kurz die Einnahmen, und er kam zu dem Schluß, daß er seit Monaten kein so gutes Geschäft mehr gemacht hatte.

Johnny Puma kehrte an seinen Platz an der Theke zurück. Der Wirt blickte ihn prüfend an. Kein Kratzer war an Johnny. Auch kein Staubfleck. Also war die Auseinandersetzung hinter dem Saloon für ihn eine glatte Sache gewesen.

„Darf’s noch was sein, Johnny?" fragte der Wirt mit einem freundlichen Grinsen. Er war bekannt dafür, daß er sich immer hinter den Sieger und niemals hinter den Verlierer stellte.

„Einen Whisky könnte ich auf den Ärger schon vertragen", erwiderte Johnny Puma schmunzelnd.

„Gab’s Probleme?" erkundigte sich der Wirt.

„Nicht die geringsten."

„Das hört man gern. Du hast einiges los, mein Junge ,das darf dir ein alter Hase wie ich doch sagen, oder. Und du bist verdammt fair, was man nicht vor jedem Mann behaupten kann."

Johnny bleckte die Zähne. „Okay, okay. Wenn du mir schon so schön tust, dann gieß dir auch einen Whisky ein."

„Oh, deshalb habe ich es nicht gesagt. Ehrlich nicht. Aber wenn du mich einlädst, wäre es unklug von mir, abzulehnen."

Flugs stand ein zweites Glas auf dem Tresen. Der Whisky gluckste ins Glas. Nachdem der Wirt die Flasche weggestellt hatte, hob er sein Glas und sagte: „Auf dich, Johnny. Auf einen Mann von Format!" Dann trat er, als wollte er sich im Whisky ersäufen.

Johnny nippte nur an seinem Glas. Er zeigte dem Wirt die kalte Schulter, und der Feiste nahm sich seiner anderen Gäste an.

An zwei Tischen wurde gepokert. Es ging erstaunlich ruhig dabei zu. Eine Menge Geld lag im Pott. Dicker Rauch hing darüber.

Johnny Puma war ein schlanker Bursche, stets in Schwarz gekleidet, was nichts mit penetranter Trauer zu tun hatte. Er liebte diese Farbe einfach. Auch seine Locken waren schwarz. Sie wuchsen ihm über den Hemdkragen. Johnny hatte ein scharfgeschnittenes, von der Sonne kupferbraun gefärbtes Gesicht. Seine Hände waren schmal und feinnervig. Die Finger konnten einen Colt blitzschnell ziehen und zielsicher abfeuern, doch seit einiger Zeit hing Johnnys Revolvergurt zu Hause am Nagel.

Johnny war Kopfgeldjäger gewesen.

Er hatte einen Haufen Geld mit diesem gefährlichen Job verdient, und als er die Summe beisammen gehabt hatte, die er sich vorgestellt hatte, hatte er gesagt: „Jetzt ist es genug. Das reicht. Von nun an wird nichts mehr gearbeitet."

Und das mit vierzig, denn älter war Johnny Puma noch nicht.

Er sah aus wie dreißig, hatte kaum Falten um die Augen, war wendig und blitzschnell. Und er konnte sich auch ohne Colt sehr gut behaupten.

Er kannte Kopfgeldjäger, die hatten so lange weitergemacht, bis ihre Gegner schneller gewesen waren als sie.

Heute erinnerte bestenfalls ein Grabstein an diese habgierigen Leute. Nein, man muß beizeiten aufhören können, und Johnny Puma hatte das gekonnt. Er hatte sein Geld gut angelegt und lebte nun davon ohne Sorgen.

Ein Mann schob sich an Johnny heran. Er war klein und mickrig, trug abgewetzte Hosen, hatte buschige Brauen und kreuz und quer stehende Stacheln im Gesicht. Johnny verglich ihn insgeheim mit einem Kaktus.

Der Mann lächelte. Er hatte gelbe Zähne, unregelmäßig und abgenutzt.

