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Die tiefen und dunklen Hügel von Kentucky: Vier Cassiopeiapress Western

Die tiefen und dunklen Hügel von Kentucky: Vier Cassiopeiapress Western

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Die tiefen und dunklen Hügel von Kentucky: Vier Cassiopeiapress Western

Länge:
510 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 19, 2019
ISBN:
9783739624167
Format:
Buch

Beschreibung

4 Romane aus dem amerikanischen Wilden Westen
von Frank Callahan, Thomas West, Timothy Stahl & Pete Hackett
Herausgeber: Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 468 Taschenbuchseiten.

Männer im Kampf um Recht und Rache - vier knochenharte Western Romane von Top-Autoren des Genres. Stories aus einer Zeit, in der der Colt regierte und die Luft bleihaltig war.

Dieses Buch enthält folgende vier Romane:
Frank Callahan: Die Rechnung ohne mich
Thomas West: Der Tod sitzt mit am Pokertisch
Timothy Stahl: Die Legende vom goldenen Mustang
Pete Hackett: ...dann gnade dir Gott!
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 19, 2019
ISBN:
9783739624167
Format:
Buch

Über den Autor


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von Frank Callahan, Thomas West, Timothy Stahl & Pete Hackett

Herausgeber: Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 468 Taschenbuchseiten.

Männer im Kampf um Recht und Rache - vier knochenharte Western Romane von Top-Autoren des Genres. Stories aus einer Zeit, in der der Colt regierte und die Luft bleihaltig war.

Dieses Buch enthält folgende vier Romane:

Frank Callahan: Die Rechnung ohne mich

Thomas West: Der Tod sitzt mit am Pokertisch

Timothy Stahl: Die Legende vom goldenen Mustang

Pete Hackett: ...dann gnade dir Gott!

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

Romane © by Frank Callahan, Thomas West, Timothy Stahl und Pete Hackett und Edition Bärenklau, 2015

Cover © by Firuz Askin 2015

DIE RECHNUNG OHNE MICH

von Frank Callahan

1

„Keinen Schritt weiter, Mister, sonst drücke ich ab. Und das heiße Blei würdest du nur schwer verdauen! Die Stimme erklang dicht hinter mir. Ich blieb stehen, drehte den Kopf und erkannte einen hageren Mann, der eine Parker Gun auf mich gerichtet hielt. Mit solch einer doppelläufigen Schrotflinte konnte er mich aus dieser Entfernung in zwei Teile schießen. „Schon gut, Sheriff, antwortete ich ruhig, hob die Hände in Schulterhöhe und wandte mich dem Gesetzeshüter zu, auf dessen Weste ein Blechstern funkelte. „Und nun sollten Sie mir erklären, warum Sie mich bedrohen?"

„Du bist Percy Collins - nicht wahr ...? Ich runzelte die Stirn und sah den Sheriff der kleinen Ortschaft Calaba im Pimai County forschend an. „Richtig, antwortete ich. „Woher kennen Sie mich? Ich wüsste nicht, dass wir uns schon jemals begegnet sind! Mein Gegenüber verzog das schmale Gesicht zu einer Grimasse. Einige Einwohner der kleinen Stadt blieben auf den Sidewalks stehen und blickten neugierig zu uns herüber. Die meisten liefen aber schnell weiter. Aus dem nahen Saloon, den ich eigentlich aufsuchen wollte erklang Stimmenlärm und das Klirren von Gläsern. „Ich hole mir jetzt deinen Revolver, Collins, sagte der Gesetzeshüter. „Danach gehen wir in mein Office."

„Soll das eine Verhaftung sein?, fragte ich kopfschüttelnd und konnte mir noch immer nicht erklären, warum mich der Sheriff wie einen Verbrecher behandelte. Ich war mir keiner Schuld bewusst. „Ich muß mit dir reden. Wenn du vernünftig bist, lasse ich dich laufen. Wenn nicht, buche ich dich für einige Tage ein. Mir wird schon etwas einfallen, um dich gesiebte Luft atmen zu lassen. Das wurde ja immer schöner. „Ich habe vorhin in den Staub gespuckt, sagte ich grinsend. „Vielleicht ist das in dieser lausigen Stadt verboten.

„Dir wird das Lachen gleich vergehen, erwiderte der Sheriff düster. „Los, dreh dich um, Collins. Und versuch nur nicht, nach hinten auszukeilen, wenn ich mir jetzt dein Eisen hole. Einige Minuten später saß ich vor dem Schreibtisch des Gesetzeshüters, der die Schrotflinte weggestellt hatte und mich nun in die dunkle Mündung eines Revolvers blicken ließ. „Sie sollten zur Sache kommen, sagte ich noch immer ruhig, obwohl sich ein heißer Zorn immer mehr in mir breit machte. Heiliger Rauch, war der Sternschlepper denn total übergeschnappt? Warum behandelte er mich wie einen Outlaw? „Verdammt noch mal, stecken Sie endlich den Colt weg!, fauchte ich ungehalten, als er mich nur nachdenklich ansah. „Ich springe Ihnen schon nicht an die Kehle. Und nun möchte ich wissen, was das alles zu bedeuten hat!"