Er schien mit Johnny ins Gespräch kommen zu wollen, suchte aber noch nach den geeigneten Worten, mit denen er beginnen sollte.

„Darf man gratulieren?" fragte er schließlich.

„Wozu? fragte Johnny. „Ich hab’ nicht Geburtstag.

„Ich möchte Ihnen zu Ihrem Sieg von vorhin gratulieren." Der Mann senkte den Blick. „Ich habe zugesehen, wie Sie den Kerl fertiggemacht haben. Habe hinter der Ecke gestanden und ein Auge riskiert. Ich war neugierig, verstehen Sie? Weil ich schon viel von Ihnen gehört habe, Mr. Puma. Mein Name ist Gus Howard. Sie sind für mich zu Lebzeiten schon so etwas wie eine Legende, wenn ich das sagen darf. Ich erinnere mich noch gut daran, wie man mir erzählte, wie Sie Georgie the Shooter und Revolver Kelly zur Strecke brachten.

„Die Story, die man Ihnen erzählte, war bestimmt aufgebauscht", sagte Johnny schmunzelnd.

„Seither sind Sie für mich einer der Größten, ,Mr. Puma, das lasse ich mir nicht nehmen. Sie hatten ganz recht, den verdammten Kerl zu verdreschen. Johnny Puma ist alles mögliche, aber nie und nimmer ein Feigling."

„Sie teilen wohl gern Lob aus, wie?"

„Ganz im Gegenteil. Ich bin bloß objektiv. Da, wo ich herkomme, könnte man einen Mann wie Sie verdammt gut gebrauchen."

„So? Wo kommen Sie denn her?"

Gus Howard zögerte einen Augenblick. Dann sagte er: „Amarillo!"

Johnny blickte Howard aufhorchend an. „Soviel mir bekannt ist, habt ihr in Amarillo den besten Mann, den ich mir als Vertreter des Gesetzes vorstellen kann: Red Portland."

Johnny kannte Red Portland persönlich. Nicht nur das. Er war mit Red über viele Jahre befreundet gewesen, ehe sich ihre Wege getrennt hatten.

Gus Howard kräuselte die Stirn. Er winkte ab. „Das war mal, Mr. Puma. Red Portland war mal eine ganz große Nummer."

„Wieso ist er’s nicht mehr?" fragte Johnny interessiert.

„Sheriff Portland ist am Ende. Er taugt nichts mehr."

„Das gibt’s doch nicht. Red ist nicht älter, als ich."

„Ja. Aber Sie wissen heute immer noch, wann Sie genug getrunken haben. Red Portland weiß das schon lange nicht mehr. Er säuft wie ein Loch. Er ist heute schon so weit, daß er keinen Revolver mehr halten kann. Haben Sie schon mal einen solchen Sheriff gesehen, Mr. Puma?"

„Dann und wann."

„Wenn Portland zur Waffe greift, besteht die Gefahr, daß er sich selbst verletzt. Ein solcher Mann ist heute der Hüter des Gesetzes in Amarillo."

2

Johnny Puma dachte an die Zeit, die er da verbracht hatte. Er hatte sich in dieser Ecke von Texas sehr wohlgefühlt, und er fragte sich jetzt, warum er eigentlich nicht dorthin zurückgekehrt war, als er vom ewigen Herumstreunen die Nase voll gehabt hatte.

„Vor sieben Jahren war Sheriff Portland noch ein ganzer Mann, erzählte Gus Howard weiter. „Vor sieben Jahren hat er die Campbell-Brüder. Ty, Lex und Jack ins Loch gebracht

Johnny nickte. „Ja, davon habe ich gehört. Das war damals eine Glanzleistung von Red."

„Kurz darauf hat er angefangen sich an der Whiskyflasche festzuhalten", knirschte Gus Howard.

„Aus welchem Grund?"

„Keine Ahnung. Die Campbell-Brüder haben ihm damals Rache geschworen. Der Richter hat sie zu sieben Jahren verdonnert. Die sieben Jahre sind jetzt um, sagte Howard mit sorgenvoller Miene. „Verstehen Sie, worauf ich hinaus will, Mr Puma?

„Ich glaube, ich kann Ihnen folgen, erwiderte Johnny lächelnd „Red Portland wird in absehbarer Zeit bis zum Halstuch in Schwierigkeiten stecken.

Howard nickte betrüblich. „So ist es... Die Campbell-Brüder werdet demnächst in Amarillo wieder auftauchen. Dann wird Red Portland für sie nicht mehr als eine lebend Zielscheibe sein. Diese Banditen werden ihn fertigmachen, und kein Mann in Amarillo wird den Mut haben, sie daran zu hindern."

„Das sind vielleicht üble Aussichten."

„Das kann man wohl sagen, seufzte Gus Howard. „Tony Warlock wartet voll brennender Ungeduld auf den Moment, wo der Sheriff ins Gras beißt. Ihm gehört bereits die halbe Stadt.

„Soviel ich von Warlock weiß, geht der doch über Leichen. Wenn es um Red Portland schon so schlecht bestellt ist, warum läßt Warlock ihn dann nicht von einem Revolverschwinger fertigmachen?"

„Das würden ihm die Campbell-Brüder sehr übelnehmen, denn damit würde er sie um ihre Rache bringen. Deshalb läßt er die Finger von Sheriff Portland. Sobald die Campbell-Brüder ihn fertiggemacht haben, ist Warlock der lachende Dritte bei der Geschichte."

Johnny Puma wandte sich dem mickrigen Mann nun ganz zu. Er musterte ihn von Kopf bis Fuß und fragte dann: „Sagen Sie mal, warum erzählen Sie mir das alles, Gus?"

„Ich bin hier nur auf der Durchreise..."

„Das ist keine Antwort auf meine Frage."

„Die Antwort kommt sofort. Als Graubart-Joe hörte, daß ich hier vorbeikommen würde, bat er mich, mit Ihnen über Red Portland zu reden. Das habe ich hiermit getan. Joe läßt Sie herzlich grüßen. „Sonst Nichts? fragte Johnny Puma erstaunt.

Gus Howard schüttelte den Kopf. „Er sagte, alles andere wüßten Sie von selbst."

Johnny grinste. Der alte, listige Graubart- Joe. Er ließ ihn nicht bitten, nach Amarillo zu kommen, damit er Red Portland beistand. Nein, Joe, der schlaue Fuchs drehte es anders. Er bat Gus nur, zu erzählen, wie dreckig es Red ging. Alles andere würde sich dann gewiß von selbst ergeben.

Johnny Puma massierte sein Kinn. „Red braucht also dringend Hilfe."

„Wenn ihm niemand hilft, ist er in Kürze ein toter Mann."

Johnny schmunzelte. ‚„Wer will das schon? Sie nicht, Graubart-Joe nicht und ich natürlich auch nicht, schließlich ist Red immer noch mein Freund."

Er war zwei Tage im Sattel.

Dann hatte er Amarillo erreicht Das erste Haus, noch außerhalb .der Stadt, tauchte auf. Es war Abend. Der Himmel war schwarz, und ein gelber Mond erhellte dürftig den Trail.

Irgendwo bellte ein Hund. Weiter draußen heulten Kojoten.

Johnny Puma stieg vor dem ersten Haus von Amarillo aus dem Sattel. Rechts befand sich der Stall. Vor dem Haus gab es einen von Steinen eingefaßten Brunnen. Drinnen im Haus brannten die Kerosinlampen.

Johnny hielt die Zügel seines drahtigen Mustangs locker in der Hand. Plötzlich stellte das Tier die Ohren auf. Es machte einige tänzelnde Schritte und schnaubte nervös. Gleichzeitig vernahm Johnny Puma ein metallisches Knacken.

Der Hahn eines Revolvers war gespannt worden!

Johnny blieb augenblicklich stehen.

„Keine Bewegung! zischte jemand hinter ihm. „Hände hoch!