„Na gut, sagte er. „Mein Name ist Jack Boone. Und du bist Percy Collins, der bekannte und berühmte Revolvermann, dem bis jetzt keiner das Wasser reichen konnte. Du bist einer der schnellsten Schießer, die es im Arizona Territorium je gegeben hat. Ich nickte dem Sternträger zu. „Alter 29, unverheiratet und kinderlos. Wollen Sie auch noch meine Schuhgröße wissen, Sheriff? Er blickte mich kalt an. „Ich habe dich erwartet, Collins, sagte er dann mit vibrierender Stimme. „Mir war klar, dass du bald auf tauchen würdest. Ich schob den Stetson in den Nacken und kratzte mich reichlich verblüfft am Ansatz meiner blonden Lockenpracht. „Dass ich in dieses Kaff reiten würde, weiß ich selbst erst seit acht Tagen, antwortete ich. „Sie müssen übersinnliche Kräfte haben, Sheriff. Das erklärt aber noch immer nicht, warum Sie mich vor ihren Colt geholt haben.

„Das sage ich dir, sobald du mir eine Frage beantwortet hast, meinte er und legte die Waffe vor sich auf die Schreibtischplatte. „Was willst du hier in Calaba, Collins?

„Mich mit meinem Bruder Jeff treffen, entgegnete ich. „Sein Brief war einige Wochen unterwegs, ehe er mich vor acht Tagen in Tucson erreichte. Er bat mich, bis spätestens Ende des Monats hierher zu kommen. Das ist schon alles. Ist es vielleicht verboten, den eigenen Bruder zu treffen? Jack Boone lächelte nachsichtig, und ich musste mich immer mehr dazu zwingen, ruhig zu bleiben. „Im Grunde genommen nicht, sagte der Sternträger. „In deinem Fall habe ich aber etwas dagegen. Da liegt nämlich der Hund begraben. Dein Bruder hockt im Gefängnis und wurde zum Tod durch den Strang verurteilt. Er wird in drei Tagen baumeln. Heiliger Rauch! Das saß. Ich zuckte zusammen, als hätte mir jemand einen Hieb mit der Peitsche übergezogen. Dann starrte ich Jack Boone an, als habe dieser nicht mehr alle Latten im Zaun. „Wenn das ein Scherz sein soll, Sheriff, ächzte ich, „dann finde ich das gar nicht gut von Ihnen. Jack Boone verzog das Gesicht in stummer Abwehr. „Das ist kein Scherz, Collins, antwortete er. „Dein Bruder überfiel vor vierzehn Tagen die hiesige Bank. Bei dem Überfall wurden zwei Männer ermordet. Seine drei Kumpane konnten entkommen. Leider konnten wir nur, deinen Bruder erwischen. Er wurde rechtskräftig von einer Jury verurteilt und wird hängen. Daran geht kein Weg vorbei! Ich sah Boone fassungslos an. Er hielt meinem Blick stand und zuckte nur mit den Schultern. Mir aber wurde so langsam klar, warum mich der Sheriff draußen auf der Main Street abgepasst und gewaltsam in sein Office gebracht hatte. Jack Boone glaubte allen Ernstes daran, dass ich in die Stadt gekommen war, um Jeff aus dem Gefängnis zu befreien. Aus diesem Grund hatte er auf mich gewartet. Bestimmt hatte er von meinem Bruder erfahren, dass ich auf dem Weg nach Calaba war. „Nach deiner Miene zur urteilen, ist dir inzwischen ein Licht aufgegangen, sagte Jack Boone. „Ich lasse nichts anbrennen und habe sofort zugeschlagen, als ich dich in die Stadt reiten sah. Du ähnelst deinem Bruder sehr. Gut, ich will dir sogar glauben, dass du keine Ahnung hattest, was mit Jeff Collins geschehen ist. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass du vielleicht seine Partei ergreifen und ihn aus dem Jail befreien könntest. Ich stand auf und lief wie ein gereizter Tiger im Office auf und ab. Der Sheriff hatte die Hand auf den Revolver gelegt, doch dann nahm er sie wieder weg. Ich war nach wie vor unbewaffnet und dachte nicht daran, den wilden Mann zu spielen Ich musste erst einmal mit meinem Bruder sprechen. „Das kannst du haben, antwortete Jack Boone, nachdem ich ihm meinen Wunsch vorgetragen hatte. „Natürlich wird er behaupten, unschuldig zu sein. Die Beweise vor Gericht haben aber eindeutig gegen ihn gesprochen, sonst wäre er nicht schuldig gesprochen worden. Jack Boone stand auf und zielte mit dem Revolver auf mich. Dann deutete er auf eine Tür im Hintergrund des Office, die wohl in den Zellentrakt führte. Ich marschierte vorneweg, öffnete die Tür und trat ein. In einem der Gitterkäfige hockte mein Bruder Jeff auf einer Pritsche und atmete tief durch, als er mich erkannte. Er stand auf und blieb dicht vor den Eisenstangen stehen. Ich erkannte so etwas wie Hoffnung in den blauen Augen, die den meinen so sehr ähnelten. „Endlich, Bruder, ächzte Jeff. „Ich hatte schon fast nicht mehr damit gerechnet, dich noch einmal zu sehen. Tut mir leid, dass ich ein so klägliches Bild abgebe, doch ich werde dir alles erklären. Ich nickte und verhielt vor der Zelle. „Ich gebe euch eine Viertelstunde, um euch zu unterhalten, tönte Jack Boones Stimme von der Tür her. „Übrigens, das Gefängnis wird von vier meiner Leuten bewacht. Nach diesen Worten schloss er die Tür hinter sich. Seine Schritte verklangen. Ich sah Jeff fest an. Er hielt meinem Blick stand und griff dann nach meiner Hand als könnte er so Schutz und Hilfe finden. „Dann spuck schon aus, was das alles zu bedeuten hat, sagte ich mit vibrierender Stimme. Zum Henker, ich will von dir wissen, ob du wirklich ein verdammter Mörder bist? Jeff ließ meine Hand los und wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Er senkte für einen Herzschlag lang den Kopf, ehe er mich fest ansah. „Ich schwöre dir beim Leben unserer Eltern, dass ich unschuldig bin. Ich wurde mächtig hereingelegt und hatte mit dem Banküberfall nichts zu tun. Ich hoffe, dass du mir glaubst. Ich blickte meinen Bruder forschend an, der bitter lächelte. Jeff und ich hatten uns schon immer gut verstanden. Er war vier Jahre jünger als ich und hatte immer zu mir aufgesehen. Ich war früher so etwas Ähnliches wie ein Vorbild für ihn gewesen. Und ich konnte mich nicht entsinnen, dass er mich jemals im Leben angelogen hatte. „Erzähl mir alles, Jeff, sagte ich nickend. „Ich möchte aus deiner Sicht wissen was geschehen ist. Die Hände meines Bruders krampften sich so fest um die Gitterstäbe, dass die Knöchel hell zu schimmern begannen. Ich erkannte wie aufgeregt er war. Seine Brust hob und senkte sich schwer. „Ich habe dir vor ungefähr vier Wochen geschrieben, um dich hier in der Stadt zu treffen. Der Grund hatte ich dir verschwiegen, da es eine Überraschung werden sollte."

„Das ist dir gelungen, antwortete ich. „Und was ist der wahre Grund?

„Ich wollte heiraten, sagte er zu meinem Erstaunen. „Susan Carrington ist ihr Name. Ich lernte das Girl in Tombstone kennen und lieben. Susan ist die Tochter eines Kleinranchers ganz in der Nähe der Stadt. Wir sind uns einig geworden, und ich wollte dich bei meiner Hochzeit dabei haben.

„Gratuliere, Bruder, sagte ich. „Aus der Hochzeit wird es nun nichts mehr werden. Das tut mir leid. Jeff schluckte mehrmals trocken. „Susan hält zu mir und ist von meiner Unschuld überzeugt, murmelte er. „Auch ihr ist klar, dass ich hereingelegt worden bin.

„Hereingelegt ...? Er nickte düster. „Ich wurde ausgetrickst und bin wie ein Narr in die Falle gegangen, fuhr er fort. „Ich bin Ray Hunter auf dem Leim gegangen, obwohl mich Susan immer wieder vor dem Big Boss gewarnt hatte. Es gibt kaum ein Geschäft in der Stadt, das nicht ihm gehört oder an denen er nicht wenigstens beteiligt ist. Er hatte es auf Susan Carrington abgesehen und wollte sie heiraten. Seine Pläne haben sich zerschlagen. Der Mistkerl hat mir bittere Rache geschworen. Nun ist der Weg für ihn wieder frei, sobald mir der Sheriff den Strick um den Hals gelegt hat. Mein Bruder erschauerte und presste die Lippen so fest aufeinander, dass sie einer schlecht verheilte Narbe glichen. Mutlosigkeit lag plötzlich in seinem Blick, als er mich ansah. Und ich fragte mich, ob ich den Worten meines Bruders glauben konnte? „Erzähl schon weiter, forderte ich Jeff auf. „Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Der Sheriff wird gleich wieder auftauchen, und ich möchte wissen, wie du in diese Sache hineingeschlittert bist."