Johnny gehorchte. Es wäre leichtsinnig gewesen, anders zu handeln. Vielleicht ließ sich die Sache in wenigen Augenblicken in Johnnys Sinn bereinigen. Aber dazu mußte die Person mit dem Colt erst mal näher an ihn herankommen.

Schritte.

Sie näherten sich ihm. Er lauschte konzentriert. Es waren leichte Schritte. Von einem Fliegengewicht. Johnny wartete auf seine Möglichkeit.

Jetzt war die Person bei ihm. Er spürte die Kanone zwischen seinen Schulterblättern und murrte: „Ein herzlicher Empfang ist das, das muß ich schon sagen."

Es wurde ihm zischend befohlen, den Mund zu halten.

Er wollte sich diese Behandlung ,nicht mehr länger bieten lassen, schließlich war er kein Sattelstrolch. Blitzschnell wirbelte er herum. Seine Rechte fegte die Waffe zur Seite, die Finger umschlossen sie sofort, ein jäher Ruck, die Kanone gehörte ihm.

Er erhielt einen Schlag ins Gesicht, packte zu und ließ sich mit dem keuchenden Gegner fallen.

Er fiel weich. Langes blondes Haar flatterte ihm um die Nase. Das war ein Mädchen, das da unter ihm so wild fauchte und wie eine. Katze kämpfte!

Er ließ sie los und erhob sich. Sie trug hautenge Hosen und eine karierte Bluse, die reichlich gefüllt war. Das Mädchen konnte nicht älter als achtzehn sein. Ihr hübscher Mund leuchtete rot und in ihren himmelblauen Augen funkelte unverhohlener Zorn.

Johnny wußte sofort, wen er vor sich hatte. Das war Letitia Murphy, die Tochter von Graubart-Joe.

„Habe ich Ihnen weh getan, Miß?" fragte er amüsiert.

„Geben Sie mir meinen Revolver wieder!" verlangte Letitia zornig.

„Wissen Sie, ich habe etwas gegen Waffen, die auf mich gerichtet sind."

„Es war mein gutes Recht, Sie damit zu bedrohen! sagte Letitia trotzig. „Sie sind wie ein Verbrecher auf unser Haus zugeschlichen.

„Oh, da haben Sie aber noch keinen echten Verbrecher schleichen gesehen, Miß, sagte Johnny schmunzelnd. „Wo kamen Sie eigentlich so plötzlich her?

„Ich war im Stall. Unsere Stute soll bald fohlen."

In diesem Augenblick wurde die Haustür aufgestoßen. Ein Mann mit Gewehr trat auf die Veranda. Ebenso breit wie hoch. Das Hemd spannte über dem kugelrunden Bauch. Und ein graues Gestrüpp stand in dem Gesicht mit den listigen Augen.

„Letitia!" rief Graubart-Joe. „He Mädchen! Mit wem sprichst du da’

„Mit mir, sagte Johnny grinsend. Der Gewehrlauf zuckte sofort hoch. „Mit mir? Was heißt mit mir. Das ist kein Name!

Johnny lachte. „Ich dachte, du würdest mich sofort an der Stimme wiedererkennen, alter Kartoffelsack!"

„Johnny! Es war ein Freudengebrüll. „Johnny Puma! Ich werd’ verrückt! Mann, ich verliere vor Freude doch tatsächlich gleich den Verstand.

Graubart-Joe stellte das Gewehr beiseite und stolperte die Verandastufen herunter. Er fuchtelte mit den Händen in der Luft herum, als wolle er lästige Fliegen verscheuchen.

„Johnny! Johnny! Laß dich ansehen! Ich kann’s nicht fassen!"

Letitia trat mit verwunderten Blick von Johnny Puma zurück. Sie hatte schon viel über diesen Mann gehört. Ihr Vater sprach fast jeden Tag von Johnny Puma, der für ihn seit eh und je das Vorbild eines aufrechten, mutigen Mannes gewesen war.

Graubart-Joe sah Letitias Waffe in Johnnys Hand. „Was geht hier vor?" fragte er verdutzt.

„Letitia hat mir das Ding zwischen die Schulterblätter gedrückt", sagte Johnny.

„Kind, bist du noch zu retten? Wolltest du den einzigen wahren Freund,. den dein Vater auf dieser Welt hat, erschießen?"

„Ich... stieß Letitia verlegen hervor, „ich konnte doch nicht ahnen, wer das ist.

„Sie konnte es nicht ahnen. Graubart-Joe lachte aus vollem Halse. Er schlug Johnny begeistert auf die Schulter. „Das ist der Mann, der dich immer auf seinen Knien geschaukelt hat, Mädchen. Ja, ja. Er ist tatsächlich der erste Mann, auf dessen Knien du gesessen hast, Letitia. Und Onkel Johnny hast du zu ihm immer gesagt. Voller Vaterstolz wies Graubart-Joe auf seine Tochter. „Sieh sie dir an, Johnny. Ist sie nicht ein prachtvolles Mädchen geworden? So etwas findest du in ganz Texas kein zweitesmal, das sage ich dir. Und ich würde Gott weiß was dafür geben, wenn du und Letitia ich meine, du bist noch nicht verheiratet. Sie ist eine Frau, die einen Mann braucht..."

„Vater!" rief Letitia verlegen aus. Sie wandte sich um und rannte ins Haus.

Graubart-Joe lachte schallend. „Sie ist noch schüchtern."

„Das ist kein Fehler."

„Aber schießen kann sie wie ein Mann, mein Wort drauf, Johnny. Das Gesicht von Graubart-Joe verfinsterte sich für einen Augenblick. „Schießen muß man neuerdings auch in Amarillo können. Am besten, man bringt es gleich den Säuglingen bei, damit sie sich ihrer Haut Wehren können. Verdammt, Johnny, es ist viel passiert in dieser, Stadt, seit du ihr den Rücken gekehrt hast. Wenn man nicht in der Lage ist, selbst auf sich achtzugeben, ist man hier seines Lebens nicht mehr sicher. Oh, Johnny. Mann, laß dich umarmen. Ehrlich gesagt, ich habe nicht zu hoffen gewagt, daß du kommen würdest. Schließlich ist das hier nicht deine Stadt. Du lebst nicht hier, was hier geschieht, geht dich nichts an.

„Ich habe meine Freunde hier, widersprach Johnny. „Und wenn es denen nicht gutgeht, ist das wohl auch meine Sache.

„Du bist großartig", sagte Graubart-Joe.

Seit Johnny ihn kannte, und das war nun schon eine ganze Weile, hatte Joe Murphy diesen grauen Bart. Wenn Johnny den rundlichen Burschen so ansah, mußte er feststellen, daß sich Graubart-Joe überhaupt nicht verändert hatte. Er besaß immer noch diese überschwängliche Herzlichkeit von früher, war quirlig, lachte gern und wirkte furchtbar schusselig.

Graubart-Joe stemmte Johnny von sich weg, um ihn zu betrachten. „Du siehst prima aus, Johnny Boy."

„Es geht mir gut. Und dir?"

„Im großen und ganzen kann ich auch nicht klagen. Letitia ist ein braves Mädchen..."

„Weiß sie, wer ihre Mutter ist? Du wolltest es ihr an ihrem achtzehnten Geburtstag erzählen."

Graubart-Joe schüttelte mit zusammengezogenen Brauen den Kopf. „Davon bin ich wieder abgekommen. Für Letitia ist ihre Mutter bedauerlicherweise bei der Geburt gestorben. Ich finde, dabei sollte man es bewenden lassen. Muß sie wirklich unbedingt erfahren, daß ihre Mutter „Neely the Cat, die bekannteste Edelnutte von Texas ist?

„Wo lebt Neely heute?"