„Ich hielt mich in der Nacht, an dem der Überfall stattfand, im Saloon auf. Ich pokerte mit drei Männern, die ich um etliche Dollars erleichterte. Danach gab ich einige Drinks aus und verließ gegen Mitternacht mit meinen drei Trinkkumpanen die Whiskytränke. Danach ritt ich in Richtung von Susans Ranch. Unterwegs wurde mir verdammt übel. Ich hatte doch einiges zu viel geschluckt. Es brauchte eine Weile bis es mir besser ging. Jeff schloss für einige Sekunden die Augen. „Als ich wieder aufsitzen wollte, tauchte plötzlich der Sheriff mit einem Aufgebot auf. Jack Boone beschuldigte mich, mit meinen drei Trinkkumpels die Bank überfallen zu haben. Einer der Männer des Aufgebots entdeckte auch fünftausend Dollar in meinen Satteltaschen. Jeff Collins setzte sich auf die Pritsche und stützte den Kopf schwer in beide Hände. „Erst später stellte es sich heraus, dass es ausgerechnet Bill Winter war, der die 'Beute' gefunden hatte. Winter ist Ray Hunters rechte Hand und so etwas Ähnliches wie sein Leibwächter. Ich erntete vor Gericht nur Gelächter, als ich Winter beschuldigte, mir die Dollars untergeschoben zu haben. Anders kann es aber gar nicht sein. Ich wette auch jeden Betrag, dass diese drei Banditen von Hunter den Auftrag erhalten hatten, die Bank zu überfallen. Aus diesem Grund hatten sie mich auch zu der Pokerpartie aufgefordert und anschließend mit mir getrunken. Bei dem Überfall starben zwei Menschen. Außerdem erbeuteten die Halunken zwanzigtausend Dollar. Bei den fünftausend Greenbacks handelte es sich angeblich um meinen Anteil. Für den Richter und die Geschworenen war alles klar. Sie verurteilten mich zum Tode. Die Suche nach den drei Halunken blieb erfolglos. Nun muß ich das ausbaden. was diese Strolche angerichtet haben. Ich blickte meinen Bruder fest an, der gequält lächelte und dann die rechte Hand zum Schwur hob. „Alles was ich dir erzählt habe, ist die reine Wahrheit gewesen, Percy!, stieß er hervor. „Ich bin am Ende und würde dich nie belügen. Ray Hunter hat mir eine Falle gestellt, in die ich ahnungslos hineingetappt bin. Außerdem hatte der Big Boss die gesamte Bevölkerung auf seiner Seite. Es ist nun einmal seine Town, in der er das Sagen hat. Auch die Geschworenen tanzten nach seiner Pfeife. Ich hatte nicht den Hauch einer Chance. Nur Jack Boone ist fair zu mir gewesen. Er setzte alle Hebel in Bewegung, um die drei geflüchteten Bankräuber zu finden, doch er verlor ihre Fährten in den Bergen. Nun sah ich klarer. Alles was Jeff gesagt hatte, klang einleuchtend. Es hatte ganz den Anschein, als wäre er wirklich hereingelegt worden. „Es gab außerdem noch zwei Zeugen, die mich angeblich beim Überfall erkannt haben, fügte mein Bruder noch hinzu. „Bud Wolter und Drake Hanson heißen die Kerle, die diesen Meineid geschworen haben. Sie sind Angestellte von Ray Hunter. Die Jury hat diesen Strolchen geglaubt.

„Es sieht wirklich verdammt übel für dich aus, sagte ich leise. „Drei Tage sind eine zu kurze Zeit, um die Bankräuber zu finden, damit sie dich entlasten können. Ich will es aber versuchen, obwohl die Burschen schon viele hundert Meilen weit sein können. Ich nehme doch an, dass die Halunken nicht aus der näheren Umgebung gestammt haben?

„Keiner hat sie gekannt. Mir wurde aber unterstellt, dass ich die Kerle schon früher einmal getroffen habe."

„Meinst du, dass es sinnvoll wäre, mit dem Richter zu sprechen? Jeff schüttelte den Kopf. „Zwecklos, antwortete er. „Außerdem ist der Richter unterwegs, um Gericht in den umliegenden Ortschaften zu halten. Er wird erst in ungefähr acht Tagen wieder zurückkehren."

„Was ist mit diesem Ray Hunter?, fragte ich weiter. „Soll ich ihn mir einmal vornehmen? Wenn es sein muß, prügelte ich die Wahrheit aus dem Dreckskerl heraus. Was hältst du davon? Jeff Collins schüttelte den Kopf. „So weit würde es niemals kommen, sagte er. „Hunter hat mehrere üble Schiesser um sich geschart, die sein Leben schützen. Bill Winter ist nur einer davon. Pass nur gut auf dich auf, damit Hunter den Spieß nicht umdreht und dir ans Leder will. Bestimmt hat Jack Boone längst ausgeplaudert, dass du nach Calaba kommen wirst. Im Grunde gibt es nur eine Möglichkeit, um mir zu helfen. Jeff sprach nicht weiter. Und ich wusste nur zu gut, was er meinte. „Ich soll dich also hier rausholen, sprach ich das aus, was mein Bruder dachte. „Das wird nicht einfach sein. Der Sheriff lauert wie ein Schießhund, und auch dieser Ray Hunter wird alles tun, damit es kein Entkommen für dich geben wird. Ist dir das klar ...?

„Es ist aber meine einzige Chance, flehte mich mein Bruder an. „Bestimmt gelingt es uns gemeinsam, meine Unschuld zu beweisen. Hunter wird Fehler machen. Wenn ich aber erst am Galgen baumle, dann ... Jeff brach erneut ab und ließ sich schwer auf die Pritsche zurückfallen, die unter seinem Gewicht knarrte und quietschte. Wieder sah er mich mit diesem verzweifelten Blick an, der mir durch Mark und Bein ging. „Ich will alles tun, um dir zu helfen, beruhigte ich ihn. „Alles! Vorher sehe ich mich aber einmal um. Wenn ich den Sheriff aber richtig verstanden habe, dann sperrt er mich entweder ein, oder verfrachtete mich in die nächste Postkutsche, damit ich das County verlasse. Ihm ist längst klar, dass ich dich nicht im Stich lassen und alles tun werde, um dir zu helfen. Jeff atmete auf und stiefelte zu den Gitterstäben. „Danke, Bruderherz, sagte er. „Du bist meine letzte Hoffnung, sonst ende ich am Galgen. Und ich schwöre dir noch einmal, dass ich mit dem Banküberfall nichts zu tun habe!

„Ich glaube dir, Jeff, sagte ich. „Du hörst wieder von mir und kannst dich auf mich verlassen. Ich hatte kaum das letzte Wort ausgesprochen, als ich Schritte vernahm, die sich dem Zellentrakt näherten. Sekunden später schwang die Tür zurück und der Gesetzeshüter trat ein. Er sah erst mich und dann meinen Bruder forschend an, ehe sich ein sanftes Lächeln um seine Mundwinkel legte. „Die Sprechzeit ist beendet, erklärte Jack Boone dann. „Komm mit, Collins. Wir haben noch einige Takte miteinander zu reden.

2

Ein Oldtimer mit mächtigem Rauschebart und mit zerknittertem Gesicht erwartete mich im Sheriff’ s Office. Er hielt eine Parker Gun in den Händen, mit deren Läufe er auf mich zielte. „Das ist Old Baily, mein Deputy, sagte Jack Boone. Du solltest ihn nicht unterschätzen. Er ist wohl in der Lage, die Schrotflinte abzudrücken. Ich nickte dem alten Knaben zu und setzte mich, während der Sternträger hinter dem Schreibtisch Platz nahm. Der Sheriff legte die Stiefel auf und sah mich forschend an. „Hat dir dein Bruder sein Leid geklagt? Und bestimmt bist du jetzt davon überzeugt, dass er unschuldig und hundsgemein hereingelegt wurde."

„Jeff hat mir alles erzählt. Nach seiner Schilderung ist es nicht verwunderlich, wenn ich an der Schuld meines Bruders zweifele, antwortete ich. „Außerdem kenne ich ihn von klein auf. Jeff hat noch niemals in seinem Leben auf der anderen Seite des Zaunes gestanden. Das alles ergibt doch keinen Sinn, Sheriff. Warum sollte er eine Bank überfallen, dazu noch im betrunkenen Zustand, und sich dann auch noch erwischen lassen? Nein, da stimmt einiges nicht. Old Baily räusperte sich, und es schien, als wollte er etwas sagen, doch ein verweisender Blick des Sheriffs ließ ihn erst gar nicht zu Wort kommen. „Hast du dich schon entschieden, was du machen willst?, fragte der Gesetzeshüter. „Nein, natürlich wirst du mir das nicht auf die Nase binden, Collins. Ich werde dir aber deine Entscheidung abnehmen.„Da bin ich aber gespannt, murmelte ich und erwiderte Jack Boones Blick sehr gelassen. „In einer Stunde geht eine Postkutsche in Richtung Tucson ab, sagte Boone grinsend. „Es ist eine Sonderkutsche, extra für dich. Wir setzen dich hinein und du darfst erst wieder aussteigen, sobald du das Ziel erreicht hast. Das wird in drei Tagen sein. Bis dahin ist hier alles vorüber. Reg dich erst gar nicht auf. Du brauchst mir auch keinen Vortrag zu halten, dass ich das nicht darf. Ich möchte dich nur vor einer großen Dummheit bewahren. Du hättest auch nicht den Hauch einer Chance, deinen Bruder zu befreien und die Hinrichtung zu verhindern. Das musst du mir glauben."

„Sie haben wirklich kein Recht, mich wie einen Verbrecher abzuschieben, stieß ich mit klirrender Stimme hervor. „Hören Sie, Sheriff, bis jetzt bin ich sehr geduldig gewesen und habe mitgespielt. Das ist nun vorbei. Sie geben mir jetzt meinen Revolver zurück, und danach werde ich das Office als freier Mann verlassen. Ist da klar ...? Aus den Augenwinkeln heraus sah ich, dass der Oldtimer grinste. Leider zielte er nach wie vor mit der Bleispritze auf mich, was mir überhaupt nicht gefiel. Jack Boone hielt plötzlich seinen Colt in der Faust und schüttelte ernst den Kopf. „Tut mir leid, Collins. ich verhafte dich wegen des Verdachts, dass du einen zum Tode Verurteilten befreien willst. Ich lasse dich nach Tucson überstellen. Dort wird sich dann klären, was mit dir geschieht. Und solltest du dich wehren, dann endet' s verdammt übel für dich! Ich stand auf und schüttelte den Kopf. „Nicht mit mir, Sheriff!, stieß ich entschlossen hervor. „Da spiele ich nicht mehr mit. Das ist ja lächerlich, was Sie da von sich gegeben haben. Good bye, Gentlemen. Jack Boone und Old Baily starrten mich aus großen Augen an, als ich auf die Tür zustiefelte, um das Office zu verlassen. Der Oldtimer sprang auf und rammte mir die Parker Gun gegen den Bauch. Der Gesetzeshüter wieselte heran und drückte mir den Revolverlauf hart in die Seite. Ich spürte seinen heißen Atem im Nacken. „Dann drückt schon ab!, knurrte ich. Los, vorwärts. Hier in dieser miesen Stadt scheint doch alles möglich zu sein. Bestimmt findet ihr einen Unschuldigen, dem ihr später den Mord in die Schuhe schieben könnt, so wie ihr es bei meinem Bruder getan habt! Ich lief weiter, nachdem ich den Lauf der Schrotflinte mit der Hand zur Seite geschoben hatte. Der Oldtimer ächzte und starrte mich an, als hätte er einen Verrückten vor sich. „Verdammt noch mal, bleib stehen!, keuchte Jack Boone hinter mir. „Glaubst du vielleicht, dass ich scherze!" Ich antwortete nicht, sondern marschierte entschlossen weiter. Old Baily sprang aufschreiend zur Seite, denn ich hatte ihm auf den Fuß getreten.