„In San Antonio. Also weit genug vom Schuß weg. Außerdem hat Neely mir ihr Wort gegeben, darüber den Mund zu halten. Man kann über sie denken, wie man will, aber dieses Wort wird sie halten, davon bin ich überzeugt. Sie wird niemals mütterliche Gefühle entwickeln und mir mein Kleines streitig machen. Folglich ist alles in Butter und für Letitia ist und bleibt ihre Mutter tot. Aber was stehen wir hier draußen herum? Warum gehen wir nicht ins Haus?"

Johnny schlang die Zügel seines Pferdes über die Holmenstange.

Graubart-Joe sagte ihm, Letitia würde sich später um den Mustang kümmern.

Als Johnny mit seinem alten Freund ins Haus kam, bemerkte er ,sofort, daß Letitia sich gekämmt hatte. Sie war immer noch verlegen und senkte den Blick, sobald er in ihre Richtung schaute.

„Mach uns eine anständige Portion Bohnen mit Speck! verlangte Graubart-Joe von seiner Tochter. „Wir haben Hunger! Die Männer setzten sich an einen rohgezimmerten Tisch. Joe Murphy seufzte. „Wenn ich Letitia einmal hergeben muß, wird mein Magen wie in früheren Zeiten jammernd gegen meine Kochkünste protestieren. Aber ich werde meinem Kind deswegen keine Sekunde im Wege stehen. Wenn sie ihr Glück machen kann, bin ich der Letzte, der das verhindern möchte."

Letitia war dieses Thema sichtlich peinlich.

Sie lief immer wieder rot an.

Johnny brachte das Gespräch deshalb in eine andere Richtung. Letitia dankte es ihm mit einem innigen Blick. Ihr Colt lag vor ihm auf dem Tisch. Als sie die randvoll gefüllten Teller brachte, nahm sie die Waffe mit.

Nach dem Essen, das vorzüglich geschmeckt hatte, drehte Johnny für seinen Freund und für sich eine Zigarette.

Sie rauchten genießend und tranken guten Whisky dazu.

Letitia zog sich zurück, nachdem sie Johnnys Mustang in den Stall gebracht hatte.

„Erzähl mir von Red", verlangte Johnny.

Graubart-Joe kräuselte die Nase „Mit dem ist es in letzter Zeit verdammt schnell bergab gegangen. An manchen Tagen kriegt man ihn überhaupt nicht zu sehen. Er liegt dann meistens in einer der Zellen und schläft seinen Rausch aus.

Es gibt kaum noch jemanden, der Achtung vor ihm hat. Die anständigen Leute von Amarillo machen einen großen Bogen um ihn, und die andern verhöhnen und verspotten ihn, ohne daß er fähig wäre, ihnen das abzustellen. Er ist einfach erledigt und alle wissen es. Sie sagen es ihm offen ins Gesicht, daß sein Leben in dem Augenblick zu Ende geht, wo die Campbell-Brüder die Stadt betreten."

„Hast du mal mit Red gesprochen?"

„ Natürlich. Ziemlich oft sogar."

„Und?"

„Er hat mich eines Tages rausgeschmissen und mir gedroht, mir ein Loch in den Wanst zu ballern, falls ich noch einmal in sein Office kommen würde."

„Was sagt Tony Warlock zu alldem?" erkundigte sich Johnny Puma.

,,Warlock wartet ab. Er haßt Red. Du weißt, daß Red früher alles getan hat, damit Warlock nicht groß werden konnte. Das hat Warlock nicht vergessen. Er wartet nun voll brennender Ungeduld auf die Campbell-Brüder, damit sie Red fertigmachen. Dann setzt er einen Sheriff ein, der zu allem, was er tut und sagt, seinen Segen gibt, und damit kann der brave Mann von Amarillo das schöne Leben ein für allemal vergessen."

„Hat außer Red Portland denn niemand den Mut, Tony Warlock entgegenzutreten?"

Graubart-Joe ächzte. „Unser Friedhof ist voll von solchen mutigen Männern. Seither überlegen es sich die andern, ob es nicht doch besser ist, den Mund zu halten und am Leben zu bleiben."

Was war aus dieser Stadt geworden?

Aus dieser Stadt und aus ihrem Sheriff. Beide drohten in einem gefährlichen. Sumpf zu ersticken.

„Wirst du Red Portland helfen, Johnny?" fragte Graubart-Joe zaghaft.

„Ich kann ihn doch nicht einfach untergehen lassen, nicht wahr?"

Graubart-Joe atmete erleichtert auf. „Du hast ein goldenes Herz, mein Junge. Du gehörst nicht zu jener Sorte von Männern, die ihre Freunde im Stich lassen, wenn diese in Not sind."

„Du hast recht", sagte Johnny.

Sie gingen bald darauf zu Bett.

Aber es gab eine Unterbrechung in dieser Nacht. Die Stute bekam ihr Fohlen. Letitia wollte mit ihrem Vater in den Stall eilen, doch Johnny schickte das Mädchen wieder, ins Bett und vertrat sie drüben im Stall.

Das Fohlen war ein schönes Tier, und Graubart-Joe behauptete, es würde eines Tages der schönste Hengst von ganz Texas werden.

Am nächsten Vormittag ritt Johnny Puma in die Stadt. An ihrem Aussehen hatte sich nicht sehr viel verändert. Ab und zu entdeckte Johnny ein neues Geschäft ödet ein Haus, das früher noch nicht dagestanden hatte, aber dlas änderte kaum etwas am Gesamteindruck von Amarillo.

Was sich stark verändert hatte, waren die Gesichter der Leute. Angst und Mißtrauen prägten ihre Züge. Die meisten Männer waren bewaffnet und hatten einen unsteten Blick, der immerzu nach irgend etwas auf der Suche zu sein schien.

Einige Gesichter erkannte Johnny Puma wieder.

Gewiß erkannten ihn auch die Leute wieder, aber sie grüßten ihn nicht, drehten schnell den Kopf weg, wollten ihre Ruhe haben, hatten Angst, dem Herrn dieser Stadt, Tony Warlock, unangenehm aufzufallen und mit ihm Ärger zu kriegen.

Und man mußte Warlock unangenehm auffallen, wenn man den Freund des Sheriffs, einen bekannten ehemaligen Kopfgeldjäger, auf offener Straße freundlich begrüßte.

Johnny Puma ritt am düsteren Magazingebäude vorbei.

Plötzlich traten ihm auf der Main Street vier Männer entgegen.

Er zügelte sein Pferd.

Niemand sah etwas. Jedenfalls blickten die Leute alle in eine andere Richtung.

„Hallo, Johnny Puma!" sagte einer der vier. Ein großer Mann mit breiten Schultern und blutunterlaufenen Augen. Er roch auf viele Meilen gegen den Wind nach Gefahr. Der Coltgriff, der aus dem Leder ragte, glänzte. Er griff nach den Zügeln.

„Auf der Durchreise?" fragte der zweite Mann. Er trug ein knallrotes Halstuch, hatte eine wulstige Narbe unter dem rechten Auge und einen unangenehm stechenden Blick.

„Nein, sagte Johnny kurz angebunden. Und zu dem Kerl mit den blutunterlaufenen Augen: „Laß die Zügel los.

„Sofort, erwiderte dieser knochentrocken. „Erst möchten wir dich noch um einen kleinen Gefallen bitten. Steig ab!

Johnny dachte nicht daran. Er starrte die Männer hart an.

„Hast du was mit den Ohren?" fragte der dritte Bursche lispelnd. Er hatte brandrotes Haar und abstehende Ohren.

Der vierte Mann sagte nichts. Seine Lippen waren dick. Die Nase ebenfalls. Er trug einen kleinen Bart auf der Oberlippe. Es sah aus, als wäre er dort dreckig.

Dieser Mann zog schweigsam seinen Colt, um den Worten des ersten mehr Gewicht zu verleihen. Johnny wollte seinen Mustang blitzschnell in die Weichen treten, um die Kerle einfach über den Haufen zu reiten.