„Zum Henker!, brüllte der Sternschlepper. „Bleib stehen, oder ich knalle dich wie einen Hasen ab!" Er würde nicht schießen. Das war mir klar. Und ich dachte auch nicht daran, herumzuwirbeln und ihm den Colt zur Seite zu schlagen. Ich griff auch nicht nach der Schrotflinte, deren Läufe Old Baily auf den Boden gerichtet hatte. Nein, ich wollte den beiden Gesetzesleuten keine Handhabe gegen mich geben. Und doch machte ich die Rechnung ohne Jack Boone. Er zog mir den Revolverlauf über den Stetson. In meinem Schädel schien etwas zu explodieren. Ich sah einen Funkenregen vor meinen Augen, und ein greller Schmerz löschte mein Bewusstsein aus. Ich hatte das Gefühl in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen, aus dem es kein Entrinnen mehr gebe konnte.

3

Mein Erwachen war alles andere als erfreulich. In meinem Nacken musste ein Gnom hocken, der mir mit schöner Regelmäßigkeit einen Schmiedehammer gegen den Schädel wuchtete. Und im Kopf schien einiges durcheinander zu sein. Ich wollte hoch greifen, merkte aber schnell, dass meine Gelenke mit Handschellen versehen waren. Nachdem ich mehrmals tief durchgeatmet hatte, beruhigte sich mein Magen ein wenig, in dem es mächtig rumorte. Ich öffnete endlich die Augen und starrte in die grinsenden Gesichter von Old Baily und Jack Boone, die vor mir standen. „Er hat den Schlag überlebt, krächzte der Oldtimer. „Es ist nicht zu fassen. So ein verrückter Typ ist mir noch nicht begegnet.

„Er hat uns ganz einfach nicht für voll genommen, knurrte der Sheriff übel gelaunt. „Bestimmt glaubt er immer noch, dass dies alles nur ein einziger Spaß ist. Hoffentlich kapiert er jetzt endlich, wie ernst wir es meinen. Ich unterdrückte ein Stöhnen und stieß dafür einen schaurigen Fluch aus, der dem Oldman ein anerkennendes Grinsen abrang. Dann stand ich von dem alten Sofa auf, auf das mich die Gesetzeshüter gelegt hatten. Die Kette zwischen den stählernen Armreifen klirrte dabei misstönend. Jack Boone griff nach der Parker Gun und schwang sie in die Höhe. „Wenn du auch nur falsch mit den Wimpern klimperst, kriegst du noch eine Kopfnuss!, stieß er zornig hervor. „Nimm endlich Vernunft an, sonst geht' s dir gleich noch verdammt dreckiger.

„Schließ schon die Handschellen auf, Sheriff, ächzte ich. „Du solltest das Spielchen nicht übertreiben und endlich Vernunft annehmen. Ich ...

„Schnauze!, unterbrach er mich. „Das geschieht alles in deinem Interesse, wenn du’s auch im Moment nicht einsehen willst. Es wäre Wahnsinn, deinen Bruder zu befreien. Nicht einmal du würdest das schaffen, obwohl dein Name schon zur Legende geworden ist und die tollsten Heldentaten an den Lagerfeuern und in den Saloons über dich erzählt werden.

„Richtig, sagte ich. „Und aus diesem Grund lege ich jetzt erst richtig los. Bis jetzt habe ich mich sehr zurückgehalten. Jack Boone stierte mich an, als hätte er keines meiner Worte kapiert. Der Oldtimer schnappte nach Luft und ahnte wohl, dass es mit meiner Geduld nun zu Ende war. So war es auch! Ich trat dem Sheriff die Schrotflinte aus den Händen und setzte ihn dann mit einem weiteren Fußtritt außer Gefecht. Er sackte aufstöhnend zusammen und hörte bestimmt die Englein im Himmel singen. Old Baily lief fluchend davon und entging so meinen Fäusten. Er rannte zum Schreibtisch, um sich dort den Revolver des Sheriffs zu holen. Bestimmt hätte ich ihn daran gehindert, auf mich zu schießen, wenn nicht in diesem Augenblick die Tür zum Zellentrakt aufgegangen wäre. Ein noch reichlich junger Mann tauchte auf, der einen Stern auf der Weste trug und einer von Jack Boones Gehilfen sein musste. Jetzt blieb mir nichts anderen übrig, als abzuhauen, ehe der Deputy ein Preisschießen auf mich veranstalten würde. Ich stürmte zum Office hinaus, rannte einen Mann über den Haufen, der den Sidewalk hinunterstürzte und wohl gar nicht wusste, was mit ihm geschehen war, erreichte mein Pferd, zog mich in den Sattel und ritt los. Einige Bürger von Calaba waren stehengeblieben und starrten mir wie ein Gespenst hinterher. Ich drehte den Kopf und erkannte Old Baily, der ebenfalls das Office verlassen hatte und wie wild mit beiden Händen gestikulierte. Kurze Zeit später lag die kleine Town hinter mir. Die Sonne schien in einem Feuermeer hinter einem Gipfel der Asooso Mountain unterzugehen, und die Schatten der Nacht krochen rasch näher. Ich hatte höchstens eine Meile zurückgelegt, als die Nacht übergangslos hereinbrach, wie es in diesen Breiten nun einmal üblich ist. Ich zügelte meinen Rapphengst und blickte auf meine Fährte zurück. Verfolger waren keine zu entdecken, doch mir war klar, dass Jack Boone schon bald mit einem Aufgebot hinter mir hersausen würde. Das konnte mir nur recht sein, denn dann würde das Gefängnis nicht so stark bewacht werden. Und ich nahm mir in diesen Sekunden vor, meinen Bruder noch heute Nacht aus dem Jail zu befreien. Es gab keine andere Lösung. Das Urteil gegen Jeff war rechtskräftig. Auf ein Wunder zu hoffen, würde nichts einbringen. In drei Tagen würde ihm der Henker die Schlinge um den Hals legen und ihn vom Leben zum Tod befördern. Ich starrte düster auf die Handschellen um meine Gelenke und überlegte, wie ich die Dinger loswerden konnte. Ich wusste aber aus Erfahrung, dass ich mir entweder den Schlüssel besorgen musste, oder fremde Hilfe brauchte, um diese verdammten Dinger loszuwerden. Ich ritt weiter und hoffte, eine Farm oder Ranch zu finden. Dort würde ich vielleicht Hilfe erhalten. Außerdem brauchte ich einen Revolver. Meine Waffe hatte der Sheriff noch immer in Verwahrung.