Doch als der vierte Mann den Hahn seiner Waffe spannte und mit grimmiger Miene erkennen ließ, daß er Johnny aus dem Sattel schießen würde, wenn er nicht gehorchte, stieg dieser wortlos ab.

„Sehr, vernünftig", sagte der mit den blutunterlaufenen Augen.

„War doch von vornherein klar, daß Johnny Puma kein Dummkopf ist", höhnte der Kerl mit dem knallroten Halstuch.

„Was wollt ihr?" fragte Johnny die Männer scharf.

„Wir haben mit dir zu reden", sagte der Lispler.

„Ich höre."

„Nicht hier", brummte der mit der Narbe. Jetzt holte auch er seinen Colt aus dem Leder. Sie drängten Johnny Puma in eine schmale Gasse hinein.

„Gibt es in dieser Stadt mehr von eurer Sorte?" fragte Johnny.

„Kann schon sein", erhielt er zu Antwort.

„Dann ist Amarillo neuerdings zum Kotzen."

Dieser Satz trug Johnny ohne Vorwarnung einen Faustschlag ein. Das war der Auftakt. Danach ging es richtig los. Die Kerle steckten ihre Schießeisen weg, bauten sich im Quadrat um Johnny herum auf und feuerten ihre Fäuste auf ihn ab.

Viele ihrer Schläge blieben in Johnnys Deckung hängen.

Mehrmals könnte Johnny Puma sogar einen schmerzhaften Treffer landen. Doch mehr als er austeilen konnte, mußte er einstecken. Aber Johnny Puma war hart im Nehmen.

Seine Faust erwischte den Schweigsamen am Ohr. Der Kerl heulte auf und verzerrte schmerzlich das Gesicht.

Johnny spürte den süßlichen Geschmack von Blut auf der Zunge. Er versuchte den Ring, der ihn einschloß, zu durchbrechen, warf sich auf den Burschen mit den blutunterlaufenen Augen, rammte ihm die Faust in den Bauch, schickte einen Schwinger hinterher, und federte anschließend durch die entstandene Lücke. Aber so einfach wollten ihn seine Gegner nicht ziehen lassen.

Ein schwerer Treffer landete in seinem Nacken.

Er spürte einen stechenden Schmerz durch seinen Kopf zucken. Seine Reaktion war dadurch einen Augenblick beeinträchtigt, und genau das hatte man mit diesem Schlag bezweckt.

Die Kerle nützten ihre Chance.

Sie schlugen so lange auf Johnny Puma ein, bis dieser weiche Knie bekam und zu Boden sank.

Er hörte sie keuchen.

Der mit den blutunterlaufenen Augen sagte: „Das geschah bloß, damit dir von Anfang an die Lust auf einen längeren Aufenthalt in dieser Stadt vergeht, Johnny Puma. Solltest du trotzdem die Absicht haben, zu bleiben, werden wir uns Wiedersehen. Dann allerdings fahren wir mit schwereren Geschützen auf, und es ist fraglich, ob du das überleben wirst."

Der Kerl holte aus und trat.

Johnny sah den Stiefel auf seinen Kopf zurasen.

Er warf sich zur Seite und schwächte den Treffer so ab. Der Tritt raubte ihm dennoch beinahe die Besinnung. Er fiel mit dem Gesicht in den Staub. Sand knirschte zwischen seinen Zähnen.

Aber wenn diese verdammten Kerle glaubten, ihn auf diese Weise aus der Stadt vertreiben zu können, hatten sie sich gehörig geschnitten. Sie hatten ihn mit diesen Prügeln trotzig gemacht. Jetzt würde er auf alle Fälle bleiben.

Es war nicht mehr weit bis zum Office des Sheriffs. Johnny ging den Rest des Weges zu Fuß. Er hatte Schmerzen im Bauch, ein Würgen im Hals, Blut auf, der Zunge, geschwollene Lippen und eine breite Nase, in der gleichfalls ein Schmerz hämmerte.

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