Bereits nach hundert Meter tauchte vor mir ein Reiter hinter einem Dickicht auf und hielt auf mich zu. Ich wollte schon mein Pferd antreiben, als ich die langen blonden Haare erkannte, die unter dem flachkronigen Stetson hervorspitzten. Silbernes Mondlicht fiel auf ein schmales Gesicht, das von bestimmt blickenden Augen und einem lockenden Mund beherrscht wurde. Das stellte ich fest, als ich den Rappen zwei Pferdelängen vor dem Girl zügelte. „Bist du Percy Collins, Jeffs Bruder?, fragte sie mich und blickte dann doch leicht irritiert auf meine Handschellen. Ich nickte der blonden Schönen zu. „Richtig erraten, antwortete ich. „Und ich denke, dass du Susan, die Verlobte meines Bruders bist. Sie schüttelte den Kopf, dass die langen Haare nur so wippten. „Diana ist mein Name, sagte sie. „Ich bin Susans Schwester. Dich habe ich in der Stadt gesehen. Da du Jeff sehr ähnelst, wusste ich sofort wer du bist. Ich nahm an, dass du zu unserer Ranch reiten würdest, und habe hier auf dich gewartet. Was ist geschehen ...?"

„Das erkläre ich dir später, winkte ich ab. Ich muss zuerst die Handschellen loswerden und hoffe, dass du mir dabei helfen kannst. Diana Carrington zuckte ein wenig hilflos mit den Schultern. „Nicht weit von hier ist die Farm der Sutters. Es sind Freunde meiner Familie. Ich denke, dass sie dir helfen werden. Ich drehte den Kopf und blickte in die Richtung aus der ich gekommen war. Noch immer waren keine Verfolger zu sehen. Das blondhaarige Girl ritt los, und ich folgte. Eine halbe Stunde später tauchten einige Gebäude vor uns auf, die von Bäumen und Büschen umsäumt wurden. Ein Schäferhund rannte uns bellend entgegen und jagte dann wieder davon. Zwei Männer und eine Frau traten aus einem Blockhaus und blickten uns misstrauisch entgegen. Ein schon älterer Mann hielt eine Winchester in den Händen, deren Lauf er erst senkte, als er Diana erkannte. „Das ist Percy, Jeffs Bruder, erklärte die junge Frau. „Ihr müsst ihm helfen die Handschellen loszuwerden. Ich bitte euch darum. Die beiden Männer und die Frau musterten mich forschend. Dann nickte der Farmer und deutete zu einem Holzstapel hinüber. „Ich denke, dass ich die Kette mit der Axt durchschlagen kann, sagte er. „Hat dir der Sheriff die Dinger verpasst?

„Das hat er, weil er annimmt, dass ich meinen Bruder befreien möchte. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Sam Sutter sah mich ernst an, „Ich möchte nicht, dass meine Familie und ich Unannehmlichkeiten bekommen, murmelte er. „Ich helfe dir, Mister. Du solltest das aber ganz schnell vergessen. Hast du mich verstanden?" Ich nickte ihm zu, kniete mich vor einem Hackklotz nieder und legte die gefesselten Hände darauf. Dann spannte ich die Kette zwischen den Handschellen an und lehnte mich zurück. Der Farmer packte ein gewaltiges Beil und schwang es in die Höhe. Ich starrte auf den nicht allzu großen Zwischenraum, der meine Hände trennte. Sollte Sam Sutter nicht voller Präzision treffen, dann sah es übel für mich aus.

4

Nicht nur ich hielt den Atem an. Dann schlug der Farmer zu. Die Axt sauste nieder und durchtrennte die Kette zwischen den Handschellen. Es gab einen mächtigen Ruck. Ich fiel zurück und blieb einige Sekunden auf dem Hosenboden sitzen, ehe ich ächzend aufstand. Der Farmer sah mich zufrieden grinsend an und ahnte wohl, dass ich mich in den vergangenen Sekunden alles andere als wohl gefühlt hatte. „Danke, Sutter, krächzte ich. „Das werde ich dir nie vergessen. Diana und ich werden sofort wieder verschwinden. Sollte der Sheriff mit einem Aufgebot erscheinen, dann erklärt ihr, dass ihr mich zum Teufel gejagt habt. Sam Sutter nickte mir und meiner reizenden Begleiterin zu. „Viel Glück, sagte er. „Das wirst du gebrauchen können. Ich habe Jeff immer gemocht und kann mir nicht vorstellen, dass er zu den Bankräubern gehört, obwohl alles gegen ihn spricht. Aus diesem Grund habe ich dir auch geholfen.

Der Farmer wandte sich nach diesen Worten um, trat zu Frau und Sohn und lief mit ihnen zum Blockhaus hinüber, in dem sie verschwanden. Ich aber schwang mich auf den Rücken meines Rappen und folgte Diana, die bereits losgeritten war. Bald ritten wir Seite an Seite. Von den Verfolgern war noch immer nichts zu sehen. „Geht's dir jetzt besser?, fragte Diana lächelnd. „Was hast du jetzt vor? Willst du Jeff wirklich befreien, um ihn vor dem Strick zu retten? Susan und ich würden uns sehr freuen. Wir hatten so sehr darauf gehofft, dass du rechtzeitig auftauchen würdest und wussten von dem Brief, den dir Jeff geschrieben hatte. Die Armreife störten mich zwar immer noch, doch ich konnte jetzt wenigstens die Hände frei bewegen. Ich tastete zum Holster und verwünschte mich selbst. Warum hatte ich den Farmer nicht um einen Revolver gebeten? Bestimmt hätte er mir eine Waffe überlassen. Diana hatte die Bewegung gesehen, öffnete eine Satteltasche und griff hinein. Sie zog einen Colt hervor, den sie mir lächelnd reichte. „Den habe ich stets für alle Fälle dabei, falls ich einmal von Wölfen oder einer Klapperschlange angegriffen werden sollte. Der geladene Revolver lag gut in meiner Hand. Ich schob ihn ins Leder und

fühlte mich nun bedeutend wohler. Kurze Zeit später zügelte ich den Rappen im tiefen Schatten eines Cottonwoods und sah auf unsere Fährten zurück. Auf einer Bodenwelle zeichneten sich plötzlich die Silhouetten von über einem Dutzend Reiter ab, die aber schnell wieder verschwanden. Es gab aber keine Zweifel, dass es Jack Boone mit dem Aufgebot war, der den Hufspuren unserer Vierbeiner folgte. Der Aufenthalt auf Sutters Farm hatte uns doch einiges an Zeit gekostet. Auch Diana Carrington waren die Verfolger nicht entgangen. Sie sah mich forschend an und wollte von mir wissen, was ich nun unternehmen würde. „Du reitest weiter, Diana, während ich mich irgendwo verstecke und dann zur Stadt zurückkehren werde. Dann will ich alles tun, um Jeff zu befreien. Lass dir etwas einfallen, falls du von dem Aufgebot eingeholt werden solltest. Diana nickte mir zu. „Sag’ deinem Bruder, dass wir uns am Teufelsfelsen treffen werden. Susan und ich bringen euch Proviant und die nötigen Ausrüstungsgegenstände dorthin. Keine Sorge, wir werden sehr vorsichtig sein. Dir drücke ich die Daumen und wünsche dir alles Glück dieser Welt. Diana ritt los und verschwand bald hinter einigen Felsschroffen, die den Weg säumten. Ich ritt ebenfalls noch einige Yards, sprang aus dem Sattel und führte den Rappen hinter einer Ansammlung von Felsen, die von Dornenbüschen, verkrüppelten Kiefern und Kakteen umgeben wurden. Ich hoffte, dass die Verfolger vorbeireiten würden, ohne mich zu entdecken. Der Boden war an dieser Stelle sehr hart und steinig. Ich sah mich um und erkannte eine Lücke zwischen den Felsen, die mir als Fluchtweg blieb, sollte ich wirklich von Jack Boone oder einem seiner Leute entdeckt werden. Es dauerte auch nicht lange dann vernahm ich takenden Hufschlag, der rasch lauter wurde. Pferde wieherten, und Sättel knarrten. Die ersten Reiter waren zu sehen, die sich schnell meinem Versteck näherten. Es hatte ganz den Anschein, als wären Diana und ich vom Sheriff gesehen worden. Und nun setzten die Verfolger alles daran, um aufzuholen. Das konnte mir recht sein. Jack Boone ritt an der Spitze des Reitertrupps, der an meinem Versteck vorbeijagte. Keiner der Männer sah zur Seite. Die Verfolger verschwanden schnell in der Ferne. Ich wartete geduldig noch einige Minuten, doch es ließ sich kein Nachzügler blicken. Dann kletterte ich in den Sattel und ritt in die Richtung davon, aus der das Aufgebot gekommen war.

Feiner Staub lag noch in der Luft. Als ich die Bodenwelle erreichte, hielt ich Ausschau nach den Verfolgern, doch ich konnte sie nicht mehr

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